Liebe Freunde des OSM,

vor 12 Wochen machten wir den ersten Abstecher in das Univer­sum des Weltraumdetektivs Mike Cole vom Planeten Paumer IV, als ich über den Roman „Baumsterben auf Lepsonias“ be­richtete. Damals war mir offenbar bewusst, dass diese Ge­schichte nicht wirklich auserzählt war … was ich nicht ahnte, war indes, was für eine faszinierende Büchse der Pandora ich damit öffnete.

Als ich während der Abfassung des genannten Romanskripts die Entscheidung fällte, nach vier Romanabsagen des Zauberkreis-Verlages diese Romanskripte nicht mehr primär zur Heftroman­veröffentlichung zu schreiben, sondern zunächst privatim für mich, erschloss sich ein sehr viel weiterer Handlungsraum. Man kann sagen, dass meine Kreativität jetzt erst richtig auf Touren kam.

Bedenken wir die Zeit, in der ich diese Entscheidung fällte: Wir schrieben das Jahr 1985, der Kalte Krieg war nach wie vor im Gange, die Welt in eine kapitalistische und sozialistische Sphäre geteilt. Ich hatte im Sommer 1985 gerade meinen Realschulab­schluss in der Tasche und bewarb mich für eine Ausbildung. In­nerhalb des bundesdeutschen Fandoms, wo ich besonders im Bereich des Horror-Fandoms relativ gut vernetzt war, hatte ich den Weird Fiction-Club LOVECRAFTS ERBEN aus der Taufe geho­ben.

Der Oki Stanwer Mythos (OSM) befand sich noch in den Kinder­schuhen, ich feilte hier an mehreren frühen Serien parallel, ar­beitete zudem an der frühen Horrorwelt-Serie, die ja eine Mi­schung aus Fantasy und Horror darstellte.

Und auf einmal blühte hier ein ganzes Stellarimperium mit mehr als zweitausend bewohnten Planeten auf … eine kosmische His­torie von mehr als 200 Jahren Raumfahrtgeschichte wollte ge­füllt werden. Und das tat ich. Es kann eigentlich nur bedingt ver­wundern, dass ich hier in diesem vorliegenden Romanskript, das es bis heute nur analog gibt, vor Ideen nur so übersprudelte … und erstaunt entdeckte, dass mir 120 Seiten durchaus nicht hinreichten, um alles zu erzählen, was es hier zu erzählen gab.

Doch schauen wir uns das mal genauer an. Vorsicht, es wird jetzt für manchen von euch, der eher Knappheit und Kürze ge­wohnt ist, vielleicht ein wenig „länglich“, aber ihr werdet entde­cken, dass das nötig ist.

Wir erinnern uns:

Der Vorgänger-Roman „Baumsterben auf Lepsonias“ spielt im Jahr 2247, und er ist wirklich nur sehr bedingt – ungeachtet seines Titels – ein Ökologie-Roman. Am Schluss gelang es Mike Cole, dem Chef des Terranischen Sicherheitsdienstes (TS) Jean Donnet und einer Reihe von mutigen Mitstreitern, die Hinter­gründe des Mordes am Magnaten Diaz Akor aufzuklären und sie zum Dschungelplaneten Lepsonias zurückzuverfolgen. Hier konnte ein mit der Pflanzenwelt verschmolzener unglücklicher Schiffbrüchiger von seinem Schicksal erlöst werden, worauf die Macht des so genannten „Herrschers von Lepsonias“ zusam­menbrach.

Case Closed, könnte man sagen.

Leider ist das ein kapitaler Irrtum, wie man schon auf den ers­ten Seiten dieses Romans im Prolog erkennen muss – denn hier spricht niemand Geringeres als der Herrscher von Lepsonias, der dem terranischen Imperium den Untergang ankündigt!

Die Verwirrung eurerseits ist begreiflich, aber der Nebel wird sich im Laufe der Darstellung zunehmend lichten.

Sechs Jahre nach den Geschehnissen im Vorgängerband, also anno 2253, versammelt eine monströse paramentale Macht, eben der Herrscher, sechs Männer um sich, die ein zentraler Ge­danke eint – ein unglaublicher Hass auf die terranische Kultur. Sie entscheiden sich dafür, unter der Ägide des Herrschers ei­nen weit gestreckten Vernichtungsplan umzusetzen, der auf den monströsen Titel „Operation Overkill“ hört.

