Blogartikel 368: Legendäre Schauplätze 17: QUANGOOR-8810

Posted März 22nd, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ja, der Titel klingt schon ein wenig legendär, nicht wahr? Und fürwahr, das werdet ihr weiterhin finden, wenn ihr weiterlest. Denn heute gelangen wir an einen wirklich bemerkenswerten Ort im Oki Stanwer Mythos, der euch zwar (leider) wie so viele andere Orte noch nicht zugänglich ist. Aber ich freue mich auf den Tag, da ihr ihn bereisen könnt. Ihr habt dabei einen sehr wesentlichen Vorteil im Vergleich zu den meisten anderen Prot­agonisten des OSM – ihr müsst dabei nicht unvermittelt sterben.

QUANGOOR-8810 ist in der Handlungsgegenwart des KONFLIKTS 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM) nämlich ein absolut tödli­cher Ort, und je länger man sich dort aufhält, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, umzukommen. Doch vielleicht sollte ich der Verwirrung in euren Augen Herr werden und vorher anfan­gen, einen Anfang des Fadens finden, dem ihr heute schon fol­gen könnt. Oh doch, das könnt ihr, schaut einfach weiter.

Als die irdische Menschheit im vorangeschrittenen 21. Jahrhun­dert sich wieder der Weltraumfahrt zuwendet und den Mond zu kolonisieren beginnt, tut sie dies offenkundig aus eigener Inten­tion. Das entspricht nicht völlig der Realität, wird aber erst Jahr­zehnte später offenbar. Auch der Vorstoß der russischen und chinesischen Raumfahrer zum glühenden Planeten Venus er­folgt nicht wirklich aus eigenem Antrieb, auch wenn nach außen alles so scheint.1

Auf der Venus entdecken die Raumfahrer ein schwarzes Portal außerirdischer Herkunft – das Tor zu einem kosmischen Trans­mittersystem, das die uralte Rasse der Baumeister hier aus un­erfindlichen Gründen zurückgelassen hat. Aber der Weg führt nur zu einer einzigen Welt – Dawson. Eine Welle von menschli­chen Auswanderern stellt das rasch fest und beginnt dort ein neues Leben.2

Von nun an betreten wir für euch argumentatives Neuland, das ihr noch nicht kennt: Am Standort des Empfangstransmitters entsteht im Laufe der folgenden Jahrzehnte die Stadt First Val­ley, zu deren Entwicklung ich nichts weiter sagen werde. Dies wird anderen Werken vorbehalten sein.3 Wichtig ist an dieser Stelle nur eins: Während die menschliche Kolonie wächst und gedeiht, jedenfalls im Rahmen ihrer Möglichkeiten, wird ein ver­grabenes zweites Portal dort entdeckt. Und dies führt an einen Ort ohne Wiederkehr.

Die Menschen nennen dieses geheime nächste Ziel nach sei­nem Entdecker „Bearsons Creek“. Kosmische Wesen kennen es unter seinem ursprünglichen Namen: QUANGOOR-8810.

Binnen von fünf Jahren verschlingt dieses Tor Expeditionskräfte von mehreren hundert Personen, die auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Und dann schickt der Obmann von First Valley, ein Diktator namens Alex Tschernowsky Major Liz Adani und 49 weitere Personen im Mai des Jahres 2081 durch das Portal. Da­mit beginnt das Abenteuer.4

Jenseits des Portals erwartet sie ein tunnelartiges Habitat, in dem ein monströses, gefräßiges und mörderisches Ungeheuer lauert, der so genannte „Netzparasit“. Diejenigen, die ihm ent­kommen können, durchschreiten eine Art Wabervorhang, der sie mit der nächsten tödlichen Gefahr konfrontiert … aber mit der kann man zumindest reden. Sie bleibt gleichwohl gewöhnungs­bedürftig. Ich zeige euch mal einen kurzen Blick darauf, damit ihr wisst, was euch später erwartet:

Oh, noch viel mehr Menschlein…

Diane spürte, wie ihr die Nackenhaare zu Berge standen! Das … das war doch UNMÖGLICH…! Sie hatte dieses Wesen doch umgebracht …!

Umgebracht? Ach, Menschlein, das ist nicht möglich …!

Ein kraftvoller, unaufhaltsamer Tentakel riss sie, um die Hüfte ringelnd, nach oben auf den Absatz über dem Felsentor, das von außen vom herkömmlichen Fel­sen nicht zu unterscheiden war.

Diane feuerte unablässig auf dieses schwarze Schuppengeringel und hörte ringsum Schreie, Aufschreie der Wut, der Verzweiflung, Schmerzensstöhner … ab­rupt abbrechende Schreie, die von grausig-dumpfen Geräuschen untermalt wur­den …

Das Ungeheuer aber, auf das Diane nun zugezogen wurde, wurde jetzt erst er­kennbar. Es war eine schillernde Masse, die wie ein permanent in Bewegung be­findlicher Sumpf wogte, blubberte und schäumte.

Wo immer ihre Laserimpulse einschlugen, es war völlig sinnlos.

Und mitten in diesem … diesem Wandelsumpf hockten auf einer Art Buckel fünf Gestalten in Dawsoner Khakikluft und sahen zu ihr hoch, als sie herabge­schwebt kam.

‚Nein! Nein!’, schrien Dianes Gedanken grauenerfüllt. Sie wusste, dass diese fünf Soldaten nicht mehr leben KONNTEN, weil sie ermordet worden waren. Drei von ihnen hatte sie selbst sterben sehen …!

Ja, Diane, das hast du, flüsterte der Mann mit der Kleiderschrankkonstitution mit der fremden Stimme des Tentakelwesens in ihren Verstand. Aber du hast nicht mehr Menschen vor dir, sondern nur noch Wandelwesen. Unseresgleichen lebt in dieser Welt schon seit langer Zeit, und einige von uns leben auch auf Daw­son, von wo du kommst. Der Netzparasit hat uns hier hindurchgeschleust, uns alte Schatzsucher auf dem Weg zum Reichtum der Macht. Wir sind hier gestran­det, genauso, wie du hier stranden wirst, du und all die anderen. Deine Gegen­wehr ist sinnlos.

Wir tun euch einen Gefallen, indem wir euch töten, fügte das zweite Wesen hohl hinzu. Es schien eine andere Gedankennuance zu haben, deshalb konnte Dia­ne es unterscheiden. Auf diese Weise verringern wir euer Leiden, denn ihr werdet diese Welt nie verlassen können und hier sterben.

„Lasst uns das entscheiden!“, keuchte sie. „LASST ES UNS ENTSCHEIDEN! LASST UNS LEBEN!“

Ihr wollt also leiden? Gut, das könnt ihr haben. Aber ihr solltet dann nicht glau­ben, dass ihr ein angenehmes Schicksal haben werdet.

Die Wandelwesen handelten …5

Mit diesen bizarren Wesen (wenn sie euch bekannt vorkommen, habt ihr Recht6) können sie sich also in gewisser Weise einigen und so die wirkliche Welt QUANGOOR-8810 betreten.

Es handelt sich dabei um eine gigantische, phantastische Hohl­welt, bevölkert von bizarren Lebensformen und zugleich un-glaublichen Gefahren. Werfen wir mal einen Blick dorthin:

Diane Michelson hatte keine Möglichkeit, etwas hervorzubringen. Gar keine Möglichkeit Der Anblick verschlug ihr schier den Atem.

Vor sich oder unter sich oder über sich – die Augen irrten momentan noch recht ziellos umher, ohne fähig zu sein, allem die rechte Richtung zu geben – er­streckte sich das, was man Bearsons Creek nennen konnte. Eine irrwitzige Welt der bunten Farben, kaleidoskopischen Lichtbündel, die durch vielfarbige, meist aber hellweiße Nebel fielen, und überall in diesen dünnen Nebelschwaden drifte­ten Dinge, die schlechterdings der menschlichen Erfahrung widersprachen.

Da trieben ganze Wälder durch die Luft, kilometerweit von jeder nächsten Landmasse entfernt. Da überschlugen sich drachengleiche Gestalten, deren Grö­ße nur vage geschätzt werden konnte. Rochenähnliche Riesen trieben mit grazi­lem Flossenhub durch den Nebel, andere Landmassen, die vielleicht als Schät­zung für die Größe der Wälder und der „Tiere“ (?) dienen konnten, waren selbst nicht unproblematisch, weil sie ihrerseits schwebten und drifteten.

Felsbrücken dehnten sich über Dutzende oder sogar Hunderte von Kilometern, nadelspitze Zinnen ragten von der Bodenfläche der Welt in den Himmel.

Nur … das war das nächste Problem: die Berge kamen von links und von rechts und von oben und von unten.

Das Blickfeld war deutlich gekrümmt.

Nach INNEN gekrümmt!

„Oh Gott!“, flüsterte sie, als die Erkenntnis in Diane hochschoss, WAS Bearsons Creek war. „Oh MEIN GOTT!“

Bearsons Creek war eine Hohlwelt …7

So also sieht das Reiseziel der Dawsoner aus. Sie bekommen aber erst etwas später mit, wie groß diese Welt tatsächlich ist, als sie Kontakt mit hier lebenden Wesen bekommen, so genann­ten „Wandelwesen“. Ihr kennt sie schon als Berinnyer. Ganz so wie auf Dawson sind sie hier allerdings ebenfalls Gefangene. Der einzige Weg hinaus führt über einen Ort, den sie das „Raumzeit-Schloss“ nennen. QUANGOOR-8810 ist eine künstlich geschaffene Welt, und wer sie erschaffen hat, wird recht bald deutlich, als die Dawsoner Hunderte von weiteren Kristallporta­len finden, wie sie auf der Venus und auf Dawson existieren.

Die Baumeister haben QUANGOOR-8810 erschaffen, und wie die Ziffer besagt, gibt es Tausende dieser Habitate in der Galaxis Milchstraße. Doch QUANGOOR-8810 ist ein besonderer Ort, als er ein Gefängnis für ein potenziell gefährliches Wesen darstellt: XATHIIL, einen häretischen Entropie-Ingenieur.

Aber die Berinnyer erklären, wenn sie diese Welt verlassen woll­ten, müssten sie unbedingt zum Raumzeit-Schloss, XATHIILS Re­sidenz. Und vorher könnten sie eine Kolonie früherer menschli­cher Dawsoner besuchen, die sich hier niedergelassen hätten. Denn XATHIIL, so wird Major Adani versichert, redet mit nieman­dem.

Da der Platz hier begrenzt ist und ich der Serienhandlung – die natürlich viel weiter ist – nicht über Gebühr vorgreifen möchte, sei noch ein weiterer Blick in die Innenwelt von QUANGOOR-8810 gestattet, die euch das geheimnisvolle Raumzeit-Schloss zeigt:

Es war ein gigantischer Komplex.

Als das Raumzeit-Schloss in Sicht kam, wusste Liz Adani gar nicht, wohin sie zuerst sehen sollte. Das Raumzeit-Schloss war eine überwältigende Bastion aus gleißenden, unbekannten halbtransparenten Verbundstoffen und Licht, eine gi­gantische, vielfach verknotete Schleifenstruktur, als ob der Stoff beim Bau flüssig gewesen und in seine Form gleichsam GEGOSSEN worden sei.

„Vermutlich handelt es sich um stabilisierte Energie“, erläuterte der Berinnyer.

Die Struktur des Schlosses machte den Eindruck von ineinander verschlunge­nen Röhren, von denen jede bestimmt fünfzig Meter durchmaß. Wie eine Krone aus Röhren umgab die Struktur einen versenkten kubischen Zentralkörper, der lackschwarz schillerte. Überall ringsum flirrten eine Vielzahl von filigranen Zinnen und Stabkonstruktionen, die alles zu überkrusten schienen.

Und zwischen dem Raumzeit-Schloss und den Dawsonern war alles milchig verschwommen.

„Der Ablenkungsschirm“, erklärte der zweite Berinnyer. „Haltet euch fest, der Ruck wird gleich recht heftig.“

Und er behielt Recht.

Der Ruck riss die Sporenkapsel beiseite, verformte sie regelrecht, und die Pas­sagiere konnten merken, wie sich die Kapsel regelrecht dagegen sträubte, aus der Flugbahn gebracht zu werden. Es half aber natürlich alles nichts.

Traktorstrahlen hatten die Spore erfasst und schoben sie Kilometer über Kilo­meter hinweg, über die terrassenförmig angelegte Landschaft einer ausgedehn­ten Landmasse, die sich ringsum erstreckte. Spitzkegelige Berge ragten hier aus dem Wald, manchmal sahen sie auch eigentümlich geometrisch geformte Hügel, die künstlich schienen.

Zwischen den Bäumen und Buschheiden glitzerten Ströme von Wasser, hier und da waren kaskadengleiche Wasserfälle zu erkennen.

‚Das sieht ja richtig paradiesisch aus’, dachte Liz angenehm überrascht. ‚Und hier sind also …’

„Haltet euch fest!“, schrie einer der Berinnyer auf. „Wir werden gelandet!“

Und dann stürzte die Sporenkapsel ab!

Äh, Sporenkapsel? Ja, ja, ich weiß, Freunde, ihr habt Fragen … aber ich deute nur mal an, dass die Distanzen in QUANGOOR-8810 gigantisch sind. Die Welt hat einen Innendurchmesser von rund 355.000 Kilometern, da kommt man per pedes nicht allzu weit, schon gar nicht, wenn viele Lebensformen der Hohlwelt die Terraner als leckeren Appetithappen verstehen, und glaubt mir, genau das ist der Fall. Und wenn nicht dies, dann wollen sie die Ankömmlinge „barmherzig“ umbringen, um ihnen Schlim­meres zu ersparen.

Aber die Ankunft Liz Adanis beim Raumzeit-Schloss – sie schafft es tatsächlich, mit XATHIIL zu reden und wünscht sich sehr bald, sie hätte dies nicht – ist durchaus nicht das Ende der Probleme, sondern erst der mörderische Anfang.

