Liebe Freunde des Oki Stanwer Mythos,

heute geht es also weiter mit den zunehmend dramatischer werdenden Erleb­nissen der jungen Yantihni-Linguistin Vaniyaa von der RHONSHAAR. Einst ah­nungslos ins Innere des so genannten „Sternenhammers“ vorgestoßen (TI 10), ebendort betäubt und als Gefangene zwischen die Sternenweiten Twennars verschleppt, ist sie längst von den zwergenhaften Shonta befreit und als „Göt­tin“ umfunktioniert worden (TI 16, Annalen 4, TI 17).

Aus dieser Rolle ist sie nun ausgebrochen und aus der Abspalterwabe geflüch­tet… in der Begleitung des Shonta-Rebellen Abenteurerherz. Doch diese Frei­heit hat einen geradezu grotesken Preis, wie sie entdecken muss, und ihre Ab­hängigkeit von den Shonta ist weitaus größer, als Vaniyaa sich das in ihren kühnsten Alpträumen vorstellen kann.

Ehe ihr das bewusst wird, beginnt aber die abenteuerliche Flucht in den Schwindel erregenden Abgrund… und dann kommt es zu einer Konfrontation mit etwas so Unglaublichem wie den „Drachen“ – doch das vielleicht noch Kom­pliziertere sind ihre neuen Begleiter. Es dauert durchaus, bis sich Vaniyaa und die Shonta zusammenraufen können.

Mehr dazu erfahrt ihr im gleichnamigen E-Book, das ab heute zum üblichen Preis von 1,49 Euro auf Amazon-KDP erhältlich ist.

Der einmalige Gratisdownload ist am 13. Juni 2015 möglich.

Ich wünsche euch eine angenehme Lektüre und freue mich jederzeit über Kom­mentare und Bewertungen des Werkes.

Ansonsten sehen wir uns morgen wieder an dieser Stelle, wo ich in meinem Wochen-Blog wieder zu den „Annalen der Ewigkeit“ berichten darf.

Bis morgen dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 10: Fleisch und Blut

Posted Juni 3rd, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

als ich einst in den 90er Jahren nach Braunschweig zog, um hier mein Studium der Geschichte und Philosophie zu realisieren, suchte ich alsbald Gleichgesinnte im Kreise der Phantasten, von deren Existenz in Braunschweig ich durchaus wusste. So stieß ich damals auf den Förderverein Phantastika Raum & Zeit e. V. mit seiner Vorsitzenden Claudia Fischer. Leider war dieser Kontakt nicht von Dauer, sondern löste sich alsbald wieder in Nichts auf…

Die Gründe dafür waren vielfältig. Zum Teil trug der Studiendruck dazu bei, zum Teil meine Arbeit am Oki Stanwer Mythos, von dem ihr ja, wenn ihr meinen Wo­chen-Blog seit Monaten verfolgt habt, einen gewissen Eindruck gewonnen ha­ben werdet. Auch ist mein Engagement für den Science Fiction-Club Baden-Württemberg (SFCBW) nicht zu ignorieren, das bis heute anhält.

Es dauerte darum geraume Zeit, bis ich – lange nach Ende meines Studiums – wieder Kontakt mit dem Förderverein bekam, der nach wie vor existierte. Er war inzwischen als regelmäßiger Veranstalter von Conventions in Braunschweig bekannt. Und diese neue Kontaktaufnahme im Jahre 2011 führte schließlich dazu, dass ihr letztlich heute diese Zeilen hier lesen könnt. Ja, kleine Dinge kön­nen große Folgen nach sich ziehen, wer wüsste das wohl besser als ich selbst…?

In der Zwischenzeit dieser beiden Kontaktpunkte gab es allerdings einen Story­wettbewerb, den der Förderverein initiierte, und das Resultat der überwälti­gend starken Resonanz auf diesen Wettbewerb war schließlich das vorliegende Buch. Ich bekam es erst sehr spät in die Finger, aber allein schon das Thema lag mir sehr am Herzen: Kontrafaktik.

Wer mit diesem Fremdwort jetzt eher wenig anfangen kann und etwas verunsi­chert dreinschaut, kann versichert sein, dass dafür keinerlei Grund besteht. Kontrafaktik ist etwas völlig Normales und zugleich äußerst Spannendes. Es ist die legendäre Frage „Was wäre, wenn…?“, die irgendwann mal jeden Menschen umtreibt, Phantasten und Historiker ganz besonders häufig.

Was wäre, wenn Adolf Hitler gestorben wäre, ehe er Führer des Deutschen Rei­ches wurde, das ist eine sehr prominente Frage in dieser Richtung. Wie sähe die Welt aus ohne den Ersten und den Zweiten Weltkrieg? Nahezu unvorstellbar. Was wäre, wenn bestimmte Personen länger gewirkt hätten, als sie es taten? Wenn wichtige Erfinder im Kindesalter verstorben wären usw.?

In den Kosmos dieser Rätselfragen entführt euch das Buch, das ich heute vor­stellen möchte. Schaut einfach, ob euch das Thema liegt:

Fleisch und Blut

Storyband Alternativwelten

Herausgegeben vom Förderverein Phantastika Raum & Zeit e. V.,

Braunschweig 2001

180 Seiten, TB

ISBN 3-936153-00-0

Preis: 9,95 €

Was wäre, wenn?

Dies ist eine Frage, die Menschen wohl schon solange umtreibt, seit sie in histo­rischen Dimensionen denken können. Der unerfüllbare Wunsch, die Geschichte umzuschreiben, die Katastrophen ungeschehen zu machen, die sich ereignet haben, seien es die persönlichen oder jene der Weltgeschichte, ist zweifellos ur­alt. In früheren Zeiten bemühte man Orakelsprüche oder den unergründlichen Ratschluss der Götter, um Entscheidungen des Schicksals zu ergründen. Moder­ne Zeiten haben andere Methoden, zumal dann, wenn sich das Genre der Phan­tastik einmischt.

Heutzutage entwerfen Wirtschaftswissenschaftler alternative Szenarien, das Denken in Handlungsalternativen ist in Politik, Wirtschaft und Militär weit ver­breitet, oftmals als so genannte „Planspiele“ getarnt. Selbst Historiker, die nach eigenem Selbstverständnis dem Denken in historischen Alternativen zutiefst ab­hold sind, lassen sich doch immer wieder vom Wunschdenken verleiten und flechten eher beiläufig solche Gedanken in ihre Werke ein… jeder Interessierte kann das bei einer Prüfung schnell feststellen.

Da sinniert ein Althistoriker darüber, wie wohl der Verlauf der Weltgeschichte gewesen wäre, wenn Kaiser Hadrian sich NICHT entschlossen hätte, die römi­schen Grenzbefestigungen zu verstärken. Ob das den Untergang des Imperiums (der trotz Limes und Grenzwällen eintrat) wohl verzögert hätte. Da denkt eine Historikerin, die den Verlauf des Dreißigjährigen Krieges skizziert, darüber nach, ob denn eine andere Heiratspolitik gegen Ende des 16. Jahrhunderts die Ereignisse nicht grundlegend hätte verändern können… und schwenkt danach gleichwohl in den Ereignisstrom der Realität zurück. Wie es sich für Historiker und Historikerinnen eben gehört.

Die Phantastik besitzt in diesem Bereich größere Freiheiten. Die Gedanken sind frei, heißt es, und auf wohl kaum einem anderen Gebiet sind sie so turbulent und energisch wie im Bereich der kontrafaktischen Geschichte, also dem Den­ken in historischen Alternativen. Mit den Parallelwelten und Alternativwelten gibt es sogar eigene phantastische Subgenres, die in schier unüberschaubarer Fülle die Neigungen der Leserschaft nach dem Denken in historischen Varianten befriedigen, und Werke, in denen Abenteuergeschichten vor der Folie eines weiter bestehenden römischen Reiches, einem sich ausdehnenden katholischen Weltkirchenreiches, dem Fortbestand des Naziimperiums oder ähnlichem ent­wickeln, haben immer mal wieder Konjunktur. Selbst nur ein flüchtiger Blick in einschlägigen Buchreihen und Verlagsprogramme beweist das immer wieder aufs Neue.

Diese Neigung der Autoren kann nicht überraschen, auch nicht das Leserinter­esse: wie oben schon angedeutet wurde, ist das Verlangen nach einer Verände­rung des Schicksalsstromes ein zutiefst menschliches Sehnen, und selbst in Krei­sen, die der Phantastik sonst abhold sind, verirren sich Diskussionen schnell in kontrafaktische Fanggründe.

Als im Jahre 2000 der Förderverein Phantastika Raum & Zeit e. V. in Braun­schweig einen Storywettbewerb ausschrieb, lag es irgendwie durchaus nahe, das Thema Alternativwelten zu wählen. Also die Gretchenfrage zu stellen: Was wäre gewesen, wenn… im 20. Jahrhundert die historischen Weichen irgendwie anders verlaufen wären? Daraus sollten die Schreibtalente, die am Wettbewerb teilnahmen, eine interessante Geschichte entwickeln. Die Begrenzung auf das 20. Jahrhundert erfolgte – sinnvoll – wegen der thematischen Verengung. Der Bezug zur realen Gegenwart des frühen 21. Jahrhunderts sollte nicht gänzlich verloren gehen, was gar zu leicht geschehen wäre, wenn man alle möglichen Varianten der Weltgeschichte zugelassen hätte (inklusive etwa dem Gedanken, dass die Neandertaler nicht ausgestorben wären… eine solche Welt hätte mit unserer vermutlich nichts mehr gemein, von der Geografie einmal abgesehen).

Ebenso wenig verblüffend war es, dass der Förderverein daraufhin mit Ge­schichten überschüttet wurde. 21 davon schafften es bis in die Vorauswahl und wurden von den drei Juroren gesichtet. Neun wurden endlich dann in diesem Band gesammelt und drei davon prämiert, wobei die Story „Fleisch und Blut“ von Cathrin Block dann den Sieg davontrug und der Anthologie auch ihren Na­mensstempel aufprägen durfte.

Schauen wir uns die Werke mal der Reihe nach an und ziehen schließlich ein Gesamtresümee:

Marion Fabian befasst sich in „Tod einer Zarenprinzessin“ mit dem Gedanken, dass die Romanov-Dynastie 1917 nicht ausgelöscht worden ist. Was dann mit zu einer russischen Mondstation führt und zu einem Kriminalfall um einen Attentäter, der dort gefasst wird und für die Ermordung von Anastasia Romano­va verantwortlich ist…

Jonas Torsten Krügers Geschichte „Straf-Theater für einen Richter“ wählt als al­ternative Abzweigung ein späteres Ereignis in der Weltgeschichte. Die 68er-Stu­dentenunruhen sind ebenso wenig eingetreten wie das Vietnam-Engagement der USA. In der Konsequenz gab es aber die 76er-Studentenunruhen, die frei­lich den Slogan „Make punish, not jail“ auf ihre Fahnen schrieben. Mit der Fol­ge, dass die sich daraus entwickelnde Welt auf die Vorstellungen des französi­schen Philosophen Michel Foucault stützt. Eine bessere Welt…? Man darf es nach der Lektüre wenigstens bezweifeln.

Josef Thanners „Der Fall Otto Hahn“ wählt ein alt beliebtes Thema als Grund­struktur: die Nazis sind nach 1945 immer noch an der Macht, und Nordamerika wurde als Kriegsgegner durch ein „Naturereignis“ aus dem Krieg herausgehal­ten, den so genannten „Nordamerika-Kometen“, der 1942 fast den ganzen Kon­tinent zerstört hat. Dummerweise – und das ist dann sehr vertraut – , ist diese Deutung eine fromme Legende. Und sie wird offenbar, als der hoch geehrte Wissenschaftler Otto Hahn ermordet aufgefunden wird…

In Frank Schulzes Geschichte „Regimekritik“ hat sich die jüngste Geschichte ge­wendet: 1989 schritt die Rote Armee bei den Unruhen in der DDR blutig ein und stabilisierte das Regime. Die DDR-Diktatur besteht also fort, und der Prot­agonist in Schulzes Story reflektiert, wie weit jemand zu gehen bereit ist und sich vom System verbiegen lässt und selbst belügt, um persönliche Vorteile wie etwa ein vom System versprochenes Auto zu erhalten. Gruselig, um das We­nigste zu sagen…

Milan Knezevic berichtet in „Ein falscher Morgen“ ebenfalls aus einer Post-Na­zi-Welt, diesmal aus einem „Reich“, in dem Wien und ganz Österreich noch zum Großdeutschen Reich gehören. Die Juden sind verschwunden, „irgendwo im Os­ten“, und alles sieht schön und wunderbar aus. Als sich der Protagonist aber in seine Mitkommilitonin Sieglinde verliebt (die ihre Freunde seltsamerweise Sa­rah nennen), bekommt das Paradies hässliche Schrammen und kippt schließlich in blanken, tödlichen Terror um…

Alexander Trost stülpt in „Der Netzwächter“ die Welt gründlich um: Europa hat sich hier in ein katholisches Imperium verwandelt, und ein göttlicher Strahlen­vorhang (so wird es berichtet), hat das Vordringen der gottlosen Kommunisten­horden aus dem Osten verhindert. Die Hauptperson Chris ist dabei verantwort­lich für die Installation und Kontrolle eines Glaubens-Internets, das der Gleich­schaltung der Bürger dient. Wenn es da nicht die finsteren „Blutmönche“ gäbe und ihr schreckliches Geheimnis, das Chris schließlich ganz persönlich betrifft…

Auch bei Cathrin Blocks Titelgeschichte findet sich der Leser in einer Welt wie­der, die von den Nazis dominiert wird. Hier ist aber nicht nur Hitlerdeutschland siegreich gewesen, sondern Adolf Hitler hat entschieden, die „Endlösung“ der Judenfrage zu modifizieren: tot nutzen uns die Juden nichts, lassen wir sie also doch für uns arbeiten. Infolgedessen gibt es noch Juden, eingesperrt in ihren Schteteln, einer modernen Variante der Ghettos, aber es gibt auch nach wie vor Auschwitz, wo „Arbeit frei macht“, wie es heißt. Leider sterben dort so viele Leute… nun, sie halten wohl nichts aus, und Arbeitsunfälle gibt es immer…

Die Schriftstellerin Hannelore Treuchthaus sieht das alles nur aus der Ferne. In der Reichsstadt Danzig lebend, hat sie auf einmal völlig andere Probleme, als sie mit Personen aus ihrer persönlichen Vergangenheit konfrontiert wird und ihr Leben zu entgleisen droht…

Bei Frank Dwornikowitschs Story „Freiheit“ lernen wir eine Welt kennen, in der Hitlerdeutschland den Krieg verloren hat (man möchte fast sagen: erwartungs­gemäß, aber dann wäre man in der falschen Anthologie, wie ja einige der Ge­schichten oben beweisen), dafür haben die Sowjets die Welt übernommen, die in der Mitte des 21. Jahrhunderts offensichtlich eine Invasion aus dem All er­warten.

