Rezensions-Blog 28: Abenteuer Ozean

Posted Oktober 7th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute schlagen wir mal wieder ein neues interessantes Kapitel der Lektürewelt von heute auf. Und um die bizarre, fremdartige Welt zu entdecken, die wir heute bereisen wollen, brauchen wir keinen Hyperspace-Antrieb, keine Zeitreisen und auch sonst nichts wirklich Exotisches. Diese Welt liegt buchstäblich unter unse­ren Füßen… wenn wir etwa auf einem Kreuzfahrtschiff die Weltmeere überque­ren.

Der Ozean. Ein Kosmos faszinierender Überraschungen und unerwarteter Ent­deckungen, der sich für phantastische Exkursionen geradezu anbietet. Wer da beispielsweise an die Fernsehserie SeaQuest DSV aus den 90er Jahren denkt mit Roy Scheider in der Hauptrolle, oder wer sich an Frank Schätzings fulminanten Roman „Der Schwarm“ erinnert, weiß, wovon ich rede. Das sind aber dann schon die fiktionalen, phantastischen Weiterungen.

Der Meeresforscher Robert D. Ballard hingegen steht durchaus mit beiden Fü­ßen fest auf dem Boden der Tatsachen (oder auf dem Deck eines Forschungs­schiffes). Er ist aber nicht nur ernstzunehmender Forscher, sondern kann dazu auch noch spannend über das, was er erlebt, schreiben. Und das unten aus den Myriaden Büchern heute herausgehobene Werk zeigt das recht nachdrücklich. Schaut selbst:

Abenteuer Ozean

Von Robert D. Ballard

National Geographic-Buch

National Geographic Society 2001

292 Seiten, geb., 49.95 Euro

Aus dem Amerikanischen von Theresia Übelhör

Es gibt Gebiete, die sind ideale Tummelplätze für Besessene. Ob es die Gipfel windumtoster Gebirge sind, die schier undurchdringlichen Dickichte der Urwäl­der dieser Welt… oder die Ozeane, das wohl größte und unerforschteste Myste­rium der gesamten Erde.

Wenn man sich auf die Reise macht in unbekannte (oder weitgehend unbe­kannte) Gefilde, dann tut man gut daran, sich kundige Reiseführer anzulachen. Und in solchen Regionen wie den Tiefen des Weltmeeres verspricht der Name Robert Ballard fachmännische Beratung und spannende Unterhaltung zugleich.

Ballard erlangte im Jahre 1985 schlagartig Weltberühmtheit, als ihm glückte, was vor ihm niemand geschafft hatte: er entdeckte in einer Wassertiefe von rund 3800 Metern das gigantische Wrack des Luxusschiffes TITANIC, das im April 1912 mit über tausend Menschen an Bord in den Tiefen des Atlantik ver­sank (vergegenwärtigt man sich die zurückgelegte vertikale Distanz, so müsste man eigentlich von „stürzen“ reden) und nie wieder gesehen wurde.

Doch auch zuvor war der Geologe – denn das ist er eigentlich – nicht ein unbe­schriebenes Blatt. Seine wissenschaftliche Karriere begann schon Anfang der 60er Jahre, und bereits 1959 tauchte er als Schüler der High School in die Tiefen des Ozeans ab. Spätestens seit jener Zeit hat ihn der Bann des Meeres gefesselt, lässt ihn nicht mehr los. Und diese Faszination findet sich auch zuhauf in diesem Buch wieder.

Es geht überwiegend um Unterwasserarchäologie, aber eben lange nicht nur. Wir schlängeln uns als Leser langsam und in mitunter heftigen Sprüngen durch Robert Ballards Leben und gleichzeitig durch die Geschichte der Seefahrt, die er in zahlreichen packenden Episoden in den Kontext des Buches einzubinden ver­steht (beispielsweise in den Kapiteln II-IV). Dabei muss man das Buch so lesen, dass es eine Dokumentation allmählich sich steigernder Perfektion ozeanischer Wissenschaft darstellt. Auch an dieser Perfektionierung ist Dr. Ballard maßgeb­lich beteiligt, etwa durch Entwicklung von Unterwasserrobotern.

Bekannte Episoden aus anderen Büchern – eben von der TITANIC-Expedition (Kapitel V), der Suche nach dem Schlachtschiff BISMARCK, den Tauchgängen zur LUSITANIA und den Wracks von Guadalcanal (Kapitel VI) – werden flankiert von beinahe desaströsen Erlebnissen von Kabelbränden in U-Booten, Implosionen von Kabinen in Unterwasserfahrzeugen, von Stürmen und zahlreichen anderen Dingen, die man teilweise nicht erwartet.

Wer Ballards Spuren folgt, stößt lesend vor in eine Welt, die zum Teil gar nicht so fern ist, aber unsagbar fremdartig. Um nur ein Beispiel zu nennen: heutzuta­ge ist es allgemein bekannt, dass die Erdkruste eine dünne, feste Schicht ist, die aus gigantischen Gesteinsschollen, den Kontinentalplatten, besteht. So wird schließlich Vulkanismus und Erdbebentätigkeit rund um die Erde plausibel nach­gewiesen und dargestellt.

Doch was wir heute als selbstverständliches Schulwissen hinnehmen, war An­fang der 60er Jahre (!) des 20. Jahrhunderts alles andere als unangefochten. Wegeners Kontinentalschollentheorie aus den 30er Jahren galt als kühnes Ge­dankenkonstrukt, das unbeweisbar schien. Bis zur Entdeckung der ozeanischen Plattengrenzen. Und in diesem Zusammenhang – in den Ballard involviert war, wie er hier darlegt (Kapitel VII) – wurde zugleich eine weitere These ad acta ge­legt: die These nämlich, dass die Tiefsee eine öde, lebensfeindliche Wüstenei sei, in der rein gar nichts existierte (es sei denn, einzelne wenige Exemplare von aquatischen Lebensformen verirrten sich dorthin).

Auch für jemanden wie mich, der doch einigermaßen belesen ist, was Ozeano­grafie und Unterwasserarchäologie angeht, hat das Buch noch einiges Packende zu bieten. Ballards These etwa, dass das Leben nicht vor zahllosen Hunderten Millionen von Jahren in flachen Binnengewässern nahe der Oberfläche der Erde entstanden sei, sondern es viel plausibler wäre, einen Ursprung des Lebens auf dem Grund der Ozeane anzunehmen (Kapitel VIII), diese These hat viel für sich.

Und absolut spannend wird es, als der Erzähler den Handlungsbogen von Kapi­tel I „Archäologie der Tiefsee“ – hier geht es im wesentlichen um die Verifikati­on einer Theorie von der Sintflut; sie soll angeblich auf den Bruch des Isthmus der Dardanellen zum Schwarzen Meer zurückzuführen sein, was ich wenigstens anzweifeln möchte – zum Kapitel IX „Museum der Tiefe“ schlägt und einen atemberaubenden Ausblick auf die nahe Zukunft darbietet. Inklusive Fotos ei­nes Schiffes, das in perfektem Erhaltungszustand seit 1500 (!) Jahren in den Tie­fen des Schwarzen Meeres liegt, inklusive stehendem Mast und gut erkennba­ren Seilknoten.

Ballard erklärt plausibel, wie das möglich ist: einst, erläutert er, war das Schwar­ze Meer ein Binnengewässer, also ein durch Flüsse gespeistes Süßwasserreser­voir. Bis sich die Meerenge der Dardanellen öffnete und Salzwasser einströmen ließ. Sehr viel Salzwasser. Dieses Wasser bildete schließlich eine über hundert Meter dicke Schicht, die die Süßwasserschicht darunter völlig vom Sauerstoffaustausch abschnitt. Im Laufe von Jahrhunderten wurde aller Sauerstoff aufge­braucht, die Mikroorganismen starben ab. Die Tiefsee des Schwarzen Meeres ist also absolut steril. Was dorthin absinkt, wird konserviert und kann nicht zerfal­len.

Alleine die Vorstellung, zahllose Schiffe entdecken zu können, die seit Jahrtau­senden dort unten zur ewigen Ruhe gebettet worden sind, ist unglaublich pa­ckend. Die Forschungen dort sind noch lange nicht beendet. Im Gegenteil – zu diesem Teil der Tiefsee, einem einmaligen „Museum der Tiefe“, wie er zu Recht sagt, hat die moderne Technologie gerade erst die Tür geöffnet. Und wir leben in der richtigen Zeit, um mit Ballard und seinen Schülern dieses Zauberreich un­ter dem Ozean betreten zu können, um Dinge zu sehen, die nie zuvor ein Men­schenauge erblicken konnte…

Wenn man ein wenig Interesse hat für das Meer, wenn man sich für historische Biografien, Entdeckerfahrten, Piraten, Tiefseeleben, Unterwasserarchäologie oder schlicht für Bob Ballards durchaus spannendes Leben interessiert, ist man hier eindeutig recht am Platze. Der Preis des Buches mag ein wenig peinigend sein, aber die absolut opulente Bildqualität und die sehr lesbare Übersetzung entschädigen dafür hinreichend.

Mein Fazit lautet also, und nicht nur für Historiker: das Buch ist absolut empfeh­lenswert. Nur schade – wie bei allen guten Büchern – , dass es so schnell wie­der vorüber ist. Seufz.

© by Uwe Lammers, 2005

Tja, und da dieses Buch natürlich auch schon wieder lange vergriffen ist, machte es Sinn, wenn ich euch hiermit ein wenig den Mund wässrig gemacht habe, indem ich über ein Buch mit dem Thema Meereskunde im weiteren Sinne sprach – und das als passionierter Nichtschwimmer! Welch pikantes Paradoxon! – , dann schlage ich einfach vor: Durchforstet die Weiten der Internetantiquariate. Ich bin sehr zuversichtlich, dass ihr da fündig werdet, zweifellos auch für einen deutlich geringeren Preis als im Jahre 2001.

In der kommenden Woche werde ich an dieser Stelle wieder eine schöne Stippvisite bei dem Detektiv aus der Baker Street 226B machen. Ja, und ich weiß mindestens einen Leser dieses Blogs, den das frohlocken lassen wird. Fragte er mich doch bald nach Erscheinen des Blogs 5 „Sherlock Holmes und der Fluch von Addleton“, ob es wohl „einen Teil 2“ dazu gäbe.

In gewisser Weise kann er das in der kommenden Woche an dieser Stelle lesen. Ich freue mich drauf, euch das nächste faszinierende Sherlock-Buch vorzustel­len. Um welches es genau geht, wird noch nicht vorweggenommen.

Stay tuned, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 135: Gedanken über die Zhonc

Posted Oktober 4th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

mal Hand aufs Herz, ihr Lieben – kann sich das irgendwer gescheit vorstellen? Es schreibt sich so leicht und spricht sich so einfach aus, wenn man darüber dis­kutiert, dass die Kultur der arachniden Zhonc, auf die die Yantihni vor Jahrzehn­ten durch einen Zufall auf dem Planeten Hushhin gestoßen sind (siehe Bd. 4 der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI)) vor 200.000 Jahren ausgestor­ben sein soll.

Aber überlegt mal selbst, was das bedeutet, auf menschliche Maßstäbe umge­rechnet. Zweihunderttausend Jahre! Selbst wenn man berücksichtigt, dass das yantihnische Jahr deutlich kürzer ist als das irdische und wir so den Zeitraum vielleicht auf 180.000 Jahre oder so zusammenschrumpfen lassen können… das ist verdammt viel Zeit.

