Liebe Freunde des OSM,

und wieder einmal begeben wir uns auf die launige Suche nach Passagen, in denen mich während des Schreibens am Oki Stan­wer Mythos Wortgeschick, Handlungslogik und Ähnliches hän­gen ließen und ich schlicht und ergreifend Stuss schrieb. Im Jah­re 2013, als ich die nämlichen Episoden des KONFLIKTS 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ digitalisierte und kommentierte, schuf das an vielen Stellen gefrustete Kom­mentarformulierungen, die ich jetzt nach und nach wieder aus­grabe und euch präsentiere.

Starten wir einfach mal mit Band 34 der Serie, der den verhei­ßungsvollen Titel „LORDS OF TOTAM“ trägt. Ein Helfer des Lichts ist ziemlich schockiert, als er diesen Nachtclub in Soho entdeckt, und mit Recht nimmt er an, dass das ein Fall für das Stanwer-Team ist, das gerade gegründet wurde.

Worum sich das Team nicht kümmert, sind die Stilblüten, die in diesem Band munter wuchern. Da wäre beispielsweise Fußnote 4086. Es geht dabei kursorisch darum, dass in Soho immer wie­der Menschen verschwinden. Ich kommentierte ein wenig ver­stimmt: „Gerade WENN viele Menschen in Soho verschwinden und Opfer des Verbrechens werden, müsste die Kontrolle durch Scotland Yard extrem verschärft worden sein und die Ereignis­se, die in der Folge eintreten, dürften mit Sicherheit nicht völlig unbemerkt bleiben. Überhaupt fällt mir sowieso auf, dass die ‚Bevölkerung‘ der Straßen im angeblich so belebten Soho nicht vorhanden ist. Ich konnte mit Menschenmengen nichts anfan­gen, und selbst wenn ich sie in den Sätzen ausdrücklich postu­lierte, tauchten sie nicht auf … hm … Unsichtbare in Soho…?“

Dann bekommt ein Ladenbesitzer in Soho auf derselben Seite noch ungebetenen Besuch. Im Haupttext schreibe ich: „Aber die Käufer, die eben bei ihm gewesen waren, hätte er sich nie ge­wünscht …“

Was zur Fußnote 4088 führt, in der ich präzisiere: „Problem: sie HABEN nichts gekauft. Falsche Formulierung. Sie haben ihn ER­PRESST, das ist irgendwie was anderes …“

Zwei Seiten weiter besucht dann der erwähnte Helfer des Lichts namens Themistokles Thuronis Soho und findet den Club „LORDS OF TOTAM“. Im Text selbst heißt es: „Schweiß bildete sich auf seiner Stirn, denn er war allein.“

Mein Kommentar an dieser Stelle, der in gewisser Weise den obigen Gedanken fortführt und noch verstärkt: „Nicht nur das. Er ist sogar im dicht bevölkerten, besucherreichen Stadtteil Soho offensichtlich AUCH völlig allein! Hat den jemand evaku­iert? Them trifft ja auf überhaupt NIEMANDEN! Das ist absurd und kann so natürlich nicht bleiben.“

Springen wir noch einmal zwei Seiten weiter. Hier geht es um die Eröffnung des Clubs „LORDS OF TOTAM“, Protagonisten sind der Gangsterfürst Lino Getano und zwei knorrige Bodyguards. Im Haupttext lesen wir: „Allein, nur begleitet von zwei Leib­wächtern, stand der grauhaarige Sizilianer nun vor dem Club, der ehemals BLUE HELL und nun LORDS OF TOTAM hieß.“

Wohlgemerkt: Eröffnungsabend!

Meine launige Kommentierung in Fußnote 4113 war ja wohl un­vermeidlich: „Na, für eine Eröffnung ist aber auch wirklich viel los, nämlich gar nichts. Keine Mädel, die Gäste begrüßen? Keine livrierten Bediensteten? Keine Presse? Keine Berühmtheiten? Keine Schaulustigen? Total irreal und unrealistisch.“

Schließlich entschließt sich Themistokles Thuronis zu einem Al­leingang und schleicht sich in den Club ein. Dabei registriert er zu seiner Verwirrung ein rotes Mal an seinem Arm. Er konstatiert – für mich allerdings viel zu kurzsichtig – Folgendes: „Es musste sich um eine Art Allergie gegen Magie handeln, vermutete er.“

Das liest sich nicht nur einigermaßen absurd, das ist es auch. Thuronis trug – soviel darf ich spoilern – Verletzungen in einem früheren Fall davon, die ihn fast das Leben kosteten. Nach der Genesung hatte er mit Oki Stanwer ein Abenteuer in Grönland zu bestehen, wo sie ebenfalls massiv mit Magie konfrontiert wurden. Und nun schaut euch mal meinen auf diesen Erkennt­nissen und dem obigen Zitat fußenden Kommentar an:

Na ja, allergisch gegen Magie? Und warum hat er dann, bitte schön, als er mit Oki in Grönland war und im Dunstkreis der SIE­BEN SIEGEL VON TOTAM agierte, davon nix gemerkt? Das ist doch offensichtlich dummes Zeug, auch wenn der Effekt an sich beeindruckend herüberkommt. Aber eine auch nur halbwegs plausible Begründung fehlt leider ganz und gar.“

Man merkt: Ad hoc-Erfindungen wie diese gehen gar zu leicht nach hinten los, wenn sie nicht wirklich gescheit in das Ge­schichten-Kontinuum eingebettet wurden.

