Liebe Freunde des OSM,
manchmal muss ich beim Nachlesen alter Episoden wirklich herzhaft lachen und kann mich kaum wieder beruhigen … das ging mir gestern Abend erst wieder so, als ich die entsprechenden sprachlichen Ausfallstellen für den heutigen Fehlerlese-Artikel meines Blogs nachlas. Du liebe Güte, immer, wenn ich daran denke, muss ich unwillkürlich schon wieder prusten. Das ist eigentlich eine gute Grundlage, denke ich, für eine neue Ausgabe der beliebten Rubrik „Fehlerlese“.
Wie schon in den vergangenen Artikeln dieser Reihe befinden wir uns mal wieder im KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“, den ich Anfang 1989 abschloss (!), de aber im Wesentlichen nach wie vor unveröffentlicht ist. Das Digitalisat dazu schloss ich dann anno 2018 ab. Aber aktuell (wir schreiben den 19. Oktober 2025) bin ich immer noch dabei, das Glossar der Serie auf Vordermann zu bringen, damit ich es in die Version 6 des OSM-Hauptglossars einfügen kann. Bis ihr diese Zeilen im Mai 2026 lest, wird das zweifellos längst passiert sein.
Heute möchte ich euch vier Fehlstellen aus Band 45 der KGTDUS-Serie vorstellen und begründen, warum sie so amüsant sind. Dazu ist es vermutlich erhellend, wenn ich kurz skizziere, auf welchem Hintergrund sie fußen.
Im Band 45 der Serie beginnt die Jagd auf das BUCH, TOTAMS Legislative, hier noch als passives Objekt verstanden (was, wie die Verfolgenden schnell erkennen können, völlig falsch ist, die meisten von ihnen büßen dementsprechend ihr Leben oder untotes Dasein ein, und es gibt auch grässlich viele „Kollateralschäden“, als Randpersonen, die zu Tode kommen).
Im nämlichen Band liegt ein Frachtschiff, aus den USA kommend, im Hafen von Den Haag. Im Frachtraum befindet sich, was aber niemand konkret weiß, das BUCH als Konterbande, aber darum geht es in dieser Stelle gar nicht. Die groteske Szene spielt vielmehr kurz zuvor. Ich zitiere mal aus dem Haupttext:
„Zwanzig Mann waren auf dem kleinen Frachter und bewachten die Güter, meist Obst und Gemüse und diverse Fleischsorten, die in den tiefgekühlten Abteilen des Schiffes gelagert wurden.“
Soweit ist die Welt noch in Ordnung. Man mag sich zwar fragen, warum derlei Vorräte so stark bewacht werden müssen, doch darum geht es gar nicht. Dann geht es weiter:
„Sie kamen aus den Staaten und hatten hier nur wegen eines Maschinenschadens Pause gemacht.“
Autsch. Auftritt meiner Fußnote 5394:
„Die Fleischsorten hatten also Maschinenschaden … sehr interessant. Das bezieht sich natürlich auf den ‚kleinen Frachter‘. Der Widerspruch darin fiel mir indes nicht auf: ein ‚kleines Schiff‘ überquert mit seiner Fracht den Atlantischen Ozean – die ‚Staaten‘ sind natürlich die Vereinigten Staaten – , muss dann aber wegen Maschinenschadens in England Zwischenhalt machen, ehe es nach Den Haag weiterfährt? Das macht wenig Sinn. Für transatlantische Fahrten werden auch heute schon große Frachtschiffe verwendet, die die Kosten durch die Masse an transportierten Gütern minimieren. Das hier ist ziemlich unsinnig und muss geändert werden.“
Man merkt, diese Passage ist schon aus mehrerlei Gründen ziemlich arg verbesserungsbedürftig. Augenscheinlich war ich in dieser Episode formulierungstechnisch auch sonst nicht wirklich auf der Höhe. Schon 5 Seiten weiter kommt der nächste sprachliche Ausfall. Schauen wir uns das mal näher an. Diesmal blendet das Geschehen nach München um, wo ein Mann namens Sven Kneer vor den Augen seines Freundes Ray Braun von einem Gesichtslosen umgebracht und sein Kopf in einen glühenden Totenschädel verwandelt wird, der nach Verkündung unheilschwangerer Worte kurzerhand davonfliegt.
Im Haupttext heißt es wie folgt:
„Die Stimme verwehte, und der Schemen wurde von dem Schädel aufgesogen, der gleich einem Kometen gen Himmel schoss.
Und merkwürdigerweise war auch der Gesichtslose verschwunden, als habe ihn der Boden verschlungen. Ray Braun begann haltlos zu zittern. Das musste doch alles ein Alptraum sein!
Aber er wusste zu gut, dass das nicht stimmte.“
Das ist wirklich dramatisch, unzweifelhaft. Aber was machte ich daraus? Ich ging einfach wieder zur Tagesordnung über! Keine Konsequenzen für die Handlung!
