Blogartikel 428: Meilenstein OSM-Band 2000

Posted Oktober 17th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

selbst wenn ich das jetzt schon mehrfach privatim geschrieben und mündlich gesagt habe, klingt diese Überschrift schlechthin phantastisch. „Band 2000“ … das sagt man nicht mal eben so dahin, sondern das ist genau das, was ich oben geschrieben habe: ein Meilenstein.

Als ich anfing, die multiplen Universen des Oki Stanwer Mythos (OSM) zu entwickeln, hätte ich mir so etwas niemals träumen lassen. Natürlich, mir war schon bewusst, dass die alleinige Tat­sache, letzten Endes ein Gesamtwerk zu entwickeln, das 33 Serien umfassen würde, schon zu einer ordentlichen Anzahl an Geschichten auffächern musste. Aber Band 2000? Nicht ernst­haft.

Schauen wir uns doch den Anfang einmal an: Es begann im Jah­re 1981 mit dem nachmaligen KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“. Die Serie wurde knapp vier Jahre alt und kam auf 91 Episoden. Par­allel dazu entstanden die KONFLIKTE 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“, 17 „Drohung aus dem All“ und 13 „Oki Stanwer Horror“. Die Episodenumfänge der Serien blieben allesamt recht überschaubar:

KONFLIKT 13: 77 Episoden

KONFLIKT 14: 105 Episoden

KONFLIKT 17: 71 Episoden.

Das ergab einen Erfahrungsdurchschnittswert von 86 Episoden pro Serie. Na schön, wenn ich das damals schon extrapoliert hätte, wäre ich auf mehr als 2800 Episoden gekommen … aber soweit habe ich wirklich nicht gedacht. Vor allen Dingen aber sah die Sache ja anders aus: bis heute sind erst 10 OSM-Serien tatsächlich abgeschlossen. Hätte also mein oben prognostizier­ter Wert gestimmt, wäre ich heutzutage noch nicht mal bei Band 1000 (den ich allerdings in Wahrheit schon anno 1994 er­reichte, also bereits nach 13 Schreibjahren. Dass ich für die nächsten tausend Bände dann 26 Jahre, also die doppelte Zeit, benötigen würde, ließ sich nicht absehen.

Bekanntlich hat sich das alles anders entwickelt, primär des­halb, weil ich damit begann, meine Werke zu digitalisieren und dabei grundlegend zu kommentieren – wodurch Episoden ent­standen, die leicht die doppelte Länge der ursprünglichen Wer­ke besaßen. Damit wurden sie eindeutig zu eigenständigen neu­en Werken und werden seit gut 15 Jahren auch genau so ge­zählt.

Dennoch hat es so lange gedauert, bis Band 2000 erreicht wer­den konnte. Jetzt könnt ihr mir natürlich die auf der Zunge lie­gende Frage stellen: weshalb dauerte das so lange? Darauf gibt es verständlicherweise sehr verschiedene Antworten.

Als ich OSM-Band 1000 verfasste, 1994 also, befand ich mich gerade auf dem Weg in mein Studium, das mich die kommen­den acht Jahre gründlich vom Kurs abbrachte und völlig neue In­formationen in meinen Verstand speiste. Das war eine Verände­rung. Die zweite ergab sich durch eine räumliche Dislokalisie­rung, ich orientierte mich wohnungstechnisch nach Braun­schweig um, organisierte künftig meinen eigenen Hausstand, lernte neue Leute kennen und hatte mich selbstverständlich auch ums eigenständige Geldverdienen zu kümmern.

Solche Entwicklungen hatten zeitlich und kreativ ihren Preis … und zugleich brachten sie mich auf zwei gründlich neue Kurse. Zum einen wurde ich von guten Freunden institutionell ins Fan­dom hineingezogen und übernahm – anfangs eher zögerlich, später dann mit immer mehr Spaß an der Freude – das Amt des Chefredakteurs des Fanzines Baden-Württemberg Aktuell (BWA) im Science Fiction-Club Baden-Württemberg (SFCBW). Wenn die­ser Blogartikel erscheint, bin ich das nonstop schon unfassliche 15 Jahre am Stück. Und was soll ich sagen? Es macht immer noch verdammten Spaß.

