Wochen-Blog 133: Der OSM im Bild, Teil 9

Posted September 20th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

nach wie vor stecken wir, auch nach ein paar Monaten in dieser Subreihe von Artikeln meines Blogs, in der prächtigen Bilderwelt fest, die mein heutiger Grafikdesigner Lars Vollbrecht – anno 1987/88 noch als reiner Fan, aber grafisch schon außerordentlich talentiert – zu der begonnenen Fan-Veröffentlichung des KONFLIKTS 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC) beisteuerte. Ich er­zählte ja schon, er hat eine ganze Menge phänomenaler Cover geschaffen.

Vor sieben Wochen, in Wochen-Blog 126, war ich bis Band 18 der Serie inklusi­ve gekommen. Den nächsten Band, den er mit einem Titelbild versah, war FdC 19: „Todesmission TOTAM“. Zu erkennen ist hier ein großformatiger sechsecki­ger Bildschirm, der hervorragend zu den insektoiden Cranyaa passt, die ja das Hauptvolk der Serie stellen. Vor einem Sternenhintergrund ist eine recht freie Interpretation eines Dämons von TOTAM zu erkennen.

Durch zahlreiche Schwarzweiß-Strichflächen wird ein faszinierender Schraffuref­fekt hervorgerufen, der aber mit wirklicher Schraffur nichts zu tun hat. Am un­teren Bildrand erkennt man links den Schriftzug „LaVo’87“ vor einem geneigten Schaltpult, in dem man abwechslungsreiche Bildschirmfelder sehen kann. Eines davon zeigt eine Mondoberfläche, wie man sie etwa von Luna-Missionen des Apollo-Programms kennt.

Links im Bild steht ein Cranyaa, der abwehrend seine vier Arme ausstreckt und das eindringende Böse abwehren möchte. Leicht misslungen ist hier einer der rechten Arme, der eindeutig disproportional zu lang ausgefallen ist. Ansonsten ist der Cranyaa gut getroffen.

In der Episode selbst geht es um die Landung eines Cranyaa-Kreuzers auf der gerade frisch materialisierten schwarzen Kristallwelt TOTAM – mit der Folge, dass die gesamte Besatzung in Untote verwandelt wird.

Hm, die gesamte Besatzung?

Nein, einer von ihnen entkommt tatsächlich – und etwas wundersam entpuppt er sich in der nächsten Episode dann als Helfer des Lichts, ein Cranyaa namens Ureg-Ni.

Das Cover von Band 20 mit dem Titel „Der dritte Dämon“ ist ganz unzweideutig an meine eigene Covervorlage aus dem Jahre 1984 angelehnt. Man sieht hier einen Hohlraum im Innern eines Kristallberges, in dessen Zentrum ein schwar­zer Energieball schwebt, der via Energiestrahlen mit den kristallenen Wänden verbunden ist.

Dieser schwarze Energieball ist die ursprüngliche und eigentliche Existenzform eines Dämons von TOTAM. Es handelt sich hierbei um den Dämon Awurkk, der hier erstmals in Erscheinung tritt und von TOTAM aufgeweckt wird, um als drit­ter von 32 Dämonen von TOTAM in den KONFLIKT einzugreifen.

Faszinierend finde ich an dieser Darstellung von Lars, dass er auf ganz knappe, minimalistische Strukturen gesetzt hat. Die Kristallflächen sind zur Hälfte ganz weiß belassen worden, zur anderen Seite hin schwarz schraffiert, und nach in­nen zum Zentrum des Blickfeldes, d. h. zu der Energiekugel hin, wird die Stift­führung immer energischer, was schöne Kontraste ergibt. Da ich sowieso ein Fan der klaren Linienführung des ligne claire-Stils etwa im Sinne von E. P. Jacobs bin (Blake und Mortimer), fand diese Form meine volle Zustimmung. Dieses Bild hat Lars mit seinem damaligen Pseudonym „DeLoup“ unterzeichnet, wohl auch, um sich strukturell von dem vorherigen Bild abzugrenzen.

Der Abschlussband der TOTAM-Trilogie, Bd. 21 mit dem Titel „Dämonische Plä­ne“ ist noch etwas ganz Besonderes. Als ich eben dieses Cover aus der Klar­sichthülle nahm, in der es seit über zwanzig Jahren steckt, entdeckte ich zu mei­ner Verblüffung, dass ich das Bild in zwei Varianten besitze. Ich sollte euch bei­de Varianten schildern und meine Hypothese, warum es zwei davon gibt. Zu­nächst kurz zum Inhalt der Episode, damit ihr den Kontext herstellen könnt:

Wie erinnerlich ist in Band 19 das Cranyaa-Schiff HUHLEG auf TOTAM gelandet, seine Besatzung wurde von den Dämonen von TOTAM überwältigt und in Unto­te verwandelt – mit Ausnahme von Ureg-Ni, der es mit Hilfe seiner Fähigkeiten als Helfer des Lichts schaffte, sich abzusetzen.

In diesem Band findet er den Weg zum legendären Kraftzentrum TOTAMS, dem TURM. Im hoch gelegenen Bibliothekszimmer direkt unter dem Dach existiert das so genannte BUCH. 1984 war mir durchaus noch nicht restlos klar, und des­halb funktioniert diese Episode auch in der niedergeschriebenen Form nicht mehr, dass das BUCH nicht nur ein wurmstichiger Foliant ist, sondern eine auto­nome, sehr mächtige magisch-psionische Wesenheit mit intrigantem Charakter. An einem Faktum kann allerdings kein Zweifel bestehen: Wer das BUCH im TURM vernichtet, der löst die Bindung von TOTAMS Kristallkörper auf und sorgt dafür, dass der Planet des Bösen explosionsartig zerbirst.

Man könnte jetzt glauben: Das wäre es dann also gewesen, Ende gut, alles gut… aber das ist kurzsichtig. TOTAM hält sich nicht an die Spielregeln. Der Planet zer­platzt dann zwar, aber der zu diesem Zeitpunkt völlig unbegreifliche Magnet-Ef­fekt sorgt anschließend binnen kürzester Zeit dafür, dass sich sowohl der Planet als auch das BUCH regenerieren. Alles, was Jemand, der das BUCH zerstört, also erreicht, ist eine Verzögerung bei der Etablierung von TOTAMS Macht.

Dennoch hat Ureg-Ni, der darüber natürlich im Bilde ist, genau dieses Ziel. Er dringt in den TURM ein mit dem Plan, das BUCH zu zerstören. Zu dumm nur, dass eine Mumie das BUCH bewacht und gegen ihn kämpft – das ist ein Wesen, das sich als „Oltrav“ bezeichnet.

Oltrav ist eine eigentümliche Kreatur, die ihrerseits die Vernichtung sucht… doch als Ureg-Ni sie besiegt, zerbirst der Mumienleib und das darin gefangene Wesen, ein Ungetüm namens Soffrol (von dem werdet ihr im OSM noch deut­lich mehr hören, das kann ich euch versprechen), wird freigesetzt und kann TO­TAM nun verlassen. Das klappt umso besser, als Ureg-Ni seinen restlichen Plan realisieren und das BUCH zerstören kann. Dann gelingt ihm mit seinen Parafä­higkeiten eine (äußerst unrealistische) Flucht vom zerberstenden Dämonenpla­neten.

So, und nun kommen wir zu den beiden Bildern: vermeintlich als Coproduktion von „DeLoup & LaVo’88“ realisiert (was klar zeigt, dass Lars damals DeLoup als ein alter Ego etablieren wollte), sieht man in der helleren Version 1 rechts im Vordergrund den schwarzen Kristallständer, auf dem das BUCH aufgeschlagen liegt, aus dem schon Flammen züngeln. Darüber ist deutlich mit zwei weiten Bögen und gekrümmten Linien, die auf einen Punkt links oberhalb des Bildes hindeuten, zu erkennen, dass der Raum (zutreffend) eine kuppelartige Decke besitzt.

Links des Ständers stürmt eine teilweise skelettierte Gestalt menschlichen Ur­sprungs auf das BUCH zu in dem klaren Versuch, es vor der Vernichtung zu ret­ten – einwandfrei Oltrav. Direkt hinter ihm, und da wird es interessant, sieht man in Variante 1 zwei hohe Spitzbogenfenster, durch die man hellen Hinter­grund und einen Vogelschwarm (!) erkennen kann.

Dies musste ich leider monieren, und so entstand wohl die zweite Version, die dunklere, die ich bislang für die einzige hielt. Der Grund liegt für die Leser, die schon das E-Book „In der Hölle“ gelesen haben, wo sie TOTAM ja selbst besu­chen können (wenn auch, zugegeben, rund 60 Milliarden Jahre früher als Ureg-Ni), klar auf der Hand: auf TOTAM gibt es keine Vögel.

So schön dieses Element also auch war, so sehr musste ich doch Lars dazu be­wegen, die Vögel aus dem Bild zu entfernen. Schade, aber nicht zu ändern. In­folgedessen schwärzte er also den Inhalt der Fensterbögen weitgehend und ließ die possierlichen Tierchen verschwinden.

Ansonsten fällt eine sehr schöne Mischung der Schraffuren auf. Z. T. sind sie so ausgearbeitet wie bei Band 18 „Kleines´ schwarzes Gefängnis“, zum Teil dann aber auch so wie auf dem Titelbild von Bd. 20 „Der dritte Dämon“. Das passt schön zu der Inszenierung einer „Coproduktion“ zweier Künstler bei der Schaf­fung eines Bildes.

Ich glaube, damit sollte ich wieder erst mal pausieren. In der kommenden Wo­che erzähle ich euch dann, wie das Schreibbild des Oki Stanwer Mythos sich im Monat Juni 2015 entwickelt hat.

Nicht verpassen, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

wie schon in der letzten Woche angedeutet, nehme ich euch heute mit in die Gegenwart zur aktuellen Literatur, die man noch immer im Buchhandel vorfin­den kann, und es ist zudem ein Werk, das man einfach nur köstlich genießen kann und in dem es unendlich viel zu lachen gibt. Wer immer die Verfilmung ge­sehen hat und anschließend das Buch las – wie es mir erging – , der hatte wo­möglich noch mehr Vergnügen als diejenigen, die umgekehrt vorgingen.

Lasst euch also entführen in den hohen Norden und in eine abenteuerliche Le­bensgeschichte eines Mannes namens Allan Karlsson. Und wer ihn noch nicht kennen gelernt haben sollte – holt das nach, Freunde!

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg

und verschwand

(OT: Hundraåringen som klev und genom föstret och försvann)

Von Jonas Jonasson

btb 74492

München 2009, 7. Auflage 2013

434 Seiten, TB

ISBN 978-3-442-74492-3

Man glaubt gar nicht, wie viel Gelächter man auf dieses Buch verwenden muss, um es zu überleben. Aber es ist tatsächlich die reine, lautere Wahrheit, dass man bei der Lektüre dieser Seiten ernstlich selbst Todesfälle im nahen persönli­chen Umfeld völlig vergisst – der Rezensent hat das in den letzten Tagen selbst alles mitgemacht und weiß bestens Bescheid. Und da er der Auffassung ist, dass man gute Bücher bekannter machen sollte, konnte dieses hier wahrhaftig nicht ausgespart bleiben. Es gab in dieser ganzen Angelegenheit nur einen einzigen Wermutstropfen: Das Vergnügen war so schnell vorbei (8 wirklich langsame Le­setage – langsam, um das Vergnügen zu strecken!). Alle Bücher haben ein Ende, und die guten sind seltsamerweise noch viel schneller ausgelesen als die schlechten, ganz gleich, wie umfangreich sie sind. Und man hätte doch gern noch mehr von Allan Karlsson und seinem Amoklauf-Gefolge gelesen, von optimierten Bibeln, betrunkenen Physikern, dem jungen Kim Jong-Il, Mao Tse-tungs Verlobter, dem Chefmörder des iranischen Geheimdienstes, Amanda Einstein und ihrem ebenso zerstreuten Ehemann Herbert Einstein (und schweigen wir davon, dass Glenn Miller laut Allan Karlsson ein Nazi gewesen sein soll, weswegen er, Allan, Miller ja auch umbringen musste) und vielem anderen mehr…

Wie, ich bin zu schnell? Na schön, dann fange ich noch einmal an.

Die Geschichte, wie ich zu diesem Buch kam, das ist vielleicht gescheiter, ist ein wenig gewunden. Und, um der Wahrheit die Ehre zu geben, kam ich zunächst in den Genuss der Verfilmung des „Weltbestsellers“ aus Schweden, wie das Buch ja auch tituliert wird (und ich meine, wenn ein Buch binnen von vier Jahren 7 Taschenbuchauflagen und wer weiß, wie viele Hardcoverauflagen erlebt, dann trägt es den Titel wohl mit Recht… und vom Inhalt her sowieso). Im Februar 2014 sah ich einen Trailer zu der Verfilmung im Kino und dachte mir: Ja, das schaut nach einem lustigen Film aus. Den sollte man sich antun.

Da ich aber bekanntlich derzeit nicht sonderlich gut bei Kasse bin, wartete ich, bis das Werk im Schunterkino gebracht wurde und ging im November 2014 mit meinem besten Freund Mario hinein… um es kurz zu machen: wir lachten Trä­nen. Der Film war so köstlich grotesk, dass ich danach klipp und klar sagte: Den Roman muss ich beizeiten auch mal lesen. Denn man kennt das von den meis­ten Literaturverfilmungen – die sind zumeist nur dünne Instantversionen des­sen, was in den Büchern steht.

Das traf auf dieses Buch, das ich dann im Januar 2015 geschenkt bekam, wirk­lich buchstäblich zu. Ich konnte mich gerade mal einen Tag lang zurückhalten, nachdem es auf meinem Tisch gelandet war, ehe ich zu schmökern anfing… und zu kichern. Und mehr zu kichern. Und manchmal lauthals zu lachen. Anfangs stimmte es noch relativ gut mit der Verfilmung überein, aber das änderte sich rasch, und in der zweiten Hälfte kamen soviel kuriose Neuigkeiten hinzu, die im Film ganz und gar fehlen oder nur höchst kursorisch erwähnt werden, dass mei­ne obige Einschätzung immer mehr Nahrung erhielt: das Buch IST noch deutlich besser als der Film, und wer den Film bereits geliebt hat, wird sich beim Buch halbtot lachen. Versprochen, Freunde. Wer nur ein bisschen Ahnung von Zeitgeschichte hat, der kommt aus dem Staunen und Lachen nicht mehr heraus.

Und dabei hat alles so harmlos angefangen…

Allan Karlsson, Jahrgang 1905, sitzt in einem Altersheim im schwedischen Malmköping, weil er in dem Bemühen, jenen Fuchs umzubringen, der seinen Kater auf dem Gewissen hat, kurzerhand seinen Hühnerstall und sein eigenes Wohnhäuschen mit Dynamit in die Luft gesprengt hat. Das sorgt schon für die ersten Lacher (im Buch erfährt man davon erst ganz zum Schluss). Nun, Allan, rüstig und recht klar im Kopf, hat jedenfalls nun, wo sein 100. Geburtstag an­steht und das ganze Altersheim ihn feiern will, keine Lust, mitzumachen. Kurzer­hand steigt er in seinen Pantoffeln und etwas Geld in der Brieftasche aus dem Fenster und sucht das Weite.

Ulkig, aber viel mehr auch nicht… tja, aber der Leser ahnt noch nicht, dass Allan Karlsson alles andere als ein normaler 100jähriger Greis ist. Aber das kommt schnell zum Vorschein. Er hat nämlich beschlossen, kurzerhand noch etwas von der Welt zu sehen, hat aber keinen Plan, was genau. Am nächsten Busbahnhof kauft er sich gleichwohl eine Buskarte nach Byringe. Der erste Zufall will es, dass er im Busbahnhof auch auf Bengt „Bolzen“ Bylund von der Motorradgang „Ne­ver Again“ stößt (was es mit der Namensfindung auf sich hat, verrate ich nicht, aber das ist ein weiterer Grund der Erheiterung). Der nötigt Allan, auf seinen voluminösen Koffer aufzupassen, derweil er die Toilette benutzt. Zwischenzeit­lich fährt der Bus vor, und Allan Karlsson nimmt den Koffer mit auf Reisen.

