Liebe Freunde des OSM,
es gilt dieses Mal, einen Namen geheimzuhalten, denn sonst geht euch ein wesentlicher Reiz sowohl der Rezension wie auch des Romans verloren. Also bleibe ich mal ein wenig im Unbestimmten.
Wie ihr euch sicherlich, wenn ihr schon länger meinem Blog folgt, denken könnt, geht es in diesem Roman, den der Sohn des verstorbenen Vielschreibers Clive Cussler verfasst hat, originär – mal wieder – um eine Schatzsuche. Und damit sind wir bei einem Sujet, das mich seit vielen Jahrzehnten stets von neuem fasziniert und mit fiebriger Spannung erfüllt. Hinzu kommen so schöne Themen wie Unterwasserarchäologie (auch ein sehr interessantes Thema für mich) und, bei Cussler-Romanen obligatorisch, Verschwörungen, Verfolgungsjagden, Schießereien, Entführungen und allerlei sinistre Manöver von bösen Menschen, die infame Pläne verfolgen.
Alles in allem ein „Kochrezept“, das die Cusslers bis heute in die New York Times-Bestsellerliste katapultiert. Ich finde nach wie vor, dass man sehr viel schlechtere Unterhaltungsliteratur finden kann.
Und deshalb scheuche ich euch einmal mehr ins Abenteuer:
Der Schatten des Korsen
(OT: The Corsican Shadow)
Von Dirk Cussler
Blanvalet
506 Seiten, geb., 2024
ISBN 978-3-7645-0874-6
Aus dem Amerikanischen von Wolfgang Thon
Man schreibt den 12. Mai 1940, und es herrscht Krieg in Europa. Die nationalsozialistischen Streitkräfte haben die Grenze Frankreichs überwunden, die Armee ausmanövriert und steuern direkt auf Paris zu – das Ziel im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg. Doch diesmal werden die Deutschen die französische Hauptstadt erreichen und einnehmen.
In dieser Lage wurde Marcel Demille, der Chefkurator des Musée de l’Armée in Paris beauftragt, einen nationalen Schatz in Sicherheit zu bringen. In Le Havre erweist sich der erste Planungsansatz als Sackgasse: Das Schiff, mit dem er nach England entkommen sollte, ist versenkt worden. Und dann ist da auch noch der Mann, den er auf dem Kai trifft – Eduard Martin, ein Bankier der Antwerp Diamond Bank, der bei einem Luftangriff direkt auf dem Kai niedergeschossen wird. Er vertraut Demille zwei Metallkoffer an, und dieser kann in letzter Minute mit einem ablegenden Schiff Frankreich für immer verlassen.
So verschwinden gleich zwei Schätze für immer.
In der Handlungsgegenwart des Jahres 2025 verüben finstere Gestalten einen verheerenden Sabotageanschlag auf eine wichtige Meerwasserentsalzungsanlage in Israel. Mutmaßlich waren es islamische Fundamentalisten der Hamas, aber die streiten jede Beteiligung ab.
Zwei Monate später führt die französische Ozeanografin Brigitte Favreau vom Meeresinstitut Le Havre Sonarerkundungen im Ärmelkanal durch. Dabei helfen ihr Dirk Pitt senior und sein Adlatus Al Giordino von der NUMA. Beim letzten Tauchgang stoßen sie auf ein Schiffswrack, aus dem Pitt wenig später einen Koffer birgt, der einen erstaunlichen Fund birgt – eine große Menge ungeschliffener Diamanten, die offenbar der Antwerp Bank gehörten.
Damit stoßen sie eine unkalkulierbare Entwicklung an, die sie schnell in Teufels Küche bringt. Nicht nur werden die Diamanten noch am gleichen Tag, nachdem sie an Land zurückkehren, gestohlen, es gibt auch Tote. Pitt und Giordino verfolgen die Täter und landen im schönsten Schlamassel – bei genau jenen hartgesottenen Söldnern unter Leitung eines gewissen Henri Nassar, die schon in Israel den Sprengstoffanschlag unternommen haben. Nun haben sie dasselbe vor – in Paris. Und Pitt und Giordino werden in einem mit Sprengstoff beladenen Lkw angekettet und sollen als Selbstmordattentäter die Schuld für die Explosion auf sich nehmen.
Wie man am Cover sehen kann, gelingt das nicht so richtig. Und ohne dass das von Anbeginn klar ist, werden die Mitglieder der Familie Pitt von da an zur Nemesis des Terrorchefs Nassar und seines Stellvertreters Hosni Samad. Während der Hintergrund dieser Anschläge, die irgendwie zusammenhängen, noch völlig unklar ist, kristallisiert sich auf anderen Handlungsebenen allmählich etwas Verheerendes heraus.