Denn XATHIIL hat monströse Pläne, und alsbald tauchen in der Hohlwelt weitere Gäste auf, die hier gar nicht erwartet wurden. Ich deute nur mal an: Klivies Kleines, legendärer Freund Oki Stanwers und Helfer des Lichts, den Berinnyern aus KONFLIKT 12 als „Volksbefreier“ bekannt; Satarry, ein Ritter vom Goldkris­tall und Bediensteter der Sieben Lichtmächte, der in einer kla­ren Mordmission nach QUANGOOR-8810 gelangt; Zroncrart, ein hochgerüsteter Troohn-Matrixfehler mit einer äußerst verschro­benen Agenda, der auch bedenkenlos über Leichen geht … und dann ist da ein kybernetisches Ungeheuer, das sich KONSTRUKT nennt und das schon den Untergang von QUANGOOR-8810 ge­plant hat. Und den Tod von Kleines und Satarry und allen Le­bensformen innerhalb der Hohlwelt …

QUANGOOR-8810 mag nur innerhalb von KONFLIKT 19 Bedeu­tung besitzen, ja, aber die hier spielenden Episoden des Oki Stanwer Mythos glühen geradezu vor Hochdramatik und Tragik. Ich befand mich zuletzt im Jahre 2008 hier, aber die Handlungs­schiene des KONFLIKTS, die hiermit begonnen wurde, ist nach wie vor nicht abgeschlossen. Beizeiten werde ich dorthin natür­lich zurückkehren.

Was genau die kosmologische Rolle von QUANGOOR-8810 und seiner Schwesterwelten sein mag? Nun, ich glaube, darüber sollte ich an dieser Stelle noch nicht allzu viele Worte verlieren. Nur soviel: Die Baumeister haben die Galaxis Milchstraße des KONFLIKTS 19 „spezialstrukturiert“. Und sowohl die Einrichtung von NISCHEN8 wie auch der so genannten „Fangkugeln“ – das ist der korrekte Terminus für Welten wie QUANGOOR-8810 – dient einem Stabilisierungszweck dieses KONFLIKTS. Das verhindert freilich nicht, dass solche Strukturen nicht ein gewisses Eigenle­ben entwickeln und gewissermaßen „aus dem Ruder laufen“. Ich komme beizeiten darauf zurück.

Für heute verlassen wir QUANGOOR-8810, und ich danke euch für die Aufmerksamkeit.

Bis nächste Woche, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. dazu die Story „Die Intervention“, 2014.

2 Vgl. dazu den zweiten Annalen-Roman „Ian und der Stein der Götter“ im E-Book-For­mat (2014).

3 Vgl. dazu beizeiten den Roman „Eine scharf geschliffene Waffe“, 2018, und die 19. OSM-Serie „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM), begonnen 1991.

4 Vgl. dazu beizeiten die DM-Episode 7: „Problempunkt First Valley“, 1997.

5 Vgl. dazu beizeiten die DM-Episode 8: „Die Wandelwelt“, 1997.

6 Vgl. dazu die Story „Der Platz der Steine“, 2015.

7 Vgl. dazu beizeiten die DM-Episode 8: „Die Wandelwelt“, 1997.

8 Vgl. dazu den Blogartikel 337: „Legendäre Schauplätze 14: NISCHE“, 18. August 2019.

Rezensions-Blog 260: Persische Nächte

Posted März 17th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wenn man sich anfangs in diesem Roman in einem orientalischen Märchen wähnt, so kommt das definitiv nicht von ungefähr, und auch der Titel des Ro­mans passt ausgezeichnet zum Inhalt. Dies ist besonders bei explizit erotischen Romanen definitiv nicht immer der Fall. Manchmal führen Titel und Klappentex­te ausdrücklich ziemlich auf Abwege und verringern so das Fenster der Auf­merksamkeit für die eigentlich intendierte Zielgruppe. An mir kam der Roman nicht vorbei, weil ich ohnehin die Erotik-Reihe von Bastei seit vielen Jahren fest im Blick habe.

Zunächst denkt man – wie die weibliche Hauptperson – in der Tat an übernatür­liche Wesenheiten und Sukkubi, die in Erscheinung treten. Die Wahrheit sieht völlig anders und vor allen Dingen sehr viel grausamer aus. Wer immer von Ala­mut und dem Alten vom Berge gehört hat, tut gut daran, dieses Wissen bei der Lektüre des vorliegenden Werkes ins Gedächtnis zurückzurufen. Denn neben der Liebesgeschichte hierin, die durchaus obsessive Züge annimmt, geht es recht wesentlich um Politik, Intrigen und dynastischen Verrat. Das erwartet man dann unter diesem Titel eher nicht.

Worum es genau geht? Nun, schaut es euch an:

Persische Nächte

von Jasmine Eden

Bastei 16724

176 Seiten

März 2013

Shahira ist eine junge Perserin und ein einfaches Mädchen vom Land, das in ei­nem namenlosen Dorf ein eher schlichtes und tristes Leben führt. Wiewohl bildhübsch und von vielen Männern begehrlich beobachtet, sieht es doch so aus, als werde sie keinen Ehemann finden – der Grund dafür liegt in der Armut ihrer Eltern und in den Umständen jener Zeit, in der sie lebt. Wir befinden uns irgendwann in der Blütezeit der arabischen Kultur, ohne dass jemals ein konkretes Zeitfenster genannt wird. Mutmaßlich handelt es sich etwa um das 12. Jahrhundert.

Shahiras Leben ändert sich grundlegend, als sie eines Nachts Besuch von einem maskierten Mann bekommt, der ihr entschlossen einen scharfen Dolch an die Kehle legt – es handelt sich ganz offensichtlich um ein Fabelwesen, um einen so genannten Djinn, den sie „Nachtgeist“ nennt … denn wiewohl es sein Bestreben ist, sie zu töten, verzaubert Shahira ihn mit ihrer Erscheinung so sehr, dass er stattdessen mit ihr schläft, nie gekannte sinnliche Wonnen in ihr auslöst und ihre Jungfräulichkeit raubt. Anschließend entschwindet er wie ein Traum in die Nacht.

Er sucht sie noch häufiger auf und bereitet der jungen Frau berauschende Lie­beswonnen. Doch als sie schon bereit ist, ihm ihr Leben hinzugeben, wenn es das ist, was er wünscht, da zögert der Djinn … und stattdessen mäht der Tod Shahiras gesamtes Dorf dahin. Die verzweifelte Perserin und ihr rätselhafter Ge­liebter entgehen dem Verhängnis mit knapper Not.

Das Herz der Finsternis, dessen Ausläufer Shahiras Leben beeinflusst, ist die so genannte „Bruderschaft der Namenlosen“, die aus einer verborgenen Bergfes­tung agiert und den Sturz des Kalifen in Isfahan anstrebt. Und Shahiras „Nacht­geist“ erweist sich als einer der Assassinen des Bundes, darauf eingeschworen, zu töten und niemals zu lieben. Mehr noch: das, was er am meisten liebt, ist das, was er zu töten hat, um überhaupt Teil der Bruderschaft werden zu kön­nen. Aber die Liebe findet immer einen Weg, diejenigen zusammenzuführen, die zusammengehören …

Tausendundeine Nacht ist eine Sammlung von Märchen und Legenden aus dem arabischen Sprachraum. Sie besticht durch farbenprächtige Settings, leiden­schaftliche Liebesgeschichten und Abenteuer … indes ist ein Aspekt des mensch­lichen Lebens dabei eher zurückhaltend ausgedrückt, und man muss in den Tausenden von Seiten dieses Werkes mitunter mühsam suchen, um ihn zu fin­den: den Ausdruck weiblicher Sexualität. Das ist natürlich den moralischen Sit­ten und Normen sowohl des arabischen Raumes wie auch der Auswahl der Übersetzer geschuldet. Die meisten Übersetzungen dieses Werkes sind nicht modernen Ursprungs, sondern wurzeln im 18. und 19. Jahrhundert. Und es ist allgemein bekannt, dass die Schriften jener Zeiten – von Ausnahmen abgesehen – erotisch eher unterkühlt waren.

Jasmine Eden dreht in ihrem in der Bastei Erotik-Reihe erschienenen Werk „Per­sische Nächte“ die Lage grundlegend um, und auch hier handelt es sich um ei­nen Ausfluss der Zeitumstände. Hier kommt der Erotik explizit die Vordergrund­rolle zu, wenn auch nicht so detailliert und intensiv wie etwa in den Romanen des Verlags „Plaisir d’Amour“. Gleichwohl ist die Liebesgeschichte zwischen dem „Nachtgeist“ Kian und seiner Shahira eine nette Abwechslung, die eher zu den sanfteren Geschichten des erotischen Genres gerechnet werden kann.

Interessant wird sie weniger durch die Erotik darin als vielmehr durch das Set­ting. Wenngleich die Rahmenstruktur der Geschichte eher diffus bleibt, was bedauerlich ist – was sie aber mit „Tausendundeine Nacht“ definitiv gemein­sam hat – , so sind die Strukturelemente überraschend für einen erotischen Ro­man. Letztere neigen in der Regel dahin, einen starken Tunnelblick auf die zen­tralen Personen und explizit die physischen Interaktionen zu legen. Davon kann im vorliegenden Buch nicht die Rede sein. Hier lernt man – flüchtig – das Dorf­leben im Persien des Mittelalters kennen. Man wird Zeuge von Mord und Tot­schlag, von Seelenqual und menschlichem Verlust, von Not und Entbehrung, von Intrigen und politischen Ränken. Etwas, was man üblicherweise mehr in Abenteuerromanen oder Abenteuerfilmen a la „Die Maske des Zorro“ oder „Fluch der Karibik“ erwarten würde.

Auch die gezielte Dekonstruktion des magischen Anfangsmoments geschieht re­lativ schnell und gründlich. Und die Autorin bedient sich dazu noch aus dem Baukasten der historischen Überlieferung. So spielen die Assassinen des „Alten vom Berge“, Hassan-i-Sabahs (ab 1090 christlicher Zeitrechnung) eine Rolle, in­klusive der Berauschung durch Haschisch und einer orgienhaften Szene, die dann, ebenfalls untypisch für erotische Romane, in einem Blutbad endet.

Das Buch ist erstaunlich schnell ausgelesen – ich habe dafür keine zwei Tage ge­braucht, und ich hatte wenig Zeit. Sonst wäre es vermutlich bei einer 1-Tag-Lek­türe geblieben. Das spricht definitiv für die Autorin. Für Folgeromane wäre ihr indes zu wünschen, dass sie die Geschichte etwas klarer zeitlich lokalisiert und etwas mehr von schematischer Personenzeichnung absieht. Die Handlung ist leider mehrheitlich recht schnell transparent, und wirkliche Komplexität ist le­diglich angedeutet, aber nicht ausgeführt.

Dennoch fand ich den Roman sehr angenehm zum Lesen, besonders für solche Freunde erotischer Literatur, die es gern etwas sanfter mögen und sich zudem von exotischem Setting verzaubern lassen möchten. Der Roman ist definitiv eine Entdeckung wert.

© 2017 by Uwe Lammers

Und damit machen wir dann in der kommenden Woche einen weiteren brüsken Zeit- und Raumsprung. Ab in den hohen Norden und in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts zu Clive Cussler & Co. Um welchen Roman es sich dann konkret handelt? Das erfahrt ihr nächste Woche an diesem Ort.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

als ich euch vor acht Wochen an dieser Stelle verließ, hatte ich mit dem Aufrol­len meiner kreativen Biografie, soweit sie die „Annalen der Ewigkeit“ betrifft, das Ende des Monats August 2014 erreicht. Ich befand mich also in der schwie­rigen Zwischenphase kurz nach dem Tod meines Vaters (Dezember 2013) und dem noch in der Zukunft liegenden Tod meiner Mutter (Mai 2015). Aber wie ich erwähnte, irgendwie schien ich schon zu spüren, dass uns die gemeinsame Zeit davonlief. Einen Gutteil dieser verbleibenden Zeit – rückblickend war es natür­lich viel zu wenig – investierten meine Mutter und ich darum in das Projekt des Gedächtnisskripts, das einen Teil ihres Lebens aufhellen sollte, den ich mangels Existenz noch nicht kannte und der mit ihrem Fortgang für immer im Dämmer des Vergessens versinken würde.

Damit hätte ich mich natürlich auch in diesem Monat September 2014 gern weiter befasst, aber zum einen gelang es mir frühzeitig (6. September), das nächste E-Book fertigzustellen, „Die Macht der Liebe“. Zum anderen versank ich sehr tief in der ausführlichen Neubearbeitung der Story „Ein Passagier der R.M.S. TITANIC“, die die Titelstory des gleichnamigen E-Book-Storybandes wer­den sollte. Glossararbeiten traten hinzu und die Weiterarbeit an den E-Books „Annalen 4: Heiligtum der Shonta“, „Abenteurerherz“ und „Zurück zu den Sargkolonnen“.

Während ich nur an einem einzigen Fragment vorankam, nämlich an „Auf Skla­venjagd“ (aber nicht sehr weit), schoss mir eine ungewöhnliche Form von Event dazwischen. Ich war nämlich gefragt worden, ob ich nicht im Gemeindezentrum der Gemeinde Dettum eine Lesung halten wollte … das geschah dann am 8. Ok­tober, und ich hatte einiges zu tun mit der Entwicklung eines Leseskripts. Dabei kamen dann meine Besuche in Gifhorn zu kurz, und so konnte ich an dem Ge­dächtnisskript nicht weitermachen.

Man merkt im übrigen auch an der Tatsache, dass nur fünfzehn fertige Werke für diesen Monat vermerkt sind, dass ich gründlich von einigen wenigen Aufga­ben absorbiert war.

Der Oktober gestaltete sich noch dürftiger (13 Werke). Während ich hier jede Menge Blogartikel schrieb und mich von neuem um das Gedächtnisskript mei­ner Mutter kümmern konnte, entstand das E-Book „Abenteurerherz“, die Ar­beiten an dem Storyband „Ein Passagier der R.M.S. TITANIC und andere phan­tastische Geschichten“ schritten voran, ebenso an „Zurück zu den Sargkolon­nen“.

