Liebe Freunde des OSM,
wie ich kürzlich schon schrieb (Blogartikel 548), ist es durchaus angenehm, nach einer Reihe von Jahren endlich diese Rezension zu veröffentlichen und sich bei der Vorbereitung dazu in das Geschriebene noch einmal hineinzuversetzen. Ganz wie beim ersten Teil kann ich auch hier nur konstatieren: Solide, interessant geschriebene Unterhaltung, die auch nach all den Jahren das bestätigende, wohlwollende Kopfnicken beim Nachlesen gerechtfertigt erscheinen lässt.
Zwar habe ich von der Autorin seither nichts mehr gehört oder gelesen, aber es ist eigentlich kaum anzunehmen, dass sie die letzten 10 Jahre auf der faulen Haut gelegen oder sich auf dem Erfolg des Zweiteilers ausgeruht hat. Ich werde mal nach ihr fahnden müssen.
Jetzt aber erst einmal freie Bahn für den zweiten und abschließenden Teil der Liebesgeschichte zwischen dem geheimnisvollen Devon Draper und Anya Summers, der auf einmal ein Stolperstein im Weg steht, mit dem Anya nicht gerechnet hat.
Devons intrigante Schwester. Doch lest lieber selbst, was das bedeutet:
The Black Game 2: Gefährliche Erlösung
von Karola Löwenstein
Knaur 51752
320 Seiten, TB
März 2016, 9.99 Euro
ISBN 978-3-426-51752-9
Die Katastrophe scheint absolut perfekt.
Die junge Managerin Anya Summers von Transatlantic Coffee (TC) ist der Ausstrahlung des charismatischen Devon Draper von Draper Consulting erlegen und hat das Wagnis auf sich genommen, in seine adrenalingesteuerte Welt einzutauchen. Wiewohl sie sich seit zwei Jahren erfolgreich von Männern ferngehalten hat und sich Herzensverstrickungen lieber für ihre Rückkehr ins ländliche Minnesota aufheben wollte, konnte sie seinem hartnäckigen, einfallsreichen Werben nicht lange Widerstand entgegensetzen.
Der Lohn dafür sind orgasmische Ekstasen, wie sie sie noch niemals erlebt hat, unglaublich einfallsreiche Liebesnächte … und Geheimnisse. Denn Devon verschwindet ein jedes Mal nach dem Sex, und er behauptet hartnäckig, ihre Begegnungen seien primär sexuell orientiert, tiefer gehende Gefühle seien darin nicht involviert.
Nun, das gilt für Anya definitiv nicht, und sie merkt schnell (wie natürlich auch der Leser), dass sich auch Devon munter selbst belügt. Sie ist zudem so energisch, dass sie nun immer mehr wissen möchte über den Mann, der in ihrem Leben zunehmend eine zentrale Rolle zu spielen beginnt. Aber Devon mauert.
Aus seinen Andeutungen kristallisiert sich aber schon bald heraus, dass er in das geheimnisvolle „Black Game“ involviert ist, das im angesagten „Club 5“ in der nur für Auserwählte zugänglichen „Black Lounge“ gespielt wird. Aber ein erster Besuch, der für Anya möglich wird, weil a) Devon ihr eine persönliche Einladung zukommen ließ und b) ihre Freundin Sarah Green so unendlich darauf drängt, erweist sich als höchst schockierend. Und er ist der Anfang vom Ende, wie es aussieht.
Das „Black Game“ ist ein Spiel, bei dem zwölf verschiedene sexuelle Phantasien für Frauen ausgelost werden, über deren Inhalt sie aber anschließend nicht sprechen dürfen. Dafür wird eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet und ein Schweigegeld von 250.000 Dollar gezahlt.
Anya Summers findet das völlig unmoralisch.
Und dann entdeckt sie, dass der Hauptinitiator des Spiels niemand Geringeres ist als ihr Geliebter, Devon Draper.
Vollkommen schockiert bricht sie mit ihm und ist sich auf einmal überhaupt nicht mehr sicher, ob sie mit ihm noch etwas zu tun haben möchte … aber ihr Herz schmerzt durch die Trennung unglaublich.
Nach einer Weile der Distanz wagen sie einen Neuanfang, versuchen sich auf annähernd gleicher Ebene wieder zu begegnen. Dabei wünscht sich Devon, dass sie ihn besser versteht und seine Leidenschaften nicht nur auf sexueller Ebene zu teilen beginnt – und er demonstriert auch schnell, wie sich das ausdrückt: durch Wandertouren, das Erklimmen steiler Felswände und einen Fallschirmsprung aus dem Flugzeug. Mitunter lebensgefährliche Abenteuer, die sie nie aus freien Stücken unternommen hätte.
