Blogartikel 657: Langzeitprojekte 17: Rilaans Geschichte

Posted März 8th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist tatsächlich etwas schade, muss ich sagen, dass ihr diese Welt noch nicht kennt, in der diese Geschichte spielt … wobei ich da nicht so ganz die Wahrheit sage. Einblicke in das Univer­sum, in das ich euch heute wieder entführen werde, habt ihr schon werfen können, wenn ihr gelegentlich meine E-Books kon­sultiert habt.

Wir befinden uns im KONFLIKT 4 des Oki Stanwer Mythos, also in jener Serie, die unter dem Namen „Oki Stanwer – Der Insel-Re­gent“ (IR) segelt. Nennen wir es einfach mal so. Aus zahlreichen Blogartikeln wisst ihr, dass in diesem Universum der zentrale Schauplatz die Galaxis Mysorstos ist. Hier haben die Baumeister mit Oki Stanwers Assistenz die so genannte INSEL erschaffen – ein phantastisches Hochtechnologie-Imperium, ein Vielvölker­reich, das durch ein bemerkenswert perfektionistisches Netz­werk aus Transmittern immer mehr zusammengewachsen ist. Im Laufe der vergangenen zweieinhalbtausend Jahre ist das IN­SEL-Imperium immer weiter expandiert, hat neue Welten er­schlossen, weitere Völker eingemeindet, und all dies unter der wohlwollenden Obhut der Baumeister, die allgemein als altruis­tische Wohltäter angesehen werden, da sie für ihre unzähligen Hilfsdienste rein gar nichts verlangen.

Kaum jemand jenseits des engsten Führungszirkels um den Re­genten Oki Stanwer ist sich darüber im Klaren, dass diese Deu­tung einseitig und einigermaßen naiv ist. In Wahrheit fürchten die Baumeister seit Gründung der INSEL den Angriff der Feind­macht TOTAM, und insgeheim wird von ihnen massiv aufgerüs­tet und die stellare Umgebung der INSEL nach Bedrohungen ab­gescannt.

Doch die besten Warnsysteme finden keine Spur von TOTAM … und so kehrt im Laufe der Zeit mehr und mehr Ruhe ein. Dass diese Ruhe auf fatale Weise trügerisch ist, beweist der Roman „In der Hölle“, der auch als E-Book zu lesen ist. Darin geht es um den Beginn von TOTAMS Invasion in der INSEL, die ganz an­ders verläuft, als sich die Baumeister das denken.

Doch die Geschichte, die ich euch heute vorstellen möchte, spielt einige Jahre vor diesen Ereignissen, und scheinbar fängt sie vollkommen banal an.

Womit?

Nun, mit enttäuschter Liebe.

Die junge Techno-Bürgerin Rilaan bewohnt den zentralen Tech­no-Planeten Talascantor und studiert hier, während sie bei ihren Großeltern wohnt, Mayolita und Joshnoor. Sie selbst ist leider früh verwaist, aber ihre Großeltern sind Seelen von Menschen, und sie fangen Rilaan auch auf, als sie sich während ihres Tou­ristik-Studiums in einen etwas älteren Lehrer verguckt … und ihn dann bei einem völlig ungenierten Seitensprung mit ande­ren Mitschülerinnen erwischt.

Mit gebrochenem Herzen flüchtet Rilaan zu ihren Großeltern, die sie trösten. Grimmig schließt sie ihr Studium höchst erfolgreich ab … und dann folgt das, was jeder Berufstätige von uns auch kennt: Man hat ins Berufsleben zu starten. Mit einem verletzten Herzen ist das naturgemäß noch etwas schwieriger als sonst … und ihre Großeltern machen Rilaan auch einen Vorschlag, der sie anfangs völlig entsetzt: Sie solle sich von Talascantor weg­bewerben, auf einem anderen Planeten beruflich starten!

Anfangs fürchtet Rilaan natürlich, sie habe ihre Sympathien bei den Großeltern verscherzt, was allerdings völlig abwegig ist. Nein, wird ihr versichert, denk doch nur mal nach: Wir leben in der INSEL! Selbst wenn du hundert Lichtjahre entfernt Arbeit finden solltest, kannst du uns mühelos kontaktieren. Und dank der Baumeister-Portale bist du höchstens ein paar Reisestunden von uns entfernt.

