Blogartikel 685: Close Up: Der OSM im Detail, Teil 78

Posted September 20th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute folgt also, wie schon angekündigt, das Finale des KON­FLIKTS 17 „Drohung aus dem All“. Dieses Mal behandle ich die letzten sechs Episoden der Serie, die im Digitalisat die Seiten 957 bis 1080 umfassen. Nachdem ich sie mir noch einmal durchgelesen habe – immerhin ist dieses Digitalisat nun auch schon gut 15 Jahre alt und die Erinnerung war doch an einigen Stellen ordentlich eingetrübt – , kann ich eigentlich nur schwer seufzen … warum dies? Nun, abgesehen davon, dass ich heut­zutage immer noch jede Menge übersehene Tippfehler finde, ist die Kommentierung der meisten Episoden unglaublich ausge­dehnt – mit Recht.

Es ist sehr deutlich zu merken, dass diese Serie vor inzwischen 40 Realjahren abgeschlossen wurde und dass sie zudem auf ei­ner sehr schmalen Wissensbasis ruht. Man erinnere sich, dass ich zu diesem Zeitpunkt gerade einmal zwei OSM-Serien been­det hatte, nämlich KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ und KONFLIKT 13 „Oki Stanwer Horror“. Ich arbeitete zwar zusätzlich schon an den KONFLIKTEN 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“, KON­FLIKT 16 „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ und KON­FLIKT 20 „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“, wagte mich zu­dem an die heute als Proto-OSM-9-Ebene „Der Kaiser der Okis“, die später scheiterte. Und ich versuchte mich sogar schon an der Nachfolgeserie, dem KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“.

Dennoch hatte ich von den strukturellen Hintergründen des OSM nur sehr wenig Ahnung. Ihr werdet in der nächsten Serie mitbekommen, wie viel ich noch naiv auf „Magie“ zurückführte, wenn ich argumentativ nicht weiter wusste. Viele zentrale Prot­agonisten des OSM konnte ich in „Drohung aus dem All“ wirklich nur höchst ungenügend darstellen, weil ich sie nicht gut genug verinnerlicht hatte. Zentral merkt man das an dem Wesen TO­TAM und an Klivies Kleines. Andere Personen fallen durch kras­ses Unwissen aus ihrer Rolle. Dazu zählen Ekkon, der LEUCH­TENDE und der Baumeister, der auftritt … das alles führte zu so vielen Kommentierungen auf den letzten rund 140 Seiten der Serie im Digitalisat, dass sehr vieles davon entweder vollständig gestrichen oder komplett umgeschrieben werden muss.

Verzeiht also, wenn dieser Abschnitt der Serie in vielerlei Belan­gen recht kursorisch ausfällt, weil ich über all diese Unzuläng­lichkeiten nach besten Kräften schnell hinweggehe. Auch so bleibt dies hier ein Blick in einen regelrechten monströsen Ab­grund. Ihr werdet es erleben.

Kommen wir zu einem kurzen Resümee, bevor wir uns ins Chaos stürzen:

Oki Stanwer ist an seinem Ziel angelangt: In einem kosmischen Exil findet er die letzten 29 Rontat, die Überlebenden einer einst großen Spezies, die aus der kosmischen Ferne in die Milchstraße kamen und hier, verändert durch die permanente Strahlung eines entropischen Kokons, als monströs verwandelte Diktatoren die menschliche Heimatgalaxis vor Jahrtausenden unterjochten. Sie taten dies als Vasallen TOTAMS, lösten sich aber später von der Macht des Bösen und gerieten, als sie vom so genannten MEISTER beschützt wurden, vom sinnbildlichen Regen in die Traufe.

Okis überlebende Freunde, die Schiffbrüchigen der FOX und der MÜNCHEN, die auf dem Fünf-Planeten-Wall dem Tode nahe wa­ren, sowie Ekkon und Soffrol befinden sich nun ebenfalls in der Gewalt des MEISTERS, der sich nach Aussage der Rontat als wahnsinniges Wesen mit dem Plan trägt, TOTAM anzugreifen und die Macht des Bösen zu besiegen. Dazu besitzt er eine Ar­mada von 250.000 Kastenraumern der Rontat.

Parallel dazu hat Klivies Kleines Z-NULL, den mobilen ZYNEEGHAR der Baumeister und die letzten Rebellen der Qoon geret­tet, die ebenfalls durch TOTAMS SCHWARZE MAUER Kurs auf TOTAM nehmen, um den Endkampf auszufechten. Alle Zeichen stehen auf Sturm …

Episode 66: Schlacht der Entscheidung

(1986, digitalisiert 2011)

Schauplatz: Exil der Rontat

Der MEISTER vereitelt es, dass Oki Stanwer tatsächlich die monströsen Rontat Aug in Auge sehen kann – ehe das passieren kann, taucht ein Ghost auf und löscht die letzten Rontat im Auf­trag des MEISTERS aus. Dies wird als ein Akt der Barmherzigkeit bezeichnet, woran aber starke Zweifel angebracht sind.

Dann kehren Oki Stanwer und sein Begleiter, der veränderte Weelon Meltrag, zurück zu dem großen Matrixraumer, jener ver­größerten Version der STAR, in deren Zentrale das Matrixfrag­ment zu finden ist. Es ist jenes Raumschiff, in dem Ekkon mate­rialisierte und in das er Oki Stanwer und seine im Violettraum gestrandeten Gefährten evakuiert hat – und dieses Schiff befin­det sich auf dem einzigen Planeten eines Neutronensterns, der durch unfassliche Technologien von den umgebenden Naturge­walten abgeschirmt wird.

Zurückgekehrt erfahren Oki und Meltrag, dass Soffrol und Ekkon versucht haben, das Geheimnis des MEISTERS zu erfahren und spurlos verschwunden sind (vgl. Bd. 65). Kurz darauf kommt der MEISTER selbst an Bord – ein metallener schwebender Würfel von einem Meter Kantenlänge: ein Baumeister.

Er reißt die Kontrolle über den Matrixraumer und die ganze Flot­te an sich und lenkt sie, geschützt durch einen Kokon aus Primärenergie, direkt durch die SCHWARZE MAUER in das Drei-Planeten-System TOTAMS, wo eine gnadenlose Schlacht entbrennt.

Episode 67: Duelle im Chaos

(1986, digitalisiert 2011)

Schauplatz: TOTAM-System, Würfelwelt

Die so genannte „Schlacht der Entscheidung“ trägt diese Be­zeichnung eigentlich zu Unrecht. Denn TOTAM, die Macht des Bösen, hat sich eine Hintertür offen gelassen, als sie vor Jahr­tausenden die Rontat mit Entropiewaffen der Troohns ausrüste­te. Mit diesen Waffensysteme will der MEISTER nun TOTAM attackieren … aber die Waffen versagen ihren Dienst, und TO­TAMS Macht zerschlägt die Angriffsflotte, und während die meis­ten davon sofort vernichtet werden, stürzen die restlichen auf dem dritten Trabanten Granats ab – auf der Würfelwelt, manche gehen auch auf dem zweiten Planeten nieder, der als TOTAMS Scheinwelt bekannt werden wird. Nach TOTAM selbst gelangt niemand.

Zerstreut sind die Überlebenden nun dazu genötigt, einander wieder zu finden und sich zugleich all der Gefahren zu erweh­ren, die hier auf sie lauern. Die größte Gefahr von allen ist ein monströser Gestaltwandler, der von TOTAM ausgesandt wird, die Reihen der Gefährten zu lichten – der Dämonenschlächter, TOTAMS EXEKUTIVE.

Die zerstreuten Gefährten erleiden verschiedene Schicksale. Der junge TERAB-Agent Samed Kisan etwa landet in einem Meer und wird von Totenköpfen aufgefischt, um auf einer Kriegsgalee­re angekettet zu werden – neben einem Mann, der sich als Salo­mon Kingston zu erkennen gibt … womit deutlich wird, dass vie­le Wesen aus dem vernichteten Fünferraum alles andere als tot sind, sondern vielmehr auf der Würfelwelt TOTAMS auftauchten, wo sie nun Sklavendienste verrichten müssen.

Auch Klivies Kleines überlebt die offensichtliche Vernichtung von Z-NULL und macht sich in einem Trümmerfeld auf die Suche nach anderen Überlebenden. Der hekaronische Helfer des Lichts Halum Ceselar, der mitten in einer belebten Stadt materialisiert, wird von einem kleinwüchsigen Humanoiden in Sicherheit vor den Truppen der TOTANOR gebracht. Der Mann bezeichnet sich als Darroc – ein Ritter vom Goldkristall gleich Ekkon.

Herbert Ronalow und Ben Doosen geraten beinahe in die Ge­walt einer TOTANOR-Patrouille, aber Kleines’ Auftauchen kann das Blatt zu ihren Gunsten wenden, jedenfalls temporär.

Ekkon kommt als Gefangener wieder zu sich, angekettet auf ei­nem Block aus TOTAM-Kristall. Ihm gegenüber steht der Dämo­nenschlächter, der ungeniert sein Äußeres verändert, um da­nach zu entschwinden und in veränderter Gestalt die verstreu­ten Freunde zu jagen.

Der Helfer des Lichts und Weelon Raskorw hat mitten in der Wildnis eine unheimliche Begegnung – er sieht die riesenhafte Gestalt des LEUCHTENDEN, die wie eine Marionette im Schutz eines Primärenergieschildes dahinwandert und glühende Spuren hinterlässt.

Samed Kisan erfährt derweil von Kingston, dass Angehörige der HENN-Union einen Stützpunkt TOTAMS erobert haben, den sie Ghost-Castle nennen. Doch wenig später wird ihr Schiff von ei­nem Rammwal versenkt, wobei Kingston ums Leben kommt. Ki­san hat um sein Leben zu kämpfen.

Darroc und Halum Ceselar beobachten derweil einen Glei­tertreck, der einen gläsernen Sarg transportiert – in ihm ruht, offenbar schlafend, niemand Geringeres als Oki Stanwer.

Sein Reiseziel: Der Planet TOTAM!

Wenn der Treck sein Ziel erreicht, hat TOTAM den KONFLIKT ge­wonnen …!

Episode 68: TOTAMS Scheinwelt

(1986, digitalisiert 2011)

Schauplatz: TOTAM-System, Würfelwelt und Scheinwelt

Kleines, Ben Doosen und Herbert Ronalow überwältigen die DI­GANTEN-Patrouille der TOTANOR und zwingen den letzten Über­lebenden, sie ins KASTELL zu bringen, dem Stützpunkt der TO­TANOR. Dort gibt es angeblich einen Transmitter, der sie weiter befördern kann.

In der Zwischenzeit wird Ekkon von dem Weelon Cartlon und ei­ner Gruppe von Terranern befreit, die Teil der HENN-Union wa­ren. Als sie den unterirdischen Stützpunkt der TOTANOR verlas­sen, in dem Ekkon gefangen war, sehen sie hoch über sich ei­nen glühenden Metallwürfel – den MEISTER, der die Attacke TO­TAM auch überlebt hat, aber er scheint von Sinnen zu sein.

Als an einer anderen Stelle Halum Ceselar und Darroc versu­chen, den Konvoi mit Oki Stanwers Sarg aufzuhalten, fällt Dar­roc dem Hekaroner in den Rücken und ermordet ihn kaltblütig. Erst da wird klar, dass Darroc eine Larve des Dämonenschläch­ters gewesen ist.

Raskorw, mit seinen Kräften fast völlig am Ende, wird zu seinem Glück von einer Patrouille der Loyalisten von Ghost-Castle auf­gesammelt, zu denen auch Meltrag und Colonel Ben Jackson zählen. Raskorw ist gerade wieder bei Sinnen, als ihn und Mel­trag ein sengender Schmerz durchzuckt – die Helfer-Kopplung zeigt ihnen an, dass der Dämonenschlächter gerade ihren Kolle­gen Halum Ceselar ermordet hat. Daraufhin wird ihnen klar, dass sie dringend den Transmitter erreichen müssen – jenen Transmitter, der im TURM-Duplikat auf der Würfelwelt-Seite steht, mit dem sie zum zweiten Planeten gelangen können. Denn hier auf der Würfelwelt droht ihnen nur der Tod!

Der MEISTER erweist sich als nicht komplett gestört – er vereint vielmehr Ekkon, Cartlon und die Männer von Ghost-Castle und bringt sie relativ zügig zum TURM-Duplikat mit einem Transmit­ter, das allerdings durch einen Todeskreis gesichert ist.

Und dann taucht der Gleiterkonvoi auf, in dem Oki Stanwer in dem Glassarg schlummert – und Ekkon erkennt in dem falschen Darroc seinen Erzfeind, die EXEKUTIVE!

Im KASTELL kommen Kleines und Ben Doosen zwar voran, aber der DIGANT Kenar-Irl, den sie am Leben gelassen haben, verrät sie und führt so Herbert Ronalows Tod herbei, was seinen eige­nen zur Folge hat. Die beiden Gefährten geraten kurz darauf un­terhalb des KASTELLS in ein dimensionales Labyrinth, eine Falle TOTAMS.

Beim Gleiterkonvoi gelingt es im Kampf zwar, die EXEKUTIVE zu destabilisieren und so in die Flucht zu treiben, die Fahrzeuge selbst halten aber automatisch den Kurs. Die Rebellen um Ek­kon, Cartlon und den MEISTER können gerade noch aufspringen, ehe diese den Transmitter des TURMS passieren und die Würfel­welt verlassen – auf der anderen Seite kommen nur noch zwei davon in einem nebligen Wrackfeld heraus.

Der Gleiter mit dem Glassarg und Cartlon ist verschwunden.

Und ehe Ekkon sich an die neue Situation gewöhnen kann, wer­den sie beschossen …

Episode 69: Söldner des Bösen

(1986, digitalisiert 2011)

Schauplatz: TOTAM-System, Würfelwelt und TOTAMS Scheinwelt

Vor Ghost-Castle bricht ein weiterer Überlebender des Angriffs zusammen. Der Lokes Leerasgeh identifiziert ihn als Comman­der Terry Jones, der aber offenbar unter einer Totalamnesie lei­det und völlig zerlumpt ist. Während ihm Doc Zerowski, der Arzt der MÜNCHEN, zu helfen sucht, regt sich der Kranke unvermit­telt und starrt ihn aus tiefschwarzen Augen unmenschlich an. Ehe der Arzt jemanden zu Hilfe rufen kann, trifft ihn ein schwar­zer Blitz aus den Augen und tötet ihn.

Der scheinbar desorientierte „Terry Jones“ erhebt sich amüsiert und macht sich mit einem grausamen Lächeln auf die Suche nach weiteren Gegnern – der Dämonenschlächter hat sich in ei­ner neuen Gestalt eingeschlichen, um weitere Morde zu bege­hen! Tatsächlich gelingt ihm das – am Ende nimmt er Raskorw und Meltrag als Helfer des Lichts gefangen und entführt sie.

Auf der Scheinwelt jenseits des Transmitters erweist sich das Gefecht als ein Versehen – die Angreifer sind Qoon-Rebellen, die Ekkon und seine Gefährten für Schergen der TOTANOR gehalten haben. Nun verbünden sie sich, und der Ritter vom Goldkristall stellt das Fehlen nicht nur des Glassargs mit Oki Stanwer darin fest, sondern auch der MEISTER ist verschollen.

Ekkon ist außerordentlich erleichtert zu hören, dass die Qoon-Rebellen dank Klivies Kleines’ Intervention zumindest zu kleinen Teilen überlebt haben. Sie begeben sich durch das neblige Wrackfeld zu einem Ort, den sie die TREPPE nennen, der angeb­lich den einzigen Ausweg aus dem Chaos bieten soll.

Während das Wesen TOTAM die Würfelwelt, die nun ausgedient hat als Kampfschauplatz, kurzerhand wieder in der Knochendi­mension einlagert und damit jedem Zugriff entzieht, erreicht der Dämonenschlächter mit seinen zwei betäubten Gefangenen – Meltrag und Raskorw – den Planeten TOTAM. Ebenfalls bei ihm befindet sich der Gleiter mit einem gläsernen Sarg, in dem der schlafende Oki Stanwer liegt. Von dem ungeschützten Weelon Cartlon ist jedoch nur noch ein Skelett übrig geblieben.