Die ältesten irdischen Kulturzeugnisse, die man als solche ansehen kann und die die archaische Höhlenmalereikunst übersteigen, werden mit viel gutem Willen auf ein Alter von 12.000 bis vielleicht 15.000 Jahren geschätzt. Die Zhonc-Kultur auf Hushhin ist mehr als zehnmal so lange Vergangenheit.

Als der fassungslose Technikforscher Noshtoy vom „ewigen Gedächtnis“ berich­tet bekam, dass die eigentliche Raumfahrtkultur – inklusive eigenes Sternen­reich, vermutlich am anderen Ende der Galaxis Twennar – damals schon in Blü­te stand (vgl. dazu die Bde. 11 und 12 der TI-Serie), da wurde schon deutlich, dass die damalige (!) Zhonc-Gesellschaft die aktuelle Sternenreichsstruktur der Yantihni bei weitem übertraf.

Und natürlich explodierte Noshtoys Sorge, was ihn und seine vier ahnungslosen Mitstreiter auf der anderen Seite des Transmitterportals erwarten würde, im Reich der Zhonc und ihres angeblich unsterblichen Baumeisters.

Wer von euch hat diese Sorge wohl nicht geteilt?

Nun, und dann kommen Noshtoy, Jeshtar, Ayantor, Yasaari und Zharidd auf der anderen Seite an, auf der Welt Nylviidin… und sie landen im warmen Dauerre­gen in den Ruinen eines Transmitterdoms, der sich so vollständig energetisch verausgabt hat, dass da schlichtweg überhaupt nichts mehr zu holen ist. Ringsum herrscht die vollkommene Wüstenei. Von „Sternenreich des Windes“, Raumfahrtkultur oder Hightech-Zivilisation der Zhonc ist weit und breit nichts zu entdecken.

Es hat den Anschein, dass die verstrichene, schier endlose Zeitspanne nicht nur nicht spurlos an den Zhonc vorbeigegangen ist, sondern sie im Gegenteil ausge­reicht hat, ihre kulturellen Errungenschaften ein für allemal von der Oberfläche von Nylviidin zu tilgen. So taumeln die verstörten Yantihni, die sich erst einmal mühsam als Gruppe zusammenraufen müssen, durch eine Wildnis, in der ihre Hoffnungen rasch zuschanden werden.

Ja, es gab offensichtlich sehr gute Gründe, warum der Kontakt von Nylviidin nach Hushhin/Phaylyss so lange Zeit vollständig unterbrochen war. Welche das genau sind, werdet ihr beizeiten noch erleben, versprochen. Momentan sieht die Lage trist aus.

Das ändert sich, zugegeben, in dem gestern erschienenen Band 21 der TI-Serie gründlich, also in „Hinter der Raumzeitwand“. Da wird ja auf gespenstische Weise deutlich, dass sich auf Nylviidin zwar beispiellose Katastrophen ereignet haben, die Zhonc aber so völlig verschwunden dann doch nicht sind… und ohne euch jetzt zu viel vom aktuellen E-Book verraten zu wollen: es lohnt sich, diese Geschichte gründlich zu lesen. Da werden eine Menge faszinierender neuer Fährten gelegt, auch für die fernere OSM-Lektürezukunft, versprochen!

Die Yantihni werden schnell entdecken, dass ein uraltes Stellarimperium natür­lich seine ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten hat. Und die Völker, die ein solches Reich errichten, kreieren ganz automatisch ihre eigene Geschichtsschreibung und haben mit Aufsplitterungstendenzen, inneren Wirren und Unruhen und dergleichen zu kämpfen…

Davon werdet ihr hier noch lesen, recht bald sogar.

Die Zhonc als Volk selbst, möchte ich an dieser Stelle aber ein wenig abschwei­fen (vielleicht zumindest), die sind mir schon sehr viel früher bekannt gewesen. Will sagen, sie traten nicht erst im Herbst des Jahres 2003 in mein Blickfeld, als ich die nämlichen TI-Episoden schrieb, sondern der erste Zhonc erschien ein wenig unvermittelt im September 1986. Damals hatte ich noch keine rechte Vorstellung, was das wohl für ein eigenartiges Wesen sein mochte. Das konnte nicht überraschen.

Die Umstände der Entdeckung waren… ungewöhnlich, sagen wir es so. Die Be­gegnung mit Yell, dem ersten Zhonc meines Lebens, könnte man sagen, fand im KONFLIKT 20 statt, also in der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“ (OuC), an der ich von 1984 bis 1997 schreiben sollte. In diesem Universum dehnte sich, ausgehend von der Galaxis Zooltahn, das Imperium der MACHT aus, und diese übermächtige Ausdehnung zwang schließlich den amtierenden Matrixkoordinator, den LEUCHTENDEN, dazu, einzuschreiten.

Er beabsichtigte, eine Helferin des Lichts zu befreien, die in die Gefangenschaft der MACHT gelangt war und auf der Sichelwelt Tehlorg zwischen den Dimensio­nen inhaftiert wurde. Und auf der einen naturbelassenen Seite Tehlorgs wan­derte der LEUCHTENDE schließlich stundenlang durch eine Wüstenei und stieß letzten Endes auf der Suche nach Nahrung auf ein sechzehnbeiniges Spinnen­wesen, das er sich einzuverleiben anschickte.

Zu dumm: Das Wesen begann jämmerlich und völlig verständlich zu schreien und entpuppte sich als gestrandeter Raumfahrer der Zhonc. Und so erklärte dieses Wesen namens Yell dann seine Herkunft in Band 15 der OuC-Serie (Epi­sode „Eine Königin in Ketten“):

Yell, einfach Yell, aus der Rasse der Zhonc aus der fernen Galaxis Arc. Ach, es ist eine schöne Galaxis, flankiert von den Blauen Lichtern der Entropie, die von den Lebenskanälen durchflossen und vom Allumfassenden Wall geschützt wird. Aber was hat der Statthalter der MACHT daraus gemacht! Ein kosmisches Ge­fängnis. Das Volk der Zhonc wird bitterliche, träge Tränen vergießen wegen der Transporte in den Kosmos…“

Und es fallen in der Folge weitere Begriffe, die mich zunehmend zu elektrisieren begannen: Die Baumeister. Der Statthalter Holkaxoon von Arc… und ich spürte damals schon deutlich – über Arc, die Heimat der legendären Baumeister, dar­über würde ich schreiben müssen. Und über die Zhonc, die dort lebten, ver­sklavt durch einen Dämon von TOTAM.

Das tat ich dann tatsächlich in den Jahren 1987-1994, als ich die Edward-Nor­den-Saga (ENS) verfasste, sechs für damalige Verhältnisse voluminöse Romane. Ihr werdet sie beizeiten in überarbeiteter Version in der Reihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“ zu lesen bekommen.

Aber wie ich euch ja schon verschiedentlich erzählt habe – der OSM entwickelt sich achronisch in beide zeitliche Richtungen. Viele spätere KONFLIKTE sind be­reits in der Rohversion fertig, während manche frühe noch weitgehend im Dämmer liegen. Die Vergangenheit zahlreicher Völker, die ich seit Jahrzehnten schon kenne und beschreibe, muss also noch aufgehellt werden.

Die Kultur der Zhonc, das wurde mir 2003/2004 klar, stammt ursprünglich aus der Galaxis Twennar, sie ist unter dem düsteren Glanz der Sonne Ryrnosh ent­standen. Und ihr seid jetzt gerade wie Noshtoy und seine Freunde dabei, diese frühen Wurzeln zu ergründen und langsam mit mir ein Gespür für dieses fremd­artige Volk zu entwickeln.

Die Zhonc sind ausgestorben?

Nein, durchaus nicht. Sie leben vielleicht nicht mehr auf Nylviidin, aber das hat nicht viel zu sagen. Ihr werdet es sehen in Band 22 der TI-Serie, der den Titel „Welt der Wunder“ trägt. Dorthin stoßt ihr im kommenden Monat vor. Ich den­ke, darauf könnt ihr euch freuen.

Und wohin führt der Weg in der kommenden Woche an dieser Stelle? Da solltet ihr euch mal überraschen lassen, das sei jetzt noch nicht verraten…

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des Oki Stanwer Mythos,

da sind unsere fünf Reisegefährten wider Willen also vom Planeten Hushhin in die Tiefen von Twennar expediert worden. Nun wandern sie über die Oberflä­che der gründlich renaturisierten Welt Nylviidin auf der Suche nach den Zhonc und den Spuren ihres legendären Mentors, des Baumeisters.

Was sie finden, sind jedoch nur jede Menge an Trümmern, die den Verdacht im­mer mehr erhärten, dass es die Zhonc womöglich gar nicht mehr gibt. Doch ne­ben Trümmern gibt es auch noch andere Rätsel, wie ein Blick durch die Wolken­wand gen Himmel zeigt. Und schließlich entdecken Noshtoy und seine Gefähr­ten dann das größte Artefakt von allen… und den Punkt, an dem sich ihr Schick­sal gründlich verändert.

Details zu dieser Entwicklung der yantihnischen Odyssee erhaltet ihr im neuen E-Book „Hinter der Raumzeitwand“, mit dem die Erlebnisse der Hushhin-For­scher auf Nylviidin fortgesetzt werden.

Das aktuelle E-Book „Hinter der Raumzeitwand“ ist ab heute zum Preis von 1,49 Euro auf Amazon-KDP erhältlich.

Der einmalige Gratisdownload ist am 12. Oktober 2015 möglich.

Ich wünsche euch eine angenehme Lektüre.

Und ergänzend zu den vorliegenden E-Book-Abenteuern im Reich der Zhonc schlage ich euch vor, morgen auch meinen Wochen-Blog zu konsultieren, worin ich davon berichte, wie ich anno 1986 erstmals auf die Spezies der Zhonc stieß… also lange vor meiner ersten Reise ins Reich der Yantihni. Das dürfte für euch sicherlich auch interessant sein.

Bis morgen dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde meiner Geschichten,

ihr kennt das wahrscheinlich – kaum hat man einen lange geplanten Event er­folgreich hinter sich gebracht, kaum hat sich die fiebrige Nervosität gelöst und ist in breites Grinsen und begeistertes Augenfunkeln umgeschlagen, schon er­tappt man sich, recht bald nach dem Event, dabei, neue Pläne zu schmieden.

Die Lesung war doch klasse… machen wir noch eine? Wenn ja, wann und wo?

So ging es auch Tobias Tantius und mir im vergangenen Juni, bald nach dem Ende unserer Lesung am 6. des Monats Juni. Da der Veranstalter Thomas Hel­mold, der Inhaber des Restaurants LORD HELMCHEN, ebenfalls recht angetan von der Veranstaltung war, lag der Ort auf der Hand: ebenfalls das LORD HELMCHEN. Und wir einigten uns dann auf den 2. Oktober als Veranstaltungs­termin. Diesmal, so nahmen wir uns vor, sollte es schon ein bisschen besser lau­fen mit der Werbung.

Plakate wurden ausgedruckt, kopiert und verteilt, Internetwerbung machte die Runde… und das Resultat sah dann folgendermaßen aus:

Mein Manuskript für die Lesung stand schon vergleichsweise zeitig, nämlich am 3. September. Ich hatte an und für sich vor, zwei Prosagedichte vorzutragen, au­ßerdem die Story „Philosophenalltag“ aus der dritten E-Book-Storysammlung „Reinkarnation und andere phantastische Geschichten“. Außerdem nahm ich den Anfang der OSM-Fragmentstory „Sherlock Holmes und der Tungus­ka-Fall“ ins Programm auf.

