Liebe Freunde des OSM,

es juckte mich schon in den Fingern vor ein paar Tagen, diesen Beitrag zu schreiben … genau genommen schon vor dem 1. Au­gust, als ich den aktuellen Work in Progress-Artikel (Nr. 660, er­scheint am 29. März) verfasste. Ich war im Monat Juli 2025 sehr tief in die modernen Horrorwelt-Episoden versunken und muss­te tatsächlich tief graben, um festzustellen, wann und wo ich das letzte Mal über diese Serie geschrieben hatte. Ich erspare euch mal mühsames Recherchieren in den gesammelten Blog­artikeln: Es war der Blogartikel 497, erschienen am 20. Septem­ber 2022.

Ja, das ist wirklich lange her. Der Grund ist der Klassiker: Der Bil­derstrom erlosch, und ich wandte mich anderen kreativen Bau­stellen zu, namentlich natürlich des OSM. Also musste ich euch mit dem Stand von Band 189 der Horrorwelt-Serie erst mal auf dem Trockenen stranden lassen.

Inzwischen befinde ich mich in der Arbeit am Band 200, und im Juli sind die Episoden 194-199 entstanden, die zum Teil zwi­schen 40 und 60 Seiten geradezu atemberaubend lang und hochkomplex wurden. Da sind goldige Szenen und großartige Dialoge entstanden, heimtückische Pläne offenbar geworden, dass es durchaus an der Zeit ist, hiervon an dieser Stelle zu er­zählen. Ich kann noch nicht recht sagen, wie schnell die Serie über Band 200 hinaus wachsen wird, das hängt von vielen Fak­toren ab … aber ich muss da nur an heute früh denken, als ich mit faszinierenden Gedankenblenden zu Band 200 aufwachte, um zu wissen, dass das schneller gehen mag, als ich mir das vielleicht gerade ausmale.

Ihr merkt: Auch wenn ich allmählich stramm aufs 60. Lebensjahr zugehe, ist von einem Erschlaffen der Kreativität wirklich so gar nichts zu spüren. Und immer wieder merke ich, wie wahr der Spruch eines leider schon toten Freundes ist: Die beste Droge ist ein klarer Kopf. Da hat er eine quasi ewige Wahrheit gelassen ausgesprochen.

Schauen wir also mal, wie sich die Serie jenseits von Band 189 weiterentwickelt hat. Ich setze direkt dort an, wo ich mit Blogar­tikel 497 damals aufhörte. Aber es ist wohl besser, damit ihr wieder in den Handlungsstrom hineinfindet, wenn ich ein wenig früher ansetze:

Was zuletzt geschah:

Nach dem Titanenkampf im Inselreich der Fehrer ist die Höllen­wolke über die Horrorwelt gezogen und hat auf offenbar irrever­sible Weise die Toten zu neuem Leben erweckt und in Form ei­ner Zombie-Apokalypse über die Lebenden kommen lassen. Die Welt versinkt in Finsternis, Chaos, Mord und Totschlag. Und je­der, der stirbt, wird automatisch zu einem Untoten und folgt den Toten im unerbittlichen Feldzug gegen die Lebenden.

Es kann also nicht verblüffen, dass ich das, als ich anno 1998 mit dem Schreiben an der Serie aufhörte, glaubte, das sei es jetzt gewesen, es gebe keinerlei Lichtblick mehr, und ich war wirklich nicht bereit, in einer „Resident Evil“-Welt weiterzuarbei­ten. Ich mag so ein Setting gar nicht und war unglücklich, dass sich hier wirklich alles auf schlechteste Weise verändert hatte, scheinbar ohne Aussicht auf Besserung.

Diese Sichtweise veränderte sich, als ich zwischen 2019 und 2021 die Serie komplett digitalisierte. Denn auf einmal tauchten da Elemente auf, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Im Insel­reich der Fehrer wurde beispielsweise der Echsendämon YTHO­KAAN und eine seiner Schwarzen Hexen angespült und hatte eine Begegnung mit einer unheimlichen Feuerwesenheit, die ihn schwer verwundete.

Da war die Waldhexe Firona, die designierte neue Königin der Feen, die mitsamt ihrer Feenfreundin Berielle vom Zauberland Trirach zurückgekehrt und in die Hände von Berserkern gefallen war … und nun von auftauchenden Kristallgeistern, so genann­ten Viyiini, zu einer Audienz mit einer uralten Bergwesenheit namens HOOGHYL gerufen wurde.

Und schließlich gab es auch noch den Handlungsstrom um den Hexendämon TOOWATAER und ihre wenigen überlebenden Amazonen von Cayyon, die im hohen Nordwesten des Nordkon­tinents der Horrorwelt das Werwolfheer des neuen Paladins des Roten Dämons, Graf Corian vom Schwarzen Blut, aufzuklären versuchten und dabei überraschend über den Geister sehenden Werwolf Jonesh stolperten … und dann in ein Reich der Geister gelangten, in dem TOOWATAER ihren alten und lange toten Ge­liebten, Fürst Anawandaal von Salgoorin, wieder traf.

Und ich lernte mit Doris vom Schattenstein eine jugendliche Protagonistin kennen, die die Adelsschule von Qualtaar verteidi­gen half. Schließlich musste ich verdutzt entdecken, dass die Totengeister einen gewissen Einfluss auf die Zombies und ande­ren Untoten in Wertan besaßen und den Amoklauf auf atembe­raubende Weise stoppten.

Nein, dachte ich, die Serie ist absolut nicht am Ende! Sie fängt gerade erst an, so richtig aufzudrehen! Und deshalb schrieb ich 2021 und 2022 intensiv daran weiter. 2023 entstand dann zwar nur noch eine Episode (Band 193), aber im Unterbewusstsein arbeitete es weiter. Und die nächste Kreativeruption ereignete sich dann im Juli 2025 und sah folgendermaßen aus:

Band 190: Das versunkene Königreich

Dieser und die beiden Folgebände thematisieren TOOWATAERS Erlebnisse im Totenland des Fürsten von Salgoorin. Sie sind ins­gesamt eher spannungsarm, bringen aber eine interessante Hintergrundklärung. Die traumatisierte Waldhexe Mira, die mit Firona und Berielle in den Berserker-Bergen mit den Berserkern konfrontiert wurde und die Werwölfe zu Hilfe rief, in deren Ge­walt sie dann geriet und als Werwolfhure missbraucht wurde, hatte lange Zeit geglaubt, ihre magischen Fähigkeiten seien er­loschen … spätestens mit Band 195 sollte sie dann erkennen, dass das ein Irrtum war. Und die Liebe zu dem Werwolf Jonesh half ihr natürlich zusätzlich, wieder Bodenhaftung und Hoffnung zu finden.

Band 191: Lebendige Vergangenheit

TOOWATAERS Amazonen sind voller Skepsis, was die geheimnis­volle Vergangenheit des Hexendämons angeht, den sie immer für eine Magierin namens Tanja hielten. Erst Anawandaals Na­mensnennung machte klar, dass sie in Wahrheit eine Dämonin ist. Auch Jonesh, der glaubt, dass TOOWATAER einst Tausende von Hexen in den Untergang trieb und sie deshalb für ein Unge­heuer hält, muss bewiesen werden, dass das nicht stimmt. Die­ser Band thematisiert das zentral und zeigt besonders die tiefe Vergangenheit um TOOWATAER und ihr Hexenheer, ihren Kampf gegen TOETAAR vor über 20 Jahren (1984/85 geschrieben). Und es wird deutlich, dass sie diese Verluste bis zur Gegenwart im­mer noch nicht verarbeitet hat.

Band 192: Der Jenseitspakt

Anawandaal von Salgoorin hat eine Lösung für das Problem, wie er denkt: Er will, dass TOOWATAER und Mira den Hexenspiegel im Kellergewölbe seines Palastes wieder aktivieren. Das vermö­gen nur magische, lebende Wesen, und das sind er und Seines­gleichen nun mal eben nicht mehr. Außerdem schlägt er einen atemberaubenden Lösungsplan für das Werwolf-Armee-Problem vor. Die traumatisierten und von Untoten gejagten Wertaner sei­en dazu zweifellos außerstande, gescheit Gegenwehr zu leisten … aber er schlägt nun vor, dass er und seine Geisterkrieger die Untoten beseelen und sie in den Kampf gegen die Werwölfe füh­ren! Dass so etwas möglich ist, haben die Bände 188 und 189 der Serie schon gezeigt.

Aber die Lebenden fühlen sich bei der Vorstellung durchaus un­wohl, ein erneutes Gemetzel in Szene zu setzen. Sie sind abso­lut kampfmüde. Doch es gibt offenbar keine Alternative.

Zumindest keine, die sie kennen

Band 193: Das Juwelenmädchen

Im Herzogtum Ogis haben verzweifelte Wertaner Zuflucht in ei­nem bizarren Urwald aus Blutdschungelpflanzen gesucht. Die Untoten halten scheue Distanz zu diesem Urwald, sodass die Siedler sich allmählich wieder beruhigen … aber den Wald wie­der verlassen können sie nicht, ohne sofort wieder in Lebensge­fahr zu sein.

In diesem Zusammenhang findet das kleine Außenseitermäd­chen Ginala offenbar einen Schatz und taucht bei seinen Eltern mit einem unglaublich kostbaren Juwelenarmband auf. Ginala behauptet, eine neue Freundin, das „Juwelenmädchen“, habe ihn ihr geschenkt. Natürlich glaubt ihr niemand, denn der Wald ist ja selbst von Tieren verlassen. Von anderen Menschen gibt es erst recht keine Spur. Alle denken deshalb, sie habe diesen Schatz irgendwo in den Ruinen gefunden, die im Blutdschungel entdeckt wurden. So bricht Schatzfieber aus … und Ginala ist beleidigt, weil man ihren Worten mal wieder nicht traut. Und sie sucht ihre Freundin, das „Juwelenmädchen“ Nayila, das es durchaus gibt. Es ist nur nicht von dieser Welt, sondern lange tot und quasi ein Geist. Und dann verschwindet Ginala spurlos.

In Wertans Hauptstadt Yrgaal erlebt derweil der an einem Herz­infarkt verstorbene Regent Hlymor Cur in seinem Regierungs­sitz, wie sein treuer Adlatus Ageenor vor seinen Augen von ei­nem Zombie geradewegs erschlagen wird. Als Geist hilflos da­bei stehend kann Hlymor Cur daran nichts ändern … und auch nicht daran, dass sowohl sein Leichnam als auch der seines Freundes anschließend zu untotem Leben erwachen und sich an dem weiteren Morden beteiligen.

So ist es also, tot zu sein, sagt er sich deprimiert … als er einen seltsamen Laut aus den Kellergewölben vernimmt und ihm folgt. Er und sein geisterhafter Gefährte finden ein geheimes, vermauertes Gewölbe, in dem ein Feenkristall magisch funkelt – ein so genannter Brückenkristall. Er versetzt sie, wenn auch nicht in Nullzeit, direkt in einen geisterhaften Kristallpalast, der sich im Herzogtum Ogis dort befindet, wo der Blutdschungel existiert.

Und sie werden von einem juwelengeschmückten Mädchen na­mens Nayila begrüßt, das vor dreitausend Jahren gestorben ist und sich nun anschickt, wiedergeboren zu werden …

Band 194: Jahrtausendpläne

Fortsetzung von Band 194. Hlymor Cur wird klargemacht, dass er Zeuge eines jahrtausendealten Planes wird. Nayila, die einst ein langes Leben von rund dreihundert Jahren führte und verge­bens bis zum Lebensende hoffte als Tochter HOOGHYLS nach Trirach berufen zu werden, um die neue Feenkönigin werden zu können, verfolgt nun einen neuen Plan. Der Blutdschungel ist eine direkte Schöpfung der aktivierten alten Magie des Ortes, und er ist zugleich eine Schnittstelle zwischen der realen Welt und der Sphäre der Geister. Indem die Siedler wie Ginala die magischen Früchte des Waldes genießen, entsteht eine immer stärkere Affinität zwischen Menschen und Feengeistern, und Nayila verschmilzt als erstes mit Ginala. Die anderen Ogis-Wertaner im Wald sollen diesem Schicksal folgen.

Hlymor Cur hält das für entsetzlich, aber Nayilas tote Feenratge­berin Tisina erklärt ihnen geduldig, dass diese Sicht provinziell und kurzsichtig ist. In Wahrheit werden die so entstehenden Hy­briden die Untoten auf Distanz halten … und sie werden magi­sche Wesen sein, deren Lebensspanne mehrere hundert Jahre währt. Auf diese Weise soll das Feenvolk neu erstehen. Wer al­lerdings – wie Hlymor Cur und Ageenor – schon ein Geist ist, kann die Nahrung der Feen nicht zu sich nehmen und wird dar­um von der Wiedergeburt ausgeschlossen sein. Wie Nayila es offen sagte: Hlymor Cur kommt offenbar dreitausend Jahre zu spät.

Doch das ist ihr Plan.

Dummerweise haben die Feen aber schon eine neue Regentin – die Waldhexe Firona, die als Königin Firona-Fisch in HOOGHYLS Audienzsaal angekommen ist. Sie hat ebenfalls einen Plan, der nun in die Realisierungsphase strebt. Und die Pläne der beiden Frauen scheinen sich definitiv auszuschließen …

Band 195: HOOGHYLS Audienz

In HOOGHYLS reisendem Audienzsaal, der magisch durch die Horrorwelt gleitet und von außen nicht erkennbar ist, treffen nun zunächst die Zwerge um Chunetz ein, zusammen mit der Waldhexe Franca und NANERAEK. Dann schaltet der Feengeist Zhyani eine magische Bildverbindung ins Totenreich des Fürsten Anawandaal von Salgoorin, wo Firona zu ihrem Entzücken Mira und TOOWATAER wieder sieht – und dann den Geist ihrer ver­storben Mutter Janina, was sie völlig fassungslos macht.

Als nach einer Lageklärung Anawandaal seinen Plan offenbart, wie die Werwolf-Armee unschädlich gemacht werden soll, ver­wirft Zhyani diesen Gedanken sofort kategorisch: Dies seien Me­thoden des Feindes, und der Feind erwarte diese Art von bruta­ler Gewalt. Der Plan werde auf der Stelle sterben! Es gäbe eine bessere Methode der Bekämpfung.

Dann wird auch Verbindung zum Geisterreich der Feen in ihrem Kristallpalast aufgenommen, der sich im magischen Blutwald von Ogis befindet. Nayila, Tisina und Hlymor Cur werden nun Zeugen der Tatsache, dass die Feen eine neue Regentin haben … und Nayila weigert sich sofort, das anzuerkennen – und wird umgehend von HOOGHYL höchstselbst brutal gemaßregelt. Da sie schon mit Ginala verschmolzen ist, könnte sie das töten … aber Firona bittet den uralten Berggeist um Einsehen, und die Bestrafung endet sogleich. Damit ist offenkundig, wer hier die Regentin der Feen ist und wer nicht.

Nayila ist am Boden zerstört.

In der Folge wird in der Audienz der Plan konkretisiert, dass die Zwerge zusammen mit den Kristallgeistern, den Viyiini, und HOOGHYL eine analoge Barriere aus Labyrinthpfaden anlegen sollen, wie sie die Berserker-Berge zu einem Gefängnis für die derben Krieger gemacht haben. Als Ort werden die Teufelsberge ausgewählt, eine lange horizontale Bergkette, die das König­reich Wertan gen Norden vom Rest des Nordkontinents abrie­gelt.

Derweil soll Nayila ihren Plan des hybriden Menschen-Feenvol­kes in Ogis weiter verfolgen. Wenn die Werwolf-Armee eingefan­gen ist, heißt es, wird Wertan einige Jahrzehnte haben, um ei­nerseits das hybride Mensch-Geister-Untotenreich des Königs Wertan I. zu stabilisieren, zum anderen um Ginalas neuer Hy­bridengeneration Gelegenheit zum Wachstum zu geben. Der Walddämon NANERAEK und seine Geliebte Franca sollen zudem Hexenwälder in Wertan neu begründen und erhalten dafür von HOOGHYL gehortete Ewigkeitssamen.

Doch noch weiß niemand, ob der Plan mit der Barriere gelingen wird. Wenn das fehlschlägt, wird ein schreckliches Chaos die Folge sein, und die Werwölfe vermutlich den ganzen Kontinent erobern …

Band 196: Im Reich der Fehrer

Blende ins Reich der Fehrer. Hier hat, wie erinnerlich, der Rote Dämon mit dem jungen entlaufenen Sklaven Satajon einen neu­en Vasallen gefunden, den er über magische Dolche kontrolliert. Die in einer Kultstätte gefundene Schwarze Hexe Carina, die aufgrund von YTHOKAANS Handlungen ihre magischen Fähigkei­ten verloren hat, wird vom Roten Dämon Satajon als willige Hure zur Verfügung gestellt.

Sie haben inzwischen in einem Dorf der Chaoskinder den ver­letzten Echsendämon YTHOKAAN gefunden, der mit den Keim­lingen der Feuergöttin Shalaa aneinander geriet und all seine Gefährten und Diener verlor. Der Rote Dämon plant nun, den Kontakt mit dieser Feuergöttin wieder aufzunehmen, und zu die­sem Behuf stellt er eine kleine Eskorte von Kindern zusammen, zu der YTHOKAAN, seine Pflegerin Yesira, Satajon und Carina ge­hören.

Er ahnt nicht, als sie in sehr langsamem Marsch in Richtung Küste der Insel Ciryo II aufbrechen, dass Carina schreckliche Alpträume hat, über die sie nicht redet. Im ersten träumt sie, im Meer zu versinken und mit einer rätselhaften Gestalt in roter Kutte und Perlmuttmaske konfrontiert zu werden.

Im zweiten Traum, am Ende dieser Episode, betritt in einem wei­teren Traum diese Gestalt die Lichtung, auf der die Gruppe ge­rade ruht und kündigt ihr an, ihre Rolle sei morgen beendet. Sie solle jetzt ein letztes Mal schlafen, was sie dann auch tatsäch­lich tut.

