Rezensions-Blog 186: Höllenjagd

Posted Oktober 16th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wer den Namen Clive Cussler über all die Jahrzehnte nur und nahezu aus­schließlich mit Dirk Pitt, Albert Giordino und der NUMA in Verbindung brachte – oder neuerdings dann eben auch mit Kurt Austin und Joe Zavala (ebenfalls von der NUMA) bzw. Juan Cabrillo und der OREGON1, der wird von diesem Roman so überrascht werden, wie ich es wurde, und zwar, so denke ich, ausschließlich positiv.

Wir befinden uns im Jahre 1906, also im sehr frühen 20. Jahrhundert, und eine Serie von Banküberfällen hält die Vereinigten Staaten in Atem. Die Kriminalistik befindet sich nach wie vor in den Kinderschuhen, so etwas wie Serienverbre­cher sind weitgehend unbekannt, Fahndung über die Grenzen der Bundesstaa­ten sind… sagen wir… wenigstens schwierig. Ganz besonders in den USA. Da versuchen die lokalen Behörden natürlich alles, um sich selbst zu profilieren, und der Verbrecher, der so genannte „Schlächter“, trickst sie konsequent stän­dig aus.

Schließlich schlägt also die Stunde der privaten Van-Dorn-Agency und ihres bes­ten Ermittlers, des jungen, temperamentvollen und technikversessenen Isaac Bell. Hier lernen wir ihn erstmals kennen – ihn und einen gnadenlosen Feind, der keine Skrupel kennt.

Auf in dieses Abenteuer, Freunde:

Höllenjagd

(OT: The Chase)

Von Clive Cussler

Blanvalet 37057

448 Seiten, TB

ISBN 978-3-442-37057-3

Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kempen

Man nennt ihn den Schlächter – einen skrupellosen Verbrecher ohne Gesicht, der im Jahre 1905 immer wieder Banken ausraubt und jeden umbringt, den er dabei antrifft. Anschließend löst er sich offensichtlich wie ein Geist in Luft auf, und weder von dem Verbrecher noch von seiner Beute findet man jemals wie­der eine Spur. Der Überfall auf die Bank in Bisbee, Arizona, ist sein fünfzehntes oder sechzehntes Verbrechen, und er bringt dabei zwei Bankangestellte und eine Passantin um.

Dies ist der Moment, als die Regierung der Vereinigten Staaten endlich be­schließt, dass die Jagd auf das Ungeheuer eröffnet werden muss. Sie beauftragt die Van-Dorn-Detective-Agency damit, den Schlächter zu jagen und zur Strecke zu bringen. Detektei-Gründer Joseph Van Dorn betraut damit seinen besten Mann, Isaac Bell.

Bell, ein rastloser, attraktiver Junggeselle Anfang Dreißig, unterscheidet sich von den üblichen Detektiven in wesentlichen Punkten. Entscheidend ist, dass er es eigentlich gar nicht nötig hätte, diesen Job zu tun. Er ist Spross einer Bankiersfa­milie und hätte im Grunde genommen Karriere in der elterlichen Bank machen können. Doch Bell zieht es hin zum Abenteuer. Er ist erfüllt von einem starken Gerechtigkeitsgefühl, liebt die intellektuelle Herausforderung, raffinierte Ver­brecher zur Strecke zu bringen und dabei die Spesen selbst zu tragen, schließ­lich ist er vermögend genug. Außerdem gehört er zu den handwerklich versier­ten Technikern und Bastlern, die sich neue Errungenschaften der Technik gern aneignen und benutzen, beispielsweise moderne Automobile. Und wie das bei Cussler stets so ist, spielen natürlich die technischen Gimmicks immer eine ganz besondere Rolle, auch in diesem Roman.2

Gleichwohl: als Bell seine Zentrale in Denver, Colorado, aufschlägt, um hier mit Hilfe einer kleinen Gruppe von Van Dorn-Agenten die Fährte des Schlächters zu verfolgen, ist es zunächst, als stochere man im Nebel. Niemand weiß, wie der Verbrecher aussieht, da er nie Zeugen lebend zurücklässt. Alle Sheriffs und Marshals, die nach den Banküberfällen ermittelt haben, tappten gleichfalls im Dunkeln. Isaac Bell merkt, dass die intellektuelle Herausforderung diesmal un­gleich höher ist als bei allen anderen Kriminellen, die er bereits gefasst hat.

Er sucht die Schauplätze der letzten Verbrechen auf und ist relativ bald über­zeugt davon, dass ein paar Fakten klar zutage liegen – der Schlächter ist ein hochintelligenter, sehr berechnender Mann, der als Einzeltäter arbeitet und of­fenkundig seine Ziele in Verkleidung vorher sorgfältig ausspäht.

Ein wenig wie Sherlock Holmes vorgehend – was einen wesentlichen Reiz des Romans ausmacht, wie ich fand – , versucht sich Bell in den Kopf des Verbre­chers hineinzuversetzen und kleinste Details zu einem Puzzle der feindlichen Persönlichkeit zusammenzubauen. Man bedenke allerdings, dass das alles zu ei­ner Zeit geschieht, als Fingerabdrücke noch fast eine fremde Wissenschaft dar­stellen. So etwas wie Fahndungskarteien existieren nicht, das Modernste an Kommunikationstechnik ist das Telegrafennetz. Flugzeuge und zumeist auch Au­tomobile sind quasi nicht vorhanden, und es grenzt an Zufall, wenn eine Bank einmal die Nummern ihrer Banknoten aufschreibt.

Doch in der Selbstüberschätzung begeht der Schlächter Fehler, winzige zumeist, und jeder würde sie übersehen. Isaac Bell, der selbst durchaus nicht fehlerlos ist, bemüht sich aber, jeden davon zu finden und den intellektuell Furcht erre­gend überlegen scheinenden Gegner in die Enge zu treiben. Dabei stößt er auf eine aufregende, rothaarige Schönheit, die sich Rose Manteca nennt und an­geblich eine Farmerstochter aus Los Angeles ist (eine Identität, die sich als falsch herausstellt und Bell misstrauisch werden lässt), die ihn schon recht gut zu kennen scheint. Und dann entdeckt er, wer der Schlächter ist, was ihn freilich fast das Leben kostet – und es ist ein Mann mit einem absolut untadeligen Ruf, der in seiner Heimatstadt vollkommen unangreifbar ist, in San Francisco.

Jedenfalls gilt das bis zum 18. April 1906 um 5.12 Uhr morgens… denn dann geht für die Bewohner der Stadt buchstäblich die Stadt unter – im verheerends­ten Erdbeben des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.3 Aber das ist nur der Start­schuss für den Showdown…

Clive Cussler hat mit Isaac Bell einmal mehr ein alter Ego von sich geschaffen, wie weiland mit Dirk Pitt von der NUMA. Mit dem der Van-Dorn-Agency schuf er zudem gleich eine fiktive Detektiv-Agentur, die er nach dem Vorbild der rea­len Agentur Pinkerton gestaltete. Und er konnte in dieser Zeit und diesem Meti­er endlich einmal aus dem Vollen schöpfen und seine Begeisterung für die Früh­zeit des amerikanischen Traumes ausbreiten. Oldtimer fahren als hochmoderne Fahrzeuge auf Amerikas Straßen, uralte Motorräder knattern als neumodische Errungenschaften durch die Städte, und ansonsten erlebt man Kutschen, Pfer­defuhrwerke, in San Francisco die Straßenbahnen, Elektrifizierung ist etwas sen­sationell Neues. Jack London und Enrico Caruso laufen dem Leser über den Weg, und die ganze Welt des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts erwacht auf faszinierende Weise wieder zu neuem Leben.

Ich schätze, Cussler hat es wirklich großes Vergnügen gemacht, den Roman zu schreiben. Er liest sich – wie in meinem Fall – mühelos in vier Tagen, so packend und durchaus raffiniert ist er gemacht. Manche Winkelzüge lassen sich zwar ohne weiteres voraussehen, aber dann wieder kommt man nicht umhin, wech­selweise vor der Raffinesse des Detektivs UND seines Widersachers den Hut zu ziehen.

Während man rasch mit Isaac Bell und seinem lässigen Lebensstil warm wird, fasziniert auf der anderen Seite die menschenverachtende Kaltblütigkeit und die berechnende Seelenruhe des Verbrechers, der sich unbesiegbar glaubt und zugleich offenkundig süchtig nach dem „Kick“ ist, den er erlebt, wenn er wieder Geld raubt und nach und nach mehr als 40 Menschen umbringt. Das Ende ist denn auch schrecklich und irrational – nicht zuletzt, weil ihn ein Element um den Sieg betrügt, mit dem er nicht gerechnet hat. Was genau das ist, soll nicht verraten werden. Tatsache ist jedenfalls, dass der Roman hohe Unterhaltungs­qualität aufweist.

Allerdings schätze ich, dass er ursprünglich als Einzelband konzipiert wurde – das beweist der irritierende Prolog, der nämlich am 15. April 1950 (!) spielt, also lange NACH der Haupthandlung. Üblicherweise spielen ja alle von Cusslers Prologen um Jahre, Jahrzehnte oder sogar Jahrtausende VOR der Haupthand­lung. Zu dumm ist es deshalb, dass es noch zwei weitere Isaac-Bell-Romane gibt, von denen „Sabotage“ sogar schon in deutscher Übersetzung vorliegt.4

Ihr ahnt es sicherlich schon – auch zu diesem Werk wird es in absehbarer Zeit einen Lesekommentar geben. Ich bin schon mal sehr neugierig auf das Buch. Also, Isaac Bell, wir sehen uns wieder…

© 2012 by Uwe Lammers

Doch, wenn man sich mal gedanklich Clive Cussler von der NUMA oder auch den Schatzsuchern, dem Ehepaar Sam und Remi Fargo, gelöst hat und mit voller Absicht in diese Zeit eintaucht, dann landet man in einer sehr faszinierenden Epoche, die mit dem Ersten Weltkrieg unwiderruflich untergegangen ist. Einen kleinen, verstörenden Vorgeschmack des grässlichen 20. Jahrhunderts bekom­men Bell und Co. ja schon beim verheerenden Erdbeben von San Francisco in diesem Band.

Außerdem lernt man als Leser allerdings noch ganz andere Dinge kennen: tech­nische Alternativentwicklungen etwa wie das Elektroauto. Oder berühmte bzw. berühmt werdende Zeitgenossen, die hier mal tragende Rollen haben, mal nur als „Sidekicks“ eingeführt werden, um die Story aufreizend zu illuminieren. Man spürt sehr deutlich, wie genussvoll sich Cussler in diese Welt und Zeit eingear­beitet hat, was es ihm für ein enormes Vergnügen bereitete, auf viele der mo­dernen Hilfsinstrumente zu verzichten, die für heutige Ermittler zur Verfügung stehen. DNS-Abgleiche? Internet-Bilddatenbanken der Verbrecher? Super­schnelle Rechenleistung für Verknüpfung komplexer Sachverhalte? Na, da muss man mal downgraden auf Karteikarten, Handschrift, Telegramme und Botenjun­gen. Das sorgt gelegentlich für haarsträubende, aber durchaus plausible Verzö­gerungen im Handlungsablauf und damit für eine erstaunlich wirksame Ver­schärfung der Dramatik.

Doch, das nächste Bell-Abenteuer kommt unbedingt, aber davon berichte ich dann erst im Jahr 2019. Zwischendurch gibt es noch jede Menge anderer inter­essanter Romane, auch von Cussler und seinen Kompagnons, die vorher zu be­schreiben sein werden. Aber wer von Isaac Bell nicht genug bekommen kann… googelt ihn, Freunde. Da ist schon viel erschienen.

In der nächsten Woche stelle ich euch mal eine wirklich alte Rezension vor, in der ich zwei Endzeit-Romane verglichen habe. Welche? Nun, das wird hier und jetzt noch nicht verraten, dazu komme ich in sieben Tagen.

Bis dann, meine Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Und es sollte vielleicht angemerkt werden, dass der Blanvalet-Verlag immer noch nicht gelernt hat, die ver­schiedenen Settings Clive Cusslers zu unterscheiden. Mit einer stumpfsinnigen Einfallslosigkeit werden die Juan Cabrillo-Abenteuer in der Werbung jedes Buches dauerhaft falsch unter die „Helden der NUMA“ rubri­ziert, mit denen er wirklich so gut wie überhaupt nichts zu tun hat. Der Verlag sollte das wirklich endlich mal lernen und die Werbung abändern, er blamiert sich wirklich permanent damit – und das im direkten Umfeld eines Autors, der sich bei ihnen schließlich sehr gut verkauft. Ziemlich peinlich…

2 Cussler selbst hat übrigens in diesem Roman selbst keinen seiner üblichen „Gastauftritte“… wenn man von einer Erwähnung eines früheren Falls von Bell absieht, wo er angeblich einen Verbrecher namens „Big Foot Cussler“ zur Strecke gebracht haben soll. Und im Prolog stößt man auf den vermutlich fast unvermeidlichen Leigh Hunt, einen früheren Freund Cusslers, den er gern in vielen seiner Romane an prominenter Stelle un­tergebracht hat. An manchen Stellen geriet ich allerdings ins Schleudern, so bei der Erwähnung eines Elek­troautos (!) im Jahre 1905, was nicht unmöglich sein mag, aber doch zumindest die meisten Leser so verdut­zen wird wie mich. Schließlich hält man Elektrofahrzeuge ja doch eher für einen Trend aus dem Ende des 20. Jahrhunderts. Es mag freilich sein, dass es diesen Trend als technologische Sackgasse schon 1905 gab (wie halt auch Edison und seine qualvollen Versuche, elektrischen Gleichstrom nutzbar zu machen und Nikola Teslas Wechselstrom zu diffamieren – was den Siegeszug des Wechselstroms nicht aufgehalten hat).

3 Es empfiehlt sich übrigens, als ergänzende Lektüre zu diesem Buch (oder als Vorbereitung) ein packendes Sachbuch zu lesen, nämlich Simon Winchester: Ein Riss durch die Welt. Amerika und das Erdbeben von San Francisco 1906, München 2006. Ich nehme an, da die Originalausgabe von Winchesters Buch 2005 erschie­nen ist und Cusslers Roman auf Amerikanisch im Jahre 2006, dass hier ein direkt inspirativer Zusammenhang besteht.