Bolzens Kommentar, als er das mitbekommt, lässt nichts Gutes ahnen: „Du bist so gut wie tot, du alter Wichser. Ich muss dich bloß finden…“

Derweil wird Allan natürlich im Altersheim vermisst, und Kommissar Aronsson eingeschaltet, zusammen mit Staatsanwalt Conny Ranelid. Zunächst geht man von einer Verirrung des alten Mannes aus, bald darauf von einer Entführung. Die Vermutungen werden noch weit kurioser und führen schließlich nahezu zur medialen Hysterie.

Allan kommt in Byringe an und stößt hier auf einen weiteren älteren Herrn, Juli­us Jonsson, mit dem er sich schnell anfreundet. Und dann kommt „Bolzen“ hin­zu… tja, und ehe man sich versieht, ist der Rocker Gefrierfleisch und ziemlich tot, und in dem Koffer verbergen sich nicht weniger als fünfzig Millionen Kro­nen. Da Julius nun aber selbst als notorischer Dieb mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist, entscheiden sich die beiden alten Herrn, das Geld durch 2 zu tei­len und einfach weiter zu verreisen, derzeit noch ohne Ziel.

Auf dem weiteren Weg stoßen sie auf den Langzeitstudenten Benny Ljungberg, den sie samt Auto als Chauffeur anheuern und dann zum Mitverschwörer ma­chen, bald danach treffen sie die „Schöne Frau“ Gunilla Björklund und ihre Ele­fantendame Sonja, derweil Kommissar Aronsson zunehmend verwirrt den un­klaren Spuren nachgeht. Und dann sind da natürlich noch die beiden weiteren Mitglieder von „Never Again“, die verdammt noch mal gern das Geld der Rus­sen zurückhaben wollen. Einem von ihnen, Henrik „Humpen“ Hultén, gelingt es auch tatsächlich, den Hundertjährigen und das Geld ausfindig zu machen… was ihm aber nicht zum Vorteil gereicht. Bleibt am Schluss noch Per-Gunnar Gerdin alias „Piranha“ alias „der Chef“, der natürlich auch das Geld zurückbekommen will und ebenfalls ein… sagen wir… schmerzhaftes Missgeschick erleidet, das ihn deutlich abkühlt.

Binnen weniger Wochen jedenfalls kommt es dann dazu, dass im Buch stehen kann, wie Julius in Begleitung zum Einkaufen fährt und zu lesen ist: „Dort sahen sie auch die neuesten Schlagzeilen über den Hundertjährigen und sein Gefolge, die anscheinend in einem einzigen Amoklauf durchs Land zogen…“

Also, man sieht, an dem Hundertjährigen ist deutlich mehr dran, als man glaubt. Und das ist tatsächlich so. Denn in flankierenden Kapiteln wird dann bis­weilen sehr amüsant Allans Leben resümiert, von 1905 bis 2005. Und da kommt dann beispielsweise die Russische Revolution zum Vorschein, Allans notorische Neigung (und Befähigung), Dinge in die Luft zu sprengen (am Anfang noch klei­ne Sachen wie Automobile samt Besitzern, später gern auch Brücken, etwa im Spanischen Bürgerkrieg), oder auch die urige Anekdote, wie er in den USA 1939 strandet und hier als Kellner beim Manhattan-Projekt Oppenheimer auf die Idee bringt, wie das mit der Atombombe doch noch klappen könnte. Ganz zu schweigen von der folgenreichen Tequila-Zecherei mit Vizepräsident Harry S. Truman.

Truman wiederum beauftragt nämlich Allan Karlsson, nun in seinem Auftrag nach China zu gehen und das zu tun, was er am besten kann: Brücken sprengen, diesmal, um die Kommunisten aufzuhalten. Dass das schließlich dazu führt, dass Allan sich entschließt, doch lieber über den Himalaya heim nach Schweden zu wandern und zwischendrin Freundschaft mit Mao schließt, das gehört zu den Details, die im Film untergehen. Von dem Zwischenspiel in Teheran und dem Auftrag, Churchill dort zu ermorden, ist dann schon gar keine Rede mehr, auch nicht von den erschossenen Kommunisten.

Er kommt auch nicht wirklich zur Ruhe, als er schließlich tatsächlich in die Hei­mat kommt, denn ehe er sich versieht, wird er von einem russischen Physiker „gekauft“ und via U-Boot in die stalinistische UdSSR verschleppt, wo er auf Al­bert Einsteins reichlich trotteligen und todessüchtigen (und ebenfalls vom KGB entführten) Bruder Herbert Einstein stößt… und dann war da noch die Sache mit den Panzerfäusten in Wladiwostok, mit dem nicht minder trotteligen russi­schen Militär, mit dem Exil in der Sonne auf Bali…

Ach, man kann eigentlich gar nicht genau sagen, was man in solch einer Rezen­sion noch erwähnen und was man weglassen darf, weil so vieles passiert, das zu unendlichem Amüsement Anlass bietet. Situationskomik gibt es en masse, tro­ckene Bemerkungen, etwa über das Essen und die schön festen Frühstückseier, während ein paar Zeilen zuvor ein Todesfall diskutiert wurde, gleichfalls. Da werden Spione entlarvt, Dolmetscher fallen in Ohnmacht, Diktatoren werden vom Schlaganfall dahingerafft, Agenten und Kommissare übertölpelt, Staatsan­wälte aufs Glatteis geführt… und nebenbei bekommen die christlichen Kirchen, Fundamentalisten, Geheimagenten und jede Menge bekannter zeithistorischer Personen ihr Fett weg. Dass vieles aus der hinteren Hälfte des Buches unver­filmbar blieb, wird bei der Lektüre einwandfrei klar. Da weicht der Film stark vom Buch ab… aber ich sage euch, Freunde, Jonassons Buch werdet ihr lange in Erinnerung behalten. Und nicht vergessen: erst den Film sehen und DANN das Buch lesen, das macht deutlich mehr Laune als umgekehrt.

Beides ist sehr zu empfehlen. Danach hat man soviel gelacht, da braucht man für die nächsten Jahre keine Frischzellenkur mehr, vertraut meinem Urteil!

© by Uwe Lammers, 2015

Nein, ich glaube, viel mehr muss ich zu diesem Romanabenteuer und Lesever­gnügen wirklich nicht sagen. Knabbert euch durch, ihr werdet es genießen, da­von bin ich überzeugt.

In der kommenden Woche machen wir Bekanntschaft mit einem weiteren „Hel­den“ meiner literarischen Leidenschaften, einem Archäologen und Abenteurer, der auf den Namen Henry Jones junior getauft wurde. Freunde nennen ihn „In­diana Jones“.

Nicht verpassen!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde meiner E-Books,

heute folgt nach „In der Hölle“, das ich 2014 für euch hier auf www.beam-ebooks.de zugänglich machte, endlich der zweite Band der losen Romanreihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“. Wie schon bei der Ersterscheinung anno 2014 wiederhole ich, dass es nicht zwingend notwendig ist, für die „Annalen“-Bände auch die Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) zu lesen, da diese in einem anderen Universum spielen.

Von „In der Hölle“ trennt den vorliegenden Roman ein zeitlicher Abgrund von nicht weniger als rund 75 Milliarden Handlungsjahren. Befanden wir uns dort in KONFLIKT 4 des Oki Stanwer Mythos, so verschlägt es euch heuer in den KONFLIKT 19… und auf vergleichsweise vertrauten Boden: ins heimische sola­re Sonnensystem. Ja, es geht um echte Menschen der Spezies homo sapiens, im Besonderen um einen jungen irischen Auswanderer namens Ian Perry.

Um die Mitte des 21. Jahrhunderts hat die Menschheit das Sonnensystem er­schlossen und Kolonien auf Mars und Venus errichtet. Besonderen Reiz übt die höllische Venus auf Auswanderer aus – denn hier existiert das „Tor der Ewigen Seligkeit“, eine rätselhafte Alien-Hinterlassenschaft, die ein Einwegportal in un­bekannte Räume darstellt. Niemand, der das Tor durchquert hat, ist jemals zu­rückgekehrt.

Ian Perry, der hinter sich verbrannte Erde im moralischen Sinne hinterlässt, springt dennoch hindurch… und landet auf einer fremden Welt jenseits der Vor­stellung. Ein scheinbar verlassener Planet voller Rätsel und Gefahren… und ihr könnt an seinen Erlebnissen teilhaben, wenn ihr euch dieses E-Book besorgt. Es wird ein paar interessante Aha-Effekte für euch geben, davon bin ich fest über­zeugt.

Das E-Book „Ian und der Stein der Götter“ ist ab heute bei www.beam-ebooks.de im EPUB- und MOBI-Format zum Preis von 2,99 Euro erhältlich.

Viel Lesespaß wünscht euch, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

fünf Wochen ist es her, dass ich euch im Frühjahr 2006 zurückließ mit der An­deutung, dass ich bald darauf die Hohlwelt Hyoronghilaar entdeckte und somit den Schauplatz einer völlig neuen OSM-Serie. Darauf möchte ich heute gern ein wenig ausführlicher eingehen, weil sich das einfach anbietet… und wer weiß, wie lange es wohl dauert, bis ihr von der „Blume im Kristall“, von der Helferin des Lichts namens Theamin, den Hellen Orakeln und all den anderen Seltsam­keiten wieder zu hören bekommt… die Serie steckt ja noch in den Kinderschu­hen.

Bis heute ist einigermaßen unklar, wie es dazu kam, dass mich diese Welt gera­dewegs anfiel… normalerweise passiert so etwas dann, wenn ich eine Serie des Oki Stanwer Mythos abgeschlossen habe und, chemisch gesprochen, „freie Va­lenzen“ existieren, die nun für neue Verbindungen zur Verfügung stehen, d. h. für neue kreative Tätigkeitsfelder. Ich habe aber, wiewohl genau dieses Ab­schließen eines KONFLIKTS nicht der Fall war – der letzte abgeschlossene KONFLIKT war die Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ 1998 – , schon eine Vermutung.

Ich steckte zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Vollendung des so genannten vier­ten Teils des BUCHES „DER CLOGGATH-KONFLIKT“, an dem ich nach wie vor sporadisch schreibe. Dies ist, wie eifrige Blogleser natürlich wissen, meine Überarbeitung des KONFLIKTS 13 „Oki Stanwer Horror“ (OSH) in Ro­manform. Dieser vierte Teil endete nun mit dem fulminanten Verwüstungskapi­tel 36 mit dem Titel „Whitmore“. Die letzten Zeilen schrieb ich am 30. April 2006, exakt eine Woche nach der Niederschrift der ersten Episode der neuen OSM-Serie „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“ (HdH), „Die Blume im Kris­tall“.

Es scheint mir darum plausibel, dass ich in Gedanken dieses Kapitel des Buches schon fertig hatte und so „freie Valenzen“ kreativer Art zur Verfügung standen, die vagabundierten und sich einen neuen Tätigkeitsbereich suchten – sehr zu meiner Überraschung, wie ihr euch denken könnt.

Ich befand mich gerade zu Fuß auf dem Weg durch die Innenstadt, als mich zahlreiche Namen und Begriffe geradezu anfielen: „Hyoronghilaar“ einerseits, „Theamin“ andererseits, „Shoreikhen“, „Helle Orakel“, Kristallminen, bizarre Formen der Kartografie… ich nahm mir das erste beste, was ich in die Finger be­kam und schrieb mit Bleistift ein paar hastige Notizen nieder, ehe ich mich flugs auf den Heimweg machte, um an gescheites Schreibgerät zu gelangen.

Weitere Namen prasselten auf mich ein: Meister Ghoresslau, Kristallschoten, Fischschuppengewand, Shallakhon…

Du lieber Himmel, dachte ich, hört das überhaupt noch mal wieder auf?

Hörte es… aber ich war den Tag über dann damit beschäftigt, die erste Episode des KONFLIKTS 7 niederzuschreiben, dreizehn einzeilige Seiten lang. Die ei­gentümliche Geschichte des teilreptiloiden Shoreikhen Serzechal, der im Dienst des Salviden Meister Ghoresslau unterwegs ist im Oberen Krustenbett von Hyo­ronghilaar. Ihre Aufgabe: Kristallminen zu kartieren und Mineralproben zu neh­men. Während der unter Heimweh und vagem Liebeskummer leidende junge Shoreikhe dieser Aufgabe nachkommt, erscheint ihm auf einmal seine ferne Freundin und lockt ihn an einen recht gefährlichen Ort, wo Serzechal im Innern einer faszinierenden Kristallschote eine schlafende Schönheit mit kupferfarbe­nen Lockenhaaren findet, die er auf ihren Traum-Befehl hin befreit.

Eine Helferin des Lichts namens Theamin. Damit beginnt der KONFLIKT 7, und er sieht schon von Anfang an ziemlich entgleist aus.

Die Spezies der Baumeister hat die Hohlwelt erschaffen und mit einer sehr kom­plexen Infrastruktur versehen, um ein paar grässliche Fehler der Vergangenheit ein für allemal zu vermeiden. So soll eine starke Panzerung von Goldkristall, die die Außenseite der Hohlwelt umgibt, dafür sorgen, dass die grausigen Schergen TOTAMS, die seit KONFLIKT 4 – „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) – bekannt sind, die Totenköpfe, hierhin keinen Zutritt finden.

Das ist aber gar nicht das Hauptproblem, wie Theamin rasch entdecken muss: Hyoronghilaar ist nach ihren Informationen teilgenormt worden, d. h. eine Welt, in der die Alterung von Materialien deutlich langsamer abläuft als im Rest des Universums. Doch das scheint eine veraltete Information zu sein. Schlimmer noch: die wichtigsten Institutionen dieser Welt, die Hellen Orakel, über die die Kämpfer des Lichts um Oki Stanwer die Kontrolle über Hyoronghilaar behalten sollen, scheinen samt und sonders außer Funktion zu sein.

Noch schlimmer: moderne Transportmittel sind von den Bewohnern Hyoronghilaars, die offensichtlich in der Mehrheit in eine Art feudaler Entwicklungsstu­fe zurückgefallen sind, demontiert worden. Von Schwebebahnen stehen bei­spielsweise nur noch die stark erodierten Gussbetonpfeiler in der Landschaft, manchmal sind aber nicht mal die mehr vorhanden.

Und es haben sich archaische Strukturen etabliert, eine Art von völkischem Standessystem mit extrem undurchlässigen Grenzen und ausgeprägtem Territori­albewusstsein… Theamin sieht sich jeder Menge Schwierigkeiten gegenüber.

Mein nächstes Problem bestand darin, mir klar zu machen, wie um alles in der Welt ich wohl eine KARTE einer Hohlwelt anfertigen sollte! Ich habe bis heute keine wirkliche Vorstellung davon, und das behindert meine Arbeit an dieser Se­rie bedauernswert stark. Während die nur zwei Jahre früher gestartete Serie des KONFLIKTS 4 inzwischen auf 28 Episoden zurückblicken kann, gibt es von HdH gerade mal drei Episoden.

Nicht glorreich, sagt ihr, und habt Recht. Aber, halte ich dem entgegen, zumin­dest ist ein Anfang gemacht! Das war mir durchaus wichtig.

Im Mai ging es dann weiter in einem sehr fernen KONFLIKT, nämlich mit der Geschichte „Mein Freund, der Totenkopf“ (heute fertig, damals noch als Story einsortiert), die bekanntlich in KONFLIKT 25 in der Galaxis Beltracor spielt.

Am 8. Mai entwickelte ich einen ersten Hintergrundtext für KONFLIKT 7, näm­lich „Eine Welt namens Hyoronghilaar“, um die vagabundierenden Gedanken um diese neue Welt zu strukturieren.