Viel Zeit verbrachte ich in diesem Monat allerdings im Archipel und diversen Fragmenten. Ohne das quantifizieren zu können, könnte das etwa jener Zeit gleich gekommen sein, die ich auf die kommentierten Episodenabschriften und Neuformatierungen von Episoden des OSM verwendete. Ich überspringe die Ar­chipelwerke an dieser Stelle, weil ich darauf schon in meiner Artikelreihe „Was ist eigentlich der OSM?“ eingegangen bin.

An OSM-Fragmenten kümmerte ich mich um „Kontrollverlust“, die Abschrift des Romans „Der Zathuray-Konflikt“ (erst Jahre später vollendet), „Pazifisten“ und die Überarbeitung der Story „Hüter des Shanna Djannir“. Alles Projekte, die damals nicht abgeschlossen werden konnten.

Entsprechend etwas kläglich wirkt denn also auch der Monat Oktober 2014.

Im November legte ich dann wieder einen Zahn zu. „Hüter des Shanna Djannir“ wurde schon in der Überarbeitung am 3. November fertig, entsprechende Glos­sare für die Originalstory und die Überarbeitung (die abweichende Seitenzahlen aufweist und deshalb ein neues Glossar benötigte) folgten.

Ebenso gelang es, am 18. November die TITANIC-Story fertig auszuarbeiten und am gleichen Tag auch die E-Book-Storysammlung, die bis auf dieses Werk schon fertig war, abzuschließen.

Obgleich ich immer noch zwischen dem Archipel und dem OSM hin und her ge­rissen war, kam ich doch beim Oki Stanwer Mythos deutlich besser voran. Ich schrieb bzw. aktualisierte das OSM-Hauptglossar und das OSM-Hauptbegriffsre­gister, fügte Seiten zu „Parasiten aus dem Kosmos“ hinzu und kümmerte mich reichlich um kommentierte Episodenabschriften aus den KONFLIKTEN 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC), 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC), 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (KGTDUS) und 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK). Auch versuchte ich, in der Story „Exil auf Hushhin“ weiter voranzukommen, aber es muss zugegeben werden, dass das nicht wirklich glückte. Gleichwohl – insgesamt erreichte ich 18 fertiggestellte Werke. Das war schon eine ganz ordentliche Bilanz.

Gewiss, wenn mein Kopf nicht durch so viele Fragmente gründlich abgelenkt und mehr fokussiert gewesen wäre, dann hätte ich schätzungsweise mehr ge­schafft. Aber dem hinterherzutrauern, wenn der Monat vorüber ist, macht we­nig Sinn.

Schauen wir uns den Jahresabschluss an.

Der Dezember prunkte mit satten 30 Werken. Kaum abgelenkt von Geburtsta­gen (wie im September und Oktober) konnte ich hier deutlich konzentrierter ar­beiten. Allerdings entfallen von diesen 30 Werken nur sechs auf den OSM, und alle erweisen sich als kommentierte Episodenabschriften. E-Book-Fertigstellun­gen? Fehlanzeige, leider. Jede Menge Gedichtabschriften – wodurch sich die hohe Zahl an abgeschlossenen Werken erklärt.

Das heißt nicht, dass ich am OSM nicht weiter getüftelt hätte, das tat ich sehr wohl, etwa an „Eine scharf geschliffene Waffe“, an dem Hintergrundtext „Die kontrollierte Illusion“, an „Monsterjagd“ und „Exil auf Hushhin“, am „Zathu­ray-Konflikt“ und an einem ersten Entwurf von „Im Feuerglanz der Grünen Ga­laxis“. Ihr wisst, dass letztes Werk dann in einer deutlich „abgespeckten“ Versi­on erst Anfang 2019 publiziert werden konnte. Wie ich an anderer Stelle sagte: manche Dinge brauchen eben richtig viel Zeit.

Ach ja, und nach Abschluss der letzten E-Book-Storysammlung begann ich na­türlich damit, die nächste zu konzipieren, die da heißen sollte: „Reinkarnation und andere phantastische Geschichten“. Auch die ist heutzutage, wie ihr euch erinnern werdet, längst veröffentlicht.

Außerdem begann ich in diesem Monat, auf den Ratschlag einer befreundeten Professorin, mit der Überarbeitung meiner Magisterarbeit von 2002. Das sollte dann im Folgejahr in einer digitalen Publikation des Werkes gipfeln, das heutzu­tage unter dem Kürzel „Sieben Leben“ relativ leicht auffindbar ist für alle, die danach suchen möchten.

Und damit habe ich dann sozusagen die Schwelle zum Jahr 2015 erreicht – ohne Übertreibung kann ich sagen, dass dieses Jahr meinem Leben eine Reihe von Impulsen verabreichen sollte, die mich grundlegend verändern mussten, das ließ sich überhaupt nicht vermeiden.

Es hatte mit Todesfällen zu tun, es hatte mit einer neuen beruflichen Perspekti­ve zu tun und brachte mich außerdem intensiver in Kontakt mit dem Verein KreativRegion e.V., in den ich heute fester denn je integriert bin. Zugleich sollte das Jahr jedoch auch krisenhaft für mein E-Book-Programm werden. Gewisser­maßen ein Vorgeschmack auf das Jahr 2016.

Das alles erzähle ich euch in den nächsten Abschnitten dieser Artikelreihe, die ich inzwischen, wie ihr sicherlich gemerkt habt, deutlich straffen konnte. Für eine Weile neigte ich doch zu einem gewissen Plauderton, der zu wortreich war. Ich bemühe mich, das etwas im Zaum zu halten.

Mehr zum Jahr 2015 also beim nächsten Mal.

Macht es gut und bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 259: Das Nautilus-Manöver (5/E)

Posted März 11th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Zeitreiseabenteuer sind trickreich, und Zeitreiseserien neigen leider dazu, ir­gendwann ins Uferlose abzudriften und dementsprechend den Boden unter den Füßen zu verlieren. Dasselbe scheint auch mit Simon Hawkes „Timewars“-Zyklus geschehen zu sein, von dem es, wie mir ein Brieffreund kürzlich verriet, im angelsächsischen Raum noch erheblich mehr Bände gibt. Insgesamt umfasst die Serie wohl zehn oder noch mehr Romane.

Warum wurden dann nur fünf übersetzt und von Bastei publiziert? Ich nehme stark an, dass das wesentlich mit stark nachlassender Qualität zu tun hatte. So, wie ein Arthur Conan Doyle seinen Sherlock Holmes nur widerwillig nach der Hinrichtung in den Reichenbachfällen und dessen auf Leserwunsch erfolgte Neubelebung wieder Abenteuer des legendären Detektivs niederschrieb, eben­so ist es bekannt, dass Lyman Frank Baum zu den Fortsetzungen seines „Wizard of Oz“ genötigt wurde. Da sie meines Wissens nie ins Deutsche übertragen wur­den, kann man mutmaßen, dass ihre Qualität eher mäßig war.

Sieht man sich den vorliegenden – im deutschen Sprachraum letzten – Roman von Simon Hawkes Zeitreisezyklus an, so kann man nicht bestreiten, dass hier ein ähnliches Nachlassen zu erkennen ist. Leider ist dieses Werk das schwächste der Reihe, daran können auch Jules Verne und die NAUTILUS nichts ändern.

Aber macht euch lieber selbst ein Bild davon:

Das Nautilus-Manöver

(OT: The Nautilus Sanction)

von Simon Hawke

TIMEWARS Band 5

Bastei 23187

256 Seiten, TB, März 1997

Übersetzt von Rainer Gladys

ISBN 3-404-23187-2

 

Technische Innovationen machen auch vor Science Fiction-Serien nicht Halt. So geht es dementsprechend hier ebenfalls. Im 27. Jahrhundert wird sukzessive die „altmodische“ Technik der sperrigen Zeitschirme, mit denen man in die Ver­gangenheit reisen kann, durch mikrominiaturisierte „Warpscheiben“ ersetzt. Das ist nicht nur ein Vorteil, wie klar wird, als die Erste Division der Zeitarmee plötzlich in absolute Alarmbereitschaft versetzt wird.

Der Divisionskommandeur Forrester erklärt seinen fassungslosen Untergebe­nen, dass kriminelle Elemente aus der Firma Amalgamated Techtronics nicht weniger als FÜNFTAUSEND solcher Scheiben entführt haben. Ihre Spur verliert sich in den Strömen der Zeit. Um die Sache noch schlimmer zu machen, haben diese Terroristen aber auch im Jahr 1993 im Nordpolarmeer ein sowjetisches Atom-U-Boot entführt, das Hunderte von nuklearen Sprengköpfen auf ballisti­schen Raketen in den Einsatz bringen kann. Nunmehr haben es die Zeitagenten mit nichts Geringerem zu tun als einer zeitreisenden Mordmaschine, bemannt mit zu allem entschlossenen Fanatikern.

Die Spuren führen schließlich ins Jahr 1866, wo ein furchtbares Meeresunge­heuer gesichtet worden ist. Getarnt als Wissenschaftler gehen Major Lucas Priest, sein Kamerad Finn Delaney und die Zeitagentin Andre Cross an Bord des Dampfschiffs Abraham Lincoln unter Commander Farragut. Wem diese Namen irgendwie bekannt vorkommen, dem sei schon jetzt verraten, dass er Recht hat.

Dummerweise nämlich treffen die Agenten hier auf einen sehr klugen, detekti­vischen Franzosen namens Jules Verne, der ihnen bald beträchtliche Probleme bereitet. Ähnliches gilt für den kanadischen Harpunier Ned Land, der unbedingt den „Narwal“ abschießen möchte.

Als sie sich schließlich mit dem „Ungeheuer“ konfrontiert sehen, wird leider auch klar, wie sehr sie die Gefahr unterschätzt haben, die von dem Untersee­boot ausgeht. Als Gefangene auf Reisen durch die Zeit machen die Freunde die gespenstische Bekanntschaft mit dem Zeitimperium der letzten überlebenden Zeitwächter, die von dem im vorangegangenen Abenteuer1 entkommenen Niko­lai Drakov angeführt werden. Und sein Plan ist grauenhafter als alles, mit dem Priest und seine Gefährten jemals konfrontiert worden sind …

Sagen wir etwas Freundliches zu diesem Buch: Bis etwa Seite 190 ist es ausge­zeichnet lesbar und von ähnlicher Qualität wie die vier vorangehenden. Aller­dings sind gewisse Ermüdungserscheinungen zu konstatieren, und gegen Ende artet das Buch in ein an Doc Savage erinnerndes „catch-as-catch-can“ aus, ein relativ hirnloses Gemetzel, das seine Anleihen bei dem James Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ nicht verleugnen kann. Wohlgemerkt: ich liebe diesen Film! Aber das, was in diesem Roman davon adaptiert wird, behagt mir überhaupt nicht.

War noch im vergangenen Roman das Finale so atemberaubend, unübersicht­lich und relativ unvorhersehbar, so rast die Handlung hier vergleichsweise ge­radlinig auf den Schluss zu, überhastet und nicht besonders liebevoll. Man spürt, der Autor wollte diesen Zyklus abschließen. Die Einführung von Dr. Darkness, dem Mann, der am anderen Ende der Galaxis lebt und sich zwischendurch als halbstabiles Phantom materialisiert und die Protagonisten mit neutronensterngestützten Superwaffen versorgt, hat mir als Leser das Vergnügen gänzlich vergällt. Es macht keinen Spaß, einen Roman zu lesen, wenn man ahnt, dass da jemand Übermächtiges ist, der einfach so eingreifen und die Gegner vom Tisch wischen kann. Schlussendlich blieb auch die liebevolle Charakterisierung der Personen auf der Strecke und die geschickte logische Argumentation, die verzwickten und kniffligen Denkkapriolen, die Hawke seinen Lesern abverlangt, es war nur noch Actionstoff. Da half es auch nicht, Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer zu adaptieren und den Piraten Jean Laffitte ins Boot zu holen.

Der Roman hätte entschieden mehr Potenzial gehabt, hätte man ihn ohne die neue Warptechnologie und gottähnliche, arrogante Supererfinder geschrieben. Aber dass danach kein weiterer Roman mehr auf Deutsch herauskam, ist ver­ständlich. Vermutlich hätte der nächste dann wohl im Zentrum der Galaxis ge­spielt.

Alles in allem ein trauriges Ende der Serie. Dennoch ist der Großteil des Ro­mans, wie oben angedeutet, mit großem Genuss zu lesen. Nur der Schluss lässt arg zu wünschen übrig.

© 2003/2018 by Uwe Lammers

Deutlich kurzweiliger, das kann ich heute schon versprechen, wird unser Ausflug ins Genre des erotischen Romans in der kommenden Woche. Gut, sonderlich viel Tiefgang braucht dann natürlich niemand zu erwarten, aber die Charakter­zeichnung hat mir da sehr gefallen.

In Bälde erfahrt ihr an dieser Stelle mehr.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Vgl. Simon Hawke: „Die Zenda-Vendetta“, Bastei 23181 (siehe dazu auch den Rezensions-Blog 254 vom 5. Februar 2020).

Blogartikel 366: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 14

Posted März 8th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

da es heute einiges an dramatischen Dingen zu erzählen gibt, für die ich vermutlich etwas Raum brauche, komme ich gleich ohne lange Vorrede heute mal zum Punkt und fahre fort mit der Berichterstattung über KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“, beginnend mit dem Band 66.

Rückblick: Oki Stanwer ist nach wie vor weit entfernt von Hun‘arc, seinem Bestimmungsort, wo er Feldherr der Cranyaa werden soll. Fast 600.000 Jahre in die Vergangenheit des Zeit­universums verschlagen, sucht er einen Rückweg, wird aber mit einer Vielzahl von Fallen konfrontiert und verliert eine Reihe von Wegstreitern. Die Lage dort scheint immer aussichtsloser zu sein.

In der Gegenwart erreichen die Cranyaa mit Unterstützung des amtierenden Matrixkoordinators, des WÄCHTERS, einen kleinen Erfolg – auf dem Planeten Runix wird die neue Inkarnation des Helfers des Lichts Klivies Kleines gerettet, ein kristalliner Huma­noider. Dafür fallen die Soogrerin Loree und Yorrok, der Ritter vom Goldkristall, in TOTAMS Hände.

