Liebe Freunde des OSM,

ich gestehe, ich bin mir nicht völlig sicher, ob ihr mir heute fol­gen könnt, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wäh­rend ich heute (14. April 2026) noch am Text von OSM-Band 2500 feilte, sprang mich, wie das oft so ist, ein Gedanke an. Und dieser Gedanke hatte keinen Platz in der Geschichte und, soweit ich das sehen kann, in absehbarer Zeit auch nicht in ei­ner der begonnenen OSM-Serien.

Warum ist das so? Weil er sehr weit in die Zukunft ausgreift und auf, ich sage mal, provisorisches Wissen zugreift, das bislang nur in meinem Kopf angelegt ist. Deshalb ist es mir wichtig, das niederzuschreiben und zu stabilisieren. Sicherlich, manches an diesen Gedanken ist rein provisorisch, und es kann sehr gut sein, dass langfristig Veränderungen daran erforderlich werden. Doch für einen ersten Sprung ins kalte Wasser mag das hier ge­nügen.

Wir müssen dabei freilich aufpassen, dass wir nicht die Boden­haftung verlieren. Glaubt mir, das passiert nur zu leicht bei dem Thema, um das es heute geht. Fangen wir mit einer Aufwärm­übung an.

Glaubt irgendwer von euch an so etwas wie Schicksal, Vorbe­stimmung, an Orakel, Horoskope und dergleichen? Und an so et­was wie die Existenz einer feinstofflichen Seele, die man mit physikalischen Methoden der Gegenwart nicht messen und nachweisen kann?

Gut, denn in dem Bereich bewegen wir uns ab sofort.

Wie vielleicht noch aus früheren Kosmologie-Lektionen der ver­gangenen Jahre erinnerlich sein könnte, basiert der OSM auf dem dualistischen Weltenkonzept, also auf der Anschauung, dass mit dem Tod nicht schlagartig das Licht ausgeht und alles, was man im Leben geleistet hat, inklusive der erworbenen Indi­vidualität und aller Fähigkeiten, sofort für immer und alle Zeiten verschwunden ist. Ich postulierte vielmehr schon vor Jahrzehn­ten die Existenz einer feinstofflichen Seele, basierend auf der primärenergetischen Fadenmatrix, die ihre Informationen in die kosmische Matrix gewissermaßen automatisch „hochlädt“, wie wir das heute technisch sagen würden. Stellen wir uns die kos­mische Matrix als eine Art unendlicher Cloud vor, dann kommen wir hier vielleicht dem Gesamtkonzept nahe.

Dieses Gesamtkonzept ermöglicht dann natürlich seltsame Din­ge im Oki Stanwer Mythos. Wiedergeburten etwa. TOTAMS Kno­chenstraßen. Matrixfehler … ja, und da sollten wir kurz stoppen.

Wie ihr euch vielleicht entsinnt, war das Mysterium der Matrix­fehler für mich jahrzehntelang wirklich undurchdringbar. Das blieb so, bis ich schließlich in den späten 90er Jahren die Spezi­es der TUURINGER entdeckte und der OSM alptraumhafte Ab­gründe erhielt, an die ich tunlichst nicht allzu oft rührte, weil sie mich wirklich schwindeln ließen. So ist das immer noch.

Heutzutage ist klar, dass die rätselhaften TUURINGER, die in den Universen ab etwa KONFLIKT 28 beheimatet sind, über die transuniversale Zeitreise gebieten und in der Vergangenheit der untergegangenen Universen dabei sind, durch die Schaffung von Matrixfehlern selbige vor dem vorzeitigen Kollaps zu be­wahren.