Das Wesen TOTAM schickt die EXEKUTIVE zurück zur Schein­welt, um die letzten Gegner zu bekämpfen. Dann öffnet es den gläsernen Sarg, und Oki Stanwer erwacht …

Episode 70: Projektion der Vergangenheit

(1986, digitalisiert 2011)

Schauplatz: TOTAM-System, Scheinwelt, Planet TOTAM

Ekkon und seine Gefährten, zu denen Ben Sarder und Mais Ginorg sowie die Qoon-Rebellen zählen, erreichen nach stundenlanger Wanderung den Fuß der so genannten TREPPE. Doch hier werden sie überraschend von All-Hütern aufgehalten – die sie im Namen von Z-NULL gefangen nehmen!

Eine Erinnerungsblende Oki Stanwers kommt zutage und er­zählt, was ihm nach dem Untergang des Matrixraumers wider­fahren ist. Er landet auf der Würfelwelt in einer von zahlreichen verschiedenen Intelligenzwesen bevölkerten Stadt und trifft hier auch auf Wesen, die er für Hekaroner-Mutanten hält … ehe er sie jedoch ansprechen kann, reißt ihn jemand zurück: ein Mann, der Commander Terry Jones zu sein scheint!

Er könne doch wohl nicht ernsthaft versuchen, einen der blin­den und desorientierten MICAROII anzusprechen! Solange man sie ignoriere, seien sie unproblematisch, aber jeder Kontakt füh­re zu einem sofortigen Mord an dem Kontaktsuchenden!

Oki wird von Terry Jones in die Unterwelt der Stadt gebracht, wo sie weitere Rebellen aus verschiedenen KONFLIKT-Universen treffen, darunter eine zweiköpfige Echse, in der Oki einen Cal­narer aus KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ er­kennt. Außerdem trifft er hier auf schattenhafte Gestalten – Voork-Loyalisten aus KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“, die ebenfalls vor der TOTANOR flüchten. Und dann führt Terry Jones Oki zu ei­nem sehr vertrauten Gebilde: einem mächtigen kristallenen Sarg, der ihn wirklich äußerst bekannt ist.

Es handelt sich um jenen Sarg, der einst das Zentrum der STE­LE DER EWIGKEIT in KONFLIKT 14 darstellte und Oki dazu befä­higte, seine Parakräfte zu fokussieren und Traumkrieger zu er­schaffen.

Damit, meint Terry, sollte es ihm möglich sein, die Macht der TOTANOR zu brechen!

Das sieht auch Oki Stanwer so und legt sich in den Sarg, um nun vorgeblich den Kampf gegen TOTAM zu eröffnen … doch der Sarg betäubt ihn und gibt dann seine Tarnung auf. Und Terry Jones, der eigentlich der Dämonenschlächter ist, kann nun den Feldherrn des Lichts erstaunlich mühelos nach TOTAM transpor­tieren … soweit erklärt sich die Vorgeschichte des Konvois.

Im nebligen Wrackfeld der Scheinwelt werden Ekkon und seine Gefährten in eine Höhle geführt, wo ein zerfranstes kyberneti­sches Trümmerstück den letzten Rest von Z-NULL darstellt. Die Havarie hat offensichtlich Klivies Kleines’ Reprogrammierung gelöscht – Z-NULL will ihnen nun den Prozess machen, der zwei­fellos mit dem Tod enden wird.

Im letzten Moment taucht eine riesenhafte Gestalt auf, die Ek­kon an sich reißt und die Höhle mit brutaler Feuerkraft einäschert, um den Alptraum von Z-NULL ein für alle Mal zu been­den.

Soffrol, der Rächer von Breeth-Fgahn, hat Ekkon gerettet. Aber alle anderen sind dabei umgekommen.

Gemeinsam erreichen sie das obere Ende der TREPPE und sto­ßen hier auf eine sonderbare Ruinenstadt, die Soffrol als Cur­thalekkh bezeichnet – angeblich eine Stadt seines Volkes. Und während Ekkon sich noch wundert, schießt ein meteorartiger Gegenstand über das Firmament und schlägt mitten in den Rui­nen ein. Es ist der MEISTER, der völlig die Orientierung verloren hat.

Auf dem Planeten TOTAM erweist sich, als Oki Stanwer erwacht, dass das Wesen TOTAM offenbar gar nicht an seinem Tod inter­essiert ist – es zeigt sich vielmehr in der Gestalt eines weißhaa­rigen, weisen Mannes und versucht den Feldherrn des Lichts durch eine Erinnerung an Okis neuntes Leben und an die Urzeit des KONFLIKTS davon zu überzeugen, dass nicht er das Böse an sich ist, sondern die Sieben Lichtmächte in Wahrheit die Finster­männer im KONFLIKT sind.

Oki Stanwers Überzeugung von Recht und Unrecht wird schwan­kend …

Episode 71: Mörder des Lichts

(1986, digitalisiert 2011)

Schauplatz: TOTAM-System, Scheinwelt, Planet TOTAM

Auf der Scheinwelt verliert Klivies Kleines mit Ben Doosen sei­nen letzten Mitstreiter. Er selbst entkommt allerdings aus dem Labyrinth.

In der Ruinenstadt Curthalekkh erkennt Ekkon in dem himmli­schen Geschoss den benommenen MEISTER in seiner Würfelge­stalt. Als Soffrol ihn vernichten möchte, versucht Ekkon das zu vereiteln … und erst dann beginnt er zu verstehen, dass das nicht Soffrol ist, der ihn gerettet hat – sondern der Dämonen­schlächter!

Während dieser den MEISTER ermordet, flüchtet Ekkon, wohl wissend, dass er gegen die EXEKUTIVE keine reelle Chance hat. Mit letzter Kraft sondiert er paramental nach Helfern des Lichts und teleportiert dorthin, wo er sie spürt.

Klivies Kleines erreicht nach Durchschreiten des Transmitters am Ende des Labyrinths ebenfalls das Untergeschoss des TURMS auf TOTAM, wo er auf zwei Glassärge trifft, in denen die betäubten Kollegen Raskorw und Meltrag liegen. Er weckt sie auf und erklärt, dass sie unbedingt Oki finden müssen, dessen nahe Gegenwart er deutlich spürt.

Dann taucht aus dem Nichts eine weitere Gestalt auf – Ekkon, der Ritter vom Goldkristall. Er ist allerdings in letzter Sekunde vom Dämonenschlächter noch schwer verwundet worden.

Nun allerdings – und das ist dann wirklich eine melodramatische deus-ex-machina-Lösung, die mir heute nicht mehr gefällt und die so sicherlich keinen Bestand haben wird – erscheint der glü­hende Leuchtschemen, den Raskorw schon auf der Würfelwelt von ferne beobachtet hat – der LEUCHTENDE. Dabei handelt es sich allerdings um eine primärenergetische Fernprojektion, die nun mit Ekkon verschmilzt und ihn heilt.

Zugleich führt das allerdings dazu, dass Ekkon nun eine fernge­steuerte Marionette des Matrixkoordinators ist. Und dessen pri­märes Ziel ist es, zu verhindern, dass Oki Stanwer sich mit dem Wesen TOTAM verbündet.

Kleines begreift, was das bedeutet und eilt los, um seinen ältes­ten Freund zu warnen. Meltrag und Raskorw realisieren das nicht so schnell und werden kurzerhand vom Matrixkoordinator ermordet.

Klivies Kleines wird im Saal mit der Tafelrunde der Dämonen vom LEUCHTENDEN in Ekkons Gestalt eingeholt und von ihm er­schossen, ehe er Oki Stanwer warnen kann … und dann kommt es im Bibliothekszimmer des TURMS zum Showdown zwischen Oki Stanwer, dem Wesen TOTAM und Ekkon/dem LEUCHTEN­DEN.

TOTAM ist das Zünglein an der Waage – wohl wissend, dass in diesem prekären Moment, wo alle Konzentration auf den Erhalt der Abschirmung des Planeten gegen die Gewalten der SCHWARZEN MAUER notwendig sind, kann das Wesen TOTAM nur verbal Oki darauf hinweisen, dass Ekkon eben gerade Klei­nes und zwei weitere Helfer des Lichts kaltblütig liquidiert hat.

Das erzwingt Okis Entscheidung – und Desertion.

Woraufhin der Matrixkoordinator kurzerhand Oki erschießt und den KONFLIKT beendet. Eine enorme Entladung Primärenergie entmaterialisiert daraufhin Ekkons Körper und entzieht ihn TO­TAMS ansonsten unvermeidlicher Rache.

So endet auf höchst melodramatische und blutige Weise der KONFLIKT 17, und während TOTAM wie bislang auch durch einen Universentransmitter in ein neues Universum entkommt, wer­den Ekkon und der LEUCHTENDE von den Lichtmächten in Si­cherheit gebracht. Oki Stanwers Seele kehrt in den Jenseits­raum zurück, wo ihm die Erinnerung an das Geschehene ge­nommen wird … schließlich soll er als loyaler Kämpfer und Werkzeug des Lichts erhalten bleiben.

Aber wo mag wohl der reale Soffrol geblieben sein, den der Dä­monenschlächter gestaltlich imitierte, um Ekkon zu blenden? Ist er tot? Ist er auf der Würfelwelt zurückgeblieben? Niemand kann das mit Gewissheit sagen.

Nur soviel ist wohl sicher: Er ist ein Überlebenskünstler. Und darum kann ich lächelnd verraten – ihr werdet wieder von ihm hören, ganz sicher.

Damit endet der KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“. In sechs Wochen starten wir also im Rahmen der Close Up-Reihe in ein neues Universum, in den KONFLIKT 18. Das wird dann mal wie­der das totale Kontrastprogramm, das könnt ihr mir glauben.

In der kommenden Woche erzähle ich euch an dieser Stelle erst einmal, was ich im Januar 2025 geschrieben habe. Für heute habe ich genug erzählt, und ihr habt ein Anrecht, euch nun etwas auszuruhen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

Rezensions-Blog 578: Perfect Touch 4 – Untrennbar

Posted September 16th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ich kann das vermutlich nicht zu stark betonen – Jessica Clares Billionaire-Romane sind einfach nahezu unschlagbares Gute-Laune-Lesefutter. Natürlich mag man sagen, sie seien schema­tisch (was sie sind). Natürlich kann man die Augen verdrehen und das Ende vorhersagen (was nicht schwer fällt). Aber ich sage es mal so: Dieselbe Vorhaltungen könnte man auch nahe­zu allen Verantwortlichen machen, die Komödien drehen, vor und hinter der Kamera. Oder die Endlosserien mit Herzschmerz-Verirrungen inszenieren, wo dann am Ende eben doch nicht die Totalkatastrophe steht, sondern – welch Wunder – ein Happy End.

Und wie schaut es mit Krimiserien aus? Mit Krimiliteratur im All­gemeinen? Sind das samt und sonders jedes einzelne Mal total unschematische Geschichten? Ich denke, das wird niemand, der sich da einigermaßen auskennt, reinen Gewissens behaupten können.

Im vorliegenden Buch variiert die Autorin zudem ihr bisheriges Rezept „Milliardär meets unvermögendes Mädchen“ auf eine in­teressante Weise, und auch das umgebende Setting ist … eini­germaßen grotesk und so witzig, dass das allein schon eine Le­seempfehlung wert ist. Haltet euer Zwerchfell fest, Mädels und Jungs, es wird hier schwer erschüttert werden.

Warum das? Nun, schaut euch mal an, was euch hier erwartet:

Perfect Touch 4 – Untrennbar

(OT: The Billionaire’s Favorite Mistake)

von Jessica Clare

Bastei 17579

336 Seiten, TB (2017)

Aus dem Amerikanischen von Kerstin Fricke

ISBN 978-3-404-17579-6

Die Verlobte des Milliardärs Hunter Buchanan, Gretchen Petty, lädt zur Vorstellungsrunde der Brautjungfern und ihrer männli­chen Pendants ein – wir kennen einen Teil dieses Settings be­reits aus den Romanen „Perfect Touch 2“ und „Perfect Touch 3“, mit denen sich dieser Band tatsächlich zeitlich und inhaltlich überlappt. Diesmal steht die bislang stiefmütterlich nur am Ran­de erwähnte Freundin von Gretchen, Greer Chadha-Janssen, im Zentrum der Darstellung. Sie war einst eine Mitbewohnerin von Gretchen und teilte sich damals mit ihr, ihren Freundinnen Tay­lor und Chelsea eine Wohnung in New York. Und später kam noch jemand dazu, nämlich ein unverschämt gut aussehender Kerl namens Asher Sutton.

Greer war quasi sofort hin und weg und total in ihn verschossen … es gab nur ein zentrales Problem bei der Sache: er nahm sie nicht wahr. Stattdessen war er mit seiner Jugendliebe Donna Sunshine (ernsthaft!) zusammen und hatte nur Augen für sie. Greer blieb in seiner Wahrnehmung allein eine gute Freundin, mehr nicht. Sexuell existierte sie für ihn überhaupt nicht.

Nach dem Zerfall der WG trennten sich die Wege der Freundin­nen. Chelsea wurde Seifensiederin (siehe „Perfect Touch 3“), Gretchen lernte Hunter kennen und verführte ihn (siehe „Per­fect Passion 2“), Taylor klebte weiterhin an ihren Computerspie­len und landete in einer entsprechenden Firma und war zustän­dig für Computerservice (das ist dann Thema des letzten Ban­des der Reihe „Perfect Touch“, ich komme darauf zurück). Und Greer machte sich einen Namen als Hochzeitsplanerin.

In dieser Funktion blieb sie dann auch mit Gretchen in Kontakt und ist nun engagiert für deren Hochzeit. Und als Brautjungfer, was ihr eigentlich eher unangenehm ist. Sie empfindet sich als zu klein, als Halb-Inderin mit einer traumatischen Familienver­gangenheit und einem kaltherzigen Vater, noch dazu schreck­lich kurzsichtig, so dass sie ohne Brille quasi gar nichts mehr sieht, fühlt sie sich völlig fehl am Platze.

Aber sie ist an diesem Abend ausgerechnet Asher Sutton zuge­teilt – und das ist doch, verdammt noch mal, DIE Gelegenheit, ihm endlich mal zu zeigen, was sie für ihn empfindet. Zu Greers Pech funktioniert der Plan nur teilweise. Ja, er nimmt sie in ihrem 20er-Jahre-Kleid durchaus wahr als weibliches Wesen und betrachtet sie als äußerst attraktiv. Leider ist er aber auch sturzbetrunken, und wie viel von diesen Worten der Wahrheit entspricht und wie viel einfach nur alkoholisiertes Gelalle ist, mit dem er jede Frau herumzubekommen versucht, kann Greer nicht sagen.

Das ist schon schlimm genug, aber es wird noch übler: er ver­führt sie tatsächlich im Garten des Herrenhauses, und sie haben Sex … den ersten, den Greer als Jungfrau je gehabt hat, und er ist so unterirdisch, dass er diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient. Das hat die Konsequenz, dass sie Asher darauf­hin hasst und den Kontakt abbricht, um zu ihrem Vater Stijn Janssen nach Las Vegas zu flüchten. Er hat sie ebenfalls für die Organisation einer Preisfeier engagiert, und Greer kann die Ab­lenkung wahrhaftig gut gebrauchen.

Was sie nicht gebrauchen kann, sind Stijn Janssens aktuelle drei Gespielinnen – blonde Drillinge, und (sorry) eine dümmer als die nächste. Ihre selbst gewählten Namen sind nicht intelligenter: Kiki, Bunni und Tiffi. Alle drei machen sich Hoffnungen auf den Dauerposten an Stijn Janssens Seite. Dass der Mogul Stijn Jans­sen dem vor einiger Zeit verstorbenen Playboy-Gründer Hugh Hefner nachgebildet ist, wird hier auch ausdrücklich angespro­chen. Alles ist in der Tat recht ähnlich und ein wenig grotesk-ka­rikierend wie im Fall der Playboy-Mansion.

Was Greer ebenfalls überhaupt nicht gebrauchen kann, ist die ständige Übelkeit, die sie inzwischen plagt. Und die Drillinge mögen ja nicht die Intelligenz mit Löffeln gefressen haben, aber sie erkennen doch ziemlich flink, was Greer einfach nicht wahr­haben will: dass sie schwanger ist.

Schwanger von diesem bad sex mit Asher, den sie nie in ihrem Leben wieder sehen will! Wütend entschließt sie sich dazu, das Baby zu behalten und allein aufzuziehen (auch wenn das eine unangenehme Parallele zum Schicksal ihrer leiblichen Mutter Lakshmi ist, was ihr emotional noch mehr zusetzt). Einerlei: sie will mit Asher nichts mehr zu tun haben. Absolut gar nichts. Der Mann ist für sie vollständig gestorben!

