Rezensions-Blog 445: Die Welten des Magnus Ridolph

Posted Februar 28th, 2024 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

das Weltall ist ein wunderlicher Ort, und Autoren, die sich dort schreibend bewegen, ersinnen die bizarrsten Szenarien, die man sich nur vorstellen kann. Einer der Literaten, die dies bis in kleinste Verästlungen beherrschten und deren Werke sogar bis­weilen bei guten Übersetzungen mit Fußnoten (!) kommentiert werden, in denen man faszinierend Wissenswertes an Mehrwert über die geschilderten Welten, Spezies und sozialen Bräuche er­fährt, war der Amerikaner Jack Vance. Ich merkte das auf wun­derbare Weise, als ich anno 2019 dieses alte Werk aus meinen Regalen hervorzog und entschied, es umgehend auf den Lese­plan zu setzen.

Eine sehr gute Idee, bisweilen geradezu so grotesk komisch, dass ich hell herausprustete, wenn ich die Pointen der Geschich­ten entdeckte. Der trockene Humor und die bodenständige, bis­weilen fast boshafte Hintersinnigkeit, mit der Magnus Ridolph für ausgleichende Gerechtigkeit sorgt, ist in der Tat, wie ich in der Rezension damals schrieb, ein Charakteristikum, das die Ge­schichten auch nach so langer Zeit immer noch höchst lesens­wert macht.

Ihr kennt Magnus Ridolph noch nicht? Na, Freunde, dann wird es aber wirklich allerhöchste Zeit, dass wir das mal ändern! Also, Vorhang auf für eine Persönlichkeit, die euch lange im Gedächt­nis bleiben wird, mein Wort darauf:

Die Welten des Magnus Ridolph

(OT: The Many Worlds Of Magnus Ridolph)

von Jack Vance

Heyne 4053

256 Seiten, TB (1984)

Aus dem Amerikanischen von Lore Strassl

ISBN 3-453-30996-0

Manchmal muss man gar nicht so weit blicken und graben, um auf Gold zu stoßen, sondern man hat es geradewegs vor Augen – so erging es mir mit diesem Buch, das ich im September 1988 erwarb und dann die nächsten gut 30 Jahre ungelesen von ei­nem Regal ins nächste schob und mir sagte: Irgendwann, Jack, wird schon die Gelegenheit kommen, mich um dieses Werk zu kümmern. Vermutlich wurde ich durch die schlichte Tatsache von dem Lesevergnügen abgehalten, dass ich Magnus Ridolph nicht kannte. Andernfalls hätte ich das Buch sicherlich noch im gleichen Monat des Kaufes verschlungen.

Nun, das Schöne an Büchern ist, dass sie, zumal dann, wenn es sich bei ihnen um ausgesprochen zeitlose Werke handelt, weni­ger stark altern als die Leser, und dass das Lesevergnügen al­lerhöchstens dann verblasst, wenn die Inhalte von der Ge­schichte überholt werden (etwas, was mir bei älteren Sachbü­chern und Zeitschriftenartikel häufiger widerfährt). Magnus Ri­dolph als Figur gehört aber zu jener Form von nachgerade ar­chetypischen Charakteren mit einem ausgeprägten Eigenleben, dass ein Veralten der Geschichten quasi unmöglich ist. Wir ha­ben es hier ja auch nicht mit einem solchen Kontext zu tun wie bei Sherlock Holmes, der ewig in dem Zeitfenster zwischen 1870 und 1930 verharren wird, das an sich wenige Veränderun­gen zulässt.

Magnus Ridolph ist ein Mann der weit entfernten Zukunft, und seine Spielwiese ist ein von vielfältigen Alienkulturen bevölker­tes Sternenreich der Menschheit in der ferneren Zukunft (das er nie genau zeitlich einordnet, und daran tut er gut!). Genau ge­nommen ist Magnus Ridolph, der stämmige Mann mit dem ope­rettenhaften weißen Spitzbart, jemand, den man leicht unter­schätzt und den übel gesonnene Zeitgenossen gern übervortei­len und in wirtschaftliche Probleme stürzen wollen. Dummerwei­se weiß sich dieser Mann zu wehren, denn er ist nicht umsonst einer der besten Detektive der Galaxis – und zudem jemand, der dann auf recht unorthodoxe Weise seine Fälle löst und in der Regel auch für ausgleichende Gerechtigkeit sorgt.

Dieser Band enthält die gesammelten 8 Geschichten um Magnus Ridolph, die Vance zwischen 1966 und 1980 verfasste, und ich zögere nicht zu gestehen, dass ich in den meisten aus dem vergnügten Kichern nicht mehr herauskam. Zum einen enthal­ten die Geschichten üblicherweise recht vertrackte logische Pro­bleme oder kriminalistische Problemfälle, die auf den ersten Blick schwer bis nicht lösbar erscheinen. Zum anderen wimmeln sie von bizarren Welten und noch weitaus exotischeren Alienwe­sen, fremden Kulturen und eigentümlichen Bräuchen. Ob es da­bei um Müllbeseitiger, fromme Mörder, intelligente Sardinen oder noch seltsamere Dinge geht.

Werfen wir am besten mal einen Blick in die hier gesammelten Fallstudien:

Die Kokodkrieger“ ist die mit Abstand längste Novelle des Ban­des. Magnus Ridolph, von zwei Geschäftspartnern übervorteilt und geprellt, ist ziemlich abgebrannt, als ihn Martha Chickering, die Schriftführerin der Frauenvereinigung zur Erhaltung von Sit­te und Ordnung aufsucht und ihm den Auftrag erteilt, dem Ko­kod-Syndikat das Handwerk zu legen. Es handelt sich dabei um eine Vereinigung auf dem Planeten Kokod, die mit Wetten auf kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den dort behei­mateten Stämmen Gewinne erzielt. Bei den blutigen Konflikten kommt es regelmäßig zu zahlreichen Todesfällen. Mrs. Chicke­ring findet das ungeheuerlich und will, dass das aufhört.

Nun, das könnte schwierig sein, gesteht Ridolph, der sich über das Thema schlau gemacht hat. Denn die Kokod-Krieger sind eine von Natur aus kriegerische Spezies, und die sehr ernst ge­meinten Kämpfe der Sippen gegeneinander sind ein bevölke­rungspolitisches Regulativ. Ohne eine genetische Behandlung, die das gesamte Volk betrifft, könne man da kaum Abhilfe schaffen … aber dann erwähnt die Klientin, dass zwei Personen namens Bruce Holpers und Julius See die Verantwortlichen sind, die das Schattentalhotel auf Kokod betreiben, wo diese Wetten stattfinden. Und wie es der Zufall will, sind das die betrügeri­schen Geschäftspartner, die Ridolph um sein Vermögen ge­bracht haben.

Obgleich die Wahrscheinlichkeit sehr gering erscheint, in die­sem Fall erfolgreich sein zu können, nimmt der Detektiv also die Herausforderung an und begibt sich ins Schattentalhotel. Und sehr seltsame Dinge passieren …

Der unnennbare McInch“ ist ein Verbrecher von atemberauben­der Dreistigkeit, der auf dem Planeten Sclerotto sein Unwesen treibt. Die Unikultur-Mission beauftragt Ridolph, den Verbrecher ausfindig zu machen und nach Möglichkeit auszuschalten. Aber niemand auf diesem kläglichen, völlig überbevölkerten und von bizarren Aliens nur so wimmelnden Flecken Welt weiß, wer McInch ist, nicht einmal, ob es sich dabei um einen Menschen handelt. Dass es ihn gibt, ist aber durch Diebstähle und zahlrei­che Tote bezeugt, die auf sein Konto gehen.

Ridolph beginnt also zu ermitteln und befragt nacheinander die Polizisten, die asselgestaltigen Postboten, den Aas fressenden Müllmann und den nicht minder unmenschlichen Bankier, der bestohlen worden ist. Und schließlich ist er sich sehr sicher, wer McInch ist und ruft die Verdächtigen zusammen, obgleich er scheinbar gar nichts in Erfahrung gebracht hat …

Die heulenden Schlinger“ stellen eine Gefahr dar, die Magnus Ridolph unbekannt ist, als er sich von Gerard Blandham eine Plantage mit prachtvollen Ticholama-Pflanzen zu einem ausge­sprochenen Schnäppchenpreis aufdrängen lässt. Blandham ist nach eigenen Worten derzeit in einer finanziellen Klemme, an­dernfalls hätte er diese Plantage, die doch so ertragreich ist, niemals verkaufen wollen. Alles scheint also mit rechten Dingen zuzugehen. Nur jenseits des Feldes befindet sich ein komischer Streifen Brachland, der bei Ridolphs zweitem Besuch irgendwie größer geworden zu sein scheint. Und Blandham hat es auch ungewöhnlich eilig, das Geschäft abzuschließen.

Kaum hat er sich aus dem Staub gemacht, wird die Schattensei­te des Kaufes sichtbar, und die könnte Magnus Ridolph nicht nur um die Plantage bringen, sondern auch das Leben kosten …

Auch in „Der König der Diebe“ ist Magnus Ridolph, von der Plan­tagengeschichte gründlich weit entfernt, dabei, ein neues Ge­werbe zu erkunden. Diesmal geht es um wichtige Kristallvor­kommen auf dem Planeten Moritaba, einer Welt, deren Bewoh­ner als notorische Diebe gelten. Ridolph möchte mit dem König der Diebe, Old Kanditter, einen Geschäftsvertrag aufsetzen, um diese Kristallvorkommen ausbeuten zu können. Dummerweise ist er darin nicht allein, sondern hat Konkurrenz von dem intri­ganten, hinterlistigen Ellis B. Mellish, der ihn zu einer leichtsin­nigen Wette veranlasst. Natürlich weiß auch Mellish von der Langfingertendenz der Bewohner des Planeten und meint, wer am Ende der Woche noch mehr von seinem eigenen Hab und Gut habe, werde letztlich das Geschäft mit Old Kanditter ma­chen.

Ridolph wittert schon Schwierigkeiten und wird in der Tat bereits bestohlen, kaum dass er in der Unterkunft angekommen ist. Und Mellish macht ihm auch anderweitig das Leben schwer. Aber der Detektiv wäre nicht der Mann, der er ist, wenn er nicht selbst auch noch Geheimtricks aufzubieten hätte …

Ein „Kurort zwischen den Sternen“ ist die Welt unter der Sonne Eta Pisces nur in den Prospekten. Das wissen Joe Blaine und Lucky Woolrich, die höchst unglücklichen Betreiber eines neu errichteten Touristen-Resorts mit allen erdenklichen Schikanen, nur zu gut. Denn nach der problemlosen Errichtung des Komple­xes hat sich alles in einen Alptraum verwandelt: „Neun Bade­gäste gleich am ersten Tag von Seekäfern getötet! Die Goril­lawesen, die diese Mädchen in den Dschungel zerrten! Ganz zu schweigen von den Flugschlangen und Drachen …“

Nein, ein Idyll sieht deutlich anders aus. Das Resort ist wie leer gefegt, und dies aus gutem Grund. Aber die Ursache für all das verstehen die beiden nicht. Und so engagieren sie Magnus Ri­dolph, der die Geschichte aufklären soll. Irgendetwas hier ist faul, aber es ist nicht ersichtlich, was. Offenbar, kommt bald zu­tage, hat es irgendetwas damit zu tun, dass die hiesigen Einhei­mischen, die beim Bau des Hotels halfen, die friedlichen Mollies, sich seither wieder in ihre Dschungeldörfer zurückgezogen ha­ben. Blaine hat eine Idee, was die Ursache gewesen sein könnte – aber die Umsetzung dieser Idee kostet Magnus Ridolph fast das Leben …

Die Story „Gnadenstreich“ ist leider die schwächste in der Sammlung, und das hat mit dem bedauerlich verräterischen Ti­tel zu tun, sowohl im Englischen wie im Deutschen. Magnus Ri­dolph befindet sich auf einem Raumhabitat, das man als „die Nabe“ bezeichnet, ein exterritorialer Raum, auf dem sich multi­ethnische Begegnungen ereignen. Hier kommt er durch einen Zufall – er ist nur Tourist auf der Durchreise – mit dem Anthropo­logen Lester Bonfils in Kontakt, der mit drei paläolithischen Ein­geborenen von S-Cha-6 auf Reisen ist. Bonfils macht einen ge­quälten Eindruck, und das hat mit seinen Erlebnissen auf einer Welt namens „Journeys End“ zu tun. Hier hatte er, dem Verneh­men nach, ein intimes Verhältnis mit einer Eingeborenen. Und seither wird er nach eigenen Worten von Feinden verfolgt, die ihm nach dem Leben trachten.

Magnus Ridolph kann ihm nicht helfen, er nimmt gegenwärtig keine Aufträge an.

Am nächsten Morgen ist Lester Bonfils tot, ermordet in seiner eigenen Unterkunft, direkt vor den drei im Käfig befindlichen pa­läolithischen Eingeborenen. Der Betreiber der „Nabe“, Pan Pas­coglu, bittet Ridolph inständig um Hilfe, und binnen kürzester Zeit ermittelt der Detektiv zehn mögliche Verdächtige, darunter jene Frau namens Fiamella der Tausend Kerzen, die Bonfils den Tod angedroht hat. Offensichtlich die Person, die am meisten verdächtig erscheint. Ridolph kommt aber nach der Verneh­mung der Verdächtigen zu einem anderen Schluss …

Die manipulierten Sardinen“ ist mit Abstand die bizarrste Ge­schichte, wie ich fand. Es ist eher ein Zufall, dass der Detektiv auf diese seltsame Sache stößt. Er wird von seinem Freund Joel Karamor zum Essen eingeladen, und zum Dessert gibt es – für mich einigermaßen befremdlich – Sardinen und Kaffee. Es IST auch befremdlich, denn beim Öffnen explodiert die Sardinendo­se.

Karamor gibt zu, dass dies der wesentliche Grund dafür ist, sei­nen Freund gerufen und zum Essen eingeladen zu haben. Die Sardinen stammen vom Planeten Chandaria, wohin sie einst ex­portiert wurden und prächtig wachsen und gedeihen. Auf wun­dersame Weise sind die von dort importierten Sardinen deutlich preiswerter und qualitativ besser als die irdischen. Wenn nur nicht in letzter Zeit so bizarre Unglücksfälle vorkommen wür­den.

Karamors Geschäftspartner auf Chandaria, George Donnels, ist dort für die Fischzucht und Verarbeitung zuständig. Und als Magnus Ridolph sich dort in der Tarnung eines einfachen Arbei­ters einfindet, stellt er alsbald fest, dass eigentümliche Sachen vor sich gehen. Die Sardinen werden beispielsweise von Leitfi­schen in die Verarbeitungsanlagen geleitet, die Leitfische selbst entschwinden aber durch eine Seitenluke aus der Falle und kommen so mit dem Leben davon. Und warum führt Donnels in der Lagune vor der Fabrik Sprengungen durch? Irgendetwas ist hier in der Tat sehr seltsam. Und es erweist sich als lebensge­fährlich, dem Rätsel auf die Spur zu kommen …

In der letzten Geschichte geht es um „Das mysteriöse Ver­schwinden“. Magnus Ridolph, der gerade mit einem Alien-Zoo Schiffbruch erlitten hat und von Gläubigern verfolgt wird, erhält unerwartete Schützenhilfe von dem bärbeißigen Industriemagnaten Howard Thifer. Als Thifer Ridolphs Schulden tilgt, ist der Detektiv sozusagen engagiert und landet alsbald mit dem In­dustriellen auf dessen Planeten Jexjeka, einer kargen und ei­gentlich unbewohnbaren Felsenwelt in einem Drei-Sonnen-Sys­tem. Thifer hat hier vier Oasen errichtet, A, B, C und D genannt, wo er Arbeiter angesiedelt hat und Minen ausbeutet. Sein Pro­blem besteht darin, dass in den Oasen C und D mit einer ge­spenstischen Regelmäßigkeit nach jeweils 84 Tagen alle Bewoh­ner spurlos verschwinden. Er kann es sich nicht erklären und meint nun gelassen, Magnus Ridolph habe drei Möglichkeiten, wie er die Angelegenheit angehen könne: Erstens könne er den Fall des Verschwindens lösen. Zweitens könne er seine Schul­den, die Thifer ja für ihn getilgt hat, in monatelanger Minenar­beit abarbeiten. Oder er könne, drittens, wie die anderen Arbei­ter kurzerhand spurlos verschwinden.