Das Erwachen im nächsten Band ist von schrecklichster Sorte.

Band 197: Magische Metamorphose

Auf der Lichtung taucht am kommenden Morgen eine Gestalt in roter Kutte auf und behauptet gegenüber Satajon, aus dem der Rote Dämon spricht, überaus selbstsicher, sie würden die Küste nicht erreichen. Es dauert aber eine Weile, bis der Rote Dämon begreift, dass aus dieser Kuttengestalt sein Bruder MOEDERAAN spricht, der Intrigantendämon … und er enthüllt den schre­ckensstarren Versammelten, dass sie erstens die magisch abge­schirmte Lichtung nicht mehr verlassen können. Zweitens ist Carina beim Untergang der Schlangenkopf-Armada ertrunken (daraus resultierte ihr erster Traum), und es war MOEDERAAN selbst, der sie in der Kultstätte des Roten Dämons wiederbeleb­te und zurückließ.

Außerdem gibt er kaltblütig zu, dass er nach Graf Corians Tran­sit aus dem Arsenal des Roten Dämons zum Nordkontinent das Arsenal von außen versiegelt hat, woraufhin alle Verbindungen des Dämons nach außen wirkungsvoll gekappt wurden. So blieb ihm nur die Möglichkeit, die magischen Dolche in der Kultstätte zu beleben … und damit und mit Satajons Unterwerfung und der von Carina tat er genau das, was MOEDERAAN die ganze Zeit geplant hatte.

Dann beginnt sich Carina in ein monströses Wurmwesen zu ver­wandeln – und wird vom Roten Dämon umgehend mit seinem Dolch vernichtet.

Das werde nichts bringen, erklärt MOEDERAAN ruhig. Immerhin hätten sie ja bekanntlich alle die Nahrungsmittel gegessen, die Carina in den letzten Tagen zubereitet habe … und so alle den Wurmkeim MOEDERAANS aufgenommen.

In der Tat beginnen sich nun nacheinander alle Anwesenden in Monsterkreaturen zu verwandeln, und der Rote Dämon ist ge­zwungen, sie nacheinander zu vernichten, bis nur noch er und YTHOKAAN am Leben sind … und schon die magische Metamor­phose in sich wühlen spüren.

Vor die grässliche Wahl gestellt, Wurmwesen unter MOE­DERAANS Kontrolle zu werden oder sich selbst zu vernichten, wählen beide schweren Herzens letztere Variante. Doch wäh­rend YTHOKAAN endgültig vergeht, kehrt der Geist des Roten Dämons ins Arsenal zurück und sucht nun zornentbrannt den Kontakt zu seinem Vasallen Corian.

Er soll MOEDERAAN umgehend bestrafen!

Band 198: Unter dem Wolfsbanner

Blende zu Corian und dem Reich der Werwölfe im Nordwesten des Nordkontinents. Hier hat der Graf des Schwarzen Blutes derweil ganz fremdartige Sorgen – er wird von höllischen, im­mer gleichen Alpträumen schier in den Wahnsinn getrieben. Er erlebt wieder und wieder, wie sich der Rote Dämon im Reich der Fehrer mit seinem besten Freund, dem Beraterdämon COORAET, duellierte. Und wie COORAET in seiner Rüstung in magischer Glut bei lebendigem Leib verbrannte.

Und nun macht Corian eben dieser Geist COORAETS unablässig Vorhaltungen, nennt ihn einen rückgratlosen Feigling … und in diesen Alpträumen gebärdet er sich wie wahnsinnig und findet beim Erwachen die in Raserei zertrümmerte Einrichtung seines Schlafgemachs wieder.

Seine Geliebte Chagarthe ordnet daraufhin an, dass sie sich in die Werwolfmetropole Whookart begeben sollen, um einen Wer­wolf-Zauberer zu konsultieren … und zu ihrem Schrecken stellt sich heraus, dass Corian von einem Geist besessen ist – von COORAETS Geist! Und erst die schmerzhafte Brandmarkung mit einem magischen Mal vereitelt ein für allemal, dass diese Heim­suchung Corian in den Wahnsinn treiben kann.

Er und Chagarthe kehren zum Werwolf-Heer zurück, um es für den Aufbruch nach Wertan bereit zu machen. Sie ahnen nicht, dass der Werwolf-Zauberer Krandur nach ihrem Aufbruch einen magischen Verbindungspfad konsultiert und seinem „Meister“ berichtet, er habe das Mal aufgebracht. Sein „Meister“ ist damit außerordentlich zufrieden – es handelt sich dabei um den Intri­gantendämon MOEDERAAN, der hiermit seinen nächsten Schachzug beginnt. Und damit beginnt das eigentliche Verhäng­nis.

Band 199: Irrgarten aus Kristall

Fortsetzung von Band 198. Corian und Chagarthe sind zurück im Werwolflager. Das Heer wird mobilisiert, als der Rote Dämon Kontakt mit Corian aufnimmt und ihm ultimativ befiehlt, die Richtung des Heereszuges zu ändern. Er soll gen Nordosten marschieren und das Wurmreich seines Bruders MOEDERAAN angreifen! Nach der schmachvollen Niederlage im Reich der Fehrer (Bd. 197) ist das sehr begreiflich.

Corian weigert sich, weil er das für ein taktisch nicht verant­wortbares Risiko hält.

Als der Rote Dämon ihn daraufhin über den magischen Spiegel mit einem Loyalitätsbann belegen möchte, perlt er wirkungslos ab – wegen des Males, das den Grafen vor der Geisterbesessen­heit schützt. Auf diese Weise kann ihn nun auch der Rote Dä­mon nicht mehr beeinflussen.

Zähneknirschend bewilligt er also den ursprünglichen Marsch­plan. Aber im Anschluss unter die Unterwerfung Wertans soll er MOEDERAAN strafen.

Wenig später setzen sich gut 15.000 Werwölfe und ein paar tau­send rusianische Menschensklaven in Marsch gen Süden, wobei sie alte Schauplätze der Horrorwelt-Serie streifen: Die Region, wo TOOWATAERS Hexenheer unterging, dann die Gegend des niedergebrannten Hexenwaldes, wo nun ein unheimlicher magi­scher Purpurdschungel mit Blutvegetation wuchert (!) … und dann stakt ein Untoter über die Steppe auf sie zu, beseelt mit einem Geisterkrieger des Königreichs von Salgoorin, der Corian nahe legt, er solle mit Anawandaal von Salgoorin ein Gespräch führen.

Der Graf sieht dazu keinerlei Veranlassung. Er vernichtet den Zombie und scheucht den Geist fort. Aber seine Geliebte Cha­garthe beginnt sich nun sehr unbehaglich zu fühlen, auch des­halb, weil in den folgenden Tagen immer wieder Geisterkrieger, die Untote beseelen, ihrem Zug auf Distanz folgen. Was uner­klärlich scheint, da das Totenreich bekanntlich weit hinter ihnen im Westen zurückbleibt.

Schließlich überredet Chagarthe Corian, die Audienz über den magischen Spiegel doch zu suchen … und hier sieht er an der Seite Anawandaals von Salgoorin COORAETS einstige Frau Mira und … TOOWATAER. Und TOOWATAER erklärt ihm am Ende der Diskussion, sie habe schlechte Neuigkeiten für ihn: Die Invasion Wertans werde nicht stattfinden. Nicht jetzt und nicht im nächs­ten Jahr, sondern gar nicht. Dann unterbricht sie die Verbin­dung.

Corian ist außer sich vor Zorn, und als bald darauf die Teufels­berge in Sicht kommen, lässt er sich von einem Werwolf-Zaube­rer ein Orakel werfen … doch das kommt zu dem Schluss, dass keine feindliche Armee wartet. Alles hier ist verlassen, und au­genscheinlich sind die verängstigten Wertaner aus den Bergen alle nach Wertan geflüchtet. Also lässt er grimmig die ganze Ar­mee weiter vorrücken … und läuft mitten in die magische Falle, die Zhyani, HOOGHYL und die Zwerge zwischenzeitlich perfektioniert haben und die sich direkt hinter ihren letzten Soldaten schließt.

Die Teufelsberge erweisen sich als ein verstörendes magisches Labyrinth, aus dem man weder vorwärts noch rückwärts mehr entkommen kann. Corian verflucht zwar TOOWATAER, aber er kann rein gar nichts mehr tun. Er ist rettungslos verloren und auf unabsehbare Zeit mit seiner ganzen Armee in der Bergkette gefangen.

So kann ganz zum Schluss des Zyklus „Die Erben des Chaos“ (Horrorwelt-Band 100-199) die Bedrohung für die noch lebenden Wertaner abgewendet werden, und eine Zeit der Erholung und Konsolidierung beginnt. Nun dämmert mit Band 200 eine neue Epoche der Horrorwelt herauf – das Zeitalter der Feen.

Ich denke, ihr merkt, dass da ganz schön Dampf in der Ge­schichte ist und könnt jetzt vielleicht ein wenig besser als bisher nachvollziehen, warum mich das im Monat Juli 2025 so vollkom­men absorbiert hat, dass ich selbst für den OSM nur minimale Aufmerksamkeit übrig hatte.

In der kommenden Woche switchen wir mal einen Monat zurück – dann erzähle ich euch, womit ich meine Zeit im Monat Juni 2025 verbracht habe. Übrigens auch eine äußerst interessante Zeit.

Mehr dazu erfahrt ihr in sieben Tagen an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 547: Dr. Who – Kampf um die Erde

Posted Februar 11th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

das hier war ein überraschendes Freundesgeschenk, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte. Das wirklich schon sehr alte Buch entstammt einem Buchpaket, das ich gesandt anno 2025 be­kam, und da ich ja ohnehin ein Faible für die britische BBC-Fern­sehserie Doctor Who habe, lag es nahe, dieses dünne Taschen­buch ziemlich weit oben auf dem Stapel der noch zu lesenden Bücher zu platzieren.

Wie ihr sehen könnt, hat es auch nicht allzu lange gedauert, bis ich es geschmökert habe und dann umgehend eine Rezension dazu verfasste.

Und wie es sich für eine Zeitreisegeschichte gehört, führt diese Reise natürlich in die Zukunft. Damit ist meine Bemerkung von der Vorwoche zur Hälfte erklärt. Aber zugleich ist dies die Ver­schriftlichung eines Filmskripts, das in den frühen 60er Jahren als BBC-Episodenreihe in der Doctor Who-Serie ausgestrahlt wurde. Insofern passt auch die Feststellung, dass wir hier in die 60er Jahre zurückgehen.

Wer immer von euch die rollenden „Pfefferstreuer“ der Daleks, der Urfeinde des Timelords vom Planeten Gallifrey, zu schätzen weiß, die einstmals der BBC-Serie vom Eintagsfliegen-Phäno­men zum jahrzehntelangen Kultabenteuer verhalfen, der ist hier genau richtig.

Hier erobern die Daleks die Erde.

Und dann taucht die TARDIS mit dem Doktor auf …

Dr. Who. Kampf um die Erde

(OT: Doctor Who and the Dalek Invasion of Earth)

Von Terrance Dicks

Schneider Verlag, München 1977

160 Seiten, TB

Übersetzt von Ulla Neckenauer

ISBN 3-505-07302-4

Durch einen schönen Zufall fiel mir dieses antiquarische Buch vor kurzer Zeit in die Hände. Es handelt sich um die frühe deut­sche Übersetzung eines Subzyklus der alten Doctor Who-Serie. Mit solchen Büchern wurde von Seiten des Schneider-Verlages Mitte der 70er Jahre versucht, die seit 1963 im britischen Fern­sehen laufende SF-Kultserie „Doctor Who“ auch im deutschen Ausland prominenter zu machen. Wie wir wissen, war diesen Versuchen lange kein Erfolg beschieden, und als die alte Serie 1989 eingestellt wurde, hatten diese Ansätze längst das Zeitli­che gesegnet. Erst nach dem Wiederaufleben der Serie im Jahre 2005 kam es bis heute zu einer stärkeren Verbreitung von Doc­tor Who-Abenteuern in Übersetzungen und Comicform bei uns.

Dieses Buch adaptiert in Romanform die Episoden 4-9 (The Da­lek Invasion of Earth) der damaligen zweiten Staffel der Origi­nalserie, die mutmaßlich 1964/65 ausgestrahlt wurde (nach der Gesamtzählung waren es die Episoden 46-51). Für die Zuschau­er einigermaßen überraschend tauchten hier die nachmaligen Erzfeinde des Doktors, die Daleks, wieder auf. Erstmals waren sie im zweiten Subzyklus der ersten Staffel, also den Episoden 5-11 (The Daleks) aufgetreten, als es die TARDIS des Doktors zum Dalek-Heimatplaneten Skaro verschlug. Damals schien es so, als seien die von Terry Nation ersonnenen Daleks allesamt vernichtet worden und die Gefahr vorbei … aber ganz so wie weiland bei Arthur Conan Doyle und seinem Meisterdetektiv Sherlock Holmes sehnten sich die Zuschauer wieder nach den seltsam schnarrend sprechenden, mörderischen „Pfefferstreu­ern“, die bis heute zu dem Hauptbösewichten der alten wie neu­en Serie zählen.

Die TARDIS ist auf dem Weg zurück zur Erde und in ihre Heimat­zeit, also das Jahr 1963, um dort die Lehrer Barbara Wright und Ian Chesterton wieder abzusetzen. Sie landen zwar auf der Erde, ja, sogar in London, aber man schreibt das Jahr 2080 … und die Metropole ist eine Geisterstadt, bevölkert von monströ­sen marionettenartigen Robomännern und deren nicht minder Furcht erregenden Gebietern: den Daleks! Sie haben, wie Über­lebende alsbald berichten, die Erde überfallen, Millionen Men­schen ausgelöscht und den Rest versklavt. Sie betreiben im Norden Englands dem Vernehmen nach ein gigantisches Berg­werk mit menschlichen Sklavenarbeitern, aber der Zweck ist völlig unklar.

Während Ian, Barbara und Susan Foreman, die angebliche Enke­lin des Doktors, voneinander getrennt werden und sich ver­schiedenen Rebellen anschließen, zum Teil auch in Gefangen­schaft geraten, gelangen sie schließlich auf verschiedenen We­gen tatsächlich in das unheimliche Bergwerk, in dem die Daleks einen für die Erde in jederlei Weise verheerenden Plan zu reali­sieren versuchen, der unbedingt vereitelt werden muss …

Mit einem stimmungsvollen und sehr passenden Cover von Da­vid A. Hardy, das ein Dalek-Raumschiff und kämpfende Daleks vor Big Ben zeigt, liegt sowohl für die Kenner der alten Episoden – die ich glücklicherweise mit deutschen Untertiteln gesehen habe, als ich mich ab 2015 für die Serie insgesamt zu interes­sieren begann – wie für moderne Fans, die die klassische Serie noch nicht kennen, ein Buch vor, das ausdrücklich für LeserIn­nen der Altersstufe 11-14 Jahre übersetzt worden ist. Man spürt das deutlich an der Schlichtheit des Duktus, der sich eng an das gleichfalls schematische Skript der Staffel anlehnt.

Gemessen an den modernen und deutlich anspruchsvoller ge­stalteten Abenteuer der aktuellen Serie ist diese Adaption der kurzen Filmepisoden, die in der Regel 25 Minuten Länge nicht überschritten und stets mit einem dramatischen Cliff-hanger schlossen, durchaus geeignet und locker lesbar. Wer die alten Episoden kennen sollte, kann auf diese Weise noch einmal le­send in das alte Setting eintauchen.

Alles in allem eine nette Nebenbeilektüre, die für die hundert­prozentigen Fans vermutlich ein Muss für ihren Bücherschrank darstellt.

© 2025 by Uwe Lammers

Nächste Woche beginne ich dann mit der Vorstellung eines wei­teren erotischen Zweiteilers, den ich schon vor geraumer Zeit geschmökert und rezensiert habe. Die beiden Rezensionen schlummerten allerdings bis heute unveröffentlicht in meinen Werkordnern. Mehr sei hier noch nicht verraten.

Bis nächste Woche, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

heute starten wir mal durch in das erste Quartal des Jahres 2024. Mit den Monatswerten 26, 20 und 26 sieht das Verhältnis für vollendete Werke in diesem ersten Quartal wirklich sehr schön aus. Aber wie immer stellt sich natürlich die Frage, wie stark sich in diesen Zahlen Werke aus dem OSM-Kontext der An­nalen der Ewigkeit wieder finden. Ebenfalls berücksichtige ich hier zudem Seitenpfade in den Archipel und das Erotic Empire, auch wenn das nur entfernt passend ist.

Während ich im Januar intensiv an den beiden OSM-Seriendigi­talisaten 20Neu und 16Neu voranschritt, kümmerte ich mich au­ßerdem im Erotic Empire um Geschichten wie „Kay auf Tarra­gon“, „Die Kolonie Saigon II“, „Irene“ und „Unter fal­scher Flagge“. Im Rahmen des Archipels überarbeitete ich die Geschichte „In Karcavennyos Reich“, die dann im Rahmen von BWA auch das Licht der Welt erblickte.

Außerdem schrieb ich aber auch weiter an den Annalen-Werken „Neu-Babylon“ und „Quisiins letzter Fall“. Leider noch kei­ne Fertigstellungen in Sicht, bei beiden Werken nicht.

Der Monat Februar wurde dann stark dominiert von leichten Mo­dernisierungen zahlreicher begonnener Geschichten. Für das Erotic Empire sind hier die Werke „Kim 2“, „Abgesunken in die Abhängigkeit“, „Mary Jane“, „Jaime in neuer Stel­lung“, „Heather“, „Lonny“, „Die entführte Gefangene“ und „Das Sklavengras“ zu nennen.

Auch im Archipel war ich diesbezüglich verstärkt unterwegs und kümmerte mich um Aktualisierung bzw. Vergrößerung der Aus­drucke der Werke „Rückzug in das Liebeskloster“, „Auf und nieder“ und „Julianna“.

Abgesehen von zahlreichen Blogartikeln, Glossar- und Lexikon­arbeiten und weiteren Episodendigitalisate blieben diesmal die Annalen-Werke auf der Strecke.

