Liebe Freunde des OSM,
im letzten Teil dieser Artikelreihe ließ ich euch nägelkauend an einem sehr prekären Punkt der Serienhandlung zurück. Das Reich der All-Hüter erklärt offensichtlich dem terranischen Sternenreich, das ohnehin durch die massive Drohung aus dem All schon sehr unter Druck geraten ist, den Krieg. So sieht es jedenfalls aus. Aber die Dinge entwickeln sich an verschiedensten Schauplätzen der Serie sehr disparat weiter und spitzen sich immer mehr zu. Dazu kommen wir heute, wenn ich euch die Kurzdarstellungen der Episoden 36-40 der Serie liefere.
Am besten wird es sein, wenn ich zuvor noch kurz eine Bemerkung allgemeiner Natur vorausschicke. Sie scheint mir angebracht, nachdem ich mir die Episoden noch mal durchgelesen habe, die durch massive Kommentierung im Digitalisat auffallen: Speziell in diesen fünf Episoden ist deutlich zu erkennen, dass ich mich hier beim Schreibprozess anno 1984 von vielfältigen externen Impulsen beeinflussen ließ. Außerdem schrieb ich diese Episoden recht schnell, was die innere Kohärenz deutlich störte. Es kommt also vermehrt zu Gedankensprüngen und kurzschlüssigen Argumentationen, die ich hier nicht im Einzelnen darlegen möchte. Vielfach zu beobachten ist auch eine hypertrophe Zahleninflation, was sowohl Personenzahlen als auch Raumschiffskontingente und sonstige gigantomanische Effekte angeht.
Daraus resultiert beizeiten ohne Frage in der Ausarbeitung der Serie eine sehr weitgehende Umschreibung der Texte. Sehr vieles von dem, was ich im Folgenden umreiße, wird darum keinen dauerhaften Bestand im ausgearbeiteten OSM haben. Aber damit ihr einen Eindruck erhaltet, was das im Detail bedeutet, stelle ich das in Maßen hier dar.
Eröffnen wir den chaotischen Reigen also:
Episode 36: Die Veränderten
(1984, digitalisiert 2008)
Handlungsschauplatz: Syl-System
Als die geheimnisvollen, erbarmungslosen All-Hüter die Menschheit bedroht haben, dass ihr Ende gekommen sei, wenn sie ein Gefecht zwischen den Sternen führen würden, war die irdische Regierung alarmiert. Dann begann eine Menschenkolonie nach der nächsten um Hilfe zu funken und verstummte schließlich.
Seither herrscht auf der Erde Krisenstimmung. Sämtliche Schiffe, die zu den verstummten Kolonien auf den Weg geschickt wurden, sind ebenfalls verschollen. Ob vernichtet, gekapert oder ein anderes Schicksal sie getroffen hat – niemand weiß es.
Jedenfalls gilt das für die Erde.
Aber auf der Gegenseite, zu der nun geblendet wird, sieht das völlig anders aus. Einen kleinen Vorgeschmack, dass hier nicht radikale Vernichter ihre Ziele verfolgen, konntet ihr schon in den dargestellten Episoden 27 und 28 sehen. Hier sah es eher danach aus, als würden die Stützpunkte zwar demontiert, die Menschen aber einem hypnotischen Bann unterworfen und entführt.
Die Spur der Entführten – auch von anderen Kolonialwelten, die zwischenzeitlich verstummt sind – führt zum Syl-System. 184 Lichtjahre vom All-Hüter-System der Gelon-Zentrale 31-Y entfernt existiert ein Sonnensystem mit sieben Planeten, in dem die All-Hüter die bewohnbaren Planeten 5 und 6 auf erstaunliche Weise mit umfassender Infrastruktur und Siedlungen ausstatten. Hier werden Millionen von humanoiden Kolonisten angesiedelt – die ehemaligen Kolonialterraner. Aber sie werden einer grundlegenden Psychokonditionierung unterworfen, und ihnen wird nun durch die All-Hüter eine neue Identität aufgeprägt. Die „veränderten“ Kolonialterraner sind nun Sylons, humanoide Angehörige eines neuen Siedlervolkes, das keine Erinnerung mehr an die Erde hat. Stattdessen betrachten sie die robotischen All-Hüter als Wohltäter und bilden alsbald das neue organisatorische Rückgrat für die Streitkräfte der All-Hüter.