Ridolph entscheidet sich verständlicherweise für Variante 1. Aber das Rätsel scheint undurchdringlich. Und dann hält er sich in einer der genannten Oasen auf, als der 84. Tag anbricht …

Es ist eine pralle, farbenprächtige Welt, die Jack Vance hier vor dem Leser aufspannt, eine reiche Welt fremder Kulturen, bizar­rer Lebensformen, exotischer Settings und Gebräuche, in denen er sich mit kulturanthropologischer Belesenheit und gründlicher Vorabinformation im steten Kampf gegen Vorurteile und heimtückische Betrüger befindet. Die Lösung seiner Fälle ist nie ohne einen gewissen Witz, manchmal – etwa im Fall der Sardinenge­schichte – entbehrt sie sogar nicht ökologischer Aspekte.

Es sind, nach meinem Geschmack, auch ungeachtet ihres Alters von z. T. mehr als 50 Jahren, gerade aufgrund der Tatsache, dass sie nicht an landläufiger Technologie festgemacht sind oder in vertrauten Umgebungen spielen, die unangemessen schnell altern können, zeitlose Werke, die man auch heute noch mit Vergnügen und gelegentlichem Gewinn lesen kann. Gerade die psychologische Ausleuchtung der Protagonisten und ihre lo­gischen Kurzschlüsse sind immer wieder äußerst erfrischend.

Schade fand ich, dass Vance allein schon im Titel „Gnaden­streich“ die Lösung der Geschichte vorweggenommen hat. Al­lein wer des Französischen nicht mächtig war („Coup de Grace“ war der OT), hat vermutlich die Lösung nicht sehr zeitig erken­nen können.

Alles in allem gelingt es Vance aber in dieser Sammlung von Ge­schichten, für Storysammlungen und Anthologien definitiv eine Lanze zu brechen. Es mag sein, dass sich Romane besser ver­kaufen, aber ich versichere euch, dass diese Vance-Kurzge­schichten schon genügend Gehalt aufweisen, um es mit durch­schnittlichen Romanen von 200 Seiten Umfang locker aufzuneh­men. Es lohnt sich, sie im Tempo von einer Geschichte pro Tag genüsslich zu konsumieren. Und als sehr zufriedener Leser am Ende das Buch zu schließen und sich vorzunehmen, alsbald das nächste Werk des leider schon verstorbenen amerikanischen SF-Autors zu verschlingen.

© 2019 by Uwe Lammers

Ja, das ist eine sehr nachdrückliche Leseempfehlung! Ich stehe auch nach fünf Jahren immer noch gern dazu. Euch entgeht da einiges, wenn ihr dieses Buch links liegen lasst, nur weil ihr meint, es sei „zu alt“.

In ähnlicher Weise kann ich euch für die nächste Woche ein Buch empfehlen, das angenehmes, humorvolles Lesevergnügen garantiert. Näheres erfahrt ihr in der kommenden Woche.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

die Vorteile eines Monats, in dem das Wetter eher durchwach­sen zu nennen ist und zwischen ergiebigen Regengüssen und sengend heißen Tagen schwankt – das hatten wir in diesem Juni 2023 – besteht für Menschen, die nicht von Migräneanfällen ge­plagt sind, überraschend leistungsfähig zu sein. Ich pflegte ja in vergangenen Jahren an dieser Stelle zu sagen, dass ich in den heißen Monaten des Jahres nicht optimal kreativ „funktioniere“ … davon kann glücklicherweise in diesem Monat keine Rede sein.

Mit einer Endsumme von 34 fertig gestellten Werken zählt der Monat Juni zu den kreativ starken in diesem Jahr, und das, ob­wohl es wirklich reichlich Ablenkungen im privaten und berufli­chen Bereich gab. Vielleicht bin ich deshalb dann verstärkt in den Raum der Kreativität ausgewichen, wenn mir die Alltagssor­gen über den Kopf wuchsen. In jedem Fall wirkte sich das höchst positiv für die Kreativbilanz aus. Schauen wir uns das mal im Detail an:

Blogartikel 547: Work in Progress, Part 126

13Neu 72: Inferno Kristallwelt

16Neu 62: MARCONIUS STANWER

Anmerkung: Als ich diese Episode schrieb, war Marconius für mich natürlich schon lange kein Unbekannter mehr … ihr wer­det euch vielleicht entsinnen, dass ich ihn gelegentlich schon mal in den Blogartikeln erwähnt habe (etwa im Blogartikel 500). Tatsächlich war Marconius eine faszinierende Entdeckung, und seine Entwicklung ist auch OSM-charakteristisch.

Inwiefern? Nun, weil er starb, ehe er eigentlich geboren wurde … ich ließ ihn erstmals schon 1985/86 in der Serie „Kampf ge­gen TOTAMS Dämonen und Schergen“ auftauchen, wo er 1989 dann serienkonform starb. Damals war Oki Stanwers Sohn aber ein Matrixfehler, und ich wusste schon dort, dass er eigentlich in KONFLIKT 16 „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ gebo­ren wurde … nur waren diese Episoden noch nicht geschrieben. Das geschah dann erst in den 90er Jahren, sodass ich die faszi­nierende Erfahrung machte, das Leben einer Hauptperson ge­wissermaßen „nachträglich“ zu gestalten. Und Marconius hat in der 16Neu-Serie wirklich einen prominenten Status, das werdet ihr beizeiten noch erleben.

13Neu 73: Der vierte Helfer

16Neu 60: Flug ins Galaxiszentrum

Anmerkung: Diese hochdramatische Episode abzuschreiben und zu kommentieren, war ein großes Vergnügen und ging mir in diesem Monat äußerst flink von der Hand. Die Geschichte ent­hält ein ernsthaftes Problem: Oki Stanwer und seine Gefährten werden von einer Gefahr verfolgt, die ihnen in jeder Weise über­legen ist. Flüchten ist unmöglich. Verstecken ist unmöglich. Konfrontation ist Selbstmord. Was also tun? Oki entschließt sich zu einem Akt des schieren Wagemuts … mehr dazu sagte ich ja schon in der vergangenen Woche, aber was er tatsächlich tut, erfahrt ihr erst in einigen Wochen beim Close Up-Artikel 52.

Diese Episoden sind jedenfalls echt spannend, das spüre ich selbst noch aus einer Distanz von fast 30 Realjahren. Da war ich richtig in Fahrt, was dann auch die Abschrift sehr leicht von der Hand gehen lässt.

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“)

16Neu 61: Die Rebellen der Milchstraße

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“)

13Neu 74: OKI STANWERS PAKT

16Neu 63: Blick auf RANTALON

Anmerkung: Wie ihr aus den Close Up-Beiträgen wisst, ist RAN­TALON der Kampfort für den finalen KONFLIKT 16. Aber bislang wissen die Galaktiker noch nicht genau, wie dieser Ort aussieht. Die Leser werden in dieser Episode darüber aufgeklärt. Was al­lerdings nicht heißt, dass die Endauseinandersetzung nun schon stattfindet, das ist noch ziemlich weit hin.

Was bis dahin passiert? Viel Schreckliches und Unglaubliches, versprochen. Ihr erfahrt es in den nächsten Monaten sowohl hier als auch in den Close Up-Beiträgen.

(OSM-Wiki)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer Horror“)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer Horror“)

13Neu 75: CLOGGATHS ENDE

13Neu 76: „Der WÄCHTER ist ein Mörder!“

Wie die Beziehungsgeister ihren Glauben verloren, Teil 1 – Archipel-Story

Wie die Beziehungsgeister ihren Glauben verloren, Teil 2/E – Archipel-Story

Anmerkung: Das war eigentlich eher eine editorische Finger­übung, wenn ich ehrlich sein soll. Ich formatierte diese Ge­schichte in zwei Teilen für den Abdruck im Fanzine „Baden-Würt­temberg Aktuell“ (BWA). Weitere Archipel-Geschichten sind diesbezüglich in Vorbereitung, höchstwahrscheinlich für dieses Jahr 2024 … aber die Planungen haben noch nicht begonnen.

16Neu 64: DIE GRALSJÄGER

16Neu 65: Imperiumsherz in Fesseln

(16Neu 67: Das Energienetz)

16Neu 66: INFERNO

VvD 12: Stimmen der Vergangenheit

(Sarittas Hilflosigkeit – Archipel-Story)

13Neu 77: TOTAMS RACHE

Anmerkung: Damit war dann das Ende des KONFLIKTS 13 er­reicht. Und seit dem 13. Juni 2023 bin ich nun dabei, ausgiebig die Lücken im Glossar der Serie zu schließen … es hat echt den Anschein, als wäre dies das erste Serienglossar des OSM, das ich in das Hauptglossar überführen kann. Dafür werde ich aber die jetzt schon über 500 Seiten umfassende Riesendatei des Hauptglossars in mehrere Dateien aufspalten müssen, damit ich es leichter handhaben kann. Auch davon werdet ihr zu gegebe­ner Zeit hören.

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Verteidiger von Demor“)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Verteidiger von Demor“)

VvD 13: Reehns Verdacht

(VvD 14: Mission in Dyllawaar)

(Die Kolonie Saigon II – Erotic Empire-Roman)

20Neu 1: Der kristalline Sarg

Anmerkung: Und da war dann der Start des nächsten Seriendi­gitalisats … ich merkte bei der Abschrift echt, dass ich 1984, als ich damit begann, noch ziemlich rumpelige Geschichten schrieb. Hölzerne Protagonisten, unbeholfene Formulierungen, vergessene Absätze und Einrückungen, Theatralik, unzählige Auslassungen … die Serie ist zu Beginn wirklich keine Glanzleis­tung, und so kurz die Episoden auch sind – wenn man (wie in diesem Fall) jede Folge mit 100 und mehr Fußnoten kommentie­ren muss, ist das doch etwas anstrengend. Ich verstehe heute jedenfalls gut, warum ich damals jahrelang bei der Serie nicht vom Fleck kam.

Das wurde tatsächlich erst besser, als ich die ersten KONFLIKTE abgeschlossen hatte und 1987 dann, quasi als Nebeneffekt des Schreibens an dieser Serie, die Edward-Norden-Saga entwickelte.

(20Neu 2: Auf der Flucht)

(Glossar des Romans „Die Kolonie Saigon II“)

(VvD 17: Die Stimme der Hoffnung)

Blogartikel 552: 1735 Seiten, 15.195 Fußnoten oder: Ein Ende des Schreckens

(Drei Freundinnen – Erotic Empire-Novelle)

(16Neu 68: Calor-Ests Erbe)

(Lexikon der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“)

(Glossar der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“)

(20Neu 3: Hypnotische Träume)

(16Neu 69: Die Flotte der CROMOS)

Anmerkung: Zu diesen Episoden sind die Close Up-Artikel noch nicht vorgestoßen, aber ich kann euch schon jetzt versichern – wer denkt, das Drama im Reich der Zyw-Grynoth und im GRALSREICH, zu dem ich in den 16Neu-Episoden zwischen 58 und 66 schrieb, sei schon der Höhepunkt des Abenteuers gewe­sen, der sollte sich erst mal anschauen, was HIER weiter pas­siert. Und ich kann jetzt schon andeuten, das ist immer noch nicht der höchste Spannungsgipfel, der in der Serie erklommen wird. Da kommen noch ganz andere Zumutungen auf euch zu.

Ja, 1995ff. war ich schon ziemlich in Fahrt, das kann ich nicht anders nennen. Da kommen wilde Zeiten auf euch zu, Freunde!

Blogartikel 548: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (LVII)

Blogartikel 554: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (LVIII)

(16Neu 70: Erkunder im Fragilraum)

(NK 59: Ziel: Splitterhort)

Anmerkung: Das war jetzt wirklich eine witzige Stippvisite, die kam so aus dem Bauch heraus. Irgendwie wollte ich die Episode 58 noch mal nachlesen, die ja seit längerem fertig ist, und dann dachte ich mir so halb und halb … ach, da könnte ich ja durch­aus weiterschreiben … ist noch nicht viel daraus geworden, aber ja, das wird wohl ein relativ nahes Schreibziel werden. Das gilt auch für den Folgeband, der hier folgt.

(NK 60: Im Sturm von Tushwintau)

Blogartikel 545: Close Up – Der OSM im Detail (50)

Blogartikel 550: Close Up – Der OSM im Detail (51)

Damit war dann das Ende der „Fahnenstange“ erreicht, wie ich das mal nennen möchte. Ich sah mit einiger Freude auf das Er­reichte. Wenn ihr nachzählt, werdet ihr hier natürlich wie immer zahlreiche Posten vermissen. Solche Dinge wie Fanzineredaktio­nen, Rezensionen und Rezensions-Blogs erscheinen in dieser Rubrik eben nicht. Aber auch so kann sich das Gesamtergebnis des Monats Juni 2023 durchaus sehen lassen.

Wie ihr oben gesehen habt, werde ich mich in der nächsten Wo­che an dieser Stelle um die Abschlussarbeit am KONFLIKT 13 „Oki Stanwer Horror“ bzw. an dessen Digitalisat „13Neu“ küm­mern. Und während ich euch das zugänglich mache, bereise ich schon wieder weitere alte Universen (KONFLIKT 16, KONFLIKT 20), feile weiter an Glossaren und OSM-Lexika bzw. schaue mir neue Welten an (KONFLIKT 11).

Bleibt mal neugierig, wie sich das dann in einem Monat an die­ser Stelle auswirkt und was es dann zu berichten gibt.

Soviel für heute – bis nächste Woche, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 444: Fly me to the Moon

Posted Februar 21st, 2024 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

was fasziniert uns an Büchern und führt dazu, dass wir sie kau­fen? Diese Frage umfassend zu beantworten würde hier natür­lich den zur Verfügung stehenden Raum sprengen, ganz klar. Für mich, und nur für mich kann ich recht präzise sprechen, gibt es eine klare Rangliste von alternativen Kategorien.

Zum einen sind da natürlich bekannte, vertraute und als gut eingestufte Autorinnen und Autoren.

Zum zweiten reizt mich vielfach das Sujet, da greife ich auch gern zu neuen, unbekannten SchriftstellerInnen. Da kommt es selbstverständlich bisweilen zu Fehlgriffen.

Zum dritten mögen Titelbild oder Klappentext relevante Aus­wahlkriterien sein.

In diesem Fall war es, kein Witz, eine Kombination aus Thema, der Haptik des Buches (!) und natürlich der schieren Gelegen­heit: Es gab die Möglichkeit, das Buch quasi umstandslos zu verschlingen.

Ich muss sagen, in diesem Fall hat mich die Intuition nicht ge­trogen, sondern mich zu einem interessanten Buch einer unver­trauten Autorin hingelenkt. Und ein wesentliches Element des Werkes fand ich ganz besonders anheimelnd und überraschend.

Welches? Ach, lest einfach weiter, dann erfahrt ihr mehr:

Fly me to the Moon

Von Anaïs Goutier

Knaur 51671

448 Seiten, TB

August 2015

ISBN 978-3-426-51671-3

Es gibt Bücher, die kauft man und stellt sie monate- oder jahre­lang ins Regal, gewissermaßen als Lesevorrat, um sie zu gege­bener Zeit zu schmökern. Und dann gibt es Bücher … wie soll ich das ausdrücken … Bücher, die sofort geradewegs danach ru­fen, unverzüglich gelesen zu werden. So ging es mir mit dem vorliegenden Werk.