Kommen wir zur Betrachtung des dann wieder stärkeren Monats März. Da mich hier besonders stark der KONFLIKT 16 „Oki Stan­wer – Der Mann aus dem Nichts“ (16Neu) gepackt hatte, wo ich inzwischen Band 100 überschritten hatte, fehlte für die Konzen­tration auf Annalen-Projekte mehrheitlich die Energie.

Zunächst schüttelte ich gewissermaßen aus dem Ärmel eine witzige Non-OSM-Story, die ich jetzt am 15. Juni 2025 bei mei­ner ersten Lesung nach der Corona-Zeit lesen werde. „Die Sa­che mit der Mumie“ schrieb sich wirklich wie von selbst.

Dann verfolgte ich den Aktualisierungspfad bei begonnenen Werken des Erotic Empire weiter. Hier sind für Monat März 2024 zu nennen: „June“, „Verspielt“, „Ein denkwürdiger Ur­laub“ und „Jessica II“.

Dafür glänzte in diesem Monat der Archipel komplett mit Abwe­senheit. Allerdings gelang es mir auch, ein wenig noch im Be­reich der Annalen weiterzukommen. Hier kümmerte ich mich, wenn auch nicht sehr engagiert, um die Fragmente „Das Aka­demie-Problem“ (genau genommen ein Hintergrundtext des OSM, der sich im Kern auf KONFLIKT 22 „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“ konzentriert). Zudem kam ich ein kleines Stück voran an der im KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ spielenden Sternenfee-Story „Im Bann der schönen Fremden“.

Ach ja, und ganz zum Monatsende schwenkte ich noch mal kurz in die Story „Im Parallelraum“ um … das lag wirklich thema­tisch sehr nahe. Ich hatte bei 16Neu zwischenzeitlich Band 109 erreicht, die Tunnelgänger-Geschichte, von der ihr in den Close Up-Beiträgen gelesen haben dürftet. Es ist vielleicht begreiflich, dass ich mich weiter an diesem Fragment versuchte … immer­hin schildert es die Erlebnisse der Crew eines Galaxisrebellen-Raumschiffs, das am Sturm auf die Baumeister-Ringwelt RANTA­LON am Ende von KONFLIKT 16 mitmacht … und zum eigenen Unverständnis an einem vollkommen fremden Ort landet.

Dummerweise kann ich immer noch nicht sagen, was sie dort erleben. Das heißt: Der Bilderstrom ist noch nicht wieder aktiv, und das ist leider bis jetzt (Juni 2025) so, obwohl ich geglaubt habe, die Story würde sich spätestens mit dem Abschließen des Seriendigitalisats weiterentwickeln … ich schätze, ihr kennt so etwas: Der Mensch denkt und plant, aber das Schicksal will es dann anders.

So geht es mir halt ständig bei meinen zahllosen Baustellen. Umso glücklicher bin ich dann begreiflicherweise, wenn ich mal welche fertig stellen kann.

Das ist mir übrigens heute, am 7. Juni 2025, gerade gelungen, und ich konnte ein Langzeitprojekt von 2021 endlich von meiner Fragmentliste streichen … in zwei Wochen sage ich dazu Nähe­res.

Ich hatte also Ende März 2024 insgesamt schon 72 Werke voll­endet, aber die Annalen-Werkausbeute, um es mal so zu nen­nen, war doch ziemlich enttäuschend. Aber ihr kennt mich, lan­ge Arbeitsphasen und kreative Durststrecken schrecken mich nicht, dafür gibt es einfach viel zu viele spannende Baustellen, an denen ich alternativ schreiben kann. In ein paar Wochen er­zähle ich euch dann vom zweiten Quartal des Jahres 2024.

Wohin der Wind euch in der kommenden Woche thematisch trei­ben wird? Da, würde ich sagen, lasst euch mal überraschen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 546: NeuGier

Posted Februar 4th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Neugierde ist, das betone ich ganz gern immer wieder in Ge­sprächen, der wesentliche Antriebsmotor meiner Kreativität und Grund dafür, warum ich so unermüdlich schon seit Jahrzehnten durch meine kreativen Welten streife und immerzu neue Dinge, Personen, Welten und Völker und deren Interaktionen entdecke und beschreibe. Insofern machte allein schon der Titel dieses erotischen Romans – im Verein mit dem sinnlich-schönen Cover – buchstäblich „neugierig“ auf den Roman.

Auf der anderen Seite war ich natürlich auch vorgewarnt. Unter dem Label Blue Panther Books habe ich schon ein paar ziemli­che Rohrkrepierer kennen gelernt (die ich nicht rezensierte, weil sie es nicht wert waren). Und es ist ja nun beileibe nicht selten, dass die Titelbilder hinter dem Cover etwas vollkommen ande­res verbergen … ihr kennt derlei kritische Bemerkungen von mir von zahlreichen anderen Rezensionen, die ihr hier schon lesen konntet.

Nun, in diesem Fall wurde ich ausgesprochen angenehm über­rascht. Das Titelbild stimmt tatsächlich, wie ich anno 2018 da­mals schrieb, schön auf den Inhalt ein. Ich glaube, es ist ganz pfiffig von euch, wenn ihr einfach mal der eigenen Neugierde nachgebt und weiterlest …

NeuGier

Von Alexa McNight

Blue Panther Books

256 Seiten, TB (Mai 2013)

ISBN 978-3-86277-233-9

Preis: 9,90 Euro

Als erstes wird der Leser bei diesem Buch von einem absolut wunderbar warmen, sinnlichen Eyecatcher-Titelbild einer roma­nisch-melancholischen Schönheit eingefangen, das sehr schön auf den Inhalt des Romans einstimmt, wenn man mal auf die Details achtet. Denn die braunäugige Schönheit mit den sinnli­chen Kusslippen trägt dezenten Schmuck an den Fingern.

Inwiefern das auf den Inhalt einstimmt? Nun, es geht um eine junge Goldschmiedekünstlerin namens Kate Clark, die in Palo Alto daran arbeitet, von der Kunstfertigkeit ihrer Hände leben zu können – recht erfolgreich übrigens, und das vermag die Autorin auch gut zu vermitteln. Kate lebt seit fünf Jahren in einer locke­ren Beziehung mit dem durchweg exzentrisch zu nennenden Maler Henry, der allerdings seit Monaten in der Schaffenskrise ist. Er lebt recht einsam in einem Haus im Wald, und in den de­pressiven Momenten seines Daseins hat er so überhaupt kein Gespür für Kate, ihre Zuneigung, kein lobendes Wort für ihre Kunst übrig … sie ist schon ziemlich am Boden zerstört, kann aber doch auch nicht von ihm ablassen.

Das ändert sich sukzessive, als sie sich bei dem Versuch, ihre offenbar einzige Freundin, Jill Grey, zu erreichen, einmal ver­wählt und einen Unbekannten an den Apparat bekommt. Ein un­bekannter Mann mit einer warmen Stimme, die irgendetwas in ihr zum Prickeln bringt und sie später animiert, ihn noch einmal zu kontaktieren.

Aus diesem Zufallskontakt entwickelt sich rasch mehr – denn der Unbekannte, der seinen Namen nicht nennen möchte, macht bald keinen Hehl mehr daraus, dass er gerne mit ihr schlafen will, obwohl er sie überhaupt nicht kennt. Sie findet das anfangs ein wenig empörend, aber unterschwellig prickelnd, und das nimmt noch zu, als er im weiteren Telefon- und SMS-Kontakt präziser wird: sie soll in seine Heimatstadt San Francis­co fahren, dort in einem Hotel einchecken, sich die Augen ver­binden und so auf ihn warten. Er ist immerhin so freundlich, ihr seinen Vornamen zu verraten: Jackson. Was natürlich ein Aller­weltsname ist, der sie nicht allzu viel weiter voranbringt.

Kate geht das Risiko ein und erlebt eine rauschhaft zu nennen­de erotische Liebesstunde. Und danach verschwindet Jackson wieder, wiewohl sie ihn zum Bleiben animieren möchte.

Während sich Henry immer noch wie der letzte Idiot benimmt und sich immer weiter von ihr entfernt, beginnt Kates Sein im­mer stärker um Jackson zu kreisen, und seine Liebesfähigkeiten beflügeln ihre Kunst in erstaunlicher Weise. Aus dem rätselhaf­ten One-Night-Stand wird so schnell sehr viel mehr, allerdings hat der Architekt Jackson Ramones ein ernstes Problem mit Bin­dungen und menschlicher Nähe … also genau mit dem, was Kate sucht. Sie will sich nicht nur als käuflicher „Fickkörper“ se­hen lassen, dann könnte er sich, ihrer Ansicht nach, auch gern eine x-beliebige Hure suchen. Kurzum: Sie ist ernsthaft emotio­nal verletzt, und damit kann er nicht umgehen. Und so gerät auch diese seltsame Freitagsbeziehung rasch in gefährliches, krisenhaftes Fahrwasser …

Alexa McNight ist das Pseudonym der Autorin Juliane Käppler (Jahrgang 1977), die auch unter dem Pseudonym Jules Saint-Cruz schon diverse Romane veröffentlicht hat. Mit diesem Ro­man, mit dem ich sie kennen lernte, hat sie sich unstrittig mei­ne Sympathie erschrieben, denn ich kann nur bestätigen, was zahlreiche Kommentare auf Lovelybooks zu diesem Roman schreiben: er liest sich unglaublich geschmeidig, ist gefüllt mit sympathischen Protagonisten, die man im Guten wie im Schlechten schnell ins Herz schließt. Und ja, man leidet schnell mit der armen Kate, die zwischen allen Stühlen sitzt und deren Sehnsüchte man so gut verstehen kann.

Schade fand ich an dem Roman, dass er in gewisser Weise doch schmalspurig fuhr – wie manche Romane des Labels Plaisir d’Amour verfügt er einfach über eine sehr eingeschränkte Per­sonenzahl, und die Nebenpersonen (im Wesentlichen Jill, Henry und ein Barkeeper namens Max) besitzen quasi überhaupt keine recht entwickelte Persönlichkeit. Familiäre Bande existieren ebenfalls so gut wie keine … da hat man schon das Gefühl, als Leser in einer künstlichen Blase gefangen zu sein.

Schaut man sich dagegen etwa Sylvia Days „Crossfire“-Romane an oder auch Julie Kenners ausufernde Serie um Nikki und Da­mien Stark, dann erhält man deutlich mehr Gespür dafür, wie ein lebendiger Sozialkosmos ausschauen sollte. Sicherlich, die Kürze des Romanformats, das hier vorliegt, erzwang zweifelsoh­ne eine gewisse personelle Reduktion. Aber ich bin überzeugt, hier wäre mehr möglich gewesen.

Sieht man indes über dieses Detail hinweg oder ist ein flüchti­ger Leser, der sich sowieso mehr auf die Zentralpersonen kon­zentrieren will – ich als Historiker achte da schon mehr auf das soziale Geflecht ringsum – , so kann man diesen Roman absolut genießen, der an vielen Stellen prickelnde Aufregung versprüht und ihn oder sie auf eine romantisch-erotische Reise entführt, über deren Ausgang ich hier nichts verraten werde.

Lasst euch überraschen – es ist die sehr kurzweilige Lektüre wirklich wert. Schade ist indes, dass das Buch so kurz ist. Aber ihr wisst ja … gute Bücher sind für mich sowieso immer zu kurz. Das hier hätte sicherlich noch hundert Seiten mehr vertragen.

© 2018 by Uwe Lammers

Na, ich denke, da habe ich einleitend nicht zu viel versprochen, oder? In der kommenden Woche gibt es dann wieder das totale Kontrastprogramm, das uns in die 60er-Jahre des 20. Jahrhun­derts zurückkatapultiert … na ja, oder in eine dystopische Zu­kunft. Auf eigenartige Weise passt beides als Beschreibung für das vorzustellende Buch der nächsten Woche.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 652: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 71

Posted Februar 1st, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

nein, es sieht wirklich nicht gut aus für die terranische Raumna­tion, das habt ihr im Teil 70 der Close Up-Artikel schon gemerkt. Aber leider gilt das alte Sprichwort auch hier: Es kann immer noch schlimmer kommen, und meistens kommt es auch schlim­mer. Das zeichnet sich hier immer deutlicher ab. Schauen wir kurz zurück.

Was zuletzt geschah: Die terranische Regierung steht unter massivem Druck. Was mit dem spurlosen Verschwinden einiger Raumschiffe begann, hat sich mit einer innenpolitischen und ei­ner externen Krise, die augenscheinlich miteinander in enger Verbindung stehen, zu tun. Zum einen stieß die Terranische Ab­wehr (TERAB) durch bloßen Zufall auf die schockierende Er­kenntnis, dass menschenähnliche Aliens die irdische Gesell­schaft unterwandern. Die Fährte führte in den Sockel der grie­chischen Akropolis, wo eine bizarre Alienstation entdeckt wurde – Commander Terry Jones und seine Gefährten sind hier ebenso verschollen wie die Weelon, die sich hier zuvor verschanzten.

Dann verstummt die Kolonie Darkstone, und ein Alien-Volk, das sich „All-Hüter“ nennt, droht offensiv der Menschheit mit der Vernichtung. Und wenig später rufen 18 weitere Kolonien um Hilfe.

Derweil sind zwischen den Sternen Menschen an verschiedenen Orten dabei, ums Überleben zu kämpfen – Terry Jones und die Weelon-Agenten auf der einen Seite, die Mitglieder der KRETA-Expedition, die in die Gewalt der All-Hüter gerieten, und dann auch noch die Mitglieder der CESTOR und der hekaronischen Donota-Flotte …

Episode 31: Experimente mit Terranern

(1984, digitalisiert 2008)

Fortsetzung von Band 28: Die neunzehn Überlebenden der KRE­TA, die von den All-Hütern von der sterbenden Weelon-Welt Juu­lok im System Letzte Zuflucht evakuiert wurden (vgl. Bd. 17), werden von den tonnenförmigen Robotern Reaktionstests unter­zogen, aber die lenkenden Wesen hinter den Testreihen schei­nen fest entschlossen zu sein, die Testpersonen umzubringen. Besonders perfide: Ihre Gegner in den Testreihen erweisen sich als optimierte Menschen, die durch eine Gehirnoperation mit ex­trem verbessertem Reaktionsvermögen ausgestattet wurden. Woher diese anderen menschlichen Personen stammen, die in der Gelon-Zentrale 222-U manipuliert wurden, ist zu diesem Zeitpunkt unklar … aber da parallel jede Menge Raumfahrerper­sonal von den All-Hütern paramental unterworfen wird, etwa im Darkstone-System, kann man sich leicht denken, dass sie von dort stammen.

Doch ehe die Testreihen ihren tödlichen Endausgang erreichen, wird die Gelon-Zentrale überraschend von anderen Aliens in Ke­gelraumern attackiert. Die geheimnisvollen Manipulateure kom­men dabei ebenso ums Leben wie die Optimierten … die weni­gen Überlebenden der KRETA-Besatzung unter Kommodore Salomon Kingston wandern nun in die nächste Alien-Gefangenschaft. Und ohne dass sie es begreifen, halten diese Aliens sie für WEELON! Ein zwischen den Sternen ebenfalls verhasstes Volk.

Schlimmer noch: Die unförmigen Aliens sind der festen Ansicht, dass sie nun genau wissen, wo die geheime Zentrale der Wee­lon existiert – auf einem Planeten namens Terra, der nun auch für sie zum Angriffsziel erkoren wird!

Episode 32: Flucht durch den Todeskreis

(1984, digitalisiert 2008)

Fortsetzung von Band 29: Auf der Dschungelwelt, deren Name später als Zolog bekannt wird, sind die TERAB-Agenten unter Terry Jones und jene Weelon unter ihrem Anführer Raskorw, der auf der Erde die Identität des Abgeordneten Harald Kronberg angenommen hatte, in die Gewalt des primitiv erscheinenden Volks der Rrumbs gefallen – doch das unvermittelte Auftauchen eines Raumschiffs der rätselhaften, eigentlich als tot geltenden Rontat löste eine Wahnsinnswelle auf und führte dazu, dass sie in die Unterwelt des Planeten flüchten konnten.

Hier hat der durch die Rrumbs veränderte Weelon Meltrag aller­dings einen Warner, den so genannten ewigen Wächter, akti­viert – eine Maschine, deren Emissionen für alle Weelon tödlich sind (vgl. dazu die Dusty-Episoden am Serienanfang). Die über­lebenden Gefangenen flüchten sich in einen unterirdischen Fluss … doch spüren sie deutlich, wie die Strahlung ihre Körper auf monströse Weise verändert. Während ihr Inneres zuneh­mend austrocknet, blähen sich ihre Körper grotesk und un­menschlich auf, bis sie nicht mehr in der Lage sind, sich zu arti­kulieren.

In dieser Lage, in der der Tod das gnädigere Schicksal zu sein scheint, wendet sich ihr Schicksal von neuem – dosenförmige Rontat-Roboter fischen sie vor einem metallenen Wehr aus dem Fluss und betäuben sie.

In einer Blende zur Überwachungszentrale Terra Central sehen wir, dass die irdische Horchstation überall in der Galaxis krypti­sche Funksignale auffängt und ungeheuerliche Transitionsechos. Es scheint, als sei die gesamte Galaxis zum Hexenkessel gewor­den. Raumschlachten toben zwischen den Sternen, und es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis dieser Sturm auch Terra selbst erreicht. Mit den wenigen hundert noch exis­tenten Raumschiffen rechnet sich die irdische Regierung wenig Hoffnung aus, dagegen etwas ausrichten zu können.

Auf Zolog geht das Martyrium von Terry Jones und seinen Ge­fährten derweil weiter. Als sie aus der Betäubung erwachen, be­finden sie sich in einem Areal, das gänzlich aus blauem Sand besteht. Bei ihnen befindet sich der veränderte Weelon Meltrag, der sich als Sprachrohr der Rontat versteht. Während die restli­chen Überlebenden zu monströs aufgeschwemmten Ungeheuer­gestalten mutiert sind, ist er überhaupt nicht verunstaltet, son­dern hat seine normalmenschliche Gestalt.