Die Hauptperson Anna hält das für abstrusen Unsinn und wird in ihren Verdunk­lungsmaßnahmen leichtsinnig. Aber was ist das dann für ein seltsamer Zimtge­ruch, den sie auf einmal in ihrer Wohnung wahrnimmt? Und was ist das für ein Wesen, das sich in ihr Schlafzimmer geschlichen hat…?

Heimkehr“ von Uwe Björn Firmenich ist ähnlich fremdartig wie die vorange­gangene Story. Hier ist die Perspektive die eines russischen Marskolonisten, die sich aus einer alternativen Handlungsschiene entwickelt hat: Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die siegreichen Sowjets den Krieg sozusagen nahtlos gegen die USA weiter geführt und ihn gewonnen. Bis 2015 war die Welt eine sozialistische geworden, dann sorgte eine kosmische Katastrophe dafür, dass die Erde fast vollständig zerstört wurde. Überleben konnten nur die sowjetischen Mondkolo­nisten und die Marskolonisten. Dummerweise bricht in der Marskolonie eine Epidemie aus…

Den Schluss macht schließlich Marian Bernhardts Geschichte „Diogenes“, und wer hier, historisch geschult, an Diogenes von Sinope, einen antiken Philoso­phen, denkt, der hat völlig Recht. Gleichwohl handelt es sich nicht um einen Bruch der Themenlinie, und es kommen auch keine Zeitmaschinen zur Anwen­dung. Die Veränderung der historischen Kontinuität, die hier als Ausgangspunkt gewählt wird, ist vielmehr eine molekulargenetische.

1953 entdeckten die Molekulargenetiker John Watson und Francis Crick (und eine weitere Wissenschaftlerin Rosalind Franklin, die leider meist verschwiegen wird) die DNS, die Grundlage der Vererbung. Diese Geschichte hier geht nun da­von aus, dass der fiktive Biologe Dr. Richard Weber 1974 dazu den Entwickeln­den Genetischen Code (EGC) entdeckt. Während die DNS also verantwortlich wäre für den Genotyp, würde der bislang nicht gefundene EGC den Phänotyp prägen. In der Geschichte bedeutet das, dass man aus den geklonten EGC-Strukturen Personen der Vergangenheit wieder ins Leben zurückrufen kann. Der erste, mit dem das versucht wird, ist ausgerechnet Diogenes von Sinope. Aber es gibt dabei Probleme…

Summiert man diese Geschichten dann zu einer Gesamtschau, so kann der Re­zensent nicht anders, als den Hut zu ziehen vor dieser beachtlichen Leistung kreativ rauchender Köpfe. Es ist natürlich ein wenig bedauerlich, das gab die Herausgeberin mir gegenüber auch verschiedentlich in Diskussionen zu, dass gerade der Topos „Die Nazis haben den Krieg gewonnen“ so oft verwendet wur­de, ich würde auch den Topos „Die Sowjets haben den Krieg gewonnen“ noch einflechten, der ja sozusagen nur das Spiegelbild einer Diktatur darstellt (sieben von neun Geschichten spielen letztlich in derartig strukturierten Welten), doch auf der anderen Seite ist das vermutlich klarer Ausdruck dominanter Ge­schichtsstrukturen im Schulunterricht. Der starke Einfluss der Diktaturen des 20. Jahrhunderts hat in Deutschland ganz besonders intensive Rückstände hinter­lassen, es wäre unrealistisch gewesen, hier weniger „Fallout“ zu erwarten.

Ansonsten gingen die Werke doch recht unterschiedlich zuwerke. Wir finden kriminalistische Strukturen, Beziehungsdramen und moralische Zwickmühlen, was die Anthologie dann wieder recht abwechslungsreich macht. In der Umset­zung kann ein kritischer Leser freilich nicht daran vorbeisehen, dass viele der Werke ungeachtet ihrer Auszeichnung, in diese Anthologie Eingang zu finden, deutliche inhaltliche Schwächen aufweisen. Da werden spannende Konfliktlini­en einfach nicht verfolgt, sondern manchmal auf plumpen Schematismus ge­setzt, was schöne Ideen gründlich ruiniert (so geschehen bei Thanner). Auf der anderen Seite kommt es vor, dass durch geradezu groteskes Überzeichnen der Situation eine packende Geschichte leider ganz unglaubwürdig wird (so passiert bei Knezevic und Trost, meiner Meinung nach). Es ist einfach nicht plausibel, dass das Schicksal einer ganzen Welt, eines ganzen Reiches oder der gesamten Menschheit schließlich vom Knopfdruck der Hauptperson abhängt.

Andere Geschichten offenbaren recht leicht, dass es den Verfassern nicht ur­sächlich um alternative Weltverläufe und daraus ursächlich resultierende Ver­änderungen ging, sondern sie diese Grundidee nur als Vehikel nutzten, um ein ganz eigenes Ding zu drehen. Das muss nicht unbedingt schief gehen, aber es kann. In die Kategorie dieser Geschichten sind die Werke von Krüger, Trost, Dwornikowitsch, Firmenich und Bernhardt einzusortieren. In der vorliegenden Konsequenz führt diese Grundintention der genannten Autoren dann zu Viel­falt. In einer reinen Alternativwelten-Anthologie hätten diese Geschichten aber vermutlich den Sprung in die Druckfassung wohl nicht geschafft.

So anerkennenswert diese Anthologie auch sein mag, es muss am Ende dieser Besprechung noch auf ein Manko hingewiesen werden, das leider unüberseh­bar ist: es wurde am Lektorat gespart, und zwar auf letztlich verheerende Wei­se. Ich kann nicht zählen, wie viele Kommata in der Umsetzung fehlten, aber sie fehlten wirklich in jeder einzelnen Geschichte, am Schluss vermutlich mehrere hundert. Das fand ich dann schon wirklich äußerst traurig. Auch einige wirkliche Fehler kommen vor. So wird beispielsweise bei Thanner das „Max-Planck-Insti­tut“ erwähnt, das in Nazizeiten aber unter dem Titel „Kaiser-Wilhelm-Institut“ bekannt war. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Nazis den ollen Wilhelm II. nicht sonderlich schätzten (aber dafür spricht wenig) und dieses Institut um­benannt haben könnten, scheint es unrealistisch, daraus das heutige MPI zu machen.

Die zahlreichen Groß- und Kleinschreibfehler lasse ich hier mal aus und erwäh­ne lediglich noch eindeutige Indizien für ein überfordertes Lektorat. Worte wie „Fahnenapell“ gibt es natürlich ebenso wenig wie „Pateischule“ oder „inein­adergeschobene Dreiecke“. „Kraiste“ (statt korrekt „kreißte“) tut schon richtig weh, „tieflilane Hautverfärbung“ anstelle von „tief violetter…“ ist auch nicht eben professionell zu nennen, die „Inquisition“ mit „Institution“ zu verwechseln, zeugt auch von Überforderung, ähnlich sieht es mit „Freundenruf“ anstelle von „Freudenruf“ aus… es ließen sich weitere Beispiele finden.

Wie gesagt: diese zunehmende Fehlersättigung trübt den sonst soliden Ge­samteindruck dann doch leider bedauerlich stark. Dem Förderverein wäre ernstlich zu wünschen, dass sich eine gründlich lektorierte Neuauflage realisie­ren ließe. Sonst steht zu fürchten, dass anspruchsvolle SF-Leser um diese An­thologie leider einen Bogen machen werden. Wen indes Lektoratsfehler nicht interessieren, weil er vielleicht selbst nicht so ganz grammatikalisch sattelfest ist, und wer darüber hinaus neugierig auf die oben kurz angerissenen Geschich­ten sein sollte – und viele davon lohnen die Lektüre definitiv, ganz besonders die Siegerstory – , der sollte sich dieses Werk durchaus auf die Wunschliste set­zen. Es ist nach wie vor beim Förderverein zu haben.

© by Uwe Lammers, 2013

Wie ihr merkt, halte ich diese Anthologie grundsätzlich immer noch für sehr lesenswert, wenngleich es an kritischen Untertönen in der Rezension nicht gefehlt hat… ich neige eben dazu, auch Schwachstellen durchaus als solche zu benennen. Schönwetter-Rezensionen, die der Wirklichkeit nicht gerecht werden, helfen niemandem, dem Leser am wenigsten. So etwas braucht ihr bei mir eigentlich nicht zu erwarten.

Ich hoffe, ihr wurdet gut unterhalten und seid in der kommenden Woche wieder mit an Bord, wenn es zurück zu den Fargos geht…

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

da ist also wieder der aktuelle Fortschrittsreport in Sachen Oki Stanwer Mythos, diesmal für den Monat Februar 2015, der gerade hinter mir liegt. Wie üblich schreibe ich diese Zeilen an einem Monatsersten, d. h. heute am 1. März 2015. Dass ihr dies alles erst mit ein paar Monaten Verspätung zu sehen bekommt, ist etwas, an das ihr euch bestimmt inzwischen gewöhnt habt.

Der Februar 2015 war ein anstrengender Monat, der mich auf vielerlei Weise beanspruchte und leider mal wieder gründlich von kreativen Tätigkeitsfeldern ablenkte. Die stete Jobsuche einerseits ist hier als Ablenkungsgrund zu nennen, zum anderen aber auch die Beerdigung eines guten Freundes, die Krankheiten von Verwandten und guten Freunden, bei denen ich mitlitt, und aktuell hat mich eine Erkältung niedergeknüppelt… also, erwartet nicht zuviel.

Folgendes habe ich gleichwohl geschafft:

Blogartikel 112: Work in Progress, Part 26

(OSM-Wiki)

18Neu 64: Sprung durch die Zeit

18Neu 65: Sabotage in Hattusas

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“)

(E-Book 23: Zurück zu den Sargkolonnen)

Erläuterung: Eigentlich hatte ich ja gehofft, ich würde schon weiter sein, aber wie ihr, wenn dieser Blogartikel Ende Mai erscheint, sicherlich mitbekommen habt, ist mein E-Book-Programm ein wenig ins Trudeln geraten. Das hat nur teilweise mit meinen desolaten Finanzen zu tun. Es gibt hier auch einige Schwie­rigkeiten mit Titelbildern und mit der Überarbeitung der TI-Episoden. Die obige Episode ist textlich inzwischen fertig gestellt, aber sie wird noch eingeklammert geführt, weil der Vorschautext derzeit provisorisch ist. Eine OSM-Kennziffer hat die Episode aber schon. Ich hoffe, ich kann hier in Bälde ein wenig Schreibvorsprung erarbeiten, um nicht so unter Druck zu sein. Ich baue da auf euer Verständnis und, gegebenenfalls, ein wenig Geduld.

Blogartikel 114: Stoffwechselmetamorphosen

Erläuterung: Dies ist ein Blogartikel, der sich auf die TI-Serie, d. h. den aktuellen Shonta-Zyklus bezieht. Es kann sein, dass er vielleicht – in Anbetracht der Publi­kationsturbulenzen – ein wenig zeitig erscheint. Dennoch glaube ich nicht, dass er zu viel an Informationen vorwegnimmt, um die Leseneugierde zu verringern.

Wächter wider Willen – OSM-Story (Überarbeitung)

Erläuterung: Diese Geschichte werdet ihr irgendwann im Jahr 2015 in den AN­DROMEDA-NACHRICHTEN des Science Fiction-Clubs Deutschland (SFCD) wieder finden können. Da hier ausdrücklich eine KURZE Geschichte erbeten wurde, habe ich hier ein wenig Schwierigkeiten gehabt, etwas Passendes zu finden. Es kann durchaus sein, dass es später noch weitere OSM-Kurzgeschichten in AN geben wird, aber der favorisierte Platz für die Veröffentlichung ist in meinen E-Book-Storysammlungen zu finden. So könnt ihr in diesem Jahr in der dritten Sto­rysammlung „Reinkarnation und andere phantastische Geschichten“ wieder eine OSM-Geschichte vorfinden.

Welche? Ach nein, da schlage ich vor, lasst ihr euch besser überraschen. Ich möchte nicht alles so zeitig verraten. Nur soviel: diesmal spielt sie im solaren System, direkt vor unserer Haustür…

(18Neu 67: Der COMMANDER)

18Neu 66: Geister-Agenten

(NK 54: Tödliche Entscheidung)

Erläuterung: Das ist jetzt eine wichtige Message für euch – Band 54 der Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ ist der Abschlussband des achtteiligen HANKSTEYN-Zyklus, den ich vor vielen Jahren zu schreiben begonnen habe. Und da ich nun die NK-Serie fertig glossiert und alle Korrekturseiten gedruckt habe, stecke ich vollkommen informiert aktuell im KONFLIKT 24, der NK-Serie, und bin dabei, diesen Band abzuschließen.

Die Schlacht um das Baumeister-EXIL HANKSTEYN entscheidet, wie der Unterti­tel von Band 53 („HANKSTEYN“) bereits andeutete, „das Morgen und das Ges­tern“. Und da der Bilderfluss höchst rege geworden ist, lenkt mich das derzeit temporär von der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) ab.

Ich denke, ich werde da in Bälde in den Blogartikeln noch ein paar Worte mehr machen… seid darauf vorbereitet. Es ist eigentlich sehr schade, dass ihr zum Verständnis der HANKSTEYN-Thematik vermutlich mehrere hundert OSM-Episo­den gelesen haben solltet, verstreut über mehr als ein Dutzend OSM-Serien (und allesamt bereits geschrieben!). Dann würden sich euch bei den zahllosen An­deutungen und Querverbindungen dieser obigen Episode die Nackenhaare stän­dig kräuseln.

