Rezensions-Blog 551: Agenten der Galaxis (1)

Posted März 11th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

SF-Romane von vorgestern, die selbst erschienen sind, ehe ich auf der Welt war (zur Erinnerung oder Info, falls ihr es nicht wis­sen solltet: Das war 1966), sind angestaubt, langweilig und alt­backen? Nun, in vielen Fällen ist dieses Klischee mit Sicherheit angebracht. Doch als ich diesen Roman las … pardon: ver­schlang …, da konnte ich dieses Etikett auf das vorliegende Werk mit Sicherheit nicht aufdrücken. Und ihr tut gut daran, das ebenso zu sehen.

Wer sich schon immer mal mit Fliegenden Untertassen oder Zeitreisen (oder beidem in Kombination) beschäftigt hat, zudem ein Faible für so etwas wie die legendären „Men in Black“ und vielleicht auch noch Gestaltwandler besitzt, der kommt in die­sem Roman sehr solide auf seine Kosten.

Ich präsentiere euch die wohlwollende Rezension zu dem ersten von vier Abenteuern des Zeitreiseagenten Hannibal Fortune:

Agenten der Galaxis

(OT: The Flying Saucer Gambit)

Von Larry Maddock

Terra-Taschenbuch 153

160 Seiten, TB, 1968 (1960)

Aus dem Amerikanischen von Werner Gronwald

Keine ISBN

Die Erde ist in Gefahr.

Nun gut, das ist eigentlich in der Science Fiction nichts Unge­wöhnliches, vermutlich annähernd jeder zweite SF-Roman, der je geschrieben wurde, thematisiert auf die eine oder andere Weise eine Bedrohung für unsere Heimatwelt, sei es in der Ge­genwart, Vergangenheit oder Zukunft, in alternativen Realitäten oder wie auch immer. Wie sieht das hier aus?

Sorobin Kimball ist Journalist im ländlichen Kansas des Jahres 1966, jedenfalls für alle Menschen im weiteren Umkreis. Aber er hat eine zweite Identität, nämlich die eines Geheimagenten für die galaktische Geheimorganisation TERRA (laut dem WIKIPE­DIA-Eintrag zu Larry Maddock steht diese Abkürzung, korrekt ei­gentlich T.E.R.R.A. geschrieben, für „Temporal Entropy Restruc­ture and Repair Agency“). TERRA, um bei dieser Form zu blei­ben, ist eine Zeitreiseinstitution, die im Zentrum der Galaxis im 26. Jahrhundert menschlicher Zeitrechnung sitzt und darüber wacht, dass speziell auf der Ursprungswelt der Menschheit, die Zeitlinie ungestört bleibt.

Wie es sich nämlich für eine Space Opera – und darum handelt es sich hier strukturell – gehört, gibt es selbstverständlich auch „die Bösen“. Sie manifestieren sich in der vom finsteren Drofox Johrgol gegründeten Organisation „Empire“. Diese Organisation strebt eine großflächige Umformatierung der menschlichen Ge­schichte zu ihren Gunsten an. TERRA soll das stets verhindern.

Als der TERRA-Agent Sorobin Kimball jählings verstummt, wird der Elite-Agent Hannibal Fortune zusammen mit seinem Symbi­onten-Partner Webley (ich würde ihn weniger einen Symbionten als vielmehr einen Gestaltwandler nennen) nach Kansas anno 1966 geschickt, um nach dem Rechten zu sehen.

Nun, viel zu retten gibt es nicht mehr. Kimball, dessen letzter Funkspruch brüsk gestört wurde, ist so tot, wie es nur geht, und sein Symbiontenpartner Glarrk ist offenbar wahnsinnig gewor­den. Und es geht, sehr passend für die Zeit, augenscheinlich um UFOs … Empire-Raumschiffe, wie Fortune sofort – mit Recht – argwöhnt. Als er der Fährte nachgeht, stößt er auf die unbedarf­te und vertrauensselige Katzenliebhaberin Marilyn Mostly, die quasi unablässig am Reden ist, geradezu hinreißend naiv, an UFOs und deren Friedfertigkeit sowie die Reinkarnation glau­bend. Da sich Fortunes Partner Webley zu diesem Zeitpunkt in Gestalt einer Katze materialisiert hat, schließen die beiden We­sen unterschiedlicher Zeiten sofort Freundschaft. Was allerdings mittelfristig nicht verhindert, dass Miss Mostly von den Empire-Agenten entführt wird.