In der Zwischenzeit erfährt der ausgenüchterte Asher allerdings von Gretchen, dass Greer ihn immer und schon seit Jahren an­gehimmelt hat, und immer deutlicher geht ihm auf, was für ein unmöglicher Mistkerl er gewesen ist. So reist er ihr also ein paar Monate später nach Las Vegas hinterher, um sie um Verzeihung zu bitten und ihre Freundschaft zu erneuern … und er blitzt voll­ständig ab. Obwohl er mit einiger Bestürzung erkennt, dass sie schwanger ist und ihm klar wird, dass er der Vater sein muss. Das festigt seinen Wunsch, wieder enger mit ihr zusammenzu­kommen, nur noch mehr.

Sie will nach wie vor nichts mit ihm zu tun haben.

Er will ihr nun aber unbedingt beweisen, dass er zunehmend Gefallen an ihr findet und sich auf alle Fälle für die angerichte­ten Probleme entschuldigen. Mehr noch: er möchte dauerhaft mit ihr zusammen sein.

Nur – wie soll man das unter diesen Umständen erreichen? Da hilft nur, Greer zu überlisten und einen Plan auszuhecken, den sie nicht ablehnen kann. So entsteht der Plan für Stijn Janssens Hochzeit (!), was Greer völlig entsetzt, weil sie das für undenk­bar hält. Noch schlimmer ist aber die Tatsache, dass er alle drei Drillinge bis vor den Altar im Ungewissen lassen möchte, wen er von ihnen auswählt … und so beginnt ein bizarres Abenteuer, das Greer alsbald an den Rand des Nervenzusammenbruchs führt – nicht zuletzt wegen dieses Trauzeugen, den ihr Vater en­gagiert hat und der ihr bei der Planung helfen soll.

Asher Sutton…

Das war schon wirklich eine interessante Variation der Ge­schichte „Milliardär trifft eher unvermögendes Mädchen“. Natür­lich sind wir bei Jessica Clare, mit der Konsequenz, dass es na­türlich in ein Happy End mündet. Aber wie so oft ist der Weg dorthin sehr reizvoll und vor allen Dingen gespickt mit absurden und zum Teil wahnsinnig komischen Szenen. Besonders die nai­ven Drillinge (die Bora Bora mit dem Mount Everest verwech­seln, unbedingt auf Einhörnern zum Altar reiten wollen und drei­tausend Gäste einladen möchten) bringen so abenteuerliche Vorstellungen in den Roman ein, dass einem Greer als Hoch­zeitsplanerin wirklich nur noch von Herzen leid tun kann.

Während ich ernstlich eine Menge Schwierigkeiten mit den Na­men in diesem Buch hatte – angefangen mit Greer und Asher (wer, bitte schön, nennt seine Kinder so? Und wie viel haben diese Leute vorher an Pot geraucht?), auch die Spitznamen der drei Blondinen sind eigentlich an Einfältigkeit nicht zu überbie­ten (hier aber wohl Absicht). Süß fand ich hingegen Ashers Stra­tegie, Greers Vorwurf, er sei absolut unterirdisch als Liebhaber, so zu drehen, dass sie – als vormalige Jungfrau – ihm, dem Play­boy, Nachhilfeunterricht im Verführen geben solle. Man kann sich leicht denken, dass das schnell eskaliert ist. Ist es tatsäch­lich.

Herausgekommen ist deshalb ein rundum unterhaltsamer, zeit­weilig etwas überdrehter Roman, der sich durchaus solide in die bisherige Reihe „Perfect Touch“ einfügte. Kann man mit Genuss lesen – für romantische Seelen definitiv empfehlenswert.

© 2019 by Uwe Lammers

Ehrlich, ich glaube, ich habe an zahlreichen Stellen des Romans Tränen gelacht, und das passiert mir dann doch eher selten. Und ich habe ihn, glaube ich, auch in absoluter Rekordzeit verschlungen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht.

Also, mein Fazit ist völlig klar: Lest ihn, echt!

Ob das dann auch für das viele Jahrzehnte ältere Buch gilt, das ich euch in der kommenden Woche vorstellen möchte, das müsst ihr selbst entscheiden. Mehr sei an dieser Stelle dazu noch nicht verraten.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

ich gestehe, ich bin mir nicht völlig sicher, ob ihr mir heute fol­gen könnt, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wäh­rend ich heute (14. April 2026) noch am Text von OSM-Band 2500 feilte, sprang mich, wie das oft so ist, ein Gedanke an. Und dieser Gedanke hatte keinen Platz in der Geschichte und, soweit ich das sehen kann, in absehbarer Zeit auch nicht in ei­ner der begonnenen OSM-Serien.

Warum ist das so? Weil er sehr weit in die Zukunft ausgreift und auf, ich sage mal, provisorisches Wissen zugreift, das bislang nur in meinem Kopf angelegt ist. Deshalb ist es mir wichtig, das niederzuschreiben und zu stabilisieren. Sicherlich, manches an diesen Gedanken ist rein provisorisch, und es kann sehr gut sein, dass langfristig Veränderungen daran erforderlich werden. Doch für einen ersten Sprung ins kalte Wasser mag das hier ge­nügen.

Wir müssen dabei freilich aufpassen, dass wir nicht die Boden­haftung verlieren. Glaubt mir, das passiert nur zu leicht bei dem Thema, um das es heute geht. Fangen wir mit einer Aufwärm­übung an.

Glaubt irgendwer von euch an so etwas wie Schicksal, Vorbe­stimmung, an Orakel, Horoskope und dergleichen? Und an so et­was wie die Existenz einer feinstofflichen Seele, die man mit physikalischen Methoden der Gegenwart nicht messen und nachweisen kann?

Gut, denn in dem Bereich bewegen wir uns ab sofort.

Wie vielleicht noch aus früheren Kosmologie-Lektionen der ver­gangenen Jahre erinnerlich sein könnte, basiert der OSM auf dem dualistischen Weltenkonzept, also auf der Anschauung, dass mit dem Tod nicht schlagartig das Licht ausgeht und alles, was man im Leben geleistet hat, inklusive der erworbenen Indi­vidualität und aller Fähigkeiten, sofort für immer und alle Zeiten verschwunden ist. Ich postulierte vielmehr schon vor Jahrzehn­ten die Existenz einer feinstofflichen Seele, basierend auf der primärenergetischen Fadenmatrix, die ihre Informationen in die kosmische Matrix gewissermaßen automatisch „hochlädt“, wie wir das heute technisch sagen würden. Stellen wir uns die kos­mische Matrix als eine Art unendlicher Cloud vor, dann kommen wir hier vielleicht dem Gesamtkonzept nahe.

Dieses Gesamtkonzept ermöglicht dann natürlich seltsame Din­ge im Oki Stanwer Mythos. Wiedergeburten etwa. TOTAMS Kno­chenstraßen. Matrixfehler … ja, und da sollten wir kurz stoppen.

Wie ihr euch vielleicht entsinnt, war das Mysterium der Matrix­fehler für mich jahrzehntelang wirklich undurchdringbar. Das blieb so, bis ich schließlich in den späten 90er Jahren die Spezi­es der TUURINGER entdeckte und der OSM alptraumhafte Ab­gründe erhielt, an die ich tunlichst nicht allzu oft rührte, weil sie mich wirklich schwindeln ließen. So ist das immer noch.

Heutzutage ist klar, dass die rätselhaften TUURINGER, die in den Universen ab etwa KONFLIKT 28 beheimatet sind, über die transuniversale Zeitreise gebieten und in der Vergangenheit der untergegangenen Universen dabei sind, durch die Schaffung von Matrixfehlern selbige vor dem vorzeitigen Kollaps zu be­wahren.

Allerdings weiß ich inzwischen auch, dass die TUURINGER einen Langzeitplan verfolgen. Sie nutzen die Matrixfehler gewisserma­ßen als Trittsteine, um aus der Zukunft in die noch sehr viel sta­bileren früheren KONFLIKT-Universen vorzudringen. Je weiter sie damit kommen, desto mehr nimmt ihre Handlungsmacht zu. Es ist zu vermuten – aber bislang noch nicht empirisch nachgewie­sen in den geschriebenen Geschichten – , dass ihre Wirkungs­macht am Beginn der ersten KONFLIKTE nahezu allmächtig sein dürfte.

Damit kommen wir zum nächsten Punkt unserer heutigen Erör­terung. Ich arbeite zurzeit an OSM-Band 2500, der inzwischen beinahe fertig ist, und dieser Roman spielt im KONFLIKT 4, also der Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“. Ich arbeite an der IR-Serie seit 2004, und gleich zu Beginn fiel mir ein harmlos wir­kender Techno auf dem Planeten Tushwannet auf, Torkeron.

Jedenfalls dachte ich damals noch, er sei harmlos. Glaubt mir, er ist wirklich nichts dergleichen, und das ist er nicht mal aus bösem Willen. Torkeron ist zur Handlungszeit von OSM-Band 2500, wo er seine Freundin Rilaan kennenlernt, gerade mal 19 Jahre alt. Und bald nachdem sie sich begegnen, erzählt er von sich und seiner gestörten Beziehung zu seiner Mutter. Er ist ihr schon als Kind unheimlich geworden wegen einer sonderbaren Fähigkeit, mit der sie nicht klarkam.

Er wusste von Geschehnissen, ehe sie passierten.

Und nein, wenn ihr jetzt denkt, er sei präkognostisch begabt, seid ihr völlig auf dem Holzweg. Die Sache ist leider deutlich komplizierter. Ich gebe euch mal ein Beispiel aus dem Band 2500:

Sie hatten damals in der Nähe von Sensatoy gelebt, doch als Torkeron zehn Jahre alt wurde, habe sie es mit ihm einfach nicht mehr ausgehalten.

„Das verstehe ich nicht so ganz“, gab Rilaan zu und unterbrach seine Er­zählung damit erst einmal.

„Na ja … ich war ein wenig … wie soll ich das sagen? … schwierig als Kind“, gestand Torkeron, ließ sich aber nicht wirklich aus dem Konzept bringen. Er erläuterte diese „Schwierigkeit“ mit einigem Herumdrucksen an einigen Beispielen. Die erwiesen sich als nicht minder bizarr als das, was er bisher zu Rilaan gesagt hatte, sei es im Reisebüro oder jetzt beim Essen.

„Beispielsweise konnte ich genau feststellen, wenn sie Blumenzwiebeln für unseren Garten kaufte, welche passen würden und welche nicht. Ich spürte das einfach, als wenn … ich weiß nicht … als wenn die Zwiebeln mit mir reden würden. Das klingt sonderbar, ich weiß. Aber so fühlte es sich an. Ich änderte also gelegentlich ihre Kaufentscheidungen ab, weil ich ein­fach WUSSTE, dass manche Zwiebeln nicht keimen würden. Sie kaufte dann manchmal aus reinem Trotz dennoch genau diese und ärgerte sich später darüber, dass sie nicht keimten … ich hatte es ihr gesagt, aber sie wollte einfach nicht hören.“

Und so ging es weiter.

Torkeron wusste zu sagen, wenn das Videofon gerade anschlug, wer am Apparat sein würde und auch, wie Verabredungen ausgehen würden, die seine Mutter traf, die sich natürlich wieder nach einem Mann in ihrem Le­ben sehnte und diverse Versuche unternahm, für Torkeron einen Vaterer­satz zu finden. Der junge Torkeron dankte ihr das auf seltsame Weise, in­dem er Dinge erzählte, die er gar nicht wissen konnte. Er sagte beispiels­weise auch Besucher voraus, die sich gar nicht angekündigt hatten. Oder er wusste im Voraus, wenn seine Mutter das Essen falsch zubereitete. Und so weiter.

Anfangs hielt Jiltaai das für nervige Besserwisserei, aber es wurde rasch offenbar, dass es deutlich mehr sein musste.

Und so wurde Torkeron seiner eigenen Mutter schließlich definitiv un­heimlich.

Bleiben wir einfach mal bei den Blumenzwiebeln, denn genau die waren es, die in mir jene Gedankenzündung auslösten, um die es im Folgenden geht. Noch sind wir hier ziemlich boden­ständig, aber das wird sich bald ändern.

Als ich die obigen Zeilen vor ein paar Jahren bereits schrieb, war ich noch am Rätseln, wie Torkeron das wohl bewerkstelligte. Denn es lag auf der Hand, dass die Blumenzwiebeln nicht eben ihm zuliebe telepathische Fähigkeiten entwickelten und tatsäch­lich mit ihm redeten. Diese Befähigung musste also irgendeinen anderen Grund haben.

Interessanterweise hatte ich den Ansatz zum Verständnis dieses Gedankens schon vor Jahren in einer der noch nicht publizierten Episoden der Serie niedergeschrieben, aber es bedurfte einer ziemlichen Transferleistung, um von dort auf das Obige zu schließen und daraus eine solide Konklusion zu erschaffen. Dazu braucht ihr erst mal ein wenig mehr Basiswissen, und jetzt wird es schätzungsweise ziemlich strange. Das lässt sich nicht än­dern.

In der IR-Serie ist Torkeron ein so genannter „Wahrträumer“. Er arbeitet auch in jungen Jahren schon für eine der Traumgilden von Tushwannet, seiner Heimatwelt, und seine Aufgabe besteht darin, mittels einer so genannten „Fall-Trance“, eines meditati­ven Versenkungsprozesses, Verbrechen aufzuklären. Doch eini­ge Jahre nach dem Kennenlernen seiner Freundin Rilaan wird er unvermittelt durch einen alptraumhaften, immer gleichen Traum behindert. Er sieht, wie die INSEL untergeht und er umkommt. Und, so sagt er Rilaan, die zunehmend verstört deswegen ist, er werde auf Tushwannet umkommen, genau hier … woraufhin sie ihn dazu bewegt, mittels eines Baumeister-Transmitters auf ihre Heimatwelt Talascantor auszuweichen.

Tatsächlich hört der Todestraum damit auf.

Aber hier träumt er einen anderen, nicht minder bizarren – er sieht in seinem Traum auf einmal einen Friedhof vor sich, der von einem unheimlichen Schattenkegel eingehüllt und gerade­wegs entführt wird.

Dummerweise passiert kurz darauf genau das – auf Talascantor. Und als er von den hiesigen Ermittlungsbehörden überredet wird, sein Talent dazu zu nutzen, um dieses Verbrechen auch aufzuklären, geschieht das Desaströse: in seiner Fall-Trance fin­det sich Torkeron auf dem geraubten Friedhof wieder … und lan­det an dessen Zielort – einer grauen bis schwarzen Welt unter einer bizarren grünen Sonne.

Er ist auf TOTAM!

Zwar nur als Astralprojektion, aber ja, er ist auf TOTAM.

Hier begegnet er einem unheimlichen, geisterhaften Wesen, das sich Salja nennt und von sich behauptet, schon sehr lange tot zu sein.

Ja, ein manifester Alptraum für den armen Träumer, soviel ist si­cher. Es wird aber noch schlimmer. Denn Salja umgibt ihn mit einem aus dem Boden wachsenden steinernen Sitz, der ihn um­klammert, und sie kündigt an, er werde, wenn er verstehen wol­le, was gerade mit ihm passiere, dies nur dadurch schaffen, in­dem er mit der Welt TOTAM verschmelze … und sterbe.

Und dann geschieht etwas noch Gespenstischeres:

„Was tust du da?“, rief er noch einmal erschrocken aus, als ihm seine Lage vollends bewusst wurde und seine geisterhafte Gastgeberin oder Ge­fangenenwärterin ihm nicht antwortete.

Meine Neugierde befriedigen, sagte Salja sanft. Du solltest dich wirklich nicht sträuben. Es geschieht dir nichts Schlimmes… und ich würde sogar vermuten, dass das für dich sehr erhellend sein könnte, was ich nun tue.

Sie streckte die linke Hand aus und berührte Torkerons Brust.

Zu seiner eigenen Überraschung konnte er die Berührung sehr wohl spü­ren. Vielleicht lag das daran, dass sie aus einer ähnlichen Substanz be­standen … er selbst aus einer Form von Ektoplasma, da sein physischer Leib ja auf Talascantor zurückgeblieben war, und Salja aus einer Art von kondensierten Gedanken jener unheimlichen Macht, die sie vor langer Zeit aufgesogen und assimiliert hatte. Jedenfalls nahm er an, dass diese Seins­zustände entfernt ähnlich waren …

Dann riss er erstaunt die Augen auf.

