Liebe Freunde des OSM,
es ist wirklich verblüffend, wie viele Stilblüten sich in meinen 18. OSM-KONFLIKT „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ eingeschlichen haben. Vor neun Wochen gastierten wir mal wieder in diesem Universum, wo man das Jahr 2034 bzw. 2035 schreibt, und ich habe euch ein paar abenteuerliche und noch launiger kommentierte Stellen von zwei Episoden vorgestellt. Heute schauen wir etwas weiter im Serienverlauf und begeben uns in Band 41 der Serie, der den Titel „Das Reich der Grauhäutigen“ trägt. Oki Stanwer und Thor Gordenbeyl sind zu Besuch im (hier noch sozialistischen) Prag und bekommen es mit ziemlich haarsträubenden Dingen zu tun.
Unter anderem gibt es hier ein unterirdisches Gebilde, das man den „Tempel GOLEMS“ nennt, und der Eingang ist natürlich verriegelt. Aber der tschechische WEOP-Mann Jaroslav Warnin weiß Rat. Er zückt einen Dietrich. Ich zitiere aus dem Haupttext:
„Warnins Dietrich ebnete ihnen den Weg.“
An und für sich ein unverfänglicher Satz, der so ja auch völlig in Ordnung ist. Fand ich anno 2013, als ich die Episode digitalisierte und kommentierte, nur bedingt. Ich schrieb in der diesbezüglichen Fußnote 4921: „Er ist also quasi eine Art von Planierraupe, ja? Ich wittere wieder mal eine Stilblüte. Au weia! Dass Warnin Dietriche dabei hat, ist auch etwas unrealistisch. Ist er in der Freizeit Einbrecher? Er ist doch eher Diplomat …“
Das fängt ja gut an, denkt ihr? Oh, Freunde, ihr habt ja noch keine Vorstellung vom Kommenden.
In das Chaos, in dem Grauhäutige, GOLEM-Diener, Geheimagenten und der Jesuiten-Pater Joseph Ghastor sowie Oki Stanwer mitmischen, kommt nun auch noch ein Dämon hinzu, der höchst zitierwürdige Worte murmelt:
„‚Prag wird zum Hexenkessel werden‘, sagte das Wesen. ‚Die Interessen überlappen sich. Aber auch ich werde mir eine Scheibe davon abschneiden.‘“
Das war nun völlig desaströs formuliert. Ich interpretierte das in der dazu gehörigen Fußnote 4965 folgendermaßen, allerdings auch reichlich unernst:
„Von den Interessen? Klingt nicht sehr plausibel. Vom Hexenkessel vielleicht? Aber dann ist er ja leck und funktioniert nicht mehr … nein, nein, nein, das ist wieder mal eine Stilblüte, eine besonders ungeschickte diesmal. Der Leser lacht sich wieder scheckig.“
Das ist natürlich immer noch nicht das Ende vom Lied, es gibt noch einen Nachschlag zwei Seiten weiter. Die Szene sieht wie folgt aus: Oki Stanwer besucht die Botschaft in Prag und wird umgehend zum Herrn Genossen Oberkommissar geleitet.
„Wir schritten durch den Korridor zum Büro des Genossen Oberkommissar. Er stellte sich mir als Sztecho Rastin vor. Den Vornamen ließ ich weg, weil er ein Zungenbrecher war. Mir war er gleich unheimlich, denn er sah wie ein verkappter Militär aus.“
Womit wir zur Kommentierung dieser Passage kommen, die die krasse semantische Desorientierung manifest werden lässt: „Wer? Der Zungenbrecher? Der Vorname? Nein, Rastin. Bezugswortproblem. Seufz.“
Es war wohl echt nicht mein Tag, als ich diese Episode schrieb.
Springen wir lieber noch weiter in der Serienhandlung in Band 44 „Die TOTAM-Bibel“. Wer hier als Langleser meiner Blogartikel automatisch an das BUCH denkt, TOTAMS Legislative, denkt vollkommen richtig. Genau darum geht es. Normalerweise befindet sich das BUCH schier unerreichbar im TURM auf dem Planeten TOTAM … aber nicht in diesem Universum. Es ist vielmehr in eine Mikrowelt ausgelagert, und in Schottland gibt es einen gut versteckten Durchgang dorthin.
Hat man ihn – wie hier ein Team wackerer WEOP-Streiter unter Owen McClark – einmal überwunden, findet man sich in einer nahezu identischen winterlichen schottischen Landschaft mit einem zerstörten Dorf wieder … und einer Kopie des TURMS. Und leider findet man hier auch Wächter, die das BUCH bewachen. Diese sind mit Flammenlanzen bewehrt und bekämpfen die Flüchtenden. Und dabei kommt es zu einem denkwürdigen semantischen Ausfall meinerseits:
„Eine Lanze aus purem Feuer, wie es schien, raste auf die Gruppe zu. Die Männer warfen sich zur Seite, und die Waffe prallte gegen eine Wand, zerhieb sie und breitete wie Napalm einen Feuerteppich aus, der rasch weiterrollte.
Schreiend und wild um sich schlagend trieb das Feuer die Gefährten noch mehr auseinander …“
Äh, Moment mal, sagt da irgendwer? Gut aufgepasst. Ich stellte 2013 auch fest, dass ich hier augenscheinlich anno 1986 nicht richtig aufgepasst hatte. Schauen wir uns mal meinen damaligen Kommentar an:
„Ich habe schon früher beim Nachlesen ‚das Feuer‘ als handlungstragendes Subjekt unterringelt und ein Ausrufezeichen an den Rand gemalt. Denn was ich hier für einen Blödsinn schreibe, das geht so natürlich nicht. Wer hier schreit und wild um sich schlägt, ist natürlich nicht das Feuer, das sind die WEOP-Männer. Dass es indes das Feuer ist, das sie auseinandertreibt, das ist offensichtlich. Im Eifer des Schreibens habe ich hier zwei disparate Sätze zusammengemixt und den Fehler lange nicht entdeckt …“
Eine Seite weiter machte ich dann eine innovative Entdeckung in einer direkt anschließenden Action-Szene:
„Der Schwarze dachte, damit wäre die Gefahr erledigt, aber er hatte das Reittier vergessen. Es wendete und stürmte auf ihn zu, ritt ihn förmlich nieder. Beide zusammen vergingen in blauer Glut.“
Das animierte mich zu dem launigen Kommentar in Fußnote 5363: „Wie bequem. Ein knöchernes Kamikaze-Pferd. Sachen gibt’s …“
Da die nächste Episode (Band 45) vier weitere Lapsus-Stellen enthält und ich nicht recht abschätzen kann, wie umfangreich ihre Wiedergabe ausfallen wird, lasse ich es für heute einmal mit den obigen Passagen bewenden und schiebe diese Stellen und ihre Kommentierung dann besser in den nächsten Teil dieser losen Artikelreihe.
In der nächsten Woche kümmern wir uns dann um den sechsten unveröffentlichten Roman aus meinem hausinternen Roman-Archiv. Das ist, das kann ich jetzt schon andeuten, etwas ganz Besonderes, aus mehrerlei Gründen. Zum einen zementierte dieser Roman meinen Entschluss, keine Heftromanskripte mehr einzureichen. Zum anderen entschied ich, nun „für mich“ an diesem Format festzuhalten. Und der erste dieser Romane, der gleich der Auftakt einer ganzen Serie wurde, ist eben das Werk, über das ich in der nächsten Woche berichten werde.
Bis dann also, Freunde, mit
Oki Stanwers Gruß,
euer Uwe.