Im Jahre 2013 erschien auf der Selfpublisher-Plattform Neo­books der vorliegende Roman als sechsteiliger E-Book-Zyklus. Ungeachtet seines englischen Titels handelt es sich um ein Werk einer deutschen Autorin, das es dann zwei Jahre später in einer grundlegend überarbeiteten Fassung zu einer Buchpubli­kation bei Knaur gebracht hat (etwas, was nicht allzu viele E-Books aus Selfpublisher-Hand fertig bringen, hier hat mutmaß­lich der sonstige Rang der anonym schreibenden Autorin etwas nachgeholfen). Das Titelbild ist natürlich wie üblich völlig sinn­frei gewählt, aber die etwas samtige Haptik des Umschlags hat etwas unleugbar Sinnliches an sich, was zweifellos Intention ist. Und auch sonst hat das Buch einige Überraschungen in petto.

Worum genau geht es?

In Frankfurt am Main lebt und arbeitet die junge Dozentin Ann-Sophie Lauenstein, deren Schwerpunkte Kunst- und Geschlech­tergeschichte sind. Als engste Vertrauten fungieren ihre beiden launischen Katzen und ihre Freundin Kiki, eine kommunistisch-fundamentalistisch angehauchte Künstlerin (die freilich im Buch etwas zu flüchtig thematisiert wird, um hinreichend Profil zu ge­winnen). Im Grunde genommen arbeitet Ann-Sophie an ihrer Habilitationsschrift, unterrichtet aber weiterhin einige Tage an der Woche und gibt entsprechende Kurse an der Universität.

Im Zuge einer Exkursion im Rahmen dieser Kurse, die sie in ein vom milliardenschweren Hotelier Ian Reed gestiftetes Privatmu­seum führt, lässt sie sich im Anschluss an die Führung zu ein paar despektierlichen Bemerkungen bezüglich Reeds seltsa­mem Verständnis von Kunst und Privatsammlung hinreißen … wobei sie nicht ahnt, dass der attraktive Mann am Nebentisch Ian Reed IST. Als Wiedergutmachung für ihre Worte fordert er von ihr ein gemeinsames Abendessen, und es zeigt sich sehr schnell, dass Reed mehr im Sinn hat als nur ein romantisches Dinner. Eine erstaunlich leidenschaftliche Liebesnacht schließt sich an, und ehe die junge Dozentin begreift, was da eigentlich passiert, ist es auch schon geschehen – sie hat sich in ihn ver­liebt.

In Ian Reed, einen Mann, der quasi aus dem Koffer lebt und des­sen Leben aus unentwegten Reisen rund um den Globus be­steht. Teilweise ist das notwendig als Leiter der Reed Group, ei­nes internationalen Hotelkonzerns. Aber schnell entdeckt sie, dass hinter dem Playboy und Immobilienhai noch ein völlig an­derer Mensch steckt, der eine durchaus dunkle Seite der Erotik bevorzugt … und als ihr eine vormalige Gespielin Ians namens Isabelle schockierende Videos von dem zeigt, was angeblich Reeds tiefste Sehnsüchte darstellt, da kommt es zum peinigen­den Bruch zwischen den beiden.

Und – ganz analog zu E. L. James´ Liebespaar Christian Grey und Anastasia Steele in „Fifty Shades of Grey“ – beide leiden darunter, da die Verliebtheit längst beiderseitige Obsession ist … und sie raufen sich dann wieder zusammen. Aber wie Ann-Sophie entdecken muss, sind die Schatten der Vergangenheit noch deutlich finsterer, und es gibt Dinge, die Ian Reed so mus­tergültig verdrängt hat, dass sie vielleicht für immer zwischen ihnen stehen … gar zu verschieden scheinen ihre beiden Le­benswelten zu sein, vielleicht völlig unvereinbar …

Während also vieles von dem, was in der Geschichte abgehan­delt wird, in der Tat recht vertraut wirkt, wenn man mal ein paar mehr erotische Romane mit Anklängen aus dem BDSM-Milieu gelesen hat, so hat der Roman doch einen nicht geringen Lese­sog ausgestrahlt und erreicht, dass ich ihn binnen vier Tagen – in sehr zurückhaltendem Lesetempo, sonst wären auch zwei denkbar gewesen – geradewegs verschlang. Lesbar ist er also unbedingt.

Überrascht, und zwar enorm positiv überrascht, hat mich ein Element des Inhalts, der wirklich nicht zu erwarten war. Ja, es wird im Klappentext geschrieben, die Verfasserin sei „eine 1985 geborene Autorin und Kulturwissenschaftlerin, die im Bereich der interdisziplinären Frauen- und Geschlechterforschung publi­ziert und forscht“, aber das kann nur bedingt auf die erstaunlich breite Detailversessenheit Ann-Sophie Lauensteins vorbereiten. Da werden Autoren und Künstler, Kunstwerke, Kunststile, Archi­tekturdetails und Galerien, historische Kontexte und Stilrichtun­gen souverän in die Geschichte eingeflochten, dass mir ein ums andere Mal durchaus die Sprache wegblieb. Soviel Detailkennt­nis, die der weiblichen Hauptperson perfekte wissenschaftliche Konturen verleiht, habe ich bislang noch in keinem erotischen Roman finden können, nicht mal da, wo es vermeintlich um Ga­leristinnen oder Ähnliches ging.

Respekt, das war wirklich gelungen!

Das ist das große Plus, das sicherlich auch zahlreiche Leserin­nen, die sich auf diese Weise angenehm unterhaltend fortbilden möchten, sehr reizvoll wirken dürfte. Und zugleich kaschiert dies ein Manko, das ich an dieser Stelle auch nicht verschwei­gen will: Die Dramaturgie der Geschichte wirkt nur in der ersten Hälfte des Gesamtkontextes, danach erwartet man zwar noch mancherlei dramatische Verstrickung, aber es kommt keine mehr. So betrachtet sind – abgesehen von Ians Offenbarungen über seine Vergangenheit – die dramatischen Pulver verschos­sen. Ein wenig überkam mich das Gefühl, als versuchte die Au­torin am Ende etwas gezwungen ein Happy End zu etablieren, das indes hinter den Erwartungen zurückblieb.

Manch ein Leser mag die vielen intellektuellen Details „ver­kopft“ nennen oder unangemessen ablenkend (da ich selbst kul­turwissenschaftlichen Background aufweise, sah ich das weni­ger als Manko, sondern als gelungenen Teil der Protagonisten­charakterisierung), manch einer mag die Elemente zu bekannt komponiert finden oder denken, dass der Schluss nicht so weit ging, wie vielleicht erhofft … aber alles in allem bleibt für mich eine durchaus angenehme Leseerinnerung zurück. Und wer neugierig geworden sein sollte, sei ausdrücklich aufgefordert, mehr als einen Blick in das Buch zu werfen.

Ach ja … und was ist mit dem Titel? Nein, es geht nicht wirklich zum Mond … aber um den Titelbezug zu realisieren, sollte man das Werk tatsächlich schmökernd genießen.

© 2022 by Uwe Lammers

In der nächsten Woche entführe ich euch mal wieder zu den Sternen. Ich las vor einer Weile ein weiteres SF-Werk eines lei­der schon verstorbenen Altmeisters der SF. Wem der Name Jack Vance noch etwas sagt, der spitzt womöglich die Ohren. Wel­ches seiner zahlreichen Werke ich in der kommenden Woche be­spreche, nun, da müsst ihr euch noch ein paar Tage gedulden.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

Blogartikel 550: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 51

Posted Februar 18th, 2024 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

starten wir am besten gleich mal mit einem sehr kurzen Rück­blick und gehen dann direkt in die temporeiche Handlung, an der ich, verteilt über rund anderthalb Schreibjahre, in den frü­hen 1990er-Jahren feilte.

Rückblick: Oki Stanwer und seine dezimierten Gefährten sind aus der Galaxis Kirrongar zurückgekehrt, doch aufgrund von GOLEMS Zeitfalle um 40 Jahre zu spät. Die Dämonenwaffe hat die Galaxis in Schutt und Asche gelegt, und was Oki Stanwer vorfindet, ist ein Minenfeld aus Trümmerwüsten, gespickt mit Fußangeln und unbegreiflichen Fakten.

Er stößt beispielsweise auf die DIGANTEN, die GOLEM als Neme­sis aus ihrer Heimatgalaxis gefolgt sind und ihn augenscheinlich immer noch bekämpfen. Er kann die letzten überlebenden „Schmelzenden“ aus den Ruinen der Zentrumsrepublik retten und dann auf einem fast tödlichen Umweg den Baumeisterstern MONOLITH erreichen, der sich seinem Kommando unterstellt.

Von hier aus ortet er in den Äußeren Welten Aktivitäten von GO­LEMS Armee und begibt sich mit einer ERKUNDER-Einheit vor Ort. Hier macht er die verwirrende Feststellung, dass in den „Randkrieg“ auch eine Fraktion von CROMOS involviert ist, die offensichtlich im Reich der Zyw-Grynoth ihre Basis haben.

Wichtiger ist aber zunächst, was auf der „Wracker-Welt“ ge­schieht, auf der die Vooler eine Bodentruppe abgesetzt haben. Hier gerät der ERKUNDER 1 unter Beschuss …

Episode 56: Oki und sein Feind

(1993, digitalisiert 2023)

Fortsetzung von Oki Stanwers Abenteuern in den Äußeren Wel­ten: Als die ERKUNDER 1 von den Voolern beschossen wird, er­hascht Oki einen paramentalen Kontakt von einem telepathisch begabten Randterraner … und teleportiert zu ihm hin, während sich das Schiff in Sicherheit bringt.

Kersin, so der Name des jungen Randterraners, ist mit seinen zwei Geschwistern einer der wenigen Überlebenden des Massa­kers, das GOLEMS Vooler angerichtet haben. Interessanterweise befinden sich bei ihm zwei seltsam kleine Vooler, mit denen Oki Kontakt aufnehmen kann … und dieser Kontakt macht die Situa­tion auf der so genannten Wracker-Welt zunehmend klarer.

Die Randterraner haben hier schon vor Jahrzehnten gegen einen von GOLEMS Kreuzern gekämpft, der daraufhin abstürzte und dessen Besatzung hier gestrandet war. Diese so genannten „Wracker“ waren aller Wahrscheinlichkeit nach Rebellen der Vooler. Und während sie und die Randterraner des Planeten sich noch bekämpften, tauchten in jüngster Vergangenheit die loya­len GOLEM-Truppen auf, die nun sowohl mit ihren „verräte­rischen Artgenossen“ wie auch den Randterranern aufräumen sollten.

Oki Stanwer kann das Schlimmste verhindern, und es gelingt ihm schließlich, im Lager der Feinde einen Bildfunkkontakt mit seinem Erzfeind GOLEM herzustellen, dem Oki ergrimmt den Krieg erklärt.

Derweil hat die ERKUNDER-Besatzung die Havaristen des Rand­terraner-Handelsschiffes HIMMELSSTÜRMER gerettet, und als ei­ner von ihnen, Tar Vyss, erfährt, dass der Alli Sketahr ein Helfer des Lichts ist, wird er ganz aufgeregt …

Episode 57: Die Hermetiker von ELDORADO

(1994, digitalisiert 2023)

Blende zu Thor Gordenbeyl auf dem „getarnten“ Planeten EL­DORADO:

Thor und seine Gefährten haben die menschliche Siedlung „Uto­pia“ erreicht, wo „Robin Hood“, „Robespierre“, „Lenin“ und an­dere Anarchisten ihnen – durchaus echte – Schauergeschichten aus der jüngsten galaktischen Vergangenheit erzählen, insbe­sondere von monströsen Wesen, die sich selbst GRALSJÄGER nannten und angeblich unbesiegbar sind. Sie sollen ein isolier­tes kleines Reich nahe dem Galaxiszentrum errichtet haben, das so abgesichert ist, dass alle Eindringlinge umstandslos vernich­tet werden.

Als Thor den Gedanken äußert, das gestrandete artanische Schlachtschiff zu besuchen, das ein paar hundert Kilometer von „Utopia“ entfernt auf einem Raumhafen havariert ist, wird ihm energisch davon abgeraten – das seien seltsame Kerle, die so genannten „Hermetiker“, die man besser nicht störe.

Als die Artaner allerdings während dieser Diskussionen eine Nu­klearwaffe auf „Utopia“ abschießen, die die VIPER-Bewaffnung gerade noch zerstören kann, verfestigt sich der Entschluss des Helfers des Lichts. Er lässt die Siedlung befestigen und bewaff­nen und startet dann zu den Artanern.

Wenn es doch nur Artaner wären … als sie landen, werden sie von diesen Wesen umringt, und als sie ihre Tarnschilde deakti­vieren, erkennt Thor entsetzt, dass es sich zwar um Artaner handelt … aber an den lädierten Körpern ist deutlich zu sehen, dass es in Wahrheit Roboter sind: Okis, um genau zu sein! Und zwar fehlgeschaltete Okis, die ihn nicht als Helfer des Lichts er­kennen, sondern als Sendboten TOTAMS einstufen … was zu ei­nem verheerenden Feuergefecht und einer Katastrophe führt …

Episode 58: Enklave der Freien

(1994, digitalisiert 2023)

Fortsetzung von Oki Stanwers Abenteuern:

Nachdem ein ERKUNDER von MONOLITH die meisten Überleben­den der Wracker-Welt abgeholt hat, beschließt Oki Stanwer, der Fährte der CROMOS zu folgen, die ins Reich der Zyw-Grynoth führt. Die beiden Randterraner Gosh und Tar Vyss, die an Bord der ERKUNDER 1 geblieben sind und erklärt haben, dass die menschlichen Rebellen der Galaxis schon lange nach Helfern des Lichts suchen (leider wissen sie nicht mehr von ihnen), be­haupten zwar, dass aus dem Reich der Zyw-Grynoth niemand mehr wieder zurückkehrt, weswegen sie seit Jahrzehnten kate­gorisch gemieden werden. Das kann Okis Sinn aber nicht um­stimmen.

Es wird noch seltsamer, als sie sich den Grenzen des Reiches nähern: Laut den Aussagen des Kommandogehirns der ERKUN­DER 1 finden alle Gefechte außerhalb des Hoheitsraumes der Raupenwesen statt. Dort hinein scheint es in den vergangenen 40 Jahren nie ein Angriffskonvoi GOLEMS geschafft zu haben.

Ist es also tatsächlich wahr? Die CROMOS fungieren als Schutz­macht für die Zyw-Grynoth? Das klingt einfach bizarr und un­glaubhaft. Also muss man diesen Kerlen wohl mal auf den Zahn fühlen. Indem sie sich als direkte Bedienstete der Sieben Licht­mächte ausgeben und auf der Baumeisterwelle direkten Funk­kontakt mit der Zentralwelt Zygrawon aufnehmen, hoffen Oki und seine Begleiter, Klarheit zu gewinnen.

Stattdessen lösen sie eine Katastrophe aus.

Ihnen ist absolut nicht bewusst, dass unterhalb der Oberfläche von Zygrawon eine Armee von CROMOS schlummert, die nun durch die Signale auf der Baumeisterwelle und deren Inhalt – di­rekte Beauftragte der Lichtmächte! – jählings alarmiert werden. Und die Zyw-Grynoth, die weniger von den CROMOS geschützt als vielmehr von ihnen in Geiselhaft gehalten werden, sehen sich außerstande, Klartext zu reden, weil das ihre Vernichtung zur Folge hätte.

Dummerweise sind die CROMOS im Reich der Zyw-Grynoth jene entarteten CROMOS, die einst schon Rhytekon-5 besetzt hatten. Nur sind es diesmal mehrere Millionen von ihnen! Und das Letz­te, was sie sich wünschen, ist, von ihren ursprünglichen Er­schaffern, den Lichtmächten, oder deren Beauftragten aufgestö­bert und zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Damit haben sie automatisch ein neues Feindbild: Oki Stanwer und die ERKUNDER 1. Und das Zygrawon-System wird zur Hölle …

Episode 59: Report des Horrors

(1995, digitalisiert 2023)

Fortsetzung der Handlung auf Zygrawon:

Oki Stanwer hat versucht, mit einer Oppositionsgruppe der Zyw-Grynoth Kontakt aufzunehmen und dabei deren Anführer der CCZ, den Zyw-Grynoth Delwoor, gerettet. Während überall auf dem Planeten Nuklearladungen explodieren, CROMOS mit Egotransmittern auftauchen und paralysierte Raupenwesen ent­führen, erscheinen wie aus dem Nichts immer mehr der rund 8000 Meter langen Borkenschiffe, die unverzüglich damit begin­nen, die ERKUNDER 1 durch die Planetenatmosphäre zu jagen.