4 Nachtrag vom 12. Mai 2018: Das ist natürlich eine längst veraltete Information aus dem Gestern. Inzwischen gibt es schon rund ein Dutzend Bell-Abenteuer, da sich der Van-Dorn-Agent und das historische Setting als sehr gut verkäuflich erwiesen haben. Die Romane werden nach und nach gelesen und dann ebenfalls hier rezensiert werden.

Wochen-Blog 293: Der OSM in Gedichtform (9): Das Blut der Matrix

Posted Oktober 14th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute geht es an die Fundamente des Oki Stanwer Mythos, und selbst wenn vieles im folgenden Text, der hier erstmals veröffentlicht wird, kryptisch bleiben wird, seid gewiss, dass ich inzwischen eine sehr gute Vorstellung von den meis­ten Andeutungen habe. Vieles davon ist bereits umgesetzt worden.

In den Kosmologie-Lektionen, den seltenen, habe ich mal erzählt, dass das Uni­versum des Oki Stanwer Mythos aus so genannter „Primärenergie“ erschaffen wurde, dass Energie zu Materie sublimiert wurde, und ebenfalls natürlich, dass Primärenergie heutzutage kaum mehr anzutreffen ist – das ist der Lauf der kos­mischen Entwicklung: Primärenergie neigt dazu, sich zunehmend zu verdünnen, an Gehalt zu verlieren, quasi zu „degenerieren“. Je länger sich Wesen mit ho­hem Primärenergiepotenzial, Oki Stanwer oder die Helfer des Lichts beispiels­weise, im Universum aufhalten, desto stärker gleich sich ihr Primärenergiepo­tenzial, anfangs noch wie eine gleißende Entladung lodernd, dem Energieni­veau der Umgebung an.

So ist es normal.

1994 entdeckte ich allerdings, dass das nicht für alle Bereiche des Universums gilt. Ebenso, wie es verschiedentlich erratische Tore ins Innere der Matrix selbst gibt, verfügt ein Universum auch über Schadstellen, Brüche der Raumzeit. Und dort scheint der Kosmos selbst zu brennen, zu explodieren. Unter der Oberflä­che der Raumzeit kommt es zu spontanen Entladungen von Primärenergie, ge­legentlichen Ausfällungen.

Man nennt solche Orte, an denen das geschieht, TVESTHIL. Sie sind sehr selten, und ihr Standort wird strikt geheimgehalten. Dazu besteht jeder Grund, denn die Substanz, die dort ausflockt, ist strategisch wichtig für die Ziele der Licht­machtbediensteten – es handelt sich um Goldkristall, und er wird gesammelt und zu Waffen geschmiedet, die den Kämpfern des Lichts zur Verfügung stehen.

Im KONFLIKT 22 des OSM jedoch, in der Serie „Oki Stanwer – Der Schatten­fürst“, da tauchte ein rätselhaftes Volk auf, die Veskoy, die angeblich imstande waren, ein TVESTHIL zu bändigen und seine zerstörerischen Kräfte im Zaum zu halten. Zu dumm: die Veskoy waren keine Bediensteten des Lichts. Und sie exis­tierten in keiner der Völkerdateien des KONFLIKTS. Sie schienen geradewegs aus dem Nichts gekommen zu sein.

Damit war für die Bediensteten der Lichtmächte natürlich, ideologisch verna­gelt, wie sie waren, der Fall vermeintlich glasklar: es musste sich mal wieder um sinistre Kreaturen TOTAMS handeln, und das Streben der Veskoy nach Ordnung war nur ein Vorwand für das exakte Gegenteil: vollständiges Chaos.

Aber der KONFLIKT 22 ließ sich nicht mit normalen Maßstäben bisheriger Aus­einandersetzungen zwischen Licht und Schatten messen, und so gingen alle diesbezüglichen Spekulationen krass in die Irre. Ich vertiefte mich in diese Zu­sammenhänge und stieß durch Raumzeitlabyrinthe in ein geheimnisvolles, un­glaubliches Reich unter dem Universum vor, in dem das Feuer des TVESTHIL gnadenlos brannte. Und hier unten kollidierten sinistre Pläne, in die Wesen jen­seits der Zeit involviert waren.

Gründlich romantisch verschlüsselt schuf ich schließlich parallel zu den Hand­lungslinien des KONFLIKTS 22 folgendes Gedicht:

Das Blut der Matrix

Gedicht von Uwe Lammers

Quecksilbriges Schimmern

hinter Wogen aus Raumzeit.

Energetisches Wabern und Gleißen

gefangen in Gittern aus Immaterialität.

—-

Und doch sind da Löcher,

Risse in der Ewigkeit,

gespaltene Felsen und Welten

werden Durchlass für dein Blut.

—-

Haarfeine Spalten,

unendlich fein verästelt,

lassen das flüssige Gold rinnen,

lassen den Mythos Wirklichkeit werden.

—-

Rubinschimmer, Smaragdmonde,

Grüne Galaxis, Feuerrad,

Daarcor und Zooltahn,

Arc und Vengartin.

Anmerkung: Die „Grüne Galaxis“ ist euch inzwischen zumindest dem Namen nach vertraut – die Galaxis Bytharg, Schwerpunktkampfschauplatz in KONFLIKT 12 (Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“, 1987-1993). Feuerrad ist euch aus den „Legendären Schauplätzen“ bekannt, in den Geschichten seid ihr dort mehrheitlich noch nicht gewesen, es sei denn, ihr habt im Rahmen des Fanzines „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) dort vor Jahren mal eine Stippvisite ge­macht, als ich die Abenteuer des Xin-Feuerspürers Shorex’uss publizierte.

Daarcor ist der zentrale Schauplatz in KONFLIKT 22, während die Galaxis Zool­tahn in KONFLIKT 20 (Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“, 1984-1997) liegt. Arc als Heimatsterneninsel der Baumeister ist aus den „Legendären Schauplätzen 1“ bekannt. Vengartin überfordert mich aktuell gerade… da erwischt ihr mich kalt. Wo und wann und unter welchen Umständen diese Galaxis eine Rolle spielte – no idea.

Die Auflistung der Sterneninseln ist ein wenig kryptisch, weil ich kaum glaube, dass dort überall TVESTHILE existierten. Aber ich kann mich natürlich täuschen.

Ihr seid Horte der Brüche,

ihr seid die Punkte der zerborstenen Raumzeit,

und ihr seid verborgen im Angesicht der Baumeister,

kaum einer weiß um eure Bedeutung.

—-

Wo aber das Blut der Matrix quillt,

wo Goldkristall kristallisiert,

wo primäre Energie Materie wird,

da ist das Schöpfungstor.

—-

Dort wird alles möglich,

für Wesen jenseits von Ort und Kausalität,

dort ist die Verschmelzung möglich,

die Verschmelzung der Teile der Seele.

Anmerkung: Das ist ein wenig sehr hohe OSM-Geheimniskrämerei, denn mit den legendären Teilen der Seele, die erstmals in KONFLIKT 23 (Serie „Oki Stan­wer – Der Dämonenjäger“, 1988-1994) auftauchen, habt ihr nun wahrhaftig noch keine Berührung gehabt. Dazu kann ich zum aktuellen Zeitpunkt leider noch nichts weiter erläutern, das wäre ein zu starker Spoiler…

Aber eine Wächterin ist hier

und wacht mit Argusaugen,

dass niemand vor der Zeit kommen kann

und alles zunichte macht.

Anmerkung: Und auch zu dieser Wächterin könnte ich manches sagen, doch da sie erst in KONFLIKT 23 geboren wird, wiewohl ihr Ruhm in Vergangenheit und Zukunft ausstrahlt, möchte ich mich auch an dieser Stelle in Schweigen hüllen. Ihr merkt schon, dass dieses so schlicht wirkende Gedicht doch sehr weit auss­trahlt im OSM.

Einmal nur versagte sie – kurzfristig – ,

das war, als die Veskoy kamen,

aber das war nur ein Moment

im Lauf der Ewigkeit.

—-

Längst sind die Veskoy nicht mehr

und auch nicht all ihre Erben,

und die Dinge bleiben so, wie sie sind,

bis zum Ende der Welt.

Anmerkung: Die Veskoy-Deutung, die hier geboten wird, ist inzwischen veraltet. Ich ging – wie alle Lebewesen im KONFLIKT 22 – fest davon aus, dass das Ster­nenreich der Veskoy vor Hunderttausenden von Jahren in einer einzigen giganti­schen Eruption ausgelöscht wurde, die die Trümmer des Imperiums über den gesamten stellaren Cluster und durch die Tiefen der Zeit verstreute. Was unter anderem dazu führte, dass Bauwerktrümmer der Veskoy in Millionen Jahre al­ten Kohleflözen auf ansonsten unbewohnten Welten gefunden werden können… aber heute ist mir klar, dass es eine tiefere Geschichte hinter all dem gibt, und davon kann ich euch erst später was sagen. Das hat mit dem geheimen Tempo­ralkrieg hinter den Kulissen des verworrenen KONFLIKTS 22 zu tun.

Blut der Matrix,

kostbares Halb-Nass, Pseudo-Funke, Quasi-Materie,

brennt auf immer und funkelt unvergänglich,

bis einst das Universum sich selbst aus den Angeln hebt.

ENDE

© 1994 by Uwe Lammers

Tja, soweit für heute der Blick in ein weiteres interessantes OSM-Gedicht, das euch ein neues Mosaiksteinchen für das komplizierte Gesamtbild des Oki Stan­wer Mythos bietet. Selbst wenn das Gedicht partiell veraltet ist, strahlt es doch wenigstens semantisch immer noch einigen Reiz aus. Ich mag es nach wie vor ganz gern, wiewohl es fast 15 Jahre alt ist.

Lasst euch mal überraschen, wohin es uns in der kommenden Woche ver­schlägt.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

Rezensions-Blog 185: S.E.C.R.E.T. (2) – Geteiltes Geheimnis

Posted Oktober 10th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

da sind wir also wieder in New Orleans gelandet, zum zweiten Mal in kurzer Zeit (vgl. zum ersten Mal den Rezensions-Blog 181 vom 12. September 2018). Cassie Robichaud und die geheime Organisation S.E.C.R.E.T. haben sich seit dem ersten Band weiter entwickelt, und eine neue Aspirantin wird von der Organisation ins Visier genommen und erotischen Abenteuern zugeführt. Das ist eine durchweg aufregende Sache, die sich dank der geschmeidigen Übersetzung von Nicole Hölsken (die ich später noch als Übersetzerin anderer guter erotischer Romane näher kennen lernen durfte) außerordentlich geschwind liest.

Ich habe den Roman als gute Unterhaltung mit lebendigen Charakteren und einfallsreichen Settings in Erinnerung behalten, und wie zahlreiche andere ero­tische Romane hat dieser Zyklus einen dauerhaften Stellplatz in meinem Regal bekommen.

Wenn ihr also das erste Abenteuer schon mit Genuss durchgeschmökert habt und euch fragtet, wie es wohl mit Cassie Robichaud und ihrem Liebesglück wei­tergehen würde – hier folgt die Antwort.

Einfach weiterlesen:

S.E.C.R.E.T. 2 – Geteiltes Geheimnis

(OT: S.E.C.R.E.T. Shared)

von L. Marie Adeline

Heyne 54566

334 Seiten, TB

9.99 Euro, März 2014

Aus dem Englischen von Nicole Hölsken

Es scheint eine Art von Naturgesetz zu sein, dass Frauen sich häufig kaum zu­frieden im Spiegel anschauen können. Die einen finden sich zu dick, die nächs­ten zu mager, die einen wünschen sich glänzenderes Haar, krauseres vielleicht, die nächsten hadern damit, dass sie im Sonnenlicht nicht gescheit bräunen kön­nen, sondern sich einen Sonnenbrand holen… und noch viel schlimmer ist es, wenn sie sich Gedanken darüber machen, wie sie wohl auf Männer wirken. In der Regel untergräbt solch eine Grübelei die eigene Selbstsicherheit, mitunter mit verheerenden Resultaten.

Dauphine Mason, eine üppige und echte Rothaarige mit infolgedessen gene­tisch bedingter sehr heller Haut, hat mit solchen Problemen zu kämpfen. Nach­dem sie mit ihrem letzten festen Freund Luke ein echtes Beziehungsdesaster er­lebt hat und er sie sogar in einem stark autobiografisch gefärbten Roman übel durch den Kakao gezogen hat, ist ihr Selbstbewusstsein ziemlich zerstört. Sie vergräbt sich deshalb als Eigentümerin eines kleinen Vintage-Ladens in New Or­leans in ihrer kontrollierten Umgebung, hortet messie-like alle möglichen Dinge, die sie, vielleicht, irgendwann einmal, wieder verkaufen könnte, und geht tun­lichst allen Männergeschichten aus dem Weg.

Das heißt allerdings nicht, dass sie nicht noch Träume und Sehnsüchte hätte, ganz im Gegenteil. Und mit einem davon wird sie stürmisch konfrontiert, als sie in einem Café einen von ihr aus der Ferne angehimmelten Musiker von Nahem sieht. Sie getraut sich aber nicht, Mark Drury von den „Careless Ones“ anzu­sprechen. Wie gesagt – ihr Selbstbewusstsein ist übel angeschlagen… und dann sieht sie, völlig frustriert, wie er sich an den Tisch zu einer hübschen Brünetten setzt und mit ihr sogar Telefonnummern austauscht.

Verdammt… schon wieder zu kurz gekommen! Sie ist völlig am Boden zerstört.

Doch die ihr unbekannte Frau steht wenig später bei ihr im Laden, zusammen mit einer älteren Dame, und sie beabsichtigen nichts Geringeres, als Dauphines Leben zu verändern. Sowohl Cassie Robichaud (die Brünette) als auch Matilda Greene stammen von S.E.C.R.E.T., einer geheimen, wohltätigen Organisation, die sich der Wiedererweckung der Weiblichkeit einsamer Frauen gewidmet ha­ben. Dies tun sie, indem sie erotische Phantasien in atemberaubenden Szenari­en realisieren und so in zehn Schritten die Frauen aus ihrer Sicherheitsumge­bung herauslocken und zu mehr Engagement und, ja, sexueller Selbstbestim­mung führen.

