Wochen-Blog 341: Laurins zu Gast – meine Lesung in Osnabrück

Posted September 14th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ich wollte immer schon mal nach Osnabrück… konkret: seit dem Frühling des Jahres 2015. Das wollte ich auch im Frühling 2017, aber beide Male hat es nicht geklappt. Der Anlass für die geplante Reise war stets derselbe: meine Teilnahme an den „Perry Rhodan-Tagen Osnabrück“, die 2015 erstmals stattfanden und dann mit schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre wieder in Szene gesetzt wur­den.

Auf den ersten Blick mag es verblüffen, dass ich das so nachdrücklich auf meine Agenda schrieb. Immerhin wisst ihr als langjährige Leser meiner Blogartikel, dass ich seit Band 2100 der Erstauflage von Perry Rhodan kein Leser der Serie mehr bin, und das Erscheinen jenes Bandes liegt nun wahrhaftig deutlich länger als 15 Jahre zurück. Andererseits habe ich nach wie vor recht enge Tuchfühlung mit dem Perry Rhodan-Fandom, etwa durch meine Mitarbeit am Fanzine EX­TERRA des Science Fiction-Clubs UNIVERSUM, seit einer Weile durch meine Mitgliedschaft im ebenfalls stark perry-zentrierten SF-Club Terranischer Club Eden (TCE).

Es gab noch weitere Gründe, und darunter ist zu rechnen: ich bin Selfpublisher und folgerichtig auf Multiplikatoren für meine Geschichten angewiesen. Wer­bung in eigener Sache zu machen, das gelang mir bei allen drei Veranstaltun­gen, indem ich E-Book-relevante Artikel in das jeweilige Conbuch einschleuste. Und jedes Mal ließ sich deutlich an meiner Zugriffsstatistik meiner Homepage verstärktes Interesse nach solchen Events ermitteln.

Dennoch, eine Mitarbeit am Conbuch ersetzte natürlich keinen direkten Be­such. Und so war es höchst hilfreich, als dieses Jahr Dr. Claudia Hagedorn, Ver­einsvorsitzende des Fördervereins Phantastika Raum & Zeit e.V. in Braun­schweig, in dem ich ja auch Mitglied bin, verkündete, sie wolle – wie schon die letzten beiden Male – auf den PR-Tagen Osnabrück ein Hörspiel erarbeiten. Kur­zerhand sprang ich diesmal, arbeitszeitlich nicht gebunden, da noch auf Jobsu­che und im Prinzip arbeitslos, auf den Zug auf und machte mich mit ihr und ihrem Sohn auf den Weg nach Osnabrück.1

Start war am 24. Mai, so dass ich den an diesem Abend stattfindenden Event „SommerNetzTraum“ der KreativRegion e.V., an dem ich gern teilgenommen hätte, auslassen musste. Wir hatten aber tatsächlich eine Menge Zeit zu inves­tieren, mit dem Pkw nach Osnabrück zu fahren. Auf dem Weg dorthin durch­querten wir einige heftige Regenschauer, was mich bedenklich stimmte. Immer­hin hatte ich von Claudia gehört, dass ein Parken in direkter Nähe zum Conort nicht möglich sei. Wir würden von dem anvisierten Parkplatz eine gute Viertel­stunde zu laufen haben, und das mit all dem technischen Equipment, das für das Hörspiel erforderlich war.

Die Technik holten wir uns bei unserem Fördervereins-Mitstreiter Holger Pell­mann im benachbarten Wallenhorst ab, wo wir auch kostenfrei übernachten konnten. Es folgte der nächste Wermutstropfen: Holger, unser Techniker vom Dienst, war leider terminlich wegen einer Beerdigung verhindert, so blieb die Arbeit am Hörspiel wesentlich an Claudia hängen.

Ihr mögt euch vielleicht an dieser Stelle fragen: was war mein Plan, meine Auf­gabe in Osnabrück, wenn ich nicht zentral wegen des Hörspiels und meiner dor­tigen Mitwirkung vor Ort sein wollte und auch mit der originären Perry-Veran­staltung thematisch eher nicht viel zu tun hatte.

Nun, ich hatte Absprachen getroffen, namentlich mit Herbert Keßel vom Orga­nisationskomitee und mit Joachim Kutzner vom TCE. Joe und ich hatten im ver­gangenen Jahr die Storysammlung „Grey Edition 12: Lustvoller Schrecken“ her­ausgegeben, in der drei erotisch-phantastische Novellen von mir versammelt waren. Und da Joe mit dem TCE-Stand in Osnabrück vor Ort sein würde, böte sich doch eine Lesung an, meinte er.

Recht hatte er. Wir sprachen uns also ab, ich feilte an zwei Textauszügen aus den Geschichten „Der Handspiegel“ und „Sylphengeflüster“, Herbert Keßel ge­lang es, in enger Absprache mit Joe, mir und Angelika Rützel (ebenfalls TCE, die auch eine Lesung aus ihrem aktuellen Roman veranstalten wollte), für Sonntagvormittag ein Zeitfenster für die Lesung zu organisieren.

Zu Anfang sah das auch alles gut aus. Ich verbrachte wesentliche Teile des Samstags, nachdem ich Claudia ein wenig mit der Technik geholfen hatte, so­weit das mit meinen beschränkten Kenntnissen möglich war, mit dem, was man neudeutsch gern als „Networking“ bezeichnet. Ich sprach also mir bekannte Fandomler und Autoren an, die vor Ort waren (Bernd Robker etwa, der unter seinem Pseudonym „Robert Corvus“ einen mit dickleibigen Büchern reichhaltig garnierten Tisch direkt im Eingangsbereich gegenüber dem des TCE hatte). Überraschend traf ich etwa auch Ralf Zimmermann vom Perry Rhodan-Club Guy Nelson, kam mit einer Reihe von Fandomlern in Kontakt, die ich seit langem von anderen Cons oder als Mitarbeiter für das BWA kenne (darunter etwa Alexan­dra Trinley). Und natürlich verweilte ich ausgiebig am Stand des SF-Händlers Ro­bert Vogel, den ich seit 2012 kenne und seither viele Male auf Cons getroffen habe, zusammen mit seiner unverzichtbaren Frau Martina, mit der ich am Sonntag ausgiebig plaudern sollte.

Gegen Sonntagmittag hatten Joe und ich eigentlich geplant – sein Vorschlag – , irgendwo in der nahen Fußgängerzone ein Eis zu essen, aber daraus wurde dann nichts, und wir haben das auf später mal vertagt. Stattdessen kümmerten wir uns um die Bebilderung meiner Lesung und erarbeiteten einen Titel für die „Grey Edition 13“, die im September 2019 erscheinen soll, wenn der so genann­te „Gut-Con“ in Nordrhein-Westfalen stattfindet. Gegenwärtig ist noch nicht ganz klar, ob ich daran teilnehme, aber ich gebe zu, ich liebäugele durchaus da­mit (selbst wenn das wieder eine reine Perry-Veranstaltung sein wird).

Tja, und da ich in der hier präsentierten Darstellung alle Details des Samstages munter überspringe, gehe ich gleich mal über zum Sonntag und zu der Lesung an sich, die eine wirklich kuriose Erfahrung darstellte.

Das Problem an einem Sonntag ist bei einem Con immer, dass am Samstag­abend meist massiver Besucherschwund eintritt. Weswegen Veranstalter Her­bert Keßel dieses Mal auch zwei Vorträge von PR-Autoren auf den Sonntag ge­legt hatte. Der zweite davon sollte um 12 Uhr enden. Mein Lesungsbeginn im Kleinen Saal im ersten Stock war auf 11.45 terminiert. Direkt davor würde, ebenfalls im Kleinen Saal, Angelika Rützel lesen.

Ich hatte mir bereits am Samstag einen kleinen Eindruck von dem Raum und dessen Akustik gemacht, einmal im leeren Zustand, dann, während darin eine Lesung gehalten wurde. Da es sich um den einzigen Raum handelte, der kein Mikrofon erlaubte, würde ich wohl etwas lauter reden müssen.Ich fand aber die Akustik durchaus gelungen. Der rechteckige Saal war mit ca. 40 Stühlen gefüllt (es können auch mehr gewesen sein, ich habe es nicht gezählt, sondern nur ge­schätzt).

Nun, ich schnappte mir also meine Lesemappe, riss mich von dem ausgiebigen Gespräch mit Martina Vogel los, das vermutlich noch Stunden angedauert hätte (kein Scherz, wir fanden immerzu neue faszinierende Themen, die von Reisen über Fotoalben, phantastische Filme, Zugfahrten bei Rheinhochwasser, Fremd­sprachenzertifikate, Gesundheit, das alte Ägypten und vieles andere reichten) und marschierte hinauf in den ersten Stock.

Interessanterweise stand die Tür zum Kleinen Saal offen. Hm, dachte ich mir, weil noch Zeit bis zum Beginn der Lesung war, sind alle ausgeflogen? Das kam mir seltsam vor, weil Joe Kutzner mir bei dem Programmpunkt schließlich assis­tieren sollte. Ich fand das vernünftig, weil er ja als Redakteur, Lektor und Kor­rektor fungiert hatte und deshalb wesentlichen Anteil am Entstehen der „Grey Edition 12“ gehabt hatte. Wenn also Fragen rund um die Entstehung des Ban­des aufkamen, wäre er eindeutig der bessere Ansprechpartner.

Ich trat ein und entdeckte etwas, was Angelika schon im Vorfeld befürchtet hat­te, aber nicht in dieser Intensität. Sie sagte damals, sie habe Sorge, dass der Programmpunkt der Autoren unten im Großen Saal Publikum abziehen könnte. Genau das war auch passiert. Neben dem brummenden Beamer saß Joe Kutz­ner (der auch bei Angelikas Lesung technisch assistieren sollte), daneben Ange­lika mit einem Berg ihrer Publikationen… und als Publikum fläzte sich ein mir namentlich nicht erinnerlicher Fandomler auf einer Tischreihe gleich links ne­ben der Eingangstür (er entschwand dann wenig später und ward nicht mehr gesehen). Gegenüber nahe der Fensterreihe hatte Kurt Kobler vom TCE Platz genommen, der wohl aus reiner Solidarität geblieben war.

Lesung?

Hatte in Ermangelung weiterer Zuhörer nicht stattgefunden. „Wir haben einfach nur nett geplaudert“, gaben Joe und Angelika ein wenig resignierend zu. Und haderten begreiflicherweise mit dem Zeitfenster am Sonntag und der scheinbar lausigen Planung. Ich beruhigte sie und meinte, sie hätten sich doch die ganze Arbeit für den Vortrag nicht umsonst gemacht, sondern könnten ihn nun, da er noch keine Anwendung in Osnabrück gefunden hätte, auf dem Gut-Con im Sep­tember nehmen und so die dortige Vorbereitungszeit verkürzen.

Ihr merkt, ich bin immer ein grundlegend optimistisch gestimmter Zeitgenosse und versuche, selbst wenn die Dinge gründlich schief gehen, das Beste daraus zu machen. Mir schien, dass das die verdrossenen Gemüter einigermaßen be­sänftigte.

Hoffentlich läuft das bei deiner Lesung nicht genauso“, unkte Joe sinngemäß. Und in der Tat, Grund zu der Befürchtung bestand selbstverständlich.

Wir plauderten miteinander.

Es wurde 12 Uhr.

Ich hatte mich mit meinem Skript und dem Stapel „Grey Edition 12“ platziert und harrte entspannt der Dinge, die da kommen sollten. Dass Lesungen von mir mäßig bis kaum besucht waren, hatte ich auch in Braunschweig schon erlebt, nicht zuletzt auf dem dortigen Convention „Raum & Zeit Continuum IV“ im April 2018.

Um 12.10 Uhr machten sich allmählich Enttäuschung und Ernüchterung breit, das kann ja wohl niemand überraschen. Wir blieben nämlich unter uns. Joe, Kurt, Angelika und ich (die Fotos, die Joe Kutzner von der Location selbst mach­te bzw. machen ließ und die wohl im Fanzine PARADISE 107 zu finden sein wer­den oder gewesen sind – schwer zu sagen, wann es konkret erscheint – vermit­teln vielleicht ein zu optimistisches Bild der Situation) machten ganz das, was auch schon Angelika, Kurt und Joe vorher getan hatten: wir plauderten.

Und dann kam die wilde Volte, die mich sprunghaft überkam.

Während nämlich die anderen TCEler eher verdrossen dreinschauten, grinste ich auf einmal auf die sämtlich leeren Publikumsreihen… und dankte für die Aufmerksamkeit!

Das klingt crazy? Nur, wenn man kein Phantast ist. Und wenn man nicht hinrei­chend Phantasie in scheinbar ausweglosen Situationen entwickelt. Ihr kennt doch sicherlich den Spruch von dem Glas, das wahlweise halb voll oder halb leer ist. Ich wandelte ihn phantastisch ab und füllte (fiktiv) die Zuschauerreihen.

Womit? Mit Laurins.

Das überrumpelte selbst meine Freunde und Kollegen im Raum, wiewohl sie deutlich PR-affiner sind als ich. Man sollte dazu als Nicht-Leser der Perry Rho­dan-Serie wissen, dass das Volk der Laurins uralt ist und in den Rhodan-Roma­nen (meiner verwaschenen Erinnerung zufolge) vor Band 200 der Erstauflage in Erscheinung trat. Wichtig an dieser Tatsache ist nur eins: die Laurins sind ein Volk, das über natürliche Unsichtbarkeit verfügt. Die Terraner in der Serie ent­wickeln schließlich so genannte „Antiflexbrillen“, um diese stabförmigen Wesen dennoch sichtbar zu machen.

Übertragt das nun mal auf die obige Lesung.

Die Reihen sind leer, ja? Nur, weil wir die Unsichtbaren nicht sehen konnten, die sich dort drängten und neugierig lauschten! Also hatte ich meine singuläre Er­fahrung – eine Lesung vor „Laurin-Publikum“… eine witzige Erfahrung, ehrlich. Zumal dann, als der Groschen bei meinen Freunden gefallen war, sie auf diese Phantasie mit einstiegen.

Angelika wandte sich ebenfalls entschuldigend ans Publikum und versprach, nächstens ihre eigene Lesung „interessanter“ zu gestalten. Das schien deshalb notwendig, weil Joe gewitzelt hatte, „in der zweiten Reihe sei jemand während der Lesung eingeschlafen“, wir hätten es also schon etwas interessanter ma­chen können.

Ich neckte ihn, seine Brille sei wohl eine camouflierte Antiflexbrille, dass er das erkannt hätte… doch, wenn man es unter dem Aspekt betrachtet, war diese iro­nisch-lockere Volte am Schluss ins originär Phantastische, die ich vollführte, eine witzige Sache, die unsere Enttäuschung darüber, dass kein Publikum mehr kam, mehr als kompensierte. Wir machten dann vorzeitig Schluss und brachten Technik und mitgebrachte Publikationen wieder nach unten ins Erdgeschoss. Dort stellten wir dann fest, dass der Große Saal immer noch fest verschlossen war – die Autoren waren zu „Questions & Answers“ übergegangen und hatten hemmungslos überzogen.

Kein Wunder, dass niemand sich mehr nach oben verirrt hatte!

Da muss man aber auch von Seiten der Programmplanung Kritik üben, wie ich finde. Denn die sah so aus, dass von 12-13 Uhr eine Mittagspause angesetzt war, völlig die Tatsache meiner Lesung ignorierend, die bis 12.30 Uhr gehen sollte. Und um 13 Uhr sollte dann die allgemeine Verabschiedung sein.

Hrm, das war echt nicht gelungen. Und so kann es auch nicht verwundern, dass Claudia & ich unsere Verabschiedungsrunde vorzogen und dann, als es auf 13 Uhr zuging, dem „Haus der Jugend“ in Osnabrück für dieses Jahr den Rücken kehrten. Wir hatten schließlich noch eine lange Rückfahrt nach Braunschweig vor uns.

Punkt 18 Uhr fanden wir uns dann dort ein – alles in allem war Osnabrück den­noch ein Gewinn, weniger wegen der urigen „Laurin-Lesung“ oder wegen des etwas chaotisch verlaufenden Hörspiels, sondern primär, weil ich mit einer Menge sehr interessanter Menschen in Kontakt kam, alte Freundschaften auf­frischen und faszinierende Gespräche führen konnte. Wer weiß schon, wozu das alles gut ist?

