Liebe Freunde des OSM,

mir ist klar, dass es viele unter euch gibt, die sich sicherlich wünschen, zu erfahren, wie die Geschichten in den drei laufen­den Serien des Oki Stanwer Mythos (OSM) voranschreiten, was dort als nächstes geschehen wird. Ganz besonders natürlich im Fall der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI), wo in­zwischen Band 31 erreicht ist. In geringerem Maße gilt das für den Wissensfortschritt des „CLOGGATH-KONFLIKTES“ und der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC), von denen ja – leider – erst jeweils ein Band erschienen ist. Ich hatte selbst gehofft, inzwischen weiter zu sein, aber das rare Gut Zeit macht mir hier doch sehr zu schaffen.

Um nicht überhastet halbgare und wenig angenehm lesbare Re­sultate zu erzeugen, habe ich mich für den Moment entschie­den, auf längere Zeiten der Freizeit zu warten, damit ich dann mit entsprechender Energie und zusammenhängenden Tagen wenigstens in einem Teilbereich der E-Books voranzukommen. Das wird nach aktueller Schätzung zwischen Weihnachten 2020 und Neujahr der Fall sein, so hoffe ich jedenfalls im Moment. Im nächsten Work in Progress-Blog werdet ihr davon erfahren, ob ich diesen Plan umsetzen konnte oder es wieder irgendwelche Verzögerungen gab.

Bis dahin werde ich natürlich nicht untätig sein, es gibt, wie ihr wisst, jede Menge Baustellen, an denen Weiterarbeit sinnvoll und notwendig ist. Und einige davon sind in diesem Jahr tat­sächlich weitgehend abgeschlossen worden.

Woran habe ich also im zurückliegenden Monat November gear­beitet, wenn es meine rare Freizeit zuließ? Schauen wir uns das mal genauer an:

Blogartikel 413: Work in Progress, Part 95

(Die Kolonie Saigon II – Erotic Empire-Roman)

(Glossar der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“)

Anmerkung: Bis zum Ende des Monats kam ich tatsächlich durch alle 110 Episoden hindurch, und spätestens ab Band 45 wurde ich von der Serie so sehr eingesaugt, dass ich am liebs­ten Tag und Nacht daran glossiert hätte. Es ist ein toller, gegen Schluss absolut alptraumhafter Stoff, der in der bemerkenswer­ten Umbruchzeit der 90er Jahre kulminierte. Ich entdeckte (in KONFLIKT 23, also 15 Milliarden Handlungsjahre nach diesem KONFLIKT 20) TOTAMS schwarze Matrix, das Matrixland ent­stand und weitete sich aus, transuniversale Zeitreisen wurden möglich … und vieles spielt hier in den Finalzyklus ab Band 100 sehr massiv hinein.

Obgleich dieser KONFLIKT abgeschlossen ist, gibt es intensive Verbindungspfade zu dem noch in Arbeit befindlichen KONFLIKT 22 „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“. Damit ist KONFLIKT 20 also nicht wirklich abgeschlossen, sondern es gibt noch zu be­schreibende Geschehnisse in KONFLIKT 22, die auf die schon fertige Ebene 20 zurückwirken werden. Es gibt da noch viele Fragezeichen und Einflüsse, und von daher war es lange über­fällig, zumindest dieses rudimentäre (gut 100 Seiten lange) Glossar zu verfassen. Das wird mir das Navigieren in der Serie sehr erleichtern, solange es davon noch kein Digitalisat gibt. Und das wird eindeutig noch ein paar Jahre dauern.

13Neu 7: Der glühende Schädel

(OSM-Wiki)

12Neu 98: Hauch der Vernichtung

12Neu 99: Staubterror

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“)

(12Neu 100: Kommandounternehmen Entropiehammer)

Anmerkung: Tja, was genau mag wohl ein „Entropiehammer“ sein? Soviel steht fest – es ist nicht im Werkzeugkasten eines Handwerkers zu finden, es sei denn, er ist willens und fähig, ganze Galaxien zu zerstören. Ich will hoffen, unter meinen Le­sern legt es niemand darauf an … aber jenseits davon, im Rah­men des OSM, ist dieser Begriff Ausdruck einer böswilligen Täu­schung, die in diesem KONFLIKT noch übelste Nebenwirkungen entfalten wird. Es dauert zwar, bis ihr das zu lesen bekommt, aber es ist schon seit 27 realen Jahren fester Vorsatz, euch der­einst dorthin zu bringen.

27 reale Jahre … das ist buchstäblich mein halbes Leben, ich fasse es kaum.

(IR 26: Odyssee in Uuridan)

Anmerkung: Ja, es gab eine kleine Stippvisite im KONFLIKT 4 des OSM. Aber es handelte sich dabei nur um ein Strohfeuer, mir fehlte die Zeit, um hier wirklich voranzukommen. Leider. Ihr wisst, dass ich mit dieser Serie gern zum Schluss kommen wür­de. Das wird vermutlich erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 der Fall sein. Optimistisch gesprochen.

Blogartikel 419: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 75

(Partisanengruppe Rilon Vleh – OSM-Story)

(12Neu 101: Der Konstantenwechsler)

Anmerkung: Noch so ein seltsames Gerät. Auch einen Konstan­tenwechsler wollt ihr definitiv nicht in eurer Nähe wissen. Falls einer da wäre, würde euer Leben recht schnell beendet sein … wie das den armen Bürgern der Galaxis Teshawaar beizeiten er­gehen wird. Ihr werdet davon noch mehr hören. Aber auch das dauert.

(12Neu 102: Galaxis im Mahlstrom)

Anmerkung: Schon an der alten Schreibweise von „Malstrom“ merkt man, wie alt die Episode ist. Sie spielt vor der Recht­schreibreform. Noch krasser sieht man das an einer uralten und meiner Ansicht nach nie veröffentlichten TERRANAUTEN-Story mit dem Titel „Oxyds tödlicher Bruder“ (1983). Ja, ihr Nachge­borenen, damals schrieb man „Oxid“ tatsächlich noch mit „y“, ganz legitim. An die neue Schreibweise musste ich mich dann jahrelang erst gewöhnen. Auch diese TERRANAUTEN-Story ge­hört noch zum Altbestand jener Geschichten, die ich bislang nicht digitalisierte.

Beizeiten …

(E-Book BdC 2: Gestrandet in Bytharg)

Blogartikel 412: Der Name ist Programm – Ein Kosmos na­mens Horrorwelt, Teil 4

Anmerkung: Teil 5 der Artikelreihe, der die Episoden bis Band 150 umfassen wird, braucht noch ein ganzes Weilchen. Das hat damit zu tun, dass die Episoden jenseits von Band 100 der Serie dann auf 10-12 Seiten Umfang aufgestockt wurden. Die abzu­schreiben braucht natürlich eine Weile länger. Aktuell habe ich gerade Band 139 abgeschlossen. Glücklicherweise habe ich noch einige Monate Zeit, ehe ich zum erwähnten fünften und vorletzten Teil kommen werde. Der letzte Teil umfasst dann die Episoden 151 bis 172. Und dann, vielleicht 2022, überlege ich mir, ob und falls ja, wann ich damit fortfahre.

(Das Geheimnis von Church Island – OSM-Novelle)

Anmerkung: An dieser Novelle kam ich im vergangenen Monat November recht ordentlich voran. Unter Konsultation des Ewi­gen Kalenders bekam ich heraus, wann im März des Jahres 2117 der Zeitpunkt für die Schlacht zwischen den entarteten Ghouls einerseits und den Bewohnern von Westcott und dem Stanwer-Team auf der anderen Seite am günstigsten war … und leider macht der Nebel die Angelegenheit noch viel dramati­scher, als ich annahm. Das wird echt ziemlich übel werden … und es kann als sicher gelten, dass dieses Werk, das jetzt schon 75 Seiten besitzt, lässig in den dreistelligen Bereich hineinlan­gen wird.

(Unter falscher Flagge – Erotic Empire-Story)

(Sarittas Hilflosigkeit – Archipel-Story)

(12Neu 103: Emissär aus der Ewigkeit)

Anmerkung: Mit diesem Band beginnt ein weiterer Vierteiler dieser Serie, der die Leser wie die Protagonisten in ein Parallel­universum verschlägt, in dem die Ereignisketten der Gegenwart schon weiter abgespult wurden … und wer denkt, in unserem Universum mit der Macht CROSSATH, die Bytharg regiert, und dem kosmischen Krieg zwischen CROSSATHS Dienern und den Allis in Koopen sei die Lage schon desaströs, der sollte, wie Phi­lip K. Dick einst sagte, „einmal ein paar von den anderen se­hen“.

Das hier ist dann der Blick über den Tellerrand, der zeigt, wie grässlich alles werden kann. Absolut alptraumhaft. Und rasend packend geschrieben in den frühen 90er Jahren. Kaum zu glau­ben, dass das schon rund 30 Jahre her ist.

So weit, so gut. Mehr gab es dann nicht für heute zu vermelden. Insgesamt kam ich lediglich auf 15 Werke, aber ich hoffe zuver­sichtlich, dass im Dezember, vielleicht auch erst im Januar, die Zeitfenster mehr zulassen werden.

Wieso zweifle ich am Dezemberzeitraum? Wegen Weihnachten. Es gilt, Weihnachtspost zu schreiben und zu verschicken. Das wird viel Zeit fressen. Wie viel? No idea. Lasst euch mal vom nächsten Work in Progress-Blog überraschen, dann sind wir alle schlauer.

Bis zum nächsten Mal, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 309: Calendar Girl 1: Verführt

Posted Februar 24th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Audrey Carlan gehört zu der neuen Schar von Shooting-Stars der Vielschreiber im Bereich der romantisch-erotischen Romanserien. Ich habe jüngst schon ihren dritten Romanzyklus verschlungen (kann man echt nicht anders sagen), und in­zwischen mag ich die Frau wirklich als Autorin sehr gern. Ihr werdet also zwei­fellos in den nächsten Monaten und Jahren noch mehr Rezensionen zu ihren Werken vorfinden.

Mit diesem Band hier machte ich also ihre Bekanntschaft und wurde recht schnell von der in die Ecke gedrängten Mia Saunders mitgerissen, die genötigt wird, um die von ihrem (inzwischen im Koma liegenden) Vater erpresste Million Dollar aufzutreiben. Dass die Handlung sehr schnell schon in diesem ersten von vier Bänden auf äußerst unterhaltsame Weise aus dem Ruder läuft, stand nicht wirklich von vornherein fest. Und so werfe ich euch einfach mal ohne lange Vorrede einfach mal hinein in das Las Vegas der jüngsten Vergangenheit.

Schaut euch mal in Mias Leben um und erlebt mit, wie ihr der neue Job dasselbe grundlegend umkrempelt:

Calendar Girl 1: Verführt

(OT: The Calendar Girl – January/February/March

von Audrey Carlan

Ullstein 28884

368 Seiten, TB

Juni 2016, 12.99 Euro

Aus dem Amerikanischen von Friederike Ails (Januar), Graziella Stern

(Februar) und Christiane Sipeer (März)

ISBN 978-3-548-28884-0

Mia Saunders will das alles nicht. Sie sträubt sich mit Händen und Füßen gegen das offenkundig Unvermeidliche – einfach deswegen, weil sie die Aussichten grässlich findet. Aber sie muss sich zugleich den Realitäten stellen, und die sind einfach scheußlich.

Die 24jährige vormalige Kellnerin mit eher bescheidener Bildung (abgebroche­ner Highschool-Abschluss) und zerrüttetem familiärem Background (Mutter ist abgehauen, als sie zehn war und hat sie und ihre fünf Jahre jüngere Schwester Maddy beim spielsüchtigen Vater in Las Vegas zurückgelassen, der zudem gern dem Alkohol zusprach) sitzt echt in der Patsche. Das heißt … eigentlich ist es ihr Dad, der in der Patsche sitzt. Oder besser liegt. Er liegt im Koma, brutal zu­sammengeprügelt und völlig außerstande, auf seine beiden Mädchen aufzupas­sen. Und Mia wurde die Pistole auf die Brust gesetzt. Der Kredithai Blaine Pin­tero, bei dem Mias Vater horrende Spielschulden hat, schickte seine brutalen Schläger vorbei und besteht nun darauf, dass Mia die Schulden begleicht – eine Million Dollar!

Verdammter Mist, wie um alles in der Welt soll sie das nur machen, wo sie doch selbst kaum was auf dem Konto hat? Der einzige Weg scheint ihre Tante Millie zu sein („Mrs. Milan, wenn ich bitten darf!“), die einen exklusiven Escort-Ser­vice leitet und Mädchen als Begleitung für reiche Leute vermittelt. Ihr Angebot an Mia: sie wird zwölf Monate lang von ihr als „Calendar Girl“ vermittelt und verdient auf diese Weise mit zwölf Kunden jeden Monat hunderttausend Dollar. Wenn die Kunden Sex wollen, müssen sie noch extra dafür bezahlen.

Mia bleibt keine Wahl, sie muss in den sauren Apfel beißen und ist ab sofort nicht mehr Herrin über ihr Schicksal, sondern wird komplett fremdgesteuert. Und anfangs hasst sie es.

Der erste Auftrag führt nach Malibu. Während ihre kleine Schwester zu studie­ren begonnen hat und Mia sich unablässig Sorgen um sie macht, trifft sie Kunde Nr. 1 … und er haut sie geradewegs um. Weston Channing der Dritte ist Dreh­buchschreiber mit einem echten Traumkörper, Surfer noch dazu, und schnell er­weist sich, dass eine geradezu magnetische Anziehungskraft sie zueinander hin­zieht. Mia, die mit ihren bisherigen Lovern immer nur ausgesprochene Nieten gezogen hat, fühlt sich auf einmal wie in himmlische Gefilde versetzt und ist einfach fassungslos – und wird in einer Weise sexuell zufrieden gestellt, wie sie das nie für möglich hielt.

Problem Nummer 1: Wes, wie sie ihn nennen darf, ist nicht so der Beziehungs­typ, sondern ein ausgesprochener Workaholic. Problem Nummer 2: Sie haben nur 24 gemeinsame Tage. Dann endet ihr „Arrangement“, und sie muss weiter. Beide wollen nicht wirklich voneinander lassen. Aber wiewohl Wes genug Geld besitzt, um ihre Sorgen mit Blaine zu beenden, möchte sie sich nicht in solche Abhängigkeit begeben … und macht weiter, wenn auch mit wundem Herzen.