Cassie Robichaud weiß nur zu gut, wie das geht, denn sie hat das im ersten Band der Trilogie am eigenen Leib erfahren. Jetzt ist sie einen Schritt weiter in ihrer Entwicklung und arbeitet als Begleiterin für S.E.C.R.E.T. Das bedeutet, sie betreut einen Schützling und ist als Ansprechpartnerin da, wenn die vom Komi­tee der Gesellschaft entworfenen Szenarien stattfinden und Fragen oder Nervo­sität bei der Aspirantin auslösen. Für die anderen beiden Stufen der Hierarchie von S.E.C.R.E.T. fühlt sie sich noch nicht erfahren genug – dort müsste sie ent­weder als Anwerberin neuer Mitarbeiter für die Phantasien wirken, was große Menschenkenntnis erfordert, oder selbst die Szenarien entwickeln und organi­sieren. Das traut sie sich bislang nicht zu.

Nach dem Erlebnis im Café mit Mark Drury (den sie vorher überhaupt nicht kannte) schlägt Cassie nun die sichtlich deprimiert wirkende Dauphine als Aspi­rantin vor, und nach einigem heftigem Zögern gibt die kontrollsüchtige Dauphi­ne nach. Die Kontrolle abgeben? Zur Hölle, alles, bloß das nicht! Sie meint, sie könne ohne permanente Kontrolle nicht leben, und die Gründe dafür liegen tief in ihrem Lebenslauf vergraben… doch dann, als sie den Fragebogen von S.E.C.R.E.T. ausgefüllt hat und ihre Phantasien notieren soll, wird Dauphine un­erwartet wagemutig. Vielleicht ist es ja doch endlich an der Zeit, mal etwas völ­lig Unkontrolliertes zu machen.

Listen ausfüllen und geplante Szenarien durchleben? Verdammt, nein, ihr ge­samtes Leben ist doch schon durchgeplant. Sie fühlt zwar kalten Schrecken bei der Vorstellung, die Kontrolle abzugeben… dennoch zeigt sie sich nun mutig und meint nur: „Überrascht mich!“

Und das tun Matilda Greene und ihre Kolleginnen.

Dummerweise heißt es aber auch in den Statuten der Gesellschaft: „Kein Urteil. Keine Grenzen. Keine Scham.“ Besonders der Punkt mit den Grenzen kommt bei Dauphine zur Anwendung. No-Gos sind nicht vorgesehen, ganz bestimmt nicht bei einer Frau, die bislang alles kontrolliert hat. Natürlich soll sie nichts tun, was sie nicht tun will, und sie kann auch auf gar keinen Fall in Gefahr gebracht wer­den… aber das heißt durchaus nicht, dass erregende Angst und Grenzüber­schreitungen tabu sind. Angst vor Wasser? Pech für Dauphine, dass Wasser im Zentrum der ersten Phantasie steht. Noch nie in einem Flugzeug gesessen? Dann schicken wir sie zu einer Flugreise nach Argentinien!

Panik ist in Dauphines anfänglichen Szenarien durchaus vorhanden und ständi­ger Gefährte… aber auch eine prickelnde Herausforderung, die überwunden werden will. Doch im fernen Argentinien, wo sie die Auktion eines Gemäldes für die Gesellschaft überwachen soll, geht dann auf einmal alles schief – denn es taucht jemand auf, der offenbar nicht von S.E.C.R.E.T. stammt, sich aber so gut mit den Regeln auskennt, dass Dauphine wirklich in Bedrängnis gerät… und dummerweise ist das alles erst der Anfang…

Im Gegensatz zu dem ersten Roman weist der zweite nun zwei Handlungsschie­nen auf, was die Attraktivität des Settings ebenso steigert wie die Lesbarkeit des Buches an sich. Wir verfolgen einmal die Weiterentwicklung der komplizierten Cassie Robichaud aus dem ersten Band und ihrer lockeren Beziehung zu ihrem Chef Will Foret. Und dann haben wir andererseits mit dem Einblick in das Da­sein der kontrollsüchtigen, latent messiehaften Dauphine Mason eine Art Ge­genfolie. Die Kapitel sind zudem ein wenig gegeneinander verschoben, da der Roman mit der ersten Phantasie von Dauphine beginnt, während sich erst da­nach die Vorgeschichte entwickelt: wer Dauphine ist, wie ihr Leben verlief und wie dann S.E.C.R.E.T. auf sie aufmerksam wurde. Ich schätze, das wurde mit pu­rer Absicht gewählt, um einen erregenden Einstieg zu haben – eine Masche, die funktioniert.

Dauphine ist, wie die meisten Charaktere in den ersten beiden Romanen, zu­tiefst sympathisch. Großartige Überraschungen finden allerdings zumeist nur in den erotischen Szenarien statt, da die Rahmenstrukturen vergleichsweise durchsichtig sind. Die große Schocküberraschung am Ende dieses Buches bei­spielsweise wurde von mir schon sehr früh geahnt. Was dann daraus wird, bzw. wie es zum Ende des Buches dann zu der notwendigen Katastrophe kommt, die in den dritten Band mündet… nun, das war nicht so ganz vorhersehbar.

Einerlei – man lernt hier eine Menge weiterer Personen kennen, die dann für den dritten Band aufgebaut werden, und Cassies Leben bleibt kompliziert, da sie wie schon im ersten nun zwischen zwei Männern steht. Zwischen Will, den sie liebt und begehrt, aber offensichtlich nicht haben kann, und zwischen Jesse, der Teil einer ihrer Phantasien war, aber eben S.E.C.R.E.T.-Partner ist und des­halb ebenso nicht zu haben… es sei denn, Cassie sorgt für Ersatz. Und selbst dann ist ihr nicht klar, ob Jesse wirklich der Richtige ist. Kann man Herz und Sex so klar voneinander trennen? Dies ist halt eine Frage, die schon Anaïs Nin umtrieb: Kann man zwei Männer lieben?

Der zweite S.E.C.R.E.T.-Band bringt und und Cassie der Lösung etwas näher, und zudem durchlebt man mit Dauphine ergänzend eine Menge aufregender eroti­scher Phantasien. Ja, es mag durchaus sein, dass an der Klappentext-Empfeh­lung „Dieses Buch könnte Ihr Leben verändern! Lassen Sie sich überraschen…“ etwas dran ist. Für sexuell unerfüllte Frauen liefern diese Bände zweifellos eine ganze Reihe interessanter Vorschläge, die ihr Liebesleben gründlich aufpeppen können.

Dass ich es in rauschhaften zwei Tagen verschlang und gleich mit dem dritten Band weitermachen musste, weil ich gern wissen wollte, wie es weitergeht, spricht jedenfalls sehr dafür, dass das Rezept optimal umgesetzt wurde. Kleine­re Übersetzungsfehler sollte man stillschweigend übergehen. Es bleibt ein sehr lesbarer, sympathischer Roman, der an manchen Stellen wirklich prickelnd-auf­regend wird (und vergesst den zweiten Klappentext-Slogan, der hier stumpfsin­nig wiederholt wird, der mit dem „Roman ohne Fesseln“ – hier kommen Fesseln definitiv vor).

Also: eine klare Leseempfehlung – und die Rezension des dritten Teils folgt als­bald, versprochen!

© 2017 by Uwe Lammers

Es gibt einfach Romane, in denen kann man ganz und gar versinken und die Zeit vollkommen vergessen – der obige ist einer von der Sorte. Auf eine aufregende Weise völlig anders ist das Buch, das ich nächste Woche vorstellen will. Ja, eins von Clive Cussler, aber definitiv kein NUMA-Buch. Stattdessen landen wir im Jahre 1906! Warum? Wartet die nächste Woche ab, Freunde!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

ja, und damit sind wir dann im Frühjahr des Jahres 2015 angelangt, einem Jahr, in dem sich so vieles ändern sollte, das sich z. T. bis heute (Schreibdatum: 11. Juli 2018) nicht normalisiert hat. In mancherlei Hinsicht kann man sich fragen, ob es Normalisierung nach solchen Ereignissen überhaupt geben kann.

So konnte ich beispielsweise nicht ahnen, dass das Weihnachtsfest 2014 das letzte gewesen sein sollte, das ich mit meiner Mutter verbringen konnte. Und auch nicht, dass bis Ende des Jahres unser Elternhaus geräumt und verkauft sein würde, was dann einen ziemlich endgültigen Schlussstrich unter mehr als 30 meiner Lebensjahre zog. Ich denke, es ist evident, dass ich von einschneiden­den Veränderungen spreche. Und wie das so ist… da ich auch als Mensch und Schriftsteller mit meiner Umwelt interagiere, erzeugte diese Kette an Ereignis­sen natürlich Rückwirkungen, die sich in meinem kreativen Werk ausprägten. Ich werde dazu im Detail noch kommen.

Anfang Januar sah die Lage noch stabil aus. Ich befand mich, nach wie vor auf Arbeitslosengeld II gesetzt, auf Arbeitssuche und schrieb an meinen in Arbeit befindlichen Werken weiter. Das bedeutete primär: kommentierte Abschriften von OSM-Episoden, normale Abschriften nicht-digitalisierter Episoden (primär KONFLIKT 14, 18 und KONFLIKT 24), Abschriften von Gedichten, gelegentliche Blogartikel.

Daneben feilte ich weiter an dem Archipel-Fragment „Miriam Tvallachs Alp­traum“, der einen offenen Handlungspfad des Romans „Eine Adelige auf der Flucht“ verfolgte. Mit diesem Fragment hatte ich im Dezember 2014 begonnen, kam aber nicht sehr weit damit.

Ich machte erste Anstrengungen, an einem E-Book zu schreiben, das „Im Feuer­glanz der Grünen Galaxis“ heißen sollte. Noch eine Geschichte, die eine unaus­gegorene Struktur hatte. Unausgegoren? In der Tat, denn ernsthaft: ich dachte darüber nach, die ersten 15 Episoden der OSM-Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ darin zu integrieren… ihr werdet sehen, wie absurd das ist, wenn ihr Ende 2018 oder Anfang 2019 das fertige E-Book vorliegen habt. Ich versichere euch, drei Episoden sind weiß Gott schon genug an Stoff auf einmal… die Serie ist wirklich ziemlich komplex und hält keinen Vergleich mit der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ stand, die ihr bisher aus den E-Books kennt. Vertraut mir.

Dann arbeitete ich weiter an dem Archipel-Fragment mit dem provisorischen Titel „Julianna“ und investierte ansonsten unglaublich viel Energie darin, eine digitale, ausführlich überarbeitete Fassung meiner Magisterarbeit von 2002 fer­tigzustellen. Dazu sollte ich wohl etwas mehr sagen, auch wenn es mit dem OSM oder der Phantastik allgemein rein gar nichts zu tun hat – es ist unter dem biografischen und kreativen Aspekt einfach unverzeihlich, so darüber hinwegzu­gehen. Darum also ein kleiner, aber ausgiebiger biografiehistorischer Exkurs an dieser Stelle:

Im Jahre 2002 machte ich meinen Magisterabschluss in Neuerer Geschichte an der TU Braunschweig, und zwar mit einer Arbeit, der ich den plakativen Titel „Dunkle Vergangenheit“ gab. Es ist ein vieldeutiger Titel, vollkommen mit Ab­sicht, der im Leser verschiedenste Assoziationen auslöst. Es geht in der Arbeit um einen kleinen temporalen Ausschnitt der Historie der Technischen Hoch­schule Braunschweig (dem Vorläufer der heutigen TU). In den Jahren zwischen 1927 und 1937 existierte hier die so genannte „kulturwissenschaftliche Abtei­lung“, mit der ich mich befasste. Mein Fokus war ein biografiegeschichtlicher, weil ich als Manko der bisherigen universitären Geschichtsschreibung festge­stellt hatte, dass die meisten Biografien von dort Lehrenden bis heute uner­forscht waren (also „dunkel“, womit wir die erste Bedeutungsebene des Magis­terarbeitstitels erreicht haben).

Außerdem fand ich, dass das bislang üblicherweise angelegte Raster in Täter und Opfer des NS-Regimes, dessen Zeithorizont sich ja mit der kulturwissen­schaftlichen Abteilung überlappte, zu grob war. Bei meinem ausgiebigen Akten­studium anlässlich der Recherchen der Magisterarbeit – daraus resultierte übri­gens mein bis heute starker Neigungsfokus auf Archive und Archivarbeit – fand ich auch rasch die Vermutung bestätigt, dass die meisten Protagonisten, über die man hinreichend Material fand, in diese beiden Kategorien nicht einzusor­tieren waren. Im Gegenteil: je mehr ich mich mit „meinen Leuten“ befasste, desto klarer wurde mir, dass ein Schwarzweiß-Raster nutzlos war. Die meisten Personen gehörten in die Grauzone dazwischen. Wenn man also das „dunkel“ im Sinne von vertuschter Verstrickung in NS-Aktivitäten verstehen wollte (zweite Bedeutungsebene), dann würde man in der Erwartung ziemlich überrascht werden.

Ich war nicht auf Nazijagd.

Ich war auch nicht auf dem Opfertrip (wie so viele Historiker, die sich mit der jüngeren deutschen Geschichte befassen. Mein Kampf ist das nicht).

Ich war biografischer Spürhund und fahndete nach dem Ungesagten, nach den unglaublichen Dingen, die durch das grobmaschige Raster der bisherigen Fahn­dung hindurchgefallen war. Und da kam allerlei zutage. Da fand ich Architekten, die Französischlektoren wurden. Da fand ich einen ehemaligen Geheimagenten. Da wurde ich posthum Zeuge von offenkundigen Betrugsversuchen, absurden Schriftwechseln zwischen Hochschulen… und vielleicht (das ließ sich nicht rest­los klären) auch Mitwisser eines in den Suizid getriebenen Hochschullehrers, dem man bis heute den Opferstatus absprach. Darüber kann man immer noch streiten.