Danach schwankte ich dann allerdings zwischen Comicrezensionen und dem Ar­chipel hin und her… und stürzte in KONFLIKT 2 ab, genau, in die Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI), wo ich inzwischen Band 39 erreicht hat­te, „Die Reise in den Alptraum“.

Als direkte Verbindung dazu wucherte außerdem die vermeintliche Story „Ver­derben auf Tuwihry“ (inzwischen auch ein fertig gestellter OSM-Roman, der in KONFLIKT 2 spielt und den ich in absehbarer Zeit als Annalen-Band veröf­fentlichen werde, sobald eben die TI-Handlung die Bände 39/40 erreicht hat. Das ist, wie ihr euch denken könnt, noch ein Weilchen in der Zukunft).

Ehe ich mich besinnen konnte, fiel mich die nächste Geschichte an, wieder aus KONFLIKT 2, diesmal eine Shonta-Story, nämlich „Schluchtenkenners Ent­deckung“. Diesen Namen dürftet ihr als Leser aus den Shonta-Episoden um die Linguistin Vaniyaa kennen. Und diese vermeintliche „Story“ entwickelte sich gleichfalls zu einem inzwischen beendeten Roman.

Ebenfalls noch im Mai 2006 kümmerte ich mich darum, das längst inhaltlich veraltete OSM-Kompendium „Die Tiefen des inneren Universums“ zu aktuali­sieren (26. Mai). Das war dringend notwendig… und heute wäre es zweifelsohne schon wieder längst an der Zeit. Ich weise diesbezüglich aber mal lieber auf den Blogartikel 100 hin, der heute diese Funktion bis auf weiteres erfüllt.

Habe ich noch Raum, um auf den Monat Juni 2006 einzugehen…? Ja, ich denke schon. Beeilen wir uns einfach.

Den Beginn des Monats machte TI 40: „Schergen des Terrorimperiums“, wo man Troohns in Aktion erlebt, dann schrieb ich mehrere kommentierte Abschrif­ten von den Episoden 12-14 aus KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“ (1983-1986), ehe ich etwas überraschend und sehr kurz in KONFLIKT 4 landete, wo ich mit IR 8 „Das Tal der Fremden“ eine verwirrende und sehr unschöne Kon­taktgeschichte zwischen einem Kleini-Wissenschaftler der INSEL und… anderen Bewohnern der Zentralwelt niederschrieb. Diese anderen, im Geheimen leben­den Wesen entstammten einem Volk, das Yantihni genannt wurde und das es seit rund zehn Milliarden Jahren nicht mehr gab…

Ja, wer da jetzt „Matrixfehler?“ murmelt, liegt vollkommen richtig. Aber be­denkt bitte, Freunde, dass das Rätsel der Matrixfehler zu diesem Zeitpunkt noch vollkommen dunkel ist.

Der nächste Ort, an dem ich mich aufhalten MUSSTE, weil es unaufhaltsam war und mich der Bilderstrom durch die Universen geradewegs dorthin sandte, war die Kristallwelt im direkten Umfeld TOTAMS. Und das heißt, es ging direkt hin in den verstörenden KONFLIKT 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ (DSj), in dem ich jüngst schon ein paar höchst verwirrende Monate verbracht hatte. Ich habe davon erzählt.

Hier ging Monica Bascias Odyssee weiter. Sie verfolgte noch immer das Ziel, die so genannte „Zentraleinheit“ der MASKEN zu zerstören, ohne a) zu begrei­fen, was diese Zentraleinheit eigentlich war und b) auch nur entfernt zu ahnen, das die Konsequenz sein würde.

Sie verbündete sich, c), mit Wesen, die sich selbst als „Partisanen der Zukunft“ bezeichnet hatten, mit den GRALSSUCHERN. Und diese hatten ihre ganz eige­nen Pläne mit der Zentraleinheit und der Kristallwelt – Pläne, die übrigens ganz unverhohlen Monica Bascias Tod mit einschlossen.

Dass es anders kam – aber immer noch verheerend genug – , das war einem äu­ßerst fremdartigen Wesen zu verdanken, das auf den Namen „Megataktherz“ hörte (so der Titel von DSj 45). Der dortige Handlungsstrom stockte unmittelbar nach Abfassung von Band 45, aber die Bände 46 „Altains Mission“ und 55 „Reiseziel TOTAM“ entstanden bis Ende Juni zumindest schon in Ansätzen. Aber ich war eigentlich viel zu verwirrt von diesem chaotischen Knäuel unge­wöhnlicher neuer Denkansätze, ganz zu schweigen davon, dass ich aktuell in diesen Monaten ohne Arbeit war… sehr viel Konstruktives wurde kurzfristig dar­aus also nicht.

Wie sich dann die zweite Hälfte des Jahres 2006 entwickelte, davon möchte ich gern in der kommenden Ausgabe dieser Artikelreihe berichten. Geduldet euch noch ein Weilchen. In der kommenden Woche reisen wir an dieser Stelle wieder zurück in den KONFLIKT 14, und ich berichte weiter darüber, wie Lars Voll­brecht die Cranyaa-Serie illustrierte.

Bis dann, meine Freunde – oder halt bis zum Mittwoch zum nächsten Rezensi­ons-Blog.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 24: Seelengesänge (3)

Posted September 9th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

mit diesem Roman begann eigentlich der zweite Teil des „Armageddon-Zyklus“ von Peter F. Hamilton, aber ich wies ja schon darauf hin, dass der Bastei-Verlag damals bei der Publikation jeden dieser in sich schon voluminösen Bände in zwei Taschenbücher aufgespalten hat, so dass aus der Trilogie letzten Endes ein Sechsteiler wurde. Hiermit nähern wir uns dann also quantitativ der Mitte, und auch nach inzwischen fast zweitausend Seiten ist das Garn, das Hamilton spinnt, ungemein packend und mitreißend.

Und so geht die Geschichte weiter:

Seelengesänge

(OT: The Neutronium Alchemist, Part I)

Armageddon-Zyklus, 3. Roman

von Peter F. Hamilton

Bastei 23227

928 Seiten, TB

August 2000, 9.90 Euro

Übersetzt von Axel Merz

Die Gefahr der Besessenen ist von der Dschungel-Siedlerwelt Lalonde entkom­men. Bei dem Versuch, die Bedrohung einzudämmen, hat eine gnadenlosen Schlacht im Lalonde-System stattgefunden, der beinahe auch die Lady Macbeth unter ihrem Kommandanten Joshua Calvert zum Opfer fiel. Stattdessen gelingt es ihm, seine Heimat, das Habitat Tranquility zu erreichen, zu Tode erschöpft, den Schiffsbauch mit zahlreichen Flüchtlingen angefüllt. Joshua bringt eine Re­portage von Lalonde mit, die endgültig den Verantwortlichen der Konföderation zeigt, was für Grauen die Besessenen im Schilde führen.

Die Nachricht kommt zu spät.

Inzwischen haben die Besessenen sich über zahlreiche Welten ausgebreitet und werden an vielen Fronten bekämpft. Dabei fallen das System von New Califor­nia und die Welt Norfolk, auf der Joshuas jugendliche Geliebte Louise Kavanagh lebt, unter die unheimlichen, aus dem Jenseits zurückgekehrten Seelen.

Und doch gibt es Hoffnung. Die Konföderierte Navy vermag mehrere Besessene einzufangen und sogar einen von ihnen durch einen Null-Tau-Tank (eine Art Sta­sisfeld für Raumreisen) von der Possessoren-Seele zu befreien. Bei diesem Mann handelt es sich um einen einstigen Siedler von Lalonde, Gerald Skibbow.

Dummerweise ist ausgerechnet Skibbows Tochter Marie, gleichfalls eine Beses­sene, die Anführerin des Aufstandes gegen die Konföderation auf dem Habitat Valisk, und sie beginnt ein verführerisches Demoband in der Konföderation zu verbreiten, um arglose Jugendliche und Unzufriedene dorthin zu locken und gleichfalls in Besessene zu verwandeln. Dieser Zusammenhang zwischen Vater und Tochter sorgt für ein ziemlich folgenschweres Problem.

Auf der dicht besiedelten Welt New California schwingt sich eine zurückkehren­de Seele rasch zum Herrscher auf. Es handelt sich um niemand anderen als den untoten Gangsterfürsten Alphonse Capone, der im frühen 20. Jahrhundert Chi­cago unter Kontrolle hielt. Capone dekretiert eine Zusammenarbeit zwischen Besessenen und normalen Menschen. Das ist dem einfachen Sachverhalt ge­schuldet, dass auch die Besessenen nicht allmächtig sind. Beispielsweise ver­wandeln sich eigentlich unessbare Gegenstände, die sie in essbare mutieren lassen, im Körper wieder zurück (was zu absurden Konsequenzen führt). Sie brauchen also Leute, die für Landwirtschaft, öffentliche Versorgung und Verwal­tung zuständig sind. Keiner der beinahe gottgleichen Besessenen will sich für solch subalterne Aufgaben hergeben. Damit erwächst ihnen ein weiteres Pro­blem: womit bezahlt man diese Leute?

Außerdem versucht Capone, sich in den Besitz von Antimaterie zu bringen, um seine Machtbasis zu verbreitern. Doch die Abschirmfelder der Antimaterie in­terferieren zu stark mit den Störfronten, die die Besessenen abstrahlen, so dass sie nur „loyale“ nicht-besessene Raumfahrer als Besatzung für solche Raum­schiffe verwenden können.

Es gibt noch andere Schwierigkeiten. Eine scheinbar eher harmlose ist die popu­läre Phantasy-Mood-Künstlerin Jezzibella, die in Al Capone einen neuen Förde­rer und Liebhaber entdeckt und ihn mit unglaublicher Lässigkeit um den Finger wickelt. Auf der anderen Seite gelingt es dem sinistren Quinn Dexter, der für die Ausbreitung der Besessenen auf dem Planeten Norfolk verantwortlich ist, von dort aufzubrechen. Nach wie vor sein Ziel: die Erde.

Aber es gibt auch interne Streitigkeiten innerhalb der Gruppe der Besessenen. So taucht unversehens ein Galan auf, der Louise Kavanagh und ihre kleine Schwester davor rettet, das schreckliche Schicksal zu teilen, das Kindern und jungen Mädchen unter Besessenen zuteil wird. Erst allmählich kristallisiert sich heraus, wer dieser Beschützer ist – niemand Geringerer als der Anführer der Meuterer von der Bounty – ein Mann namens Fletcher Christian. Andere Beses­sene bringen es nicht übers Herz, Kinder zu quälen und so für die Possession vorzubereiten. Noch andere kämpfen damit, sich lebende Nahrung zu besorgen (göttlich die Szene, wie der Possessor Moyo Hühner zu fangen versucht, „ohne sie zu rösten“…).

Endgültig dramatisiert sich die Lage, als es Dr. Alkad Mzu gelingt, aus dem Habi­tat Tranquility zu flüchten und ihre Pläne fortzusetzen, den gefürchteten Neu­tronium-Alchimisten einsatzbereit zu machen, eine Waffe, die imstande ist, gan­ze Planeten zu vernichten. Ein wahnsinniger Wettlauf nach Dr. Mzu beginnt, denn welche Seite auch immer in die Lage versetzt wird, den Alchimisten einzu­setzen, könnte das Schicksal der Menschheit entscheiden…

Mit dem dritten Band des Zyklus profiliert Hamilton ausdrücklich die interessanten und ein wenig stiefmütterlich behandelten Personen. Die schon im ers­ten Band erwähnte Jezzibella tritt hier als zickige, launenhafte und absolut sex­besessene junge Frau in Erscheinung, die selbst Al Capone an den Rand seiner Kräfte bringt. Louise Kavanagh und ihre kleine Schwester wachsen auf beispiel­lose Weise über sich hinaus und sprengen die Grenzen ihrer engen Welt Nor­folk. Und dann bricht der Autor das enge Raster von Freund-Feind-Denken auf, indem er demonstriert, dass eben auch Besessene „nur Menschen“ sind.

Sehr beeindruckend wird der Kampf gegen die Ausbreitung der Besessenheit geschildert, auch die Wirkungen, die die Existenz eines Jenseits, in das (offen­bar) ausnahmslos alle Seelen einzugehen haben, auf das menschliche Durchhal­tevermögen hat. Es ist eine ähnliche Lage wie bei den Totenköpfen in meinem Oki Stanwer Mythos (OSM), nur dass ich eine solche Demoralisierungswelle aus metaphysischen Beweggründen in der SF-Literatur noch nie gesehen habe. Das beeindruckt stark. Damit erhält Hamilton mehr Tiefe und Wirkungskraft, als es beispielsweise ein Stephen Baxter jemals haben könnte. Wenn man, beispielsweise, Baxters Multiversum-Zyklus liest, wird glasklar, dass er nicht an die Existenz einer Seele glaubt. Solche Wesen kommen bei Hamilton auch vor, aber als die Natur der Besessenen erkennbar wird, zerschellen die Ansichten solcher Dogmatiker an der Klippe des Glaubens – und versinken anschließend in dem Hades, der dahinter lauert. Solche Widerstreite zu schildern, ist eine große Kunst. Der plumpe Autor weicht so etwas aus, nicht so Hamilton! Und das macht ihn realistisch, glaubwürdig.

Zum Ende des Romans ist nach wie vor alles offen, aber während sich die relativ unorganisierten Besessenen auszubreiten suchen, bemühen sich verschiedene Fraktionen der menschlichen Rasse, sich dem Problem grundlegend zu nähern. Und es scheint fast so, als läge die Antwort auf die Fragen irgendwo dort drau­ßen – bei den fremden Völkern, die das, was die Menschheit jetzt durchmacht, schon einmal durchgestanden (und überlebt) haben.

Aber vielleicht haben die Menschen ja weniger Glück…? Die nächsten Romane werden es zeigen. Momentan ist ja erst Halbzeit im Zyklus.

© by Uwe Lammers, 2004

Man sieht, auch nach drei voluminösen Romanen des Zyklus war ich von der wendungsreichen, facettenreichen Geschichte nach wie vor schwer beein­druckt. In drei Wochen erfahrt ihr, was ich vom vierten Band des „Armageddon-Zyklus“ gehalten habe. Doch in der kommenden Woche machen wir eine sehr humorvolle Stippvisite in der Publikationsgegenwart. Lasst euch mal überra­schen, was für einen absolut non-phantastischen Roman, der mich gleichwohl fast zum Totlachen brachte, ich euch dann sehr ans Herz legen möchte.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

ich sagte schon verschiedentlich, dass ich in der Frühzeit im Oki Stanwer My­thos… na, sagen wir… etwas tapsig und unvollkommen war, wenn ich daran ging, Geschichten zu formulieren, Sätze zu bauen und logische Verbindungslini­en zu ziehen. Eigentlich nahm ich an, ich wäre ein wenig konzentrierter bei der Sache gewesen, als ich allmählich ans Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts kam.

Tja, es gibt offensichtlich auch dort noch kuriose Ausfallerscheinungen. Ein paar davon habe ich jüngst dingfest gemacht in einer Episode des KONFLIKTS 18, also der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (1984-1989). Ehe ich ans Eingemachte gehe und euch mitkichern lasse, sollten ein paar Bemerkun­gen zum Kontext vorangestellt werden, damit ihr wisst, was eigentlich für eine Ausgangslage herrscht.

Man schreibt das Jahr 2035. Genau genommen schreibt man das ZWEITE Mal das Jahr 2035 auf der Erde, und beide Jahre und Welten sind sehr verschieden voneinander. Wie kam das? Durch eine Zeitreise und eine Zeitkorrektur. Ohne zu sehr zu verwirren, beschränke ich mich darauf, zu sagen, dass die Vergangen­heit dieser Erde durch Intervention eines (leider wahnsinnigen) Baumeisters grundlegend korrigiert wurde. Oki Stanwer und sein Sohn Marconius, die Werk­zeuge dieser Veränderung, wurden von dem Baumeister anschließend in einen hilflosen Zustand versetzt und verschwanden für 3.600 Jahre spurlos von der Bildfläche.