Kunde Nummer 2 ist Alec Dubois, ein recht exzentrischer französischer Künst­ler in Seattle, und er bucht sie ausdrücklich für einen Monat als „seine Muse“. Der Start misslingt allerdings gründlich, als sich Mia in seinem Studio gleich am ersten Tag den Fuß verstaucht und anschließend eher auf Krücken durchs Leben humpelt. Und dann schockiert der Franzose sie auch noch mit seiner Forderung, sie möge sich doch bitte in ihn verlieben.

Liebe ist ein absolutes No-Go! Zumal sie noch unter der Trennung von Wes lei­det. Aber was Alec unter „Liebe“ versteht, ist etwas recht Eigenwilliges. Und dummerweise ist auch er ein echtes Sahneschnittchen vor dem Herrn.

Offensichtlich hat ihre Tante ein extrem gutes Händchen für die Leute, von de­nen Mia gebucht wird. Und jeder ist gründlich verschieden, bei jedem entdeckt die junge Schönheit aus Vegas Facetten, die ihr bei der Erforschung ihrer eige­nen Persönlichkeit und Sexualität helfen. Auf einmal beginnt sie diese Escort-Tätigkeit nicht als Fluch oder verdeckte Form der Prostitution zu begreifen, son­dern es ist etwas völlig anderes und sehr viel Angenehmeres …

Und dann landet sie im März im windigen Chicago bei Kunde Nr. 3: dem Ex-Boxer Anthony Fasano, der innerhalb seiner großen italienischen Familie beson­derem Druck ausgesetzt ist und unbedingt eine Vorzeige-Freundin braucht, weil insbesondere die dominante Mutter Druck macht – sie will schnellstmöglich En­kelkinder haben. Und sie überrumpelt die völlig verdatterte Mia damit, dass sie als „Verlobte“ ihres Lieblingssohnes doch am besten diesen Monat (!) heiraten soll, damit sie mit der Nachkommenplanung beginnen.

Äh … da ist jetzt guter Rat teuer, und nicht nur deswegen. Denn Tony ist stock­schwul und völlig verschossen in seinen Freund Hector – der prompt eifersüch­tig auf Mia wird. Aber Tony wagt es nicht, sich zu outen und seine Familie zu brüskieren …

Ich gestehe, ich war ein wenig skeptisch, als ich mit diesem Romanzyklus an­fing. Er reizte mich zwar schon geraume Zeit, aber es dauerte, bis ich ihn dann anno 2017 antiquarisch zusammenbekam. Sollte wohl, überlegte ich mir, diese Geschichte darauf hinauslaufen, dass das Kamasutra an Liebesstellungen durch die Jahreszeiten dekliniert werden würde? Ich wurde auf faszinierende Weise überrascht, denn dem war durchaus nicht so, wenigstens nicht im ersten Band.

Mia Saunders ist eine humorvolle Person, die durchaus ihren eigenen Kopf und recht eigensinnige Ideen hat. Es gibt zwar vorgeschriebene Regeln im Escort-Geschäft, aber darauf pfeift sie relativ schnell, und das tut der Geschichte gut. Man merkt schnell, dass der Zusatzpassus – dass Sex also nicht ausdrücklich in­begriffen sei – angesichts der äußerst attraktiven Kerle, an die sie vermittelt wird, schnell klarer Bestandteil der Geschichte wird (Tony Fasano ausgenom­men, da gibt es dann andere Komplikationen). Das wird äußerst variantenreich und stürmisch beschrieben, und es macht Spaß, Mia durch die luxuriösen Ge­bäude, Clubs und Familienheime zu folgen (von den Betten ganz zu schweigen, wenn sie es denn bis dorthin schaffen).

Zugleich spürt man zunehmend, wie Mia langsam reift und durchsetzungsfähi­ger wird. Ich hatte zwar so meine Zweifel angesichts von Mias referiertem Bil­dungshintergrund, aber da musste die Autorin natürlich nach und nach eine ge­wisse Gleichwertigkeit herzustellen suchen. Üblicherweise sollen ja Escort-Mädchen sehr gebildet und eloquent sein. Das wird hier bei Mias Leben ange­deutet, weil sie angeblich auf eine Schauspielkarriere abzielt. Da gibt es schon gewisse Logikdefizite, muss man eingestehen.

Auch witzig, und zweifellos mit voller Absicht in Szene gesetzt, ist die Idee, die einzelnen „Monate“ von drei unterschiedlichen Übersetzerinnen ins Deutsche übertragen zu lassen. Auf diese Weise erhält man zwar nicht einen Roman „aus einem Guss“, aber die Übersetzungsfähigkeiten der drei Frauen fangen schön die charakterlichen Unterschiede der „Kunden“ Mias ein. Der Gedanke hat was und funktioniert gut. Soweit ich das sehen kann, wird diese Struktur im nächsten Band beibehalten.

Drei weitere Romane liegen also noch vor uns, und sicherlich kann man davon ausgehen, dass es eine Reihe von Komplikationen im weiteren Verlauf der Handlung geben wird, die sich bestimmt stärker als bislang ineinander verzahnt. Da ist beispielsweise einmal der Kredithai Blaine, der weiterhin seine Krallen nach Mia ausstreckt und von ihr schamlos Monat für Monat abkassiert (da kommt zweifellos noch Übles nach). Dann dürfte auch ihre bislang verschwun­dene Mutter sicherlich irgendwann eine Rolle spielen. Und die Distanz-Bezie­hung zu ihrem Kunden Nr. 1, Wes, ist sicherlich ebenfalls langfristig von Be­lang. Dasselbe gilt für die zahlreichen Freundschaften, die sie während ihrer Tä­tigkeit als Escort-Mädchen schließt.

Doch, es bleibt interessant. Und dass ich den Roman binnen drei Tagen auslas, spricht auch definitiv für sich. Audrey Carlan ist ausgesprochen lesbar. Der nächste Band liegt hier schon zur Lektüre bereit und wird alsbald ebenfalls ge­schmökert werden.

Für diesen hier gilt: sehr unterhaltsame Lektüre mit äußerst sympathischen und leidenschaftlichen Personen. Eine eindeutige Leseempfehlung von mir.

© 2018 by Uwe Lammers

In vier Wochen geht es mit Mias nächsten drei Abenteuern weiter. Da lasse ich euch mal – wie immer mit mehrteiligen Romanzyklen – ein wenig zappeln. Aber zwischendrin besuchen wir noch Sherlock Holmes.

Bis nächste Woche, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

als ich vor zehn Wochen das letzte Mal in dieser Rubrik verweil­te, kam ich bis zur Darstellung des Monats Juni 2016. Ich steck­te inzwischen bis zum Scheitel in Wissenschaftsgeschichte, was ich so definitiv nicht mehr gewohnt war, und die berichtete Dys­balance, die schon begonnen hatte, weitete sich in den Mona­ten, über die ich heute berichte, immer stärker aus.

Der Monat Juli, in dem ich zumindest noch auf 15 abgeschlosse­ne Werke kam, wovon aber nur eins (!) auf eine abgeschlossene OSM-Episode entfiel, und das war eine recht moderat kommen­tierte Episodenabschrift aus KONFLIKT 18 „Kampf gegen TO­TAMS Dämonen und Schergen“, kann nicht zu meinen kreativen Glanzmonaten gezählt werden, beim besten Willen nicht. Die Majorität der Werke entfällt hier auf Rezensionen … ein Zeichen dafür, dass ich zwar interessante Lesestoffe verschlang, selbst aber nicht wirklich aktiv am Schreiben war.

So überwiegt denn auch die Zahl der begonnenen oder weiter bearbeiteten Fragmente massiv, auch ein Zeichen deutlichen Fokusverlustes. Ich bemühte mich, an dem E-Book „Späherin der Cestai“ weiterzuschreiben, am aber nicht recht vom Fleck. Und das war schon der einzige E-Book-Text, zu dem ich mich aufraffen konnte.

Well, ich schrieb in dem Monat zwei neue Non-OSM-Stories, das ist natürlich richtig. „Wahltag 2040“ ist inzwischen auf der Webseite der KreativRegion Braunschweig nachzulesen und wurde auch im Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA) abge­druckt. Aber da letzteres Magazin unter meiner Ägide erscheint, zählt das vermutlich nicht.

Die andere Geschichte, „Everstons Traum“, ist da schon interessanter von Inhalt und Umfang her. Während „Wahltag“ doch eher eine Blitzlichtaufnahme ist und flink herunterge­schrieben werden konnte, brauchte „Everston“ mehr Zeit. In­zwischen ist auch diese Geschichte in der TCE-Storysammlung „Wollust, Wunder und Verhängnis“ in der Reihe Grey Editi­on erschienen. Wer sie also nachlesen mag – nur zu.

Worauf ich in diesem Monat indes einiges an Energie verwende­te, waren Archipel-Fragmente. Zwar kam ich bei keinem sonder­lich weit, aber ich kümmerte mich schon um Geschichten, die zum Teil recht lange in der Warteschleife verharrt hatten. Es handelte sich dabei um „Das Geheimnis des Vungash“, „Blindlings“, „Gashhoys Geschichte“, „Kapitän Taisanors Geschichte“ (beides eher Planungstitel), „Raubgut“ sowie „Auf und nieder“.

Sonst ist für diesen Monat nichts Bedeutsames zu vermelden.

Im August wurde es nicht wirklich schöner. Zwar erreichte ich die Fertigstellung von 22 Werken, doch sie bezogen sich dies­mal mehrheitlich auf Blogartikel (allein 12 Einträge), Geschich­tenabschriften für die TCE-Storysammlungen, die ich mit Joe Kutzner zusammen plante (inzwischen beide in der Reihe „Grey Edition“ erschienen). Am 13. August konnte ich endlich „Spä­herin der Cestai“ fertigstellen und mit dem Folge-E-Book „Die Sternenbaustelle“ beginnen. Ebenfalls fingen die Arbeiten an dem Annalen-E-Book A 06: Mein Freund, der Totenkopf“ an.

Außerdem schweifte ich verstärkt in KONFLIKT 18 des OSM ab, hinzu kamen Digitalisierungsanstrengungen in KONFLIKT 12 und 14 des OSM, d.h. den Serien „Oki Stanwer – Bezwinger des Cha­os“ und „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“, mit denen ich z.T. heute noch beschäftigt bin.

Weitere Abstecher machte ich in den Archipel („Mariannes Kursänderung“, Julianna“, „Der Tausch auf ein Jahr“) und ins Erotic Empire („Das Stasis-Exil“), aber auch der OSM blieb nicht ausgespart („Rescaz“, „Beas Freund“).

Gleichwohl … wirklich glücklich war ich mit diesem Gemischtwa­renladen nicht und auch nicht mit der Tatsache, dass ich inzwi­schen so unkonzentriert war und einfach nicht gescheit zu fo­kussieren wusste. Das wirkte sich zunehmend auch beruflich nachteilig aus, was dann wieder deprimierende Reflexionen auf meine Kreativität hatte … kein schöner Monat, wirklich nicht.

Im September schlaffte ich noch weiter ab und erreichte gerade mal 18 beendete Werke (davon 8 Blogartikel). Die KreativRegi­on überraschte mich, indem sie mich einlud, auf dem „Markt­platz 3.0“ eine Geschichte vorzutragen. Im Vergleich zu all den anderen Attraktionen, die dort geboten wurden, u.a. Livemusik, geriet meine Darbietung doch eher bescheiden, aber allein die Offerte erfreute mich und hob meine Stimmung … natürlich musste ich mich auf die Lesung entsprechend vorbereiten, was nicht eben wenig Energie und Zeit in Anspruch nahm. Ein Teil der geringen Leistung dieses Monats geht also auch auf diese Kappe, würde ich aus der Distanz von einigen Jahren vermuten.

Während ich beruflich an einigen wissenschaftlichen Texten brü­tete und mich mit Genbanken und Botanischen Gärten befasste, hielt ich mich kreativ in völlig anderen Gefilden auf. Da versuch­te ich, in der Digitalisierung des OSM-Romans „Kämpfer ge­gen den Tod“ weiterzukommen, der im ersten Netzuniversum spielt, dem KONFLIKT 24 (Serie: „Oki Stanwer – der Neutralkrie­ger“).

Ansonsten kämpfte ich mich weiter durch die Digitalisierung der KONFLIKTE 12, 14 und 18, und es wurde immer deutlicher klar, dass es an Wahnwitz grenzte, drei OSM-Serien parallel digitali­sieren zu wollen. Ich kam buchstäblich auf keinen grünen Zweig.

Gut, heutzutage kann ich erleichtert sagen, dass KONFLIKT 14 und KONFLIKT 18 fertig digitalisiert sind, aber ich erinnere dar­an, dass ich aktuell noch an KONFLIKT 12 sitze (kurz vor Band 100 zurzeit, sodass noch rund 30 Episoden fertig zu stellen sind, was 2020 illusorisch ist, das wird erst 2021 gelingen), und dass ich jüngst mit dem Digitalisat von KONFLIKT 13 „Oki Stanwer Horror“ begonnen habe, bei dem ich noch ganz am Anfang ste­he.

Außerdem sind die KONFLIKTE 16 „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“, 20 „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“ und 23 „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ noch nicht digitalisiert … al­lein das sind fast 400 Episoden. Also, Freunde, für Arbeit ist in den nächsten Jahren definitiv gesorgt.

Ebenfalls im Monat September, um noch mal dorthin zurückzu­kehren, bearbeitete ich das Archipel-Fragment „Sarittas Hilf­losigkeit“ und die Abschrift des BUCH-Fragments „DER CLOG­GATH-KONFLIKT“. Zu mehr kam ich dann aber wirklich nicht mehr.

Im kommenden Teil werde ich etwas zum letzten Quartal des Jahres 2016 schreiben. Aber ich warne schon mal vor: der Ge­mischtwarenladen geht weiter. Und meine Kräfte ließen allmäh­lich immer stärker nach. Das konnte nicht ohne Auswirkungen bleiben.

Mehr dazu in Bälde. Für heute möchte ich wieder schließen.

