Rezensions-Blog 570: Perfect Touch 2 – Intensiv

Posted Juli 22nd, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

stürzen wir uns heute einfach mal kopfüber in das nächste Lie­besabenteuer der Autorin Jessica Clare, in dem dieses Mal – ne­ben Einbeziehung von Personal der Vorgängerreihe „Perfect Pas­sion“ auch neue Personen zum Vorschein kommen. Und wie ge­wohnt geht es gleich ziemlich turbulent zur Sache. Realitäts­fremder Nerd prallt auf versehrte Katzenlady, und das Chaos tobt … ich glaube, sehr viel mehr Worte zum Neugierig machen brauche ich gar nicht zu vergeuden. Ich leite über zu einem äu­ßerst unterhaltsamen, humorvollen Roman:

Perfect Touch 2 – Intensiv

(OT: The Taming of the Billionaire)

von Jessica Clare

Bastei 17467

336 Seiten, TB (2016)

Aus dem Amerikanischen von Kerstin Fricke

ISBN 978-3-404-17467-6

Hat jemand von euch eine Katzenhaarallergie oder eine Katzen­phobie? Dann solltet ihr die Finger von diesem Roman lassen – aber euch entgeht natürlich ein supersüßes Leseabenteuer, das möchte ich mal an dieser Stelle voranschicken. Wen das nicht schreckt, der stürze sich gleich mir in dieses Abenteuer:

Gretchen Petty ist auf Hochzeitskurs. Seit sie den Mann ihres Lebens auf etwas unkonventionelle Weise gefunden hat, den verschrobenen und zurückgezogenen Milliardär Hunter Bucha­nan, der mit seinen furchtbaren Narben dem Märchen aus „The Beauty and the Beast“ entsprungen sein könnte (vgl. dazu „Per­fect Passion 2“), schwebt sie auf Wolke Sieben, und die Heirat soll die Krönung dieses Traumes sein. Dafür braucht man natür­lich Brautjungfern. Und die wiederum männliche Begleiter. Da­mit geht dieser Roman los.

Eine von Gretchens ältesten Freundinnen ist Edie King, deren Lebensplanung vor sechs Jahren nach einem schlimmen Unfall eine dramatische Kehrtwendung nahm. Seither hat sie beruflich umgesattelt und ist leidlich erfolgreiche Katzentherapeutin ge­worden (daher ihr Spitzname „Katzenlady“). Sie wohnt mit ihrer Schwester Bianca zusammen, die als Assistentin und Fahrerin für sie unersetzlich ist. Als Edie zu Gretchens Hochzeitsplaner­runde stößt, belauscht sie dummerweise eine spöttische Be­sprechung der Brautjungfernpartner, und sie findet sie durch die Bank widerlich, ganz besonders, als sie – ohne Edie zu kennen – über „Katzenladys“ herziehen. Der Schlimmste von ihnen scheint Magnus Sullivan zu sein. Und ausgerechnet neben ihm wird sie nachher platziert. Sie redet kein Wort mit ihm und kann ihn nicht ausstehen. Die Abneigung ist gegenseitig.

Dummerweise ist Magnus´ Bruder Levi Sullivan ebenfalls Teil der Runde sowie – ungeplant – Bianca. Und Levi, der Träumer der beiden Brüder, verguckt sich heftig in Bianca und will sie unbedingt umwerben.

Problem Nummer 1: Die Schwestern wohnen vier Wegstunden von New York entfernt.

Problem Nummer 2: Bianca hat nur Zeit, wenn sich jemand zur selben Zeit um Edie kümmert, denn die könnte ja ihre Schäfer­stündchen stören, wenn sie sie als Chauffeurin oder so anfor­dert.

Problem Nummer 3 (das erst zum richtigen Problem im Verlaufe des Romans wird): Die Sullivans haben keine Katze.

Häh? Ja, so schaut Magnus auch aus der Wäsche, als er am nächsten Tag von seinem Bruder ins Gebet genommen wird. Denn Magnus Sullivan kann mit Katzen nichts anfangen. Er und sein Bruder haben die erste Milliarde mit der Entwicklung und dem Verkauf eines Computerspiels namens „Warrior Shop“ ge­macht. In dem Duo ist er der Programmierer, aber das kreative Mastermind hinter der Arbeit ist sein Bruder Levi. Und da sie ge­rade das neue Spiel „The World“ programmieren und entwerfen, ist Levi unverzichtbar.

Der ist aber heftig verliebt und hat nur Bianca im Sinn. Und er erpresst seinen Bruder kurzerhand: Sorg du doch bitte dafür, dass Bianca Freiraum hat, indem du mehr Zeit mit Edie ver­bringst. Wenn ich sie rumgekriegt habe, habe ich auch den Kopf frei, wieder am Spiel mitzuarbeiten.

Zähneknirschend fügt sich Magnus ins offenbar Unabwendbare – sein verrückter Bruder kauft allen Ernstes eine nicht minder neurotische Katze und bringt sie in ihr gemeinsames Heim. Auf diese Weise schafft er ein Alibi, warum Edie angerufen werden muss. Sie ist Katzentherapeutin, nicht wahr?

Und von da ab geht so ziemlich alles schief, was nur schief ge­hen kann (und nein, die Katze, die bald „Cujo“ genannt wird – nach dem Horror-Roman von Stephen King! – , sie ist nur für ei­nen kleinen Teil der Kollateralschäden verantwortlich. Wie üblich machen die Menschen die Scherereien!).