Dass ich diese Arbeit seit 2002 einfach auf sich beruhen ließ, zeigt eigentlich ziemlich klar, wie gering meine Karriereambitionen ausgeprägt sind. Mir hätte das durchaus genügt… aber es gab eben jemanden, der sehr von dieser Arbeit begeistert war und sie viel zu schade fand, sie unerkannt irgendwo verstauben zu lassen. Die Person redete mir ins Gewissen, stachelte mich an, half bei erwei­terter Recherche und diversen Passagen, für die ich mich nicht hinreichend kompetent hielt. Und so konnte die Arbeit unter dem neuen Titel „Sieben Le­ben“ Anfang 2015 in der Digitalen Bibliothek Braunschweig veröffentlicht wer­den. Seither ist sie also für weitere Forscher, die an der Universitätsgeschichte arbeiten wollen, allgemein als Quellenbasis zugänglich.

Dass man mich dazu überredet hat, freut mich bis heute sehr. Aus eigenem An­trieb hätte ich das vermutlich nicht getan. Ich bin in mancherlei Weise einfach zu genügsam.

Dies war jedenfalls der Grund, warum ich im Januar effektiv nur auf 20 beende­te eigenständige Werke kam, darunter die reformierte Magisterarbeit.

Im Februar ging diese Rate auf 15 Werke zurück. Das hatte nun ebenfalls bio­grafische Gründe – es ging meiner Mutter zunehmend schlechter. Ich war häufi­ger in Gifhorn, um in unserem gemeinsamen Projekt voranzukommen, dem „Gedächtnisskript“ ihrer Lebenserinnerungen. Irgendwo hatte ich unterschwel­lig wohl das nagende Gefühl, uns liefe die Zeit davon. Eine Einschätzung, die sich leider bewahrheiten sollte.

Ich arbeitete an den begonnenen OSM-Serienabschriften weiter und überarbei­tete Geschichten wie „Ein Traum namens Frafra“ und „Wächter wider Willen“, die ich für meine nächste Storysammlung im E-Book-Format nutzen wollte.

Da schlug das Schicksal schon wieder zu: ein guter Freund von mir starb völlig unerwartet, erst wenig mehr als 50 Jahre alt. Da er leider erst Tage später ge­funden wurde, gehen wir engen Freunde davon aus, dass er eine Art Gehirn­schlag erlitt… ihr könnt euch denken, dass mich das, ebenso wie das Begräbnis, das in diesem Monat im Friedwald am Elm stattfand, doch gehörig in meinem Schreibdrang dämpfte. Ich reagiere auf so etwas einfach immer empfindsamer, je älter ich werde – das habe ich auch bei späteren Todesfällen bis in den Win­ter 2017 hinein gespürt. Das wirft mich einfach mächtig in meinem Schaffens­drang zurück.

Ich verfasste deshalb also mehrheitlich Blogartikel in diesem Monat, außerdem einen Nachruf auf meinen verstorbenen Freund Peter, und am Ende versuchte ich ein wenig fahrig, noch am Archipel-Roman „Die Suyenka“ weiterzukommen.

Kam ich allzu weit? Nein, natürlich nicht.

Wie gelang es mir dann, im März 2015 die Zahl fertiger Werke zu verdoppeln, also auf 30 zu kommen? Das hatte was mit Vorarbeiten zu tun, vielleicht auch damit, dass ich entsprechende Stimuli bekam. Tatsache ist, dass ich in diesem Monat drei E-Book-Skripte fertigstellen konnte: „Zurück zu den Sargkolonnen“, „Vaniyaa und die Shonta“ und „TRANCRAN-4462“, die ja auch wirklich eng ver­zahnt sind. Acht Blogartikel, ein Interview und ein Artikel zu meinem E-Book-Programm für das Garching-Conbuch 2015 kamen hinzu. Auch hatte der Besuch des DortCons, der dieses Jahr im März stattfand, sehr stimulierenden Einfluss und brachte mich gründlich auf andere Ideen.

Das führte auch dazu, dass ich an Werken weiterschrieb, die sonst eher stief­mütterlich behandelt wurden. Als da wären: „Tödliche Entscheidung“ (Band 54 der Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“), die Archipel-Novelle „Sarittas Hilflosigkeit“, „Ziel –  Liquidation“ (eine transuniverselle OSM-Geschichte), „Tengoor und Malisia“ (Archipel), „Rhondas Aufstieg“, „Die blonde Verlockung“ und „Raubgut“ (beides Archipel-Novellen). Hinzu kam die Weiterarbeit an der Abschrift des OSM-Romans „Kämpfer gegen den Tod“, der Beginn der Überarbeitung von „Die Kristalltränen“.

Gedichtabschriften und kommentierte Abschriften von OSM-Episoden kamen dazu. Außerdem war ich, was E-Books anging, so im Flow, dass ich schon damit begann, die E-Books „Reinkarnation und andere phantastische Geschichten“, „Auf Götterpfaden“ sowie „Hinter der Raumzeitwand“ vorzubereiten.

Alles in allem fühlte ich mich Ende März dergestalt, dass ich dachte, die Leis­tungskurve würde jetzt allmählich wieder aufwärts zeigen… nicht völlig unbe­rechtigt, wie meine erwähnten Arbeiten bezeugen. Aber das war gewisserma­ßen nur die Ruhe vor dem Sturm. Es sollte sich alsbald leider ändern. Davon be­richte ich im nächsten Teil meiner Artikelreihe.

Bis nächste Woche, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Info-Blog 2: Uwe Lammers in Printform

Posted Oktober 5th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde meiner E-Books,

schon seit ein paar Jahren ist es immer wieder aufgetaucht, das Thema „Gibt es deine Werke irgendwann auch mal in Printform? Wir hätten lieber was Gedrucktes in der Hand“. Und immer wieder musste ich euch vertrösten. Heute gibt es zur Abwechslung einmal eine schöne Neuigkeit zu verkünden, denn auf etwas überraschende und unerwartete Weise hat sich das nun geändert.

Am 21. Januar 2018 berichtete ich im Blogeintrag 255 „Ein Plan für 2018“ von einem Geheimprojekt, an dem ich mit einem befreundeten Fandomler arbeitete und das in diesem Jahr zu einer Printveröffentlichung führen sollte. Heute kam endlich das Paket mit den gedruckten Ausgaben an, und ich konnte das Werk erstmals in die Hand nehmen.

Ungelogen, Freunde, ich war hin und weg. Und ich glaube, es wird ziemlich lange dauern, bis ich mich da wieder gefangen habe. Es ist einfach ein Traum, der wahr geworden ist… und er wird eine Fortsetzung im kommenden Jahr finden, weil dann Teil 2 dieser Kurzgeschichtensammlung erscheint. Jetzt, wo Teil 1 erschienen ist, beginnen ganz natürlich die Vorbereitungen zur Realisierung des nächsten Teils.

Dies also ist das, was ihr ab sofort (Oktober 2018) käuflich erwerben und ins Regal stellen könnt: Im Terranischen Club Eden (TCE) ist als Band 12 der Schriftenreihe „Grey Edition“ diese Ausgabe erschienen: „Uwe Lammers – Lustvoller Schrecken. Erotische Geschichten aus anderen Welten 1“. Der von Joachim „Joe“ Kutzner realisierte und auf den Weg gebrachte Band umfasst 176 eng bedruckte Seiten und enthält drei erotisch-phantastische Novellen, die ich in den Jahren 1991 und 2000 verfasste und eigens für diese Storysammlung komplett überarbeitet und ausgeweitet habe. Dabei sind sowohl „Der Handspiegel“ wie „Sylphengeflüster“ deutsche Erstveröffentlichungen, während es „Sexdrohne“ schon einmal in inzwischen überholter Form in ein Fanzine schaffte.

Ihr macht darin die Bekanntschaft mit monströser Cyborg-Prostitution unter fernen Sternen, erlebt sexuelle Obsession durch ein Legendenwesen und werdet Zeuge, wie eine Raumfahrerin auf einer Expedition eine ganz besondere Form von Erstkontakt erlebt…

Der Band, von Norbert Schneider und Heidi Koch toll illustriert, kostet 6,50 Euro und ist erhältlich bei Joachim Kutzner, Hartkopsbever 14, 42399 Hückeswagen, online beim TCE unter tceorder@terranischer-club-eden.com oder im Bestellshop auf www.terranischer-club-eden.com.

Ich gebe zu, dies ist natürlich kein E-Book, das jetzt als Printwerk vorhanden ist, aber es sind meine Geschichten, und ein jeder, der einmal „einen echten gedruckten Uwe Lammers“ im Regal stehen haben wollte, hat ab sofort die Möglichkeit dazu. Außerdem ist diese Storysammlung für mich ein weiterer Ansporn, das Projekt der Print-Publikation meiner E-Books beizeiten anzugehen.

Möge euch dieser schöne (erste) gedruckte Uwe Lammers gefallen – ihr könnt sicher davon ausgehen, dass es weitere Werke dieser Art gibt. Das ist allein eine Frage der Zeit.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 184: Der 21. Juli

Posted Oktober 2nd, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vor fünfzehn Jahren las ich das unten vorgestellte Buch und verfasste damals eine Rezension kritischer Natur, doch sollte das niemanden davon abhalten, das Werk heute zu suchen und zu goutieren. Ich wiederhole gern, dass ich hier auf­grund meiner doppelten Befähigung als studierter Historiker einerseits und als Autor seit mehreren Jahrzehnten vielleicht einen zu scharfzüngigen Maßstab angelegt habe. Viele Leser, die das Thema reizt, werden vermutlich sehr viel zu­friedener aus der Lektüre auftauchen, als das bei mir damals der Fall war.

Der etwas nichts sagende Titel ist natürlich eine Anspielung auf den 20. Juli 1944, also das legendäre Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler, was in realiter fehlschlug und dazu führte, dass die innerdeutsche Opposition entlarvt und na­hezu vollständig ausgelöscht wurde. Der vorliegende Roman geht von einem kontrafaktischen Ansatz aus: Das Attentat ist geglückt. Was geschieht dann am „21. Juli“, d. h. nach dem Anschlag? Bricht das Reich zusammen? Wird der Krieg nahtlos fortgesetzt? Was geschieht mit den anderen Oberen der NSDAP?

Nun, der vorliegende Roman vermag in dieser Hinsicht zu überraschen. Von Dit­furth spekuliert auf kontrafaktischer Basis die Fäden des „Was wäre, wenn…“ für die kommenden rund 10 Jahre voraus, was zu einer gründlich verwandelten Welt führt, in der der Kalte Krieg mit drei Nuklearmächten startet und Groß­deutschland weiter besteht.

Aber dann kommt das Jahr 1953, und Stalins Leben steht auf der Kippe… und der Machtpoker beginnt. Wie das exakt ausschaut? Lest einfach weiter, dann erfahrt ihr Näheres:

Der 21. Juli

von Christian von Ditfurth

Knaur 62415

576 Seiten, TB

8.90 Euro, 2003

Wir schreiben das Frühjahr 1953. Josef Stalin, der Diktator der Sowjetunion ist gerade verstorben, in Moskau tobt der geheime Machtkampf zwischen seinen Nachfolgern, dem Geheimdienstchef Berija, Chruschtschow und Malenkow. Die Welt steht dicht vor einem nuklearen Abgrund, da sowohl die Sowjets als auch die Amerikaner über Atomwaffen verfügen. In dieser prekären Lage aktiviert der amerikanische Geheimdienst CIA einen deutschen Überläufer, der in der mexikanischen Wüste zurückgezogen lebt. Sein Auftrag soll lauten: töten Sie Heinrich Himmler!

Moment.

Moment.

Irgend etwas stimmt hier nicht, wendet der Leser der Rezension vielleicht ein. Himmler war doch längst nach dem Sieg der Alliierten über das deutsche Reich gefasst worden und hatte sich…

Vergesst das alles besser, wenn ihr in diesen Roman eintaucht, denn hier ist nichts dergleichen geschehen. Im Frühjahr 1953 beherrscht eine Regierung der Nationalen Versöhnung das Großdeutsche Reich, das am Rhein beginnt und bis zur Teilungsgrenze geht, die Stalin und Hitler in ihrem Geheimvertrag abge­macht hatten. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ist nach wie vor an der Macht, Heinrich Himmler und seine SS sind die heimlichen Herrscher Deutschlands, der Reichskanzler heißt Carl Friedrich Goerdeler. Reichspräsident ist Hermann Göring. Stauffenberg ist Chef des Heeres. Die Gestapo ist aufgelöst worden, Goebbels in Berlin seit vielen Jahren inhaftiert, wo er – angeblich – an einem Gedenkbuch über „Adolf“ schreibt…

Das geht jetzt zu schnell? Nun gut, schalten wir einen Gang zurück.

Am 20. Juli 1944 wird der Führer Adolf Hitler durch das Attentat der Staatsver­schwörer um Stauffenberg in Stücke gesprengt. Unter Mitwissen und mit Billi­gung der SS-Führung. Daraufhin setzt ein faszinierender innenpolitischer Revisi­onsprozess ein, der von dem Historiker und Schriftsteller von Ditfurth beeindru­ckend plausibel in Szene gesetzt wird. Die kaltblütigen und klugen Köpfe der SS übernehmen das Kommando über die Wehrwissenschaften in Deutschland, die Wehrmacht wird umstrukturiert und die militärische Führung an den Fronten ausgewechselt, woraufhin die deutschen Soldaten gezielt zurückweichen. So wird der Krieg bis zum Mai 1945 hinausgezögert, lange genug, um eine Nuklear­bombe zu entwickeln und die russische Stadt Minsk in eine Aschenwüste zu verwandeln. Die Kenntnis dieser Waffentechnik zwingt die Russen zum Waffen­stillstand und treibt auch die Amerikaner schließlich vom Kontinent zurück. Eu­ropa wird deutsche Einflusszone. Der Kalte Krieg beginnt mit DREI Mächten.

Im Jahre 1953 ist die Lage prekärer denn je. In Amerika herrscht der Kommunis­tenfresser Joseph McCarthy als Präsident, der Machtkampf in Russland tobt, und beide Seiten buhlen geheim um die Gunst der deutschen Führung. Die eine Seite – die russische – braucht dafür Heinrich Himmler, die andere hingegen möchte ihn umbringen, weil nur so eine Verbindung mit Deutschland zustande käme.