Er erklärt den Verzweifelten, dass der Todeskreis des blauen Sandes radioaktiv ist und es nur eine Möglichkeit für sie zum Überleben gibt: Sie müssen den Todeskreis überwinden und die blauen Berge erreichen. Dort würden die Rontat ihnen helfen.

Während sie den Ring des strahlenden Sandes durchwandern, von Meltrag gnadenlos vorangetrieben, färbt sich ihre Haut ebenfalls blau, ganz wie die seine. Dass sie verseucht sind, ist offenkundig. Sie sind augenscheinlich alle des Todes.

Doch wieder einmal erweist sich dies als Trugschluss. Es wird noch bizarrer, als Meltrag sie daran hindert, zu trinken und stattdessen dazu zwingt, sich sportlich zu betätigen … völlig verdutzt registrieren die solcherart Drangsalierten, dass zum ei­nen ihr brennender Durst nachlässt, zum anderen gehen die monströsen Schwellungen ihrer Körper zurück. Es ist fast so, als würden die schwindenden Schwellungen gewissermaßen nach innen schwitzen und so den Durst löschen.

Nach einem regelrechten Marathon-Fitnessprogramm, dem sie sich nun bereitwilliger unterwerfen und in dem sie wie irrsinnige Sportler wirken, erlangen sie ihre alte Statur zurück … nur ra­dioaktiv verstrahlt und mit bläulich schillernder Haut gesegnet sind sie nach wie vor.

Und während sie weiter in Richtung auf die blauen Berge wan­dern, plagen sie furchtbare Alpträume, in denen sie irrsinnigen Raumschifflenkern begegnen und schreckliche Visionen von Ter­ra haben, das in einem galaktischen Feuersturm fremder Raum­schiffe untergeht …

Episode 33: Das Sternenwrack

(1984, digitalisiert 2008)

Fortsetzung von Band 33: Terry Jones, die TERAB-Männer und die Weelon, die noch überlebt haben, erreichen die blauen Ber­ge und stellen nun erschüttert fest, dass sich der strahlende To­deskreis, den sie gerade durchquert haben, als Basis eines auf­flammenden Energieschildes erweist. Somit sind sie im Umkreis der Berge eingeschlossen und können nur noch nach vorne ge­hen.

In den Bergen entdecken sie die Spuren mächtiger Angriffe aus dem Weltraum – und schließlich eine metallene Straße aus dem blauen Rontat-Metall Ultrasav, das gegen jede Verwitterung im­mun zu sein scheint. Außerdem stoßen sie in einem der Täler auf ein gigantisches verwittertes Wrack eines Alien-Schiffes – ein 900 Meter großer Kugelraumer der All-Hüter, der bei dem Angriff auf Zolog abgestürzt.

Meltrag, der auf Wissen der Rontat zurückgreifen kann, erklärt, dass dieses Schiff das einzige war, das von einer Streitmacht von 2110 Schiffen vor 4034 Jahren die Abwehr des Planeten Zo­log durchbrach und hier dann zur Strecke gebracht wurde.

Während die Weelon sich von dem Wrack fernhalten und deut­lich signalisieren, dass sie die All-Hüter kaum weniger hassen als die Rontat, entschließen sich Terry Jones, Major Kurt Ariteles und Rainer Newman, das Wrack noch zu erforschen. Die ande­ren folgen weiter der Metallstraße auf Meltrags Geheiß. Die drei Terraner wollen sie einholen.

Eine weitere Handlungsblende führt zurück zum Planeten PHAN­TOM, der den Raumfahrern des Schiffs CESTOR zum Verhängnis wurde (vgl. dazu die Bde. 8 und 9) – hier haben die All-Hüter in­zwischen mit reaktivierten Bandstraßen mit der Massenproduk­tion von Raumschiffen begonnen. Die großen 900-Meter-Kreuzer sind dabei mit erbeuteten und nachgebauten Schutzschildpro­jektoren des inzwischen von ihnen ausgerotteten Volkes der Lo­kes ausgestattet worden. Die Begründung für diese Mordaktion zogen die robotischen All-Hüter aus den Geschehnissen im De­neb-System (vgl. Bd. 21). Und die solcherart nun aufgerüsteten Schiffseinheiten erweisen sich als nahezu unschlagbar für kon­ventionellen Beschuss.

Die Hochrüstung der All-Hüter für den neuen kosmischen Krieg läuft auf Hochtouren, und niemand scheint in der Lage zu sein, ihr Einhalt zu gebieten.

Auf Zolog verlassen die drei Terraner das Sternenwrack und fol­gen ihren Gefährten, die auf Meltrags Geheiß weiterhin unter­wegs sind, tiefer in die Berge hinein, einem unbekannten Ziel entgegen …

Episode 34: Die Halle der Rätsel

(1984, digitalisiert 2008)

Fortsetzung von Band 33: In einem Tunnel, in den die Ultrasav-Straße führt, finden Terry Jones, Ariteles und Newman in einem Seitenstollen überraschend technische Artefakte. Auf den ers­ten Blick wirken sie wie Surfbretter aus Metall, zweieinhalb Me­ter lang und rund 20 Zentimeter dick. Zu ihrer Überraschung zeigt sich, dass die Gebilde, aus ihrer Nische gelöst, über dem Metallboden schweben – was immer das ist, es scheint immer noch zu funktionieren.

Terry Jones beschließt, einen Versuch zu machen und legt sich bäuchlings auf das seltsame Gebilde … und macht die erschre­ckende Entdeckung, dass er von einem festen Polster einge­schlossen wird.

In der Zwischenzeit hat die Restgruppe der Gestrandeten unter Meltrags Führung einen mit Ultrasav ausgekleideten Platz er­reicht, der an einen steilen Berghang reicht. Hier warten zahlrei­che funktionsfähige Dosen-Roboter der Rontat auf sie und schei­nen darauf zu warten, dass sie in die Höhle gehen. Meltrag nickt dazu. Einer der Weelon sträubt sich dagegen und flüchtet – und wird von den Robotern rücksichtslos in blau glühenden Staub zerstrahlt!

Terry Jones wird von dem Soziologen Newman darauf aufmerk­sam gemacht, dass er eine Stimme zu hören glaubt … was tat­sächlich stimmt. Das „Surfbrett“ spricht mit einer geisterhaften paramentalen Stimme zu ihnen, und binnen kürzester Zeit be­greifen die drei Terraner, dass sie hier nicht gefangen sind, son­dern einen echten Schatz gefunden haben: Ein-Personen-Bei­boote der Rontat, die ungeachtet ihrer Unscheinbarkeit schwer bewaffnet sind und per Gedankenkommandos dirigiert werden können.

Mit ihnen gelingt es, schnellstens zu den anderen Gestrandeten aufzuschließen … doch als sie in die Höhle einfliegen wollen, stellen sich die Rontat-Roboter gegen sie … und werden von den Beibooten, die inzwischen „Ghosts“ getauft wurden, gna­denlos in Energie zerstrahlt!

Als sie dann aussteigen und in die Höhle folgen, flammt ein glei­ßendes Leuchten auf. Hierbei schreiten die „Ghosts“ unver­ständlicherweise nicht ein … was alsbald klar wird: Es handelt sich, als sie aus der Besinnungslosigkeit erwachen und ihre Ge­fährten wieder sehen, um eine seltsame, unheimliche Form der Entstrahlung. Meltrag scheint das alles vorher schon gewusst zu haben. Sie sind nun durch die Supertechnik der Rontat von der Strahlenerkrankung genesen und wieder völlig normal gewor­den.

Nun befinden sie sich in einer erstaunlichen Technikhalle der Rontat, und ein Teil dieser Technik dient erkennbar dazu, Raum­funk abzuhören. Was sie dabei auch zu hören bekommen, ist je­ner Warnspruch, der in Terra Central einging, doch er geht dies­mal noch weiter: „…seid dem Tode geweiht! Das angedrohte Gefecht zwischen den Sternen hat stattgefunden. Nun werden wir, die All-Hüter, die Oberhoheit über Terra und das irdische Reich übernehmen, bis ihr zur Vernunft gebracht worden seid – ODER BIS IHR ALLE UNTERGEGANGEN SEID!“

Es ist die eiskalte robotische Stimme der All-Hüter, wie Terry Jo­nes sie im Sternenwrack kennen gelernt hat. Grauen erfasst die TERAB-Agenten und Jones. Erst recht, als aus dem Äther ein irr­sinnig klingendes Gelächter eines anderen Senders erklingt.

Und dann erschallt eben jenes furchtbare Gelächter erneut – di­rekt hinter ihnen!

Episodenende (ich weiß, fies … aber ihr müsst ja nicht lange auf die Auflösung warten, Freunde).

Episode 35: Ultrasav-Station

(1984, digitalisiert 2008)

Fortsetzung von Band 30 und weiteren Zwischendurch-Blenden, die in den letzten Episoden von Terra zu lesen waren.

In der Überwachungszentrale von Mike Barrett, Terra Central, füllen die unermesslichen Aufzeichnungsdaten aus dem Welt­raum unglaubliche Mengen an Datenbanken und Ausdrucken. Aus den wenigsten werden die Spezialisten schlau. Bis zum 11. August 2093. Denn dann geht ein Funkspruch in terranischer Sprache ein!

Er stammt von einem Mann namens Ransom McCollum, der be­hauptet, zur Restcrew des Raumschiffes CESTOR zu gehören. Er habe eine extraterrestrische Raumstation übernommen und friedlichen Kontakt zu einem Alienvolk aufgenommen! Der Name dieser Station laute ULTRASAV-STATION, und er gibt die Koordinaten an und bittet die terranischen Behörden, ein Schiff zu schicken, um die Überlebenden der CESTOR aufzunehmen.

Die Regierung entschließt sich zügig, den Raumer FOX unter Colonel Wolf Dietrichs in Marsch Richtung Gratnor-Ballung zu setzen. 366 Lichtjahre von der Erde entfernt verglüht noch im­mer der Rest des Weelon-Planeten Juulok (vgl. Bd. 17), aus des­sen Kern die Ultrasav-Station herausgedriftet ist. Und hierhin hat es auch die Restbesatzung der CESTOR unter Colonel Ben Jackson verschlagen, der nun endlich einen Vornamen bekommt … was auch dringend Zeit wurde, wie ich beim Digitalisieren anno 2008 fand.

Doch ehe die FOX am Ziel ankommt, sind schon andere auf den Funkspruch aufmerksam geworden und nehme direkten Zielkurs auf die Ultrasav-Station: 54 Raumschiffe, Kugelraumer des 900-Meter-Typs.

All-Hüter.

Ihr Ziel: Eine Vernichtungsmission.

Doch am Ziel angelangt kommen sie im Gegensatz zu den Ab­wehrmechanismen der fast sechstausend Meter großen Ultra­sav-Station nicht zum Schuss. Die Abwehr zerlegt die All-Hüter-Einheiten absolut gnadenlos und macht den Raum um die Stati­on zu einem Feld glühender Metalltrümmer.

Als die FOX eintrifft, müssen die Raumfahrer durch dieses Trüm­merfeld navigieren – und werden dann von dem erschöpft klin­genden Ransom McCollum in den sehr bizarren, speziellen Lan­deschacht der Rontat-Station eingewiesen, dessen Geometrie genauso abenteuerlich ist wie ihre uneinheitlich geformten Ro­boter, die Terry Jones bereits kennen gelernt hat.

Während McCollum auf eigenen Wunsch als Wächter der Station zurückbleibt, nimmt die FOX die Überlebenden der CESTOR an Bord … und die fassförmigen hekaronischen Giganten unter ihrem Anführer Halum Ceselar. Die Geschichte, die sie später zu Protokoll geben, ist reichlich abenteuerlich (vgl. dazu die dies­bezüglichen Episoden seit Band 8 der Serie), aber sie erhellt auch einige blinde Flecken in dem drohenden Geschehen zwi­schen den Sternen.

Die irdische Regierung entscheidet, mit den Hekaronern einen Beistandspakt zu schließen und Halum Ceselar und die Seinen in die Heimat zu repatriieren … doch das erweist sich als gar nicht einmal so einfach. Denn die Hekaroner sind in einem Sek­tor der Milchstraße, von dem sie keinerlei Sternenkarten haben, nichts ist hier vertraut.

Also fordert Ceselar die Terraner auf, nach dem so genannten „Augenstern“ zu suchen, einer Gigantsonne, von der aus der Weg zu den Heimatplaneten der Hekaroner leicht sein dürfte. Allerdings klingt es ganz so, als sei das hekaronische Reich nicht weniger als 50.000 Lichtjahre von Terra entfernt … eine Expedi­tion dorthin auszurichten, wird bedeuten, dass sie zweifellos Monate unterwegs sind, mit ungewissem Ausgang.

Dennoch: Die Hekaroner sind mit weitem Abstand die beste Op­tion, vielleicht eine geringe Chance gegen die erdrückende Ge­fahr der All-Hüter zu haben.

Ein Konvoi aus einem halben Dutzend Großtendern und drei 100-Meter-Schiffen wird unverdrossen mit Hochdruck ausgerüs­tet, und am 13. August startet die Mission unter den Colonels Wolf Dietrich und Ben Jackson mitsamt den CESTOR-Veteranen und den Hekaronern in Richtung des hekaronischen Reiches.

Sie sind gerade erst in der Transition verschwunden, als Terra Central erneut Alarm gibt. Jene Kriegserklärung, die auch Terry Jones auf Zolog mitbekommen hat, erklingt: Die Drohung, dass die All-Hüter nun das irdische Reich übernehmen würden, um sie „zur Vernunft“ zu bringen … oder auszulöschen.

Kurz danach messen die Messgeräte Truppentransitionen von rund 5000 Raumschiffen an.

Kurs: Terra.

Die Alarmsirenen über den Städten der Erde beginnen zu heu­len.

Invasionsalarm!

Mit diesem hochdramatischen Cliff-hanger verlassen wir für heute dann wieder die Berichterstattung des KONFLIKTS 17. In vier Wochen erfahrt ihr Näheres, wie sich die krisenhafte Hand­lung weiter entwickelt. In der kommenden Woche schauen wir uns dagegen mal wieder die „Annalen der Ewigkeit“ näher an, das ist weit entspannter, vertraut mir.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 545: Die Dämonenfalle

Posted Januar 28th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ja, ich gebe zu, es ist schon ziemlich lange her, dass ich euch ei­nen Band von Hamilton vorstellte. Es stehen noch einige seiner Werke ungelesen in meinen Regalen bzw. Bücherstapeln. Und es existieren auch noch eine Reihe von nicht veröffentlichten Rezensionen, die beizeiten den Weg hierher finden werden.

Für den Anfang schicke ich euch mal in eine Kurzgeschichten­sammlung des britischen Autors, die ich umfangreich mit Kom­mentierungen versehen habe, weil die Storys teilweise erhebli­ches Vorwissen aus seinen Romanuniversen voraussetzen, die hier einfach nicht eingebracht werden … das halte ich für eine ziemlich unfreundliche Geste seitens des Verlages, denn so ver­scheucht man ahnungslose Leser. Fans von Hamiltons Werken verschreckt man dabei weniger, aber wie in meinem Fall taucht dann schon das eine oder andere Stirnrunzeln auf.

Das jedoch tut der Qualität der meisten SF-Geschichten in die­sem Band keinen Abbruch. Wer sich von mir dennoch gern durch diese Welten leiten lassen möchte, der lese bitte einfach weiter. Ich bin der Ansicht, dass das der Neugierde nur förder­lich sein kann …

Die Dämonenfalle

(OT: Manhattan in Reverse)

Von Peter F. Hamilton

Bastei 20709

352 Seiten, TB

Köln, April 2013

Aus dem Englischen von Michael Neuhaus

ISBN 978-3-20709-1

Es hat ein Weilchen gedauert, ehe ich diese zweite deutsche Storysammlung von Peter F. Hamilton lesen konnte, wiewohl ich sie mir gleich nach Erscheinen gekauft hatte – etwas, was ich üblicherweise eher selten tue. Es spricht sehr für meine Wert­schätzung des Autors, den ich mit seinem „Armageddon-Zy­klus“ kennen gelernt und über die Lektüre seiner „Mindstar“-Ro­mane und „Commonwealth“-Bücher zu einem meiner persönli­chen Lieblingsautoren der Gegenwart erhoben hatte. Natürlich konnte ich nicht ahnen, dass sich dann die Lektüre des Schluss­bandes seines „Void“-Zyklus1, „Evolution der Leere“ so hin­ziehen würde, dass ich eine wirklich jahrelange Hamilton-Lese­pause einzulegen gezwungen war.

Nun, nachdem dieses Buch verschlungen war, wandte ich mich folgerichtig diesem Werk hier zu, dessen Titel mir schon seit langem Rätsel aufgab. Ging es um ein Manhattan, das Kopf stand? Also vielleicht im Chaos versank? Ging es um die legen­däre Verbrecherin Catherine „Cat“ Stewart, die Hamilton in den „Commonwealth“-Romanen profiliert hatte, vielleicht gar darum, welche schrecklichen Verbrechen sie begangen hatte, ehe sie in dem Roman „Der Stern der Pandora“ erstmals Er­wähnung fand?

Nun, hierin wurde ich leider enttäuscht. Allerdings gab es in der Tat erwartungsgemäß ein Wiedersehen mit der beeindrucken­den, man möchte sagen, genetisch fixierten Ermittlerin Paula Myo des Intersolar Serious Crimes Directorate. Alleine die bei­den Geschichten, die sie ins Zentrum des Handelns stellen, ma­chen fast die Hälfte des Buches aus.