Auf dem Grund der Irischen See werden Pitts Kinder Dirk Pitt jr. und Summer Pitt misstrauisch, als sie die Operation eines Schiffes beobachten, das offenbar aus einem in einem Sperrgebiet liegenden Wrack Material geborgen hat – wie sich herausstellt, handelt es sich um nukleare Abfälle. Und ehe sie sich versehen, stecken sie ebenfalls in den tiefsten Schwierigkeiten – Dirks Junior wird von denselben Terroristen, die schon einmal die Pariser Wasserversorgung zu sabotieren versuchten, ein weiteres Mal für einen solchen Anschlag verwendet, diesmal sogar unter Zuhilfenahme nuklearen Materials. Und Summer findet sich als blinde Passagierin auf einem gegnerischen Schiff wieder, das den Atlantik überquert.
In der Zwischenzeit versuchen ihr Vater und Al Giordino sowie Brigitte Favreau, die Fährte der Antwerpener Diamanten zu folgen und stoßen so auf die Fährte von Marcel Demille, der nie wieder aufgetaucht ist. Und sie beginnen alsbald zu ahnen, was für einen Schatz er außer Landes gebracht haben muss … zusammen mit einem weiteren Diamantenschatz, der heutzutage runde 50 Millionen Dollar wert sein muss! Damit beginnt unausweichlich eine turbulente Schatzsuche …
Ich verrate gar nicht mehr über die verwickelten, abenteuerlichen Handlungsfäden dieses recht unterhaltsamen Romans, der nur wenige wirklich bedauerliche Schwachstellen hat. Einer davon besteht in den leider extrem kurzen, sehr auf stete Dramatik geschriebenen Kapitel (105 an der Zahl!). Jenseits des Prologs lässt sich der Verfasser Dirk Cussler wirklich nur wenig Zeit, die Handlung gescheit an Tiefe gewinnen zu lassen. Man hat also das Gefühl, dass er äußerst schnell und geschwind – wie der Leser – durch die Handlung fliegt und dementsprechend auch flüchtig bleibt. Man merkt das vielfach an der ungenügenden Skizzierung der meisten Protagonisten. Vielfach sind sie zwar verschlagen und brutal, aber sonderlich intelligent kann ich diese Leute wirklich nicht nennen. Das gilt bedauerlicherweise sowohl für den Hauptschurken Nassar, dessen Pläne wirklich ständig fehlschlagen und der absolut lernunfähig zu sein scheint, als auch für seinen Auftraggeber Yves Villard, zu dem ich gar nichts Näheres sage … seine Probleme muss man sich als Leser dann selbst anschauen. Dasselbe gilt übrigens für den korsischen Mafiaboss.
Wirklich verwunderlich fand ich dagegen zwei andere Dinge, die man aber nur dann als Schwachstellen empfinden kann, wenn man viele Cussler-Romane gelesen hat. Zwei Handlungsstrukturen sind mit leichter Variation den Romanen „Operation Sahara“ und „Hebt die TITANIC!“ entlehnt, ich erkannte sie recht schnell wieder. Das nimmt dem Buch natürlich nicht seinen Reiz, ganz klar, aber es macht doch wesentliche Stellen recht transparent und raubt so schon ein wenig Spannung.
Doch ansonsten gibt es genug Ungewöhnliches. Untermeerische Aquifere sind ein Aspekt, den ich so nicht auf dem Schirm hatte. Eine Verfolgungsjagd mithilfe eines Gabelstaplers war meiner Erinnerung zufolge auch noch nicht Teil der Cussler-Romane, und dass sich unsere Helden als „Grabräuber“ betätigen, ist auch eher selten.
Also, es ist ein durchaus sehr unterhaltsamer und sehr schnell zu lesender Roman, auch wenn ich den Klappentext („Verwegene Action, gnadenlose Spannung“) doch ein wenig zu vollmundig finde. Für Cussler-Fans definitiv ein Muss, für Freunde spannender Unterhaltung zumindest ein netter, wenn auch nicht überdurchschnittlicher Roman. Auf jeden Fall nicht langweilig, das steht fest!
© 2026 by Uwe Lammers
Ich denke, nach diesem turbulenten Abenteuer brauchen wir ein wenig Entspannung und Erholung. Dafür suchen wir in der kommenden Woche ein ganz besonderes Hotel auf und machen die Bekanntschaft mit einer Frau, bei der ein erotisches Abenteuer zu etwas noch viel Aufregenderem führt.
Mehr erfahrt ihr in sieben Tagen an dieser Stelle.
Bis dann, mit
Oki Stanwers Gruß,
euer Uwe.