Bis bald, meine Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

als ich das vorliegende Buch anno 2002, also vor fast 20 Jahren las, war ich hin und her gerissen: einerseits handelte es sich um einen höchst beeindruckenden, ja intimen Blick ins Innere einer Schriftsteller-Schreibstube, bisweilen bis auf den Grund der schreibenden Seele. Das war toll und höchst beeindruckend. Zum anderen aber zeigte sich Highsmith, die von ihrer menta­len Verfassung her eher misanthropisch und knallhart war (ob das der Wahrheit entspricht oder nur ihre Maske nach außen darstellte, werden womöglich ihre Tagebücher enthüllen, die ir­gendwann in diesem oder nächsten Jahr in deutscher Übersetzung herauskom­men werden – ich bin schon wahnsinnig gespannt darauf, wie ihr am Ende dieser Rezension sicher begreifen werdet), zum an­deren also zeigte sich Patricia Highsmith, die uns heute einen Crashkurs in Schriftstellerpraxis geben wird, nachgerade gna­denlos desillusionierend.

Bücher werden so, wie man sie beim Verlag einreicht, mit Be­geisterung genommen? Könnt ihr vergessen.

Selbst bekannte Autoren müssen maximal Marginalkorrekturen an ihren Bücherskripten vornehmen? Bisweilen müssen sie hun­dert Seiten (!) streichen!

Shocking, dachte ich, als ich das las. Und das Buch hält noch andere Zumutungen parat.

Dennoch … es hat bis heute einen Ehrenplatz in meiner Biblio­thek, und das ist mit Recht so. Es ist ein tolles, wenn auch scho­nungslos drastisches Buch. Aber vieles, was Patricia Highsmith aussagt, ist einfach wahr … vieles, denn inzwischen hat sich mit der Etablierung der Selfpublisher-Szene jenseits der Kostenzu­schussverlage und der etablierten Verlage eine Community ge­bildet, die sich in gewisser Weise ihre eigenen (laxeren) Regeln setzt und das harsche Diktum von Highsmith zu einem guten Teil aushebelt.

Gleichwohl, wer bei etablierten Verlagen und deren Lektoren landen möchte, sollte sich dieses Buch unbedingt näher an­schauen. Ich glaube, ihr werdet viel daraus lernen.

Vorhang auf für:

Suspense

oder Wie man einen Thriller schreibt

(OT: Plotting and Writing Suspense Fiction)

von Patricia Highsmith

detebe 21924

144 Seiten, TB (1990)

Übersetzt von Anne Uhde

ISBN 3-257-21924-5

Dieses Buch ist kein Ratgeber-Handbuch“, beginnt Patricia Highsmith dieses fulminante Werk über das Schreiben an sich, erklärt am eigenen Beispiel. „Man kann unmöglich erklären, wie ein erfolgreiches – das heißt, ein lesbares – Buch zu schreiben ist. Doch eben das macht Schreiben zu einem lebendigen und aufregenden Beruf: die ständige Möglichkeit des Misslingens …“

Dass alle Leute von der Pike auf lernen müssen, demonstriert sie nachhaltig mit vielen Beispielen aus ihren eigenen Roma­nen, wobei sie sozusagen mit den Grundzügen anfängt: nicht gleich mit den Ideen für Bücher, sondern mit den Keimen von Ideen. Und dann mit dem Wachsen solcher Ideen, Quellen der Inspiration (Alltagserfahrungen z. B.), danach geht sie über zur „Suspense“-Kurzgeschichte und geht schließlich ein auf die Ent­wicklung, den Plot und den ersten Entwurf (letzteres Stück ist auch abgedruckt worden in dem detebe-Band „Über Patricia Highsmith“).1

Sie beschäftigt sich ausdrücklich intensiv mit den Haken und Ösen von Geschichten, insbesondere mit den Haken, also all dem, was schief gehen kann. Logische Fehler, ungenügend ge­zeichnete Charaktere, Handlungsüberlängen, die Gefahr zu langweilen und vieles andere mehr, und ich wage zu behaup­ten, jeder, der schreiben möchte, sollte sich dieses Buch wirk­lich zu Gemüte führen. Es sagt eine Menge über den Schreibpro­zess im Allgemeinen aus.

„… dies war nicht das erste Buch, mit dem ich Pech hatte. Mit DIE ZWEI GESICHTER DES JANUARS ging es mir genauso; da war die erste Fassung völlig verkorkst … Ich ließ einige Zeit ver­streichen und schrieb ein anderes Buch, das angenommen wur­de; dann kam ich auf JANUAR zurück und schrieb es um, kam aber nirgends auf das erste Manuskript zurück, denn ich hatte alles vollständig geändert: Plot, Alter und Charakter der Frau, Charakter des jungen Helden – alles bis auf das Layout des Pa­lastes von Knossos. Eine Dreiviertelseite war alles, was ich von dem ersten Manuskript benutzte.“

So redet eine Schriftstellerin von ihrem Werk und den alltägli­chen Qualen, denen man ausgesetzt ist, wenn man professio­nell arbeitet und mit dem Verfassen von Kurzgeschichten und Romanen das Geld zum Leben verdient. Nüchtern, illusionslos, aber doch nicht ganz ohne eigenen Reiz und Charme. Sie ist sehr ehrlich dabei und scheut sich keineswegs, eigene Fehler und Versäumnisse einzugestehen.

Noch ein kleiner Geschmack aus dieser Welt der Professionalität gefällig? Es betrifft ebenfalls den oben genannten Roman: „… ich versuchte es bei Doubleday und legte ihnen ein Umbruchexemplar der Heinemann-Ausgabe … vor. Das Buch wurde angenommen, aber ich musste vierzig Seiten streichen, eine Seite umschreiben und sie in den Umbruch einkleben … Ich muss mich sicherlich dreißig mal durch den Umbruch durchgearbeitet haben, bis ich endlich die richtige Anzahl Zeilen gestrichen hatte – eintausendreihundertzwanzig Zeilen, im ganzen vierzig Seiten … Am Ende aller Streichungen – manche in Schwarz und dann, beim zweiten Mal, in Rot – waren auf einigen Seiten nur drei Zeilen stehengeblieben.“

Erschreckend?

Wer das so sieht und sich als angehender Literat empfindet, sollte dieses Buch lieber nicht kaufen. Denn er sollte sich mög­lichst schnell von einer Reihe lieb gewonnener Illusionen lösen, von denen sich die wohl schmerzhafteste in „Liebe zur ersten Niederschrift“ ausdrücken ließe. Jeder Autor hängt an seinen Worten, das braucht man gar nicht zu leugnen. Es ist ja auch gut so.

Patricia Highsmith macht dem werdenden Schriftsteller – und al­len Leuten, die das Schreiben für eine leichte Kunst halten – mit unnachahmlich schlichten und doch so erbarmungslos eindring­lichen Worten klar, dass es alles das gewiss nicht ist. Sondern eben: harte Arbeit. Kaum ein Satz, der nicht der eigenen Zensur zum Opfer fällt, kaum ein Wort, das nicht auf der Goldwaage ge­wogen wird, kaum eine Szene, die ohne Blessuren durch das Lektorat kommt (vieles wird ersatzlos gestrichen).

Nehmen wir noch ein drittes, prägnantes Detail. Zu ihrem Ro­man DIE GLÄSERNE ZELLE sagt die Highsmith: „In der ersten Hälfte, die im Gefängnis spielt, musste ich sehr viel streichen, und das fiel mir oft schwer, denn ich hielt gerade diesen Teil für interessant. Dabei genügte das, was ich herausnahm, meinem Lektor noch immer nicht, ich musste später noch mehr strei­chen, im ganzen 105 Seiten.“

Doch sie hat nicht nur harsche oder desillusionierende Worte übrig für die Anfänger oder jene, die noch bereit sind, sich wei­terentwickeln zu wollen. Sie erklärt schließlich, dass es, ganz egal, was man schreibt, dabei am wichtigsten auf folgende Ei­genschaften ankommt, die einen Roman erst zum Roman mach­ten: „Scharfblick, Charakter, Horizonterweiterung für die Phan­tasie des Lesers.“

Wichtig sei es, dass „die erfundenen Menschen … wie wirkliche Menschen aussehen“ und man seinen „Spielgeist“ nicht einbü­ße, während man schreibe. „Spielgeist ist notwendig, wenn man einen Suspense-Roman aufbaut, damit die Phantasie freien Lauf hat.“

Ganz wichtig aber sei, in jeder Phase des Arbeitens, das Glücksgefühl. Was auch immer der angehende Schriftsteller vom Leben erwarte, im Wesentlichen ließe es sich darin zusam­menfassen, dass Schriftsteller eine recht unsichere Existenz ha­ben, aber während des Schreibprozesses ein Gefühl der Indivi­dualität des „Glücks des Schreibens“ empfänden, „das man nicht in Worte fassen und an einen anderen weitergeben“ kön­ne. Darin stimme ich ihr vollkommen zu.

Ein Schriftsteller“, fährt Highsmith fort, „hat ein ungebundenes und freies Leben; es gibt Härten … (z.B. die Finanz), aber das gehört bei diesem Spiel dazu.“ Und sie erklärt abschließend noch etwas sehr Wichtiges, was deprimieren könnte, aber nicht zwingend müsste: „Der Autorenverband hat festgestellt, dass in Amerika fünfundneunzig Prozent aller Schriftsteller ihr Leben lang einen Brotjob behalten müssen, um über die Runden zu kommen.“ Doch ihr Trost kommt gleich hinterdrein: „Wenn die Natur einem die Extrakraft dazu nicht gibt, dann wird die Liebe zum Schreiben und der Drang zum Schreiben sie geben.“

Es zeugt also keineswegs von mangelnder Befähigung oder missmutigen Lektoren und feindseligen Verlagsagenten, wenn man neben der Schriftstellerei auch noch einem Broterwerb nachgehen muss. Jeder Literat oder Möchtegernliterat ist primär ein Egozentriker und denkt an die Unwiderstehlichkeit seiner Prosa oder Lyrik. Doch wisse, schreibendes Wesen, es gibt Hun­derttausende von ihnen, und die wenigen Verlage und Lektoren werden täglich mit unendlich viel Material überschüttet, das wohlmeinende, sehr von sich selbst eingenommene junge Men­schen an sie schicken in der Hoffnung, von ihnen hänge die Se­ligkeit der gebildeten Volksschichten ab.

Verabschiedet euch von diesem Glauben, er ist irrig.

Der Markt ist, wie Highsmith zugibt, wählerisch, und er kann es sich erlauben, das zu sein. Schreiben ist Berufung, aber zu­gleich aktiver, ständiger Lernprozess. Und bis man eines Tages seinen Namen auf einem Buch gedruckt sehen wird, fordert der Weg dahin Schweiß und Tränen en masse. Und manchmal muss man ein paar Schritte zurückstecken, um letzten Endes ans Ziel zu gelangen.

Wer sich nicht entmutigen lassen möchte und im Gegenteil lern­eifrig und lernwillig ist, der ist mit diesem Buch gut beraten. Nehmt es zur Hand, lest es und macht das Beste aus den wirk­lich guten Ratschlägen, die darin stehen. Hilfreich sind sie in je­dem Fall.

© 2002, 2020 by Uwe Lammers

Ich sagte ja einleitend, das ist recht harter Tobak … aber sehr, sehr lesenswert und unglaublich lehrreich für alle, die sich von ihrem Traum, Autor werden zu wollen, nicht abbringen lassen. Möge es euch helfen.

Nächste Woche präsentiere ich euch entspanntere Kost, ver­traut mir.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Vgl. dazu den Rezensions-Blog 304 vom 20. Januar 2021.

Blogartikel 415: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 24

Posted Februar 14th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

da es gleich actiongeladen weitergeht, mache ich gar nicht vie­le Worte, sondern steige gleich in die Kurzdarstellung der nächs­ten fünf Episoden des KONFLIKTS 15 „Oki Stanwer“ ein, die ich im Jahre 1982 schrieb und dann ab 2002 digitalisierte. Diesmal geht es um die Episoden 11-15.

Rückblick: Als Oki Stanwer im Jahre 7473 in die Galaxis Milch­straße gelangt, gilt er als legendäre Gestalt, der Regent des un­tergegangenen okischen Imperiums (was in Wahrheit auf einer Matrixfehlererinnerung basiert, die aber sehr manifeste Hinter­lassenschaften in der Milchstraße aufweist). Zugleich will er nicht die ihm ebenfalls aufgedrückte Rolle als Vorkämpfer des Lichts akzeptieren, sondern einfach nur frei sein. Deshalb ist er – bzw. der Androidenkörper, den er bewohnt – aus der Kleinga­laxis Zoran geflüchtet.

Er hat aber keine Chance, ein selbstbestimmtes Dasein zu füh­ren, sondern wird über die Zwischenstation des Planeten Garos direkt zur Welt des Bösen expediert, nach TOTAM, wo er mit sei­nen Mitstreitern Thor Gordenbeyl, Marko Chang und dem Ritter vom Goldkristall, Yorrok, um seine Existenz kämpfen muss.

Denn Oki Stanwer selbst mag seine Rolle vielleicht nicht anneh­men – aber die Umwelt, von den in viele Kleinstaaten zersplit­terten terranischen Nationen einmal abgesehen – sieht das an­ders und verfolgt ihn unerbittlich. Während TOTAM offenbar un­tergeht und Oki und Thor die Flucht nach Poor Planet gelingt, tritt anderwärts ein neuer Akteur auf die Bühne des Schicksals: Klivies Kleines, ein Helfer des Lichts, der seinerseits von Atten­tätern verfolgt wird …

Episode 11: Das vergessene Raumschiff

(unklar, 1982, digitalisiert 2002)

Klivies Kleines ist auf der Zentralwelt seines Volkes knapp den mörderischen Verfolgern aus der Vereinigung der Extraterre­strier Killer Kommandos (EKK) entkommen. Ein Transmitterfeh­ler bringt ihn jedoch nicht an das intendierte Ziel. Stattdessen findet er sich in einem Oki-Kampfschiff wieder, das am Grunde eines Meeres der Zentralwelt vor über tausend Jahren „geparkt“ wurde. Der Oki-Großzerstörer Z-96.

