Rezensions-Blog 375: Mr. & Mrs. Smith

Posted Oktober 25th, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

fangen wir mit dem Schluss heute mal an: Nein, der Fehler wur­de nicht begangen, von diesem Film eine Fortsetzung zu dre­hen. Dass das regelmäßig schief geht, ist auch 2021 und sicher­lich anno 2022 wieder im Kino zu bewundern. Solange man nicht die geschickten Texter von Marvel in der Hinterhand hat, geht so etwas meistens daneben. Jüngste Beispiele – meiner Ansicht nach – sind „Ghostbusters – Legacy“ und „Matrix Resur­rections“, die doch sehr hinter den Erwartungen zurückblieben.

Manchmal ist es dann tatsächlich sehr interessant, einen Gang zurückzuschalten, das Phantastische einfach außen vor zu las­sen und sich in ein turbulentes, im Kern komödienhaftes Aben­teuer zu stürzen, in dem man ein wenig den klaren Menschen­verstand baumeln lassen kann.

Solch ein Film war anno 2005 „Mr. & Mrs. Smith“, die turbulente und gagreiche Geschichte eines Ehepaars, gespielt von Angeli­na Jolie und Brad Pitt, die insgeheim Top-Profikiller für konkurrie­rende Organisationen sind und eines Tages als Sicherheitsrisiko eingestuft werden.

Nein, nein, wir sind hier nicht bei Bruce Willis und „R.E.D.“, wo dann auf einmal ein mannstarkes Killerkommando die Heimstatt von Willis und am liebsten auch ihn selbst zerlegt (wer den Film kennt, weiß natürlich, dass bei dieser Schießerei sehr viel zu Bruch geht, aber Willis, wiewohl im Ruhestand, die Killer mit links alle macht, um es mal flapsig auszudrücken.

Nein, bei Mr. & Mrs. Smith wird das vermeintlich geschickter ge­macht: Die Firmen setzen einfach ihre Topkiller auf das jeweilige „Sicherheitsrisiko“ an.

Und das Ergebnis sieht dann so aus:

Mr. & Mrs. Smith

(OT: Mr. & Mrs. Smith)

von Jane und John Smith

(Pseudonym für Cathy East Dubowsky)

Heyne 50013, 7.95 Euro

336 Seiten, Juli 2005

Aus dem Amerikanischen von Claire Roth

Irgendwann kommt wohl jede Ehe an diesen Punkt: Mann und Frau sind mehrere Jahre lang verheiratet, beide haben einen Job, und dann hört jener Zauber des Anfangs auf, die Leiden­schaft verfliegt, zumal dann, wenn man aus beruflich bedingten Gründen keine Kinder in die Welt setzt … und das Eheleben er­starrt in einer Art von seltsamem Ritual. Aus dem Geliebten und der Geliebten, aus dem Ehepartner wird ein Fremder, dem man nachts beim Einschlafen zusieht, während man sich selbst nur noch Worthülsen an den Kopf wirft und es im Alltag immer öfter zu diesen kleinen nervenaufreibenden Mißverständnissen kommt, die zum Zündpotential für Kurzschlusshandlungen wer­den.

Manche Leute begehen aus solchen Launen heraus Seiten­sprünge, die die Ehe zerstören. Andere flüchten sich in Drogen oder spleenige Launen. Und wieder andere versuchen mühsam, sich mit dem bizarren Alptraum namens Ehe zu arrangieren, in­nerlich immer mehr hadernd, immer weniger verstehend, wieso sich ihr Partner so sehr verändern konnte, fragend, wo die Per­son geblieben ist, die sie einstmals geliebt haben.

So geht es auch Mr. und Mrs. Smith.

Jane und John Smith bilden ein amerikanisches Durchschnitts­ehepaar, das in ihrem Viertel als Vorzeige-Ehepaar schlechthin gehandelt wird und auf allen Partys von Nachbarn gern gesehe­ner und bewunderter Gast ist. Gewiss, sie haben keine Kinder. Gewiss, sie sind hart arbeitende Business-Workaholics – sie in der Computerbranche, wobei sie zu den unmöglichsten Zeiten des Tages hochgeschreckt wird, um abgestürzte Rechner in Fir­men wieder in Stand zu setzen, er ist Bauunternehmer mit internationalem Operationsgebiet und oft auf Reisen … dennoch werden sie bewundert.

Doch im Innern ihrer Ehe herrscht Eiszeit.

Schon der Griff nach dem Salzstreuer ist wie das Betreten eines Minenfeldes, ganz zu schweigen von dem Kauf neuer Gardinen, dem abendlichen Essen kochen oder dem Beieinander im Bett (Sex? Hat da irgendwer etwas von Sex erzählt? Was ist das? Kann man das mal buchstabieren?). Da ist es irgendwie folge­richtig, dass sie beide auf einer Party doch tatsächlich den Hauptgewinn ziehen: Vier Sitzungen beim Eheberater Dr. Mark Wexler.

Nicht, dass sie das nötig hätten, ach nein, natürlich nicht … aber das ist doch eine nette Sache, eine Art Test, wie etwa … ja, wie ein Ölwechsel, sagt John, und dabei lacht er etwas zu laut. Der Berater merkt schnell, dass bei den beiden vieles im Argen liegt.

Zum zweiten Termin erscheint nur Mrs. Smith, und sie wirkt selt­sam abwesend. Sie kommt ohne Wissen ihres Mannes, und Wexler gibt ihr eine harmlos scheinende Aufgabe: Sie solle doch einmal aufschreiben, wo und wie sie ihren Mann kennengelernt hat, und sie müsse diese Aufzeichnungen natürlich niemandem zeigen. John Smith, der – ebenfalls ohne Wissen seiner Frau – die nächste Sitzung alleine besucht, gibt er denselben Rat. Und so entsteht die Struktur des Buches.

In wechselseitigen Ich-Kapiteln berichten nun Jane Smith (Ange­lina Jolie) und John Smith (Brad Pitt) von dem gegenseitigen Kennenlernen in Bogotá/Kolumbien, wo sie beide „zufällig“ gerade „Urlaub“ gemacht haben bzw. „beruflich unterwegs“ wa­ren, als ein Politiker ermordet wurde, davon, wie sie sich unsterblich ineinander verliebten und diese nun schon fünf Jahre … pardon, Jane hat natürlich recht, es sind bereits sechs Jahre … währende Ehe anbahnten.

Nach außen ist sie, wie gesagt, eine ganz normale Vorstadtehe von Mustergattin und Mustergatte. Doch leider führen beide ein Doppelleben. Weder ist er in der Baubranche tätig, noch fährt sie ständig Computer hoch. Sie verbirgt in der Küche im Herd ein ganzes Arsenal an Waffen, das seine befindet sich im Keller des Gartenhäuschens.

Sie sind beide Killer für unterschiedliche Organisationen, und während sie nicht den blassesten Schimmer davon haben, dass der andere keineswegs der biedere Normalo ist, für den sie sich gegenseitig halten, bekommen ihre Chefs davon sehr wohl Kenntnis. Und so werden sie als Sicherheitsrisiko eingestuft und bekommen einen außerordentlich pikanten, wiewohl verdeckten Auftrag: Liquidieren Sie den Topkiller der Gegenorganisation. Im Grunde genommen also – töten Sie Ihren Ehemann/Ehefrau.

Damit stürzt das jahrelang sorgsam aufgebaute Gebäude der Lügen in sich zusammen … und unerwartete Dinge nehmen ihren Lauf, völlig unerwartete Dinge …

Doug Liman hat die „mörderische Komödie“ (Klappentext) im Jahre 2005 verfilmt und in die Kinos gebracht, ein Film, der zum einen natürlich vor Action nur so strotzt und in dem die Luft mehr als einmal bleihaltig genug ist, um daran zu ersticken. Zum anderen aber prasselt ein Feuerwerk von Wortwitz und Si­tuationskomik auf den Zuschauer ein, da sich die beiden Prot­agonisten wirklich gar nichts schenken. Unbestreitbar sind An­gelina Jolie und der von mir wirklich nicht sehr geschätzte Brad Pitt hier in absoluter Höchstform. Den Film habe ich sehr genos­sen, wiewohl er an manchen Stellen doch arg unrealistisch da­herkam, nicht zuletzt zum Schluss.

Wenn einem dann für 2 Euro das Buch zum Film über den Weg läuft, überlegt man sich schon, ob es einem gefallen könnte. Nun, ich kaufte es als Geschenk für einen Freund und begann dann dummerweise, den Prolog zu lesen. Das hätte ich nicht tun sollen. Zwei Tage danach war das Buch ausgelesen, trug mei­nen Besitzerdvermerk und wanderte in mein Buchregal.

Das Buch wird nicht verschenkt.

Ich habe einst zum Film „Men in Black I“ gesagt, vom Kauf des Romans sei abzuraten, weil er in keiner Weise den Humor des Films einfing. Lasst euch gesagt sein, potenzielle Leser, bei DIE­SEM Buch ist das anders. Durch die sehr raffinierte und kurzwei­lige Blendentechnik und zeitweilige Überblendung der Eintra­gungen der Protagonisten sowie intensive Reflexion entsteht ein äußerst geschicktes Werk, das dem Leser sogar so manche Re­aktionen der Handelnden im Film besser erklärt, als es der Film verstand. Und es gibt gar viele humorvolle Reflexionen im Text, die die Angelegenheit sogar noch sehr viel komischer gestalten, als man es sich eigentlich ursprünglich ausmalt.

Sicher ist die Grundstruktur simpel, sicherlich ist auch die Dar­stellung eines „Ehekrieges“ nicht eben neu (man erinnere sich an Der Rosenkrieg), die Zutaten sind halt nur neu gemixt und zusammengerührt worden. Aber geschickt gemacht. Kurzweilige Unterhaltung ist in jedem Fall programmiert. Und irgendwie kann man verstehen, dass sich Brad Pitt während der Drehar­beiten in Angelina verknallte und daraufhin prompt seine Ehe mit Jennifer Aniston cancelte.

Nein, man muss Angelina Jolie und Brad Pitt nicht für tolle Schauspieler halten oder für schön aussehende Menschen. Aber in dieser Rolle waren sie einfach eine optimale Besetzung. Ich kann nur hoffen, dass niemand den Fehler begeht, von diesem Film eine Fortsetzung zu drehen. Das kann alles nur zerstören.

© 2006 by Uwe Lammers

Gott, echt, was war das für ein Lesevergnügen … ich muss stän­dig mich gekringelt haben vor Lachen. Wer wirklich mal völlig abschalten möchte, ist hier absolut goldrichtig. Auch wenn der Film inzwischen 17 Jahre auf dem Buckel hat – ich sollte ihn mir echt mal wieder anschauen.

In der nächsten Woche wird es dann ein wenig haarsträubend … meine eigentliche Vorausplanung sah einen anderen Beitrag vor, der eher beruhigend und sanft-philosophisch ausgefallen wäre. Dummerweise stellte ich dann rechtzeitig fest, dass ich dieses Buch in meinem Blog 2021 schon besprochen hatte, und dann sattelte ich kurzerhand um.

Stattdessen geht es also um ein inzwischen zwar schon recht betagtes historisch-politisches Magazin, doch die darin getroffenen Feststellungen und, mehr noch, meine anno 2014 vorgenommenen Kommentierungen sind leider alles andere als aus der Welt.

Ihr werdet verstehen, wovon ich rede, wenn ihr kommende Woche hier wieder vorbeischaut.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

eben habe ich noch mal nachgelesen, was ich einst anlässlich von OSM-Band 1900 schrieb. Das war „Schmelztiegel Shal­lakhon“, Band 4 der Serie „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“ (HdH). Dies wiederum stellt bekanntlich den KONFLIKT 7 des Oki Stanwer Mythos dar. Und zu meiner nicht eben geringen Überra­schung erwies sich Band 10 dieser Serie dann als genau der Stoff, mit dem ich den OSM-Band 2100 füllen konnte. Mit 51 Textseiten, die ich am 13. März 2022 nach erstaunlich kurzer Ar­beitszeit abschloss (Vergleich: an HdH-Band 4 hatte ich mit lan­gen Pausen über 10 Jahre gearbeitet, an Band 10 derselben Serie, OSM 2100, keine vier Wochen am Stück!), war ich so tief in die Hohlwelt Hyoronghilaar eingedrungen, dass ich es selbst kaum fassen konnte.

Und die Bilder flossen einfach munter weiter und strömen jetzt, am 17. März 2022, immer noch rege. Ich habe einen neuen Hin­tergrundartikel für die Serie entworfen, der binnen eines Nach­mittags auf volle 9 Textseiten kam. Es sind neue Vorschautitel gewuchert, fremde Protagonisten aus den tiefen Windungen meines Hirns entstiegen, die allesamt nicht unproblematisch sind … aber die Welt bekommt in einer Weise Tiefe, Historie und Lebendigkeit, dass ich mich daraus kaum lösen kann – und das ist wirklich verdammt gut so!

Als ich am 17. April 2019 den nämlichen Blogartikel 336 zum fertig gestellten OSM-Band 1900 schrieb (erschienen ist er dann am 11. August 2019), hatte ich noch keine rechte Vorstellung, was sich in den kommenden 200 Episoden alles tun würde. Vie­les von dem, was ich damals skizzierte, ist tatsächlich in den verstrichenen gut drei realen Jahren umgesetzt worden. Vieles andere blieb hingegen schlicht auf der Strecke.

Ich hätte allerdings im Traum nicht geglaubt, dass dieser Jubilä­umsband in der Hohlwelt Hyoronghilaar spielen würde. Und bis ich mich daran setzte, dem Dom-Portar Jawlir Leben einzuhau­chen, ihn mit Meister Lonjesh in Verbindung zu bringen, mit der Abgrundprüfung, den Kristallports und schlussendlich mit der ersten Helferin des Lichts namens Theamin … bis dahin hatte ich nur eine vage Vorstellung davon, wie sich die Handlung ent­wickeln würde.

Und dann purzelten die Bilder durcheinander, Informationen über die Kultur der Dom-Portare aus dem Volk der Tossaner blühten auf, Potenzialfragen blitzten durch meinen Verstand, goldige Wortwechsel, es ging um Kristallgeister, einen lange verschollenen Dom-Portar namens Humshinn, der vermutlich ei­nem Attentat zum Opfer gefallen war, um den Krieg des Reiches von Lemaar, Hyoronghilaar als Geisterbahn …

Das geht euch alles zu schnell? Okay, akzeptiert. Ihr merkt aber schon an diesem kurzen sturmartigen Rausch an Namen und Begriffen und Zusammenhängen, wie frisch das alles noch für mich ist, wie phantastisch lebhaft ich in dieser ganzen Ge­schichte stecke. Aber da das alles – auch der Blogartikel 336 – schon arg lange her ist, gehe ich mal einen weiten Schritt zu­rück und komme dann erst nach dem Basis-Rundumschlag zur aktuellen Handlung des OSM-Bandes 2100.

Vertraut mir, ich denke, dieser Rückblick ist notwendig.

Wir befinden uns im KONFLIKT 7 des OSM. Die gottgleichen Bau­meister, die Bediensteten der Sieben Lichtmächte, haben aus den Katastrophen der vergangenen KONFLIKTE, die Oki Stanwer und seine Vasallen gegen die Macht TOTAM ausgefochten (und verloren) haben, gelernt. Sie haben darum das Kampffeld mas­siv verengt.

Entstanden ist die nach außen mit Goldkristall gepanzerte Hohl­welt Hyoronghilaar, in der die Baumeister zahlreiche Projektvöl­ker angesiedelt haben. Manche singulär für diese Welt, wie etwa die Shoreikhen, andere – wie die Crelis, die Sinarer oder Taigoni­den (letztere kennt ihr schon unter dem Volksnamen Allis) – werden in späteren KONFLIKTEN noch ihre Glanzstunden erle­ben.