Doch, ich bin zuversichtlich, in zwei Jahren wieder in Osnabrück aufschlagen zu können. Und dann werde ich schauen, dass ich mich gemeinsam mit Angelika stark mache für ein Lesungszeitfenster am Samstagvormittag. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn es uns nicht gelingen sollte, potenzielle Leser zu erwischen!

Soviel zu der Kurzform dieses Lesungsberichts.

Mehr von mir lest ihr in einer Woche an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 An dieser Stelle sollte ich anmerken, dass dieser Artikel nur ein erster Entwurf ist für eine ausführlichere Darstellung meiner Reise nach Osnabrück. Sie wird in Bälde für das Fanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) erarbeitet werden und ist zu dem Zeitpunkt, da dieser Blogartikel am 15. September 2019 online geht, längst erschienen, mutmaßlich in der Ausgabe 430 unseres Clubfanzines (Juli 2019).

Rezensions-Blog 233: Höllensturm

Posted September 11th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Clive Cussler und sein Coautoren bilden in der Gegenwart eine erstaunlich pro­duktive Schreibfabrik und erzeugen gewissermaßen New York Times-Bestseller am laufenden Band… dass sie primär in den USA erfolgreich sind, liegt wahr­scheinlich wesentlich in der Natur der Sache: der Autor ist Amerikaner, und die meisten amerikanischen Leser scheinen eher niedrigschwellig veranlagt zu sein. Das bedeutet: sie schauen munter über flache Stellen der Handlung hinweg, ha­ben ein eher schlicht bis dürftig ausgeprägtes historisches Kontinuums-Vorstel­lungsvermögen, und damit liegt ihre Messlatte natürlich deutlich niedriger als beispielsweise einem studierten Historiker wie mir.

Gleichwohl wisst ihr, dass ich Cussler & Co. wegen der interessanten und meist nicht unspannenden Vermischung historischer Rätsel einerseits und Bond-liker Action andererseits schätze. Ich scheue aber auch vor klaren und manchmal harten Worten nicht zurück, wenn ich etwas denkbar missraten fand.

Wie schaut das mit dem vorliegenden Roman aus dem Jahre 2014 aus, den ich zwei Jahre später endlich auf die Leseagenda setzte? Nun, verblüffend gut. Er enthält eine interessant gewundene und schwer durchschaubare Plotstruktur und spielt in unterschiedlichsten Weltgegenden, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Wie bei Cussler allerdings üblich fügen sich die Mo­saiksteine der Prologe am Ende zusammen und ergeben ein abgerundetes Gan­zes. Und bis es soweit kommt, eskaliert ein geradezu unglaubliches chaotisches Geschehen, das, wie jüngst schon angedeutet, ein sehr massives Science Fic­tion-Element enthält.

Wie sieht das im Detail aus? Schaut selbst:

Höllensturm

(OT: The Storm)

Von Clive Cussler & Graham Brown

Blanvalet 38297

April 2014, 9.99 Euro

512 Seiten, TB

Übersetzt von Michael Kubiak

ISBN 978-3-442-38297-2

Man schreibt den September 1943, als im Indischen Ozean die letzten Stunden der S. S. John Bury schlagen – der amerikanische „Schnellfrachter“ unter dem Kommando von Captain Alan Pickett befindet sich auf der Flucht vor japani­schen Sturzkampfbombern und U-Booten. Der Rest des Konvois, zu dem die John Bury gehörte, wurde schon weitgehend zerstört, und auch das Schiff selbst ist schwer angeschlagen. Mit einer geheimen, kriegswichtigen Fracht kann es im allerletzten Moment in einer Sturmfront entschwinden und wird von da an nicht mehr gesehen.

Im August 1967, so der zweite Prolog, wenn man so will, wird der jemenitische Clan von Tariq al-Khalif von Banditen überfallen und weitgehend niedergemet­zelt. Doch der kleine Sohn Jinn, der das Gemetzel übersteht, lernt aus diesem Grauen eine erbarmungslose Lektion, die ihn in den kommenden Jahrzehnten zu einem hartherzigen Warlord macht.

Im Juni 2012, und damit beginnt die eigentliche Handlung, ist eine kleine Crew der NUMA mit einem Katamaran im Indischen Ozean unterwegs, um ein ge­heimnisvolles Wetterphänomen zu untersuchen, das eine ungewöhnliche Ab­kühlung der Meerestemperatur zur Folge hat. Während sie das tun, werden sie von einer ungeheuerlichen Bedrohung attackiert und umgebracht. Als ihr Kata­maran bald danach besatzungslos aufgefunden wird, ruft dies die NUMA-Ver­waltung in Washington auf den Plan, und Direktor Dirk Pitt entsendet Kurt Austin und seinen Kollegen Joe Zavala in den Indischen Ozean, um zusammen mit Paul und Gamay Trout, ebenfalls von der NUMA, den rätselhaften Vorfall zu entschleiern.

Sie geraten mitten in ein konfuses Geschehen hinein. Zunächst machen sie die Bekanntschaft mit einer verlockenden Schönheit, die sich als Leilani A’koma vorstellt, die Schwester eines der verschwundenen NUMA-Mitarbeiter. Austin kann auf der Insel Malé gerade noch verhindern, dass sie von Unbekannten kur­zerhand entführt wird. Spätestens jetzt ist unübersehbar, dass die verscholle­nen NUMA-Angehörigen keinem Unglück, sondern einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind.

Während sie nun zu fünft dem Geheimnis der verschwundenen Bootscrew nachgehen und dabei auf bizarre Mikromaschinen stoßen, die sich in Brandrückständen an Bord des Katamarans befinden, zeigt eine Blende in den Jemen die aktuelle Verschwörung des Warlords Jinn al-Khalif, der mit modernster Technologie und Milliardeninvestitionen einen uralten Menschheitstraum wahrmachen möchte – die Kontrolle des weltweiten Wetters. Und beginnen will er damit in der gegenwärtigen Monsunregion. Es gibt nur ein zentrales Problem – einer der Verschwörer hat sich aus dem Projekt zurückgezogen, ein ägyptischer General. Der jähzornige Jinn sinnt auf Rache und plant ein Jahrhundertverbrechen, das schier unaufhaltbar scheint.

Derweil führt die Fährte der Mikroroboter Kurt Austin und seine Gefährten zu einem technischen Wunderwerk, nämlich Aqua-Terra – eine künstliche, schwimmende Insel, die entfernt einem Flugzeugträger gleicht, aber eine autar­ke Welt für sich sein soll. Eigentümer ist der exzentrische Milliardär Elwood Marchetti, der zunächst für den Übeltäter gehalten wird … aber die Dinge liegen sehr viel schlimmer.

Inwiefern diese Ereigniskette dann dazu führt, dass sich Kurt Austin und sein Kompagnon Joe Zavala in einem ausgetrockneten Brunnen wieder finden, fast mit einem Flugzeug vom Himmel gefegt werden und schließlich auf getrennten Pfaden blinde Passagiere in einem Lastwagenkonvoi mit tödlicher Fracht bzw. Schiffbrüchige auf einem Atoll werden, wo sie den „achtzehnten Roosevelt“ treffen … also, das muss man wirklich dann im Detail nachlesen…

Der zweite Streich von Graham Brown ist leider entschieden kürzer als der Erst­ling „Teufelstor“, und er liest sich annähernd ebenso geschwind – ich brauchte, allerdings durch andere Dinge gründlich abgelenkt, sechs Tage, sonst hätte ich ihn auch in drei verschlingen können. Gleich zu Beginn konfrontiert er den Leser mit einer faszinierenden und sehr beunruhigenden Entdeckung, nämlich mit wasserkompatiblen Nanomaschinen. Das war schon sehr raffiniert gemacht und faszinierend beschrieben, auch die Insel Aqua-Terra vermag sehr zu beeindru­cken, und Jinns Mörderplan, der Millionen Menschen zu wehrlosen Opfern ge­macht hätte, ist ebenfalls haarsträubend.

Nachteilig fand ich mehrere andere Dinge: zum einen merkt man SEHR deutlich, dass es ein moderner amerikanischer Roman ist (er könnte vom erotischen Standpunkt her auch aus der viktorianischen Zeit stammen – keinerlei Sex, kaum amouröse Verwicklungen, da ist Brown schon wirklich puritanisch drauf). Zweitens kann man den Titel des Romans munter vergessen, denn der angekün­digte Sturm kommt gar nicht zustande. Wer – inspiriert durch das ebenfalls lei­der recht unpassende Titelbild – annimmt, es gehe da um einen Sturm, kauft das Buch unter völlig falschen Voraussetzungen. Und drittens fand ich dann, dass Brown es doch etwas sehr mit den Cliff-hangern übertrieben hat. Nahezu JEDES Kapitel endet mit einer ausweglos scheinenden Situation. Ein wenig so, als hätte er das I Ging befragt und stets die schlechteste Lösung gewählt. Das kann man mehrfach machen, aber STÄNDIG? Das nervt dann ziemlich rasch. Dass der Roman schlussendlich doch gut ausgeht, erinnert dann schon an ein ziemliches Wunder.

Was mir indes sehr gut gefallen hat, war die Sache mit dem Cargo-Kult (auch wenn man solche Cargo-Kulte eigentlich mehr östlich findet, aber das ist hier schriftstellerische Freiheit). Goldig etwa die Frage: „Sind Sie Angehörige der Achsenmächte oder nicht?“ Da denkt man schon, man steckt in einer Zeitma­schine… aber es wird noch witziger, als Kurt Austin seinen Namen nennt und beteuert, Amerikaner zu sein, und die Ankläger sich beraten, wobei es zu fol­gendem Dialog kommt:

Wie können wir sicher sein, dass er Amerikaner ist?“, fragte der zweite Richter.

Er sieht Pickett sehr ähnlich“, stellte der achtzehnte Roosevelt fest.

Er könnte Deutscher sein. Sein Name lautet Kurt.“

Ich dachte, ich sterbe vor Lachen!

Wirklich, solche Momente kompensieren die Schwächen des vorliegenden Ro­mans gründlich. Köstlich, wirklich köstlich gemacht. Da – und an sehr vielen an­deren Stellen des Buches – merkt man, dass jemand mit historischem Gespür und viel Liebe zum Detail an der Geschichte gearbeitet hat. Es ist zwar schade, dass daraus nicht noch deutlich mehr gemacht wurde, und an vielen Stellen kommt die Geschichte flüchtig herüber… dennoch ist es eine solide, unterhalt­same Story, die zu gefallen wusste. Und inzwischen hat Graham Brown ja noch mindestens zwei weitere Kurt Austin-Abenteuer verfasst, er scheint sich also in die Herzen der Leser geschrieben zu haben.

Also dann – die nächsten Rezensionen der erwähnten Werke werden gewiss nicht sehr lange auf sich warten lassen. Zu diesem Buch gebe ich jedenfalls gu­ten Gewissens eine Leseempfehlung aus.

© 2016 by Uwe Lammers

Genug Clive Cussler für heute? Okay, Freunde. Im Blogbeitrag der kommenden Woche berichte ich euch über die Lektüre eines phantastischen Klassikers, der aus der Feder eines Autoren stammt, den ihr eigentlich als den Schöpfer des le­gendären Detektivs aus der Baker Street kennt… ganz genau, Arthur Conan Doyle. Er hat ja noch sehr viel mehr als nur Sherlock Holmes geschrieben. Und eines der Werke stelle ich euch nächstes Mal vor. Bleibt neugierig!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 340: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 9

Posted September 8th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ohne lange Vorrede steige ich in das dramatische Geschehen des KONFLIKTS 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ ein, in dem ich im Spätsommer und Herbst 1984 die Episoden 41-45 schrieb.

Rückblick: Es sieht nicht gut aus für die Kämpfer des Lichts gegen TOTAM im KONFLIKT 14. Während in der Galaxis Hun’arc das Reich der Cranyaa nach Atta­cken der Schergen des Bösen am Boden liegt und kaum eine Erholungspause er­hält, wird auch der Vorwärtsdrang des Helfers des Lichts Klivies Kleines mit sei­ner Lichtfestung OREOC, der im Zentrum von Hun’arc gegen die Völker der Dä­monenwaffe Rookax vorgeht, dramatisch gestoppt. Kleines erleidet einen physi­schen Zusammenbruch und mutiert zu einem monströsen Kristallplaneten, was den Untergang des Zentralsystems der Calnarer auslöst.

Oki Stanwer ist derweil Millionen Lichtjahre entfernt in den Randausläufern der Schockzone gefangen, mit der STELE DER EWIGKEIT auf dem Kristallplaneten ANTI-TOTAM gestrandet, der von den schemenhaften, aber tödlichen Gerlakos, einer Armee TOTAMS aus dem Nirgendwo, belagert wird.

Aber es kommt noch schlimmer…

Episode 41: Mission Todeszone

(19. August 1984, digitalisiert 2017)

Unmittelbar vor den Ereignissen rings um die Schockzone wird der Dämon Car­thusuum in ein geheimes Reich jenseits des zugänglichen Kosmos gesandt. Hier hat sich das hochtechnisierte Volk der humanoiden Waaklors mit seinen Hei­matwelten in die so genannte „Todeszone“ zurückgezogen. Vor mehreren hun­derttausend Jahren wurden die Waaklors von dem Reich der Plegg’re attackiert und konnten sich vor ihrer Auslöschung nur hierhin flüchten. Seither fürchten sie allerdings, dass die Plegg’re sie finden und immer noch vernichten könnten.

Sie ahnen nicht, dass die Plegg’re längst ausgestorben sind und nur ein Ruinen­system (vgl. Bd. 27 der Serie) hinterlassen haben.

Als Carthusuum nun in der „Todeszone“ erscheint, gibt er die dimensionalen Turbulenzen, die die Stabilität der Zone bedrohen, als Auswirkungen einer Waf­fe der Plegg’re aus und bereitet die Waaklors auf die Ankunft von Feinden vor. Sie sollen unter der Kontrolle der „Todesinkarnation Oki Stanwer“ stehen, die in Hun’arc schon diverse Völker ausgelöscht habe… als infames Bildmaterial die­nen dem Dämon dabei Informationen von OREOCS Aktionen gegen die Welten der Rookax-Völker, die freilich dramatisch nachbearbeitet sind.

So schwenken die Waaklors furchtsam auf TOTAMS Linie ein und mobilisieren ihre Streitkräfte. Sobald Oki Stanwers Freunde also hier erscheinen, werden sie bereit sein, sie umgehend auszulöschen…!

Episode 42: Expedition der Tekras

(15. September 1984, digitalisiert 2017)

Blende nach Hun’arc. Das Reich der Cranyaa schweigt. Aber seltsame Transitio­nen sind für die schildkrötengestaltigen Tekras überall in der Galaxis anzumes­sen. Nach Monaten des ratlosen Abwartens wird das Expeditionsschiff THOL zu einer der Cranyaa-Welten gesandt. Hier trifft Kommandant Frez auf ein Bild der Verwüstung. Die Welt scheint ganz entvölkert zu sein… und der Feind, der das tat, ist offensichtlich sogar noch da!

Der kleine Raumer der Tekras fliegt daraufhin einen Angriff auf das schwarze Schattenschiff, eingedenk der Tatsache, dass die Cranyaa und Tekras schließlich Verbündete sind. Und der Überraschungsangriff gelingt tatsächlich.

Nach der Zerstörung des Feindschiffes messen die Tekras überraschend neue Lebensimpulse an und werden mit zwei seltsamen Lebewesen konfrontiert – ei­nem humanoiden Mann mit weißer Kutte sowie einem vierarmigen Riesen. Letzterer stellt sich als WÄCHTER vor, der amtierende Matrixkoordinator des KONFLIKTS. Sein kleinwüchsiger Begleiter ist der aktuelle Ritter vom Goldkris­tall, ein Mann namens Yorrok.

Beide informieren die Tekra-Raumfahrer davon, dass die Macht TOTAM das Cranyaa-Reich überfallen hat und dringend Hilfe Not tut. Sie können in der Fol­ge die Tekra-Regierung im System Tekonar davon überzeugen, ein Nothilfepro­gramm zu starten. Allerdings sind die Ausmaße bescheiden – gerade hundert Schiffe und zehntausend Raumfahrer können mobilisiert werden, ein Tropfen auf den heißen Stein bei zig Tausenden verwüsteter Cranyaa-Welten.