Salja zog einen glitzernden, komplexen Faden aus seiner Brust. Wie ein ständig funkelndes Leuchtband, das zitterte und sich wand, bog es sich im­mer wieder in Torkerons Richtung zurück, hing aber so unerbittlich in Sal­jas Fingern, dass es sich nicht entwinden konnte. Der Träumer verspürte ein dezentes, aufreizendes und warm prickelndes Zwicken in seiner Brust, wenn es sich bewegte. Er starrte das funkelnde Gebilde, das hier so völlig fremdartig und unpassend erschien, ratlos an. So etwas hatte er noch nie gesehen. Aber es sah einfach wunderschön aus.

„Was ist das?“, flüsterte er überwältigt.

Ein Kunstwerk, Torkeron. Ein unglaubliches Kunstwerk … Salja ließ ihre Hände an dem Faden entlangstreicheln, der den Kontakt mit dem Techno nicht verlor, und außerordentlich wohlige, erregende Gefühle durchriesel­ten Torkeron. Ganz so, als wenn Rilaan ihn mit ihren wunderbaren Lippen der Göttlichkeit näher brachte.

Er wand sich im Sessel und stöhnte vor Wonne.

Ich habe wirklich vieles über die Seele gelernt in der langen Zeit, die ich hier weile, und auch vieles war mir vorher bereits bewusst … aber so et­was habe ich noch niemals gesehen … sag mir, Torkeron … woher genau kommst du?

Er stöhnte die Rahmendaten seiner Biografie und war erst wieder zu zu­sammenhängenden Sätzen imstande, als Salja das Streicheln des zucken­den Leuchtfadens einstellte, der sich weiter wand wie ein Aal an der Fang­leine. Japsend und keuchend entspannte er sich wieder etwas.

Dann sagte Salja rätselnd: Deine Geschichte ist unvollständig, Torkeron. Sie erklärt das hier durchaus gar nicht. Es sei denn … es sei denn … ja, und ich glaube, das ist es. Du bist ein Spion!

„Nein!“, keuchte er. „Nein, das ist falsch. Das bin ich nicht!“

Der Geist musterte ihn nun mit weiter geöffneten, schockgrün strahlen­den Augen, erfüllt von einer Kraft, die Torkeron auf seinen Platz bannte und schier versteinern ließ. Salja meinte ruhig: Die besten Spione, Torke­ron, sind jene, die nicht einmal wissen, dass sie welche sind. Und du bist die raffinierteste Form davon, die mir jemals begegnet ist. Ohne Frage ist die Lebensgeschichte, die ich in deinem Geist lesen kann, die absolute, reine und lautere Wahrheit. Aber die Frage ist doch, ob Zeugung und Ge­burt der Beginn deiner Existenz waren … und das ist nicht der Fall.

Sie spielte ein wenig mit dem leuchtenden Faden, der sich nun seltsam still verhielt und im grünen Licht eigentümlich funkelte. Dies hier ist das klare Indiz dafür. Aber ich habe eine solche Manipulation noch nie gese­hen. Solche Symmetrien, solche Perfektion… ich möchte daran zweifeln, dass selbst mein Volk so etwas erschaffen könnte. Einfach ganz unglaub­lich. Und so überhaupt keine Furcht darin, nur Neugierde. Unendliche Neu­gierde. Ein Wissensdurst, der dem dieser Welt sehr ähnlich ist, und doch völlig anders gelagert. Sehr fremd.

Und mit dieser Bemerkung … es geht in der Episode noch wei­ter … erreichen wir eine Tiefe des Torkeron-Mysteriums, das sich niemand, nicht einmal die Baumeister, vorzustellen vermag.

Halten wir hier einmal kurz inne und vergegenwärtigen uns, was wir da sehen: Im Grunde genommen ist die Fadenmatrix eines Lebewesens unsichtbar. Allein die Baumeister sind imstande, die schwachen Primärenergieemissionen der Fadenmatrix zu spüren. Ob sie sie – wie Salja – auch visualisieren können, ist in­des zweifelhaft. Wissenschaftler der INSEL sind dazu jedenfalls nicht in der Lage.

Gehen wir einen Schritt weiter: Torkeron ist in KONFLIKT 4 kein Matrixfehler, er ist etwas weitaus Raffinierteres, und darin ist Salja tendenziell zuzustimmen. Das, was sie fadengleich aus seiner Brust zieht, ist eine Art künstliche Fadenmatrix, das Pro­dukt einer unglaublich fortgeschrittenen Wissenschaft, die selbst die Fähigkeiten der Baumeister bei weitem sprengt.

Torkeron wird also von den TUURINGERN aus der fernen Zukunft mit einer Art künstlicher Seele ausgestattet und mit einer nach­gerade enzyklopädischen Informationsbasis, die Geschehnisse auf der, ich nenne das mal „feinmotorischen“ Ebene enthält. Dadurch kann er im direkten Umfeld Dinge scheinbar „vorherse­hen“. Sie sind Teil von Erinnerungen aus der Zukunft, und sie beschränken sich auf sein engstes Lebensumfeld.

Das erschließt schon eine ganze Menge.

Hilft uns das bei den Blumenzwiebeln? Eher nicht.

Okay, dann schauen wir uns das noch mal näher an, denn die Abstraktionsebene vertieft sich hier noch weiter.

Die TUURINGER, das nehme ich hier mal vorweg, sind höchst sonderbare Lebensformen. Ich habe vor vielen Jahren im KON­FLIKT 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ mal einen solchen Kontakt mit einem TUURINGER beschrieben, der den sonderba­ren Namen Megataktherz trug. Ein Wesen, das weder Augen noch sonstige Wahrnehmungskanäle zu besitzen scheint. Und es hat auch keine wirkliche Vorstellung von „Leben“.

Das fremdartig zu nennen, ist vermutlich noch beschönigend.

Wie, wird er nun gefragt, nimmt er denn die Umgebung wahr? Was „sieht“ er ringsum? Denn blind im landläufigen Sinn und damit hilflos ist er weiß Gott nicht.

Die Antwort ist denkwürdig: Er sehe Wahrscheinlichkeitsfunktio­nen, lange und kurze, die sich sonderbar und für ihn unbegreif­lich verhalten. Manchmal verbinden sich diese Linienstrukturen, brechen und erzeugen kleine Wahrscheinlichkeitsfunktionen, die sich allmählich vergrößern und in eine für ihn undurch­schaubare Interaktion treten.

Die Beobachterin – ein veränderter Mensch namens Monica Bascia – begreift, dass ein TUURINGER eine extrem bizarre Wahrnehmung besitzt und dass er von der baryonischen Welt, die ihn umgibt, quasi überhaupt nichts mitbekommt. Deshalb realisiert er auch gar nicht, dass man ihn umbringen möchte. Monica bringt ihn in Sicherheit, aber die Handlungsspur ist da­mit natürlich noch nicht beendet.

Für den Augenblick reicht uns dieser kursorische Blick in KON­FLIKT 28 aber aus.

Gehen wir zu Torkeron zurück, unserem arglosen Träumer von Tushwannet in KONFLIKT 4, also rund 120 Milliarden Handlungs­jahre entfernt. Er ist von den TUURINGERN zielstrebig designt worden, um eine Aufgabe zu erfüllen. Aber dazu muss er inter­agieren können. Er braucht so etwas wie eine menschliche Wahrnehmungsfähigkeit … und die erhält er auch. Physiologisch kann man ihn von einem normalen humanoiden Techno nicht unterscheiden.

Aber da ist eben diese sonderbare Fähigkeit. Er sieht Dinge, ehe sie passieren. Und er spürt, dass Pflanzen keimen oder eben auch nicht.

Und vorhin ging mir auf, wieso das funktioniert und wie.

Torkeron kontrolliert unterbewusst die Länge und Vitalität der Fadenmatrix der Blumenknollen.

Wie gesagt, so etwas ist unsichtbar und mit keinem Messgerät zu prüfen. Und auch Torkeron SIEHT sie nicht … er ist, vielleicht ist dieser Vergleich passender, am ehesten eine Art von organi­schem Messgerät. Wie wenn man die Temperatur eines Gegen­standes durch Betasten erspürt, ist er imstande, durch die Be­rührung zu merken, ob ein Fadenmatrixkeim einer Blumenzwie­bel ausgeprägt und stark genug ist, um eine langfristig lebens­fähige Pflanze hervorzubringen oder ob sie nach dem Einpflan­zen einfach eingeht und vermodert.

Natürlich hat Torkeron als Kind seiner Mutter geraten, die Knol­len zu nehmen, in denen er die stärkeren Vitalfunken spürte. Rational begründen kann Torkeron diese Fähigkeit bis heute (OSM-Band 2500) nicht. Optisch zu erkennen ist davon schon überhaupt nichts. Die Befähigung bleibt also unbegreiflich, selbst für den armen Tork.

Der primärenergetische Lebensfaden der Fadenmatrix ist für die Baumeister zu der Zeit auch noch ein ziemlich großes Mysteri­um, und selbst in der Serie werden sie mit Torkerons Fähigkeit des Wahrträumens massive Probleme haben, teilweise habe ich das schon niedergeschrieben.

Aber so nach vielen Jahren endlich blitzlichtartig zu erkennen, was hier für ein Geheimnis vorliegt und wie es sich erhellen lässt, war eine wirklich wunderbare Entdeckung für mich. Und ja, es war völlig unvermeidlich, dass ich dann umgehend diesen Beitrag verfassen musste, um das festzuhalten. Ein Beitrag aus der Reihe der OSM-Kosmologie ist wegen der langfristigen Impli­kationen, die sich daraus ergeben, zweifelsohne der beste Weg.

Ich hoffe freilich, euch nicht zwischendurch verloren zu haben … die Materie ist, wie eingangs betont, tatsächlich ziemlich stran­ge, und mehr noch deswegen, weil ihr die Primärtext im Gan­zen noch nicht lesen könnt. Vielleicht konnte ich euch aber ein wenig erläutern, warum ich diesen Text jetzt nicht in irgendein x-beliebiges Textdokument schreiben, ausdrucken und abheften konnte, sondern es ein wenig mehr Leuten als nur mir zugäng­lich machen wollte.

In der kommenden Woche kehren wir dann ein letztes Mal in den KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“ zurück. Es kommt zum finalen Showdown zwischen den überlebenden Kämpfern des Lichts und ihren Antagonisten, und der Kampf wird lang, drama­tisch und verlustreich.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 577: Glennkill

Posted September 9th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ich zauberte ein strahlendes Lächeln auf das Gesicht meiner langjährigen guten Freundin Conny, als ich ihr jüngst erzählte, dass ich endlich – endlich!! – dieses Buch läse. Und wir konnten uns ebenfalls endlich über solche possierlichen Dinge wie Wol­kenschafe, kleine Seelen, Gott und seinen gruseligen Garten un­terhalten, in dem Tote heranwachsen („Totenacker!“) … und uns um das Mysterium des Ablebens des Schäfers George Glenn austauschen.

Wie ihr, bis dieser Beitrag erscheint, zweifellos aus dem Kino wisst, ist der Roman nach über 15 Jahren endlich verfilmt wor­den, mit Hugh Jackman in der Rolle des Schäfers George. Zwei­fellos weicht der Film in vielen Details vom Buch von Leonie Swann ab.

Aber wer nach dem Amüsement des Films auch endlich mal das Original kennen lernen möchte, der sollte unbedingt weiterle­sen. Tatsache ist: es lohnt sich.

Vorhang auf für ein grandioses Romandebüt:

Glennkill

Von Leonie Swann

Weltbild, Augsburg 2005

386 Seiten, TB

ISBN 3-8289-8730-3

Es hat wahrlich lange gedauert, bis dieses Buch sein Mauer­blümchen-Dasein als ungelesenes Exemplar in meinen Bücher­regalen aufgeben und ins Rampenlicht treten konnte. Und zwar mit Aplomb, würde ich sagen – denn das Lachen erwischt den Leser schon unweigerlich bei den ersten Sätzen des Buches. Ich zitiere:

Gestern war er noch gesund“, sagte Maude. Ihre Ohren zuck­ten nervös.

Das sagt gar nichts“, sagte Sir Richfield, der älteste Widder der Herde, „er ist ja nicht an einer Krankheit gestorben. Spaten sind keine Krankheit.“

Und damit sind wir mitten im Drama. Es geht um Mord. Es geht um Mörderjagd, und das ist ein Sujet, das literarisch nur zu ver­traut ist, schon seit Generationen … aber die Irritation ist zu­gleich auch zugegen. Denn wer redet da? Verwandte? Tatortbe­sucher?

Weit gefehlt – es sind Schafe.

Willkommen in Glennkill, einem kleinen, idyllischen Ort in Irland mit grünen Wiesen, wolligen Schafen und einem Mord. Schwei­gen wir von dem Constabler Holmes (!), der hier eine eher un­rühmliche Nebenrolle spielt. Denn die wahren Ermittler sind: Schafe.

George Glenn ist ein allein in einem Bauwagen lebender Schäfer am Rande der Ortschaft Glennkill, und um ihn herum hat er sei­ne zahlreich vertretene Schafherde, um die er sich hingebungs­voll kümmert. Achtzehn davon spielen wichtige Rollen in dieser Geschichte, folgerichtig werden sie auch als „Dramatis Oves“, also „handelnde Schafe“ im Personenverzeichnis gelistet. Her­ausragend natürlich „Miss Maple“ (ein ebenso sinnig gewählter Name wie der Polizist mit Namen Holmes, wie Krimi-Kenner schnell erkennen werden).

Als die Schafe zu ihrem großen Entsetzen morgens ihren Schä­fer George mit dem Spaten im Leib auf der Wiese liegen sehen, reißt Miss Maple die Ermittlungen umgehend an sich (sie gilt als „das klügste Schaf der Herde, vielleicht das klügste Schaf von Glennkill und möglicherweise sogar das klügste Schaf der Welt“). Denn es ist offensichtlich: Hier ist ein Verbrechen vorge­fallen, und der Täter läuft noch frei herum.

Die Schafe des George Glenn sind klug, was daran liegt, dass George ihnen immer Geschichten vorgelesen hat (im Roman so genannte „Pamela-Romane“, in der Verfilmung werden daraus Krimis gemacht, aber der Film verändert ohnehin vieles und wird auch viele Details des Roman unterschlagen). Und sie füh­len sich notwendig berufen, den Mörder zu finden und seiner gerechten Strafe zuzuführen. Das erweist sich als einigermaßen vertrackt, aus verschiedenen Gründen.

Zum einen sind da die Menschen – sonderbare Wesen, die sich noch sonderbarer verhalten. Manche von ihnen wie etwa „Gott“ oder der Metzger sind sogar ausgesprochen unheimliche We­sen. Dann gibt es die rätselhafte Frau Beth, die George immer wieder besuchte und ihm Schriften zu lesen gab, die er aber ständig wegwarf. Und was ist mit dieser Rebecca, die irgendwie in einer Beziehung zu George zu stehen schien? Was ist das Ge­heimnis von Georges wirkungsvoll verschlossenem Wagen, in den verschiedenste Personen – erfolglos – einzubrechen versu­chen? Was hat es mit dem ominösen „Gras“ auf sich, von dem im weiteren Verlauf der Ermittlungen immer wieder die Rede ist. Die Schafe schauen sich ihre Wiese an und wundern sich, war­um Menschen über Gras sprechen, das sie doch gar nicht mö­gen … wahrlich, Menschen sind sonderbare Wesen, vielleicht liegt das daran, dass ihre Seelen so klein sind …

Es gibt zahlreiche Geheimnisse in Glennkill, wie man als Leser alsbald begreift, und viele haben direkt mit den Schafen zu tun. Mühsam versuchen die Schafe zu ermitteln, wer George getötet haben könnte und aus welchen Gründen. Und während dieser Ermittlungen lernt man die unglaublich kuriose Weltsicht der Schafe kennen. Eine Weltsicht, in der es etwa um Wolkenschafe geht, kleine Rattenschafe, in der sie sich gruseln, weil „Gott“ (der Pfarrer der Gemeinde) offenbar einen Garten bewirtschaf­tet, wo Tote anstelle von Pflanzen wachsen sollen (ein „Toten­acker“ eben). Und es geht um große und kleine Seelen …

Kurzum, das Buch ist ein wahnwitziges Lesevergnügen, das in gewisser Weise Techniken der Fabel auf die moderne Welt an­wendet. Während die Tiere die Menschen problemlos verstehen können, ist den Menschen sowohl die Sprache als auch die Re­aktionsweise der Schafe weitgehend verschlossen … was natür­lich auch eine Form von Erstkontakt darstellt, denn die Kommu­nikation zwischen zwei so fundamental verschiedenen Spezies wie Menschen und Schafen entspricht schon sehr der zwischen Forschern und Aliens, wenn sie denn eines Tages mal auftau­chen sollen.