Um die Hohlwelt funktionsfähig zu machen und solide zu ver­netzen, wurden die so genannten Hellen Dome erschaffen, rund fünf Kilometer hohe gigantische Turmbauten, um deren Basen sich in der Regel Städteagglomerationen bildeten.

Als die erste Helferin des Lichts, Theamin, als Oki Stanwers Hel­ferin und deutlich vor ihm, in Hyoronghilaar eintrifft, stellt sie aber schnell fest, dass „das Paradies entgleist ist“, wie sie das bestürzt feststellt: die Hellen Dome sind offenkundig sämtlich außer Funktion. Die Verkehrssysteme der Baumeister haben aufgehört zu existieren, ihre für die Ewigkeit geschaffenen Fun­damente werden von den zunehmend in die Primitivität zurück­gefallenen Völkern als Steinbruch oder Schlimmeres verwendet.

Ihr ist sofort klar: Wenn TOTAM jetzt angreift, wie auch immer, ist die Hohlwelt vollkommen wehrlos. Sie muss einen Hellen Dom erreichen und versuchen, ihn zu reaktivieren. Denn die Hellen Dome können als Peilungszentrum dienen, um die ande­ren Helfer des Lichts und Oki Stanwer ausfindig zu machen.

Der nächste Dom, den sie anpeilen kann, ist der Helle Dom von Shallakh-Yau inmitten der pulsierenden Metropole Shallakhon (das Erreichen von Shallakhon war Thema von OSM-Band 1900). Doch dort angekommen, warten die nächsten Enttäuschungen auf sie: Der Dom wird seit Jahrhunderten von der Volksgruppe der humanoiden Tossaner kontrolliert und so gut nach außen abgeschirmt, dass er quasi unerreichbar ist.

Glück im Unglück – sie stolpert über den Tiyaala-Dieb Zrreik, der kürzlich im Dom war und von dort ein Fundstück mitgenommen hat: ein kristallines Installationsteil, das Theamin mit ihrem Pri­märenergiepotenzial aktivieren kann. Es handelt sich um einen so genannten „Aktivator“, der sie, Zrreik und den unbedarften Shoreikhen Serzechal mitten in den Hellen Dom versetzt.

Ist Theamin damit am Ziel? Das nimmt sie selbst an, und als ich Band 8 der Serie gleich im Anschluss an den OSM-Band 1900 anno 2019 zu schreiben begann – damals versiegte der Bilder­strom leider rasch wieder – , da schwante mir schon: Nee, Mäd­chen, so einfach ist das nicht.

Ich behielt leider recht.

Aber es dauerte bis Anfang 2022, ehe ich daran weiterschreiben konnte … und nun kamen atemberaubende Bildblenden aus dem Innern des Doms von Shallakh-Yau zutage, und eins davon führte unweigerlich zum nächsten und zum übernächsten … hinreißend.

Also: der Helle Dom von Shallakh-Yau ist ein Wunderwerk der Baumeister, ganz geschaffen aus metamorphiertem Goldkristall … und ein gigantisches Gebilde, in dem es keinen Schatten gibt. Der Baustoff leuchtet dezent von innen heraus und erzeugt so eine Rundumbeleuchtung (das wurde aber erst klar, als ich vor kurzem Band 13 schrieb und gestern abschloss). Doch am Ziel war Theamin überhaupt nicht.

Denn: Sie befanden sich über 400 Stockwerke über dem Boden. Und Zrreik hatte schon gewarnt – die rund 10 Meter hohen Kris­tallportale zwischen den Hallenräumen waren sämtlich ver­schlossen und nicht zu öffnen. Türklinken? Fehlanzeige. Öff­nungskontakte? Fehlanzeige. Der einzige Weg von einem Raum in den nächsten waren Lüftungsschächte – in zehn Metern Raumhöhe. Da die Räume aber auch keinerlei Einrichtung auf­wiesen, war es quasi unmöglich, von einem Raum zum nächs­ten zu gelangen, ganz zu schweigen, dass sie von einem Stock­werk ins nächste kommen würden.

Gut, Theamin vermochte alsbald mit Hilfe des Aktivators und ih­rer eigenen Primärenergieladung, so genannte „Osmose-Schleu­sen“ zu aktivieren, was sie voran brachte. Aber ansonsten zeig­te sich sehr schnell die Grenze dessen, was sie zustande brin­gen konnten – Nahrungsmittelversorgung etwa gab es nicht. Und da sie sich in mehr als vier Kilometern Höhe über dem Bo­den befanden und es so etwas wie Antigravschächte oder Auf­züge nicht zu geben schien, war absehbar, dass sie an Entkräf­tung eingehen würden, ehe sie auch nur in die Nähe des Erdbo­denniveaus gelangten.

Noch schlimmer: Die Dom-Portare aus dem Volk der Tossaner, auf die Zrreik immer weniger gut zu sprechen war, sollten an­geblich maximal 40 (!) Stockwerke vom Erdgeschoss hoch ge­kommen sein … innerhalb von mehr als 1200 Jahren, seit denen der Dom schon in diesem Inaktivitätsstadium verharrte.

Glücklicherweise gab es die Kristallports … wer von euch den Roman „Jaleenas zweites Leben“ gelesen hat, der – zugege­ben – in KONFLIKT 4 spielt, also der Serie „Oki Stanwer – Der In­sel-Regent“ und damit 15 Milliarden Jahre vor der Hyoronghil­aar-Handlung liegt, der kennt solche Kristallportsysteme schon. In der INSEL verbanden sie als Transportsystem die einzelnen Haushalte auf INSEL-Welten.

Im Hellen Dom von Shallakh-Yau gibt es dergleichen auch. Sie waren zwar (weitgehend) inaktiv, aber auch hier gelang es Theamin, die Systeme zur Teilaktivität anzuregen… und auf die­se Weise konnten sie schließlich in Band 9 der Serie bis ins Erd­geschoss vorstoßen, in den Lebensraum der Dom-Portare. Aber der letzte Transit schlug fehl, und während Theamin besin­nungslos wurde, gerieten ihre beiden Begleiter in Gefangen­schaft.

Und damit war mir bewusst, dass ich unbedingt eine tossani­sche Perspektive brauchte.

Weite Teile des OSM-Bandes 2100 werden darum von der Vita des jungen Dom-Portars Jawlir eingenommen, der im Jahre 1080.934 Hyoronghilaar-Zeitrechnung, also rund 19 Jahre vor Beginn der Serie, die so genannte „Abgrundprüfung“ zu beste­hen hat.

Er ist zu diesem Zeitpunkt 14 Sommer alt und hat, wie alle Tos­saner, eine abergläubische Angst vor dem Abgrund: jenem Be­reich im Dom, der unterhalb des Erdgeschosses liegt und durch schwere Tore von der Außenwelt hermetisch abgeriegelt ist.

Während oberhalb der Erde überall im Dom schattenlose Hellig­keit vorherrscht, gibt es dort unten offensichtlich nichts als Fins­ternis! Es gibt die Legende, dass die Kristallgötter, als sie den Hellen Dom schufen, allen Schatten aus der Bausubstanz her­aussogen und in den Abgrund verbannten, und dass die Gefahr besteht, dieser Schatten möge einstmals zurückkehren, wenn man etwa unachtsam sei.

Absurd?

Nun, daran merkt ihr mal, wie sehr die Physik der modernen Tossaner auf den Hund gekommen ist. Allzu viel ist davon nicht mehr übrig.

Jawlir reagiert auf die Abgrundprüfung völlig anders als seine Al­tersgenossen. Nach anfänglicher Furcht fasziniert ihn der Ab­grund … und was kein Tossaner jemals erwägen würde, wird für ihn unter Anleitung seines Mentors, Meister Lonjesh, zur Norma­lität: Er taucht immer wieder in den Abgrund ab und entwickelt zunehmend kritische Ideen dazu. Sie führen schließlich dazu, dass Lonjesh für ihn ein eigenes Amt erschafft und Jawlir so ge­wissermaßen „ruhigstellt“.

So vergehen die Jahre mit zunehmender Frustration für ihn, bis er anno 1098 in alten Aufzeichnungen einen Seelenverwandten entdeckt – den Dom-Portar Humshinn, der schon vor über 630 Jahren sehr ähnliche Gedanken wie er hegte … aber Humshinn scheint damals spurlos verschwunden zu sein. Gefälschte Akten behaupten, er sei bei einer Dienstreise außerhalb von Shallakhon ermordet worden, was Jawlir furchtbar erbittert.

Und dann, anno 1099, kommt er unerwartet in Kontakt mit dem „Aktivator“, der ihn in der Handlungsgegenwart dann zur gefan­genen Helferin des Lichts namens Theamin führt … und ge­meinsam brechen sie auf in den Abgrund unter dem Dom. Denn sie sind beide der Ansicht, dass dort die Lösung für die gegen­wärtigen Probleme des Doms liegen (was stimmt).

Dass diese Reise allerdings für sie lebensgefährlich werden soll und atemberaubende Rätsel im Gefolge hat und alles noch viel schlimmer ist, als sie sich das aktuell ausmalen … davon haben die Verschwörer noch keine Ahnung.

An diesem Punkt endet der Band 2100. Ich kann nur noch ein wenig andeuten, da ich ja bekanntlich informativ und schrei­bend bereits deutlich weiter bin: In der weiteren Folge der nächsten drei Episoden (HdH 13-15) geht es um Stasisfelder, Baumeister-Quellcode, falsch funktionierende SENSOREN, einen SENSORKERN-Kernbrand und noch schlimmere Dinge.

Theamin wird mit Bestürzung erleben müssen, dass selbst die Reaktivierung des Doms von Shallakh-Yau noch kein Grund zum Jubilieren oder gar zum entspannten Zurücklehnen ist. Die Ge­fahrenlage ist sehr viel komplexer, als sie das zum aktuellen Zeitpunkt ahnt.

Wesentliche Rollen spielen in der Folge, und deshalb purzeln momentan munter weitere Bilder, deshalb musste ich den er­wähnten Hintergrundartikel schreiben, beispielsweise: der ge­heimnisvolle Rechteckmond von Hyoronghilaar, eine sinistre Person namens Antradd. Eine Sturminsel. Eine Gilde von Creli-Attentätern, die sich auf Theamin und ihre Freunde einschießen. Und natürlich eine Gruppe von taigonidischen Abenteurern im Blutdschungel im Süden der Hohlwelt, wo sie im versunkenen Reich von Lemaar auf eine unheimliche, gefräßige Lebensform treffen, die mit ihren ganz eigenen Problemen kämpft: ein Dä­mon von TOTAM, der auf den Namen Lord Mitkor hört.

Ich bin sicher, die kommenden 100 OSM-Bände werden wahn­sinnig spannend, gerade auf diesem Feld. Was sonst noch alles entstehen wird, vermag ich noch nicht zu sagen … ihr erfahrt es beizeiten.

Soviel also für heute zum neuesten Jubiläumsband aus meiner Feder.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 374: Visum für den Sirius

Posted Oktober 18th, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

manchmal grabe ich in dem reichen Fundus von geschriebenen Rezensionen ein paar wirklich alte Werke aus. Jetzt – vom Schreibzeitpunkt dieser Zeilen ausgesehen also am 1. Januar 2022, obwohl ihr sie sehr viel später lesen werdet – ist sogar diese Rezension bereits „historisch“. Sie ist selbst schon 20 Jah­re alt. Die Storys, über die ich damals also berichtete, haben in­zwischen schon 55 Jahre auf dem Buckel und mehr.

Aber gerade unter den nachgewachsenen Fans der Phantastik mag es vielleicht den einen oder anderen Liebhaber von SF-Kurzgeschichten geben, der beim Namen Robert Silverberg auf­horcht und antiquarisch nach diesem alten Buch zu suchen be­ginnt, wenn er/sie die folgende Rezension gelesen hat.

Um euch eine erste Orientierung zu geben, ob das Werk viel­leicht etwas für euch ist, schaut einfach mal weiter und macht euch ein eigenes Bild, ob sich das für euch lohnt:

Visum für den Sirius

von Robert Silverberg

Goldmann 0212

128 Seiten, TB

Übersetzt von Tony Westermayr

Erstauflage: 1966

ISBN 3-442-23212-0

Man zählt Robert Silverberg nicht umsonst zu den ganz Großen der amerikanischen Science Fiction. In diesem Band sind sechs seiner Geschichten aus den 60er Jahren enthalten, die laut Um­schlagtext „Roboter, Zeitreisen, fremde Kulturen, gesellschaftli­che Veränderungen“ sowie „ein Monstrum mit Käferaugen“ zum Inhalt haben.

Vergessen wir diese kuriosen Worte. Sie treffen nicht zu. Worum aber geht es in den Geschichten nun wirklich?

Die Titelstory Visum für den Sirius entführt uns in die Zukunft der Erde und zeigt den tristen Alltag von David Carman, Konsu­ment 6. Klasse. Seine Aufgabe in der durchorganisierten irdi­schen Gesellschaft besteht darin, Visumanträge zu bearbeiten … wobei „bearbeiten“ zu hochtrabend ist. Streng ge­nommen handelt es sich nur um ein Sortieren in verschiedene Ablagekästen. Aber … das ist nicht das Problem. Das Problem besteht darin, dass die Erde Krieg führt. Mal gegen den Prokyon, mal – wie momentan – gegen das System Sirius. Und der Wirt­schaftslenker, der diese Nachrichten verkündet, muss bei militä­rischen Niederlagen leider die Preisspirale für alltägliche Güter immer weiter anziehen. Was Carman an den Rand des Ruins führt.

Schließlich fällt er die Entscheidung, sich aus dem tristen Da­sein zu lösen und sich als Soldat zum Sirius versetzen zu lassen, um endlich etwas Sinnvolles für die Gesellschaft zu tun und dem ewigen Preisdruck zu entkommen. Dieser Spontanent­schluss hat fatale Folgen für den weiteren Verlauf seines Lebens …

Die Schmerzverkäufer konfrontiert den Leser mit der höchst un­sympathischen Gestalt des Sendeleiters Northrop. Er ist Expo­nent einer neuen gesellschaftlichen Attraktion: des Mitleidens. Das ist durchaus nicht positiv gemeint. Vielmehr werden die Zu­schauer und Miterleber neuronal mit einem leidenden Menschen verkoppelt, um den vollen physischen Schmerz zu erleiden, den der Patient in dem Augenblick der Operation verspürt. Weswe­gen Northrop natürlich darauf aus ist, Kontrakte mit Versehrten und deren Angehörigen zu schließen, die ausdrücklich beinhal­ten, dass der Verletzte beim BEGINN der Operation NICHT be­täubt werden soll.

Als ein alter Mann mit einem faulenden Bein eingeliefert wird und die Angehörigen sich störrisch zeigen und gegen diesen Kontrakt wehren, tritt Northrop selbst auf den Plan und geht ih­nen um den Bart. Der Kontrakt kommt schließlich zustande, aber er hat höchst zynische Konsequenzen …

Gleich und gleich entführt uns in eine Welt der ferneren Zu­kunft, in der Terra die isolationistische Tendenz ein wenig wieder gelockert hat. Aber nur ein wenig. Außerirdische dürfen die Erde nur unter strengen Auflagen betreten. Um diese ein wenig zu umgehen, gibt es das sogenannte Corrigan-Institut. Es führt Ex­traterrestrier auf der Erde ein und hält sie streng unter Ver­schluss – mit Besucherzeiten. Man kann es als eine Art professionellen Zoo mit intelligenten Bewohnern betrachten.

Bei einer solchen Anwerbeaktion – und die Außerirdischen sind überaus scharf darauf, dabei mitzumachen! – kommt es zu tu­multuarischen Szenen. Grund dafür ist jemand namens Ildwar Golb, der auf den ersten Blick wie ein ganz normaler Mensch aussieht, sich aber als Alien ausgibt. Mit einem hartnäckig um­gesetzten Trick, der unter anderem mit einem Beinahe-Mord und einem Quasi-Selbstmord zu tun hat (sehr lesenswert!) ge­lingt dieser Plan.