Schnell jagen die Ziffern für die CROMO-Kampfschiffe auf meh­rere tausend hoch … und es ist klar, dass hier nur noch rasche Flucht hilft. Aber ohne Oki Stanwer können sie nicht verschwin­den.

Um die Situation noch gefährlicher zu machen, lauert am Rand des Zyw-Reiches ein kleines Raumschiff der Galaxisrebellen. Sie sind ausgestattet mit einer Massenvernichtungswaffe, mit der sie die CROMO-Gefahr auslöschen wollen … selbst um den Preis einer Ausrottung der Zyw-Grynoth! Aber als sie den Funkspruch der „Beauftragten der Lichtmächte“ empfangen, wird ihnen klar, dass sie jetzt auf gar keinen Fall die Waffe abfeuern dürfen! Sie müssen vielmehr Kontakt mit diesen Leuten aufnehmen … was unmöglich ist, solange die von den CROMOS gejagt wer­den!

Delwoor erzählt derweil Oki Stanwer von der schrecklichen Zeit zwischen seinem Aufbruch nach Kirrongar und der Gegenwart. Die Widerstandsbewegung CCZ wurde gegründet, als offenkun­dig zutage trat, dass irgendetwas mit den CROMOS nicht stimm­te, die als „HELFER UND VERTEIDIGER“ apostrophiert wurden. Delwoors Rebellen forschten in den Archiven und der Unterwelt nach und fanden rasch heraus, dass hier nach und nach Millio­nen von Artgenossen verschwunden waren. Es wurden riesige Katakomben mit Leichen gefunden, und der Gedanke tauchte auf, dass die CROMOS womöglich Kannibalen seien … von den Lichtmächten als Blutsauger auf die verräterischen Zyw-Grynoth angesetzt.

Oki kann das nicht glauben – aber ihm wird zunehmend klar, dass diese CROMOS keine positiven Wesen mehr sind, sondern entartete Monster mit einer so hochgezüchteten Waffentechnik, dass sie selbst MONOLITH gefährlich werden können.

Quasi im letzten Moment gelingt Oki Stanwer die Rückkehr in den ERKUNDER 1. Derweil stellen die Galaxisrebellen frustriert fest, dass die CROMO-Kampfschiffe alle verschwinden!

Und die Dämonenwaffe Xavath, die über Ortungen von diesem Chaos erfährt, macht sich ihren eigenen Reim darauf: Ha, die CROMOS fallen über die Zyw-Grynoth her! Der alte Schutzwall funktioniert also nicht mehr! Und so befiehlt er seinerseits nun die Attacke auf das Reich der Raupenwesen …

Episode 60: Flug ins Galaxiszentrum

(1995, digitalisiert 2023)

Fortsetzung von Oki Stanwers Abenteuern:

Die so genannte „Enklave der Freien“ hat sich als ein Alptraum entpuppt, der nun in ein Blutmeer verwandelt wird. Oki und sei­ne Gefährten haben zwar etwas Aufklärung erhalten, was hier damals geschehen ist, aber die Situation ist nicht besser gewor­den, sondern deutlich schlimmer.

Die meisten CROMO-Kampfschiffe sind spurlos verschwunden und stellen eine mörderische Gefahr dar. MONOLITH kann sie womöglich orten … aber dann werden die Retortenwesen der Lichtmächte diese Ortungssignale zurückverfolgen und MONO­LITH attackieren. Etwas, wogegen sie definitiv nicht gewappnet sind. Also muss Oki Stanwer diese Gefahr erst einmal auf sich beruhen lassen.

Jedenfalls würde er das gerne … aber er hat Verfolger!

14 CROMO-Kampfschiffe folgen ihm und der ERKUNDER-Besat­zung. Zum allgemeinen Entsetzen müssen sie schnell erkennen, dass die CROMOS nie ermüden werden, ihre Maschinen den ihren weit überlegen sind und sie gnadenlose Jäger darstellen. Hektische Sprünge quer durch die Galaxis erweisen sich als völ­lig nutzlos, die CROMOS stöbern sie binnen Minutenfrist immer wieder auf.

Abhängen ist unmöglich. Kämpfen ist unmöglich. Totstellen ist unmöglich.

Da kommt Oki Stanwer eine Verzweiflungsidee, die bei Tar Vyss umgehend Panik auslöst: Er will direkt in das geheimnisvolle GRALSREICH transistieren, das ja angeblich jeden Raumfahrer vernichtet, der es ansteuert.

Auch ihn und den ERKUNDER?

Oder ist dies tatsächlich die Chance, die unerbittlichen Verfolger ein für allemal loszuwerden?

Die Galaxisrebellen, die diese Verfolgungsjagd zunehmend ver­zweifelt verfolgen, glauben jedenfalls an eine Selbstmordaktion …

Wie das alles weitergeht, erfahrt ihr dann in fünf Wochen. Schön am Ball bleiben, Freunde!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 443: Das Auge Gottes (Sigma Force 9)

Posted Februar 13th, 2024 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Kosmologie ist eine faszinierende Wissenschaft, wenigstens sehe ich das so. Als Historiker von Berufs Wegen und als Phan­tast aufgrund jahrzehntelanger Neigung sind mir wissenschaftli­che Disziplinen und Grenzwissenschaften durchaus vertraut. Und dann und wann vertiefe ich mich sehr gern in Fachartikel oder Bücher, die sich speziell um kosmologische Themen dre­hen.1

Und dann gibt es manchmal den aufregenden Fall, dass ein Bel­letristikautor, der sich recht eigentlich mit Abenteuergeschich­ten befasst, solcher naturwissenschaftlicher Grenzthemen an­nimmt, gründlich recherchiert und daraus ein packendes Aben­teuergarn spinnt, das ganz unstrittig in den Bereich der Science Fiction hineinspielt.

Damit haben wir es heute zu tun.

In James Rollins neuntem Abenteuer der Sigma Force geht es um das scheinbar unvermeidliche Ende der Welt, von dem man schon einen grauenhaften Schnappschuss gesehen hat! In der Hoffnung, das Schlimmste verhindern zu können, beginnt die Jagd nach einem abgestürzten Satelliten.

Das klingt wirr? Na, dann lest mal weiter, Freunde. Ich glaube, ihr werdet eure Meinung bald ändern:

Das Auge Gottes

(OT: The Eye of God)

Von James Rollins

Blanvalet 0365

544 Seiten, TB

November 2016

Übersetzt von Norbert Stöbe

ISBN 978-3-7341-0365-0

Kometen haben schon seit Jahrtausenden eine fundamentale Rolle als Signale der Götter und prophetische Unheilszeichen am Himmel gespielt. Den Legenden zufolge kündigten sie oft­mals Seuchen, Naturkatastrophen, Revolutionen und Ähnliches an – möglicherweise schlicht aufgrund der Tatsache ihrer Unver­ständlichkeit und der unwandelbaren Verwirrung, die sie in den Herzen und Seelen derjenigen Menschen anrichteten, die von einem unvergänglichen und unveränderlichen Himmel ausgin­gen.

In der Moderne haben die Wissenschaften die Rätsel der Kome­ten weitgehend entschleiert und sie als das enttarnt, was sie ei­gentlich sind – Boten aus der Urzeit des Sonnensystems, Gefan­gene des solaren Gravitationsfeldes, die in mehr oder minder periodischen Abständen ins Innere des Sonnensystems gezogen werden und bei ihrer Annäherung ans Muttergestirn einen Schweif aus glühenden Gasen ausformen, der sie letztlich für das menschliche Auge sichtbar macht.

Als sich in der Gegenwart der Komet IKON der Erde nähert, sie aber in relativ sicherem Abstand passieren soll, wird eine inter­nationale Sondenmission ausgesandt, um das Phänomen näher zu beobachten. Das Sondenpaar „IoG-1“ und „IoG-2“ (was für „Interpolation of Geodetic Effect“ steht) ist dorthin unterwegs. Chefwissenschaftlerin ist Dr. Jada Shaw. Doch im Hintergrund steht die DARPA, der wissenschaftliche Arm des US-Verteidi­gungsministeriums, dem es um zentrale Erkenntnisse zum The­ma der Dunklen Energie geht, jener rätselhaften Kraft, die laut modernen physikalischen Theorien rund 70 % der Masse des Universums ausmachen soll, deren Natur aber nach wie vor un­klar ist. Laut Shaw wird der Komet IKON von einer Aura Dunkler Energie begleitet, die die Sonden genauer kartieren sollen.

Bedauerlicherweise schlägt dieser Detektionsversuch fehl. Schlimmer noch: einer der Satelliten wird dabei in die Erdatmo­sphäre zurückgeschleudert und stürzt in der Mongolei ab. Es ge­lingt ihm aber noch, ein paar spektakuläre Daten zu übertragen – und das letzte Bild schockiert die Verantwortlichen: Es ist ein Blick auf die Ostküste der Vereinigten Staaten. Sie brennt und liegt vollständig in Schutt und Asche!

Ein rascher Kontrollanruf dort zeigt, dass dort allerdings noch al­les in Ordnung ist. Handelt es sich also bei dem Bild des Satelli­ten um eine bizarre technische Irritation?

Nein, schließt Jada Shaw sehr schnell, dafür ist das Bild definitiv zu konturenreich. Auch eine digitale Manipulation ist rasch aus­zuschließen. Die Sachlage erweist sich als sehr viel dramati­scher – es handelt sich offenkundig um einen durch Quantenef­fekte ausgelösten Blick in eine nahe Zukunft, in der Teile des Ko­meten aus dem Kurs ausgebrochen und auf die Erde gestürzt sind. Und diese Zukunft liegt nur etwa vier Tage entfernt.

Um nun die Frage zu klären, ob diese fotografierte Zukunft DIE­SE Erde betrifft oder definitiv eine alternative Welt, mithin für unsere Wirklichkeit eine drohende Massenvernichtung katego­risch ausgeschlossen werden kann, erweist es sich als erforder­lich, den Satelliten ausfindig zu machen und sein Zentralstück, ein Gyroskop, das sich mit Dunkler Energie aufgeladen haben müsste, das so genannte „Auge Gottes“, ausfindig zu machen. Painter Crowe, der Direktor der Sigma Force, beauftragt umge­hend seine besten Männer und Dr. Shaw mit der Bergungsmissi­on.

Parallel dazu wird in Rom Monsignore Vigor Verona – bekannt aus den früheren Sigma Force-Romanen – ein Paket zugestellt, das von einem verschollenen Kollegen namens Josip Tarasco stammt. Es enthält eine grausige Fracht: einen Kasten mit ei­nem menschlichen Totenschädel, der eine eingravierte Bot­schaft trägt, außerdem ein in Menschenhaut gebundenes apo­kryphes Testament, das Testament des Apostels Thomas. Offen­bar, so kristallisiert sich auf erschreckende Weise bald heraus, ist dieses schaurige Relikt im 13. Jahrhundert entstanden und eine Kopie eines weitaus älteren analogen Relikts. Wirklich er­schreckend ist aber, dass die Inschriften das Ende der Welt ver­künden – und ein Datum angeben, das hundertprozentig dem entspricht, das Dr. Jada Shaw berechnet hat!

Somit schließen sich Vigor Verona und seine Nichte Rachel der Expedition in die Mongolei an. Sie wollen aber noch einen Ab­stecher zum Aralsee machen, um dort den verschollenen Pater Tarasco zu finden. Auf rätselhafte Weise scheint auch der ur­sprüngliche Träger des Schädels, mutmaßlich Dschingis Khan, von dem durch den Kometen verursachten Weltende vor langer Zeit Kenntnis gehabt zu haben. Dafür spricht auch, dass einer der Mitarbeiter der Sigma Force, Duncan Wren – ein transhuma­nistisch aufgerüsteter Ex-Soldat – an den schaurigen Artefakten dieselbe Signatur Dunkler Energie wahrnehmen kann, wie sie laut Jada Shaw für den Kometen charakteristisch sind. Dafür spricht auch, dass angeblich das Zentralstück des mongolischen Erbes ein eisernes Kreuz sein soll, das aus Meteoriteisen herge­stellt wurde, mutmaßlich aus Kometeneisen, das von einem frü­heren erdnahen Vorbeiflug des Kometen IKON stammen dürfte.

Was niemand von ihnen zu diesem Zeitpunkt ahnt, ist aller­dings, dass es mongolische Extremisten gibt, die alles tun, um das Auffinden des Grabes von Dschingis Khan zu verhindern. Doch exakt dort befindet sich aller Wahrscheinlichkeit nach das eiserne Kreuz, das sie unbedingt finden müssen. Und diese Leu­te gehen wirklich gnadenlos über Leichen und haben selbst die innersten Kreise der Mission infiltriert.

Ebenfalls in die Suche einbezogen werden soll der Sigma-Agent Grayson Pierce, der sich derzeit in Macao befindet. Hier hilft er der Ex-Gilden-Attentäterin Seichan, ihre verschollene Mutter zu suchen. Allerdings wird ihnen die Tatsache, dass Seichan immer noch eine international gesuchte, wenn auch inzwischen geläu­terte Terroristin ist, fast zum Verhängnis, da auf sie ein Kopfgeld ausgesetzt ist. Und dann geraten sie auch noch ins Kreuzfeuer der chinesischen Triaden und haben jede Menge Probleme (um es mal sehr zurückhaltend zu formulieren).

Wie das alles letzten Endes dazu führt, dass Pierce und seine engsten Mitarbeiter einen Undercover-Einsatz in Nordkorea zu absolvieren haben und was das bizarre Rätsel des Vermächtnis­ses des Dschingis Khan letzten Endes mit dem Kometen IKON, dem Tod des Hunnenkönigs Attila (im Prolog) und schlussendlich der Realität selbst zu tun hat und wie viele Opfer es fordert, bis der grässliche Kulminationspunkt der Ereignisse überschritten wird, das kann sich zu diesem Zeitpunkt noch niemand vorstel­len.

Aber das Ende der Welt naht offenbar unvermeidlich, und der Countdown zählt gnadenlos herunter, bis nur noch Stunden blei­ben, dann nur noch Minuten …

Als mit dem achten Band der Sigma Force-Reihe von James Rol­lins der sehr lange hinausgezögerte Showdown mit der Assassi­nen-Organisation der „Gilde“ herauskam2, dachte ich selbst auch: Jetzt kann es eigentlich nur noch schwächer werden. Glücklicherweise täuschte ich mich darin. Im vorliegenden Ro-man versucht der Autor den Spagat, sowohl ein neues Rätsel der Vergangenheit auf innovative Weise zu lösen als auch alte Handlungsfäden (Seichans Suche nach ihrer Mutter) wie moder­ne Astrophysik und Physik zusammenzuführen. Und selbst wenn man bedauern kann, dass dabei leider ein relativ kurzer, sehr actionlastiger und an manchen Stellen doch überhasteter und auf Geschwindigkeit geschriebener Roman herausgekommen ist, kann man ihm eine gewisse Faszination ebenso wenig ab­sprechen wie rasante Lesefähigkeit.

Es empfiehlt sich übrigens sehr (!), nicht der Unsitte zu frönen, die manche Leser begehen: den Schluss zuerst zu lesen. Lest das „Zahl“-Kapitel definitiv NICHT vorher, Freunde, wenn ihr euch einen wichtigen Lesespaß nicht verderben wollt. Denn das Ende ist in gewisser Weise Science Fiction pur, und das hat mit der Quantenphysik zu tun, die in dem Roman auf interessante Weise eine wesentliche Rolle spielt. Es geht sehr viel um Polari­tät, Schwarz und Weiß, Yin und Yang und solche Dinge wie etwa Schrödingers Katze … das Mitbringen einer gewissen Vorkennt­nis der Quantenphysik ist also unbedingt von Nutzen.