Die Oki-Roboter sind grundsätzlich so programmiert, dass sie sowohl Oki Stanwer gehorchen sollen als auch seinem engsten Freund und Berater, dem „Helfer“ Klivies Kleines. Sie helfen ihm also bereitwillig, sehen sich aber außerstande, Kleines zu sei­nem rechtmäßigen Herrscheranrecht auf der Zentralwelt zu ver­helfen.

Schlimmer noch: als sie überraschend das Vitalsignal Oki Stan­wers registrieren, überlagert diese Loyalität ihre Bereitschaft, Kleines zu helfen, und das Schiff startet und steuert ungerührt Poor Planet an.

Hier kann Thor Gordenbeyl gerade noch verhindern, dass Oki Stanwer Atomwaffen gegen die terranischen Siedler der Welt abfeuert, die in einer alten Oki-Basis noch kampfbereit lagern. Oki Stanwer hat sich aber jetzt schon auf schreckliche Weise verändert – seine Haut ist inzwischen tiefschwarz, seine Augen nehmen eine ungesunde, glühend rote Farbe an. Auslöser ist ein Splitter aus TOTAM-Kristall, der ihn auf TOTAM verwundete.

Als die Okis landen und die beiden ausfindig machen, ist Oki Stanwer dem Tode nahe. Der einzige Ort, wo man ihm helfen kann, ist OKISTAN, die alte Medowelt der Okis, die nun umge­hend angesteuert wird.

Episode 12: Die Killer-Sporen

(unklar, 1982, digitalisiert 2002)

Blende in den Herrschaftsbereich der Terraner. Seit dem Voork-Krieg vor rund 1900 Jahren sind die menschlichen Kolonisten in rivalisierenden Sternenreichen etabliert. Eines davon ist eine Nation von Sternenkorsaren, die so genannten „Stardust-Flibus­tiers“ (SDF). Sie führen Krieg gegen andere Kleinsternenreiche irdischen Ursprungs.

Als die CAPTAIN KIDD unter Colonel John Marchant von der zen­tralen Welt New Port Royal zwischen den Sternen unterwegs ist, stößt die Besatzung auf rätselhafte Objekte, die wie riesenhafte Pflanzensamen aussehen und sich als pflanzliche Raumschiffe erweisen – und als feindselig.

Binnen kürzester Zeit sind die Männer an Bord des Schiffes in einen verbissenen Kampf um Leben und Tod verstrickt. Mit letz­ter Kraft gelingt einigen Überlebenden die Flucht mit einer Ret­tungskapsel, mit der sie die SDF-Flotte von General Cosmon vor der neu­en Gefahr warnen wollen. Einer der Überlebenden, der Insektoid Chork 83, der am Ende seinen Verletzungen erliegt, sagt, er würde diese Angreifer kennen – es seien die Kosmischen Spo­ren, und allein Flucht würde helfen …

Episode 13: Der mentale Krieg

(unklar, 1982, digitalisiert 2002)

Blende zu Oki Stanwer, Kleines, Thor Gordenbeyl und den Okis an Bord des Oki-Kreuzers Z-96, die sich auf dem Weg nach OKISTAN befinden und versuchen, Oki Stanwers Leben im Wett­lauf mit dem Tod zu retten.

Da der durch die auf TOTAM erlittene Verletzung ausgelöste Ver­fall seines Körpers unaufhaltsam voranschreitet, sehen sich die Okis genötigt, das Gehirn ihres „Kaisers“ aus dem Körper zu transplantieren und extern am Leben zu erhalten. Während dies geschieht, wehrt sich Okis Seele gegen die auf ihn eindringen­den negativen Energien. Drei Dämonen von TOTAM haben sich über die Wunde Zutritt zu seinem Körper verschafft, und der pa­rapsionische Kampf zwischen ihm und den Dämonen verwüstet das Schiff. Zwei Dämonen kann er in die Flucht schlagen, die in jene Sonnenballung zurückkehren, wo der schwarze Kristallpla­net zerborsten ist … und hier wird der Leser erschrocken Zeuge, dass sich diese Kristallwelt in rasantem Tempo wieder zusam­menfügt. Der so genannte Magnet-Effekt wird wirksam. Eine Zerstörung TOTAMS, so scheint es, kann allenfalls temporär sein, ein Zeitaufschub. Die Bedrohung durch die Macht des Bö­sen wird bald wieder so stark sein wie zu Beginn.

Und Oki Stanwer ist so geschwächt, dass sein Gehirn zuneh­mend weiter verfällt. In diesem prekären Zustand erreicht das Oki-Kampfschiff die Medowelt OKISTAN …

Episode 14: Okis Tod

(unklar, 1982, digitalisiert 2002)

Der Kreuzer Z-96 erreicht OKISTAN. Rettung für Oki Stanwer scheint greifbar nahe, denn es gibt hier den Komplex „Eisgruft“, in dem sein Überleben gesichert werden kann. Aber zum allge­meinen Schrecken ist OKISTAN ebenso furchtbar verändert wie alles, was vom okischen Imperium übrig ist (etwa auf Garos oder Poor Planet oder in der Galaxis Zoran). Die einstige Gartenwelt ist zu einer Ödnis geworden, alle Klinikkomplexe sind verfallen.

Der Kreuzer muss notlanden, und die direkte Konsequenz davon ist, dass Okis Gehirn verletzt wird. Es kann nun nicht mehr transportiert werden, ohne zu sterben – aber wenn es nicht transportiert wird, stirbt Oki Stanwer ebenfalls.

Um die Sachlage noch zu verschlimmern, erwacht auch der ge­hirnlose schwarze Körper Oki Stanwers zu unheiligem neuem Leben, beseelt von einem Dämon von TOTAM.

Und dann versiegen die Vitalsignale Oki Stanwers. Der Kaiser der Okis ist tot – und die Oki-Roboter verlieren jeden Lebens­mut. Sie folgen nun ihrer finalen Programmierung: Sie bringen Oki Stanwers Freunde von Bord und sprengen sich dann mit­samt dem Schiff kurzerhand in die Luft.

Oki Stanwers Seele aber wird von einer fremden Kraft abgefan­gen und vergeht nicht im Kosmos. Stattdessen reißt ihn diese Kraft in ein Paralleluniversum, in dem er sehen soll, was aus sei­ner Welt wird, wenn er nicht endlich sein Amt als Held des Lichts im Dienste der Sieben Lichtmächte antritt …

Episode 15: Hineingestoßen ins Nichts

(unklar, 1982, digitalisiert 2002)

Oki Stanwer ist gestorben, und seine Seele wurde vom WÄCH­TER, dem amtierenden Matrixkoordinator, in ein Paralleluniver­sum eingeschleust, in dem sie sich selbsttätig einen neuen Wirtskörper sucht. Zu Okis Schrecken weist dieser keine eigene Seele auf – es handelt sich um einen maskierten Totenkopf, der auf einer terranischen Siedlerwelt unterwegs ist. TOTAM unter­wandert hier zielstrebig mit seinen monströsen Truppen die Ga­laxis.

Er schließt daraus, dass dieser „Spuk“ erst dann ein Ende haben kann, wenn er nach TOTAM gelangt und den Dämonenplaneten ein weiteres Mal vernichtet.

Blende nach OKISTAN: Nach der Zerstörung des Oki-Kreuzers zerstreiten sich Klivies Kleines und Thor Gordenbeyl und gehen getrennte Wege. Dummerweise hat auch Oki Stanwers untoter Körper, jetzt ein SCHWARZER MANN, beseelt von einem Dämon von TOTAM, die Vernichtung des Schiffes überstanden. Er ruft psionisch einen TOTAM-Kreuzer, und zu allem Unglück entdeckt deren Totenkopf-Besatzung Kleines und paralysiert ihn, um ihn an Bord zu holen und die Stützpunktwelt Torom anzusteuern.

Thor irrt seinerseits, ohne die obigen Ereignisse mitzubekom­men, durch die Ruinen von OKISTAN und findet hier einen gelan­deten terranischen Torpedoraumer. Auch er wird paralysiert und findet sich in einer Gefangenenzelle wieder mit einem hageren Mann, mit dem er sich anfreundet: Pater Joseph Ghastor vom Galaktischen Glaubens-Konsortium.

So driften die Wege der drei Gefährten dramatisch auseinander, und in gewisser Weise sind sie alle drei Gefangene des Schick­sals, das nur Übles für sie im Gefolge zu haben scheint …

Im kommenden Teil der Close Up-Artikel geht es weiter um Okis und Thors und Ghastors Abenteuer, während ich mich um Klei­nes‘ Schicksal deutlich später wieder kümmere. Aber ihr merkt schon an der windungsreichen, actionlastigen Geschichte, dass diese frühe OSM-Serie sehr viel dramatischer Geschwindigkeit aufnahm. Das wird noch wilder, versprochen. Mehr dazu in Bäl­de.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 307: Das Osiris-Komplott

Posted Februar 9th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Clive Cussler und seine Coautoren sind bekannt für ihre singulä­ren Romane, will sagen: solche Werke, die üblicherweise nur durch das gleiche Personal zusammengehalten werden. Crossover gibt es nicht … nun, gab es nicht, sollte man sagen, bis heute. Denn im vorliegenden Roman wird auf ein Geschehen angespielt, das in dem Rezensions-Blog, den ich in 5 Wochen hier hochladen werde, seine Entsprechung findet. Und eine Sze­ne des folgenden Romans kann man aus antagonistischer Per­spektive auch in dem dortigen Roman eines anderen Coautoren (!) Cusslers entdecken.

Es lag darum sehr nahe, beide Romane zeitnah nacheinander zu lesen und zu entdecken, wie sich das Mosaik zusammenfügte. Da haben sich zwei Autoren wirklich extrem gut abgestimmt, muss ich sagen. Der volle Reiz dieser erwähnten Szene entfaltet sich also nur, wenn man beide Romane liest. Und mir will schei­nen, dass es ähnliche Konstruktionen nach Clive Cusslers kürz­lich erfolgtem Tod noch häufiger werden sollten. Es scheint schon ein Crossover zwischen Isaac Bell und den Fargos zu ge­ben … was unmöglich erscheint, da sie buchstäblich in zwei ver­schiedenen Jahrhunderten leben (und nein, ich denke nicht, dass sie dafür dann eine Zeitmaschine benötigen).

Doch zurück zu dem heutigen Werk. Was mit einem monströsen Giftgasangriff auf der Insel Lampedusa beginnt, verwickelt Kurt Austin und seinen Kompagnon und Kollegen Joe Zavala auf bi­zarre Weise in eine aberwitzige Jagd nach ägyptischen Artefak­ten. Und wer beispielsweise die Fargo-Abenteuer von Cussler & seinen Coautoren gemocht hat, wird sich hier im neuesten NU­MA-Abenteuer wieder mal bestätigt finden.

Inwiefern alle Wege irgendwie nach Ägypten führen und warum dort eine Dürrekatastrophe eine Kette von Staatskrisen auslöst, das sollte man selbst nachlesen. Vorhang auf also für dieses Werk:

Das Osiris-Komplott

(OT: The Pharaoh’s Secret)

Von Clive Cussler & Graham Brown

Blanvalet 0361

April 2017, 9.99 Euro

512 Seiten, TB

Übersetzt von Michael Kubiak

ISBN 978-3-7341-0361-2

Man schreibt das Jahr 1798, als ein ambitionierter korsischer Mi­litärbefehlshaber den Plan fasst, das britische Empire an einem seiner empfindlichsten Punkte anzugreifen – in Ägypten. Aber der Feldzug des Napoleon Bonaparte endet in einem schmach­vollen Desaster, das unter anderem zur Versenkung seines Flaggschiffs L’Orient in der Bucht von Abukir führt. Zugleich er­möglicht ihm dieses militärische Fiasko allerdings bald darauf auch den Aufstieg zum Kaiser der Franzosen und stürzt Europa in einen Krieg ungeahnten Ausmaßes.

Teil von Napoleons Strategie war gleichzeitig aber die kulturelle Durchdringung des legendären und nachgerade mythischen Pharaonenreiches, das nach der Ägypten-Expedition ein atem­beraubendes Orientfieber in Europa entzünden würde. Zahlrei­che so genannte „Savants“, also Gelehrte, erschlossen die kul­turellen Schätze des Nilreiches und schufen mit der Desciption de’l Egypte eine vielbändige, prachtvoll illustrierte Dokumenta­tion dieses Abenteuers. Die kulturelle Ernte von Napoleons missglücktem Feldzug erwies sich also als deutlich fruchtbarer als sein militärischer Wert.

Zu den Gelehrten, die in Napoleons Gefolge unterwegs waren, zählte ein Mann namens Emile D’Campion, und er hatte eine ganz besondere Entdeckung für den Kaiser der Franzosen ge­macht, buchstäblich das Geheimnis über Leben und Tod, das einst in der Stadt der Toten am Nil gehütet worden war. Der Le­gende nach stammte es vom grüngesichtigen Totengott Osiris höchstpersönlich. Aber das Geheimnis geht in den Wirren der Evakuierung aus Ägypten verloren – bis zur Gegenwart.

Als dort vor der Insel Lampedusa der Frachter M.S. Torino hava­riert, wird eine grauenhafte, finstere Wolke freigesetzt, die die Mittelmeerinsel einhüllt. Tiere fallen vom Himmel, Menschen al­ler Altersstufen fallen regungslos um, wo immer sie sich befin­den. Und eine Ärztin, die sich offenbar aus weiser Voraussicht in einem Krankenhaus verbarrikadiert hat, ruft funktechnisch um Hilfe. Wieso gerade Dr. Renata Ambrosini auf diesen Störfall oder was immer es gewesen sein mag, so gut vorbereitet war, bleibt anfangs noch ein Geheimnis – aber zu ihrem großen Glück erreicht der Funkspruch patente Personen.

Kurt Austin und Joe Zavala von der NUMA sind in relativer Nähe dabei, die untermeerischen Ausgrabungen an antiken Schiffs­wracks zu leiten – insofern passt das Titelbild durchaus zu ei­nem guten Teil, was ja durchaus nicht selbstverständlich ist – , und sie eilen zu Hilfe. Da es sich offensichtlich um eine Art Gift­gaswolke handelt, machen sie sich in Vollkörper-Taucheranzügen auf den Weg und wandeln bald durch ein schreckliches Geister­land, in dem es offenbar nur noch fünftausend Tote gibt, darun­ter einige NUMA-Mitarbeiter, die an Land stationiert waren. Dummerweise gibt es aber eine Person, die gegen die Verseu­chung immun war, und die ist unterwegs, um Dr. Ambrosini und alle bei ihr Geretteten umzubringen. In letzter Minute gelingt es Austin, den Attentäter auszuschalten. Spätestens danach ist ihm klar: das war kein einfacher Störfall, sondern ein Biowaffen­angriff oder etwas sehr Ähnliches – auf alle Fälle eine Art von terroristischem Anschlag.