Golb ist ein sehr geschäftstüchtiger Mann. Das merkt auch Cor­rigan. Und er erkennt, dass sie aus demselben Holz geschnitzt sind. Nur ist für ZWEI solche Personen im Institut wirklich kein Platz …

Mutter ist die Beste! ist eine ziemlich unglaubliche Geschichte einer außergewöhnlichen Frau, erzählt von einem ihrer 31 Söh­ne, die physisch alle absolut identisch sind. Sie zieht die künst­lich befruchteten und so geteilten Embryonen im Geheimen heran und lenkt sie von Kindesbeinen an in enge Berufssparten – der Erzähler soll beispielsweise Historiker werden – , um zu beweisen, dass prinzipiell die Anlagen zu allen möglichen Karrieren im Individuum angelegt sind und es überwiegend von der Erziehung abhängt, was man schließlich wird. Der Ansatz geht in Richtung des Behaviorismus und der heutigen IQ-Forschung. Das Ende des Experiments ist hingegen ausgesprochen grausig und wohl einzigartig in der Menschheitsgeschichte …

Der Entreiher ist schon eine faszinierende Entwicklung: der Mensch braucht sich nicht mehr jahrelang dem Raumflug auszu­setzen, sondern er wird einfach … na ja … quasi in einen Schuh­karton eingesperrt, kondensiert in energetische Form, zeitlos von einem Raumschiff transportiert und dann wieder in die Nor­malform zurückverwandelt, wobei für ihn keine Zeit vergeht.

Die Frage, was mit der GESELLSCHAFT zwischendurch passiert, klärt die Story Trauernd hinterblieben nicht, was zeigt, dass sie nicht gut durchdacht ist. Beispielsweise sagt Silverberg durch den Mund eines Technikers: „Obwohl die Reise nach Marathon zweihundertdreiundachtzig objektive Jahre in Anspruch nimmt, wird es sich für Sie nur um Sekunden handeln.“

Das impliziert nach meiner Interpretation, dass jemand, der von der Erde nach Marathon reist, für fast sechshundert Realjahre verschwunden ist (eventuell ist das aber ein Übersetzerproblem gewesen). Mithin ist die Situation, in der sich Peter Martlett be­findet, einfach lächerlich: sein Bruder, der auf Marathon wohn­te, ist bei einer Reise mit dem Entreiher schlicht verschwunden, also abgeschickt worden, aber nie angekommen. Peter kommt nach Marathon, um dort die Angelegenheiten seines Bruders zu ordnen.

Was er nicht ahnen kann, ist, dass zu diesen „Angelegenheiten“ auch zwei Frauen gehören, die voneinander nichts wussten, de­nen Peters Bruder aber leichtsinnigerweise Hochzeitsverspre­chen gemacht hatte. Und da Peter seinem Bruder unheimlich ähnlich sieht … Nun, ich denke, das Problem ist offenkundig …

Die Unsichtbaren sind nicht WIRKLICH unsichtbar. Sie scheinen es nur zu sein – und die Gesellschaft des Jahres 2104 ist es, die sie hervorbringt. Dies ist eine grausame Art der Bestrafung, die einer sozialen Ächtung gleichkommt und ungeahnte Schwierig­keiten schafft. Wer gegen die Gesetze der Gesellschaft verstößt, wird mit einem unabwaschbaren Siegel auf der Stirn gekenn­zeichnet und für eine bestimmte Zeit damit stigmatisiert. Von nun an muss er nicht mehr arbeiten, aber niemand auf den Straßen darf ihn sehen, mit ihm reden oder ihn beachten.

Anfangs genießt der Bestrafte diese Tatsache, denn nun kann er auch boshafte Dinge begehen. Stehlen. In Frauenbadehäuser gehen. Dinge beschädigen. Allerdings gibt es auch Nachteile, die er bald kennenlernt: wenn er es zu dreist treibt, kann es auch ohne Weiteres passieren, dass er mit einem Kessel brü­hend heißen Wassers malträtiert wird. Der Verursacher, hier ein Koch, wird dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden, schließlich kann dieser ja sagen, er habe niemanden dort ste­hen gesehen …

Ebenso prekär ist es, wenn man in der Zeit krank wird. Es exis­tieren keine robotischen Ärzte, menschliche Ärzte müssen aber die Unsichtbaren ignorieren, selbst wenn sie vor ihren Augen sterben. Der Protagonist, zu einem Jahr Unsichtbarkeit ver­dammt wegen gesellschaftlicher Kälte, wandelt seinen Charak­ter im Laufe der Zeit vollkommen …

Diese Storysammlung, wiewohl fünfunddreißig Jahre alt, zeigt Robert Silverberg als eloquenten, geschickten Erzähler. Glei­chermaßen ist aber auch deutlich in vielen Geschichten zu er­kennen, wie sehr sie sich an der Oberfläche halten. Einzig Mut­ter ist die Beste! und Die Unsichtbaren transportieren wirklich sehr unangenehme, langfristige Schlussfolgerungen moralischer Tiefe, die anderen enthalten eher Allerweltsweisheiten wie „Bei Krieg werden die Dinge generell teurer“ usw. Der moralische Anspruch ist in den Werken überall spürbar, aber dafür wird sichtlich die Logik zurechtgebogen. Die Künstlichkeit muss man daher als Manko anführen, besonders signifikant in der Titelsto­ry und in Trauernd hinterblieben.

Der unbestreitbare Vorteil ist die ausgezeichnete Lesbarkeit der Geschichten, die zweifellos im Ablauf einiger Jahre doppelte Les­barkeit ermöglicht. Ich nehme an, dass Silverbergs Talent mehr die Form des Romans benötigt, in der er sich richtig austoben kann. In Kurzgeschichten läuft er – zumindest noch zu dieser Zeit – Gefahr, oberflächlich und seicht zu werden. Wer keine sehr hohen Ansprüche an Science Fiction-Literatur stellt, ist bei Silverbergs Kurzgeschichten aus dieser Zeit deshalb genau richtig.

© 2002 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche landen wir sehr viel näher an der Ge­genwart und in einem völlig anderen Genre. Da kommen wir zu einem sehr talentierten Paar von Killern, die unvermittelt einen sehr komplizierten Auftrag erhalten, was zu ungeahnten Kompli­kationen und Enthüllungen führt …

Das wird lustig“, würde Black Widow wohl sagen, denke ich, und sie hätte recht. Davon könnt ihr euch in sieben Tagen an dieser Stelle überzeugen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 480: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 37

Posted Oktober 16th, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

die Situation gegen Ende des Jahres 7476 sieht für Oki Stanwer und seine Getreuen in der Galaxis Milchstraße und im seit dem Voork-Krieg vor fast 2000 Jahren gründlich zersplitterten und desorganisierten, von Menschen besiedelten Systemsphäre denkbar schlecht aus. Während die Dämonen von TOTAM im Wesentlichen ihren Aufmarsch forcieren, wobei mit dem un­heimlichen Soffrol ein Wesen auftaucht, das kaum berechenbar und kalkulierbar ist und während der Dämonenschlächter, TO­TAMS EXEKUTIVE, gnadenlos die Garde der Dämonen um die In­effizienten bereinigt, ist die Gegenseite immer noch auf der Su­che nach Hilfe.

Nach den Angaben der Okis muss es im Halo der Milchstraße Sammelpunkte von Oki-Kampfflotten geben, aber es ist durch­aus fraglich, ob das tatsächlich stimmt.

Als Oki Stanwer aus dem Paralleluniversum wieder zurückkehrt, geht die Suche weiter.

Episode 76: Okis Flotte

(1983, digitalisiert 2005)

Blende zu Thor Gordenbeyl im System Mira Ceti: Der Hüne von Garos und Helfer des Lichts organisiert die Sammlungsaktivitä­ten der terranischen Siedler, um die Volksgruppen für den defi­nitiv bald bevorstehenden Waffengang gegen TOTAM zusam­menzuschmieden. Dabei erhält er überraschende Hilfe – denn von allen Winkeln des zersplitterten terranischen Siedlungsrau­mes tauchen Flüchtlingsschiffe und einzelne Raumer auf, und die Geschichte, die die Besatzungen erzählen, ist stets dieselbe: Es hat eine flächendeckende mentale Botschaft gegeben, die von der bevorstehenden Schlacht der Lichtstreitkräfte gegen TOTAM im Nebelsektor kündete. Wer diese Nachricht aussandte, ist bis heute unklar, aber Thor erhält so immer stärkeren Zulauf bei seinen Rekrutierungen.

Eine Frage ist aber noch ungeklärt: Wo um alles in der Welt liegt dieser Kampfplatz, der „Nebelsektor“? Niemand weiß es.

Blende zu Oki Stanwer: Die KÄMPFER und die EHRE, die beiden Großkampfschiffe der Okis der vormaligen Spezial-Garde kehren in den Normalraum zurück und treffen hier auf eine größere Gruppe von terranischen Schiffen – wie es sich herausstellt, handelt es sich um Thors Flotte, die von Mira Ceti in den Halo der Galaxis aufgebrochen ist (hier wird der Zufall etwas extrem überstrapaziert, zugegeben).

Während die beiden Freunde noch miteinander sprechen, ver­hält sich Okis Double, der Voork-Helfer des Lichts Rilon Vleh, ei­genartig, unterbricht die Verbindung und gibt orakelhafte Sprü­che von sich, ehe er kollabiert und auf die Krankenstation ge­bracht werden muss.

Als der Funkkontakt wieder hergestellt ist, sagt Thor Gordenbeyl etwas unbehaglich berührt, dass sich das „terranische“ Schiffs­kontingent nicht von Okis kommandieren lassen werde, sondern nur von einem ihres eigenen Volkes. Daraufhin ernennt Oki Stanwer kurzerhand Hiron Seglus, den vormaligen Polizeichef von Korsop, der sich seiner Mission angeschlossen hat, zum „General des Lichts“ und überträgt ihm das Oberkommando über die anderen Schiffe von Mira Ceti und der Siedlerfraktion.

Derweil beobachtet der WÄCHTER in der Medostation Rilon Vlehs Dämmerzustand und wird Zeuge, wie er von den All-Hü­tern zu phantasieren beginnt. Erschrocken wird ihm klar, dass die gegenwärtige Situation vielleicht noch wesentlich schlimmer ist, als er das annahm. Er eilt zu Oki Stanwer und drängt ihn, ein bestimmtes Koordinatenpaar im Halo anzufliegen, um über eine Sache Gewissheit zu erlangen, die er noch nicht ausspre­chen möchte.

Episode 77: Das Trümmernest

(1983, digitalisiert 2005)

Fortsetzung des Handlungsstroms aus Band 76: Während Oki Stanwer dem Ratschlag des WÄCHTERS folgt und die angegebe­nen Koordinaten ansteuern lässt, erzählt der Matrixkoordinator eine Geschichte aus der fernen Vergangenheit: Er berichtet vom technologisch hochstehenden Volk der Zenoler, die auf der Blü­te ihrer Macht von TOTAM attackiert und in alle Winde zerstreut wurden. Die Parallele zu den keineswegs mehr geeinten Terra­nern ist evident.

Um solche verheerenden Katastrophen künftig nicht mehr zuzu­lassen, ersannen die Zenoler eine ultimate Waffe, die so ge­nannten „Meteoritenbomben“. So konnte eine zweite Attacke abgewehrt werden … aber dann ging etwas furchtbar schief. Jählings wurden zu viele „Meteoritenbomben“ neu gebaut, und sie wandten sich schließlich gegen ihre Erbauer. Später erwie­sen sie sich auch als klare Bedrohung des okischen Imperiums in KONFLIKT 9.

Falls das System, in dem die Meteoritenbomben letztlich ihre Ruhestätte fanden, das so genannte „Trümmernest“, hier exis­tieren würde, macht der WÄCHTER deutlich, dann hätten sie es mit einem sehr gefährlichen Matrixfehler zu tun!

Tatsächlich finden sie an den angegebenen Koordinaten ein Sys­tem, das über extrem ausgeprägte Asteroidengürtel verfügt. Ansonsten regt sich hier aber gar nichts … doch der Eindruck täuscht. Während sie einfliegen, werden sie auf einmal von je­mandem kontaktiert, der sich „der Rufer“ nennt und Oki Stan­wer Vertragsbruch vorwirft. Dieser Bruch müsse gesühnt wer­den … und damit werden jählings im Asteroidenfeld Millionen von Meilern hochgefahren: Die Meteoritenbomben sind alles an­dere als Schnee von gestern … und Okis beiden Kreuzer befin­den sich mitten zwischen ihnen!

Aber ein Zufall bewahrt sie vor der jähen Auslöschung – ein Kon­tingent TOTAM-Kreuzer, deutlich erkennbar am Antriebsspek­trum, materialisiert im System. Oki Stanwer nutzt diesen Mo­ment unverzüglich und erklärt, dass der finale KONFLIKT zwi­schen TOTAM und den Kräften des Guten anstehe, dass es also gar keinen Sinn mache, jetzt den alten Vertrag aufzukündigen. Es sei sinnvoller, gegen die TOTAM-Schergen zu kämpfen und später beim Kampf im Nebelsektor auf Seiten des Lichts mitzu­fechten.

Während die Meteoritenbomben gegen Ende der Episode in den Einsatz gegen die TOTAM-Flotte gehen, taucht unvermittelt wie­der Rilon Vleh auf, der eindeutig immer noch mental fernge­steuert wird. Er verlangt ultimativ, dass die Oki-Schiffe die „Wo­lan-Ballung“ ansteuern sollen.

Episode 78: Das Todesschiff

(1983, digitalisiert 2005)

Fortsetzung der Oki Stanwer-Handlungsspur: Da Rilon Vleh sich schon wieder auf irgendeine Weise bewaffnet hat und die Zen­tralebesatzung bedroht, beschließt Oki, ihm zunächst seinen Willen zu lassen und das diktierte Ziel anzusteuern, allerdings nur mit dem Flaggschiff, der KÄMPFER, der Rest des Kontingents bleibt zurück.

Am Ziel finden sie eine Staubwolke vor, die so genannte „Wolan-Ballung“, und an dessen Rand schwebt ein Kugelraumer mit ei­nem Durchmesser von 900 Meter – ein Schiff der All-Hüter. Die lenkende Entität, All-Hüter Null, hat über Lichtjahresdistanzen Rilon Vleh mental beeinflusst, so erklärt sich dessen seltsames Verhalten aus den vorigen Bänden. Nun wird er zwar aus dem Bann entlassen, dafür wird Thor Gordenbeyl „schanghait“ und ferntransmittiert.

Oki Stanwers Erinnerung an frühere Leben kommen in diesen Momenten wieder zum Vorschein, und er begreift nun die An­deutungen des WÄCHTERS, der verschiedentlich schon von Stö­rungen des kosmischen Gleichgewichts erzählte. Schuld daran sind Matrixfehler aus dem 9. und 10. KONFLIKT, in denen die Im­perien der Okis und der All-Hüter existierten.

Nun wird auch begreiflich, warum an den Sammelpunkten im Halo keine Oki-Kontingente existieren: An vielen Stellen (in der Kleingalaxis Zoran, auf Garos, auf OKISTAN und in M3, for exam­ple) haben sich sporadisch Rudimente von Matrixfehlern einge­schlichen … aber eben nicht im Halo.

Es gibt keine Oki-Kampfflotten, die Suche ist völlig vergebens!

Die Erkenntnis ist ernüchternd.