Doch ich sollte vorne anfangen, und da geht es für Leser, die Hamiltons Werke schon seit Jahren verschlingen und damit auch so ziemlich jede Kurzgeschichte kennen, die auf Deutsch er­schienen ist, mit einer Enttäuschung los. Zwar ist „Den Bäu­men beim Wachsen zusehen“ eine gelungenere Neuüberset­zung – wie der gesamte Band von dem gegenwärtigen Hamil­ton-Übersetzer Peter Neuhaus übertragen wurde – , das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Geschichte im gleichen Verlag schon einmal zehn Jahre zuvor publiziert worden und in­folgedessen von mir 2004 gelesen wurde.2 Es ist also schon ein wenig Seitenschinderei, wenn man als Verlagsleitung entschei­det, die ersten 120 Seiten eines neuen Buches mit einem Wie­derabdruck zu füllen. Das ist zumindest leserunfreundlich, selbst wenn man vielleicht davon ausgeht, dass die alte Quelle nicht mehr erhältlich ist.

Den Bäumen beim Wachsen zusehen“, ein Zitat aus einer Unterhaltung der Protagonisten in der Geschichte, konfrontiert uns überraschenderweise mit einer parallelen Wirklichkeit, in der es den römischen Imperatoren gelungen ist, in die altange­stammten Familien Langlebigkeit einzuzüchten und so auf eine Weise, die Hamilton nicht näher erklärt, Personen zu erzeugen, die mehrere hundert Jahre leben und so auch auf völlig andere Weise die Menschheitsgeschichte prägen können, als es jeder „normallebigen“ Dynastie jemals möglich wäre.

Das England, das auf diese Weise zum Schauplatz der Geschich­te wird, ist im Jahre 1832 schon soweit, dass Elektroautos die Straßen bevölkern und sich die hochbegabten Studenten bereits mit Molekularphysik beschäftigen. In diesem Klima, das sich durch weltweite Friedensstimmung und eine völlige Ausrottung des letalen Verbrechens auszeichnet, geschieht auf einmal in Oxford ein Mord. Der junge, geniale Student Justin Ascham Ra­leigh wird ermordet, ein Angehöriger der römischen Familien und entfernter Verwandter des auf das Verbrechen angesetzten Ermittlers Edward Raleigh.

Zu seiner nicht geringen Frustration erweist sich der Mord offen­sichtlich als das perfekte Verbrechen, denn er sieht sich außer­stande, es aufzuklären. Der Mord bleibt ungesühnt. Dieser Miss­erfolg nagt an seinem Gewissen, und hinfort verfolgt er über die Jahrhunderte die Entwicklung seiner ebenfalls quasi-unsterbli­chen Verdächtigen, die sich über das ganze Sonnensystem ver­streuen. Auf diese Weise gelingt es Hamilton ebenfalls, die Ent­wicklung der menschlichen Kultur vom Zeitalter der Elektroau­tos bis zu den Hyperspace-Raumschiffen der fernen Zukunft mitzuverfolgen. Und natürlich werden die Techniken zur Verfol­gung von Verbrechen auch immer perfekter. Dennoch … es ist eine lange, lange Jagd, und bis zuletzt tappt man als Leser im Dunkeln.

Abstimmung mit den Füßen“ ist die einzige Geschichte, die Hamilton für die Storysammlung noch einmal aktualisiert hat, und sie ist durchweg kurios, eine Art Schnappschuss, die deut­lich mehr Raum verdient gehabt hätte. Sie spielt, noch kurioser, in der nahen VERGANGENHEIT, nämlich anno 2010, in einer of­fensichtlich parallelen Welt, in der sich Gedanken der Gegen­wartspolitik mit denen des „Commonwealth“-Zyklus mischen.3 Hier gelingt es einem britischen Erfinder, ein Wurmloch zu einer anderen Welt zu öffnen, New Suffolk genannt, durch das eine Auswanderungswelle möglich wird. Die Konsequenz sind chaoti­sche Zustände, denn nun setzt geradezu ein Massenexodus ins­besondere von qualifizierten und vermögenden Menschen ein, der die normalen Verhältnisse in Großbritannien ins Wanken bringt. Durch die Wahl eines radikalen Premiers verwandelt sich die Insel damit in einen Überwachungsstaat, und mitten zwi­schen den Fronten von Exodus-Befürwortern und Gegnern steht eine zerrüttete Familie mit zwei kleinen Kindern … alles Weitere sollte man selbst nachlesen.

In „Auf ein Neues…“ werden wir auf faszinierend-originelle Weise mit einem jungen Genie namens Marcus Orthew konfron­tiert und einem ihn verfolgenden „Stalker“. Als die Polizei letzte­ren schließlich festnimmt, erweist sich der junge Mann, ein No­body namens Toby Jenson, zwar als in gewisser Weise von Or­thew besessen, aber auf andere Weise, als man das zunächst annimmt. Er ist nämlich überzeugt, Orthew müsse eine Zeitma­schine erfunden haben, um so die Welt zu erschaffen, in der er der dominierende Faktor der Industrie ist. Was natürlich absurd ist, findet der Ermittlungsbeamte David Lanson, aus dessen Per­spektive die Geschichte erzählt ist. Jedermann weiß, dass Zeit­maschinen unmöglich sind. Und selbst Jenson sagt, das würde stimmen, soweit es materielle Objekte beträfe. Aber was ist, setzt er den nagenden Gedankenwurm in Lansons Kopf, wenn man sein WISSEN in die Vergangenheit transferieren könnte …? Tja, und was dann geschieht, als Lanson sich auf das Gedanken­spiel einlässt, das sollte man wirklich lesen.

Zu der Story „Das ewige Kätzchen“, die mit nur vier Seiten eher anekdotischen Charakter besitzt, sage ich mal weiter nichts. Das würde viel zu viel verraten.

Wenn Engel reisen“ ist dann die erste von den drei letzten Geschichten, die im Commonwealth-Universum spielen. Und hier muss ich sagen, hat Hamilton auf 24 Seiten einfach zu viel in die Story gepresst, sie hätte deutlich entzerrt werden müs­sen. Wer sich mit dem Commonwealth-Universum nicht aus­kennt, verliert quasi auf der zweiten Seite den Boden unter den Füßen.

Wir befinden uns auf der Welt Anagaska im galaktischen Com­monwealth, eine Hinterwäldlerwelt, die vor Jahrhunderten von der Menschheit besiedelt wurde. Hier erscheint – nach der Zeit­linie des „Commonwealth“-Zyklus4 im Jahre 3255 menschlicher Zeitrechnung „ein radikaler Angel“. Er wird allerdings von Ange­hörigen des „Protektorats“ erwartet, und es schließt sich eine reichlich grässliche Handlung an, in deren Zentrum die junge, ahnungslose Imelda steht.

Ohne jetzt mehr der Handlung der Geschichte vorzugreifen, sollte erwähnt werden, was für einen historischen Background sie besitzt, um auch Lesern, die sich mit Hamiltons Welt des Commonwealth nicht auskennen, den Zugang zu erleichtern: Das Commonwealth entstand, nachdem Oswald Fernandez Isaacs (kurz „Ozzie“ genannt) und sein Kollege Nigel Sheldon, den ersten funktionsfähigen Wurmlochgenerator erschufen und so die Grundlagen für eine Gesellschaft ermöglichten, die Com­pression Space Transport (CST) genannt wird.5

Da annähernd parallel Jeff Baker Möglichkeiten der Langlebig­keit und der so genannten Rejuvenation entwickelte, mit denen jahrhundertelanges Leben und stete Verjüngung realisiert wur­den6, verwandelte sich die menschliche Gesellschaft grundle­gend. Neben der Sheldon-Familie entstanden weitere langlebige Dynastien, die wirtschaftlich bald die galaktische Menschheit dominierten. Alles inklusive der Erschließung zahlloser mensch­licher Planeten über CST-Wurmlochportale ging gut bis zum Jahr 2380, als das Dyson-Sternenpaar entdeckt wurde und der „Starflyer“-Krieg begann, den die Menschheit nur sehr knapp für sich entschied (dies ist die Handlung des sehr lesenswerten vierbändigen „Commonwealth“-Zyklus, der mit „Der Stern der Pandora“ begann).

Der Niedergang der Welt Anagaska, der die Hintergrundfolie der Story „Wenn Engel reisen“ bildet, ist nur vor diesem histori­schen Background verständlich. Außerdem muss man wissen, dass sich in den folgenden Jahrhunderten biologische und tech­nische Weiterentwicklungen innerhalb der sich allmählich fraktionierenden Menschheit abzeichneten. Und das Commonwealth war der Raum, in dem sich all diese Fraktionen ausbreiten konnten. Nach der Ausbreitung auf die „Externen Welten“, zu denen Anagaska gehört (in der Zeitlinie ab dem Jahre 2545) entwickelten sich biotechnisch aufgerüstete Menschen, so genannte „Higher“, deren radikale Fraktion der „Angel“ ab 2984 versuchen, auch auf subversive Weise die Menschheit in eine Higher-Kultur umzuformen. 2991 gründet sich daraufhin eine Gegenbewegung, das so genannte „Protektorat“. Und diese Leute greifen auch zu wirklich sehr extremen Maßnahmen, wie man in der vorliegenden Geschichte sehen kann, um zu verhindern, dass sie „kontaminiert“ werden.

Dass darüber hinaus diese Geschichte noch eine Zeitziffer in der Zeitlinie des „Commonwealth“-Zyklus illustriert, ahnte ich schon, als ich den Planetennamen las. Mehr verrate ich an die­ser Stelle dann aber doch nicht.

Die Dämonenfalle“ ist dann die erste der beiden Paula Myo-Geschichten, und auch sie ist ohne die obigen Erläuterungen quasi kryptisch, da sie ebenfalls im Commonwealth spielt. Paula Myo, die in den Commonwealth-Romanen als charakterstarke Person etabliert wird, die durch ihre genetisch optimierte Her­kunft vom Planeten Huxley’s Haven (auch „Bienenstock“ ge­nannt, weil dort jede Person mit einer klar in die Gene implan­tierten, lebenslang programmierten beruflichen Zielvorstellung erschaffen wird) eine unbeugsame Ermittlerin gegen jedes Ver­brechen und Unrecht ist, wird mit einem Massenmord konfron­tiert: auf dem Planeten Nova Zealand am Rande des Common­wealth wird ein Flugzeug mit mehr als 130 Personen abgeschos­sen, darunter auch eine Reihe von Dynastie-Angehörigen. Sie erleiden sämtlich das, was man im Commonwealth-Jargon „Kör­perverlust“ nennt.

Da alle Menschen ab einem bestimmten Alter zu dieser Zeit mit so genannten Memorycell-Inserts ausgestattet sind, die wie im Falle von Flugschreibern das Auslesen der Informationen bis zum Todeszeitpunkt ermöglichen, und da die Klonierungstech­nologie sehr weit fortgeschritten ist, ist dieser Tod üblicherweise nur ein temporärer.

Das Verbrechen muss gleichwohl geahndet werden, und das umso mehr, als sich unverzüglich eine weitgehend unbekannte politische Splittergruppe, die sich „Armee zur Befreiung Merio­neths“ nennt, zu der Tat bekennt und die Abspaltung ihrer Welt Merioneth vom Commonwealth fordert.7 Paula Myo und ihr Team von Investigatoren ist im Handumdrehen vor Ort – eine Reise­leistung, die der Leser, der vom Commonwealth-Zyklus keine Ahnung hat, einfach nicht zu verstehen imstande ist – und nimmt mit sagenhafter Technik die Verfolgung auf. In der Tat ge­lingt es schnell, die Person festzunehmen, die die Waffe abge­feuert hat.

Dummerweise hat man ihr eine falsche Erinnerung implantiert, und sie entsinnt sich nicht mehr an die Tat. Kann man aber eine physische Person, die mental nicht mit dem Attentäter identisch ist, für ein solches Verbrechen zur Rechenschaft ziehen? Und was ist mit den Hintermännern der Tat? Was für ein Ziel verfolgt die personell nicht fassbare „Armee zur Befreiung Merioneths“ mit der Abspaltung dieser Welt? Paula Myo argwöhnt, dass sie nur einen Teil des ganzen Bildes sieht, und sie beginnt hartnäckig damit, nachzubohren, weil das von ihrer genetischen Programmierung her gar nicht anders geht. Und im Vollzug der Gerechtigkeit kann sie wirklich richtig grausam sein …

Wann genau auf der Zeitlinie ist diese Geschichte angesiedelt? Da Hamilton uns das nicht erzählt, muss es aus den Details der Story geschlossen werden. Es wird nicht auf ANA verwiesen, eine menschliche Intelligenz, die man sich als eine Form von globalem Datenverbund vorstellen muss, in den Menschen, die nach einem langen, erfüllten Leben ihres physischen Daseins überdrüssig werden, ihre Individualität und ihre Informationen hochladen. ANA entsteht etwa ab 2833, die obige Geschichte muss folglich irgendwo zwischen dem Ende des „Starflyer“-Krie­ges (2384) und diesem Zeitpunkt spielen. Genauer einzugren­zen ist es auf den ersten Blick nicht.

Das ist mit der letzten Geschichte deutlich anders. „Ein ganz großer Deal“ (ursprünglich die Titelstory „Manhattan in Rever­se“) spielt 11 Monate nach dem Ende des „Starflyer“-Krieges, also im Jahre 2385. Aber der Ausgangspunkt ist wieder ohne Kenntnis des vorangegangenen Zyklus schlicht unbegreiflich.

Paula Myo wird hier nach einem erfolgreichen Prozess quasi commonwealthweit angefeindet. Warum? Weil sie jemanden verurteilt hat, der als Held gilt. Gene Yaohui, der im „Common­wealth“-Zyklus als Oscar Monroe in Erscheinung tritt, ist in sei­ner Jugend ein bekennender Radikaler gewesen, der an einem verheerenden Anschlag auf einen Zug teilgenommen hat, bei dem in Abadan-Station (hier ständig als „Aberdan-Station“ falsch geschrieben8) Dutzende von Kindern ums Leben kamen. Sie starben damit den endgültigen Tod, weil sie keine Memory­cell-Inserts besaßen. Dies gilt als das mit Abstand grässlichste Verbrechen überhaupt.

Paula Myo konnte die Fallakte erst schließen nach dem letzten Kapitel des „Starflyer“-Kriegs, in das sie selbst involviert war – und zwar, indem sie auf dem Planeten Far Away mit Oscar Mon­roe zusammenstieß. Oscar entschied den Krieg selbst für die Menschheit, erlitt dabei aber einen Körperverlust.9 Paula barg seine Memorycell und erwirkte dann wegen der Oscars früherer Verbrechen von Abadan-Station eine Suspensionshaft von 1.200 Jahren – also solange darf kein neuer Klonkörper Oscar Monroes geschaffen werden, was bedeutet, dass man ihn solange am Neubeginn seines Lebens hindert. Paula findet das völlig in Ord­nung und gerecht, hat aber gleichwohl nach der Zeitlinie noch bis 2403 mit Berufungsverfahren zu kämpfen, die diese Ent­scheidung rückgängig machen wollen. Der Rest der Menschheit, der in Oscar einen Märtyrer sieht, steht erkennbar nicht auf ih­rer Seite.

In der Story tritt sodann Wilson Kime auf, ein alter Kämpe, der erste Mann auf dem Mars10, und versucht, sie zur Revision des Urteils zu bewegen. Damit beißt er natürlich auf Granit … und dann bittet er Paula um einen Gefallen. Sie möge doch ein we­nig Distanz zur aufgebrachten Öffentlichkeit halten und sich um eine Angelegenheit auf dem Planeten Menard kümmern. Dies ist eine Randwelt, die kürzlich erschlossen wurde und zu der aktu­ell Millionen von Flüchtlingen des „Starflyer“-Konflikts umgesie­delt werden, die ihre Heimat verloren haben (auch dies ist ohne die Kenntnis des vorangegangenen Zyklus nur schwer zu ver­stehen). Soweit Kime es inzwischen gehört hat, gibt es hier eine Komplikation der Siedler mit einer einheimischen Lebensform, den Onid, die von Exosoziologen nicht als intelligent eingestuft worden sind, sondern als Tiere.

Paula fühlt sich nicht zuständig und glaubt nicht, dass hier ein „Fall“ vorliegt, in dem sie qua genetischer Programmierung er­mitteln müsste. Es zeigt sich allerdings, dass sie damit auf inter­essante Weise falsch liegt …

Die Lektüre des Kurzgeschichtenbandes gestaltete sich äußerst kurzweilig, gleichwohl bleibt mein Eindruck durchaus gespalten. Das euphorische Fazit, das der Bastei-Verlag auf die Rückseite druckte („Hamiltons Fantasie kennt keine Grenzen!“, Science Fiction Weekly), bezieht sich augenscheinlich auf ein anderes Werk und wirkt hier nur als Verkaufsförderungsmaßnahme. Ha­milton gibt im kurzen Vorwort selbst zu, dass er nicht „der pro­duktivste Kurzgeschichtenschreiber“ ist und üblicherweise höchstens eine Story pro Jahr hinbekomme. Ich würde sogar sa­gen, besonders angesichts der hier vorgelegten Werke, dass Kurzgeschichte gerade nicht das Metier darstellt, in dem Hamil­ton brillieren kann.

Wie komme ich darauf?

Nun, bei der Lektüre der sehr gut lesbaren, locker gestalteten Geschichten hatte ich immer ein wenig das Fastfood-Gefühl: man goutiert eine Speise, füllt den Magen, fühlt sich anschlie­ßend aber immer noch hungrig, irgendwie nicht recht befriedigt. Es war deutlich zu merken, dass selbst bei Geschichten, deren Handlungsbogen 80 und mehr Seiten umfasst, Hamilton auf­grund seiner an Romanlänge ausgerichteten Ausführlichkeit der Storyführung im Grunde genommen nur eine Art Fingerübung vollführte, eine Episode schilderte, die der richtigen Einbettung in eine Romanhandlung ermangelte. Bei den Geschichten um Paula Myo war das besonders deutlich.

In den „Commonwealth“-Romanen und denen um das „Dark Universe“11, in denen sie in Erscheinung tritt, ist der Paula Myo-Handlungsstrang nur einer von mehreren, aber stets ein sehr entscheidender. Sie hier losgelöst – wenn auch in der vorletzten Geschichte an der Seite weiterer bekannter Protagonisten aus den „Commonwealth“-Romanen – agieren zu sehen, ist eine seltsame Sache. Hamilton nutzt diese Gelegenheit, um weitere charakterliche Facetten der Ermittlerin herauszuarbeiten, und das gelingt ihm gut.