Also nimmt Rilaan allen Mut zusammen – immerhin hat sie Talascantor noch nie verlassen! – und recherchiert Stellen auf anderen Welten der INSEL … und macht die interessante Entde­ckung, dass die meisten Absolventinnen ihres Faches lieber auf der heimischen Welt Talascantor bleiben, wo sie sich in einem gnadenlosen Konkurrenzwettkampf befinden. Auf anderen Wel­ten der INSEL, und von denen gibt es quasi uferlos viele, ist das ganz anders. Auf manchen davon wird die Tourismusbranche gerade erst aufgebaut.

So erhält sie drei Zusagen zu einem Vorstellungsgespräch auf drei verschiedenen Welten: Volnarish, Khen-Talanaar und Tushwannet.

Volnarish erweist sich als ein wirklich noch sehr entwicklungsfä­higer Bereich, und erschwerend hinzu kommt, dass gerade ein ausgewachsener Tropensturm die Stadt heimsucht, in der der Transmitterdom steht. Alles ist abgeschirmt, aber das Reisebüro steht weitgehend unter Wasser, und es gibt noch keine von den Baumeistern eingerichtete planetare Wetterkontrolle … der An­fang der Arbeit hier könnte also ziemlich abenteuerlich werden. Obwohl sich Rilaan mit den Verantwortlichen gut versteht, wird sie ermuntert, sich vor einer Entscheidung besser erst noch die anderen Möglichkeiten anzuschauen. Das erleichtert ihr doch sehr die weitere Vorgehensweise.

Der zweite Stopp erfolgt auf der Welt Tushwannet, 18 Lichtjahre von Talascantor entfernt. Hier hat ein Reisebüro in der kleinen Küstenstadt Vushkay positiv auf ihre Bewerbung reagiert und erwartet sie.

Was Rilaan indes nicht erwartet, ist dies: Sie ist wie verzaubert, sobald sie hier erst einmal angekommen ist. Es ist ihr völlig un­begreiflich, aber … ja … ja, es fühlt sich tatsächlich unfassbar so an, als gehöre sie regelrecht hierher. Schauen wir uns das mal kurz im Text selbst an:

Um die Wahrheit zu sagen – sie hatte ihr Herz längst an Tushwannet ver­loren, als sie schließlich Vushkay erreichte, jene idyllische Kleinstadt direkt am tropischen Meer, wo sich das Reisebüro befand, das sie zum Vorstel­lungsgespräch eingeladen hatte. Es lag direkt in der lebendigen, pittores­ken Altstadt, in der zwar an allen möglichen Stellen modernisiert und neu gebaut wurde – dennoch entstand in keinem Moment so ein Gefühl von Hektik und Stress. Selbst die heimischen Bauarbeiter, die nahezu vollständig auf Roboterhilfe verzichteten, besaßen einen ganz eigenen, entspannten Arbeitstakt, der es richtig angenehm machte, ihnen beim Er­schaffen ihrer Werkstücke zuzuschauen. Und niemand nahm Rilaan das übel, dass sie die kernigen Handwerker bewunderte.

Neben einheimischen Traditionsgeschäften, deren Namen ihr samt und sonders gar nichts sagten, gab es inzwischen natürlich auch zahlreiche Stellvertreter-Dependancen von Unternehmensketten, deren Filialen man auch auf Talascantor und sicher auf vielen anderen INSEL-Welten finden konnte. Aber alles in allem machte das beschauliche Vushkay einen soli­den, traditionsbewussten Eindruck, gekrönt von einer kleinen Schicht von dynamischen Jungunternehmern, die sich mehrheitlich auf verschiedene Sparten des Tourismus konzentrierten. Und auf eine schwer zu beschrei­bende Weise hatte Rilaan sofort das Gefühl, hier „heimisch“ zu sein – ein­fach hierher zu gehören.

