Liebe Freunde des OSM,
eingekeilt zwischen den Rezensionen zu zwei eher seichten erotischen Romanen findet ihr heute mal eine Besprechung eines Buches, das wirklich alles andere als das ist. Ich habe in meiner Fortsetzung der Rezension der aktuellen Clive Cussler-Romane (bzw. dessen Epigonen, muss man ja sagen, da der Autor selbst unter der Erde ruht) wieder mal einen neuen Autor entdeckt, der mir bislang gar nichts sagte.
Mike Maden ist nach der ersten Lektüre zu konzedieren, dass er wirklich gut mit dem Personal der OREGON-Romane umzugehen versteht. Natürlich ein wenig enthüllend war schon, als ein völlig neuer Name in der Crew auftauchte und bereits im Klappentext ein Personenverlust der Crew erwähnt wurde, dass es eindeutig genau diese Person erwischen musste … der Effekt war ein bisschen so wie bei den legendären Redshirts bei Star Trek. Fans wissen, wovon ich rede.
Doch selbst wenn man das schon weiß, ehe man den Roman zu lesen beginnt … es ist der Rest, der hochdramatisch und bisweilen wirklich überrumpelnd daherkommt: mit neuen, einfallsreichen Feinden, Bedrohungen, die man so gar nicht kommen sieht, und mit weitreichenden Parallelhandlungssträngen … Das alles macht „Feuermeer“ (den Titelbezug stelle ich hier jetzt ausdrücklich nicht her, er soll euch auch noch gründlich so überraschen wie mich gegen Ende des Buches) zu einem äußerst packenden page-turner. Dass ich seine Lektüre auf sechs Tage ausdehnte, hatte mehr mit anderweitiger Ablenkung zu tun als damit, dass er mich nicht packte. Denn das tat er durchaus.
Ich denke, es lohnt sich für neugierige Leser, einen näheren Blick auf dieses Erstlingswerk zu riskieren:
Feuermeer
(OT: Hellburner)
Von Clive Cussler & Mike Maden
Blanvalet 1255
2022, 12.00 Euro
608 Seiten, TB
Übersetzt von Michael Kubiak
ISBN 978-3-7341-1255-3
Die „Corporation“ unter dem Vorsitzenden Juan Cabrillo mit der Operationsbasis ihres getarnten Hightech-Schiffes OREGON ist eine Organisation von Freiberuflern, die aber in der Regel einen US-militärischen Background haben und überall dort gegen Entlohnung aktiv werden, wo den Amerikanern sonst die Hände gebunden sind. So ist es in diesem Roman zu Beginn auch, als es gegen ein mexikanisches Crystal-Meth-Syndikat geht und Hugo Herrera, der Kopf des Syndikats aus einem Hochsicherheitshochhaus heimlich, still und leise entführt werden soll, um in den USA vor Gericht zu landen.
Cabrillos Team stört beim Zugriff auf dem Dach-Penthouse allerdings eine gegnerische Operation, die Herrera stattdessen töten soll – so kommen der Drogenboss und einer von Cabrillos Leuten ums Leben.
Parallel zu diesen Ereignissen dräut eine monströse andere Gefahr unter der Oberfläche. Ein geheimes Untergrundnetzwerk, das insgeheim „die Pipeline“ genannt wird, verfolgt einen mörderischen Vernichtungsplan. Das erste Element in diesem Plan ist die Ermordung einer U-Boot-Besatzung des russischen Tarn-U-Boots „Penza“, das im Indischen Ozean auf Grund gesetzt wird. Doch wichtiger als das U-Boot ist die höllische Waffe, die dort an Bord ist, der so genannte „Kanyon“. Es handelt sich dabei um einen KI-gelenkten Tarntorpedo mit quasi unbegrenzter Reichweite und einem Nuklearsprengkopf ungeheuerlicher Stärke. Er fällt in die Hände der „Pipeline“ und soll an einem bestimmten Ort im Rahmen eines Racheplans gezündet werden. Millionen Menschenleben werden dadurch vernichtet werden.
Cabrillo ist erschüttert durch die fehlgeschlagene Mission und muss sich vorerst damit abfinden, hier nicht voranzukommen … sein CIA-Mentor Langston Overholt IV hat eine weitere Bitte an ihn: er will Cabrillo in der Türkei treffen und macht ihn hier mit der charismatischen, furchtlosen Journalistin Meliha Öztürk bekannt, deren Vater im Gefängnis sitzt. Um ihn wieder freizubekommen, will Meliha nachweisen, dass der Staatschef Yusuf Toprak und die militanten Grauen Wölfe in der Regierung in internationalen Drogenschmuggel verwickelt sind. Die Schlüsselperson dafür scheint ein türkischer Söldnerführer namens Cedvet Bayur zu sein. Sein Einsatzgebiet ist der nächste Zielhafen für die OREGON: Das im Bürgerkrieg versinkende Staatsgebiet von Libyen, wo türkische Söldner, russische Milizen und Warlords sowie IS-Fanatiker herumtreiben und die Zivilbevölkerung terrorisieren, zum Teil mit Waffensystemen, die selbst Cabrillos Leute überrumpeln und an den Rand des Todes bringen.