Natürlich, ich gebe zu, ich zähle zu den Zweiflern, was die Exis­tenz von Dunkler Materie angeht und denke im Gegensatz zu Rollins eher nicht, dass das schon eine Art von eherner Tatsache ist. Aber das hat mir den Lesespaß nicht verdorben. Der Autor versteht es auch hier wieder, auf interessante Weise spannende Action, beeindruckend plausible Settings und aberwitzige dra­maturgische Situationen in Szene zu setzen, wobei sich High­tech und Archaik durchaus abwechseln.

Wir finden also ebenso motorisierte Verfolgungsjagden, einstür­zende brennende Hochhäuser, aber auch Bogenschützenduelle, wilde Tiere, wildromantische Landschaften und gewisse Indiana Jones-Elemente der klassischen Abenteuerschatzsuche vereint. Assistiert wird dies alles von gelegentlichen Anflügen nerdiger Physikdiskussionen, die aber alltagsverständlich und nicht ver­kopft herüberkommen (primär ist dafür Dr. Jada Shaw als Neu­zugang verantwortlich). Und für die historischen Aspekte der Suche, die sich doch manches Mal als etwas holprig erweist, zeichnet dann mehrheitlich Vigor Verona verantwortlich.

Und der Autor springt über seinen Schatten, der vielen Autoren verständlicherweise schwer fällt – er opfert Hauptpersonen. Welche und unter welchen Umständen … das nachzulesen muss ich dem geneigten Leser überlassen. Und dann gibt es natürlich noch diese „andere Seite“, zu der ich nichts Näheres sagen möchte. Das muss man echt gelesen haben, das war eine wirk­lich faszinierende Volte, die ich so auch noch nicht erlebt habe. Und das will was heißen.

Einwandfrei ein Buch, das man lesen sollte, wenn man die bis­herigen Sigma Force-Romane verfolgt und die Personen lieb ge­wonnen hat, aber auch, wenn man etwas für Schatzsuche wie für faszinierende Quanteneffekte übrig hat. Fans von Clive Cuss­ler beispielsweise kommen hier unbedingt auf ihre Kosten! Der Roman mag nicht ganz an den Vorgänger heranreichen, aber schwach ist er definitiv auch nicht zu nennen.

© 2020 by Uwe Lammers

Wenn man sich den Titel des nächsten Rezensions-Blogartikels so anschaut (der ja etwa in der ESPost annonciert ist), dann könnte man meinen, ich bliebe im Bereich der Astrophysik … aber das ist dann doch falsch. Wir begeben uns vielmehr wieder in die Gefilde der ro­mantisch-erotischen Literatur. Wie das im Detail dann aus­schaut, erfahrt ihr in einer Woche an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Jüngst, also im Jahr 2023, habe ich mit Gewinn nach langer Wartezeit Stephen Hawkings Klassiker „Eine kurze Geschichte der Zeit“ gelesen und rezensiert … beizeiten kommt das Werk hier im Rezensions-Blog zum Vorschein, das ist absolute Gewissheit.

2 Vgl. dazu James Rollins: „Mission Ewigkeit“, 2016.

Blogartikel 549: Treffen der mythischen Völker

Posted Februar 10th, 2024 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

dieser Blogartikel wird sehr weit voraus geschrieben, und ich kann beim besten Willen noch nicht abschätzen, wie sehr sich meine Denkwelt verändert hat, bis er am 11. Februar 2024 er­scheint. Aktuell haben wir gerade mal den 27. Mai 2023, und es geht um ein paar Gedanken, die mich heute umgetrieben haben und die ich nicht so rasch in meine Handlungsgegenwart des KONFLIKTS 11 „Oki Stanwer – Verteidiger von Demor“ umsetzen kann, wie mein Verstand wild braust. Also tue ich das, was in solchen Fällen das Vernünftigste ist: Ich schreibe einen projekti­ven Blogartikel.

Vorausschicken sollte ich folgenden Gedanken, der euch, wenn ihr meinem Blog schon seit langem folgt, durchaus vertraut sein dürfte: Ihr erinnert euch an meine 26teilige Artikelreihe zu den „Legendären Schauplätzen“. Das ist schon ein Weilchen her, richtig. Aber danach sagte ich ja, dass das durchaus nicht die einzigen Welten sind, die ich vorstellen könnte oder die das La­bel „Legendär“ zu Recht verdienen.

In einem zweiten anschließenden Gedanken überlegte ich, ob es nicht mal vernünftig wäre, die unglaublich vielen Völker des OSM in einer ähnlichen Reihe vorzustellen … und nach dem, was mir gestern und heute durch den Kopf jagte, hat dieser Ge­danke sehr an Dringlichkeit gewonnen.

KONFLIKT 11 erweist sich immer mehr als Hort von wirklich phantastischen Überraschungen. Je tiefer ich eindringe, desto unglaublicher wird dieses Universum und all das, was ich dort erleben kann.

Neulich fand ich durch einen schieren Gedankenkurzschluss her­aus, warum der Dämon Sobal, der euch vielleicht am Rande in den Close Up-Artikeln zum KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ noch in Erinnerung sein könnte, zu seinem Beinamen „Sammeldämon“ kam. Dann fragte ich mich: Wann war das wohl, dass er als Bau­meister starb und als Dämon von TOTAM wiedergeboren wurde?

Antwort: In KONFLIKT 11.

Und damit hatte ich eine neue Hauptperson gefunden, die in mir umgehend die nächste Gedankenkaskade auslöste … und dann geradezu lawinenartig immer mehr.

Sobal, um zunächst mal bei ihm zu bleiben, also beim Baumeis­ter Sobal, er ist Rüstmeister für die Streitkräfte des Lichts in KONFLIKT 11, sein Wirkungsort ist die Galaxis Dyllawaar. Um davon einen Eindruck zu gewinnen, musste ich im OSM nachle­sen … denn ja, Dyllawaar ist kein unbeschriebenes Blatt. Da ich damals beim D-Eintrag der „Legendären Schauplätze“ allerdings den Planeten Dawson bevorzugte, fiel Dyllawaar unter den Tisch.1

Wo las ich also nach wegen Dyllawaar? Im noch nicht digitali­sierten KONFLIKT 20 „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“. Anno 1991 hatte ich mich schon in Dyllawaar, der Galaxis Dylla­waar der Spätzeit, sollte ich ergänzend sagen, herumgetrieben und dort den grauenhaften „Friedhof der Baumeister“ besucht … beizeiten, Freunde, erfahrt ihr dazu in den „Close Up“-Artikeln mehr. Aber das ist noch ziemlich weit in der Zukunft.

So bekam ich die stellaren Daten für Dyllawaar heraus und konnte sie auf KONFLIKT 11 anwenden. Doch das stellte erst den Anfang dar … denn der Baumeister Sobal hat derzeit ein Problem mit Materialnachschub: Er braucht dringend Goldkristall. Ziemlich viel Goldkristall … und ich fragte mich, ganz wie der amtierende Matrixkoordinator, der GÖTZE: „Was tut der Kerl damit? Verbrennt er dieses kostbare Material?“

Das ist nicht vollkommen falsch. Aber die Frage war verkehrt gestellt.

Goldkristall, sollte ich hier vielleicht einflechten, ist kondensier­te Primärenergie, daher also eine extrem seltene und kostbare Substanz. Und wie schon die Normalsterblichen auf den Plane­ten Hydaspis und der Zentralwelt in Demor im KONFLIKT 11 feststellen müssen, ist es eine Substanz, die auf nicht-thermi­sche Weise diejenigen verbrennt, die mit ihr Umgang haben.

Warum ist das so? Nun, kurz gesagt: Das hat mit dem Primärenergiepotenzial der Substanz zum einen und mit dem Primärenergiepotenzial der Nutzer zu tun. Abgesehen von den direkten Bediensteten des Lichts, also etwa Oki Stanwer, den Helfern des Lichts oder den Baumeistern leben alle anderen baryonischen Lebensformen „in den Niederungen“, was man energetisch verstehen muss. Der Potenzialunterschied zwischen dem hochstrahlenden Goldkristall und der eher empfindlichen baryonischen lebenden Materie ist so groß, dass er die meisten Lebensformen versengt und sie bleibende Schäden davontragen.

Wenn also Sobal in Dyllawaar nun mit großen Mengen Goldkris­tall – und fraglos auch Primärenergie – hantierte, so ging es mir durch den Kopf, dann braucht er Wesen mit hohem Primärener­giepotenzial, die er dafür einsetzen kann. Das kann nun mal nicht jeder, im Gegenteil – die weitaus meisten Lebensformen im Universum werden durch Umgang mit Goldkristall schwer geschädigt … fast so, als wenn es sich um nuklear strahlendes Material handelt. Dann habt ihr eine klarere Vorstellung von der Substanz, um die es geht.

Damit wurde es dann richtig abenteuerlich für mich, denn mein Gedankenkarussell kam jetzt richtig auf Touren.

Es gibt im OSM eine Reihe von phantastischen Lebensformen, die direkt von den Baumeistern erschaffen worden sind und die deshalb ein relativ hohes Primärenergiepotenzial besitzen. Da Baumeister selbst eher selten sind, lag es nahe, auf solche We­sen zurückzugreifen. Und als sich meine Gedanken in diese Richtung bewegten, tauchten phantastische Lebewesen auf.

Da haben wir beispielsweise die Silhiay … glühende Energiebäl­le, deren Anblick quasi jeden in den Wahnsinn stürzt (Baumeis­ter ausgenommen). Ich hatte mit ihnen gegen Ende der 80er Jahre kurz Kontakt gehabt, als ich die kurzlebige Serie „Der Kai­ser der Okis“, also die Proto-OSM-9-Ebene, startete. Aber ob­wohl ich die Silhiay noch unter ihrem schlichten Frühnamen „Lichties“ seit den „Gedankenspielen“ mit meinem Bruder kann­te, also seit Mitte der 70er Jahre, hatte ich nie eine rechte Vor­stellung, was eigentlich der Grund gewesen war, aus dem die Baumeister diese Lebensform geschaffen hatten. Auf einmal wurde das auf bemerkenswerte Weise klarer.

Dann erzeugte ein Gedankenkurzschluss, der von Goldkristall – Kristall – Kristallwesen hinüber zu zwei weiteren OSM-Völkern führte, eine erweiterte Verkettung.

Das Volk der Synox ist denen, die den Close Up-Artikeln von An­fang an gefolgt sind, wohlvertraut. Ich lernte diese Kristallwesen im Jahre 1984 kennen, als ich am KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ schrieb. Damals waren sie vollkommen durchgeknallt, das kann man leider nicht anders sagen.

Als ich Ende der 80er Jahre die LIGA Soffrols in KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ beschrieb (Vorsicht: Spoi­ler!), waren sie noch nicht viel besser drauf, sondern richtig mörderische Psychopathen … und ich machte mir damals keine rechten Gedanken, warum das wohl so war, sondern nahm schematisch an: Das ist wohl immer schon so gewesen.

Inzwischen, buchstäblich seit HEUTE, bin ich anderer Ansicht. Ich denke, sie haben erst im Verlaufe des KONFLIKTS 11 einen solchen Schaden davongetragen, dass sie wirklich wahnsinnig und pathologisch wurden.

Das bedeutet im Umkehrschluss etwas Wunderbares: Ich habe in der VvD-Serie die tolle Gelegenheit, die „ungestörten“ und quasi „normalen“ Synox zu beschreiben. Das ist nicht genug zu betonen … ich freue mich unglaublich darauf, die gesunden Synox in Dyllawaar zu beschreiben, denn sie sind eines der Völ­ker, mit denen Baumeister Sobal dort zusammenarbeitet. Die kristalline Struktur der Synox macht sie nämlich weitgehend un­empfindlich gegen die Primärenergieausstrahlung des Goldkris­talls. Ohne Frage ist ihr Primärenergiepotenzial enorm ausge­prägt, was die Hürden weiter senken hilft.

Nein, ich weiß noch nicht genau, was ihre Rolle bei Sobals Plä­nen konkret ist … aber dass sie eine sehr wichtige Rolle spielen, kann als sicher gelten.

Ein zweites kristallines Volk fiel mir bei der Gelegenheit ein. Ihr werdet ihm beizeiten im Rahmen der Close Ups begegnen, wenn ich auf KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“ zu sprechen komme. Damals hatte ich allerdings nur kursorische Bemerkun­gen für die Spezies der Uuraner übrig, leider. Das einzige, was mich damals interessierte, war dies: Die Uuraner sind extrem versierte Spezialisten für Translatoren. Es gibt quasi keine Spra­che, die sie nicht schematisch so aufbereiten können, dass man sie in Translatoren einspeichern und verwenden kann.

Woher sie dieses Wissen hatten, konnte ich mir damals (1985!) nicht erklären. Inzwischen ist auch das transparenter geworden, und auch das wurzelt in KONFLIKT 11: Wenn wir uns vorstellen, dass die universelle Matrix ein Strukturgitter für Erinnerungen und Informationen ist, ein kosmischer Supercomputer gewisser­maßen, dann kann man sich Schnittstellen denken, die dieses Wissen auch abrufbar machen.

Wenn man weiter berücksichtigt, dass Primärenergie – die Ener­gieform, die die Matrix antreibt – in Goldkristall sublimiert, wenn man ferner betrachtete, dass die Uuraner kristalline Lebensfor­men darstellen und ihre Translatoren ebenfalls kristallin sind, dann liegt es relativ deutlich auf der Hand, dass diese Translato­ren einen Goldkristallkern besitzen müssen. Und ebenfalls au­genscheinlich ist, dass die Uuraner in Dyllawaar im KONFLIKT 11 zwingend zuhause sein müssen.

Also das nächste Projektvolk, das mit Sobal zusammenarbeitet.

Ich kann mir als Botenspezies Sternenfeen vorstellen, wiewohl Dyllawaar – eine sehr kleine Galaxis – eher nicht über einen Sonnengarten verfügt. Außerdem habe ich eine Riesenspinnen­spezies entdeckt, die im Band 15 der Serie ihren Auftritt haben wird: Die Zhonc.

Die kommen euch auch vertraut vor? Da würde ich sagen: Schaut mal in die E-Book-Serie „Oki Stanwer und das Terrorim­perium“, wo ihr ebenfalls auf sie gestoßen seid. Ich werfe nur mal einen Namen in die Runde: „Hushhin“.

Die Kenner nicken nun vermutlich beifällig. Alle anderen fordere ich lächelnd auf, dass sie die dafür erforderlichen Informationen gern in der Serie des KONFLIKTS 2 nachlesen können. Ich sage ja immer wieder: Irgendwann wirkt sich die Akkumulation der Informationen aus, die ich mit der Wiki und den veröffentlichten oder in Kurzform vorgestellten Serien erreicht habe.

Ihr seht daran, dass der OSM ein großes, komplexes Geflecht ist. Und vieles, was ich vor 20, 30 oder noch mehr Jahren ge­schrieben habe, erhält erst mit großer Verspätung seinen letz­ten Schliff und eine zusammenhängende Logik.

So ist das auch hier mit der Galaxis Dyllawaar und den hier ver­sammelten, kooperativ am Erfolg der Lichtkräfte arbeitenden Völker: Die Baumeister, die Silhiay, die Synox und Uuraner, die Sternenfeen und Zhonc … es ist gut denkbar (ich habe sie schon entdeckt!), dass die kleinwüchsigen Humanoiden eine Rolle spielen, die man Schrottis nennt.2 Ähnliches gilt für solche Völker wie die „Dirigenten“ aus KONFLIKT 9 „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“ und deren „Schöpfungshelfer“. Vielleicht treten sogar noch Entropie-Ingenieure auf den Plan … kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausschließen.