Verrückterweise stellt er bald danach ebenfalls fest – die „Toten“ sind nicht wirklich vollständig tot, sondern sie befinden sich in einem tiefen Koma, aus dem man sie vielleicht wieder wecken kann, sofern binnen weniger Tage ein Heilmittel entdeckt wird. Aber Dr. Ambrosini, die eigentlich dem italienischen Geheim­dienst angehört, tappt im Dunkeln, was die Verursacher der At­tacke angeht, und auch der tote Attentäter hat seine Spuren wirkungsvoll verwischt.

Die Ärztin ist in die Angelegenheit schon länger involviert und verfolgt die Spuren, die nach Malta führen und dort zum Ozea­nographischen Museum und einem Wissenschaftler namens Dr. Kensington. Leider ist ihnen die Organisation, die hinter all den kriminellen Machenschaften steckt, um einen entscheidenden Schritt voraus, und ehe Kensington überredet werden kann, den NUMA-Männern relevante Informationen zu geben, wird er durch ein Attentat getötet.

Was jedoch der vermeintliche Giftgasanschlag auf Lampedusa, historische Aufzeichnungen aus dem Pharaonenreich und ein rätselhaftes Versiegen der Grundwasservorräte in Nordafrika miteinander zu tun haben und inwiefern die Organisation „Osi­ris“ des Fanatikers Tariq Shakir darin involviert ist, das erweist sich als ein durchaus windungsreiches, schwer durchschaubares Geflecht von Verbindungslinien, in dem offenbar die Villains ständig die Oberhand haben. Es bedarf des ganzen Einfalls­reichtums von Kurt Austin, Joe Zavala und ihrer Mitstreiterin Dr. Ambrosini, um die Gefahr letzten Endes vollständig zu entschlei­ern und zu entschärfen …

Also, man kann nicht sagen, dass ein Cussler-Kooperationsro­man mit Graham Brown jemals wirklich langweilig wird, ganz gewiss nicht. Ob man sich unvermittelt mit einem Kleinst-Kipp­laster in den maltesischen engen Gassen von La Valetta auf Ver­folgungsjagd befindet, ob man eine Unterwasser-Ausgrabungs­stätte mit einem Klein-U-Boot angreift, ob man sich in einem un­terirdischen Minenlabyrinth eine Verfolgungsjagd liefert und da­bei auf „antike“ italienische Kampfpanzer stößt (und auf pha­raonische Schätze; letztere werden leider sehr despektierlich behandelt) … Langeweile ist hier wirklich ausgeschlossen. Man wird immer wieder verblüffend überrascht.

Was mich an zwei Stellen sehr positiv überraschte, war Folgen­des: Normalerweise sind Cussler-Romane ja im Wesentlichen in sich abgeschlossene Abenteuer, die zu anderen Vorgängerroma­nen nur über das Personal Verbindung besitzen. Das ist in die­sem Roman deutlich anders. Denn ebenso wie der Roman „Höl­lensturm“ spielt er zu wesentlichen Teilen in Ägypten und be­zieht das damalige lokale Personal mit ein, weswegen man zum vollständigen Genuss diesen Roman vorab gelesen haben sollte. Außerdem rekurriert das Buch ziemlich ungeniert auch auf den Vorgängerroman „Todeshandel“, so dass sich dessen Lektüre ebenfalls empfiehlt.

Besonders kokett fand ich dann allerdings ein überraschendes Crossover, mit dem ich am allerwenigsten gerechnet hatte – während eines nächtlichen Einbruchs in ein Museumslager sto­ßen Austin und Zavala nicht nur auf die Bösen, sondern auch auf ein Pärchen, das ihnen seltsam bekannt vorkommt: auf nie­mand Geringeren als Juan Cabrillo und eine Partnerin, also den Leiter der „Corporation“ aus der Romanreihe der OREGON-Aben­teuer. Da war ich doch einigermaßen perplex. Wichtiger noch als das ist aber, dass dieses Crossover eine Brücke zum annä­hernd zeitgleich erschienenen OREGON-Abenteuer „Schatten­fracht“ darstellt (Rezension ist in Arbeit). Das im vorliegenden Band nur peripher erwähnte Tagebuch des Kaisers Napoleon spielt dort dann eine zentrale Rolle, und es steht zu erwarten, dass diese Lagerraum-Szene dort aus Juan Cabrillos Sicht darge­stellt werden dürfte.

Das ist, soweit ich das beurteilen kann, das erste Mal, dass Coautoren von Cussler aus verschiedenen Romanreihen so enge Kooperation betreiben. Möglicherweise ist das eine interessante Neuerung, die in Zukunft nach Clive Cusslers im Jahre 2020 er­folgten Tod noch öfter auftreten wird. Ich fand das äußerst reiz­voll, muss ich gestehen.

Alles in allem haben wir hier ein rasantes, aber nicht ausschließ­lich auf Tempo geschriebenes, einfallsreiches und geschickt ge­machtes Abenteuer vor uns, das das bekannte NUMA-Personal einbezieht, in vielerlei Bereichen aber nur schwer vorhersehbar ist. Man kann natürlich kritisieren, dass die Vita etwa des Scharfschützen „Skorpion“ quasi nicht existiert und dass auch Hassan, die Nr. 2 der Osiris-Organisation eher schematisch ge­rät, aber das tut dem Lesevergnügen nur geringen Abbruch.

Ein wenig mehr Bezug zum englischen Originaltitel hätte ich mir natürlich schon gewünscht und auch, dass nicht gar so garstig mit den pharaonischen Hinterlassenschaften umgegangen wird, wie es hier der Fall ist – das tat mir als Fan des alten Ägypten durchaus manchmal weh.

By the way – als ich speziell diese Szenen las, in denen Krokodi­le und die Pyramiden vorkamen, musste ich unvermeidlich an das erste Blake & Mortimer-Comicalbum „Das Geheimnis der Großen Pyramide“ denken, das ich vor kurzem wieder las und rezensierte … die dadurch ausgelösten Bilder im Kopf, die viel­leicht auch Graham Brown mit inspiriert haben mögen, halfen sehr bei der bildhaften Ausgestaltung der Lektüre.

Doch ungeachtet all dieser besserwisserischen Kommentare hat mir der Roman sonst ausgezeichnet gefallen. Klare Leseempfeh­lung von meiner Seite.

© 2020 by Uwe Lammers

Braunschweig, den 1. Mai 2020

Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass wir in der kommenden Woche noch bodenständiger werden und uns dann von einer versierten Krimi-Autorin in ihre Schreibgeheim­nisse einführen lassen.

Neugierig geworden? Dann schaut kommende Woche wieder herein!

Bis dann macht es gut.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 414: Legendäre Schauplätze 21: Ursinoon

Posted Februar 7th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

die Planung für diesen Blogartikel sah eigentlich anders aus, als ich es jetzt umsetze – nicht dass ich den Schauplatz anders ge­wählt hätte, aber meiner Hoffnung zufolge wäre der Hintergrund schon besser ausgeleuchtet gewesen durch Veröffentlichung weiterer E-Books.

Aber ihr wisst ja inzwischen: dann kam die Corona-Pandemie dazwischen, und mein Zeitbudget, das für das Schreiben von E-Books und Blogartikeln frei wäre, wurde durch meine erfreuliche neue Beschäftigung an der Universität dramatisch verknappt … und damit gingen all meine hochfliegenden Pläne bezüglich wei­terer E-Books für das Jahr 2020 den Bach herunter (vgl. dazu den Silvesterblog 2020, ich mag mich hier nicht weiter wieder­holen).

Geplant war, im Jahr 2020 wenigstens das E-Book „BdC 2 – Ge­strandet in Bytharg“ zu veröffentlichen, optimalerweise auch „BdC 3 – Unter Feinden“. Das hätte insofern Sinn gemacht, weil ich in Band 3 den Handlungsschauplatz Ursinoon wieder aufnehmen wollte. Ihr versteht sicherlich, dass ihr, die ihr bis­lang nur in „BdC 1 – Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“ zu sehen bekommen habt, eher nicht den Eindruck bekommen konntet, dies sei ein „legendärer Schauplatz“.

Zugegeben, im Vergleich etwa zu TOTAM (Teil 20 dieser Artikel­reihe) ist Ursinoon natürlich recht glanzlos. Und ich gestehe auch ein, dass manche Buchstabengruppen dieser Artikelreihe ein wenig mit Verlegenheitslösungen gefüllt wurden, um über­haupt einen namhaften Schauplatz zu haben. Das wird schät­zungsweise später auch so in der Artikelreihe über „Legendäre Völker“ der Fall sein, an deren Planung ich für den Herbst 2021 arbeite.

Folglich kann ich heute, um euch nicht gar zu viel von der na­hen Zukunft zu verraten, nur vergleichsweise wenig über diese Welt erzählen.

Ursinoon ist ein Planet in KONFLIKT 12, also der OSM-Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“, das ergibt sich aus dem oben Gesagten. Schauen wir mal kurz, was ich vor rund 30 Jahren im Lexikon der gleichnamigen Serie dazu schrieb:

Zweiter Planet der Sonne Xertohn im Heimatsystem der Tasva­ner in der Kleingalaxis Pholyar. Einstmals dritter Planet, jedoch zweiter noch bewohnbarer. Der ehemalige 2. Planet wurde durch eine kosmische Katastrophe zerstört und zum Asteroiden­ring.

U. ist eine kalte Welt, zwei Drittel des Jahres über herrscht dort Winter. Teile sind das ganze Jahr über gefroren. Die höchsten Temperaturspitzen liegen bei 22 Grad plus. Auf U. gibt es nur drei Städte, die auf Plateaus liegen und in die Sockel von Tafel­bergen eingearbeitet sind. Sie dienen dem Erztransport und dem Bau von Überlichtschiffen. U. hat keine Monde.

Nach der Invasion der Neuen Herren beginnen die Raumpiloten der Tasvaner zu meutern, und sie können der Kontrolle der Inva­soren entkommen, indem sie sich in eine alte Station der tasva­nischen Siedler in den nahen Bergen flüchten.“

Das ist natürlich alles sehr kursorisch, verständlicherweise. Par­tiell ist das sogar veraltet, denn die Überlichtschiffe werden ei­gentlich nicht mehr auf Ursinoon gefertigt, sondern auf dem Mond von Tasvaan, der Nirtaan heißt. Das macht aus energie­ökonomischen Erwägungen heraus auch Sinn, da Nirtaan im Ge­gensatz zu Ursinoon keine Atmosphäre trägt.

Was allerdings stimmt, das ist das Faktum, dass der eisige Pla­net Ursinoon als Stützpunkt für die Raumpiloten und Erzfrach­terbesatzungen dient, die im Asteroidengürtel des Tasvanor-Sys­tems unterwegs sind.

Was man eher nur kursorisch im ersten BdC-E-Book zu Gesicht bekommt (und wozu ich später im dritten Band der Serie mehr sagen werde), das ist das Geheimnis, auf das der rätselhafte Resacohn die flüchtenden Raumpiloten aufmerksam macht.

Es gibt tatsächlich mindestens einen alten Stützpunkt auf dieser Welt, und ich deute nur mal kurz an, dass der nicht von Tasva­nern errichtet worden ist. In einer gewissen Weise ist er eine Brücke zu den Sternen, mit der die flüchtenden Raumpiloten nicht gerechnet haben, und von hier aus werden sie zu einem Abenteuer aufbrechen, das sie sich in ihren kühnsten Alpträu­men nicht ausgemalt haben.

Nein, dazu kann ich noch nicht mehr sagen, das wäre Spoilern auf sehr hohem Niveau. Lasst euch da mal besser überraschen von dem, was kommt.

Was kann ich zu Ursinoon noch erzählen. Wie oben geschrieben steht, gibt es drei Plateaustädte auf der Welt. Die Atmosphäre Ursinoons wird von einer robusten, immergrünen Vegetations­decke erzeugt, die aufgrund der Tatsache der wirklich extrem kurzen wärmeren Perioden einen außerordentlich langsamen Lebenszyklus besitzt. Man kann also davon ausgehen, dass die­se Vegetation, zu der ich bislang noch nichts Näheres aussagen konnte, gleich irdischen Mammutbäumen vermutlich jahrtau­sendealt wird.

Aber wir sind hier natürlich nicht bei Ray Bradbury, der in sei­nen „Mars-Chroniken“ allen Ernstes Bauholz von der Erde zum Mars expedieren ließ, um hier amerikanische Frontier-Städ­te zu bauen. Wir wissen heutzutage, dass die Nutzlastkosten buchstäblich astronomisch wären. Dann hätte er die Häuser auch gleich aus Gold oder Platin bauen können, das wäre ver­mutlich preiswerter gewesen … wer also glauben sollte, dass die Tasvaner von Ursinoon Holz nach Tasvaan verschiffen, der traut den Echsenwesen wirklich keine kaufmännische Effizienz zu.

Nein, Ursinoon ist, was die Vegetation angeht, ein klares Zu­schussgeschäft. Alles, was auf dieser Welt angebaut wird, ge­deiht klimatisiert in den künstlichen Höhlendomen der Plateau­städte. Es ist anzunehmen, dass abgesehen von einer Oberflä­chenkartierung durch Orbitalsatelliten kaum so etwas wie Stra­ßensysteme oder externe Siedlungen existieren. Dafür sind die Kosten zu hoch und die Anreize zu gering. Folgerichtig konzen­triert sich die Besiedlung auf die drei Plateaustädte, wo alle Pro­duktions- und Erzverarbeitungsanlagen liegen. Nur Halbfabrika­te und Fertigfabrikate, so denke ich es mir, werden von hier aus systemeinwärts oder mit extrasystemischen Schiffen zu den tasvanischen Kolonien verschifft.