Allerdings weiß ich inzwischen auch, dass die TUURINGER einen Langzeitplan verfolgen. Sie nutzen die Matrixfehler gewisserma­ßen als Trittsteine, um aus der Zukunft in die noch sehr viel sta­bileren früheren KONFLIKT-Universen vorzudringen. Je weiter sie damit kommen, desto mehr nimmt ihre Handlungsmacht zu. Es ist zu vermuten – aber bislang noch nicht empirisch nachgewie­sen in den geschriebenen Geschichten – , dass ihre Wirkungs­macht am Beginn der ersten KONFLIKTE nahezu allmächtig sein dürfte.

Damit kommen wir zum nächsten Punkt unserer heutigen Erör­terung. Ich arbeite zurzeit an OSM-Band 2500, der inzwischen beinahe fertig ist, und dieser Roman spielt im KONFLIKT 4, also der Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“. Ich arbeite an der IR-Serie seit 2004, und gleich zu Beginn fiel mir ein harmlos wir­kender Techno auf dem Planeten Tushwannet auf, Torkeron.

Jedenfalls dachte ich damals noch, er sei harmlos. Glaubt mir, er ist wirklich nichts dergleichen, und das ist er nicht mal aus bösem Willen. Torkeron ist zur Handlungszeit von OSM-Band 2500, wo er seine Freundin Rilaan kennenlernt, gerade mal 19 Jahre alt. Und bald nachdem sie sich begegnen, erzählt er von sich und seiner gestörten Beziehung zu seiner Mutter. Er ist ihr schon als Kind unheimlich geworden wegen einer sonderbaren Fähigkeit, mit der sie nicht klarkam.

Er wusste von Geschehnissen, ehe sie passierten.

Und nein, wenn ihr jetzt denkt, er sei präkognostisch begabt, seid ihr völlig auf dem Holzweg. Die Sache ist leider deutlich komplizierter. Ich gebe euch mal ein Beispiel aus dem Band 2500:

Sie hatten damals in der Nähe von Sensatoy gelebt, doch als Torkeron zehn Jahre alt wurde, habe sie es mit ihm einfach nicht mehr ausgehalten.

„Das verstehe ich nicht so ganz“, gab Rilaan zu und unterbrach seine Er­zählung damit erst einmal.

„Na ja … ich war ein wenig … wie soll ich das sagen? … schwierig als Kind“, gestand Torkeron, ließ sich aber nicht wirklich aus dem Konzept bringen. Er erläuterte diese „Schwierigkeit“ mit einigem Herumdrucksen an einigen Beispielen. Die erwiesen sich als nicht minder bizarr als das, was er bisher zu Rilaan gesagt hatte, sei es im Reisebüro oder jetzt beim Essen.

„Beispielsweise konnte ich genau feststellen, wenn sie Blumenzwiebeln für unseren Garten kaufte, welche passen würden und welche nicht. Ich spürte das einfach, als wenn … ich weiß nicht … als wenn die Zwiebeln mit mir reden würden. Das klingt sonderbar, ich weiß. Aber so fühlte es sich an. Ich änderte also gelegentlich ihre Kaufentscheidungen ab, weil ich ein­fach WUSSTE, dass manche Zwiebeln nicht keimen würden. Sie kaufte dann manchmal aus reinem Trotz dennoch genau diese und ärgerte sich später darüber, dass sie nicht keimten … ich hatte es ihr gesagt, aber sie wollte einfach nicht hören.“

Und so ging es weiter.

Torkeron wusste zu sagen, wenn das Videofon gerade anschlug, wer am Apparat sein würde und auch, wie Verabredungen ausgehen würden, die seine Mutter traf, die sich natürlich wieder nach einem Mann in ihrem Le­ben sehnte und diverse Versuche unternahm, für Torkeron einen Vaterer­satz zu finden. Der junge Torkeron dankte ihr das auf seltsame Weise, in­dem er Dinge erzählte, die er gar nicht wissen konnte. Er sagte beispiels­weise auch Besucher voraus, die sich gar nicht angekündigt hatten. Oder er wusste im Voraus, wenn seine Mutter das Essen falsch zubereitete. Und so weiter.