Der Grund wird nur diffus klar – es ist weniger Fürsorge gegenüber den „umerzogenen“ Terranern, sondern sehr viel mehr Notwendigkeit. Denn die All-Hüter bekämpfen am Rand der Milchstraße, weitab von allen anderen Handlungsschauplätzen der Serie, eine gnadenlose Invasion, die begonnen hat: Aus dem Leerraum ist eine monströse Spezies auf dem unerbittlichen Vormarsch, die Micaroii, die vereinzelt in der Serie schon auftauchten. Und noch schlimmeres Verderben nähert sich der Milchstraße. Für die All-Hüter Grund, so schnell wie möglich die Konflikte innerhalb der Galaxis zu ersticken.
Leider geht diese Rechnung so gar nicht auf …
Episode 37: Lokalisationspunkt Blau 3/84
(1984, digitalisiert 2009)
Handlungsort: MOLOCH-System, mehrere tausend Lichtjahre von Terra entfernt.
Um dem Ursprung eines Funkimpulses nachzugehen, der eine Vermittlung mit der drohenden Macht der All-Hüter ermöglichen soll, wurde im August 2092 das modernste Schiff der terranischen Flotte, die ORPHEUS, unter dem Kommando von Colonel Hyde Relczek, entsandt. Noch im August 2092 erreicht das Schiff das Zielsystem, weit jenseits des von Menschen explorierten galaktischen Raumes. Eine paradiesische Welt lädt zur Landung ein und ist scheinbar völlig unberührt.
Doch der Schein trügt.
Unter der Oberfläche und unter massiven Tarnschirmen verborgen versteckt sich die Gruum-Station der All-Hüter und wahrt ihre Geheimnisse. Die Landung der ORPHEUS bleibt natürlich nicht unentdeckt.
Da die ORPHEUS-Crew auf dem Weg hierher unabsichtlich in ein Gefecht zwischen den Sternen verwickelt wurde, steht das Verdikt der All-Hüter schon von vornherein fest: Es wird keine Verhandlungen geben.
Während die ORPHEUS-Besatzung noch Erkundungsgänge in der Umgebung durchführt, aktivieren die Roboter eine heimtückische Waffe, das so genannte „blasse Netz“, das aus den Zellen lebender Wesen jedwede Flüssigkeit im Rekordtempo dahinschwinden lässt.
Ehe Relczek und seine 250 Gefährten überhaupt begreifen, wie ihnen geschieht, dörren sie völlig aus und entkräften, bis sie dahinsiechen.
Die paradiesische Welt unter der gierigen Sonne MOLOCH scheint idyllisch zu sein, aber in Wahrheit lauert hier auf dem Planeten der Tod, der gnadenlose Ernte unter der Besatzung hält. Die Mission der ORPHEUS scheitert auf stille, doch grauenhafte Weise …
Episode 38: Im Parasturm
(1984, digitalisiert 2009)
Blende zum Planeten Zolog und Commander Terry Jones:
Die TERAB-Agenten um Commander Terry Jones und die wenigen überlebenden Weelon-Agenten unter dem Kommando von Raskorw haben die Halle der Rätsel erreicht und sind von ihrer Strahlenkrankheit geheilt worden. Nun gehen sie daran, die rätselhafte unterirdische Maschinenwelt zu erforschen, die sich ihnen darbietet. Dabei stoßen sie auf eine gleißende Projektionskarte der heimatlichen Galaxis, die weit über ihnen schwebt.
Jones will sich das Phänomen aus der Nähe ansehen und nutzt einen der „Ghosts“, um in die Projektion einzufliegen. Dabei löst er allerdings einen verheerenden Effekt aus: Die Projektion entwickelt sich zum parapsychischen Strahlungsherd und stürzt die anderen Gefährten in wahnhafte Zustände.
Erst als der Hyperphysiker Herbert Ronalow in einem zweiten „Ghost“ die Projektoren der Galaxisdarstellung zerstört, endet der Wahnsinn – aber Terry Jones ist spurlos verschwunden!
