Blogartikel 672: Das Autoren-Nachlassarchiv-Projekt, Teil 19

Posted Juni 21st, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

schon wieder liegt mein letzter Exkurs in dieser Herzenssache eine ganze Reihe von Wochen zurück (zuletzt erzählte ich euch davon im Beitrag 662 meiner Blogartikel, also vor zehn Wo­chen). Heute wage ich mal ein mehrteiliges Experiment, das ein paar Vorbemerkungen erforderlich macht. Lehnt euch also zu­rück und macht mit mir zunächst eine Zeitreise, ehe ich dann zum entscheidenden Punkt komme und euch ein wenig Einblick in eine wichtige Datei auf meinem Rechner gestatte.

Wir schrieben das Jahr 2008, als ich im Rahmen einer Arbeitsbe­schaffungsmaßnahme die Chance erhielt, im Stadtarchiv Salz­gitter einen Archivalienbestand aufzunehmen und dazu eine Da­tenbank anzulegen. Vorher hatte ich schon einschlägige Archiv­erfahrungen seit etlichen Jahren gesammelt und war beispiels­weise im Universitätsarchiv Braunschweig aktiv gewesen, im Stadtarchiv Braunschweig, im Landeskirchlichen Archiv und auch im Niedersächsischen Landesarchiv Staatsarchiv Wolfen­büttel. Und ich war, so kann man das vermutlich am besten sa­gen, tatsächlich angefixt von der Archivarbeit, die ich als ultras­pannend und faszinierend empfand. Das ist heute noch so. Man kann sagen, wie ich es mal ironisch formulierte, dass man, wenn man einmal den „Archivvirus“ eingefangen hat, ihn le­benslang nicht mehr los wird.

Klingt unwahrscheinlich? Ist aber eine Tatsache, und das sollte auch erhebliche Konsequenzen für meine kreative Schaffens­energie zeitigen. Zugegeben … das konnte ich mir damals noch nicht vorstellen.

Dann kam Salzgitter, und alles änderte sich.

Ich bekam den Auftrag – ohne hier übermäßig in die Details zu gehen – , einen modernen Archivalienbestand zu verzeichnen, der dem Archiv als Depositum von der IG Metall-Verwaltungs­stelle Salzgitter übergeben wurde. Dazu sollte ich dann schon ein paar mehr Worte verlieren, da die Fachtermini vielleicht nicht jedem von euch geläufig sind.

Der übliche Weg, wie Archivalien in Archive gelangen, sieht tra­ditionell so aus, dass Institutionen nach einer gewissen Laufzeit der Aktenmaterialien diese an regionale Archive abgeben. Die Universität gibt ihre Personalakten etwa ans Universitätsarchiv ab. Die Kirchengemeinden geben ihre Unterlagen ans Landes­kirchliche Archiv in Wolfenbüttel ab und so weiter. Städtische Überlieferungen gelangen in Stadtarchive oder in Landesarchive …

Das ist die eine Möglichkeit der Bestandsbildung in Archiven. Über diese Bestände werden dann in der Regel Findbücher an­gelegt, damit sowohl Archivare als auch Nutzer diese Bestände thematisch durchsuchen können. In modernen Zeiten werden diese Findbücher außerdem in der Regel überführt in Datenban­ken.

Die andere Form der Archiv-Bestandsbildung sind so genannte Deposita. In diesem Fall werden mit Familien, Vereinen, Institutionen usw., die nicht einer zwingenden Abgabepflicht unterliegen, die aber gern die Fähigkeiten der Archivare und vor allen Dingen auch die Möglichkeit der Aufbewahrung der Unterlagen in Archiven anstreben, so genannte Depositalverträge geschlossen. Das bedeutet: die abgegebenen Materialien werden von den Archivaren systematisch erschlossen und verzeichnet, sie werden auch im Archiv aufbewahrt, gehen aber – im Gegensatz zu den obigen Beständen – nicht in deren Besitz über.

Die IG Metall-Verwaltungsstelle Salzgitter schloss also mit dem Stadtarchiv Salzgitter einen solchen Depositalvertrag, und nun wurde jemand gesucht, der die Materialien sichtete, verzeichne­te usw. Dieser Jemand war ich. Der Vertrag lief über ein halbes Jahr.