Doch hier finden sie wieder einmal Crystal-Meth-Spuren und sprengen einen Stützpunkt von Menschenhändlern. Und während sich auf der anderen Handlungsschiene, von allen unbemerkt, der höllische Kanyon seinem Einsatzziel im Mittelmeer zu nähern beginnt, versucht Cabrillo mit minimalen Ansätzen, die ultrageheime „Pipeline“ aufzurollen.
Doch erst sehr spät können er und seine Leute die Mosaiksteine zusammensetzen und einen zwielichtigen Armenier namens David Hakobyan und den griechischen Reeder Sokratis Katrakis als die zentralen Figuren des mörderischen Spiels enttarnen … aber da bleibt ihnen bis zum Einsatz der Massenvernichtungswaffe nicht mehr viel Zeit. Und das Schlimmste ist: es gibt ZWEI Ziele, und eins scheint unmöglich zu erreichen zu sein …
Ehrlich, neue Besen kehren gut, pflegt man zu sagen … meist bin ich da vorab ein wenig skeptisch. Das gilt für Autoren, die sich bekannter Figuren annehmen – wie in diesem Fall – oder auch, wenn es um neue Übersetzer handelt. Das hat oft deutlichen Einfluss auf die Handlungsführung und die Art und Weise, wie die Geschichten ablaufen.
Bei den OREGON-Geschichten haben wir schon verschiedene Autoren dabei gehabt, seit die Serie vor vielen Jahren gestartet ist. Mike Maden ist in der Riege ein Neuling, über den leider im Buch selbst so gar nichts bekannt wird. Aber ich kann schon nach dem Erstlingsband, der hiermit vorliegt, ganz klar konstatieren: Der Mann kann spannende Romane schreiben, so spannend, dass man kaum mehr herauskommt. Und er hat eindeutig ein Faible für verwickelte Plots. Man erwartet irgendwie nicht recht, mit Cabrillo auf „Holy Island“ (ein Fiktivplatz, der dem Berg Athos nachempfunden ist) zu landen, und ebenso ist der Einfall mit der „Gottstimme“ einfach nur Furcht erregend … moderne Waffensysteme kommen hier zum Einsatz, die wirklich zum Fürchten sind. Aber selbst raffinierteste Pläne weisen hier Fehlstellen auf, und man hat wirklich so manches Mal um die Protagonisten ernstlich zu bangen.
Schade fand ich an dem Roman nur, dass er wieder einmal ein total antiseptisches Muster zahlreicher jüngerer Cussler-Romane konserviert: Obwohl es zwischen Meliha Öztürk und Cabrillo mächtig prickelt, braucht niemand zu erwarten, dass es auch nur zu einem Kuss kommt. Ehrlich – wenn sich alle Menschen so verhielten wie in solchen Romanen, dann wäre die Menschheit definitiv längst vom Aussterben bedroht. Da schlägt also der amerikanische Puritanismus in Reinkultur übel zu.
Wer sich aber nicht für romantische Irrungen und Wirrungen interessiert, sondern an techgestützten und dramatischen Actionsequenzen, der ist hier wirklich goldrichtig. Dass Maden natürlich alle relevanten politischen Akteure kurzerhand mit fiktiven Persönlichkeiten besetzt (unter anderem einer US-Präsidentin), das mag anfangs verwirren, ist aber folgerichtig. Schließlich lernt man so, um all diese Personen zu bangen, deren Leben tatsächlich am Schluss am seidenen Faden hängt.
Eine eindeutige Leseempfehlung von meiner Seite. Ein weiterer Maden-Roman liegt schon parat und weitere sind in der Produktion, wie ich weiß. Das Abenteuer geht also weiter …
© 2026 by Uwe Lammers
Doch, Mike Maden ist definitiv ein Name, den man sich im Sektor der Thrillerromane merken sollte. Wir werden sehen, wie entwicklungsfähig er ist, aber ich bin da recht zuversichtlich.
In der kommenden Woche wird es dann wieder deutlich ruhiger. Von Entspannung im umfassenden Sinn kann man zwar nicht reden, da es durchaus erregend bleiben wird … aber auf ganz andere Weise. Da überkompensiert der dann vorzustellende Roman genau das Element, das in diesem durch Abwesenheit glänzte.
Bis dann, mit
Oki Stanwers Gruß,
euer Uwe.