Mayolitas geradezu visionäre Worte fielen ihr wieder ein: Du wirst es si­cherlich spüren, wenn du am richtigen Platz angekommen bist.

Sie hatte es ihr nicht recht glauben wollen, weil sie nur eine richtige Hei­mat kannte, nämlich das Grundstück ihrer Großeltern auf der Insel Shal­naay … aber das hier, dieses kleine, romantisches Vushkay, es lockte ihr unweigerlich ein strahlendes Lächeln aufs Gesicht, und sie fühlte sich be­schwingt und unglaublich wohl – selbst wenn sie derzeit auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch war, das natürlich auch schlecht ausgehen konnte.

Jede Form von Heimweh oder Fremdeln war jedenfalls schlagartig ver­schwunden, als sie sich vom Busbahnhof zu Fuß auf den Weg zu dem klei­nen Reisegeschäft machte.

Die Technos hier waren unglaublich freundlich, lächelten und scherzten, nirgendwo war etwas zu spüren von Verdruss, Stress oder dergleichen – al­les hier wirkte ein wenig wie ein Traum, in dem alles in Pastellfarben ge­malt war. So hinreißend, dass sich Vushkay unaufhaltsam in ihr romanti­sches Herz einschrieb.

Wenig später befand sie sich dann mitten im Gespräch mit der 42jähri­gen, dynamischen Chefin Yasleen der Reisevermittlung Ilaanoy – und sie saß, auf ein Neues einen leckeren, aromatischen Tuursh genießend, auf der rückwärtigen Terrasse des zweistöckigen Gebäudes mit einem wirklich atemberaubenden Blick über die Bucht von Vushkay … und ehe sich Rilaan versah, waren Yasleen und sie so vertraut miteinander, als würden sie sich bereits ihr Leben lang kennen.

Der Funke der Sympathie sprang sofort über, sie ergänzten sogar be­reits die Sätze, die die jeweils Andere begonnen hatte, ganz instinktiv und lachten fast synchron. Die ganze Umgebung wirkte wunderschön und die Düfte der Vegetation und der von Schwebedrohnen gepflegten Pflanzen auf der Terrasse des Reisebüros schmeichelten ihrer Nase auf hinreißende Weise.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass das Unternehmen gerade frisch gegründet worden war. Alle Angestellten – mit Rilaan würde die Beleg­schaft dann vollzählig sein – glühten geradezu voller Leidenschaft für die Arbeit, und es gab wirklich niemanden in der kleinen Gruppe, mit dem Ri­laan sich nicht auf Anhieb verstand. Es kam ihr so vor, als habe sie auf die­sem bislang fremden Planeten schlagartig eine neue, warmherzige Familie gefunden – etwas, was sie entdeckt hatte, ohne wirklich danach gesucht zu haben.

Phantastisch.

Rilaan sagt umgehend zu und beginnt damit, hier zu arbeiten – und es ist die reine Wonne, um es vorsichtig zu sagen. Ihr ist dabei überhaupt nicht klar, wie sonderbar speziell dieser Planet ist … und noch viel weniger klar kann ihr sein, dass nicht nur die sympathische Verbindung mit dieser Welt und diesem Ort „phantastisch“ ist, sondern dass sie hier in einem unendlich wichtigen kosmischen Plan eine zentrale Rolle erfüllen soll.

Das ahnt Rilaan nicht einmal dann, als sie den „seltsamen Kun­den“ trifft, der das Reisebüro aufsucht, um eine Reise zu buchen … so scheint es wenigstens zu Beginn. Aber das ist nicht ganz die Wahrheit, wie die verwirrte Reisekauffrau schnell entdeckt. Der Besucher, ein junger, linkischer und sympathischer Techno namens Torkeron, verhält sich außergewöhnlich seltsam. Viel­leicht sollten wir uns das auch kurz näher anschauen:

„Also schön, Torkeron … was genau kann ich für Sie tun?“

Sie fragte sich rätselnd, warum es sie so elektrisierte, wenn er ihren Na­men aussprach. Warum es sie aufreizte, wenn sie seinen Namen auss­prach. Innerlich rief sie sich zur Ordnung. Das hier war nur ein einfaches Kundengespräch, nicht mehr! Und es war ja vermutlich recht eindeutig, was sie für ihn tun konnte – warum ging man wohl in ein Reisebüro …?