Auch sonst ist die Bedrohung durch TOTAMS Schergen in Hun‘arc ärger denn je…

Episode 66: Die Hassflotte

(10. August 1985, digitalisiert 2019)

Auf der Industriewelt Iltrian der Cranyaa ist vor Monaten bereits eine mehrere tausend Schiffe umfassende Flotte fremder Besu­cher Hun‘arcs niedergegangen – es handelt sich um die entro­piegeschädigten Yozinther. Wiewohl sie hier eingetroffen sind, um TOTAM zu dienen und das Ewige Reich zu erschaffen, sind die hasserfüllten Yozinther doch unberechenbare Kandidaten geblieben.

Der WÄCHTER rechnet sich aus, sie gegebenenfalls auf die Seite des Lichts ziehen zu können – er weiß noch nicht, dass TOTAM sie summarisch zu Untoten gemacht hat und sie damit de facto für die Seite des Guten verloren sind. Und TOTAM argwöhnt nicht, dass die aktionistischen Yozinther weiterhin die Cranyaa-Welten wie Kareton terrorisieren könnten, was aber geschieht.

Zornerfüllt ersetzt die Macht des Bösen daraufhin einen der bei­den Yozinther-Kommandanten kurzerhand durch einen Dämon von TOTAM und zwingt die gesamte Flotte zum Start und zum Rückzug hinter die Raumkrümmung um den Planeten TOTAM selbst. Die Mission des WÄCHTERS läuft ins Leere.

Er ahnt freilich nicht, dass das nur ein Teil von TOTAMS Gesamt­plan ist. Auf Kareton ist inzwischen ein TOTAM-höriger Vasall in Stellung gegangen, der das Reich der Neuen Cranyaa von innen destabilisieren soll.

Episode 67: Sturm der Untoten

(5. Oktober 1985, digitalisiert 2019)

Klivies Kleines, inzwischen zum Geheimdienstchef der Cranyaa avanciert, spart nicht an Kritik, als der WÄCHTER unverrichteter Dinge von Iltrian zurückkehren muss. Während dies geschieht, trifft überraschend ein Funkspruch ein – abgeschickt hat ihn die Soogrerin Loree von ihrer Heimatwelt Senaax!

Aber Moment, sagen sich die Verantwortlichen auf Kareton, Lo­ree ist doch von TOTAM entführt worden, und nach den Worten des WÄCHTERS und auch denen von Klivies Kleines ist nie je­mand von TOTAM wieder freigekommen. Wie sollte das Loree geschafft haben?

Eine Falle?

Offenkundig, gesteht Kleines ein. Aber vielleicht auch eine Gele­genheit, um mehr über TOTAMS Pläne in Erfahrung zu bringen.

Ein kleines Krisenkommando von Cranyaa, unterstützt von Klei­nes und dem WÄCHTER, begibt sich daraufhin nach Senaax und trifft tatsächlich Loree an – aber wie befürchtet ist es eine Falle, und Loree inzwischen mental zur willigen Parteigängerin der Macht des Bösen umgepolt.

Als der „Sturm der Untoten“ aus dem Asyl der Calnarer beginnt und die Cranyaa um ihr Überleben kämpfen müssen, verspottet Loree die Kämpfer des Lichts noch damit, dass Oki Stanwer im Zeituniversum gefangen sei und mit seiner Ankunft in der Ge­genwart nicht gerechnet werden könne – vielmehr würden dort nach und nach alle seine Getreuen getötet werden, bis er selbst in TOTAMS Hand fiele.

Nur in letzter Sekunde können Kleines und der WÄCHTER der scheinbar vollkommenen Falle entrinnen …

Episode 68: Die Graue Eminenz

(8. Dezember 1985, digitalisiert 2019)

Die Lage ist verfahrener denn je. Die Yozinther lauern in den Tiefen der Galaxis, bereit zum Zuschlagen. Die Schwarzen Schiffe sind dort, irgendwo existiert laut Loree eine Geheimbasis namens Ghoyyol, von der aus TOTAMS Truppen Angriffe gegen die nur noch schwach geschützten Cranyaa-Welten fliegen kön­nen.

Und dann rumort es auch in der Gesellschaft der Neuen Cranyaa. Neben den im Untergrund verschwundenen, aber nicht ungefährlichen Terroristen des Kommandos Erste Stunde (KES) wächst eine neue Organisation heran, die sich „Organisation Graue Eminenz“ nennt und ebenfalls den Sturz der Regierung anstrebt.

Ylor-Ya, der monströse Gründer des KES, beschließt daraufhin, ein Bündnis mit der Grauen Eminenz einzugehen … doch es stellt sich heraus, dass die Eminenz für niemand Geringeres als für TOTAM arbeitet und eine Kooperation rundweg ablehnt.

Daraufhin erklärt das KES der Grauen Eminenz den Krieg.

Episode 69: Mordanschlag auf den WÄCHTER

(9. Januar 1986, digitalisiert 2019)

Die innenpolitische Krise im Reich der Neuen Cranyaa geht weiter. Klivies Kleines ermittelt als Geheimdienstchef Kaiserin Sini-Ags im Falle von Morden und Anschlägen, und es kristalli­siert sich bald heraus, dass es zwei Untergrundorganisationen gibt, die sich befehden – was wegen der Kollateralschäden kei­nerlei Grund zur Entspannung ist.

Bei einem dieser Anschläge taucht unvermittelt auch ein Dä­mon von TOTAM auf Kareton auf. Er wird von der Grauen Emi­nenz auf den WÄCHTER angesetzt, der einem Terroranschlag zum Opfer fallen soll – aber der Anschlag gelingt nur teilweise. Es kommt zwar zu massiven Verlusten an Cranyaaleben und ge­waltigen Sachschäden, aber der WÄCHTER überlebt das Atten­tat.

Klivies Kleines wird aber schwer verletzt und zerbröckelt in den Armen des WÄCHTERS zu Kristallstaub. Der vor Zorn und Schmerz halb verrückte Matrixkoordinator schwört der Grauen Eminenz tödliche Rache …

Episode 70: Verfolgungsjagd zur schwarzen Welt

(16. Januar 1986, digitalisiert 2019)

Nach dem erfolgreichen Mordanschlag auf Klivies Kleines herrscht auf dem Zentralplaneten der Cranyaa, Kareton, höchs­te Alarmstufe. Der WÄCHTER verfolgt nun unnachgiebig die Ver­schwörer sowohl des Kommandos Erste Stunde als auch der Grauen Eminenz. Viele von ihnen werden kurzerhand standrechtlich erschossen. Die Verfolgung nimmt regelrechte Züge einer Hexenjagd an und erinnert massiv an einen von rotglühender Vergeltungssucht eines rachsüchtigen WÄCHTERS geleiteten Feldzug ohne Gnade.

Als der WÄCHTER schließlich durch eine gegnerische Indiskreti­on den Standort der Grauen Eminenz auf Kareton herausfinden kann und dort ihre wahre Identität herausfindet, erleidet er ei­nen ungeheuerlichen Schock.

Sie sind alle massiv getäuscht worden – und die Eminenz tritt nun fast schon triumphal die Flucht nach TOTAM an. Der WÄCH­TER verfolgt sie gnadenlos … und erst im allerletzten Augen­blick realisiert er, dass er in die nächste Falle gegangen ist, aus der ein Entkommen offenbar unmöglich ist!

Soweit für dieses Mal mit den dramatischen Ereignissen der Serienhandlung. In der nächsten Close Up-Folge blende ich voll­ständig zurück ins Zeituniversum, wo es um Oki Stanwers wei­tere Erlebnisse gehen wird, die Gerlakos … und um die rätsel­haften Plegg‘re, die nun leibhaftig die Bühne des Schicksal be­treten.

Bleibt gespannt, Freunde. Bis zum nächsten Mal, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 258: Mission TITANIC

Posted März 4th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wer mich lange kennt, und damit meine ich so etwa gut 20 Jahre oder länger, der ist schon geraume Zeit darüber im Bilde, dass mich der Mythos des Ozean­dampfers TITANIC seit langem in seinen Bann gezogen hat. Schon 1984 verfass­te ich mit der Geschichte „Ein Passagier der R.M.S. TITANIC“ (dem Vorläufer zu meiner gleichnamigen, später im E-Book grundlegend überarbeiteten und opti­mierten Novelle) eine Story, in der sich die TITANIC-Lektüre meiner Jugend und die Phantastik mischten. Es dauerte eine Weile weiterer Jahre, bis ich, ausge­hend vermutlich von Walter Lords Schilderung über die Fahrt der TITANIC, auch erkannte, dass das reale Schicksal des Schiffes Reiz genug ausstrahlte.

In meinem Flur hängt eine Risszeichnung der TITANIC an der Wand. Zahllose Bücher zur TITANIC und Bildbände über jene Zeit der maritimen Schifffahrt fin­den sich in meiner Bibliothek. Und so gelangte als jüngstes Werk auch dieses Sachbuch in meinen Besitz – und elektrisierte mich unvermeidlich. Wusste ich doch, dass James Cameron als Verfasser von dem Ozeandampfer vermutlich noch besessener war als ich. Und ich habe seinen Kinofilm aus den 90er Jahren sicherlich zwei Dutzend Male gesehen, ungeachtet seiner Länge, davon mindes­tens ein halbes Dutzend Mal im Kino.1

Und ich wusste bislang nur von der 1995er-Expedition Camerons zur TITANIC, die ja die Grundlage für seinen Film war. Dass er danach noch zwei Expeditio­nen ausrüstete und mit neuartigen Tauchrobotern in das bis dahin unerreichba­re Innere des Wracks vorstieß, ahnte ich nicht und konnte mir das auch nicht vorstellen – ganz zu schweigen von den Wundern, die er darin vorfand und fo­tografisch festhielt.

Wer wissen möchte, wie mein TITANIC-Wissenshorizont dramatisch erweitert wurde und was Cameron erlebte, der lese weiter:

Mission TITANIC

(OT – mutmaßlich, da nicht verzeichnet: Mission TITANIC)

Von James Cameron

Delius Clasing & Co., Bielefeld (2016)

großformatiger Bildband

252 Seiten, geb.

Aus dem Amerikanischen von Melanie Kopp

ISBN 978-3-667-10239-3

Man schreibt den April des Jahres 1912. Der mit weitem Abstand luxuriöseste Liner der White Star Line überquert auf seiner Jungfernfahrt den Atlantik mit Zielhafen New York. Aber wie jeder Kenner weiß, kommt die TITANIC dort nie­mals an. Sie kollidiert im Nordatlantik bei annähernd spiegelglatter See mit ei­nem Eisberg und versinkt für immer auf den Grund des Meeres, mehr als zweit­ausend Seelen kommen dabei ums Leben. Das Wrack gilt jahrzehntelang für im­mer verschollen, bis es schließlich 1985 dem amerikanischen Ozeanologen und Tiefseeforscher Robert D. Ballard gelingt, das Schiff in rund 3.800 Metern Meeres­tiefe ausfindig zu machen und Bilder von der Stätte der ewigen Ruhe empor ans Licht zu bringen.

In den Folgejahren tauchen verschiedene Expeditionen hinunter auf den eisigen Grund des Nordatlantiks und heben diverse Artefakte aus dem weit ausgedehn­ten Trümmerfeld. Aber allgemein wird Ballards Diktum Glauben geschenkt: die TITANIC ist ein weithin unzugängliches Wrack, das Innere, das zweifellos ebenso zerstört sei wie etwa das komplett zerfetzte Heckteil des gesunkenen Luxusli­ners. Mikroorganismen seien massiv dabei, alles Holz des Wracks zu zersetzen, und zweifellos sei es am besten, das Schiff unter Denkmalschutz zu stellen und in Ruhe zu lassen.

Es gibt aber jemanden, der sich damit nicht abfindet. Das ist der amerikanische Regisseur James Cameron. Er unternimmt 1995 einen ersten Tauchgang zur TI­TANIC und macht die Erfahrung, dass die Tauchtechnologie noch deutlich hinter den prinzipiellen Möglichkeiten herhinkt. Außerdem trägt er sich mit dem Ge­danken, einen Kinofilm über das TITANIC-Drama zu erschaffen, das ihn selbst schon seit Jahrzehnten umtreibt. Bereits seit seiner Kindheit war er von der Tiefsee und Tiefseeforschung wie besessen.

Allgemein wird angenommen, dass ein TITANIC-Film nicht funktionieren werde. Zu bekannt ist die Geschichte, sie habe einfach kein Potenzial. Er findet keine Geldgeber und finanziert schließlich kurzerhand den Film auf eigene Faust mit einem Wahnsinnsbudget und einem perfektionistischen Aufwand. Der Rest ist, könnte man sagen, Geschichte: „TITANIC“ wird 1997/98 zur Weltsensation und zu einem der berühmtesten Film der Filmgeschichte, der reihenweise Oscars einheimst. Er ist der Grundstein für die Schauspielerkarrieren von Leonardo Di­Caprio und Kate Winslet.

Ist dies der Schlussstein für Camerons Besessenheit von der TITANIC? Nein. Ge­meinsam mit seinem – inzwischen verstorbenen – Filmkollegen Bill Paxton, der im Kinofilm eine wichtige Rolle spielte, kehrt Cameron im Jahre 2001 zur TITA­NIC zurück. Inzwischen hat sein Team die Tauchrobotertechnik perfektioniert. Und Cameron möchte nicht nur um das Wrack herumtauchen … nein, er will mitten hinein. Er will herausfinden, ob Ballards Diktum stimmt. Und zugleich hofft er auf das Gegenteil, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür sehr gering ist, wenn man sich die Fakten besieht.

Ist das Innere der TITANIC tatsächlich nur noch ein zertrümmerter Ruinentep­pich, oder hat das Schiff, das fast vier Kilometer tief in den Ozean hinabstürzte und von außen so zerschlagen aussieht wie ein gefallener Krieger nach heftigem Kampf, doch noch Überraschungen aufzubieten?