Gleichwohl entbehren eigentlich alle diese hier versammelten Geschichten, das gilt namentlich dann für die Schlussstory, des Tempos, das seine sonstigen Werke auszeichnet. Er ist hier sehr viel bedächtiger, fast manchmal philosophisch-reflektierend, es geht viel um Lebenseinstellungen, um Lebensentscheidungen, um charakterliche Stärken und Schwächen … man verstehe mich nicht verkehrt, das ist alles sehr lesenswert und faszinie­rend. Aber manchmal hätte ich mir schon gern ein wenig mehr „Action“ gewünscht.

Auch die Vergabe der Titel für die Geschichten ist bisweilen schrullig. Bis es in „Die Dämonenfalle“ tatsächlich um Meta­physisches in dieser Richtung geht, ist die Story fast zu Ende. Und „Manhattan in Reverse“ spielt in keiner Weise in Manhat­tan, sondern bekanntlich nicht mal auf der Erde. Auch hier bie­tet lediglich eine Diskussionsbemerkung den Titelbezug an. Das ist dann ein bisschen wenig.

Wer also die Storysammlung mit der Vorstellung liest, es ginge hier irgendwo um Dämonen, sollte sich besser im „Armaged­don-Zyklus“ umschauen, da kommen tatsächlich welche vor. Wer indes ruhige, faszinierende Blicke in die menschliche Zu­kunft sucht und vom „Commonwealth“-Zyklus gut unterhalten wurde, ist hier als Leser sicherlich richtig, vor allen Dingen dann, wenn man Leute wie Paula Myo lieb gewonnen hat und sich an manche Dinge im „Dark Universe“-Zyklus erinnert. Denn Reminiszenzen dergleichen gibt es hier viele (nicht zuletzt hin­sichtlich der menschlichen Neuexistenzform der „Multiples“).

Lasst euch auch nicht irritieren von den starken Commonwealth-Interferenzen, die die erste und zweite Geschichte durchziehen. Mich hat das anfangs verwirrt. Es ist aber wohl völlig normal, dass Hamilton solche Techniken dann auch in Welten einsetzt, die dafür irgendwie nicht richtig geeignet erscheinen. Das ist nur ein kleiner Moment der Irritation.

Alles in allem ist dies ein Erzählungsband, der für Hamilton-Fans auf jeden Fall geeignet ist. Als Ersteinstieg für Neulinge eignet er sich meiner Ansicht nach aber nicht. Da wäre „Der Stern der Pandora“ schon deutlich besser zu wählen.

© 2016 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche könnt ihr euch wieder entspannt zu­rücklehnen, dann stelle ich euch einen wirklich niedrigschwelli­gen erotischen Roman vor, der kein umfangreiches Vorwissen erfordert.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

(BS, 9. Dezember 2025)

1 Im Deutschen inzwischen als „Das Dunkle Universum“ zyklentechnisch firmie­rend.

2 Vgl. Peter Crowther (Hg.): Unendliche Grenzen, Bergisch-Gladbach 2003.

3 Besonders interessant ist es, diese Geschichte nach der so genannten „Bre­xit“-Abstimmung zu lesen! Wenn zu der Zeit schon ein solches Portal bestan­den hätte, wer weiß, wie das dann weitergegangen wäre. Von der Flüchtlings­thematik der Gegenwart mal ganz zu schweigen …

4 Abgedruckt u. a. in Peter F. Hamilton: Schwarze Welt, Bergisch-Gladbach 2009. Im oben rezensierten Band fehlt dieses hilfreiche Kompendium leider, was für Ahnungslose für die drei letzten Geschichten im Band einige Verständnis­schwierigkeiten sorgt.

5 Nachzulesen in Peter F. Hamilton: Der Stern der Pandora, Bergisch-Gladbach 2006.

6 Nachzulesen in Peter F. Hamilton: Der Dieb der Zeit, Bergisch-Gladbach 2004.

7 Und man kann sich denken, dass die Formulierung von „Mit Terroristen wird nicht verhandelt“ hier fröhliche Urständ feiert … ein interessanter Bezug übri­gens zur aktuellen Gegenwart.

8 Wie es korrekt heißt, müsste man vermutlich im Original nachlesen – die Über­setzer sind verschieden.

9 Nachzulesen in Peter F. Hamilton: Die dunkle Festung, Bergisch-Gladbach 2007.

10 Nachzulesen in Peter F. Hamilton: Der Stern der Pandora, Bergisch-Gladbach 2006.

11 Das sind die vier Romane: Träumende Leere, Schwarze Welt, Im Sog der Zeit und Evolution der Leere, Bergisch-Gladbach bzw. Köln 2009-2011.

Liebe Freunde des OSM,

auf eine wirklich faszinierende Weise ist dieser „runde“ Work in Progress-Blogartikel eine würdige Veranstaltung geworden, ganz ohne das geplant zu haben. Ich blicke auf erstaunliche 38 abge­schlossene Werke zurück, und diesmal durchaus nicht nur sol­che „low level“-Dinge wie ein Berg von Rezensionen. Das fing gleich richtig schön an und ging stürmisch so weiter – zweifellos half dabei das durchwachsene, für diese Jahreszeit eher zu küh­le Wetter. Ihr wisst, dass das meine Kreativität immer befeuert, während ich in den heißen Sommermonaten eher abschlaffe.

Schauen wir uns also mal den kreativen Ertrag dieses Monats im Detail an:

Kein Tag wie jeder andere – OSM-Novelle

Anmerkung: Ja, der Monat fing schon toll an. Am 10. Mai been­dete ich diese brandneue Story aus dem Bereich der „Annalen der Ewigkeit“ und schloss so eine Handlungslücke im 1994 ab­geschlossenen KONFLIKT 23 „Oki Stanwer – Der Dämonenjä­ger“. Und die Geschichte schrieb sich echt wie von selbst. Fol­gerichtig ging ich in der zweiten Monatshälfte auch dazu über, sie in Teilen für die Veröffentlichung im Fanzine Baden-Würt­temberg Aktuell (BWA) zu portionieren. Bis ihr diese Zeilen am 25. Januar 2026 lest, wird diese Veröffentlichung in sechs Teilen längst abgeschlossen sein.

Blogartikel 647: Work in Progress, Part 149

Blogartikel 639: OSM 2400 – Mensara Habib und die kosmi­sche Vergangenheit

Anmerkung: Das war dann das nächste, was ich dringend schreiben musste. Alle 100er-Bände des OSM verlangen nach solcher Nachbearbeitung. Und nein, ich weiß natürlich aktuell nicht, was wohl der Band 2500 des OSM sein wird … aber allein die Tatsache, dass ich zum Schreibzeitpunkt (1. Juni 2025) schon bei OSM-Band 2417 (!) angelangt bin, signalisiert, dass er möglicherweise noch anno 2026 geschrieben werden wird. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Blogartikel 632: Close Up – Der OSM im Detail (67)

23Neu 60: Das Dorf zwischen den Welten

23Neu 64: STERNENTHRON

(20Neu 39: Aufstand gegen die MACHT)

(Lexikon der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“)

(Glossar der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“)

(Glossar der Serie Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Scher­gen)

(Lexikon der Serie Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Scher­gen)

Blogartikel 644: Langzeitprojekte 16 – Vivica auf Abwegen

20Neu 38: Das Totenheer

23Neu 63: Operation Peenemünde

23Neu 62: Die Berlin-Mission

(Glossar der Serie Oki Stanwer – Der Dämonenjäger)

(Lexikon der Serie Oki Stanwer – Der Dämonenjäger)

20Neu 36: Das Herz von Koopen

20Neu 37: Die Zeit-Schleuder

Anmerkung: Es ist aus dieser Aufstellung leicht zu erkennen, dass es ein unausgewogenes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Digitalisat 20Neu und 23Neu gibt. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle mal kurz erklären, warum diese Unausgewogen­heit existiert. Sie hat meiner Ansicht nach zwei Gründe.

Der eine liegt in der Schreibform, das klingt trivial, ist es aber nicht: 20Neu ist im Originalskript einzeilig geschrieben, 23Neu hingegen anderthalbzeilig. Zwar sind die Skripte der 23er-Ebe­ne deutlich länger (inzwischen 15 Skriptseiten lang), dennoch sind sie geradezu rasant schneller digitalisierbar.

Der zweite Grund ist dafür wohl ausschlaggebender: Die Hand­lung des 23. KONFLIKTS ist dermaßen mitreißend, und zwar in allen Episodenschauplätzen, dass es einerseits eine Wonne ist, diese Episoden noch mal zu lesen und dann auch erst recht, sie abzuschreiben und zu kommentieren. Es ist auch nicht auszu­schließen, dass es beizeiten hier weitere Effekte wie den gibt, der zu „Kein Tag wie jeder andere“ geführt hat.

Ich meine, man schaue sich nur mal die Handlungsschauplätze an: Auf der einen Seite das Inkareich anno 1531 mit der Basis der Neutralen. Dann die Hightech-Diktatur von High-Tech-Terra anno 2793 mit der Untergrundorganisation „Blutiger Prophet“. Weiterhin die Pharaonenwelt … da macht es wirklich überall Spaß, weiterzuarbeiten. Und ich habe kürzlich mal einen Blick auf die Handlungshorizonte zwischen Band 73 (aktuelle Schreibgrenze) und Band 100 der Serie geworfen … ich kann euch sagen, das geht da nonstop so weiter. Erst nach Band 105 kommt (kurz) etwas Ruhe in die Serie.

(OSM-Wiki)

Blogartikel 646: Fehlerlese: Unfehlbare Pläne, verkappte Okkultisten, Hausbesetzer und weiße Bomben

23Neu 65: Atahualpas Spion

(20Neu 40: Verdammte der Zeit)

23Neu 61: Kleines im Dritten Reich

23Neu 66: FRANZISKO PIZARRO

23Neu 67: Krieg in den Anden

(VvD 21: Alarmsignale)

(NK 66: Unterwegs in kosmischer Mission)

Anmerkung: Auch hierzu ploppen ständig neue Szenenblenden auf, was ich sehr hilfreich finde. Ich musste zwar eine Menge nachlesen, weil ich tatsächlich seit realen Jahrzehnten nicht mehr in der Galaxis Westai war, aber es ist zunehmend toll, wie diese Episode Formen annimmt.

Besonders urig fand ich, dass völlig unerwartet hier ein Crossover zwischen KONFLIKT 23 (!) und der Galaxis Westai in KON­FLIKT 24 auftaucht. Eine ziemlich schaurige Sache, aber auf der anderen Seite signalisiert sie unmissverständlich, wie unbere­chenbar und abenteuerlich dieses erste Netzuniversum des OSM ist.

Hammer, Freunde, echt!!

Glossar der Novelle „Kein Tag wie jeder andere“

23Neu 68: Seths Inkarnation

(OSM-Hauptglossar)

23Neu 69: Diener der Götter

(23Neu 70: Der Flüchtlingszug)

(Glossar der Serie Oki Stanwer – Der Siegeljäger)

(Lexikon der Serie Oki Stanwer – Der Siegeljäger)

(23Neu 71: Der Satan kommt)

Kein Tag wie jeder andere, Teil 1 – OSM-Novelle

(Die Kolonie Saigon II – Erotic Empire-Roman)

(DSj 49: Zu den Sternen)

Anmerkung: Das war dann die nächste Überraschung dieses Monats. Ihr habt von dieser Geschichte schon eine gefühlte Ewigkeit nichts mehr gehört? Wahr, das stimmt. Aber dieser auf meiner Lieblingsinsel Santorin spielende, höchst chaotische Band, war nun nach OSM-Band 2400 ernsthaft mal an der Rei­he, angegangen zu werden.

Vorausgegangen waren Neu-Digitalisate der vorherigen Episo­den, die ja zum Teil Novellenformat besitzen. Dann erstellte ich, in Stimmung gekommen, Protagonistenlisten. Legte eine Timeli­ne für die Episode an und verteilte die Personen auf die Insel. Was inzwischen über 70 Seiten erfordert hat. Die Geschichte ist also nicht eben nur mal etwas nachgeschliffen worden, sondern sehr weit entwickelt.

Jetzt, nach Handlungszeit Ende September bis Anfang Oktober 1999, läuft den Protagonisten die Zeit davon. Schließlich geht am 5. Oktober 1999 die Welt unter in dieser Serie. Und bis da­hin wollen sich zahlreiche Wesen noch in Sicherheit bringen: Mikis Theodakis, Thor Gordenbeyl und die Mitglieder der Para­basis Athen. Die angeschlagenen Dämonenwaffen von TOTAM. Die Sirianer unter ihrem Sektenführer Hector Algonquin. Die MASKEN unter ihrem Kommandanten Abdurrahman. Und dann sind da natürlich auch noch die UFOs, denen Totenköpfe ent­steigen …

Chaotisch? Ach, Freunde, ihr macht euch ja gar keine Vorstel­lung. Denn um den Feldweg zu beschreiten, der entdeckt wor­den ist, werden sie den Wächter bekämpfen müssen und die Zeitgezeiten überleben, die die Welt heimsuchen, ehe der RAND die Existenz geradewegs wegschmirgelt (ja, genau DIE Zeitgezeiten, die ihr aus den Close Up-Bänden von KONFLIKT 16 inzwischen kennen gelernt habt … na ja, und dann doch wieder nicht so ganz dieselben. KONFLIKT 28 ist eben sehr speziell).

Dies die Hölle zu nennen, ist noch ziemlich schmeichelhaft …

(Glossar der Story „Die magische Waffe“)

Anmerkung: Diese Entdeckung hat meine Laune dann durchaus etwas eingetrübt. Eigentlich dachte ich, ich hätte dieses Glossar längst geschrieben. Das Digitalisat der Story stammt immerhin schon von 2017. Dummerweise musste ich, als ich die Begriffe der frischen Novelle ins Hauptglossar einarbeitete, entdecken, dass ich mich getäuscht habe. Weder für diese Originalstory noch für das Digitalisat gibt es ein Glossar. Seufz. Also an die Arbeit, dachte ich mir …

Kein Tag wie jeder andere, Teil 2 – OSM-Novelle

(23Neu 72: Schlachtfeld Europa)

Kein Tag wie jeder andere, Teil 3 – OSM-Novelle

(20Neu 41: Der Ewigkeits-Plan)

(Sarittas Hilflosigkeit – Archipel-Novelle)

Kein Tag wie jeder andere, Teil 4 – OSM-Novelle

(DSj 51: Krise in der Südsee)

Anmerkung: Auch von dieser Geschichte habt ihr lange nichts mehr gehört. Kein Wunder, kam ich doch wegen des nicht abge­schlossenen Bandes 49 hier nicht weiter voran. Interessanter­weise gibt es hier zwei zeitliche Handlungsströmungen, einmal VOR dem RAND (übertragen aus der nicht mehr existenten Sto­ry „Matrixpest“, die ja in DSj-Band 50 verlagert wurde), zum anderen NACH dem RAND. Denn ja, zum allgemeinen Erstaunen gibt es die Erde nach dem RAND immer noch … so scheint es zumindest. Aber was hier geschieht, ist definitiv höchst eigenar­tig, und darüber war ich mir absolut nicht klar, als ich vor fast 20 Jahren mit der Arbeit an dieser Episode begann. Inzwischen beginnt sich der Nebel zu lichten … ich bin mächtig gespannt, was dahinter liegt.

(23Neu 73: Verschwörergruppe Blutiger Prophet)

(Wandlungen – Archipel-Story)

Anmerkung: Das war dann wirklich eine total witzige Überra­schung zum Monatsende. Wie ihr aus den vergangenen Monats­blenden der „Work in Progress“ wisst, habe ich mich ziemlich lange nicht intensiv im Archipel aufgehalten. Dementsprechend ist diese Story auch schon sehr lange im Rohzustand.

Als ich sie gegen Monatsende aufsuchte, um eigentlich nur feh­lende Leerschritte einzuarbeiten, fing mich die Geschichte gleich ein und zwang mich zum Ausarbeiten. Und was soll ich sagen? Es macht einen mächtigen Spaß, der süßen Sklavin So­lange dabei zu lauschen, wie sie die Haustochter Fiona im frü­hen Asmaar-Len … ja, wie soll ich das korrekt beschreiben? … auf Kurs bringt? Ihre Neugierde aufstachelt? Sie moralisch ver­dirbt?

Nun ja, es hat etwas von allem, denke ich. Aber das Sklaven­mädchen Solange hat natürlich seine Überzeugungen – den strikten Glauben an die Göttin Neeli und ihren Gemahl Laray­kos. Und sie trifft absolut ins Schwarze, wenn sie mutmaßt, dass Fiona noch nie im Leben einen Orgasmus erlebt hat und von erotischen Finessen der Archipelmädchen auch nichts weiß.

Es wird Spaß machen zu erleben, wie Solange das grundlegend ändert. Eine süße, heiße Story, soviel steht jetzt schon fest. Und vielleicht alsbald mal wieder eine Archipelgeschichte, die ich vollenden kann.

Damit erreichen wir dann tatsächlich das Ende dieses höchst produktiven und zeitweise äußerst überraschenden Monats. Ich hoffe sehr, das geht so weiter. Näheres zum Monat Juni erfahrt ihr dann im Blogartikel 655 an dieser Stelle.

In der kommenden Woche schicke ich euch wieder auf eine Rei­se in den KONFLIKT 17, der zunehmend chaotischer wird.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

kann man eine Biografie über eine fiktive Person schreiben? Das klingt doch auf den ersten Blick wie die Quadratur des Kreises, oder? Wie sollte so etwas wohl möglich sein? Ist man doch als Biograf gebunden an harte Fakten, an Dokumente, Archive, Kir­chenbücher, Zeitungsberichte, Todesmeldungen und derglei­chen mehr.

