Rezensions-Blog 546: NeuGier

Posted Februar 4th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Neugierde ist, das betone ich ganz gern immer wieder in Ge­sprächen, der wesentliche Antriebsmotor meiner Kreativität und Grund dafür, warum ich so unermüdlich schon seit Jahrzehnten durch meine kreativen Welten streife und immerzu neue Dinge, Personen, Welten und Völker und deren Interaktionen entdecke und beschreibe. Insofern machte allein schon der Titel dieses erotischen Romans – im Verein mit dem sinnlich-schönen Cover – buchstäblich „neugierig“ auf den Roman.

Auf der anderen Seite war ich natürlich auch vorgewarnt. Unter dem Label Blue Panther Books habe ich schon ein paar ziemli­che Rohrkrepierer kennen gelernt (die ich nicht rezensierte, weil sie es nicht wert waren). Und es ist ja nun beileibe nicht selten, dass die Titelbilder hinter dem Cover etwas vollkommen ande­res verbergen … ihr kennt derlei kritische Bemerkungen von mir von zahlreichen anderen Rezensionen, die ihr hier schon lesen konntet.

Nun, in diesem Fall wurde ich ausgesprochen angenehm über­rascht. Das Titelbild stimmt tatsächlich, wie ich anno 2018 da­mals schrieb, schön auf den Inhalt ein. Ich glaube, es ist ganz pfiffig von euch, wenn ihr einfach mal der eigenen Neugierde nachgebt und weiterlest …

NeuGier

Von Alexa McNight

Blue Panther Books

256 Seiten, TB (Mai 2013)

ISBN 978-3-86277-233-9

Preis: 9,90 Euro

Als erstes wird der Leser bei diesem Buch von einem absolut wunderbar warmen, sinnlichen Eyecatcher-Titelbild einer roma­nisch-melancholischen Schönheit eingefangen, das sehr schön auf den Inhalt des Romans einstimmt, wenn man mal auf die Details achtet. Denn die braunäugige Schönheit mit den sinnli­chen Kusslippen trägt dezenten Schmuck an den Fingern.

Inwiefern das auf den Inhalt einstimmt? Nun, es geht um eine junge Goldschmiedekünstlerin namens Kate Clark, die in Palo Alto daran arbeitet, von der Kunstfertigkeit ihrer Hände leben zu können – recht erfolgreich übrigens, und das vermag die Autorin auch gut zu vermitteln. Kate lebt seit fünf Jahren in einer locke­ren Beziehung mit dem durchweg exzentrisch zu nennenden Maler Henry, der allerdings seit Monaten in der Schaffenskrise ist. Er lebt recht einsam in einem Haus im Wald, und in den de­pressiven Momenten seines Daseins hat er so überhaupt kein Gespür für Kate, ihre Zuneigung, kein lobendes Wort für ihre Kunst übrig … sie ist schon ziemlich am Boden zerstört, kann aber doch auch nicht von ihm ablassen.

Das ändert sich sukzessive, als sie sich bei dem Versuch, ihre offenbar einzige Freundin, Jill Grey, zu erreichen, einmal ver­wählt und einen Unbekannten an den Apparat bekommt. Ein un­bekannter Mann mit einer warmen Stimme, die irgendetwas in ihr zum Prickeln bringt und sie später animiert, ihn noch einmal zu kontaktieren.

Aus diesem Zufallskontakt entwickelt sich rasch mehr – denn der Unbekannte, der seinen Namen nicht nennen möchte, macht bald keinen Hehl mehr daraus, dass er gerne mit ihr schlafen will, obwohl er sie überhaupt nicht kennt. Sie findet das anfangs ein wenig empörend, aber unterschwellig prickelnd, und das nimmt noch zu, als er im weiteren Telefon- und SMS-Kontakt präziser wird: sie soll in seine Heimatstadt San Francis­co fahren, dort in einem Hotel einchecken, sich die Augen ver­binden und so auf ihn warten. Er ist immerhin so freundlich, ihr seinen Vornamen zu verraten: Jackson. Was natürlich ein Aller­weltsname ist, der sie nicht allzu viel weiter voranbringt.