Als die Neuen Herren kommen und das tasvanische Reich im Handstreich besetzen, tun sie das – wie ihr aus dem ersten BdC-E-Book wisst – auch mit Ursinoon. Vorerst ist diese Welt also ok­kupiert, und nur ein paar Piloten unter Resacohns Führung sind noch flüchtig.

Es sieht grundsätzlich schlecht für die Geflohenen aus … aber wir ihr im dritten BdC-E-Book erleben werdet, täuscht dieser Eindruck.

Und damit ist Ursinoon als Handlungsschauplatz auch nicht gänzlich verschwunden. Zwar werden für lange Zeit andere Orte wichtiger werden … doch Ursinoon solltet ihr immer im Hinter­kopf behalten, da geschieht noch einiges von Bedeutung. Leider darf ich dazu noch nichts Näheres sagen. Deutlich anders wird das im nächsten Artikel dieser Reihe ausfallen, und dann kann ich auch wieder eine Reihe von prägnanten Zitaten bringen, die hier und heute fehlen.

Soviel also für heute (und ich kann eure unzufriedenen Mienen bestens verstehen, meine sieht sehr ähnlich aus). Im nächsten Artikel blicken wir 45 Milliarden Handlungsjahre in die Zukunft und in einen völlig anderen Sektor des Universums.

Wohin es uns dann verschlägt, da lasst euch mal überraschen.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 306: Sherlock Holmes und Jack the Ripper

Posted Februar 2nd, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

na klar, das konnte nur eine Frage der Zeit sein, nicht wahr, bis die bestimmte Frage aufkam: Sowohl Sherlock Holmes (wenn man von seiner realen Existenz ausgehen könnte) wie der Mas­senmörder Jack the Ripper, der nie gefasst wurde – soweit man weiß – , agierten zur gleichen Zeit in derselben Metropole, näm­lich London. Also musste unvermeidlich die Frage aufkommen, wie Arthur Conan Doyle so blind sein konnte, seinen legendären Detektiv nicht auf diesen Kriminellen anzusetzen.

Nun, natürlich gab es diverse literarische Versuche, dies hier ist einer davon. Ein weiterer, und deshalb kam mir das Buch so un­glaublich vertraut vor, ist die Filmversion, auf der dieses Buch mutmaßlich fußt, ein Film, in dem die junge Judi Dench – man kennt sie heutzutage besonders aus den James Bond-Filmen in der Rolle der „M“ – eine nicht unmaßgebliche Rolle spielte. Der Film heißt „A Study in Terror“ (1965) und ist durchaus sehens­wert. Dieser kommt allerdings glücklicherweise ohne die närri­schen und störenden Interventionen eines gewissen Ellery Queen aus.

Ihr merkt schon, ich bin von dem Roman nur bedingt angetan. Aber wer ein eingefleischter Sherlock-Fan ist, mag vielleicht da­nach suchen. Darum Vorhang auf für den Roman dieser Woche:

Sherlock Holmes und Jack the Ripper

(OT: Ellery Queen vs. Jack the Ripper. A Study in Terror)

Ein Ellery Queen-Krimi

von Ellery Queen (alias Frederic Danney und Manfred Benington Lee)

DuMont’s Kriminal-Bibliothek 1017

216 Seiten, TB, 1989

ISBN 3-7701-2188-0

Aus dem Amerikanischen von Manfred Allié

Warum, so fragt man sich seit mehr als hundert Jahren, hat sich wohl der legendäre Detektiv Sherlock Holmes aus der Baker Street in London, der anerkanntermaßen im Zeitfenster zwi­schen 1880 und 1914 in London und im südlichen England wirk­te und Kriminalfälle mit scharfsinniger Klugheit und Kaltblütig­keit löste, sich wohl nie um den wohl blutrünstigsten und rätsel­haftesten Killer gekümmert, der im Jahre 1888 im nebligen Lon­don sein Unwesen trieb und wenigstens fünf Frauen auf bestiali­sche Weise ermordete?

Warum ermittelte Sherlock Holmes niemals gegen Jack the Rip­per?

Lassen wir die Bemerkung mal außer Betracht, dass Holmes eine literarische Figur ist – und fragen uns, ob es denn wirklich keinen Ansatz von dieser Seite her gab, dem Schlächter von Whitechapel auf die Spur zu kommen? Nun, einen solchen Ver­such wenigstens gab es schon.

So vermittelt es uns der vorliegende Roman, der uns gerade­wegs zurück führt in den düsteren Abgrund des Londoner Ar­menviertels Whitechapel und das Duo Holmes und Watson in der Tat ermitteln lässt.

Und alles kommt folgendermaßen ins Rollen …

Der Krimischriftsteller Ellery Queen (der, wiewohl selbst ein Pseudonym und damit eine fiktive Gestalt, hier als reale Gestalt behandelt wird, womit sich zusammen mit Holmes und Watson schon drei Phantome auf diesen Seiten tummeln, die sich mate­riell manifestieren – eine Konstellation, die nicht ohne Reiz ist) plagt sich mit seinem neuen Romanskript, als ihn der Freund und die millionenschwere Nervensäge Grant Ames III. aufsucht. Er trinkt ihm seinen Gin weg und tischt ihm eine obskure Ge­schichte auf. Nach Besuch bei einer Party fand er ein altes Ma­nuskript in seinem Auto, das er bei Ellery Queen abgeben solle.

Die Seiten, offenbar aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stam­mend, scheinen ein unbekanntes Sherlock Holmes-Werk aus der Feder von Dr. John Watson zu sein. Und dieses auf Herbst 1888 datierte Werk beschäftigt sich mit nichts Geringerem als der Jagd des Meisterdetektivs auf die mordende Bestie von Whitechapel, Jack the Ripper.

Zunächst erhält Holmes ein Chirurgenbesteck zugestellt, dem das Skalpell fehlt. Ein verborgenes Wappen führt zur Adelsfami­lie derer von Shires. Der Herzog, dem Holmes das Besteck zu­rückgeben will, verleugnet, es zu kennen, ungeachtet des Wap­pens. Er meint aber, es habe wohl seinem verstorbenen Sohn Michael gehört, über den er nicht bereit ist, mehr zu erzählen.

Als Watson und Holmes auf dem Rückweg über den zweiten Sohn des Herzogs stolpern, Lord Carfax, und seine kleine Toch­ter Deborah, da entdecken sie, dass Michael vermutlich nicht tot ist, sondern nur für tot erklärt wurde, weil er eine Prostituier­te geheiratet hat, während er in Paris Medizin studierte. Sein Va­ter hat ihn von da ab verstoßen.

Von dort führen die Recherchepfade in die verschlungenen Gas­sen von Whitechapel, zu einem undurchsichtigen Pfandleiher, einem Armenhaus und einer benachbarten Leichenhalle sowie zu einem verrufenen Gasthaus. Und wiewohl Holmes eigentlich kein Interesse verspürt, sich mit Jack the Ripper zu befassen, führen die verheerenden Pfade doch direkt zu diesem Ungeheu­er hin und unausweichlich zur direkten Konfrontation …

Ich muss zugeben, ich habe das Buch – sehr kurzweilig ge­schrieben übrigens, ungeachtet aller Kritik – binnen von zwei Ta­gen neugierig verschlungen. Aber ab Seite 126, als mir ein un­entschuldbarer Kanon-Verstoß auffiel, hat mein Interesse doch sehr deutlich nachgelassen. Da elf von 24 Kapiteln brüske Aus­brüche aus der Handlungsvergangenheit darstellen, wird man als Leser doch immer wieder auf unschöne Weise aus der Hand­lung gerissen. In dem offenkundigen Versuch, witzig zu sein, er­reichen die beiden Autoren, wenigstens bei mir, der ich noch keine weiteren Ellery Queen-Romane kenne, dass eine gewisse unterschwellige Dauerfrustration eintritt.

Ich möchte daran zweifeln, dass ich der charakteristische Ellery Queen-Leser bin oder werden kann, wenn dieser Roman sym­ptomatisch für ihre Art des Schreibens ist. Kurz gefasst wäre der vorliegende Stoff wohl nur für eine Novelle tauglich gewesen. Das Buch macht darum einen etwas „aufgepumpten“ Eindruck, wenn man mir die wenig schmeichelhafte Bemerkung gestattet.

Da man Toten nichts übermäßig Unschönes nachsagen soll – die Verfasser sind 1982 bzw. schon 1971 verstorben, das Buch selbst anno 1966 entstanden – möchte ich mich mal kurz halten bei dem entdeckten Fehler, der unabweislich belegt, dass es sich entgegen der suggerierten Fiktion hierbei natürlich nicht um ein Originalmanuskript von Dr. Watson (aka Arthur Conan Doyle) handelt. Auf der Suche nach einer Erklärung, wer hinter den Vorkommnissen rings um Michael und das Chirurgenbesteck wohl die Fäden ziehen mag, kommt Watson auf Seite 126 auf die Idee, es könne „Professor James Moriarty“ sein, was Holmes sofort zurückweist.

Ich dachte, ich bekomme gleich Zahnschmerzen.

Moriarty, der „Napoleon des Verbrechens“ und großer Antago­nist von Sherlock Holmes, wird erstmals von Watson in der Ge­schichte „Das letzte Problem“ erwähnt. Danach ist Holmes aber bekanntlich 3 Jahre verschwunden gewesen und wurde für tot erklärt. Wenn man, wie die gängige Chronologie recht über­einstimmend aussagt, den Reichenbach-Vorfall (und Holmes´ wie Moriartys vermeintlicher Tod) in das Jahr 1890 oder 1891 datiert, so kann Watson von Moriarty erstmals dann erfahren haben. Was also hat Moriarty in einem Fall zu suchen, der fast tagesgenau in den Herbst 1888 datiert ist?

Richtig: gar nichts.

Da Watson solche Erinnerungsfehler wohl selbst in hohem Alter nicht unterlaufen wären, liegt der Fehler eindeutig bei schlampi­ger Vorrecherche der Verfasser. Der Grund für Moriartys Auftau­chen ist zugleich so plump wie verständlich: die Autoren such­ten händeringend nach einem Schurkennamen, den sie als „spi­ritus rector“ für das Verbrechen heranziehen könnten, und der einzige, der ihnen einfiel und den Doyle jemals (abgesehen von Irene Adler, die hier aber allein schon aus geschlechtsspezifi­schen Gründen nicht in Betracht käme) in seinem Werk genannt ist, ist eben: Moriarty.

Peinlich, weil sofort als Fehler zu erkennen, bleibt das gleich­wohl.

Noch peinlicher fand ich, dass auch dem Verfasser des durchaus sehr tiefgründigen Nachwortes, Volker Neuhaus, dieser Lapsus nicht auffiel. Womit er leider ebenfalls dokumentierte, dass er zwar in den Marginalia im Falle Doyle sowie in der Literaturge­schichte der Holmsiana gut bewandert ist, hier aber einen be­trüblichen blinden Fleck aufweist und die Chronologie nicht wirklich beherrscht.

Der Fall selbst … nun ja, Ellery Queen beweist einiges analyti­sches Geschick, das das eines Dr. John Watson in diesem Fall deutlich übertrifft. Aber wenn man sich mal die relativ schmale Basis an Verdächtigen ansieht und die Hintergrundmotive, dann muss man sich schon fragen, warum der Detektiv so lange er­kennbar im Trüben fischt, ehe er auf dramatische Weise einer Nebenspur nachgeht und das Grauen dann schließlich – mit massiver Mithilfe Dritter – doch noch zum Abschluss bringen kann.

Interessant sind natürlich gewisse Details, die darauf schließen lassen, dass die Romanverfasser sich zumindest ein kleines bisschen in die Ermittlungen im Fall Jack the Ripper eingelesen hatten.1 So wird verschiedentlich angedeutet, dass vermögende Personen in die Geschichte verwickelt gewesen sein könnten (es gibt Spekulationen, die das britische Königshaus in die Angele­genheit hineinzogen – was hinreichend Anlass für Vertuschungs­aktionen gewesen wäre). Und es gibt zumindest eine Passage, die auf einen Maler hindeutet. Erst 2002 ging die Krimiautorin Patricia Cornwell diesen Indizien nach und schloss, dass der Ma­ler Walter Sickert in Wahrheit Jack the Ripper gewesen sei.2 Die tatsächliche Identität des Rippers ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt.

Die Gesamtanalyse des vorliegenden Romans ergibt darum für mich das Bild eines klassischen Trittbrettfahrers, das Endergeb­nis ist entsprechend durchschnittlich. Um es böse zu formulie­ren: den Verfassern fiel gerade kein gescheiter Krimistoff ein, also griffen sie auf ein fiktives Manuskript von Dr. John Watson zurück, klaubten ein paar Fakten zu Whitechapel und Jack the Ripper und kochten daraus ein unterhaltsames kleines Kri­misüppchen … mit dem bedauerlichen Nachteil, dass man rela­tiv bald unter besserer Berücksichtigung der Motive ahnt, wer der Mörder unweigerlich sein MUSS. Auch wenn Watsons Tage­buch hartnäckig einen anderen Kandidaten ins Visier nimmt.

Netter Versuch, aber nicht wirklich als gelungen zu bezeichnen (in den Ellery-Kapiteln spürt man ständig den Widerwillen, sich des Stoffes ernsthaft anzunehmen … für Leser nicht eben ange­nehm!). Echte Holmsianer wären davon mit Fug und Recht ziemlich enttäuscht, und jeder, der sich im Fall des Jack the Rip­per ein wenig auskennt, ebenso. Ein bisschen mehr Mühe hätte hieraus ein interessantes Werk gemacht – so blieb es leider Durchschnitt, gerade einmal geeignet für ein oberflächliches, vermutlich primär amerikanisches Leseklientel. Oder für uner­schütterliche Ellery Queen-Fans, die gibt es vielleicht ja auch.

© 2019 by Uwe Lammers

Versprochen, Freunde, in der kommenden Woche wird es wieder deutlich interessanter. Da landen wir – mal wieder, mag manch einer von euch seufzend sagen – bei Clive Cussler & Co., aber der Roman hatte eine bemerkenswerte Überraschung in petto.

Mehr dazu in der kommenden Woche.