Verzeiht mir deshalb, wenn ich überzeugt davon bin, dass es noch viel zu früh wäre, euch auf diese Serie und ganz besonders auf diese Episoden loszulassen. Da wartet aber dann beizeiten ein echtes Schmankerl auf euch, versprochen!

(18Neu: Auf TOTAMS Spuren)

Blogartikel 131: Tote auf Reisen und ähnliche Absurditäten – neueste Fehlerle­se

Blogartikel 118: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (VI)

(12Neu 31: Treffpunkt Calnier)

(12Neu 30: Allianz der Versklavten)

(12Neu 29: Aufstand in Pholyar)

(E-Book 24: Vaniyaa und die Shonta)

Tja, und damit war der Monat dann auch schon wieder dahin. Aber ihr wisst ja, der Februar ist ohnehin kurz, da kann man nicht wirklich viel erwarten. Jetzt schon gar nicht mehr, da die Abschriften der Serien langsamer vonstatten ge­hen und es darum gehen muss, bei der aktuellen OSM-Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ etwas voranzukommen.

Dennoch glaube ich zuversichtlich, dass in den kommenden Monaten verstärkt neue Episoden vollendet werden können. Namentlich in KONFLIKT 24 denke ich das. Da war der Band 54 sehr lange, also mehrere Jahre, um konkret zu sein, eine Hemmschwelle. Die wird in Bälde beseitigt sein, und dann kann ich in die ungeheuerlichen Gefilde aufbrechen, die sich mit den Galaxien Tushwintau und Koopen verbinden… auf an die furchtbare Sturmfront, hinein in den SPLITTER-Sturm, wo die Gestaltwandlervölker des KONFLIKTS 24 instrumentalisiert wer­den sollen, um die Sieben Tavasinischen Prüfungen zu absolvieren.

Ach ja, und in der Galaxis Tushwintau liegt auch ein Baumeister-EXIL, das als ZIEL ZWEI (HANKSTEYN ist ZIEL EINS) kategorisiert ist. Und vor den Dramen, die sich dort abspielen werden, graust es mich jetzt schon.

Mehr dazu in Bälde, meine Freunde. In der folgenden Woche berichte ich euch an dieser Stelle wieder etwas über die „Annalen der Ewigkeit“ – nicht verpas­sen!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 9: Kollaps

Posted Mai 27th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

man unterstellt ja Phantasten ganz gern eine gewisse Neigung zum Eskapismus. Warum sollte man sich, sei es Leser, sei es Autor, in die Zukunft oder fremde Welten flüchten, wo doch die unsere genug an Problempotential bietet, um das man sich vordergründig kümmern sollte. So eindimensional verstanden gäbe es also durchaus Grund, Science Fiction, Fantasy, Vampirliteratur oder phantasti­sche Jugendbücher und dergleichen als eine Form von Luxus und Wirklichkeits­flucht darzustellen.

Diese Argumentation greift aber zu kurz, und das tut sie insbesondere deshalb, weil tätige Phantasten wie ich beispielsweise durchaus nicht die Realität aus dem Blick verlieren. Viele Themen, die in unserer Gegenwart von brennender Relevanz sind, werden in phantastischen Geschichten gewissermaßen camou­fliert übernommen, projiziert und diskutiert. Oftmals ist es sogar erst in solchen Settings möglich, akute Probleme der Gegenwart wertfrei und vor allen Dingen ideologiefrei zu diskutieren.

Außerdem, und das führt uns zum Buch dieses Rezensions-Blogs, ist es nicht so, dass ich als Autor phantastischer Geschichten nur weltfremde phantastische Bücher läse, weit gefehlt. Mit Jared Diamonds hier besprochenem Buch fiel mir sogar ein extrem wichtiges und sehr aufwühlendes Sachbuch in die Hände, das viele Fragen, die mir schon lange quälend durch den Kopf gingen, thematisierte, sortierte und analytisch einer potentiellen Lösung zuführte. Es geht um solche Fragen wie: warum sterben Gesellschaften aus oder gehen zugrunde, und wie kann man aus solchen historischen Fallbeispielen für unsere Gegenwart und Zukunft lernen?

Fürwahr ein topaktuelles Thema, wenn man sich anschaut, was der vermeint­lich so kluge homo sapiens sapiens derzeit mit seiner natürlichen Umgebung anrichtet und wie wenig getan wird, um diesen Planeten in ein gescheites Gleichgewicht zurückzuführen. Klimakatastrophe, Überbevölkerung, Ressour­cenverschwendung, politische Kurzsichtigkeit, ideologische Vernagelung… es gibt viele Worte für die Katastrophen, die uns drohen, vom Aussterben unserer Art einmal ganz zu schweigen.

Jared Diamond legt den Finger auf die Wunde, und ihr solltet ihn mal genauer studieren. Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Kollaps

Warum Gesellschaften überleben oder untergehen

(OT: Collapse. How Societies Choose to Fail or Succeed)1

von Jared Diamond

S. Fischer, Hardcover, 730 Seiten

Frankfurt am Main 2005

Aus dem Amerikanischen von Sebastian Vogel

ISBN 3-10-013904-6

In unserer heutigen Zeit der Umweltzerstörungen und Frevel gegen die Natur, in der Zeit der nachgewiesenen, wesentlich vom Menschen mit verursachten Weltklimaerwärmung, die unser Leben in absehbarer Zeit zur Hölle machen kann, sind wohlfeile Rezepte des Umsteuerns selten und kostbar. Oftmals wird von resignierenden Zeitgenossen die Klage erhoben, man könne doch gar nichts tun, man sei selbst – wie der Großteil der Menschheit – nur ein Spielball der großen Konzerne und egozentrischen Politiker, der machthungrigen Regierun­gen, die das Schiff namens Erde unerbittlich zu ihrem kurzsichtigen Vorteil ge­gen die Wand führen.

Stimmt das?

Und stimmt es vor allen Dingen, dass dies ein unabwendbares Schicksal ist, das völlig unvorhersehbar gewesen ist?2 Gab es keine Beispiele, die uns zeigen wür­den, was geschehen musste, wenn wir bestimmte Handlungen vollzogen? Und, wie gesagt, gibt es tatsächlich keinen Ausweg als den Untergang?

Der Professor für Geografie an der Universität von Kalifornien in Los Angeles, Jared Diamond, der dieses Buch geschrieben hat, ist gegenteiliger Ansicht, und dieses Buch ist der Beweis dafür, dass er Recht hat: Es wimmelt in der Weltge­schichte von Beispielen, in denen Menschen und ihre Kulturen sich aus ver­schiedensten Ursachen zugrunde gerichtet haben, und wie schon in seinem Buch „Arm und Reich“3, das vor einigen Jahren Furore machte, geht der ameri­kanische Wissenschaftler zurück auf die ökonomische Basis. Ich weise aber schon zu Anfang darauf hin, dass das Buch, wenn man sich darauf einlässt, in je­der nur erdenklichen Beziehung harter Stoff ist. Lehrreich, erschütternd, fakten­gesättigt und mitunter in seinen unabweislichen Schlussfolgerungen fast unge­nießbar. Fast. Man könnte es in weiten Teilen für ein pessimistisches Buch hal­ten, wären da nicht die letzten beiden Kapitel… aber ich greife vor.

Das Buch ist in einen Prolog und vier große Abschnitte unterteilt. Im Prolog stimmt der Autor den Leser sozusagen auf das Thema ein, indem er wesentli­che Punkte herausgreift, die die Gegenwart und die Vergangenheit verbinden. Indem er einen Bauernhof im heutigen Montana und den Wikinger-Bauernhof von Gardar in Normannisch-Grönland (mehr dazu schreibt er in den Kapiteln 7 und 8) miteinander ein wenig vergleicht und die frappierenden Ähnlichkeiten der Wirtschaft, des Werdegangs und ihrer Probleme und zugleich dann die Un­terschiedlichkeit der dort angewandten Lösungsstrategien darstellt (in Montana erfolgreich, in Gardar nicht erfolgreich), skizziert er sozusagen die großen Linien des Buches und trifft zugleich Vorkehrungen gegen voreilige Schlussfolgerun­gen.

Voreilige Schlussfolgerungen können aus verschiedensten Gründen entstehen, wie er darlegt, und die Ideologie ist auf beiden Seiten gern und oft im Spiel. Da gibt es die Vertreter der Position, die meinen, der Untergang von indigenen Kul­turen – z. B. der Maya – sei erst in dem Moment erfolgt, da die Region von eu­ropäischen Einwanderern besiedelt worden sei. Somit hat man einen beque­men Sündenbock: die bösen, bösen Imperialisten. Die indigenen Einwohner sei­en gleichsam (wie im Garten Eden) stets im Gleichgewicht mit der Ökologie ge­wesen, wären sie ungestört geblieben, hätte es die Katastrophe, die ihre Gesell­schaft und Umwelt zerstörte, NIE gegeben. Diamond entlarvt diese These als naive Schönfärberei.

Die andere Seite behauptet hingegen, „natürliche Prozesse“ hätten zur Zerstö­rung geführt, der Mensch hätte, egal, wie er sich verhielte, nichts dagegen tun können, das sei sozusagen „Schicksal“ gewesen. Und nur die moderne Technik und Forschung seien imstande, das zu ändern. Wer heutzutage technische Eingriffe wie Staudämme, Kunstdünger und Demokratie ablehne, müsse eben untergehen. Auch das ist eine kindische Vereinfachung. In Wahrheit ist alles viel komplexer.

Diamond entwirft im Prolog ein fünfteiliges Schema, nach dem er im Buch durchgängig vorgeht, und es erscheint höchst plausibel. Er betrachtet nachein­ander:

  1. Die Schäden, die eine Bevölkerung ihrer Umwelt unabsichtlich zufügt

  2. Klimaveränderungen

  3. Feindliche Nachbarn

  4. Abnehmende Unterstützung durch freundliche Nachbarn

  5. Reaktion der Gesellschaft auf die ökologischen Probleme

Wie man rasch erkennen wird, bedingen sich die Faktoren und sind auf gerade­zu aberwitzig komplexe Weise miteinander verbunden. Es bedarf keiner aus­drücklichen Hinweise darauf, dass Diamond, der jahrelang weltweit nach unter­gegangenen Kulturen und nach Kulturen, die heutzutage am Scheideweg stehen oder bald stehen werden, sich durch die Analyse der Beispielnationen (deren Zahl sich leicht vervielfachen ließe, sowohl in Vergangenheit wie Gegenwart, vgl. dazu Kapitel 9) bestätigt fühlte.

Der erste Teil umfasst lediglich das lange Kapitel über das heutige Montana und ist die Vertiefung des Prologs. Diamond schöpft hier aus der persönlichen, jahr­zehntelangen Kenntnis der Region, außerdem fächert er hier die ökologischen Faktoren auf – Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Bergbau, Boden, Wasser, einhei­mische und eingeschleppte Arten sind zu nennen. Er stellt verschiedene Visio­nen der Landnutzung gegenüber und unterschiedliche Auffassungen von einhei­mischen Farmern und stellt Montana als „Welt im Kleinformat“ dar, deren Kenntnis Schlüsse auf das große Ganze zulassen.

Der zweite Teil, „Gesellschaften früherer Zeiten“, umfasst acht Kapitel. Es sind Fallstudien zu früheren und mehrheitlich untergegangenen Kulturen. Leider fehlt der Platz, um hier auf die brillanten Einzelstudien genauer einzugehen. Sie seien jedem Leser dennoch wärmstens ans Herz gelegt. Diamond beginnt mit „Schatten über der Osterinsel“ (was mir, der ich diese Insel liebe, auf erschüt­ternde Weise klarmachte, dass Leute wie Thor Heyerdahl und Erich von Däniken so völlig falsch mit ihren Hypothesen liegen und was dort tatsächlich geschah4) als Extremposition, geht dann über „Die letzten Menschen: Pitcairn und Hen­derson“ weiter.5

Danach springt er nach Altamerika und untersucht in „Altvordere: Die Anasazi und ihre Nachbarn“ die amerikanischen Ureinwohner und zertrümmert die nai­ven Vorstellungen einer auf ökologisches Gleichgewicht bedachten Indianerkul­tur. Im Kapitel 5 wird es noch schlimmer: „Zusammenbrüche bei den Maya“ eröffnet uns beklemmende Parallelen zu modernen, hochentwickelten Gesell­schaften und ihr mögliches Ende.

Die Kapitel 6 bis 8 führen uns schließlich etwas näher an unseren Lebenskreis, in eine europäische, christliche Gesellschaft, die auch zeitlich nicht so richtig weit von uns entfernt ist. In den Kapiteln „Die Wikinger: Präludium und Fuge“, „Die Blütezeit von Normannisch-Grönland“ und „Das Ende von Normannisch-Grönland“ bekommt man auf furchterregende Weise mit, wie falsche Vorstel­lungen von der Landwirtschaft, verkehrte Einschätzung der lokalen Ökologie und kulturelle Vorurteile sowie starres Festhalten an Lebensmaximen, die nicht aufrecht erhalten werden KÖNNEN, zur Selbstvernichtung der eigenen Kultur führen. Am tragischsten ist der Schluss, den Diamond zu ziehen gezwungen ist: die Wikinger in Grönland HÄTTEN überleben können. Aber sie rannten sehen­den Auges in ihr Verderben. Das ist dennoch KEIN Ausweis von „Dummheit“, wie man ihn untergegangenen Kulturen gern unterstellt.

Im Kapitel 9 demonstriert er das an verschiedenen Beispielen. „Auf entgegen­gesetzten Wegen zum Erfolg“, hat er es überschrieben, und er beschreibt hier drei Kulturen, von denen zwei dem Leser vermutlich weitgehend oder völlig un­bekannt sind. Das Japan der Tokugawa-Zeit (bis 1867) ist wahrscheinlich noch ein wenig bekannt. Aber wer war jemals schon im Hochland von Neuguinea, das seit Jahrtausenden bewohnt und kultiviert (!) ist? Wohl niemand. Und auch die winzige Insel Tikopia, die den Weg der Inseln Henderson, Pitcairn oder Man­gareva vermeiden konnte (wenn auch auf ziemlich drastische Weise), kennt wohl kaum jemand.