Mit einem akribischen Plan des Wracks, basierend auf den Planzeichnungen der White Star Line setzt Cameron seine neu entwickelten Tauchroboter „Jake“ und „Elwood“ (benannt nach den Blues Brothers aus dem gleichnamigen Film) für Fahrten ins Innere des Schiffes ein – und findet ein atemberaubendes Märchen­reich voller Überraschungen.

Da sind beispielsweise die rätselhaften und definitiv gefährlichen Rostzapfen, die nun erstmals wissenschaftlich untersucht werden können: faszinierende, weitgehend hohle und sehr zerbrechliche Kolonien metallbasierter Bakterien, die sich im Innern des Wracks in Form von unglaublichen Gallertwolken ausge­breitet haben. Aber im Gegensatz zu Bob Ballards Annahmen haben sie durch­aus keine ganze Arbeit geleistet – es gibt weite Bereiche, ja, ganze Decks, die er­staunlicherweise kaum beschädigt sind.

Cameron findet erhaltene Teakholztäfelungen. Er findet ganze Glasfenster, die den Absturz ohne Sprung überstanden haben. Glasflaschen stehen immer noch in ihren Halterungen. Spiegel sind intakt. Selbst ganze Geschirrstapel sind unzer­brochen. Sogar ganze Räume und Einrichtungsdetails, die niemals fotografiert worden sind, sind so gut erhalten, dass auch TITANIC-Historiker wie Don Lynch und Illustratoren wie Ken Marshall, die an den Expeditionen teilnehmen, regel­mäßig überrascht werden.

Aber bei allen Fortschritten gibt es auch Eintrübungen. Tauchroboter fallen aus. Batterien beginnen zu brennen. Bildübertragungen fallen aus. Piloten der Robo­ter, zu denen Cameron selbst auch gehört, machen Bedienungsfehler, und alles vor den Tauchmaschinen verschwindet in einem einzigen Sturm aufgewirbelten Sediments.

Und dann, als sie bei der zweiten Expedition wieder vom Wrack auftauchen, ist die Welt schlagartig eine andere geworden – man schreibt den 11. September 2001, und in New York sind die Türme des World Trade Centers eingestürzt. Auf einmal scheint die Expedition vollkommen nutzlos zu sein. Eigentlich.

Aber Cameron reißt sich zusammen und bringt die Untersuchung zu einem Ende. Und kehrt 2005 mit optimierter Technik noch ein drittes Mal zur alten Lady auf dem Meeresgrund zurück, um ihr weitere Geheimnisse zu entreißen.

Das vorliegende Buch ist die opulent illustrierte Frucht all dieser Expeditionen, und selbst für mich, der ich seit den späten 80er Jahren, als Bob Ballards Entde­ckung bekannt wurde, die Berichterstattung über das Schiff verfolgt habe, bot es sagenhafte neue Erkenntnisse, die nicht allein auf die fotografischen Details beschränkt waren. Ich lernte beispielsweise auch eine Menge über James Ca­meron und seine Arbeitsweise, seine Detailversessenheit, seine nimmermüde Neugierde und die manchmal fast unerträglichen Frustrationen, wenn etwa das Kabel der Roboter zu kurz war, um noch um die Ecke herumzutauchen und zu sehen, ob beispielsweise die Aufzugstüren nach wie vor existierten.

Ach, wie gut kenne ich doch als Autor und Historiker jenen Moment der inneren Weißglut, wenn die Möglichkeiten der Information enden und man einfach nicht mehr weiterkommt … aber im Gegensatz zu Cameron habe ich dann übli­cherweise nicht die Möglichkeit, einfach bessere Maschinen zu entwickeln, um die ersehnten Kenntnisse doch noch zu erwerben.

Ich lernte bei der faszinierenden und spannenden Lektüre eine Menge über Tiefsee-Expeditionen im Allgemeinen und über Tauchroboter und ihre Belast­barkeit im Besonderen. Und am Ende präsentierte Cameron, in Einklang mit zahlreichen beteiligten Wissenschaftlern, eine ausführliche forensische Analyse, was in den Apriltagen des Jahres 1912 tatsächlich geschah – weit besser, als es Robert Ballard in den 80er Jahren möglich war.

Damit möchte ich Ballards Beitrag absolut nicht schmälern – er befand sich ein­fach in der Lage eines Forschers, der von technischen Möglichkeiten schlicht be­schränkt war. Weder Woods Hole als seine Heimatinstitution noch das französi­sche Institut Ifremer, das seine Expeditionen unterstützte, war in der Lage, so­viel Finanz in die Erforschung zu pumpen, um so vorgehen zu können wie Ca­meron. Speziell nach dem TITANIC-Film hatte der Regisseur diesbezüglich keine Finanzierungssorgen mehr, von so etwas konnte Ballard natürlich nur träumen.

Ballard ging eben von dem aus, was er von außen sehen konnte und von den wenigen, kargen Einblicken in die zugänglichen Teile des Schiffes. Und ja, natür­lich musste er davon ausgehen, dass das Innere des Schiffes weitgehend zer­stört war (was ja, formell betrachtet, wirklich der Fall ist). Wie hätte er ange­sichts der ihm bekannten Fakten und des äußeren Anscheins davon ausgehen sollen, dass es Bereiche des Inneren gab, die – wie etwa das Türkische Bad, in das Camerons Tauchroboter in diesem Buch vorstoßen – nahezu unzerstört auf den Meeresgrund gelangten? Camerons Buch erklärt auch sehr begreiflich, war­um es sich so verhielt und weshalb das Heckteil des Wracks zu dem zerfledder­ten Trümmerhaufen wurde, der es heute ist.

Um ein Fazit zu ziehen: dieser faszinierende Bildband erweitert selbst für Ken­ner der TITANIC-Materie das bislang bekannte Bild über die Katastrophe und die heutige Situation auf dem Meeresgrund vor den Neufundlandbänken funda­mental. Es ist nicht nur optisch faszinierend, sondern durch Einarbeitung von Reproduktionen historischer Dokumente und anspruchsvoller Computergrafi­ken und moderner Filmfotos ein Einblick in das Einst und Heute, wobei man z. T. Bereiche der TITANIC zu sehen bekommt, die noch niemand zuvor sehen konn­te.

Ich konnte mich aus dem Buch jedenfalls nicht wieder lösen, ehe es ganz gele­sen war – ein sagenhaftes, manchmal dramatisches und Frösteln auslösendes Lesevergnügen für alle, die sich für die TITANIC und das Schicksal der auf ihr weilenden und gestorbenen Personen interessieren. Dem Buch sind weitere Le­ser sehr zu wünschen, es lohnt sich!

© 2019 by Uwe Lammers

Genug geschwärmt? Lach. Okay, Freunde, überredet. Dann lasst uns in der kom­menden Woche in die Science Fiction zurückkehren. Das habt ihr euch verdient.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Verteilt über einige Monate übrigens – damals, ehe die Zentralisierung der Braunschweiger Kinolandschaft einsetzte, kam das tatsächlich noch vor, dass Blockbuster von Monat zu Monat von einem Kino zum nächs­ten wanderten und man so über vier Monate hinweg den Film immer wieder im Kino anschauen konnte. Heute ist das völlig ausgeschlossen, da sind die Kinopläne längst viel zu homogenisiert. Eindeutig ein klarer Verlust an kultureller Vielfalt, wenn man mich fragt.

Liebe Freunde des OSM,

es ist schon wieder unglaubliche sieben Wochen her, dass ich zuletzt aus meiner kreativen Biografie berichtet habe … ich fas­se das selbst auch immer nicht. Das Gefühl, dass die Lebenszeit immer rascher verrinnt, je älter man wird, ist mutmaßlich nicht einfach nur ein häufig wiederholtes Gerücht, sondern hat durch­aus Hand und Fuß. Doch das soll uns hier und heute nicht be­kümmern. Der Raum für meinen heutigen Redebeitrag ist be­schränkt, und deshalb starte ich gleich wieder voll durch.

Ich war bis zum Ende des Monats September 2017 gekommen. Hinter mir lag meine universitäre Vollzeitbeschäftigung, eben­falls meine gesundheitliche Schwächelphase im direkten An­schluss an eine Jobmesse, die sich dann auch noch auf den Ar­chivtag im September ausdehnte und mich zu einer vorzeitigen Abreise motivierte.

Der Monat Oktober stand hingegen im Zeichen einer zuneh­menden gesundheitlichen Stabilisierung. Mit 32 fertigen Werken hielt ich den Level des Vormonats, schwankte hier aber immer noch eifrig hin und her zwischen den kommentierten OSM-Epi­soden der KONFLIKTE 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“, 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ und 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“. Mit dreizehn Blogartikeln war ich deutlich überdurchschnittlich hier unterwegs. Dasselbe gilt auch für den Rezensions-Sektor (10 Werke).

Weiter machte ich verschiedentliche Stippvisiten im Archipel, so in den Fragmenten „Verlorene Herzen“, „Mariannes Kursänderung“, „Also doch eine Dunkel-Dirne!“, „Die Gefangene der See“ (ein erster Abschriftentwurf aus meinen Kreativkladden), „Roxanne“ und „Das Mädchen von Anamorid“ (letztere ist die begonnene Überarbeitung einer schon fertigen Geschichte).

Außerdem trieb ich mich ein wenig im Bereich des Erotic Empire herum und feilte etwas an Geschichten wie „Kay auf Tarragon“ und „Die Kolonie Saigon II“. Hinzu kamen Weiterarbeiten an verschiedenen E-Books.

Das einzig Interessante in diesem Monat, das beizeiten die Le­ser meiner Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) si­cherlich faszinieren wird, kam zum Tragen, als ich den Band 37 der Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ fertig schreiben konnte, einen der seltenen Neuentwürfe im modernen OSM. In dieser Folge mit dem Titel „Die Kriegerin“ tauchen insgesamt drei yantihnische Protagonisten aus dem KONFLIKT 2 wieder auf. Von zweien, würde ich heute sagen, wisst ihr schon, dass sie in der TI-Serie gestorben sind, Person 3 hingegen ist dort aktuell noch quicklebendig … aber ich sage euch, es ist ein wirklich verrücktes Gefühl, schon ihr NÄCHSTES Leben zu beschreiben, während sie andernorts (10 Milliarden Jahre früher) noch ihr ers­tes lebt … beizeiten erfahrt ihr dazu mehr.

Im Monat November 2017 geriet ich dann nach vollständiger Genesung richtig rein in die Mühle der Jobsuche, die einiges an Energie und Zeit verschlang. Hier kam ich also nur noch auf 24 beendete Werke, von denen allein 10 wieder auf Blogartikel ent­fielen.

Aber es wurde auch das E-Book 37 fertig, „Die Nomaden von Twennar“, der vorletzte Band des RHONSHAAR-Zyklus. Und weil der so verspätet kam, hängte ich noch die Bonus-Story „Das Silber des Bösen“ an.

Mit Überarbeitungen einer Reihe erotisch-phantastischer Stories in diesen Monaten bereitete ich übrigens parallel dazu die Ent­stehung der „Grey Edition 12: Lustvoller Schrecken“ vor, was bis zur Publikation dann noch die Zeit bis Sommer 2018 verschlingen sollte. Man sollte solche Editionsprojekte vom Zeitaufwand wirklich nicht unterschätzen.

Bei den kommentierten Episoden der OSM-Serien stieß ich bei KONFLIKT 18 bis Band 100 vor, ohne ihn schon fertigstellen zu können. Aber allein der Titel „Das Zeitalter der SIEBEN SIEGEL“ wusste mich ungeachtet der verstrichenen Zeit von fast 30 Jahren immer noch zu elektrisieren.

Ebenfalls war dies ein Monat, in dem ich wieder reichlich Bücher las, die ich für rezensionswürdig befand. So kamen auf diesem Sektor auch erneut sieben Einträge hinzu. Fernerhin wurden der Archipel und das Erotic Empire von neuem reichlich bereist, nämlich indem ich an „Die Kolonie Saigon II“, „Wandlungen“, „Brittanys Abenteuer“, „Sarittas Hilflosigkeit“ sowie „Lauren und Alain“ weiterschrieb. Ansonsten ist der Monat ebenfalls unspektakulär zu nennen.

Der Jahresschluss im Monat Dezember sackte noch etwas ab. Ich kam auf 22 abgeschlossene Werke, davon neun Blogartikel und sieben Rezensionen. Verschiedene Geschichten aus dem Archipel, dem OSM und dem Erotic Empire wurden weiterver­folgt, insbesondere die Fragmente „Schnelle Zähmung“, „Das Transformations-Paradies“, „Eine Frage des Glaubens“, „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ (CK), „Kapitän Taisanors Geschichte“, „Sarittas Hilflosigkeit“ sowie der Hintergrundtext „Das Rätsel von Garos“. Letzteres war ein direkter Ausfluss meiner Arbeit am CK-Skript.

Die restlichen Werke sind sämtlich den kommentierten alten OSM-Episoden zuzurechnen. Allzu innovativ kann man mich in diesem Monat also nicht nennen – aber das liegt irgendwie auf der Hand, finde ich.

Weshalb?

Nun, es ist der Weihnachtsmonat. Und das bedeutet, dass ich a) einige Zeit in das Suchen und Verpacken von Weihnachtsge­schenken investiere, b) gibt es diverse Weihnachtsevents, die unvermeidbar zu besuchen sind, und c), das war vielleicht der zeitlich am meisten beanspruchende Posten, gilt es – für mich wenigstens – Weihnachtspost zu verfassen. Nicht mehr Weih­nachtskarten für alle, soweit geht es dann doch nicht, zumal ich ja auch nur wenige selbst erhalte. Aber vielen lieben Zeitgenos­sen schicke ich dann zumindest per Mail Weihnachtsgrüße und signalisiere so, dass sie nicht in Vergessenheit geraten sind.

Der vierte wesentliche Posten, der mich zum Jahresende dann richtig viel Zeit kostete (und auch das scheint von Jahr zu Jahr schlimmer zu werden), aber dennoch für obligatorisch gilt, be­fasst sich mit der liegen gebliebenen Korrespondenz des enden­den Jahres. Ich versuche im Dezember immer, soviel wie mög­lich davon noch abzuarbeiten. Und dies geht natürlich katego­risch von meiner sonstigen Schreibzeit ab.