Bis demnächst, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

(BS, 10. Juli 2020)

1 Allerdings nicht sehr gründlich, wie mir scheinen will, wenn man sich die Chronologie der Morde anschaut. Mary Ann „Polly“ Nichols, die als einzige hier namentlich erwähnt wird, ist das erste der fünf Ripper-Op­fer und stirbt am 31. August 1888. Hier hat es den Anschein, als sei sie ein späteres Opfer geworden, aber vor dem Mord an ihr wird vom Rip­per noch gar nicht gesprochen! Erst danach macht er sich in Briefen an Scotland Yard einen Namen als „Ripper“ und wird zum Alptraum von London. Die anderen Opfer folgen am 8. September (Annie Chapman), 30. September (keine Verstümmelungen), ebenfalls am 30. September Catherine Eddowes, und schlussendlich Mary Jane Kelly am 9. Novem­ber, die in einem Zimmer geradezu ausgeweidet wird. Der Roman ver­mittelt demgegenüber die Vorstellung, alle Morde seien im Laufe weni­ger Tage oder Wochen geschehen, nicht verteilt über ein Vierteljahr. Die Daten stammen aus Shirley Harrison: Das Tagebuch von Jack the Rip­per, Bergisch-Gladbach 1998.

2 Vgl. Patricia Cornwell: Wer war Jack the Ripper?, Hamburg 2002.

Liebe Freunde des OSM,

dieser aktuelle Monat war ein Wechselbad der Gefühle, ganz ernsthaft. Er fing toll an und hörte – emotional – im vollendeten Desaster gestern auf. Das konnte ich wirklich so nicht erwarten, niemand konnte das, wenn man mal realistisch ist. Alter ist eine Sache, hohes Alter eine andere, und wenn man dann noch weiß, dass eine Pandemie grassiert und der Lebensmut selbst jünge­rer Zeitgenossen verfinstert ist, kann man schon gewisse Be­sorgnis artikulieren … aber das heißt doch nicht, dass man auf das Schlimmste vorbereitet ist, und ich war es folgerichtig auch nicht …

Aber ich sollte vorne anfangen, bei den positiven Dingen.

Extrem positiv schon am 2. Oktober, unmittelbar vor Ende mei­ner Urlaubstage, war das Fertigstellen von OSM-Band 2000, von dem ich schon im letzten Teil dieser Rubrik berichtete. Und ich habe umgehend einen Blogartikel zu diesem Meilenstein meines kreativen Hauptwerks fertig gemacht, der allerdings erst als Blogartikel 428 erscheinen wird, also in ein paar Monaten – das mag bei euch für lange Mienen sorgen, aber ihr solltet das viel­leicht verstehen: ich plane die Blogartikel relativ weit voraus und schreibe sie in der Regel auch sehr zeitig. Es bleiben da ge­legentlich Lücken für Unerwartetes, aber bis Nr. 427 war alles bereits gefüllt, ich habe die erste Lücke genutzt, die da war – Blogartikel 428. Daran konnte ich nichts drehen.

Ansonsten nahm die Menge an fertigen Werken deutlich ab. Das hatte wesentlich mit so trivialen Dingen wie meiner Brotarbeit und der Steuererklärung zu tun. Das ELSTER-Verfahren ist für mich durchaus tricky und zeitaufwändig. Aber, positiver Aspekt, im Gegensatz zum letzten Jahr, wo ich daran grandios scheiter­te, habe ich es diesmal vollständig durchlaufen. Es steht zu hoffen, dass das im kommenden Jahr deshalb etwas einfacher vonstatten geht, zeitiger sowieso.

Was HABE ich denn in diesem Monat auf die Reihe bekommen? Schauen wir uns das mal genauer an:

Blogartikel 408: Work in Progress, Part 94

NK 54: Tödliche Entscheidung

12Neu 95: Austrittspunkt Bestcaan

12Neu 96: Oki und die Yesvaa

12Neu 97: Spähtrupp nach Tyalcoor

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“)

(NK 57: Sardoons Plan)

(OSM-Wiki)

(12Neu 100: Kommandounternehmen Entropiehammer)

13Neu 6A: Der Tod als Gast

(Glossar der Serie „Oki Stanwer Horror“)

(13Neu 7: Der glühende Schädel)

(13Neu 8: Der Todesfahrer)

Anmerkung: Die Abschrift dieses Episoden-Rohtextes war für mich eine echt verdammte Überraschung … nicht, weil die Ge­schichte aus dem Jahre 1983 stammt und damit zu den ältesten OSM-Werken überhaupt gehört. Viel entscheidender fand ich, dass die Handlung nahezu überhaupt keine Verbindung zu der Neuabfassung gleichen Namens besaß, die nachher in den „CLOGGATH-KONFLIKT“ Eingang fand. Heathens Garden? Fehl­anzeige. Jagd auf Oki Stanwer durch Scotland Yard, weil man ihn für einen irren Mordfahrer hält? Fehlanzeige. Stattdessen verschlug mich die Episode auf ein bizarres Eiland zwischen den Dimensionen, mit unserer Welt durch Totenschädelstraßen ver­bunden …

Also echt, ich hatte schon eine wilde Phantasie damals. Vermut­lich zu viele Comics gelesen, würde ich mal schätzen.

(Verspielt – Erotic Empire-Story)

(Glossar der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“)

Anmerkung: Hier kam ich erstaunlich rasch voran. Ich schrieb ja letztens, dass ich im September mit diesem Rohglossar ange­fangen habe … nun, was soll ich sagen? Inzwischen bin ich bei Band 55 angelangt, das ist die Hälfte der Serie. Bei dem Tempo kann man davon ausgehen, dass ich Ende November so ziem­lich damit durch sein dürfte. Mal schauen, ob die Prognose be­lastbar ist. Im nächsten Monat wisst ihr mehr.

Blogartikel 428: Meilenstein OSM-Band 2000

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“)

(12Neu 98: Hauch der Vernichtung)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“)

Anmerkung: Ja, gell, das überrascht jetzt, was? Nun, ich stellte durch eine Stippvisite einigermaßen frustriert fest, dass ich seit Dutzenden (!) von Episoden, also über eine ganze Reihe von Jahren seit den späten 90er Jahren vergessen hatte, die Lexi­konseiten zu aktualisieren und zu füllen. Will heißen: ohne die fertigen Lexikonseiten waren die Episoden im Grunde nicht voll­ständig, ich hatte sie aber voreilig schon in den Unterordner „Oki Stanwer Mythos“ eingeordnet, wo die vollständigen Werke stehen. In Bälde werde ich mich also um die Fortführung der Le­xikonseiten kümmern, und wenn ich das gemacht habe, folgt dann notwendig auch das Serienglossar.

Keine neue Baustelle, aber eine vergessene. Seufz. Auch daran herrscht definitiv kein Mangel.

Blogartikel 407: Legendäre Schauplätze 20: TOTAM

Anmerkung: Über TOTAM kann man viel erzählen? Oh, wahrhaf­tig, das kann ich … und ich habe auch eine Menge Worte ge­macht, wie ihr inzwischen wisst, wenn ihr diesen Artikel lest. Dafür bin ich in der kommenden Woche, wenn es um den nächsten „legendären Schauplatz“ geht, deutlich wortkarger. Ihr werdet es sehen.

(12Neu 101: Der Konstantenwechsler)

Anmerkung: „Konstantenwechsler“ klingt unspektakulär? Nun, ich sage es mal vorsichtig: wenn ihr milliardenfachen Massen­mord unspektakulär findet, könnt ihr diese Einschätzung wohl aufrechterhalten. Ansonsten schildere ich in dieser Episode ein monströses Verbrechen an einem Ort, den ihr in der BdC-Serie lieben lernen werdet, davon gehe ich aus.

Welchen Ort? Aber nicht doch, ein wenig Überraschung muss doch noch bleiben. Bei den BdC-E-Books stehen wir doch noch ganz am Anfang der Geschichte. Zu den schrecklichen Seiten der Serie kommen wir dann alsbald … ich bitte da um Geduld.

(E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 2: Monstererwachen“)

Anmerkung: In der Tat, ich fand auch gegen Monatsende ein wenig Ruhe, wieder an diesem E-Book zu schreiben, aber der rechte Kick wollte sich nicht einstellen, weswegen ich die Arbeit dann wieder ruhen ließ. Ich glaube, das ist eine gute Entschei­dung. Geschichten übers Knie zu brechen, wenn man dazu nicht in Stimmung ist, das klingt nie nach einem guten Plan, dabei kommt dann bestenfalls Mittelmaß heraus, meist aber Schlim­meres. Und das will ich euch nicht zumuten, Freunde.

(12Neu 99: Staubterror)

Und damit endete der Monat formal … aber ich sagte ja schon eingangs, er begann toll (OSM-Band 2000) und endete gräss­lich. Das Letztere hatte nichts mit meinen Geschichten zu tun. Stattdessen überrumpelte mich ein Todesfall gründlich.

In den vergangenen Monaten sind eine Menge prominenter Stars verstorben, ich habe im vergangenen Monat an dieser Stelle davon berichtet. Dass aber ausgerechnet am letzten Tag des Monats einer meiner Lieblingsschauspieler seinen letzten Hauch tun und für immer von der Bühne des Lebens abtreten musste, das hat mich dann doch getroffen. Ich hätte ihm noch ein paar Jahre im Altersruhestand (er ist immerhin stolze 90 Lenze alt geworden) gegönnt.

Aber das war Sir Sean Connery, den wir wohl alle in seiner wohl prominentesten Rolle als britischem Geheimagenten James Bond 007 kennen, nicht vergönnt, er ist in seinem Altersdomizil auf Nassau am 31. Oktober verstorben.

Die Welt, so sehe ich es, hat dadurch mal wieder etwas an Glanz verloren. Aber es hilft ja alles nichts, es muss weiterge­hen. Also bin ich wie im Fall des neulich erfolgten Todes von Dia­na Rigg verfahren: Ich schaute mir einen meiner Lieblings-Bond­filme an („Goldfinger“) und bekam Connery noch mal in bes­ter Verfassung zu sehen. So behalte ich ihn gern in Erinnerung.

Soviel für dieses Mal aus der Kreativküche für den Monat Okto­ber.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 305: Warten auf die Aras

Posted Januar 27th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vor langer Zeit einmal murmelte ich, durchaus misanthropisch gestimmt, nachdem ich ein dickes Buch über die menschliche Unvernunft und die desaströsen Folgen der menschlichen Fort­schritts-Hybris gelesen hatte, der unzählige Millionen und Milli­arden Tier- und Pflanzenwesen zum Opfer fielen, vor langer Zeit also murmelte ich finster, es sei wahrhaftig keinerlei Grund vor­handen, stolz darauf zu sein, sich zur menschlichen Spezies zu zählen. „Ich wäre auch lieber ein Baum“, sagte ich damals, und das war nur halb im Scherz gesagt.

Gleichwohl, man kann dieses Verdammungsurteil natürlich nicht über alle Menschen in gleichem Maße aussprechen, es wäre doch gar zu ungerecht. Es gibt durchaus intelligente, einsichti­ge, tiefgründige Menschen, die bestens wissen, dass unsere Le­bensform keineswegs das Maß aller Dinge ist, sondern vielmehr eine Art von krankhaftem, hypertrophem Wachstum einer ein­zelnen Spezies, die sich in eine hemmungslose Vermehrungsspi­rale hineinschraubt und dabei schlechthin alles andere entwe­der bis zur Vernichtung ausnutzt oder aus purem Unverständnis ausrottet.

Und dann gibt es Personen, die diese Tatsachen hellsichtig er­kennen und die mahnende Werke schreiben, um a) auf die oft­mals sehr weit verstreuten, mahnenden Warnzeichen aufmerk­sam zu machen, die b) Verbindungslinien zwischen Sachverhal­ten herstellen, die der „Otto-Normalbürger“, wie ich die ober­flächlich informierte Mehrheit der Mitmenschen einmal vorsich­tig nennen möchte, einfach nicht zu sehen imstande sind und die c) Pfade aufzeigen, wie vielleicht noch etwas von der übrig gelassenen ökologischen Vielfalt zu retten ist.

Denn seien wir uns einer Tatsache mal grundsätzlich bewusst, Freunde: Wir wissen, wenn wir uns halbwegs breit informieren, dass der Lebensstil, den wir zurzeit mehrheitlich pflegen, weder eine Empfehlung für den Rest der Menschheit sein kann (sonst bräuchten wir mutmaßlich wenigstens 2,5 Erden, die es natür­lich nicht gibt … zeige mir mal einer den Discount für Ersatz-Er­den, wenn wir unsere ausgepowert haben – den gibt es einfach nicht!), noch sollten wir davon ausgehen, dass wir uns noch all­zu lange auf diesem Niveau halten können. Vieles, woran wir uns als selbstverständlich gewöhnt haben, gehört auf eine bi­zarr-kulturelle Weise auch zu den modernen „aussterbenden Spezies“. Flugreisen, Billigfleisch, Massenevents mit Tausenden von eng gedrängten Menschen … die Corona-Krise ist aktuell ein solches Warnzeichen, das uns zu Nachdenklichkeit und be­wusster Aufmerksamkeit zwingen sollte. Nur Narren denken, dass es „danach“ eine Rückkehr zur Normalität geben wird. Ak­tuell spricht nichts dafür, auch wenn das kaum jemand wahrha­ben möchte.

Als ich vor relativ kurzer Zeit das Buch von Terry Glavin ge­schenkt bekam, weil ich grundsätzlich ein ökologisch sehr inter­essierter Zeitgenosse bin, stellte ich recht bald nach Beginn der zum Teil ordentlich erschütternden Lektüre fest, dass Glavins Denkansätze sehr breit gefächert sind, sie reichen von Landwirt­schaft über indigene Kulturen, Kulturgeschichte, Kulturanthropo­logie und klassische Ökologie bis hin in die Linguistik ausster­bender Völker.

Und ja, wie ich unten sage, die Lektüre hält eine Menge ziemli­cher Schocker parat, von denen ich die wenigsten unten ange­deutet habe. Zu dem Fazit von 2019 stehe ich indes immer noch: Das ist mit einigem Abstand eines der wichtigsten Bü­cher, das ich je gelesen habe, und ich empfehle es jedem auf­geschlossenen und kritischen Zeitgenossen und all jenen, die sich Sorgen um den Zustand der Welt und jener Wesen machen, die sie bevölkern.

