Liebe Freunde des OSM,

wer von euch bei dem Titel unweigerlich in Richtung eines öko­logischen SF-Romans denkt, tut dies in gewisser Weise mit Recht. Es geht in der Tat zentral um die Dschungelwelt Lepsoni­as und um Ressourcenausbeutung seiner Flora. Aber das ist zum einen lange Zeit nicht einmal in Ansatz zu erahnen, und was das alles langfristig intendiert, kann man erst recht nicht vorhersehen. Sehr viel mehr werden sich potenzielle Leser mit einer Kette geheimnisvoller Mordfälle befassen müssen, ebenso wie die Justizbehörden des terranischen Reiches.

Schauen wir uns das am besten mal näher an:

Wir befinden uns im Jahre 2247. Die Menschheit hat ein recht ausgedehntes galaktisches Sternenreich geschaffen, das sich über einen Raum von 1100 Lichtjahren ausdehnt und in dem zahlreiche Kolonialwelten existieren. Einer, der zentrale Rolle einnehmen wird, ist der Planet Paumer IV, 123 Lichtjahre von der Erde entfernt. Hier existiert der Sitz des Terranischen Si­cherheitsdienstes, kurz TS genannt, unter seinem cholerischen Dienstherrn Jean Donnet.

Schon hier wird deutlich, dass ich mich von der klassischen Ter­ra-Zentrierung, wie sie sonst überall in der SF nahezu notorisch auftritt, wenn man ein irdisches Sternenreich postuliert, freima­chen wollte. Ich würde sagen, das hat dem Roman durchaus gut getan. Nicht zuletzt stammt die Hauptperson Mike Cole von Paumer IV und hat hier ihren Lebensmittelpunkt.

Der Roman beginnt mit einem Mord. Bei einer Theaterauffüh­rung in einem Orbitaltheater über der Vergnügungswelt Romb wird der dortige planetare Monarch erschossen, ein publikums­scheuer Mann namens Diaz Akor, der überall im Imperium be­deutende wirtschaftliche Unternehmen koordiniert. Eins davon hat er ganz unbescheiden die „Diaz-Corporation“ genannt. Das wird noch wichtig sein.

Der Attentäter, ein Mann namens Vernon Gryde, kann zwar gefasst werden, aber er stirbt wenig später in Haft. Offensicht­lich war er schwer drogenkrank – aber die Art der Droge, durch deren Entzug er starb, ist den Medizinern des TS unbekannt. Auch die Vita des Mörders gibt kein Indiz für sein Handeln preis.

Vernon Gryde war Vater eines kleinen Sohnes und arbeitete zu­letzt auf dem Dschungelplaneten Lepsonias – im Dienst der Diaz-Corporation. Seine Witwe Barbara und den Sohn Jim ließ er auf der lebensfeindlichen Kolonialwelt Kallisto zurück, 812 Licht­jahre von der Erde entfernt.1

Auf Paumer IV rätselt Polizeichef Jean Donnet, wie die verwirren­den Mosaiksteine des Falles zusammenhängen, und auf dersel­ben Welt schaltet die Nichte und Universalerbin Akors, Codette Francieri, den Privatdetektiv Mike Cole ein, um die Hintergrün­de des Ablebens ihres Onkels zu ermitteln. Doch ehe sie ihm auch nur die erste Rate des Honorars überweisen kann, wird sie selbst Opfer eines Attentates! Auch hier kann der Attentäter ge­funden werden, er ist allerdings tot – und an demselben Rausch­gift oder Rauschgiftentzug gestorben, der auch Vernon Gryde schon umbrachte.

Mike Cole, um sein Honorar gebracht, entschließt sich nun, um nicht völlig leer auszugehen, Jean Donnet direkt seine Mitarbeit anzubieten. Die beiden sind sich Jahre zuvor in einem Spionage­fall schon einmal begegnet (diesen Fall um den Doppelagenten Hekhor habe ich später im 5. Roman der Mike Cole-Serie aufge­rollt … ich komme dazu beizeiten noch im Rahmen dieser Arti­kelreihe, ihr müsst euch da allerdings schon noch ein paar Mo­nate gedulden).

Zunächst sind Donnet und Cole wie Hund und Katze, doch dann lässt sich der TS-Chef auf das Arrangement ein und schickt den Detektiv nach Kallisto, wo Barbara Gryde und ihr Sohn inzwi­schen unter Polizeischutz stehen. Hier gibt es allerdings auch schon rätselhafte Todesfälle, und in jedem einzelnen Fall wird das geheimnisvolle Rauschgift erkennbar.

Mike Cole bekommt es mit dem hiesigen TS-Chef, einem herri­schen Mann namens Ernest Cohr zu tun, der eine faszinieren­de Farnpflanze in seinem Büro stehen hat. Als Cole wenig später bei Barbara Gryde über eine analoge Pflanze stolpert und beina­he einem schier hypnotischen Zwang erliegt, kann die Witwe ihn gerade noch aus diesem Bann befreien.

Sie erzählt nun, dass ihr Mann Vernon diese Pflanze vom Plane­ten Lepsonias mitbrachte und definitiv süchtig danach war. Und dass sie seither immer wieder alle drei Tage Besuch von TS-Agenten bekommt, die danach ebenfalls süchtig sind.