Wie erreicht man sein Ziel? Die Amerikaner denken, indem sie den einstigen SS-Mann Knut Werdin aktivieren, der ihnen einst die Kenntnis von den deutschen Nuklearwaffen überbrachte. Was bringt ihn schließlich dazu, diesen Wahn­sinnsauftrag anzunehmen? Ein Brief und ein Foto von einer jungen Frau aus Deutschland, Irma, die er tot geglaubt hat und die ihm ihren gemeinsamen Sohn präsentiert. Doch er ahnt nicht, dass er in eine großangelegte Falle laufen wird…

In dem Roman mit dem etwas irreführenden Titel, da der 21. Juli fast keine Rol­le spielt, werden die Seiten 93-396 von den Ereignissen in den Jahren 1944/45 eingenommen. Er ist interessant aufgebaut und lebt insbesondere von der kon­trafaktischen Ausgangslage, von den aberwitzig scheinenden Verbindungen von realer Nachkriegsgeschichte und NS-Kultur, die nebeneinander existieren (ich sage nur: Wirtschaftswunder und Wirtschaftsminister Erhard, außerdem ein „bayrisches Talent namens Franz Josef Strauß“!). Das machte auch für mich die eigentliche Antriebsfeder zum Lesen aus und brachte mich immerhin dazu, den Roman in acht Tagen durchzulesen.

Hinzu kam natürlich, dass ich mich gerade historisch mit dem Jahr 1953 be­schäftigt hatte und Kontrafaktik immer schon gerne mochte. Hier zeigte sich au­ßerdem noch, wie ein deutscher Historiker phantastische Romane schreiben konnte, ohne die Grenzen seiner Profession gänzlich zu verlassen. Aber er hatte es bei mir leider nicht nur mit einem Historiker zu tun, sondern auch mit jeman­dem, der schriftstellerisch nicht ganz unbeschlagen ist. Und während ich von Ditfurth in erster Kategorie attestieren muss, dass er sich in der Zeitgeschichte bestens auskennt und vernünftige und nicht sehr überzogene Fusionen zustande brachte, so gibt es in letzterer Hinsicht doch einige Kritik.

Nehmen wir die Charakterisierung der Personen. Viele von ihnen kommen über knappe Zeichnung kaum heraus, hätten sie aber fraglos verdient gehabt. Ich nenne jetzt hier keine Namen, damit sich der Leser ein Bild machen kann. Zwei­tens zeigt sich m. E., dass von Ditfurth mit der Darstellung von Frauen nur gele­gentlich zurechtkommt. Zu viel mehr als Bettgespielinnen taugen sie in der Re­gel leider nicht, und das gilt auch für die weibliche Hauptperson Irma, die an­fangs noch sehr warmherzig und sympathisch beschrieben wird und nachher in eine fast vollkommene Leerform abrutscht.

Drittens leidet der Roman unter einem „Prominentenüberschuss“, wie ich das nennen möchte. So reizvoll es sein mag, Personen der Zeitgeschichte agieren zu lassen, so sehr muss man sich hier doch vor einem Abgleiten in die Tradition der griechischen Historiker hüten. Historiker wie Herodot beispielsweise be­schrieben die antiken Politiker und Feldherrn und deren Reden so, wie sie ihrer Meinung nach gewesen sein müssten. Von Ditfurth tappt beinahe in die gleiche Falle. Schlimmer noch als das ist aber die Tatsache, dass die anderen Personen neben ihnen beinahe bedeutungslos werden und dass in dem Großmachtpoker die eigentliche, lesernahe Geschichte, nämlich die Dreiecksgeschichte zwischen Irma, Werdin und dem Luftwaffenmann von Zacher beinahe untergeht. So wird die Story gegen Ende zunehmend blutleer, ja, fast schon menschenfeindlich.

Historische Kompetenz: hoch.

Unterhaltungskompetenz: ordentlich.

Soziale Kompetenz: noch ausbaufähig.

Ansonsten ein beeindruckender Roman.

© 2003 by Uwe Lammers

Ich erwähnte eingangs, dass ich hier etwas kritisch werte. Auch heute noch würde ich sagen, dass meine Wertung halbwegs gut ausgewogen war. Jemand, der kontrafaktische Stories und Romane bzw. Alternativwelten schätzt (etwa in der Form von Philip K. Dicks berühmtem Roman „Das Orakel vom Berge“ oder in Gestalt von Len Deightons „SS-GB“, das auch gerade als Serie eine Wieder­auferstehung feiert), der ist hier goldrichtig. Das ist, würde ich sagen, ein schon recht vergessenes „Leckerli“, ein wenig an Robert Harris´ „Vaterland“ erinnernd.

In der nächsten Woche kehre ich mit euch indes nach New Orleans zurück, um mich wieder der erotischen Geheimorganisation S.E.C.R.E.T. zuzuwenden. Und ich verspreche: es wird aufregend. Das solltet ihr nicht versäumen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 291: Work in Progress, Part 67 – Der OSM im Juni 2018

Posted September 30th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

höhere Temperaturen in der Außenwelt und sommerliches Wetter führen bei mir nicht automatisch zu höherem Output kreativer Neuseiten. Das mag bei vielen Literaten der Fall sein, die ohne Schwierigkeiten im Freibad auf dem Lap­top schreiben können oder die generell desto besser „funktionieren“, je höher die Außentemperaturen steigen. Was mich angeht – oberhalb von 25 Grad posi­tiv braucht mein Körper einfach zu viel Kraft zur Abwehr der zusätzlichen Hit­zeenergien, um nach innen noch hinreichend Energie aufbringen zu können, die in kreative Werke fließen könnten.

Das zentrale Problem besteht aus zwei Komponenten: zum einen aus meinem Schreibort, meinem Arbeitszimmer. Dritter Stock, Westseite, freie Sicht für die Sonne. Wenn angeblich draußen also 23 Grad herrschen, schnellen die Werte drinnen rasch auf 28-30 Grad hoch. Jenseits meiner Komfortzone.

Komponente 2: Ich bin, was das Schreiben angeht, nicht wirklich mobil zu nen­nen. Well, ich schreibe auf meinem Laptop, der ist prinzipiell verlagerbar… das gilt aber nicht für die Majorität der Unterlagen, die ich zum Schreiben benötige, es gilt nicht für meine (stationäre) Musikanlage. Da gibt es also klare Grenzen.

Heißt das also, ich hätte mich im Juni 2018 im Hitzekoma befunden und nichts auf die Reihe bekommen? Nein, da muss ich lachen, so schlimm war es dann doch nicht. Ich habe aber die Zeit genutzt, um an ein paar wesentlichen Projek­ten weiterzuarbeiten, konkret an dreien. Ich sage dazu gleich Näheres. Erst mal nenne ich euch die von den insgesamt 28 fertig gestellten Werken des Monats, die im weitesten Sinn mit dem OSM zu tun hatten:

18Neu 110: Überlebenskampf auf der Kristallwelt

Blogartikel 286: Work in Progress, Part 66

18Neu 111: Sterne ohne Gnade

(DER CLOGGATH-KONFLIKT – OSM-BUCH (Abschrift))

Anmerkung: Ihr wisst, dass der CLOGGATH-KONFLIKT (CK) die Romanadaption des KONFLIKTS 13 „Oki Stanwer Horror“ (OSH) des Oki Stanwer Mythos ist, und dass ich daran bereits seit 1988 arbeite. Ebenso dürfte euch noch erinnerlich sein, dass ich den Großteil dieses Romans nur in Schreibmaschinenfassung vor­liegen habe, ihn also nicht digital nachbearbeiten kann. Was zur Folge hat? Ich muss ihn abschreiben. Wahrhaftig. Und das kostet Zeit und Energie.

Glücklicherweise erwies sich der Monat Juni in dieser Hinsicht generös. Es ge­lang mir, hier in der Abschrift von der Seite 843 bis zur Seite 1080 zu gelangen, also fast 250 Seiten weit. Das war ein schöner Schritt voran. Inzwischen befinde ich mich im Kapitel 15 „Rauch über Irland“ in der Abschrift. Und bei allen Feh­lern, die ich im Text finde und allen Schwächen, die er aufweist, reißt mich die Geschichte doch inzwischen wieder ziemlich mit. Ich bin schon sehr neugierig, euch vermutlich anno 2019 einen ersten Einblick in den CK via E-Book geben zu können. Da juckt’s mich jetzt echt schon gewaltig in den Fingern… das war also der erste große Aktivposten des Monats.

18Neu 112: Endstation TOTAM

18Neu 113: Aufmarsch zur letzten Schlacht

18Neu 114: Entscheidung in der Knochendimension

Anmerkung: Ja, und das war dann der zweite Meilenstein in diesem Monat, den ich am 5. Juni erreichte. Mit 1403 Textseiten und insgesamt 13.637 Fußnoten (kein Scherz!) konnte ich nach vielen Jahren der Digitalisierungsarbeit endlich die kommentierte Abschrift des KONFLIKTS 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“, kurz 18Neu, abschließen. Was meint ihr, was mir da für ein Mühlstein von der Seele polterte… das war toll.

Wann ich die Serie nun in E-Book-Form überarbeite? Gott, ihr stellt Fragen, Freunde… also, das kann noch geraume Zeit dauern. Ihr wisst, es gibt da noch einige vordringlichere Themen. Aber kommen wird das ganz gewiss, es ist nur eine Frage der Zeit und investierten Geduld.

(Glossar der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“)

Blogartikel 290: Endergebnis: 1403 Seiten, 13.637 Fußnoten

Blogartikel 284: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (XXIV)

Blogartikel 296: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (XXV)

Blogartikel 287: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 56

E-Book 38: Das Kriegernest

Anmerkung: Und das war dann der dritte große Bereich, in dem ich dringend vorankommen wollte und glücklicherweise auch vorwärts kam. Es drückte mir sehr auf der Seele, und zwar schon seit Januar, dass ich hier so gar nicht in Stim­mung kam… als ich dann schließlich wieder in den Bilderstrom hineinrutschte, fand ich sogar ein paar Dinge heraus, die ich früher überhaupt nicht bedacht hatte.

Was etwa? Ach, ich nenne nur ein Beispiel: im Kriegernest erhalten die Yantihni eine neue, recht komfortable Unterkunft… aber ich fragte mich, als ihre Anwe­senheit da Wochen andauerte: wann und wie wechseln die Leutchen denn ihre Klamotten? So fand ich die „Wäscherei“. Aber echt, dazu brauchte ich ein paar Tage Abstand zum Text. Ist schon überraschend, was man dann alles findet.

Das E-Book ist jetzt beim Konvertieren. Ich hoffe, dass ich die fertige Fassung vielleicht bis zum 20. Juli zurück habe und bald darauf das Werk veröffentlichen kann.

(DSj 56: Die Mauern der Offenbarung)

(DSj 57: Göttliche Erkenntnisse)

(DER CLOGGATH-KONFLIKT-Glossar)

(E-Book BdC 1: Im Feuerglanz der Grünen Galaxis)

Anmerkung: Und an diesem E-Book arbeite ich zurzeit. Das wird ein ziemliches Abenteuer, weil ich beim Erstellen des diesmaligen Glossars schon mehr als 30 Begriffe entdeckt habe, die ich eigentlich hier erklären sollte… aber viele gehen natürlich viel zu weit. Solche Dinge wie „CROSSATH“, „Hyertonn“, „Maran-Ghaal“ usw. sollte ich deutlich später erläutern und mich hier auf ein paar zen­trale Begriffe festlegen.

Wie dem auch sei… ihr werdet in eine ziemlich komplexe Gesellschaft hineinge­raten, die nach einer religiösen Phase und einer, in der xenophobe Politiker das Sagen hatten, jetzt unter einer verdeckten Militärdiktatur lebt. Und dann kommen die Invasoren…

Wie jetzt, schon im ersten Band? Oh ja. Die BdC-Serie („Oki Stanwer – Bezwin­ger des Chaos“, KONFLIKT 12 des OSM) entstand im Mai 1987 und kam wirklich extrem schnell auf Touren. Ihr werdet merken, dass die TI-Serie dagegen fast schon behäbig ist. BdC ist der Hochzeit-OSM, wenn man das so nennen möchte. Es wimmelt von Sternenvölkern, rätselhaften Persönlichkeiten, Ungeheuern, kosmischen Reichen, Zeitreisenden, Intriganten und Rätseln. Da kann man als Ahnungsloser leicht den Überblick verlieren. Deshalb war es mir ja auch so wichtig, die OSM-Wiki so gründlich zu erschaffen und mittels meiner Blogartikel und anderer Veröffentlichungen zum OSM genügend Hintergrundwissen zu kommunizieren. Wenigstens hoffe ich, dass es geglückt ist. Wenn ihr diese Serie lieben werdet, bin ich erleichtert und weiß, dass ich das ursprünglich gesteckte Ziel erreicht habe.

Blogartikel 289: OSM-Kosmologie, Lektion 12: Was wäre, wenn…?

14Neu 50: ZEITTRANSIT

(14Neu 51: Kreuzzug des Bösen)

(OSM-Wiki)

Ja, damit wäre ich dann tatsächlich schon am Ende. Ich schrieb ergänzend zu den obigen Werken noch eine Vielzahl von Rezensionen und Rezensions-Blogs. Aber die finden hier keinen Widerhall… wer weiß, später irgendwann vielleicht. Nächste Woche entführe ich euch dann ins Kreativjahr 2015 zurück.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 183: Hand an sich legen

Posted September 25th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

eine Warnung vorweg zur heutigen Lektüre – das ist diesmal keine leichte Kost, vertraut meinem Urteil. Das Büchlein, keine 200 Seiten stark, ist moralischer Sprengstoff philosophischer Natur, und seine Lektüre mag euch die Haare stär­ker sträuben als die übelsten Horror-Romane, die ihr kennt.

Warum?

Weil es ein selbst heute noch weitgehend tabuisiertes Thema aufgreift und ein Plädoyer aus eigenem Erleben führt: der Autor hat versucht, sich absichtlich aus dem Sein zu entfernen und wurde gegen seinen Willen ins Leben zurückgeru­fen. Woraufhin sich Jean Amery gezwungen sah, dieses Buch zu schreiben – nicht, um seine Handlung direkt zu rechtfertigen, als vielmehr ein Statement ge­sellschaftlicher Natur zu setzen und sich ausdrücklich FÜR den Freitod auszu­sprechen.

