Liebe Freunde des OSM,
alle Dinge enden einmal, das eben der Lauf der Welt. Und während einige von euch vielleicht erleichtert aufseufzen mögen, könnte ich mir durchaus denken, dass andere diese Ankündigung möglicherweise mit langen Mienen und Enttäuschung aufnehmen. Gleichwohl steht mein Entschluss fest: Dieser vorliegende Rezensions-Blog ist vorerst der letzte, der sich mit Clive Cussler-Romanen beschäftigt.
Ich weiß, dass damit eine – gelegentlich pausierende – Reihe von Blogartikeln zu diesem Autor endet, die, ungelogen, mit meinem Rezensions-Blog 8 am 20. Mai 2015 begonnen hat, vor gut 11 Realjahren also.
Ihr fragt euch sicherlich – und noch mehr wohl nach der Lektüre des vorliegenden Beitrags, der ja nun wirklich überhaupt nicht erschöpft oder enttäuscht ausgefallen ist – , weshalb ich jetzt hier wieder mal die Bremse ziehe. Das hat einen ganz simplen Grund: Ich habe nahezu alle mir vorliegenden Clive Cussler-Romane gelesen und rezensiert.
Gewiss, es gibt noch mehr davon, aber nur noch eine Handvoll, und die meisten davon sind derzeit noch nicht übersetzt. Ich habe mich also dazu entschlossen, hier erst mal wieder eine kleine „Halde“ in den kommenden vielleicht zwei Jahren anzuhäufen, ehe ich hiermit fortfahren, etwa die frischen Abenteuer von Dirk Pitt, Kurt Austin, der OREGON-Crew, den Fargos oder dem Detektiv Isaac Bell vorzustellen.
Was ich stattdessen in Angriff nehme? Oh, das werdet ihr bald lesen können. Ich verweise dafür auf den Rezensions-Blog 579, der in sechs Wochen erscheinen wird. Damit beginnt die Aufarbeitung einer alten Rezensionsserie, die ich früher im Fanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) unterbrachte.
Doch nun wenden wir uns der Geisterjagd zu, die Juan Cabrillo auf die Fährte des mörderischen und fanatischen „Vendor“ führt und beinahe in den Tod.
Vorhang auf für ein höllisches Abenteuer:
Tödlicher Schwarm
(OT: Ghost Soldier)
Von Clive Cussler & Mike Maden
Blanvalet 1352
2025, 12.00 Euro
560 Seiten, TB
Übersetzt von Wolfgang Thon
ISBN 978-3-7341-1452-6
Augenscheinlich ist die Schreibfrequenz der Mike Maden-Romane für den relativ neuen Übersetzer zu flink gewesen, als dass er sie alle hätte bewältigen können. Deshalb musste jüngst ja ein anderer unbekannter Übersetzer einspringen beim Vorgängerband „Brennender Sand“ … hier ist Thon wieder an Bord und hat das 18. Abenteuer der OREGON-Crew unter Juan Cabrillo übersetzt. Und dieses Werk einen Pageturner zu nennen, wäre wirklich untertrieben. Ich hätte vermutlich am dritten Lesetag auch noch die Nacht durchlesen können, weil es so nervenaufreibend spannend war. Ich zog dann doch etwas Erholungsschlaf vor und hob mir das dramatische Finale für den heutigen Morgen auf. Gute Entscheidung!
Worum geht es dieses Mal? Nun, das ist ein wenig verzwickt. Im Grunde genommen ist es die Jagd auf einen Geist – während der Geist zugleich ein mörderischer Gegner ist, der ständig für höllische Überraschungen gut ist.
Alles beginnt in den Endtagen des Zweiten Weltkriegs, als in der Mandschurei ein amerikanischer Flieger von einem japanischen Arzt gesund gepflegt wird. Der Grund dafür ist aber keine Menschenfreundlichkeit, sondern gezielte Grausamkeit, und der arme Kerl stirbt bald darauf eines grässlichen Todes. Die Spur von Dr. Yoshio Mitomo verliert sich daraufhin im Zweiten Weltkrieg, den Japan bekanntlich verliert.