So weit, so gut.

Im Laufe des Monats September bemerkte ich aber zwei Schwächen dieser Aus­wahl – zum einen war das alles deutlich zu lang (ich brauchte für eine Testle­sung deutlich mehr als eine Stunde, und das, fand ich selbstkritisch, war keine gute Ausgangsbasis). Aber damit hätte man noch leben können… in der letzten Lesung hatte ich schließlich entdeckt, dass ich die Leute durchaus auch mit län­geren Geschichten fesseln konnte.

Schlimmer war etwas anderes: mir kam die Auswahl zu… ja, wie drücke ich das am besten aus? …zu philosophisch vor, zu gedankenschwer, zu wenig originell in dem Sinne, dass man zwischendurch auch etwas Amüsantes finden würde, et­was, was die Leute wieder aufweckt.

Also stieß ich das Programm gegen Mitte des Monats um und warf die Hauptge­schichte heraus. Stattdessen entschied ich mich für eine reinrassige SF-Ge­schichte, nämlich „Die Schule“ – enthalten in der ersten E-Book-Storysamm­lung „Beide Seiten der Medaille und andere phantastische Geschichten“ von 2014. Als zweite kam dann, sehr kurz entschlossen, „Der Behälter“ (1994) hin­zu.

Das sollte sich als gute Entscheidung erweisen.

Ich war dann am 2. Oktober um kurz nach 18.00 Uhr schon vor Ort und machte mich wie üblich mit den Räumlichkeiten vertraut, schob noch ein wenig Tische und wartete auf meinen Coautor Tobias Tantius, der jedoch im Stau feststeckte und mit seinem jüngeren Sohn Silas erst deutlich nach 18.40 Uhr eintrudelte. Zu dem Zeitpunkt war unser erster Hörer schon eingetroffen, zu dem sich noch eini­ge weitere gesellten, bis wir etwa gegen 19.15 Uhr dann mit fünf Hörern begin­nen konnten. Leider hatten es viele Leute, die mir das persönlich in den Tagen zuvor noch zugesichert hatten, nicht geschafft, vorbeizuschauen – ein treuer Fan schaffte es dann mit etwas Verspätung aber doch noch, den Schluss von Tobias´ Lesungsteil mitzubekommen und meinen dann zur Gänze anzuhören.

Tobias meinte schon zu mir, ich würde die Geschichten, die er läse, bereits ken­nen, weil er „sein Programm“ abspule. Bei mir ist das immer schwieriger bzw. interessanter, weil mein Oeuvre deutlich größer ist als das von Tobias und ich eben danach trachte, mich möglichst nicht zu wiederholen.

Diesmal hatte ich noch einen ganz besonderen Trumpf in der Hinterhand: Als ich jüngst alte Fanzines in meine Fanzinesammlung wegsortierte, entdeckte ich zu meinem Entzücken, dass ich von einem mehrere Exemplare besaß. Es han­delte sich dabei um BADEN-WÜRTTEMBERG AKTUELL (BWA) Nr. 225 aus dem Jahr 2002. Damals hatte der Club angesichts meiner Verdienste um den Science Fiction-Club Baden-Württemberg (SFCBW) ein 100 Seiten starkes Son­derheft allein mit meinen Storybeiträgen aufgelegt, das heutzutage längst ver­griffen ist.

Nun, ich hatte noch drei Exemplare davon da, und da darin „Der Behälter“ ab­gedruckt war, lag es einfach nahe, den Besuchern der Lesung anzubieten, diese Hefte zu erwerben, gern auch mit Widmung (was alle drei Käufer dann gern in Anspruch nahmen).

Den Einstieg machte ich mit „Zirkulär“, einem Gedicht über Seelenwanderung und Reinkarnation mit Bogen zum altägyptischen Mythos. Das Gedicht war spä­ter dann noch Gesprächsthema nach der Lesung.

Ich fuhr dann fort mit „Die Schule“, die ich so entspannt vorzutragen vermoch­te, dass sie besonderen Eindruck bei den Lesern hinterließ… und sie kamen wirklich erst sehr spät darauf, dass die Protagonisten samt und sonders Roboter darstellten. Auch dies war eine Geschichte, die besonders haften blieb.

Es folgte das zweite Prosagedicht des Abends, „Sehnsucht nach Atlantis“, und schließlich eben „Der Behälter“. Diese Geschichte um einen rätselhaften Fund an einem Bahndamm induzierte auch später die eine oder andere Nachfrage.

Da es inzwischen schon deutlich später als 20 Uhr war – dem formellen Ende der Lesung – fragte ich pflichtschuldig nach, ob denn nun noch Interesse beste­he, dass ich das OSM-Sherlock Holmes-Crossover-Fragment „Sherlock Hol­mes und der Tunguska-Fall“ vortragen solle.

Oh ja, ich sollte, ausdrücklich.

Also stieg ich ein und las die ersten paar Seiten. Da dieses Fragment zwei Ein­leitungen enthält, hatte ich beide krass gekürzt. Dazu sollte ich vielleicht noch etwas Ergänzendes sagen:

Sherlock Holmes-Geschichten, auch die meisten von Sir Arthur Conan Doyles Epigonen, sind so strukturiert, dass sie aus der Perspektive von Holmes´ Adlatus John Watson erzählt werden. Die Epigonenstories besitzen zudem meist noch einen fiktiven Quasi-Background, die sie als „Fundmanuskripte“ späterer Jahr­zehnte ausweist.

Insofern wurde hier in der Einleitung ein fiktiver Enkel Dr. John Watsons be­müht, der Manuskript mit dem ursprünglichen Titel „Das Abenteuer des reisen­den Inkaprinzen“ gefunden hatte. Und in der eigentlichen Einleitung, die dann folgte, kam Watson zu Wort, um selbst ein wenig über die Ereignisse vorab zu berichten, die er dann in der Geschichte ausführlicher niederlegte.

Diese beiden Einleitungen, die im Manuskript schon etwa sechs Seiten aus­machten, wurden auf anderthalb reduziert. Es gab im Text selbst dann auch noch verschiedene Straffungen, und etwa auf der Hälfte des Zitationstextes hielt ich ein weiteres Mal inne.

Warum dies? Nun, wir näherten uns inzwischen deutlich 21 Uhr oder waren so­gar schon darüber hinaus, und da geziemt es sich für einen Redner schon, sich noch mal zu vergewissern, ob die Zuhörer noch mehr hören mögen… aber sie wollten ausdrücklich – vermutlich hätte ich noch sehr viel mehr lesen können, aber bald nach dem hitzigen Disput zwischen Sherlock Holmes und dem Inka­prinzen Tupac Yara und dem GRALSJÄGER 10HTN (!) endete dann das Stück Text, das ich dabei hatte… und ich fand, dass ich nach 38 Manuskriptseiten und etwa anderthalb Stunden eigener Lesung meine Zuhörer nicht noch länger fest­halten sollte.

Im Anschluss daran gab es die obligatorische Currywurst auf Kosten des Hau­ses, und die meisten Leser und wir beiden Autoren saßen dann noch ein Weil­chen beisammen und plauderten über den Event, der ungeachtet der geringen Teilnehmerzahl doch wieder sehr angenehm ausgefallen war.

Also, als wir uns dann letzten Endes gegen 23.30 Uhr aus dem LORD HELM­CHEN verabschiedeten, hatte ich ein paar neue Neugierige gewonnen, die sich auch gleich für meine nächste Lesung – wann auch immer genau sie wohl sein mag – als Interessenten angemeldet haben.

Wer immer kommen wollte und es entweder nicht geschafft oder zwischenzeit­lich vergessen hat (keine Sorge, ich nenne keine Namen, wiewohl ich es könnte!), der hat zweifellos mal wieder was versäumt.

Und ihr könnt in einem Punkt vollkommen sicher sein, ah, in zwei Punkten: Ers­tens werdet ihr alles, was ich gelesen habe, zweifelsohne in naher Zukunft in ei­ner meiner nächsten Storysammlungen selbst nachlesen können. Zweitens werde ich auch bei meiner nächsten Lesung ganz bestimmt keine „bekannten“ Werke vortragen, sondern wieder vergleichsweise unbekannte. Und wer weiß… viel­leicht strömt ja in der nahen Zukunft der Bilderfluss der „Tunguska-Geschich­te“ weiter.

Lasst euch da mal überraschen.

Später an diesem heutigen 3. Oktober 2015 werdet ihr dann auch noch ein neues Werk in meiner E-Book-Bibliothek vorfinden, nämlich Band 32 der Uwe Lam­mers-E-Book-Ausgabe, „Hinter der Raumzeitwand“. Das ist dann Band 21 der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI).

Ich werde mich bemühen, meine nächste Lesung wieder möglichst zeitnah anzu­kündigen… in der steten Hoffnung dann mal mehr Neugierige anzulocken als bei diesem Mal. Und seid sicher – auch diesmal wird’s keinen Eintritt kosten!

Haltet jedenfalls wieder die Augen offen nach einer entsprechenden Ankündi­gung, Freunde! Mutmaßliche Termine könnten Anfang 2016 wieder im „LORD HELMCHEN“ sein, im April 2016 auf dem Convention „Raum & Zeit Continu­um IV“ in Braunschweig oder auch – irgendwann in der ersten Jahreshälfte 2016 beim Kunstverein CreARTE e.V. in Wolfsburg…

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 27: Der Neutronium-Alchimist (4)

Posted September 30th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

und damit sind wir ein weiteres Mal zurück im Armageddon-Zyklus von Peter F. Hamilton. Wie ihr den unten stehenden Zeilen entnehmen könnt, wird die Ge­schichte nun endgültig dramatisch und bleibt doch immer noch enorm überra­schend. Wenn man bedenkt, dass mit dem vorliegenden Taschenbuch der zwei­te Band der ursprünglichen Trilogie schloss, kann man sich lebhaft denken, wie sehr wohl die englischen Leser nach Publikation dieses Romans an ihren Finger­nägeln gekaut haben und sich fragen mussten: wie, um Gottes Willen, kommt Hamilton aus solchen verfahrenen Situationen wieder heraus?

Nun, in der Tat werden die Dinge immer schlimmer, und dennoch deuten sich in diesem Band allmählich so etwas wie langfristige Zusammenhänge an, deren frühe Fäden im ersten Band „Die unbekannte Macht“ bereits erwähnt wurden, die man damals aber mangels Hintergrundkenntnissen einfach nicht realisieren konnte. Man denke da nur an diesen Ruinenring der Laymil… das wird jetzt auf haarsträubende Weise begreiflich. Ebenso wie eben die Sache mit Dr. Alkad Mzu und ihrem „Alchimisten“. Doch schaut lieber selbst:

Der Neutronium-Alchimist

(The Neutronium Alchemist, Part II)

Armageddon-Zyklus, 4. Roman

von Peter F. Hamilton

Bastei 23228

896 Seiten, TB

September 2000, 9.90 Euro

Übersetzt von Axel Merz

Die Konföderation steht mit dem Rücken zur Wand.