Bis zum Jahre 2035 A. D.

Es ist eine Welt, in der der Ostblock weiter existiert und sich von den wirt­schaftlichen Schwächeanfällen des späten 20. Jahrhunderts erholt hat. Albanien indes ist aus dem sozialistischen Block ausgeschert und von griechischen und amerikanischen Interventionstruppen friedlich besetzt worden. Eine sozialisti­sche Guerilla kämpft derzeit dagegen an.

Was das zur Sache tut? Einiges. Denn in Albanien wird im Band 66 der Serie, um den es hier geht, die so genannte „Ghost-Agency“ aktiv, eine halbstaatliche eng­lische Organisation unter dem geheimnisvollen „COMMANDER“. Er schickt zwei seiner Agenten nach Albanien, wo sie in einem Ort namens Oyteti Stalin ein Geisterhaus untersuchen sollen. Das hat zuvor schon ein Agent gemacht, der dabei aber auf rätselhafte Weise umgekommen ist. Vorher konnte er indes noch Fotos von eindeutig astralen Phänomenen machen.

Der erste Punkt des Gelächters betrifft diesen verschwundenen Agenten. Bevor sich dieser Mann namens Francesco Szepes nämlich in Luft auflöste, war er Ge­heimagent für den MOSSAD. Dann jedoch half ihm der COMMANDER dabei, unterzutauchen und eine neue Identität anzunehmen. Und das ging so, ich zitiere:

Francesco Szepes… war Verbindungsmann zum MOSSAD, bevor er im briti­schen Konsulat Tirana um Asyl bat. Er bekam es natürlich… Ich [der COMMAN­DER] ließ mir seine Flucht einiges kosten. So wurde ein Auto auf illegale Art und Weise gekauft, in dem er nachher umkam, indem er 2032 von einer Klippe an der Adria ins Meer stürzte… Seine Leiche konnte nicht gefunden werden, denn die saß derzeit, mit neuem Gesicht und neuem Namen sowie gültigem engli­schem Pass, in einer Transall-Maschine auf dem Rückflug von Heathrow nach Milano…“

Daraus könnte der ahnungslose Leser nun den Schluss ziehen: Aha! Der COM­MANDER rekrutiert offensichtlich Zombies, die dann mit den Flugzeugen zu ih­ren Einsatzorten dirigiert werden… aber das war natürlich gar nicht gemeint. Dennoch, die Formulierung ist zu goldig.

Auch sonst wurde ich an manchen Stellen in dieser Episode semantisch überfordert und merkte nicht, was ich für einen Stuss schrieb. Schauen wir uns eine zweite Stelle an. Die Ghost-Agents sind vor Ort und betrachten das reich­lich desolate alte Geisterhaus, das sie gerade betreten haben:

Vor ihnen lag ein längerer Korridor. Rechts führte eine Treppe in die Tiefe, links eine in die Höhe. Hinter beiden Aufgängen lagen Zimmertüren, je drei an jeder Seite…“

Als ich das heute mit Fußnoten kommentierte, konnte ich mir folgende Feststel­lung nun wirklich nicht verkneifen: „Terminologischer Widerspruch. ‚Aufgänge‘ führen in jedem Fall nach oben, aber ganz gewiss führt nicht einer davon nach UNTEN! Das Ding nennt man dann nicht Aufgang, sondern Kellertreppe! Meine Güte, hier wurde ich aber wirklich flapsig und unpräzise. Ändern! Ändern!“

Kurze Zeit später schlagen die beiden Gefährten ihr Lager im Erdgeschoss auf, und ich schreibe explizit: „Die einzige Lampe, die sie hatten, stand auf dem Bo­den zwischen den beiden Schlafsäcken und brannte gemütlich, weil sie mit Strom aus einem mitgebrachten Dynamo betrieben wurde.“

Abgesehen davon, dass man hier daran denken sollte, den Feuerlöscher zu neh­men, wenn die Lampe „brennt“ (gemeint ist natürlich, dass sie in Betrieb ist und Helligkeit spendet), legt sich der eine von beiden Ghost-Agents hin… und der zweite hält Wache. Als der erste schließlich hochschreckt, ist sein Gefährte verschwunden, der – wie man gleich darauf mitbekommt – dem Spuk im Ge­bäude nachgeht. Was er offensichtlich in stockdunkler Finsternis tut, weil die einzige Lampe ja an Ort und Stelle bleibt.

Logisch? Nö. Durchdacht? Ebenfalls nicht.

Wird noch interessanter, denn kurz darauf lesen wir folgendes – und ich sollte dazu sagen, dass die oben erwähnte Lampe zwischenzeitlich zerstört wird: „Er packte eine Spitzhacke aus und gab Telkow eine weitere, außerdem nahm er noch den Meißelkasten und die zwei Hämmer mit. Dann gingen sie los, wobei Telkow noch an eine Taschenlampe gedacht hatte…“

Eine Taschenlampe, wie wir uns erinnern, die es vorher noch gar nicht gab. Und es gibt im Fortgang dieser Episode so manche Logiklücke, die heutzutage mit ei­ner temporalen Distanz von gut 25 Schreibjahren peinigend auffällt. Da wird sträflich darauf verzichtet, Personen Namen und Gesicht zu geben, ferner taucht ein zusammengebrochener Flügel in einem Zimmer aus dem Nichts auf (wird vorher einfach vergessen zu erwähnen), ob ein Kellerzimmer Fenster be­sitzt, kriegt man als Leser nicht heraus, obgleich ich sogar davon berichte, dass es FOTOS von diesem Raum gibt…

Oje, dachte ich, als ich diese Episode gründlich durchgearbeitet hatte, was auch bedeutete, rund 130 Fußnoten zu setzen. Ursprünglich, hatte ich geglaubt, la­sen sich diese schönen, ausführlichen Episoden der 60er-Bände des KONFLIKTS 18 wirklich gut und spannend. Aber wenn ich dann mal ein wenig am semanti­schen Lack kratzte und gründlicher las… oje, ihr habt ja gesehen, was sich da für Klopfer verstecken.

Noch einen gefällig? Na schön, Freunde, eine Stelle noch, dann ist für heute aber wieder Schluss mit dem unbändigen Gekicher! Wir sind nicht im Kinder­garten!

Also, die beiden Herren Ghost-Agents sind im Kellergewölbe des Herrenhauses und suchen nach der Quelle der mysteriösen Erscheinungen. Kurz vor ihrer An­kunft hat ein Beben das Gebäude erschüttert, so dass hier weitflächig im Keller der Putz von den Wänden gefallen ist. Die beiden Agenten konstatieren, dass die Quelle der Erscheinungen in einer der Wände eingemauert sein muss, und sie entschließen sich, sie zu lokalisieren, indem sie kurzerhand mal Probeschlä­ge mit der Spitzhacke ausführen.

Er nahm die Spitzhacke und hieb sie in den Putz. Knirschend brach ein Teil des mürben Mauerwerks heraus.

‚Vektor verlagert sich nach links‘, sagte Telkow.

Allzu weit dort konnte es nicht sein, dachte Winer. Er sah den rissigen, aber ein­deutig gewachsenen Fels nur drei Meter links von sich. Irgendwo davor musste es sein. Also schlug er direkt neben dem Gesteinsansatz in den Putz.

‚Vektor weiter links!‘

‚Was?‘ Er war irritiert. Dort war gewachsenes Gestein. Dort konnte nichts sein!

Er hieb probehalber zu und riss ein paar Splitter heraus, der darauf aufgetrage­ne Putz barst und brach ab…“

So, noch mal ein Stück zurück: Teile der Kellerwände sind gemauert, andere bestehen aus massivem Grundfels. Der Putz ist aber bekanntlich abgebröckelt. Dann ergeben sich aus den obigen Formulierungen ein paar knifflige Fragen, die ich in einer inquisitorischen Fußnote festhielt: „Ich denke, da liegt nur ‚gewach­sener Fels‘? Warum sollte der verputzt sein? Erstens. Wie sollte Winer, zwei­tens, unter dem Verputz erkennen, dass dort gewachsener Fels liegt? Hat er Röntgenaugen? Drittens denke ich, dass der Verputz durch das Beben abge­sprengt worden ist… also wirklich, nur dumme Widersprüche…“

Ihr merkt, ich war nach Abschrift und Kommentierung von KGTDUS 66: „Geis­ter-Agenten“ (1987) nicht mehr wirklich angetan. Selbst wenn die Episode mit 14 Manuskriptseiten schon recht ausführlich geraten ist, enthält sie nicht halb soviel Informationen, wie der Leser benötigen würde, um sie mit Genuss lesen zu können. Zu viele halbgare und unlogische Passagen darin, die euch die Lesefreude gründlich trüben würden.

Es wird noch eine geraume Zeit dauern, bis ihr diese Episode zu lesen be­kommt, Freunde. Aber seht das primär positiv – denn indem es noch solange dauert, erhalte ich die Zeit, diesen ungeschliffenen Juwel gründlich nachzubear­beiten und euch später dann in gescheiter Form präsentieren zu können. Alle negativen Nachrichten haben auch stets irgendwo einen positiven Aspekt. Und aus solchen kuriosen Fehlern sollte man immer lernen.

Soviel also für den Moment von der kreativen Blogfront und den Fehlern des OSM. In der kommenden Woche findet ihr hier an dieser Stelle wieder den nächsten Teil der Reihe „Was ist eigentlich der OSM?“.

Stay tuned!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des Oki Stanwer Mythos,

ja, es ist lange her, dass ihr von dem Trupp von Yantihni-Forschern auf dem Pla­neten Hushhin gehört habt, ich gebe es zu. Aber der Handlungsablauf der Serie ließ es nicht zu, zeitiger diesen Handlungsstrang fortzuführen. Lasst mich darum noch mal kurz resümieren:

In den Bänden 11 und 12 der Serie lerntet ihr den auf Hushhin landenden Tech­nikforscher Noshtoy kennen, der sich mit seiner Besserwisserei und seinem egozentrischen Drang nach neuem Wissen schnell unbeliebt machte. Dies führ­te dann dazu, als er in Kontakt mit der uralten Kristallintelligenz des „ewigen Gedächtnisses“ kam, dass er alle Verbote in den Wind schlug und ein unvertret­bares Risiko einging.

Er kontaktierte die Uralt-KI der Zhonc von neuem und erfuhr unglaubliche Din­ge über die Zhonc-Vergangenheit… doch zu einem hohen Preis: Der Missions­kommandant Jeshtar hatte vollkommen Recht mit seiner Befürchtung, das „ewige Gedächtnis“ sei gestört – und leider verfügte diese Wesenheit über sehr viel mehr Machtmittel als ursprünglich angenommen.

Ehe Noshtoy und die kleine Gruppe Forscher um Jeshtar, die ihn zurückholen sollte, begriffen, was geschah, wurden sie allesamt paralysiert und dann durch ein schwarzes Kristalltor gesandt – hin zu einer Audienz mit dem angeblich unsterblichen Erschaffer des „ewigen Gedächtnisses“, dem legendären Baumeis­ter, der vor mehr als zweihundert Jahrtausenden Mentor und Förderer der arachniden Rasse der Zhonc gewesen war. Von denen die Yantihni nur einen winzigen Bruchteil ihrer Kultur auf Hushhin auszugraben begonnen hatten.

Doch Band 12 „Sternenlegenden“ endete just im Moment des Transfers.

Jetzt erfahrt ihr, was direkt im Anschluss geschah und werft im vorliegenden E-Book einen ersten Blick in eine fremde Welt, die nicht nur irgendwo in den Tie­fen der Galaxis Twennar liegt, unerreichbar weit vom yantihnischen Sternen­reich entfernt, sondern es gibt dort auch unerwartete neue Herausforderungen, phantastische Entdeckungen und… ja, Verzweiflung zu entdecken.

In den jetzt folgenden vier Episoden der Serie schlagt ihr ein neues, zentrales Kapitel der TI-Serie auf und lernt ganz neue Orte in der yantihnischen Heimat­galaxis kennen… und noch weitaus mehr.

Seid dabei!

Das E-Book „Auf Götterpfaden“ ist ab heute zum Preis von 1,49 Euro auf Ama­zon-KDP erhältlich.

Der einmalige Gratisdownload ist am 14. September 2015 möglich.

Ich wünsche euch eine angenehme Lektüre.

Ansonsten sehen wir uns morgen wieder an dieser Stelle, wo ich in meinem Wochen-Blog eine neue ulkige Fehlerlese im OSM veranstalte und zu so obsku­ren Dingen wie „Toten auf Reisen“ komme. Ich glaube, das solltet ihr euch nicht entgehen lassen…

Bis morgen dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 23: Das Alexandria-Komplott

Posted September 2nd, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute kommt mal wieder – nach den Blogartikeln 8, 11 und 14 – ein Autor zur Sprache, dessen Werke breiten Raum in meinen Bücherregalen beanspruchen und den ich, wie viele meiner langjährigen Brieffreunde wissen, sehr als Unter­haltungsschriftsteller schätze. Man mag geteilter Ansicht über seine politischen Einstellungen sein oder seine Fähigkeit zum abwechslungsreichen Geschichten­erzählen. Dass er unterhaltsam ist, kann man Clive Cussler kaum absprechen.

Ich lernte ihn mit dem Roman „Hebt die TITANIC!“ kennen, das muss etwa 1984 oder 1985 gewesen sein, aber erst mit dem vorliegenden Buch, denke ich, wur­de ich wirklich dazu inspiriert, nach und nach alle seine Werke zu lesen. Und in der unten stehenden Rezension nach der Zweitlektüre kommt davon auch ein wenig zum Vorschein. Wer also immer schon historisch interessiert war und vielleicht eine potentielle Lösung für das Verschwinden des gläsernen Sarges des legendären Alexander aus der Bibliothek von Alexandria lesen wollte, der ist hier exakt richtig:

Das Alexandria-Komplott

(OT: Treasure)

Von Clive Cussler

Blanvalet, München 1989

644 Seiten, Hardcover

Aus dem Amerikanischen von Dörte und Frieder Middelhauve

ISBN 3-7645-05245-X

Der verbeulte, von Kugeln durchlöcherte Cord stand verloren in der Mitte der Werkstatt. Esbenson ging langsam um den Wagen herum und schüttelte den Kopf.

Das ist das erste Mal, dass ich einen Oldtimer zwei Tage nach der Fertigstellung schon wieder restaurieren muss.’

Wir hatten keinen guten Tag’, erklärte Giordino. Er trug eine Halsmanschette, ein Arm steckte in einer Schlinge, und sein angeschossenes Ohr war dick ver­bunden.

Es ist ein Wunder, dass überhaupt einer von euch hier steht.’“

Tja, und damit bringt Robert Esbenson, ein alter Freund von Clive Cussler, der vor Fertigstellung des Buches verstarb und es deshalb zum einen zu einer Wid­mung vorab und zu einer Nebenrolle im Roman schaffte, die Sache auf den Punkt. Es geht um eine Menge Wunder in diesem Buch, und Clive Cussler prä­sentiert sie auf eine Art und Weise, dass der Leser echt nicht mehr aus der Ge­schichte auftauchen kann.

Am besten wird es sein, ich erzähle eine kleine Geschichte vorab, ehe ich davon berichte, worum es hier wirklich geht. Die Geschichte ist mit einer Zeitreise ver­bunden, die zurückführt ins Jahr 1989. Da ich ja seit 1987 alle Bücher mit einem Kaufvermerk versehe, brauchte ich hier bloß die erste Seite aufzuschlagen, um zu wissen, wann und wo ich dieses her hatte. Dort steht: „Buchhandlung Matthias, Hameln, 29. August 1989“.