So prallen hier zwei grundlegend verschiedene Welten aufeinan­der, auf eine höchst originelle Weise. Dass die 1975 geborene Leonie Swann mit diesem Buch einen sagenhaften Überra­schungserfolg erzielte, kann wirklich nicht überraschen. Und ei­nige Jahre später legte sie dann mit „Garou“ ein weiteres Aben­teuer der Schafe von Glennkill nach … doch davon kann ich erst berichten, wenn ich es gelesen habe. Das wird nach dieser schönen Leseerfahrung zweifellos nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Glennkill“ ist wirklich eine Entdeckung wert, die eure Lachmus­keln schön trainieren wird. Eine vollumfängliche Leseempfeh­lung ist diesem Buch absolut sicher!

© 2026 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche tauchen wir dann wieder zurück in den chaotischen Kosmos von Jessica Clares „Perfect Touch“-Kos­mos. Und auch darin ist Lesevergnügen garantiert, da könnt ihr meinen Worten vertrauen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 683: Das Autoren-Nachlassarchiv-Projekt, Teil 20

Posted September 5th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wie ich schon am 21. Juni an dieser Stelle angekündigt habe, möchte ich heute einen weiteren Einblick in meinen Aktenplan geben, von dem wir damals die Buchstabengruppe A näher be­trachteten. Und nein, keine Sorge, meine Freunde, ich breite na­türlich nicht den gesamten Aktenplan vor euch aus, das wäre doch zu exaltiert. Ich plane, maximal 2-3 weitere Buchstaben­gruppen zu zeigen, damit ihr euch eine Vorstellung von der schieren Dimensionierung des hier vorhandenen analogen Ma­terials machen könnt.

Ich bin der Ansicht, dass vielfach in Exkursen zum Thema Kul­turgutverlust – und darum geht es hier letzten Endes bei dem Projekt ja – alles sehr akademisch, abgehoben und abstrakt ver­handelt wird. Vielleicht ist das ein wesentlicher Grund dafür, dass im Bereich der Kulturetats Gelder, die für solche Zwecke erbeten werden, so umstritten sind. Wir erleben so etwas bei­spielhaft zurzeit in dem Streit um den Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek (DNB), der seitens des Kultur­staatsministers infrage gestellt wurde. Soweit ich das mitbe­kommen habe, scheint er der Illusion zu unterliegen, man könne das literarische Erbe auch mehrheitlich digital sammeln … ein kategorischer Irrtum, wenn man sich mal näher mit der Überlie­ferungssituation der DNB auseinandergesetzt hat.

Ich merke in dieser Diskussion nur einen Punkt an: Digitale Wei­terentwicklung. Man kann natürlich literarische Werke digital si­chern. Aber im Zuge der rasant fortschreitenden Technologie­entwicklung veralten sowohl Datenformate wie Auslesegeräte, was dann Konversionsprozesse notwendig macht. Einmal „gesi­cherte“ Werke digitaler Natur sind also damit nicht für alle Zeit und scheinbar kosten- und raumfrei aufbewahrt, sondern sie fordern stete weitere Aufmerksamkeit, Gelder und Konversio­nen. Ein Problem, das sich bei analogen Medien in dieser Form nicht stellt (da treten dann andere Schwierigkeiten auf). Ein Er­weiterungsbau der DNB ist also unverzichtbar, und der Minister ist klar auf dem Holzweg. Sparen an falscher Stelle, wie hier, wird fatale Folgekosten zeitigen, davon sollten wir ausgehen.

Aus ähnlichen Erwägungen heraus wird ja auch gern argumen­tiert, dass Minimallösungen für Autorennachlässe „ausreichend“ seien (Verbleib der Materialien im Familienbesitz, Verlagerung auf Dachböden, in Keller oder Garagen …). Wir wissen alle, glaube ich, dass das eben nicht ausreichend ist.

Doch kommen wir von diesem Gedanken, der ausgesprochen bzw. wieder in Erinnerung gerufen werden sollte, zum Thema des heutigen Beitrags. Ich erklärte anhand meiner Erfahrungen im Stadtarchiv Salzgitter, wie ich 2008 zur Erstellung eines ers­ten Aktenplans kam. Besonders wichtig scheint mir das für die Buchstabengruppe K des Bestandes. Hierzu kann ich nur sagen: Tief durchatmen und nicht erschrecken.

Here it comes:

Gliederung des Aktenplans

K)

K 0 Kalender

(noch zu erarbeiten)1

K 1 Korrespondenz

K 1.0 Amtliche Korrespondenz (DAK, Sozialamt)

K 1.1 Arbeitsamt/ARGE2

K 2 Korrespondenz einzelne Brieffreunde3

K 2.01 Hans Hendler, Bd. 1

K 2.01 Hans Hendler, Bd. 2

K 2.01 Hans Hendler, Bd. 3

K 2.01 Hans Hendler, Bd. 4/E

K 2.02 Martina Solfrank, Bd. 1

K 2.02 Martina Solfrank, Bd. 2

K 2.02 Martina Solfrank, Bd. 3/E

K 2.03 Michael Breuer, Bd. 1/E

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 1

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 2

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 3

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 4

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 5

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 6

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 7

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 8

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 9

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 10

K 2.05 Inge Orth, Bd. 1

K 2.05 Inge Orth, Bd. 2/E

K 2.06 Peter Servay, Bd. 1/E (verstorben)4

K 2.07 Fabian Fröhlich, Bd. 1/E

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 1

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 2

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 3

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 4

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 5

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 6

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 7

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 8

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 95

K 2.09 Angelika Walter, Bd. 1

K 2.09 Angelika Walter, Bd. 2

K 2.09 Angelika Walter, Bd. 3

K 2.09 Angelika Walter, Bd. 4/E

K 2.10 Bernd Rothe, Bd. 1/E

K 2.11 Angelika Herzog, Bd. 1

K 2.11 Angelika Herzog, Bd. 2

K 2.11 Angelika Herzog, Bd. 3

K 2.11 Angelika Herzog, Bd. 4

K 2.11 Angelika Herzog, Bd. 5

K 2.11 Angelika Herzog, Bd. 6

K 3 Korrespondenz nach Jahren

K 3.1/01 Das Jahr 1983

K 3.1/02 Das Jahr 1984

K 3.1/03 Das Jahr 1985

K 3.1/04 Das Jahr 1986

K 3.1/05 Das Jahr 1987

K 3.1/06 Das Jahr 1988

K 3.1/07 Das Jahr 1989

K 3.1/08 Das Jahr 1990

K 3.1/09 Das Jahr 1991

K 3.1/10 Das Jahr 1992, Bd. 1

K 3.1/11 Das Jahr 1992, Bd. 2/E

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K 3.1/150 Das Jahr 2021, Bd. 1

K 3.1/151 Das Jahr 2021, Bd. 2

K 3.1/152 Das Jahr 2021, Bd. 3

K 3.1/153 Das Jahr 2021, Bd. 4

K 3.1/154 Das Jahr 2021, Bd. 5

K 3.1/155 Das Jahr 2021, Bd. 6

K 3.1/156 Das Jahr 2022, Bd. 1

K 3.1/157 Das Jahr 2022, Bd. 2

K 3.1/158 Das Jahr 2022, Bd. 3

K 3.1/159 Das Jahr 2022, Bd. 4

K 3.1/160 Das Jahr 2022, Bd. 5

K 3.1/161 Das Jahr 2022, Bd. 6

K 3.1/162 Das Jahr 2023, Bd. 1

K 3.1/163 Das Jahr 2023, Bd. 2

K 3.1/164 Das Jahr 2023, Bd. 3

K 3.1/165 Das Jahr 2023, Bd. 4

K 3.1/166 Das Jahr 2023, Bd. 5

K 3.1/167 Das Jahr 2023, Bd. 6

K 3.1/168 Das Jahr 2023, Bd. 7

K 3.1/169 Das Jahr 2023, Bd. 8

K 3.1/170 Das Jahr 2024, Bd. 16

Und nein, das ist NICHT der gesamte K-Bestand, der geht viel­mehr noch deutlich weiter. Ihr seht hieran aber schon Folgen­des: Partiell habe ich den Bestand anno 2024 weiter fortgeführt, weil das einfach notwendig war. Jedes Jahr fallen gerade bei den Korrespondenzen mehrere weitere Ordner an (in der Regel min­destens 6, meist eher 8 oder mehr). Das ist schlicht meiner kommunikativen Vernetzung geschuldet, an der mehr als 150 Korrespondenzpartner und Einrichtungen beteiligt sind.

Wie schon im letzten Beitrag dieser Reihe bedeutet die Notiz „Aktualisieren“, dass die jeweiligen Bestände noch wachsen und die unterstrichenen Ordnereinträge noch nicht abgeschlossen sind.

Ich glaube, angesichts des K3-Bestandes könnt ihr euch lebhaft vorstellen, warum ich mir mehr Raum für die vernünftige Auf­stellung wünsche. In einer nur 60 Quadratmeter messenden Wohnung ist das schlechterdings nicht zu leisten.

Damit schließe ich für heute mal wieder die Tür in meinen Ak­tenplan und verlasse euch, um in der nächsten Woche wieder an ganz andere Orte vorzustoßen. Wohin genau? Ah, ich glaube, das möchte ich hier noch nicht verraten.

Ich wünsche euch alles Gute und freue mich wieder auf euren Besuch auf der Webseite.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Neueintrag vom 28. September 2014.

Ergänzung dazu von mir am 19. März 2026: Diese Kalender umfassen drei Ru­briken. Zum einen handelt es sich um Geburtstagskalender, die vielleicht von geringerem Interesse sind, dann aber auch um solche, die Auskunft geben über meine Tagesereignisse, Reisen, Krankheiten, Treffen usw. Und die dritte Rubrik sind explizite Kreativkalender, die ich seit 1998 führe und in denen sei­tengenau verzeichnet wird, was ich wann geschrieben, begonnen und beendet habe. Im Verein mit anderen überlieferten Werken ergeben sie einen guten Einblick in die Schwankungen des kreativen Schaffensprozesses.

2 Aktualisieren!

3 Der Zweckmäßigkeit halber nach Eintritt in meinen Brieffreundeskreis gezählt, nicht alphabetisch, damit nach hinten ohne Probleme erweiterbar. Einige Kor­respondenzen sind aktuell noch verschollen und müssen später nachgetragen werden.

4 Wichtiger OSM-Korrespondenzpartner aus den 80er/90er Jahren.

5 Nach dem 9. separaten Briefordner im Jahre 2014 wieder in die laufenden Jah­resbriefordner eingeordnet. Grund: starkes Nachlassen der Brieffrequenz aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen bei Babette.

6 Aktualisieren!

Rezensions-Blog 576: 80 Days – Band 4

Posted September 2nd, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

schon vor vier Wochen war ich über die ersten drei Romane die­ses Romanzyklus absolut nicht angetan, ich habe das damals im entsprechenden Rezensions-Blogartikel klar zum Ausdruck ge­bracht. Aber der vierte Band lag mir halt 2017 noch vor, also habe ich mich überwunden, um ihn dann auch noch zu schmö­kern.

Ich sage es gern vorweg, damit ihr eine überhöhten Erwartun­gen hegt: Die Schwierigkeiten, die die ersten drei Romane zu ei­ner unschönen Lektüre machten, gehen hier munter weiter. Überfliegerperspektive, Wegblenden bei kritischen Szenen, feh­lende Dialoge, mangelnde Personencharakterisierung. Haupt­personen, die nur Vornamen, aber keine vollständige Charakte­risierung erhalten … und so weiter.

Erschwerend kommt hinzu, dass die immer noch anonymen Au­toren sich diesmal ins entgegen gesetzte Extrem flüchten. Statt ständig wechselnde Perspektivwechsel zu haben, landen sie diesmal in einem den ganzen Roman ausfüllenden Monolog … ich weiß nicht, aber das ist nun wirklich nicht meins. Vielleicht gibt es wirklich LeserInnen, die sich von solch flüchtigem Lese­experiment ohne wirkliche Virtuosität angezogen fühlen, aber ich bin dafür eindeutig die falsche Person.

Folgerichtig fiel auch mein Fazit über diesen vierten Band des Zyklus alles andere als schmeichelhaft aus. Aber als Warnung sollt ihr wissen, was euch darin erwartet:

80 Days – Die Farbe des Verlangens

(OT: Eighty Days Amber)

Von Vina Jackson (Pseudonym)

carl’s books

München 2012

324 Seiten, TB

Preis: 12,99 Euro

ISBN-978-3-570-58526-9

Aus dem Englischen von Gerlinde Schermer-Rauwolf, Barbara Steckhan und

Thomas Wollermann

Man geht ja eigentlich davon aus, dass eine Trilogie nach drei Bänden abgeschlossen ist, deshalb heißt das Ganze ja auch „Tri­logie“. Nun, im Fall der titelmäßig rätselhaften Serie „80 Days“ ist das anders. Quasi nahtlos wurden nach den ersten drei Bän­den, also „Die Farbe der Lust“, „Die Farbe der Begierde“ und „Die Farbe der Erfüllung“1 noch ein vierter und fünfter Band nachgeschoben, offenkundig, um auf der Erfolgswelle wei­terreiten zu können.

Inzwischen ist der vierte Band gelesen, und da es temporale und personelle Überschneidungsflächen gibt, wenn auch recht bescheidene und erst gegen Schluss, ist es vermutlich von Nut­zen, noch mal kurz die Geschichte der ersten drei Bände zu re­sümieren.

Dort ging es um die junge Musikerin Summer Zahova und ihre nicht unproblematische, stets stark musikalisch geprägte dun­kel-erotische Beziehung zu dem dominanten Dominik Conrad.2 Sie lernen sich in London kennen und haben eine stürmische, nicht unkomplizierte Beziehung, die auseinanderreißt, als sich ihre Karrierewege trennen – er schlägt als vormaliger Literatur­dozent mit Sitz in London die Schriftstellerlaufbahn ein, sie wohnt inzwischen in New York und wird Solo-Geigerin. Ein we­sentlicherer Grund ist aber darin zu suchen, dass sie nicht rest­los aufrichtig zueinander sind und schlussendlich in Band 3 erst der vermittelnden Instanz der Cellistin Lauralynn bedürfen, um endgültig zueinander zu finden und glücklich zu werden.

Im Laufe dieser drei Romane lernen die beiden Hauptcharaktere eine Reihe von Nebenpersonen kennen. Eine davon ist eine fas­zinierende, geschmeidige Tänzerin namens Luba, mit der Sum­mer schließlich im dritten Band auch intim zusammenkommt, und sie avanciert im vorliegenden Roman zur Hauptperson.

Mit bürgerlichem Namen heißt die ranke Blondine Lubow Schewschenko und stammt interessanterweise – wie Summer Zahovas ausgewanderte Eltern – aus der Ukraine.3 Sie wächst hier in prekären familiären wie finanziellen Verhältnissen auf und beschließt schon recht bald, nachdem ihre Wunschkarriere als Tänzerin Schiffbruch erleidet, einen Auslandsaufenthalt in den USA dazu zu verwenden, kurzerhand zu emigrieren. Es ge­lingt ihr, dort unterzutauchen, doch das ist erst der Anfang ihrer Probleme.

Ohne gültige Papiere ist es schwer, so etwas wie eine gescheite Anstellung zu finden, von einer akzeptablen Wohnung ganz zu schweigen. So wird sie genötigt, in einer Bäckerei auszuhelfen – und hier hat sie das Glück, den charismatischen und geheimnis­vollen Chey und seinen russischen (!) Freund Lev kennen zu ler­nen.4 Er ist es, der von ihr magisch angezogen wird und ihr letztlich Zugang zu amerikanischem Wohlstand verschafft (was etwas rätselhaft scheint, da er als Beruf angibt, er sei internationaler Bernsteinhändler). Gleichzeitig ist er auch der Mann, der ihr Herz erobert und dem sie es erlaubt, sie zu entjungfern. Außerdem ist Chey ein Mann mit faszinierenden, wilden erotischen Ideen, und sie als vormalige Tänzerin in der Sowjetunion durchaus gelenkig und geschmeidig genug, um auch abenteuerlichste Posen mitzumachen.