Nachdem die Aufzeichnungen der Reporterin Kelly Tirrell, die sie im Kampfein­satz auf dem Dschungelplaneten Lalonde machte, in geschnittener Version die Konföderation durcheilt und für Entsetzen, Panik und Glaubenskrise sorgt, wird bei einer Sitzung des Konföderationsrates noch eine Nebenwirkung sichtbar, die niemand erahnt hat. Die Menschheit hat partnerschaftliche Kontakte mit zwei friedfertigen exoterrestrischen Völkern, den völlig phantasielosen, pragmati­schen Tyrathca, einer insektoiden Spezies, und den riesenhaften, ein wenig an Manatis erinnernden Kiint. Von letzteren lebt eine kleine Familie auf dem Habi­tat Tranquility (und ihr „Baby“ Haile ist einfach zuckersüß, das muss man erle­ben!).

Die Tyrathca brechen nun, als sie (fälschlich!) „erkennen, dass die Menschen Formwandler sind“, den Kontakt mit ihnen kategorisch ab und ziehen sich aus der Föderation zurück. Die Verantwortlichen der Konföderation müssen so auf bestürzende Weise erkennen, dass beide extraterrestrischen Völker das Jenseits und die Verlorenen Seelen kennen – und beide haben diesen Kontakt überlebt, ganz im Gegensatz zu der Spezies der Laymil, von denen nur der Ruinenring im Heimatsystem des Habitats Tranquility zurückblieb. Die Laymil zogen den kol­lektiven Suizid der dauerhaften Unterjochung durch ihre Verlorenen Seelen vor. Dies ist freilich für die Menschheit keine sinnvolle Option.

Die Kiint geben nur rätselhafte Bemerkungen von sich, denen zufolge jede Ras­se ihren Lösungsansatz selbst finden müsse. Sie behaupten, hier nicht helfen zu können und sorgen damit für eine ernsthafte Verstimmung zwischen ihrem Volk und der Menschheit. Und die Tyrathca sind unzugänglich, obwohl gerade sie vor Jahrtausenden eine interstellare Begegnung mit etwas hatten, was sie den „schlafenden Gott“ nannten. Er könnte die Lösung darstellen, nur was soll ein „schlafender Gott“ sein…? Zumal für eine so völlig atheistische Rasse wie die Tyrathca?

Die meisten Menschen haben derzeit drängendere Probleme als diese. Sie kämpfen ums Überleben.

Trotz einer konföderationsweiten Quarantäne für interstellare Raumschiffe jen­seits militärischer Einheiten breiten sich die Besessenen immer weiter aus. Das ist möglich, weil es – handelsbedingt – Blockadebrecher gibt oder auf manchen Welten zu spät reagiert wird. Wie etwa auf der Welt Ombey, wo nachhaltig de­monstriert wird, zu was drei einzelne Besessene, die dem Zugriff entkommen, imstande sind. Am Ende haben die Besessenen die Halbinsel Mortonridge besetzt und zwei Millionen neue Possessoren bevölkern Ombey.

Andernorts werden durch die Quarantäne die Dinge glücklicherweise verzögert. So gerät der finstere Quinn Dexter, der inzwischen immer neue energistische Fähigkeiten an sich entdeckt und mit menschenverachtender Brutalität daran geht, weitere Menschen zu versklaven und sich zu unterwerfen, in eine exis­tenzbedrohende Situation, als er versucht, die Erde direkt anzusteuern. Er muss die Flucht ergreifen und sucht den Hinterwäldlerplaneten Nyvan auf. Hier be­lauern sich zahllose kleine Nationen mit hochgerüstetem Nuklearwaffenarsenal, Invasionspsychosen sind hier an der Tagesordnung. Damit stellt Nyvan einen Abglanz der Erde im Zeitalter des „heißen“ Kalten Krieges dar. Und Dexter, der nur einen Weg zur Erde sucht, legt eine „Pause“ ein und beschließt jovial, die Finsternis für immer über diesen Planeten zu bringen.

Auch drei andere Reisende werden durch die Quarantäne behindert, nämlich die Flüchtlinge Louise Kavanagh, ihre Schwester Genevieve und ihr Beschützer, der Possessor Fletcher Christian. Letzterer meint inzwischen erkannt zu haben, dass es sein göttlicher Auftrag ist, Quinn Dexter aufzuhalten, und Dexter ist an­erkanntermaßen unterwegs zur Erde. Doch wie soll man zur Erde gelangen, noch dazu als Besessener? Mit unglaublichem Glück schaffen sie es wenigstens bis zum irdischen Mars. Von Louises eigentlichem Reiseziel, Tranquility, sind sie aber weiter denn je entfernt, und damit auch von dem Mann, der Louises unge­borenes Kind gezeugt hat – von Joshua „Lagrange“ Calvert. Denn eigentlich un­ternimmt Louise diese Reise nur seinetwegen.

Dieser Joshua Calvert wird indessen von Ione Saldana darauf angesetzt, die Furcht erregendste Waffe zu finden, die je gebaut worden ist: den Neutronium-Alchimisten. Einstmals von der garissanischen Physikerin Alkad Mzu geschaffen, sollte sie eingesetzt werden, um die Sonne des verfeindeten Sonnensystems Ombey zu zerstören, doch dazu kam es nie. Mzu tauchte Jahre nach der Ver­nichtung von Garissa auf und wurde als „permanenter Gast“ auf Tranquility matt gesetzt. Ohne ihr Geheimnis preiszugeben, das dreißig weitere Jahre lang im Dunkel blieb. Nun aber gelang ihr die Flucht. Da sie die einzige ist, die das Versteck des Alchimisten kennt, darf sie auf keinen Fall ihr Ziel erreichen. Und, wie man inzwischen begriffen hat, darf sie auch nicht sterben. Das macht die Lage reichlich verfahren.

Der Fluchtweg der Physikerin führt zunächst zu den so genannten Dorados, wo sie mit garissanischen Exilanten in Kontakt kommt, und hier spürt sie auch bei­nahe ihr Verfolger, Joshua Calvert, auf. Leider ist er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr der einzige Verfolger: der edenitische Geheimdienst, der Konföderations-Geheimdienst und die Besessenen um Al Capone jagen sie gleichfalls. Und dann führt Mzus Fluchtroute geradewegs zu einem unbedeutenden Randsystem der irdischen Einflusssphäre… zu einer Welt namens Nyvan, wo sie geradewegs ins Inferno rast, zusammen mit all ihren Verfolgern…

Es ist schwer, die zahlreichen, miteinander eng verflochtenen Handlungsstränge dieses Romans aufzudröseln, ohne in hohem Maße unfair gegenüber einzelnen zu werden. Dennoch stellt das oben Beschriebene nur einen kleinen Teil der Handlung dar, und wichtige Dinge fehlen völlig. Auch wer diese Rezension liest, wird sich von Roman ständig weiter überraschen lassen können. Das ist der un­bestreitbare Vorteil eines solchen „large canvas“, wie es an anderer Stelle bezo­gen auf ein anderes Epos einmal in der englischsprachigen Presse hieß. Der un­glaubliche, faszinierende Detailreichtum, gepaart mit der Dichte an schönen, le­bendigen Charakterdarstellungen.

Zwei Dinge sollten dennoch hier Erwähnung finden, weil sie für den Fortgang des noch zweibändigen Zyklus von Bedeutung sein werden: zum einen tauchen ziemlich unvermittelt in einer Hightech-Landschaft reale Geister auf und berei­ten den Leser darauf vor, dass hier gleich einer Schichttorte die jenseitige Sphä­re etwas breiter aufgefächert wird. Und dann gibt es offenkundig so etwas wie Unsterbliche, die seit Jahrtausenden ahasvergleich durch die menschliche Welt­geschichte wandern und einfach nur beobachten. Ob es sich hierbei um Men­schen handelt oder um was auch immer, alleine die Existenz dieser Beobachter ist bemerkenswert.

Während die Menschheit gegenwärtig dabei ist, die Konfrontation mit den Be­sessenen herbeizuführen – ob nun im System des Habitats Valisk, ob auf dem Planeten Ombey oder wenn es darum geht, die Flotte Al Capones zur Entschei­dungsschlacht zu stellen – , gehen die individuellen Konfliktlinien weiter und verwirren sich auf beinahe schon zur Verzweiflung bringende Weise mit den großen Problemen. Dabei ist durchaus nicht klar, ob eine militärische Konfron­tation das Problem der Besessenen auch nur ansatzweise zu lösen versteht. Es sieht nicht danach aus, aber eine bessere Lösung ist nicht in Sicht. Noch nicht.

Und als wenn das alles noch nicht genügen würde, wird zwischendurch dann auch der (man möchte meinen: lange überfällige) Befehl erteilt: Liquidieren Sie Joshua Calvert!

Spannung garantiert!

© by Uwe Lammers, 2005

Wahrhaftig ein Schluss für schlaflose Nächte… ich hatte freilich den großen Vor­zug, dass der gesamte Zyklus schon veröffentlicht vorlag und ich gleich weiterle­sen konnte. Drum bin ich eigentlich auch nicht davon überzeugt, dass es von Le­serklugheit zeugt, wenn man sofort nach Veröffentlichung eines neuen Romans seines Lieblingsautors in die Buchhandlung stürzt und den Roman schier ver­schlingt. Ganz besonders wenig empfiehlt sich das bei Romanzyklen und Auto­ren wie Hamilton, die den Leser – wie etwa im vorliegenden Roman geschehen – am Ende mit einem richtig üblen Cliff-hanger zurücklassen.

Dennoch – lohnen tut sich das Buch unbedingt, und das gilt auch für die restli­chen Bände des Zyklus. Lasst euch nicht vom Umfang abschrecken.

In der nächsten Woche tauchen wir mal zur Abwechslung in die Tiefen unserer irdischen Ozeane ab. Inwiefern das? Nun, lasst euch da mal überraschen und schaut wieder rein.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 134: Work in Progress, Part 31 – Der OSM im Juni 2015

Posted September 26th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wie beschreibt man diesen wilden Monat? Der war nicht nur, was das Wetter an­ging, durchwachsen und abenteuerlich, sondern auch in so ziemlich jeder ande­ren Hinsicht. Anfangs plagte mich mein schmerzender Fuß, und kaum war dies überstanden, warf mich eine hartnäckige Erkältung für eine Weile nieder. Von den Komplikationen, denen mein sonstiges Leben nach dem Tode meiner Mutter ausgesetzt war, mal ganz zu schweigen.

Glücklicherweise bin ich noch nie jemand gewesen, der leicht die Flinte ins Korn wirft, und so sagte ich mir: Okay, wenn ich schon kaum gehen kann, und wenn ich wegen chronischer Heiserkeit auch keine Telefonate mehr zu führen imstande bin – gibt ja noch andere Möglichkeiten, sich den Tag über die Zeit zu vertreiben. Sprach es, setzte mich an den Schreibtisch und begann zu schreiben.

Es ergab sich ein weiterer positiver Umstand, dass ich einen größeren kreativen Auftrag erhalten hatte, über dessen Natur ich an dieser Stelle noch schweigen muss… wer weiß, vielleicht kann ich dazu später irgendwann mal etwas sagen. Diese Arbeit ging jedenfalls unter den misslichen äußeren Umständen extrem gut vorwärts, und mir wurde ein ums andere Mal attestiert, ich sei mit geradezu unglaublicher „Warp-Geschwindigkeit“ (O-Ton!) unterwegs.