Das Kapitel vermittelt den ersten Hoffnungsschimmer, möchte ich sagen, auch wenn man hier natürlich ernste Kritik am japanischen Modell üben kann und sollte. Es kann schließlich nicht als ernsthafte Lösung gelten, im eigenen Land die heimischen Wälder zu verhätscheln und im Gegenzug dafür beispielsweise in Indonesien Wälder zu Holzschnitzeln zu verarbeiten, um die heimische Pa­pierindustrie zu mästen…

Im Teil 3 „Gesellschaften von heute“ wird das Buch womöglich noch furchterre­gender, denn nun geht Diamond in die Gegenwart. Die Kulturen, über die er hier spricht, existieren noch. Die Probleme sind akut. Er spricht, wenn man so will, über Zeitbomben, die vor sich hinticken, und er beginnt mit einem echten Genickschlag.

Im Kapitel 10, „Malthus in Afrika: Der Völkermord von Ruanda“ ist die Zeit­bombe bereits einmal explodiert (Wiederholungsgefahr!!). 1994 brachten in ei­nem nur wenige Wochen währenden Blutrausch aufgeheizte Fanatiker der Hutu und der Tutsi rund 800.000 ihrer Landesgenossen um, vertrieben mehrere Mil­lionen als Flüchtlinge ins Ausland. Allgemein wird gerne angenommen, es han­dele sich um einen aus Rassismus geborenen Genozid, eine ethnisch motivierte Gewalttat. Diamond legt durch seine Gesellschaftsanalyse treffend offen, dass diese Sicht der Dinge politisch vielleicht bequem, aber ganz offenkundig falsch ist. Sie zeigt nur einen kleinen und nicht mal den wesentlichsten Teil des Gan­zen, und sie verharmlost die demografische Bombe, die in Zentralafrika schlum­mert, und nicht nur dort. Das Kapitel ist äußerst erhellend, wenn auch zugleich äußerst beklemmend.

Kapitel 11 ist nicht angenehmer. „Eine Insel, zwei Völker, zwei Historien: Die Dominikanische Republik und Haiti“ analysiert ein bizarres Phänomen – wie auf der einstmals Hispaniola genannten Insel, die Christoph Kolumbus 1492 entdeckte, so zwei völlig unterschiedliche Gesellschaftsformen entstehen konn­ten und wie politische Entscheidungen und charismatische, wenngleich auch menschenverachtende und diktatorische Regenten diese Länder so grundver­schieden entwickelten. Hier lernen wir unter anderem einen unangenehmen Zug kennen – dass auch menschenverachtende Diktatoren „gute“ Entscheidun­gen treffen können wie etwa das Gründen und Erhalten von Nationalparks. Und dass der Wechsel zur Demokratie diese zerstören kann. Nicht lustig. Aber leider wahr. Von der Vorstellung, jemand sei „nur böse“, haben wir uns zu verabschie­den.

Kapitel 12 beschäftigt sich mit „China. Der torkelnde Riese“ und beleuchtet hier ein soziales und wirtschaftliches wie ökologisches Feld, das uns vielleicht aus den Tagesnachrichten und Reportagen am nächsten ist. Diamond prognosti­ziert sehr zu Recht, dass hier durch die Verhältnisse, die ökologischen, demo­grafischen wie politischen, in absehbarer Zeit gefährliche Entwicklungen dro­hen.

Kapitel 13 über „‘Abbau‘ in Australien“ zertrümmert das nächste Wunschbild, nicht zuletzt der australischen Politiker, die gern die Bevölkerungszahl ihres Lan­des anheben wollen, um weltpolitisch und wirtschaftlich mehr bewegen kön­nen. Jared Diamond entlarvt auf schonungslose Weise ihre Politik des „mehr Menschen – mehr Wohlstand“ als Illusion und belegt schlagend, dass genau das Gegenteil eintreten wird. Ja, dass der australische Kontinent eigentlich schon an der Kapazitätsgrenze angelangt ist, was die menschliche Einwohnerzahl angeht. Geologisch ist Australien der unproduktivste Kontinent überhaupt, er wird über Gebühr strapaziert, seine ökologische Vielfalt auf dramatische Weise verwüstet, und die Zukunft von „down under“ sieht düster aus. Australien ist eine potenti­elle Osterinsel.

Was also tun?

Nach diesen zahlreichen Fallstudien, die die ersten 500 Seiten des Buches ein­genommen haben, kommt er in Teil 4 „Praktische Lehren“ innerhalb von drei Kapiteln zu einem Fazit. Es geht zunächst in Kapitel 14 „Warum treffen manche Gesellschaften katastrophale Entscheidungen?“ darum, wie es überhaupt zu diesen Desastern kommen konnte. Der wohl schlimmste Faktor ist, wie Diamond betont, etwas, was heutzutage weit verbreitet ist und immer noch unterschätzt wird – die „Tragödie des Gemeineigentums“:

Ökologische Ressourcen, die niemandem „gehören“, sind kurzsichtige Beute für jedermann, der sich davon schnellen Vorteil verspricht. Das betrifft sowohl Bo­denschätze, Wälder oder Fischvorkommen. Hinzu kommen „rationale“ Fehlent­scheidungen, die ebenfalls auf kurzsichtigem Denken basieren. Innerkulturelle Fraktionierung führt dazu, dass machtpolitische Entscheidungen kleiner Grup­pen Entwicklungen in Gang setzen, die dem gesamten Gemeinwesen zum Nachteil gereichen, oftmals mit katastrophalen Resultaten. In jedem Fall sind die Kosten, die daraus entstehen – wenn man noch etwas wieder reparieren kann, was oft nicht der Fall ist! – , um ein Vielfaches größer, als wenn man vor­her nachdenkt und nachhaltig wirtschaftet. In diesem Kapitel legt Diamond die billige Erklärung, untergegangene Kulturen seien einfach „dumm“ gewesen, und uns könne so etwas nicht widerfahren, weil wir eben „klug“ und technisch hoch entwickelt seien, endgültig ad acta. Was den Kulturen in diesem Buch wider­fuhr, kann uns immer noch, jederzeit und, schlimmer vielleicht, noch viel schneller passieren – aus genau den Gründen, die ihre GEGNER gerne als Vor­teile anführen: bessere Technik, mehr Menschen, bessere Erschließung der Welt.

Gibt es keinen Lichtblick? Doch, und das mag angesichts der Fülle desaströser Beispiele verblüffen.

In Kapitel 15 „Großkonzerne und Umwelt: Unterschiedliche Bedingungen, un­terschiedliche Folgen“ und im Kapitel 16 „Die Welt als Polder: Was bedeutet das alles für uns?“ zieht der Autor ein vorsichtig positives Fazit seiner Erörte­rungen. Er beschreibt Ölkonzerne und andere Unternehmen, die auf unter­schiedliche Weise mit der Umwelt umgehen und demonstriert so, dass es selbst für einzelne Verbraucher sehr wohl möglich ist, freilich in Maßen, Einfluss auf die Entscheidungen von Unternehmen auszuüben. Wir sollten unseren sozialen Multiplikationsfaktor aber niemals unterschätzen. Auch dafür nennt er Beispie­le.

Außerdem plädiert Diamond, indem er das Beispiel der Polderbildung in den Niederlanden anführt, nachdrücklich dafür, die ökologischen Ressourcen in All­gemeineigentum zu überführen. Denn nur dann, wenn man etwas besitzt und merkt, dass es eben keine Chance mehr gibt, beispielsweise einen Wald schnell abzuholzen, dann das Weite zu suchen und sich nicht mehr um die Folgen zu kümmern, erst dann wird man ernsthaft nachzudenken gezwungen sein, die Ressource vernünftig und nachhaltig zu bearbeiten.

Die Konsequenz? Das ist diese:

Die Vorstellung, die Fehler untergegangener Kulturen seien für uns bedeutungs­los, weil sich die menschliche Gesellschaft so sehr weiterentwickelt habe, wird von Jared Diamond als billiger Trugschluss entlarvt. Wir sind beispielsweise den Wikingern vom Hof von Gardar oder den Anasazi und den Osterinsel-Be­wohnern mental immer noch sehr nah, und die Katastrophen, die ihre Kulturen auslöschten, können uns sehr wohl treffen, weil unser grundlegendes psycholo­gisches Handeln immer noch dem dieser Kulturen entspricht.

Dennoch gibt es Vorteile: Heutzutage besitzen wir erheblich mehr Wissen, nicht zuletzt über klimatologische und ökologische Zusammenhänge, bessere Analy­semöglichkeiten und mehr Informationen über die gesellschaftlichen Zusam­menbrüche früherer Zeiten. Wie es immer so ist: Wissen als Ressource stellt einen der zentralsten Schlüssel zur Bewahrung unserer Welt dar.

Der zweite Vorteil: mit unserer heutigen Technik (z. B. der Möglichkeit der Ent­giftung von Böden, der Herstellung moderner Materialien, der Gentechnik oder auch den verschiedenen Methoden der Empfängnisverhütung) können wir die Gesellschaft wandeln und die Umwelt schonen. Wenn wir uns der Tatsache be­wusst werden, dass diese vorbeugende Behandlung der Natur weitaus billiger ist als das Nachbessern, wenn alles erst mal zugrunde gerichtet ist. Hier plädiert der Autor des Buches nachdrücklich für eine Ausweitung der umweltverträgli­chen Energiegewinnung und der Abkehr von fossilen Brennstoffen, die uns in Bälde ohnehin nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Und er fordert ein kritisches Hinterfragen überkommener Traditionen (mir fällt hier spontan das christliche Vermehrungsgebot ein, das in einer Welt der Bevölkerungsexplosion geradezu ein Rezept zum ökonomischen und ökologischen Selbstmord ist).

Das Buch ist darüber hinaus ein Credo für Umweltschutz und für wissentliche Durchdringung der ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Zu­sammenhänge der Weltwirtschaft. Die Beschränkung des Wissens aus ideologi­schen Gründen muss aufhören, das kurzsichtige Denken der Verbraucher hat ein Ende zu haben. Organisationen wie das „Forest Stewardship Council“ oder das „Marine Stewardship Council“6 sind erste Indizien eines Umdenkens, aber lange nicht genug.

Das Buch sollte darum von so vielen Menschen wie möglich gelesen werden. Für jeden, der an der Zukunft unserer Welt interessiert ist und daran, dass un­seren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Umwelt zur Verfügung steht, ist es meines Erachtens wichtiger Lesestoff. Man sollte es – wie David Quammens „Der Ruf des Dodo“7gelesen haben.

© by Uwe Lammers, 2007

Harter Stoff, meine Freunde? Viele Worte? Beide Male: natürlich habt ihr da Recht. Aber ich glaube, solche klugen und gut recherchierten Werke sind den­noch dazu da, dass man sie gründlich studiert. Denn wie ich oben schon sagte: Information ist der Schlüssel zur Zukunft der Welt, und das sehe ich nach rund 8 Jahren – seit Abfassung der Rezension – immer noch als absolut essentiell an. Selbst wenn sich langfristig vielleicht erweisen sollte, dass manches an Dia­monds Prognosen nicht stimmig ist… die weitaus meisten Fakten sind wasser­dicht und zwingen darum zum Handeln. Das sind wir uns und unserer Zukunft schuldig.

Gibt es nächste Woche noch so einen Hammer an deprimierenden Informatio­nen? Ach nein, Freunde, schätzt mich nicht so grausam ein. Ich sagte doch schon – ich wechsle zwischen gehaltvollen und eher lockeren Themen ab. Und in der nächsten Woche werden wir uns wieder in die Weiten der Science Fiction begeben, versprochen. Nicht verpassen!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

(BS, 4. April 2015)

1Bedauerlicherweise ist der Titel nicht völlig präzise übersetzt worden. Eigentlich müsste er etwa lauten: „Wie Gesellschaften sich entscheiden, unterzugehen oder erfolgreich zu sein“. Der deutsche Titel ist indes griffiger. Aber dieser Aspekt des absichtlichen Wählens, der Diamond im Buch so wichtig ist, geht dabei leider unter.

2Sehen wir davon ab, dass manche hartleibigen und dummen Politiker wie etwa George W. Bush jr. in den USA bis heute nicht an die Klimakatastrophe glauben und meinen, das alles seien nur „natürliche Schwankungen“. Hört nicht auf diese Idioten.

3Vgl. Jared Diamond: „Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften“, Mün­chen 1998.

4Außerdem musste ich jüngst feststellen, dass die Forschungen auf Rapa Nui, wie die Insel im Sprachgebrauch ihrer Bewohner heißt, alles andere als beendet sind. In der Zeitschrift GEO war 2007 zu lesen, dass Archäologen dabei sind, die Insel mit Magnetfeldarchäologie zu untersuchen und unter dem Boden schon ausgedehnte Fundamentanlagen entdeckt haben, die frühere Forscher übersehen haben. Die Osterinsel birgt also auch weiterhin noch fundamentale Geheimnisse. Man darf weiterhin neugierig sein.

5Die Insel Pitcairn könnte dem einen oder anderen durch die Meuterei auf der Bounty be­kannt sein, hierhin zogen sich die Meuterer um Fletcher Christian zurück. Diamond be­leuchtet unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten, was dann geschah. Eine be­klemmende Geschichte.

6 Darüber wird auch ausführlich im GEO in der Ausgabe von Juni 2007 berichtet.

7 Vgl. David Quammen: „Der Ruf des Dodo“, München 2001.

Liebe Freunde des OSM,

das ist echt der Stoff, aus dem die Alpträume gemacht sind: Ihr seid gelandet auf einer steinernen Klippe in einem lodernden Meer aus Magma und Feuer, im Innern einer riesigen Höhle. Auf dieser Klippe steht der so genannte „Flammen­tempel“, und in seinen Kellergeschossen befindet sich die Rettungsmöglichkeit, mit der ihr von dieser Welt wieder fortkommen könnt – eine Installation der le­gendären Baumeister, die den Einstieg in ein so genanntes „unterkosmisches Niveau“ bereit hält.

Und dann, direkt das dreieckige, wundersame Metallportal schon im Blick, starrt ihr auf die Leichen von acht niedergemetzelten schwarzen Zwergenwesen aus dem Volk der „Mörder“. Und einer eurer Gefährten sagt kaltblütig: „Wir müssen jetzt aufpassen. Der Täter ist noch hier in diesen Räumen unterwegs…“

Derweil bebt der Boden, die Wände wackeln, draußen steigt die Lava, und ihr wisst, die Zeit rennt euch davon.