Chey ist aber zugleich auch eine problematische Persönlichkeit – er neigt dazu, manchmal wochenlang ohne ein Wort spurlos zu verschwinden und anschließend sehr schweigsam zu sein, was die Zeit dazwischen angeht. Er ist ein Mann mit Geheimnis­sen, und dass er nicht aufrichtig zu ihr sein kann, belastet Luba recht schnell massiv. Als sie dann auch noch eine Schusswaffe in seinem Arbeitszimmer findet, nagt die Befürchtung an ihr, er könne insgeheim ein Krimineller sein und sie, ohne es zu wollen, ein Gangsterliebchen geworden sein. Kurzerhand ergreift sie die Flucht.

Durch Zufälle ergibt sich dann die Gelegenheit, in Clubs eroti­sche Tänze aufzuführen, und mehr und mehr beginnt sich Luba darüber zu definieren … leider sehnt sich ihr Herz nach wie vor nach Chey, der sich aber nicht wieder meldet, sondern wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheint. So vergehen zahlreiche Jahre, bis Luba endlich mit einer erotischen Tanz-Performance (die in einem der ersten drei Bände aus der Außenperspektive dargestellt wird) so gut verdient, dass sie sich auf wenige Auf­tritte im Jahr beschränken kann.

Bei einem dieser Engagements trifft sie in New Orleans auf Summer Zahova und ihren Geliebten Dominik, und alsbald spä­ter laufen sich die drei wieder über den Weg, als Luba zur tem­porären Gespielin von Viggo Franck in London wird. Auch die offenbar unvermeidliche Lauralynn tritt wieder auf. So verflech­ten sich auf dezente Weise die Handlungsstränge der ersten drei Romane mit diesem nachgeschobenen vierten.

Und dann taucht wie ein Springteufel aus der Versenkung Chey wieder in Lubas Leben auf … und er befindet sich in Lebensge­fahr, wie sie selbst recht bald ebenfalls …

Im Kontrast zu den ersten drei Romanen der Reihe hat dieser hier einen ganz unübersehbaren, klaren Vorteil: Er weist nur eine Handlungsperspektive auf, nämlich die von Luba. Und sie erzählt, auch das ist ein klarer positiver Kontrast zu den ersten drei Bänden, konstant aus der Ich-Perspektive. Man hat darum das eindeutige Gefühl, dass das Autorenduo doch gründlich da­zugelernt hat seit der Abfassung der ersten drei Romane. Aller­dings meiner Überzeugung nach noch nicht genug.

Weite Strecken des Romans lesen sich nämlich nach wie vor wie ein mächtiger Monolog. Die ersten leichten Dialoge kommen auf Seite 32 und 42 zustande, werden aber sehr schnell wieder ab­gewürgt, ehe sie sich – was vernünftig wäre – in gescheite Ken­nenlern-Szenen und ausgiebige Diskussionen entwickeln könn­ten. Der nächste, der der Rede wert ist, kommt auf Seite 56 in Gang … und so geht das den ganzen Band lang weiter. Überall da, wo man so schön durch direktes Nah-Herangehen an die Szene die Atmosphäre hätte einfangen, Zweifel, Amüsement, Humor, Nervosität und Sehnsucht hätte ausdrücken können, fliegt Vina Jackson wieder über den Handlungskontext dahin.

Überflieger-Perspektive, wieder einmal oder immer noch. Ich fürchte letzteres und nehme an, das wird auch nicht mehr bes­ser werden. Warum? Weil das „Erfolgsrezept“ ja mit dieser Er­zählperspektive perfekt funktioniert hat für oberflächliche und literarisch nicht sonderlich gebildete Leserkreise. Seufz!

Ich seufzte und las weiter, halbwegs dadurch besänftigt, dass zumindest eine durchgängige Erzählperspektive existierte. Luba – Lubow ist in meinen Augen nun wirklich kein sonderlich attrak­tiver Frauenname und wirkt hier eher wie eine Verlegenheitslö­sung (vielleicht, weil die Autoren wiederholt gefragt wurden, was neckischerweise in diesen Band projiziert wird, ob „Luba“ ein Künstlername sei)5 – nun, Luba also erweist sich als ein deutlich sorgfältiger ausgearbeiteter Charakter als etwa Domi­nik in den ersten drei Bänden, und in meinen Augen ist unüber­sehbar, dass der Roman primär von einem Teil des Duos, mut­maßlich dem weiblichen, verfasst wurde. Wahrscheinlich auch eher nicht auf Reisen, sondern relativ stationär an einem Ort.

Noch immer gibt es keine Erklärung für die willkürlichen „80 Days“, während sich zumindest ein wenig bemüht wurde, dies­mal das „Amber“ im Originaltitel für Bernstein begreiflicher zu machen (das mindestens kann als geschickt gemacht gelten). „Farbe des Verlangens“ ist nach wie vor schwammig und nichts­sagend. Dass der geistlose Werbeslogan des „Look Magazines“, der schon die ersten drei Bände zierte, hier wieder bemüht wird, ist ermüdend und unnötig, weil immer noch kaum zutref­fend. Man kennt analoge Vorgehensweisen von anderen Verla­gen, wo etwa Dan Simmons von Stephen King überschwänglich angepriesen wird (auf verschiedenen Romanen mit höchst ver­schiedenem Niveau), stets mit denselben euphorischen Worten.

Aber es kann gleichwohl nach der Lektüre zugegeben werden: dieser Band ist durchaus solider geschrieben als die Vorgänger­bände … wenn man auf einen dreihundertseitigen Monolog ei­ner durchaus melancholischen ukrainischen Tänzerin steht. Wirklich zu „packen“ versteht mich dieser Band aber auch nicht recht. Da gibt es doch deutlich spannenderen Stoff, der glaub­würdiger inszeniert ist. Ich denke da etwa an die Autorin Eden Bradley, von der ich kürzlich einen Roman auslas, der sehr viel glaubwürdiger und lebendiger argumentiert.6

Ich werde schauen, was ich zu den abschließenden zwei Roma­nen dieses Zyklus zu sagen habe, deren Lektüre noch ansteht.7 Jedoch scheint bereits festzustehen, dass die Qualität dieses Zy­klus als maximal mittelmäßig einzustufen ist. Wer nämlich fast 1500 Seiten braucht, um halbwegs in Form zu kommen, der sollte mal bei den Profis in die Schule gehen, die auf 300 Seiten mehr Faszination zu wecken verstehen und lebendiger und glaubwürdiger schreiben als in den obigen Romanen zusam­men. Da besteht doch irgendwie eine klare Dysbalance zwi­schen Autorenbefähigung und Lesererwartung, dem die Autoren besser entsprechen sollten.

© 2017 by Uwe Lammers

Noch eine Ergänzung meinerseits zum letzten Fußnotenkom­mentar: Ja, es gab noch zwei weitere Teile. Aber die habe ich mir dann gar nicht mehr angeschaut. Warum auch? Wenn mir die ersten vier Bände schon nicht gefallen haben, weshalb sollte ich mir dann den Schrott auch noch antun und ihm kostbare Le­sezeit und Lebenszeit opfern? Falls ihr also zu den Romanen noch Rezensionen sucht, müsst ihr leider anderweitig danach fahnden. Hier gibt es die nicht.

In der kommenden Woche werden wir dann mal wieder zu Clive Cussler zurückkehren. Das ist dann für längere Zeit der letzte aktuelle Cussler-Roman … danach fange ich mit der Bespre­chung einer sehr viel älteren Serie an, die mich lange beschäfti­gen wird. Dazu sage ich dann Näheres im Blogartikel 579.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

(BS, 3. Januar 2026)

1 Vgl. dazu die Sammelrezension zu den genannten ersten drei Bänden, 2017, im Rezensions-Blog 572 vor vier Wochen.

2 Seinen vollen Namen erfährt man, wenn ich das richtig erinnere, tatsächlich erst in diesem Band auf Seite 223 … nachdem schon über tausend Seiten von ihm geschrieben wurde. Peinlich, um es vorsichtig zu sagen. Und dabei bleibt es auch diesmal nicht.

3 Ich schätze aber mal, dass der Name korrekt „Schewtschenko“ hätte geschrie­ben werden müssen, auch macht der Klappentext aus ihr ungeniert eine „Rus­sin“, wogegen die Ukrainer sicherlich vehementen Protest einlegen würden …

4 Chey bekommt im gesamten Roman keinen Nachnamen, soweit ich das sehen konnte … ein absolutes No-Go für Hauptpersonen, und er ist eine Hauptper­son!

5 Aber da kann man mich natürlich gern korrigieren, ich kenne mich mit ukraini­schen Mädchennamen nun wirklich nicht aus. Das Obige ist jetzt so ein Bauch­gefühl.

6 Die Rede ist von „Dunkle Sehnsucht“, 2014. Rezension in Vorbereitung.

7 Wieso ich JETZT noch von zwei Romanen spreche? Weil entgegen der Ankündi­gung im Umschlag des Buches nicht nur fünf Teile existieren, sondern deren sechs. Überraschung!!!

Liebe Freunde des OSM,

ja, heute gibt es mal zum Silvestertag eine kleine Neuerung – ich schreibe den Blogartikel, der das Resümee des Monats De­zember 2025 zum Thema hat, tatsächlich schon am letzten Tag des Jahres. Der Grund dafür liegt meines Erachtens durchaus auf der Hand: Ich werde heute nahezu ausschließlich an Brief­korrespondenz arbeiten, die ich zu einem guten Teil bis zum An­bruch des Neujahrsmorgens beantworten möchte. Also kann ich mit Fug und Recht davon ausgehen, dass die kreative Werke für dieses Jahr jetzt schon „in trockenen Tüchern“ sind, wie man sagt. Also kann ich diese Zeilen auch schon ein paar Stunden vor Ablauf des Jahres 2025 verfassen. Ihr bekommt sie dann am 30. August 2026 frisch online serviert.

Mit 27 fertig gestellten Werken in diesem Monat kann ich wirk­lich sehr zufrieden sein. Üblicherweise gelingt das im Dezember eher selten … Weihnachten ist hier eine ziemliche Schreib­bremse, da viel Energie für Weihnachtspost abgezogen wird. Dieses Mal hielt sich das erfreulich in Grenzen … freilich mit der Konsequenz, dass der Mailberg regelrecht zum Monatsende ex­plodiert ist. Was ja der Grund dafür ist, weshalb ich heute so viele Mails und Briefe schreiben werde. Ihr merkt hieran: Auch ohne Social Media-Accounts und ständiges präsent sein in den medialen Kanälen habe ich wirklich gut zu tun. Mein Entschluss, weiterhin diese Medien links liegen zu lassen, wird dadurch eher noch bestärkt.

Sehen wir uns die Dezember-Lese mal im Detail an:

Blogartikel 677: Work in Progress, Part 156

23Neu 99: Zeichen der Matrix

23Neu 101: Silberne Blitze über Theben

23Neu 100: KRIEG DER BAUMEISTER

(OSM-Wiki)

(Glossar der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“)

(Lexikon der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“)

23Neu 102: Inkas im Labyrinth

20Neu 47: GRAUSTERN

(Die Kolonie Saigon II – Erotic Empire-Roman)

20Neu 46: Die Transmitterbrücke

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“)

(20Neu 48: Donnerschlag zwischen den Sternen)

23Neu 103: Zeitflucht

(20Neu 49: Ultimatum an die MACHT)

Anmerkung: Ihr ahnt schon an den dramatischen Titeln, dass diese Serie um Band 50 herum auch einen fulminanten Höhe­punkt erlebte, und diese Vermutung ist zutreffend. Im Rahmen der „Close Up-Artikel“ werde ich euch beizeiten Detaillierteres dazu sagen können. Vorher gilt es allerdings, die KONFLIKTE 17 und 18 durchzunehmen. Da KONFLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ seit 1991 noch in Arbeit ist, werde ich dann zu der nächsten abgeschlossenen Serie weiterspringen, und das ist eben KONFLIKT 20 „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“. Ich will mich ja nicht selbst in Zugzwang bringen. Dass das nicht funktioniert, habe ich längst erkannt.

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger)

Ullikummi II – OSM-Story (Überarbeitung)

(Glossar der Serie Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Scher­gen)

23Neu 104: DAS INFERNO

Anmerkung: Mit Band 104 ist der fünfbändige Zyklus um den „Krieg der Baumeister“ tatsächlich vollständig in diesem Monat digitalisiert worden. Aber ich schrieb ihn natürlich anno 1992 ursprünglich. Und wenn ihr euch daran erinnert, dass diese Serie erst mit Band 147 abgeschlossen ist, dann könnt ihr euch leicht denken, dass dieser Krieg lange nicht das Ende dieses Dramas war, ganz im Gegenteil. Aber wie abenteuerlich das bis Sommer 1994 noch werden sollte, was sich in dieser Serie ab­spielte, davon hatte ich, als ich damals Band 104 abschloss, wirklich nicht den geringsten Schimmer … ich freue mich sehr darauf, die diesbezüglichen Episoden im Frühjahr 2026 abzu­schreiben. Bis diese Zeilen hier erscheinen, könnte es gut sein, dass das Seriendigitalisat von KONFLIKT 23 abgeschlossen ist … ihr werdet es erleben.

Silvesterblog 2025

(Beas Freund – OSM-Story)

Anmerkung: In dieser Story, die ich völlig neu aufsetzte, so gut voranzukommen, hat mich tatsächlich nicht eben wenig über­rascht. Die Handlungsführung ist nun deutlich verändert, was der Lebhaftigkeit der Geschichte aber zugutekommt. Da ich an­schließend allerdings von der Suyenka-Geschichte weggespült wurde – das kann man wohl kaum anders nennen – , kam ich nicht dazu, hier weiter zu arbeiten … ein Plan für 2026, wie so viele, die ich im Silvesterblog aufgelistet habe.

23Neu 105: Das Siegelspektrum

Anmerkung: Das Monströse schleicht sich gerne mal mit völlig unverfänglichen Titeln an – das hier ist ein schönes Beispiel. Denn das Siegelspektrum ist alles andere als harmlos. Es ist ein Wesen, das man vielleicht eher als gewissenlose Naturgewalt beschreiben sollte. Getarnt durch den Körper eines schmalglied­rigen Mönchs schleicht es sich ins Herz des Nazi-Imperiums auf der Naziwelt und verfolgt monströse Pläne, die das völlige Infer­no im Gefolge haben. Was allerdings hier noch niemand auch nur im Ansatz ahnt …

(Lexikon der Serie Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Scher­gen)

(23Neu 106: Die Schergen des Krieges)

(Die Suyenka – Archipel-Roman)

Anmerkung: Tja, und das war dann der Überraschungsgewinner in der zweiten Dezemberhälfte. Der ursprüngliche Plan, einfach nur ein aktualisiertes Digitalisat dieser Geschichte herzustellen, was vielleicht zu einer Volumenvergrößerung um 10-15 Seiten geführt hätte, wurde sofort Makulatur, als ich mit der Neuforma­tierung die Geschichte nicht nur aktualisierte, sondern in Rein­skriptform überführte. Und sie wuchs und wuchs und wuchs … dass es wirklich eine echte Wonne war.

Inzwischen umfasst sie 275 Seiten (davon 198 Reinskriptsei­ten), womit sie annähernd doppelt so lang ist wie ursprünglich. Und ich schreibe hier wirklich goldige Dialoge, vertiefe mich in die Persönlichkeiten meiner Protagonisten und Protagonistin­nen, und jüngst – tatsächlich erst gestern, am 30. Dezember 2025 – traf ich die temperamentvolle Nomadenmutter Tamar, die ihren zweitjüngsten Sohn Alnaay ziemlich ordentlich verbal zusammenfaltet … Gott, ich musste ständig so sehr kichern … hinreißend. Die Sozialdynamik dieser Geschichte ist echt gran­dios. Auf die Weiterarbeit daran anno 2026 freue ich mich mächtig.

Glossar der Story „Ullikummi II“

(Glossar des Romans „Die Suyenka“)

Anmerkung: Dieses Glossar gab es im Ansatz natürlich schon. Aber inzwischen sind hier die ganzen Reinskriptseiten verzeich­net, und es hat sehr an Umfang gewonnen, weil ich zahlreiche Begriffserklärungen aus dem Archipel-Gesamtglossar hierhin überführen konnte. Macht schon richtig was her.

(20Neu 50: ÄONENSTURM)

(23Neu 107: Dämonenjagd)

Blogartikel 682: Work in Progress, Part 157

Damit ist dieser Monat Dezember 2025 abgeschlossen und fer­tig für euch aufbereitet. Ich bin sehr neugierig auf den Januar 2026, von dem ich euch im Blogartikel 686 erzählen werde. In der nächsten Woche erzähle ich euch an dieser Stelle erst mal wieder etwas von den Entwicklungsfortschritten des Autoren-Nachlassarchiv-Projekts. Das könnte 2026 tatsächlich erhebliche Fortschritte machen. So meine aktuelle Hoffnung.