„Ich würde gern von Ihnen Informationen über eine Reise erhalten …“

Also, genau wie gedacht. Es ging natürlich um eine Reise. „Dafür bin ich da. Ich vermute, es soll zum Golf von Quarthay gehen?“

„Das ist das Reiseziel, ja.“

„Dann sind Sie hier vollkommen an der richtigen Adresse … haben Sie schon bestimmte Vorstellungen davon, was Sie für eine Art von Reise bu­chen wollen?“

Torkeron lächelte rätselhaft, schwieg einen Moment lang und sagte dann leise: „Ich möchte keine Reise buchen.“

Nun war die Reihe an Rilaan, verdutzt zu blinzeln. Die Antwort brachte sie doch ein wenig aus dem Konzept. „Wie bitte?“

Ihr Besucher sah sie auf eine Weise an, die fast … entschuldigend schien. Eigentümlich. Überhaupt war seine Miene so … wechselhaft. Rilaan hatte eine seltsame Anwandlung von einem stürmisch aufgepeitschten, silbrigen Ozean, über dem wechselhaftes Licht ein magisches Licht- und Schattenspiel aufführte, vollkommen unberechenbar.

Sehr merkwürdig. Aber faszinierend. Wirklich sehr faszinierend.

Torkeron suchte sichtlich nach passenden Worten. Es war nicht deutlich, was ihn so eigenartig reagieren ließ, ob es sein Anliegen war, das ihn ge­wissermaßen aus der Fassung brachte oder ob es an etwas anderem lag. Unwillkürlich ertappte sich die junge Reisekauffrau dabei, dass er ihretwe­gen so nervös war.

Ein absurder Gedanke, echt! Aber irgendwie auch schmeichelhaft, wenn daran irgendetwas Wahres sein sollte.

„Nun … sehen Sie … äh, Rilaan … es ist so: ich habe hier ein paar Basis­daten und bräuchte genauere Informationen. Ich glaube, man könnte am ehesten sagen, dass es sich … wie soll ich das ausdrücken …? Nun … es ist gewissermaßen … eine Überraschung.“

Aus unerklärlichen Gründen schien er sich seiner Worte zu genieren.

„Eine Überraschung“, echote sie ratlos.

Das kam jetzt tatsächlich überraschend … auch wenn Torkeron das si­cherlich so nicht meinte. Zweifellos sollte nicht sie überrascht werden. Das wäre reichlich abstrus gewesen. Schließlich kannten sie einander ja über­haupt nicht.

Aber wer sollte wohl dann überrascht werden? Und weshalb? Was sollte das alles werden, wenn es fertig war?

Irgendwie wurde sie aus ihm nicht recht schlau. Dieser Torkeron fiel durch die ungewöhnliche Anfrage deutlich aus dem Raster der Kunden her­aus, die sie bislang so betreut hatte und die sich üblicherweise recht pfle­geleicht betreuen ließen. Rilaan vermochte noch nicht zu sagen, ob sie das positiv oder negativ werten sollte. Sie behielt also ihre ruhige, professio­nelle Haltung erst einmal bei und wartete auf weitere Details.

„Ja, eine Überraschung. Ich denke, so kann man das wohl am besten nennen.“

Rilaan, sowohl durch die seltsame Art und Weise irritiert, in der dieser Mann sein Anliegen vortrug, als auch – das einzugestehen fiel ihr schwer – durch ihn selbst, versuchte sich in den kommenden Minuten des etwas konfus verlaufenden Gesprächs ein Bild zu machen von dem, was Torkeron tatsächlich wollte.

Es blieb jedoch seltsam und unklar.