Anfangs hielt Jiltaai das für nervige Besserwisserei, aber es wurde rasch offenbar, dass es deutlich mehr sein musste.

Und so wurde Torkeron seiner eigenen Mutter schließlich definitiv un­heimlich.

Bleiben wir einfach mal bei den Blumenzwiebeln, denn genau die waren es, die in mir jene Gedankenzündung auslösten, um die es im Folgenden geht. Noch sind wir hier ziemlich boden­ständig, aber das wird sich bald ändern.

Als ich die obigen Zeilen vor ein paar Jahren bereits schrieb, war ich noch am Rätseln, wie Torkeron das wohl bewerkstelligte. Denn es lag auf der Hand, dass die Blumenzwiebeln nicht eben ihm zuliebe telepathische Fähigkeiten entwickelten und tatsäch­lich mit ihm redeten. Diese Befähigung musste also irgendeinen anderen Grund haben.

Interessanterweise hatte ich den Ansatz zum Verständnis dieses Gedankens schon vor Jahren in einer der noch nicht publizierten Episoden der Serie niedergeschrieben, aber es bedurfte einer ziemlichen Transferleistung, um von dort auf das Obige zu schließen und daraus eine solide Konklusion zu erschaffen. Dazu braucht ihr erst mal ein wenig mehr Basiswissen, und jetzt wird es schätzungsweise ziemlich strange. Das lässt sich nicht än­dern.

In der IR-Serie ist Torkeron ein so genannter „Wahrträumer“. Er arbeitet auch in jungen Jahren schon für eine der Traumgilden von Tushwannet, seiner Heimatwelt, und seine Aufgabe besteht darin, mittels einer so genannten „Fall-Trance“, eines meditati­ven Versenkungsprozesses, Verbrechen aufzuklären. Doch eini­ge Jahre nach dem Kennenlernen seiner Freundin Rilaan wird er unvermittelt durch einen alptraumhaften, immer gleichen Traum behindert. Er sieht, wie die INSEL untergeht und er umkommt. Und, so sagt er Rilaan, die zunehmend verstört deswegen ist, er werde auf Tushwannet umkommen, genau hier … woraufhin sie ihn dazu bewegt, mittels eines Baumeister-Transmitters auf ihre Heimatwelt Talascantor auszuweichen.

Tatsächlich hört der Todestraum damit auf.

Aber hier träumt er einen anderen, nicht minder bizarren – er sieht in seinem Traum auf einmal einen Friedhof vor sich, der von einem unheimlichen Schattenkegel eingehüllt und gerade­wegs entführt wird.

Dummerweise passiert kurz darauf genau das – auf Talascantor. Und als er von den hiesigen Ermittlungsbehörden überredet wird, sein Talent dazu zu nutzen, um dieses Verbrechen auch aufzuklären, geschieht das Desaströse: in seiner Fall-Trance fin­det sich Torkeron auf dem geraubten Friedhof wieder … und lan­det an dessen Zielort – einer grauen bis schwarzen Welt unter einer bizarren grünen Sonne.

Er ist auf TOTAM!

Zwar nur als Astralprojektion, aber ja, er ist auf TOTAM.

Hier begegnet er einem unheimlichen, geisterhaften Wesen, das sich Salja nennt und von sich behauptet, schon sehr lange tot zu sein.

Ja, ein manifester Alptraum für den armen Träumer, soviel ist si­cher. Es wird aber noch schlimmer. Denn Salja umgibt ihn mit einem aus dem Boden wachsenden steinernen Sitz, der ihn um­klammert, und sie kündigt an, er werde, wenn er verstehen wol­le, was gerade mit ihm passiere, dies nur dadurch schaffen, in­dem er mit der Welt TOTAM verschmelze … und sterbe.

Und dann geschieht etwas noch Gespenstischeres:

„Was tust du da?“, rief er noch einmal erschrocken aus, als ihm seine Lage vollends bewusst wurde und seine geisterhafte Gastgeberin oder Ge­fangenenwärterin ihm nicht antwortete.