Mehr dazu in Bälde.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 575: Staub ferner Sonnen

Posted August 26th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

manchmal ist es wirklich wunderbar, seinen inneren Schweine­hund zu überwinden. Dabei kann man absolut faszinierende Dinge entdecken. So ging es mir heute, als ich von der heute vorzustellenden Storysammlung die letzten beiden Geschichten fast in einem Rutsch weglas (S. 98-207!). Das hatte ich so nicht kommen sehen … und ihr wisst ja bereits, wenn mein Lesetem­po so rasant anzieht, ist das immer ein äußerst positives Quali­tätsmerkmal.

Hier stimmte das ebenfalls.

Aber was war mit dem inneren Schweinehund? Nun … ich hatte die erste Geschichte schon vor Monaten gelesen, und seither zögerte ich, offen gestanden, mir die anderen (längeren) Ge­schichten auch zu Gemüte zu führen. Ich lenkte mich mit Rezen­sionen in Fanzines, Zeitschriftenaufsätzen und anderem ab.

Da es nun aber nur noch wenige Wochen hin war bis zu dem Zeitpunkt, wo ich dieses Buch für den Rezensions-Blog ohnehin aufbereiten wollte, fing ich also gestern an und schmökerte mich durch „Dodkins Job“ … und war total angefixt. Und der Rest folgte dann heute.

Das, was ihr also nun lest, ist, glaube ich, im Grunde genommen unausweichlich gewesen:

Staub ferner Sonnen

(OT: Dust of far Suns)

Von Jack Vance

Heyne 4202, 1985, 208 Seiten

Aus dem Amerikanischen von Lore Strassl

Mit Innenillustrationen von Hubert Schweitzer

ISBN 3-453-31176-0

Jack Vance ist leider schon lange nicht mehr unter uns. Aber sei­ne Werke haben ihn überdauert und finden sich noch reichhaltig und zumeist ungelesen in den Regalen meiner Bibliothek. Von Zeit zu Zeit überkommt mich dann der Rappel und ich ziehe ei­nes der alten Werke hervor, staune über den Erwerbseintrag und fange an zu lesen.

Und immer wieder bin ich am Staunen. Darüber, wie faszinie­rend und wortmächtig Vance exotische Welten, fremde Spezies und schrullige Zeitgenossen charakterisiert, die seine Geschich­ten bevölkern. Noch viel beeindruckter bin ich davon, wie sehr es ihm mühelos gelingt, die Länge von Geschichten vergessen zu machen und den Leser umstandslos hineinsaugt in die Story­line, aus der man nicht aussteigen kann, ehe man die letzte Zei­le gelesen hat. Diese Storysammlung bestätigt das einmal mehr. Auch wenn sie seit dem Kaufjahr 1989 unmögliche 37 Jahre ungelesen im Regal ausharren musste, ehe ich sie binnen 3 Tagen wegschmökerte.

Staub ferner Sonnen“ enthält entgegen der ersten Erwartung keine Story dieses Titels. Stattdessen haben wir es mit vier Ge­schichten zu tun, die zwischen 1955 und 1962 erschienen sind. Wer jetzt hier arglos „altbacken“ oder „verstaubt“ vor sich hin­murmelt und hochnäsig abwendet, der verpasst ein enormes Lesevergnügen, das sei vorangeschickt.

In der ersten Story, „Raumsegler Fünfundzwanzig“ ist es an der Reihe des Raumveterans Henry Belt, einer Gruppe von Jung­spund-Raumkadetten durch eine Mischung aus Missachtung und haarsträubender Herausforderung Schliff beizubringen. Ich gebe zu, ich war nach der Story doch einigermaßen verstört und zö­gerte ein paar Wochen lang, mich in die nächste Geschichte zu wagen. Vielleicht war das klug, vielleicht nicht.

In „Dodkins Job“ verfolgen wir dann den einfachen Arbeiter Luke Grogatch, der einen beispiellosen sozialen Abstieg hinter sich hat. In einer extrem durchorganisierten Gesellschaft, die bis in kleinste Details durchbürokratisiert ist, ist er so ziemlich am un­tersten Ende der Hierarchie angelangt. Tief unten in den Einge­weiden der Stadt ist er als „Versager/Klasse D/ungelernt“ gerade noch gut genug, Gesteinsschutt einer Tunnelbohrmaschine mit der Schaufel wegzukehren.

Als nun eines Tages eine neue Vorschrift herauskommt, derzu­folge jeder Arbeiter sein Arbeitsgerät jeden Tag gereinigt wieder zum Lager zu bringen und am nächsten Morgen dort abzuholen hat (was Grogatch letztlich drei unbezahlte Weg- und Warte­stunden täglich kosten würde), da begehrt er auf. Auch wenn er weiß, dass er damit womöglich seine allerletzten Privilegien aufs Spiel setzt.

Sein Vorarbeiter ist indes uneinsichtig. Für ihn sieht die neue Richtlinie völlig korrekt aus. Dass sie unsinnig ist, vermag er nicht zu erkennen. Also entschließt sich Grogatch, statt sich kleinlaut dem schikanösen Behördendiktat zu unterwerfen, lie­ber die Hierarchieleiter hinaufzuklettern, von einem Sachbear­beiter zum nächsten, um diese zur Zurücknahme der Vorschrift zu bewegen … eine Odyssee von nahezu kafkaeskem Ausmaß schließt sich an. Und ihr Ende … nun, das sei nicht vorwegge­nommen.

Ullwards Zuflucht“ spielt in einer ebenso völlig überbevölker­ten Welt, in der Raum knapp und immer knapper geworden ist und die Menschen froh sein können, überhaupt noch etwas Pri­vatsphäre zu haben. Familienglück zu planen ist gänzlich ausge­schlossen, auf den Listen stehen buchstäblich Milliarden Men­schen vor unserem Protagonisten. Der 300jährige Ullward, die genannte Hauptperson, ist noch vergleichsweise gut dran, er ist dank eines Patents recht vermögend und hat sich ein etwas grö­ßeres Stück Privatgarten geschaffen mit einem echten Baum darin. Als er aber nun hört, dass ein ganzer PLANET jüngst ver­steigert worden ist, der vollkommene Freiheit und unbegrenzte Raumweite verspricht, da setzt er sich mit dem neuen Besitzer in Verbindung, einem Mann namens Mail … und tatsächlich kann er dann auf der neuen Welt, die Mail gehört, einen ganzen Kontinent sein eigen nennen und seine Freunde – auch wenn das für diese sehr aufwändig ist – dorthin einladen. Aber er merkt rasch, dass irgendetwas Grundlegendes nicht stimmt …

Noch bemerkenswerter fand ich „Die Gabe der Sprache“ am Schluss der Storysammlung. Sie spielt auf dem Wasserplaneten Sabria, auf dem Firmen von schwimmenden Plattformen dabei sind, Lebensformen des Meeres auszubeuten. Manche von ih­nen werden künstlich gezüchtet, damit sie im Meerwasser ge­löste Substanzen aufnehmen und einlagern. Beim Wiedereinfan­gen und Schlachten der Organismen werden die Substanzen dann freigesetzt und gesammelt. Zwei Firmen sind dicht neben­einander angesiedelt: Biomineral mit seinem Chef Fletcher ein­mal, zum anderen die Pelagische Wiedergewinnungsstation un­ter ihrem Investor Ted Chrystal, der früher mal für Biomineral gearbeitet hat.

Ach ja, und dann gibt es natürlich auch noch die Dekabrachen … sonderbare Meereslebewesen, die manche mit Nixen verglei­chen, wobei sie zehntentakelige Kopfanaloga besitzen, die sie unbeschreiblich fremdartig machen. Nach Forscherangaben handelt es sich bei ihnen um fischartige endemische Lebensfor­men. Intelligenz ist keine nachgewiesen worden. Und mehr ist für die Arbeiter an der Meeresoberfläche nicht wichtig.

Als allerdings bei Biomineral ein Mitarbeiter spurlos verschwin­det und Fletcher bei der Suche nach ihm fast von einer Art Mee­restentakel in die Tiefe gezerrt wird, beginnt er argwöhnisch zu werden.

Sind die Dekabrachen tatsächlich unintelligent? Warum kommt ihm das zunehmend unplausibel vor? Weshalb wurden Teile der Datenprofile dieser Spezies gelöscht? Und was hat Ted Chrystal zu verbergen? Bald beginnt Fletcher zu verstehen, dass hier schreckliche Dinge vor sich gehen – und es gibt offenbar nur eine Möglichkeit, diesen Geschehnissen einen Riegel vorzu­schieben: Er muss versuchen, mit diesen sonderbaren Wesen Kontakt aufzunehmen. Und ihm läuft die Zeit davon …

Wie eingangs gesagt ist es wirklich erstaunlich, wie lebendig und packend, bisweilen nachgerade grotesk-absurd (Dodkin) diese Geschichten sind, die schon zum Teil über 60 Jahre auf dem Buckel haben. Mich erinnern sie auf schöne Weise an die Klassiker von Ray Bradbury. Und einige der Themen sind ja auch wirklich zeitlos – Erstkontakte mit wirklich fremdartigen Aliens etwa sind bis heute etwas, was die Science Fiction stark berei­chert, wenn sie gut dargestellt werden. Und auch die bizarren Auswüchse einer Hyperbürokratie, in der alle ohne Hinterfragen selbst die absurdesten Vorschriften ausführen (Hauptsache, die Formulare wurden richtig ausgefüllt und sind rational absolut nachvollziehbar), kann man wohl mit Fug und Recht zeitlos nen­nen. Merke: Das Thema Bürokratieabbau und Obrigkeitshörig­keit ist nichts Neues, das gab es in den 50er Jahren auch schon – ebenso wie scharfzüngige Autoren, die diese Missstände unge­niert mit Hilfe der Abstraktion in einer phantastischen Geschich­te an die Öffentlichkeit brachten.

Ganz klar: Jack Vance und seine Kurzgeschichten lohnen defini­tiv eine Neuentdeckung! Klare Leseempfehlung, auch wenn man diesen Band nur noch antiquarisch erwerben kann.

© 2026 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche folgt noch ein Nachschlag zum Re­zensions-Blog 572. Und das ist dann wirklich auch das letzte Werk, das ich von dem Autorenduo Vina Jackson lesen werde. Schaut es euch an und haltet die Finger davon fern. Die Rezen­sion kann man sich aber antun, glaube ich.

Soviel als kleine Vorwarnung. Ansonsten wünsche ich euch alles Gute und bis demnächst, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

ich weiß, das war schon etwas garstig, euch so lange auf die Fortsetzung dieser Rubrik warten zu lassen, aber es ging eben nicht anders. Immerhin gibt es einen Redaktionsplan einzuhal­ten, der seit Blogartikel 600 klar sagt: alle 10-11 Blogartikel stelle ich einen unveröffentlichten Roman vor, und wenn es sich dabei dann um Zweiteiler handelt, liegen zwischen Teil 1 und 2 eben rund 10 Wochen. So lange müsst ihr dann den Cliff-hanger aushalten. Das wird sich wiederholen, ich kündige das hier schon mal sicherheitshalber an.

Erinnern wir uns an das, was im vergangenen Teil dieser Artikel­serie passierte. Ich stellte da das zweite Romanskript der Serie „Mike Cole“ vor, und es ging da, sechs Handlungsjahre nach dem ersten Band der Serie, im Jahre 2253. Der Lepsonias-Fall (Blogartikel 659) schien abgeschlossen zu sein … doch das er­wies sich als Irrtum:

Im Jahre 2253 entwickelt sich im Geheimen eine Verschwörung gegen das terranische Sternenreich. Drahtzieher ist der sinistre Herrscher von Lepsonias, aber er hat sechs Mitstreiter ge­wonnen, die aus dem Schatten wirken. Wir haben einen rätsel­haften Unbekannten, der sich als Flammenschemen tarnt und Mike Cole in eine Todesfalle lockt, die ihn direkt zusammen mit dem TS-Chef Jean Donnet und der TS-Agentin Barbara Gryde in die Hände des nächsten Verschwörers schickt: den unehren­haft entlassenen General a. D. Francis York, inzwischen sei­nes Zeichens Raumpirat.

Der Finanzier der Verschwörung ist der Magnat Victor Tyrell in seiner Wohnfestung im Erdorbit. An seiner Seite ist der durch genetische Waffen verkrüppelte Ex-Agent Aescyla, kurz Ace genannt. Ein weiterer Mitverschwörer ist der Mutant Paul Co­teur, ein Mann vom Kolonialplaneten Linden, der die terrani­sche Gesellschaft hasst. Er arbeitet zusammen mit dem krimi­nellen Wissenschaftler Douglas Frances, der wegen verbre­cherischer Experimente auf der Flucht ist.

Der Herrscher von Lepsonias verstärkt mit seinen monströsen paramentalen Kräften Coteurs Maschine, mit deren Hilfe er die Seelen von Betroffenen extrahieren und durch den Raum in an­dere Körper implantieren kann. Auf diese Weise wird Mike Coles Seele einer Achterbahnfahrt des Schreckens unterworfen.

Derweil attackieren Yorks Raumpiraten die terranischen Stütz­punkte auf Lepsonias, und der Herrscher des Planeten nimmt Professor Abraham Müller von der Bio-Bewegung ebenso ge­fangen wie die leitenden Beamten des Holzfäller-Lagers. Dann umgibt sich der Planet mit einem massiven paramentalen Schutzschild und ist nicht mehr erreichbar.

Mike Coles Seele, derzeit erinnerungslos, findet sich wieder im Körper eines Mannes auf dem Mond Arctic einer entfernten Ko­lonialwelt namens Zhyor wieder, wo er damit droht, Nuklear­waffen auf den Planeten abzuschießen.

Kurzum: Es sieht richtig furchtbar aus.

Und nun erklärt Lepsonias, der sich als ein lebender Planet er­weist, dem terranischen Reich den Krieg …!

Die Verschwörer scheinen am Beginn dieses Bandes wirklich alle Trümpfe in der Hand zu haben. Niemand kennt den gehei­men Stützpunkt der Raumpiraten Yorks, in dem die meisten un­serer Protagonisten in Haft sitzen. Barbara Gryde wurde para­mental zudem schon so beeinflusst, dass sie zu einer Raumpira­tin „umerzogen“ werden soll.

Das ist der Moment, wo einer der Gefangenen über sich hinaus­wächst – ausgerechnet der gemütlich wirkende, joviale Chef des Terranischen Sicherheitsdienstes (TS), Jean Donnet. Während Lepsonias mit seinen paramentalen Kräften auf dem Mars ein Massaker anrichtet und Tausende von Raumsoldaten auslöscht, befreit sich Donnet aus seiner Zelle und versucht, sich eine Übersicht über die Lage zu verschaffen.

Zu seiner Überraschung führt ein Vertikallift aus der unterirdi­schen Höhlenfestung der Raumpiraten heraus. Aber er führt nicht an die Oberfläche, sondern in eine oberflächennahe Kaver­nenzone, die sich als ein Labyrinth von Gängen und Hallen er­weist, die Zeugnisse einer uralten Alienkultur enthalten. Hier hat Donnet Kämpfe mit Raumpiraten auszustehen … und dann wird er im Labyrinth der Gänge mit einer unheimlichen para­mentalen Macht konfrontiert, die Menschen einfach so von ei­nem Moment zum nächsten in Rauch auflösen kann.

Nach einem schrecklichen Wechselbad induzierter Gefühle kom­munizieren diese lange schlummernden Wesen mit Donnet. Sie sind, erklären sie, die Keer’yav. Wissende nennen sie auch „die Gefährlichen Toten“, die alles attackieren, was nicht so ist wie sie – also eine vergeistigte Entität. Sie machen auch keinen Hehl daraus, dass Donnet als Feind von ihnen eingestuft wird.

Dennoch lassen sie ihm in Maßen Unterstützung angedeihen, weil sie wünschen, dass die menschliche Präsenz auf ihrer Hei­matwelt endet.

Und dann erkennen sie in Donnets Gedanken, dass die Mensch­heit sich mit dem Herrscher von Lepsonias angelegt hat … und es wird ersichtlich, dass die Keer’yav Lepsonias und Wesen sei­ner Art aus der Zeit eines uralten Sternenkrieges sehr gut ken­nen.