Noch schöner wirkte sich diese gesundheitliche Zwangshemmung auf meine kreativen Leistungen im OSM aus, denn ich kam atemberaubend weit vorwärts. Das begann mit den energischen Arbeiten zum Band 1750 des Oki Stanwer My­thos, den ich am 17. Juni dann schließlich vollendete. Bis dahin lief meine Krea­tivität schon Amok. Und neben zahlreichen Blogartikeln und einem Nachruf auf den verstorbenen „Avenger“ Patrick Macnee kam dann, bezogen auf den OSM, folgendes für Juni 2015 heraus:

Blogartikel 130: Work in Progress, Part 30

(Besuch in der Heimat – OSM-Story)

Erläuterung: Wer diese Geschichte nicht kennt, hat da keine Bildungslücke. Die­se Geschichte entstand schlagartig – jedenfalls der erste Teil dieser Geschichte – während meiner Arbeiten am OSM-Band 1750, weil mein Unterbewusstsein sich ständig fragte: „Was ist das eigentlich für eine komische Welt, diese Museumswelt Tornolaan, wohin es den Techno-Träumer Torkeron verschlägt und wo er mit Scheverlay zusammenstoßen wird?“ Wusste ich noch nicht, und da flammten diese Bilder auf, und binnen eines Nachmittags waren 14 Manuskriptseiten entstanden.

Hoher kreativer Druck? Aber ja, Freunde. Und das war alles erst der Anfang. Von diesem rätselhaften Scheverlay habt ihr ja vor sechs Wochen schon gehört. Bis ihr nach Tornolaan aufbrechen könnt, wird es aber noch geraume Zeit dau­ern. Diese Geschichte spielt rund 200 Jahre vorher auf der Welt, auf der sich später das Schicksal der INSEL entscheidet…

(OSM-Wiki)

IR 35: Projekt Vergangenheit

Erläuterung: Und das ist dann der Band 1750 des OSM, gewissermaßen die Schallmauer, die ich zu durchbrechen hatte, um zu weiteren Werken vorzusto­ßen.

(NK 54: Tödliche Entscheidung)

Erläuterung: Diese vormals als Band 1750 des OSM vorgesehene Episode wird nun noch ein Weilchen länger reifen müssen. Das tut ihr aber gut, würde ich sa­gen. Das konnte ich echt nicht übers Knie brechen.

(Ungleiche Freunde – OSM-Story)

Erläuterung: Hiermit, und wir reden über den 6. Juni 2015, begann das tollste Abenteuer dieses zurückliegenden Monats. Wenn ihr euch an den „Lesungs-Blog (2)“ erinnert, wisst ihr, dass ich eine Szenenblende aus dieser Geschichte als „Bonus“ zur Lesung brachte und damit besondere Neugierde auslöste. Diese Neugierde war gewissermaßen zusammen mit meinem mündlichen Vortrag der Initialzünder, der mich an der Story weiterschreiben ließ… na ja, fast jedenfalls.

Ich merkte nämlich, dass die beiden vorhandenen Szenenblenden, die durch einen zeitlichen Abgrund von fünf Jahren getrennt sind, eigentlich kaum in einer Geschichte zu vereinen sein würden. Was tat ich? Zwei Geschichten daraus ma­chen. Und während die obige Geschichte dann um die Hälfte kürzer wurde, kam diese nächste heraus:

Der Platz der Steine – OSM-Story

Erläuterung: Diese Geschichte enthielt die Anfangsblende, die ich am 6. Juni vorgetragen hatte, und ich verfolgte nun binnen weniger Tage, wie dieses lebensgefährliche Abenteuer des siebenjährigen Mädchens Senyaali – die Toch­ter von Ian Perry und Sinaa, die ihr kurz im 2. Annalen-Band „Ian und der Stein der Götter“ anno 2014 kennen lernen konntet – weiterging. Und da gab es nicht nur eine sprechende Schlange und glucksendes Flechtenmoos, sondern auch Unsichtbare, Soldaten, die wie Pilze aussehen und noch vieles andere mehr…

Als ich am 28. Juni endlich Seite 68 erreichte und das Wort „Ende“ schreiben konnte, da wusste ich sofort: auf DIE Geschichte kann ich euch nicht lange war­ten lassen, dazu ist sie viel zu gut gelungen! Die Kontaktaufnahme mit dem Ter­ranischen Club Eden (TCE), dem SFC UNIVERSUM und dem Science Fiction Club Deutschland (SFCD) laufen schon. Außerdem wird die Geschichte in vier Abschnitten im Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA) erscheinen. In ei­nem Stück beabsichtige ich diese Geschichte dann in meiner nächsten Story­sammlung, der vierten also, zu veröffentlichen. Sie wird, weil das vom Erschei­nungsmodus her nicht anders möglich ist, jedoch erst im Mai 2016 herauskom­men.

Ein Grund vielleicht dafür, sich nach den Fanzines umzuschauen, wer so lange nicht warten will…

(12Neu 32: Totensektor Maran-Ghaal)

(12Neu 31: Treffpunkt Calnier)

Blogartikel 128: Logbuch des Autors 14: Scheverlays Schicksal

12Neu 30: Allianz der Versklavten

18Neu 68: Auf TOTAMS Spuren

(18Neu 69: Hinab ins Flammenlabyrinth)

Erläuterung: Diese alte Episode vom August 1987 schreibe ich derzeit gerade noch ab und kommentiere sie – eine ziemlich kitzelige Angelegenheit, denn Oki Stanwer und seine Freunde von der Ghost-Agency steigen hier in die Kavernen eines aktiven Vulkans hinab, um ein magisches Artefakt zu bergen. Und dabei stoßen sie auf den Feuerdämon von TOTAM, Gerkan…

14Neu 26: Das Traum-Inferno

(14Neu 27: Die Ruinenwelt)

Blogartikel 132: „Was ist eigentlich der Oki Stanwer Mythos (OSM)?“, Teil 30

(E-Book 27: Auf Götterpfaden)

(E-Book 28: Hinter der Raumzeitwand)

Der Platz der Steine, Teil 1 – OSM-Story

Der Platz der Steine, Teil 2 – OSM-Story

Der Platz der Steine, Teil 3 – OSM-Story

Der Platz der Steine, Teil 4/E – OSM-Story

(Glossar der Story „Der Platz der Steine“)

Blogartikel 135: Gedanken über die Zhonc

Erläuterung: Dieser Beitrag war zu diesem Zeitpunkt erforderlich, weil ich mich ja mit der Veröffentlichung der TI-Serie an dem nämlichen Wochenende Anfang Oktober an jener Stelle befinde, wo die Yantihni um Noshtoy sich unerwartet und ziemlich abenteuerlich dem Ziel ihrer Wünsche nähern, nämlich dem Kon­takt mit dem arachniden Volk der Zhonc. Höchste Zeit, um euch davon zu be­richten, wie ich 1986 auf den ersten Zhonc traf…

Diese stürmische Kaskade an kreativer Energie führt jedenfalls dazu, dass ich in Windeseile mit „Der Platz der Steine“ den OSM-Band 1755 erreichte. Ich bin zuversichtlich, dass das noch eine Weile so weitergehen wird mit dem stürmi­schen Vorwärtsdrang. Und es fühlt sich einfach toll an, ich fühle mich dabei, umgangssprachlich formuliert, einfach sauwohl!

Natürlich kann ich noch nicht exakt sagen, was als nächstes im OSM entstehen wird. Priorität hat gegenwärtig zweifellos die Noshtoy-Handlungsschiene, und dann drängt der fünfte Annalen-Band. Aber sonst? Ich spekuliere auf ein paar äl­tere Geschichtenprojekte längeren Zuschnitts, an denen ich schon sehr lange sit­ze, außerdem drängen einige Episoden aus KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR), die unbedingt ans Tageslicht gebracht werden wollen.

Spätestens im kommenden Monat, meine lieben Freunde, seid ihr besser orien­tiert, und manches, was oben noch in Klammern steht und folgerichtig noch nicht beendet ist, mag dann komplettiert worden sein – von anderen Werken, die ihr aus den zurückliegenden Monaten und Jahren kennt, mal ganz zu schweigen.

Mag mein privates Leben derzeit auch kompliziert geworden sein und meine fi­nanzielle Situation arg angeschlagen ausschauen… die Freude am Schreiben las­se ich mir dadurch nicht vergällen. Das werdet ihr schon noch sehen können, an den nächsten E-Books oder eben auch an diesem Blog.

Nächste Woche geht es an dieser Stelle, wie erwähnt, zurück ins Jahr 1986 und zu einer rätselhaften Sichelwelt namens Tehlorg. Die liegt im KONFLIKT 20 „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“. Doch darüber mehr in sieben Tagen.

Danke für eure Aufmerksamkeit, und gehabt euch wohl!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 26: Indiana Jones und die Hyänen des Himmels

Posted September 23rd, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

tja, wer kennt ihn wohl nicht, den charmanten, jungen Universitätsprofessor Dr. Henry Jones jr., der in der Zeit, wo er nicht schwärmerischen Studentinnen die Faszination der Vergangenheit nahe zu bringen sucht, für sein Leben gern mit Lederjacke, zerknautschtem Hut und Reitpeitsche durch die Welt gondelt, um verlorenen Schätzen hinterherzujagen? Wer mein Jahrgang ist (1966) oder jün­ger, der kann im Kino kaum jemals an Indiana Jones vorbeigekommen sein. Und ich spreche wohl nicht nur für mich allein, wenn ich sage, dass Dr. Jones alias Harrison Ford in dieser Inkarnation eine Menge Fans besitzt.

Natürlich blieb die mediale Bekanntheit Indiana Jones´ nicht allein auf den Film­sektor beschränkt. Es gibt quasi unendliches Merchandising seinetwegen, und natürlich gibt es auch Romane. Wie im Falle von Sherlock Holmes ist die Welt ja voll von antiken Mysterien einerseits und abenteuerlustigen Autoren anderer­seits, die beides in einem Indiana Jones-Abenteuer zur Deckung bringen wollen.

In Deutschland war der Goldmann-Verlag lange Zeit führend darin, die Roman-adaptionen zu veröffentlichen, und so nach und nach knabbere ich mich durch die hier versammelten Werke, die manchmal recht durchwachsene Qualität aufweisen. Der erste Roman, den ich hier vorstellen möchte, stammt aus der Feder von Martin Caidin, und hierum genau geht es:

Indiana Jones und die Hyänen des Himmels

(OT: Indiana Jones and the Skypirates)

Von Martin Caidin

Goldmann 43163

München 1996

352 Seiten, TB

Aus dem Englischen von Bettina Zeller

ISBN 3-442-43163-8

UFO-Sichtungen gibt es – unter anderem Namen natürlich – schon seit vielen Jahrhunderten, manche behaupten, sogar bereits seit Jahrtausenden. Zeitty­pisch nehmen die Gebilde offensichtlich bestimmte Formen an. In der Antike neigen die Schreiber dazu, die Fahrzeuge am Himmel als „glühende Schilde“ oder „Wagen“ zu definieren, in der Gegenwart behilft man sich mehr mit Ballo­nen, Zeppelinen, Raketen oder eben „Fliegenden Untertassen“.