Meine Neugierde befriedigen, sagte Salja sanft. Du solltest dich wirklich nicht sträuben. Es geschieht dir nichts Schlimmes… und ich würde sogar vermuten, dass das für dich sehr erhellend sein könnte, was ich nun tue.

Sie streckte die linke Hand aus und berührte Torkerons Brust.

Zu seiner eigenen Überraschung konnte er die Berührung sehr wohl spü­ren. Vielleicht lag das daran, dass sie aus einer ähnlichen Substanz be­standen … er selbst aus einer Form von Ektoplasma, da sein physischer Leib ja auf Talascantor zurückgeblieben war, und Salja aus einer Art von kondensierten Gedanken jener unheimlichen Macht, die sie vor langer Zeit aufgesogen und assimiliert hatte. Jedenfalls nahm er an, dass diese Seins­zustände entfernt ähnlich waren …

Dann riss er erstaunt die Augen auf.

Salja zog einen glitzernden, komplexen Faden aus seiner Brust. Wie ein ständig funkelndes Leuchtband, das zitterte und sich wand, bog es sich im­mer wieder in Torkerons Richtung zurück, hing aber so unerbittlich in Sal­jas Fingern, dass es sich nicht entwinden konnte. Der Träumer verspürte ein dezentes, aufreizendes und warm prickelndes Zwicken in seiner Brust, wenn es sich bewegte. Er starrte das funkelnde Gebilde, das hier so völlig fremdartig und unpassend erschien, ratlos an. So etwas hatte er noch nie gesehen. Aber es sah einfach wunderschön aus.

„Was ist das?“, flüsterte er überwältigt.

Ein Kunstwerk, Torkeron. Ein unglaubliches Kunstwerk … Salja ließ ihre Hände an dem Faden entlangstreicheln, der den Kontakt mit dem Techno nicht verlor, und außerordentlich wohlige, erregende Gefühle durchriesel­ten Torkeron. Ganz so, als wenn Rilaan ihn mit ihren wunderbaren Lippen der Göttlichkeit näher brachte.

Er wand sich im Sessel und stöhnte vor Wonne.

Ich habe wirklich vieles über die Seele gelernt in der langen Zeit, die ich hier weile, und auch vieles war mir vorher bereits bewusst … aber so et­was habe ich noch niemals gesehen … sag mir, Torkeron … woher genau kommst du?

Er stöhnte die Rahmendaten seiner Biografie und war erst wieder zu zu­sammenhängenden Sätzen imstande, als Salja das Streicheln des zucken­den Leuchtfadens einstellte, der sich weiter wand wie ein Aal an der Fang­leine. Japsend und keuchend entspannte er sich wieder etwas.

Dann sagte Salja rätselnd: Deine Geschichte ist unvollständig, Torkeron. Sie erklärt das hier durchaus gar nicht. Es sei denn … es sei denn … ja, und ich glaube, das ist es. Du bist ein Spion!

„Nein!“, keuchte er. „Nein, das ist falsch. Das bin ich nicht!“

Der Geist musterte ihn nun mit weiter geöffneten, schockgrün strahlen­den Augen, erfüllt von einer Kraft, die Torkeron auf seinen Platz bannte und schier versteinern ließ. Salja meinte ruhig: Die besten Spione, Torke­ron, sind jene, die nicht einmal wissen, dass sie welche sind. Und du bist die raffinierteste Form davon, die mir jemals begegnet ist. Ohne Frage ist die Lebensgeschichte, die ich in deinem Geist lesen kann, die absolute, reine und lautere Wahrheit. Aber die Frage ist doch, ob Zeugung und Ge­burt der Beginn deiner Existenz waren … und das ist nicht der Fall.