Die andere Kursänderung ergab sich aus meiner verstärkten Lektüre erotischer Literatur. Die Welt des Archipels blühte ab 1997 in mir auf und begann zunehmend die alten Gedanken­grenzen einzureißen, die ich strukturell aufgebaut hatte – ein anfangs beängstigender Prozess, der aber langfristig ungemein Positives im Gefolge hatte.

Im Rahmen des Archipels entstanden irgendwie aus innerer Not­wendigkeit nur Romanskripte, die wenigstens 300 Seiten um­fassten, und ab dem Jahr 2000 sprengten sie dann recht schnell sogar die Grenze von 1.000 Seiten, letzten Endes mit dem Werk „Rhondas Reifejahre“ (2002-2010) sogar die atemberauben­de Grenze von 3.000 Seiten.

Niemand konnte annehmen, das würde auf den OSM keine Aus­wirkungen haben. Und in der Tat kam es auch genau so: Nach­dem das, was man eine „Archipel-Paralyse“ nennen könnte und mich anno 2000 und 2001 fast völlig aus dem OSM herauskick­te, langsam abklang, stellte ich zunehmend fest, dass die bishe­rige Episodengrenze im OSM (maximal 15 Textseiten) immer va­riabler und beliebiger wurde.

Es häuften sich Episoden mit 20 oder 30 Textseiten, und schließ­lich konstatierte ich, dass die Episoden zwar als Minimallänge etwa 12-15 Seiten haben sollten, aber dass sie durchaus eine offene Begrenzung besitzen mussten, um sich gescheit entfal­ten zu können.

In gewisser Weise hatte mich das Schreiben am Archipel ge­lehrt, flexibel zu sein, meiner Erzählader freien Lauf zu lassen. Und ja, meine Protagonisten machten immer noch, was sie woll­ten, sie zogen mich mit, überrumpelten mich, trieben mich haa­reraufend in den Irrsinn … und es war ein Riesenvergnügen und machte mächtig Spaß. Das zu leugnen wäre nun wirklich Nonsens.

Das Jahr 1994 war zugleich schon ein Zäsurjahr gewesen. Die Geburtsstunde des „Netzuniversums“, des neuen OSM-Kon­zepts, in dem transuniversale Zeitreisen über Schwindel erre­gende Zeitabgründe zentrale Bedeutung gewannen. Wo ein Krieg im Morgen und Gestern zugleich ausgetragen wurde und Reisende die bisherigen OSM-Protagonistenkreise störten, für die das, was für jene Leute reale Gegenwart war, wo die Zeit nur in eine Richtung floss, in die Zukunft nämlich, mehr einem Blick in ein Geschichtsbuch glich.

Diese Wesen nannten sich selbst GRALSJÄGER, und sie betrach­teten Oki Stanwer, die Dämonen von TOTAM, die Helfer des Lichts, die Matrixkoordinatoren und Ritter vom Goldkristall, ganz zu schweigen von all den anderen Akteuren aus anderen Völ­kern des Universums, grundsätzlich „als schon lange tot“. Damit legitimierten sie zum Teil unfassbar brutale Taten. Und gaben bi­zarren Unsinn von sich.

Pflegten gern Personen, ehe sie sie umbrachten, zu sagen, sie sollten sich doch „am Hof der Fürstin beschweren“, sobald sie tot seien. Oder sich „freuen, in den angestammten Zustand ver­setzt zu werden“ – nämlich den des Totseins.

Das war alles nicht mehr witzig. Und dann der Zerfall des Plane­ten TOTAM am Ende von KONFLIKT 23 in der Serie „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ (1994): Was sollte das denn nun werden? Wie sollte ein Kosmos aussehen, in dem die Trümmer TOTAMS über das gesamte Universum verstreut waren? Wo war das We­sen TOTAM geblieben? Wo die Dämonen, Dämonenwaffen, Dä­monentore und dergleichen?