Den Suizid als ein Menschenrecht anerkennen?

Das ist harter Stoff, das fand ich 2001, als ich das Buch las, das mich bis heute in seiner Wirkung erschüttert, aber das war zweifellos schon Sprengstoff im Jahre 1976, als es veröffentlicht wurde. Es ist anzunehmen, dass es heutzutage nur noch Eingeweihten bekannt ist, aber in Anbetracht der zahllosen Todesmeldun­gen in den täglichen Nachrichten, den Selbstmordattentätern, die sich in die Luft sprengen oder Flugzeuge in Wolkenkratzer lenken – das alles sind Abarten dessen, was Amery anspricht – , in Anbetracht dieser Umstände in einer ziem­lich arg brutalisierten Gegenwart scheint es mir wichtig, mal wieder auf dieses Werk hinzuweisen.

Es ist natürlich immer noch ein Abenteuer, dieses Buch zu lesen. Aber ich finde, für aufgeklärte, demokratische Geister sollte es zum Pflichtkanon gehören. Ein­fach deshalb, weil wir uns heutzutage viel zu leicht von den Medien und ihrem Gedanken-Mainstream einnorden lassen. Weil es zu bequem ist, schlicht zu glauben, was uns eingeredet wird.

Dass solche Leute verrückt sind. Dass man sie nicht verstehen kann. Dass es ge­fährlich ist, sich auch nur auf eine Diskussion mit solchen Menschen einzulas­sen.

Mit Terroristen wird nicht verhandelt.“

Mit diesen Verrückten reden wir gar nicht – es ist besser, sie gleich zu erschie­ßen, dann ist die Welt wieder normal.“

Ihr merkt… das ist Ideologie, wenn man solchen Einflüsterungen glaubt. Dann diktiert allein die Angst unsere Handlungen. Von Verstehen ist da keine Spur mehr. Aber genau das brauchen wir – Verständnis. Wir müssen das, was wir nicht begreifen, hinterfragen, nicht ihm ausweichen, weil wir Angst davor ha­ben. Nur dann haben wir eine Chance, die Dinge zum Besseren zu wenden.

Und welche Angst ist wohl größer als die vor dem Tod?

Nun, die Angst davor, dass es sinnvoll sein könnte, sich selbst zu töten.

Wer denkt, er möchte sich gern mit dieser Angst konfrontieren, der sollte wei­terlesen. Aber beschwert euch nachher nicht – ich habe euch gewarnt. Es ist keine leichte Kost.

Hand an sich legen

Diskurs über den Freitod

von Jean Amery

Edition Alpha,

Ernst Klett-Verlag

132 Seiten, PB (1976)

Es ist, als stieße man eine sehr schwere, in den Angeln ächzende, dem Druck widerstrebende Holztür auf, um ins Helle zu gelangen. Man wendet all seine Kraft auf, tritt über die Schwelle, erwartet nach dem Dämmergrau, in dem man stand, das Licht: statt dessen aber ist es nunmehr eine ganz undurchdringliche Finsternis, die einen umgibt.

Verstört und angstvoll tastet man um sich, erfühlt Gegenstände da und dort, ohne sie identifizieren zu können. Sehr langsam gewöhnt schließlich das Auge sich ans Dunkel. Ungewisse Konturen erscheinen, auch die tastenden Hände werden gescheiter.

Nun weiß man sich in jenem Raum, den A. Alvarez in seinem schönen Buch Der grausame Gott die geschlossene Welt des Selbstmords genannt hat…“

Jean Amery, der dieses Büchlein geschrieben hat, weiß genau, wovon er hier re­det. Sehr genau. Er, der den Absprung aus der Welt des Seienden versucht hat und für seinen misslungenen Versuch, dem menschlichen Geist die Freiheit zu­rückzugeben, die freieste aller Entscheidungen zu treffen, mit 30 Stunden Koma und einem qualvollen Wiederanfang bezahlt hat.

So geht es in diesem furchterregend faszinierenden und sprachlich durchaus an­regenden Buch nicht nur um eine Erklärung, warum es Menschen gibt, die sich mit der Welt in all ihrer Herrlichkeit nicht anfreunden können, sondern es geht insbesondere um ihn selbst. Es ist, wenn man so will, eine Art von Selbst-Psy­choanalyse, die Amery hier betreibt, zugleich eine Apologetik der Verlorenen und von der Gesellschaft Verstoßenen, die in der eigenen Seelenqual ertrinken, ohne dass das von der Umgebung überhaupt zur Kenntnis genommen wird.

Der Schweizer räumt sehr direkt auf mit dem Vorurteil, Menschen, die „Suizid“ begehen, sich „selbst ermorden“ – er vermeidet diese Bezeichnungen, wo es geht und verwendet statt dessen das direktere und deutlicher intendierende Wort „Freitod“ – , seien psychisch gestört, würden gewissermaßen die Welt nicht richtig einzuschätzen wissen und sich aus „nichtigsten Anlässen“ umbrin­gen. Etwa wegen gekränkter Ehre (bei Soldaten und Politikern vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte überaus häufig) oder aus enttäuschter Liebe (ein allzeit bekanntes Phänomen) und ähnlichen. Selbst die Erscheinung, die heutzu­tage allenthalben im Radio und in den Zeitungen Furore macht, die nämlich, dass ein Mann seine Kinder und Frau und dann sich selbst tötet, wenn die Frau ihn z. B. verlassen will, kann Amery hier gut als einen Seitenzweig des Freitodes einstufen und partiell erklären.

Zunächst geht es ihm darum, darzustellen, wie die psychische Befindlichkeit des „Suizidanten“ sein muss, um überhaupt in die Lage zu kommen, daran zu den­ken, sich selbst zu vernichten. Den Schluss, zu dem er kommt, ist für viele si­cherlich durchaus beunruhigend: jeder steht im Leben irgendwann einmal vor der Schwelle, „vor dem Absprung“, wie er es im gleichnamigen 1. Abschnitt nennt. Manchmal entscheiden nur Sekunden, ob man sich vom Hochhaus stürzt oder mit Betäubungsmitteln das Leben nimmt, hin und wieder aber lebt man, zunehmend depressiver werdend, direkt auf den entscheidenden Punkt hin. Die wichtige Erkenntnis ist aber, dass man den Selbstmord nicht als ein Phänomen einer „Randgruppe“ der Gesellschaft marginalisieren kann. Er ist es nicht.

Das und der Umgang der Gesellschaft mit dem Tod allgemein führt Amery im 2. Abschnitt des Buches zu der Frage, „wie natürlich der Tod“ sei. Hier spürt man sehr deutlich seinen Grimm, der nicht zu geringen Teilen auf jene Ärzte gerich­tet ist, die ihn gegen seinen ausdrücklichen Willen ins Leben zurückriefen. Und der Autor klagt eine Doppelmoral an: die Gesellschaft nämlich, der der einzelne Mensch, solange er „funktioniere“, völlig gleichgültig sei, die sich aber wütend und fast feindselig gegen ihn wende und ihm „zum Leben zwinge“, sobald er versuche, ihr per Freitod zu entfliehen.

Der dritte Abschnitt, „Hand an sich legen“, der dem Buch den Titel geliehen hat, vertieft dies auf beinahe makabre Weise. Amery wendet sich prominenten Selbstmördern zu, beschreibt zum einen ihre ganz private Lebensverzweiflung, die von dem Außenstehenden, der allgemein dem Leben zugeneigt ist, nicht verstanden werden kann (es sei denn, dieser Außenstehende stehe selbst auf der Schwelle, was dann freilich ein Sonderfall sei), zum anderen zählt er einen beunruhigenden Countdown, gespeist aus eigenen Erfahrungen vor SEINEM misslungenen Suizid, der anfangs noch nach Stunden zählt und die qualvollen Innenreflexionen zeigt, bis schließlich nur noch Minuten und Sekunden übrig sind. Und dann…

…nennt er es im Abschnitt 4 „Sich selbst gehören“. Hier pocht er darauf, dass der Mensch de facto vor allen Ansprüchen der Gesellschaft fundamental in ers­ter Linie sich selbst gehört, womit er gegen die Psychologie, die Religion und das allgemein gültige Rechtsempfinden solipsistisch argumentiert und sich aufs reine Ich zurückzieht. Er hat Grund dazu, und so sehr man über seine Worte streiten kann, so sehr WEISS Amery doch, was er sagt. ER hat es versucht, ER wollte der Welt des Hier und Jetzt, der Welt des Seins schlechthin, den Rücken kehren, aus Motiven, die er freilich nicht in aller Breite darlegt, weil sie zu privat sind. Er plädiert dafür, deutlich auszusprechen, dass jeder Mensch das funda­mentale RECHT habe, sich dafür zu entscheiden, sich das Leben zu nehmen, wenn er damit dem, was ihn ohnehin irgendwann erwartet, dem Tod nämlich, der ihn womöglich erst nach jahrelangem Siechtum und Erniedrigung erwartet, zuvorkommt…

Ich musste hier schaudernd an meinen alten Herrn Klose denken, der, 98jährig, nach drei Schlaganfällen weitgehend immobil, jeden Tag mehr oder weniger da­hinvegetiert und lieber heute als morgen sterben würde. Verständlicherweise konnte ich ihm von diesem Buch nicht erzählen. Es hätte ihn noch depressiver gemacht.1

Aber als ich dieses Buch las, das fast sieben Jahre lang ungelesen in meinem Re­gal stand, da gab es natürlich einen aktuellen Anlass dafür: den Freitod meines Patenonkels im Januar dieses Jahres.2

Es ist eine Sache, mit dem Tod konfrontiert zu werden, wenn man ihn im Fern­sehen sieht, in Zeitungen davon liest oder in Romanen damit zu tun hat. Es ist etwas völlig anderes, wenn man so nah davon gestreift wird, auf solch eine Weise und von jemandem, dem man es nicht zugetraut hätte. Gut, mag man sa­gen, er war Alkoholiker, gut, er hatte Glasknochen und schon mehrere Herzope­rationen hinter sich. Er lebte in einer Beziehungskrise und hatte keine Kinder…

Dennoch…

Amerys Gedanken helfen in diesem Fall dabei, sich daran zu gewöhnen, dass dies ein völlig normales Schicksal ist. Jährlich sterben weltweit Zehntausende eines vorzeitigen, selbst bereiteten Todes, aber nach wie vor ist das Thema Sui­zid – meist religiös bedingt – tabuisiert und wird eher totgeschwiegen. Die Ge­sellschaft drängt Menschen, die einen Selbstmordversuch gemacht – man müsste sagen: GEWAGT – haben (denn es bedarf einer unglaublichen Anstren­gung dazu, wie Amery richtig sagt, weil der Körper bis zum letzten Atemzug um sein SEIN kämpft und nicht sterben will!), in Therapien und will sie um jeden Preis im Hier und Jetzt halten.

Auch wenn ich manchmal anderer Ansicht war als der Autor, habe ich doch sehr klar begriffen, wie viele bestürzend klare und logische Gedanken dieses Buch enthielt und wie intensiv er philosophisch, literarisch und theoretisch belesen war, um jedes mögliche Gegenargument zu entkräften.

Hand an sich legen“ ist ein Plädoyer der Menschlichkeit gegenüber dem Indivi­duum, dessen Essenz sich wohl am besten in dem Fazit ausdrücken lässt: Wenn man wirklich ein Anhänger des freien Willens eines jeden Menschen ist, muss man auch akzeptieren lernen, dass Menschen manchmal finale Entschlüsse fas­sen, die man nicht begreift. Und dann sollte man sie nicht verdammen noch aufhalten, sondern ihnen eher dabei helfen, wenn sie es ausdrücklich wün­schen.

Doch so weit sind wir selbst 25 Jahre nach dem Verfassen dieses Buches nicht.

Bedauerlicherweise?

© 2001 by Uwe Lammers

Okay, Freunde, ihr könnt wieder durchatmen. Das finstere Tal Amerys ist durch­schritten, und ich hoffe, ihr gehört zu jenen lebensbejahenden Typen, für die der Moment des Absprungs noch recht fern ist. Doch seid versichert, dass ich selbst, der ich in den zurückliegenden siebzehn Jahren eine Menge liebe Men­schen verloren habe (einen davon durch Suizid), jedes Verständnis habe für sol­che Personen, die diesen Weg wählen. Ich selbst würde ihn in absehbarer Zeit kaum nehmen – dafür habe ich im Hier und Jetzt immer noch viel zu viel vor. Aber wer weiß, irgendwann vielleicht… es ist ein Menschenrecht, Schluss zu machen, wenn wir Amerys Worte ernst nehmen. Und jetzt ist der Gedanke dar­an auch in euren Köpfen.

Dennoch, in der kommenden Woche reisen wir wieder in eine Romanwelt, dies­mal eine bizarre Parallelwelt, die mich als Historiker mit Staunen erfüllte. Wer neugierig ist, folge mir nächste Woche dorthin.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Nachtrag UL: Er starb dann eines natürlichen Todes am 8. März 2003 im Alter von fast 101 Jahren.

2 Gemeint ist hier natürlich das Jahr der Abfassung, d. h. 2001.

Wochen-Blog 290: Endergebnis: 1403 Seiten, 13.637 Fußnoten

Posted September 23rd, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist vollbracht. Nach gut sieben Jahren Arbeit habe ich mal wieder eines mei­ner ambitionierten Projekte abgeschlossen, und im Titel nenne ich genau das, was am Schluss dabei herausgekommen ist: 1403 Seiten in 14.-Schrift Times New Roman, kommentiert mit 13.637 Fußnoten. Mit weitem Abstand die um­fangreichste Arbeit auf dem Sektor des Oki Stanwer Mythos (OSM) seit langer Zeit.

Ich rede von der Digitalisierungsfassung des KONFLIKTS 18 des OSM, der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (KGTDUS), an der ich zwischen 1984 und Frühjahr 1988 schrieb. Es war höchste Zeit, fand ich, auch diese Serie zu digitalisieren und so von der ursprünglich papiernen Form wirkungsvoll abzu­lösen.