Bis zum Ende dieses Romans werden fünf der sechs Verschwö­rer namhaft gemacht und im Laufe der Handlung recht klar cha­rakterisiert. Nennen wir sie an dieser Stelle einmal:

Victor Tyrell – Medienmagnat und Großindustrieller, der in einer gigantischen, luxuriösen Raumstation lebt, die man wohl eher als „Raumpalast“ bezeichnen muss. Sie umkreist die Erde. Tyrell wird von der, wie er es sieht, „dekadenten Menschheit“ zuneh­mend abgestoßen und will einen Logenplatz, wenn er dabei zu­sehen kann, wie sie verbrennt.

Paul Coteur – Ein Kolonialterraner vom Planeten Linden, seines Zeichens Mutant und verkanntes Genie, das die Gesellschaft für ihre Missachtung seiner Person hasst.

Aescyla – Ein früherer Eliteagent der Raumarmee, der im Proky­on-Krieg Opfer einer biologischen Waffe wurde und dessen Ado­niskörper zu einem buckligen, grünhäutigen Gnom zusammen­geschrumpft ist. Er hasst es, dass die Regierung ihm nicht ge­holfen hat, als das noch möglich war – inzwischen ist er in dem missgestalteten Körper unwiderruflich gefangen.

General a. D. Francis York – Ein hoch dekorierter Raumwaffen-Offizier, der vor Jahren aufgrund der Affäre um den Doppela­genten Hekhor der beruflichen Verdammung anheimfiel. Er ist anschließend erfolgreicher Raumpirat geworden und verfolgt besonders den TS-Chef Jean Donnet und den Detektiv Mike Cole, die wesentlich an seinem Sturz beteiligt waren, mit uner­bittlichem Hass.

Douglas Frances – Ein wahnsinniger, unethischer Wissenschaft­ler und Halbmutant, der ein geniales Verfahren zur Transforma­tion und Speicherung von Seelen entwickelt hat und dafür aus Wissenschaftsverbänden ausgeschlossen und verfemt wur­de.

Mike Cole ahnt von alledem nichts, ebenso wenig der TS-Chef Jean Donnet. Als Mike von Victor Tyrell (!) engagiert wird, auf der Hochdruckwelt Tecoh 2, der Heimat der non-humanoiden Koorner, nach dem Rechten sehen soll, läuft er in eine kaltblütig geplante Falle und gerät hier in Gefangenschaft.

Ein rätselhaftes Wesen, das sich ihm als Flammenschemen vor­stellt, hat die Koorner zu Streikaktionen in den hiesigen Hoch­druckfabriken aufgestachelt – und ehe er sich versieht, befindet sich der Detektiv in einem Frachtcontainer im Orbit um die Welt und wird ohne Raumanzug in den Weltraum hinausgesaugt!

Es ist allein dem Einsatz des Koorners und TS-Agenten Zhap zu verdanken, dass er diese Situation schon nach wenigen Seiten des Romans überlebt. Er kommt in der Krankenstation des Raumschiffs ARIADNE wieder zu sich und sieht neben Zhap zwei weitere bekannte Gesichter – TS-Chef Jean Donnet und die schöne Barbara Gryde, die man aus dem ersten Roman schon kennt. Mit Mike immer noch befreundet, hat sie inzwischen im Terranischen Sicherheitsdienst Karriere gemacht.1

Die Erleichterung Mike Coles und seiner Freunde ist von sehr kurzer Dauer – denn während er noch auf der Krankenstation der ARIADNE ist, wird ihm buchstäblich die Seele aus dem Kör­per gerissen und durch das All auf eine tropische Siedlerwelt na­mens Cynt gerissen. Hier kommt Mike in einer alten untermeeri­schen Basis auf seltsame Weise wieder zu Bewusstsein – und wird mit dem ersten der Verschwörer konfrontiert, mit dem kri­minellen Wissenschaftler Douglas Frances, der ungeniert zugibt, dass er seine Seelenessenz zielstrebig hierhergerissen hat, um sie dann auf einem speziellen Magnetträger zu speichern. Auf diese Weise können sie sogar miteinander reden.2

Frances, dessen Hass auf Mike Cole anfangs gar nicht begreif­lich ist, hat mit ihm noch schlimmere Dinge vor. Er vermag es nämlich, menschliche Seelen in ferne fremde Körper zu implan­tieren und dort sterben zu lassen … woraufhin sie in den Spei­cher auf Cynt zurückkehren und von neuem ins Universum ver­schickt werden können. Bei der Rückkehr, verkündet ihm der Wissenschaftler, werde er sich an alles, was er getan hat, erin­nern … beispielsweise auch an die Morde, die er ausführen soll!