Als der KONFLIKT 24 heraufdämmerte, die Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK), da war alles wieder offen. Dass dieser bizarren Serie dereinst der Band 2000 entstammen würde, das ahnte ich zu der Zeit natürlich noch lange nicht. Aber genauso kam es dann.

Im Jahre 2003 verdichtete sich in mir die Erkenntnis, dass DAS zentrale Ereignis, das sowohl die zukünftigen wie die vergange­nen KONFLIKTE massiv beeinflussen und vielleicht sogar ent­scheiden würde, von einem verlassenen Baumeister-EXIL na­mens HANKSTEYN in den Randbereichen der Qaulum-Dunkel­wolke der Galaxis Bool abhängen würde.

Dieses EXIL war in KONFLIKT 24 schon sehr früh aufgetaucht, in Verbindung mit einer Gestaltwandlerspezies, den Tassinern, de­ren Ursprünge eigentlich in der Galaxis Bytharg lagen (ja, da können die Kenner jetzt neugierig aufhorchen). Aber es dauerte bis Band 47, ehe ich mich massiv um HANKSTEYN kümmern konnte.

Wie gesagt, anno 2003 war das der Fall, da entwickelte ich den achtteiligen HANKSTEYN-Zyklus … und die ersten Bände waren tatsächlich überschaubar und knapp (meist unter 30-40 Seiten) und ließen sich binnen weniger Jahre schreiben. Bis 2006 hatte ich insgesamt sechs Teile des Zyklus verfasst und nahm natür­lich an, ich wäre bald fertig. Das war ein klarer Irrtum.

Band 53, der vorletzte Teil des Zyklus, schlicht mit „HANKSTEYN“ betitelt, entstand dann anno 2008 und war schon beinahe 100 Seiten lang. Und es handelte sich dabei um Band 1500 des OSM.

Wow, dachte ich … die Handlung hat jetzt so viele Facetten, selbst wenn einige Ereignispfade inzwischen in Sackgassen en­deten, dass ich nicht recht sagen konnte, wie ich sie zusam­menführen und intelligent abschließen konnte. Sagen wir es vorsichtig: der Erwartungsdruck, den ich in mir aufbaute, wurde immer stärker, und je länger ich an der Geschichte schrieb und feilte, desto länger und komplizierter wurde sie.

Das kam wahrhaftig nicht unerwartet. Der Band 54 der der NK-Serie mit dem Eigentitel „Tödliche Entscheidung“ wurde von mir bald als Band 1750 eingeplant. Denn ich spürte einfach: was ich hier erarbeitete, schrie nach einer ganz besonderen Epi­sodenziffer. Das konnte nicht einfach Band 1743 oder 1809 oder so sein, das musste zur rechten Zeit den rechten Ort finden.

Aber zwischen 2008 und 2020 – die letzten Zeilen des dramati­schen Geschehens schrieb ich am 2. Oktober 2020 – passierte schier unendlich viel, sowohl familiär wie beruflich. Neue OSM-Serien wucherten aus dem Boden. Digitalisierungsprojekte woll­ten gestemmt werden. Archipel-Romane ploppten auf und wur­den z.T. im Handumdrehen abgeschlossen (solch ein Fall war beispielsweise „Antaganashs Abenteuer“, der mit 531 Text­seiten eher „kurz“ zu nennen war.

Gute Freunde starben mir weg. Meine Eltern verstarben in den Jahren 2013 und 2015. Unser Elternhaus wurde ausgeräumt und verkauft. Meine Arbeitsstellen wechselten sich mit z.T. langen Phasen der Arbeitslosigkeit ab. Mein E-Book-Programm entstand …

Also, es waren schlechte Zeiten für die Fertigstellung einer hochkomplexen Geschichte wie NK 54. Eine Geschichte, in der es von Wissenschaftlern aus unterschiedlichsten Völkern, den Vertretern der Basis der Neutralen, CROMO-Kampfsoldaten und Grauhäutigen, Zeitreisenden und Gestaltwandlern unterschiedli­cher Spezies nur so wimmelte.