Dem WÄCHTER scheint es am dringlichsten, das Zentralsystem mit der Haupt­welt Wislyon aufzusuchen, wo ebenfalls fast alle Insektoiden gestorben sind. Doch sie finden auch eine wehrhafte Cranyaa-Frau, in der sie die Königin Sini-Ag wiedererkennen.

Und mit zaghaften Schritten scheint es nun hier wieder aufwärts zu gehen… doch im Hintergrund droht immer noch die schwarze Welt TOTAM, die weiter mobilisiert, Völker rekrutiert und nach Hun’arc ruft, um das Ewige Reich zu er­richten. Ein Wettlauf mit der Zeit hat begonnen…

Episode 43: Das Synox-Komplott

(29. September 1984, digitalisiert 2017)

Blende ins Innere von Hun’arc: Das System Le-Konji ist am Zerfallen, der Planet Runix wird von dem monströsen weißen Kristallpanzer des wuchernden Klivies Kleines erdrückt. Die Calnarer sind auf der Flucht.

Im Orbit kreist die Lichtfestung OREOC, und nur der dritte Helfer des Lichts mit Namen Gruhl sowie der Calnarer Zephir-Gort sind noch da, um das Chaos mit anzusehen. Und dann tauchen unvermittelt Timor-Dol und seine NEGATIVEN aus dem nun sich dimensional normalisierenden Mikrokosmos von Klivies Klei­nes´ Körper auf. Interessanterweise besteht kein Grund für Feindseligkeiten – denn von Timor-Dols Flaggschiff meldet sich unvermittelt der Soogrer Goonex, der traurig vom Tod der beiden letzten Cranyaa-Besatzungsmitglieder Lasa-On und Kama-Ke berichten muss (vgl. Bd. 38).

Stillschweigend werden die NEGATIVEN unter Timor-Dol als Hilfstruppe an OREOC angegliedert. Und die Lichtfestung verfolgt weiter unbeirrbar Kleines´ ursprüngliches Programm, das lautete: Sammle die ausgesandten Lichtroboter wieder ein, damit sie nicht in fremde Hände fallen können.

Ein System steht dafür noch aus, und niemand ahnt wirklich, dass es das gefähr­lichste ist: das System des Planeten Crymon, auf dem die kristallinen Synox le­ben, die Waffentechniker der Dämonenwaffe Rookax.

Seit die dortigen Rookax-Stelen durch die Lichtroboter ausgelöscht wurden, sind die Synox von Rookax´ Bann befreit, und sie tun nun, was sie immer schon favorisiert getan haben: psychotischen Bruderkrieg führen, Nation gegen Nati­on, Clan gegen Clan, Familie gegen Familie. Ein mörderisches Abschlachten hat begonnen.

Aber dann gibt es auch noch einen Renegaten-Clan, den so genannten „Kom­plott-Clan“, dessen Mitgliedern klar ist, dass ihr Volk auf die systematische Selbstzerstörung zusteuert. Sie planen darum, die kollektiven Kräfte ihrer Rasse zu bündeln und auf einen äußeren Feind zu projizieren.

Gerade als dieser Plan in die Realisierung geht, taucht OREOC im Orbit um Cry­mon auf, ein ideales Angriffsziel! Und findet sich im Brennpunkt Tausender An­griffsstrahlen wieder! Unter der massiven Belastung bricht der Lichtschirm der Lichtfestung zusammen…

Episode 44: Raumflug nach Toltev

(29. September 1984, digitalisiert 2017)

Das Chaos ist perfekt! Kurz nach Auftauchen im Synox-Hauptsystem im Herzen von Hun’arc wird OREOC unerwartet massiv von Tausenden von Synox-Kampf­schiffen beschossen und schwer angeschlagen. Im letzten Moment gelingt es der Lichtfestung noch, zu transistieren und die Vernichtung abzuwenden.

Aber die Raumschiffe der Synox verfolgen die teilzerstörte Festung weiter, uner­bittlich wie Hyänen, die ein verwundetes Beutetier weiter hetzen. Während die Schiffe der NEGATIVEN eingeschleust und seltsame Rätsel der Vergangenheit zur Sprache gebracht werden, flüchtet OREOC an einen Ort, der nur mit „Toltev“ angegeben wird.

Aber Toltev ist ein Schwarzes Loch! Wie soll das Rettung bringen?

Schlimmer noch: die Verfolgungsstreitmacht der Synox-Schiffe wird paramental inzwischen vom 29. Dämon von TOTAM, einem intriganten Wesen namens Wir­ro, gelenkt. Und über neuntausend Kampfschiffe sind zweifellos das Todesurteil für OREOC…

Aber dann… dann stürzt OREOC in den Schwerkraftschacht des Black Holes und scheint vollkommen verloren – auf den ersten Blick. Auf den zweiten offenbart sich, dass zwar noch die Raumkrümmung existiert, aber der Neutronenstern selbst, der sie erzeugt hatte, verschwunden ist. Stattdessen fällt die Lichtfestung in ein Kontinuum unter dem Weltraum hinab [heutzutage weiß ich, dass das ei­nige Ähnlichkeit mit den unterkosmischen Niveaus hat, die ich in KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ einführte. 1984 hatte ich davon noch kei­ne Ahnung]. Es ist Rettung in letzter Sekunde.

Oder…?

Episode 45: Der Stützpunkt des Lichts

(1. Oktober 1984, digitalisiert 2017)

Blende ins Innere der Schockzone: Oki Stanwer ist mit der STELE DER EWIGKEIT und dem Transmittermond der Plegg’re sowie den Helfern des Lichts UCHULON, Ureg-Ni und Glusem in der Schockzone gefangen. Die zu Millionen inzwischen erschienenen Gerlakos belagern auf dem Planeten ANTI-TOTAM noch immer die gelandete STELE DER EWIGKEIT.

Während die Schockzone partiell instabil wird und ANTI-TOTAM in ein dimensionales Niemandsland hinabfällt, plant das Wesen TOTAM in Hun’arc den Einsatz einer hochrangigen Mörder-Wesenheit, die auf den noch nicht erschienenen siebten Helfer des Lichts angesetzt wird. Er soll vernichtet werden, ehe er Oki Stanwer in der Schockzone erreichen kann.

Parallel zu all diesen Geschehnissen hat der Dämon Carthusuum die Waaklors in der „Todeszone“ mobilisiert, deren dimensionale Grenzen immer mehr zu wabern beginnen. Es ist offensichtlich, dass hier bald dimensionale Einbrüche zu erwarten sind.

Völlig unvermittelt warnt auf einmal ein Funkspruch des unheimlichen Soffrol Oki Stanwer, wie er sich in eine dimensionale Enklave retten kann – und der Feldherr der Cranyaa ergreift die Gelegenheit beim Schopf.

In der „Todeszone“ öffnet sich derweil ein Dimensionstunnel. Die Streitkräfte der Waaklors stehen bereit und empfangen die angekündigten Feindeinheiten mit massivem Gegenfeuer. Aber es kommt zu einem fatalen Irrtum: das sich öff­nende Dimensionstor ist der Gegenkanal zum Schwarzen Loch Toltev, und wäh­rend die schwer angeschlagene Lichtfestung OREOC sich ins Innere der „Todes­zone“ flüchten kann und als Opfer feindlicher Aggression begriffen wird, atta­ckieren die Waaklors die nunmehr die durch Parafähigkeiten des Dämons Wirro von TOTAM geschützten Einheiten der paramental kontrollierten Synox-Flotte. Da Wirro nicht sowohl die Wirkungen des Black Holes UND die Waffenstrahlen der Waaklors abwettern kann, werden Hunderte von Synox-Schiffen Opfer von „freundlichem Feuer“.

OREOC kann sich derweil zu ANTI-TOTAM durchschlagen. Der Kristallplanet ist durch eine zweite Kontinuumslücke in die „Todeszone“ geraten.

Aber kaum haben sie Kontakt miteinander aufgenommen, explodiert in direkter Nähe des Kristallplaneten eine Feuereruption im Weltraum. Und jeder fragt sich: Was ist da jetzt gerade vernichtet worden…?

Ihr seht, Freunde, auch mit dem Ausklang von Band 45 der Serie bleibt es span­nend, verwirrend und hochdramatisch. Wie die Ereignisse in der „Todeszone“ weitergehen, ob die Waaklors ihre Verirrung erkennen können, ob der siebte Helfer des Lichts trotz der widrigen Umstände den Weg zu Oki Stanwer findet und was weiter mit OREOC, der STELE und den versammelten Freunden pas­siert, das erfahrt ihr im nächsten Teil der „Close Up“-Darstellung. Und dann wird natürlich auch wieder zum Handlungsschauplatz Hun’arc umgeblendet werden, wo weiterhin Gefahr droht.

Soviel für heute an dieser Stelle.

Bis nächste Woche, meine Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 232: Der rätselhafte 1. Mai (1)

Posted September 4th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ihr kennt das von meinem Rezensions-Blog: ich stelle da gern auch mal Dinge vor, die in die Vergessenheit geraten sind oder die als vergriffen klassifiziert werden müssen und nur noch antiquarisch zu finden sind. So etwas haben wir hier wohl wieder vor uns. Das Comicalbum, das ich heute mal vorstellen will, ist schon über 25 Jahre alt, und meine Rezension stammt ebenfalls nicht gerade von gestern, sondern hat auch schon ihre runden 15 Jahre auf dem Buckel. Aus dem Stegreif kann ich gar nicht sagen, ob die Rezension überhaupt jemals er­schienen ist.

Nun denn, ihr kommt jetzt jedenfalls in den Genuss einer ziemlich wilden Paral­lelweltgeschichte, die nicht einfach nur ein Whodunnit-Krimi ist (wobei der Mörder im Grunde genommen feststeht, was aber nicht hilft, da es ihn in mehr­facher Ausführung gibt… eine der Wunderlichkeiten des vorliegenden Werkes). Stattdessen werdet ihr auch noch nach Dänemark entführt und in eine parallele Wirklichkeit.

Verwirrt genug? Dann reden wir jetzt mal Klartext:

Der rätselhafte 1. Mai

Band 1 der Serie „Der Dimensionsdetektiv“

Comic von Niels Søndergaard & Ole C. Christensen

Carlsen-Comics, September 1992

48 Seiten, Preis: damals 16.80 DM

Science Fiction aus Dänemark? Nun, weshalb nicht, dachte ich mir, als ich die­sen Comic antiquarisch erstand und mir mit zunehmendem Genuss einverleib­te. Es ist ein wildes Garn, und hierum geht es:

Clemens Skunk-Petersen ist ein kantiger, doch recht erfolgloser Privatdetektiv, der im Kopenhagen der frühen 90er Jahre sein Dasein fristet. Er kann nicht mal seine 21jährige Sekretärin Pippi finanzieren, weil ihm die Aufträge fehlen. Bis ei­nes Morgens Ende April dieser bärtige, vermummte Typ in sein Büro kommt und ihm einen Auftrag verschafft. Das Entree ist schon recht abenteuerlich: ein dänischer Geldschein der Hitlerzeit, mit dem Aufdruck 1986. Und es wird noch wunderlicher:

Das Auto, mit dem der Klient ihn zu seinem Zielort bringen möchte, entpuppt sich als ein Gefährt, das zwischen unterschiedlichen Dimensionen pendeln kann, ein MDT („Mobiler Dimensions-Transformer“). Ihr Ziel liegt in einem Stockholm einer alternativen Welt, wo Clemens sich selbst trifft… nun, den Cle­mens dieser Welt, und das gleich in fünffacher Ausfertigung. Und dummerweise ist einer von ihnen mausetot, in der Nacht zuvor erschossen. Motiv: unklar. Mörder: unklar – aber offenkundig einer von den vier anderen Clemens.

Doch es gibt auf einmal auch noch mehrere Versionen von Clemens´ Sekretärin Pippi, und als wenn das noch nicht reichen würde, mischt sich auch noch seine alte, sexuell sehr aktive Freundin Nadja ein, die mit einem der anderen Clemens – in dieser Welt – verheiratet ist…

Ein aberwitziges, hochintelligent gestricktes Garn, das mit einer Vielzahl subtiler Anspielungen nicht spart und für den unvorbereiteten Leser eine Menge Ver­gnügen bereit hält, wobei nicht wenig durch die Tatsache eines durch und durch sozialistischen Dänemark ausgelöst wird. Gewiss: wenn man sich mit der dänischen Geschichte noch besser auskennen würde (als beispielsweise ich), wäre das sicherlich von Vorteil, aber es ist nicht zwingend notwendig. Der Titel selbst ist hingegen irreführend, weil es gar nicht um den 1. Mai geht, aber viel­leicht klang das im Zusammenhang mit dem sozialistischen Dänemark einfach zugkräftiger. Einerlei.

Der manchmal doch etwas sehr grobe Zeichenstil tut dem Comic schon ein we­nig Abbruch, weil ich sonst feiner gezeichnete Comics bevorzuge. Gewisse Ähn­lichkeiten sind hier mit dem Tim- und Struppi-Zeichner Hervé nicht zu verleug­nen, aber die Machart ist schlichter als bei ihm. Man spürt, dass es Zeichner und Autor mehr um die Story geht als um das optische Material, und das ent­schädigt dann doch erheblich.

Kann man mit Gewinn goutieren.

© 2004 by Uwe Lammers

Ja, ich erwähnte es, es ist ein recht abenteuerliches Garn, und es gibt noch ei­nen zweiten Teil, den ich euch in ein paar Wochen präsentieren werde. In der kommenden Woche werden wir mal wieder bodenständiger… na ja, fast. Wir landen bei Clive Cussler, aber diesmal mischt sich ein wahrhaft mörderisches SF-Element ein, das mich wirklich ziemlich überrumpelte. Und ihr wisst, ich ken­ne mich bei Cussler eigentlich aus und bin nicht so leicht aus dem Gleichge­wicht zu bringen. Diesmal jedoch… nun, mehr erfahrt ihr in einer Woche an die­ser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

ihr erinnert euch, dass ich vor sechs Wochen von dem eher nicht so glamourö­sen dritten Quartal des Kreativjahres 2016 erzählte, das sich durch eine Vielzahl von kraftlos fortgesetzten Projektentwürfen auszeichnete und durch eine Schwemme von Blogartikeln, das sonst aber nur wenig zu meinen originären Ar­beitsfeldern beitrug.

Diese Arbeitsfelder sind primär drei: der Oki Stanwer Mythos, der Archipel und mein E-Book-Programm. Da sah es doch zwischen Juli und September 2016 äu­ßerst mau aus. Und ich stellte ein wenig die inquisitorische Frage, ob das wohl im letzten Quartal des Jahres 2016 besser werden würde.

Nun, sagen wir es vorsichtig: es blieb schwierig. Wie es immer so ist, wenn ich viel arbeitstechnisch um die Ohren habe, vergrub ich mich primär in Lektüre und rezensierte dann natürlich auch, was das Zeug hielt, wenn ich auf interes­sante Werke gestoßen war. Das kam selbstverständlich langfristig meinem Re­zensions-Blog zugute, kein Zweifel. Aber wirklich zufriedenstellen konnte mich das nicht. Das ist etwa so, als wenn man Hunger hat und alles, was man sich dann leisten kann, ein lappiges Sandwich ist. Binnen einer Stunde hat man dann unweigerlich wieder Hunger. Befriedigend kann man einen solchen Zustand nicht nennen.

Und im Herbst 2016 war das bei mir ein Dauerzustand.

Zwar gelang es mir, im Oktober 2016 insgesamt 27 Werke zu vollenden, aber wenn man sich mal die strukturelle Verteilung anschaut, wird man doch etwas kleinlaut: 8 entfielen auf Blogartikel. Eins war ein wissenschaftlicher (Roh-)Arti­kel, ein Lesungsbericht war dabei, außerdem ein Lesungsskript, fünf entfielen auf Rezensionen. Und der Rest im Wesentlichen auf kommentierte OSM-Ab­schriften. Dass ich gegen Monatsende damit begann, den OSM-Roman „Die To­tenköpfe 1: Die Alte Armee“ für den seriellen Abdruck im Fanzine Baden-Würt­temberg Aktuell (BWA) ab Nr. 400 vorzubereiten (in diesem Monat schloss ich die redaktionellen Arbeiten an BWA 398 ab, es wurde also wirklich höchste Zeit dafür), half mir nicht wirklich weiter, da es sich dabei ja um eine sehr leichte Nachbearbeitung eines schon existenten Romanskripts handelte.

