Liebe Freunde des OSM,
es gibt wirklich Fehler, die sind so aberwitzig, dass ich selbst über zehn Jahre, nachdem ich sie kommentiert habe – in diesem Fall war das im Jahre 2013 – nach wie vor darüber herzhaft lachen muss, wenn ich sie wieder lese und die grimmigen Kommentare dazu goutieren
Gerade in der Zeit, als ich am KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ schrieb, wir reden hier also etwa vom Herbst 1986 und Frühjahr 1987, war ich geradezu im Akkord am Schreiben.
Ich arbeitete an der Mike Cole-Romanserie (siehe dazu den Blogartikel 681 demnächst wieder), ich schrieb an verschiedenen OSM-Serien wie „Drohung aus dem All“ (KONFLIKT 17), „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ (KONFLIKT 16), befand mich gerade in meiner Bürokaufmannsausbildung und schrieb wie ein Irrer Briefe, von demselben Quantum höchst heterogener Romane, die ich verschlang, fange ich gar nicht en detail an. Es war in jederlei Weise eine wilde, turbulente Zeit, und da ich gerade mal 20 Lenze zählte, könnt ihr euch vielleicht vorstellen, was da los war.
Während andere Altersgenossen Partys unsicher und Mädchen klarmachten, interessierte mich das nicht die Bohne, ich schwebte buchstäblich in völlig anderen Welten und fand total spannende neue Dinge im frisch entwickelten Oki Stanwer Mythos.
Das hatte natürlich zur Konsequenz, dass ich mitunter schneller schrieb, als ich mir Rechenschaft über das ablegte, was ich da formulierte. Und so kam es, wie nicht anders zu erwarten, wiederholt zu abenteuerlichen Pannen.
Heute lenke ich euch mal durch ein paar dieser semantischen Schlaglöcher und kommentiere sie entsprechend, wie ich das anno 2013 tat, als ich den KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ digitalisierte.
Den Auftakt macht Band 46 „Knochenvögel“. Er spielt im Januar des Jahres 2035. Das Stanwer-Team ist frisch gegründet, und Oki Stanwers Partner von der WEOP jagen nach dem legendären BUCH TOTAMS, in dem die Geheimnisse der Dämonenwelt geschrieben stehen sollen. Hierbei passiert allerdings ein Malheur, und Okis Seele wird vom Körper getrennt und ins Innere des BUCHES verschlagen.
Während das physische BUCH von verschiedenen Fraktionen gejagt wird, liegt Okis Körper in Scheintodstarre. Dann kommt es bei der Verstauung des BUCHS in einem Flugzeug-Frachtraum zu einem Unfall, und das BUCH öffnet sich. Damit kann Oki Stanwers Seele freikommen. Was dann passiert, liest sich so:
„Mein Körper rief mich wieder. Er erstarb nun langsam, da ich in der hiesigen Welt war …“
Am ersten Satz fügte ich launig die Fußnote 5595 an, die folgenden kommentierenden Inhalt hat:
„Wie macht er das? ‚Oki, Oki, komm, hier ist dein Körper!‘? Also wirklich, da muss ja jeder Leser lachen, wenn man sich so etwas vorstellt! Umformulieren!“
Nun, wie man sich denken kann, geht das dennoch gut, auch wenn die Formulierung leicht schräg ist. Oki kommt zu sich und kann sich an die Nummer des Flugzeuges entsinnen, in dessen Frachtraum das BUCH liegt. Es sieht so aus, als seien sie dem magischen Relikt nun dicht auf den Fersen.
Leider irren sie sich.
Während das Flugzeug Kurs auf die Türkei nimmt, entwickelt das BUCH, und da sind wir tatsächlich sehr bei Indiana Jones und dem „Jäger des verlorenen Schatzes“, der hier zweifellos inspirierend gewirkt hat, ein unschönes Eigenleben.
Die Konsequenz sieht dann im Cockpit so aus:
„Haman Gelöyü hörte die Schreie [aus dem Fahrgastraum, UL], aber er hatte keine Zeit, sich Gedanken darüber zu machen. Der Südkurs wurde immer stärker, obwohl er permanent gegensteuerte. Die Flughöhe war auf 11.400 Meter gefallen und fiel immer schneller …“
Ich merkte in der Fußnote 5635 dazu an:
„Die Flughöhe fällt? Ich glaube, ich falle hier vom Glauben ab! Au weia, hier bin ich ja völlig von der Rolle … man merkt, ich habe rasend schnell geschrieben, und meine Formulierungsfähigkeiten hielten mit der Handlung nicht mehr Schritt. Atemloses Gehechel. Dringend überarbeiten!“
Ich glaube, da seid ihr ganz meiner Meinung.