Und als die Geschichte schon rund 90 Seiten Umfang besaß, fehlte mir immer noch der letzte entscheidende Schlussstein der Geschichte, den ich in all den 12 Jahren des Schreibens an dieser einzelnen Geschichte nie gefunden hatte … ich fasse es als Wink des Schicksals auf, dass er mir dann am 29. Septem­ber 2020 schlagartig sichtbar wurde. Und von da an schrieb ich wie im Rausch, zum Teil 25 Seiten pro Tag.

Am 2. Oktober 2020 war dann mit Seite 149 Schluss. Der Epo­che machende Band 2000 des OSM war Realität, und weil ich die meiste Arbeit auf Jahre verteilt hatte, war ich lange nicht so ermattet wie etwa noch im Jahr 2000, als ich den Archipel-Ro­man „Rhondas Weg“ abschloss – damals das längste fertig gestellte Werk von mir überhaupt (inzwischen gibt es diverse längere).

Um also das Ende vorwegzunehmen, Freunde, das ihr ja noch lange nicht im Originaltext lesen könnt: Das EXIL HANKSTEYN, das von den Truppen des AUREUS im Auftrag der Sieben Licht­mächte bestürmt worden ist, ist zerstört worden. Letztlich, so sieht es vordergründig aus, haben die Mächte des Guten ge­siegt.

Aber das ist der Anschein. Und er ist trügerisch wie Treibsand­boden.

Denn die Bediensteten des AUREUS und er selbst auch, sie sind sämtlich dem linearen Zeitkonzept verhaftet. Zeitreisen, von de­ren Existenz sie auch wissen, enden für sie an der Anfangssin­gularität des Universums, dem entropischen Horizont, der ein OSM-Universum vom folgenden trennt. Die zukünftigen Univer­sen existieren physisch noch nicht, alle früheren sind zerstört und unzugänglich.

Der KONFLIKT, so das Denken der Lichtmächte und des AUREUS, spielt sich allein in den Grenzen eines Universums ab.

Sie ahnen nicht, dass HANKSTEYNS Zeitkapseln im Moment des Kollapses die Universenschranke überwunden haben. Sie sind in frühere Universen migriert, indem sie das Temporalreisekonzept der GRALSJÄGER aufnahmen. Und aus diesen Zeitkapseln ent­steht eine neue Bedrohung, die sich alsbald in einem Raum ein­nisten wird, der weit jenseits von KONFLIKT 28 liegt, mehr als 20 Milliarden Jahre in der Zukunft.

Dort, jenseits des Furcht einflößenden RANDES, wo die baryoni­sche Physik endet und Zeit in alle Richtungen strömt, wo mine­ralisch-metallische Lebensformen entstehen und das biologi­sche Leben in winzige Nischen zurückdrängen, liegt die Ge­burtswiege der GRALSJÄGER. Und die Wiege von etwas, das aus HANKSTEYN entstanden ist und das man in der fernen Zukunft als AUTARCHEN kennen wird.

Was meint ihr, wie ich aufgeatmet habe, als ich diesen Gedan­ken endlich in konkrete Worte einer Episode gießen konnte? Ich kannte GRALSJÄGER und auch AUTARCHEN immerhin schon mehr als 25 Realjahre. Aber bis 2020 war das, was man später als HANKSTEYN-Radiation bezeichnen würde, nichts als ein in­haltsleerer Begriff.

Nun, nach OSM-Band 2000, nicht mehr länger!

Atmet mal kurz durch und denkt nach.

Der OSM ist ein Geschichtenwerk, das sich achronisch in beide temporalen Richtungen entwickelt. Das war von Anfang an so, weil die erste Serie, „Oki Stanwer“, sich im Jahre 1985 nachträg­lich als KONFLIKT 15 entpuppte, also mitten im Zentrum der Ge­samt-Handlungszeitachse befand. Von da aus entstanden in di­versen Serienkeimen die KONFLIKTE 1 („Der Zathuray-Konflikt“), 2 („Oki Stanwer und das Terrorimperium“) sowie 4 („Oki Stan­wer – Der Insel-Regent“) und 7 („Oki Stanwer – Held der Hohl­welt“).