Mike Coles erster solcher Ausflug führt ihn ausgerechnet zum Planeten Lepsonias, wo er in den Körper eines Schabenwesens namens Thaa’yor eintaucht, von dessen eigentümlicher Innen­sicht man daraufhin sehr viel mitbekommt.

Hier erfährt man dann auch erstmals, dass der Holzkonzern, der im ersten Roman Lepsonias bewirtschaftete, die Diaz-Akor-Ge­sellschaft, nach den damaligen Vorkommnissen rund um Lepso­nias verstaatlicht wurde. Geändert hat sich sonst allerdings we­nig. Das Personal vor Ort blieb gleich – womit man dann weitere bekannte Gesichter vorfindet – , auch an der Beliebtheit des Tro­penholzes des Dschungelplaneten hat sich nichts geändert.

Interessant ist, dass ich den Faktor der so genannten „Bio-Be­wegung“ unter ihrem knorrigen Exponenten Professor Abraham Müller (auch aus dem ersten Roman bekannt) hier wieder auf­nehme. Er ist unter einem Aliasnamen in Denys-City auf Lepso­nias untergetaucht. Man kann hier in dem zunehmenden politi­schen Einfluss der Bewegung auf das irdische Parlament einen Widerhall zum Aufstieg der Partei DIE GRÜNEN in den 80er Jah­ren erkennen, denen ich mit viel Sympathie begegnete. Und ja, auch Abraham Müller gehört hier natürlich zu den vertrauten Gesichtern, die auftauchen.

Während Mike Coles Seele durch die Galaxis gondelt, überfallen Raumpiraten Francis Yorks die ARIADNE im Orbit um Tecoh 2 und kapern sie. Mikes komatöser Körper gerät ebenso in Gefan­genschaft wie Jean Donnet, Barbara Gryde und der Koorner Zhap. Terranische Schiffe, die zu Hilfe eilen, werden von er­staunlich kampfstarken Piratenverbänden rigoros zusammenge­schossen.

Parallel dazu beginnt der Herrscher von Lepsonias, der eng mit Douglas Frances zusammenarbeitet und dessen wissenschaftli­che paramentale Fähigkeiten massiv verstärkt, mit Terroran­schlägen, denen in der Folge Tausende von Menschen zum Op­fer fallen.

Durch einen kleinen Planungsfehler kehrt aber Mike Coles Seele zurück in seinen Körper – allerdings ist er wie seine Gefährten gefangen auf dem Stützpunkt von Yorks Raumpiraten. Dabei handelt es sich um eine alte Welt, die von Alienruinen durch­setzt ist, aber von offiziellen Kosmoarchäologen noch nicht aus­findig gemacht wurde (und ja, diese Ruinen werden dann im zweiten Teil noch wichtig!). Ein Befreiungsversuch des Detektivs schlägt fehl – er wird nun, wie auch Barbara Gryde, mit dem Herrscher von Lepsonias konfrontiert, einem Menschen mit ei­nem Knospenschädel, und dann mit paramentaler Macht wieder bezwungen.

Während Mike und seine Gefährten nun zunehmend begreifen, welcher Macht sie gegenüberstehen und dass es zweifelsfrei ein Bündnis zwischen Tyrell, York und Frances mit dem Herrscher von Lepsonias geben muss, sind sie doch in einer höchst bemit­leidenswerten Situation und außerstande, irgendwelche kon­struktiven Handlungen auszuführen.

Während der Herrscher von Lepsonias unverhohlen dem terrani­schen Präsidenten Richard Joonkamp auf der Erde mit dem Un­tergang des irdischen Imperiums droht, wird auf Lepsonias selbst Professor Abraham Müller und die Kommandanten des LAGERS durch den Herrscher entführt, und der Planet selbst umgibt sich mit einem massiven paramentalen Schutzschild und wird dadurch quasi unangreifbar.

Mike Coles Seele materialisiert auf einem abgelegenen Mond namens Arctic, wo die diktatorische Regierung des irdischen Ko­lonialplaneten Zyor Nuklearwaffen entwickelt und sich vom ter­ranischen Imperium lossagen will. Und als erinnerungsloses We­sen, von Frances und dem Herrscher hierher versetzt, droht Mike nun damit, diese Waffen gegen Zyor abzufeuern und Millio­nen Menschen damit in Lebensgefahr zu stürzen.