Das Treffen der Völker wird also wirklich äußerst spannend sein, das sehe ich jetzt schon. Und durchaus dramatisch, weil ein Hel­fer des Lichts hier materialisiert … und wie das überall im KON­FLIKT 11 der Fall ist, wird diese Materialisierung von einem Ha­gel von Goldkristalltrümmern flankiert. Das wiederum bringt den Baumeister Sobal, der ja über Goldkristallmangel klagt, auf einen sehr interessanten Gedanken – und auch wenn der GÖT­ZE das nicht will, richten sich Sobals Gedanken unweigerlich auf die Galaxis Demor aus.

Aber was das dann zur Folge hat, das ist noch unscharf und ver­schwommen am Horizont. Darum schließe ich an dieser Stelle den aktuellen Einblick in diese phantastische Serie, die mir immer mehr Spaß bereitet. In der kommenden Woche reisen wir 25 Milliarden Jahre in die Zukunft in KONFLIKT 16.

Da wird es dann richtig alptraumhaft, versprochen!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Zum Nachlesen: Das war im Blogartikel 228 am 16. Juli 2017.

2 Auch zu ihnen bekommt man Vorabinformationen im KONFLIKT 2, also der E-Book-Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ … auch wenn sie da noch „Shonta“ hei­ßen.

Rezensions-Blog 442: Perfect Passion 2 – Verführerisch

Posted Februar 6th, 2024 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

so, auf in die zweite superromantische Geschichte um den Milli­ardärsclub, der von der Autorin Jessica Clare mittels des Zie­hens aller romantischen Register und Anlehnungen an Disney-Klassiker zu ihrem Liebesglück gebracht werden (man merkt das schon überdeutlich am englischen Originaltitel!). Im ersten Band vor vier Wochen hatten wir es mit dem Hotelmagnaten Lo­gan Hawkings zu tun (der auch hier eine Nebenrolle spielt, auf eine sehr vergnügliche Art und Weise), nun wird einer seiner Kollegen mit einer weiteren Nebenperson des ersten Bandes in Kontakt gebracht und ist ziemlich schnell völlig von der Rolle.

Ich glaube, ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, dass ro­mantische LeserInnen den Roman vermutlich in einem Rutsch verschlingen werden. Mir ging das jedenfalls beinahe so (der Tag hatte nur nicht genügend Stunden übrig). Jedenfalls steht euch, wenn ihr nach der Rezension intensivere Blicke in den Ro­man werfen möchtet, ein turbulentes Leseabenteuer bevor, in dem weder Romantik noch Humor zu kurz kommen.

Und was bedeutet das im Detail? Nun, lest einfach mal weiter …

Perfect Passion 2 – Verführerisch

(OT: Beauty and the Billionaire)

von Jessica Clare

Bastei 17158

352 Seiten, TB (Januar 2015)

Aus dem Amerikanischen von Kerstin Fricke

ISBN 978-3-404-17158-3

Gibt es Märchen, die Realität werden? Viele Menschen träumen notwendig davon, zumal dann, wenn es ihnen selbst ökono­misch schlecht geht. Aber die Chancen darauf sind doch sehr begrenzt. Und dann gibt es auch Personen, die denken, sie sei­en vom Schicksal verflucht, und individuelles Glück sei etwas, das sie sich nicht einmal mit sehr viel Geld kaufen könnten.

Ein solcher Mann ist der Milliardär Hunter Buchanan. Wiewohl erst gut 30 Jahre alt, ist er in seinem Innern verbittert und düs­ter, wozu er auf den ersten Blick jeden Grund hat: denn wer ihn anschaut, hält ihn im ersten Moment für einen attraktiven, gut aussehenden Kerl … bis er den Kopf dreht und man die grässli­chen Narben sieht, die eine Gesichtshälfte vollkommen entstel­len. Das und sein einer fehlender Finger sind die offenkundigen Blessuren einer biografischen Katastrophe, über die er nie re­det. Man nimmt den milliardenschweren Immobilien-Tycoon nach diesem zweiten Blick als narbiges Monster wahr – wahrhaf­tig ganz wie in dem Disney-Märchen „Beauty and the Beast“, nach dem der vorliegende Roman geformt wurde.

Es ist ein Zufall, der im ersten Roman der Reihe „Perfect Passi­on“ am Rande geschildert wurde und der hier wieder aufgenom­men wird, der sein Leben aus der Balance geraten lässt – wäh­rend er sich in einer gerade vakant gewordenen Immobilie auf­hält, kommen zwei Frauen zu Besuch, die hier Bücher aus dem Nachlass abholen sollen, um sie wohltätigen Zwecken zuzufüh­ren. Hunter beobachtet sie aus dem Dunkel und lauscht ihren Gesprächen.

Eine der Frauen, die mit Brontë angesprochen wird, scheint un­glücklich verliebt zu sein. Die andere, ein Rotschopf mit flapsi­ger Zunge, einem phantastischen Hintern und einfach nur toll aussehend, wird mit „Gretchen“ angesprochen. Und sie faszi­niert Hunter auf der Stelle, der sie aus dem Versteck heraus an­schmachtet.

Es dauert ein bisschen, bis er in dem Milliardärs-Geheimzirkel Brontë Dawson aus dem ersten Roman wieder sehen und über ihre Freundin Gretchen Petty ausfragen kann. Und dann schmie­det er einen Plan, wie er diese faszinierende, schlagfertige Frau in seine Nähe locken kann.

Gretchen Petty, 26 Jahre jung, ist Ghostwriterin in New York. Au­ßerdem verdient sie sich in Cooper’s Cuppa als Kellnerin ihren Lebensunterhalt. Dennoch ist sie notorisch knapp bei Kasse, und ihre Agentin Kat muss sie unentwegt mahnen, die Einsen­determine für die Schund-Romanreihe um „Astronaut Bill“ ein­zuhalten.

Ohne dass sie das nach außen jemandem erzählt, hasst sie die­se Arbeit inzwischen heiß und innig. Aber von irgendwas muss sie halt leben, nicht wahr? Und das Diner allein reicht dafür nicht aus, nicht im teuren New York.

Dann fängt das Märchen an, und es klingt wirklich ganz und gar verrückt: ein neu gegründeter Verlag habe von Gretchens Ghostwriterfähigkeiten gehört und wolle ausdrücklich SIE für ein neues Projekt gewinnen, das nicht weniger als 300.000 Dollar Honorar einbringe – sie solle einen alten Briefwechsel transkri­bieren und einen Briefroman daraus erschaffen. Also etwas voll­ständig anderes als die Trash-Science Fiction, die sie bisher ge­macht hat. Gretchen ist mit Recht vollkommen irritiert. Sie weiß selbst bestens, dass ihr Ruf als Ghostwriterin alles andere als gut ist – sie überzieht die Termine, arbeitet missgelaunt und un­motiviert. Das klingt also alles haarsträubend und unrealistisch. Aber vielleicht ist es die Sache tatsächlich wert. Das Geld könn­te sie auf jeden Fall gut gebrauchen, weil sie sich aus Stolz wei­gert, sich an ihre beiden Schwestern Daphne und Audrey zu wenden.

Nachteil des seltsamen Auftrages: Der exzentrische Kunde, der nicht namentlich genannt werden möchte, verlangt, dass die Briefe, da wegen Alters nicht transportabel, vor Ort ausgewertet werden sollen. Und das ist die Villa der Familie Buchanan. Trotz inniger Bedenken ihrer Agentin nimmt Gretchen den Job an und stößt damit unweigerlich ihren Boss Cooper vor den Kopf, der – wie ihr ihre Freundin Brontë Dawson inzwischen klargemacht hat – ziemlich intensiv in sie verschossen ist. Gretchen empfin­det ihren alten Studienfreund, der es zum eigenen Geschäft ge­bracht hat, aber nur als dies: als einen Freund, den sie mag. Lie­be ist da nicht im Spiel, nicht von ihrer Seite. Aber irgendwie kommt die Botschaft nicht an. Im sozialen Umgang hat Gret­chen so ihre Defizite.

Das wird noch abenteuerlicher, als sie ihr Reiseziel erreicht. Zu­sammen mit ihrer Nacktkatze Igor, mit der Gretchen zu reden pflegt – laut ihrer Schwester Audrey ein Grund zu ernster Sorge! – , kommt sie bei der Buchanan-Villa an, die eher einem Klini­kum alle Ehre machen würde von den Dimensionen. Es handelt sich um einen vierstöckigen, gigantischen Bau mit zahlreichen Flügeln, und offenkundig wird er nur von zwei Personen be­wohnt, nämlich dem exzentrischen Hunter Buchanan und sei­nem abweisenden, schroffen Butler Eldon, der keinen Hehl dar­aus macht, dass ihm Gretchens Anwesenheit missfällt.

Das ist ihr völlig gleichgültig – erst recht dann, als sie Hunter durch einen dummen Zufall bei ihren Streifzügen im Haus trifft, nachdem er geduscht hat – und alles, was er trägt, ist ein Hand­tuch, mit dem er sich das Gesicht trocknet.

Autsch. Die Begegnung ist für beide Seiten megapeinlich, und Gretchen schafft es, die Situation noch zu verschlimmern, in­dem sie notorisch die falschen Worte ausspricht. Hunter dage­gen ist von der Konfrontation so verschreckt, dass er komplett verwirrt reagiert.

Ja, er will unbedingt in ihrer Nähe sein, auf alle Fälle … einer­seits. Andererseits will er sie aber auch nicht verscheuchen, und er ist überzeugt davon, dass Gretchen ihn, wenn sie seine Nar­ben sieht, künftig nur noch darüber definieren wird und allen­falls bemitleiden würde. Oder, schlimmer noch, sie würde ge­wisse … Freiheiten seinerseits zulassen, nur weil er Geld hat.

Gretchen indes sieht ihn vollkommen anders. Sie beginnt, je länger sie im Buchanan-Haus wohnt, umso deutlicher hinter Hunters abweisende Fassade zu sehen und den zutiefst sehn­süchtigen, romantischen Kern in seinem Herzen zu erkennen. Er fasziniert sie, und seine Narben machen ihn nicht hässlich, nicht in ihren Augen, sondern vielmehr interessant. Aber eine jung­fräuliche Auster zu knacken, erweist sich als unglaubliche Ge­duldsprobe.

Und dann, als die Dinge sich gut entwickeln, bricht Gretchens chaotische Familie in Gestalt ihrer Schwester Daphne Petty in den Alltag des Buchanan-Hauses ein, ganz zu schweigen von ih­rer geldgierigen Agentin, und alles entgleist auf dramatische, tränenreiche Weise …

Auch dieser Roman, der zweite der romantischen Reihe „Perfect Passion“ ist dergestalt geschrieben und übersetzt, dass man ihn mühelos in zwei Tagen verschlingen kann, was sich auch wirk­lich empfiehlt. Da ich den Disney-Film nicht aus eigener An­schauung kenne (nur in Auszügen), kann ich natürlich nicht sa­gen, wie intensiv sie das Märchen hier verarbeitet hat. Aber dass der Stoff an sich superromantisch ist, daran kann kein Zweifel herrschen. Und ja, es ist einfach unglaublich süß, zu se­hen, wie die schnell mehr wollende Gretchen und der von inne­ren Zweifeln, Furcht und Unentschlossenheit zernagte Milliardär Hunter sich allmählich in einem Tanz der ständigen Nähe und Distanz annähern.

Besonders süß fand ich den „Rosentick“ des Milliardärs und sei­ne niedlichen, unbeholfenen Versuche, seiner Herzensdame et­was Gutes zu tun. Dabei bezieht er unter anderem seine Milliar­därskollegen ein, und der Leser muss einfach laut herausprus­ten, wenn ihm sein Freund Logan Hawkings empfiehlt: „Kauf ihr kein Restaurant!“ Hunter blinzelt verständnislos, aber Leser des ersten Bandes sind natürlich sofort im Bilde. Hat doch Logan versucht, auf diese Weise seinem Mädchen Brontë Dawson nä­her zu kommen. Es hat bekanntlich nicht funktioniert.

Schmunzeln musste ich auch, als Gretchen unvermittelt zur Schatzsucherin zu werden versuchte – sie findet in dem über hundert Jahre alten Schriftwechsel, den sie transkribiert, sehr detaillierte Informationen über einen Geheimgang in der Biblio­thek. Zu dumm, dass sie nicht ahnen kann, dass dieser Brief­wechsel nicht aus diesem Haus stammt. Sie sucht den Geheim­gang also am falschen Ort und bringt Hunter in einige Erklä­rungsnöte.

Traurig stimmte mich dann allerdings – aus eigenbiografischen Gründen heraus – diese Rosenmanie, die Hunter Buchanan ent­fesselt. Nichts gegen Schnittblumen oder deren romantische Aura … aber ich habe damit aus Prinzip meine Probleme, genau wie mit Weihnachtsbäumen. Pflanzen, die in ihrem evolutionä­ren Sinn dadurch brüsk abgetötet werden, um Menschen einen kurzfristigen Moment des Vergnügens zu schenken, halte ich für eine Perversion der Moderne. Das hat mir diese Geste, mit der Hunter Hunderte von Blumen meuchelt, doch sehr verleidet. Wer sich darum nicht bekümmert, der wird in diesem Roman in­des auf sehr kurzweilige und vergnügliche Weise unterhalten. Ja, wie es der Klappentext sagt: „Eine Serie zum Davonträumen und Dahinschmelzen.“

Eine eindeutige Leseempfehlung für romantische Seelen!

© 2019 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche reisen wir wieder in die dramatische Parallelwelt von James Rollins, der diesmal im neunten Abenteu­er der Sigma Force einen ausgesprochen dystopischen SF-Topos bedient und den Leser erst mal sehr gründlich und wirkungsvoll schockt.

Wie das konkret ausschaut? Nun, da müsst ihr noch eine Woche warten, Freunde.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

Liebe Freunde des OSM,

und wieder sind sechs Wochen ins Land gestrichen seit dem letzten Artikel dieser Blogartikelreihe. Damals schloss ich mit dem Berichtsmonat September 2020 ab, sodass ich heute mehr zum Endquartal dieses Jahres sagen kann, die Monate Oktober bis Dezember. Ich deutete schon an, dass meine kreative Leis­tung im dritten Quartal des Jahres 2020 nicht eben überzeu­gend war. Das letzte wurde noch weniger angenehm.

Einen ersten Vorgeschmack davon gibt die jeweilige Anzahl der vollendeten Werke. Die Ziffern lauten: 17, 15, 22. Aber darunter sind viele Rezensionen und Blogartikel, die bekanntlich nur bedingt als autonome Werke gelten können. Schauen wir uns mal die Feinheiten an.

Zugegeben, der Oktober fing schön an, weil ich am 2. Oktober endlich den voluminösen OSM-Band 2000 vollenden konnte, „Tödliche Entscheidung“, an dem ich schon so viele Jahre ge­schrieben hatte. Aber das war dann leider auch schon so ziem­lich er einzige hervorzuhebende Aspekt des Monats.

Warum?

Na ja, ich war ansonsten mehrheitlich auf lang andauernden „Baustellen“ unterwegs, nicht immer nur im OSM. Ich näherte mich bei der Digitalisierung von KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Be­zwinger des Chaos“ (BdC) Band 100, erreichte ihn aber nicht vollständig. Ich kümmerte mich schleppend um weitere Digitali­sierung des jüngst begonnenen KONFLIKTS 13 „Oki Stanwer Horror“, kam hier aber auch nur mäßig vom Fleck. Kurze Stipp­visiten im Erotic Empire und in der Serie Horrorwelt folgten.

Gut, ich arbeitete auch ein wenig am E-Book „DER CLOG­GATH-KONFLIKT 2: Monstererwachen“ weiter, allerdings ebenfalls eher halbherzig. Von sonstigen Annalen-Geschichten war weit und breit nichts zu sehen. Sowohl die nach wie vor akute Isolation auf der Arbeit an der Uni, die der Corona-Pande­mie geschuldet war sowie die Verschlimmerung derselben welt­weit drückte sehr auf mein Gemüt.