Die Probleme wurden rasch sichtbar: Zum einen handelte es sich nicht um einen von vornherein klar konturierten Bestand. Das bedeutete: Wir bekamen immer wieder einen Stapel von Umzugskartons mit Akten, mal zehn, mal fünfzehn, dann wieder zehn usw. … und irgendwann fragten wir uns, wann denn wohl der Materialstrom abreißen würde. Die IG-Metaller fanden im­mer weiteres Material. Es war, vorsichtig gesprochen, eine ziemliche Herausforderung. Das machte schlussendlich die Auf­stockung des Arbeitsvertrages zwingend notwendig und führte für mich zu einer Weiterbeschäftigung um ein weiteres halbes Jahr.

Am Ende hatte ich mehr als tausend Akteneinheiten verzeichnet und war dabei – während ich mich in die IG Metall-Geschichte einlas und in die Geschichte Salzgitters, was für mich Neuland darstellte – , auf ein faszinierendes zweites Problem gestoßen.

Die Ordner älterer Bauart besaßen alphanumerische Kenn­ziffern auf ihren Ordnerrücken. Nicht alle, aber sehr viele. Es war eine sehr komplexe alphanumerische Gliederung, die man sich etwa so vorstellen muss: „A 2 C 5“ etwa. Dann gab es wel­che mit „T 4 D 2“ und so weiter, manche waren noch weiter mit Groß- und Kleinbuchstaben untergliedert.

Mir wurde relativ rasch Folgendes klar: Es hatte – zumindest zeitweise – bei der Verwaltungsstelle einen sehr feinteiligen Ak­tenplan gegeben. Dieser hätte mir natürlich die Arbeit an dem Gesamtbestand deutlich erleichtert … wenn er mir vorgelegen hätte. Aber erstens war das nicht der Fall, zweitens wichen die späteren Akten davon grundlegend in ihrer Kennzeichnung ab. Das wiederum deutete darauf hin, dass dieses Ablagesystem ir­gendwann einmal durcheinander gekommen sein und schließ­lich aufgegeben worden sein musste.

Ich weiß nicht recht, ob ihr euch die Wirkung auf mich vorstellen könnt. Es ist schließlich alles in allem ein recht abstrakter Pro­zess gewesen. Aber Tatsache bleibt: ich war wirklich fasziniert. Und ich machte ernsthafte Anstrengungen, diese Gliederungs­prinzipien zu rekonstruieren. Der rekonstruierte Aktenplan nahm ziemlich alptraumhafte Dimensionen an, wie ich gestehen muss … was vermutlich dazu führte, dass er aufgegeben wurde. Aber bei der schieren Menge des Materials war der Gedanke einer kleinteiligen systematischen Arbeitsorganisation höchst beein­druckend.

Wieder daheim angekommen, dachte ich an dem Thema weiter herum, und damit gelange ich jetzt in den Bereich, wo dieser Gedanke eines Aktenplans für mich wirklich einen wahren Sire­nenruf entwickelte.

Ich schaute meine schon sehr weit ausgeuferten Ordnerreihen in den Regalen an und überlegte, ob es nicht wirklich äußerst sinnvoll wäre, so etwas wie einen Aktenplan für meine eigene Systematik zu entwickeln und auf meine Hunderte von Ordnern anzuwenden. Denn ja … ich sah durchaus eine gewisse struktu­relle Parallele zwischen den Akten der IG Metall, die ich bearbei­tete und meinen eigenen Materialien.

Es gab so einen Aktenplan für meine eigenen Werke nicht.

Also entwickelte ich ihn 2008.

Dieser Aktenplan, von dem ich euch heute mal einen kleinen Teil zeigen möchte – ich sagte ja, das ist ein mehrteiliger Artikel – , bildet den (zugegeben, noch recht unvollkommenen) Stand des Jahres 2010 ab. Ich hinke hier ziemlich weit hinterher, was eine voll­ständige Erschließung angeht.1 Einer der Gründe dafür ist in der Tatsache zu sehen, dass ich zu wenig Raum habe, um diese Ordner zugänglich aufzustellen. Viele davon sind – nur mäßig erfasst – in Umzugskartons übereinander gestapelt in meinem Bibliothekszimmer, andere stehen in meinem Arbeits- und Schlafzimmer, weitere stehen überall am Boden … wahrlich, ich bräuchte mal viel Raum, um sie alle gescheit aufzustellen und dann nach und nach gründlich inhaltlich zu erfassen.