Und als wenn das alles noch nicht reichen würde, kommt es noch schlimmer – das Portal ist nämlich automatisch verriegelt und gibt den Weg nicht frei. Ge­walt ist keine Option, unter keinen Umständen. Und irgendwo schleicht ein Kil­ler umher, der schon reichlich Blut vergossen hat. Ein hochintelligentes Wesen, uralt und absolut tödlich.

Dann verschwindet erst einer deiner drei Gefährten und wird bald darauf tot aufgefunden… dann trifft der zweite just auf jenen Toten, der auf einmal wieder quicklebendig scheint… und dann wird er ebenfalls ermordet.

Ich sage euch, das ist der Stoff, aus dem die Alpträume sind, und unaufhaltsam sind diese Sachen auch noch!

Der Januar 2015 hat eine Menge beunruhigende Dinge im Gefolge und viel Ar­beit, aber wenn mich solche atemlosen Bilderstürme heimsuchen, kann ich nicht anders, dann muss ich mich da hineinstürzen und es niederschreiben. So kam es, dass die ersten beiden Teile dieser Trilogie quasi über Nacht entstanden sind, der dritte, in dem der obige Alptraum richtig ausbricht, ist schon skizziert und ebenfalls unaufhaltsam. Bis Ende der Woche ist er auf alle Fälle fertig.

Wo befinden wir uns jetzt? Dazu muss ich ein wenig ausholen. Erst mal die Rah­mendaten:

Der Raum ist der KONFLIKT 24 des Oki Stanwer Mythos, das heißt, die Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK), begonnen 1994. Eifrige Leser dieses Blogs wissen sicherlich noch, dass ich hier derzeit im so genannten HANKSTEYN-Zyklus „hänge“, genauer gesagt, in dessen Abschlussband „Tödliche Entschei­dung“ (Band 54). Außerdem bin ich noch dabei, hier die Anfangsepisoden abzu­schreiben, um eine vollständige digitale Fassung der Serie zu besitzen. Bis ihr dies hier lest, ist das längst geschehen, ich habe jetzt nur noch drei Episoden fertig abzuschreiben. Dann vervollständige ich das Glossar der Serie, aktualisie­re das Lexikon und kann weiterschreiben.

Direkt nach Band 54 kommt eine Trilogie, die die Bände 26 und 27 sowie 39 der Serie wieder aufgreift. Sie entstanden in den Jahren 1998 und 2000. Daran könnt ihr sehen, wie lange manche Handlungsströme kurzerhand untertauchen und verschwunden sind… es juckte mich aber schon seit Wochen, die erwähn­ten Episoden 55-57 zu schreiben.

Warum dies?

Weil es um die „Mörder“ geht. Das sind späte Nachfahren eines Volkes, das euch derzeit aus KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) ver­traut ist, Nachfahren der Shonta. Ja, ja, die schwarzen Zwergenwesen aus dem Xoor’con-System, exakt.

110 Milliarden Handlungsjahre später siedeln diese „Mörder“ jedenfalls unter der Kruste eines unbekannten Planeten irgendwo im Universum, als sie (1994!) jählings „Besuch“ bekommen, und zwar von einem materielosen, elliptischen Vernichtungsfeld, das geradewegs durch ihre unterirdischen Städte fräst und sie verwüstet.

Die aufgescheuchten Zwergenwesen starten eine Vergeltungsexpedition und gelangen zum so genannten „blauen Herzen der Nacht“, aber eine hier ausge­löste Explosion schleudert die Expeditionsgruppe in eine völlig fremde Welt, wo es so unglaubliche Dinge wie Monde gibt… und Sonnen… und ein fliegendes Schloss, in dem der rätselhafte „Neutrale“ residiert, Colin Gablon, ein enger Vertrauter Oki Stanwers.

Dummerweise ist das Vehikel, das die „Mörder“ auf diese Welt namens Washi­an geschleudert hat, mitgekommen: ein blaues Vernichtungsfeld, das sich im­mer unkontrollierbarer verhält. Colin Gablon, der mit der Aufgabe betraut wird, findet die „Mörder“ und kann – wenigstens mit zweien von ihnen – in die Höh­lenwelt zurückkehren.

Dort sitzt er nun fest… bis er einen dritten „Mörder“ trifft, jemanden namens Chaaroi. Dieser alte Mann, ein Häretiker aus der Stadt Thorraigo, erzählt davon, dass seine Heimatstadt von den Vernichtungsfeldern ebenfalls schwer verwüs­tet worden ist. Aber vielleicht gibt es im so genannten „Flammentempel“ noch Hilfe.

Doch Thorraigo ist in einem Lavameer versunken, einzig der Berg mit dem Tem­pel ragt noch aus der Glut… und damit sind wir bei der Anfangsszene, zu der ich nun nach mehr als vierzehn Realjahren endlich kam. Unter dem Tempel liegt eine Station der Baumeister. Doch im Tempel selbst treibt ein mörderischer Kil­ler sein Unwesen.

Ach, und was für ein Monstrum!

Schließlich tritt es Colin Gablon mit seinem eigenen Aussehen gegenüber – ein Kinderspiel für einen omnipotenten Gestaltwandler. Und berühmt ist er auch noch. Berühmt-berüchtigt.

Sein Name lautet SARDOON.

Es ist eine Dämonenwaffe von TOTAM, Morden ist sozusagen ihr Hobby. Leben bedeutet ihr absolut gar nichts, und sie ist so gut wie unverwundbar, quasi unsterblich. Sie verhöhnt Colin Gablon sogar damit, dass vor ewigen Zeiten sogar ein Matrixkoordinator, einer der ranghöchsten Untergebenen der Sieben Lichtmächte, von ihr getäuscht worden ist.

Das liegt lange zurück? Natürlich… das war in KONFLIKT 12, wo Sardoon unter seinem Tarnnamen Sascyawesho der Tyrann und Diktator der Kleingalaxis Pho­lyar war. 60 Milliarden Jahre ist das her. Aber dieses Wesen ist immer noch blut­rünstig und grausam, intrigant und verschlagen… und statt Colin Gablon das gnädigere Schicksal zu geben, ihn nämlich einfach kurzerhand in Stücke zu reißen… nein, statt das zu tun, baut Sardoon den armen Helfer des Lichts in seine finsteren Pläne ein.

Damit beginnt der Schrecken erst richtig.

Ich sage euch, Freunde… das ist echt der Stoff, aus dem die Alpträume sind. Und spätere Leser des KONFLIKTS 24 werden starke Nerven brauchen. Ich brau­che die jetzt schon…

Damit verlasse ich euch für den Moment wieder und beneide euch ein wenig um die Seelenruhe, die mir gerade verloren geht. Mann, Mann, Mann, seid froh, dass ihr „nur“ die Blog-Trockenübungen zu lesen habt. Nächste Woche könnt ihr euch an dieser Stelle noch ein wenig stärker abkühlen, dann erzähle ich euch nämlich, was ich im Februar 2015 alles so geschrieben habe. Lasst euch mal überraschen…

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 8: Das Gold von Sparta (1)

Posted Mai 20th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute möchte ich euch mal auf eine Abenteuerreise mitnehmen, die sich von der doch zum Teil recht gehaltvollen, vielleicht auch heftigen Kost der vergange­nen Wochen ein wenig ablenkt. Ich sagte ja schon verschiedentlich, dass ich auch Abenteuergeschichten nicht abgeneigt bin, und meiner Ansicht nach ist eine solide Adresse für solche Werke der amerikanische Bestsellerautor Clive Cussler. Ihr werdet im Rezensions-Blog noch häufiger von ihm hören, da ich sei­ne Werke gern lese.

Natürlich mag man einwenden, sie seien manchmal ziemlich seicht, gelegent­lich reichlich an den Haaren herbeigezogen, auch kann man sich echauffieren über die Baustruktur der Geschichten, aber das Konzept an sich hat durchaus seine Stärken: Man nehme eines oder mehrere Geheimnisse der Vergangen­heit, mische sie mit einer Thrillerhandlung, humorvollen und unverwüstlichen Protagonisten und koche daraus eine interessante Story zusammen. Das ist der Kern seines Erfolgsrezepts.

Als Clive Cussler sich anschickte, auch Coautoren zu beschäftigen, wich er ein wenig von dem seit Jahrzehnten verfolgten Pfad der NUMA ab, der National Underwater and Marine Agency, die in den meisten seiner Werke die zentrale Rolle spielt. Am stärksten ist er meiner Ansicht nach mit der Erfindung von Sam und Remi Fargo von dieser Spur abgewichen, als er sich mit dem Autor Grant Blackwood zusammentat.

Ich entdeckte die Fargos im Jahre 2011, unmittelbar nach dem Erscheinen des ersten Bandes, und ich sollte bald erkennen, dass Blackwood einen Vertrag über drei Werke unterschrieben hatte, die inzwischen alle in deutscher Übersetzung vorliegen. Ich las sie der Reihenfolge nach und werde sie hier im Ab­stand von ein paar Wochen auch vorstellen (darum die Ziffer im Titel – sie ver­weist auf mehrteilige Werke und wird euch später den Überblick erleichtern).

Neugierig war ich auf die Fargos natürlich auch deshalb, weil sie passionierte Schatzsucher sind… und gute dazu, wie ich entdecken konnte. Folgt mir direkt ins Abenteuer:

Das Gold von Sparta

(OT: Spartan Gold)

von Clive Cussler & Grant Blackwood

Blanvalet 37683

512 Seiten, TB

München, Juni 2011

Aus dem Englischen von Michael Kubiak

ISBN 978-3-442-37683-4

Die menschliche Geschichte ist voll von Geheimnissen und Schätzen, die irgend­wann einmal spurlos verschwunden sind. Jedermann hat davon schon von Kin­desbeinen an gehört, gelesen oder Filme darüber gesehen. Und in vielen Her­anwachsenden schlummert der Wunsch, selbst einmal Entdecker solcher Schät­ze zu sein, die lange verschollen waren. Und manche von ihnen reifen tatsäch­lich zu Findern derartiger Kostbarkeiten. Entweder im ehrlichen Business, dann kennt man sie als Archäologen oder Historiker… oder aber sie verschreiben sich dem Beruf des Schatzsuchers.

Sam und Remi Fargo sind letzteres. Durch harte Arbeit zu Wohlstand gekom­men, haben sie ihre vielseitigen Talente und Leidenschaft für die Vergangenheit zu einem zeitfüllenden Hobby gemacht. Zusammen mit einer Reihe von guten Freunden ist das Ehepaar immer wieder einmal in Indiana Jones-Manier in Abenteuer verstrickt, wenn sie auf die Fährte von Schätzen geraten. Diesmal aber stolpern sie in ein wirklich verwirrendes Abenteuer.

Während sie in einem Sumpfgebiet des US-Bundesstaates Delaware eigentlich nach dem Schatz von Martha Cannon suchen1, findet Sam unerwartet etwas, was man hier generell nicht annimmt: ein Miniatur-U-Boot der Nazis, das seit den Endtagen des Krieges hier mitsamt Ein-Mann-Besatzung auf Grund liegt. Bei dem Toten befindet sich eine Ledertasche, in der eine Weinflasche liegt, die dem Aussehen nach auch schon recht antik zu sein scheint. Auf dem Boden der leeren Flasche ist ein Symbol eingraviert, das wie eine Biene aussieht. Und die­ses Symbol haben die beiden kürzlich schon einmal gesehen – nämlich bei ih­rem Freund, dem Antiquitätenhändler Ted Frobisher, der den Splitter einer sol­chen Flasche kürzlich ins Internet gestellt hat.

Irgendwem scheint dieses Glasteil so wertvoll zu sein, dass er Frobisher kurzer­hand entführt und beinahe umbringt. Sam und Remi können das gerade noch verhindern, kollidieren aber auf diese Weise mit einem Mann namens Archi­pow und seinem Auftraggeber Hadeon Bondaruk (auf dem Klappentext falsch geschrieben, aber „Hadeon“ ist ja auch ein ausgefallener Name). Bondaruk, Drahtzieher der ukrainischen Mafia und Sammler von Antiken, schreckt vor bru­taler Gewalt nicht zurück, um diese Flaschen in seinen Besitz zu bekommen. Erst mit etwas Verzögerung lüften die Fargos zumindest einen Zipfel des Ge­heimnisses: die beiden Flaschen gehören zu einem Satz von zwölf legendären Weinflaschen, die einstmals Napoleon Bonaparte anfertigen ließ. Und die Eti­ketten der Flaschen sind zugleich Schlüssel für eine Schatzsuche. Das tritt dann erst mit Verzögerung zutage.

Auch wenn das Ziel der Suche für die Fargos nicht bekannt ist, haben sie mit Bondaruks Häschern schon so viel Scherereien gehabt, dass sie sich recht bald entschließen, dem Ukrainer den Schatz nicht zu überlassen, worin auch immer er bestehen mag. So beginnt eine weiträumige „Schnitzeljagd“, die vor gut zwei­hundert Jahren ihren Anfang nahm und die Fargos und ihre Verfolger mal auf die Bahamas bringt, dann in einen unterirdischen Fluss, nach Monaco, nach Elba, auf verwitterte Friedhöfe, auf die französische Gefängnisinsel Chateau d’If, in ein Schmugglerlabyrinth unter der Felsküste der Krim, in den Süden Deutsch­lands, auf eine Toteninsel nahe Venedig und schließlich an einen lebensgefährli­chen Ort, wo ein sagenhafter Goldschatz verborgen wurde…

Mit dem Schatzsucher-Ehepaar Sam und Remi Fargo geht nach Dirk Pitt, Kurt Austin und Juan Cabrillo die vierte Gruppe von Helden an den Start, für deren Karrierebeginn der Schriftsteller und Abenteurer Clive Cussler gesorgt hat. Dies­mal hat die Handlung aber nichts mit der NUMA zu tun, die sonst in den Cuss­ler-Romanen zentral bedeutsam ist. Diese Abwechslung von der Meeresfor­schung und damit verknüpften Abenteuergeschichten und historischen Aben­teuern tut aber richtig gut.