Springen wir einen Band weiter. Die Spur des Flugzeugs, das an unbekanntem Ort abstürzt, ist erloschen. Kurze Zeit später taucht der Dämon Zomar in London auf. Er steht nach wie vor völlig im Bann des Dämonenzepters, und damit ist von seiner Prägung als Helfer des Lichts nicht mehr viel übrig.
Er erklärt, er könne Oki zur Maschine bringen, die im Himalaya abgestürzt sei – und diesen Wunsch erfüllt er dem Herrn des Lichts dann auch … allerdings nur, um ihn hier allein zu lassen mit der Absicht, dass er Oki Stanwer dort umkommt.
Tja, Oki tut ihm diesen Gefallen natürlich nicht, sondern berappelt sich wieder. Und dann denkt er grimmig Folgendes, was sehr menschlich ist:
„Unaufhörlich malte ich mir aus, was ich mit Zomar machen würde, wenn ich ihn in die Finger bekam, während ich an der Steilwand weiterkletterte.“
Das forderte wieder mal eine Kommentierung heraus:
„Das ist natürlich einigermaßen albern. Da Zomar ein feinstoffliches Wesen ist, kann Oki ihn weder verdreschen noch erschießen noch erwürgen … und Zomar könnte hingegen sein Zepter einsetzen, um ihm zu schaden. Das sind hier also haltlose, manische, fast fieberhafte Gedanken. Passt aber recht gut zu seiner mentalen Verfassung.“
Ihr merkt, nicht alles, was ich gallig kommentiere, ist deswegen per se reformbedürftig. Manches entspringt auch einfach einer irrationalen Seelenhaltung des Moments und ist zwar inhaltlich Käse, kann aber dennoch so bestehen bleiben.
Ich entsinne mich da einer dramatischen, goldigen Szene in Diana Gabaldons drittem „Outlander“-Roman „Ferne Ufer“, wo Claire Beauchamp und Jamie Fraser stranden. Und er schimpft sie aus, sinngemäß so: „Wehe, du stirbst mir hier weg! Dann bringe ich dich um!“
Man sieht die Ähnlichkeit der irrationalen Argumentation, denke ich, recht deutlich.
Ich soll noch eine Stelle zitieren? Okay, aber dann höre ich für heute wirklich auf.
Wir befinden uns in Band 49 der Serie, im Februar 2035. Zwei Urlauber sind unterwegs im winterlichen Wales, und während der Fahrt in menschenleerer Gegend fällt unvermittelt ihr Fahrzeug aus. So etwas kommt immer wieder mal vor. Indes, mir gelang es, auch hier wieder eine unangemessene Stilblüte einzubauen. Sie sieht wie folgt aus:
„Wieder versuchte sie, zu starten, doch der Anlasser ratterte nur kurz und erstarb. Es war zu kalt – und der Himmel mochte wissen, woran es noch lag. Vor einer halben Stunde war der Motor völlig unangemeldet ausgefallen …“
Und da war dann die Stelle, kommentierend einzugreifen. Ich notierte in Fußnote 5809 Folgendes:
„Moderne Technik. Sonst kündigt der Motor an: ‚Übrigens, ich falle gleich aus.‘ Warum, ist natürlich nicht erklärlich … so ein Blödsinn! Diese Floskel ändern!“
Denn natürlich gibt es auch im Jahre 2035 keine Motoren, die so etwas machen. Es gibt – wenigstens nach meiner Kenntnis – ja auch keine Handys, die heutzutage ankündigen: „Übrigens, gleich falle ich aus! Nicht erschrecken!“ Das war auch hier natürlich nicht gemeint, sondern nur, dass der Motor ohne Vorwarnung ausfiel. Dass er die Fahrer und Mitfahrer vorab vom Ausfall in Kenntnis setzt, wäre zwar in gewisser Weise kundenfreundlich, aber es ist hier absolut nicht gemeint.
So ist das, wenn man schneller schreibt, als man denkt. Es kommt Müll raus … in diesem Fall halbwegs amüsanter Müll, das ist zuzugeben.
Damit möchte ich für heute die Fehlerlese-Files wieder schließen. In der kommenden Woche schauen wir uns wieder um bei den Annalen der Ewigkeit.
Bis dann, mit
Oki Stanwers Gruß,
euer Uwe.