Im November versuchte ich, wieder etwas an Boden zu gewin­nen. Gelang mir das? Kann ich leider nicht guten Gewissens be­haupten. Ich erreichte immer noch nicht Band 100 der BdC-Serie, sondern kam hier nur – oder immerhin, wie man das auch werten mag – bis inklusive Band 99.

Dann nahm ich mich eines ebenfalls schon lange überfälligen Digitalisierungsprojekts an, nämlich der Annalen-Novelle „Par­tisanengruppe Rilon Vleh“, die wirklich schon uralt ist … wer den Namen zu kennen glaubt, hat natürlich recht – es handelt sich um einen Voork, der in KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ zum Helfer des Lichts wurde und im finalen Kampf im Nebelsektor der Milchstraße an Oki Stanwers Seite kämpft. Wenn ihr treue Leser der Blogartikelreihe „Close Up“ seid, wisst ihr das natür­lich noch. So gesehen handelt es sich bei der obigen Geschichte um ein Sequel zu KONFLIKT 15 und schließt dort eine wesentli­che Handlungslücke.

Leider habe ich mit diesem Digitalisat in diesem Monat nur be­gonnen, es sollte sehr lange dauern, bis ich da tatsächlich zu ei­nem Ende kam. Ich werde davon beizeiten berichten.

Vielleicht lag es daran, dass ich diesen Digitalisierungsversuch gemacht habe, ich kann es schlecht sagen, jedenfalls war das nächste, um das ich mich in diesem Monat bemühte, das E-Book „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos 2: Gestrandet in Bytharg“. Auch hier kam ich nur ein winziges Stück voran. Frustrierend, um das Mindeste zu sagen.

Und dann war da noch die Weiterarbeit an der Novelle „Das Geheimnis von Church Island“, die ja die argumentative Lücke zwischen dem E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“ (2018) und dem zweiten „DER CLOGGATH-KON­FLIKT 2: Monstererwachen“ schließen sollte. Auch hier war nur bedingt absehbar, dass das mal ein Roman werden sollte.

Überrascht es euch, dass ich auch da nur Stückwerk in diesem Monat hinterließ? Es war so nervig!

Und dann kam der Monat Dezember 2020 … und ihr kennt das: Das ist Weihnachtszeit, der Monat, in dem ich immer versuche, einen Schwung Weihnachtskarten und Weihnachtsmails zu ver­fassen, außerdem jener Monat, in dem ich natürlich auch be­müht bin, den aufgelaufenen Korrespondenzberg dieses Jahres tunlichst abzubauen.

Es ist traditionell ein Monat, in dem ich eher wenig Zeit habe für andere Projekte, und das sah diesmal leider wieder ganz genau­so aus.

Zwar vollendete ich in diesem Monat deutlich mehr Werke als im Vormonat … aber das ist ein trügerischer Wert, diesmal aus dem Grund, dass ich am 6. Dezember mit der Abschrift der al­ten Serie „Erotische Abenteuer“ begann … und da jede dieser Episoden aus den 90er Jahren ja nur 5 Seiten umfasste, könnt ihr euch leicht vorstellen, wie flink eine solche Abschrift Realität wurde. Deshalb kam ich schon in diesem Monat bis Band 8 der Serie. Das verzerrt die ein numerische Perspektive also gründ­lich. Ziehen wir diese 8 Werke dann von dem Gesamtwert von 22 Ergebnissen dieses Monats ab, so landen wir schon auf ei­nem geringeren Wert als im November.

Ziehen wir darüber hinaus noch 7 Blogartikel ab, landen wir bei nur noch 7 Werken. Das ist wirklich traurig wenig.

Unter diesen Werken war – endlich – Band 100 der BdC-Serie, „Kommandounternehmen Entropiehammer“. Ansonsten befand sich unter den Geschichten, an denen ich weiterarbeite­te, wieder die Church Island-Geschichte, ebenfalls „DER CLOG­GATH-KONFLIKT“ sowie ein begonnener OSM-Hintergrundarti­kel mit dem Titel „Das Rätsel von Garos“.

Und damit erschöpfte sich dann dieses eher glanzlose Quartal, und das Jahr klang aus. Ich war ziemlich am Ende mit meiner Kraft und freute mich sehr darauf, endlich Urlaub zu haben und dann in ein neues Jahr starten zu können.

Hoffentlich würde es sich besser anlassen … ob das so kam, er­zähle ich im nächsten Beitrag dieser Artikelreihe, zu dem ich mich in sechs Wochen an dieser Stelle äußere.

In der kommenden Woche erzähle ich euch mal etwas vom neuen Kreativschauplatz, dem KONFLIKT 11 „Oki Stanwer – Ver­teidiger von Demor“ … und das stellt dann wirklich das totale Kontrastprogramm zu dem oben behandelten 4. Quartal 2020 dar. Da sprudelt meine Kreativität und schäumt ziemlich über den Rand, ihr werdet es sehen.

Also, schön neugierig bleiben, Freunde!

Bis nächste Woche, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

der Mensch ist ein Wesen, das leider notorisch immer wieder zeigt, dass es aus eigenem Anstoß über ein doch sehr be­schränktes historisches Erinnerungswissen verfügt. Nehmen wir mal jene Zeitgenossen davon aus, deren berufliche Profession es ist, dies zu tun – Historiker etwa oder Mitarbeiter in Museen, Archiven oder Gedenkstätten. Die Majorität der Mitmenschen neigt doch eher dazu, sich von aktuellsten Themen schnell ab­lenken zu lassen, wird von ständiger Wiederholung von Themen rasch gelangweilt (wenn man das für den passenden Terminus hält). Und nichts, sagt eine populäre Redewendung, sei so alt wie die Zeitung von gestern.

Daran ist leider viel Wahres. Aber es gibt Ereignisse, die es durchaus verdienen, dauerhaft im Bewusstsein verankert zu bleiben, auch wenn zugegeben werden muss, dass es sich bei ihnen zumeist um hochkomplexe multifaktorielle Abläufe han­delt, von denen in den allgemein zugänglichen Medien in der Regel eher schlichte und nicht selten verzerrende Darstellungen kursieren.

Es gibt aber auch Abweichungen hiervon. Als die GEO EPOCHE-Redaktion sich im Herbst des Jahres 2004 entschied, nach dem Heft über den 11. September 2001 ein zweites Sonderheft aus gegebenem Anlass herauszugeben, zählte ich schon zu den Abonnenten der Reihe, und dieses Sonderheft mit der Reihen­nummer 16 erschütterte mich so sehr, dass ich – was durchaus selten ist – umgehend eine Rezension dazu verfasste.

Ich schrieb sie direkt nach dem Auslesen des Heftes im März 2005, und wiewohl das inzwischen 19 Jahre her ist, hat sich mein ernstes, bewunderndes Urteil über diese Ausgabe nicht verändert.

Viele Menschen mögen heutzutage nicht mehr an die indonesi­sche Flutkatastrophe von 2004 denken, die später Geborenen kennen sie wahrscheinlich gar nicht … aber vielleicht solltet ihr euch diese lesenswerte Dokumentation einmal zu Gemüte füh­ren und dabei etwa an den Roman „Der Schwarm“ von Frank Schätzing und dessen jüngste Serienadaption denken. Denn so, wie es HIER geschah, in Indonesien anno 2004, so hätte es in der Verfilmung sein sollen, das hätte den szenischen Gedanken des Romans entsprochen.

Tsunamis sind, auch das wird gern ausgeblendet, heutzutage immer noch eine Bedrohung der von Menschen bewohnten Küs­ten. Und damit ist das, was der Grundtenor des vorliegenden Zeitschriftenbandes ist, immer noch akut.

Ich finde es deshalb wichtig, an diesen Ausnahmejournalismus zu erinnern und ihn jenen zur Lektüre zu empfehlen, die damals den Blick anderswohin gerichtet hatten und denen dies entgan­gen ist.

Bitte weiterlesen:

Tsunami – Der Tod aus dem Meer

GEO EPOCHE Nr. 16

Februar 2005

162 Seiten, 8.00 Euro

Verlag Gruner+Jahr AG & Co KG

26. Dezember 2004.

3,316° Nord, 95,854° Ost, 7.58.53 Uhr Ortszeit.

Dies ist der Ort, dies ist die Zeit, zu der sich die Weltgeschichte einer ganzen Region verändert. Dies ist der Moment eines win­zigen Zuckens der Erde.

Das Zucken findet beinahe unmerklich mehr als zehn Kilometer tief unter der Oberfläche statt, an einem Ort ohne Zuschauer, ohne Personen, die registrieren konnten, was geschah. Man kann es nur im Nachhinein rekonstruieren.

Die Erschütterung, mit der sich mehrere Gesteinsplatten der Erdkruste ruckartig in zwei aufeinanderfolgenden Etappen – zu­sammen nicht länger als 400 Sekunden dauernd – verschieben, setzt die schier unvorstellbare Energie von etwa 32.000 Bom­ben des 1945 über dem japanischen Hiroshima abgeworfenen Nuklearsprengsatzes frei. All dies geschieht unmittelbar vor der Westküste Indonesiens.

Für Mutter Erde ist der Erdstoß vernachlässigbar.

Aber über dem Hypozentrum der Erschütterung erhebt sich eine hohe Wassersäule, die sich nun in alle Richtungen kreisförmig in Bewegung setzt und die Wucht des Bebens weiterträgt. Später wird man dafür den rechnerischen Wert von 9.0 auf der nach oben offenen Richterskala für seismische Erschütterungen er­mitteln.

Das Seebeben setzt einen Tsunami in Bewegung, eine furchter­regende, unaufhaltsame, alles zermalmende Gewalt, die mit ei­ner Geschwindigkeit von achthundert Stundenkilometern auf die von Menschen bevölkerten Strände des Indischen Ozeans losstürmt.

Auf eine Küstenregion, an der niemand vorbereitet ist.

Im Verlauf von nicht viel mehr als acht Stunden – die ersten Op­fer gibt es nach nicht einmal fünfzehn Minuten – werden Zehn­tausende von Quadratkilometern Sumpfland, Mangroven, Pal­menstrand, Korallenriff, Inseln, Häfen, Städte und Dörfer, ja, wird schlechthin alles plattgewalzt sein. Züge werden aus den Gleisen geschleudert, Schiffe kilometerweit ins Landesinnere geworfen, Lastwagen wie Spielzeuge herumgewirbelt. Ganze Viertel stürzen unter der Wucht der Wassermassen in sich zu­sammen, implodieren schier. Touristenhotels werden zum Teil bis auf die Grundmauern abgetragen.

Unbeschreibliche Tragödien spielen sich hier ab, als die weitaus meisten Bewohner und Urlauber der Region von den entfessel­ten Naturgewalten verschlungen, ertränkt und zermalmt wer­den. Am Ende werden mehr als dreihunderttausend Todesopfer gezählt sein, mehr als weitere hunderttausend vermisst. Und das sind nur die, von denen man weiß. Es gibt mehr: steinzeitli­che Stämme auf den Andamanen. Illegale Siedler. Piraten. Schmuggler. Rebellen auf geheimer Mission, von denen nie­mand mehr etwas hören und sehen wird …

Der Tsunami vom 26. Dezember 2004 ist mit Abstand die größte Naturkatastrophe, diejenige, die am meisten Menschenopfer ge­fordert hat, nicht nur im 21. Jahrhundert, sondern wohl auch im 20. Jahrhundert.

Das GEO EPOCHE-Sonderheft, das von der Hamburger Redakti­on außerplanmäßig ins Leben gerufen wurde, hilft dem fas­sungslosen Rezensenten wie jedem, der bereit ist, sich darauf einzulassen, zu verstehen, was dort vor Ort wirklich passierte. Warum niemand die Menschen warnte. Was konkret alles fehl­schlug. Wie haarfein die Trennlinie zwischen Leben und Tod, zwi­schen Zufall, Vernichtung und Errettung war. Und wie couragier­te, zu allem entschlossene Menschen schließlich in Rekordzeit die Hilfe anbahnten, um wenigstens das größte Leid lindern zu helfen.

Der Historiker und Journalist Cay Rademacher beschreibt in ei­nem langen, unglaublich packenden Essay gleich dem, den er einstmals im GEO EPOCHE-Heft „Der 11. September 2001“ brachte1, wie die seismischen Gewalten das komplexe Gewirr der politischen, wissenschaftlichen und kommunikativen Ver­flechtungen der menschlichen Gesellschaft gerade da aushebel­ten, wo es hätte zusammenarbeiten müssen. Weihnachtsurlaub, Wochenende, nicht besetzte Dienststellen, ängstliche Sorge um den eigenen Posten und vieles andere mehr bringen Stillstand und Ratlosigkeit statt Hilfe.

Das Endergebnis ist, man kann es kaum anders nennen, die rei­ne Apokalypse. Und das, was danach folgt, wird ein erbar­mungsloser Wettlauf gegen die Folgen der grauenhaften Kata­strophe. In schonungslosen, verstörenden Fotos wird der Be­trachter in den Sog der zum Teil zwanzig Meter hohen, drei Kilo­meter ins Landesinnere flutenden Todeswoge hineingesogen, lernt zahlreiche Einzelschicksale kennen, richtige Entscheidun­gen, Fehlentscheidungen, Wunder …

Nach der Flut geht, wie Andrea Böhm darstellt, das Chaos auf einer anderen Ebene weiter. Wie kann man überleben in Städ­ten, die zu formlosen Schutthaufen zusammengeschwemmt worden sind? Wie umgehen mit Tausenden von Leichen, die mit jeder Flut neu angeschwemmt werden und im tropischen Klima rasch zu verwesen beginnen? Wie organisiert man die größte Hilfsaktion in der Geschichte der UN? Und was tut man mit kon­kurrierenden, zum Teil völlig desinformierten Helfergruppen aus aller Herren Länder?

SPIEGEL-Redakteur Ralf Beste dokumentiert, wann und wie Au­ßenminister Joschka Fischer und die Bundesregierung von dem Desaster erfuhren und rollt minutiös auf, was hinter den Kulis­sen geschah. Gleichzeitig erhält man einen Eindruck von der im­mensen Spendenbereitschaft der Deutschen und der Weltge­meinschaft insgesamt.

Dem Arzt Martin Lindner liegt mehr jener unheimliche Schrecken am Herzen, der niemals endet – die Traumata, die die Überlebenden davongetragen haben und von denen sie womög­lich bis an ihr Lebensende seelische Narben davontragen wer­den. Er weiß Erschütterndes zu berichten.

Und schließlich, auch darüber wird in den Medien allgemein recht wenig gesagt, schließlich folgt der notwendige Blick in die Zukunft. Ein lange Interview, das der GEO-Redakteur Jens Schröder mit Fachwissenschaftlern und Politologen führte – un­ter ihnen die Asienexperten Dr. Christian Wagner und Dr. Kay Möller sowie der Krisenexperte Dr. Patrick Lagadec – , bringt bit­tere Wahrheiten an den Tag. Ungeachtet des „Spendenmara­thons“ und der intensiven Hilfsbereitschaft werden sich viele Dinge nicht zum Positiven wenden. Es stehe etwa fest,

  • dass beispielsweise bei der Katastrophe wieder einmal jene Menschen getroffen wurden, die kaum über Einkommen ver­fügten. Fischer etwa.

  • dass diese Leute zum erheblichen Teil – außer eben von Ange­hörigen – kaum vermisst werden.

  • dass das Wohlstandsgefälle sich wahrscheinlich selbst in Indo­nesien nicht sonderlich verändern dürfte. In Bürgerkriegsregionen, etwa auf Sri Lanka und Banda Aceh in Indonesien, seien zwar ganze Städte untergegangen, doch der allgemein schon vorher schwelende oder zügellos eskalierende Hass verschiedener Volksgruppen, er bleibe und vergifte weiter das Klima, jetzt vielleicht schlimmer als je zuvor …

Den Schluss bildet eine akribische, durch Satellitenfotos ge­stützte und kartografisch gut umgesetzte Gesamtschau der Schäden, die rings um den Indischen Ozean entstanden sind. Das bloße Wissen, dass dies nach geologischen Maßstäben eine wirklich KLEINE Katastrophe darstellt, lässt den Leser erschau­ern und die ganze Nichtigkeit der menschlichen Existenz erken­nen. Allein das ist ein Effekt, der in meinen Augen sehr heilsam ist.