Bei diesem Roman ist festzuhalten, dass das gesamte Werk unübersehbar die Handschrift des Navyveterans Grant Blackwood trägt. Wie Cussler-Romane aus­sehen, weiß ich nun wirklich zur Genüge, und dieser unterscheidet sich an sehr vielen Stellen gründlich davon. Allerdings in angenehm positivem Sinne. Wäh­rend viele der jüngeren Cussler-Romane durch haarsträubende Logikfehler, halsbrecherische Action und historische Ungenauigkeiten unangenehm aufzu­fallen pflegen, ist das hier nicht der Fall.

Eher das Gegenteil ist der Fall: Während Sam und Remi angenehm sympathisch und humorvoll herüberkommen (auch wenn man leider ihr Alter nie erfährt; meiner Schätzung nach sind sie Mitte bis Ende Vierzig, kaum viel älter), fällt ebenfalls auf, dass die in Cussler-Romanen häufig vertretene Anwendung bru­talster Gewalt hier auf ein Minimum reduziert wird. Viel eher im Vordergrund stehen die Vermittlung von historischen Fakten und das raffinierte, verwinkelte Ausknobeln eines wirklich vertrackten historischen Rätsels. Gewürzt mit exoti­schen Schauplätzen, abenteuerlichen Wendungen und manchmal ziemlich haarsträubenden Aktionen kommt man sich tatsächlich als Leser einmal mehr so vor, als läse man einen Indiana Jones-Roman. Damit ist nicht gesagt, dass die Geschichte langweilig wird, ganz im Gegenteil. Ich habe den letzten Teil – und damit beziehe ich mich auf die rund 250 letzten Seiten – in einem Rutsch gele­sen, was bis tief in die Nacht dauerte. Klares Qualitätssiegel, das mache ich sonst selten.

Wer sich also auf intelligente Weise kurzweilig den Tag (oder auch mehrere, wenn man das Vergnügen so lange strecken kann) verbringen möchte, kann sich kaum eine schönere Form als die Lektüre dieses Romans vorstellen. Dass das Lektorat dann in der hinteren Hälfte des Buches etwas „schwächelte“ und di­verse Schnitzer erlaubte, trübt das Vergnügen nur unwesentlich. Da wird etwa Adolf Hitlers „Berghof“ bei Berchtesgaden einfach zur „Berghütte“ (das hätte Kubiak wirklich wissen können), oder man ertappt den Perserkönig Xerxes beim Bau von „Landbrücken“ – was natürlich nicht geht, weil das geologische Struk­turen sind. Gemeint war in diesem Fall eine Schiffbrücke. Manchmal gehen Na­men durcheinander, da wird dann schon aus einer Evelyn auf derselben Seite „Emily“, oder die Schlacht von Platää wird zu „Plataea“ (was eventuell eine legi­time Schreibweise sein könnte)… aber, wie gesagt, das ist nicht wirklich ein Pro­blem.

Ein wenig schade ist gegen Schluss, dass Bondaruks Persönlichkeit etwas sehr verharmlost wird, wodurch er an Glaubwürdigkeit verliert. Aber da man sich als Leser schon fast 500 Seiten weit bestens amüsiert und unterhalten hat und es hier zudem noch mit einem Romanerstling zu tun hat, kann man das vermutlich verschmerzen.

Da ich weiß, dass es wenigstens noch einen zweiten Roman mit den Fargos ge­ben wird, bin ich jetzt schon neugierig auf den Folgeband, in dem Blackwood aus den wenigen Schwächen des vorliegenden Werkes wahrscheinlich gelernt haben wird. Das verspricht doch ein interessantes, packendes zweites Abenteu­er. Wer weiß, womit die sympathischen Fargos es da zu tun bekommen werden. Ich bin gespannt…

© by Uwe Lammers, 2011

Ihr merkt, ich war in sehr aufgeräumter und generöser Laune, als ich diese Re­zension bald nach der Lektüre verfasste. Weil sich die Geschichte einfach gut liest. Und mit wem es die Fargos im zweiten Blackwood-Roman zu tun beka­men, das lest ihr hier in drei Wochen.

Ich hoffe, ihr seid neugierig auf den Roman geworden, er lohnt die Lektüre wirklich. Damit möchte ich für den Moment das Rezensionsbuch wieder schlie­ßen und euch auf den kommenden Mittwoch vertrösten, wo die Reise durch die gelesene Literatur weitergehen wird.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1Das erkläre ich jetzt nicht weiter, der Interessierte sei auf NATIONAL GEOGRAPHIC oder Google verwiesen, wo man gewiss fündig wird, was Martha Cannon angeht.

Liebe Freunde des OSM,

am 5. April dieses Jahres ließen wir mit Teil 26 dieser Reihe das Schreibjahr 2004 hinter uns. Dringen wir jetzt also ins Jahr 2005 ein, das stark geprägt wur­de durch die Lektüre von Peter F. Hamiltons „Armageddon-Zyklus“. Damals hat­te ich (Ende November 2004) gerade ein neues OSM-Universum betreten, näm­lich den KONFLIKT 4, in der die Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) spiel­te. Da ich aber zur gleichen Zeit historisch sehr stark eingebunden war, außer­dem wieder den Chefredakteursposten des Science Fiction-Clubs Baden-Würt­temberg (SFCBW) innehatte und fernerhin einen neuen Kreativrausch auslebte, zu dem ich gleich kommen werde, da stagnierte IR erst einmal nach den ersten paar Bänden.

Stattdessen verfolgte ich in KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) die Geschehnisse in der Galaxis Twennar weiter, die euch aus meinen aktu­ellen E-Books vertraut sind. Hier hatte ich inzwischen Band 27 „Späherin der Cestai“ erreicht und lernte ein neues faszinierendes OSM-Volk aus der Nähe kennen.

Gleichzeitig versetzte mich die gute Verdienstsituation zu jener Zeit in die Lage, mir einen kompletten Comic-Kosmos zu erschließen, nämlich die miteinander auf interessante Weise vernetzten Welten des CrossGenUniverse (CGU). Zahlrei­che Rezensionen in dem Fanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) ab 2005 legen davon reges Zeugnis ab.

Die eifrige Lektüre Hamiltons tat ihr Übriges und lenkte mich gründlich weiter ab. Im Januar 2005 kam ich nach Stippvisiten für kommentierte Abschriften des KONFLIKTS 15 „Oki Stanwer“ schließlich in einer Welt zum Stillstand, die ich all­mählich überhaupt nicht mehr verstand.

Wovon spreche ich? Von KONFLIKT 28.

Ende Januar 2005 erreichte ich mit Band 33 „Sündenbabel des Mittelalters“ in der Serie „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ (DSj) offensichtlich die levantinische Stadt Akkon im Jahre 1187 nach Christus. So sah das jedenfalls aus, aber ich musste sehr schnell begreifen, dass das ein Trugschluss war, einer der abenteu­erlichsten Sorte. Vorangegangen war folgendes in früheren Schreibjahren:

Im Jahre 1999 wurde der Jesuit und Helfer des Lichts Pater Joseph Ghastor von der Kurie auf eine christliche Geheimsekte angesetzt, die auf Malta Zeitexperi­mente unternahm mit dem offensichtlichen Ziel, ins Mittelalter vorzustoßen und dort den Siegeszug des Islam aufzuhalten. Dabei bedienten sich die Mitglie­der von PAX CHRISTI uralter, scheinbar „magischer“ Hinterlassenschaften der al­ten Megalithbauer.

Problem Nummer eins: Ghastor war ein Helfer des Lichts, allerdings war er sich dessen nicht bewusst.

Problem Nummer zwei: Das „Zeittor“ in der maltesischen Unterwelt war dem Anschein nach ein HEIMATSTÜCK, also ein Teil des Dämonenplaneten TOTAM, vor Urzeiten in die Megalithmetropole eingebaut.

Problem Nummer drei: Eine bizarre kybernetische Wesenheit half den PAX CHRISTI-Leuten, das Portal zu öffnen und sie hindurchzuschleusen. Dieses We­sen, das auch Ghastor so in die Vergangenheit schickte, war aber erkennbar ein GRALSJÄGER oder wenigstens ein Rest von ihm.

Problem Nummer vier: Als Ghastor und seine Entführer im Akkon der Vergan­genheit landeten, wurden sie nicht nur von Kreuzrittern erwartet, sondern auch von Gestaltwandlern aus dem Volk der Berinnyer!

Problem Nummer fünf, an dem ich besonders zu knabbern hatte: Wiewohl sich alle eindeutig in Akkon und eindeutig im Mittelalter befanden, hatten sie KEINE Zeitreise durchgeführt.

Hä?, höre ich euch da jetzt rufen? Tja, Freunde, da geht es euch genauso wie mir damals. Ich verstand wirklich nur noch Bahnhof… aber im Gegensatz zu euch drängte mich der Bilderstrom weiter vorwärts. Und dieser Bilderstrom, der sich nicht um Verständnis kümmerte, sondern nur sagte: so musst du das beschreiben, kapieren kannst du das irgendwann später, der führte mich im Fe­bruar 2005 weiter ins Chaos.

Akkon wurde belagert, in der realen Historie wie auch jetzt in der Serie. Von Sa­ladin, einwandfrei. Dummerweise nicht nur von ihm. Denn bei ihm waren monströse Kreaturen aus der Hölle, so genannte „RETTER“. Ungeheuer in schartigen Rüstungen, die in früheren KONFLIKTEN Totenköpfe genannt worden waren.

Noch schlimmer: Im Innern von Akkon trieb eine zwar sehr geschwächte, aber immer noch tödliche Dämonenwaffe namens Seth ihr Unwesen, und sie kannte Ghastor aus früheren Universen sehr gut und war sehr darauf aus, ihn kurzer­hand entweder zu einer Sklavenkreatur zu machen oder zu ermorden. Beides gelang nicht, weil der Jesuit mit seiner Gefährtin wider Willen, Agnes Thorvald, Zuflucht in einem Kloster fand… wo sie schon erwartet wurden, und zwar von einem Wesen, das als „Fürstin der Matrix“ bezeichnet wurde. Alles gipfelte in der Erschaffung der „Zeitlosen Sphäre“, und die zielte direkt auf einen in der Se­rie schon in Erscheinung getretenen Planeten namens AKKON II.

Verdammte Hacke, dachte ich, das ist ja ein verrücktes Zeug!

Danach musste ich mich erst mal dringend abkühlen und reiste eine Weile an der Seite meiner goldenen Prinzessin Christina von Zhiongar im Archipel-Roman „Abenteuer im Archipel“ in unproblematischere Gefilde, gleich gefolgt von ei­ner Heimkehr in die Metropole Asmaar-Len, zehn Jahre zuvor – also in den Ro­man „Rhondas Reifejahre“, der sich nur ganz langsam weiter entwickelte.

Im März 2005, da sind wir schon angelangt, kamen eigentlich fast nur Comicre­zensionen zustande… und im unglaublichen April steckte ich schon wieder im KONFLIKT 28!

Das kann doch gar nicht sein, dachte ich. Und, schlimmer noch, es wurde noch konfuser. Auf einmal verfolgte ich die verrückte Spur eines weiteren Helfers des Lichts – der türkische Geheimagent Salid Khessem, der in die fürsorgliche Ge­fangenschaft von Grauhäutigen geraten war, erforschte „Versunkene Pyrami­den“ (so der Titel von Bd. 37) auf dem Grund des Schwarzen Meeres… und ehe er begriff, was eigentlich passierte, erreichte er „Die Totenwelt“ (Bd. 38). Er stieg aus dem Meer und wanderte durch eine Totenstadt ohne Leben und ohne Leichen. Laut der mentalen Stimme von Sarai Stanwer, der Fürstin der Matrix, befand er sich „jenseits des RANDES“. In einer Welt, in der die Menschheit und offensichtlich alles Leben umgekommen war, niedergemäht von einer unbe­greiflichen, mörderischen Gewalt.

Dummerweise war hier nicht alles tot…

Du lieber Himmel, dachte ich mir, das wird ja lustig!

Ich brauchte eine weitere Abkühlung. Die war allerdings nicht wirklich witzig – denn stattdessen entstand nun der OSM-Hintergrundtext „Eine Insel gegen das Chaos“, mit dem ich ein wenig Licht in die rätselhafte Welt des INSEL-Imperi­ums in KONFLIKT 4 brachte. Ich befand mich dort ja gerade mal in Band 3 und 4, die teilweise fertig gestellt waren. Außerdem arbeitete ich, weil ich mich sehr stark mit KONFLIKT 28 befasste, der – wie oben erwähnt – wirklich rätselhaft war, mit einem weiteren langen Hintergrundtext, der schließlich den Titel „Pfadfinder in der Grenzzeit“ tragen sollte (er wurde am 15. Mai fertig).

Das machte mir dann auf grässliche Weise klar, dass ich hier dringend ein Halte­signal akzeptieren sollte, um mich auf ungefährlicheren Feldern auszutoben, ehe ich völliges Chaos anrichtete.

Das war aber offensichtlich schwer möglich. Denn wo landete ich Anfang Mai 2005 einmal mehr? In KONFLIKT 28!

Und schon wieder in einem anderen Handlungsabschnitt: Diesmal kehrte ich auf die Welt AKKON II im Vorhof TOTAMS zurück, wo Oki Stanwer Realjahre zu­vor auf einen monströs verwandelten Robot-Cyborg namens Pater Joseph Ghastor gestoßen war.

Ein vertrauter Name, nicht wahr?

Und ehe ihr jetzt denkt, dass dieser Ghastor und jener von oben, der aus der Stadt Akkon zum Planeten AKKON II transferiert war, identisch sein müsse, lasst euch korrigieren: Denkfehler! Das bekam Oki Stanwer hier auch zu spüren, und zwar unmittelbar nach seinem Beinahe-Todessturz in den erkalteten Vulkanschlund unterhalb der Stadt Akkon II auf dem gleichnamigen Planeten. Hier un­ten residierte die monströse Macht des BODDINUMS, das den regulären Verlauf der Zeit auf dem Planeten gewissermaßen versteinert hatte (ohne dass es sich dabei um eine Art von Stasisfeld gehandelt hätte – aber die Wesen im Einfluss dieses Feldes konnten nicht mehr sterben, egal, wie stark sie verletzt oder ver­west waren; am Ende liefen selbst lebende Skelette von Haustieren hier her­um…).