Zu gerne hätte ich ein E-Book fertiggestellt und publiziert, schließlich befand ich mich gerade mitten im Vierteiler um das Xoor’con-System und die RHONSHAAR-Expedition… aber ihr wisst ja, dass ich euch da viele Monate hingehalten habe. Das war echt kein böser Wille, wie ihr hieran erkennen könnt: ich kam einfach echt nicht vom Fleck.

Es war nur ein schwacher Trost, dass es mir mit nahezu allen anderen Projekten ebenso ging. Wieder einmal kam es zu einer Inflation der „eingeklammerten“ Projekteinträge (21 Zeilen insgesamt). Das wurde auch durch die Tatsache aus­gelöst, dass ich im Oktober erstmals auf der Buchmesse in Frankfurt und auf dem Buchmesse-Con sein konnte. Auch das erwies sich, wiewohl als Event ein­fach toll, als unglaublicher Zeitfresser.

Erwähnenswert für diesen Monat ist vielleicht, dass ich eine neue OSM-Story zum KONFLIKT 2 zu schreiben begann, „Thalgoons letzte Stunden“, die aber lei­der im Bilderstrom vorzeitig abriss und Fragment blieb. Ich schrieb ein wenig weiter an der OSM-Story „Die Kondenswesen“ und an der Archipel-Novelle „Waldmenschen“, doch sonst kann ich in diesem Monat nichts wirklich Bemer­kenswertes entdecken.

Traurig? Ja. Doch der November sollte härter werden.

Hier kam ich nur noch auf 14 fertige Werke, von denen 5 auf Blogartikel entfie­len, einer auf den Artikel „Abenteuer Buchmesse-Con“, den ich wesentlich für BWA schrieb. Zwei Einträge entfielen auf Teile der „Alten Armee“… aber ich konnte endlich „Die Sternenbaustelle“ vollenden! Damit hatte ich leider erst die Hälfte des E-Book-Zweiteilers um das RHONSHAAR-Desaster im Xoor’con-System geschafft.

Ich lenkte mich, soweit das irgend möglich war, durch zahlreiche Fragmentbear­beitungen weiter ab und hoffte, hier irgendwo einen inspirativen Funken zu fin­den, der mich tiefer in diese Welten tragen würde. Leider vergebens. Ich oszil­lierte zwischen Archipel und OSM hilflos hin und her.

Mal war ich im Archipel („Die zwei Provokateurinnen“), dann wieder im OSM („Auf Sklavenjagd“), danach sogar im Erotic Empire („Die Kolonie Saigon II“), dann wieder im Archipel („Sarittas Hilflosigkeit“)… und schlussendlich hatte ich dann noch zwei wissenschaftliche Projektvorträge für März und Mai 2017 in Ar­beit, die mich weiterhin absorbierten. Hinzu kam die Vorbereitungsarbeit für das Jubiläumsheft BWA 400…

Ich war höllisch unglücklich, könnt ihr mir glauben, und ich sehnte mich nach dem Jahresende… freilich ohne Aussicht, dass dieses Trauerspiel alsbald enden würde. Irgendwie war ich schon Ende November arg ausgebrannt.

Der Dezember schloss schließlich mit 23 fertigen Werken, was auf den ersten Blick Erholung signalisiert. Das wäre ja auch zu erwarten gewesen, war doch die Universität ab Weihnachten geschlossen, so dass ich – wenigstens formell – Zeit genug für ausgelebte Kreativität haben würde.

Ah, so der erste Anschein. Aber wie üblich trügt er.

Von den 23 Werken entfallen wieder einmal 8 auf Blogartikel. Drei gehen zu Lasten der „Alten Armee“, einer für eine Neufassung eines wissenschaftlichen Artikels, hinzu kam, dass mich BWA 400 bis zum 21. Dezember in Atem hielt.

Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass ich dann doch noch am 27. Dezember mit „Das Versteinerungs-Spiel“ eine kleine OSM-Vignette aus KONFLIKT 19 zu Papier bringen und in einem Rutsch abschließen konnte. Eigentlich war mit mir in diesem Monat nicht mehr viel anzufangen.

Das sieht man natürlich auch an dem sonstigen Material, das ich in dem Monat beenden konnte: kommentierte OSM-Episodenabschriften aus KONFLIKT 18, KONFLIKT 12 und KONFLIKT 14, what else?

Gut, ich machte auch weitere Gehversuche in KONFLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ (was vermutlich den Impuls für „Das Versteinerungs-Spiel“ auslös­te, wie ich aus der Ferne heute vermuten würde), auch vergrub ich mich ein wenig in KONFLIKT 22 „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“ und in diversen länge­ren Erotic Empire-Fragmentnovellen („Drei Freundinnen“, „Brittanys Abenteu­er“). Und ein paar Archipel-Fragmente wurden verlängert („Auf und nieder“, „Die Rollenspielerin“, „Mariannes Kursänderung“), ebenso wie das OSM-Frag­ment „Ungleiche Freunde“.

Sonderlich glücklich sah ich dennoch am 31. Dezember 2016 nicht aus, als ich auf diesen Monat und das Quartal zurückblickte.

Well, man kann sagen, ich hätte doch mit insgesamt 296 vollendeten Werken für dieses Jahr wirklich zufrieden sein können. Aber wenn ihr die letzten paar Artikel dieser Artikelreihe mal Revue passieren lasst, werdet ihr sicherlich ebenso denken: da wäre doch bestimmt noch sehr viel mehr drin gewesen.

Ich sehe das ganz genauso. Sicherlich ist es wichtig, dass die Blogartikel nicht stockten, denn hier ist es einfach essentiell, den steten Fluss am Laufen zu hal­ten. Dasselbe gilt natürlich für die Episodenabschriften, von denen viele inzwi­schen arg verblasst sind, so dass die dringend einer digitalen Rettung bedürfen. Doch wie ist es mit neuen Werken? Wie ist es mit der Fertigstellung von Episo­den, Romanen und Fragmenten? Es kann doch nicht sein, dass hier unablässig neue Ideen ausgebrütet und dann halbgar als Fragmente in Ordnern abgelagert werden, wo sie sich über Jahre und Jahrzehnte sedimentieren!

Wundert es euch, dass ich mit diesem Endergebnis des Jahres 2016 deswegen, wenn ich den Fokus auf innovative, neue Projekte lege, unzufrieden war? Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es mein E-Book-Programm quasi nicht mehr gab! Ich meine, das sollte eigentlich nicht die Schattenseite einer 40-Stun­den-Arbeitswoche sein. Aber genau so sah das aus.

Das steuerte definitiv auf eine Explosion hin. Und die kam dann anno 2017 auch. Davon erzähle ich euch in den nächsten Beiträgen diese Artikelreihe, denn das kam alles nicht sofort, das baute sich nach und nach über Monate auf.

Mehr über das anstrengende Frühjahr 2017 sage ich im nächsten Abschnitt meiner Kreativbiografie.

Bis bald, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 231: Das Zeugenhaus

Posted August 27th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Kriege sind Störfälle der Weltgeschichte, so würde ich das mal technisch be­trachten. Es gibt natürlich schon seit den Zeiten der alten Griechen Staatstheo­retiker, die der Auffassung sind, Kriege gehörten zur menschlichen Geschichte einfach dazu, und sie seien wie „reinigende Gewitter“, die frischen Wind in die eingerosteten gesellschaftlichen Konventionen bringen … aber wer auf diese Weise Militärgeschichte zu glorifizieren sucht, übersieht einen ganz wesentli­chen Punkt.

Kriege sind grausame Ereignisse, die mit der Wucht einer Naturgewalt zerstöre­risch wirken, die Menschenschicksale zerschmettern und unendliches Leid her­vorrufen. Nahezu niemals erfüllen kriegerische Waffengänge die Ziele, die sie letzten Endes erfüllen sollen. Weder sind Territorialgewinne langfristig haltbar noch wirken etwa Vertreibungen, wie sie als „Kollateralschäden“ bei kriegeri­schen Konflikten vorkommen, langfristig so harmonisierend, wie sich die Planer das gedacht haben.

Menschliche Gesellschaft ist ein fragiles, empfindsames Geflecht, das durch sol­che Verheerungen Narben davonträgt, und viele Kulturen tragen jahrzehnte­lang, womöglich jahrhundertelang an den Folgen, wenn deren Verursacher schon längst zu Staub zerfallen sind.

Einer der sicherlich wirkungsmächtigsten Kriege, der weltweit bis heute nach­wirkt, war der Zweite Weltkrieg. Er ist insofern ein wenig anders, als es hier tat­sächlich einmal gelang, die zentralen Krieg auslösenden Mächte niederzuwer­fen und mithilfe von Militärtribunalen zur Verantwortung zu ziehen.

Nürnberg 1945, das ist das Schlagwort, von dem man hier reden muss.

Krieg ist jedoch auch in diesem Fall ein Ereignis, das ganz eigentümliche Folge­konsequenzen auszulösen imstande ist. Manche davon sind so eigenartig, dass selbst Historiker wie ich konsterniert und überrumpelt vor dem Ergebnis ste­hen. So ging es mir auch, als ich Christiane Kohls Buch zum „Zeugenhaus“ ent­deckte.

Was das „Zeugenhaus“ ist? Und wer da Zeugnis ablegte und worüber? Das er­fahrt ihr, wenn ihr weiterlest – lasst euch überraschen:

Das Zeugenhaus

Nürnberg 1945: Als Täter und Opfer unter einem Dach zusammentrafen

von Christiane Kohl

Goldmann Hardcover

276 Seiten

München 2005

ISBN 978-3-442-31066-1

Nürnberg 1945.

Jeder zeithistorisch einigermaßen orientierte Mensch bringt mit diesem Ort und diesem Datum die alliierten Kriegsverbrecherprozesse in Verbindung, die an diesem Ort begannen und schließlich dazu führten, dass zahlreiche Größen des untergegangenen nationalsozialistischen Deutschland für ihre Verbrechen durch den Tod am Strang büßen mussten. Dies erschien damals wie heute vie­len, die von den Nazigräueln hörten, als überaus gerecht. Manche finden, es hätte noch wesentlich mehr Todesurteile geben müssen. Einige der „Verbre­cher“ seien viel zu glimpflich davongekommen – etwa Rudolf Heß, der bis ans Lebensende im Berliner Gefängnis Moabit einsaß. Oder Albert Speer, Hitlers Meisterarchitekt, der monströse Pläne für das Nachkriegsdeutschland unter dem Nazibanner geplant hatte1, auch Heinrich Hoffmann, der Leibfotograf des „Führers“ war gewiss jemand, dem man ein härteres Los gewünscht hätte.

Doch abgesehen von dieser Tatsache – hat sich jemand schon einmal ernsthaft in diesem Zusammenhang den Kopf über die Frage zerbrochen, wo die geringe­ren nationalsozialistischen Funktionäre, gegen die prozessiert wurde, eigentlich unterkamen? Oder die Zeugen der Anklage? Die Historikerin Christiane Kohl geht in diesem spannenden Buch exemplarisch dieser Frage nach und hat eine Geschichte recherchiert, wie sie unwahrscheinlicher kaum klingen könnte. Doch sie ist absolut wahr…

Den Anfang der detektivischen Spurensuche machte ein geselliges Beisammen­sein bei der Familie Kohl am Abend des 31. August 1980, bei der ein steinalter Hausfreund, Bernhard von Kleist2, unerwartet – wie Christiane Kohls Vater – plötzlich über den Zweiten Weltkrieg zu reden begann. Er hatte sogar für das, was er darbot, einen „Zeugen“ zur Hand: ein kostbar aussehendes, altes Gäste­buch, in dem sich unwahrscheinliche Leute verewigt hatten: der Widerständler Robert Havemann, der Gestapo-Gründer Rudolf Diels, der geniale Konstrukteur Willy Messerschmitt, der KZ-Häftling Eugen Kogon. IG Farben-Manager, Zwangs­arbeiter… und alle zur gleichen Zeit, binnen weniger Monate.

Weder die junge Christiane Kohl noch ihr Vater konnten es recht fassen, was von Kleist ihnen an jenem Abend erzählte – dass es ein sogenanntes „Zeugen­haus“ am Rande von Nürnberg gegeben habe, in dem sich Täter und Opfer di­rekt im Anschluss an den Holocaust und die Besetzung Deutschlands gewisser­maßen die Klinke in die Hand gegeben hatten, zeitweise am selben Abendbrot­tisch saßen.

Wie war die Stimmung? Was genau war dort vorgefallen? Was für Geschichten mochten hinter den spärlichen Einträgen in dem Gästebuch stehen, das ein uni­kater Zeitzeuge war?

Diese Fragen ließen die spätere Historikerin Christiane Kohl nicht ruhen, aber es dauerte über zwanzig Jahre und machte umfangreiche Archivrecherchen und Reisen bis nach Amerika zu Überlebenden der damaligen Geschehnisse erfor­derlich, bis sie schließlich das zweite Gästebuch des „Zeugenhauses“ aufspüren konnte – und die charismatische Leiterin der ungewöhnlichen Herberge, die un­garische Gräfin Ingeborg Kálnoky, die sich noch lebhaft an damals erinnerte.3

Gerade von ihrem vierten Kind entbunden, von ihrem Mann getrennt, dessen Schicksal ungewiss war, wurde sie von den Amerikanern engagiert, ein Haus zu leiten, dessen Eigentümer, die Familie Krülle, kurzerhand zu Dienstboten im ei­genen Haus degradiert worden waren. „Keep things running smoothly“, hatten ihr die Behörden aufgetragen: „Sorgen Sie dafür, dass alles ruhig verläuft.“

Nur, wie sollte man das tun in einem vom Krieg weitgehend verheerten Land, in dem die Besatzungsmacht – oberflächlich betrachtet – alle Fäden in der Hand hielt und die Bevölkerung sonst weithin Hunger litt?

Es waren Ex-Nazis wie der Fotograf Heinrich Hoffmann, der es demonstrierte. Er, der bald in der Küche des „Zeugenhauses“ die Anwesenden, besonders die Familie Krülle, mit „Hoffmanns Erzählungen“ aufs Angenehmste unterhielt, da­bei die dunklen Seiten des Nazireiches nie gesehen haben wollte und ansonsten die Fähigkeit besaß, einen schwunghaften Handel mit Fotos und Schwarzmarkt­waren aufzuziehen.

Dann gab es aber auch die Problemkandidaten wie jenen Mann, der im ersten Stock unter ständigem Arrest gehalten wurde, aber in Bälde hochrangigen Da­menbesuch aus dem Adelshaus Faber-Castell bekam – ein abgehärmt wirken­der Kerl mit Schmiss und Casanovatouch, von dem Hoffmann überrascht mein­te: „Ich dachte, der sei tot.“

Rudolf Diels, der Gründer der Gestapo, von der Kálnokys Familie selbst verfolgt worden war!

Schließlich kam ein Mann mit rotem Schal ins „Zeugenhaus“, schweigsam, durch Händel-Musik im Radio zu Tränen gerührt: General Erwin Lahousen Edler von Vivremont, seines Zeichens im militärischen Widerstand unter Admiral Canaris tätig und Kronzeuge der Anklage vor dem Kriegsverbrechertribunal (was ihm später die gezischte Bemerkung von Nazigrößen eintrug, er sei „leider bei der Säuberung vergessen worden“). Seine Aussagen trugen wesentlich dazu bei, die Spitzen der NS-Elite ihrem gerechten Schicksal zuzuführen.