Ich würde darum schätzen, dass ich im Dezember nicht wirklich weniger geschrieben habe als in den Vormonaten … aber das ist ein intransparenter Prozess, und Briefe und Mails tauchen ein­fach in der hier referierten „Gleichung“ nur amorph und ohne Volumenangaben auf.

Einerlei – ich schaute jedenfalls, wiewohl inzwischen ALG I-Be­zieher geworden, relativ entspannt auf das Jahr 2018 und konn­te noch nicht wissen, was mich da erwartete.

Einen ersten Blick zeige ich euch bei der nächsten Ausgabe die­ser Blogartikelreihe.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 257: Shades of Grey (1) – Geheimes Verlangen

Posted Februar 26th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

für die einen Leser ist allein schon der Titel dieses Buches wahrscheinlich eine Provokation und führt dazu, dass sie überhaupt nicht weiterlesen. Kann man machen, aber dann tappen diese Menschen meiner Auffassung nach in eine dogmatische Voreingenommenheitsfalle, die die Vorstufe zu (bisweilen unge­rechten) Vorurteilen darstellt. Kluge Zeitgenossen, zu denen ich mich zähle, soll­ten ein wenig experimentierfreudiger sein.

So hat etwa eine Brieffreundin von mir den vorliegenden ersten Band gelesen und fand ihn nicht sonderlich gelungen, weswegen sie von der Lektüre der Fol­gebände absah. Das halte ich für eine vernünftige Reaktion. Die Leseinteressen sind eben nicht überall dieselben, und das ist auch gut so. Ich habe mich selbst hingegen von der Trilogie recht lange fern gehalten (das galt übrigens, sollte ich vielleicht dazu sagen, ebenfalls von Harry Potter!). Weiter unten schrieb ich ein wenig dazu, deshalb belasse ich es hier bei der Andeutung.

Ich möchte nur eins klar machen – ein qualifiziertes Urteil über Romane oder Filme, wie vermeintlich anstößig sie auch sein mögen, kann man sich kaum er­lauben, wenn man nur Auszüge oder Ausschnitte der Verfilmungen zu Gemüte führt und dann indigniert die Nase rümpft. Warum halte ich das für unstatthaft? Weil jeder solche Auszug bzw. Ausschnitt schon eine klare Intenti­on verbirgt. Entweder wird so etwas angefertigt, um das Publikum aufzusta­cheln und neugierig zu machen oder, im umgekehrten Fall, um eine bestimmte (oftmals negative) Meinung zu evozieren.

Beides halte ich für problematisch in der Wahrnehmung. In beiden Fällen gehen wesentliche Nuancen verloren. Das ist etwa so, als wenn man denkt, eine E-Mail-Kommunikation wäre dasselbe wert wie ein Aug-in-Auge-Gespräch. Jeder­mann, der etwas von Kommunikation versteht, weiß sofort, dass das Nonsens ist. In ersterem Fall fehlt nahezu jede Möglichkeit, Stimmungen, Betonungen usw. einzubeziehen, was zur Folge hat, dass sich rasch Missverständnisse ein­schleichen (zumal dann, wenn man tendenziöse Mails verfasst, die eine be­stimmte Absicht intendieren).

Folgerichtig kann man sich über E. L. James´ Romane und ihren literarischen Wert natürlich rechtschaffen streiten. Das soll hier nicht das Thema sein. Mir geht es ein wenig darum, ein Phänomen etwas zu durchleuchten, das weltweit Millionen Menschen, mehrheitlich Frauen, gefesselt hat. Die Autorin hat mithin einen Nerv getroffen, und es geht damit recht eigentlich nicht um eine Sadoma­so-Knechtungsgeschichte, in der Frauenrechte mit Füßen getreten werden (wie die Gegner dieser Geschichte, meist ohne genaue Kenntnis des Inhalts, nicht müde werden zu betonen).

Es ist eine Liebesgeschichte mit ungewöhnlichen Zutaten, niedergeschrieben mit ziemlich kessem Humor und vielleicht schematischem Personal, das gleich­wohl imstande ist, die Sympathie der Leser einzufangen.

Wer bis hierher gelesen hat, der ist vielleicht jenseits der ideologischen Graben­kämpfe, die sowohl um die Bücher wie die Verfilmungen (die sich recht stark voneinander unterscheiden, sollte ich ergänzend anmerken), doch ein wenig neugierig geworden. Falls dem so ist, dann schaut einfach mal, wie mein dama­liges Fazit nach der Lektüre des ersten Bandes ausfiel:

Shades of Grey 1: Geheimes Verlangen

(OT: Fifty Shades of Grey)

Von E. L. James

Goldmann 47895

608 Seiten, TB (2012)

ISBN 978-3-442-47895-8

Aus dem Amerikanischen von Andrea Brandl und Sonja Hauser

Wie nähert man sich einer Legende?

Das ist eine schwierige Frage, zumal dann, wenn die Legende noch sehr frisch ist und sich außerdem derzeit im Stadium der Verfilmung befindet, wie es mit der vorliegenden Trilogie der Fall ist. Versuchen wir es mal mit einem kleinen Umweg.

Man schrieb das Jahr 2011, als eine unbekannte Internet-Autorin namens E. L. James unter dem Pseudonym Snowqueen’s Icedragon eine erotische Fortset­zungsgeschichte unter dem Titel „Master of the Universe“ im Netz veröffentlich­te, ziemlich offensichtlich angelehnt an die „Twilight“-Saga, nur eben ohne Vampire. Im Kern ging es um eine aufregende Liebesgeschichte zwischen einem offensichtlich sadistisch veranlagten, superreichen jungen Geschäftsmann und einer blutjungen, erotisch völlig ahnungslosen Studentin kurz vor ihrem Ab­schluss.

Überraschenderweise fand die Geschichte stürmische Zustimmung und ein breites Lesepublikum – und die Verfasserin fand daraufhin den Mut, aus der Fortsetzungsgeschichte in stark veränderter Form eine autonome Geschichte zu machen, die dann bei dem kleinen australischen Verlag The Writer’s Coffee Shop Publishing unter dem Titel „Shades of Grey“ das Licht der Welt erblickte.

Schnell sprach sich mittels Mundpropaganda dieses Werk herum, und inzwi­schen ist es weltweit bekannt als „das Buch“. Es konnte also nicht wirklich ver­blüffen, dass ein deutscher Verlag sich in Rekordzeit um die Übersetzungsrechte bemühte und Goldmann schließlich nur ein Jahr nach dem Ersterscheinungster­min den ersten Band der jetzt Trilogie-Format erlangenden Geschichte vorlegte. Dass dieses Buch innerhalb eines Jahres mindestens 28 Auflagen bekam und immer noch nachgedruckt wird, zeigt eigentlich deutlicher als alles andere, wie rasend die Nachfrage nach dem Werk war. Mir liegt der erste Band antiquarisch in der 28. Auflage von 2012 vor. Es kann durchaus sein, dass es zwischenzeitlich schon 50 oder mehr Auflagen gibt. Der aktuelle Hype um die Verfilmung mit Jamie Dornan und Dakota Johnson in den Hauptrollen heizt das Verlagsgeschäft natürlich noch mal deutlich stärker an.1

Wer mich andererseits als Rezensent kennt, der weiß auch, dass ich mich übli­cherweise von gehypten Bestsellern mehrheitlich fern halte. Zugleich bin ich natürlich jemand, der schon gern erotische Romane liest, und spätestens nach­dem ich den ersten Teil der Verfilmung gesehen hatte, war mir klar, dass die Bü­cher in nächster Zukunft unverzichtbar zum Leseprogramm gehören würden. Und nachdem ich nun den ersten Band verschlungen habe – man kann das nicht anders nennen, und auf meinen Lippen liegt ein breites Schmunzeln, wäh­rend ich das niederschreibe – , verstehe ich die Aufregung um das Buch nur zu gut. Steigen wir also mal in die Geschichte selbst ein:

Wir befinden uns in Portland, im Frühjahr 2011. Die 21jährige Literaturstuden­tin Anastasia Steele, die mit ihrer Studienkollegin und besten Freundin Katheri­ne Kavanagh zusammen in einem Apartment wohnt, hat Lampenfieber. Das ist sehr berechtigt – eigentlich sollte Kate für die Studentenzeitung ein unglaublich wichtiges Interview führen, mit einem Förderer der Universität. Zu dumm, dass Kate gerade krank geworden ist und Ana angefleht hat, an ihrer Stelle dieses In­terview zu führen.

Vielleicht ist das ein Wink des Schicksals.

Es soll ein Interview mit dem reichen CEO von Grey Enterprises, Mr. Christian Grey, werden. Ana weiß rein gar nichts über den Mann und ist von Natur aus sowieso eher scheu und schüchtern, sie errötet furchtbar leicht, empfindet sich als tollpatschig und „graue Maus“, als unattraktiv und linkisch. Sie hat noch nie einen Freund gehabt, was vielleicht auch an ihrem Patchwork-Elternhaus liegt. Ihr leiblicher Vater ist früh gestorben, ihre Mutter inzwischen mit Ehemann Nr. 4 liiert und nach Georgia verzogen. Ana hält sich an Ray, Ehemann Nr. 3, der ihr Ersatzvater wurde. Und an ihre Freundin Kate natürlich sowie den Fotografen José Rodriguez, den sie aber mehr als eine Art Bruderersatz sieht. Derweil jobbt sie in einem Baumarkt, während sie sich zugleich bei Verlagen bewirbt. Alles an­dere als spektakulär oder supererfolgreich.

Und nun also ein Interview mit einem Millionär und knallharten Geschäfts­mann … kein Wunder, dass sie schier im Boden versinkt und im Büro von Mr. Grey prompt über ihre Beine stolpert.

Dann hilft ihr ein faszinierender Mann auf die Füße, unglaublich jung, mit ma­gnetischen grauen Augen, der sie unwiderstehlich in seinen Bann zieht – Christian Grey höchstpersönlich. Und vom ersten Moment an bringt er Ana voll­ständig durcheinander. Was ihr im Gegenzug absolut nicht klar ist – umgekehrt ist die Wirkung vermutlich noch heftiger. Auf ihre süße, arglose Art stürzt Anastasia Steele den toughen Millionär in Verwirrung.

Ihr ist anfangs überhaupt nicht klar, wie ihr geschieht, als Grey von nun an im­mer stärker ihre Nähe sucht. Ob es um ein zielstrebiges Flirten während eines höchst bereitwillig vereinbarten Fotoshootings für die Studentenzeitung geht, ob es um eine Einladung zum Kaffeetrinken geht …, ob er auf einmal im Baumarkt vor ihr steht und sich von ihr beraten lässt, um Kabelbinder, Klebeband und Seil (!) zu kaufen … sie fühlt sich sehr geschmeichelt und aufgeregt, dass er ausgerechnet einem so unscheinbaren Mädchen wie ihr solche Aufmerksamkeit schenkt. Ihre Freundin Kate ist völlig begeistert, dass Ana offensichtlich erstmals ernstlich verliebt ist, auch wenn ihr selbst Christian Grey als „Kontrollfreak“ ziemlich unheimlich erscheint. Und in der Tat scheint das ja ein hervorstechendes Charaktermerkmal zu sein, Kate sieht ihre Freundin sogar regelrecht von ihm verfolgt.

Sie hat ja noch keine Ahnung.

Ana hat keine Ahnung.

In der Tat kristallisiert sich schnell heraus, dass Christian Grey sehr intensiv Anas Bekanntschaft machen möchte. Er neigt allerdings auch dazu, sie zu schockie­ren und verstörende Dinge zu sagen und zu tun. Es beginnt damit, dass er sie, ehe sie sich näher kennen lernen, eine höchst formelle Verschwiegenheitserklä­rung unterschreiben lässt. Und dann legt er Ana einen mehrseitigen Vertrag mit ungeheuerlichen Paragraphen vor, in dem beispielsweise solche Dinge wie fol­gende stehen: „Die Sub befolgt sämtliche Anweisungen des Dom, ohne zu zö­gern, vorbehaltlos und umgehend. Die Sub stimmt allen sexuellen Aktivitäten, die der Dom als angemessen und angenehm erachtet, ausgenommen die im Ab­schnitt ‚Hard Limits’ aufgeführten (Anhang 2), zu. Sie tut dies bereitwillig und ohne Zögern.“ Oder: „Die Sub akzeptiert Auspeitschen, Schlagen, Versohlen, Rohrstockhiebe, Schläge mit dem Holzpaddel sowie sämtliche anderen Diszipli­nierungsmaßnahmen des Dom ohne Zögern, Nachfrage oder Klage.“

Und mit Sub ist in diesem Fall ausdrücklich Anastasia Steele gemeint!

Christian Grey, begreift Ana Steele beklommen, ist ein Mann mit sehr speziellen Bedürfnissen. Er sagt von sich selbst auch, Liebe und „Blümchensex“ seien nicht so sein Ding. Im Gegenteil: „Ich liebe nicht“, pflegt er zu sagen. „Ich ficke … hart.“ Und das ist es, genau das ist es, was er mit Ana machen möchte. Was er sucht, ist im Kern eine Frau, die als devote Sklavin seinen sexuellen und sonsti­gen Neigungen dient. Das ist schon ein arger Schock.

Sie fühlt sich dennoch unwiderstehlich zu ihm hingezogen, besonders angezo­gen von seinen rätselhaften inneren Untiefen, die sie so gern näher durch­schauen, verstehen möchte.