Das bedeutete – es war unumgänglich, die Fußnote 5438 zu schreiben, die es dann in sich hatte:
„Hat das irgendwer beobachtet? Nein. München ist ja völlig entvölkert. Macht Ray Braun eine Anzeige bei der Polizei? Nein. Warum auch, ist ja eine dämonische Attacke gewesen. Dass Sven Kneer anschließend bestimmt vermisst wird und sicherlich die Polizei auf Ray zukommen würde, um sein Verschwinden zu klären, habe ich mir damals nicht gedacht. Was sollte er den Beamten denn dann erzählen? Etwa dies: ‚Ja, also, und dann wurde Sven von einem dämonischen Wesen umgebracht, und sein glühender Totenschädel blieb übrig, der mir eine Drohung übermittelte und dann wie ein Komet abhob …‘? Dann ist Ray ein Fall für die Psychiatrie, soviel ist sicher. Man merkt, der ganze Abschnitt ist äußerst schlecht durchdacht. Au weia!“
Das ist schon ziemlich arg. Aber es hielt mich natürlich nicht davon ab, weiter Fehler zu produzieren. Eine Seite weiter kommt schon der nächste Klopfer.
Die Szene sieht wie folgt aus: Der ägyptische Helfer des Lichts namens Altain wird unerwartet von seinem Todfeind aufgesucht, dem Mumiendämon Hortass, und sie schließen ein Stillhalteabkommen, solange nach dem BUCH gesucht wird. Hortass bringt Altain per Teleportation nach Den Haag und kommuniziert telepathisch (!) mit ihm. Das sieht dann so aus:
„Dann flüsterte sein Geist Altain zu: ‚Sie sind uns voraus. Das BUCH ist an Bord dieses Flugzeuges …‘“
Vermutlich stirnrunzelnd kommentierte ich diese Stelle in der Fußnote 5444:
„Wieso muss sein Geist ‚flüstern‘? Damit man die ‚Gedanken‘ nicht hören kann? Das ist ja wohl wirklich ziemlich albern. Bei Telepathie kann man ganz normal sprechen, ‚Flüstern‘ ist da eher nicht möglich. Und das wusste ich damals als regelmäßiger Perry Rhodan-Leser natürlich. Warum ich solch einen Unfug zusammenfaselte, ist mir heute unbegreiflich.“
Kommen wir zur letzten, kaum minder widersinnigen Stelle in dieser Episode. Zunächst der Background: Oki Stanwers Seele ist zu diesem Zeitpunkt im BUCH gefangen und macht darin eine faszinierende Geistreise in den Vorhof TOTAMS, wobei Oki auch TOTAM auf eine eigentümliche Weise wahrnimmt. Dies ist die Ausgangsperspektive für die folgende Szene:
„Die Aura der Macht war erdrückend, aber sie war kalt, leblos. Die animalische Kraft TOTAMS fehlte. Es war, als … als sei TOTAM unbewohnt, als gäbe es dort weder Dämonen noch Dämonenwaffen, als sei TOTAM tot, karst und leer.
Aber TOTAM konnte nicht TOT sein! Das war absolut unvorstellbar. Dort musste Leben sein!“
So, und jetzt aufgepasst, so geht das Zitat weiter:
„31 Dämonen von TOTAM waren noch nicht bezwungen. Tausende und Millionen von Untoten mussten dort existieren.“
Zitatende und Auftritt von kommentierender Fußnote 5464:
„Ah ja, ‚es musste dort Leben geben … Millionen von Untoten‘. Danke, Oki, Logiklektion abgeschlossen, Sechs, setzen! Au weia. Das ist ja wohl daneben. Warum habe ich denn diesen Blödsinn nicht gestrichen?“
Tja, das fragt man sich wohl mit Fug und Recht. Ich kann das heute nur damit begründen, dass ich so im hektischen Schreibflow war, dass mir die ganzen Handlungsdetails schlicht schnuppe waren. Da ich damals noch mit mechanischer Schreibmaschine schrieb, könnt ihr euch sicherlich vorstellen, wie knifflig es war, hier Änderungen nachträglich vorzunehmen. Dazu hätte ich dann die ganze Seite neu schreiben müssen … etwas, von dem ich stets Abstand nahm.
Ihr merkt hieran mal wieder deutlich, wie viel Nacharbeit solche Episoden brauchen werden, wenn ich dann dazu komme. In der aktuellen Fassung sind sie einfach noch nicht publikationsreif.
In der kommenden Woche wird es dann wieder etwas nüchterner. Dann berichte ich euch davon, was ich im September 2024 an kreativen Werken bearbeitet bzw. auch abgeschlossen habe.
Bis dann, meine Freunde, mit
Oki Stanwers Gruß,
euer Uwe.