1989 machte ich meinen Zivildienst in Hameln, war gedanklich in so explosiven Welten wie dem OSM-KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ und dem OSM-KONFLIKT 23 „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ unterwegs… und ich begann allmählich den Reiz von Clive Cusslers Büchern zu entdecken, die ich nur wenige Jahre zuvor in Gifhorn kennen gelernt hatte.

Aber als ich vor wenigen Tagen dieses Buch aus der Reihe meiner gelesenen Bü­cher herauszog, fragte ich mich schon, wie ich es hatte schaffen können, dieses Buch als letztes im August 1989 zu lesen – und das ging aus meiner Lesestatistik unzweideutig hervor. Das sprach dafür, dass ich es tatsächlich binnen nicht ein­mal 3 Tagen gelesen haben musste. Das ist selbst für Cussler-Romane unüblich.

Nun, inzwischen weiß ich es besser – das Ding ist ein verdammt gut geschriebe­ner Malstrom von einem Roman, und wenn man heutige Cussler-Romane damit vergleicht, die doch eher schematisch daherkommen, so muss man sagen, dass sich dieses Werk davon gründlich abhebt. Das merkt man nicht zuletzt an der Tatsache, dass das, was man sonst als schematisches Schlusskapitel ansieht, nicht nur 10 oder zwanzig Seiten umfasst, sondern mehr als 120, und dass bis zum Schluss alles auf des Messers Schneide steht. Hätte ich nicht unter Kopf­schmerzen gelitten, ich versichere, ich hätte am zweiten Lesetag den Roman tief in der Nacht ausgelesen… auch wenn das dann bedeutet hätte, mehr als 500 Seiten am Stück zu lesen.

Neugierig geworden? Na schön, dann steigen wir mal ein in das Abenteuer:

Die Mission scheitert am 15. Juli 391 nach Christus in einem unbekannten Land. Römische Soldaten und Arbeiter haben nach einer langen Seereise ein sicheres Versteck für unermessliche Schätze geschaffen, die in der Heimat am Mittel­meer in Gefahr standen, durch fanatische Zerstörungswut für immer vernichtet zu werden. Junius Venator kann zufrieden damit sein, die Schätze in Sicherheit gebracht zu haben… aber kaum sind die Arbeiten abgeschlossen, wird das Expe­ditionskorps von einer übermächtigen Armee von Barbaren angegriffen und bis auf den letzten Mann niedergemetzelt. Es bleibt niemand übrig, um das Ge­heimnis der Schätze in die alte Welt zurückzutragen. Das einzige Boot, das ent­kommt, verschwindet in den Weiten des Meeres.

Gut 1600 Jahre später, am 12. Oktober 1991, startet der Nebula-Flug 106 von London/Heathrow mit Kurs auf New York. An Bord eine Gruppe von Mitarbei­tern der Vereinten Nationen unter ihrer charismatischen ägyptischen General­sekretärin Hala Kamil. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen tritt sie die Heimreise an – das ist deshalb notwendig, weil ägyptische Fanatiker um den Mullah Achmed Yazid ihre Ermordung angedroht haben. Ägypten ist ein Pulver­fass in jenen Tagen. Hosni Mubarak ist von seinen Ämtern zurückgetreten (!)1, der regierende Präsident Nadav Hasan steht unter erhöhtem Druck, Verteidi­gungsminister Abu Hamid und die Armee sind noch unentschlossen, aber alle Analysten in den USA sind davon überzeugt, dass Yazid mit seinen Fanatikern in Bälde die Regierung stürzen und einen Gottesstaat errichten wird.

Der Nebula-Flug erreicht New York nie. Der Attentäter namens Suleiman Aziz Ammar, bringt das Flugzeug auf abenteuerliche Weise zum Absturz… und doch erreicht er nicht sein Ziel, sondern die Wunder beginnen: ehe es in Island gegen einen Berg prallen kann, gelingt es einem mexikanischen Abgeordneten und ei­nem Mann des Bordpersonals, die Maschine abzufangen. Sie stürzt bald darauf in einem Fjord auf Grönland ab, unweit einer Ausgrabungsstätte von Archäolo­gen.

Sie haben noch einmal Glück: in unmittelbarer Nähe ist ein Schiff der NUMA unterwegs, um nach einem russischen U-Boot zu suchen. Dabei stoßen Dirk Pitt und sein Gefährte Al Giordino, die hier in Erscheinung treten, unter anderem – und zur allgemeinen Verwirrung – auf römische Amphoren direkt vor der grön­ländischen Küste, die sie sich beim besten Willen nicht erklären können. Als der Flugzeugabsturz auf dem grönländischen Küsteneis beobachtet wird, ist das al­les nebensächlich.

Sowohl die Archäologen als auch Dirk Pitt und sein Freund Al Giordino sind schnell vor Ort, und dennoch kommen sie fast zu spät: als das Flugzeug geöffnet wird, sind nahezu alle Personen an Bord eines stillen und unheimlichen Todes gestorben, und das lag nicht an Ammar! Hala Kamil, die Person jedoch, der das Attentat eigentlich galt, ist noch am Leben.

Hier im Ardencaple Fjord wird Dirk Pitt auch mit der ersten Fährte eines Myste­riums konfrontiert, das ihn fast das Leben kosten soll – die Archäologin Lily Sharp, die hier arbeitet und eine verlassene Inuit-Siedlung ausgräbt, hat eine römische Goldmünze aus dem vierten Jahrhundert ausgegraben, die sich nie­mand erklären kann. Und wenig später kommt hier im Eis auch noch das fast vollständig erhaltene Wrack eines kleinen römischen Handelsschiffes zutage, dessen Besatzung erfroren ist. Und auf Wachstafeln berichtet der sterbende Ka­pitän von dem Auftrag des Junius Venator… der Auftrag, die Schätze der legen­dären Bibliothek von Alexandria vor der sicheren Zerstörung in Sicherheit zu bringen. Die Schätze, Wissensfunde vergangener Jahrtausende, und den Sarko­phag mit dem Leichnam Alexanders des Großen.

Dies ist geradezu eine Legende, wie die mythische Bundeslade!

Dirk Pitt fängt Feuer – er beschließt, diesen verschollenen Schatz der Vergan­genheit zu finden. Und Lily Sharp schließt sich diesem Unternehmen an.

Dummerweise haben sie dabei nicht eben geringe Schwierigkeiten: zwar gibt es eine flüchtige Skizze einer Küstenlinie, aber wir befinden uns halt in den frühen 90er Jahren, die Suchtechnologie ist noch nicht allzu ausgereift, und selbst der Supercomputer „Max“ im NUMA-Hauptquartier in Washington – der in vielen späteren Romanen so bedeutsame Hilfe bei der Lösung der Geheimnisse der Vergangenheit ist – ist noch nicht einsatzbereit. So dauert es also nervenzer­mürbende Hunderte von Seiten, ehe sich zumindest ein Lichtschimmer abzu­zeichnen beginnt.

Zwischendurch ist die Geschichte jedoch alles andere als uninteressant, und das hängt primär damit zusammen, dass Dirk Pitt wegen seiner Teilnahme an der Rettungsmission des UN-Fluges Nebula 106 als Geheimnisträger eingestuft wor­den ist und fürs erste „aus der Schusslinie verschwinden“ soll. Ebenfalls gilt das für Hala Kamil, die in wenigen Tagen eine wichtige Rede vor der UN halten will, bei der sie dem Präsidenten Ägyptens den Rücken stärken möchte. Sie wird un­ter höchster Geheimhaltung ins Skidorf Breckenridge gebracht, wo sie auf dem Anwesen von Senator George Pitt, Dirk Pitts Vater, untergebracht und vom Se­cret Service bewacht wird. Es gilt als sicher, dass das Attentat auf den Flug von Achmed Yazid verübt wurde und er es noch einmal versuchen wird.

Das ist auch tatsächlich der Fall, und diesmal wird ein mörderisches Blutbad an­gerichtet… dass das Schlimmste abgewendet werden kann, ist wieder einmal ei­nem Wunder zu verdanken, das in Gestalt von Dirk Pitt, Al Giordino und Lily Sharp auftritt.

Doch auch damit sind die Probleme natürlich nicht vorbei.

An der Südgrenze der USA gibt es in der Zwischenzeit ebenfalls Schwierigkeiten. In Mexiko ist ein Fanatiker namens Topiltzin, der quasi aus dem Nichts erschie­nen zu sein scheint, dabei, den dortigen Präsidenten De Lorenzo zu bedrängen. Wie auch Yazid stützt er sich auf die indigene Bevölkerung und stachelt sie dazu auf, sich die Wiedererrichtung eines ruhmreichen aztekischen Reiches zu wün­schen, das nötigenfalls auch die einst an die USA verlorenen nördlichen Gebiete zurückerobern wird.

Das hört sich mehr nach einem Alptraum an als nach irgendetwas anderem, lei­der ist Topiltzin alles andere als ein Phantom, und machtlos ist er schon über­haupt nicht. Die amerikanische Regierung erwägt sogar für den Fall einer „Machtergreifung“ Topiltzins eine Invasion Mexikos, ehe dieser die USA angreift…

Senator Pitt und Hala Kamil sollen auf dem Wirtschaftstreffen in Punta del Este nahe Feuerland die beiden Staatsoberhäupter einander näher bringen und vor allen Dingen Lösungsvorschläge für diese Krisen ausloten. Dabei soll, nach Vor­stellung des US-Präsidenten, die Generalsekretärin besonders darauf hinwei­sen, dass in Bälde die legendäre Bibliothek von Alexandria gefunden wird, in de­ren Wissensschätzen auch die Unterlagen über wichtige Mineralien- und Ölvor­kommen der Antike liegen sollen.

Dummerweise kann trotz aller Sicherheitsvorkehrungen nicht verhindert wer­den, dass das Schiff, auf dem die Delegationen übernachten, die Lady Flambo­rough, aus dem nächtlichen Hafen von Punta del Este entführt wird und buch­stäblich auf hoher See spurlos verschwindet.

Während sich die Ereignisse sowohl in Ägypten als auch in Mexiko immer mehr zuspitzen, ist Dirk Pitt nun in Rage – sein eigener Vater ist entführt worden, und alle Leute scheinen davon auszugehen, dass die Lady Flamborough kurzerhand versenkt worden ist. Er glaubt nicht daran… aber es ist ein haarsträubender Wettlauf mit der Zeit, der nun beginnt, die Passagiere und Besatzung des Schif­fes zu retten. Und das Schlimmste daran ist – selbst wenn das gelingen sollte, ist das noch nicht einmal ein Viertel der Miete…

Clive Cussler hält seine Leser so sehr in Atem, dass man sich wünscht, die Ge­schichte ginge endlos weiter“, schrieb Publishers Weekly absolut zutreffend über diesen Roman, der an Action, Humor und Spannung nahezu jeden ande­ren Cussler-Roman in den Schatten stellt. Es ist ein wenig verblüffend, muss ich rückblickend konstatieren, warum ich den Roman fast 25 Jahre lang nicht noch ein zweites Mal gelesen hatte. Erst der akute Mangel an aktuellen Cussler-Ro­manen (hey, nein, ich habe noch ein paar stehen, so schlimm ist es nicht) hat mich dazu verleitet, dieses Werk noch mal zu lesen, das aber auch wirklich eine mehrfache Lektüre nach vielen Jahren außerordentlich lohnend macht.

Etwas seltsam ist es natürlich, dass das Übersetzerpaar, das hier solide Arbeit leistet – einzig verwirrend ist, dass sich Dirk Pitt und Hiram Yaeger in der Com­puterabteilung der NUMA siezen, normalerweise ist man das Duzen aus den Romanen gewöhnt – nie wieder eingesetzt worden ist. Schade, muss ich sagen. Es klingt ein wenig danach, als wenn sie sich – wofür auch der Umfang des Romans spricht – sehr genau an die Textvorlage gehalten haben und damit vielleicht „zu viel Text“ ablieferten. Die heutigen Übersetzer, allen voran Michael Kubiak, liefern ja mehr oder minder Texte identischer Länge ab. Es darf bezweifelt werden, dass Cussler solche homogenen Vorlagen vorlegt.

Ein einziger Wermutstropfen ist hier zu vermerken (nein, nicht der unvermeidli­che Leigh Hunt, der auch hier kurz in Erscheinung tritt, den habe ich dann erst bei der Zweitlektüre bemerkt): wenn Cussler konsequent diesen hier verfolgten Entwicklungsstrang beibehalten hätte, wären viele der Nachfolgeromane ei­gentlich völlig unnötig geworden, etwa die Kemprecos-Romane „Das Todes­wrack“, „Höllenschlund“ und einige andere.

Warum? Nun, die Bibliothek von Alexandria enthielt die Wissensschätze von Jahrtausenden, und da manche der späteren Romane von Geheimnissen zeh­ren, die mit einiger Sicherheit in der Bibliothek schon verzeichnet waren, müss­te man davon ausgehen, dass sie eigentlich schon geklärt wären… eigentlich. Cussler lässt sich ja eine hübsche Hintertür offen, indem er erklären lässt, die Erforschung der Geheimnisse der Bibliothek könne bis zu fünfzig Jahre dauern.

Ah, ich habe das Rätsel verraten? Die Bibliothek wird also gefunden?

Tja… wie ihr wisst, wenn ihr Cussler-Romane kennt, dann ist das Entschleiern der Rätsel der Vergangenheit ja nur ein kleiner Teil des Gesamtbildes. Und die wirklich abenteuerlichen Details habe ich gar nicht angesprochen. In diesem Sinne ist der Weg das eigentliche Ziel, und die Achterbahnfahrt, durch die euch der Autor schickt, ist so wagemutig inszeniert, dass ihr das eigentliche Ziel, eben die Bibliothek, dann schon mal gut und gerne eine ganze Weile aus den Augen verliert.

Macht euch auf die Reise, Freunde, das hier ist guter Stoff!

© by Uwe Lammers, 2013

Tja, ihr merkt, dass ich bei der Zweitlektüre des Buches wirklich schwer begeistert gewesen bin – mit Recht, würde ich auch mit einem Abstand von fast drei Jahren zu dieser Rezension noch konstatieren. Erst jüngst habe ich entdeckt, dass Cussler wenigstens sechs weitere Kooperationsromane für die nahe Publikation vorgesehen hat, so dass neugierigen Lesern, die heute erst auf diesen Autor aufmerksam werden, so rasch die Lektüre nicht ausgehen wird. Und ihr könnt davon ausgehen, dass ich die weitaus meisten im Laufe der Zeit an dieser Stelle in ihren Stärken und Schwächen besprechen werde. Ohne indes zu viel vorwegzunehmen.

Denn lesen sollt ihr die Romane ja selbst, nicht wahr? Und Rezensenten müssen wirklich auch mal wissen, wann sie ihren Mund halten sollen, ehe sie alles Relevante ausplaudern. Meine Berichterstattung über dieses Buch endet also exakt hier.

In der nächsten Woche kehren wir in Peter F. Hamiltons „Armageddon“-Universum zurück. Nicht verpassen, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Man merkt hieran, dass der Roman klar in einer wirklich phantastischen Parallelwelt spielt, in der Cussler weit ungenierter als heutzutage seine Wunschideen einer Neuord­nung der arabischen Welt ausgesprochen hat, und in manchen Punkten ist er sehr hell­sichtig, wenn er auch Jahrzehnte zu früh kommt. So fabuliert er hier eher in Nebensätzen davon, dass der Iran den Iran-Irak-Krieg gewonnen und den Irak besetzt hat, Saddam Hussein ist hingerichtet worden (Letzteres entspricht heute ja der Realität), außerdem ist in dieser Welt Muammar al Ghaddafi an Krebs gestorben, ehe er von den USA ermordet werden konnte. Und wie wir heute wissen, weilt auch dieser Tyrann ja nicht mehr unter uns. Dass die Welt sicherer geworden wäre, kann man indes leider nicht sagen.

Liebe Freunde des OSM,

der Monat Mai war ein harter Monat, biografisch verstanden, und das hatte dann massive Auswirkungen auf meine Kreativität. Wundert euch also nicht über das, was folgt.