Die Gefährlichen Toten schelten Donnet stellvertretend für die Menschheit aus. Es sei absolut unverantwortlich, die alten Schrecken der Vergangenheit zu wecken, und es würde wahr­scheinlich nun zum Ende des irdischen Imperiums führen … doch für den Moment geben die Keer’yav den positiven Kräften der Menschheit Rückendeckung.

Alsbald zeigt sich, wie weit die ungeheuerliche Macht der Keer’yav reicht: Sie transmittieren Mike Cole direkt vom fernen Mond Zhyor zurück zur Korsarenwelt. Außerdem vereiteln sie ei­nen weiteren Anschlag des Herrschers von Lepsonias, der dar­aufhin die Natur des neuen Feindes sogleich ebenfalls erkennt – und York ultimativ auffordert, den akut gefährdeten Stützpunkt zu räumen. Dieser gehorcht eher widerwillig.

Auch Douglas Frances, dessen Seelentransplantations-Maschine durch die Keer’yav kurzgeschlossen wird und nicht mehr ein­setzbar ist, muss seinen Stützpunkt auf der Wasserwelt Cynt aufgeben. Er ist ebenfalls nicht begeistert davon.

Mike Cole trifft, zurückgekehrt auf die Korsarenwelt, auf einen herkulischen Killer, der Arne gerufen wird und ihn im Zweikampf beinahe umbringt. Allein York verhindert das und will ihn lieber selbst liquidieren … was nicht gelingt, da Jean Donnet im letzten Moment erscheint.

Doch die Hoffnung, nun wenigstens einen der Rädelsführer ge­fasst zu haben, ist trügerisch. Der Herrscher von Lepsonias transmittiert York vor ihren Augen davon. Und dann müssen die beiden Freunde auch schon flüchten, ehe der Stützpunkt in die Luft fliegt. Sie entkommen nur um Haaresbreite.

Zwischenzeitlich hat der Herrscher von Lepsonias allerdings den Erdpräsidenten ermordet, und ein Geschwader von Schiffen der Raummarine über Lepsonias ausgeschaltet. Allein an Mike Cole und Donnet prallt der Paraangriff ab, da die Keer’yav sie noch immunisieren.

Und dann … löst sich zu ihrem großen Unglauben der gesamte Planet Lepsonias auf und transmittiert sich fort, als wäre er selbst ein Raumschiff!

Mike Cole versucht danach, zumindest den einflussreichsten Rä­delsführer, den Medienmogul Victor Tyrell, dingfest zu machen. Aber ihm wird desillusionierend erklärt, dass es keine handfes­ten Beweise gegen Tyrell gibt.

Am Schluss stehen die Freunde also fast wieder am Anfang: der lebende Planet Lepsonias, eine Macht aus der uralten Vergan­genheit, die den Untergang des irdischen Sternenreichs wünscht, ist unbekannt verschwunden. Mit Tyrell, Douglas Fran­ces und General York sind drei der sechs Verschwörer gegen die Menschheit bekannt. Einer ist juristisch offenbar unangreifbar, die anderen beiden untergetaucht. Und von den restlichen drei Feinden weiß ohnehin noch keiner. Barbara Gryde ist verschol­len, alle Menschen auf Lepsonias tot. Und mit den Keer’yav ist eine weitere Alien-Macht aus der Urzeit aufgetaucht, die defini­tiv feindselig und so machtvoll wie der Herrscher ist.

Außerdem sind rätselhafte Fragen aufgetaucht.

Was ist das für ein Krieg vor Urzeiten gewesen, der in der Gala­xis getobt hat? Was für Kräfte, Völker und Personen waren daran noch beteiligt außer den lebenden Planeten a la Lepsonias und den Keer’yav? Was ist das für ein geheimnisvolles „Kosmos-Tor“, das die Keer’yav einst durchschritten und das ihnen ihre heuti­ge Macht verliehen hat?

Außerdem hat sich auch eine Facette der biografischen Vergan­genheit bei Jean Donnet gezeigt, die noch Konsequenzen zeiti­gen wird: Er ist vor Jahrzehnten, während des furchtbaren Ge­netischen Krieges zu einem Genetischen Krieger ausgebildet worden. Und er fürchtet, dass noch wesentlich mehr Personen aus jener Zeit – man könnte sie die Nazis des frühen 23. Jahr­hunderts nennen, nur dass sie massive Genoptimierung und die Perfektionierung genetischer Vernichtungswaffen betrieben – unerkannt in der menschlichen Gesellschaft leben.

Er sorgt sich mit Recht darum, dass diese Leute sich mit der Overkill-Verschwörung verbünden könnten, um eine neue Feind­front innerhalb des Imperiums aufzubauen. Jean Donnet wird bald erkennen müssen, dass diese Sorge alles andere als sub­stanzlos ist.

Ihr merkt: Es bleibt heftig abenteuerlich. In acht Wochen erfahrt ihr mehr. Nächste Woche erzähle ich euch von meiner Kreativausbeute des Monats Dezember 2025.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 574: Perfect Touch 3 – Ergeben

Posted August 19th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Milliardäre wachsen nicht auf Bäumen, soviel sollte uns allen klar sein. Serien, also, in denen reihenweise ledige Milliardäre auf humorvolle, originäre Weise unter die Haube gebracht wer­den, oftmals mit Partnerinnen, die scheinbar so überhaupt nicht passen, landen notwendigerweise darum in der Kategorie Ko­mödie. So ist das auch mit Jessica Clares Serie „Perfect Touch“, deren dritten Band ich euch heute vorstellen und ausdrücklich als Lektüre empfehlen möchte.

Wer diese Serie und ihren Vorgänger „Perfect Passion“ schon kennt, wird vermutlich kaum sehr überrascht sein, dass ich ihn mit viel Gekicher und großem Vergnügen in Rekordtempo weg­geschmökert habe. Diesmal vielleicht noch mehr, weil wir faszi­nierend bizarre Widersprüche darin finden können.

Auf der einen Seite eine Reality-TV-Parallelwelt, auf der anderen Seite eine zutiefst traumatisierte Frau mit jeder Menge Proble­men (die man ihr nicht ansieht). Und als dann eine Scheinehe arrangiert werden soll, tauchen noch mehr Probleme auf … aber schaut euch das lieber mal selbst genauer an.

Vorhang auf für:

Perfect Touch 3 – Ergeben

(OT: The Billionaire takes a Bride)

von Jessica Clare

Bastei 17578

336 Seiten, TB (2017)

Aus dem Amerikanischen von Kerstin Fricke

ISBN 978-3-404-17578-9

Wer Fan von Reality-TV-Shows sein sollte, für den ist diese Ge­schichte wohl eher nichts. Wer hingegen Familienshows wie die der Kardashians für eine recht absurde Entartung des modernen Fernseh-Entertainments ansieht, könnte sich hiermit sehr gut unterhalten. Da ich mich selbst eher zu letzterer Fraktion rech­ne, konnte ich mich mit dem vorliegenden Roman gut anfreun­den – umso mehr, als er ein paar wirklich sensible gesellschaftli­che Bereiche tangierte, wie das meist mit Jessica Clares Bü­chern der Serien „Perfect Passion“ und „Perfect Touch“ der Fall ist. Wer die bisher acht Bücher der Reihen gelesen hat, wird die­se Anspielung gewiss richtig einzuordnen wissen.

Worum also geht es im vorliegenden Buch? Natürlich um einen Milliardär und eine Frau, soviel steht von Anfang an fest. Aus­gangspunkt ist, wie schon in „Perfect Touch 1“, die in Planung befindliche Hochzeit von Gretchen Petty und ihrem Geliebten, dem narbigen Milliardär Hunter Buchanan. Wie erinnerlich hat sie dazu eine Reihe von Freundinnen als Brautjungfern auserko­ren und aus Hunters Bekanntschaft die passenden „Matches“ dazu gesucht. Auf diese Weise kam bereits Magnus Sullivan („Perfect Passion 2“) unter die Haube. Nun ist die Reihe am nächsten Kandidaten.

Der junge und sehr gut aussehende Sebastian Cabral ist eigent­lich eher unverhofft Milliardär geworden, ohne dafür ein erfolg­reiches eigenes Unternehmen zu besitzen. Er ergibt sich dem Müßiggang, ist Hunters Kletterkollege beim Climbing, und an­sonsten versucht er nach besten Kräften, seiner eigenen Familie aus dem Weg zu gehen, die ihn ohnehin nicht so akzeptiert, wie er ist. Infolgedessen macht er aus seinen wichtigsten Wesens-zügen ein Geheimnis und verschließt sie sorgfältig vor der Außenwelt, um nicht durch herablassende Kommentare verletzt werden zu können.

Sebastian hat guten Grund, so zu reagieren. Denn seine Familie, allen voran seine Mutter, ein ehemaliges Model namens Eliza­beth Cabral, ist inzwischen wieder eine Berühmtheit – auch das kam eher unerwartet. Nachdem ihr Stern im Anschluss an die Heirat und Familiengründung im Sinken begriffen war, sie dies aber nicht als unabwendbares Schicksal akzeptieren wollte, hat sie damit begonnen ihre eigene Reality-TV-Show zu realisieren, „The Cabral Empire“.

Selbst ihr Sohn Sebastian war völlig überrascht davon, dass die­ses TV-Format so einschlug. „The Cabral Empire“ ist ein un­glaublicher Quotenrenner, und quasi jede Minute ihres Lebens wird Elizabeth Cabral von Kameramännern und Mikrofonen be­gleitet. Privatsphäre? Unbekannt. Jeder, der sie besucht, wird in die Serie eingemeindet. Jeder, mit dem sie sich blicken lässt, wird in die Serie eingemeindet. Alles wird als Event zelebriert und gesendete.

Als „Mama Precious“ vermarktet sie so ihr ganzes Leben, ihre Schönheits-OPs, ihren alten und etwas hinfälligen Mann, den achtzigjährigen portugiesischen Milliardär, der in der Show „Daddy Money“ genannt wird, und auch den Rest der Familie. Sebastians Geschwister sind vollkommen eingemeindet, dito seine vormaligen Anwälte (!), und inzwischen versucht auch sei­ne frühere Freundin Lisa Pinder-Schloss, sich einen festen Platz in der Serie zu erobern.

Sebastian will mit alledem rein gar nichts zu tun haben!

Mit Lisa hat Sebastian schon vor zwei Jahren Schluss gemacht, weil er diese in absurde Schönheitsoperationen vernarrte Frau einfach nicht mehr ertragen konnte – jetzt aber macht ihn sein Anwalt darauf aufmerksam, dass die neue Storyline der Show darauf abzielt, Sebastian und Lisa wieder zusammenzubringen. Was das Allerletzte ist, was er will.

Er sucht einen Ausweg.

Der Zufall will es, dass dieser Ausweg geradewegs auf ihn war­tet, und zwar in Gestalt der bildhübschen Chelsea Hall, einer jungen und eher nicht so erfolgreichen Seifensiederin in New York, der er auf Gretchens Hochzeitsvorbereitungstreffen als Tischpartner zugeteilt wird. Sie scheint tatsächlich absolut per­fekt zu sein, weil sie sich von Anfang an sympathisch sind … aber Chelsea verhält sich in mancherlei Hinsicht sehr seltsam.

Sie trinkt niemals Alkohol.

Sie fühlt sich in Gruppen von fremden Menschen höchst unwohl und verkriecht sich in eine Ecke des Raumes.

Sie lässt Tag und Nacht jedes erdenkliche Licht in der Wohnung an.

Und sie hat beunruhigende blaue Flecken und andere Blessu­ren, die Sebastian bei der ersten Begegnung auf einen gewalt­tätigen Freund zurückführt.

Er liegt vollkommen falsch.

Allein um den Nachstellungen seiner penetranten Familie zu entgehen, schlägt Sebastian ihr kurze Zeit später spontan vor, sie könnten ja heiraten. Denn dann müsse Lisa ihre Versuche offenkundig aufgeben (worin er sich täuscht). Chelsea ist an­fangs verdattert und verstört, aber als sie sich darauf einigen, dass das eine Scheinehe mit einer Dauer von zwei Jahren sein soll und Sex explizit ausgeschlossen ist, beginnt ihr die Idee zu­zusagen.

Dass das erst recht sehr beunruhigend ist, fällt Sebastian erst später auf.

Dass sie primär deshalb darin einwilligt, weil ihr zuhause fast buchstäblich die Decke auf den Kopf fällt und sie Panikattacken erleidet, begreift Sebastian erst deutlich später. Dass sich ihr Wesen vollständig verändert, wenn es um sie herum dunkel wird und keine Lichtquelle in der Nähe ist, stellt er fest, als auf ihrer Hochzeitsreise in New Orleans das Licht ausfällt und er ei­nen ihrer Panikanfälle hautnah miterlebt.

Spätestens von dem Moment an ist ihm klar: seine süße Chel­sea, seine Ehefrau auf Zeit, hat ein dunkles, traumatisches Ge­heimnis, über das sie aber auch nicht reden will. Und ein weite­res Problem kommt schnellstens hinzu: die Scheinehe soll abso­lut platonisch sein, ja? Für Chelsea ist das in Ordnung. Aber Se­bastian entdeckt sehr rasch, dass er ein gottverdammter Heili­ger sein muss, wenn er Sex kategorisch ausklammert, wie er es versprochen hat. Wie zum Teufel soll das gehen, wenn sie sich jede Nacht warm an ihn kuschelt und um den Verstand bringt …?

Und warum empfindet sie selbst dabei rein gar nichts …??

Mit dem vorliegenden Roman streift die Autorin die unheimli­chen und verstörenden Tiefen posttraumatischer Störungen nach sexuellen Übergriffen – nicht erst seit den Zeiten der „#MeToo“-Debatte ist dieses Thema von enormer Bedeutung, und die hier vorhandenen Dunkelziffern dürften beträchtlich sein. Das liegt einfach nahe – ganz so wie in Chelseas Fall schä­men sich viele Opfer, über diese grässliche Erfahrung zu spre­chen, und die mitunter wirklich sexistischen Vorurteile meist männlicher Zuhörer in diesen Fällen („Sie hat es doch offen­sichtlich gewollt …“) machen die Aufarbeitung dieses Traumas nicht leichter.

In Chelseas Fall verbindet sich das – durchaus nicht unplausibel – letzten Endes mit einer Form von Fetischismus und zweiter Identität, die mich ein wenig an amerikanische Superheldenco­mics erinnerte. Man kennt solche Sujets etwa von Superman. Im zivilen Leben als biederer, schüchterner Clark Kent unterwegs, als Superman alias Kryptonier Kal-El hingegen furchtlos, uner­messlich stark und bereit, sich in jedwede Gefahr zu stürzen. Sehr ähnlich läuft das im Fall Chelsea, nur geht das bei ihr in den Sportbereich, und das auf eine sehr vergnügliche Weise.

Auch wenn mir die Lösung in diesem Fall ein wenig schematisch vorkam, fand ich die Art und Weise, in der die Autorin Chelseas Trauma feinfühlig ausformulierte, sehr passend. Dies dann noch mit der schrillen Reality-TV-Show zu kombinieren, das passte ir­gendwie sehr gut zusammen.

Ein äußerst kurzweiliger Roman, romantisch wie immer, und be­völkert von durchaus lebendigen und sympathischen Charak­teren. Es gibt eigentlich nur eine Schwierigkeit, die übrigens auch auf „Perfect Passion 2“ zutrifft: indem Clare dort immer wieder auf ein paar weitere Personen anspielt – namentlich auf Greer und Taylor und ihre männlichen „Matches“ – , greift sie der Handlung von „Perfect Passion 4“ und „Perfect Passion 5“ vor. Es gibt infolgedessen hier auch eine Inhaltsüberlappung mit Band 2 der Reihe.

So pfiffig es also auch für die Autorin ist, neue Milliardäre aus dem Hut zu zaubern (und neue Frauen), indem sie gewisserma­ßen Gretchens und Hunters Freundeskreis „plündert“, so wirkt das doch ein bisschen mehr gestellt als noch in „Perfect Passi­on“. Da es indes ebenso unterhaltsam ist, würde ich dies für ei­nen lässlichen Fehler halten, der beim stürmischen Lesen der Bücher kaum weiter auffällt.

Klare Leseempfehlung daher.

© 2019 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche geht es zurück in kosmische Weiten. Ich bespreche einen schon etwas angestaubten Storyband eines weiteren phantastischen Literaten, der leider ebenfalls schon lange von uns gegangen ist. Seine Geschichten gehören aber meines Erachtens zum bleibenden und lesenswerten Kulturerbe der Menschheit.

Näheres in sieben Tagen an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.