Sie spielte ein wenig mit dem leuchtenden Faden, der sich nun seltsam still verhielt und im grünen Licht eigentümlich funkelte. Dies hier ist das klare Indiz dafür. Aber ich habe eine solche Manipulation noch nie gese­hen. Solche Symmetrien, solche Perfektion… ich möchte daran zweifeln, dass selbst mein Volk so etwas erschaffen könnte. Einfach ganz unglaub­lich. Und so überhaupt keine Furcht darin, nur Neugierde. Unendliche Neu­gierde. Ein Wissensdurst, der dem dieser Welt sehr ähnlich ist, und doch völlig anders gelagert. Sehr fremd.

Und mit dieser Bemerkung … es geht in der Episode noch wei­ter … erreichen wir eine Tiefe des Torkeron-Mysteriums, das sich niemand, nicht einmal die Baumeister, vorzustellen vermag.

Halten wir hier einmal kurz inne und vergegenwärtigen uns, was wir da sehen: Im Grunde genommen ist die Fadenmatrix eines Lebewesens unsichtbar. Allein die Baumeister sind imstande, die schwachen Primärenergieemissionen der Fadenmatrix zu spüren. Ob sie sie – wie Salja – auch visualisieren können, ist in­des zweifelhaft. Wissenschaftler der INSEL sind dazu jedenfalls nicht in der Lage.

Gehen wir einen Schritt weiter: Torkeron ist in KONFLIKT 4 kein Matrixfehler, er ist etwas weitaus Raffinierteres, und darin ist Salja tendenziell zuzustimmen. Das, was sie fadengleich aus seiner Brust zieht, ist eine Art künstliche Fadenmatrix, das Pro­dukt einer unglaublich fortgeschrittenen Wissenschaft, die selbst die Fähigkeiten der Baumeister bei weitem sprengt.

Torkeron wird also von den TUURINGERN aus der fernen Zukunft mit einer Art künstlicher Seele ausgestattet und mit einer nach­gerade enzyklopädischen Informationsbasis, die Geschehnisse auf der, ich nenne das mal „feinmotorischen“ Ebene enthält. Dadurch kann er im direkten Umfeld Dinge scheinbar „vorherse­hen“. Sie sind Teil von Erinnerungen aus der Zukunft, und sie beschränken sich auf sein engstes Lebensumfeld.

Das erschließt schon eine ganze Menge.

Hilft uns das bei den Blumenzwiebeln? Eher nicht.

Okay, dann schauen wir uns das noch mal näher an, denn die Abstraktionsebene vertieft sich hier noch weiter.

Die TUURINGER, das nehme ich hier mal vorweg, sind höchst sonderbare Lebensformen. Ich habe vor vielen Jahren im KON­FLIKT 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ mal einen solchen Kontakt mit einem TUURINGER beschrieben, der den sonderba­ren Namen Megataktherz trug. Ein Wesen, das weder Augen noch sonstige Wahrnehmungskanäle zu besitzen scheint. Und es hat auch keine wirkliche Vorstellung von „Leben“.

Das fremdartig zu nennen, ist vermutlich noch beschönigend.

Wie, wird er nun gefragt, nimmt er denn die Umgebung wahr? Was „sieht“ er ringsum? Denn blind im landläufigen Sinn und damit hilflos ist er weiß Gott nicht.

Die Antwort ist denkwürdig: Er sehe Wahrscheinlichkeitsfunktio­nen, lange und kurze, die sich sonderbar und für ihn unbegreif­lich verhalten. Manchmal verbinden sich diese Linienstrukturen, brechen und erzeugen kleine Wahrscheinlichkeitsfunktionen, die sich allmählich vergrößern und in eine für ihn undurch­schaubare Interaktion treten.

Die Beobachterin – ein veränderter Mensch namens Monica Bascia – begreift, dass ein TUURINGER eine extrem bizarre Wahrnehmung besitzt und dass er von der baryonischen Welt, die ihn umgibt, quasi überhaupt nichts mitbekommt. Deshalb realisiert er auch gar nicht, dass man ihn umbringen möchte. Monica bringt ihn in Sicherheit, aber die Handlungsspur ist da­mit natürlich noch nicht beendet.