Am 5. Mai verstarb recht unerwartet meine schon länger schwer kranke Mutter im Gifhorner Kreiskrankenhaus, und da sie nicht nur ein biografischer Anker für mich war, sondern es in ihrem Umfeld eine Reihe noch nicht gelöster juristi­scher Angelegenheiten gab, die auch mich persönlich betrafen, hatten meine Geschwister und ich in der Folge alle Hände voll zu tun… und haben es noch.

Ohne in die Details zu gehen: die Trauerfeier fand am 15. Mai statt, die Urnen­bestattung dann am 29. Mai, dazwischen gab es Behördentermine und derglei­chen mehr… ich hatte wirklich, etwas flapsig formuliert, den ganzen Monat mit solchen düsteren Dingen zu kämpfen und konnte mich nur schwer auf den OSM konzentrieren. So entstanden dann mehrheitlich in diesem Monat Blogartikel, namentlich Rezensions-Blogbeiträge, die an dieser Stelle nicht gelistet werden.

So kam es dann zu dem Bild, das ich euch heute präsentieren kann:

Blogartikel 124: In die Öffentlichkeit – Reflexionen zum 29. April 2014

Blogartikel 125: Work in Progress, Part 29

(OSM-Wiki)

(Himmelfahrtskommando – OSM-Story)

Erläuterung: Schon vor dem 5. Mai kündigte sich irgendwie an, dass die Dinge sich verheerend entwickeln würden. Nennt es einen Instinkt. Ich hatte meine Mutter am 21. April das letzte Mal gesehen und wollte am 6. Mai wieder bei ihr sein. Da ich aber bereits kurz darauf erfuhr, dass sie seit dem 1. Mai im Kran­kenhaus war, stand dieser Besuch auf der Kippe. Und mein Unterbewusstsein ahnte offenbar, dass noch mehr wackelte – so kehrte ich in die INSEL zurück, in diese grässliche wie unaufhaltsame Geschichte. Und da ging es dann auch gleich weiter…

IR 33: Traum-Experimente

(Glossar der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“)

(Lexikon der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“)

Erläuterung: Dieses Serienlexikon stand noch auf einem Stand von 2010 oder so… es gab also einigen Grund, hier dringend nachzuarbeiten. Unter einem „Le­xikon“ verstehe ich übrigens im OSM-Kontext eine Begriffsliste für die Episoden­serien, worin bei jedem Begriff die Episodenziffer der Ersterwähnung und die Episodenziffer der Erklärung in den serieninternen Lexikonseiten inbegriffen ist. Diese „Lexikonseiten“ stellen gewissermaßen Vorläufer der OSM-Glossare und der OSM-Wiki auf der Homepage dar. Derzeit sind die Arbeiten hieran sehr durchwachsen und noch nicht wirklich weit fortgeschritten, aber beizeiten den­ke ich daran, einen erheblichen Teil dieser Einträge in die Wiki zu transferieren… sicherlich aber kaum vor 2016.

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“)

(DKdO 19: Lügengespinste)

IR 34: Flug zur Museumswelt

Erläuterung: Während ich zwischendrin den Band 33 der Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ schon mal erwähnt hatte, könnte euch das hier überraschen. Das ist auch kein Wunder, denn diese Episode entstand quasi von selbst. Die Se­rie zum KONFLIKT 4 des OSM war tatsächlich in der Vorplanung erst bis Band 33 gediehen, und es ist sehr realistisch, dass der Tod meiner Mutter dann der ent­scheidende Stoß war, der mich über die Grenze des Zögerns hinwegschob in den wirklich schrecklichen Geschichtenteil der INSEL.

Ihr wisst aus dem Roman „In der Hölle“, der 2013 im E-Book erschien, dass dem INSEL-Imperium Oki Stanwers Gefahr durch TOTAM droht, und in der Serie selbst ist es der Techno-Träumer Torkeron, der diese Gefahr durch Wahrträume immer näher kommen sieht. In Band 33 eskaliert die Geschichte, und ich wusste, in dieser Episode und den nächsten beiden, deren Titel mir jahrelang verborgen blieb, würde das Verhängnis endgültig seinen Ziellauf antreten.

Ich behielt Recht. Und nach dem Tod meiner Mutter tauchte dann die Museums­welt Tornolaan aus dem Dunst auf… und ein armer weiterer Techno, der gewis­sermaßen „vom Schicksal programmiert“ wurde, eine ganz bestimmte Aufgabe zu realisieren. Er betritt die Bühne in Band 35, zu dem ich weiter unten noch was sage. Der arme Kerl tut mir so leid, aber manche Geschichten lassen sich wirklich nicht aufhalten.

Mit Torkerons Reise zur Museumswelt neigt sich der Traum der INSEL dem Ende zu, und es ist eine grässliche Geschichte, an der ich derzeit nur zögernd weiter­arbeite… das hat nun wiederum mehrheitlich mit Band 1750 des OSM zu tun, der wie ein Sperrriegel im Weg steht. Nun, ihr werdet davon hören, verspro­chen. Von beiden Geschichtensträngen.

Blogartikel 123: OSM-Kosmologie, Lektion 6: Jenseitsvarianten

Erläuterung: Dieser Blogartikel wurde am 7. Mai 2015 geschrieben, und ich brauche kaum in die Details zu gehen, was den Auslöser betrifft. Ihr werdet es am 12. Juli selbst lesen. Irgendwie… ja, irgendwie hatte ich so etwas schon in der Vorahnung. Ich wusste, ich würde einen Kosmologie-Artikel schreiben, und mir war auch schon halb und halb bewusst, dass er sich mit dem Thema Tod befas­sen würde… nun, und so kam es dann ja auch, aber ich habe wochenlang gezö­gert, ihn zu verfassen.

Heute begreife ich, weshalb. Aber es gibt eben manche Dinge, die möchte man nicht wahrhaben… ich denke, ihr kennt das.

(18Neu 68: Auf TOTAMS Spuren)

(14Neu 28: Landung auf Runix)

Blogartikel 137: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (VII)

Blogartikel 133: Der OSM im Bild, Teil 9

(NK 54: Tödliche Entscheidung)

(14Neu 26: Das Traum-Inferno)

(IR 35: Projekt Vergangenheit)

Erläuterung: Und das ist jetzt der Abschlussband der Torkeron-Trilogie, von dem ich oben schrieb. Als ich den Titel in meinem Kopf vorfand, dachte ich schmun­zelnd, dass ihr Leser bei der Bekanntgabe dieses Titels vermutlich an Zeitreisen denken würdet. Das liegt ja auch wirklich nahe, ist aber ziemlich weit weg von der Realität.

Nein, diese Episode bringt euch einen Techno namens Scheverlay nahe, der auf Tornolaan lebt… und ich denke tatsächlich darüber nach, ob ich beizeiten eine Story „Aus den Annalen der Ewigkeit“ schreiben werde, weil die Techno-Welt Tornolaan das wirklich wert ist. Ein Planet am Rande der INSEL, der sich seit über zweitausend Jahren unter der vorherrschenden Dynastie eines weit ver­zweigten Techno-Clans dagegen sträubt, in Oki Stanwers Reich eingemeindet zu werden. Für die INSEL-Technos ist Tornolaan absolut rückständig, eine Art Mu­seum… aber für uns wäre Tornolaan etwa so wie „Tomorrowland“ in dem neuen George Clooney-Film „A World Beyond“.

Eine hier spielende Kurzgeschichte oder Novelle würde euch also sehr schön zei­gen können, was für eine prächtige Welt das INSEL-Imperium ist und wie un­glaublich fortgeschritten dort alles ist. Ich wünschte, ich könnte euch dorthin schon via E-Book mitnehmen, aber das wird noch ein Weilchen dauern.

Blogartikel 127: „Was ist eigentlich der OSM?“ Teil 29

(Kämpfer gegen den Tod – OSM-Roman, Abschrift)

Tja, meine Freunde, und dann war dieser anstrengende Monat auch schon wie­der Vergangenheit… wie ihr an den nicht eingeklammerten Zeilen erkennen könnt, also den Werken, die ich fertigstellen konnte, ist das nicht wirklich sehr glorreich gewesen. Aber ich bin zuversichtlich, dass ihr dafür volles Verständnis habt.

Ich deute nur an, dass ich just am 31. Mai, also gestern, durch einen wahr­scheinlich eingeklemmten Nerv am rechten großen Zehn eine wahre Höllenzeit durchmachte, die mich 30 Stunden wachhielt und den Monat dann echt mit ei­ner sehr qualvollen Schlusssignatur versah. Hoffen wir sehr, dass sich die Dinge im Juni besser entwickeln – ich halte euch da auf dem Laufenden.

In dem Beitrag der kommenden Woche geht es wieder mal um die beliebte Fehlerlese im OSM. Ich fand doch tatsächlich im KONFLIKT 18, wo ich Ab­schreibarbeiten vornahm, im Februar so etwas wie „Tote auf Reisen“, obwohl ich davon gar nicht schreiben wollte… Genaueres erfahrt ihr nächste Woche an dieser Stelle.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 22: Einsicht ins Ich

Posted August 26th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute kommt mal wieder etwas erheblich Längeres auf euch zu, eine Rezension, die mir damals, als ich sie schrieb, auch ordentlich den Kopf rauchen ließ. Wer also keine Lust auf anspruchsvolle Werke hat, sondern an dieser Stelle eher seichte Unterhaltung sucht, sollte gleich zum Blogartikel der nächsten Woche weiterzappen… aber wer wirklich das Abenteuer des Denkens auf sich nehmen möchte, um zu erleben, wie Phantastik sich mit Philosophie, Psychologie und Neurowissenschaften mischt, der ist hier richtig. Und ich versichere euch, Freunde, es gibt phantastisch viel zu entdecken.

Douglas R. Hofstadter ist jemand, der euch beispielsweise aus „Spektrum der Wissenschaft“ vertraut sein könnte, wenn es um mathematische Spielereien und Paradoxien geht. Davon bekommt ihr weiter unten (ohne mathematische Formeln) reichlich zu schmecken. Aber wer sich auf diese Reise ins Innere des eigenen Ichs begibt und vor verwirrenden Folgerungen nicht erschrickt, den er­wartet – und das ist ganz genauso in meinem kreativen Werk, dem Oki Stanwer Mythos, der Fall – eine spannende, bisweilen holprige Safari durch verschie­denste Gebiete der Literatur und der Wissenschaft.

Neugierig gemacht? Dann starten wir mal mit der Tour de Force:

Einsicht ins Ich

(OT: The mind’s I)

Fantasien und Reflexionen über Selbst und Seele /

ausgewählt und in Szene gesetzt

von Douglas R. Hofstadter & Daniel C. Dennett (Hg.)

Stuttgart 1986

492 Seiten

ISBN 3-608-93038-8

Aus dem Amerikanischen von Ulrich Enderwitz

Was ist der Geist? Wer bin ich? Kann bloße Materie denken oder empfinden? Wo ist die Seele? Jeder, der sich diesen Fragen stellt, stürzt kopfüber in die größ­ten Wirrnisse…“ So beginnt, zugegeben: wenig ermutigend, dieses phantasti­sche Buch, das man wirklich als in jedem nur erdenklichen Sinn als phantastisch begreifen sollte. Es lohnt sich, dieses Werk sozusagen als „Vorbereitung“ auf das noch erheblich komplexere Buch „Gödel, Escher, Bach – Ein Endlos Geflochte­nes Band“1 von Douglas R. Hofstadter zu lesen. Warum?

Nun, sagen wir es so: dies ist ein langsames Heranpirschen an die oben aufge­worfenen Fragestellungen, und es ist gleichzeitig ein Tappen durch einen wil­den, auf den ersten Blick kaum einsehbaren Irrgarten, der sich dem Suchenden unerwartet eröffnet. Denn die Fragen nach Geist, Seele und Ich führen den Le­ser in die Weiten der Philosophiegeschichte, in die Psychologie und Neurologie und, was man anfangs vielleicht nicht erwartet, hinüber zur Computerwissen­schaft, zu Robotern auf dem Mond, zu Transmittern und anderen Science Fic­tion-Termini wie Seelentransfers und Jungbrunnen oder Unsterblichkeit.

Die beiden Herausgeber – zum einen Hofstadter, seines Zeichens Computerwis­senschaftler, Physiker und „Cognitive Scientist“ an der University of Michigan, und Dennett, von Haus aus Philosoph an der Tufts-University – , entwerfen einen sechsteiligen Wegparcours, dessen Struktur alleine das Buch in hohem Maße lesenswert macht: 27 Auswahltexte von Romanciers wie Jorge Luis Bor­ges oder Stanislaw Lem bis hin zu Pionieren der Computertechnologie wie Alan Turing, Neurologen wie Dennett und Dawkins und lupenreinen SF-Autoren wie Rudy Rucker „illustrieren“ die einzelnen Themengebiete, wobei es vordergrün­dig dem Leser überlassen bleibt, zu interpretieren, wie die Texte mit dem großen Ganzen zusammenhängen… nun, beinahe.

Beinahe?

Ja, denn jeder einzelne Text wird mit Reflexionen kommentiert, kritisiert, aus­einandergenommen oder mit Zustimmung bedacht. Mal ist es Hofstadter, der sich – vorwiegend dort, wo es um Simulation von Geist geht, um Kybernetik und schiere Phantastik – zu Wort meldet, bei den mehr medizinisch-psycholo­gisch und neurologisch orientierten Auswahlstücken ist es dann Dennett, der den Degen mit den Autoren kreuzt. Man bekommt also zu den Texten auch gleich die jeweils kritischen Gegenpositionen zu Gesicht, was die inhaltliche Durchdringung der Inhalte erheblich erleichtert.

Zugleich gestehen die Herausgeber offen ein, ihre Absicht sei es, „jedermann kräftig durcheinanderzurütteln“, und zwar sowohl „diejenigen, die eine rigide, bierernste, wissenschaftliche Anschauung von der Welt hegen, ebenso wie die­jenigen, die eine religiöse, spiritualistische Vorstellung von der menschlichen Seele haben.“ Die Konsequenz, die sie intendieren, ist folgende: „Das Buch soll seine Leser provozieren, in Unruhe versetzen, in Verwirrung stürzen, soll das Selbstverständliche fremd und vielleicht das Fremdartige selbstverständlich werden lassen.“

Das klingt doch vielversprechend, oder?

Der Leser wird während der Lektüre rasch merken, dass nach dem eher behäbi­gen ersten Teil die Argumentation rasch anzieht und anspruchsvoller wird. Das ist dem Thema absolut angemessen. Dennett sagt dazu in der Einleitung: „Die Forschungsreise beginnt in Teil I mit ein paar raschen Streifzügen durch das Ge­biet, wobei von ein paar auffälligen Orientierungspunkten Kenntnis genommen, aber auf Eroberungszüge verzichtet wird.“

Der erste Teil trägt die Überschrift Selbstempfindung und besteht aus drei recht kurzen Texten. „Borges und ich“ vom Argentinier Jorge Luis Borges werden wir auf irritierende Weise mit einem Ich-Dialog konfrontiert, der eigentlich nur von einer einzigen Person handelt, die sich aber als zwei empfindet. „Keinen Kopf zu haben“ von D. E. Harding ist da schon härter. Wie ist das wohl, wenn man ei­nes Morgens aufwacht und erkennt, dass man keinen Kopf besitzt, ja, nie einen besessen hat? Und wie ist es mit Harold J. Morowitz´ Essay „Die Wiederentde­ckung des Geistes“, in dem die Identität der Quantentheorie mit dem Bewusst­sein entdeckt wird?