Das vorliegende Heft von GEO EPOCHE hält einen seismischen Lidschlag der geologischen Ewigkeit des Planeten Erde aufwän­dig dokumentiert und erschütternd aufgearbeitet für die Gegen­wart fest. Die Ausgabe mahnt die Lebenden, aus der Katastro­phe zu lernen und die Zukunft besser zu gestalten, doch sie ver­breitet keinen übertriebenen Optimismus. Sie bleibt dem An­spruch verpflichtet, unparteiisch und vorbehaltlos zu informie­ren, den Lesern in die Herzen zu sehen und zu ihren Seelen zu sprechen, oft auch mit unbequemen Wahrheiten, die man un­gern hört.

Diejenigen, die sich in den wirren Wochen nach dem 26. Dezem­ber 2004 gefragt haben mögen, was dort unten alles schief ge­gangen ist, die vielleicht selbst Freunde oder Angehörige verlo­ren haben und/oder von dem unbändigen, peinigenden Drang des Mitgefühls gemartert wurden – ich denke, all diese Men­schen werden mehr von all den Ereignissen verstehen, die wo­chenlang die ganze Welt bewegt haben, wenn sie dieses Heft le­sen. Allein die minutiöse, fesselnde und erschütternde Reporta­ge von Cay Rademacher ist jeden Cent des Preises wert.

So furchtbar es auch sein mag, dass es stets Katastrophen sind, die solche Hefte hervorzubringen scheinen, so dankbar sollten wir der Courage derjenigen sein, die den Mut haben, sie zu ge­stalten. Es war, ungeachtet des Zeitdrucks, keine leichte Aufga­be, aber sie wurde in Angriff genommen und zu einem guten Ende geführt. Es ist jenseits des heute oftmals üblichen seich­ten Infotainments ein solides Stück ergreifender, bewegender journalistischer Arbeit geworden.

Habt vielen Dank dafür.

© 2005 by Uwe Lammers

Ich denke, man spürt auch über die zeitliche Distanz hinweg noch, wie bewegt ich damals war. An dieser Stelle kann ich mich nur wiederholen: Die Lektüre lohnt sich außerordentlich. Denn solche und analoge Katastrophen ereignen sich immer wieder – denken wir an das Erdbeben in der Türkei jüngst, denken wir an hirnlose Kriegsgeschehen seitens Russlands in der Ukraine. Für solche Fälle brauchen wir gründlichen, kritischen Journalismus wie den in diesem Heft.

In der nächsten Woche wird es sehr viel entspannter, verspro­chen. Dann bespreche ich den zweiten Band der „Perfect Passi­on“-Serie, und da ist Amüsement garantiert.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Vgl. dazu auch meinen Rezensions-Blog 376 vom 2. November 2022.

Liebe Freunde des OSM,

kreative Höhenflüge sollte man ausnutzen, solange man die Zeit dafür hat … und gottlob hatte ich – neben vielem Unge­mach mit den Ämtern und anhaltender Arbeitslosigkeit – diesen Monat lang exakt dies: Zeit zur Kreativität. Und das habe ich umfassend genutzt.

Im vergangenen Monat erzählte ich von der überraschenden Entdeckung der Welten des KONFLIKTS 11, und genau da ging dieses Abenteuer im Monat Mai weiter … allerdings nicht nur. Bis zum Monatsende konnte ich darüber hinaus auch die textli­che Komplettabschrift des KONFLIKTS 13 „Oki Stanwer Horror“ leisten. Die Episoden müssen noch fertig kommentiert werden, deshalb sind die Bände alle noch eingeklammert. Aber auch so bin ich schon bis OSM-Band 2208 gelangt. Der Monat Mai schloss insgesamt mit 29 fertig gestellten Werken, und hätte ich nicht in der zweiten Hälfte wieder mehr gelesen als zuvor, dann hätte ich wohl unstrittig das Niveau des Monats April erreicht.

Schauen wir uns das mal im Detail genauer an:

VvD 10: Himmelreich der Sternengeborenen

Blogartikel 543: Work in Progress, Part 125

(13Neu 72: Inferno Kristallwelt)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer Horror“)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer Horror“)

16Neu 57: Die Hermetiker von ELDORADO

VvD 5: Der Gesandte

VvD 6: Chaos auf Hydaspis

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Verteidiger von Demor“)

(OSM-Wiki)

(Verlorene Herzen – Archipel-Roman)

Anmerkung: Das ist das nächste Projekt für die Artikelreihe der Langzeitprojekte … beim Durchsehen entdeckte ich, dass es davon zwei leicht abweichende Dateiversionen gibt. Momentan bin ich dabei, beide anzugleichen … das ist eben der Nachteil, wenn man mal auf dem Laptop (selten) an so langen Texten weiterarbeitet und dann wieder am stationären PC. Nervt mich ein wenig, kommt aber bei den Zigtausenden von Arbeitsdatei­en auf meinen Rechnern immer wieder vor. Da würde mir si­cherlich eine KI schön weiterhelfen können … aber davon lasse ich lieber mal die Finger. Wenn ich schon sehe, was mir manch­mal das Rechtschreibprogramm für Müll vorschlägt, möchte ich nicht wissen, was eine KI aus meinen kreativen Texten wursch­teln würde.

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Verteidiger von Demor“)

VvD 7: Reich des Schreckens

13Neu 71: Festung Malsena

16Neu 58: Enklave der Freien

13Neu 69: Invasion der fliegenden Schädel

13Neu 70: Eine Gefahr namens CLOGGATH

Anmerkung: Damit hatte ich dann den insgesamt achtteiligen Finalzyklus der 13. OSM-Serie erreicht. Dass mich das ansporn­te, auch die restlichen Episoden komplett zu digitalisieren, könnt ihr euch vorstellen. Womit ich allerdings in dem Maß nicht gerechnet habe, sind bergeweise grobe Inhaltsfehler … da rauf­te ich mir dann manches Mal die Haare.

Ich möchte von all diesen Fehlern, die mich nervten, nur zwei erwähnen, einen eher schlicht formalen und einen richtig üblen Schnitzer:

Zum einen entdeckte ich, dass ich den amtierenden Ritter vom Goldkristall, Yorrok, hier mit einer entnervenden Regelmäßigkeit als „Magier“ ansprach. Der Kerl KANN gar nicht zaubern, er ist kein Schrumpf-Gandalf, wie ich ihn einmal gallig im Kommentar nannte, und mir ist heute klar, warum ich 1985 so oft diesen Fauxpas beging: Ich las viele Horror-Heftromane, in denen bei­spielsweise ein kleinwüchsiger Magier (!) namens Myxin eine Rolle spielte … und ich las viel Fantasy. Das blieb natürlich nicht ohne Einfluss auf diese OSM-Episoden. Kann nicht verblüffen. Das wird alles aus der Endfassung rausgestrichen und korri­giert.

Der zweite Fehler ließ mich mehrfach ungläubig blinzeln. Da tauchte doch in dem finalen Gemetzel tatsächlich nicht nur ein Dämon auf, der längst vernichtet war, sondern deren ZWEI! Und mir fiel das die ganze Zeit überhaupt nicht auf!

Nun kommt es beispielsweise (leider) auch in KONFLIKT 16 vor, dass ich mal eine schon verschiedene Protagonistin später wie­der auftreten lasse, aber das habe ich längst bemerkt … das hier jedoch war ein Fehler, der mir seit Dezember 1985 durch­geschlüpft ist. Das tat echt weh!

Blogartikel 542: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (LVI)

VvD 9: Miranda

Anmerkung: Ja, das Auftauchen von Miranda machte mir riesi­gen Spaß, kann ich euch sagen. Und das war nur die erste der Sternenfeen, die in KONFLIKT 11 auftreten, inzwischen sind es sehr viel mehr geworden. Und in 2 Wochen erfahrt ihr im Blog­artikel 549, wer da noch alles in Erscheinung tritt … fürwahr, mythische Völker! Diese Serie entwickelt sich einfach nur noch phantastisch.

VvD 8: Der Herrscher Estax

(13Neu 73: Der vierte Helfer)

(16Neu 60: Flug ins Galaxiszentrum)

VvD 11: Entdeckungen im Sonnengarten

Anmerkung: Und da war er dann also … Band 2200 des OSM. Wenn ihr diese Zeilen lest, wisst ihr darüber natürlich bereits seit sechs Wochen mehr. Aber es ist irgendwie süß, dass ich hier diesen Informationsvorsprung in Worte gießen kann und weiß, dass ich bis zu dem Zeitpunkt, da er euch zu Augen kommt, inhaltlich schon sehr viel weiter sein werde. Aktuell bin ich auf OSM-Band 2208, wie ich einleitend schrieb, aber dabei wird es eindeutig nicht bleiben.

16Neu 59: Report des Horrors

(Gabriela – Erotic Empire-Story)

(13Neu 74: OKI STANWERS PAKT)

(VvD 12: Stimmen der Vergangenheit)

Anmerkung: Dass ich diese Folge noch nicht fertig schrieb, hat einen interessanten Grund. Mir spuken dazu zwar ständig Bilder im Kopf herum, nicht zuletzt von einer äußerst sinnlichen Ster­nenfee-Agentin, aber die Mosaikstücke fügen sich noch nicht ganz zusammen.

Und seit gestern verschlinge ich einen alten SF-Roman von Jack McDevitt, der auf interessante Weise mit einem sehr verwand­ten Thema zu tun hat. „Mondsplitter“ steht seit ziemlich ge­nau 20 Jahren ungelesen in meinem Regal, aber es ist halt ein Katastrophenthriller, der sich darum dreht, dass ein Kometen­einschlag den Mond zerstört (da der Originaltitel „Moonfall“ lau­tet und mir viele der Passagen erstaunlich vertraut vorkamen, nehme ich sehr stark an, dass Roland Emmerichs Film „Moon­fall“ extrem an diesen Roman angelehnt ist … aber während ich den Film eher unglaubwürdig fand, kann man das vom Ro­man nun wirklich nicht sagen. Auch wenn er 25 Jahre alt ist, lohnt er immer noch die Lektüre, versprochen!). Ich nehme also an, dass ich im Anschluss an die Lektüre die katastrophale Situation auf Hydaspis genauer darstellen kann, als es mir vorher möglich war.

(Ashley – Erotic Empire-Story)

(Heather – Erotic Empire-Story)

(VvD 13: Reehns Verdacht)

Blogartikel 541: OSM-Band 2200

16Neu 55: Der Randkrieg

16Neu 54: GOLEMS Schergen

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“)

(VvD 19: Rebellin der Sternenfeen)

Anmerkung: Das ist die direkte Fortsetzung von Band 11 der Serie. Es gibt so Szenenblenden – wir hatten den Fall schon in KONFLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“, als Theamin in den Hellen Dom von Shallakhon hineintransportiert wurde, da muss ich einfach über meinen zögernden gedanklichen Schat­ten springen und Mut zur Lücke beweisen. Und es ist ein köstli­ches kleines Stück Episode, das ich hier zu Papier gebracht habe … da stehen dem Crelly-Mädel Fiyalin noch ein paar inter­essante Überraschungen bevor.

(13Neu 75: CLOGGATHS ENDE)

(16Neu 61: Die Rebellen der Milchstraße)

16Neu 56: Oki und sein Feind

(16Neu 62: MARCONIUS STANWER)

(VvD 14: Mission in Dyllawaar)

Anmerkung: Tja, und da war dann der nächste Stepstone in der Lücke. Ich stolperte über den Baumeister Sobal, den Rüstmeis­ter von Dyllawaar, rasselte in einen temperamentvollen Disput hinein und prallte mit einem ganzen Strauß faszinierender alter OSM-Völker zusammen … was dann binnen Tagen zum Blogarti­kel 549 führte. Ich komme ohne Frage in Bälde nach Dyllawaar zurück und arbeite hieran weiter. Auch da blühen ständig neue schöne Bilder in meinem Verstand auf … es ist die reine Wonne, kann ich euch versichern.

Der Mai 2023 ist kreativ echt ein Hammermonat!

(Oki Stanwer – Verteidiger von Demor = OSM-Hintergrund­text)

(Konstanten und Knochenkrieger (Update 2023) – OSM-Hintergrundtext)

Anmerkung: Der Text ist eigentlich schon ziemlich alt, und ich stolperte eher durch Zufall über ihn. Ich fragte mich nämlich zu Recht, warum ein Artikel, den ich schon 2003 abgeschlossen hatte, immer noch in der Rubrik „OSM-Fragmente“ herumlun­gerte … als ich ihn mir anschaute, wurde es mir klar: Inhaltlich hatte sich der OSM deutlich seither weiterentwickelt, und die Konsequenz bestand darin, dass er in der bestehenden Form doch ziemlich angestaubt und inhaltlich teilweise unzutreffend war. Besonders im Licht des KONFLIKTS 4 (damals noch nicht begonnen!) und des jüngsten KONFLIKTS 11 musste ich drin­gend ein Update in die Wege leiten … ich kam damit nur in die­sem Monat nicht mehr völlig zu Rande. Das ist eine Aufgabe für Juni.

(13Neu 76: „Der WÄCHTER ist ein Mörder!“)

(13Neu 77: TOTAMS RACHE)

Blogartikel 549: Treffen der mythischen Völker

Anmerkung: Dazu lächele ich jetzt nur und sage nichts weiter … in zwei Wochen könnt ihr da schön staunen.

(16Neu 63: Blick auf RANTALON)

Anmerkung: Tja, und hier merkt ihr, dass die Serie wirklich Schlag auf Schlag vorankam. Oki Stanwers Sohn taucht auf, die Haupt-KONFLIKT-Welt RANTALON für KONFLIKT 16 wird entdeckt, im Verein mit den schrecklichen Zeitgezeiten, das GRALSREICH wird besucht, und Oki lernt die geheimnisvollen GRALSJÄGER so nah kennen, wie er das gar nicht möchte … und ich versichere euch, das ist der Auftakt zu noch weitaus haarsträubenderen Abenteuern, die ich 1992/93 noch nicht recht vorhersah, die dann aber Mitte der 90er Jahre so enorm an Tempo gewannen, dass die Serie, die ursprünglich maximal 81 Bände Umfang be­kommen sollte, schlussendlich bis Band 125 verlängert werden musste, damit ich alle Informationen und Verbindungslinien auch gescheit unterbringen konnte.t

Mann, ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich darauf freue, diese Episoden digitalisieren und mit dem aktuellen OSM-Wissen kom­mentieren zu können. Das wird ein Wahnsinnsvergnügen!

(16Neu 64: DIE GRALSJÄGER)

(16Neu 65: Imperiumsherz in Fesseln)

(16Neu 66: INFERNO)

Puh, und damit war ich dann am stürmischen Monatsende ange­langt … und ich kann euch sagen, ich glühte geradezu vor Krea­tivität! Mit den 60er-Bänden des KONFLIKTS 16 bin ich in einem Segment der Serie angelangt, in dem sich tatsächlich die Ereig­nisse überschlagen. Die wirre Lage nach Band 50 klärt sich zu­nehmend auf und gibt den Blick auf ein vollständiges Alp­traumszenario frei. Neue, bizarre Protagonisten tauchen auf, grässliche Vorwürfe kursieren und haarsträubende Entdeckun­gen werden gemacht.

Aktuell sind die Close Up-Beiträge bis hierher noch nicht gedie­hen, aber das ist nur eine Frage weniger Wochen, auch wenn ihr diese Beiträge erst gegen Jahresende 2023 oder sogar 2024 erst lesen werdet. Ich kann schon jetzt versprechen: langweilig wird das in gar keiner Weise!

Ich bin schon rasend neugierig darauf, was ich euch in einem Monat an dieser Stelle berichten kann. Es bleibt auf alle Fälle spannend. Das habt ihr sicherlich an der obigen Berichterstat­tung gemerkt.

Bis demnächst, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.