Torkeron hatte einige Begriffe, die ihr definitiv aus ihrer Buchungsarbeit rings um den Golf von Quarthay vertraut waren, sorgsam in sauberer, ruhi­ger Handschrift auf einen Zettel notiert, den er ihr nun zuschob. Sie waren sogar partiell sehr detailliert. Da gab es Ortsangaben und sogar Zimmer­nummern, die angegeben waren, ebenfalls eine Buchungsziffer, die aller­dings wirklich keinen Sinn ergab, weil die aktuellen Buchungen noch gar nicht in diesen numerischen Bereich vorgestoßen waren.

Noch eigentümlicher war es, dass Torkeron diese Reise nicht buchen wollte (er lächelte nur entschuldigend und wich aus, wenn sie ihn danach fragte, für wen er diese „Überraschungsreise“ denn buchen wolle. Genau genommen wünschte er sich in Wirklichkeit eine Vervollständigung der Da­ten). Aber ansonsten gab sie sich natürlich kooperativ und konziliant. Die Linie des Reisebüros sagte eben aus: keinen Kunden vergraulen, sie mö­gen manchmal unmöglich sein, aber wir sind ein kleines, junges Unterneh­men, wir können es uns nicht erlauben, schlechte Presse zu bekommen, weil wir schwierige Kunden abgelehnt haben.

Auch wenn Torkeron gar nicht den Eindruck machte, er sei ein Kunde.

Er war ihr stattdessen ein einziges Rätsel.

Als er alle Informationen ausgedruckt erhalten hatte, die er haben woll­te, bat er: „Bitte, Rilaan, tun Sie mir noch einen Gefallen?“

„Aber gern doch.“

„Löschen Sie die Rechercheprotokolle für diese Suche. Bitte. Ich möchte niemanden in Schwierigkeiten bringen, am allerwenigsten Sie.“

Sie sah ihn forschend und misstrauisch an. Das war jetzt der Gipfel der Zumutung, fand Rilaan. Irgendwie handelte es sich hier mit weitem Ab­stand um die seltsamste Art von „Reisebuchung“, wenn man das nennen wollte, die sie seit ihren paar Monaten Dienstzeit hier im Reisebüro bislang erledigt hatte.

Dies seltsam zu nennen, ist vermutlich noch eher zahm. Und dennoch ist das alles erst der Anfang. Denn es existiert ein für beide rätselhaftes Band der Sympathie, das sie immer enger zu­sammenführt. Und so erfährt Rilaan schließlich, als sie intensi­ver über ihren sonderbaren Kunden recherchiert, von Dingen, die auf Tushwannet vor sich gehen, von denen sie gar nicht glauben kann.

Da ist etwa die Sache mit den Traumgilden.

Die Traumgilden sind der Grund, warum die Verbrechensbe­kämpfungsquote auf Tushwannet 100 % beträgt und JEDER Ver­brecher in Rekordzeit gefasst wird.

Weitere Nachforschungen im Netz förderten eine wirklich verwirrende Erkenntnis zutage: Auf Talascantor brauchten die Ermittlungsbehörden, Baumeisterhilfe hin oder her, meistens Tage oder Wochen, um Straftaten aufzuklären, das wusste sie von den dortigen Netzzeitungen und den allge­meinen Nachrichtensendungen. Hier auf Tushwannet schien das grundle­gend anders zu sein, aus welchem Grund auch immer.

Hier wurden Verbrecher quasi im Handumdrehen ihrer Vergehen über­führt, und Justizirrtümer kamen NIE vor.

Das klang nicht nur unvorstellbar, es hörte sich nachgerade verrückt an.

Was um alles in der Welt war hier auf Tushwannet so fundamental an­ders als auf anderen Welten? Vorausgesetzt, es handelte sich hier nicht um eine bizarre Form von Lobhudelei zugunsten der Fahndungsbehörden. Aber so lasen sich die Meldungen einfach nicht.

Sie klangen vollkommen gelassen – als wäre diese Aufklärungsquote (100 Prozent! Und das in Rekordzeit!) einfach normal. Nichts, was irgend­wie spektakulär schien.

Das konnte Rilaan nun überhaupt nicht begreifen.

Ohne es zu wollen, fesselte sie dieses unerwartete Mysterium.

Ungläubig las sie weiter.