Im Laufe des vorliegenden Romans kommt dann sehr viel mehr Klarheit in die biografischen Hintergründe des bislang noch unscharf konturierten Devon Draper, auch die Details des „Black Game“ werden aufgehellt, zum Teil in äußerst praktischer Anwendung der gewürfelten Augenzahlen jener beiden Würfel, die Devon stets dabei hat.
Doch dann erhält Anya Drohbriefe. Schließlich Drohanrufe. Und sie lernt Devons herrische Schwester Shannon kennen, die von ihr ultimativ verlangt, sie solle Devon verlassen und aus ihrem Gedächtnis streichen. Andernfalls werde sie ihr das Leben zur Hölle machen.
Anya nimmt das nicht ernst.
Echt, Shannon Draper kann sie mal gern haben! Sie hat in ihrem gemeinsamen Leben mit Devon echt gar nichts zu suchen.
Diese Handlungsweise ist jedoch ein fataler Fehler, der sehr schnell zu haarsträubenden Szenen führt – und Anya letztlich in die vollkommene Verzweiflung treibt, bis sie endlich etwas tut, von dem sie niemals glaubte, es tun zu können oder zu wollen: sie muss das „Black Game“ spielen, ob sie will oder nicht – oder alles ist verloren …
Schön an diesem zweiten Band des „Black Game“-Zweiteilers ist die unübersehbare Tatsache, dass das Buch sehr viel umfangreicher ist als der erste Teil. Das kann nun natürlich zweierlei bedeuten: entweder, dass es von vornherein als ein Band geplant war und von der Verlagsseite in zwei Bände aufgespalten wurde (was ich als Geldschneiderei bezeichnen würde). Oder dass die Autorin wirklich viel Spaß daran hatte, die Storyline munter auszubauen und sich im zweiten Band richtig ausgetobt hat. Von einer Inhaltsverknappung, wie sie bei mancher erotischen Trilogie (z. B. Susannah Quinn oder Lara Adrian) auftritt, ist hier keine Spur. Und das hat meiner Ansicht nach nicht nur damit zu tun, dass es sich „lediglich“ um einen Zweiteiler handelt.
Mit der intriganten Shannon Draper hat Karola Löwenstein zudem eine interessante neue Person kreiert, die wirklich ein fieses Reaktionsspektrum ausbreitet und zu ganz erstaunlichen Attacken übergeht. Das nenne ich mal wirklich Gefahr von Format, und insofern ist der Titel des Buches durchaus berechtigt.
Ein wenig schade fand ich, dass Anya so sehr auf dem Schlauch steht, dass sie zahlreiche ziemlich auf der Hand liegende Handlungszusammenhänge wirklich nicht sieht. Da wartet auf den Leser bei der Konklusion des Romans nicht so richtig etwas Überraschendes. Aber dessen ungeachtet ist ihr die psychologische Struktur der Shannon Draper gut gelungen.
Etwas sehr melodramatisch war die existenzielle Krise in Minnesota inszeniert, da holperte die Logik meiner Meinung nach schon etwas und wirkte gekünstelt … aber was tut man nicht alles, um die Protagonistin in die richtige Richtung zu lenken? Kann man machen. Und da es sich bei diesem Zweiteiler offenbar um den Romanerstling der 1979 geborenen Autorin handelt, kann man ihr in dieser Hinsicht auch noch ein wenig Nachsicht gönnen. Beim nächsten Roman wird es sicherlich ein wenig glatter laufen.
Ich würde mich jedenfalls freuen, von der Autorin mehr zu lesen – das hier ist eine nette Neuentdeckung made in Germany. Interessante erotische Romane müssen nicht nur aus Übersee kommen, wie man hieran erkennt.
© 2018 by Uwe Lammers
In der nächsten Woche geht es wieder in historische Gefilde – mit dem fiktiven Detektiv Isaac Bell, der einmal mehr im Umfeld um den Ersten Weltkrieg Kriminalfälle zu lösen hat. Wir können wohl davon ausgehen, dass es wie gewohnt äußerst dramatisch und lebensgefährlich werden wird.
Näheres in der kommenden Woche an dieser Stelle.
Bis dann, mit
Oki Stanwers Gruß,
euer Uwe.