Natürlich ging ich ursprünglich davon aus, es würde rascher gehen… aber mei­ne einigermaßen unkontrollierbare Erwerbsvita, bei der ich von einem befriste­ten Arbeitsvertrag zum nächsten hüpfte, machte das schwieriger als angenom­men. Und dann entdeckte ich neben den zahlreichen Tippfehlern und nicht ver­merkten Rekursen, die ich in Fußnoten goss (um Bezüge innerhalb der Serie bzw. auf andere zu diesem Zeitpunkt [1988] schon fertig gestellte Geschichten transparent zu machen), eine Vielzahl von Inhaltsfehlern. Manches war zufällig verkehrt, weitaus mehr machte aber im Licht des modernen OSM (ab 1994) nur noch bedingt Sinn oder gar keinen mehr.

Das musste natürlich ebenfalls kommentiert werden, das ging ja nicht anders. Wie jüngst ein guter Autorenfreund anmerkte: die einzige wirkliche Autorität und Koryphäe über den Oki Stanwer Mythos bin nun einmal ich selbst. Wer also, wenn nicht ich, sollte solche Fallstricke aufzeigen und zugleich Lösungswe­ge für aufgetretene Probleme skizzieren?

Die ursprüngliche Serie entwickelte sich im Laufe von vier Schreibjahren bis zum Vorabend meines Hamelner Zivildienstes recht stürmisch und gipfelte schließ­lich in dem fünfzehnbändigen Finalzyklus, bei dem jede Episode 15 anderthalb­zeilige Textseiten hat (ausgenommen Band 114, den ich heute fertig kommen­tierte, der hat doppelt soviel Raum eingenommen, in der kommentierten Fas­sung ist er 40 Seiten lang).

Im Gegensatz zu früheren OSM-Serien, die vergleichsweise stringent auf ihr Ziel zueilen, ist KGTDUS oder 18Neu, wie die digitalisierte Fassung heißt, eine gebro­chene Struktur.

Was heißt das?

Nun, schauen wir uns dafür zunächst frühere Ebenen des Oki Stanwer Mythos an: KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ (1981-1984) hat eine recht klare, zielstrebige Struktur – Oki Stanwer kehrt in die Milchstraße zurück, um den Kampf gegen TOTAM aufzunehmen. Er sammelt Getreue und Bündnisgruppen, tritt zum Kampf im Nebelsektor an, danach endet die Serie. Klar und zielstrebig.

KONFLIKT 13 „Oki Stanwer Horror“ (1982-1985) sieht eine Erde im Jahre 2113, als Oki Stanwer auftaucht. Er soll das Stanwer-Team um sich scharen und die Welt vor der Gefahr durch TOTAMS drohende Invasion schützen. Dabei muss er entdecken, dass es einen zweiten dämonischen Pol gibt, CLOGGATH, und dass beide Pole einander befehden, mit katastrophalen Auswirkungen auf die menschliche Zivilisation, die zwischen diesen monolithischen Mühlsteinen des Bösen zerrieben zu werden droht. Der KONFLIKT verschärft sich, bis CLOGGATH schlussendlich erscheint und der finale Kampf ausgetragen wird.

Im KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“ (1983-1986) wird die Menschheit des Jahres 2092 durch eine Invasion unterworfen, während parallel die Entdeckung gemacht wird, dass es einst eine hoch entwickelte und offenbar höchst negative Zivilisation gab, die Rontat, die nun ihrerseits ein Comeback zu planen scheinen. Außerdem droht TOTAMS Invasion der Galaxis. Als dieser Angriff dann tatsäch­lich stattfindet, sind die Menschheit und Oki Stanwer kaum in der Lage, dem Ansturm standzuhalten. Schließlich kommt es zum finalen Kampf…

Wie ihr seht – diese drei KONFLIKTE sind vergleichsweise klar und schlicht struk­turiert. Das ist bei der vorliegenden Serie auf den ersten Blick auch so, aber mir war schon während der ursprünglichen Fertigstellung im Herbst 1988 und Früh­jahr 1989 bewusst, dass dieser Eindruck trog.

Leser, die gerne Oki Stanwer von Anfang an in Aktion erleben wollen, sind in dieser Serie vollkommen richtig… aber ihr Eindruck vom Herrn des Lichts, wie man ihn auch nennt, ist ein durchweg rätselhafter. Denn Oki Stanwer ist hier ein argloser Müßiggänger im London des Jahres 2034, und es mutet wie ein Zufall an, als er zunächst aus Alaska ein Päckchen bekommt, in dem ein rätselhafter Kristall und eine Kontaktadresse zu finden sind.

Fest überzeugt davon, dass das alles ein dummer Witz sein muss, sucht er die genannte Adresse auf, findet zunächst einen Toten und wird dann von unheimli­chen Kreaturen angegriffen, den Eismördern des Dämons Maaraan von TOTAM. Bis ihm jemand mit einem bizarren, antiken Stab zu Hilfe kommt und die Mons­ter auslöscht.

Auftritt Gerd Kartland von der WEOP, in seinem Besitz ist der so genannte Baby­lonische Stab. Und Kartland fahndet ausdrücklich nach Oki Stanwer, um heraus­zufinden, was Wahres an einer uralten Legende um den „Vater des Lichts“ und seine sieben „Kinder“ ist, deren Bestimmung es sei, gegen eine Macht namens TOTAM zu kämpfen.

Ehe sich Oki Stanwer versieht, befindet er sich im Abenteuer seines Lebens. Mit im Zentrum: Die WEOP, die „Weltgemeinschaft zur Erforschung Okkulter Phäno­mene“ – eine seit Jahrzehnten international tätige Organisation, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, das Geheimnis der SIEBEN SIEGEL VON TOTAM zu lö­sen.

Relativ bald beginnt Oki Stanwer zu verstehen, dass an den Legenden wesent­lich mehr dran ist, als er gedacht hat, und dass seine Aufgabe tatsächlich darin besteht, die Helfer des Lichts zu finden und TOTAM und seine Schergen zu be­kämpfen. Gleichzeitig ist er aber auch auf der Suche nach seinem verschollenen Vater (!) Marconius, der vor Jahren mit seiner Gattin Sonya im Irak spurlos ver­schwunden ist.

Hier entdecken Oki und seine Freunde schließlich Marconius´ Spur. Sie führt über ein Zeitgrab zurück ins Jahr 1596 vor Christus und direkt nach Babylon. Dort wirkt der Dämonenschmied von Babylon, und der Berater der hethitischen Invasoren ist niemand Geringeres als Marconius… der sich allerdings, wiewohl älter aussehend, als Oki Stanwers (Matrixfehler-)Sohn herausstellt.1

Während sie in der Vergangenheit ein Zeitparadoxon auslösen, löscht die Dä­monenwaffe GOLEM die Gegenwartszivilisation des Jahres 2035 durch einen Nuklear­krieg aus. Aber das Zeitparadoxon, und das ist dann der erste Bruch dieser Serie, erschafft eine parallele Zukunft.

Als Oki Stanwer in die Zukunft zurückkehrt, findet er eine Alptraumwelt vor, die von den Dämonenwaffen dominiert wird, und zusammen mit seinem Sohn Marc ist er nun auf der Flucht… bis ihm ein Baumeister die Chance gibt, über ein weiteres Zeitparadoxon GOLEMS Schreckenswelt ungeschehen zu machen.

Dummerweise ist der Baumeister entartet, und der Preis, den Oki Stanwer be­zahlt, führt fast zu seinem vollständigen Irrsinn. Als er aus dem Stasisgefängnis befreit wird, in das er gesperrt wurde (zweiter Bruch der Serienhandlung), hat sich die Welt erneut völlig verändert. Die WEOP hat es nie gegeben, den Zwei­ten Weltkrieg hat es nicht gegeben, und in England wird eine Organisation ge­schaffen, die man „Ghost-Agency“ nennt.

Oki und Marconius schließen sich der Ghost-Agency an und beginnen mit der Suche nach den magischen Artefakten, die sie aus Hattusas geborgen und ver­steckt haben. Aber sie sind nicht die einzigen Jäger. Da sind auch noch die sinis­tren Grauhäutigen, formell Bedienstete des Lichts, die es hier aber gar nicht ge­ben sollte und die unbedingt Oki ermorden wollen. Dann existiert eine Gruppe um den Millionär Gordon Barring, die sich „Weißwelt-Rebellen“ nennen und ebenfalls völlig fremdartige Vorstellungen von der Zukunft der Menschheit hat.

Und dann überfällt eine monströse Seuche die Menschheit – die Matrixfehler-Seuche, die binnen Wochenfrist Millionen Menschen dahinrafft und gegen die kein Kraut gewachsen zu sein scheint. Noch schlimmer: die SIEBEN SIEGEL be­ginnen zunehmend zu erwachen. Wenn sie das tun, werden sie die gesamte Menschheit auslöschen. Und ihr „Weckruf“ ist gewissermaßen Oki Stanwers Ge­genwart!

Die einzige Chance, am Ende des Desasters das Schlimmste abzuwenden, be­steht im so genannten ZEITSCHUB, bei dem Oki Stanwer für 25 Jahre in ein Sta­sisfeld eingeschlossen wird (dritter Serienhandlungsbruch).

Doch die „Folgewelt“, in der er und seine wenigen Getreuen herauskommen, ist eine dystopische. Staatengebilde existieren quasi nicht mehr, die Menschheit hat sich von der Gewalt der Seuche, allgemein nur noch „DIE KATASTROPHE“ genannt, kaum erholt. Alle vormaligen Machtstrukturen sind zerrüttet… und Oki bleibt nur ein halbes Jahr Zeit, um das Rätsel um die SIEBEN SIEGEL zu lösen und die Menschheit zu retten.

Dummerweise begeht er einen fundamentalen Fehler und mutiert dafür zu ei­nem machtvollen, unmenschlichen Wesen, dem Siegelwesen. Und das alles ist, wie sich bald herauskristallisiert, Teil eines infamen Plans, der den Untergang der Menschheit billigend in Kauf nimmt und zur Allmacht eines weiteren Ant­agonisten führen soll…

Gott, ich sage euch, das ist so ein wilder Stoff, schon jetzt in der vorliegenden, kommentierten Form, und es war ein wahnwitziges Abenteuer, das mich vom 3. März 2011 bis heute, zum 5. Juni 2018, in Atem gehalten hat.

Natürlich, die meisten Charaktere sind nicht ausgebaut. Selbstverständlich, sehr viel Information fehlt, es gibt unzählige Handlungslücken, die Dialoge sind… nun… mehrheitlich hölzern, um es behutsam zu formulieren. Die Kampfszenen bedürfen dringender Choreografie, die nur angedeuteten erotischen Verbin­dungen kann ich heute deutlich besser als vor 30 Jahren ausbauen. Das wird den Text zweifelsohne mindestens verdreifachen (und das ist noch eine sehr konservative Schätzung, es kann auch gut zehnmal soviel Text werden). Aber al­les in allem ist das ein faszinierender, glühender Geschichtenkeim, der jetzt in einer Form vorliegt, die ich vergleichsweise leicht nachbearbeiten kann.

Ja, sehr ähnlich wie KONFLIKT 2 des OSM, das stimmt. Denn auch dort ist es ja so, dass ich die digital vorliegenden Episoden in Form von E-Books nachbearbei­te und so in eine allgemein lesbare Form gieße. Dasselbe habe ich beizeiten auch hiermit vor.

Doch damit man KONFLIKT 18 wirklich inhaltlich verstehen und genießen kann, ist es vonnöten, Vorarbeiten zu leisten. Diese Vorarbeiten bestehen aus dreier­lei: zum einen möchte ich den KONFLIKT 13 „Oki Stanwer Horror“ (OSH) digitali­sieren, was ich bislang noch nicht machen konnte. Parallel dazu will ich das BUCH-Fragment „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ (CK) weiter abschreiben (aktuell strebe ich der Seite 1000 der Abschrift zu), die ich ja aus OSH-Serie… na, sagen wir, „destilliert“ habe. Und drittens habe ich ja schon damit begonnen, den CK in E-Book-Version umzuschreiben.

Warum ist das erforderlich, ehe ich mich mit dem faszinierenden KONFLIKT 18 beschäftige?, mögt ihr euch jetzt vielleicht fragen. Ich erwähnte das schon ver­schiedentlich, aber in Anbetracht der vielen Worte, die ich in meinem Blog ma­che, ist das vielleicht untergegangen: KONFLIKT 13 ist sozusagen die Basis für den KONFLIKT 18. Hier werden Protagonisten eingeführt, die in KONFLIKT 18 dann verstärkt in Erscheinung treten. Hier leben Personen, die in KONFLIKT 18 als Matrixfehler agieren werden.

Versteht darum KONFLIKT 13 als Probelauf für KONFLIKT 18 – ebenso, wie KON­FLIKT 18 dann seinerseits der Probelauf für KONFLIKT 23 „Oki Stanwer – Der Dä­monenjäger“ (1988-1994) ist und diese Serie der Probelauf für KONFLIKT 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“.

Gewiss, alle diese Serien könnte man auch prinzipiell unabhängig voneinander lesen… aber dann würdet ihr zahlreiche Anspielungen gar nicht registrieren und die wahre Tiefe der Geschichten nicht sehen können. Und ich würde euch gern dasselbe Vergnügen gönnen, das mich durchströmt, wenn ich diese Werke wie­der lese bzw. sie überarbeite. Damit ihr in die Feinheiten des OSM hineinwachst und merkt, wie groß und komplex die Welt ist, die sich hier ausbreitet. Warum mit einem Ausschnitt begnügen, wenn man alles haben kann, nicht wahr? Ich bin nicht der garstige Typ, der euch am ausgestreckten Arm verhungern lässt, ganz im Gegenteil.

Indes, und damit möchte ich für den Moment zum Schluss kommen, indes wün­sche ich mir, dass ihr spürt, wie erleichtert und begeistert ich bin, dass ich diese Aufgabe endlich (vorerst) abschließen konnte. Es wird nun Zeit, mich wieder an­deren Feldern zuzuwenden, zuvorderst natürlich meinen E-Books.

In der kommenden Woche erfahrt ihr an dieser Stelle, wie sich meine kreative Entwicklung für den Monat Juli 2018 dargestellt hat. Bleibt neugierig, Freunde, und schaut wieder vorbei!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Details zur Vorgeschichte gehören in KONFLIKT 16 „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ (1983-1998).