Diese Personen und zahllose weitere trafen im „Zeugenhaus“ ein, übernachte­ten Seite an Seite mit den Opfern bzw. ärgsten Feinden, manchmal nur wenige Tage, mitunter aber auch Wochen oder Monate. Dazwischen bizarre Zwischen­spiele: beispielsweise der bei Hitler in Ungnade gefallene General Franz Halder, der mit Kálnokys kleinen Kindern Weihnachten mit Hilfe von konfiszierten Nazi-Spielzeugsoldaten Schlachten des Zweiten Weltkriegs im Wohnzimmer nachstellte; Heinrich Hoffmann, der sich die Adressen von Holocaust-Überlebenden geben ließ; und dann war da natürlich auch noch der junge, katholische Priester Fabian Flynn, der der attraktiven Gräfin „unverhohlen den Hof machte“, wie es hieß…

Der Leser spürt sehr schnell, dass das „Zeugenhaus“ ein faszinierendes, vielfälti­ges Potpourri von Biografien und verschlungenen Lebenswegen ist, die an ei­nem vermutlich einzigartigen Kulminationspunkt des Schicksals zusammenge­führt worden sind, und es gebührt der Autorin, diese Schicksale und ihre Inter­ferenzen auf so lebendige Weise dem Vergessen wieder zu entreißen.

Ebenfalls wirft man auf diesem Weg einen Blick auf die verworrenen Abläufe hinter den Kulissen des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses und seiner Fol­geprozesse – das „Zeugenhaus“ bestand bis Herbst 1948 – und die teilweise chaotischen und abenteuerlichen „Deals“, die notwendig wurden, um die „gro­ßen Fische“ zu fangen. Da wurde dann auch schon mal ein Auge zugedrückt, beispielsweise im Fall Diels.

Und der noch nicht so sehr in NS-Geschichte Bewanderte kann durch dieses fas­zinierende Fenster des „Zeugenhauses“ gleichzeitig einiges über Zyklon-B, Bir­kenwald, den Wilhelmstraßen-Prozess, den Prozess gegen die IG Farben oder die KZ-Ärzte mitbekommen… und selbstverständlich über den verblüffenden Assimilationsprozess zwischen Besetzten und Besatzern.

Eine Vielzahl knapper Kurzbiografien runden das Buch schließlich ab.

Leider ist das Werk selbst relativ kurz, und so ist man auch in moderatem Tem­po bereits nach spätestens vier Tagen am Schluss anlangt. Man wünschte sich wirklich, es wäre doppelt so lang. Und das ist, finde ich, doch ein schönes Kom­pliment für ein ungewöhnliches, reizvolles und aufschlussreiches Buch über ei­nen weißen Fleck der Historiografie. Möge es mehr davon geben. Und mögen die Leser es entdecken. Die Lektüre lohnt sich.

© 2008 by Uwe Lammers

Gar zu schnell war diese Lektüre dann leider wieder vorbei. Das oben angespro­chene Diktum, dass gute Bücher immer zu kurz sind (und mögen sie auch tau­send Seiten umfassen wie im Fall vieler Romane von Diana Gabaldon), es ist bedauerlicherweise immer in Geltung.

In der kommenden Woche möchte ich mal wieder einen kleinen Step ins Genre des Comics machen, aber zugleich beim Bereich der Phantastik bleiben. Mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. hierzu Ralph Giordano „Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. Die Pläne der Nazis nach dem Endsieg“, Rasch und Röhring, Hamburg 1989.

2 Kleist war US-Dolmetscher in der Zeit der Nachfolgeprozesse nach Nürnberg. Seine Frau löste die ursprüng­liche Herrin im „Zeugenhaus“ ab.

3 Zweifellos hilfreich für dieses Buch war die Tatsache, dass die Gräfin zeitnah Memoiren über ihre dortigen Erlebnisse erstellte und in den Staaten schließlich mit Hilfe der Ghostwriterin Ilona Herisko die Erinnerungen publizierte. Vgl. Ingeborg Gräfin Kálnoky & Ilona Herisko: „The Guest House“, New York 1975.

Liebe Freunde des OSM,

neuer Monat, neues Glück, sagt man ja vielleicht manchmal… für mich ist der Monatswechsel stets ein wenig so wie die Aktualisierung bei einer Sternenfee.1 Und weil das so ist, empfinde ich es außerdem als Privileg, euch im Rahmen dieser Blogrubrik seit sechseinhalb Jahren bereits stetig mitzuteilen, wie sich Monat für Monat mein kreatives Lebenswerk, der Oki Stanwer Mythos, entwi­ckelt.

Ja, nennt mich ruhig aktuell ein wenig sentimental gestimmt… das ist vermut­lich ein Ausfluss meiner Reise nach Osnabrück und der Dinge, die ich im Umfeld dieses Ausfluges mitbekommen habe. Ich habe durchaus Grund, heute etwas nachdenklicher gestimmt zu sein als üblich. Zum Teil liegt das bestimmt auch daran, dass ich mir in diesem Monat ein Herz gefasst habe, um endlich mit ei­ner Arbeit fortzufahren, die ich im Jahre 2015 begann und die dann, u. a. wegen meiner universitären Beschäftigung, auf der Strecke blieb.

Ich bin zurzeit dabei, mein erstes BUCH zu digitalisieren, „Die sieben Prüfun­gen“. Darin geht es ja darum, dass der Prinz Corian von Rothoran von seinem Vater Haressar dazu überredet wird, den Gevatter Tod herauszufordern, wie es einst Haressar selbst tat. Haressar bestand erfolgreich die sieben Prüfungen des Todes und erntete dafür ein Leben in Frieden und ein glückliches Heimatland. Doch nun kommt der finstere Schnitter und fordert sein Leben ein… und Corian zaudert zunächst, dann entspricht er dem Wunsch des Vaters.

Der Tod akzeptiert – und Corian wird mit Körper und Geist in andere Regionen der Welt, andere Zeiten und fremde Reiche geschleudert, um die Prüfungen des Todes zu bestehen und dabei mental zunehmend zu reifen.

Ich schrieb diesen Roman in den Jahren 1986 und 1987 und verfolgte explizit das Ziel, den Lesern die Furcht vor dem Tod zu nehmen. Stilistisch ist die Ge­schichte natürlich heute arg archaisch, strukturell aber immer noch interessant, und ich habe im Laufe der zurückliegenden Jahrzehnte sehr viel von dem wendungsreichen, verblüffenden Handlungsstrom vergessen, dass es sich ebenso um eine faszinierende Lesereise in meine Vergangenheit handelt als auch um eine Rückkehr in meine mentale Verfasstheit Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts. Eine in jederlei Weise sehr erhellende Zeitreise, kann ich euch versichern.

Interessant ist auch die Entdeckung, die ich während der Digitalisierung mach­te: dass nämlich der Inhalt des Romans eine gewisse Nähe zu meiner 1984 ge­schriebenen, aber offensichtlich nie publizierten Fantasy-Story „Die acht Ge­sichter der Weisheit“ besitzt. Ich muss sie definitiv demnächst mal digitalisie­ren.

Doch jenseits dieser Arbeit habe ich natürlich auch sonst wie üblich vielfältige kreative Aktivitäten entfaltet. Schauen wir uns das einfach mal genauer an:

(OSM-Wiki)

14Neu 67: Sturm der Untoten

Blogartikel 334: Work in Progress, Part 77

12Neu 61: Stern der vielen Gesichter

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“)

(12Neu 63: TOTAMS EXIL)

(12Neu 64: Reehn Ohf Ty)

(14Neu 68: Die Graue Eminenz)

(TI 46: Brennpunkt Hushhin)

Anmerkung: Schau an, mag einer von euch sagen, auf einmal war ich wieder zu Gast in KONFLIKT 2, der ja seit 2013 als E-Book veröffentlicht wird? Ja, war ich. Leider hat es nicht sehr lange angehalten, da ich durch profane Aktivitäten auf anderen Sektoren schnell wieder herausgerissen wurde. Welche? Ach, Steuerge­schichten, Veranstaltungen der KreativRegion e.V., Vorbereitung auf den Osna­brücker Con, Aktenexzerpte, Termine beim Jobcenter… das alles sind ziemlich massive Ablenkungen, die in diesem Monat dann dazu führten, dass ich mich zwar zu Besuch in vielen verschiedenen OSM-Welten aufhielt (und zeitweise im Erotic Empire und dem Archipel), aber nur sehr mäßig voran kam.

(TI 47: Brückenschlag in die Katastrophe)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“)

12Neu 62: Der Schattenstrudel

(DM 56: Brückenschlag der Nosh)

Anmerkung: Und das war dann der nächste Ausflug in ein OSM-Universum, in dem ich geraume Zeit nicht mehr gewesen bin. KONFLIKT 19, „Oki Stanwer – Der Missionar“, das chaotische Reich der „spezialstrukturierten Milchstraße“. Da wage ich manchmal gar nicht, den brodelnden Dampfkessel anzuheben, da wird die Sicht sofort vernebelt (Brillenträger wie ich kennen diesen Effekt bestens, hier ist das sehr ähnlich). Auch hier kam ich leider nicht wirklich vom Fleck.

(DM 60: Die Blockadebrecher)

(DM 65: Der Luna-Fehler)

(FvL 42: Bei den Bytharg-Rebellen)

Anmerkung: Das war eine sehr kurze Stippvisite in KONFLIKT 21 „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“. Unverständlich eigentlich. Die Episode ist nahezu fertig… warum ich es seit Jahren nicht über mich bringe, sie abzuschließen, ist mir un­klar. Irgendetwas scheint noch zu fehlen, ich kann es aber noch nicht greifen… also harrt die Episode auch weiterhin ihrer Fertigstellung.

(12Neu 65: ARC)

Anmerkung: Oki Stanwer erreicht die Baumeister-Galaxis Arc! Gott, und ihr glaubt überhaupt nicht, Freunde, wie sehr es mich in diesem Moment gejuckt hat, diese Folgen 64 und 65 der Serie grundlegend zu überarbeiten. Es tat schon fast weh, zu sehen, mit wie wenig Handlung und Hintergrund ich 1990 zufrieden war, als ich diese Folgen ursprünglich schrieb. Vor allen Dingen: heute weiß ich soviel MEHR über all diese Dinge. Und da ich jüngst die BdC-Serie komplett bis Ende noch einmal nachgelesen habe, wusste ich auch, welche Schicksale allen Begleitern Oki Stanwers bevorstanden… eine gruselige Vorstellung. Etwa ver­gleichbar mit dem Moment, wenn man jemanden irgendwo das erste Mal trifft, ihm die Hand schüttelt und jählings dessen gesamtes Leben bis zu seinem Tod offen vor sich liegen sieht. Ein eigentlich unvorstellbarer Moment.

Und nun denkt euch, Freunde, dass ich als Schöpfer des OSM, der ich euch seit über sechs Jahren langsam an mein Gesamtwerk heranführe, von sehr vielen Handlungspersonen, die ihr erst gerade zaghaft in meinen E-Books kennen ler­nen dürft, solcherart gestaltete Blicke bereits kenne. Mich dann in der überar­beiteten Darstellung mit meinen Kenntnissen zügeln zu müssen, ist eine sehr spezielle Form der mentalen Folter. Aber euch zuliebe halte ich das aus, und zwar schon seit Jahrzehnten.

Irgendwann in ein paar Jahrzehnten werdet ihr das vielleicht verstehen können.

(DM 64: Der Raumzeitgletscher)

(DM 71: Rückkehr nach Feuer-Terra)

Anmerkung: Nach dem zweiten Rücksturz in KONFLIKT 19, der ebenso spora­disch blieb wie der erste in diesem Monat, entschied ich mich dazu, lieber etwas grundlegend anderes zu machen. Was eine wirklich kluge Idee war und zu einer ganzen Kaskade an Blogartikeln führte.

Blogartikel 348: Legendäre Schauplätze 15: Okiplanet (ZYNEEGHAR 11)

Blogartikel 332: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (XXIX)

Blogartikel 333: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 63

Blogartikel 339: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 64

(NK 57: Sardoons Plan)

Anmerkung: Und da war die nächste Stippvisite in einem OSM-Kosmos, in dem ich seit vielen Jahren an der Arbeit bin. Diesmal erwischte es KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“, aber da blieb ich ebenfalls nicht lange.

Ich musste mich erneut erden und kehrte lieber zur „sicheren Basis“ der abzu­schreibenden und zu kommentierenden Episoden des KONFLIKTS 12 „Oki Stan­wer – Bezwinger des Chaos“ zurück.

(12Neu 66: Galaxis der Toten)

Das Mysterium – OSM-Story (Abschrift)

Anmerkung: Es gibt nur noch sehr wenige OSM-Geschichten „Aus den Annalen der Ewigkeit“, die ich inzwischen nicht digitalisiert habe. Diese hier ist eine aus dem Jahr 1986. Es existieren noch zwei weitere, dann sind die 80er Jahre-Werke alle erfasst. Ich habe mir diese Arbeiten für die zweite Jahreshälfte 2019 aufge­spart, ihr werdet dann an dieser Stelle davon lesen.

Das Mysterium“ ist, wie ich bei der Abschrift mit gesträubten Haaren entdeck­te, ein Werk, in dem ich mühsam versuchte, den Ursprung des Ordens der Ritter vom Goldkristall aufzuhellen. Aber da das zu so früher Zeit passierte, als ich ge­rade mal die KONFLIKTE 15 „Oki Stanwer“ und 13 „Oki Stanwer Horror“ abge­schlossen hatte, musste das inhaltlich natürlich schief und krumm werden. Be­denkt, Freunde: Ich arbeitete zu dieser Zeit zwar schon an KONFLIKT 17 „Dro­hung aus dem All“, an KONFLIKT 16 „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ und KONFLIKT 20 „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“ sowie KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“… aber vom Rest des OSM, na­mentlich von KONFLIKT 3, in dem diese Geschichte startet, hatte ich wirklich kei­nen blassen Schimmer.

Ihr versteht, dass das schief gehen musste, oder? Ich arbeitete ohne Netz und doppelten Boden mitten über dem Abgrund… nicht witzig. Und deshalb kam et­was heraus, was weder Fisch noch Fleisch ist und definitiv nicht publikationsfä­hig. Ich sage dazu weiter unten noch etwas, denn die Abschrift dieser Geschich­te war nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit in diesem Monat.

(Ein Alptraum namens Koloron – OSM-Novelle)

Anmerkung: Gott, schon wieder ein Rücksturz in KONFLIKT 19! Ihr merkt, wie mich diese Serie belagert. Ich muss da definitiv dringend alsbald weiterschrei­ben, sonst finde ich keine Ruhe. Es ist echt fatal, wenn ich jahrelang im OSM pri­mär Abschreib- und Kommentierungsarbeiten vollführe. Da staut sich ein kreati­ver Überdruck auf, der sich irgendwann entladen muss…

Blogartikel 340: Close Up – Der OSM im Detail (9)

(14Neu 69: Mordanschlag auf den WÄCHTER)

(14Neu 70: Verfolgungsjagd zur schwarzen Welt)

(Der Ewigkeitssender – OSM-Story)

Anmerkung: Wann spielt wohl diese Geschichte? Ich bin mir dessen immer noch nicht wirklich sicher. Von der Grundstruktur dürfte sie wohl in einem Netzuni­versum spielen, also irgendwo aufwärts von KONFLIKT 23. Aber ob das schon in KONFLIKT 24 ist oder in KONFLIKT 25, und was da für kosmische Mächte mitmi­schen… ich habe noch keine Ahnung. Es blieb bei einem kurzen Intermezzo in dieser Story.

(Roxanne – Archipel-Story)

(Glossar zur Story „Das Mysterium“)

Das Mysterium II – OSM-Story (kommentiert)

Anmerkung: Das mag euch jetzt verblüffen, besonders der Zusatz „kommen­tiert“. Aber glaubt mir, das ist zwingend erforderlich. Dazu sei Folgendes berich­tet: Die Ursprungsgeschichte von 1986 hat 29 Textseiten. Aber schon während ich in der Abschrift die zahllosen, zum Teil kuriosen Schreibfehler korrigierte und in Fußnoten kommentierte (stets der erste Schritt, den ich gehe, während ich die Geschichten abschreibe), sträubten sich mir – wie oben erwähnt – schier die Na­ckenhaare. Weil darin einfach soviel inhaltlicher Unfug geschrieben stand, dass ich mir sagte: Nein, die Geschichte braucht eine umfassende Kommentierung.

Nun, und da ich mit einem Abstand von inzwischen weit über 30 Realjahren na­türlich eine OSM-Hintergrundkenntnis hatte, die alle damaligen Erkenntnisse weit in den Schatten stellte, begann ich zu kommentieren. Das war zwingend er­forderlich. Ich kritisierte beispielsweise, dass wirklich KEINES der Völker, das in der Geschichte auftaucht, irgendwie gescheit charakterisiert wird. Von den heghyrischen Protagonisten (!) wird nicht mal ausgesagt, ob sie humanoid sind oder nicht. Offenbar ging ich damals stillschweigend einfach davon aus.