Wie gesagt, das ist erst der unterste Rand unserer Entdeckungsreise. Kehren wir zur Einleitung zurück und zu Dennett. Er fährt fort: „In Teil II [betitelt mit See­lensuche, UL] wird unser Forschungsziel, die Einsicht ins ich, von außen in Au­genschein genommen. Was ist es, das dem Forschenden die Anwesenheit eines anderen Geistes, einer anderen Seele, enthüllt?“

Ja, was wohl? Ist das nicht evident, mag der unvoreingenommene Leser den­ken, der noch nicht ahnt, worauf er sich einlässt? Es ist doch wohl völlig klar, dass mein Gegenüber eine Seele besitzt. Das ist unmittelbar einleuchtend.2 Nun, wenigstens diese Worte sollte man sich genau merken und dann in die Texte selbst einsteigen. Man wird schnell das Gegenteil feststellen.

Alan M. Turing brachte schon 1950 in seinem hier wieder abgedruckten Text „Maschinelle Rechner und Intelligenz“ eine Frage aufs Tapet, die bis heute Ky­bernetiker zur Weißglut treibt: Lässt sich eine Maschine ersinnen, die mit einem Menschen in eine sprachliche Interaktion treten kann und dabei so überzeu­gend auftritt, dass der Mensch, der sein Gegenüber in einem anderen Raum nicht sehen kann, zu der Überzeugung gelangt, sein Gegenüber sei keine Ma­schine, sondern ein Mensch? Aus diesen Gedankengängen heraus wurde der sogenannte „Turing-Test“ entworfen und in den folgenden Jahrzehnten als Maß­stab für Künstliche Intelligenz immer mehr verfeinert, an immer mehr Robotern und Maschinen erprobt. Doch seltsam, dies führte nicht nur zu einer immer stärkeren Perfektion der Roboter und ihrer logischen Grundlagen, sondern un­terspülte in gleichem Maße die Basis der festen Überzeugung, es sei doch völlig klar, wodurch sich das Menschsein definiere und was uns von Maschinen unter­scheide…

Douglas R. Hofstadters anschließender, erfrischender Text, eine Diskussion mit drei Personen, „Ein Kaffeehaus-Gespräch über den Turing-Test“ vertieft diese Frage, und zugleich breitet sich das ganze Tableau der Problematik vor dem Le­ser aus. Denn die drei Akteure sind zugleich Stellvertreter für ihre Disziplinen: Chris studiert Physik, Pat Biologie und Sandy Philosophie. Und obgleich der Text nur 20 Seiten umfasst, raucht dem Leser hinterher gehörig der Kopf. Aus einer so individuellen Frage wie der, ob das Gegenüber eine Seele besitzt, ist auf ein­mal eine weltanschauliche Streitfrage geworden, die wenigstens drei Diszipli­nen (die genannten), vielleicht sogar noch die Kybernetik einschließt. Aber ist die Kybernetik und das Feld der Künstlichen Intelligenz dabei eine Möglichkeit zur Lösung des Problems oder vielmehr ein Ansatz zu seiner Verschärfung?

Scheinbar (!) zusammenhanglos folgt hierauf Stanislaw Lems Ultrakurztext „Prinzessin Blödiana“, eine launige, garstige Geschichte über den Versuch der raffinierten Entmachtung eines Königs, der aber zugleich eine interessante Fra­ge auftauchen lässt: wie unterscheidet man eine Simulation von der Wirklich­keit? Und wer jetzt denkt, das hat mit dem Problem nichts zu tun, der hat wirk­lich noch keine Ahnung und bedarf noch ein paar weiterer freundlicher seelen­erschütternder Hinweise!

In Terrel Miedaners Geschichte „Die Seele Marthas, eines Tiers“, machen wir die Bekanntschaft mit der Primatendame Martha, die vor einem Gericht als De­monstrationsobjekt herzuhalten hat. Und wir machen auch die erschreckende Entdeckung, dass unser Begriff von Geist oder Seele offensichtlich eindimensio­naler ist, als wir ursprünglich annahmen. Muss man Tieren eine adäquate Seele zugestehen? Wenn nein, woran machen wir das fest? An Sprachvermögen? An logischen Denkprozessen? An Leidensfähigkeit? Miedaner schockiert den Leser.

Derselbe Autor setzt mit „Die Seele des Tiers vom Typ III“ noch einen drauf. Gestehen wir Maschinen ähnliche Qualitäten zu wie Primaten? Oder sind das wirklich grundverschiedene Dinge? Woher wissen wir das? Vielleicht genügt es ja tatsächlich, den künstlich erzeugten Wesen bestimmte… Qualitäten mitzuge­ben, um uns Hemmungen einzugeben, sie zu zerstören. Unterstellen wir ihnen dann Intentionen? Beweggründe? Gefühle gar? Oder ist das eine böswillige Täuschung, ein Trick?

Nach diesem Wechselbad der Blickwinkel ist der Leser bereits in Schweiß geba­det. Die Lektüre entwickelt sich zu einer mehr und mehr haarsträubenden An­gelegenheit, und die Themenfelder sind ganz offensichtlich erheblich stärker miteinander verflochten, als wir es anfangs annahmen. Kommen wir nun noch ohne Fallunterscheidungen aus? Wir müssen offensichtlich in die Betrachtun­gen über Seele und Geist solche scheinbar obskuren Faktoren wie die Seele von Tieren und Maschinen einbeziehen. Wenn es so etwas gibt oder nicht. Und viel­leicht gibt es sogar bei Menschen oder Völkern unterschiedlicher Entwicklungs­stadien Abstufungen? Auch dürfen wir fortan die Frage der Täuschung nicht mehr außer acht lassen und den Gedanken, wie weit unsere Spekulationen ge­hen dürfen – bzw. wie wir sie zu beweisen trachten. Das Eis, auf dem wir uns bewegen, wird brüchiger, unsere Schritte unwillkürlich langsamer.3

Teil III“ [der Abschnitt trägt den Titel Von der Hardware zur Software], sagte Dennett in der Einleitung, „untersucht das physische Fundament des Geistes – in der Biologie – und steigt dann von diesem Fundament aus um einige Komple­xitätsstufen höher hinauf zur Ebene interner Repräsentationen. Der Geist fängt an, sich als ein sich selbst entwerfendes System von Repräsentationen, das im Gehirn verkörpert ist, herauszubilden. Hier stoßen wir auf die erste Straßensper­re – ‚Die Geschichte eines Gehirns‘.“

Wie genau sieht das aus? Folgendermaßen:

Der Psychiater Allen Wheelis versucht in dem kurzen Text namens „Geist“, eine ganzheitliche Sicht der Entwicklung des Geistes von den frühesten strukturellen Zusammenballungen von Materie bis zur Gegenwart des Menschen zu bringen. Dabei stößt er mit dem Leser zusammen auf eine fundamentale Frage: Was ist eigentlich das ZIEL der Entstehung von Geist? Gibt es einen plausiblen Grund, sozusagen eine Notwendigkeit, seine Existenz anzunehmen?

Wir reagieren vermutlich mit milder Empörung. Mag ja sein, dass Wheelis Zwei­fel daran hat, ob er einen Geist und eine Seele besitzt, aber wir doch nicht… In diese empfindsam gereizte Stimmung schlägt der nächste Text, der wie die Faust aufs Auge passt. „Egoistische Gene und egoistische Meme“ nennt Ri­chard Dawkins seine Theorie, wie sich die Entwicklung der genetisch orientier­ten Biologie seiner Ansicht nach realisiert hat: Gene sind eine Form von biologi­schen Maschinen, deren Hauptziel darin bestand, sich zu duplizieren und fort­zubestehen. Dies ging offenbar um so besser, je komplexer ein biologisches Netzwerk geknüpft werden konnte, das auf symbiotischen Weg von kleinen zu immer größeren Organismen heranwuchs.

Diese Organismen waren nichts anderes als egoistische Transportmittel für die heimlichen Herrscher der Welt – die Gene.4 Und etwas ähnliches prognostiziert Dawkins für die Kultur- und Kommunikationsgeschichte. Hier nennt er die dau­erhaften Träger von Ideen in einer Kultur „Meme“, und resümiert, es sei wohl intelligenter, Unsterblichkeit nicht in der biologischen Verbreitung seiner Nach­kommenschaft zu suchen, sondern stattdessen für die Verbreitung der eigenen „Meme“ oder „Ideen“ innerhalb der Kultursphäre zu sorgen.

Verdutzt begreifen wir als Leser, dass wir auf einmal im Bereich des Informati­onstransfers gelandet sind. Nun leuchtet das irgendwie ein, denn Bewusstsein hat nun mal auch etwas mit Information zu tun. Aber das, was Dawkins reduk­tionistisch vereinfacht, passt irgendwie nicht mit dem zusammen, was wir uns schon angelesen haben.

Nachdenklich blättern wir weiter und stoßen mit „Präludium und… emsige Fuge“ von Douglas R. Hofstadter auf einen fast 40 Seiten langen Text, der uns mit verwunderlichen Charakteren konfrontiert. Der griechische Held Achilles und sein Freund, Herr Schildkröte, besuchen ihren Freund Carl Krebs. Bei ihnen ist der Ameisenbär, wie sie ein sprechendes Wesen mit bisweilen recht seltsa­men Ansichten. In der sich entspannenden Diskussion kommt man von dem Mathematiker Pierre de Fermat und „Fermats Theorem“ über Wahrscheinlich­keitsrechnung und zwei Platten, auf denen die rekonstruierten Aufnahmen von Bachs eigenhändigem Cembalospiel zu hören sind (!)5 schließlich zum Wesen von Ameisenbären und Ameisenkolonien. Es geht um den Musiker Bach, die Struktur seiner Musik, um Information, die Organisation von Informationen, um Geist und Persönlichkeit… und dem Leser schwirrt wirklich rasch der Kopf.

Dieses Stück ist übrigens ein kleiner Auszug aus dem zuvor schon genannten Buch Hofstadters und somit ein kleiner Vorgeschmack der anspruchsvollen Freuden, die den Leser dort erwarten werden.

Ja, und dann kommt die genannte erste Klippe in diesem Buch (wie, der Leser ist der Ansicht, da waren schon eine ganze Menge? Aber nicht doch!): Arnold Zuboff erzählt „Die Geschichte eines Gehirns“. Es handelt von einem jungen Mann, dessen Körper von einer schrecklichen Krankheit befallen wurde, so dass nur sein Gehirn davon verschont blieb. Nun schlugen ihm Wissenschaftler vor, sie könnten sein Gehirn aus dem Körper lösen und es weiterleben lassen, au­ßerdem besäßen sie die Möglichkeit, durch künstliche Sinnesreize ihn jede be­liebige sinnliche Erfahrung machen zu lassen, die er auch mit Körper besäße. Er lässt sich darauf ein.

Doch er hat keine Ahnung davon, dass es zwei Fraktionen unter den Wissen­schaftlern gibt. Die einen sind der Auffassung, mentale Bilder und Erfahrungen lassen sich nur dann so erzeugen, wie sie „authentisch“ sind, wenn die neuro­nalen Verbundstrukturen erhalten bleiben. Die andere Fraktion neigt zum Re­duktionismus und sagt hingegen, es wäre gleichgültig, wie die Neuronen ange­ordnet seien, schließlich würde es sich nur um elektrische Impulse handeln, die in den Neuronen stimulierende Wirkungen entfalteten. Dummerweise setzt sich die zweite Fraktion durch. Und zehn Jahrhunderte darauf führt dies zur Ka­tastrophe…

Ja, das ist eine lupenreine SF-Geschichte. Und extrem verunsichernd dazu. Denn woher wollen wir die Gewissheit nehmen, dass Erfahrung, auf der unser Denken, Fühlen und unsere Ich-Repräsentation basiert, einzigartig ist? Vielleicht ist diese Erfahrung auf beliebige Weise herstellbar. Ist aber dann nicht der Täu­schung Tür und Tor geöffnet? Auch, was die Frage angeht, was „Ich“ denn nun eigentlich bin?

Fürwahr, eine ziemliche Straßensperre. Und es wird schlimmer.

Wir schlagen eine Umgehungsstraße vor“, fährt Dennett in der Einleitung fort, „in Teil IV [Geist als Programm] erforschen wir die Implikationen der sich her­ausbildenden Ansicht vom Geist als Software oder Programm – als eine Art ab­straktes Ding, dessen Identität unabhängig von jeder besonderen physischen Verkörperung ist. Das eröffnet erfreuliche Aussichten, z. B. auf verschiedene Seelenwanderungs- und Jungbrunnentechnologien…“

Dennett beginnt gleich mit einem solchen Schocker: Das Pentagon, will er uns einreden, hat eine geheime Superwaffe entwickelt, mit der es möglich ist, Atomwaffen unterirdisch „direkt in die Raketensilos der Roten abzuschießen“.6 Doch leider ist dieses Verfahren nicht ausgereift – und ehe man sich versieht, bleibt solch ein nuklearer Sprengkopf Kilometer unterhalb der amerikanischen Stadt Tulsa stecken und muss entschärft werden. Mit der Aufgabe wird Daniel C. Dennett höchstpersönlich beauftragt. Da er sie selbst berichtet, muss er das wohl überlebt haben. Oder etwas von ihm, und genau da steckt das Problem.

In dieser Geschichte „Wo bin ich?“ wird Dennetts Körper mit einem künstlichen elektronischen Gehirn ausgerüstet, während sein originales Gehirn in einem Bottich in einem Labor zurückbleibt. Letzteres ist aber an ein Sensorium ange­schlossen, das ihm die Außenbeobachtung ermöglicht. Allerdings produziert ge­nau das auch ein bestürzendes Lokalitätsproblem…

Wo war ich?“ von David Hawley Sanford ist die direkte Replik darauf und noch eine Gangart härter. Während Dennetts Mission scheitert (wie Dennett und Sanford übereinstimmend sagen), führt die von Sanford zum Erfolg. Jedenfalls militärisch – Sanford stimmt einem analogen Experiment der Armee zu, nur wird hier nicht sein Körper unter die Erde geschickt, sondern sein Körper men­tal mit einem Roboter verbunden, der durch seinen Geist gelenkt wird. Proble­matisch wird es freilich in dem Moment, in dem Sanford zunächst erkennt, dass es mehr als einen „Hawley“-Roboter gibt und dann, als er sich überlegt, wo ER selbst denn nun wohl gewesen sein mag…

Gründlich verunsichert? Noch nicht genug.

Justin Leiber, auch ein SF-Autor, beschreibt in seiner Story „Nicht mehr abzusto­ßen“ Inkompatibilitätsprobleme von Seelen und neu herangezüchteten Kör­pern, auf die die Seelen mittels „Seelenbändern“ „aufgespielt“ werden. Das führt zu eigentümlichen Schwierigkeiten und stellt den Leser dieses Buches dar­über hinaus vor die verunsichernde Frage, ob es vielleicht egal ist, mit wessen Gehirn man denkt, solange nur der Geist – was immer das genau sein mag (viel­leicht eine Art von Programm?) – derselbe bleibt. Ist das Unsterblichkeit, oder überlebt hier etwas völlig anderes als das, was wir das „Ich“ nennen…?

Mit Rudy Rucker und seinem Beitrag „Software“ (ein Auszug aus dem gleichna­migen SF-Roman) wird die Schraube noch ein wenig angezogen. In ferner Zu­kunft koexistieren Menschen und Robotergenerationen nebeneinander, und wie beim Menschen haben sich bei den KI-gelenkten Robotern verschiedene Fraktionen herausgebildet. Eine davon ist der Ansicht, es sei von Vorteil, die Menschen, die nicht über „Software“ verfügen, sondern über etwas, was man „Wetware“ nennt, zu bewahren, indem man ihren gesamten neuronalen Input auf Computergehirne überspielt und so vor dem Zerfall rettet. Dabei taucht allerdings die Frage auf, ob das, was man da rettet, wirklich der Mensch selbst ist oder nur eine unvollkommene Kopie davon. Und ob vielleicht das Wesentliche oder Essentielle dabei verloren gehen könnte. Eine „Seele“? Aber wie mag so etwas wohl ausschauen…? Und, schlimmer noch: ist das wichtig, ob so etwas verlorengeht…?