Und er wird offensichtlich noch viel stärker zu ihr hin getrieben, als er entde­cken muss, dass Ana noch jungfräulich ist. Es macht ihn anfangs wütend, dann sehr entschlossen, und mit ihrem Einverständnis „bereinigt“ er die Situation, wie er das nennt. Der erste Sex, den Anastasia dann hat, mit ihm hat, ist absolut überwältigend und festigt eine sinnliche Besessenheit, die sie beide schnell in atemberaubende Sphären entführt und grundlegend verändert …

Ja, es ist eine „etwas andere Liebesgeschichte“, wie man sagen könnte, und es ist zugleich eine phantastische Leseerfahrung. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen wird man als Leser sogleich von der Perspektive gepackt: Ana Steele vermittelt den Roman aus der ersten Person Singular, was faszinierende und zu­meist auch unglaublich witzige Innenblenden in ihr aufgewühltes Seelenleben ermöglicht. Dann führt sie regelmäßig süße Dispute mit ihrer „inneren Göttin“ einerseits, also ihrem animalischen Seelenteil, während sich ebenso häufig me­ckernd das Unterbewusstsein in unpassenden Situationen einschaltet. Ana neigt eben dazu, alles „zu Tode zu analysieren“, wie ihre Mutter sagt, und gleich vielen Frauen interpretiert sie die unmöglichsten Dinge in Handlungen von Männern hinein.

Nun, Christian Grey macht es ihr auch wirklich nicht einfach, seien wir ehrlich.

Er wiederum, der es bislang nur mit unterwürfigen devoten Frauen zu tun hat, erlebt mit Ana Steele eine für ihn unberechenbare Person, die seine Lebensrou­tinen mehr und mehr untergräbt. Er schläft nie neben einer Frau im Bett? Nun, bei Anastasia macht er eine Ausnahme, und zu seiner nicht geringen Verblüf­fung sogar sehr gern. Er diszipliniert seine Gespielinnen, wenn sie renitent sind und nicht tun, was er wünscht? Ja, und das tut er auch mit Ana. Wird sie da­durch weniger schnippisch und aufsässig? Nein. Und wiewohl sie sich vor über­mäßigem Schmerz verständlicherweise fürchtet, provoziert sie doch oft genug tatsächlich unterschiedlichste Bestrafungsarten, von denen manche in Greys „Kammer der Qualen“, wie sie das nennt2, stattfinden.

Es ist wirklich köstlich, die zunehmend feiner geschliffenen Dialoge in schöner Übersetzung anzutun, man kann beim Verfolgen des emsigen Mailwechsels der beiden herzhaft losprusten, das geht schon los, wenn man die Betreffe liest. Ein kleines Beispiel:

„Ana: Tätlicher Angriff und Körperverletzung

Christian: Keine falschen Gewissensbisse

Ana: Einvernehmliche Erwachsene!

Christian: Sie haben schließlich nicht die Polizei gerufen

Ana: Stalker

Christian: Stalker? Ich?”

Der Inhalt der Mails selbst ist noch goldiger und einfach unglaublich kurzweilig. Sie kabbeln sich wirklich unablässig, und es macht Spaß, das zu lesen, definitiv. Allein der Mails wegen sollte man den Roman lesen …

Auch in seinen Reaktionen ist Christian Grey äußerst unberechenbar. Er schwankt immer wieder zwischen Verärgerung und Amüsement, erotischer Raf­finesse, der Anastasia so gut wie nie widerstehen kann und ebenso leiden­schaftlichen Anfällen von Bestrafungsphantasien … ein stetes Wechselbad der Gefühle, das fast 600 Seiten anhält und so fesselnd (!) ist, dass es mir schwer fiel, mich daraus zu lösen.

Fürwahr, die beiden Charaktere sind mir ans Herz gewachsen … und selbst wenn man hier von einer sehr starken Idealisierung der Beziehung auszugehen hat und man vermutlich nicht von „hoher Literatur“ sprechen kann, fand ich das sprachliche Niveau doch beispielsweise deutlich über „Harry Potter“ liegend. Wenn Frau James von etwas schreibt, dann sachkundig und gründlich. Das be­zieht sich zwar nur bedingt auf die Folterinstrumente in Mr. Greys geheimem Spielzimmer, die eher eine spielerische Zutat sind und auf die man sich nicht übermäßig kaprizieren sollte (was Kritiker aber augenscheinlich mehrheitlich tun und sich so den Genuss des Werkes grundlegend verderben), mehr dagegen auf Literatur des 19. Jahrhunderts, Technik und soziale Interaktionen. Zwar mag man fundamentale Konflikte vermissen, aber die treten dann in der Verfilmung des zweiten Buches allmählich zutage. Langweilig ist die Geschichte dennoch nicht. Wer zwei mehr und mehr sympathischen Charakteren bei aufregenden, vielseitigen Liebesspielen und zahlreichen vergnüglichen emotionalen Verwirrschleifen Gesellschaft leisten möchte, ist hier absolut am richtigen Platz.

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf die anderen beiden Bände und natürlich auf die Verfilmung des dritten Bandes, die 2018 in die Kinos kommt. Für Neu­gierige ist das Buch eine klare Leseempfehlung.

© 2017/18 by Uwe Lammers

Nun, es ist wohl offensichtlich, dass diese Zeilen ein wenig angestaubt sind. Im­merhin sind inzwischen alle drei Teile verfilmt worden und Frau James mit „The Mister“ zu neuen literarischen Ufern aufgebrochen. Irgendwann sage ich sicher­lich auch zu dem Buch noch etwas, aber das liegt in weiter Ferne.

In der nächsten Woche tauchen wir zum Grund des Atlantiks hinab mit einem faszinierenden, Horizont erweiternden Sachbuch, das ich erst kürzlich mit gro­ßem Gewinn gelesen habe. Darauf könnt ihr euch echt als Kontrastprogramm freuen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Ich gestehe dabei, dass mir Dakota ein wenig zu mager erscheint … aber witzigerweise korreliert das ausge­zeichnet mit dem Buch, in dem Anastasia auch notorisch keinen Appetit hat, sondern gern von Luft und Sex allein leben möchte. Und ein hübsches Gesicht hat sie ja unbedingt.

2 Was mir erst mit deutlicher Verspätung auffiel: dies ist wahrscheinlich ein offensichtlicher schnippischer Link zu Joanne K. Rowlings zweitem Harry Potter-Roman und der dortigen „Kammer der Schrecken“ (in der deutschen Übersetzung). Generell wimmelt das Buch von koketten Anspielungen verschiedenster Art, wes­halb sorgfältige Lektüre vielfache Quellen des Amüsements offenlegt.

Liebe Freunde des OSM,

es ist etwas dran an der Behauptung, dass es keine größere und wirksamere Inspiration gibt als den Erfolg. Ich habe das im Monat November am eigenen Leib deutlich erlebt und weiß deshalb, wovon ich rede. Schon ein Blick auf die Tatsache, dass ich es im diesem Monat auf nicht weniger als 43 vollendete kreative Werke brachte, zeigt recht klar, wie schön meine Produktivität im Vergleich zum Vormonat angezogen hat.

Womit hing das zusammen? Sicherlich nicht mit einer neuen Erwerbstätigkeit, da ich nach wie vor auf der Suche bin. Sondern wesentlich mit einer Entwicklung, die einen lange gehegten Traum in die Tat umsetzte: Seit ich meine E-Books veröffentliche, also seit 2013, träume ich davon, sie auch mal gedruckt in den Händen halten zu können. Frühere Versuche bei Create Space von Amazon (heute KDP-Print) schlugen allerdings wegen meiner mangelhaften IT-Kenntnisse regelmäßig fehl, weswegen ich dann frustriert das Handtuch warf.

Jetzt im Monat November ergab sich durch den schönen Kontakt mit einem Salzgitteraner Startup-Gründer die Möglichkeit, ein erstes E-Book als Print zu realisieren. Ich wählte dafür einmal aus Gründen des Umfangs und zum anderen des Themas mein 2013er-Katzenmärchen „Die Katze, die die Sonne stahl“. Es ist jetzt bei Amazon als Print erhältlich, ihr müsst nur folgendem Link folgen, um nähere Einzelheiten zu erhaschen:

https://www.amazon.de/dp/1707801274?ref_=pe_3052080_397514860

Ich denke, diese kleine Schrift taugt ganz gut als Geschenk für Romantiker. Schaut es euch einfach mal an.

Wie sah der Monat November sonst so aus? Nun, in puncto E-Books herrschte Ebbe (abgesehen von der Tatsache, dass ich „auf den letzten Drücker“ noch das E-Book TI 25 „Audienz bei Quin“ für XinXii.com aufbereiten konnte). Womit das zu tun hat, erläutere ich weiter unten an gegebener Stelle. Das ist es jedenfalls, was im Rahmen des OSM und des Archipels hier zu vermelden ist und woran ich weiterschrieb oder was ich vollendete:

Blogartikel 360: Work in Progress, Part 83

(FvL 44: Die Tiefenseele)

(FvL 43: Rätsel von EWIGKEIT EINS)

14Neu 77: Das verdammte Heer

Blogartikel 362: Zu Gast auf Baustellen

Anmerkung: Diese Baustellen hatten es dann wirklich in sich. Ich erzählte ja in diesem inzwischen veröffentlichten Blogartikel einiges darüber und werde mich hier nicht wiederholen. Nur soviel: An der Baustelle namens „Glossar des KONFLIKTS 17“ arbeite ich derzeit immer noch. Zwei der drei Ordner der Serie „Drohung aus dem All“ alias „17Neu“ sind schon glossiert, aber es fehlen nach wie vor 18 Episoden, die durchzuarbeiten sind.

(OSM-Wiki)

(14Neu 79: Pesthauch über Kareton)

(14Neu 80: STÜTZPUNKT VIER)

(12Neu 77: Im Herz von Koopen)

(12Neu 78: Soffrols Imperium)

(Verlorene Herzen – Archipel-Roman)

Anmerkung: Das war eine ganz spontane, sehr kurze Stippvisite. Eigentlich wollte ich nur wissen, wie weit ich in der Geschichte gekommen war und ob es wohl vonnöten sei, einen Neuausdruck in Erwägung zu ziehen. Sieht glücklicherweise nicht danach aus. Man muss auch mal Glück haben …

(OSM-Personenregister)

Anmerkung: Tja, und das war dann eine der oben erwähnten Baustellen. Ein haarsträubendes Ding, das inzwischen noch um einen Punkt haarsträubender wurde, den ich heute entdeckte. Ich habe die Kommentierung der Episode 14Neu 78 vollendet, das ist der neue Band OSM 1935, und darin stolperte ich über eine Cranyaa-Admiralin, die ich nicht im Glossar des KONFLIKTS 14 habe. Und zwar weder im handschriftlichen, das ich damals ab 1983 parallel zur Episodenserie schrieb, noch im digitalen, wo eigentlich inzwischen alle Eigennamen von Bd. 1 bis Bd. 77 erfasst sind.

Wie ist das möglich?, fragte ich einigermaßen genervt und schaute mir an, wann ich die Episode damals geschrieben hatte … ah, im Januar 1987. Und dann überlegte ich und schaute am Regal nach, denn ich erinnerte mich vage, dass ich etwa zur gleichen Zeit damit begonnen hatte, den KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ in Romanform zu überarbeiten. Ich kam genau einen Roman weit, der unter dem Titel „Das Reich im Zentrum der Galaxis“ Anfang 1987 (!) fertig gestellt wurde. Er ist leider noch nicht digitalisiert, deshalb kann ich meine Vermutung nicht schnell verifizieren. Aber ich vermute sehr, dass die von mir heute vermisste Person dort in die Handlung eingepflegt worden ist. Beizeiten werde ich das feststellen, aber frühestens im Sommer oder Herbst 2020, früher werde ich kaum Gelegenheit haben, diesen Roman zu digitalisieren.

Ihr seht daran aber deutlich: Der schon geschriebene OSM hat immer wieder Überraschungen für mich parat.

(Glossar der Serie „Drohung aus dem All“)

Anmerkung: Das war dann die nächste, nachgerade süchtig machende Baustelle, auf die ich mich stürzte. Wie ich oben sagte, habe ich inzwischen zwei der drei Episodenordner der Serie durchgearbeitet und befinde mich am Anfang des dritten und letzten Ordners (in Episode 54 von insgesamt 71). Und entgegen meiner eigenen Vermutung ist das durchaus keine so stupide Aufgabe, wie ich das annahm. Das hat mit zwei Dingen zu tun.

Zum einen ist es durchweg lästig, dort entdecken zu müssen, wie viele Fehler ich doch in dieser Episodenabschrift belassen oder wieder eingearbeitet habe, ohne das aktiv zu wollen. Das macht dann mehrere Arbeitsdurchgänge erforderlich.

Zum zweiten, und das habe ich nicht erwartet, brachte diese Arbeit mein kreatives Unterbewusstsein zum Kochen. Wieso dies?, mögt ihr euch fragen. Die Geschichte ist doch schon seit 1986 auserzählt und seit 2011 auch als Digitalisat abgeschlossen. Was gibt es denn da noch Großartiges zu entdecken? Oh, sage ich euch, jede Menge!

In KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“ wird ja von der Konfrontation erzählt, als das terranische Sternenreich auf die robotische Imperiumsstruktur der All-Hüter stößt. Dabei war mir schon 1983/84, als das anfing, durchaus klar, dass diese All-Hüter Matrixfehler sind. Und wie das so bei Matrixfehlern im OSM meist so ist, sind sie gestört, und zwar grundlegend. Die Konfrontation artet also schnell in ein vollständiges Chaos aus.

Während ich an der Serie damals schrieb, entwickelte sich die Generalstruktur des Oki Stanwer Mythos (OSM), und ich begriff, dass alles, was ich hier über die All-Hüter schrieb, gewissermaßen eine Perversion dessen war, was sie recht eigentlich bei ihrer Etablierung im KONFLIKT 10 (der bis heute ungeschrieben ist) sein sollten. So stellte ich fasziniert während des Glossierens Strukturen fest, die heute bizarren anderen Zielen dienten als einst, und ich begann mir zunehmend Gedanken zu machen, wozu diese Mechanismen wohl einst, in KONFLIKT 10, gedient haben mochten.

Auf diesem Umweg komme ich also nach und nach an den derzeit noch vollkommen nebelhaften KONFLIKT 10 heran. Es ist abzusehen, dass ich bald, wenn ich den KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ abgeschlossen haben werde (und die Abschriften der KONFLIKTE 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ und 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“) wohl die mentalen Kapazitäten haben werde, mich mit neu erwachender Kreativität um den noch mysteriösen KONFLIKT 10 zu kümmern.