Im Fall von Mr. Sherlock Holmes, seines Zeichens (nach Sir Ar­thur Conan Doyle) einziger Beratender Detektiv Londons oder vielleicht gar der Welt, wird man derlei Fakten wohl schwerlich entdecken können. Es ist auch nicht damit getan, die Baker Street 221b in London aufzusuchen, wo nach meiner Kenntnis heute ein Sherlock Holmes-Museum existiert … das ändert näm­lich rein gar nichts an der Tatsache, dass Holmes nun einmal ein fiktionaler Charakter ist.

Als ich also davon erfuhr, dass Nick Rennison eine – wenn auch „unautorisierte“ Biografie des Detektivs verfasst hatte, wurde ich unvermeidlich neugierig darauf und besorgte mir das Buch … und es war, vorsichtig gesprochen, ein verdammtes Lesever­gnügen, das ich jedem echten Holmes-Fan wärmstens ans Herz lege.

Gut, ich schränke in einem Punkt natürlich ein: Ich bin Historiker und habe Biografien erforscht und biografische Aufsätze veröf­fentlicht. Ebenso ist nicht zu leugnen, dass ich eine starke Affini­tät zu Archiven und Bibliotheken habe, von Büchern ganz zu schweigen. Werke, in denen diese Faktoren einen starken Ein­fluss ausüben, und das ist hier so, können von vornherein mit sehr mildernder Kritik rechnen.

Doch ungeachtet dieser Einschränkung bin ich nach wie vor der Ansicht, dass das hier ein wagemutiges wie gelungenes Lese­abenteuer ist, in dem die Grenzen zwischen historischer Faktizi­tät einerseits und fiktionaler Ergänzung munter und durchaus plausibel überschritten werden.

Dieses interessante Experiment verdient eine genauere Begut­achtung. Und wer daran interessiert ist, lese einfach mal weiter:

Sherlock Holmes

Die unautorisierte Biographie

(OT: Sherlock Holmes. The Unauthorized Biographie)

von Nick Rennison

Artemis & Winkler

Düsseldorf 2007, 284 Seiten

Aus dem Englischen von Frank Rainer Scheck und Erik Hauser

ISBN 978-3-538-07246-6

Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wie akribisch engagierte Fans sein können und ihren Untersuchungsgegen­stand manchmal mit ähnlich intensiver Detailverliebtheit durch­dringen wie Wissenschaftler, die ein bestimmtes Themengebiet zu ihrem Steckenpferd gemacht haben. Das Steckenpferd des Buchhändlers Nick Rennison heißt in diesem Falle Sherlock Hol­mes, und er hat sich nichts Geringeres auf die Fahnen geschrie­ben, als die Biografie des berühmtesten beratenden Detektivs der Weltgeschichte zu erforschen und dem interessierten Publi­kum auszubreiten.

Nun wissen wir natürlich – wenigstens in DIESER Welt, in paral­lelen Wirklichkeiten mag sich das anders verhalten – , dass Sherlock Holmes eine fiktive Figur ist. Er tritt erstmals durch die Feder seines nachmaligen so genannten „literarischen Agenten“ Arthur Conan Doyle (später Sir Arthur Conan Doyle) im Jahre 1887 in Erscheinung, als das erste Abenteuer mit ihm unter dem Titel „Eine Studie in Scharlachrot“ publiziert wird.1 Von die­sem Moment an ist die lesende Welt von dem ebenso exzentri­schen wie brillanten Kriminalisten so dermaßen fasziniert, dass bis heute der Ruhm des Gentlemans aus der Baker Street 221b nicht nachgelassen hat. Doyle hat der – in seinen Augen sicher­lich hinderliche – Ruhm des Detektivs selbst nach Holmes´ ver­meintlichem Tod in den Reichenbachfällen in der Schweiz nicht ruhen lassen und ihn schließlich dazu getrieben, vier Romane und nicht weniger als 56 Kurzgeschichten über ihn zu schrei­ben.2

Gleichwohl, in unserer Welt ist Holmes eine literarische Gestalt wie etwa auch James Bond, und es mutet ein wenig schrullig an, über ihn eine Biografie zu schreiben. Umso neugieriger war ich natürlich auf dieses Buch, das etwas eigentlich Unmögliches versprach …3 und kurz gesagt: es enttäuscht wirklich nicht.

Nick Rennison gräbt nicht nur in den Holmes-Geschichten, in denen er sich bestens auskennt, nach historischen Fakten, die ja spärlich genug sind, sondern er pflügt in seinem Buch auch die Geschichte Englands im 19. Jahrhundert um und vermischt auf raffinierte wie plausible Weise Fakten und Fiktionen, bis ein bemerkenswert „rundes“ Bild entsteht, wie es auch aus der Fe­der eines professionellen biografischen Historikers stammen könnte.4 Das verleiht dem Werk Solidität und eine gewisse – freilich vorgetäuschte – Seriosität.

Sherlock Holmes´ Familiengeschichte beginnt am Rande der Moore von Yorkshire, rund 12 Meilen entfernt von der Stadt Pickering, in einem kleinen Dorf namens Hutton le Moors, wo sich bis Mitte der 1920er Jahre ein alter Familiensitz erhob, Hutton Hall genannt.5 Nach Rennisons Recherchen erblickte hier William Sherlock Holmes am 17. Juni 1854 das Licht der Welt, in der Tat – wie er einmal Watson erzählte – als einer der letzten Sprösslinge eines alten Landjunker-Geschlechts, das nach Ge­richtsakten von Yorkshire bis zu einem gewissen Urkell de Hol­mes für das Jahr 1219 dort nachgewiesen ist.

Der neugierige Leser verfolgt fasziniert den Niedergang der Hol­mes-Familie, sieht die divergierenden Pfade der Brüder Mycroft und Sherlock, wobei letzterer sich mehr für Boxen, Fechten, Theater (!)6 und ähnlich „unsolide Dinge“ interessiert und wäh­rend seiner schulischen Ausbildung für mancherlei Skandal sorgt. Mycroft ist der zielstrebigere von beiden, der deutlich durchgeistigtere, und das ist für Rennison dann auch der we­sentliche Schlüssel für die Biografie des Jüngeren … denn an­geblich wird der Nachlass von Mycroft Holmes, seiner politi­schen Bedeutung nach durchaus angemessen, im Public Record Office, dem englischen Staatsarchiv, bis heute unter Verschluss gehalten.

Faszinierend verfolgt Rennison eine Art Parallelgeschichte, die sowohl parallel zu den Fällen verläuft, die Watson uns als Chro­nist mitteilt als auch parallel zu der offiziellen Geschichtsschrei­bung des britischen Königreichs. Er erhellt, dass Holmes´ Lauf­bahn ohne massive Protegierung seines inzwischen einflussrei­chen Bruders Mycroft entschieden glanzloser verlaufen wäre. Zugleich belegt er plausibel, dass Holmes weitaus intensiver in den irisch-britischen Konflikt verwickelt war, der ja schließlich während des Ersten Weltkriegs zu dem Versuch der deutschen Regierung führte, irische Nationalistenkreise zum Aufstand ge­gen das Empire aufzustacheln (ein Versuch, der 1916 freilich fehlschlug). Dass beispielsweise für manche Jahre von Watson so gut wie überhaupt keine Fälle nachgewiesen werden können, begründet Rennison und fügt hier sehr raffinierte Verbindungs­stränge ein, mit Holmes‘ Geheimdiensttätigkeit für die Regie­rung und besonders für seinen Bruder Mycroft, die natürlich im­merzu den irischen Unruheherd im Blick behalten mussten.

Ebenfalls aus der Ecke der irischen Nationalisten stammt, so be­hauptet es der Autor wenigstens, auch Holmes´ größter Gegen­spieler James Moriarty, der in Irland geboren wurde und weniger einen „Napoleon des Verbrechens“ darstellte als vielmehr einen intellektuell Holmes nahezu ebenbürtigen irischen Patrioten. Da natürlich dieses Thema in den 1880er Jahren und bis hinauf zum Ersten Weltkrieg hochgradig politisch brisant war, ist verständ­lich, dass Watson, wie er es ja oftmals tat, die wahre Natur Mori­artys verschleiern musste …

Ah, ich denke, es wäre unlauter, noch viel mehr der faszinieren­den Details dieses wirklich gelungenen, beeindruckenden Wer­kes ans Tageslicht zu zerren und allzu viele Überraschungen vorwegzunehmen. Es ist sicherlich klüger, dem Neugierigen den Rest der Lektüre selbst zu überlassen und das geschickte Flechtwerk des Autors, worin sich wahre Historie, Scheinhistorie und pure Fiktion auf anregende Weise miteinander verbinden, dem Kontrollblick eines jeden Lesers zu übergeben.

Wer immer jedenfalls ein wahrhaft neugieriger Fan des literari­schen Sherlock Holmes ist und sich mit den Geschichten des traditionellen Kanons nicht zufrieden geben möchte, der wird hier auf angenehmste Weise tiefer in das kriminalistische Paral­leluniversum Sherlocks entführt werden. Das Buch kann nur empfohlen werden, es ist wenigstens so unterhaltsam wie ein gut gemachter Epigonenroman zu Sherlock Holmes und destil­liert eine erstaunliche Fülle an Wissenswertem.

Manch einer, möchte ich denken, könnte daraufhin auf den Ge­schmack kommen und sich ein wenig eingehender mit der briti­schen Geschichte befassen, etwa mit dem irisch-britischen Kon­flikt, um herauszufinden, wo genau Rennison wohl von der Rea­lität abgewichen ist. Aber gebt Acht, Freunde – Rennison ist Buchhändler und als solcher wohl belesen in allen möglichen Bereichen der Geschichte und abseitigen Gebieten … es könnte schwer sein, ihn der Betrügerei zu überführen (wenn man das denn will). Dafür bedürfte es vielleicht schon der Qualitäten ei­nes Sherlock Holmes …

© 2010 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche verlassen wir dann die Gefilde der Kontrafaktik, in die wir uns oben begaben und suchen einen alten Bekannten auf, nämlich Peter F. Hamilton.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Erstmals in Beeton’s Christmas Annual 1887 unter dem Titel „A Study in Scar­let“.

2 Vgl. dazu die Auflistung des traditionellen „Kanons“ in dem Anhang des Bu­ches „Sherlock Holmes und der Fluch von Addleton“, hrsg. von Mike Ashley, Bergisch-Gladbach 2003.

3 Indes, dass es nicht unmöglich ist, professionelle Beiträge über nicht existen­te Dinge zu schreiben, und wir reden hier nicht von Romanen, beweist bei­spielsweise der polnische Literat mit seinem Buch „Die vollkommene Leere“, das vollständig aus Vorwörtern zu nicht existenten Büchern besteht. Mein ei­gener bescheidener Beitrag besteht in einer Fiktivrezension einer Romantrilo­gie eines marsianischen Kriminalautors des 22. Jahrhunderts. Vgl. dazu mei­nen Beitrag „Ein Sherlock Holmes des Roten Planeten“ in BWA 290 (November 2007) und in SHERLOCK #4/FAN 90 (April 2010).

4 Das kann ich als biografischer Historiker durchaus beurteilen.

5 Elegant genug, das Gebäude wurde abgerissen, wenn man Rennison glauben darf. Das dürfte die Nachforschungen ein wenig erschweren. Ich nehme an, er bezieht sich hier auf einen durchaus authentischen Fall von Denkmalschlei­fung.

6 Hier legt der Autor übrigens auf faszinierend plausible Weise die Grundlage für Holmes´ spätere Verkleidungs- und Maskeradefähigkeiten an, auch wenn man sich den verschlossenen Holmes auf der Bühne, ehrlich gesagt, nur mit viel Phantasie vorstellen kann. Aber vielleicht hat er seinen „Boswell“ Watson ja später mit seinen sehr fragmentarischen Kenntnissen auf vielen Gebieten getäuscht? Indes … das hört sich doch gar zu unwahrscheinlich an.

Liebe Freunde des OSM,

beim letzten Mal erzählte ich ja von einem erstaunlich innovati­ven und phantasiereichen Frühroman unter meinen nicht veröf­fentlichten Projekten, die ich beim Zauberkreis-Verlag als Heft­romanskript einreichte. Im Gegensatz dazu, und zwar in ziem­lich krassem Gegensatz dazu steht der Folgeroman, den ich heute vorstellen möchte. Es mag für den Einstieg genügen, dass ich mir tatsächlich eine komplette Seite handschriftliche Notizen machen musste beim Lesen, um den Überblick über Handlung, Fronten und Protagonisten zu behalten. Den Roman „Der Blutparasit“ wirr zu nennen, ist tatsächlich beschöni­gend. Am besten fange ich mal langsam an, die komplexen Fä­den dieses vermeintlich schlichten Horror-Romans zu entwirren … er ist in der Tat etwas völlig anderes.

Wir befinden uns in der Gegenwart in England (der Ort, wo das Dorf Daahkor liegt, wird nur vage skizziert, am ehesten kann man es wohl in den schottischen Highlands lokalisieren). Zwei Handlungspersonen, die Freunde Brian Anderson und Gus Hart, sind auf der Suche nach ihrem Freund, dem vermissten Archäo­logen Frank Gambert. Er hat ihnen kurz vor seinem Verschwin­den noch geschrieben, er habe eine Einladung in das Hinter­wäldlerdorf Daahkor erhalten und ist seither verschollen.

Von Anderson und Hart bekommt man so gar nicht mit, was sie beruflich machen. Sie treten hier hauptamtlich als „Freunde von Frank Gambert“ auf und erreichen auf der Suche nach Frank tat­sächlich das schwer erreichbare und weltabgeschiedene Ört­chen Daahkor, über dem auf einem Berg Castle Doom thront (später mutiert dieses Schloss auch mal zu „Doom Castle“ und am Ende versehentlich zu „Dark Castle“). Generell merkt man an zahlreichen Inhaltsfehlern deutlich an, dass dieser Roman, den ich wieder mal mit Hochdruck zwischen dem 16. August und 3. September 1984 herunterschrieb, in einem hitzigen Tran­cezustand realisiert wurde.

Im Dorf treffen die beiden Freunde zunächst auf den rätselhaf­ten alten Mark Riley, der sie davor warnt, länger im Dorf zu ver­weilen oder gar den Lord auf dem Castle zu besuchen. Dann werden sie allerdings bei dem Gastwirt George Smith (anfangs verwirrend als „Hank“ angeredet, was nachher völlig vergessen wird) untergebracht, der sich in der Folge als „Henker von Daah­kor“ herausstellt, sich jedoch als grundsätzlich positive Gestalt erweist.

Daahkor selbst ist ein unheimlicher Ort, der ein wenig an Inns­mouth von H. P. Lovecraft erinnert, verwahrlost, mit Häusern, die tief heruntergezogene Walmdächer besitzen und der offen­bar im Mittelalter stecken geblieben zu sein scheint. Dafür spre­chen auch die bizarren Büßerumzüge, die die Freunde bald beobachten. Normale Menschen sind nicht zu sehen, der Ort ist ansonsten offenbar völlig ausgestorben.

Doch das ist alles erst der Anfang.

Frank, erfahren sie, ist durchaus bekannt, aber er ist verschwun­den. Vielleicht wisse der Lord, ein Mann namens Mike Hill, Nähe­res.

Doch ehe die Freunde hier nähere Erkundigungen einziehen können, erfahren sie von Smith ein paar wirklich schräge Dinge. So gäbe es beispielsweise im Ort einen Vampir und zugleich auch einen Dämon, der über das ganze Tal einen magischen Bann geworfen habe … etwas, was die beiden hart gesottenen Männer, die sich als durch und durch rational verstehen, natür­lich nur spöttisch zur Kenntnis nehmen.

Das tun sie jedenfalls bis zu dem Moment, zu dem sie zum Cast­le aufbrechen wollen … denn als sie vor die Tür treten, ist aus dem hellen Tag unvermittelt Nacht geworden!

Verunsichert fragen sie Smith, was das denn nun sei, wie das möglich sein könne, dass binnen ihres kurzen Gesprächs jäh­lings STUNDEN verstrichen seien.

Nun, das sei ein Zeitzauber des erwähnten Dämons. Er werfe künstliche Nacht über das Dorf, das habe er schon mehrfach ge­tan. Und im Schutz der Finsternis treibe dann der Vampir sein Unwesen. Später im Zuge des Romans bekommt dieser Dämon auch einen Namen: Sekoor, der Herr des Bösen. Er ist eine der drei Fraktionen, die im Tal einen magischen Krieg ausfechten, aber bis das ans Tageslicht kommt, vergeht wirklich viel Zeit.

Auf einer anderen Handlungsschiene, die anfangs völlig neben­sächlich zu sein scheint, beobachten wir zwei junge Camper aus dem Küstenort Oban, die im Tal von Daahkor campen, Gunnar Höl und Rainer Kahm (ihr stimmt mir sicherlich zu, dass das TO­TAL schottische Namen sind … ja, mit Namen hatte ich es da­mals nicht so). Es geht auf Kahm zurück, dass sie nach Daahkor reisten, sie hätten auch in den Nachbarort Bloomfield (auch das eher ein amerikanischer Name als ein schottischer … aber ich sagte ja, ich hatte es nicht so mit passenden Namen damals…) reisen können.

So reisen sie in den Tod.

Denn während des Campens wird das Lager verwüstet und Gun­nar kurzerhand von einem Baum stranguliert. Rainer Kahm flüchtet in Panik und gerät unvermittelt in Gefangenschaft des Lords von Doom Castle, der ihn in einen Vampir verwandeln wird. Und das ist noch nicht mal das Schlimmste.

Anderson und Hart machen sich unverdrossen am nächsten Tag auf den Weg zum Castle, obwohl sie nächtens höllischen Besuch eines Alpträume induzierenden Alps hatten, den sie nur müh­sam abwehren konnten.

Wieder taucht der rätselhafte Mark Riley auf und warnt die Freunde, sie sollten dringend das Tal verlassen, ihre Anwesen­heit würde ein nicht näher beschriebenes „Gleichgewicht“ stö­ren, und schlimme Dinge würden geschehen, wenn sie blieben.