Für den Augenblick reicht uns dieser kursorische Blick in KON­FLIKT 28 aber aus.

Gehen wir zu Torkeron zurück, unserem arglosen Träumer von Tushwannet in KONFLIKT 4, also rund 120 Milliarden Handlungs­jahre entfernt. Er ist von den TUURINGERN zielstrebig designt worden, um eine Aufgabe zu erfüllen. Aber dazu muss er inter­agieren können. Er braucht so etwas wie eine menschliche Wahrnehmungsfähigkeit … und die erhält er auch. Physiologisch kann man ihn von einem normalen humanoiden Techno nicht unterscheiden.

Aber da ist eben diese sonderbare Fähigkeit. Er sieht Dinge, ehe sie passieren. Und er spürt, dass Pflanzen keimen oder eben auch nicht.

Und vorhin ging mir auf, wieso das funktioniert und wie.

Torkeron kontrolliert unterbewusst die Länge und Vitalität der Fadenmatrix der Blumenknollen.

Wie gesagt, so etwas ist unsichtbar und mit keinem Messgerät zu prüfen. Und auch Torkeron SIEHT sie nicht … er ist, vielleicht ist dieser Vergleich passender, am ehesten eine Art von organi­schem Messgerät. Wie wenn man die Temperatur eines Gegen­standes durch Betasten erspürt, ist er imstande, durch die Be­rührung zu merken, ob ein Fadenmatrixkeim einer Blumenzwie­bel ausgeprägt und stark genug ist, um eine langfristig lebens­fähige Pflanze hervorzubringen oder ob sie nach dem Einpflan­zen einfach eingeht und vermodert.

Natürlich hat Torkeron als Kind seiner Mutter geraten, die Knol­len zu nehmen, in denen er die stärkeren Vitalfunken spürte. Rational begründen kann Torkeron diese Fähigkeit bis heute (OSM-Band 2500) nicht. Optisch zu erkennen ist davon schon überhaupt nichts. Die Befähigung bleibt also unbegreiflich, selbst für den armen Tork.

Der primärenergetische Lebensfaden der Fadenmatrix ist für die Baumeister zu der Zeit auch noch ein ziemlich großes Mysteri­um, und selbst in der Serie werden sie mit Torkerons Fähigkeit des Wahrträumens massive Probleme haben, teilweise habe ich das schon niedergeschrieben.

Aber so nach vielen Jahren endlich blitzlichtartig zu erkennen, was hier für ein Geheimnis vorliegt und wie es sich erhellen lässt, war eine wirklich wunderbare Entdeckung für mich. Und ja, es war völlig unvermeidlich, dass ich dann umgehend diesen Beitrag verfassen musste, um das festzuhalten. Ein Beitrag aus der Reihe der OSM-Kosmologie ist wegen der langfristigen Impli­kationen, die sich daraus ergeben, zweifelsohne der beste Weg.

Ich hoffe freilich, euch nicht zwischendurch verloren zu haben … die Materie ist, wie eingangs betont, tatsächlich ziemlich stran­ge, und mehr noch deswegen, weil ihr die Primärtext im Gan­zen noch nicht lesen könnt. Vielleicht konnte ich euch aber ein wenig erläutern, warum ich diesen Text jetzt nicht in irgendein x-beliebiges Textdokument schreiben, ausdrucken und abheften konnte, sondern es ein wenig mehr Leuten als nur mir zugäng­lich machen wollte.

In der kommenden Woche kehren wir dann ein letztes Mal in den KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“ zurück. Es kommt zum finalen Showdown zwischen den überlebenden Kämpfern des Lichts und ihren Antagonisten, und der Kampf wird lang, drama­tisch und verlustreich.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

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