Aber es wird noch kurioser und zeigt, wie ahnungslos ich 1986 wirklich war. Thuronis dringt durch eine Feuertür ein, und so geht es dann weiter: „Sie war, wie erwartet, verschlossen. Aber der Laser brannte das Vorhängeschloss auseinander und ließ die Tür knarrend aufschwingen.“

Stöhnt da noch jemand gleich mir? Gut. Wenigstens hatte ich anno 2013 bei der Kommentierung gemerkt, was daran fundamental falsch war: „Ich hatte ja wirklich überhaupt keine Ahnung! Man kann doch wohl nicht eine FEUERTÜR, die in Brandfällen von innen zu öffnen sein muss, von AUSSEN mit einem Vorhängeschloss verschlie­ßen! Sind die Leute alle Selbstmörder? Die erste amtliche Kon­trollabnahme schließt den Laden bei Entdeckung dieses Schlos­ses sofort.“

Auf der nächsten Seite wird es dann wirklich ernst. Ich zitiere aus dem Haupttext: „Thuronis spürte auch einen leichten Druck auf seinen Geist, und der Verstand schrie Alarm: DÄMONISCHE BEEINFLUSSUNG!“

Da fühlte ich mich an etwas erinnert und ließ es in die Fußnote 4167 einfließen, die diese Stelle kommentierte: „Äh, klar … Ver­stand an Geist, Verstand an Geist: Dämonen beeinflussen mich. Melde weiter an Magen und Füße und Haarwurzeln, damit alles abwehrbereit ist … also, bitte, sind wir hier bei Otto Waalkes, oder wo? Das habe ich ja wohl jetzt nicht wirklich ernsthaft ge­meint, oder? Tja, sieht wohl doch so aus. Au Backe …!“

Damit verlassen wir mal diese Episode und wenden uns Band 37 zu, die diesbezüglich etwas pflegeleichter war. Wir befinden uns mitten in einer Trilogie, in der ich unbedingt den Großen Brand von London anno 1666 nachvollziehen wollte, diesmal im November 2034, und unter massiver Einflussnahme der Dämo­nen von TOTAM.

Während das geschieht, kommt es zu einer Konfrontation zweier Dämonen. Der eine, Zomar, ist in diesem Universum zu einem Helfer des Lichts geworden und arbeitet für das Stanwer-Team und gegen TOTAM. Aber als er versucht, ein erbeutetes Dämo­nenzepter zu sichern, erliegt er seinem Zauber auf ähnlich fata­le Weise wie Frodo im „Herrn der Ringe“ vom Einen Ring ver­sucht wird.

Dagegen ist grundsätzlich gar nichts zu sagen, weil das eine in der Tat veritable Gefahrenquelle darstellt, für alle Lebensformen im OSM. Dummerweise vergriff ich mich hier auf so abstruse Weise in der Formulierung, dass ich beim Kommentieren fast Tränen lachte. Ich zitiere mal den Grund meines Amüsements und dann, was ich dazu kommentierte:

Der Dämon war über alle Maßen fasziniert. Und dann griff er zu. Es war, als wäre er ein materielles Wesen. Das Zepter schmiegte sich in seine imaginäre Faust und glühte darin wei­ter. Seine Gestalt erstrahlte ebenfalls in Blau.

Und er fühlte die Macht, die ihn durchrieselte.

Nun wimmert‘, knurrte der Dämon hart. ‚Ich, Zomar, der Ver­nichter, werde euch hinwegfegen …!‘“

Die Fußnotenziffer 4481 steht am Wort „hart“, das ist wichtig zu wissen. Ich notierte in diese Fußnote:

Owei, Zomar, der ‚Harte‘. Da ist man als Leser am Lachen und fragt sich, ob das Zepter wohl ein adäquater Ersatz für dämoni­sches Viagra ist … ich fand diese Beschreibung damals aber wohl klasse. Heute sollte ich mir hier formulierungsmäßig sehr viel mehr Gedanken machen.“

Ich denke, für heute mag das genügen an kuriosen Stellen aus semantisch missglückten OSM-Episoden. Mehr zu all den Kon­texten aus diesen Bänden, die ich euch hier und heute noch schuldig bleiben musste, erfahrt ihr in der nahen Zukunft, wenn die Artikelserie „Close Up“ sich mit dem KONFLIKT 17 beschäf­tigt. Das ist erstaunlicherweise näher, als ihr denkt.

In der nächsten Woche erzähle ich euch Näheres über mein fünftes unveröffentlichtes Romanskript, meinen letzten Gehver­such im Bereich der Horror-Heftromane (der natürlich auch ab­gelehnt wurde).

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

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