Das bekümmert sie nicht – sie wollen ihren Freund Frank retten, der inzwischen vermeintlich wieder aufgetaucht ist und auf dem Schloss weilen soll. Das stimmt tatsächlich … aber er betrachtet Anderson und Hart als Schwindler und erkennt sie nicht. Grotes­kerweise zeigt er ihnen Ausweisbilder der „echten“, aber inzwi­schen als tot geltenden Brian Anderson und Gus Hart – doch das sind wirkliche Verbrechervisagen. Noch verrückter: Als die bei­den ihre Personalausweise zücken, um ihren Freund von ihrer Identität zu überzeugen, sind ihre eigenen Passfotos identisch mit denjenigen, die Frank Gambert ihnen gezeigt hat!

Das Nächste, was geschieht, ist, dass der bleiche Butler Harold die beiden Freunde kurzerhand „bis zur Klärung der Sachlage“ in einem Raum im Castle einschließt.

Auf weiteren Ebenen des Romans bekommt man allmählich mit, dass Mark Riley durchaus in einem Punkt Recht hat: Das Tal hat einen magischen Herrscher, der eigentlich nur „ER“ genannt wird und seinen eigenen Namen längst vergessen hat. Es ist der titelgebende Blutparasit, eine monströse Entität, die vor 2331 Jahren als etruskischer Priester in diese Gegend kam und sich hier mit einem keltischen Stamm anlegte, der hier seine Heimat hatte. Dies war der Ursprung eines magischen Krieges, der in­zwischen Abstand von 333 Jahren immer wieder punktuell auf­flammt.

Jetzt, anno 1984, befinden sie sich im siebten Waffengang, und während die Kelten schon lange untergegangen sind und nur noch als Geister aus dem Jenseits sprechen, hat der Graf von Castle Doom, inkarniert im aktuellen Lord Mike Hill, die Gegner­rolle eingenommen.

Ach ja, und dann ist da natürlich noch Hills Intimfeind, der jen­seitige Dämon Sekoor, der verantwortlich ist für diese magi­schen Nächte, die den Raumzeitkontext rings um das Tal zuneh­mend zerrütten.

Diese drei Protagonisten lassen nun also ihre magischen Puppen tanzen. Vampire, Untote, magisch belebte Ritterrüstungen, schließlich kommen auch noch die Naturkräfte von Luft, Erde, Feuer und Wasser hinzu … und in diesem ganzen Chaos wim­melt es zudem noch von heißhungrigen Riesenspinnen, Ge­heimgängen, Verliesen, Doppelgängern, Raumzeitrissen und Ähnlichem. Die arglosen Sterblichen, die in diesem ganzen Cha­os eingeschlossen sind, taumeln und irren mehr durch die Hand­lung, als dass sie irgendwie Akteure sind. Und als der magische Krieg dann endgültig ausbricht, steht das Schicksal der ganzen Welt auf dem Spiel, die in die Hölle hinabgesaugt zu werden droht …

Also, ganz ehrlich – ich konnte nach der Neulektüre den Lektor sofort verstehen, der dieses wilde Garn als untauglich für die Veröffentlichung als Heftroman angesehen hat! Wie ich ein­gangs sagte, brauchte ich selbst auch eine ganze Seite Notizen, um mir diese wirre Handlung einigermaßen zu strukturieren. Das wird ihm kaum anders gegangen sein. Dies leserunfreund­lich zu nennen, ist wohl beschönigend.

Mehrere Dinge zeigt dieser Roman überdeutlich: Zum einen, dass ich schon 1984 Vampire also reichlich uninteressant be­trachtete (ist heute immer noch so). Wer also vom Vampirmy­thos beeindruckt und fasziniert ist, sollte diesen Roman definitiv nicht lesen, denn ich gehe mit den dort erscheinenden Vampi­ren in keiner Weise respektvoll um.

Zum zweiten wird klar, dass mir damals schon ein „einfacher“ Horror-Roman nicht wirklich als Sujet zusagte. Ich legte, wie man deutlich sieht, immer noch eine Schippe drauf. Und dann noch eine. Und noch eine. Und wusste partout nicht, wann es genug ist. Diese stete Reihung von Schockeffekten, die diverse Gruselsituationen aufeinander aufbaut (eingeschlossen in Ver­liese, Geheimgänge, die ins Nichts führen, magische Labyrinthe, aufgefundene Leichen, die später wieder lebendig werden, un­tote Butler usw.), sie erinnert mich inzwischen an die Schachtel­struktur in SF-Romanen von Keith Laumer, die ich damals gern las, und ziemlich sicher habe ich von da einiges übernommen.

Zum dritten sind Handlungsanleihen an meine eigenen Welten vage zu erkennen: Die belebten Ritterrüstungen sind ziemlich eindeutiger Widerschein der Eisernen Krieger aus meiner zeit­gleich geschriebenen Fantasy-Horror-Serie „Horrorwelt“, ohne dass sie auch nur entfernt deren Robustheit erreichen.

Viertens spricht das Auftreten von nachher durchaus personifi­zierten Naturkräften für meine ebenfalls zeitgleiche Fantasylek­türe der damaligen Zeit.

Und da es am Ende noch zu einem veritablen Zeitkorrekturma­növer kommt, haben wir zudem auch noch ein SF-Element in der Geschichte (hatte ich schon erwähnt, dass ich bereits da­mals Zeitreisethemen liebte? Hier haben wir es dann wieder!), das endgültig zeigt: Horror-Romane, die allein nur Horror-Ele­mente enthalten? Nee, Freunde, das ist mir nicht genug, ich muss da noch einen heftigen Schlag draufgeben, damit es so RICHTIG spannend wird! Womit ich die Schraube endgültig überdrehte.

Die Konsequenz aus alldem ist ein wildes Potpourri, das sich nicht wirklich entscheiden kann, ob es – wie man an der Ohn­macht der meisten Protagonisten ablesen kann – in Richtung Lovecraftscher Horror gehen möchte, lieber einen magischen Krieg a la Harry Potter entfesseln will (aber sehr viel konsequen­ter als bei J. K. Rowling, hier bleibt wirklich kein Stein auf dem anderen bei mir) oder ob ich letztlich eine Art bizarren Horror-SF-Roman daraus drehen will.

Quintessenz aus dem Jahr 2026: Leider nahezu unlesbar. Wie ich daher 1989 zu dem folgenden Fazit kommen konnte, das ich euch hier nicht vorenthalten möchte, kann ich inzwischen kaum mehr nachvollziehen. Ich zitiere:

Dieser Roman zählt deswegen zu meinen designierten Lieb­lingsstücken, weil er eben das beinhaltet, was ich persönlich für sehr wichtig erachte, er zeigt die Verbindung zwischen den Na­turkräften, den magischen Gewalten und der Physik auf, die ich für unbedingt existent halte. Nun, vielleicht wird der Roman da­durch etwas unverständlich, aber ich hoffe es nicht. Nach dem Studium dieses Bandes werdet ihr es mir sagen können.“

Das schrieb ich am 12. Januar 1989. Es ist das komplette Ge­genteil von dem, was ich heute über dieses Werk denke! Ich hatte damals diesen Text als eine Art Vorwort konzipiert und plante allen Ernstes, dieses Skript eigenverantwortlich zu veröf­fentlichen … es ist vermutlich sehr gut, dass daraus in der vor­liegenden Form nie etwas geworden ist. Mein Ego am Vorabend meines Zivildienstes (ab März 1989) war noch so groß ausge­prägt, dass ich wirklich gar keine gescheiten Parameter dafür hatte, Qualität von Schrott und Wirrnis zu scheiden.

Ihr merkt an dieser Schilderung wohl deutlich, dass ein Zeitab­stand von 40 Jahren einiges in meinen Denk- und Schaffenspro­zessen geschärft hat und ich die Qualität von selbst Geschriebe­nem heute deutlich besser einzuordnen verstehe als einstmals. Aber berücksichtigt bitte auch, wie jung ich damals war. Als ich das vorliegende Skript entwickelte, befand ich mich kurz vor mei­nem 18. Geburtstag. Wie würden denn Texte aussehen, die IHR in dem Alter verfasst habt, falls das überhaupt jemals der Fall war?

Also, das relativiert dann doch mögliche Verdammungsurteile schon ziemlich stark, möchte ich denken.

Nach diesem vierten Roman, der mit Absagekommentar zurück­kehrte, traf ich die Entscheidung, keine weiteren Romanskripte mehr einzureichen. Ich arbeitete damals schon an meinem fünf­ten Romanskript, und das sollte sich dann tatsächlich als richtig solider Aufbruch in ein neues Schreibuniversum entpuppen – in den Kosmos des Weltraum-Detektivs Mike Cole. Davon erzähle ich euch in neun Wochen im nächsten Teil dieser Rubrik.

In der kommenden Woche erzähle ich dagegen ein bisschen mehr von meinen Schreibfortschritten im Monat Mai 2025.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 543: Verbotenes Spiel (3/E)

Posted Januar 14th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

leider gibt es Romane, die als klare Verlegenheitslösung schon in dem Moment erkennbar werden, wenn man die Personenrie­ge entdeckt. Das ist hier der Fall. Die Autorin Kitty French, die ich schon in dem zweiten Band dieser scheinbaren Trilogie kriti­sierte, weil sie den Romanstoff nicht gescheit auf drei Romane verteilen konnte, sondern ihr Pulver bereits nach Band 2 ver­schossen hatte, beweist hiermit einmal mehr, dass diese Ein­schätzung auf Fakten beruht.

Hier baut sie eine bisherige Nebenperson eher halbherzig zu ei­ner neuen tragenden Hauptfigur auf … und es funktioniert wirk­lich so gar nicht. Schaut es euch am besten mal an, Freunde, aber seid nicht überrascht, wenn diese Buchvorstellung nahe am Abgrund entlangschrammt und nicht wirklich allzu viel Lese­freude ausstrahlt:

Verbotenes Spiel

(OT: Knight & Day)

Von Kitty French

Lyx (keine Verlagsnummer!), März 2015

320 Seiten, TB

ISBN 978-3-8025-9567-7

Aus dem Englischen von Nele Quegwer

Kara Brookes ist die beste Freundin von Sophie Black, der weib­lichen Protagonistin der ersten beiden Romane der Trilogie von Kitty French, und sie hat bislang nur eine Nebenrolle in der Ge­schichte gespielt. Das ändert sich nun grundlegend, als sie ins Zentrum der Darstellung rückt.

Privat ist ihr Leben als gescheitert anzusehen – auf so desaströ­se Weise gescheitert, dass sie sich massiv ins Geschäftsleben geflüchtet hat. Ihr Vater ist ein notorischer Lügner gewesen, mit dem sie gebrochen hat, und die letzte Niederlage war ihre ver­heerend gescheiterte Hochzeit, wo sie von ihrem Verlobten kur­zerhand vor dem Traualtar allein stehen gelassen wurde. Nein, von Männern, von Lügnern noch dazu, hat Kara wirklich mehr als genug. Männer existieren in ihrem Leben von jetzt an nicht mehr, so ihr fester Vorsatz!

Das ist natürlich schwierig – schließlich hat sie zusammen mit Sophie Black, die seit Jahren mit ihrem Geliebten Lucien Knight zusammen ist und mit ihm eine kleine Tochter hat, geschäftlich interagiert. Gemeinsam haben sie in Luciens „Gateway“-Clubs für Erwachsene (eine nur leicht bemäntelte Bezeichnung für lu­xuriöse Sexclubs) eine Boutiquenreihe geschaffen, in der edle Lingerie und Liebeszubehör verkauft wird. Somit ist Kara auto­matisch mit genau den Dingen konfrontiert, die sie selbst aus ihrem Leben kategorisch ausgeschlossen hat: Männern und Sex.

Als der neueste „Gateway“-Club auf Ibiza eröffnet werden soll, reist Kara Brookes darum hier an, um Sophie bei dem Aufbau des Shops ihrer Kette darin zu helfen. Womit sie eher nicht rech­net, ist der charismatische, faszinierende Geschäftsführer, den Lucien dort als oberste Instanz eingesetzt hat: Dylan Day.

Der Amerikaner, der nie viel über seine Vergangenheit spricht, ist von der stolzen, hoch gewachsenen Britin in Cowboystiefeln sofort wie magnetisiert. Zwar ist auch er auf dem Pfad unter­wegs, auf dem er mit dem anderen Geschlecht möglichst nichts mehr zu tun haben will, ja, er will sein gesamtes Leben neu or­ganisieren und alles Vorherige hinter sich lassen … aber er kann Kara einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen, und ihr geht es sehr schnell ebenso.

Sie treffen ein bizarres Agreement, von dem der Leser sofort ahnt, dass das langfristig nicht funktionieren wird: Kara betont, ihr Leben finde familiär hauptsächlich in London statt, und sie sei nur ein paar Monate auf Ibiza. Dann sei sie eben wieder weg. Was auf Ibiza geschieht, bleibe auf Ibiza, und Sex müsse ja nicht unbedingt mehr sein als netter Zeitvertreib. Dylan sieht das recht ähnlich, und so landen die beiden auf Dylans gemiete­tem Hippie-Boot recht schnell in der Kiste und verstricken sich äußerst rasch in eine unglaublich heiße sinnliche Affäre.

Aber sie belügen sich beide konsequent. Denn ihre Herzen ha­ben längst Feuer gefangen. Grundsätzlich müsste das nicht zur Katastrophe führen, aber genau dazu kommt es aus verschiede­nen Gründen: Kara möchte nie wieder etwas mit Lügen zu tun haben und baut zunehmend ein idealistisches, romantisches Bild von Dylan Day auf. Dylan wiederum, der nicht einmal Dylan Day heißt, sondern ganz anders, merkt jede Minute am Tag, dass er Kara, weil er unfähig ist, die Wahrheit zu sagen, mehr und mehr seelisch verwundet und leidet darunter selbst wie ein Tier. Ganz zu schweigen davon, dass er sich selbst über seine tiefen Gefühle ihr gegenüber krass belügt.

Und dann kommt der Tag, als Dylan von seiner Vergangenheit eingeholt wird, und der phantastische Traum zerbirst ebenso wie sein neues Leben und lässt nichts als Tränen und Scherben zurück …

Ich sagte es schon in der Rezension zum zweiten Band der Trilo­gie: Die Autorin hat es nicht verstanden, den Handlungsbogen der Trilogie vom ersten bis zum letzten Band konsequent zu füh­ren, sondern beendete ihn vorzeitig schon nach dem zweiten Band. Folgerichtig ist dieser hier als Ergänzung zwar nett ge­schrieben, inhaltlich aber klar improvisiert. Ja, man bekommt eine Menge über Kara Brookes und ihren Geliebten Dylan Day zu lesen (wie er wirklich heißt und warum er aus seiner Vergan­genheit solch ein Geheimnis macht, sollte man nachlesen – sehr große Überraschungen sind da aber dennoch nicht zu erwarten, die Erwartungen sollten also nicht zu hoch geschraubt werden). Aber dass das improvisiert ist, merkt man schon daran, dass über Kara in den ersten beiden Romanen nicht mal deren Nach­name thematisiert wurde, von der Familie ganz zu schweigen.

Meine Schlussfolgerung hieraus: Kitty French hatte nicht vor, Kara zu mehr als einer schlichten Nebenfigur zu machen. Sie musste aber mit einer neuen Hauptperson improvisieren, als ihr der Stoff für Band 3 fehlte. Statt die drei Bände also zu einer harmonischen Einheit zu verbinden, steht dieser Roman etwas abseits. Ja, natürlich trifft man Lucien wieder und Sophie und lernt ihre kleine Tochter kennen. Und ja, selbstverständlich gibt es auch dort das eine oder andere erotische Intermezzo. Aber das ist mehr Geplänkel. Man erwartet eigentlich mehr. Dabei müsste schon das extrem eingeschränkte Personensetting zei­gen, dass wir es hier mit einer ausgesprochenen Schmalspur­veranstaltung zu tun haben. Weder Sophies noch Karas Eltern spielen etwa jemals irgendeine Rolle (und Namen bekommen sie schon gar nicht!). Dass in Sophies Bekanntenkreis außer Kara noch irgendeine Person existiert, wird nirgendwo gesagt, und das für sich ist schon eher soziopathisch.

Gewiss, es vereinfacht natürlich schriftstellerisch die Situation, wenn man nur mit wenigen Personen zu tun hat. Aber das hat dann, genau genommen, mit menschlicher Gesellschaft und realistischer Darstellung nichts mehr zu tun. Ein wenig mehr Personal hätte der Geschichte zweifellos nicht geschadet, das gilt für alle drei Romane. Und etwas weniger schematische In­strumentalisierung natürlich auch nicht.

Denn was die Handlung angeht, so gibt es dummerweise auch zwischen Kara und Dylan im Wesentlichen erotische Intermezzi ohne mehr Tiefgang. So etwas wie ernsthafte Spannung kommt allein auf, als sein Bruder Justin unerwartet auf der Bühne er­scheint und schließlich diese zweite Frau, zu der ich nichts wei­ter verraten möchte. Sonstige dramatische Handlungsbögen gibt es nicht, und am Ende geht es sehr voraussagbar aus.

Quintessenz: Für Leute, die gern noch mehr über Sophie Black und Lucien Knight lesen möchten, sind das ein paar hundert Seiten neues Lesefutter, aber da hört dann die Empfehlung lei­der schon auf. Jeder, der mehr als ein wenig Sex und kriselnde Romantik, die in ein Happy End mündet, haben möchte, wird hier konsequent enttäuscht. Schade. Davon hatte ich mir defini­tiv mehr erwartet …

© 2019 by Uwe Lammers

Tja, das war nun wahrlich kein Ruhmesblatt, muss man sagen. Und ich vermute, es überrascht keinen von euch, dass ich Kitty French von der Liste favorisierter Autoren gestrichen habe, nachdem ich dieses Buch fertig rezensiert hatte.

Die Buchwelt da draußen ist wirklich voll von interessanten und guten alten wie frischen Autoren. Und natürlich auch voll von echt faszinierenden Büchern, die sehr viel mehr Lesefreude wecken als das obige. Ein solches Buch stelle ich euch in der kommenden Woche vor.

Bleibt gespannt, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.