In der Gegenwart besucht die versierte U-Boot-Technikerin Callie Cosima die OREGON. In Übereinstimmung mit der CIA soll sie hier ihr neues Tiefseetauchboot, den „Ghost Fish“, im Einsatz testen. Später sollen sie noch sehr froh sein, dieses kleine technische Wunderwerk an Bord zu haben, aber das ist in diesem Moment beim besten Willen nicht absehbar.
Schwenk nach Nordkorea: Die nordkoreanischen Militärs schließen ein Geschäft mit einem geheimnisumwitterten Waffenhändler ab und beziehen von ihm Hyperschall-Torpedos, mit dem sie wenig später ein südkoreanisches Schlachtschiff versenken. Zeitgleich nehmen die chinesischen Provokationen gegenüber der Insel Guam immer dramatischere Züge an – es sieht ganz so aus, als drohe in Fernost eine militärische Eskalation, die die Amerikaner zunehmend alarmiert.
Langston Overholt IV., der inzwischen 80jährige CIA-Veteran, der aus dem Ruhestand immer noch die Fäden zieht und einen engen Draht zu Juan Cabrillo von der OREGON hat, hat noch ein weiteres Problem, mit dem er Cabrillo parallel gern betrauen möchte: Auf dem Schwarzmarkt tauchen ständig US-Waffen auf, die verheerende militärische Zwischenfälle verursachen. Er hat auch eine Vermutung, woher sie stammen: aus Afghanistan.
Vor dem Wiedererstarken der Taliban, erklärt er, hätten die dortigen Militärs jede Menge amerikanisches Waffenmaterial angefordert und natürlich auch erhalten. Aber die damit auszurüstenden Soldaten hätten nur auf dem Papier bestanden, seien quasi „Geistersoldaten“ gewesen. So gingen diese Waffenbestände, Hunderte von gepanzerten Fahrzeugen, Tausende von Waffen und unzählige Millionen Schuss Munition, direkt in die Hände der Taliban über. Und augenscheinlich werden sie über ein subversives Waffenhändlernetzwerk inzwischen weltweit verteilt.
Da Cabrillo und seine Leute das Netzwerk der „Pipeline“ im vorletzten Band („Feuermeer“) wirkungsvoll ausgeschaltet haben, muss jemand anderes dafür verantwortlich sein. Aber jede amerikanische Intervention in Afghanistan ist definitiv ausgeschlossen. Der Chairman der „Corporation“ macht also Maske und begibt sich nach Afghanistan.
In der Tat kann er bald herausfinden, dass es geheime Waffenlager der Taliban mit überreichlich vorhandenen US-Waffen gibt. Und der Waffenhändler ist ein rätselhafter Unbekannter, der auf den Namen „Vendor“ hört. Leider nützt Cabrillo das wenig, der sich wenig später in einer automatischen Frachtmaschine wieder findet, eingewickelt wie eine Mumie und obendrein gefesselt, unterwegs an ein unbekanntes Ziel.
Es gelingt ihm zwar, sich zu befreien und aus dem Flugzeug zu entkommen, aber nun setzt eine Kette von abenteuerlichen Ereignissen ein, die ihm und seiner Crew sehr schnell zeigen, dass sie es mit einem höllischen Gegner zu tun haben. Während sie noch dabei sind, mit Hilfe des „Ghost Fish“ den Flugschreiber des abgestürzten Flugzeugs aus der Tiefsee zu bergen, wird überraschend die OREGON wie aus dem Nichts heraus sowohl mit Hyperschallraketen als auch Torpedos attackiert und entgeht nur knapp der Vernichtung. Der geborgene Flugschreiber selbst erweist sich als heimtückische Waffe, die beinahe die Computer der OREGON grillt.