Als dann eine psionische Entladung die organische Besatzung an Bord der KÄMPFER niedermäht, entscheiden die Okis, dass von dem All-Hüter-Schiff eine unkalkulierbare Gefahr ausgeht, und sie lösen eine Nottransition aus. Thor Gordenbeyl bleibt da­bei zurück, mutmaßlich an Bord des Kugelraumers …

Und im Schutz von Zeitfeldern folgen das Schiff von All-Hüter Null und Tausende seiner analogen Einheiten heimlich Oki Stan­wers Schiff.

Episode 79: Das Knochen-Heer

(1983, digitalisiert 2005)

Blende zur Zentralwelt, wo sich die Ereignisse zeitgleich eben­falls zuspitzen. Klivies Kleines ist als neuer Klivies seines Volkes inthronisiert worden – als Herrscher eines Volkes von lebenden Skeletten, die die veränderte Zentralwelt im Innern der instabi­len Raumzone bewohnen.

Kleines ist immer noch entschlossen, Oki Stanwer zu helfen … und die untoten Kleinis stehen definitiv auf seiner Seite. Das zentrale Problem ist allerdings: Die Zentralwelt ist entropischer Natur – und wenn sie in den Normalraum vorstößt, um zu hel­fen, wird die Wechselwirkung vermutlich alles vernichten, was auf und um sie herum existiert.

Anderwärts auf der Welt sind der desorientierte Ritter vom Goldkristall, Yorrok, und der rätselhafte, sechsarmige Riese na­mens Soffrol unterwegs. Soffrol hat sein schattenhaftes Volk von Kopien um sich geschart, und nun instrumentalisiert er den ver­wirrten Yorrok und redet ihm ein, die Bewohner der Zentralwelt – Kleines‘ Untertanen – seien ein Vasallenvolk TOTAMS, gegen das sie vorgehen müssten. Yorrok schließt sich daraufhin Soffrols Feldzug an.

Um die Lage noch chaotischer zu machen, sind da auch noch Germos, der untote Kleini, und seine Seelen-Armee, die inzwi­schen auf den uralten Totenkopf, das so genannte „Orakel von TOTAM“ gestoßen sind. Es warnt aus der Ferne Klivies Kleines vor Soffrols bevorstehendem Angriff, macht aber zugleich klar, dass dieser recht eigentlich kein Feind sei. Und Germos und die Seelen-Armee sind das versprochene „Knochen-Heer“, das ge­gen Soffrols Legion antreten soll, das ihnen zu Hilfe kommen wird.

Gurfol, Kleines‘ untoter Kleini-Ratgeber, kennt seltsamerweise das „Orakel“ ebenfalls und nimmt diese Warnung ernst. Sowohl er als auch Kleines und Germos kommen unabhängig voneinan­der zu der Überzeugung, dass sie dem Orakel einen Besuch ab­statten müssen, sobald die gröbste Gefahr vorüber ist. Bis dahin aber gilt es, die untoten Kleinis zu mobilisieren und in die Schlacht zu führen.

Und so beginnt am Ende der Episode der erbitterte Kampf der beiden Streitmächte …

Episode 80: Das Orakel von TOTAM

(1983, digitalisiert 2005)

Fortsetzung der Handlungsspur auf der Zentralwelt: Das Geis­terheer von Soffrols schattenhaften, sechsarmigen Kopien und die Skelett-Krieger, die Kleines mobilisiert hat, prallen brutal aufeinander, während Germos mit der Seelen-Armee noch auf dem Weg zum Kampfplatz ist.

Inmitten der wogenden Kämpfe macht Kleines zu seiner großen Überraschung niemanden Geringeren als Yorrok aus. Als sie auf­einandertreffen, wird Yorrok aus seiner Verwirrung gerissen und scheidet aus dem Kampf aus. Zugleich mischt sich Germos mit seiner Seelen-Armee ein und kann den größten Teil von Soffrols Schattenarmee destabilisieren.

Doch ehe Kleines und Yorrok sich ausführlich aussprechen kön­nen, löst sich der kleinwüchsige Ritter vom Goldkristall jählings auf – es scheint, als hätten die Lichtmächte selbst eingegriffen, um einen unerwünschten Informationstransfer zu unterbinden (heute weiß ich, dass so etwas in dieser Lage gar nicht möglich gewesen wäre, aber damals war die OSM-Kosmologie noch höchst ungenügend entwickelt, weshalb solche Brachiallösun­gen immer wieder in der Serie vorkamen).

Da der Kampf nun zugunsten von Kleines, der Seelen-Armee und für die Seite der untoten Kleinis gelöst wurde, ergibt sich Soffrol und nimmt dann an der Audienz beim Orakel von TOTAM teil.

Das Orakel erklärt, es sei der sechste Helfer des Lichts, und die Zeit dränge: Bereits in zwei Tagen beginne die Schlacht im Ne­belsektor. Über seiner Flammenschale projiziert es zwei mögli­che Visionen aus der näheren Zukunft. Beide sind grässlich.

In der einen sieht Kleines eine verwüstete Schiffszentrale eines terranischen Schiffes, übersät von Toten. Im Kommandosessel sitzt jemand der eine Uniform mit dem Titel „General des Lichts“ trägt. Und die zweite ist noch schrecklicher: Er sieht Oki Stanwers Leiche durchs Weltall treiben.

Ist alles jetzt verloren, oder kann man das drohende Verhängnis noch abwenden …?

Ja, die Serienhandlung biegt auf die Zielgerade ein, immer mehr Handlungsfäden verbinden sich, wenn auch aufgrund der da­mals noch vagen Kenntnisse der eigentlichen kosmologischen Hintergründe äußerst verwirrend, bis es in den kommenden zwei Blogartikel dieser Artikelreihe zum Finale des KONFLIKTS 15 kommt.

In der kommenden Woche blende ich in eine völlig andere Welt hinüber. Inzwischen konnte ich den OSM-Band 2100 schreiben, der zu meiner nicht geringen Überraschung dem KONFLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“ entstammt. Und damit ma­chen wir eine ausführliche Stippvisite im Hellen Dom von Shal­lakh-Yau. Darauf könnt ihr euch definitiv freuen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 373: The Club (1) – Flirt

Posted Oktober 12th, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Partnervermittlungen sind entgegen der allgemeinen landläufi­gen Vorstellung schon uralt, das gab es im Grunde schon seit der Antike … allerdings haben sich die Parameter und die Erwar­tungen der Betroffenen in der Zwischenzeit gründlich geändert. Während es in der Frühzeit mehr darum ging, dynastische Ver­bindungen zu arrangieren, durch Mitgift Geländegewinne zu ar­rondieren und Machtzuwachs zu erlangen – zum Teufel mit der Idee der Liebe! – , ist die Partnervermittlung der Gegenwart gründlich anders strukturiert. Hier wird schon auf passende Chemie, zusammengehörige Interessenlage und dergleichen geachtet. Und ja, im Idealfall findet man den Mann respektive die Frau fürs Leben.

Und in diese Welt taucht der vorliegende Roman die Leserschaft ein. Der namengebende „Club“ dieses siebenteiligen Romanzy­klus verfolgt (wenigstens vordergründig) das Ziel, primär sexu­elle Begegnungen zwischen passenden Partnern (matches) zu organisieren. Und das mit allem denkbaren Luxus. Was natürlich bedeutet, dass das nicht eine Vermittlungsagentur der Feld-, Wald- und Wiesenart ist, sondern ein ziemlich elitäres Unterfan­gen.

Dennoch denkt sich der Millionär Jonas Faraday dabei nicht, er könne hier die Frau fürs Leben finden, allenfalls auf angenehme Weise Geld verbrennen und seine Libido munter austoben.

Aber es kommt völlig anders …

The Club 1: Flirt

(OT: The Club)

Von Lauren Rowe

Piper (ohne Verlagsnummer), 2016

400 Seiten, TB, 12.99 Euro

Aus dem Amerikanischen von Lene Kubis

ISBN 978-3-492-06041-7

Es ist schon eine seltsame Sache mit den Irrungen des Herzens. Der griechische Philosoph Platon nannte die Liebe – in moder­nen Übersetzungen – eine Form von Geisteskrankheit, von der man nie wieder vollständig genesen könne. Und ja, in der Tat hat Liebesbesessenheit, zumal wenn sie von sehr obsessiver Art ist, einiges mit Wahnsinn gemeinsam und kann zu den eigenar­tigsten Ereignissen führen.

Schwierig ist ebenso die Erwartungshaltung oder, sagen wir, die Messlatte, die er an diesen emotionalen Ausnahmezustand an­legt. Für den einen ist das etwas geradezu Selbstverständliches, für andere eine vollkommen irreale Vorstellung, eine Art von Fe­tisch und Besessenheit. Noch schlimmer ist es, wenn man Sex und Liebe miteinander vermengt und nicht klar trennen kann. Auch erzeugt es stets Komplikationen, wenn die Partner voll­kommen unterschiedlichen sozialen Schichten entspringen. Üb­licherweise ist es in erotischen Romanen der Gegenwart dann so, dass der männliche Teil einer solchen Beziehung sehr reich ist (und üblicherweise emotional eher arm), während die Frau aus eher bescheidenen Verhältnissen kommt, aber ungeahnte innere Reichtümer und Herzenswärme ihr eigen nennt.

Der insgesamt sieben Bände umfassende Zyklus „The Club“, dessen Auftaktband hier vorliegt, spielt mit solchen Topoi, aber auf interessante und vor allen Dingen unglaublich humorvolle Weise – ich fühlte mich bei der Lektüre diesbezüglich wirklich sehr an E. L. James´ „Fifty Shades of Grey“ erinnert, die hier eindeutig als Lesehintergrund durchschimmert, auch wenn es definitiv überhaupt nicht um Sadomaso, BDSM oder dergleichen geht. Die Geschichte ist deutlich interessanter.

Jonas Faraday und sein Zwillingsbruder Joshua sind nach dem Tode ihres Vaters die wohlhabenden Erben des Unternehmens Faraday & Sons, das sie gemeinsam mit ihrem Onkel führen. So­mit haben sie sprichwörtlich Geld wie Heu. Jonas hat außerdem, das kann man nicht anders nennen, einen echten Schlag bei Frauen. Sie laufen ihm geradezu hinterher und die Bude ein, und er brüstet sich unverhohlen damit, jede, wirklich jede ein­zelne Frau zum phänomenalen Orgasmus zu bringen. Er sei ge­wissermaßen der Sexexperte schlechthin, und unverschämt gut aussehen tut er auch noch.

Als sein Bruder Josh ihm vom „Club“ erzählt, einem elitären Un­ternehmen, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, für jedes Mitglied überall auf der Welt die idealen Sexpartner ausfindig zu machen, da lässt sich Jonas dazu überreden, ebenfalls ein On­line-Aufnahmeformular auszufüllen und eine Mitgliedschaft zu beantragen. Er hat weiß Gott genug Geld, und wenn diese Leute 30.000 Dollar für eine Monatsmitgliedschaft verlangen, müssen sie ja wirklich eine Menge bieten. Klingt für jemanden mit einer überdurchschnittlich aktiven Libido und unmöglich viel Geld nach einer zumindest interessanten Abwechslung.

So weit, so brav und vorhersehbar.

Als Jonas aber das Formular ausfüllt, was ihm durchaus schwer fällt, malt er sich aus, wer wohl auf der anderen Seite seine Da­ten ausliest und beurteilt, um ihn als „clubwürdig“ einzustufen. Und da ihn ein wenig der Teufel reitet, endet sein Antragsbogen mit einer höchst provokanten Direktansprache an „seine bezau­bernde Antragsassistentin“.

Womit er nicht rechnet, ist die Reaktion.

Auf der anderen Seite sitzt nämlich die 23jährige Jurastudentin Sarah Cruz, die aus einfachen Verhältnissen stammt und in Se­attle mühsam ihr Studium zu finanzieren sucht. Sie fühlt sich auf geradezu arrogante Weise von diesem egozentrischen Mist­kerl herausgefordert – aus mehreren Gründen. Zum einen emp­findet sie Jonas Faraday als wirklich arroganten, hochnäsigen Mistkerl, der sich als hemmungsloser und grässlich von sich ein­genommener Playboy und Egozentriker outet. Zum zweiten aber gehöre sie zu „den 10 Prozent der Frauen, die niemals in den Genuss eines Orgasmus kämen“, ganz egal, wie sehr sie sich darum bemühten. Auch ein Sexgott wie Jonas könne daran nichts ändern. Außerdem sei der Orgasmus sowieso völlig über­bewertet, und vermutlich hätten die meisten Frauen, mit denen er im Bett gewesen sei, ihn sowieso vorgetäuscht …

Jonas Faraday ist vollständig perplex, als er diese Antwortmail erhält – und er ist sofort unglaublich erregt. Eine Frau, die noch nie in ihrem Leben einen Orgasmus hatte? Gott, was hat dieses Mädel doch nur versäumt! Eine Herausforderung, wie er sie noch nie erlebt hat! Phantastisch! Er ist schon beim Lesen ihrer scharfzüngigen Antwortmail scharf. Das ist ihm so noch nie passiert. Und dann diese freche, kluge Provokation in ihrer Mail. Diese Raffinesse und die Intelligenz, die daraus spricht.

Sein Entschluss steht sofort fest: er muss diese Frau finden. Er muss wissen, wie die namenlose „Antragsassistentin“ heißt, wo sie wohnt, was sie macht, wie er sie treffen kann. Aber er weiß weder, wie sie heißt, noch wo sie lebt, wie alt sie ist oder gar, wie sie aussieht. Aber seine Phantasie läuft bereits auf Hochtou­ren.

Sie hingegen hat den Fehler begangen, die angehängten und verlangten Fotos zu öffnen. Sarahs erster Gedanke: die Bilder hat er aus einem Modejournal hochgeladen. Das MUSS einfach so sein! Der Kerl kann doch nicht wirklich so toll aussehen.

Zu dumm: Er sieht so toll aus. Und er ist unglaublich hartnäckig, was die Verfolgung seines Zieles angeht, hartnäckig und erfin­derisch … und es gelingt ihm tatsächlich, Sarah ausfindig zu machen und sie anzurufen, nachdem sie vorher einen längeren – sehr lesenswerten! – Mailverkehr hatten. Aber sie verweigert ihm lange ein gemeinsames Abendessen, von weitergehenden Annäherungen ganz zu schweigen.

Sex sei vielleicht ganz nett, daran hält sie strikt fest, aber halt völlig überbewertet. Sarah sieht keinen Sinn darin, das anzu­streben, was Jonas als den „Mount Everest“ der Weiblichkeit be­trachtet – eben ihren Orgasmus. Seine Obsession oder „Mission“ ihr gegenüber erscheint ihr doch etwas crazy. Und es braucht wirklich sehr lange, bis der samthäutigen Latina Sarah klar wird, dass es dieses erschütternde Seelenbeben tatsächlich gibt und sie sehr wohl dazu imstande ist … den richtigen Partner voraus­gesetzt.

Dummerweise aber haben beide auf diese Weise eigentlich die Regeln des „Clubs“ gebrochen. Sex mit Angestellten der Peri­pherie, wie Sarah eine ist, ist eigentlich nicht Teil des Vertrages. Und Jonas entdeckt sehr schnell, als er ein entsprechendes „Match“ hat, also eine angeblich passgenaue Zusammenkunft mit einer tollen Frau namens Stacy, dass ihn das überhaupt nicht interessiert, was er im Fragebogen aus tiefster Überzeu­gung ursprünglich als seine Vorlieben angegeben hat – er will inzwischen nur noch Sarah, und er will seine Mission durchfüh­ren und sie mittels Durchbruch zu ihrem sexuellen, ekstatischen Gipfelerlebnis zu einer vollkommenen Frau machen.

