Liebe Freunde des OSM,
es ist wirklich nett, sich im Rezensions-Blog mal mit alten Romanen auseinanderzusetzen, die ich vor Jahren gelesen und rezensiert habe. Speziell die zahlreichen Rezensionen zu erotischen Romanen sind fast durch die Bank unveröffentlicht, sodass die Aufarbeitung der Texte im Rahmen dieser Veröffentlichung dann wirklich wieder Spaß macht. Das hier ist so ein Fall.
Ich hatte die Inhalte der beiden Löwenstein-Romane sieben Jahre nach Lektüre zu einem guten Teil schon wieder vergessen, überlagert von Schichten neuerer Literatur. Aber mein damaliges wohlwollendes Urteil über das vorliegende Buch wird auch durch die aktualisierte Erinnerung definitiv gestützt.
Und ja, es ist Teil 1 eines Zweiteilers. In vier Wochen erfahrt ihr dann, wie es nach diesem Roman weitergeht. Zunächst einmal schicke ich euch auf die neckische Erkundungstour und lasse euch mal nachvollziehen, wie der geheimnisvolle Devon Draper sich anschickt, die schwer zu knackende Festung namens Anya Summers zu erstürmen …
The Black Game 1: Verlockendes Spiel
von Karola Löwenstein
Knaur 51751
254 Seiten, TB
Januar 2016, 9.99 Euro
ISBN 978-3-426-51751-2
Anya Summers ist 24 Jahre jung und eine erfolgreiche Managerin in der New Yorker Firma Transatlantic Coffee (TC) unter ihrem cholerischen, tyrannischen Chef Trevor Miles. Für die Geschäftswelt hat sich Anya eine toughe Außenrüstung in Form von Businessanzügen und harschem Verhalten gegenüber Untergebenen angelegt. Tief in ihrem Innern ist sie freilich das kleine Mädchen von der elterlichen Farm in Minnesota geblieben. Nur ihre engste Freundin Sarah Green und die mit ihnen eng befreundete Olivia, die einen aufstrebenden kleinen veganen Ökoladen in der großen Stadt betreibt, wissen hingegen, dass Anya nicht aus reinen Karrieregründen in the Big Apple gezogen ist.
Es war – natürlich, kann man seufzend sagen – ein Kerl schuld. George ist sein Name, und er hat sie ganz am Ende ihrer Schulzeit schnöde im Stich gelassen, um mit einem anderen Mädchen wegzulaufen. Die Verwundung ihres Herzens durch dieses Verhalten hat Anya Summers auch nach Jahren nicht überwunden. Und während sie im Geschäftsleben immerzu gegen ihren schikanösen Chef kämpft, sich aber dabei wacker behauptet, ist ihr Liebesleben in den vergangenen zwei Jahren vollständig erloschen. Sie nimmt sich fest vor, in New York keine romantischen Verstrickungen mehr zu riskieren und vielmehr nur noch ein paar Jahre zu arbeiten, um anschließend nach Minnesota zurückzukehren und dort ihr Glück zu suchen.
So ist der Plan.
Nun, Pläne haben die Schwachstelle, dass das Leben meist anderes mit den Pläneschmieden im Sinn hat. So geht es auch Anya.
Das Schicksal kommt ihr in Form von Devon Draper in die Quere. Draper Consulting ist die Unternehmensberatung, die TC gründlich durchchecken und zukunftssicher machen soll. Und Devon ist ein beunruhigend junger, beunruhigend charismatischer Mann, der sich seltsame Vertraulichkeiten gegenüber Anya herausnimmt.
Und dann steckt er ihr auch noch eine Karte zu.
Eine persönliche Einladung in die „Black Lounge“ des Club 5 in New York.
Von diesem Club hat sie über ihre Freundin Sarah Green, die für die Modelagentur Perfect Male Model arbeitet, schon gehört. Und Sarah ist in Hinsicht Männer das vollständige Gegenteil von Anya – sie schleppt quasi ständig gut aussehende Kerle ab, um mit ihnen munter Sex zu haben, und unentwegt ist sie auf der Suche nach dem echten „Mr. Right“…
Nun, als Sarah von der geheimnisumwitterten „Black Lounge“ des Club 5 hört, versucht sie natürlich als feierfreudiges Partygirl alles, um dort hineinzukommen. Aber wie sie sich auch anstrengt, sie wird ständig abgewiesen – eine völlig traumatisierende Erfahrung für Sarah, die so erfolgsverwöhnt ist und quasi ÜBERALL hingelangt, wo sie hin will und auch jeden Kerl ins Bett bekommt, den sie haben möchte. Hier beißt sie komplett auf Granit, auch bei Wiederholungsversuchen … und dann bekommt ausgerechnet Anya eine persönliche Einladung dorthin? Toll!
Nein, nicht toll – denn Anya denkt nicht im Traum daran, dieser Einladung zu folgen!