Gleichzeitig wuchsen aber auch die KONFLIKTE 16 („Oki Stan­wer – Der Mann aus dem Nichts“), 17 („Drohung aus dem All“), 18 („Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“), 19 („Oki Stanwer – Der Missionar“) und 20 („Oki und Cbalon – Das Ewig­keitsteam“). Hinzu kamen außerdem die KONFLIKTE 21 („Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“), 22 („Oki Stanwer – Der Schat­tenfürst“), 23 („Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“) und 24 („Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“). Als äußerster – und sehr, sehr seltsamer – Vorposten entwickelte sich ab 1989 bereits KONFLIKT 28 („Oki Stanwer – Der Siegeljäger“).

Gerade bei letzterer Serie begriff ich aber im Grunde genom­men erst im Jahre 1994, dass ich mich auf sehr schwankendem Grund bewegte und dort quasi nichts so war, wie ich das ein­gangs angenommen hatte.

In vielen dieser Serien sind nun GRALSJÄGER aktiv oder Abge­sandte von AUTARCHEN … und deren Antagonisten, die gleich­falls aus der fernen Zukunft kommen und deren Entstehung ebenfalls im HANKSTEYN-EXIL begonnen hat.

Während ich also gedanklich durchaus weit in die Zukunft aus­greife, muss ich in den frühen, noch in Arbeit befindlichen Serien das, was ich aktuell in Band 2000 des OSM ausgearbeitet habe, mit berücksichtigen.

Denn das Tückische an einem transtemporalen Krieg, der über die Universengrenzen in die Vergangenheit getragen wird und hier das Kausalprinzip von Ursache und Wirkung auf den Kopf stellt, besteht ja gerade darin, dass wir die Auswirkungen zu se­hen bekommen, ehe wir den Auslöser kennen.

Ich deute nur mal an, dass das Konzept der Matrixfehler ab dem Jahre 1994 eine fundamentale Neudefinition erfuhr. Und ja, auch das hängt alles mit HANKSTEYN zusammen.

Ihr merkt also … ich übertreibe kein Jota, wenn ich betone, dass der OSM-Band 2000, den ich jetzt als Meilenstein fertig gestellt habe, den gesamten OSM vorwärts und rückwärts in der Zeit grundlegend beeinflussen wird.

Wir stehen eigentlich noch ganz am Anfang und sehen bislang lediglich die vagen Schatten dessen, was uns alle erwartet … aber dass es eine unfassbar spannende Reise ins Ungewisse sein wird, soviel steht jetzt für mich schon fest. Ich bin unglaub­lich neugierig darauf, wohin mich der OSM jenseits von Band 2000 führen wird. Viele Rätsel der Vergangenheit, die ich beim besten Willen nicht begreifen konnte (obwohl ich SPÜRTE, dass ich sie genau SO beschreiben musste, vor 10, 20 oder gar 35 Realjahren), viele dieser Rätsel werden nun eine Neubewertung erfahren. Und vielleicht verstehe ich sie dann sogar.

Der OSM an sich ist und bleibt ein gewaltiges Netzwerk, durch­setzt von dunklen Rätseln und unbegreiflichen Details. Aber ich freue mich jetzt schon auf den Tag, wo sich der Vorhang hebt und das Verständnis in meinen Verstand einzieht. Bis dahin las­se ich mich vom Oki Stanwer Mythos ebenso überraschen wie ihr, Freunde.

Damit möchte ich den kleinen Rundkurs rund um Band 2000 für heute abschließen und verlasse euch wieder.

Macht es gut und bis zum nächsten Mal, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 321: Kleopatras versunkener Palast

Posted Oktober 13th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es mag euch in der Folge, wenn ihr weiterlest, vielleicht ein wenig verwirren, aber das vorliegende Buch und die daraus resultierende, inzwischen 15 Jahre alte Rezension, stellen beide eine Form von Experiment dar. Ersteres, weil das Buch völlig irreführend betitelt worden ist und den Leser aufgrund der deut­schen Übersetzung gründlich auf Abwege führt. Letzteres, da ich normalerweise als Vielleser wenig gnädig bin mit etwas, was man formal als „Etikettenschwin­del“ bezeichnen müsste. Dennoch finde ich positive Worte für diese vorliegende Publikation, und nicht zu wenige.