Die Fährte führt nach Arizona, in die direkte Nähe der Superstiti­on Mountains (im Roman süß als „Aberglauben-Berge“ irgend­wie drollig übersetzt), wo die TERRA-Agenten mit der aparten Apachin Candy Longfellow zusammenprallen. Sie erfahren bei­spielsweise, dass die Berge heilige Orte der Apachen sind und als verflucht gelten. Außerdem aber läuft dort ein unerbittlicher Countdown, der nur noch nach wenigen Stunden zählt – dann nämlich will Empire die Welt mit einer willenslähmenden Spezi­alwaffe „befrieden“ und im Anschluss die Weltherrschaft an sich reißen.

Keine Frage, so sehr die Welt der 60er Jahre auch Frieden braucht – das muss man natürlich verhindern, weil das die Zeit­linie total verändern würde … nur wie macht man das, wenn man ein naives, UFO-gläubiges Mädchen aus einer Gefangen­schaft zu befreien hat, die es noch nicht mal als solche realisiert hat? Und wie soll man das machen, wenn selbst der eigene Symbiontenpartner auf einmal verrückt zu werden scheint? Da hilft nur noch der massive Einsatz einer Zeitmaschine, und dann wird es erst recht wild …

Dieser Roman, fast so alt wie ich selbst (bezogen auf die deut­sche Veröffentlichung), hat ungeachtet seines Alters einen nicht eben geringen Charme. Blendet man mal die eher skizzenhafte Rahmenhandlung des Antagonismus TERRA – Empire weitge­hend aus und konzentriert sich auf das Zeit- und Lokalkolorit des Romans, dann entdeckt man schnell, dass der Autor Larry Maddock (auf dem Cover durch einen Verlagsfehler zu „Carry Maddock“ mutiert), recht ordentlich recherchiert ist.

Denn alles, was er über die Superstition Mountains, den Zusam­menhang mit den Apachen und sogar die legendäre „Lost Dutchman-Mine“ erzählt (die hier für mich völlig überraschend thematisiert wurde), passt ausgezeichnet zu weiteren Informationen, die ich zu dem Thema kannte. Die allgemeine UFO-Hy-sterie in den frühen 60er Jahren wird ebenso aufgenommen wie gewisse folkloristische Auswüchse der damaligen Zeit.

Maddock hieß eigentlich mit bürgerlichem Namen Jack Owen Jardine (1931-2009) und hat neben der Schriftstellerei, wie das allgemein so üblich war, zahlreiche andere Berufe ausgeübt, zu denen Zeitungsreporter, Rundfunksprecher, Redakteur, Fernseh­techniker, Vertreter und Kreativdirektor zweier Radiostationen in Arizona zählten. Soweit ich weiß, hat er aber neben einer Reihe von SF-Kurzgeschichten (zu dem Symbionten Webley) vier SF-Romane um Hannibal Fortune verfasst, dessen erster hier vor­liegt.

Insbesondere die lockere, an den frühen Connery-Bond erin­nernde Charakterisierung des Helden sowie die bisweilen wirklich goldig gezeichneten Protagonisten und die niedlichen Irrungen und Wirrungen machen die Geschichte wirklich lesenswert und loh­nen meiner Ansicht nach auch heute noch eine Wiederentde­ckung.

Dass ich mit dieser Ansicht offenbar nicht alleine bin, zeigt eine in den 2000er-Jahren realisierte Neuauflage dieses Romanzy­klus, der mir aber physisch nicht vorliegt. Ich für meinen Teil bin jedenfalls gespannt auf die drei weiteren Abenteuer Hannibal Fortunes. Demnächst erzähle ich mehr dazu.

© 2022 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche geht es dann erst einmal wieder um das geheimnisvoll-erotische „Black Game“. Bleibt gespannt, Freunde.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

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