Und so geht es immerzu – jeder Versuch, den geheimnisvollen „Vendor“ ausfindig zu machen, führt zu immer neuen Attacken, die von Mal zu Mal versierter und gemeiner werden. Schließlich wird zunehmend deutlich, dass jemand in der US-Geheimdienstverwaltung als Maulwurf des „Vendor“ arbeiten muss und ständig Informationen über die OREGON-Manöver an den Feind weiterreicht. Und der „Vendor“ selbst verfügt über einen messerscharfen Verstand und eine hochgezüchtete Künstliche Intelligenz, die eine atemberaubende Reaktionsgeschwindigkeit ermöglicht.
Als sich Juan Cabrillo und sein Kompagnon Franklin Lincoln schließlich inkognito auf „Island of Sorrows“ (Lage unbekannt) zusammen mit einer Söldnerschar in dem tödlichen Waffentest des „Vendors“ wieder finden, agieren sie plötzlich ohne Netz und doppelten Boden – und werden von den militarisierten Drohnenschwärmen des Waffenhändlers gnadenlos gejagt … aber auch das ist noch lange nicht das Ende vom Lied. In Wahrheit strebt der Fanatiker einen Massenmord an, der zum Dritten Weltkrieg führen soll … und die Weltuntergangsuhr tickt immer schneller …
Zu sagen, der Roman sei spannend, wäre tatsächlich die Untertreibung des Jahres. Man ist ja intuitiv geneigt zu sagen, dass Clive Cussler-Romane wesentlich nach einem klaren Strickmuster ablaufen, was grundsätzlich richtig ist. Aber es ist eine Sache, eine bewährte, quasi „unkaputtbare“ Crew gegen einen neuen Gegner einzusetzen – eine völlig andere dagegen entwickelt sich, wenn wir es mit einem mehr als respektablen Gegner zu tun haben. Denn die Dramatik steigert sich unvermeidlich, wenn unsere Helden nicht nur gegen Dumpfbacken antreten, sondern gegen wirklich kluge, gemeine und heimtückische Feinde.
Mit so etwas haben wir es hier zu tun. Der „Vendor“ ist ein wirklich genial zu nennender Waffenerfinder und Waffenhändler in einer Person, der mit massiver KI-Unterstützung und skrupellosen Vasallen weit im Voraus plant und so mehrere fast vernichtende Schläge gegen die OREGON ausführt, die ihm oft mit mehr Glück als Verstand entkommen kann. Er selbst und seine Zielrichtung bleiben lange ein völliges Rätsel. Und so etwas schätze ich sehr.
Man spürt deutlich, dass der Autor – enorm kenntnisreich und weltpolitisch eindeutig am Puls der Zeit, wie diverse Hinweise auf den Ukraine-, den Afganistan-Krieg und die Unruhen im Kosovo zeigen – seinen Villain sehr ernst nahm und ihn als schwergewichtigen Gegner zu Juan Cabrillo aufgebaut hat. Die Konsequenz sind zahlreiche üble Blessuren, die nicht nur die OREGON davonträgt, sondern auch Cabrillo und seine Besatzung.
Das Titelbild des Roman ist zwar weitgehend frei erfunden, aber es stimmt durchaus gut auf die Geschichte an sich ein. Alles in allem ist das wirklich eine Geschichte, die jeden Action liebenden Leser solide abholen kann. Macht euch auf einen wirklich wilden Ritt gefasst, Freunde, wenn ihr mit der Lektüre beginnt – klare Leseempfehlung meinerseits!
© 2026 by Uwe Lammers
Caramba, das war vielleicht ein Höllenritt! Ich stimme euch darin absolut zu. Aber vertraut mir, auf die Berg- und Talfahrt ist bei mir Verlass. In der kommenden Woche schlittern wir mit Jessica Clare in das nächste humorvolle romantische Abenteuer Ich glaube, das wird euch Spaß machen.
Bis dann, mit
Oki Stanwers Gruß,
euer Uwe.