Dann taucht ein Dämon von TOTAM in KONFLIKT 3 auf… „Nonsens!“, murmelte ich verdrossen. „Dämonen sind doch erst ab KONFLIKT 7 nachgewiesen!“ Das ging also gar nicht.

Helfer des Lichts tauchen auf. Die sind aber erst frühestens ab KONFLIKT 5 (ak­tuell noch nicht begonnen) aktiv. Der Orden der Ritter vom Goldkristall, so stell­te ich mir vor, wurde erst danach geschaffen… tja, aber die Geschichte wurde ungeniert in KONFLIKT 3 verortet, und hier wurde bereits als Gründungsgrund von einem Versagen der Helfer des Lichts ausgegangen.

Nein, nein und nochmals nein! Das war genau andersherum!“, schäumte ich während der Kommentierung. Also wirklich, das war einfach nur absurd, was ich damals für kuriose Vorstellungen entwickelte.

Die Geschichte überspannt KONFLIKT 4. War irgendwo die INSEL in Sicht, die dort das Handlungszentrum darstellt?2 Natürlich nicht. Die habe ich ja erst anno 2004 erschlossen, satte 18 Jahre später. Also: Verdammt, nichts passte!

Als ich mit der Kommentierung endlich am Ende war, kurz vor meinem Osna­brück-Ausflug, starrte ich auf den Papierberg des Ausdrucks und konnte es selbst nicht fassen: Aus den 29 Textseiten waren 51 geworden. Warum? Weil ich über 400 Fußnoten gesetzt hatte, die einfach notwendig wurden, um die ganzen krausen Inhaltsfehler zu korrigieren. Da stimmte nahezu gar nichts mehr, und das hatte nicht nur mit der Gesamthistorie des OSM zu tun, sondern leider auch mit der normalen Physik, der OSM-Physik und vielem anderen mehr.

Das Mysterium“ ist aus gutem Grund nie publiziert worden. Die Geschichte ist gründlich missraten. Und „Das Mysterium II“ ist gewissermaßen die Dokumen­tation dieses Fehlschlags und zugleich die Steilvorlage für eine gründliche Neu­fassung. Wann ich dazu komme, kann ich allerdings aktuell noch nicht sagen. Wie ihr oben gesehen habt – es gibt noch jede Menge andere Baustellen, und einige davon drängen mich deutlich stärker.

(Glossar zur Story „Das Mysterium II“)

Blogartikel 341: Laurins zu Gast – meine Lesung in Osnabrück

Tja, und das war dann der Monat Mai 2019. Eine ziemliche Achterbahnfahrt, wie ihr gesehen habt. Mal schauen, wie ich mich im Monat Juni schlage.

Bis bald, meine Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Wer da verdutzt die Stirn runzelt, sollte vielleicht noch mal in meinem E-Book „Die schamlose Frau“ (2014) nachlesen, was das konkret bedeutet. Ich finde, es lohnt sich.

2 Dazu könnt ihr Stippvisiten in den Geschichten „In der Hölle“ (2013) und „Jaleenas zweites Leben“ (2016) im E-Book machen.

Liebe Freunde des OSM,

nein, ich habe nicht den vollen Titel gewählt, sondern nur die Kurzform – und zwar mit Bedacht. Schaut weiter unten nach, wie lang der Titel tatsächlich ist. Da fühlt man sich irgendwo im 17. Jahrhundert daheim, wo Romane in Europa auch solch abenteuerlich wurmartig mäandernde Titelzeilen erhielten, in denen die Verfasser sich darum mühten, das Wesentliche des Textes zu fassen. Wie banal dagegen die heutige Neigung des Buchmarktes zu plakativen Einwort- oder Zweiwort-Titeln. Schaut euch nur das Buch an, das ich vor zwei Wochen präsentierte. „Teufelstor“ – Für Autoren des 17. Jahrhunderts wäre das über­haupt kein aussagekräftiger Titel gewesen.

Wie viel anders ist es dann doch mit dem des heute vorgestellten Werkes! Nicht nur weiß man durch den Titel sogleich, wo es spielt, sondern man kennt auch die vorgebliche Verfasserin, ihren sozialen Status, und dass es sich um ein amüsantes Werk handelt, ist ebenfalls offensichtlich.

Gleichwohl bereitete mich nichts auf die Lektüre vor, als ich dieses Buch anti­quarisch entdeckte… und aus dem ich mich alsbald nicht mehr lösen konnte, weil ich unbedingt wissen wollte, auf was für verrückte Dinge diese kleine, le­benslustige und masochistische Sklavin nun als nächstes kommen würde.

Um es kurz zu machen: es ist ein äußerst amüsantes Lesevergnügen, das nicht nur Bücherliebhabern, die eine gewisse Neigung zu modernen romantischen BDSM-Romanen hegen, zum Vorteil gereichen wird. Ich bin überzeugt, das Buch lohnt absolut eine Wiederentdeckung.

Warum? Nun, lest einfach weiter und erfahrt mehr dazu…

Das vergnügliche Leben der Lieblingssklavin

Innifer von Theben

Beschrieben von ihr selbst

unter unermüdlicher Anleitung

ihres wahren Herrn und Gebieters

Senufer

1. Geheimschreiber

Seiner Majestät Pharao

von Judy Sonntag

Gala Verlag, Hamburg 1970

268 Seiten, gebunden

Keine ISBN, nur noch antiquarisch

Gibt es so etwas wie eine süße Masochistin? Vermag man über einen ganz of­fensichtlichen BDSM-Roman herzhaft zu kichern, in dem ständig die Rede von Sklaventum ist und Frauen eifrig und ausgiebig mit Seilen gefesselt und ausge­peitscht werden? Zu meiner nicht eben geringen Überraschung ist das durchaus möglich. Und es ist nicht mal eine Erfindung der Neuzeit, wie man vielleicht an­gesichts der Romanzyklen einer Sara-Maria Lukas aus dem Hause Plaisir d’Amour denken könnte… nein, das gab es alles schon vor sehr langer Zeit und ist zweifellos ziemlich in Vergessenheit geraten.

Der hier vorliegende Band ist nun wirklich schon ziemlich alt, fast so alt wie der Rezensent selbst, und doch fand ich ihn gerade jüngst erst in einem Antiquariat und kam alsbald aus dem Kichern echt nicht mehr heraus… es ist eine wirklich zu süße Schnurre, und wenn man sich darauf mal einlässt, kommt man nicht umhin, den Titel als äußerst treffend zu bezeichnen.

Wir begeben uns mit dem Roman, der genau genommen ein Tagebuch sein soll, in das alte Ägypten der Pharaonen. Wann genau das spielt, ist schwierig zu sa­gen. Der Berichterstatterin Innifer, der Lieblingssklavin des Geheimschreibers Senufer von Theben, ist das nicht so wichtig. Als er sie beispielsweise fragt: „Warum, Schmetterling, schreibst du das Datum nicht über deinen krausen Text, den Stand der Sonne und – soweit ich ihn exakt berechnen kann – den Ort des Mondes?“, da fällt Innifers Antwort fast philosophisch aus: „Weiß eine Blume das Datum, wenn sie zur richtigen Zeit blüht? Weiß der Löwe das Datum, wenn er vor Liebeslust gegen die Erde brüllt, und es ist die richtige Zeit? Und wissen deine Augen das Datum, wenn sie mir Sonne und Mond zugleich sind? Was ist das – ein Datum? Für unsere kleinen Ewigkeiten – es war nie, es ist immer.“

Ja, an der süßen Innifer ist eine kleine Philosophin verloren gegangen, keine Frage. Aber das ist nur eine Seite dieses verspielten Sklavenmädchens, das sei­nen Gebieter Senufer so innig liebt. An Innifer gibt es noch weitaus mehr zu entdecken. Während Senufer sich gegen die Intrigen bei Hof durchzusetzen hat, langatmige Dichter und Denker zu Gast hat und von einem Steinmetz sein Grab­mal einrichten lässt, vertändelt Innifer mit ihren Sklavengefährtinnen die Tage… und man sollte es wirklich nicht fassen, was ihr so alles einfällt. Und vor allen Dingen, was sie als vergnüglich auffasst.

Ausgiebigen Raum etwa nimmt eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen ein: äußerst phantasievolle Fesselspiele. Nicht nur lässt sie sich von Senufer höchst bereit­willig verschnüren und so auf Stühle fesseln, dass sie gerade mal die Hände frei hat zum Schreiben ihres Tagebuchs. Nein, sie beide machen sich auch einen Spaß daraus, Houdinis Fähigkeiten in den Schatten zu stellen, und zwar derge­stalt: Senufer – oder jemand anderes aus dem Haushalt, aber Senufer ist ihr na­türlich am liebsten – verschnürt sie ausgiebig, und alsdann hat Innifer die Auf­gabe, sich aus den Fesselungen wieder herauszuwinden.

Gleiches vollführt sie mit ihren Mitsklavinnen, umgekehrt genauso, da gibt es sogar köstliche Szenen von gegenseitigem „Wettfesseln“, optimiert dadurch, dass die Mädchen einander die Augen verbinden und sich dann gegenseitig ver­schnüren… abenteuerlicher geht’s kaum. Ob es sich dann um Sisaltaue handelt, um Hanf oder Lederstreifen, womit gebunden wird, ist wirklich einerlei. Ob In­nifer und eine Mitsklavin aneinander gefesselt werden und sich dann gegensei­tig mit Ruten zu züchtigen haben, ob Senufer seine Lieblingssklavin gebunden und geknebelt an einen Pendelholm hängt und zu Innifers wunderbarem Ge­nuss ausgiebig „fliegen“ lässt… es gibt wirklich höchst verblüffende Szenarien in diesem Roman.

Wahrlich, Spielen ist für Innifer eine leidenschaftliche Beschäftigung, und sie ist eine süße Masochistin, die immer wieder die köstliche Bestrafung sucht und… genießt, ohne Frage. Indes, eines Tages ist es aus mit diesem Spiel, und ernst wird es… beinahe tragischer Ernst…

Das 1970 erschienene Buch, später noch einmal bei Heyne neu aufgelegt, wo es insgesamt sechs Auflagen erlebte, ist eine niedliche und schnurrige Geschichte, die der Neugierige, wenn er Innifer lieb gewonnen hat, binnen weniger Tage wegschmökern kann. Schade eigentlich, weil hier einmal mehr mein Credo greift, dem gemäß gute und unterhaltsame Bücher stets zu kurz sind. Ist hier wieder einmal bestätigt worden.

Ich denke, man muss bei allem Respekt vor den vergnüglich-masochistischen Fesselspielen darüber hinwegsehen, dass die Form der Geschichte ein wogen­des Auf und Ab ist, das letzten Endes dem Anfang nicht wirklich entspricht. Dort wird schließlich angedeutet, dass Innifer noch nicht so sehr des Schreibens mächtig ist… dafür ist ihr hier vorgelegtes „Tagebuch“ aber doch äußerst wort­gewaltig. Auch gerät es an vielen Stellen erstaunlich sozialkritisch und politisch. Nun könnte man sagen, dies spräche für Innifers politischen Instinkt (den sie aber gern dementiert), doch es ist unübersehbar, dass die Autorin hier etwas aus der Rolle fiel und zu deutlich ihre eigenen Anschauungen in Innifers Mund legte.

Sei’s drum… und es mag auch gleichgültig sein, dass die Autorin, über die ich leider selbst in der Deutschen Nationalbibliothek nichts Näheres in Erfahrung bringen konnte, scheinbar keine weiteren Bücher mehr verfasst hat (ich hätte sie gern gelesen): Es ist jedenfalls offenkundig, dass sie sich mit Bondage gut auskannte und sicherlich so manches Spiel der Innifer höchstpersönlich auspro­biert haben dürfte. Der autobiografische Aspekt des Buches will mir deshalb sehr intensiv scheinen. Vielleicht hat ihr Gebieter der Lieblingssklavin Judy Sonntag nicht gestattet, ein weiteres solches Werk zu verfassen, sondern ihr mit einem feuchten Lederknebel höchst lustvoll und zu ihrem Vorteil den Mund versiegelt und ihre Hände an den Leib geschnürt.

Wer mag das schon mit Gewissheit zu sagen? Innifer, soviel ist sicher, hätte dies sehr genossen, soviel steht fest. Und unter dem Knebel hätte sie zu kichern ver­sucht oder, mit der Gerte versohlt, lustvoll geseufzt…

Allen, die bei modernen romantischen BDSM-Romanen behagliche und wohlige Leseschauer verspüren, sollten hier mal hineinschnuppern. Und kichern und la­chen und ungläubig staunen, was schon 1970 in erotischen Romanen in Deutschland so möglich war.

Ihr werdet Augen machen – versprochen!

© 2017 by Uwe Lammers

Ich muss immer noch breit grinsen, wiewohl die Rezension selbst bereits mehr als anderthalb Jahre alt ist… das Buch habe ich sicherlich nicht zum letzten Mal gelesen, davon könnt ihr ausgehen. Es gehört definitiv in die Kategorie von Ro­manen, die ich in gewissen Abständen immer wieder mal lesen werde – wie Ro­mane von Peter F. Hamilton, Diana Gabaldon, Richard Adams, Keith Laumer und Co.

In der kommenden Woche machen wir einen massiven Zeitsprung ins 20. Jahr­hundert und wechseln dann auch das Genre und kümmern uns um die jüngste Zeitgeschichte. Da schlägt dann die Kompassnadel in Richtung meiner histori­schen Profession aus.

Nähere Details in einer Woche.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 337: Legendäre Schauplätze 14: NISCHE

Posted August 17th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ich muss unwillkürlich schmunzeln, wenn ich an jenen legendären Schauplatz denke, den ich euch heute vorstellen möchte. Im Gegensatz zu dem der vergan­genen Wegetappe in dieser Blogartikelreihe, den ich vor zehn Wochen vorstell­te, also die Galaxis Milchstraße, findet ihr diesen Schauplatz (wenigstens bis­lang) im realisierten OSM-Multiversum nur ein einziges Mal, und ich kann noch nicht mal sagen, dass ich diesen Schauplatz sonderlich gut ausgeleuchtet und erforscht habe.

Aber er ist einfach nur noch phantastisch, und genau deshalb möchte ich ihn euch heute mal vorstellen. Wie so häufig schwebt auch er nicht wirklich im luftleeren Raum eures Informationshorizonts, sondern hat schon durch mein E-Book-Programm und die OSM-Veröffentlichungen in den vergangenen paar Jah­ren ein paar Anknüpfungspunkte bekommen, damit ihr Querverbindungen her­stellen könnt.

Wie gehe ich das am besten an…? Hm, lasst mich sinnieren, das ist nicht so sim­pel, wie es vielleicht scheinen mag. Na, beginnen wir mit dem Hintergrund, ehe ich euch ein köstliches Zitat präsentiere.

Wir befinden uns in KONFLIKT 19 des Oki Stanwer Mythos, also in der noch nicht publizierten Serie „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM). Das aktuelle Hand­lungsjahr ist 2081 Erdzeitrechnung, aber wir befinden uns nicht auf der Erde, sondern auf einem erdnahen Planeten, den die irdischen Kolonisten „Dawson“ genannt haben. Frühere Siedler nannten ihn „Shoneei“ oder „Swamp“. Einer dieser früheren Siedler hörte auf den Name Ian Perry, und von ihm, seiner Klei­ni-Gattin Sinaa und ihrem gemeinsamen Kind Senyaali habt ihr schon Kenntnis bekommen.1

Allerdings ist all das sehr viel früher geschehen und hat mit dem, was ich jetzt berichte, (noch) keine Berührungspunkte. Ich gehe indes davon aus, dass insbe­sondere Senyaali alsbald in der DM-Serie in Erscheinung treten wird. Das ist ge­genwärtig noch Zukunftsmusik.