Aber, wie gesagt, da gibt es auch noch den „Club“ … und es kristallisiert sich allmählich heraus, dass da Dinge ablaufen, die irgendwie überhaupt nicht zu der Außenrepräsentation der Or­ganisation passen …

Wer in diesem ersten Band des „Club“-Zyklus erwartet, allzu viel über den titelgebenden Club zu erfahren, über seine Ge­schichte, seine Organisation oder seine Hintermänner, der wird kategorisch enttäuscht, das sollte man vielleicht zuvor sagen, um die langen Gesichter abzumildern. Das geschieht höchst­wahrscheinlich, damit sich die Club-Strukturen in den Folgero­manen des noch mehrere tausend Seiten umfassenden Zyklus herauskristallisieren. Und es ist absolut klug, nicht im ersten Band schon zu viel Pulver zu verschießen. Dass der Roman in­des langweilig ist, kann ich dennoch in keiner Weise behaupten, es ist eher das genaue Gegenteil der Fall. Wie kommt das zu­stande?

Einmal trägt dazu die solide Charakterisierung der Hauptperso­nen bei. Zwar ist die Geschichte spürbar durch eine Tunnelper­spektive strukturiert (jenseits von Sarah, Jonas, Joshua, Stacy und Sarahs Freundin Kat gibt es quasi keine Personen), aber durch die wirklich sehr schnippischen, klugen und witzigen Dia­loge, die sich erst via Mail entfalten, dann am Telefon und schließlich im direkten Kontakt, fällt das irgendwie gar nicht auf. Durch die ständigen personalisierten Sarah- und Jonas-Kapitel, die sich mehr oder minder abwechseln, bekommt man als Leser nach und nach tiefe Einblicke in beide Vitae, so dass einem so­wohl die kesse, selbstbewusste und durchaus störrische Sarah ebenso ans Herz wächst wie der problembeladene Jonas mit sei­ner komplizierten Kindheit.

Absolut beeindruckend flechtet die Autorin dann aber in der zweiten Hälfte des Buches allen Ernstes altgriechische Philoso­phie in die Handlung ein. Jonas hat nämlich mit Platon einen ab­soluten Lieblingsphilosophen (was mir ungemein zusagte, da ich Platons Dialoge alle vor langer Zeit mit großem Genuss und Gewinn gelesen habe), und besonders versucht er Sarah zu ih­rer inneren Erleuchtung zu führen, indem er gewissermaßen das platonische Höhlengleichnis nachstellt … auf eine Weise, die sehr beeindruckend und zudem höchst wirkungsvoll ist.

Die Übersetzerin (und der Verlag) haben nur einen winzigen Übersetzungsfehler begangen, den aber wirklich wieder und im­mer wieder, sicherlich ein Dutzend Male in diesem Roman (im Folgeroman, von derselben Übersetzerin übertragen, kehrt der Fehler notorisch wieder): Sarah neigt dazu, immer wieder „Man­nometer!“ hervorzustoßen, wenn sie überrumpelt oder faszi­niert ist. Dummerweise wird es ständig als „Manometer“ falsch geschrieben. Allerdings ist ein Manometer eine Vorrichtung zum Messen des Druckes von Gasen oder Flüssigkeiten – wenngleich dieses Wort also von der Rechtschreibprüfung zweifellos nicht kritisch unterringelt worden ist (und deshalb vermutlich gewählt wurde), ist es doch als Ausruf an allen verwendeten Stellen defi­nitiv falsch.

Tja, man sollte wirklich mit Fremdworten und Ausrufen umge­hen können … bei mir sorgte das jedenfalls für fortwährendes Amüsement. Mal sehen, wann Übersetzerin und Verlag den Feh­ler bemerken. In den ersten beiden Bänden jedenfalls nicht.

Abgesehen von diesem kleinen Fauxpas und dem – wie gesagt, kaum auffallenden – Tunnelblick, den ich von diversen eroti­schen Romanen schon gewohnt bin, ist der erste Band des Zy­klus absolut mitreißend geschrieben und darum höchst empfeh­lenswert.

Ich bin mal sehr neugierig auf die Fortsetzung.

© 2018 by Uwe Lammers

Inzwischen habe ich ja sogar schon Lauren Rowes Folgezyklus „True Lovers“ gelesen und rezensiert und kann versichern, dass Jonas, Josh, Sarah, Kat und zahlreiche andere Personen sich dar­in wiederfinden werden. Wer also nach den sieben Rezensions­bänden dieser Serie gern mehr Lesefutter haben möchte, das in derselben Welt spielt, der braucht nur ein wenig Geduld, die kommen auch hier in den Rezensions-Blog … das kann aber noch dauern.

Soviel für heute. Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

es ist wirklich ein komisches Gefühl, etwas Kreatives, was ich lange Zeit betrieben habe, abzuschließen. Ich kenne das von di­versen Roman- und Serienprojekten, auch von Episoden, deren Beendigung sich bisweilen schier endlos hinauszögert. Dass aber Blogartikelreihen einen Abschluss finden – wenn auch in diesem Fall nur temporär für vielleicht zwei oder drei Jahre – , das hat eher Seltenheitswert. Das trifft gerade auf diese Artikel­reihe zu, die die älteste überhaupt ist. Der erste Teil dieser Rei­he erschien als Blog 2 unter dem Datum vom 17. März 2013, und das ist, wenn ihr diese Zeilen lest, rund neuneinhalb Jahre her.

Gut, ab Blogartikel 62 (erschienen am 11. Mai 2014) trat eine gewisse Rivalität mit der neuen Artikelreihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“ ein, gerade in den letzten paar Jahren. Aber den­noch war der Fokus beider Reihen doch graduell deutlich ver­schieden. Diese Artikelreihe bleibt euch noch eine Weile erhal­ten.

Mit der vorliegenden Nummer dieser Artikelserie schließe ich das Jahr 2021 analytisch ab und thematisiere damit die Monate Oktober, November und Dezember. Alles Jüngere ist noch zu frisch, um das hier reflektieren zu können, darum die Pause.

Schauen wir uns also den Monat Oktober 2021 an: Mit 40 been­deten Werken ein schönes Beispiel meiner Erholung nach den Monaten der zunehmenden Ermattung zuvor … aber nach wie vor herrschte halt die mental sehr belastende Corona-Pandemie (auch wenn ein einzelner meiner Brieffreunde bedauerlicherwei­se zu den Menschen zählt, der diese Infektionswelle als „Plande­mie“ schmäht und alles für völlig überzogen hält … ich teile die­se Ansicht definitiv nicht), und das trübte die Stimmung dann doch weiterhin ein.

Von diesen 40 Werken im Oktober entfielen 8 auf Blogartikel, 16 kamen durch kommentierte Abschriften der Serie „Erotische Abenteuer“ und Rezensionen hinzu. Ich kam solide voran bei der Digitalisierung der Serien „Oki Stanwer Horror“ (13Neu) und „Der Kaiser der Okis“ (jetzt unter dem Kürzel 9ANeu). Ausflüge zu Werken aus dem Erotic Empire („Heather“, „Die entführte Gefangene“, „Lauren und Alain“ sowie „Raquel“), dem Ar­chipel („Chantals Abstieg“) und dem OSM („Das Geheimnis von Church Island“) kamen gelegentlich in Frage, führten aber zu keinen Abschlüssen.

Ich befand mich ganz offensichtlich noch in der Erholungsphase und hatte noch keinen Kopf frei für neue, eigenständige Bilder­flüsse. Das sollte auch noch etwas dauern.

Der November 2021 ergab dann 35 fertige Geschichten. Davon waren wieder 8 Blogartikel, 9 verteilten sich auf Rezensionen und die „Erotische Abenteuer“-Abschriften. Außerdem entstan­den einige Non-OSM-Storyabschriften.

Am 14. November schlug ich dann den ersten Meilenstein für diesen Monat ein: Mit Band 74 waren alle „Erotische Abenteu­er“-Episoden digitalisiert.

11 Tage später folgte der zweite Meilenstein: Wie ich es schon gesagt hatte, war die Proto-OSM-9-Serie „Der Kaiser der Okis“ nicht sonderlich lang. Band 14, der Endband der Serie, wurde am 25. November 2021 vollendet.

Ich nahm diese Vollendung einer kreativen „Baustelle“ zum An­lass, gleich den nächsten Plan in Angriff zu nehmen – diesmal das Digitalisat von KONFLIKT 16 des OSM, also der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“, an der ich von 1983-1998 geschrieben hatte. Da sie unmittelbar auf die Serie „Oki Stan­wer“ folgt, die derzeit in den Close Up-Blogartikeln dargestellt wird, lag es einfach nahe, hier aktiv zu werden. Inzwischen bin ich schon in den frühen 20er-Episoden der Abschriften ange­langt, und im Grunde erfüllt mich einiges an Zuversicht, dass ich so rasch nicht in Zugzwang geraten werde, was die Abfas­sung der Close Up-Blogartikel angeht.

Worum kümmerte ich mich in diesem Monat noch? Mit Band 26 „Odyssee in Uuridan“ schloss ich einen weiteren Band des KONFLIKTS 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ ab, ich schrieb weiter an der OSM-Novelle „Die Optimierungsfabrik“, am BUCH „DER CLOGGATH-KONFLIKT“, daneben kümmerte ich mich im Rahmen des Erotic Empire um „Das Sklavengras“ und feilte grundsätzlich am KONFLIKT 4 weiter.

Aber zwei solche Meilensteine im Monat November erreicht zu haben, war eine tolle Erfahrung.

Der Dezember fiel demgegenüber mit „nur“ 27 Werken ein we­nig ab, aber das musste einfach so sein – es ist Weihnachtszeit, es gibt eine Kaskade an Weihnachtsmails und Weihnachtskarten zu schreiben, außerdem lege ich in dem Monat traditionell viel Wert darauf, möglichst viel aufgelaufene Korrespondenz aus dem verfließenden Jahr noch zu beantworten. Dass außerdem 10 der Werke auf Blogartikel entfielen, kann auch nicht überra­schen.

Im KONFLIKT 16 hatte ich bis Silvester 2021 immerhin schon 6 Episoden digitalisiert, die Episode 75 der „Erotischen Abenteu­er“ war neu hinzugekommen, ich schrieb im Rahmen des Erotic Empire an Geschichten wie „Irene“, „Gold“, „Lynnes Ver­trag“ und „Die Paradies-Falle“. Auch der OSM wurde mit verschiedenen Stippvisiten in Werken wie „Der Orgasmus-Symbiont“, „Parasiten aus dem Kosmos“ und „Das Ge­heimnis von Church Island“ bedacht. Und den Archipel be­suchte ich auch, um ein wenig an den Fragmenten „Miriam Tvallachs Alptraum“ und „Roxanne“ zu feilen.

Außerdem überarbeitete und ergänzte ich ein schönes SF-No­vellenfragment mit dem Titel „Die rätselhafte Miranda“, mit dem ich noch lange nicht fertig bin … aber das ist ein Fall von Geschichten der Art, die ich am liebsten gar nicht fertig schrei­ben würde, weil ich nicht möchte, dass sie enden … ah, dazu er­zähle ich euch vielleicht beizeiten mal Näheres in einem eige­nen Blogartikel. Das bringt mich gerade auf die Idee für eine neue Artikelreihe … ist notiert.

Auch an der „Horrorwelt“-Serie schrieb ich weiter und erreichte Band 179. Und eine weitere Story, die in die eben erwähnte Ka­tegorie fällt, „Silberspiegel-Schwestern“, erfuhr eine deutli­che Ausdehnung, ohne der Fertigstellung signifikant näher zu kommen.

Insgesamt schloss das Jahr 2021 mit 355 beendeten Werken … im Grunde genommen also jeden Tag des Jahres eins. Wenn man dann noch dazu rechnet, dass ich mehr als 3500 Briefe, Mails und Karten schrieb bzw. beantwortete und über viele Mo­nate an erlahmender Kreativität laborierte, dann muss ich rück­blickend doch konstatieren: es gab sehr viel weniger ergiebige Jahre in meinem Leben, und im Grunde genommen kann ich da­mit sehr zufrieden sein.

Gewiss: an manchen Stellen hätte es schon etwas mehr sein können. Neue E-Books suchtet ihr da beispielsweise vergebens. Auch an frischen OSM-Episoden ließen sich nicht viele finden, umso mehr dagegen Blogartikel, Rezensionen und kommentier­te Abschriften. Doch da es nach wie vor unzählige ältere Werke und Episoden wie Romane gibt, die ich noch nicht digitalisiert habe, dürfte diese „Schlagseite“ bis auf weiteres kaum allzu stark zu beheben sein … auch wenn es im ersten Quartal 2022 schon interessante Ansätze in die Gegenrichtung gibt. Davon werde ich dann berichten, wenn ich diese Artikelserie wieder aufnehme, also so in 2-3 Jahren, wie ich schätze.

Fürs Erste ist es das jetzt gewesen. In der nächsten Woche geht es wieder im Rahmen der Close Ups zurück in den KONFLIKT 15 des OSM.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 372: Eine Zeit ohne Tod

Posted Oktober 5th, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist vermutlich nicht übertrieben, wenn ich behaupte, dass die Majorität der Menschen auf dieser Welt sich danach sehnt, ihr Leben so weit als möglich auszudehnen. Unsterblichkeit mögen sich die wenigsten Hellsichtigen wünschen, aber Langlebigkeit? Vielleicht über einige Jahrhunderte hinweg, um zu sehen, wie die Weltgeschichte sich entwickelt? Der Gedanke hat immer schon immensen Reiz gehabt, und immerzu war auch der finste­re Schatten der Verdammnis spürbar. Egal, ob wir von „Ahasver, dem Ewigen Juden“ sprechen oder, etwa im Falle der BBC-Serie „Torchwood“ von einer Welt, in der die Sterblichen auf einmal unsterblich sind und die vormals Unsterblichen sterblich … es hat etwas unheimlich Widernatürliches an sich, wenn die Kraft des Todes auf einmal so ausgehebelt wird.

Schriftstellerisch ebenfalls wirkungsmächtig ist die Personifizie­rung des Todes, beispielsweise in Form des „Reiters auf dem schwarzen Pferd“ bei Piers Anthony oder in anderer Form. Auch der portugiesische Schriftsteller José Saramago hat sich dieses Themas angenommen und dabei auf gewöhnungsbedürftige Weise thematisiert, wie die Gesellschaft entgleist, wenn ohne ersichtlichen Grund auf einmal die Funktion des Todes außer Kraft gesetzt wird.

Wer sich auf dieses Leseabenteuer einlassen möchte, der lese neugierig weiter:

Eine Zeit ohne Tod

(OT: As Intermitências da Morte)

von José Saramago

Reinbek bei Hamburg 2007

September 2007, 260 Seiten

ISBN 978-3-498-06389-4

Aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis

Eines unbestimmten Tages, genau zu Neujahr, kommt es in ei­nem kleinen südländischen Staat mit rund zehn Millionen Ein­wohnern zu einem Wunder, das zunächst niemand genau regis­triert, weil es so subtil dahergeschlichen kommt: an diesem 1. Januar eines nicht genannten Jahres stirbt im Lande X niemand. Zunächst registriert das, wie gesagt, niemand. Doch als findige Journalisten den üblichen Schmierstoff ihres Gewerbes, das Blut der Opfer, auf einmal entbehren müssen, als sie nicht mehr über tragische Geschehnisse berichten können, die mit dem Tod enden, da prägt eine Reporterin den fatalen Satz, der Tod „strei­ke“.

Zunächst ist das nichts als eine schrullige Formulierung, derglei­chen ist man von den auf Effekte abzielenden Medien natürlich gewöhnt … doch das Entsetzen dringt zusammen mit allmählich aufkommenden Emotionen schierer Euphorie in die Schichten der Gesellschaft ein und breitet sich gleich einer ansteckenden Krankheit aus, als schon nach wenigen Tagen (in denen auch weiterhin niemand stirbt) aus der scheinbaren Zeitungsente Realität wird: Im Lande X wird nicht mehr gestorben. Wenigs­tens sterben keine Menschen mehr, muss einschränkend gesagt werden, auf Tiere und Pflanzen hat dieses mirakulöse Gesche­hen keine Auswirkung.