Und verdammt, Freunde, ich bin schon wahnsinnig neugierig darauf, das könnt ihr mir glauben! Und DAS ist dann der zentrale Grund, warum dieses langwierige, zähle Glossieren von KONFLIKT 17 eben nicht nur öde und dröge ist, sondern vielmehr das Präludium zu einem neuen Abenteuer.

Ich werde weiter davon berichten, vertraut mir.

Blogartikel 359: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (XXXIII)

Blogartikel 367: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (XXXIV)

Der OSM im November 2019(Der Feuerhort – OSM-Roman)

Blogartikel 358: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 67

Blogartikel 363: Abenteuer mit Glossaren

Anmerkung: Das war dann das Abenteuer der vergangenen Woche, wo ich euch ein wenig über die eben erwähnten Glossararbeiten erzählen konnte. Ich hoffe, ihr habt das als kurzweiligen und launigen Beitrag genossen.

(Das Geheimnis von Church Island – OSM-Novelle)

(14Neu 81: Expedition der Plegg’re)

Blogartikel 372: „Das Universum ist doch keine Chipstüte!“

Anmerkung: Das ist wirklich ein bizarrer Titel für einen Blogartikel? Eindeutig ja, und warum ich dabei immer noch kichere, das muss sich für euch nicht wirklich erschließen. Aber ich versichere euch – in acht Wochen seid ihr schlauer und könnt dann mitkichern. Ich möchte fast behaupten: dass ihr das tun werdet, ist ein sicheres Ereignis mit der Wahrscheinlichkeit 1. Aber gar so gewiss ist es nicht. Lasst euch davon einfach mal überraschen.

Blogartikel 376: Der Name ist Programm – Ein Kosmos namens Horrorwelt, Teil 1

Anmerkung: Mir fiel schon vor ein paar Wochen auf, verstärkt Ende November, dass ich immer wieder mal am Rande die Bezeichnung „Horrorwelt“ fallen lasse, aber nie sonderlich ins Detail gehe. Das hat natürlich seine Gründe. Der Horrorwelt-Kosmos hat weder mit dem Archipel noch mit dem OSM zu tun, er ist heutzutage weitgehend erloschen, ich habe seit Jahren keine Episoden dort mehr verfasst. Aber das Digitalisat dieser Serie (begonnen im Herbst 1983) ist dringend vonnöten. Also fasste ich mir seit Januar 2019 ein Herz und begann mit der Abschrift dieser fast vergessenen Serie.

Inzwischen bin ich mit Band 87 fertig geworden und habe einen erheblichen Teil der Serie wieder freigelegt und ins Gedächtnis zurückgerufen. Witzigerweise gibt es jede Menge Übernahmen aus dem frühen OSM darin, was ich so nicht erwartet hatte. Und ich dachte mir: Es ist doch höchst unbefriedigend für euch Leser, wenn ich immer nur „Horrorwelt“ raune, euch aber keine Gelegenheit gebe, die Serie genauer kennen zu lernen. Das muss ich ändern.

Der Blogartikel 376 ist der Versuch dieser Änderung. Darin arbeite ich die ersten 50 Episoden der Serie auf. Voraussichtlich wird es vier Teile geben, von denen die ersten beiden relativ rasch aufeinander folgen werden, die beiden Schlussteile deutlich später.

Warum gehe ich so vor? Nun, die Episoden bis Band 100 der Serie kann ich ziemlich sicher bis Frühjahr 2020 realisieren. Danach nimmt aber die Seitenzahl deutlich zu (aktuell jeweils 6 Seiten, dann werden es meiner Erinnerung nach 10 oder sogar 12, was dann auch das Schreibtempo an der Serie deutlich verlangsamt hat). Die Digitalisate dieser Episoden werden also langwieriger werden. Die Serie ist insgesamt bis Band 174 gekommen, so dass es mir zweckmäßig erscheint, 4 Blogartikel zu bringen. Betrachtet darum diese Ausführungen als Mini-Serie wie einst die über den „OSM im Bild“.

(Roxanne – Archipel-Story)

Anmerkung: Und auch das war dann nur noch so eine kleine Stippvisite, die mehr der Lektüre als dem Weiterschreiben diente. Es ist aktuell echt keine Archipel-Zeit.

12Neu 76: Spione für TOTAM

Wie, mögt ihr fragen, und das war schon alles? Aber das sind doch beim Nachzählen nur … sieben Werke? Und die meisten davon sind Blogartikel? Well, ja, das stimmt natürlich. Aber ich resümiere hier ja folgende Rubriken nicht: Rezensionen, Rezensions-Blogartikel und Horrorwelt-Episoden. Und darauf entfiel dann der Rest meiner Aktivitäten. Insgesamt kam ich auf 520 kreative Seiten in diesem Monat immerhin, ein vergleichsweise moderates Ergebnis. Hierin sind natürlich Mails, Listenseiten, gelegentliche Briefe usw. eingerechnet. Numerisch sieht das also nach viel aus, aber quantitativ hält es sich sehr im Rahmen.

Alles in allem bin ich dennoch zufrieden mit der Ausbeute des Monats November. Wie es im Dezember ausschaut, davon erzähle ich euch beim nächsten Mal.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 256: Das Blut der Schande

Posted Februar 19th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist nichts Ungewöhnliches daran, wenn sich amerikanische Schriftsteller an Sherlock Holmes versuchen, das hat durchaus Tradition, und zwar seit vielen Jahrzehnten. Mal gelingt es besser, mal eher mäßig. Aber üblicherweise haben wir es meist mit recht geschickten Geschichten zu tun, die nur in der Struktur den einen oder anderen Makel aufweisen.

Ganz in die nämliche Richtung geht das vorliegende Buch, das vom amerikani­schen Autor Caleb Carr verfasst wurde, der sich von Vorgängerromanen her schon gut in der Zeitepoche auskannte. Dass dann die Story etwas zu sehr inter­pretierend auf Arthur Conan Doyles spätere Obsession des Spiritistischen ab­hebt und grundsätzlich etwas zu viele ausschmückende Details enthält (schwei­gen wir von der Schwatzhaftigkeit der eigentlich doch mehr sehr wortkargen Protagonisten), ist vielleicht dem generellen Thema geschuldet, aber ein wenig zu selbstverliebt kommt das alles dann doch herüber.

Dennoch – wer sich gern mal im Edinburgh des späten 19. Jahrhunderts und auf Holyrood Palace ebendort herumtreiben und auf Mörderjagd (nicht Geister­jagd!) gehen will, der sollte an diesem Werk gewiss nicht vorbeigehen. Er würde ein durchaus interessantes Stück Epigonenliteratur verpassen.

Worum geht es im Detail? Nun, hierum:

Das Blut der Schande

(OT: The Italian Secretary)

von Caleb Carr

Heyne Hardcover

München 2006

356 Seiten, geb.

Aus dem Amerikanischen von Robert Brack

ISBN 3-453-40457-2

Caleb Carr ist uns Europäern eigentlich bekannt geworden durch seine histori­schen Kriminalromane „Die Einkreisung“ und „Engel der Finsternis“, doch hier hat er ein interessantes Stück Literatur vorgelegt, das zwar in einem ähnlichen Zeitfenster spielt, doch sich zugleich in eine ganz andere Ecke des Literaturgen­res einschreibt.

Reden wir über Mr. Sherlock Holmes und seinen Adlatus und treuen Freund, Dr. John Watson, denn mit diesen beiden Herren bekommt es der Leser in diesem Buch zu tun. Das Nachwort von Jon Lellenberg macht deutlich, dass die vorlie­gende Geschichte eigentlich als Bestandteil einer Anthologie von Holmes-Epigo­nen-Geschichten gedacht war, die unter dem Titel „Ghosts of Baker Street“ 2006 erscheinen sollte. Dummerweise wucherte Caleb Carrs Geschichte auf er­staunliche Weise, nachdem er die Gelegenheit gefunden hatte, Holyrood Palace in Edinburgh zu besuchen (die Begeisterung Carrs über diese Location spürt man in der zweiten Hälfte des Romans überall, das macht alles ein wenig „läng­lich“).

Holyrood Palace ist ein berühmter Ort der britischen Monarchie… wenn auch eines Zweiges der Monarchie, über den man heutzutage außerhalb Schottlands nicht mehr gern redet. Er ist verbunden mit der Dynastie der Stuarts, also den Jakobiten des 16.-18. Jahrhunderts. Und speziell in diesem Roman geht es um einen Mord desselben Jahrhunderts. Der „italienische Sekretär“ David Rizzio, Tanz- und Musiklehrer am Hofe Maria Stuarts im Jahre 1566, wurde hier im Westturm auf brutale Weise vom Leben zum Tode befördert. Und es geht das Gerücht um, er spuke noch immer in diesen Mauern …

Gewiss, haltloser Aberglauben.

Aber als Sherlock Holmes in der Baker Street 221B ein chiffriertes Telegramm erhält, das höchste Dringlichkeit signalisiert und ihn und seinen Gefährten Wat­son flugs nach Edinburgh dirigiert, da scheint an dieser jahrhundertealten Schauergeschichte durchaus etwas dran zu sein. Während die Königin Victoria sich auf Schloss Balmoral aufhält, sind in den Mauern des Holyrood Palace über den Dächern von Edinburgh zwei honorige Männer auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen.

Monströse Weise, das träfe es besser, wie die beiden Freunde bald erkennen müssen. Behindert von schottischen Nationalisten und Bomben mit brennen­den Zündlunten erkennen sie rasch den Ernst der Lage und müssen gewärtigen, dass womöglich das Leben der Königin selbst in Gefahr ist. Im Palast visitieren sie den Körper des letzten Opfers, das am Fuß der Mauern gefunden wurde – und dem armen Kerl wurde buchstäblich jeder Knochen im Leib gebrochen, was nicht einmal der Sturz vom Dach des Gebäudes bewirkt hätte.

Dann hören Holmes und Watson von dem rätselhaften, niemals verschwinden­den Blutfleck in den Gemächern der glücklosen Maria Stuart, vernehmen ges­pensterhafte Schritte und italienische Musik … und fast beginnt der gute Doktor Watson tatsächlich an den Geist des glücklosen italienischen Sekretärs zu glau­ben. Indes, da ist noch der skeptische Sherlock Holmes, der einwendet, warum wohl ein Geist des 16. Jahrhunderts eine solche Vorliebe für Giuseppe Verdi he­gen sollte.

Doch es vergeht einiges an Zeit, eine ganze Reihe von Menschen kommt auf grässliche Weise zu Tode, ehe klar wird, worum es hier wirklich geht und wie skrupellos der Verstand ist, der hinter all dem steckt …

„Das Blut der Schande“ ist ein für meinen Geschmack sehr gemächlicher Ro­man, der vom Duktus am ehesten mit „Der Hund der Baskervilles“ zu verglei­chen ist, wobei die erste Hälfte allerdings äußerst betulich beginnt. Wer rasche Action erwartet, ist hier fehl am Platze, ganz eindeutig. Auch macht Caleb Carr wenigstens zu Beginn unseren guten Holmes außerordentlich schwatzhaft, was seiner Natur im Grunde nicht entspricht. Sein hier ebenfalls auftauchender Bru­der Mycroft steht ihm nicht nach (und das passt zu ihm dann erst recht nicht). Die Handlung entwickelt sich eher träge und zögerlich, und hat man das Buch einmal ganz gelesen, fragt man sich ein wenig bedauernd, ob Carr nicht viel­leicht fünfzig Seiten hätte einsparen können. So ungern ich das zu einem Hol­mes-Roman auch sage: hier hätte es gestimmt, dass weniger mehr gewesen wäre.

Irritierend bleibt außerdem zum Schluss das leicht penetrante Insistieren auf ei­nem metaphysischen Seitenpfad. Sicherlich kann man das als eine Art später Verbeugung vor Arthur Conan Doyle verstehen, der bekanntlich selbst in Spiri­tistenkreisen verkehrte und an Geister, Feen und dergleichen glaubte. Und in ei­ner gewissen Weise macht es Sinn, wenn Carr diese Neigung nun dem alter Ego Doyles, Dr. John Watson, andichtet. Dennoch fand ich es ein wenig … nun … unpassend.

Gründlich irritiert wird der Leser durch den deutschen Titel, der nun wirklich auf Abwege führt (der englische ist nicht sehr viel besser, meiner Ansicht nach). Vielleicht wäre „Mord im Holyrood Palace“ prägnanter und dem Inhalt ange­messener gewesen – doch das wissen allein das Lektorat und der Verlag.

Sei’s drum … man kann dieses Buch, wenn man wenig Zeit hat, in sieben Tagen durchschmökern, und ich gestehe, es gibt wirklich langatmigere Werke. Einen Hochspannungspreis würde ich dem vorliegenden Buch gleichwohl nicht zuer­kennen. Als Epigonenroman, noch dazu von einem Amerikaner geschrieben, kann ich meine Anerkennung nicht verwehren.

Eine nette Geschichte – nicht nur für die Hardcore-Holmes-Fans geeignet. Eine Straffung hätte ihr indes nicht geschadet.

© 2016 by Uwe Lammers

Ja, in der Tat ist manchmal weniger mehr … ich bekenne mich dazu, hier auch manchmal nicht das rechte Maß zu finden. Das ist so das Problem mit Autoren, die sich in ihre eigenen Texte verlieben – das kann man Caleb Carr also nicht vorwerfen, ich schon gar nicht. Aber doch, etwas kürzer hätte es schon sein können, um konzentrierter zu wirken. Gleichwohl ein lesenswerter Roman.

In der nächsten Woche irren wir wieder in die Gegenwart ab und widmen uns dem ersten Teil einer verblüffenden Liebesgeschichte, die bis heute die Gemü­ter erhitzt und die Meinungen polarisiert. Ich selbst stehe auf der Seite der Be­fürworter, das sollte ich vorwegnehmen.

Zieht am besten euer eigenes Fazit in sieben Tagen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.