Warum ich hierzu so viele Worte mache? Nun, ich denke mir, es ist ganz sinnvoll, euch mal einen kleinen Eindruck von dem Ma­terial zu geben, das im Laufe der vergangenen knapp 50 Schreibjahre zusammengekommen ist und das einen wesentli­chen Grundstock für das Autoren-Nachlassarchiv bilden soll.

Schauen wir uns heute also mal kurz den Anfang dieser Gliede­rung an, und ich betone explizit, dass das noch nicht der voll­ständige, aktuelle Stand ist, sondern ausdrücklich ein vorläufi­ger. Er ist tatsächlich in seiner alphanumerischen Struktur sehr stark an den alten Aktenplan der IG Metall-Verwaltungsstelle Salzgitter angelehnt. Nicht alle Buchstabengruppen sind bis heute belegt, möglicherweise wird das auch nie passieren. Aber die, die schon belegt sind … nun, ihr werdet es erleben.

Ich zeige euch mal einen ersten Einblick, und wie üblich fangen wir beim Buchstaben A an:

Gliederung des Aktenplans

A)

A 1 Der Archipel2

A 1.1 Archipel-Romane

A 1.1.01 Die drei Strandpiratinnen (1998) [4. BUCH]

A 1.1.02 Evi und Petra (1999) [5. BUCH]

A 1.1.03 Christinas Schicksal, Bd. 1 (2000)

A 1.1.03 Christinas Schicksal, Bd. 2 (2000)

A 1.1.03 Christinas Schicksal, Bd. 3/E (2000) [6. BUCH]

A 1.1.04 Rhondas Weg, Bd. 1 (2000)

A 1.1.04 Rhondas Weg, Bd. 2 (2001)

A 1.1.04 Rhondas Weg, Bd. 3 (2001)

A 1.1.04 Rhondas Weg, Bd. 4 (2001)

A 1.1.04 Rhondas Weg, Bd. 5/E (2001) [7. BUCH]

A 1.1.05 Abenteuer im Archipel, Bd. 1 (2001-2006)

A 1.1.05 Abenteuer im Archipel, Bd. 2 (2006-)

A 1.1.06 Christinas Schicksal, Bd. 1 (EDV-Version) (2002)

A 1.1.06 Christinas Schicksal, Bd. 2 (EDV-Version) (2002)

A 1.1.06 Christinas Schicksal, Bd. 3/E (EDV-Version) (2002)

A 1.1.07 Evi und Petra (EDV-Version) (2002)

A 1.1.08 Rhondas Reifejahre, Bd. 1 (2002)

A 1.1.08 Rhondas Reifejahre, Bd. 2 (2002-2004)

A 1.1.08 Rhondas Reifejahre, Bd. 3 (2004-2008)

A 1.1.08 Rhondas Reifejahre, Bd. 4 (2008)

A 1.1.08 Rhondas Reifejahre, Bd. 5 (2008)

A 1.1.08 Rhondas Reifejahre, Bd. 6 (2008/09)

A 1.1.08 Rhondas Reifejahre, Bd. 7 (2009)

A 1.1.08 Rhondas Reifejahre, Bd. 8 (2009/10)

A 1.1.08 Rhondas Reifejahre, Bd. 9 (2010)

A 1.1.08 Rhondas Reifejahre, Bd. 10/E (2010) [8. BUCH]

A 1.1.09 Antaganashs Abenteuer, Bd. 1 (2008-2010)

A 1.1.09 Antaganashs Abenteuer, Bd. 2/E (2010) [9. BUCH]

A 1.1.10 Eine Adelige auf der Flucht, Bd. 1 (2000-2009)

A 1.1.10 Eine Adelige auf der Flucht, Bd. 2 (2009/2010)

A 1.1.10 Eine Adelige auf der Flucht, Bd. 3 (2010)

A 1.1.10 Eine Adelige auf der Flucht, Bd. 4/E (2010) [10. BUCH]

A 1.1.11 Verlorene Herzen (2004-)

A 1.1.12 Rhondas Aufstieg (2008-)

A 1.1.13 Die neue Strafe (2009-)

A 1.1.14 Ana und die Sklavinnen ()3

A 1.2 Archipel-Stories

A 1.2.01 Archipel-Stories, Bd. 1 (2000-2003)

A 1.2.02 Archipel-Stories, Bd. 2 (2003-2008)

A 1.2.03 Archipel-Stories, Bd. 3 (2008/2009)

A 1.2.04 Archipel-Stories, Bd. 4 (2010-2012)