Kurz zuvor hat man ihn aus der Projektion heraus entführt – in die Kommandozentrale eines Rontat-Schiffes. Hier kam der Commander gerade noch solange wieder zu klarem Verstand, um den leibhaftigen Rontat zu sehen, der ihn hierher geholt hatte. Ein Rontat, der sich den Tod wünschte und der Jones eine Waffe dafür in die Hand gedrückt hatte – und dieser Wunsch wird ihm umgehend erfüllt, weil der Anblick eines Rontat ebenfalls von der Art ist, dass man dabei leicht den Verstand verlieren kann.
Auf diese Weise gelangen Terry Jones und seine Gefährten in den Besitz eines bizarren Kastenraumers der Rontat. Ein Schiff, das sie alsbald STAR nennen werden und das für die Serie noch sehr wichtig werden wird.
Was sie in diesem Moment noch nicht wissen: Das Bordgehirn des Schiffes, der SELAG, wartet nur darauf, dass sie einen Fehler machen und sich als unwürdige Erben erweisen.
Dann wird er gegen sie losschlagen …
Episode 39: STERNENWISCHER
(1984, digitalisiert 2009)
Schauplatz: Deneb IV.
Wie erinnerlich ist die irdische Kolonie im Deneb-System durch verheerende Experimente mit Restat komplett zur Strahlenwüste mutiert, und kürzlich ist im nahen Orbit um den Planeten eine Vielvölker-Streitmacht von Alienschiffen durch die All-Hüter vernichtet worden. Man sollte also meinen, allein der Tod regiere nun hier, und als Handlungsschauplatz sei diese Welt völlig uninteressant geworden.
Das Gegenteil ist der Fall.
Auf dieser verwüsteten Welt entwickelt sich ein rätselhaftes, staubförmiges Leben, das von hier aus immer schneller in den Weltraum ausgreift, als wäre das ein völlig natürliches Manöver zur Ausweitung des eigenen Lebensraumes … und ganz genau so verhält es sich auch.
Auf einer anderen Ebene dieser Episode wird das Kontingent der Onawer-Kegelschiffe beleuchtet, das die letzten Überlebenden des Terra-Schiffes KRETA – ursprünglich fehltransistiert ins System LETZTE ZUFLUCHT – von einer Trainingswelt der All-Hüter entführt hat. Die Onawer halten die Raumfahrer bekanntlich für Weelon und nehmen an, die Erde sei deren neues Zentrum und mithin ein strategisches Ziel, das sie ansteuern … doch noch rund 100 Lichtjahre von der Erde entfernt treffen sie auf ein bizarres Phänomen. Ihre Schiffe werden wie aus dem Nichts auf einmal von Staub geflutet … und wer da jetzt an das verrückte Schicksal des Kreuzers ARES im Deneb-System denkt, ist genau auf der richtigen Fährte.
Das HENN, die einstmalige ultimate Waffe, nach der schon die Hekaroner suchten (vgl. dazu die Bde. 14/15 der Serie), ist wieder in Erscheinung getreten. Es entwickelt sich zu einem stellaren Phänomen und beginnt damit, Raumschiffe zu verschlingen … erst Raumschiffe, dann Sonnen und ganze Sonnensysteme.
Ein Alien prägt dafür den panischen Begriff „Sternenwischer“ und glaubt an ein tödliches Phänomen.
Doch werden alle überrascht.
Während die All-Hüter die meisten ihrer Truppen schnellstens in Inaktivitätsmodus versetzen, um für das HENN keine Angriffsfläche zu bieten, werden immer mehr bewohnte Sonnensysteme von Alienvölkern verschluckt … und sie finden sich dann unerwartet in einer dimensionalen Enklave wieder, wie eine Schar eingesammelter Murmeln.
Der so genannte Fünferraum ist vom HENN erschaffen worden, um intelligente Lebensformen vor dem vernichtenden Furor der All-Hüter in Sicherheit zu bringen. Hier offenbart sich das HENN zusammen mit seiner Lenkintelligenz, dem Ctaran, und dem angeschlossenen terranischen Bewusstsein des gestorbenen Fremdrassenpsychologen der ARES, Camber Ronwell, den Eingeschlossenen.