Der Dieb, dessen Name natürlich anonymisiert worden war – Personen­schutz – , hatte nach seiner Verhaftung sofort zugegeben, dass alle Infor­mationen zutrafen. Sein Delikt bestand darin, eine fast dreihundertfünfzig Jahre alte kleine Statue aus einem Privathaushalt entwendet zu haben, und der Ermittler, dessen Name mit Torkeron angegeben wurde, hatte nicht nur laut Protokoll genau gesagt, in welcher Nacht der Gegenstand entwendet worden war, sondern auch, wo der Täter wohnte, wo genau in dessen Garten die Statue in einem kleinen, bleiummantelten Kasten ver­graben worden war und wie viele Spatenstiche der Täter gebraucht hatte, um das Versteck zu graben.

Rilaan starrte fassungslos auf diesen Artikel.

Das war unmöglich.

Sie las weiter, und ihr Staunen vertiefte sich.

Laut dieser Meldung hatte dieser … dieser Torkeron den Täter nicht ein einziges Mal persönlich gesehen. War nicht einmal in der Nähe gewesen, sondern es habe sich um eine „übliche Ferndiagnose“ gehandelt, wie sie bei den „Traumgilden von Tushwannet“ normal war. Der Berichterstatter äußerte einiges Unverständnis, warum angesichts solcher Aufklärungs­möglichkeiten überhaupt noch jemand wagte, auf Tushwannet Verbrechen zu begehen. Es sei doch völlig witzlos.

Es ist offensichtlich, dass auf Tushwannet einiges grundlegend anders ist als auf anderen Techno-Welten, soviel steht fest. Und alsbald erkennt Rilaan tatsächlich, dass ihr Kunde Torkeron, der ihr zunehmend ans Herz wächst – was auf Gegenseitigkeit be­ruht – in der Tat einer jener Wahrträumer der Traumgilden ist. Seine Fähigkeit bezieht sich allerdings nicht nur auf die Vergan­genheit, sondern er erkennt auch Teile der nahen Zukunft.

Aus all diesen Geschehnissen entwickelt sich im weiteren Ver­lauf der Geschichte eine ernste Liebesbeziehung zwischen Ri­laan und Torkeron. Und sie leitet schließlich in den Anfang der Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ über, wo sowohl Torke­ron wie Rilaan von Anfang an, schon in einer festen Beziehung stehend, zentrale Handlungspersonen werden.

In dem obigen Roman gehe ich der Frage nach, wie es zu ihrem Kennenlernen kam und wie sich Rilaan schließlich mit Torkerons besonderer Fähigkeit anzufreunden begann.

Erst im Verlauf der Serie selbst wird dann nach und nach zutage treten, dass Torkeron eine bedeutende Stellung im transuniver­salen OSM-Zeitkrieg spielt und seine Fähigkeiten auf Handlun­gen der geheimnisvollen TUURINGER aus der fernen Zukunft zu­rückzuführen sind.

Aktuell hat dieser am 29. September 2017 begonnene Roman 76 Seiten, aber er wird noch deutlich mehr erhalten. Ich bin im Grunde genommen recht zuversichtlich, dass er im Jahre 2026 endlich den letzten Schliff bekommen und vielleicht auch zeit­nah veröffentlicht werden kann.

Schauen wir mal … es macht bei jedem einzelnen Besuch enor­mes Vergnügen, an dieser Geschichte zu feilen. Da wesentliche Stücke des Schlusses für mich zurzeit noch unerkennbar sind, verzögert sich die Fertigstellung notwendig. Aber ihr kennt das: Kommt Zeit, fließt auch der Bilderstrom wieder, und dann ist die Fertigstellung einer Geschichte meist nur eine Frage weniger Tage. Mal sehen, wie es sich hier entwickeln wird.

In der nächsten Woche schicke ich euch mal wieder zig Milliar­den Jahre in die Zukunft, hinein in die Fehlerwüste des KON­FLIKTS 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ … und richtig, es geht wieder um die Fehlerlese. Ich habe noch ein paar abenteuerliche Fehlstellen in der Serie entdeckt, mit denen ich euer Zwerchfell erschüttern kann.

Mehr dazu in sieben Tagen an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

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