Die einen sagen begeistert: Wir sind unsterblich! Jetzt sind wir allesamt unsterblich! Der Tod hat keine Kraft mehr über uns! Wozu brauchen wir noch den Trost der Religion? Wir werden nicht mehr sterben, wir können tun und lassen, was uns gefällt! Und es wird gefeiert.

Die anderen geraten derweil in eine Existenzkrise: die Bestat­tungsunternehmer etwa, die keine Klientel mehr haben; die Kir­chen (denn ohne Tod ist auch kein Jenseits mehr denkbar, damit auch keinerlei Erlösung, weswegen sich Kirchenaustritte häufen …); auch die Versicherungsbranche gerät ins Trudeln (wozu noch Lebensversicherungen abschließen? Und fernerhin: alle Le­bensversicherungen werden nachher ausgezahlt werden müs­sen, und zwar für immer und ewig!1 Schließlich gerät auch die Regierung in Unruhe.

Und dann ist da die Heerschar der immer zahlreicher werden­den Verzweifelten. Ärzte sehen sich immer mehr siechen, aber nicht mehr dahinsterbenden Dauerkranken ausgesetzt, die Klini­ken füllen sich in unbeschreiblicher Weise, die Rentenkassen werden bald so beansprucht werden, dass der Staatsbankrott droht, der Arbeitsmarkt wird zusammenbrechen …

Und niemand weiß eine Erklärung dafür.

Merke daran: so schrecklich auf unsereins der Tod auch wirkt, weil er natürlich eine individuelle Katastrophe ist, so ist er für eine sich ständig erneuernde menschliche Gesellschaft doch ganz unabdingbar, für das reibungslose Funktionieren der ge­sellschaftlichen Abläufe zwingend erforderlich.

Schlimmer noch als dies ist jedoch ein weiterer Umstand: jen­seits der Grenzen wird „ganz normal“ weiter gestorben. Was im­mer auch passiert, es geschieht nur in dem Land X, aus wel­chem Grund auch immer. Dieser Umstand jedenfalls wird vom organisierten Verbrechen (hier „Maphia, mit ‚ph’!“ genannt) auf skrupellose Weise ausgenutzt für eine neuartige Art von „Ge­schäft“ … und dann, eines Tages nach Monaten, findet der Di­rektor des nationalen Fernsehens auf mysteriöse Weise einen violetten, unzerstörbaren Brief in seinem Büro vor, der Aufklä­rung darüber gibt, was geschehen ist – und was noch gesche­hen wird! Denn der Brief stammt vom Tod höchstpersönlich …

Der auf Lanzarote lebende, 1922 in dem portugiesischen Dorf Azinhaga geborene Literaturnobelpreisträger (1998) José Sara­mago hat mit diesem Roman, der ausdrücklich nicht als Phan­tastik deklariert ist, vom Topos her aber ganz einwandfrei der Phantastik zugeordnet werden muss, ein überraschendes, philo­sophisches Buch geschrieben, mit dem er eine Gesellschaft in einer verwirrenden Krise charakterisiert und im Längsschnitt strukturell analysiert.

Was geschieht mit einer Gesellschaft, fragt er hier, wenn eines der Grundphänomene des Lebens, eben der Tod, auf einmal partiell ausgeschaltet ist? Was erzeugt das für gesellschaftliche Schockwellen, welche neuen Entwicklungen bahnen sich an, wie arrangieren sich die Menschen mit diesem Einbruch einer neuen Zeit?

Durchaus plausibel, wenn auch stets nur exemplarisch – keiner seiner Protagonisten trägt einen Namen, weder wird das Land lokalisiert noch besitzen die Personen über ihre Ämter und be­stimmte Charaktereigenschaften und physiologische Details eine spezifische Individualität – geht Saramago durch dieses fik­tive Land in dieser fiktiven Situation und sieht sich an, was pas­sieren könnte, wenn das geschähe. Das ist in mancherlei Hin­sicht durchaus überraschend.

Der Stil der Geschichte ist dabei durchaus sehr gewöhnungsbe­dürftig. Man sollte als Leser Zeit und die Neigung für sehr lange Sätze mitbringen: Da Saramago keinerlei wörtliche Rede kenn­zeichnet, sondern vielmehr Rede und Gegenrede, durch Kom­mata abgegrenzt, innerhalb von teilweise seitenlangen Band­wurmsätzen unterbringt, ist ein wenig Durchhaltevermögen nö­tig. Die arme Übersetzerin tat mir ernstlich leid, sie hat ihre Auf­gabe aber mit Bravour bewältigt.

Auch ein wenig schade ist Saramagos Schlusswendung, die, we­nigstens in meinen Augen, die Aussage des Romans wieder ab­schwächt. Trotz alledem ist dies ein faszinierendes Werk, und ein jeder, der dem Traum nachhängt, doch gerne sehr, sehr langlebig oder gar unsterblich sein zu wollen und dies aus­schließlich positiv sieht, sollte ihn sich einmal zu Gemüte füh­ren. Und danach sollte er sich wirklich überlegen, was er sich wünscht …

© 2009 by Uwe Lammers

Soviel heute zu dem Land, in dem niemand mehr starb. In der kommenden Woche gehen wir zu einer neuen Autorin über, jen­seits des großen Teichs, und zu einer Partnervermittlungsagen­tur, die unerwartete, finstere Untiefen aufweist.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Es soll an dieser Stelle nicht verraten werden, wie die pfiffigen Versicherungsnehmer mit dieser Herausforderung fertig werden, aber die Lösung ist wirklich raffiniert. Sie lohnt sich nachzulesen.

Blogartikel 478: Saigon II – Paradies oder Hölle?

Posted Oktober 2nd, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute machen wir mal aus gegebenem Anlass einen Abstecher in ein im Rahmen meiner Blogartikel selten besuchtes Parallel­universum meiner kreativen Schaffenssphäre – in das so ge­nannte „Erotic Empire“. Und da ich euch so selten davon erzäh­le, empfiehlt es sich, eine kurze Einleitung zu bringen, damit ihr wisst, was hier eigentlich Standard ist.

Schon seit Jahrzehnten brütete meine kreative Phantasie eroti­sche Szenarien aus, aber ich habe sie sehr, sehr lange unter der Decke gehalten, weil ich mich mitunter genierte. Es ist meine Sache normalerweise nicht, frei und offen über Sex und alles, was damit zusammenhängt, zu reden.

Als ich ab 1996 die Serie „Erotische Abenteuer“ entwickelte, die jetzt nach der Volldigitalisierung allmählich fortgesetzt wird, und seit ich dann ab 1997 den tropischen Archipel entdeckte und bereiste, in dem die Sexualität eine sehr wesentliche Rolle spielt, da dort ja eine explizite Liebesreligion um den Sonnen­gott Laraykos und seine vegetative Gattin, die Göttin Neeli, herrscht, hat sich das geändert.

Nun hatte ich für die meisten erotischen Ideen, die bislang in der Aporie versumpften und irgendwie steckenblieben, ein ad­äquates Ventil gefunden. Aber es gab noch Werke, die ich in diesen beiden Sphären einfach nicht unterbringen konnte. Wer­ke, in denen es explizit um Erotik und fremde Welten ging. Blan­ke Science Fiction also. Und für SF war in den bisherigen eroti­schen Denksphären recht wenig Raum.

Natürlich, ein paar solche Geschichten sind inzwischen in zwei Print-Ausgaben des Terranischen Clubs Eden (TCE) in der Reihe „Grey Edition“ erschienen. Aber dabei handelt es sich lediglich um sechs eher kürzere Novellen. Es gab aber sehr viel ambitio­niertere Geschichten, die tatsächlich Romanformat erreichten, neben zahllosen anderen, die eher Kurzgeschichten- bis Novel­lenformat haben.

Und ich stellte interessiert vor etwa fünfzehn Jahren fest, dass viele offensichtlich in demselben Universum spielen. Aufgrund des durchgängigen erotischen Grundtenors gab ich diesem Kos­mos den Namen „Erotic Empire“ und begann ein wenig, die Chronologie dieser Welt zu untersuchen und, wo nötig, anzuglei­chen. Damit stehe ich freilich noch ziemlich am Anfang. Nur so­viel ist inzwischen offenkundig:

Im Erotic Empire (und nein, diesen Terminus verwendet dort nie­mand, ebenso wenig, wie jemand im Oki Stanwer Mythos den Begriff Oki Stanwer Mythos nutzt, das sind klare Autorentermini) hat im Laufe des 21. Jahrhunderts eine globale Vereini­gungsbewegung dazu geführt, dass eine Weltregierung etabliert werden konnte. Die fundamentalen ökologischen Katastrophen, die uns heutzutage zu schaffen machen, konnten durch konzer­tierte Aktionen einigermaßen in ihren desaströsen Auswirkun­gen begrenzt werden. Und die Hyperraumfahrt wurde entwi­ckelt, was nun Explorationen von nahen Sonnensystemen er­möglichte.

Heutzutage ist es in der Astrophysik entgegen früherer Annah­men allgemein akzeptiert, dass nahezu jeder Stern der Milch­straße über Planeten verfügt, mitunter über Mehrplanetensyste­me. Das ist vermutlich sogar der Normalfall. Dennoch nahm ich im Rahmen des Erotic Empire an, dass erdähnliche Ökosphären doch eher selten sein würden. Und selbstverständlich würde die Menschheit nicht auf einmal zu einem idealistischen Verein mu­tieren und Sternexploration sozusagen just for fun betreiben.

Nein, realistisch erscheint mir, dass auch hier der ökonomische Primat walten wird – will heißen: Wenn man schon Investitionen in Höhe von Milliarden Credits (globale Weltwährung im Erotic Empire) einsetzt, will man langfristig eine Art von Rendite erhal­ten. Das begrenzt dann natürlich die Rahmenbedingungen der Exploration.

Dennoch hat die Menschheit im frühen 22. Jahrhundert schon einige Planeten in relativer Erdnähe entdeckt, die für eine Kolo­nisation taugen. Darunter war z.B. eine Welt namens „Voskin­nen“, eigentlich eine Eiswelt, wo Siedlungen errichtet und be­sonders die auf der Erde wegen des Klimawandels heimatlos gewordenen Inuit angesiedelt wurden.1

Weitere Planeten, die ich im Rahmen dieser Geschichten des Erotic Empire schon besucht habe, sind beispielsweise „Azur“, „Texas“, „Corrida II“, „Tempera“, „Bluesea“, „Westpoint“, „Fair­bank‘s Planet“, „Tarragon“, „Chairos“, „Salvage Mountain“, „Sa­vannah“, „Talloran“, „Green Desert“, „Amazonas III“, „Whitela­ke“, „New Hope“ … die Liste ließe sich noch fortsetzen. Der Zeithorizont der Geschichten reicht z.T. bis zum frühen 25. Jahr­hundert hinauf und enthält auch einige wieder in die Vor-Raum­fahrt-Ära zurückgestürzte Welten und solche, wo man tatsäch­lich Alien-Technologie fand. Von diesen Zeiten und Welten spre­che ich hier aber auch nicht.

Zu den frühen Entdeckungen, die die Erschließungsgesellschaft Unlimited Space ausfindig machte, gehört eine Welt namens Saigon II, der zweite von zwei Planeten der Sonne Heros, und damit sind wir beim Thema.

Saigon II ist ein grünes Juwel im Kosmos, quasi eine zweite Erde. Etwas geringere Erdschwerkraft, leicht höhere Sauerstoffwerte, und eine unglaublich vitale Biosphäre, die sich in planetaren Dschungelwäldern äußert. Da der Planet über keine ausgepräg­te Achsneigung verfügt, besitzt er auch kaum Jahreszeiten. Die Tagestemperaturen liegen immer in einem Bereich zwischen 20 und 40 Grad plus, Regenfälle sind quasi an der Tagesordnung … die Erschließungsgesellschaft war sich also sicher: Das ist die ideale Kolonialwelt, wo man Millionen Menschen ansiedeln und so den Bevölkerungsdruck der Erde wirkungsvoll kanalisieren kann!

Das Aussiedlerschiff CONQUEROR wurde ausgerüstet und mit mehr als 1100 Kolonisten auf die Reise nach Saigon II geschickt. Am 15. Mai 2119 erreichte das Schiff das Heros-System und lan­dete auf dem Planeten.

Anfangs lief alles wunderbar. Die Mikrobiologen untersuchten die Flora und Fauna des Planeten, die Ökologen fahndeten im Ökosystem nach schädlichen Substanzen und problematischen Lebensformen … und sie fanden: nichts.

Saigon II war eine uralte Welt. Sie hatte schon lange keinen Vul­kanismus oder nennenswerte Plattentektonik mehr. Die Fauna hatte sich nie über niedere Kerbtiere und Insekten signifikant hinaus entwickelt, das Höchste, was es gab, waren armlange Riesenwürmer und handgroße Riesenschaben … aber sonst gab es nur eins: eine unfasslich vitale pflanzliche Biosphäre, der man geradezu beim Wachstum zuschauen konnte.

Während der größte Bau von der Siedlung Saigon II, das mehr­türmige Ministerium, in dem die Kolonieleitung unter Gouver­neur Frederick Ollway residierte, entstand und die ringförmige Siedlung mit den zwölf Radialstraßen realisiert wurde, fiel dar­um der erste mit Nachrichtensonden zur Erde gesandte Bericht ausgesprochen positiv aus (Hyperfunkverbindungen über weite Strecken gab es zu dieser Zeit noch nicht im Erotic Empire, und die Nachrichtensonden brauchten bis zur Erde 3 Monate … was anfangs niemand problematisch fand).

Saigon II schien tatsächlich ein geradezu phantastisches Idyll zu sein. Keine gefährlichen Mikroben, keine Krankheitskeime, keine Untiere im Urwald, auch nicht die Spur von untergegangenen Alien-Zivilisationen oder sonst irgendwelchen Problemen. Im Gegenteil: den Kolonisten ging es einfach phantastisch! Sie wur­den auf dieser neuen Welt in einer Art leistungsfähig, die schon ans Unheimliche grenzte – 16 Stunden durcharbeiten, ohne zu erschöpfen? Kein Problem! Und alle blieben dabei absolut kern­gesund!

Ein Paradies, ganz offenkundig – besonders auch deshalb, weil die sexuelle Empfindsamkeit der Siedler in einer Weise zunahm, die einfach atemberaubend war. Frauen, die früher nur selten oder nie zum Orgasmus gekommen waren, erlebten ihn nun quasi jedes einzelne Mal, wenn sie sich stimulierten. Die Männer entdeckten an sich eine Leistungsfähigkeit, die sie sonst nur von gedopten Pornodarstellern kannten … und es ging offenbar immer so weiter! Da zur Kolonistencrew über 800 Frauen gehör­ten, standen hier faszinierenden erotischen Abenteuern mit sehr bereitwilligen Gespielinnen Tür und Tor offen.

Der Mikrobiologe Dr. Hagen Ramirez misstraute dem ersten An­schein. Er argumentierte, dass sie hier in eine völlig fremde Bio­sphäre eingebrochen seien, und dass es womöglich nur eine Frage der Zeit sei, bis hier negative Folgen spürbar werden wür­den.

Er wurde ignoriert, weil ja auch wirklich alles gegen ihn sprach.

So war es, bis er diesen eigenartigen sporenförmigen Mikroorganismus entdeckte. Damit war er nicht der erste, auch Dr. Don Suma vom Klinikum von Saigon II hatte dieselbe Entdeckung ge­macht, und als sie sich trafen, stellte sich heraus, dass er dem Ding auch schon einen Namen gegeben hatte.

Der Beschleuniger.