Ja, Levi bekommt seinen Freiraum mit Bianca. Aber Magnus stellt beim Zusammensein mit Edie fest, dass sich unter der rauhen, abweisenden Schale ein unglaublich mitfühlendes Herz verbirgt. Und unhübsch ist die Katzentherapeutin eigentlich auch nicht, sie kleidet sich nur unvorteilhaft. Und ja, sie hat ein kaputtes Knie und humpelt … aber irgendwie ist das bald gar nicht mehr wichtig. Magnus ist immer saurer auf seinen unzu­verlässigen Bruder, der ihn ständig im Stich lässt … und ver­bringt mehr und mehr Zeit mit Edie. Dabei hat er ein immer schlechteres Gewissen, weil er Biancas und Levis Lüge aufrecht­erhalten muss.

Die scheue und misstrauische Katzentherapeutin wird indessen von ihrer Schwester dahingehend beeinflusst, dass sie glauben muss, Magnus tue das nur, um auf sehr seltsame Weise mit ihr anzubandeln. Das klingt völlig verrückt, aber irgendwie kann Edie die Zeichen wohl kaum anders deuten, oder? Warum um alles in der Welt sollte sich Magnus, der sich gar nichts aus Kat­zen macht, soviel Mühe geben und sich eine Katze zulegen, nicht wahr?

Und so beginnt eine verwirrende Beziehung, gebaut auf einer immer mehr wuchernden Lüge. Bis die Planer im Hintergrund merken, dass Magnus sich viel mehr Mühe gibt, als unbedingt erforderlich wäre. Er könne jetzt damit aufhören. Aber genau das kann Magnus schon längst nicht mehr. Der romantische Sturmwind hat ihn gepackt, und der Kurs führt unweigerlich ins Desaster …

Mit dem Quasi-Nerd und Computerspielentwickler Magnus und der versehrten Katzentherapeutin Edie hat Jessica Clare auch im zweiten Roman der romantischen Romanreihe „Perfect Touch“ zwei supersympathische Charaktere geschaffen und letztlich – natürlich – zusammengeführt, die dem Leser zu gefallen wuss­ten. Außerdem, und das behagte mir als Katzenfreund natürlich ganz besonders, beweist sie hier einmal mehr schönes Einfüh­lungsvermögen und vermag sowohl junge wie alte oder versehr­te Katzen hinreißend zu beschreiben. Da meine verstorbenen El­tern selbst zwei Katzen im Haushalt hatten, die ich im Falle un­serer Purzeline von klein auf heranwachsen sah, wurden viele der Romanszenen auf schönste Weise von meiner Erinnerung weiter belebt.

Hier außerdem das Sujet der ausnutzenden Schwester mit ein­zuarbeiten, passte ebenfalls sehr gut. Ich fragte mich nur ernst­lich, was Bianca eigentlich jenseits der Assistentendienste für ihre Schwester beruflich tat. Gar nichts, wie es schien … das wirkte dann etwas unplausibel. Wäre sie vermögend gewesen, dann wäre das sicherlich nicht so aufgefallen, aber so erfüllte Bianca leider nur die Rolle der „bösen Schwester“, um es plaka­tiv zu sagen. Der Charakter war ebenso unterbelichtet wie der von Levi.

Außerdem fiel erneut auf, wie bisher eigentlich in allen Roma­nen der Reihen „Perfect Passion“ und „Perfect Touch“, dass El­tern überhaupt kein Thema waren und familiärer Anhang auch nur sehr begrenzt in Erscheinung trat. Damit ist vermutlich ein konstitutiver Teil der Romane angesprochen – ein duopersonaler Tunnelblick, der nur dann signifikant erweitert wird, wenn man weiteres Personal bisheriger Romane einbezieht, wie hier etwa Gretchen Petty und Hunter Buchanan.

Und so wenig ich auch den positivistischen Blick der Autorin auf Zoos teile – hier passte diese Location für ein Date zwischen Magnus und Edie natürlich durchaus, immerhin kann sie besser mit Tieren zurechtkommen als mit Menschen, namentlich mit Kerlen. Zoos sind, mit allem Respekt vor den Pflegern dort, die mehrheitlich sicher aus Tierliebe arbeiten, leider im Kern Ge­fängnisse für Wesen, die dort nicht freiwillig weilen, sondern er­zwungenermaßen dorthin deportiert worden sind und nun zur Schau gestellt werden. Nichts für mich, ernsthaft.

Der im Roman aber stark vertretene Gedanke, versehrte Mitkreaturen aus Tierheimen zu holen, um sie an mitfühlende Menschen zu vermitteln, hat mir dagegen sehr gefallen. Dass Edie hier ihr eigenes Schicksal parallelisiert, wird auch rasch deutlich. Und die köstliche Wandlung von Magnus als eher ab­weisendem Programmierer zum Katzenfan fand ich ebenfalls goldig.

Also, wer Katzen mag, kommt eigentlich an diesem Roman gar nicht vorbei. Finde ich wenigstens und empfehle den Roman nachdrücklich als vergnügliche Entspannungslektüre.

© 2019 by Uwe Lammers

Sehen wir mal von der eindimensionalen deutschen Einwort-Be­titelung ab und von der wenig einfallsreichen Covergestaltung, so verbirgt sich dahinter ein äußerst lesenswertes Werk, das ich hiermit gern empfehle.

In der kommenden Woche lade ich zu einer Zeitreise ein, die uns dann auch realhistorisch einige Jahrzehnte weit in die Vergangenheit zurückführt, weil der Roman nicht eben neu in den Buchcharts ist. Das nur so als Vorwarnung für all jene Leute, die nur brandneue oder relativ neue Werke rezensionswürdig finden – ist nicht meine Ansicht. Wer meinem Blog schon länger folgt, den wird das natürlich kaum verblüffen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

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