Kate geht das Risiko ein und erlebt eine rauschhaft zu nennen­de erotische Liebesstunde. Und danach verschwindet Jackson wieder, wiewohl sie ihn zum Bleiben animieren möchte.

Während sich Henry immer noch wie der letzte Idiot benimmt und sich immer weiter von ihr entfernt, beginnt Kates Sein im­mer stärker um Jackson zu kreisen, und seine Liebesfähigkeiten beflügeln ihre Kunst in erstaunlicher Weise. Aus dem rätselhaf­ten One-Night-Stand wird so schnell sehr viel mehr, allerdings hat der Architekt Jackson Ramones ein ernstes Problem mit Bin­dungen und menschlicher Nähe … also genau mit dem, was Kate sucht. Sie will sich nicht nur als käuflicher „Fickkörper“ se­hen lassen, dann könnte er sich, ihrer Ansicht nach, auch gern eine x-beliebige Hure suchen. Kurzum: Sie ist ernsthaft emotio­nal verletzt, und damit kann er nicht umgehen. Und so gerät auch diese seltsame Freitagsbeziehung rasch in gefährliches, krisenhaftes Fahrwasser …

Alexa McNight ist das Pseudonym der Autorin Juliane Käppler (Jahrgang 1977), die auch unter dem Pseudonym Jules Saint-Cruz schon diverse Romane veröffentlicht hat. Mit diesem Ro­man, mit dem ich sie kennen lernte, hat sie sich unstrittig mei­ne Sympathie erschrieben, denn ich kann nur bestätigen, was zahlreiche Kommentare auf Lovelybooks zu diesem Roman schreiben: er liest sich unglaublich geschmeidig, ist gefüllt mit sympathischen Protagonisten, die man im Guten wie im Schlechten schnell ins Herz schließt. Und ja, man leidet schnell mit der armen Kate, die zwischen allen Stühlen sitzt und deren Sehnsüchte man so gut verstehen kann.

Schade fand ich an dem Roman, dass er in gewisser Weise doch schmalspurig fuhr – wie manche Romane des Labels Plaisir d’Amour verfügt er einfach über eine sehr eingeschränkte Per­sonenzahl, und die Nebenpersonen (im Wesentlichen Jill, Henry und ein Barkeeper namens Max) besitzen quasi überhaupt keine recht entwickelte Persönlichkeit. Familiäre Bande existieren ebenfalls so gut wie keine … da hat man schon das Gefühl, als Leser in einer künstlichen Blase gefangen zu sein.

Schaut man sich dagegen etwa Sylvia Days „Crossfire“-Romane an oder auch Julie Kenners ausufernde Serie um Nikki und Da­mien Stark, dann erhält man deutlich mehr Gespür dafür, wie ein lebendiger Sozialkosmos ausschauen sollte. Sicherlich, die Kürze des Romanformats, das hier vorliegt, erzwang zweifelsoh­ne eine gewisse personelle Reduktion. Aber ich bin überzeugt, hier wäre mehr möglich gewesen.

Sieht man indes über dieses Detail hinweg oder ist ein flüchti­ger Leser, der sich sowieso mehr auf die Zentralpersonen kon­zentrieren will – ich als Historiker achte da schon mehr auf das soziale Geflecht ringsum – , so kann man diesen Roman absolut genießen, der an vielen Stellen prickelnde Aufregung versprüht und ihn oder sie auf eine romantisch-erotische Reise entführt, über deren Ausgang ich hier nichts verraten werde.

Lasst euch überraschen – es ist die sehr kurzweilige Lektüre wirklich wert. Schade ist indes, dass das Buch so kurz ist. Aber ihr wisst ja … gute Bücher sind für mich sowieso immer zu kurz. Das hier hätte sicherlich noch hundert Seiten mehr vertragen.

© 2018 by Uwe Lammers

Na, ich denke, da habe ich einleitend nicht zu viel versprochen, oder? In der kommenden Woche gibt es dann wieder das totale Kontrastprogramm, das uns in die 60er-Jahre des 20. Jahrhun­derts zurückkatapultiert … na ja, oder in eine dystopische Zu­kunft. Auf eigenartige Weise passt beides als Beschreibung für das vorzustellende Buch der nächsten Woche.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

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