Vollends verrückt wird die Sache dann, als Christopher Cherniak „Das Rätsel des Universums und seine Lösung“ darbietet: eine Art von Informationsseuche, die erst den entdeckenden Wissenschaftler infiziert und in einen komatösen Zu­stand verfallen lässt, und sodann widerfährt dies allen, die sich auch nur dem „Rätsel“ annähern. Die Vorstellung, dass man ein Problem nur dann lösen kann, wenn man es verstanden hat, wird hier auf den Kopf gestellt durch ein Problem, das so hochinfektiös ist, dass man nicht einmal daran DENKEN kann, ohne un­weigerlich sein Opfer zu werden.

Teil IV eröffnet, wie Dennett in der Einleitung zutreffend sagte, „erfreuliche Aus­sichten…, aber es öffnet auch eine Pandorabüchse von traditionellen meta­physischen Problemen in nicht-traditionellen Gewändern, womit sich Teil V aus­einandersetzt.“ Was genau heißt denn DAS nun wieder? Ist die Angelegenheit nicht schon vertrackt genug? Nein.

Teil V, der den programmatischen Titel Geschaffenes Selbst und Willensfreiheit trägt, präsentiert uns zunächst zwei kurze Texte von Stanislaw Lem, nämlich „Die siebente Reise oder Wie Trurls Vollkommenheit zum Bösen führte“, ge­folgt von „Non Serviam“. In ersterer trifft der Raumfahrer Trurl auf einem abge­legenen Asteroiden auf einen abgesetzten Monarchen, der sich als Tyrann ent­puppt. Da Trurl sich außerstande sieht, seine Rückreise zu veranlassen, die un­weigerlich zu schrecklichen Exzessen führen würde, er andererseits aber auch den Monarchen nicht in seinem Unglück belassen möchte, konstruiert er für den Monarchen eine Miniaturenwelt, die er so perfekt wie möglich zu machen trachtet. Und damit beginnt das Unheil, denn Trurl hat die Frage der Moral nicht bedacht.

In der zweiten Geschichte, einem Auszug aus Lems faszinierendem Buch „Die vollkommene Leere“7 geht es um die inexistente Wissenschaft der „Personetik“ und ihrer Vor- und Nachteile, dargestellt an einer im Computer generierten Kunstwelt und der Frage, wie diese Bewohner der Kunstwelt sich wohl ihre Exis­tenz erklären und ob sie über Willensfreiheit verfügen. Womit wir wieder ein übles Stück unseres Problems zu sehen bekommen. Willensfreiheit wird uns von nun an (spätestens von nun an) weiter verfolgen.

Im Auswahltext 20, dem Dialog „Ist Gott Taoist?“ von Raymond Smullyan wer­den wir Zeugen eines Gesprächs eines Gläubigen mit Gott, ja, richtig gelesen. Und dieser arme Gläubige möchte, dass Gott ihm dringend seine Gabe der Wil­lensfreiheit nimmt, weil diese – wie er glaubt – ihm die Möglichkeit zum Sündi­gen gibt und er das für einfach nur schrecklich hält. Das ist allerdings, wie rasch klar wird, gar nicht das Hauptproblem. Der Dialog bringt aberwitzige Wendun­gen und ungeahnte Probleme zum Vorschein, so beispielsweise die Frage, ob sich der Mensch vielleicht nur einbildete, dass Gott die Fähigkeit besessen ha­ben könnte, ihm Willensfreiheit zu verleihen…

Die Ruinenkreise“ von Jorge Luis Borges spielt danach mit der Frage, wie wir uns wohl sicher sein können, dass wir wir sind, also eine real existente Person und nicht vielmehr jemand, der von jemand anderem geträumt wird. Auch dies ist nicht eben erheiternd.

Der Philosoph John R. Searle wird mit „Geist, Gehirn, Programm“ wieder etwas bodenständiger. Jedenfalls will es so scheinen. In Wahrheit finden wir hier, wie Dennett in der Einleitung sagt, „zum zweiten Male die Straße gesperrt“, doch angeblich lernen wir hier, wie wir an der dritten Straßensperre – wir kommen darauf – vorbei zum eigentlichen Kern der Dinge vordringen können.

Was genau lernen wir bei Searle? Er attackiert das Konzept der „Artificial Intelli­gence“, also der Künstlichen Intelligenz, deren Befürworter er in eine „schwa­che“ und eine „starke“ Fraktion einteilt. Wie mag das aussehen? So: „Der schwachen AI zufolge besteht der Hauptwert, den der Computer für die Unter­suchung des Geistes hat, darin, dass er uns ein sehr wirksames Instrument an die Hand gibt.“ Wogegen nichts einzuwenden wäre.

Anders bei der starken AI: „Nach der starken AI aber ist der Computer nicht nur ein Instrument bei der Untersuchung des Geistes; vielmehr ist der recht pro­grammierte Computer in Wahrheit selbst ein Geist in dem Sinn, dass man Com­putern, die mit den richtigen Programmen ausgestattet sind, buchstäblich Ver­stehen und andere kognitive Zustände zusprechen kann.“

Anders ausgedrückt: Die Vertreter der starken AI sind der Ansicht, dass es dem Menschen möglich ist, kybernetische künstliche Intelligenz, die der von Men­schen gleichkommt, erschaffen zu können. Searle nimmt exemplarisch mehrere Positionen auf höchst drastische und sehr unterhaltsame Weise auseinander, und sein Grundargument ist das „chinesische Zimmer“. Wie das konkret aus­sieht? Das soll nicht verraten sein, nur soviel: es fordert Hofstadter zu einer zehnseitigen Erwiderung heraus, die auch höchst lesenswert ist.

Den Abschluss dieses Teils macht wieder einmal Raymond Smullyan mit dem kurzen Text „Ein unglücklicher Anhänger des Dualismus“. Ein Dualist ist je­mand, der an die Existenz getrennter „Substanzen“ von Körper und Geist glaubt. Dieser Dualist ist nun unglücklicherweise jemand, der unter entsetzli­chen Schmerzen leidet, sich aber nicht dazu entschließen kann, seinem Leben ein Ende zu setzen, und zwar aus drei Gründen nicht: erstens möchte er ande­ren Menschen durch seinen Tod keine Leiden zufügen; zweitens hält er Selbst­mord aus ethischen Gründen für verwerflich; und drittens – das ist besonders bedeutsam – kann er nicht ausschließen, dass es ein Leben nach dem Tode ge­ben könnte, in diesem Fall würde er der ewigen Verdammnis anheimfallen.

Fatal? Ja. Aber dann gibt es eine sensationelle Lösung – es wird eine Wunder­droge entdeckt, die die Seele vollständig auslöscht, ohne sonst irgendeine Ver­wandlung auszulösen. Selbst die besten Freunde erkennen nicht, ob man die Droge genommen hat. Und da der Körper ganz normal weiterlebt, kann man nicht behaupten, Selbstmord begangen zu haben, auch wenn man vielleicht sei­ne Seele getötet hat. Die ideale Lösung? Beinahe…

Der sechste Abschnitt des Buches, Das innere Auge, führt dann wirklich in die Essentials. Zunächst stranden wir Leser an der dritten Straßensperre: der Philo­soph Thomas Nagel überlegt „Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?“ und bringt damit eigentlich ganz automatisch auch außerirdische Lebensformen ins Spiel. Und wir schlittern aus dieser ganzen bizarren Geschichte heraus mit der depri­mierenden Erkenntnis, dass es offensichtlich vollkommen unmöglich ist, uns je­mals in jemand anderen vernünftig hinein versetzen zu können. Das Verständnis des Anderen, ob es nun Marsmenschen sind oder die eigene Ehefrau, bleibt uns auf immer verschlossen.

Aber es gibt ja auch noch Hofstadters Erwiderung…

Mit „Ein erkenntnistheoretischer Alptraum“ folgt der letzte Text von Raymond Smullyan. Frank besucht eine Augenarztpraxis und wird befragt, welche Farbe das Buch habe, das er hochhielte. „Rot“, antwortet Frank unbefangen, und er erhält die Antwort: „Aha, das habe ich mir gedacht! Dein Sinn für Farben ist völ­lig durcheinander. Aber das ist glücklicherweise heilbar, und in zwei Wochen bist du wieder in Ordnung.“ So weit, so gut, denkt man sich. Aber das ist nur die ers­te Szene. In der zweiten, zwei Wochen später, ist der geheilte Frank im Labor ei­nes Experimentalerkenntnistheoretikers zu Besuch, und dann geht der eigentli­che Alptraum erst richtig los, der ihn im Laufe der nächsten Monate völlig ver­stört. Diesmal geht es nicht nur um Farben, sondern auch um Überzeugungen, und ehe man sich versieht, rutscht einem die ganze Welt unter den Füßen da­von.

Douglas R. Hofstadter gibt eine Abschlussvorstellung mit einem Ergänzungstext zu seinem Buch „Gödel, Escher, Bach…“, indem er uns erneut mit Herr Schild­kröte und Achilles konfrontiert. „Eine Unterhaltung mit Einsteins Gehirn“ spricht eigentlich nicht direkt über Einsteins Gehirn, sondern stattdessen über ein hypothetisches Buch, in dem auf rund 100 Milliarden Seiten alle Neuronen und Synapsen von Einsteins Gehirn inklusive ihres sensorischen In- und Outputs (anhand von ergänzenden Tabellen) codiert sind. Kann man, so diskutieren die Freunde, den Weg des neuronalen Blitzes, den wir als Gedanken kennen, durch die Seiten des Buches verfolgen, so ist es möglich, dieses hypothetische Buch als eine Art von Einstein-Orakel zu verwenden. Man kann dann mit dem Buch so kommunizieren wie mit Einstein, und die Antworten, die das richtig stimu­lierte Buch gäbe, entsprächen den Antworten Einsteins.

Nun ja. Achilles ist zunächst skeptisch, dann verunsichert und schließlich be­stürzt, und er verhaspelt sich mit der Frage, mit WEM er denn dann eigentlich reden würde, mit dem BUCH oder mit EINSTEIN… Nein, Einstein sei doch tot, sagt Herr Schildkröte. Dennoch, richtig angestellt, ANTWORTET irgendetwas aus dem Buch. Und schließlich bekommen die beiden auch heraus, was das wohl genau sein mag, die Seele… eine durchweg interessante, beeindruckende und offene Lösung, die ihrer Überprüfung harrt. Wenn man sie denn überprüfen kann.

Zu Robert Nozicks kleinem Schlusstext „Erdichtung“ sage ich mal nichts weiter, das sollte man sich als Leser bis zum Schluss aufheben.

Das Werk, das hier vorliegt und das so umfangreiche Besprechungskurven nötig machte, ließ sich nicht signifikant kürzer besprechen. Dafür ist es einfach zu komplex und zu sehr aufeinander aufgebaut. Sicherlich, wir haben es mit einer Art von Anthologie zu tun („eine Grabbelkiste von 27 spekulativen Essays, Ge­dankenexperimenten, Phantasien und Dialogen“, wie Publishers Weekly betont), das stimmt, und normalerweise muss man in einer Anthologie nicht alle Texte besprechen. Dennoch war es hier nicht anders machbar, da sie alle sukzessive und langsam aufeinander aufbauen. Es ist wie ein sich entfaltender Informati­onsbaum (vergleichbar dem, der in der ausführlichen kommentierten Literatur­liste erwähnt wird), dem man nur dann folgen kann, ob als Rezensent oder als Leser, wenn man ihn sich ganz und vor allen Dingen in der vorgegebenen Rei­henfolge einverleibt hat.

Es ist deshalb keine vielversprechende Strategie, wahllos im Buch hin- und her­zuspringen, um beispielsweise die kurzen Texte zuerst zu lesen. Die von unter­schiedlichen Autoren beigesteuerten Beiträge führen in höchst anregende Ab­gründe des Denkens und auch semantisch hin zu Ufern, die viele von uns noch nie bereist haben, ja, worüber wir uns nicht mal Gedanken gemacht haben. Gleichzeitig ist dieses Werk für Phantasten am besten geeignet. Wir sind ge­danklich offen genug, um uns auch das Undenkbare wie ferne Kulturen, Robo­terzivilisationen, Ameisen-Kollektivintelligenzen und dergleichen vorzustellen. Für uns sind Geschichten, deren Handlungszeit nach Jahrtausenden oder Jahr­milliarden zählt, nichts Ungewöhnliches, und deswegen werden wir vielen abenteuerlichen Ideen in diesem Band aufgeschlossener gegenüberstehen als beispielsweise streng wissenschaftlich orientierte Leser, die über „Science Ficti­on“ die Nase rümpfen mögen (und damit wenigstens über ein Drittel dieses Bu­ches).

Wer darum den Mut hat, sich Hals über Kopf in dieses intellektuelle Leseaben­teuer (denn ein solches ist es, und auch ein Vergnügen!) zu stürzen, wird auf höchstem Niveau unterhalten werden und gewiss enorm an Wissen bereichert wieder daraus hervorgehen… und womöglich erheblich besser über seinen phi­losophischen und physischen Standpunkt in der Welt Bescheid wissen als zuvor. Und er wird neue Fragen auf der Zunge liegen haben, die ihrer Beantwortung harren. Nur gut, dass uns dieses kluge Buch da Ratgeber an die Hand gibt.

Das sollte es uns wert sein.

© by Uwe Lammers, 2007

Ich sollte diese schöne Rezension, nach der euch vielleicht jetzt schon der Kopf raucht, dennoch nicht verlassen, ohne ausdrücklich auf die wunderbare und wortgewaltige wie raffinierte Übersetzung des begnadeten Ulrich Enderwitz hinzuweisen, der auch Büchern wie David Quammens „Der Gesang des Dodo“ (beizeiten erfahrt ihr an dieser Stelle Näheres dazu) übersetzt hat. Bei aller an­spruchsvollen Substanz ist dieses Werk deshalb auch sprachlich ein außeror­dentlicher Genuss, den ihr euch echt nicht entgehen lassen solltet.

Soviel für heute – nächste Woche wird es wieder sehr viel knapper, verspro­chen!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. Douglas R. Hofstadter: „Gödel, Escher, Bach – Ein Endlos Geflochtenes Band“, Stutt­gart 1985.

2 Sehen wir mal von eigenwilligen Philosophen wie Edmund Husserl ab, der die Existenz anderer wahrnehmender Geister grundsätzlich bestritt und damit eine schrullige Form von Solipsismus praktizierte. Vgl. Edmund Husserl: „Cartesianische Meditationen“, Ham­burg 1995. Mit Verlaub: eine Sichtweise, die ich nie für realistisch halten konnte.

3 Es ist sinnvoll, darauf hinzuweisen, spätestens ab hier – also ab Seite 119 – sehr viel lang­samer und aufmerksamer zu lesen. Kluge Leser machen das schon von Anfang an.

4 Vgl. auch sein Buch, aus dem dieser Auszug stammt: Richard Dawkins: „Das egoistische Gen“, Berlin 1978.

5 Was eine Paradoxie in sich darstellt – schließlich gab es zu Bachs Lebzeiten keine Auf­zeichnungsgeräte und keine Schallplatten, mithin KANN niemand wissen, wie Bach Cem­balo spielte, geschweige denn dies aufzeichnen. Wie Herr Schildkröte das dennoch plausi­bel zu machen versteht, muss man gelesen haben. Aber Vorsicht: Er neigt zu logischen Tricksereien!

6 Hierdurch merkt man dann deutlich, dass das Buch zu Zeiten des Kalten Krieges geschrie­ben wurde. Auch die Texte über die Entwicklungsfähigkeit der Computertechnologie (Dawkins) animieren doch angesichts der realen Entwicklung aus der heutigen Sicht zum Schmunzeln. Das entwertet aber die zentralen Punkte dieser Darstellung kaum.

7 Vgl. Stanislaw Lem: „Die vollkommene Leere. Vorwörter zu nicht existenten Büchern“, Frankfurt am Main 1973.