Ja, es mag sein, dass man anschließend keine Tierparks mehr schätzen kann (konnte ich, ehrlich gesagt, noch nie – für mich sind die armen Wesen Gefangene, und ich mache grundsätzlich keine Sightseeing-Tours in Gefängnissen … ich weiß ja nicht, wie das mit euch ist, Freunde, aber das halte ich durchaus für pervers). Aber die Denkanstöße, die Glavin verabreicht, sind es mehr als wert, in weiteren Geistern vorangetragen zu werden.

In diesem Sinne – wer neugierig geworden ist, der lese unbe­dingt weiter:

Warten auf die Aras

(OT: The Lost and Left Behind. Stories from the Age of Extinctions)

Von Terry Glavin

Zweitausendeins

Dezember 2008

384 Seiten, TB

Aus dem Englischen von Waltraud Götting

ISBN 978-3-85150-894-6

Terry Glavin ist ein an der kanadischen Küste lebender zeitge­nössischer Journalist, der regelmäßig in lokalen Zeitungen publi­ziert und an der Universität von British Columbia in der Fakultät für Theater, Film und kreatives Schreiben unterrichtet, und mit dem vorliegenden Buch hat er sich eines Themas angenommen, das nicht nur ihm auf den Nägeln brennt und am Herzen liegt, sondern das uns alle interessieren sollte, die wir an den Erhalt unserer Umwelt und der Erschaffung einer lebenswerten Zu­kunft für unsere Kinder und Enkel Gedanken verwenden.

Glavin schreibt über das Zeitalter des Verschwindens, und es ist eine Abenteuerreise, die eine Mischung ist aus Abenteuernovel­le vergangener Jahrhunderte und Expeditionen in den Alptraum. Und je mehr Details er enthüllt, je mehr Netzwerke er freilegt wie der Präparator Nervengespinste in toten Körpern offen legt, desto kälter wird dem Leser dieses Buches. Ich brauchte für das vorliegende Werk 16 Lesetage, aber sie verteilten sich auf rund vier Monate … und wer meine Rezensionen kennt, der weiß, dass ich im Grunde genommen ein geschwinder, recht analyti­scher Leser bin. Aber hier waren die textlichen Zumutungen, die Glavin mit sehr prägnant übersetzter Sprache vortrug, derge­stalt geartet, dass Lesepausen schlichtweg notwendig waren, damit ich mich vom Level des Entsetzens und der zunehmen­den Empörung wieder runterkühlen musste. Ich fühlte mich bei der Lektüre sehr intensiv an David Quammens phantastisches wie schonungsloses Buch „Der Gesang des Dodo“ erinnert, und Glavins Buch gehört in dieselbe Liga, Seite an Seite zu Ra­chel Carsons „Silent Spring“. Damit ahnt ihr Wissenden viel­leicht schon ein wenig, was euch erwartet.

Lassen wir den Autor selbst zu Wort kommen:

Wir leben im Zeitalter des Verschwindens:

Alle zehn Minuten eine Spezies.

Alle sechs Stunden eine Pflanzenart.

Alle zwei Wochen eine Sprache.“

Wer jetzt denken sollte, es werde hier nur schwarz in Schwarz gemalt, der irrt allerdings. Terry Glavin bereist krisenhafte Regionen der Welt (und auch solche, die auf den ersten Blick gar nicht krisenhaft wirken, es bei näherem Hinsehen aber sehr wohl sind, etwa direkt vor seiner Wohnungstür, wenn er Obst­gärten an der kanadischen Küste betrachtet, Zoos in Singapur oder eine unscheinbare Region in der Heimat seiner Vorfahren in Irland) und analysiert die Gegebenheiten auf ökologischer Ebene, durchleuchtet sie historisch und erschafft gruselige Fall­studien, die manchmal so abgründig sind, dass man sie und die sich daraus ergebenden Folgerungen kaum glauben mag. Sie sind gleichwohl (man ist geneigt zu sagen: leider) gut belegt. Und wie schon bei David Quammen steht als der zentrale Verur­sacher immer wieder jenes Wesen im Zentrum, das sich egois­tisch als „Krone der Schöpfung“ versteht: der homo sapiens sa­piens, unsere eigene Rasse. Verkürzt gesagt könnte man zuspit­zen: wo immer der Mensch sich niederlässt und wie eine Dampf­walze ausbreitet, hat er Chaos und Zerstörung im Gefol­ge … und ist oftmals so blind, dass er das gar nicht sieht und von den Folgen des eigenen Handelns nicht selten höchst un­schön überrascht wird.

Aber Terry Glavin hat nicht nur eine mahnende Klageschrift for­muliert, sondern er setzt auch durchaus Akzente der Hoffnung. Denn es gibt durchaus Personen und Institutionen, die sich dar­um bemühen, die vom Menschen so leichtfertig zerrissenen Netze ökologischer Bezüge wieder zu restaurieren, Personen, die sich große Mühe geben, Vernunft walten zu lassen (etwa bei Fangquoten) oder die sich damit beschäftigen, zerfallende Habi­tate wenigstens zu dokumentieren, aussterbende Bräuche und Sprachen festzuhalten.

Denn es geht dem Autor durchaus nicht nur darum, Pflanzen, Tiere und ökologische Habitate zu beweinen oder darauf auf­merksam zu machen, sie zu erhalten. Der Mensch wird nicht al­lein als eine Art von Bulldozer betrachtet, der alles, was er an­fasst, unausweichlich zerstört (was leider dennoch meist der Fall ist), sondern Glavin weist zu Recht darauf hin, dass der Mensch mit seinem Lebensraum sich auch selbst zu zerstören trachtet.

In Zeitaltern, in denen der Handel segmentiert und die Landkar­ten parzelliert waren, wo es noch keine ausgebauten Fernstra­ßen gab, keine Flugplätze und weltweiten Containerhandel oder eine globale Datensphäre, da funktionierte die menschliche Ge­sellschaft nämlich sehr ähnlich, wie man das von klassischen ökologischen Nischen kennt (etwa in Neuguinea): quasi jedes abgeschiedene Tal entwickelte eigene kulturelle Bräuche, Sprachnuancen und Dialekte, hütete Pflanzen und Tiere aus rei­nem Eigeninteresse – und damit oftmals sehr viel besser, als sich das etwa kleinliche christliche Missionare vorstellten, die dort hinkamen und wie die Axt im Walde völlig voreingenom­men ihre eigene Kultur überzustülpen suchten, die dorthin über­haupt nicht passte … mit zumeist höchst desaströsen Konse­quenzen.

Mit der zunehmend besseren Erreichbarkeit solcher zivilisatori­scher Enklaven gelangen eben auch neben den zahlreichen kul­turellen Verbesserungen des einfachen Lebens zunehmend die negativen zivilisatorischen Folgen in entlegene Täler: Wellblech­dächer statt traditioneller naturnaher Dachstoffe. Fastfood. Geldwirtschaft. Generatoren für Lichtmaschinen, moderne Klei­dung, Geschlechtskrankheiten … denn durchaus nicht alles ist für die vermeintlich „primitiven“ Gesellschaften von Vorteil. Und je mehr sie sich an die globale Kultur anpassen, desto mehr ver­schwinden auch lokale Bräuche, Dialekte, das Wissen um Heil­pflanzen, alte und erprobte Anbaumethoden.

So reist Terry Glavin über die Kontinente und findet lebende Tote, sterbende Habitate, sucht in Sibirien nach Riesenlachsen und bei den Lofoten den legendären Mahlstrom. Und doch fin­det er an manchen dieser Orte neben den Resten absterbender Kulturen und den Ruinen zerfallender Ökosphären auch gewisse Indizien, die ihm Hoffnung einflößen. Eine der interessantesten befindet sich in einem sehr schwer zu erreichenden Dorf im Nordosten Indiens am Fuße des Himalajas.

Allerdings ist der Weg dorthin steinig und voll von schockieren­den Informationen und Erkenntnissen. Viele davon werden den Lesern schwer verdaulich erscheinen. Die Feststellung etwa, dass bei genauer Betrachtung nahezu 90 % der essbaren Fisch­bestände der Welt als ausgerottet gelten müssen, der Rest als überfischt … macht man sich nicht klar, wenn man im Super­markt an den Fischdosenregalen entlanggeht. Man beginnt sich unwillkürlich zu fragen, wie lange das wohl noch so weitergehen kann. Wenn man begreift, dass die Weltbevölkerung tagtäglich um wenigstens 200.000 Köpfe wächst und ein jeder davon sozu­sagen als Geburtsrecht für sich beanspruchen kann, eines Tages auch ein Dach über dem Kopf haben zu wollen, einen Ausbil­dungsplatz, eine eigene Familie, die er/sie gründen will, mit fol­gerichtig dann noch mehr hungrigen Mäulern … dann wird dem grübelnden und fröstelnden Leser klar: das kann nicht mehr lan­ge so weitergehen. Die Natur wird das schlicht nicht endlos er­tragen können.

Die Menschheit verhält sich derzeit ähnlich hirnlos wie ein Bak­terium in einer Petrischale, das ungezügelt wuchert, weil es ein­fach nicht anders kann … jedenfalls bis alle Nahrungsgrundla­gen aufgebraucht sind, dann kollabiert alles. Man sollte meinen, Menschen seien intelligenter als solche Bakterien, aber wir wer­den tagtäglich vom Gegenteil überzeugt.

Terry Glavins Buch ist in der Hinsicht wohltuend aufrüttelnd. Vermutlich kann man nach der Lektüre keine Tierparks mehr lei­den, schaut eher mitleidig auf den Svalbard Global Seed Vault in Spitzbergen herab und versteht sehr viel besser, warum im Jah­re 2002 am Rand von Port Alice an der Nordwestküste von Van­couver ein Mann von einem wilden Puma fast totgebissen wurde … ja, ich sage, es gibt echte Schauergeschichten, die das Leben geschrieben hat, in diesem Buch, und dabei bleibe ich ausdrü­cklich ganz an der Oberfläche.

In mancherlei Hinsicht ist Glavins Information auch so geartet, dass meine eigene durchaus profunde ökologische Kenntnis ein Update erhält, das bei einigem Durchdenken sehr viel für sich hat. Dazu nur ein Beispiel: Bei dem oben erwähnten Buch von David Quammen lernte ich vor über 15 Jahren die Nordamerika­nische Wandertaube kennen, die im 19. Jahrhundert schonungs­los ausgerottet wurde. Eine Spezies, deren Schwärme nach zeit­genössischer Beschreibung stundenlang (!) über den Himmel flogen und nach Milliarden Individuen zählten. Am Ende des 19. Jahrhunderts existierten sie nicht mehr.

Ich hielt das damals für eine monströse Form von Genozid … und Terry Glavin stellt die durchaus plausible Hypothese auf, dass die massenhafte Verbreitung der Nordamerikanischen Wandertaube bereits eine Art Negativausschlag auf der Skala der Ökosphäre Nordamerikas war – wie übrigens auch die Bison­herden, die man aus der Zeit des Wilden Westens her kennt!

Glavins Grundthese: als Nordamerika vor rund zehntausend oder mehr Jahren – vermutlich in mehreren Wellen und aus un­terschiedlichen Richtungen, nicht nur über die Beringstraße – besiedelt wurde, fanden die menschlichen Kolonisten eine Fau­na vor, die nicht auf Menschen vorbereitet war. Und die Men­schen gingen, wie üblich, daran, Raubbau zu betreiben. Dies führte zu grundlegenden Störungen des ökologischen Gleichge­wichts. Größere Lebensformen starben aus, Räuber wie die Sä­belzahntiger wurden ausgerottet. Das Gleichgewicht verschob sich. Arten, die vorher durch Jagdfeinde immer reguliert worden waren, erhielten jetzt die Chance, sich exzessiv auszubreiten. Darunter die Bisons und die Wandertauben.

Dass also die nordamerikanischen Indianer mit der Umwelt eini­germaßen pfleglicher umgingen als die arglosen Neusiedler aus Europa, war weniger dem tieferen ökologischen Wissen geschul­det, sondern vielmehr schlichte Notwendigkeit – die zwingende Folge ökologischer Desaster, die sie selbst zuvor verschuldet hatten.

Aber die Indianer hatten Jahrtausende Zeit zu lernen, mit den Folgen ihrer Handlung zu leben. Sie besaßen zudem keine Mög­lichkeit, in jenem gigantischen Umfang und wahnhaft schnellen Tempo Raubbau mit den Ressourcen der Welt zu betreiben, wie es unsere Gesellschaft seit gut zweihundert Jahren tut.

Die Konsequenzen sind heute schon an vielen Stellen sichtbar. Das beschränkt sich nicht auf das Aussterben zahlloser Apfel­sorten, das Dahinsiechen von Insektenvölkern und das Ab­schmelzen der Polarkappen und Gletscher … das hat noch völlig andere, leicht übersehene Folgen. Terry Glavins Buch ist eine er­hellende, höchst informative und sehr lesenswerte Abenteuer­reise in eine Welt, wie wir sie zu kennen glauben, von der wir aber bislang nur Schatten und Mutmaßungen zu sehen bekom­men haben.

Wer die Welt wirklich mit einem Blick durch die Lupe eines öko­logisch interessierten Sherlock Holmes sehen möchte und dabei auch noch eine Menge lernen will, wen die finsteren Abgründe unserer Gesellschaft, unserer Geschichte und all die Kriegs­schauplätze des zunehmend sich verschärfenden Kampfes der Menschheit gegen die globale Ökologie nicht schrecken, der wende sich vertrauensvoll und neugierig diesem Buch zu.

Es wird euch die Augen öffnen, Freunde! Ich halte dieses Werk für eines der wichtigsten und tiefgründigsten, die ich je gelesen habe, und ich danke meinen Freunden Lothar und Adelheid, die es mir schenkten und damit absolut meinen Nerv getroffen ha­ben!

© 2019 by Uwe Lammers

Harter Stoff? Well, eindeutig. Aber harter Stoff UND wichtig. Und weil das diesmal so richtig an die Nieren ging, schauen wir uns in der nächsten Woche eher mal die leichtere Unterhaltung an und kümmern uns mal wieder im den beratenden Detektiv aus der Baker Street. Und klären ein für allemal die Frage, ob sich Sherlock Holmes denn nicht auch mal um Jack the Ripper ge­kümmert hat …

Bis nächste Woche, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.