All diesen Sichtungen aber scheint gemeinsam zu sein, dass die Objekte sich nicht klar einordnen lassen. Berichte über Erstkontakte treffen meist auf reser­vierte Skepsis. Aber was mag wohl passieren, wenn es sehr handfeste Belege für solche Objekte und ihre Wirkungsweisen gibt. Mit dieser Frage sieht sich Professor Dr. Henry Jones jr., der sich selbst gern als Indiana Jones bezeichnet, im Jahre 1930 überraschend konfrontiert. Und dies ist der Sachverhalt:

Bei einem Zugtransport von Diamanten in Südafrika kommt es zu einem gene­ralstabmäßig geplanten Überfall. Neben den Diamanten rauben die offensicht­lich deutschen Angreifer auch ein mit transportiertes, kleines Objekt aus Metall, eine Pyramide mit Keilschriftgravuren, die angeblich in einer Mine in Südafrika in großer Tiefe entdeckt worden sein soll. Doch das Glück der Angreifer ist nicht von langer Dauer: auf dem Heimflug ins Reich werden die Deutschen von unbe­kannten Flugobjekten zur Wasserung gezwungen, beraubt und anschließend versenkt. Nur ein Besatzungsmitglied überlebt schwer verletzt.

In England, wo Indiana Jones derzeit einen Lehrauftrag erfüllt, tritt ein Mr. Treadwell vom Geheimdienst an ihn heran und verpflichtet ihn im Sinne des Staatsinteresses für einen Sonderauftrag. Dabei handelt es sich indes um ein Täuschungsmanöver, denn Treadwell und Indy arbeiten schon längst zusam­men. Ein internationales Gremium von Experten und Geheimdienstlern hat her­ausgefunden, dass eine technologisch hoch entwickelte Macht im Geheimen dabei ist, eine Gefährdung des Weltfriedens herbeizuführen, und Indys Sachver­stand wird dafür benötigt, den rätselhaften Erbauern der rätselhaften Flugob­jekte auf die Spur zu kommen. Derweil verbreiten auch weiterhin diskusförmi­ge, offenbar antriebslose Flugobjekte Verunsicherung und Schrecken.

Indy ruft eine Gruppe zusammen, um eine schlagkräftige Truppe zur Verfügung zu haben, wenn man die Identität des Gegners herausgefunden hat und ihre Ausgangsbasis bekannt wird. Zu dieser Truppe zählt der bärbeißige Pilot Willard Cromwell, ein Weltkriegsveteran, ebenso Mirna Abi Khalil, eine feuerhaarige, kampferprobte Frau, die sich Gale Parker nennt. Dann ist da der gewalttätige Kurde Tarkiz Belem, offensichtlich ein Verbrecher, den Indy gleichwohl in sein Team aufgenommen hat. Der letzte im Korps ist der französische Flieger René Foulois (der im Buch durchgängig ohne Apostroph geschrieben wird, was das nachlässige Lektorat ebenso entlarvt wie die Tatsache, dass alle Kompositwör­ter „amerikanisch“ geschrieben sind, also ohne Bindestriche – in einer Deutsch-Klassenarbeit ein klarer Fehler).

Mit dieser Gruppe von Individualisten legt Indiana Jones im Verein mit dem englischen und amerikanischen Geheimdienst falsche Fährten und rüstet ein Flugzeug aus, um schließlich die durchaus nicht außerirdischen „Himmelspira­ten“ aufzustöbern und ihnen das Handwerk zu legen…

Martin Caidin, in die Jahre gekommener Flieger und Schriftsteller, hat sich mit diesem Buch einen Herzenswunsch erfüllt, wie man deutlich merkt. Er glorifi­ziert die Luftfahrt, namentlich den französischen Pionier Henri Coanda, der schon anno 1910 mit einem Düsenflugzeug Flugversuche unternahm. Aber Cai­din ergeht sich auch lang und breit in Schilderungen des Ford-Flugzeugs und der Zeppeline, und die Konsequenz besteht darin, dass die beiden Piloten in seinem Team (eigentlich sind es drei, wie bald herauskommt), Indiana Jones recht schnell den Schneid abkaufen.

Indiana Jones wird angesichts solch eines techniklastigen Haupthandlungsstran­ges relativ bald in die Rolle als „Verbindungsoffizier zum Geheimdienst“ ge­presst, die ihm nun überhaupt nicht gut zu Gesicht steht. Wo, so fragt man sich, ist der wagemutige Indiana Jones, den man aus den Filmen kennt, der im Allein­gang und manchmal auch durchaus tapsig von einem Abenteuer ins nächste stürzt? Antwort: hier jedenfalls nicht. Die Konsequenz besteht in einem höchst eigenartigen Roman, der bis auf gewisse Versatzstücke und gelegentliche Sze­nen, die der Figur Indys gerecht werden, sich auf weite Strecken so liest, als sein das Werk ursprünglich ohne Indys Gegenwart geplant worden. Der Eindruck ist ein ziemlich nachteiliger. Der Autor kann mit der Person Indiana Jones, von Schematismen und Äußerlichkeiten mal abgesehen, nicht sonderlich gut umge­hen.

Das gilt dann leider auch für die Handlungslogik. Es mag ja alles schön sein, was Caidin im Nachwort erzählt – bezüglich der technischen Machbarkeit und der Details, die sich insbesondere auf die realen Maschinen beziehen (aber eben nur darauf) – , die wesentlichen Dinge bleiben aber entweder im Dunkel, wer­den nicht plausibel durchleuchtet oder versiegen nach kurzem Anreißen voll­ständig. Ein paar Beispiele:

Dieses seltsame Pyramidenartefakt, das von den „Skypirates“ (was ich für pas­sender als „Hyänen des Himmels“ halte, das ist wenigstens zoologisch schief, weil Hyänen mehrheitlich Aasjäger sind, und darum geht es hier einfach nicht) gestohlen wird. Warum passiert das? Je mehr man über das Artefakt erfährt (und über die wissenschaftliche Qualifikation der Gegenseite), desto unbegreif­licher wird dieser ganze Handlungsstrang, bis er gar keinen Sinn mehr ergibt und am Ende des Romans auch jede Bedeutung einbüßt. Ist er nur dazu da, da­mit Indiana Jones eine – höchst fadenscheinige – Existenzberechtigung in dieser Geschichte erhält? Dürftig.

Da ist die rätselhafte Gruppe, die hinter den Flugobjekten steht. Caidin sieht sich außerstande, die Spur zeitig und gescheit bis zum Kulminationspunkt zu verfolgen. Infolgedessen blendet er relativ unmotiviert plötzlich in die Gegner­gruppe hinüber, aber der Leser kann lange warten, dass die so wenigstens nam­haft gemachten Hintermänner der Geschichte dingfest gemacht werden. Pas­siert vielleicht jenseits des Romans…

Eine Person aus dieser Gruppe schafft es sogar, den Beraterkreis des Geheim­dienstes zu infiltrieren. Die Person fällt Indy sogar auf (!), und er macht sich Ge­danken, hier nachzurecherchieren, wie sie wohl in diesen Kreis gekommen sein mag. Das vergisst Caidin dann völlig, obwohl es doch wirklich interessant wäre, hier ein bisschen mehr als Baukasten-Geheimdienststrukturen auszudehnen und ein wenig in die Handlung einzufügen. Nicht die Spur davon!

Dann wird gegen Schluss unmotiviert von Seiten der „Skypirates“ der Entschluss gefasst, europäische Hauptstädte mit Giftgas zu attackieren. Damit würde frei­lich die Vorstellung, die Fliegenden Untertassen kämen von einem anderen Stern, die ja intendiert ist, völlig zerstört. Es spielt keine Rolle, dass der Angriff vereitelt werden kann – das passt einfach alles nicht recht zusammen.

Zweifelsohne hätte ein talentierterer Autor, der nicht so manisch auf den Flug­zeugen herumgeritten wäre, aus dem vorliegenden Stoff erheblich mehr ma­chen können als Martin Caidin. Ich kann deshalb leider nur seufzend sagen: also wirklich, der Roman wäre besser OHNE Indy ausgekommen. Er ist doch recht halbherzig geschrieben. Da gibt es deutlich interessantere Indiana-Jones-Romane… dieser hier ist mehr für Flugzeugfans und UFO-Freunde gedacht.

© by Uwe Lammers, 2011

Hm, ernüchtert? Das mag schon sein… aber ihr seht hieran genau das, was man von Literaturblogs generell sagt: es handelt sich hier nicht ausschließlich um Lobpreisungen oder Werbeveranstaltungen für aktuelle Bücher (im vorliegen­den Fall ja sowieso nicht, weil dieser Roman nur noch antiquarisch zu bekom­men ist), sondern jedes einzelne Mal primär um die eigene Meinung des Blog­gers. Hier also um die meine. Und die kann, wie ich andeutete, auch schon mal durchwachsen ausfallen.

Ich bin der Auffassung, dass solch eine nüchterne und ehrliche Darstellung den Betrachtungen zugute kommt und sie realitätsnäher und aufrichtiger macht. Ihr erhaltet dadurch die Möglichkeit, euch ein besseres Bild vom vorliegenden Buch zu machen, ohne fürchten zu müssen, hier würde der eifrigen Schönfärbe­rei gehuldigt. Ihr werdet das in Bälde auch bei Peter F. Hamilton noch erleben.

Ach ja, zu dem kehren wir ja in der kommenden Woche wieder zurück. Dann könnt ihr sehen, was ich vom vierten Band des „Armageddon-Zyklus“ gehalten habe. Nicht verpassen!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 133: Der OSM im Bild, Teil 9

Posted September 20th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

nach wie vor stecken wir, auch nach ein paar Monaten in dieser Subreihe von Artikeln meines Blogs, in der prächtigen Bilderwelt fest, die mein heutiger Grafikdesigner Lars Vollbrecht – anno 1987/88 noch als reiner Fan, aber grafisch schon außerordentlich talentiert – zu der begonnenen Fan-Veröffentlichung des KONFLIKTS 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC) beisteuerte. Ich er­zählte ja schon, er hat eine ganze Menge phänomenaler Cover geschaffen.

Vor sieben Wochen, in Wochen-Blog 126, war ich bis Band 18 der Serie inklusi­ve gekommen. Den nächsten Band, den er mit einem Titelbild versah, war FdC 19: „Todesmission TOTAM“. Zu erkennen ist hier ein großformatiger sechsecki­ger Bildschirm, der hervorragend zu den insektoiden Cranyaa passt, die ja das Hauptvolk der Serie stellen. Vor einem Sternenhintergrund ist eine recht freie Interpretation eines Dämons von TOTAM zu erkennen.

Durch zahlreiche Schwarzweiß-Strichflächen wird ein faszinierender Schraffuref­fekt hervorgerufen, der aber mit wirklicher Schraffur nichts zu tun hat. Am un­teren Bildrand erkennt man links den Schriftzug „LaVo’87“ vor einem geneigten Schaltpult, in dem man abwechslungsreiche Bildschirmfelder sehen kann. Eines davon zeigt eine Mondoberfläche, wie man sie etwa von Luna-Missionen des Apollo-Programms kennt.

Links im Bild steht ein Cranyaa, der abwehrend seine vier Arme ausstreckt und das eindringende Böse abwehren möchte. Leicht misslungen ist hier einer der rechten Arme, der eindeutig disproportional zu lang ausgefallen ist. Ansonsten ist der Cranyaa gut getroffen.

In der Episode selbst geht es um die Landung eines Cranyaa-Kreuzers auf der gerade frisch materialisierten schwarzen Kristallwelt TOTAM – mit der Folge, dass die gesamte Besatzung in Untote verwandelt wird.

Hm, die gesamte Besatzung?