Als der KONFLIKT beginnt, taucht wie so üblich in jedem Universum, in dem das der Fall ist, Oki Stanwer höchstpersönlich auf. Diesmal materialisiert er in den 2060er Jahren auf der Erde… und muss unverzüglich die Flucht antreten (die Umstände thematisiere ich hier jetzt nicht weiter, das ginge zu weit). Er erreicht Dawson und zieht sich hier in die Wildnis zurück, um das so genannte LAGER zu errichten.

Doch Dawson ist ein denkbar ungünstiger Stützpunkt – die ganze Welt leidet unter massiver Technikdegeneration, so etwas wie zivilisatorische Zentren gibt es quasi nicht, und so beschließt Oki Stanwer, ein ausgesprochenes Hightech-Produkt zu erschaffen.

Er baut die MISSOURI, das fortschrittlichste Schiff des Planeten.

Einen Schaufelraddampfer.

Moment, mögt ihr jetzt irritiert sagen, ein Schaufelraddampfer? Sind wir im Steampunk oder in der Realsatire gelandet? Nein, weder noch. Steampunk war zu Beginn der Serie (Januar 1991) unbekannt, und mit Satire haben Dawson, das LAGER und das, was Oki Stanwer in der Folge zustößt, wirklich nichts ge­meinsam.

Als anno 2081 die MISSOURI zu ihrer Jungfernfahrt entlang des Blackrivers auf­bricht und sich nach Süden orientiert, wo an der Mündung des Flusses eine Kleini-Metropole namens Koloron (!) liegen soll, geht eigentlich alles schief, was man sich nur vorstellen kann. Denn die MISSOURI kommt dort gar nicht an. Stattdessen gerät sie in einen Flussabschnitt, in dem bizarres „schwarzes Glas“ existiert, und ehe sie begreifen, was los ist, wird das Schiff geradewegs von Dawson weggesaugt in einen unbekannten Abschnitt des Kosmos. Und damit beginnt das Abenteuer.

Sie erreichen die NISCHE.

Und so schaut das im Detail dann aus:

Es ist ein seltsames Bild, das sich bietet.

Der arglose Betrachter zwinkert unwillkürlich, denn seine Erfahrung lehrt ihn, dass dieses Bild nicht der Wahrheit entsprechen kann. Es widerspricht allem, was er kennt.

Er sieht den Weltraum.

Glühende Gasbälle in weiter Ferne, flirrende Punkte.

Samtiges Schwarz in den Zwischenräumen.

Der Weltraum.

Vakuum.

Ort allenfalls für Raumschiffe.

Und dann…

…ein Objekt, das hier nicht hergehört.

Ein 40 Meter langes, metallenes Schiff mit deutlichem Kiel, ein reines Dampfschiff, das mit langsa­mer werdenden Schaufelrädern beiderseits das Vakuum zu pflügen versucht.

Der Blick des Betrachters gleitet ungläubig an der Reling entlang, vom Bug mit der kleinen Metall­kanzel über den Mast auf dem Vorschiff und den Ausguck, auf dem ein schutzloser Mensch ausharrt, der eigentlich gleich sterben muss, weiter über den Schornstein, die Brücke, hinter deren dickem Glas die Menschen erstarrt sind.

Ein Schiff!

Es mutet absurd an, und es WÄRE absurd.

Wenn das die normale Welt wäre, in der es sich befände.

WENN das der Fall wäre.

Es IST nicht der Fall.

Dies hier ist nicht das reguläre Universum.

Hier ist die NISCHE.

*

1) Camboo Naizinn:

Der Neuseeländer war einer der ersten, der von der Phasenzeit wieder losgelassen wurde.2

Er spürte als erstes einen heftigen Schwindelanfall, den er als Profibergsteiger kaum kannte. Un­willkürlich reagierte er in lang antrainierten Reflexen, hakte seine Hände in Schlaufen, schloss die Au­gen und atmete tief und gleichmäßig durch, bis der Schwindel vorbei war. Dann öffnete er sie vorsich­tig wieder.

Und schloss sie sofort mit einem japsenden Aufschrei von neuem.

‚Mein Gott… mein Gott… ich bin wahnsinnig geworden… ich bin wahnsinnig…!’, schoss es ihm durch den Kopf.

Er atmete tief durch.

Stutzte.

Atmete noch einmal tief durch.

Und dann öffnete er die Augen wieder, diesmal richtig.

Sein Blick schweifte vom höchsten Punkt der MISSOURI, Oki Stanwers Expeditionsschiff, ringsum, und wohin er auch blickte, starrte ihm Leere entgegen.

„Das ist doch unmöglich“, flüsterte er. Und konnte sich verstehen.

‚Kein Vakuum! Himmelherrgott noch mal… kein Vakuum! Aber das ist doch völlig… völlig…’ Seine Gedanken zerfaserten in Konsequenzlosigkeit. Sein Verstand war zu klein für das, was er sah.

Ringsherum um die MISSOURI erstreckte sich die samtige Schwärze des Weltalls. Als er sich aber bewegte, merkte er, dass er eine deutliche Eigenschwere besaß. Gravitationslosigkeit gab es hier also auch nicht. Die Objekte „fielen“ demnach durchaus, wenn auch vielleicht langsamer.

Es gab offensichtlich Atmosphäre.

Es war auch nicht nennenswert kalt, im Gegenteil, er vermutete, fünfzehn bis siebzehn Grad Um­gebungstemperatur mochten herrschen.

Wer beheizte einen so gewaltigen Raum? Und WIE?

War das alles nur Täuschung?

Camboo blickte aufs Deck unter sich und erkannte, dass da unten eine Reihe von Besatzungsmit­gliedern gleich ihm wieder zu sich gekommen war. Sie waren noch während der Fahrt auf dem Black­river auf Deck gerufen worden, als die riesige Schattenwand vor ihnen auftauchte.3 Nun taumelten mit Aufschreien des Entsetzens und der Überraschung zur Reling, starrten in die gähnende, grundlose Tiefe hinab…

Sie prallten ebenfalls entsetzt zurück, und nicht wenige hockten sich wimmernd auf Deck oder klammerten sich an Aufbauten fest, weil sie befürchteten, ob begründet oder nicht, gleich davonge­schleudert zu werden oder von sonst welchen Katastrophen betroffen zu werden.

Camboo konnte einfach nicht anders: er musste lachen. Und er konnte einfach nicht mehr damit aufhören…4

Ja, man kann sich das durchaus vorstellen. Die MISSOURI mutiert mit einem Mal zu einem Raumschiff, das sich offensichtlich qua Grundgeschwindigkeit – und alsbald mittels Segeln (!) in der NISCHE fortbewegt.

Die NISCHE hat eine gewisse Ähnlichkeit mit TOTAMS Vorhof, und das hat auch durchaus kosmologisch ähnliche Gründe. Ebenso wie TOTAMS Vorhof eine an­dere physikalische Struktur besitzt als das umgebende Universum, genauso stellt die NISCHE eine Art Kaverne der Raumzeit dar, die von der Rasse der Bau­meister mit Bedacht geschaffen wurde.

In der NISCHE herrscht, OSM-kosmophysikalisch gesprochen, „Teilnormierung“. Die uns vertrauten Naturgesetze sind dort weitgehend ausgehebelt. Der Welt­raum enthält kein Vakuum, sondern durchaus atembares Medium, die Schwer­kraft besitzt ganz bizarre Eigenarten, und als die anfangs völlig konsternierte Be­satzung der MISSOURI den ersten Schrecken über den jähen Transfer überwin­det, macht sich zunehmend Faszination breit.

Die NISCHE ist nicht nur eine Art leerer Raum, sondern es gibt eine gewisse Bin­nengliederung. Sie entdecken mit ihren Teleskopen zahlreiche Landmassen, die gleich Asteroiden durch die Weiten der NISCHE driften. Einige davon werden sogar von riesigen Akkretionsscheiben aus flüssigem Wasser umringt, gleich ei­nem Ringplaneten. Und in dieser Akkretionsscheibe gibt es ebenfalls Leben. Driftkorallen werden ausgemacht, und schließlich sogar Segelschiffe, die auf den Akkretionsscheiben Seefahrt betreiben. Es gibt außerdem Strömungen in­nerhalb der NISCHE, mit denen sich weite Distanzen unglaublich schnell zurück­legen lassen.

Ich denke, es ist noch Raum für ein zweites Zitat zu diesem Zweck, um das et­was anschaulicher zu gestalten:

1) Bordbuch Oki Stanwer:

„Wir sind jetzt den fünften Tag unterwegs in der Strömung. Calvin verflucht jede Stunde mindes­tens fünfmal, dass wir keine besseren Ortungsinstrumente haben, und ich kann ihm da nur beipflich­ten. Für einen Naturwissenschaftler ist die NISCHE ein Ort, um zu verzweifeln, aber auch, um Wunder zu finden, mit denen er niemals gerechnet hätte.

Camboo Naizinn hat inzwischen eines unserer wenigen Weitsicht-Ferngläser bekommen, und er gibt stets nach unten durch, wenn er ein Objekt entdeckt hat, da Aufsehen erregend genug ist. In den ersten zwei Tagen hat er nicht viel zu tun gehabt, aber vorgestern und gestern häuften sich die Sich­tungen schon merklich. Das meiste sind freilich eher kleine Landmassen, die vielleicht eine Fläche von tausend Quadratmetern haben. Zerklüftete Felsen zumeist, kaum mit nennenswerter Vegetation bedeckt.

Wir fragen uns ohnehin, wie das hier mit den Niederschlägen ist. Eigentlich sind sie hier unmög­lich. Genauso undenkbar übrigens wie unser momentanes „Flugverhalten“. Herkömmlicherweise müssten wir fallen, und diese Empfindung haben wir auch. Doch die „Strömung“, inzwischen deutlich zu erkennen, wenn wir intensiv darauf achten, verläuft definitiv waagerecht.

Das Abschätzen von Entfernungen und Geschwindigkeiten ist ebenfalls unglaublich problema­tisch. Hier macht sich unsere fehlende technische Einrichtung sehr stark bemerkbar.

Aber irgendwo voraus scheint nach Camboos neuesten Meldungen ein Objekt zu sein, das erheb­lich größer ist als alles, was wir bislang gesehen haben. Vielleicht können wir so etwas wie eine Orbi­talbahn einschlagen und eine Expedition dorthin unternehmen…?“

*

2) Haareraufen:

Ich überraschte Calvin Moore in seiner Kanzel auf dem sechsten Deck, dem obersten überhaupt. Er war hier nahe genug an Camboos Aussichtsturm, der aus dem Oberdeck aufragte, und die mit Sperrholz geschützte Kanzel, die sie normalerweise gegen Witterungseinflüsse abschottete, war von ihm deutlich verändert worden.

Kleine Klapptische, über und über mit dem im LAGER geschaffenen, groben Papier und dem aus gegerbten Häuten hergestellten Pergamentrollen bedeckt, umlagerten ihn in seinem Aussichtsposten. Ich sah eine Vielzahl technischer Skizzen und Bahnberechnungen, bei denen auffiel, dass an vielen Stellen Fragezeichen in leuchtendem Rot schimmerten. Die Farbe war auf Dawson aus Purpurfrüchten gewonnen worden. Der herbe Geruch danach hing in der Kanzel, unter anderem.

Calvin hatte sich eingeräuchert mit seinen selbstgerollten Zigarren, deren Vorrat sicherlich auch nicht ewig halten würde.

„Cal!“

„Wer stört mich beim Arbeiten?“, fauchte es aus der dunstigen Rauchwolke zurück.

„Ich habe das Gefühl, du brauchst mal wieder einen klaren Kopf. Solltest du nicht lüften?“

„Spötter!“, hallte es aus der Kanzel.

Dann jedoch erschien Moore, der geniale Erfinder, der auf Dawson schon legendären Ruf genoss und zugleich zweiter Helfer des Lichts war, auf dem Wandelgang, der die beiden zentralen Räume des sechsten Decks umgab. Er war überdacht und wies schräg laufende Regenrinnen auf. Der Blick, den wir von hier aus hatten, übertraf den aller vier Kanzeln rings um das Deck bei weitem.

Glitzernde Punkte flimmerten in der schwarzen, kosmischen Leere, die gespenstischerweise kein Vakuum enthielt.

„Was möchtest du, Oki?“

Ich sah ihn nachdenklich an und erklärte mein Anliegen, dessen Bedeutung ihm sofort klar wurde: „Direkt voraus liegt eine Landmasse, die näher kommt. Oder wir kommen ihr vielmehr näher. Cam­boo meinte, sie wäre SEHR groß, kann sie aber nicht einschätzen. Was meinst du, ist es dir möglich, zu errechnen, wie weit sie etwa weg ist und wie lange wir brauchen, um sie zu erreichen?“

Sein wettergegerbtes Gesicht sah nicht allzu glücklich aus, während ich sprach, und ich sollte auch gleich begreifen, weshalb.

„Weißt du, das ist alles zum Haareraufen, Oki“, murrte er, als er zu reden begann. „Geschwindig­keit ohne vernünftige Messgeräte herauszufinden, wenn wir nicht einmal wissen, wie rasch sich die anderen Himmelskörper bewegen, das ist eine ganz schön knifflige Sache. Wir kommen hier momen­tan meist zu Schätzwerten. Ach, ich gäbe wer weiß was für einen Handcomputer, der würde für Nähe­rungsaufgaben schon reichen.

Ich sag’ dir was… wir haben in den vergangenen Tagen Messungen unserer Eigengeschwindigkeit durchgeführt, indem wir Teile der Schiffsausrüstung ausfierten und treiben ließen und so die Ge­schwindigkeit maßen, mit der sie sich entfernten… also, wenn diese Berechnungen stimmen, dann haben wir durch die beiden Hauptsegel, das Flachsegel vorn und die Breitsegel hinten sowie die bei­den Ausleger eine Geschwindigkeit erreicht, die 10 % der Lichtgeschwindigkeit entspricht… ver­dammt, schau mich nicht so komisch an! Ich glaube das ja selbst nicht! Aber wir können uns hier auf nichts, rein gar nichts verlassen…!“

Ich nickte beunruhigt. Dass die Dinge so schlimm standen, war mir nicht klar gewesen. Und kam gleichwohl auf mein Anliegen zurück. „Schau dir diese Landmasse mal an, ja? Bitte. Und vielleicht kann dein Team ja doch mal was Handfestes machen.“

„Schick uns ein Land jenseits der Strömung, Oki, und wir machen fast alles Unmögliche möglich!“

Ich grinste. „Werd’s versuchen, Cal.“

Er sicherte mir zu, sich darum zu kümmern.

Und ich wandte mich dafür anderen Problemen zu.5

Tatsächlich finden sie eine solche Landmasse. Dummerweise ist das ein „flie­gender Kontinent“ namens Shonta-Land.

Ja, fahrt nur etwas zusammen, liebe Leser des KONFLIKTS 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI). Es sind exakt DIESE Shonta gemeint. Allerdings liegen zwischen KONFLIKT 2 und KONFLIKT 19 natürlich fast 100 Milliarden Handlungs­jahre. Infolgedessen sind die Shonta, die im Herzen dieses treibenden Kontin­ents ihre mythische Stadt Chulimshar errichtet haben sollen, mit den schlichten Zwergenwesen aus dem Stamm um den Abspalter-Shonta Abenteurerherz nicht mehr wirklich zu vergleichen.6

Sie treffen auf die gigantische Vertikalstadt Gondaur, die sich an einer kilome­terhohen Klippe aufwärts bis zur Oberfläche von Shonta-Land erstreckt und von der mausgestaltigen Rasse der Crellys bevölkert wird – zu einem guten Teil übri­gens raffinierte und skrupellose Piraten.

Und sehr bald müssen Oki Stanwer und seine Freunde verstehen, dass die NI­SCHE nicht nur ein exotischer Ort für farbenprächtige Abenteuer ist, sondern auch ein lebensgefährliches Pflaster. Denn in der NISCHE verstecken sich noch ganz andere Wesen, die nur darauf lauern, dass Hauptprotagonisten des KON­FLIKTS sich hierher verirren. Wesen wie die Sternenfee Viviane. Oder wie Oki Stanwer mit seinen Helfern des Lichts an Bord der MISSOURI.