Mike stellt den Süchtigen eine Falle und hat zu realisieren, dass Cohr zu ihnen gehört. Die Gegner können überwältigt werden, und der Detektiv gibt die Informationen an Donnet weiter – mit der ergänzenden Information, dass der zentrale Ort der Ver­schwörung augenscheinlich die wilde Holzfällerwelt Lepsonias ist, so irreal das auch klingen mag.

Donnet warnt ihn, weitere Erkenntnisse abzuwarten und Lepso­nias nicht eigenmächtig anzusteuern … aber Cole setzt sich dar­über hinweg, ernennt sich zudem zur Personenschützerin der le­bensgefährlich bedrohten schönen Witwe Barbara und fliegt nach Lepsonias. Dabei trifft er einmal mehr auf den schrulligen Kosmo-Bioaktivisten Professor Abraham Müller, der schon lange für einen Flug nach Lepsonias gespart hat. Die urwüchsige Waldwelt am Rande des Imperiums ist für ihn so etwas wie ein biologisches Eldorado, das er dringend mit eigenen Augen se­hen will.

Sie ahnen nicht, dass auf Lepsonias derweil das Chaos aus­bricht. Als ihr Passagierschiff auf dem Raumhafen der kleinen Stadt Denys-City landet – sonst gibt es nur noch das schwer mit Energieschilden vor der wilden und aggressiven Flora und Fauna geschütz­te Lager der Waldarbeiter – , hat die feindliche Macht, der ge­heimnisvolle „Herrscher von Lepsonias“, längst damit begon­nen, zum Sturm auf die terranischen Invasoren zu blasen … und das soll alles erst der Anfang sein – Mike Cole, Barbara Gryde und der Professor finden sich so recht unvermittelt im Abenteu­er ihres Lebens wieder …

Man kann beim besten Willen nicht behaupten, dass der Roman schlichter gestrickt ist als der katastrophale Vorgängerband „Der Blutparasit“. Aber man merkt ihm deutlich an, dass ich ihn nicht gar so sehr mit der heißen Nadel strickte: Ich begann mit dem Schreibprozess im September 1984, als ich die letzten Ablehnungen vom Zauberkreis-Verlag nicht vorliegen hatte. Doch beendete ich ihn dann erst am 27. Mai 1985, unmittelbar vor meinem Realschulabschluss im gleichen Sommer.

Schon an der sehr viel konzentrierteren Handlung ist deutlich zu erkennen, dass ich mir erheblich mehr Mühe mit dem World-Building gab. Gewisse Anklänge an „Der Symbionten-Gegen­schlag“ sind wohl unvermeidlich gewesen, aber ich setze schon hier dezente Hinweise, die darauf deuteten, dass dies kein One-Shot sein würde.

Wir haben hier kursorisch mit kugelförmigen Alienwesen, den Koornern, zu tun. Die werden noch eine wichtige Rolle in der sich hieraus entwickelnden Serie spielen. Außerdem werden Raumpiratenüberfälle erwähnt, ebenso Siedlerkriege im irdi­schen Sternenreich. Das kapitalistische Gefälle zwischen Nor­malbevölkerung und der superreichen Elite existiert auch in die­sem 23. Jahrhundert. Sowohl Technologie als auch diverse Kolo­nialplaneten spannen den Rahmen der Handlung deutlich weiter als noch beim „Symbionten-Gegenschlag“. Und die Einbezie­hung einer klar pflanzlichen extraterrestrischen Intelligenz deu­tet schon in diesem Auftaktroman darauf hin, dass da noch viel mehr existiert, als man ahnen kann.

Und so ist es tatsächlich. Der erste Roman der nun beginnenden Mike Cole-Romanserie wimmelt von Namen, bizarren Todesfäl­len, Städten, Völkern und faszinierenden Schauplätzen. Dass ich also dieser neuen Welt gewogen blieb und hieraus dann mehr machte, kann kaum verblüffen.

Obwohl der Zauberkreis-Verlag mir – mit einigem Recht, wie ich einräumen muss – die kalte Schulter zeigte, sah ich nicht ein, das frisch kennen gelernte Format des Heftromans (120 zweizei­lige Textseiten) aufzugeben, sondern es sagte mir immer mehr zu. Ein klares Indiz dafür ist ohne Frage, dass ich noch bis Weih­nachten 1985 mehrere weitere Mike Cole-Romane verfasste.

Der zweite davon, „Operation Overkill“, wird der nächste in der Reihe der vorzustellenden unveröffentlichten Romane sein. Davon erzähle ich euch dann im Blogartikel 671 am 14. Juni. Nächste Woche soll es erst einmal darum gehen, was ich im Mo­nat Juli 2025 an kreativen Texten schreiben konnte. Ich denke, das kann sich durchaus sehen lassen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1Ärgerlicherweise stellte ich bei der Nachlektüre fest, dass ich im Verlauf des Romans den Sohn völlig vergessen habe … das ist natürlich ärgerlich, hand­lungsdramaturgisch indes begreiflich. Ich war damals einfach kein Familien­mensch, und mit Kindern als Handlungsträger hatte ich weder Erfahrung noch daran auch nur Interesse.

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