Dass er damit die Nemesis der Kolonisten entdeckt hatte, war ihm indes nicht bewusst.

Der Beschleuniger stellte die Quelle des unglaublichen biosphä­rischen Wachstums dar. Nun, wo sie wussten, wonach sie zu su­chen hatten, entdeckten die Kolonisten-Wissenschaftler den Mi­kroorganismus wirklich überall: in der Luft, im Wasser, in der Erde und den Pflanzen. Und seine Wirkung war stets dieselbe – er kurbelte die biochemischen Prozesse der Lebensformen an, die er beeinflusste.

Besonders intensiv besiedelte er den menschlichen Körper. Mit der Folge, dass er auch die menschliche Leistungsfähigkeit opti­mierte. Und ihre Libido in nie gekannter Weise aktivierte.

War Saigon II also nun das Wunschparadies für Sextouristen der Zukunft? Fast schien es so zu sein. Die Männer und Frauen, die von der segensreichen, geil machenden Wirkung des Beschleu­nigers profitierten, sahen sich jedenfalls außerstande, hier ein Problem zu sehen. Sie fanden dieses Wirken ausschließlich posi­tiv, und danach sah es ja auch aus.

Aber Menschen neigen – wir kennen das aus der aktuellen De­batte um den Klimawandel – leider dazu, notorisch kurzsichtig zu sein und langfristige Entwicklungen nicht korrekt einschätzen zu können. So verhielt es sich auch hier. Selbst der skeptisch-vorsichtige Hagen Ramirez nahm naiv an, die Wirkung des Mi­kroorganismus werde sich irgendwann „normalisieren“. Dabei übersah er konsequent, dass der Beschleuniger bereits seit un­gezählten Millionen von Jahren Saigon II dominierte und die ganze Biosphäre durchseuchte.

Es sprach rein gar nichts dafür, dass er irgendwann mit seiner Wirkung nachlassen würde … ich meine, wann hat sich schon ein Mikroorganismus jemals darum gekümmert, was Menschen wollen und wünschen? Es ist im Angesicht der heutigen COVID-19-Pandemie durchaus verblüffend zu sehen, wie diese Idee aus dem Jahre 2007 (!) inzwischen immer noch und vielleicht mehr denn je aktuelle Brisanz transportiert.

Auf Saigon II witterte niemand Probleme, alles schien ja bes­tens. Selbst als im Mai 2120 die Erdregierung per Nachrichten­sonde eingestehen musste, dass Unlimited Space die Explorati­onsprotokolle krass geschönt hatte und das eigentlich geplante Nachfolgeschiff BLUE SKY nicht starten würde, klang das noch nicht übermäßig dramatisch. Es war für den Gouverneur Frede­rick Ollway natürlich ein schwerer Schock, keine Frage … aber er hielt diese Nachricht zurück und spielte weiter Normalität.

Von Normalität konnte allerdings sozial schon längst keine Rede mehr sein: Eine dreiste, verliebte Kolonistin namens Michelle Berger hatte in dem Bestreben, ihren Abteilungsleiter Neil Wa­terson zu verführen, sukzessive eine immer provokantere Mini­malbekleidung im Ministerium durchgesetzt. Letztlich erreichte sie ihr Ziel und versank im sexuellen Lustrausch mit Waterson … aber im Verein mit der exzessiven Triebsteigerung sowohl der Männer wie der Frauen wurde so eine Entwicklung angestoßen, die einfach desaströs war und atemberaubend schnell ablief.

Dr. Ramirez entdeckte auf seiner Außenseiterposition, dass der Beschleuniger auf beide menschlichen Geschlechter unter­schiedlich wirkte: Während Frauen alsbald nur noch an unent­wegten Sex denken konnten und darüber alles andere vernach­lässigten, begann ihre Intelligenz geradezu sichtbar zu erodie­ren. Es war absehbar, dass sie in wenigen Jahren kaum mehr als rein triebgesteuerte Tiere sein würden … wunderschön, leiden­schaftlich und sexuell so aufgeputscht, dass sie die sinnlichste Hure der Erdgeschichte in den Schatten stellten. Aber für mehr als für Sex würden sie sich dann nicht mehr interessieren.

Für die Männer konstatierte Dr. Ramirez und merkte es auch an sich selbst, eine steigende Neigung zu Dominanz und Aggressi­vität. Und indem die Kolonialgesetzgebung vermeintlich die „In­teressen der Frauen“ auf luftigere Bekleidung immer weiter vor­antrieb und schließlich sogar ein Ministeriumsbordell institutio­nalisierte und alle Frauen von der Kolonieleitung konsequent ausschloss, öffnete nun eine ziellose sexuelle Hölle ihre Tore.

Am Ende, das sah Dr. Ramirez schließlich bereits nach wenigen Monaten, würde der Untergang der Kolonie Saigon II stehen. Denn nichts, absolut gar nichts, was die irdische Medizin entwickelte, konnte diesen rasenden degenerativen Prozess stoppen.

So entgleiste der paradiesische Traum von Saigon II in den ab­soluten Alptraum, und dieser Kolonisierungsversuch ging als ei­ner der schrecklichsten Fehlschläge der menschlichen Stellarge­schichte in die Annalen ein …

Nein, soweit bin ich noch nicht vorgedrungen, jedenfalls nicht in der vollwertigen Ausarbeitung. Grob skizziert ist der Roman bis zum Schluss schon seit Jahren. Gegenwärtig habe ich den zwei­ten Teil von insgesamt 6 im Reinskript vollendet, und auf diesen 258 Seiten geht es lediglich bis zu dem Zeitpunkt, wo Michelle Berger ihr Ziel bei ihrem geliebten Neil Waterson erreicht. Die wirklich grässlichen Ereignisse, die den Zeitraum von Juni 2120 bis 2128 umfassen, müssen noch ausgearbeitet werden.

Es ist unklar, ob diese Geschichte wirklich konsequent so schnell vorankommen wird, wie es gegenwärtig scheint. Aber zurzeit bin ich toll im Flow und will diese Zeit natürlich nutzen. Und beizeiten wird es dann vielleicht auch weitere abgeschlos­sene Geschichten aus dem Erotic Empire geben. Bislang gibt es hier nur Fragmente.

Soviel also für heute über eine Abenteuerreise in eine Welt des Erotic Empire. Garantiert werdet ihr hierzu beizeiten noch mehr erfahren.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Davon erzählt das Romanfragment „Saskia bei den Nomaden“, worüber ich heute nichts Näheres berichten werde.

Rezensions-Blog 371: Mutant 59: Der Plastikfresser

Posted September 27th, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

manchmal überholt die Wirklichkeit die Phantastik, und mitunter geschieht das sogar dann, wenn man damit überhaupt nicht rechnet. Als ich im Jahre 2018 den unten rezensierten Roman das zweite Mal las und immer noch höchst beeindruckt und be­unruhigt von seiner Zeitlosigkeit war, konnte ich mir wirklich nicht vorstellen, wie schnell unsere Realität von einem sehr analogen Verhängnis heimgesucht werden sollte.

Was meine ich damit? Ich zitiere nur mal spaßeshalber einen Satz meiner damaligen Rezension, und ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, dass ihr sofort im Bilde seid. Damals formulier­te ich Folgendes: „Tatsache ist, dass dieser Roman nach wie vor zeigt, wie schrecklich anfällig unsere Gesellschaft für diese win­zigen Organismen aus der Urzeit ist.“

Gemeint sind Mikroorganismen.

Und dann denken wir mal realchronologisch anderthalb Jahre über den Abfassungszeitpunkt der Rezension hinaus und landen wo? Bei der Corona-Pandemie und COVID-19 … einem Mikroor­ganismus, der bis heute die Welt komplett auf den Kopf stellt.

Vielleicht sollte man sich heute mehr denn je den Anfang der 70er Jahre (!) geschriebenen Roman mal zu Gemüte führen und gruselnd begreifen, dass damals zwei echt weitblickende Visio­näre am Werk waren. Die beiden Autoren ersannen nicht ein­fach eine spinnerte, verrückte Story, die niemals Realität wer­den kann, sondern sie legten peinigend unangenehm den Dau­men auf ein ungelöstes Problem der modernen Gesellschaft, ex­trapolierten ein wenig und ließen die Geschichte dann entglei­sen.

Wie das aussah? Desaströs. Aber auch bestürzend unterhalts­am, wie es die meisten plausiblen Apokalypsen sind. Stürzt euch mal wie ich damals in dieses Abenteuer und ihr werdet eine extrem spannende und immer noch sehr wichtige Ge­schichte vorfinden, die auch heutzutage alles andere als abwe­gig ist:

Mutant 59: Der Plastikfresser

(OT: Mutant 59: The Plastic Eater)

Von Kit Pedler & Gerry Davis

Heyne-Bibliothek der SF-Literatur, Band 60

256 Seiten, TB (1971)

Aus dem Englischen von Rolf Palm

ISBN 3-453-31289-9

Eine der am meisten drängenden Fragen der Gegenwart des frühen 21. Jahrhunderts ist eigentlich die Schattenseite einer grundsätzlich segensreichen Entwicklung. So, wie es mit vielen Erfindungen der Menschheit ging, die man sowohl zum Nutzen wie zum Schaden einsetzen kann, sah es hier zunächst sehr da­nach aus, als würde ausschließlich der Vorteil dominieren.

Die Erfindung von Kunststoffen auf der Basis von Erdöl ist eine Entwicklung, die das 20. Jahrhundert von Grund auf umgekrem­pelt hat. Das beschönigen zu wollen, ist müßig. Man kann wohl mit Fug und Recht annehmen, dass es heute in den hochzivilisa­torischen Zentren der Welt keinen Lebensbereich mehr gibt, in dem Kunststoffe keine prägende Rolle spielen.

Ob es sich dabei um den Bereich der Textilien handelt, der Ver­packungsmaterialien, der Alltagsgeräte, der Baustoffe oder des Transportwesens, Plastikmaterialien verschiedenster Arten sind ubiquitär einsetzbar und werden entsprechend eingesetzt. Sie haben zumeist Vorteile gegenüber klassischen Werkstoffen – sie sind leichter, in großer Stückzahl schnell herzustellen, sie lassen sich durch diverse Prozesse schnell recyceln, senken Transport­kosten, erhöhen in bestimmten Bereichen die Stabilität von Kon­struktionen … auch die Vorzüge dieser Materialien sind vielfältig wie sie selbst.

Die Nachteile gehen damit indes einher. Einer, der früher gern als Vorteil verkauft wurde, nämlich die unbestreitbare Langle­bigkeit der Materialien, ist inzwischen als massives Manko er­kannt worden. Langkettige Kunststoffmolekülketten kommen in der Natur nicht vor, folgerichtig gibt es auch kaum eine Möglich­keit, diese Stoffe durch den natürlichen Zerfall vor Ablauf eini­ger Jahrhunderte abzubauen. Schlimmer noch: durch erosive Prozesse werden Kunststoffmaterialien in immer kleinere Einhei­ten zerrieben, wodurch sie quasi unsichtbar werden … was aller­dings nicht dazu führt, dass sie dadurch rascher zerfallen oder ihr Problempotenzial geringer wird. Diese klein geraspelten Kunststoffteile (Mikroplastik) reichern sich vielmehr in natürli­chen Stoffkreisläufen an, bilden in den Ozeanen gigantische Teppiche aus nahezu unzersetzbarem Treibgut und bilden so zu­nehmend eine Belastung für die Ökosysteme.

Gewiss, bereits Anfang des 20. Jahrhunderts machten Mikrobio­logen die Entdeckung, dass es Bakterien in der Natur gibt, die sich auf den Abbau von Kohlenwasserstoffverbindungen spezia­lisiert haben. Diese so genannten hydrocarbonoklastischen (also „Kohlenstoff zerbrechenden“) Bakterien führen aber ein Randdasein, und sie werden verstärkt erst seit Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts erforscht. Man kann darum sagen, dass diese Forschungen definitiv erst am Anfang stehen.

Wie so oft war die Science Fiction auch in diesem Bereich sehr viel früher und sehr viel innovativer, und damit nähern wir uns dem vorliegenden Roman.

Im Jahre 1971, als das amerikanische Apollo-Programm noch As­tronauten zum Mond schickte und Gedanken über erste Mars­sonden zur Entwicklung entsprechender Gefährte führten, ver­fassten die Autoren Kit Pedler und Gerry Davis einen visionären Roman dystopischen Zuschnitts, der 1986 in der Heyne-Reihe der „Bibliothek der Science Fiction Literatur“ neu aufgelegt wur­de. Ungeachtet der Tatsache, dass er mehrere fiktionale Voraus­setzungen schafft, legt er einen Finger auf eine Wunde, die heu­te mehr denn je geeignet ist, Furcht und Schrecken im Leser zu induzieren. Deshalb hat er an Bedeutung bis heute nichts einge­büßt.

Es geht um Kunststoffe.

Es geht um menschliche Hybris.

Es geht um Mikroorganismen.

Heraus kommt ein Alptraum. Und so sieht er aus:

In einem nicht genannten Jahr (der eingesetzten Technologie nach zu urteilen aber spätestens Mitte der 70er Jahre) entwi­ckelt Dr. Simon Ainslie in Kensington bei London in seiner Frei­zeit einen Mikroorganismus, weil er damit das eingangs skizzier­te Menschheitsproblem, die Mülllawine aus schier unzersetzba­ren Kunststoffen, lösen möchte. Er stellt sich vor, dass dieser Mikroorganismus segensreich für die Menschheit sein könnte. Lange Zeit ist er erfolglos, aber die Mutation 59 erweist sich als tauglich, sie löst tatsächlich Kunststoffe auf. Aber ehe Ainslie diese Entdeckung bekannt machen kann, stirbt er eines natürli­chen Todes, und seine Erfindung wird in den Abfluss hinabge­spült und verschwindet aus dem Blickfeld.

Bald darauf kommt es anderwärts zu zwei wichtigen innovati­ven Entwicklungen: ein Forscherkonsortium um Dr. Arnold Kra­mer entwickelt erst einen sehr kostengünstigen Kunststoff, der auf Aminosäurebasis erschaffen werden kann, das Aminostyren, das bald in Lizenz weltweit an allen möglichen Orten für die Fer­tigung eingesetzt wird. Es scheint sich um einen perfekten Kunststoff zu handeln.

Die zweite Entwicklung ist noch folgenreicher: Kramers Team er­schafft einen sich selbst zersetzenden, lichtempfindlichen Kunststoff. Er wird vorrangig in der Kunststoffflaschenbranche eingesetzt, wo der Formungsprozess nun unter Abschluss von Helligkeit erfolgt. Die Flaschen werden mit einem weiteren Kunststoff bedampft und dann befüllt. Wenn man die Flaschen indes später am Hals aufreißt – der Inhalt ist sofort in andere Behältnisse umzufüllen – , kann man geradewegs zusehen, wie die Flasche in harmloses Granulat zerfällt. Der Werkstoff wird Degron genannt und bald durch millionenfache Produktion in Flaschenform zerbröselt und schließlich von den Käufern in die Kanalisation gespült.

Ebenso wie Aminostyren ist Degron ein gewaltiger Verkaufs­schlager und wird rasch weltweit in Lizenz verkauft. Offensicht­lich ist insbesondere Degron ein gutes Mittel, den stetig wach­senden Müllberg zu verringern.

Eine Verkettung dummer Zufälle bringt allerdings Degron und den Mutanten 59 in der Londoner Kanalisation zusammen. Und das, was so segensreich begonnen hat und aus den hehrsten Absichten heraus entwickelt wurde, gerät nun zu einem Alp­traum.

Mutant 59 findet sich im Paradies wieder – Kunststoffe, wo im­mer er „hinschaut“, könnte man sagen. Der immer noch unbe­kannte Mikroorganismus beginnt mit explosiver Vermehrung und mutiert dabei immer weiter. Sehr rasch erstreckt sich sein Heißhunger auch auf andere Kunststoffe. Auf alle Kunststoffe, wie es ausschaut.