Der Kampf Oki Stanwers gegen das BODDINUM zerstörte die zeitlose Sphäre und vertrieb das BODDINUM. Der Tod kehrte zurück… und dann ereignete sich die „Invasion auf AKKON II“ (so der Titel von Bd. 41), und gigantische, fremdar­tige Weltraumsegler – die Transportschiffe so genannter RETTER – setzten ihre Landungsmannschaften ab.

RETTER, ja? Totenköpfe, oder was? Ja, allerdings. Und unter ihnen war einer, der sich Sketahr nannte – einstmals ein Helfer des Lichts. Er hatte von der „Flamme“, dem neuen Interimsregenten auf TOTAMS Leiche eine Botschaft für Oki Stanwer erhalten.

Und nun war der Moment gekommen, ihm dieses Orakel zu bringen. Ihm und zwei aus Tiefschlaf erwachten Menschen, die auf den Namen Pater Joseph Ghastor und Agnes Thorvald hörten…

Ich merke, euch schwirrt der Kopf, Freunde. Ging mir damals ganz genauso, und heute ist es, bezogen auf diese Fakten, noch nicht sehr viel besser. Aber ihr seht deutlich: da steppte der sinnbildliche Bär. Unglaublich wilde Action in einem höchst bizarren Setting. Und selbst wenn man das nicht im Mindesten als Space Opera a la Peter F. Hamilton ansehen kann, hatte doch genau diese Lektüre we­sentlichen Anteil daran, dass ich begeistert hochkomplexe Handlungsverläufe zu realisieren begann. Und wie üblich wirkte der Lesestoff mit Verzögerung. Das merkte ich dann ab Mai zunehmend.

Mehr dazu berichte ich euch dann im kommenden Teil dieser Serie. Da braucht ihr noch ein wenig Geduld.

In der kommenden Woche nehme ich euch an einen anderen grässlichen Ort des Oki Stanwer Mythos – mit zur „Monsterjagd in der Hölle“! Das solltet ihr echt nicht versäumen, Freunde, das ist Gänsehaut pur!

Bis dann, mit Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

von Anbeginn meiner E-Book-Aktivitäten stand ich vor einem fundamentalen Problem, das ich aus eigener Kraft nicht lösen konnte, und aktuell erlebt das ge­rade eine wenig erfreuliche Neuauflage. Es steht zu befürchten, dass mich das noch eine ganze Weile verfolgen wird, und leider behindert das auch sehr den Fortschritt meines ganzen E-Book-Programms. Ich dachte mir darum, es sei heute mal an der Zeit, im Rahmen meines Blogs darüber zu sprechen.

Es gibt mehrere zentrale Hürden, die man nehmen muss, wenn man ein ambi­tioniertes schriftstellerisches Geschichtenprojekt wie den Oki Stanwer Mythos ans Licht der Öffentlichkeit befördern möchte. Das hat mit solchen Dingen wie Zeit zu tun, es hat mit Geld zu tun und mit der Wahl der Mitarbeiter. Denn zu­vorderst verstehe ich den OSM als Teamwork. Ich bin nicht der Egomane, der die totale Kontrolle haben muss, der unbedingt alles selbst machen will. So bin ich nicht gestrickt.

Mein Wunsch ist es, das, was ich selbst schon seit Jahrzehnten für mich selbst erschaffen habe, an die Öffentlichkeit zu tragen, wobei es mir sehr darauf an­kommt, auch andere Leute mit ins Rampenlicht zu ziehen und sie an dem Erfolg partizipieren zu lassen. Mein Grafikdesigner Lars Vollbrecht ist ein Beispiel da­für, der den Titelschriftzug für den OSM entworfen hat. Oder, ein weiteres aktu­elles Beispiel, ist die Braunschweiger Illustratorin Jenny Seib, die freundlicher­weise das Titelbild für TI 17 „Zurück zu den Sargkolonnen“ beisteuerte.

Das sind dann aber leider schon die Ausnahmen. Ein weiterer Illustrationsver­such ist gerade gescheitert, was ich sehr bedauerlich fand. Und zahlreiche an­dere Geschichten, deren Publikation ich für die nahe und mittlere Zukunft pla­ne, sind durch solche Schwierigkeiten ernstlich bedroht.

Die Hauptschwierigkeit liegt wahrscheinlich in zwei Komponenten. Zum einen haben die bisherigen Titelbilder der OSM-Serie mit ihrer kompositorischen Bril­lanz – ungeachtet der Tatsache, dass sie manchmal den Inhalt der Werke nicht wirklich treffen – eine Messlatte geschaffen, die den Erwartungshorizont so­wohl bei euch Lesern als auch bei mir recht hoch anlegt. Zum zweiten, und das ist noch deutlich problematischer, gibt es dann diese inneren Bilder, die stets in massiven Konflikt mit den Kompromissbildern geraten, die ich beispielsweise bei Fotolia gekauft habe, um sie zu verwenden.

Ich nenne das die innere Bilderwelt. Ich habe schon verschiedentlich betont, dass ich meine Geschichten auf intuitive Weise erschaffe, d. h. es gibt einen „Strom der Bilder“, der mich mitreißt und dem ich folge. Diese Bilder formatie­ren natürlich das, was ich schreibe. Und sie bevölkern meine Vorstellung. Wenn also später eine solche Geschichte mit Titelbild versehen werden soll, dann er­gibt sich eine mehr oder minder starke Dissonanz zwischen dem, was meine Vorstellung vorgibt und dem, was ich an Bildmaterial vorfinde.

Da ich selbst aber definitiv nicht in der Lage bin, meine inneren Bilder grafisch umzusetzen – soviel Realismus habe ich schon seit zwanzig Jahren verinnerlicht, ich bin einfach nicht sonderlich talentiert im Zeichnen und komme übers Ama­teurstadium nicht hinaus – , bin ich auf Talente von außerhalb angewiesen. Und wie ich schon vor gut 25 Jahren in enger Zusammenarbeit mit Lars Vollbrecht feststellen konnte (vgl. dazu die Artikelreihe „Der OSM im Bild“), kann daraus eine sehr fruchtbare, zielführende Zusammenarbeit werden… Voraussetzung ist natürlich, dass entsprechende Talente bereit sind, mitzuarbeiten.

Ich nenne mal drei Pläne, die ich für die kommenden Jahre habe und wo ich un­bedingt der Mitarbeit von Illustratoren bedarf.

Der Zathuray-Konflikt“ ist ein Roman, den ich 1991 geschrieben habe (vgl. dazu beizeiten auch den Blogartikel 118). In ihm beschreibe ich Oki Stanwers erstes Auftauchen und den ersten KONFLIKT des OSM, quasi die direkte Vorge­schichte der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI), die ihr derzeit le­sen könnt. Ich habe hier eine sehr klare Vorstellung, was ich auf dem Titelbild sehen möchte, aber leider niemanden, der sich dazu bereit erklären würde.

Kämpfer gegen den Tod“, ein 1997 fertig gestellter Roman, der im KONFLIKT 24 des OSM spielt (Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“), aber vom eigent­lichen Handlungsstrom ganz losgekoppelt ist, beschreibt das Leben und Nachle­ben des Geschäftsmannes Alan Bannister, der sich auf einer alptraumhaften Wanderung durch die verwüsteten Welten des ersten Netzuniversums befin­det… ein Roman, den ich derzeit abschreibe und der natürlich noch stark ausge­baut werden muss. Aber ich würde ihn schon gern anno 2016, spätestens 2017 ans Roman in die modernen „Annalen der Ewigkeit“ integrieren und euch als Lektüre zugänglich machen.

Knackpunkt? Ganz besonders das Titelbild. Ohne Titelbild kann die Überarbei­tung so ausgereift sein, wie sie will… es wird keine Veröffentlichung geben. Tut niemandem mehr weh als mir.

Mein Freund, der Totenkopf“ ist ein weiteres Projekt, das ich auf diese Weise angehen will. Es stammt aus jüngster Vergangenheit (2010) und ist damit ver­gleichsweise solide stilistisch ausgearbeitet. Außerdem liegt der Roman voll­ständig digital vor. Die Geschichte spielt im KONFLIKT 25, in dem auch „Annalen 3: Die schamlose Frau“ handelt, ebenfalls in der Galaxis Beltracor. Hierzu habe ich eine Titelbildskizze entworfen. Aber auch hier fehlt mir, um das Projekt in die Zielgerade der Publikation zu bringen, definitiv ein Illustrator.

Ich meine, mir ist schon völlig klar: angesichts meiner aktuellen finanziellen Ver­hältnisse, die ja schon im April einen Aussetzer im E-Book-Veröffentlichungsprogramm erzwangen, kann ich Illustratoren finanziell nichts bieten. Hier wäre aber dann der Punkt, wo das ökonomische Denken, das stets ein kurzsichtiges ist, durch Idealismus überwunden werden könnte. Denkt mal ein wenig langfris­tig.

Es gibt Tausende von OSM-Werken. Das, was ihr gerade erlebt, ist lediglich der Auftakt zu atemberaubenden Abenteuern, und jeder talentierte Illustrator, der daran mithelfen möchte, zunächst aus Idealismus heraus, später sicherlich auch solide entlohnt, schreibt sich in diese Geschichte mit ein, wird Teil davon. Ver­steht das einfach auch als eine Form des Selbstmarketings.

Vor allen Dingen, und das ist eigentlich der schönste Effekt, finde ich, ist das ja im Gegensatz zu früheren Buchpublikationen keine zeitlich begrenzte Präsenz, sondern ihr seid im digitalen Buchhandel ständig und dauerhaft präsent mit eu­rem Namen, euren Bildern. Das ist etwas, was sowohl Ansporn zu bester Arbeit sein könnte wie auch Ansporn, den kurzfristigen Profit für eine Weile hintan zu stellen. So, wie ich das selbst ja auch tue.

Ich bin also nach wie vor auf der Suche nach solchen Talenten, die gern Mitar­beiter an dem Gesamtwerk des Oki Stanwer Mythos werden wollen, die daran mitwirken wollen, fremden Völkern, Welten und Technologie grafisches Leben einzuhauchen. Davon profitieren wir alle – ihr als Leser einerseits, ihr als Grafiker andererseits (ich hab’s eben gesagt) und letztlich eben auch ich selbst, weil die Bilder, die ich im Kopf hatte und die Geschichten, die weitgehend schon existieren bzw. noch geschrieben werden, auf diese Weise eine Chance erhalten, das Licht der Welt zu erblicken.

Drum lasst mich nicht hängen, Freunde! Schneidet euch nicht den Ast durch, auf dem ihr sitzt und auf dem ihr neuen, weiteren Leseerlebnissen entgegenfie­bert, die ich euch versprechen kann – sofern die oben geschilderten Rahmenbe­dingungen stimmen.

Helft mir, talentierte Zeichnerinnen und Zeichner zu finden, und ihr erhaltet euch und mir den OSM und diese Schriftenreihe am Leben. Bringt mich in Kon­takt mit den Talenten – ich freue mich drauf und gebe die Hoffnung nicht auf, dass der kreative Feuerfunke überspringt.

Soviel an Aufruf für heute – in der kommenden Woche erzähle ich euch, wieder gedanklich reflektierend zur aktuellen Handlung der TI-Serie zurückkehrend, ein wenig über „Stoffwechselmetamorphosen“. Und das ist interessanter Stoff, das kann ich euch hier schon versichern. Das solltet ihr nicht versäumen!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 7: In seinen Händen

Posted Mai 13th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wer in jüngster Zeit im Kino gewesen ist, wird kaum an diversen Plakaten oder Trailern für die Verfilmung von E. L. James´ Buch „Fifty Shades of Grey“ vorbei­gekommen sein, die Geschichte einer beunruhigenden Liaison zwischen einem dominanten, jungen Millionär mit verwundeter Seele einerseits und der jung­fräulichen Studentin Anastasia Steele auf der anderen Seite. Für amerikanische Verhältnisse ist der Film erstaunlich offenherzig, wenn man die sonstige Prüde­rie der Hollywood-Filme kennt.

Dennoch wurde dem Film von kenntnisreicher Seite verschiedentlich vorgehal­ten, er sei in wesentlichen Strukturen verzerrt und verharmlost (und das Buch ist aller Wahrscheinlichkeit nach sowieso noch sehr viel heftiger). Ähnlich wür­de es sich vermutlich verhalten, wenn man das Werk zu verfilmen versuchte, was sich als schmales Taschenbuch vor ein paar Jahren in mein Bücherregal schmuggelte. Im Vergleich mit E. L. James´ voluminösen drei Bänden ein eher schmächtiges Stückchen Literatur… doch wage es niemand, diesen Trip zu un­terschätzen.

Wer neugierig geworden ist, lese einfach weiter.

In seinen Händen

(OT: Entre Seis mains)

von Marthe Blau (Pseudonym)

Goldmann 45704, 192 Seiten

Oktober 2004, 7.95 Euro

Aus dem Französischen von Gaby Wurster

Liebe ist dieses Feuerwort, das die Seele in Flammen versetzt, das die Ratio aus­schaltet und nur noch den Körper agieren lässt, wenn die Glut richtig lodert. Aber was geschieht, wenn sie falsch lodert? Kann sich das irgendwer vorstellen? Oder ist das wie mit einem luziden Traum… einem Traum, in dem man erwacht und weiß, dass man nur in einem Traum erwacht?

Elodie, eine dreißig Jahre junge, erfolgreiche Anwältin in Paris, glücklich verhei­ratet und Mutter eines kleinen Sohnes, kann sich das ebenso wenig vorstellen. Sie hat doch alles, was sie braucht, nicht wahr? Sie ist glücklich… bis sie ein Ver­hältnis mit einem attraktiven Kollegen beginnt.

Die Dinge entwickeln sich jedoch völlig anders, als Elodie sich das vorgestellt hat – er hat offensichtlich kein Interesse, mit ihr ins Bett zu gehen. Stattdessen fin­det sich die junge Anwältin rasch in einem Alptraum wieder, der um so schlim­mer wird, je länger er währt: Elodie wird erniedrigenden Fesselungen und De­mütigungen unterzogen, und je öfter ihr der geheime „Geliebte“ ins Ohr zischt, er werde sie dazu bringen, alles zu tun, was er verlange, desto mehr fühlt Elo­die, wie sie völlig die Kontrolle über sich verliert. Wie seine Worte wahr wer­den.