Sie können eigentlich gar nichts richtig machen und gehen folglich in eine fatale Falle…

Tja, Freunde, und an dieser Stelle muss ich mit euch dann die NISCHE wieder verlassen, denn wie ich eingangs andeutete: diese Geschichte ist noch nicht vollständig erzählt, und ich möchte mich hier eher nicht aufs Glatteis der Speku­lationen begeben. Zwar hoffe ich, mich alsbald der spannenden OSM-Ebene 19 wieder widmen zu können, kurzfristig sieht es danach aber noch nicht aus.

Ihr merkt aber schon, dass ich auch vor über 20 Jahren bereits faszinierende Orte des OSM ersann, die mir seit langem vertraut sind, euch aber (noch) weit­gehend unbekannt und unerschlossen. Beizeiten nehme ich euch dahin in Ge­schichtenform mit, darauf habt ihr mein Wort.

Für heute endet der Ausflug ins Universum. Wir lesen uns an dieser Stelle in ei­ner Woche wieder.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. dazu das E-Book „Ian und der Stein der Götter“ (2014), außerdem die Geschichten „Der Platz der Stei­ne“ und „Das Versteinerungs-Spiel“. Zur Vorgeschichte ist etwas nachzulesen in der ebenfalls im E-Book-For­mat erschienenen Story „Die Intervention“.

2 Vgl. dazu DM-Band 9: „‚Schwarzes Glas!’“, 1998.

3 Vgl. dazu DM-Band 9: „‚Schwarzes Glas!’“, 1998.

4 Das Zitat stammt aus DM-Band 17: „Kreuzfahrt durch die NISCHE“, 1998.

5 Zitat aus DM-Band 18: „Der fliegende Kontinent“, 1998.

6 Vgl. zu dieser Andeutung den KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“, seit 2013 in E-Book-Form in Publikation.

Liebe Freunde des OSM,

dass ich ein ausgesprochenes Faible für Parallelweltengeschichten und die Zeit­reisethematik habe, ist für langjährige Leser meines Rezensions-Blogs nun wirk­lich nichts Neues. Schon recht früh habe ich dazu bereits einschlägige Literatur rezensiert.1 Heute habe ich euch ein weiteres Schmankerl aus diesem Bereich herausgesucht, das ich schon vor fast 20 Jahren gelesen und rezensiert habe… und ich finde es immer noch höchst beeindruckend.

Das Schöne an Parallelweltengeschichten ist ja, dass man dazu nicht mal zwin­gend Historiker sein muss, um ihrer Faszination zu erliegen. Weil eben die menschliche Geschichte hier das zentrale Sujet ist und man üblicherweise nicht in unserer Welt leben kann, ohne auf diesem Sektor zumindest ein Mindestmaß an Kenntnissen quasi automatisch aufzusaugen, trifft selbst der Unbedarfte hier auf Geschichten, die ihn packen. Man mag sich nicht für Politik interessieren, Li­teratur oder die Geschichtswissenschaft im Detail… aber die „Was wäre, wenn…?“-Thematik berührt automatisch jeden Lebenskreis.

Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht irgendwann den Wunsch verspürt hätte, gewisse Entscheidungen in seinem Leben anders gefällt zu haben. Und genau in diese Kerbe schlägt die Parallelweltenthematik.

Was, wenn der Entscheidungsbaum einen anderen Weg eingeschlagen hätte?

Was, wenn Menschen länger gelebt hätten, als es in den Geschichtsbüchern stand? Was wäre mit der Geschichte passiert, wenn sie früher verstorben wä­ren? Wäre unsere Welt dann eine bessere? Eine schlechtere?

Herzlich willkommen also in einer neuen Folge der Wahrscheinlichkeitsmi­schung, in der die Karten des Schicksals von Wissenschaftlern, Historikern, Phantasten und Literaten, die sonst dem Phantastischen eher abhold sind, neu gemischt werden. Tretet ein und lasst euch verblüffen:

Alexanders langes Leben, Stalins früher Tod

von Erik Simon (Hg.)

Heyne-TB 6311

München 2000, 432 Seiten

ISBN 3-453-14912-2

1931 drehte ein Taxichauffeur in New York auf der Suche nach nächtlichen Fahrgästen seine Runden. Es war eine kalte, dunkle Nacht, und als er nach Nor­den in die Fifth Avenue abbog, gewahrte er eine Gestalt, die zu warten schien, dass er endlich auf der fast leeren Avenue vorbeifuhr. In Eile, endlich einen Kun­den zu finden, ignorierte er seine instinktive Regung, zu bremsen, und gab statt­dessen Gas. Er überfuhr den ziemlich untersetzten Mann, der ihm, den Blick wohl in die falsche Richtung gewandt, vor den Wagen lief.

In ihrem Nachruf am Tag darauf sprach die New York Times von Winston Churchills Beitrag zur britischen Politik im Weltkrieg…“

Moooment, ruft jemand? Winston Churchill war doch während des Zweiten Weltkrieges Premierminister in England, und der fing bekanntermaßen erst 1939 an? Nun ja, das war auch in der Welt der Fall, die Williamson Murray spar­tanisch auf zwei Seiten skizziert. Nur dass die Nazis 1947 den Sieg davongetra­gen haben und sich im späten 20. Jahrhundert hier anschicken, Südamerika zum Hauptaufmarschgebiet gegen die eingekesselten Vereinigten Staaten von Amerika zu machen…

Williamson Murray bringt in seiner lapidaren Story „Eines Taxichauffeurs Werk“ eine erschreckende Version von „Was wäre, wenn“. Aber das ist nur ein Blick von vielen.

Erik Simons Anthologie „Alexanders langes Leben, Stalins früher Tod“ spannt in der Nachfolge der 1931 erschienenen spekulativen Geschichtsverlauf-Antholo­gie „If It Had Happened Otherwise“ von Sir John C. Squire (erstmals deutsch nachgedruckt im Jahr 2000 als „Wenn Napoleon bei Waterloo gewonnen hätte“ (Heyne 6310), einen Geschichtsbogen vom Jahr 323 vor Christus bis 1995 nach Christus und skizziert anhand von ausgewählten Beiträgen verschiedenster Au­toren alternative Weltverläufe, die zum Teil skurrile Formen annehmen. Ausge­hend von so genannten „Wendepunkten“ der Weltgeschichte, die in erster Linie an großen Gestalten und deren Schicksalen, Kriegen und Erfindungen hängen, kommen faszinierende Versionen dessen zustande, was wir sonst landläufig aus den Geschichtsbüchern kennen.

Da der Platz nicht hinreichend ist und man die Faszination solcher Geschichten in einer Rezension ohnehin nur unzureichend wiederzugeben fähig ist, sollen hier nur ein paar kurze Andeutungen der meisten Geschichten gegeben wer­den:

– Der antike Autor Titus Livius überlegt sich in seinen realen historischen Texten kurz, was geschehen wäre, wenn sich Alexander der Große statt gegen Indien eher gegen Rom gewandt hätte. Nun, Livius ist Römer, sein Fazit ist vorausseh­bar.

– Der große britische Historiker Arnold Toynbee ist mit einem faszinierenden Es­say vertreten, der sich mit dem Gedanken befasst, was hätte geschehen kön­nen, wenn Alexander der Große weitergelebt hätte und nunmehr etwas maß­voller geworden wäre. Er überlebt hier die Krankheit, die ihn im Jahre 323 vor Christus in Babylon dahinrafft und stirbt stattdessen erst im Jahr 287 vor Chris­tus. Die Folgen sind atemberaubend, im wahrsten Sinne des Wortes, aber mit­unter so fachspezifisch, dass sich die feinsten Nuancen nur einem Althistoriker erschließen. Ein Zeichen, wie akribisch diese Vision ist. Ohne Frage ist Toynbees Essay es alleine schon wert, dieses Buch zu kaufen. Wer ein bisschen von anti­ker Geschichte versteht, wird 80 Seiten lang maßlos gefesselt sein.

– Felix Cornelius widmet sich in einem fiktiven Manuskript aus dem Jahre 634 dem grandiosen Sieg der Römer über die Germanen im Jahre 9 nach Christus in der Schlacht bei Kalkriese (allgemein die „Schlacht im Teutoburger Wald“ ge­nannt), um hier ein Loblied auf die Germanen zu singen. Wie das begründet wird, mag man selbst nachlesen.

– Wolfgang Jeschke bringt mit „Die Cusanische Acceleratio“ einen durchwachsen wirkenden Auszug aus einem bislang unveröffentlichten Roman. Doch so bril­lant auch die Grundidee ist – eine Zeitreisende wird in Köln im Jahre 1452 als Hexe verbrannt, und ihre Aufzeichnungen fallen dem Kardinal Cusanus in die Hände, um eine beispiellose Beschleunigung der technischen Entwicklung her­beizuführen – , so eher lieblos zusammengestoppelt kam mir die Ausführung vor. Wer außerdem „Der letzte Tag der Schöpfung“ von Jeschke gelesen hat, erkennt eine Menge Sujets wieder. Trotzdem: nicht reizlos.

– Bizarr kommt G. W. Inomerskis „Alte russische Uchronik“ daher, die mehrere fiktive Texte mit fiktiven Verfassern beinhaltet, die jedoch in unserer Welt reale Gegenstücke hatte (z. B. Alfred Rosenberg, der angeblich hier 1952 über die Krönung Gustav Adolfs von Schweden zum russischen Zaren reflektiert, nach­dem dieser bei der Schlacht von Lützen nur verletzt wurde – in unserer Welt starb er hier und veränderte dadurch die Geschichte des Dreißigjährigen Krie­ges). Hier machte sich ansonsten meine Schwäche bei russischer Geschichte ziemlich stark bemerkbar.

– Gundula Sell lässt Georg Büchner ebenfalls seinen Tod überleben. In „Georg Büchner: Die zweite Lebenshälfte“, getarnt als Auszug aus „Meyers Konversati­onslexikon Band 2, 1880“ findet man ganz erstaunliche und jedem Germanisten UNSERER Welt unbekannte Informationen über Büchners Leben bis zum Jahr 1871, inklusive Vermählung und Nachwuchs, Revolutionsallüren, Bekanntschaft mit Karl Marx und ähnlichen abenteuerlichen Auswüchsen.

– Carl Amery ist mit Auszügen aus seinem phantastischen und grotesken Paral­lelweltenroman „An den Feuern der Leyermark“ vertreten, in der eine zusam­men gewürfelte amerikanische Cowboy-Söldnertruppe mit modernen Feuer­waffen den deutsch-österreichischen Krieg zuungunsten Preußens verändert und eine Deutsche Rheinische Republik ausruft, die schließlich Preußen ent­machtet.

Dann kommt ein ganzer Block um das Thema, das Squire aus realgeschichtli­chen Gründen 1931 nicht bearbeiten konnte: Hitler, Stalin und der II. Weltkrieg.

Ob es darum geht, dass in Stuttgart ein Hitler-Häberle-Museum eingerichtet wird, erbaut von Albert Speer („Requiem für einen Stümper“) oder Hermann Göring schließlich in der Jeans-Industrie groß rauskommt („Vor langer Zeit ver­loren“) bzw. der Kriegsverlauf durch Churchills Tod vorzeitig verändert wird (Murray, siehe Anfang der Rezension), es ist reichlich Platz für bizarre Visionen.

Die Geschichte „Wenn Thälmann 1934 nicht Reichspräsident geworden wäre“, sorgte bei dem von mir im Rahmen der Nachbarschaftshilfe betreuten 97jähri­gen Herrn Klose für nicht geringe Verwirrung. „Der war doch Kommunist! Und Reichspräsident ist er nie gewesen!“ sagte er mir, worauf ich ihm zustimmte. Aber Erik Simon geht in dieser Geschichte der Frage nach, was geschehen wäre, wenn es eine Spaltung der NSDAP (eine unter Hitler, die andere unter Gregor Strasser) im Jahre 1931/32 gegeben hätte. Die sich daraus ergebenden Konfusionen sind… mit Verlaub… faszinierend.

Zwei weitere Geschichten beschäftigen sich mit Stalin, Hitler und der Kernphy­sik („Stalins Trumpf“) beziehungsweise mit der Frage, was hätte geschehen kön­nen, wenn das Wetter Hitlers Blitzkrieg in die Quere gekommen wäre („Der Sturm“).

– Und zu guter Letzt muss es natürlich auch noch Geschichten über die jüngste Vergangenheit geben, über die deutsche Wiedervereinigung. Ein bisschen Ost­algie gefällig? Dann sollte man sich „Herrliche Zeiten“ von Karsten Kruschel aus der DDR auf der Zunge zergehen lassen. Die Geschichte um das „Mansfelder Gold“ ist einfach köstlich und eines SF-Fans würdig. Handelt es sich doch schließlich um den „unautorisierten Mitschnitt einer Rede auf dem EUROCON 1996 in Bitterfeld, nach Liechtenstein geschmuggelt“, worin der Redner über den schlechtesten SF-Roman aller Zeiten herzieht, nämlich ein Werk namens „Die Wende“, in dem die DDR der BRD 1990 beigetreten sei und die Ostdeut­sche Goldmark nicht die weltweite Leitwährung geworden ist. Absurde Vorstel­lung natürlich, nicht wahr…?

– für „Die BayernKrise“ aus der Vereinigte BergRepublik, geschrieben von Iris Monke, braucht man fast schon einen Dolmetscher. Aber kurios ist sie allemal.

Ergebnis dieser Zusammenstellung ist ein bemerkenswerter, den Geist heraus­fordernder Ideenbogen, der uns zeigen sollte, dass das, was man gerne und vorschnell als trockene Geschichte abtut, in Wahrheit ein Feld von interessan­ten Möglichkeiten ist, die es nur zu entdecken gilt. Wer dazu neigt, solche Ge­schichten gering zu schätzen, offenbart vielleicht nur stupides Desinteresse. Wer aber im Gegenteil von diesen Werken fasziniert wird, schärft hierdurch sein Auge auch für die Tatsache, dass sein eigenes Leben, das Leben von jedem von uns jeden Moment eine einzige Kette von Wendepunkten darstellt. Meistens nur für uns und einige wenige. Aber manchmal eben auch für viele, für Natio­nen oder die ganze Welt.

Stellen wir uns vor, Kennedy hätte 1961 in der Kuba-Krise die Nerven verloren. Oder Chruschtschow. Was wäre gewesen, hätte Saddam Hussein tatsächlich über einsatzfähige Nuklearwaffen verfügt (wie der Roman „Die Faust Gottes“ von Frederick Forsyth übrigens spannenderweise unterstellt)? Nehmen wir an, Luther wäre an einer Kinderkrankheit gestorben. Oder wenn Mohammed nicht nach Medina geflohen wäre… die Welt sähe gewiss vollkommen anders aus. All dies und noch viel mehr sind Geschichten, die noch zu schreiben sind.

Parallelweltgeschichten wie diese hier sind Geschichten, die vielleicht wirklich nur von historisch gut gebildeten Menschen hinreichend gewürdigt werden können. Gut. Aber auf der anderen Seite sind solche Geschichten auch der schlagende Beweis dafür, dass sich Geschichte, also das Interesse für die Ver­gangenheit, und Science Fiction, demzufolge für die Zukunft, gut vereinbaren lassen.

Wer Geschichte mag oder das, was daraus hätte entstehen können, der sollte sich mit wachem Verstand und leuchtenden Augen auf diese alternativen Wel­ten einlassen. Sie sind selbst für Nicht-Phantasten äußerst anregend.

© 2000 by Uwe Lammers

Ihr merkt schon… wiewohl diese inzwischen vergriffene Kurzgeschichtensamm­lung schon ziemlich angestaubt wirken mag, wenn man sich allein auf das Er­scheinungsjahr kapriziert, ist das doch sehr weit von der Wahrheit und dem es­sentiellen inneren Wert des Buches entfernt. Faktum ist, dass diese Geschich­ten sich auch schätzungsweise in zwanzig Jahren noch faszinierend lesen lassen – und es gibt, wie oben angedeutet, eine geradezu unüberschaubar große Zahl an möglichen weiteren Ideenkeimen für kontrafaktische Geschichten.

Nächstes Mal reisen wir ins alte Ägypten… oder jedenfalls gewissermaßen. Ich kichere jetzt schon bei dem Gedanken an das vorzustellende Buch. Nächste Wo­che versteht ihr mich besser.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. etwa Rezensions-Blog 2: „Die Gehäuse der Zeit“, 8. April 2015, oder auch Rezensions-Blog 10: „Fleisch und Blut“, 3. Juni 2015.