Und es gibt ja so viel davon: mit Kunststoff ummantelte Kabel. Kunstoffrohre, in denen Gasleitungen verlaufen. Schaltungen, die das Verkehrswesen kontrollieren. Flugzeuginnereien. Schal­ter in Raumkapseln. U-Bahnen. Automobile. Und da sich Mutant 59 mittels mikroskopischer Sporen vermehrt, den ahnungslose Zivilisten überall mit hinschleppen, fängt ein mikrobiologischer Krieg an, den die Menschheit offenbar nur verlieren KANN …

Es ist manchmal wirklich verblüffend, wie visionär und geradezu zeitlos phantastische Romane sind. Wenn man in diesem Buch einmal über die aus heutiger Sicht archaische Technik hinweg­sieht – es gibt eben weder Handys noch Internet, und selbst die Computertechnik funktioniert mehrheitlich via Magnetband – , so hat sich an dem hier plakativ behandelten Grundproblem nichts geändert.

Natürlich, viele neue Substanzen sind hinzugekommen, aber primär, würde ich sagen, ist die heutige Menschheit anfälliger denn je für den Mutant 59. Ich muss mich nur in meiner eigenen Wohnung umschauen: Teppiche mit Kunststofffasern? Allgemein verbreitet. Pflanzbehälter aus Kunststoff? Überall bei Pflanzen liebenden Heimbewohnern zu finden. Computergehäuse? Aus Kunststoff. Telefone? Aus Kunststoff. Wichtige Einrichtungsge­genstände in der Küche – nicht nur in Flugzeugen – aus Kunst­stoff. Kabelummantelungen? Nach wie vor primär aus Kunststoff …

Das Alptraumszenario einer sich buchstäblich auflösenden Kü­che, die einem Alptraum von Salvador Dalí entsprungen sein könnte und die Pedler und Davis sehr anschaulich darstellen – das würde sich heute, mehr als 45 Jahre nach der Abfassung des Romans, in vielen Haushalten bei Freisetzung eines solchen Mikroorganismus munter wiederholen. Und das wäre selbstver­ständlich erst der Anfang.

Ja, es gibt eine gewisse Form von „Happy End“, könnte man sa­gen, aber mit einem unangenehmen Wermutstropfen, den ich hier nicht vorwegnehmen möchte. Tatsache ist, dass dieser Ro­man nach wie vor zeigt, wie schrecklich anfällig unsere Gesell­schaft für diese winzigen Organismen aus der Urzeit ist. Das Szenario ist alles andere als gänzlich abwegig, heute wohl weni­ger denn je.

Vergnüglich fand ich übrigens eine Szene, in der Dr. Luke Ger­rard, eine der Hauptpersonen der Geschichte, in einem Kauf­haus einem „Amok laufenden“ Spielzeugroboter von Menschen­größe auszuweichen hatte. Warum war das so witzig? Weil Kit Pedler als Skriptautor der britischen Fernsehserie „Doctor Who“ zu dieser Zeit bereits die Cybermen entwickelt hatte, die bis heute in der Serie ihr Unwesen treiben. Sie stehen für diese Pas­sage eindeutig Vorbild. Wer also den Roman zum damaligen Zeitpunkt las, konnte sich diese Szene angesichts der filmischen Darstellung der Doctor Who-Serie lebhaft vorstellen.

Ich halte das Buch ungeachtet der Knappheit der Darstellung definitiv nach wie vor für einen der besten und tiefsinnigsten SF-Romane, den ich jemals gelesen habe. Er ist unbedingt eine Wiederentdeckung wert.

© 2018 by Uwe Lammers

Harter Stoff? Ja, unbedingt. Aber wer immer meint, Science Fic­tion als realitätsfremde Spinnerei abtun zu wollen, wird durch solche Romane eines Besseren belehrt. Ich finde nach wie vor, dass es eine eminent wichtige Bedeutung der SF ist, auf lang­fristige Probleme hinzuweisen und das entsprechende Bewusst­sein dafür zu schärfen – das schafft dieser Roman ganz eindeu­tig, und zwar seit mehr als 50 Jahren!

Kann es noch etwas Schlimmeres geben als das? Allerdings, ja, und darauf komme ich in der nächsten Woche zu sprechen. Diesmal verlagert sich das Geschehen allerdings in die allge­meine Phantastik und bekommt gewisse allegorische Züge.

Der Tod gehört zum Leben dazu, das ist gewissermaßen der „Preis“ für das Leben. Aber was, wenn sich das auf einmal fun­damental ändert? Wie sieht das aus?

Mehr dazu in der nächsten Woche.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

neues Jahr, neues Spiel und, so wollen wir hoffen, auch neue kreative Werke, faszinierende Spielfelder für Geschichten, sie es für solche, die ich seit langem vollenden möchte, für solche, an die ich zurückkehren möchte oder ganz neue Welten, die es zu entdecken gilt.

Leider tobt die Corona-Pandemie nach wie vor und erreicht gru­seligerweise immer neue Höhepunkte. Die Suche nach einer Brotarbeit hält ebenfalls an, aber ich nutze die so noch „freie“ Zeit intensiv dafür, mich kreativ auszutoben … mit weitem Ab­stand die nützlichste „Psychotherapie“, die mich erdet und das innere Gleichgewicht wiederherstellt.

Inzwischen hat das Schreiben sogar einen meiner Lieblings-Zeit­vertreibe verscheucht, zwei, wenn man ehrlich ist: Das Lesen und das Streamen von Filmen via Youtube oder auf anderen Plattformen des Internets. Und da ich auf insgesamt 971 Krea­tivseiten allein für den Monat Januar 2022 zurückblicke, könnt ihr euch vorstellen, dass da so einiges passiert ist – mit Fug und Recht. Schauen wir uns das mal konkret an:

Blogartikel 473: Work in Progress, Part 109

Blogartikel 442: Legendäre Schauplätze 24: Xoor‘con-Sys­tem

(Glossar der Serie „Oki Stanwer Horror“)

16Neu 7: Schergen der Union

16Neu 8: Der Lebensretter

16Neu 11: Treffen mit Soffrol

Der Schöpfer-Komplex (Abschrift)

Anmerkung: Das ist ein komischer Text aus dem Frühjahr 1984, der mir bei Aufräumarbeiten wieder in die Finger fiel und von dem ich dachte, es wäre vielleicht ganz interessant, ihn zu digi­talisieren und auch zu veröffentlichen. Er gibt eine kleinen Einblick in meine Lebenswelt zu einem Zeitpunkt, da ich noch Schüler in der Realschule war und gerade mal 17 Lenze zählte …1

Blogartikel 451: Legendäre Schauplätze 25: Yiopür

13Neu 18A: Der Knochenacker

16Neu 9: Treffpunkt Sternenwrack

16Neu 12: Ein Dämon von TOTAM

Blogartikel 462: Legendäre Schauplätze 26/E: Zentralwelt

Anmerkung: Ja, damit habe ich dann, wie ihr, wenn ihr den Blogartikeln regelmäßig folgt, vor 15 Wochen entdecken konn­tet, die Artikelreihe um die „Legendären Schauplätze“ vorerst abgeschlossen … es ist gut möglich, dass dereinst eine weitere Staffel folgt, aber vorerst ist daran noch nicht gedacht. Lasst euch mal überraschen, was da als nächstes als Artikelreihe fol­gen wird.

16Neu 10: Der Fluch der KÄMPFER

Blogartikel 466: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 82

(13Neu 19: Das Erbe des Ghouls)

Anmerkung: Diese OSM-Episode stammt nicht von mir, sondern ist ein seltener Exot, eine gewissermaßen „externe“ OSM-Ge­schichte. Leider sehr missraten, sowohl inhaltlich wie gramma­tisch … ich habe die Episode noch nicht mal ganz abgeschrie­ben und bin schon auf mehr als 500 (!) Schreibfehlern, die ich akkurat verzeichne. Aber obwohl diese Episode nur 6 Textseiten umfasst (!), rechne ich mit wenigstens 200 weiteren Fehlern, weil es wirklich keinen Satz gibt, der nicht mindestens 2 oder 3 Schreibfehler enthält.

Ein Beispiel gefällig? Na schön, aber nur, weil ihr das seid.

Ich zog ihn aus der Grünlichen Schleinlache in der noch die Blutgefüllten Adern zuckten. Ich warf das Kreuz hinein und schmatzend platzten sie. Das Schwärzliche Blut vermiste sich mit den schlein der anfing rund herum um das Kreuz zu brodeln …“

Ja, ich höre schon auf. Aber ihr versteht sicher, warum ich diese Episode wirklich nur der Vollständigkeit halber abschreibe und sie weder eine OSM-Kennziffer erhalten wird (da sie schließlich nicht von mir stammt) noch jemals inhaltlich Eingang in die Ro­manausarbeitung „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ fand oder finden wird. Das ist einfach gruselig.

(IR 27: Kettenreaktion)

Das Geheimnis von Church Island – OSM-Roman

Anmerkung: Das war dann das komplette Kontrastprogramm – ein Romanskript mit letztlich 170 Seiten Umfang, an dem ich seit 2018 geschrieben hatte und das jetzt endlich fertig war. Ich habe davon vor fünf Wochen detaillierter berichtet und kann mir hier deshalb weitere Bemerkungen sparen.

(16Neu 14: Angriff der Lontreks)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“)

(16Neu 15: KLIVIES KLEINES)

(13Neu 20: Im Bann des Rauchdämons)

(OSM-Wiki)

Blogartikel 470: Close Up: Der OSM im Detail (35)

(Sarittas Hilflosigkeit – Archipel-Novelle)

Anmerkung: Das war nur eine sehr, sehr kurze und wirkungslo­se Stippvisite im Archipel. Dafür ist aktuell die Zeit nicht gekom­men.

(16Neu 16: Der Jahrmillionen-Kerker)

Anmerkung: Dagegen hierfür sehr viel mehr. Ihr seht das schon an der schieren Zahl … es macht einfach ein wahnsinniges Ver­gnügen, an diesem Seriendigitalisat weiterzuschreiben. Nicht nur, aber natürlich auch, weil dies diejenige OSM-Ebene ist, mit der ich alsbald die Close Up-Kurzrezensionen fortsetzen werde. Der Anfang ist eher schlicht, aber die 20er-Episoden, denen ich mich allmählich annähere, nehmen dann schon dramatisch Fahrt auf. Da halte ich euch beizeiten auf dem Laufenden.

(Die Kolonie Saigon II – Erotic Empire-Roman)

Anmerkung: So, und das ist die andere Großbaustelle, die mich direkt nach der Fertigstellung der unten stehenden Glossare vollständig absorbiert hatte und dies immer noch tut. Vielleicht erwähnte ich schon einmal, dass ich den ersten Entwicklungs­keim dieser Geschichte anno 2007 niederschrieb und dann anno 2008 skizzenhaft ausarbeitete. Es geht um das desaströse Raumkolonisierungsabenteuer des Raumschiffes CONQUEROR auf dem Planeten Saigon II im Jahre 2119 im von mir so ge­nannten „Erotic Empire“, um die Gründung der Kolonie Saigon II, ihren Aufstieg und letztlich jähen, alptraumhaften Untergang.

Während ich den ersten von insgesamt 6 Abschnitten bereits im vergangenen Jahr abschließen konnte, habe ich jetzt im Januar 2022 den zweiten, 135 Seiten umfassenden Teil vollendet, und vom dritten Teil stehen auch schon 40 Reinskriptseiten. Im Schnitt komme ich jeden Tag zwischen 5 und 10 Reinskriptsei­ten voran, habe insgesamt also schon rund 300 Textseiten fer­tig … von wenigstens 600. Das wird noch ein hartes Stück Ar­beit, aber gerade jetzt, wo die Bilder nur so strömen, ist es eine klare Verpflichtung, hier weiterzuarbeiten. Das wird unzweifel­haft BUCH-Charakter (nach meiner Kategorisierung, d.h. Werke jenseits von 300 Textseiten) bekommen. Ständig ploppen neue Szenen verlockend auf … ein Alptraum vom Inhalt her, aber zu­gleich auch ein unbestreitbar ziemlich heißer Inhalt, dessen töd­licher Ernst den Kolonisten solange nicht bewusst wird, bis es für fast alles zu spät ist … in der nächsten Woche erzähle ich euch mehr davon.

Glossar des Romans „Das Geheimnis von Church Island“

Blogartikel 472: Krisenherd Church Island

Glossar des E-Books „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbe­ben“

Anmerkung: „Äh, du weißt aber schon, dass dieses E-Book schon seit 2018 auf dem Markt ist? Wieso jetzt erst ein Glossar? Der Roman HAT doch ein Glossar!“ So oder ähnlich mag einer von euch, der das Werk gelesen hat, nun bei diesem Eintrag grübeln. Ich kann das gleich und flink aufklären.

Ja, das E-Book „CK 1: Vorbeben“ HAT ein Glossar, natürlich … und es handelt sich um eine Art von Basis-Glossar, also eine Auswahl der im Werk vorkommenden zentralen Namen und Be­griffe. Das, woran ich auch schon 2018 zu arbeiten begann und was ich erst jetzt abschloss (ich hatte diese Baustelle lange ver­gessen und fand sie eher zufällig wieder, als ich das Glossar für „Church Island“ befüllte), ist das detaillierte Glossar. Dafür scannte ich den E-Book-Text damals durch und ging Zeile für Zeile die verwendeten Termini durch.

Als ich das Glossar wieder gefunden habe, war es etwa zur Hälf­te mit Begriffserläuterungen gefüllt, der Rest offen. Aber es dauerte Tage, bis ich das alles dann auch einarbeiten konnte. Die Überführung der Begriffe und Erklärungen ins Hauptglossar und in die OSM-Wiki brauchen noch Zeit, Freunde. Wie ich eben erwähnte, bin ich zurzeit auf einer ganz anderen Welt unter­wegs …

(E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 2: Monstererwa­chen“)

Ich schrieb verschiedentlich, dass ich die „Church Island“-Ge­schichte beenden müsste, um hieran weiterzukommen. Das entsprach der Wahrheit. Zwar habe ich jetzt erst mal nur eine kurze Stippvisite hier vorgenommen, aber es ist klar, dass das beizeiten geändert werden wird. Dafür müssen mich nur andere Baustellen ein wenig locker lassen, dann …

(Glossar des Romans „Die Kolonie Saigon II“)

Blogartikel 478: Saigon II – Paradies oder Hölle?

(16Neu 13: Transmitter zur Todeswelt)

(13Neu 21: Mein Doppelgänger)

Anmerkung: Diese OSM-Episode ist deshalb so wichtig, weil hier ein andauernder, langer moralischer Bruch innerhalb der Serie vollzogen wird. Ohne dazu Näheres zu sagen … diese grässliche Folge im Verein mit dem 2. Teil (Band 22 der Serie) erzeugt ein Ereignis, das als „Stanwers Blutnacht“ in die Geschichte der Menschheit eingehen wird. Und danach ist nichts mehr wie zu­vor …

(Quisiins letzter Fall – OSM-Roman)

Anmerkung: Ja, dieses Fragment gibt es auch noch. Ein weitge­hend fertiger Roman, der sinnigerweise im KONFLIKT 16 spielt, also der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ (im Di­galisat: 16Neu!). Ihr könnt euch vorstellen, wie das auf mich wirkt, wenn ich diese Serie gerade digitalisiere. Ich schätze, das hier ist eins der nächsten längeren OSM-Projekte, die ich dieses Jahr abschließen kann. Mal sehen, ob das klappt.

So weit, so gut. Damit möchte ich euch wieder für den Moment verlassen. Bis nächste Woche, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Der Text wurde in dem Fanzine BWA 461 im Januar 2022 veröffentlicht.