Rezensions-Blog 182: Höllenschlund

Posted September 19th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

und wieder einmal folge ich an dieser Stelle den Spuren des Vielschreibers Clive Cussler und seiner Kompagnons, diesmal Paul Kemprecos. Wir wissen, dass es da sehr heterogene und durchwachsene Werke gibt – das hier ist einwandfrei eines der soliden Abenteuer, auch wenn ich in der unten wiedergegebenen Re­zension etwas hyperkritisch wirke. Das ist wesentlich meinem recht soliden his­torischen Breitenwissen geschuldet, das man ja nicht zwingend bei jedem Leser voraussetzen kann.

Abgesehen von den historischen Fakten, die mitunter doch etwas gezwungen zurechtgebogen werden, fand ich es faszinierend, auf diese Weise einen Konnex zwischen der amerikanischen Frühgeschichte, den Phöniziern und der Königin von Saba herzustellen. Das ist nicht wirklich simpel, und ich finde solche Verbin­dungen, wenn sie gut hergeleitet sind, durchaus inspirierend.

Wer sich jetzt nicht wirklich vorstellen kann, was die Artischocken-Gesellschaft, eine phönizische Bronzefigur und das legendäre Goldland Ophir miteinander zu tun haben, der sollte einfach mal weiterlesen. Er wird einen interessanten Ro­man finden und vielleicht die Neigung verspüren, ihn sich zuzulegen. Ach ja… und lasst euch nicht von Cover und Titel abschrecken oder zu überzogenen Er­wartungen verleiten, das wäre unschön, weil die Erwartungen so nicht einge­löst werden können.

Wie dann? Nun, folgendermaßen…:

Höllenschlund

(OT: The Navigator)

Von Clive Cussler & Paul Kemprecos

Blanvalet 36922, 2008

512 Seiten, TB

ISBN 978-3-442-36922-5

Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kempen

Die Vergangenheit birgt gelegentlich Schätze inmitten von Vertrautem, über die man nur durch einen ungeheuren Zufall stolpert. In einem solchen Fall kann es ohne weiteres passieren, dass man ganz unvermittelt in akute Lebensgefahr ge­rät und von verschiedenster Seite Verhängnissen ausgesetzt wird, die man sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausmalt. Man kennt solche Szenarien bei­spielsweise von Indiana Jones, aber es gibt dergleichen durchaus ebenfalls in Büchern von Clive Cussler und seinen Coautoren, so auch in diesem Werk hier.

Der erste Prolog des Buches verschlägt den Leser in das Jahr 900 vor unserer Zeitrechnung, in ein fernes Land, in dem Katzen unbekannt sind und eine wage­mutige Gruppe phönizischer Seefahrer einen Schatz in ein sicheres Versteck bringen soll. Als sie diese Aufgabe glücklich vollendet haben, kommt es unmit­telbar darauf zur jähen Konfrontation mit einem zweiten Schiff, ehe die Finster­nis der Geschichte alles zudeckt.

Gut 2700 Jahre später neigt sich im Jahre 1809 die Amtszeit von Präsident Tho­mas Jefferson dem Ende zu. Doch ehe er sich auf seinen Altersruhesitz Monti­cello zurückzieht, sinniert er noch über eine tragische Angelegenheit der jüngs­ten Vergangenheit nach, die mit seiner geplanten Studie über Indianersprachen zu tun hat – und mit dem von im beauftragten Entdecker Meriwether Lewis, der kurz zuvor eines rätselhaften Todes gestorben ist. Und Jefferson beschließt, ein Geheimnis zu bewahren, das mit der Artischocken-Gesellschaft zu tun hat.

Der eigentliche Roman beginnt im Jahre 2003 in Bagdad, genauer: im irakischen Nationalmuseum nach dem Sturz von Saddam Hussein im Anschluss an den zweiten Golfkrieg. Was hier referiert wird, ist leider allgemein bekannt: direkt nach dem Sturz des Regimes hatten die amerikanischen Truppen nichts Besse­res zu tun, als die Ölquellen zu sichern – das Nationalmuseum blieb 36 Stunden lang ohne Schutz, und gut organisierte Diebesbanden richteten dort eine un­glaubliche Verwüstung an.1 Kulturgüter der Antike in Millionenwerten werden gestohlen und verschwinden auf dem schwarzen Markt der Antikenschmuggler. Und dies ist leider absolut keine Fiktion!

Als Carina Mechadi, UNESCO-Beauftragte für Antikenschmuggel, hier eintrifft, findet sie beispiellose Verwüstung vor und setzt alles daran, die gestohlenen Güter wieder zu beschaffen. Eher von nachgeordneter Bedeutung ist dabei eine mannsgroße Bronzeplastik unklarer Herkunft, der so genannte „Navigator“. Und doch beginnt er bald eine zentrale, ja tödliche Rolle zu spielen.

Mechadis Verbindungsmann zum Schwarzmarkt wird ermordet, ehe er die ge­stohlenen Güter wieder beschaffen kann, und jahrelang gelingt es ihr nicht, die entwendeten Antiken zu finden… bis ihr ein schwerreicher Industrieller namens Balthazar finanzielle Unterstützung zusichert und ihre Arbeit fördert. Auf diese Weise kann die Wissenschaftlerin schließlich in Ägypten eine Reihe der gestoh­lenen Gegenstände erwerben, darunter auch den „Navigator“. Alle Güter sollen zwecks Präsentation einer Wanderausstellung in die USA gebracht werden, Me­chadi begleitet den Transport.

Ein weiterer Forscher, der von der Königin von Saba förmlich besessene Schrift­steller Anthony Saxon, der ebenfalls ein eigenartiges Interesse am „Navigator“ hegt, kommt etwas zu spät, um die Figur in Augenschein nehmen zu können.

Um ein Haar kommen aber die Schätze nebst dem „Navigator“ gar nicht in den Vereinigten Staaten an – auf hoher See erfolgt ein Hubschrauberüberfall auf das Schiff, das daraufhin, von den Angreifern so geplant, mit einer Bohrinsel kolli­dieren und untergehen soll. Dass dieser Plan vereitelt wird, ist zwei wagemuti­gen Gentlemen zu verdanken, die der Leser hinreichend kennt: Kurt Austin und Joe Zavala von der NUMA. Eigentlich vor Neufundland mehr aus Abenteuer­gründen – sie begleiten ein Schiff, das Eisberge einfängt und abschleppt – tref­fen sie auf das Desaster und retten Schiff, den „Navigator“ und Carina Mechadi.

Das alles ist jedoch leider erst der Anfang.

Sowohl die Wissenschaftlerin als auch die Figur werden verfolgt, und Austin stellt rasch fest, dass alles, was im Zusammenhang mit der Figur steht, tödlich sein kann. Ein kindgesichtiger Killer geht um, der mit großer Profession reihen­weise Personen ermordet. Außerdem steht jemand mit viel Geld hinter zahlrei­chen Entführungsversuchen und Mordversuchen, die Austin und Mechadi schließlich bis in die Türkei verfolgen. Dorthin nämlich führt die Spur einer zwei­ten „Navigator“-Figur, von der die beiden erfahren. Eine ebenfalls lebensge­fährliche Fährte, die mit zahlreichen Toten gespickt wird, alten wie modernen.

In den Vereinigten Staaten taucht derweil ein uraltes Dokument von Thomas Jefferson auf, das mit der alten Meriwether Lewis-Expedition in Verbindung steht… und mit der immer noch existierenden Artischocken-Gesellschaft, die nach wie vor darum bemüht ist, ihre Geheimnisse zu wahren…

Schließlich sind sogar Kryptografen der amerikanischen Geheimdienste in die­ses Geschehen verwickelt, das vor so langer Zeit seinen Anfang nahm und durchaus geeignet ist, die Welt zu erschüttern, wenn es zur Unzeit ans Tages­licht kommt. So beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Gegner ruhen nicht, sondern sind sehr bereit, buchstäblich auf archaische Weise über Leichen zu gehen…

Inwiefern die beiden Handlungsstränge zusammenhängen, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Ich habe das Buch jedenfalls mit großem Interesse gele­sen und mir damit etwas mehr Zeit gelassen als mit sonstigen Cussler-Roma­nen. Das kam der Lektüre definitiv zugute. Das Werk an sich basiert auf interes­santen Fakten, die mir als jemandem mit recht breit gefächertem historischem Wissen weitgehend bekannt waren. So ist beispielsweise absolut realistisch dar­gestellt, dass die Phönizier über eine hoch stehende Navigationstechnik verfüg­ten, mit der sie Handelswege erschlossen, die andere gleichzeitige Kulturen nie­mals riskiert hätten. Sie waren beispielsweise die ersten, die Afrika offensicht­lich ganz umschifft haben. Dass sie küstenferne Seefahrt betrieben haben, halte ich durchaus für denkbar.

Ein wenig nachteilig für die Lektüre erwies sich meine historische Kenntnis aber dann doch. So stellte ich recht schnell fest, um was für einen Schatz es ging, der im Prolog verborgen wird, das hat dann einigen Reiz aus der Geschichte genom­men. Ich gehe nicht in die Einzelheiten, aber das war etwas bedauerlich.

Die Vorstellung, dass die legendären Goldvorkommen von Ophir, um die es hier auch geht, durchaus nicht in Afrika gelegen haben sollten, ist ebenfalls reizvoll, aber in der hier gebotenen Präsentation doch eher etwas hanebüchen. Das gilt selbst dann, wenn man historisch nachweisen kann, dass dort, wo sie schließ­lich nachgewiesen werden, nachweislich Gold geschürft wurde.

Vollends Potentiale werden dann verschenkt, wenn es um die Rekonstruktion der Reiseroute der Phönizier geht. Vergebens wartet der Leser darauf, dass alt­bekannte NUMA-Experten wie St. Julien Perlmutter oder der Superrechner Max zu Rate gezogen werden, wobei das hier wirklich auf der Hand gelegen hätte. Aber vielleicht erschien den Verfassern das als „zu einfach“. Die Alternativstrategie ist dann zwar auch nicht übel, aber sie überzeugt irgendwie nicht wirklich.

Wirklich abstrus wurde dann aber die, wie ich es mal nennen möchte, „Famili­engeschichte“ im Zusammenhang mit der Königin von Saba. Nicht nur, dass sie hier fast durchgängig als „Saba“ bezeichnet wird (was etwa so passend wäre, als würde man Kanzlerin Angela Merkel in zweihundert Jahren oder so durchgängig innerhalb eines Romans als „Deutschland“ bezeichnen)2, es geht noch eine Gangart heftiger. Die hier hergestellte Pseudo-Historie – wohl gemerkt, über ei­nen Zeitraum von fast 3000 Jahren! – gipfelt dann in derartigen Zufällen, dass man die Verschwörungstheoretiker nicht nur trapsen hört, sondern poltern. In der Tat werden Verschwörungstheorien a la Dan Brown hier munter bedient.

All das ist nicht wirklich uninteressant und durch die Bank lesenswert, nur über­zeugt das Gesamtresultat dann nicht durchgängig. Schweigen wir davon, dass der Titel keinerlei Bezug zum Inhalt hat, und zwar wirklich überhaupt keinen (sieht man vielleicht von einer Szene ab, die etwa 3 Seiten umfasst), und das Ti­telbild selbst ist nun wirklich frei erfunden, wenn auch sehr hübsch anzuschau­en. Aber halt NUR ein „Eyecatcher“, sonst nichts.

Es sei dem Verlag wirklich angeraten, Romantitel zu ersinnen, die näher am Ori­ginal liegen. Was hätte, beispielsweise, dagegen gesprochen, das Buch „Der Na­vigator“ zu nennen? Unbedingt passend, kein Zweifel. Zu langweilig vielleicht? Oder warum wurde nicht etwa ein versunkener Tempel auf dem Titelbild abge­bildet (was dem Inhalt wenigstens nahe gekommen wäre)?

Interessant war auch der Wechsel in der Übersetzerriege. Kempen verleiht dem Kemprecos-Abenteuer neuen Charme. Das spricht nicht gegen die bisherigen Übersetzungen durch Michael Kubiak, aber ich wenigstens fand, dass der stilis­tische Wandel deutlich spürbar war. Besonders die Jefferson-Schiene, über die oben nur Andeutungen fallen gelassen wurden, hat dadurch sehr gewonnen.

Insgesamt ist also zu konstatieren, dass dies zweifelsohne einer der besseren Kemprecos-Romane ist, zwar lange nicht mehr so sehr wie die frühen Romane der Reihe an großen Menschheitsproblemen orientiert, sondern mehr auf die klassische Storyline der alten Cussler-Romane ausgerichtet (moderne Action in Verbindung mit einem Rätsel der Frühzeit, das zum Schluss aufgeklärt wird), das gereicht ihm aber nicht zum Nachteil. Wer deutlich weniger über Salomon, die Königin von Saba und die damit in Verbindung stehenden Thematiken weiß, wird sogar noch deutlich besser unterhalten, könnte ich mir vorstellen. Manch­mal ist zu viel Vorwissen von Nachteil. Seufz…

© 2012 by Uwe Lammers

Damit genug der Abenteuer für heute. In der kommenden Woche geht es auf moralisch-philosophische Weise hinab in den Abgrund, und ich stelle euch ein Buch vor, das mir damals die Gänsehaut auf den Leib trieb… und dabei handelt es sich wirklich in keiner Weise um einen Horror-Roman, sondern um ein Sach­buch.

Um welches genau? Oh, da solltet ihr nächste Woche reinschauen, das möchte ich hier noch nicht vorwegnehmen.

Bis dann, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. hierzu auch Matthew Bogdanos: Die Diebe von Bagdad. Raub und Rettung der ältesten Kulturschätze der Welt, München 2006.

2 Ihr wahrer Name, soweit er überliefert ist, lautet „Makeda“, woraus im Buch durchgängig – wenn überhaupt erwähnt – „Mekada“ wurde. Mag sein, dass es auch diese Schreibweise gibt, aber sie war mir unbekannt. Ich neige eher dazu, sie für einen Schreibfehler oder Recherchefehler zu halten.