Die Dinge stehen, vorsichtig gesprochen, wirklich außerordent­lich schlecht, und alle Vorteile scheinen auf der Seite der Villains zu liegen.

Cut und Fortsetzung im nächsten Roman unter dem Titel: „Das Erbe von Lepsonias“. Dazu sage ich dann im Blogartikel 681 im August etwas.

Noch ein paar Nachbemerkungen zum obigen Roman: Erneut stellte ich fasziniert fest, wie erstaunlich der Lesesog dieses Werkes ist, das immerhin inzwischen gut 40 Jahre auf dem Bu­ckel hat. Das liegt zweifellos an der stürmischen Abfassungs­zeit: Ich schrieb an dem Roman zwölf Tage lang zwischen dem 25. August und 26. Oktober 1985. Das war die Zeit, als ich par­allel etwa an KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“ im QUER­SCHLÄGER-System unterwegs war (vgl. dazu Blogartikel 661 vom 5. April 2026). Es war auch die Zeit jenseits von Band 50 der Serie „Oki Stanwer Horror“ (OSH) und direkt jenseits von Horrorwelt-Band 100.

Mit verrückten Wissenschaftlern, Seelenextraktionen, Wiederbe­lebung, mentaler Fernsteuerung, parapsychischer Kriegsfüh­rung, Raumpiratenüberfällen und dem Eintauchen in non-huma­noide, bizarre Alienlebensformen gab es wirklich reichlich inter­essante und abwechslungsreiche Ideen in dieser Geschichte. Die ganzen Protagonisten, die hier erwähnt werden und neu aufgebaut worden sind, die Details, die man beispielsweise über Tyrells Konzern MAG-LB oder über die sirianische Kultur mitbe­kommt, all das schrie förmlich nach mehr Tiefe, nach mehr Aus­weitung.

Dann taucht hier die irdische Welthauptstadt „Euro-City“ auf, eine künstliche Insel, die im Atlantik positioniert ist (mutmaßlich eine Idee, die wahlweise auf Jules Verne oder Mark Brandis zu­rückzuführen sein könnte). Erste Hinweise auf so genannte „Sperrplaneten“ tauchen auf, die Rolle des Alienvolks der kugel­gestaltigen, morphwütigen Koorner verstärkt sich zunehmend. Und im nächsten Teil werdet ihr sehen, dass sogar mit den „Ge­fährlichen Toten“ noch eine Schicht kosmischer Geheimnisse hinzukommt.

Ach ja, und es gibt natürlich auch noch die anderen Verschwörer dieses Bundes der Sechs unter dem Herrscher von Lepsonias. Und das Lepsonias-Geheimnis ist schließlich auch noch da.

Die Frage ist, welche Lichtblicke mag wohl der zweite Teil dieses Zweiteilers bergen? Und welche Schrecken, die auf unsere Hel­den zukommen? Dazu müsst ihr euch leider noch eine ganze Reihe von Wochen gedulden, ehe ich euch darüber Aufklärung zukommen lassen kann.

Nächste Woche berichte ich euch wieder von dem Autoren-Nachlassarchiv-Projekt. Und dieses Mal wird es sehr persönlich werden, weil ich etwas – zumindest einen kleinen Teil – vorstel­len will, was ich mir als Teil dieses Archivmaterials vorstelle. Ich werde euch einen Einblick in das geben, was bei mir digital als „Aktenplan“ fungiert.

Bleibt neugierig, ich denke, das lohnt sich unbedingt.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Ihren Sohn Jim, der anfangs noch im vergangenen Roman Erwähnung fand, wird hier wieder völlig vergessen … dumm gelaufen, muss man sagen.

2 Bei der Neulektüre musste ich an zwei interessante Parallelen denken. Einmal – das war zweifellos der Auslöser damals gewesen – an die Episoden mit der Seelentransplantation in der Zeichentrickserie „Captain Future“, aber die Idee wurde viel später auch in „Captain America 2: The Winter Soldier“ am Beispiel von Doktor Zola wiederbelebt. Hier war ich in gewisser Weise meiner Zeit um ca. 30 Jahre voraus. Die Geistreise-Sequenzen in dem obigen Roman wurden mutmaßlich weiter befeuert von dem Teletemporarier Ernst Ellert in der Perry Rhodan-Serie, die ich damals las.

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