A 1.2.05 Archipel-Stories, Bd. 4 (2012-)

A 1.3 Archipel-Fragmente

A 1.3.01 Archipel-Fragmente, Bd. 1 (1998-2000)4

A 1.3.02 Archipel-Fragmente, Bd. 2 (2001-2005)

A 1.3.03 Archipel-Fragmente, Bd. 3 (2007-2010)

A 1.3.04 Archipel-Fragmente, Bd. 4 (2010-2012)

A 1.3.05 Archipel-Fragmente, Bd. 4 (2010-2015)

A 1.4 Archipel-Systemmaterialien

A 1.4.01 Archipel-Gesamtglossar, Bd. 15

A 1.4.01 Archipel-Gesamtglossar, Bd. 2

A 1.4.02 Archipel-Glossare & Register, Bd. 1

A 1.4.02 Archipel-Glossare & Register, Bd. 2

A 2 Ablage

A 2.01 Ablage-Ordner, Bd. 1

A 2.01 Ablage-Ordner, Bd. 2

A 3 Arbeitsmarkt (Zeitschrift)

A 3.01 Arbeitsmarkt-Ordner, Bd. 1

A 3.01 Arbeitsmarkt-Ordner, Bd. 2

A 3.01 Arbeitsmarkt-Ordner, Bd. 3

Wie erwähnt ist der Stand dieses Aktenplans, von dem ich hier nur einen exemplarischen ersten Teil zeige, temporär veraltet und unvollständig dazu. Beispielsweise ist der Abschnitt A 3 in­zwischen obsolet, weil die Zeitschrift Arbeitsmarkt nicht mehr im Abonnement bezogen wird und diese Ordner längst stark ausgedünnt wurden. Langfristig werden sie wohl nicht weiterbe­stehen.

Ihr seht jedenfalls schon an diesen wenigen Untergliederungs­punkten, wie stark hier systematisiert wird und wie die Struktur aufgebaut ist. Gerade bei Werken, die mehrere Ordner füllen, ist das meiner Ansicht nach sehr deutlich.

Im nächsten Beitrag werde ich – dann ohne lange Vorrede – mit dieser Darstellung fortfahren.

Für die nächste Woche ist erst einmal daran gedacht, euch zu zeigen, was ich im Oktober des Jahres 2025 kreativ neu ge­schaffen bzw. weiterbearbeitet habe.

Bleibt gespannt, Freunde.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Es gibt eine aktuellere Version dieses Aktenplans, die deutlich jüngeren Da­tums ist, aber da ich zurzeit wegen technischer Probleme daran nicht gelange, nehme ich diese Datei hier als Darstellungsbasis. Das ist insofern unproblema­tisch, als die grundlegende Struktur ja beibehalten wird … es sind nur eben in­zwischen sehr viel mehr Ordner verzeichnet worden.

2 Alle Archipel-Werke haben rote Ordnerfarbe. Diese Farbwahl wurde 1996 ge­troffen und bezog sich damals auch noch auf den Erotik-Roman „Justine und Maximilian“, da noch nicht absehbar war, dass der Archipel als Welt in mein Blickfeld rücken würde. Ursprünglich war die Farbe rot als „Lustfarbe“ mit Si­gnalcharakter für erotische Werke vorgesehen. Da inzwischen aber eigentlich nur noch erotische Romane im Umfeld des Archipel erscheinen, wird diese Far­be als Archipelfarbe angesehen. Ob beizeiten der erotische SF-Roman „Saskia bei den Nomaden“ oder sein Pendant „Die Kolonie Saigon II“ (derzeit in Ar­beit), ebenfalls rote Ordner bekommen werden, ist noch nicht entschieden.

Nachtrag vom 17. März 2026: Inzwischen haben sich für die wenigen Erotic Empire-Romane – so heißt diese kreative Sphäre inzwischen, in der etwa die oben genannten Romane rubriziert sind – weiße Ordner eingebürgert.

3 Vervollständigen!

4 Jahreszahlen kontrollieren! Haben sich durch Neuausdruck der Fragmente und Einsortieren bislang unbekannter Fragmente verschoben.

5 Unterstrichene Stellen oder auch Orte, die noch nicht ausgefüllte Datums­klammern zeigen, müssen weiter bearbeitet werden. Meist fehlen hier noch Untergliederungspunkte und Detailinformationen. Nachzutragen in einem zweiten Arbeitsgang.

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