Nein, einer von ihnen entkommt tatsächlich – und etwas wundersam entpuppt er sich in der nächsten Episode dann als Helfer des Lichts, ein Cranyaa namens Ureg-Ni.

Das Cover von Band 20 mit dem Titel „Der dritte Dämon“ ist ganz unzweideutig an meine eigene Covervorlage aus dem Jahre 1984 angelehnt. Man sieht hier einen Hohlraum im Innern eines Kristallberges, in dessen Zentrum ein schwar­zer Energieball schwebt, der via Energiestrahlen mit den kristallenen Wänden verbunden ist.

Dieser schwarze Energieball ist die ursprüngliche und eigentliche Existenzform eines Dämons von TOTAM. Es handelt sich hierbei um den Dämon Awurkk, der hier erstmals in Erscheinung tritt und von TOTAM aufgeweckt wird, um als drit­ter von 32 Dämonen von TOTAM in den KONFLIKT einzugreifen.

Faszinierend finde ich an dieser Darstellung von Lars, dass er auf ganz knappe, minimalistische Strukturen gesetzt hat. Die Kristallflächen sind zur Hälfte ganz weiß belassen worden, zur anderen Seite hin schwarz schraffiert, und nach in­nen zum Zentrum des Blickfeldes, d. h. zu der Energiekugel hin, wird die Stift­führung immer energischer, was schöne Kontraste ergibt. Da ich sowieso ein Fan der klaren Linienführung des ligne claire-Stils etwa im Sinne von E. P. Jacobs bin (Blake und Mortimer), fand diese Form meine volle Zustimmung. Dieses Bild hat Lars mit seinem damaligen Pseudonym „DeLoup“ unterzeichnet, wohl auch, um sich strukturell von dem vorherigen Bild abzugrenzen.

Der Abschlussband der TOTAM-Trilogie, Bd. 21 mit dem Titel „Dämonische Plä­ne“ ist noch etwas ganz Besonderes. Als ich eben dieses Cover aus der Klar­sichthülle nahm, in der es seit über zwanzig Jahren steckt, entdeckte ich zu mei­ner Verblüffung, dass ich das Bild in zwei Varianten besitze. Ich sollte euch bei­de Varianten schildern und meine Hypothese, warum es zwei davon gibt. Zu­nächst kurz zum Inhalt der Episode, damit ihr den Kontext herstellen könnt:

Wie erinnerlich ist in Band 19 das Cranyaa-Schiff HUHLEG auf TOTAM gelandet, seine Besatzung wurde von den Dämonen von TOTAM überwältigt und in Unto­te verwandelt – mit Ausnahme von Ureg-Ni, der es mit Hilfe seiner Fähigkeiten als Helfer des Lichts schaffte, sich abzusetzen.

In diesem Band findet er den Weg zum legendären Kraftzentrum TOTAMS, dem TURM. Im hoch gelegenen Bibliothekszimmer direkt unter dem Dach existiert das so genannte BUCH. 1984 war mir durchaus noch nicht restlos klar, und des­halb funktioniert diese Episode auch in der niedergeschriebenen Form nicht mehr, dass das BUCH nicht nur ein wurmstichiger Foliant ist, sondern eine auto­nome, sehr mächtige magisch-psionische Wesenheit mit intrigantem Charakter. An einem Faktum kann allerdings kein Zweifel bestehen: Wer das BUCH im TURM vernichtet, der löst die Bindung von TOTAMS Kristallkörper auf und sorgt dafür, dass der Planet des Bösen explosionsartig zerbirst.

Man könnte jetzt glauben: Das wäre es dann also gewesen, Ende gut, alles gut… aber das ist kurzsichtig. TOTAM hält sich nicht an die Spielregeln. Der Planet zer­platzt dann zwar, aber der zu diesem Zeitpunkt völlig unbegreifliche Magnet-Ef­fekt sorgt anschließend binnen kürzester Zeit dafür, dass sich sowohl der Planet als auch das BUCH regenerieren. Alles, was Jemand, der das BUCH zerstört, also erreicht, ist eine Verzögerung bei der Etablierung von TOTAMS Macht.

Dennoch hat Ureg-Ni, der darüber natürlich im Bilde ist, genau dieses Ziel. Er dringt in den TURM ein mit dem Plan, das BUCH zu zerstören. Zu dumm nur, dass eine Mumie das BUCH bewacht und gegen ihn kämpft – das ist ein Wesen, das sich als „Oltrav“ bezeichnet.

Oltrav ist eine eigentümliche Kreatur, die ihrerseits die Vernichtung sucht… doch als Ureg-Ni sie besiegt, zerbirst der Mumienleib und das darin gefangene Wesen, ein Ungetüm namens Soffrol (von dem werdet ihr im OSM noch deut­lich mehr hören, das kann ich euch versprechen), wird freigesetzt und kann TO­TAM nun verlassen. Das klappt umso besser, als Ureg-Ni seinen restlichen Plan realisieren und das BUCH zerstören kann. Dann gelingt ihm mit seinen Parafä­higkeiten eine (äußerst unrealistische) Flucht vom zerberstenden Dämonenpla­neten.

So, und nun kommen wir zu den beiden Bildern: vermeintlich als Coproduktion von „DeLoup & LaVo’88“ realisiert (was klar zeigt, dass Lars damals DeLoup als ein alter Ego etablieren wollte), sieht man in der helleren Version 1 rechts im Vordergrund den schwarzen Kristallständer, auf dem das BUCH aufgeschlagen liegt, aus dem schon Flammen züngeln. Darüber ist deutlich mit zwei weiten Bögen und gekrümmten Linien, die auf einen Punkt links oberhalb des Bildes hindeuten, zu erkennen, dass der Raum (zutreffend) eine kuppelartige Decke besitzt.

Links des Ständers stürmt eine teilweise skelettierte Gestalt menschlichen Ur­sprungs auf das BUCH zu in dem klaren Versuch, es vor der Vernichtung zu ret­ten – einwandfrei Oltrav. Direkt hinter ihm, und da wird es interessant, sieht man in Variante 1 zwei hohe Spitzbogenfenster, durch die man hellen Hinter­grund und einen Vogelschwarm (!) erkennen kann.

Dies musste ich leider monieren, und so entstand wohl die zweite Version, die dunklere, die ich bislang für die einzige hielt. Der Grund liegt für die Leser, die schon das E-Book „In der Hölle“ gelesen haben, wo sie TOTAM ja selbst besu­chen können (wenn auch, zugegeben, rund 60 Milliarden Jahre früher als Ureg-Ni), klar auf der Hand: auf TOTAM gibt es keine Vögel.

So schön dieses Element also auch war, so sehr musste ich doch Lars dazu be­wegen, die Vögel aus dem Bild zu entfernen. Schade, aber nicht zu ändern. In­folgedessen schwärzte er also den Inhalt der Fensterbögen weitgehend und ließ die possierlichen Tierchen verschwinden.

Ansonsten fällt eine sehr schöne Mischung der Schraffuren auf. Z. T. sind sie so ausgearbeitet wie bei Band 18 „Kleines´ schwarzes Gefängnis“, zum Teil dann aber auch so wie auf dem Titelbild von Bd. 20 „Der dritte Dämon“. Das passt schön zu der Inszenierung einer „Coproduktion“ zweier Künstler bei der Schaf­fung eines Bildes.

Ich glaube, damit sollte ich wieder erst mal pausieren. In der kommenden Wo­che erzähle ich euch dann, wie das Schreibbild des Oki Stanwer Mythos sich im Monat Juni 2015 entwickelt hat.

Nicht verpassen, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

wie schon in der letzten Woche angedeutet, nehme ich euch heute mit in die Gegenwart zur aktuellen Literatur, die man noch immer im Buchhandel vorfin­den kann, und es ist zudem ein Werk, das man einfach nur köstlich genießen kann und in dem es unendlich viel zu lachen gibt. Wer immer die Verfilmung ge­sehen hat und anschließend das Buch las – wie es mir erging – , der hatte wo­möglich noch mehr Vergnügen als diejenigen, die umgekehrt vorgingen.

Lasst euch also entführen in den hohen Norden und in eine abenteuerliche Le­bensgeschichte eines Mannes namens Allan Karlsson. Und wer ihn noch nicht kennen gelernt haben sollte – holt das nach, Freunde!

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg

und verschwand

(OT: Hundraåringen som klev und genom föstret och försvann)

Von Jonas Jonasson

btb 74492

München 2009, 7. Auflage 2013

434 Seiten, TB

ISBN 978-3-442-74492-3

Man glaubt gar nicht, wie viel Gelächter man auf dieses Buch verwenden muss, um es zu überleben. Aber es ist tatsächlich die reine, lautere Wahrheit, dass man bei der Lektüre dieser Seiten ernstlich selbst Todesfälle im nahen persönli­chen Umfeld völlig vergisst – der Rezensent hat das in den letzten Tagen selbst alles mitgemacht und weiß bestens Bescheid. Und da er der Auffassung ist, dass man gute Bücher bekannter machen sollte, konnte dieses hier wahrhaftig nicht ausgespart bleiben. Es gab in dieser ganzen Angelegenheit nur einen einzigen Wermutstropfen: Das Vergnügen war so schnell vorbei (8 wirklich langsame Le­setage – langsam, um das Vergnügen zu strecken!). Alle Bücher haben ein Ende, und die guten sind seltsamerweise noch viel schneller ausgelesen als die schlechten, ganz gleich, wie umfangreich sie sind. Und man hätte doch gern noch mehr von Allan Karlsson und seinem Amoklauf-Gefolge gelesen, von optimierten Bibeln, betrunkenen Physikern, dem jungen Kim Jong-Il, Mao Tse-tungs Verlobter, dem Chefmörder des iranischen Geheimdienstes, Amanda Einstein und ihrem ebenso zerstreuten Ehemann Herbert Einstein (und schweigen wir davon, dass Glenn Miller laut Allan Karlsson ein Nazi gewesen sein soll, weswegen er, Allan, Miller ja auch umbringen musste) und vielem anderen mehr…

Wie, ich bin zu schnell? Na schön, dann fange ich noch einmal an.

Die Geschichte, wie ich zu diesem Buch kam, das ist vielleicht gescheiter, ist ein wenig gewunden. Und, um der Wahrheit die Ehre zu geben, kam ich zunächst in den Genuss der Verfilmung des „Weltbestsellers“ aus Schweden, wie das Buch ja auch tituliert wird (und ich meine, wenn ein Buch binnen von vier Jahren 7 Taschenbuchauflagen und wer weiß, wie viele Hardcoverauflagen erlebt, dann trägt es den Titel wohl mit Recht… und vom Inhalt her sowieso). Im Februar 2014 sah ich einen Trailer zu der Verfilmung im Kino und dachte mir: Ja, das schaut nach einem lustigen Film aus. Den sollte man sich antun.

Da ich aber bekanntlich derzeit nicht sonderlich gut bei Kasse bin, wartete ich, bis das Werk im Schunterkino gebracht wurde und ging im November 2014 mit meinem besten Freund Mario hinein… um es kurz zu machen: wir lachten Trä­nen. Der Film war so köstlich grotesk, dass ich danach klipp und klar sagte: Den Roman muss ich beizeiten auch mal lesen. Denn man kennt das von den meis­ten Literaturverfilmungen – die sind zumeist nur dünne Instantversionen des­sen, was in den Büchern steht.