Binnen unbeschreiblich kurzer Zeit ist Elodie nicht mehr als seine Sklavin, abso­lut hörig nach ihm, und ohne zu verstehen, was passiert, realisiert sie schließ­lich, dass sie danach schluchzt, er möge sie doch schlagen, erniedrigen, alles mit ihr tun… wenn er nur mit ihr schlafen würde. Sie sehnt sich danach, ihrem Peiniger zu gehören.

Und der Leser beginnt bald bang zu ahnen, dass diese Geschichte im Entsetzen enden wird – vielleicht wirklich mit der Realisierung der Prophezeiung jener Wahrsagerin, die Elodie verstört sagt, ihr „Herr“ sei ein wahrer Teufel, und eines Tages werde eine Frau durch ihn umkommen…

So dünn dieses Buch auch scheinen mag… es ist als starker Tobak zu verstehen, mit Abstand wohl die heftigste erotische Geschichte, die mir je unterkam. Nichts, was man eben mal in wenigen Stunden lesen kann. Das beklemmende, obsessive Gefühl, dass die Autorin unter Pseudonym durchaus nicht fabuliert hat, jedenfalls nicht nur, sondern all dies selbst erlebt hat, ist dabei einfach überwältigend. Und das verleiht diesem Werk eine Art von morbidem Charme, der den Leser grundlegend verstört.

Die Kritiker vergleichen das Buch insgeheim mit Catherine Millets „Das sexuelle Leben der Catherine M.“, aber dieser Vergleich ist entschieden zu oberflächlich. Ich habe Millet gelesen und weiß den entscheidenden Unterschied. Während Millet mehr oder weniger eisig und gefühlskalt argumentiert, findet man bei Blau genau das Gegenteil: diesen abgründigen Strudel an ehrlichen Gefühlen, die, auch wenn sie definitiv krank sind, doch plausibel geschildert werden. Wenn Millet ein Eisschrank ist, ist Blau eher ein Brutschrank. Beides ist nicht ge­rade eine gesunde Umgebung. Allerdings bleibt der sexuell eher normal orien­tierte Leser nach der Lektüre verunsichert zurück, gleichsam desorientiert. Wie, so fragt er sich, kann sich Elodie danach SEHNEN, diesen Mann, ihren brutalen, despotischen Beherrscher, nicht zu verlieren? Ist das nicht vollkommen krank?

Ja und nein.

Das Verlangen, von jemandem dominiert zu werden, das Verlangen, absolute Hingebung zu spüren, steckt wahrscheinlich in fast jedem von uns, und die meisten Menschen können nur hilflos darauf hoffen, dass sie irgendwann ein­mal die eine Person kennen und lieben lernen, die diese Wünsche erfüllt. Doch wenn man als machtbesessener Mensch, sei es Frau oder Mann, genug von Psychologie versteht und selbst eine dominante Persönlichkeit ist, dann kann man dieses Wissen dazu verwenden, sich andere Personen untertan zu ma­chen, wie es hier mit Elodie passiert. Die Folgen sind meist schrecklich.

Elodie versteht nie richtig, warum er gerade sie gewählt hat, sie versteht ihn im Grunde genommen überhaupt nicht, weil sie in seiner Nähe überhaupt nicht mehr richtig zu denken vermag. Und gerade das ist das fatale Fluidum, das Elo­die in vollkommener Abhängigkeit hält, ein Fluidum, das bestürzend an den Rausch der Verliebtheit erinnert.

Nein, vielleicht ist die Geschichte erfunden, auch das mag sein. Aber wenn sie erfunden ist, dann würde ich sie für sehr gut gesponnen befinden. Und der Himmel alleine mag wissen, wie vielen Menschen unter ihrer Leserschaft Mar­the Blau mit diesen Erfahrungen aus dem Herzen gesprochen hat, wie viele ih­rer Leserinnen und Leser unter dem Tarnmantel der Normalität in Wahrheit ir­gend jemandes Sklave sind, auf diese Weise hörig nach einem einzigen Mann oder einer einzigen Frau. Das ist vielleicht die furchterregendste Quintessenz dieses Buches, dessen Lektüre wirklich starke Nerven verlangt.

© by Uwe Lammers, 2006

Nun, wieder aus der Schockstarre aufgewacht? Gut so. Ich habe euch ja ver­sprochen, dass dieser Blog ein wenig Wechselbadcharakter haben würde, und hier habt ihr das schon wieder erlebt. Das wird sich auch auf die weiteren Beiträge erstrecken, sowohl thematisch als auch längenmäßig.

Ihr seht jedoch ebenfalls, dass ich mein Wort halte – auf lange Beiträge folgen in der Regel angenehm kurze… was nichts über die Intensität des Inhalts aus­sagt, wie ihr gerade lernen konnte.

Was es nächste Woche an dieser Stelle zu entdecken gibt? Na, da gibt es zwei Möglichkeiten, wie ihr verfahren könnt: entweder schaut ihr einfach kommende Woche wieder rein… oder wenn ihr das nicht solange aushaltet, schaut euch auf Amazon AuthorCentral meine Autorenseite an, die ich regelmäßig mit Neu­igkeiten über meinen regulären Wochen-Blog wie auch über diesen Rezensions-Blog fülle. Dann könnt ihr ahnen, was kommt… aber was ich wirklich geschrie­ben habe, das seht ihr nur hier.

Wie gesagt – bis in einer Woche. Ich freue mich auf euer Interesse!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 114: Stoffwechselmetamorphosen

Posted Mai 10th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

unheimliche Dinge gehen vor sich… ihr werdet derselben Ansicht sein, wenn ihr derzeit die Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) regelmäßig verfolgt und miterlebt, was der armen yantihnischen Linguistin Vaniyaa da derzeit wi­derfährt.

Erinnern wir uns: Es ist Monate her, da erreichte das yantihnische Expeditions­schiff RHONSHAAR die so genannte „Bebengrenze“ und schickte ihr Beiboot RHON-2 unter dem Kommando des Draufgängers Yuuricor direkt ins Xoor’con-System, die Heimat der Tassaier. Ziel – herauszufinden, ob die Worte des Flücht­lings und Schiffbrüchigen Gwensh den Tatsachen entsprachen. Seinem Bericht zufolge wurde die Heimat der Tassaier von einer maschinellen Nemesis heimge­sucht, die Planeten verwüstete und ganze Monde verschlang.

Kurzum: die RHON-2-Mission bestätigte die schlimmsten Befürchtungen. Der ungeheuerliche „Sternenhammer“ der Tassaier war alles andere als eine Ausge­burt der Fieberphantasie, sondern blutige Realität. Schlimmer noch – er befand sich weiterhin vor Ort, und Yuuricor und seine anvertrauten Wissenschaftler überwanden ihre Furcht, um in sein Inneres vorzustoßen.

Hier trafen sie auf die zwergenhaften Shonta und wurden von Robotern der Troohns betäubt und in die so genannten „Sargkolonnen“ verschleppt. Der worst case war eingetreten.

Und dann, Monate später, die unglaubliche Wendung der Geschichte: ein Shon­ta findet, seinem unbegreiflichen Traum folgend, die yantihnische Linguistin Vaniyaa in den Sargkolonnen, seine Artgenossen befreien sie und machen sie in ihrem geheimen Abspalterhort zum „Heiligtum der Shonta“. So geschehen in Band 16 der Serie.

Vaniyaa überwindet einen Gutteil ihres Gedächtnisschwundes, macht aber, wie man in Annalen 4: „Heiligtum der Shonta“ nachlesen kann, eine Reihe von be­unruhigenden Entdeckungen.

Irgendwie hat sie sich grundlegend physiologisch verändert. Besonders auffal­lend ist etwa, dass ihre Regelblutung verschwunden ist, was sie sich nicht erklä­ren kann. Auch hat Vaniyaa das eigenartige Gefühl, ihre Haut fühle sich irgend­wie fester und straffer an als bisher. Ihre Haare verhalten sich auch deutlich an­ders als in der Erinnerung, und dann ist da diese höchst obskure Geschichte mit dem Schweiß.

Der Schweiß ist vielleicht das größte Problem von allen.

Natürlich ist Vaniyaa keine Biologin, aber soviel biochemisches Grundwissen be­sitzt sie durchaus, um zu begreifen, dass Schwitzen als Prozess mit dem Verlust von Flüssigkeit und Mineralsalzen einhergeht, die natürlich ersetzt werden müs­sen. Dass sie dennoch keinen übermäßigen Durst verspürt und keine Mangeler­scheinungen einsetzen, wie man sie bei konstant starkem Schwitzen langfristig verspüren müsste, ist kurios und rätselhaft.

Sehr viel schwerwiegender ist aber die Verbindung zwischen den Shonta und Vaniyaas Körpersekret. Zunächst ist der verstörten Forscherin nicht klar, warum die schwarzen Zwergenwesen sie hartnäckig mit dem Namen „Honighaut“ be­legt haben… bis sie begreift, dass ihr Schweiß offensichtlich für die Shonta ein vollständig anderes Aroma besitzt als für sie selbst.

Und er hat zudem unvorstellbare neue Wirkungen im Gefolge, die sie ganz zen­tral bei den Fruchtbarkeitsfesten der Shonta mitbekommt. Zum einen scheinen die schwarzen Zwerge von dem Genuss ihres Körperschweißes geradezu be­rauscht zu werden, als habe sich Vaniyaa selbst unvermittelt in eine Alkohol­quelle verwandelt. Was, man braucht es kaum zu betonen, stoffwechselphysio­logisch eigentlich unmöglich ist.

Zum anderen aber erlebt sie beim Fruchtbarkeitsfest auf haarsträubende Weise mit, dass bei Shonta, die Verletzungen erleiden, diese in ungeheuerlichem Tem­po abheilen. Auch dies, offensichtlich, eine direkte Konsequenz ihres eigenen Schweißes.

Wovon sie erst mit etwas Verspätung Kenntnis erhält, das ist die aphrodisische Wirkung ihres Sekrets auf die Libido der Zwerge.

Und nun ist es mit dem Verständnis völlig vorbei.

Verdammt noch mal, mag auch manch einer von euch denken, hier geht es nicht mehr mit rechten Dingen zu! Das kann doch alles gar nicht wahr sein! Was wird uns hier für ein Märchen erzählt?

Tja, Freunde, das fragt sich die arme Vaniyaa auch mit Recht, und sie hat keine plausible Antwort. Die fällt auch wirklich äußerst schwer, wenn man sich die Fakten ansieht und nach Gründen für diese offensichtliche Stoffwechselmeta­morphose sucht.

Es gibt im Grunde nur zwei gescheite Lösungen für die zu beobachtenden Fak­ten. Resümieren wir sie kurz:

Erstens könnte, da Vaniyaa zum Zeitpunkt ihrer Gefangennahme eigentlich eine ganz normale Yantihni gewesen ist, in Erwägung gezogen werden, dass die Troohns ihren Körper stoffwechselphysiologisch verändert haben. Ihrer Techno­logie – von ihrer Biotechnologie haben wir noch keine Kenntnis – wäre solch eine Verwandlung vielleicht zuzutrauen.

Hier stellte sich indes die Frage nach dem Grund einer solchen Verwandlung, nach dem Nutzen. Es ist keiner in Sicht? Das ist wahr. So, wie die Dinge liegen, hat Vaniyaa die Reise ins Terrorimperium – die dann von den Shonta außerplan­mäßig unterbrochen wurde – im Zustand der physischen Normalität angetre­ten.

Bleibt also die zweite Variante: Die Shonta sind für die Metamorphose verant­wortlich. Sie hätten durchaus einen Grund dafür, wenn man sieht, wie sie von Vaniyaas Verwandlung offenkundig profitieren.

Das Problem dieser Variante ist ein ganz anderes – wie sollen sie das geschafft haben? Denn jedermann, der die bisherigen Shonta-Bände gelesen hat (es kom­men ja noch einige mehr), wird sich am Kopf kratzen und sagen: „Hey, das sind doch quasi zivilisationslose Zwergenwesen, die als Low-Tech-Zivilisation in den metallenen Eingeweiden des MINEURS leben. Die haben keine Laboratorien, keine biochemischen Wissenschaften… wie sollen die denn so etwas hinbekom­men haben?“

Seht ihr, das bereitet auch Vaniyaa erkennbar Kopfzerbrechen.

Nichts passt hier wirklich zusammen.

Natürlich kristallisiert sich bald heraus, dass die Zungen von Shontafrauen über die Fähigkeit verfügen, die Heilung von Verletzungen enorm zu beschleunigen, insofern läge der Gedanke nahe, dass das, was die Linguistin als „Katzenwäsche“ der Shontafrauen kurz nach ihrer Befreiung aus der Schlafwabe erlebt hat, hiermit zu tun haben könnte… indes, es hört sich einfach zu absurd an.

Sich vorzustellen, dass die Zungen der Shontafrauen sozusagen „automatisch“ und ohne Intention etwas bewirken, wozu die yantihnische Biotechnologie nicht einmal heutzutage imstande ist, nämlich die physiologische Umprogram­mierung eines gesamten intelligenten Organismus in etwas vollkommen ande­res… also, das ist haarsträubend und absurd.

Oder?

Oder gibt es hier einen Faktor in der Gleichung, der sich gewissermaßen un­sichtbar mit eingeschlichen hat?

Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an den Beginn von Annalen 4. Irgendjemand hat dort mit Vaniyaa gesprochen, nicht wahr? Irgendetwas ist da geschehen… doch was nur?

Und wenn Vaniyaa Teil eines weiter gespannten Planes ist – was mag das Ziel sein? Wohin führt das alles noch? Und wird sie Aufklärung darüber erhalten?

Ich denke, meine Freunde, es ist gut, solche Gedanken im Hinterkopf zu behal­ten. Haltet die Augen offen und lest die Episoden genau… hier schlummert noch ein Mysterium von einiger Bedeutung.

Soviel für heute an ergänzenden Gedanken zu diesem Komplex. Nächste Woche an dieser Stelle landet ihr im Jahre 2005 und verfolgt weiter die historische Ge­nese des OSM. Nicht verpassen!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.