Das HENN will hier eine neue Vielvölkergemeinschaft kreieren, die so genannte HENN-Union, um einen stabilen Gegenpol gegen die Macht der All-Hüter zu stabilisieren.
Heutzutage bin ich mir aufgrund der Darstellungen dieser Entität ziemlich klar darüber, dass das HENN einen engen Konnex mit dem dritten der SIEBEN SIEGEL VON TOTAM besitzen muss, dem so genannten „Staubgrab“.
Eine höchst seltsame neue Allianz formiert sich nun, der auch Terraner, Weelon und versprengte Hekaroner angehören.
Episode 40: Kampfplatz QUANTAGORN
(1984, digitalisiert 2009)
Fortsetzung von Band 39.
Handlungsschauplätze: Fünferraum, QUANTAGORN, ULTRASAV-STATION.
Als die Repräsentanten der HENN-Union einen starken Sender ausmachen, der den Spruch „Whog julhy Rontat!“ in die Galaxis hinausschickt, registrieren sie zugleich eine sich dort ballende Streitmacht der All-Hüter. Schnell wird deutlich, was passiert ist: das QUANTAGORN, die gigantische, aus zusammengeschweißten Raumschiffswracks bestehende Raumstation, die von dort festsitzenden Raumfahrern bemannt wird, hat durch die Schaffung des Fünferraums den schützenden Staubmantel des HENN verloren und ist nun angreifbar geworden. Die All-Hüter streben die Zerstörung der Raumstation an – dies können die unter dem Schirm des HENN versammelten Raumfahrtnationen nicht dulden und entschließen sich dazu, den Kampf um die Raumstation zu beginnen, um die dort Eingeschlossenen zu retten.
Folgerichtig entbrennt im Raumsektor um das QUANTAGORN kurze Zeit später eine verheerende Raumschlacht.
Derweil hadert der terranische Geologe und Helfer des Lichts Ransom McCollum, der auf der ULTRASAV-STATION ausharrt, mit dem Schicksal und kämpft gegen einen Konditionierungsimpuls in seiner Seele an, den die All-Hüter ihm auf PHANTOM eingepflanzt haben.
Er soll die ULTRASAV-STATION zu einem Supersender machen, um das Signal „Whog julhy Rontat!“ in die Galaxis hinauszuschicken. Doch im Gegensatz zu den Angehörigen der HENN-Union ist ihm klar, was das zur Folge hat: Jeder Sender, der dies ausstrahlt, wird zum strategischen Vernichtungsziel der All-Hüter erklärt!
Da er natürlich auch die Raumschlacht um das QUANTAGORN anmessen kann, entschließt er sich dazu, Fernwaffensysteme der ULTRASAV-STATION einzusetzen, um als Zünglein an der Waage zu fungieren … doch als diese Waffe, die als „Gezeitenwandler“ bezeichnet wird, tatsächlich einsetzt, erkennt er dank seines Helferwissens, dass es sich um eine monströse Entropiewaffe aus KONFLIKT 2, dem Troohn-Universum, handelt. Er versucht verzweifelt, die Anwendung rückgängig zu machen, doch ist es zu spät.
Die Waffe löscht sowohl das QUANTAGORN als auch alle versammelten Schiffseinheiten und Besatzungen dort aus … und dann kehrt der Tod zurück zur ULTRASAV-STATION und vernichtet auch sie.
Und an beiden stellaren Brennpunkten beginnt wenig später der Weltraum zu brennen und zu zerfallen. Die Entropie ätzt sich in die Raumzeit ein und führt nach und nach zu ihrem Zerfall … und was das bedeutet, sollte euch ja aus den KONFLIKTEN 15 „Oki Stanwer“ und 16 „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ klar sein.
Furchtbare Dinge kündigen sich an, und ohne übertreiben zu wollen: Es wird erst noch deutlich schlimmer, ehe es wieder in Maßen besser wird. Davon berichte ich in fünf Wochen.
In der kommenden Woche reisen wir für die Darstellung des 17. Langzeitprojekts wirklich weit zurück und schauen uns KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ näher an.
Bis dann, mit
Oki Stanwers Gruß,
euer Uwe.