Warum nicht? Weil sie von Devon Draper kommt, und Anya instinktiv spürt, dass Devon in ihr beunruhigende Emotionen weckt, die gefährlich werden können. Das werden sie tatsächlich. Devon hat sich nämlich auf die Fahnen geschrieben, die rätselhafte Festung namens Anya Summers zu erstürmen, die ihn mehr verwirrt als jede Frau zuvor. Sie scheint jedem seiner Verführungsversuche zu widerstehen, und was auch immer er versucht, scheint die Distanz zwischen ihnen noch zu vergrößern. Und er ist, ganz wie Sarah, ebenfalls niemand, der ein Nein gelten lässt.
Auch dass er in starker Versuchung zu sein scheint, das geheimnisvolle „Black Game“ mit ihr zu spielen, für das er immer zwei Würfel bei sich trägt, macht die Situation nicht einfacher. Denn das offensichtlich sexuell ausgerichtete „Black Game“ wird ausschließlich in der „Black Lounge“ gespielt. Und jede Frau, die es mitmacht, muss eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen und darf darüber nichts nach außen erzählen.
Das macht Sarah verrückt. Und es macht Anya noch vorsichtiger.
Aber Devon Draper ist nicht die Art Mann, die man abweisen kann. Und Anya kann der quasi animalischen Anziehungskraft, die sie zu ihm zieht, nicht sehr lange widerstehen – bis sie sich tatsächlich sexuell vereinen und die vorher ziemlich unbedarfte Anya zu Ufern der Wonne geführt wird, die sie schlichtweg für unmöglich hielt. Auf einmal kann sie ihre flatterhafte Freundin Sarah und ihre ständigen erotischen Eskapaden sehr viel besser als zuvor verstehen.
Es gibt nur ein fundamentales Problem: was für ein Grund bestand dafür, dass Devon ihr die Einladung in die „Black Lounge“ gab? Was für Geheimnisse verbirgt er vor ihr? Offenbar gibt es nur eine Möglichkeit, das herauszufinden – so sehr Anya das widerstrebt … sie muss wohl die Einladung nutzen …
Man sollte sich nicht dazu entschließen, dieses Buch der mir bis dato unbekannten Karola Löwenstein abends zu beginnen, sonst geht es euch wie mir und ihr kommt nicht mehr raus. Ich habe es infolgedessen fast in einem Rutsch binnen eines Tages verschlungen, und das ist grundsätzlich ein Qualitätsurteil. Eine Vorwarnung sei dennoch angebracht – wer auf das „Black Game“ wartet, das dem ganzen Buch den Titel gibt, muss tatsächlich bis zum allerletzten Kapitel darauf warten. Dass es verlockende Spiele gibt, sei allerdings konzediert, und auch die Würfel auf dem Cover (selbst wenn es viel zu viele sind, die Maximalaugenzahl im „Black Game“ beträgt 12) passen durchaus zum Inhalt.
Bedauerlich ist, dass nur die zentralen Hauptpersonen vollständige Namen bekommen. Bereits in der zweiten Reihe – Olivia und ihr Lebenspartner Tom – hören die Nachnamen auf, genannt zu werden. Das war mir dann doch etwas zu wenig. Ansonsten ist zu bestätigen, dass Devon Draper ein höchst einfallsreicher, versierter Liebhaber ist, zudem jemand, den man als klassischen Adrenalinjunkie bezeichnen kann. Extremsportarten, Balancieren am Rande des Todes, das ist sein Ding … völlig anders gestrickt ist dann die sehr viel bodenständigere Anya. Und wie das oft so im Leben ist – Gegensätze ziehen sich an. Vor allen Dingen in diesem Fall deshalb, weil Anya so überhaupt nicht so „tickt“, wie Devon es von zahllosen Frauen gewohnt ist. Sie macht ihn verrückt, ja, aber auf eine faszinierende, für ihn unbekannte Weise auch „süchtig“ nach sich. Und Anya kommt, wie eine Fliege in einer Venusfliegenfalle, von dem raffinierten Liebhaber nicht mehr los.
Da es einen zweiten Teil des Romans gibt, war es elementar, dass am Ende ein Knall stehen würde (der allerdings nur bedingt überraschend kommt). Man kann jedoch sehr gespannt sein, wie sich diese Berg- und Talfahrt im zweiten Roman fortsetzt.
Eine sehr kurzweilige Lektüre mit ein paar wirklich aufregenden erotischen Höhepunkten – absolut empfehlenswert.
© 2018 by Uwe Lammers
In der kommenden Woche machen wir dann wieder eine Stippvisite in einem Abenteuer von Clive Cussler und seinen Epigonen. Ja, ja, auch Jahre nach dem Tod des Meisters wachsen hier stetig Romane nach, und die sind oft gar nicht übel durchdacht und in Szene gesetzt.
Bis dann, mit
Oki Stanwers Gruß,
euer Uwe.