Das traf auf dieses Buch, das ich dann im Januar 2015 geschenkt bekam, wirk­lich buchstäblich zu. Ich konnte mich gerade mal einen Tag lang zurückhalten, nachdem es auf meinem Tisch gelandet war, ehe ich zu schmökern anfing… und zu kichern. Und mehr zu kichern. Und manchmal lauthals zu lachen. Anfangs stimmte es noch relativ gut mit der Verfilmung überein, aber das änderte sich rasch, und in der zweiten Hälfte kamen soviel kuriose Neuigkeiten hinzu, die im Film ganz und gar fehlen oder nur höchst kursorisch erwähnt werden, dass mei­ne obige Einschätzung immer mehr Nahrung erhielt: das Buch IST noch deutlich besser als der Film, und wer den Film bereits geliebt hat, wird sich beim Buch halbtot lachen. Versprochen, Freunde. Wer nur ein bisschen Ahnung von Zeitgeschichte hat, der kommt aus dem Staunen und Lachen nicht mehr heraus.

Und dabei hat alles so harmlos angefangen…

Allan Karlsson, Jahrgang 1905, sitzt in einem Altersheim im schwedischen Malmköping, weil er in dem Bemühen, jenen Fuchs umzubringen, der seinen Kater auf dem Gewissen hat, kurzerhand seinen Hühnerstall und sein eigenes Wohnhäuschen mit Dynamit in die Luft gesprengt hat. Das sorgt schon für die ersten Lacher (im Buch erfährt man davon erst ganz zum Schluss). Nun, Allan, rüstig und recht klar im Kopf, hat jedenfalls nun, wo sein 100. Geburtstag an­steht und das ganze Altersheim ihn feiern will, keine Lust, mitzumachen. Kurzer­hand steigt er in seinen Pantoffeln und etwas Geld in der Brieftasche aus dem Fenster und sucht das Weite.

Ulkig, aber viel mehr auch nicht… tja, aber der Leser ahnt noch nicht, dass Allan Karlsson alles andere als ein normaler 100jähriger Greis ist. Aber das kommt schnell zum Vorschein. Er hat nämlich beschlossen, kurzerhand noch etwas von der Welt zu sehen, hat aber keinen Plan, was genau. Am nächsten Busbahnhof kauft er sich gleichwohl eine Buskarte nach Byringe. Der erste Zufall will es, dass er im Busbahnhof auch auf Bengt „Bolzen“ Bylund von der Motorradgang „Ne­ver Again“ stößt (was es mit der Namensfindung auf sich hat, verrate ich nicht, aber das ist ein weiterer Grund der Erheiterung). Der nötigt Allan, auf seinen voluminösen Koffer aufzupassen, derweil er die Toilette benutzt. Zwischenzeit­lich fährt der Bus vor, und Allan Karlsson nimmt den Koffer mit auf Reisen.

Bolzens Kommentar, als er das mitbekommt, lässt nichts Gutes ahnen: „Du bist so gut wie tot, du alter Wichser. Ich muss dich bloß finden…“

Derweil wird Allan natürlich im Altersheim vermisst, und Kommissar Aronsson eingeschaltet, zusammen mit Staatsanwalt Conny Ranelid. Zunächst geht man von einer Verirrung des alten Mannes aus, bald darauf von einer Entführung. Die Vermutungen werden noch weit kurioser und führen schließlich nahezu zur medialen Hysterie.

Allan kommt in Byringe an und stößt hier auf einen weiteren älteren Herrn, Juli­us Jonsson, mit dem er sich schnell anfreundet. Und dann kommt „Bolzen“ hin­zu… tja, und ehe man sich versieht, ist der Rocker Gefrierfleisch und ziemlich tot, und in dem Koffer verbergen sich nicht weniger als fünfzig Millionen Kro­nen. Da Julius nun aber selbst als notorischer Dieb mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist, entscheiden sich die beiden alten Herrn, das Geld durch 2 zu tei­len und einfach weiter zu verreisen, derzeit noch ohne Ziel.

Auf dem weiteren Weg stoßen sie auf den Langzeitstudenten Benny Ljungberg, den sie samt Auto als Chauffeur anheuern und dann zum Mitverschwörer ma­chen, bald danach treffen sie die „Schöne Frau“ Gunilla Björklund und ihre Ele­fantendame Sonja, derweil Kommissar Aronsson zunehmend verwirrt den un­klaren Spuren nachgeht. Und dann sind da natürlich noch die beiden weiteren Mitglieder von „Never Again“, die verdammt noch mal gern das Geld der Rus­sen zurückhaben wollen. Einem von ihnen, Henrik „Humpen“ Hultén, gelingt es auch tatsächlich, den Hundertjährigen und das Geld ausfindig zu machen… was ihm aber nicht zum Vorteil gereicht. Bleibt am Schluss noch Per-Gunnar Gerdin alias „Piranha“ alias „der Chef“, der natürlich auch das Geld zurückbekommen will und ebenfalls ein… sagen wir… schmerzhaftes Missgeschick erleidet, das ihn deutlich abkühlt.

Binnen weniger Wochen jedenfalls kommt es dann dazu, dass im Buch stehen kann, wie Julius in Begleitung zum Einkaufen fährt und zu lesen ist: „Dort sahen sie auch die neuesten Schlagzeilen über den Hundertjährigen und sein Gefolge, die anscheinend in einem einzigen Amoklauf durchs Land zogen…“

Also, man sieht, an dem Hundertjährigen ist deutlich mehr dran, als man glaubt. Und das ist tatsächlich so. Denn in flankierenden Kapiteln wird dann bis­weilen sehr amüsant Allans Leben resümiert, von 1905 bis 2005. Und da kommt dann beispielsweise die Russische Revolution zum Vorschein, Allans notorische Neigung (und Befähigung), Dinge in die Luft zu sprengen (am Anfang noch klei­ne Sachen wie Automobile samt Besitzern, später gern auch Brücken, etwa im Spanischen Bürgerkrieg), oder auch die urige Anekdote, wie er in den USA 1939 strandet und hier als Kellner beim Manhattan-Projekt Oppenheimer auf die Idee bringt, wie das mit der Atombombe doch noch klappen könnte. Ganz zu schweigen von der folgenreichen Tequila-Zecherei mit Vizepräsident Harry S. Truman.

Truman wiederum beauftragt nämlich Allan Karlsson, nun in seinem Auftrag nach China zu gehen und das zu tun, was er am besten kann: Brücken sprengen, diesmal, um die Kommunisten aufzuhalten. Dass das schließlich dazu führt, dass Allan sich entschließt, doch lieber über den Himalaya heim nach Schweden zu wandern und zwischendrin Freundschaft mit Mao schließt, das gehört zu den Details, die im Film untergehen. Von dem Zwischenspiel in Teheran und dem Auftrag, Churchill dort zu ermorden, ist dann schon gar keine Rede mehr, auch nicht von den erschossenen Kommunisten.

Er kommt auch nicht wirklich zur Ruhe, als er schließlich tatsächlich in die Hei­mat kommt, denn ehe er sich versieht, wird er von einem russischen Physiker „gekauft“ und via U-Boot in die stalinistische UdSSR verschleppt, wo er auf Al­bert Einsteins reichlich trotteligen und todessüchtigen (und ebenfalls vom KGB entführten) Bruder Herbert Einstein stößt… und dann war da noch die Sache mit den Panzerfäusten in Wladiwostok, mit dem nicht minder trotteligen russi­schen Militär, mit dem Exil in der Sonne auf Bali…

Ach, man kann eigentlich gar nicht genau sagen, was man in solch einer Rezen­sion noch erwähnen und was man weglassen darf, weil so vieles passiert, das zu unendlichem Amüsement Anlass bietet. Situationskomik gibt es en masse, tro­ckene Bemerkungen, etwa über das Essen und die schön festen Frühstückseier, während ein paar Zeilen zuvor ein Todesfall diskutiert wurde, gleichfalls. Da werden Spione entlarvt, Dolmetscher fallen in Ohnmacht, Diktatoren werden vom Schlaganfall dahingerafft, Agenten und Kommissare übertölpelt, Staatsan­wälte aufs Glatteis geführt… und nebenbei bekommen die christlichen Kirchen, Fundamentalisten, Geheimagenten und jede Menge bekannter zeithistorischer Personen ihr Fett weg. Dass vieles aus der hinteren Hälfte des Buches unver­filmbar blieb, wird bei der Lektüre einwandfrei klar. Da weicht der Film stark vom Buch ab… aber ich sage euch, Freunde, Jonassons Buch werdet ihr lange in Erinnerung behalten. Und nicht vergessen: erst den Film sehen und DANN das Buch lesen, das macht deutlich mehr Laune als umgekehrt.

Beides ist sehr zu empfehlen. Danach hat man soviel gelacht, da braucht man für die nächsten Jahre keine Frischzellenkur mehr, vertraut meinem Urteil!

© by Uwe Lammers, 2015

Nein, ich glaube, viel mehr muss ich zu diesem Romanabenteuer und Lesever­gnügen wirklich nicht sagen. Knabbert euch durch, ihr werdet es genießen, da­von bin ich überzeugt.

In der kommenden Woche machen wir Bekanntschaft mit einem weiteren „Hel­den“ meiner literarischen Leidenschaften, einem Archäologen und Abenteurer, der auf den Namen Henry Jones junior getauft wurde. Freunde nennen ihn „In­diana Jones“.

Nicht verpassen!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde meiner E-Books,

heute folgt nach „In der Hölle“, das ich 2014 für euch hier auf www.beam-ebooks.de zugänglich machte, endlich der zweite Band der losen Romanreihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“. Wie schon bei der Ersterscheinung anno 2014 wiederhole ich, dass es nicht zwingend notwendig ist, für die „Annalen“-Bände auch die Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) zu lesen, da diese in einem anderen Universum spielen.

Von „In der Hölle“ trennt den vorliegenden Roman ein zeitlicher Abgrund von nicht weniger als rund 75 Milliarden Handlungsjahren. Befanden wir uns dort in KONFLIKT 4 des Oki Stanwer Mythos, so verschlägt es euch heuer in den KONFLIKT 19… und auf vergleichsweise vertrauten Boden: ins heimische sola­re Sonnensystem. Ja, es geht um echte Menschen der Spezies homo sapiens, im Besonderen um einen jungen irischen Auswanderer namens Ian Perry.

Um die Mitte des 21. Jahrhunderts hat die Menschheit das Sonnensystem er­schlossen und Kolonien auf Mars und Venus errichtet. Besonderen Reiz übt die höllische Venus auf Auswanderer aus – denn hier existiert das „Tor der Ewigen Seligkeit“, eine rätselhafte Alien-Hinterlassenschaft, die ein Einwegportal in un­bekannte Räume darstellt. Niemand, der das Tor durchquert hat, ist jemals zu­rückgekehrt.

Ian Perry, der hinter sich verbrannte Erde im moralischen Sinne hinterlässt, springt dennoch hindurch… und landet auf einer fremden Welt jenseits der Vor­stellung. Ein scheinbar verlassener Planet voller Rätsel und Gefahren… und ihr könnt an seinen Erlebnissen teilhaben, wenn ihr euch dieses E-Book besorgt. Es wird ein paar interessante Aha-Effekte für euch geben, davon bin ich fest über­zeugt.

Das E-Book „Ian und der Stein der Götter“ ist ab heute bei www.beam-ebooks.de im EPUB- und MOBI-Format zum Preis von 2,99 Euro erhältlich.

Viel Lesespaß wünscht euch, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.