In der Tat mag das jemanden, der meinem Rezensions-Blog vielleicht schon ein paar Jahre folgt, verblüffen. Für mich stellte das hingegen eher eine interessante Abwechslung dar. Wer also eng zielfokussiert nach Ägypten schaut, mag von der Verschiebung des Fokus verwirrt werden – ich denke doch, es ergibt sich ein informatorischer Mehrwert aus dem Gelesenen, und insofern halte ich das Expe­riment vielleicht nicht für optimal geglückt, aber eben auch nicht misslungen.

Wohin führt uns Laura Foreman in diesem Buch, wenn nicht – primär – zu Kleo­patras Palast? Nun, um das herauszufinden, empfehle ich euch, einfach mal wei­terzulesen:

Kleopatras versunkener Palast

(OT: Cleopatra’s Palace. In Search of a Legend)

von Laura Foreman

Frederking & Thaler, 2000

220 Seiten, gebundener Bildband

Aus dem Amerikanischen von Susanne Staatsmann

Gleich vorweg eine Bemerkung, um eine Enttäuschung zu vermeiden und begie­rige Käufer ein wenig vorzuwarnen: es geht entgegen des Titels im Grunde ge­nommen in diesem Buch NICHT um Kleopatras versunkenen Palast. Man er­fährt als Leser bis zum Schluss weder exakt, wo er gelegen hat noch, wie er kon­kret aussah. „In Search of a Legend“ ist also in jeder Hinsicht präziser als die deutsche Übersetzung, es muss aber gestanden werden, dass der deutsche Titel mehr Appetit macht.

Dennoch bin ich der Auffassung, dass sich die Anschaffung des Buches lohnt. Warum, wenn doch offensichtlich ein Etikettenschwindel vorliegt? Nun, das hat mit den Rahmenbedingungen der Geschichte zu tun, die hier erzählt wird.

In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts machte sich der von der Geschichte Alexandrias faszinierte Meeresarchäologe Franck Goddio auf die Suche, im ver­sunkenen Hafengebiet der ägyptischen Nilmetropole nach den Spuren des dort lokalisierten Palastes von Kleopatra VII. zu suchen, der letzten Pharaonin aus dem Geblüt der Ptolemäer.

Sicher, wir kennen diese Geschichte vage – Kleopatra, die erst Cäsar verführt, später dessen Feldherrn und Nachfolger Mark Anton, und selbstverständlich ist jedem halbwegs bekannt, dass die energische Frau schließlich der Gefangennah­me durch Octavian (Kaiser Augustus) entging, indem sie sich selbst das Leben nahm und dadurch zu einem Mythos wurde, nicht zuletzt für spätere europäische Schriftsteller wie William Shakespeare.

Die auch für Associated Press und die New York Times arbeitende amerikanische Journalistin Laura Foreman aber nimmt in diesem opulent bebilderten Sachbuch den Leser mit auf eine Zeitreise, die an einem völlig anderen Ort, in einem gänz­lich anderen Jahrhundert und mit ein wenig überraschenden Protagonisten be­ginnt – sie schleudert uns nach Makedonien ins 4. vorchristliche Jahrhundert, an den Hof von Philipp II. und seiner Frau Olympias, zu den Eltern des später le­gendär werdenden Alexander, dessen Reich eine Ausdehnung erlangen sollte, von der nachfolgende Jahrhunderte lang nur neidisch träumen konnten.

Alexander ist es, der den Grundstein der Stadt Alexandria legt, und sein Feldherr Ptolemäus, der Gründungsvater der ptolemäischen Dynastie, die in Ägypten die Pharaonen beerbt, aber einen Teil ihrer Traditionen übernimmt, schafft jenes er­folgreichste Diadochenreich überhaupt, das sich lange im östlichen Mittelmeer als das dominierende Macht halten kann. Er gibt Alexandria ihre prägende Ge­stalt, formt ihre Bedeutung als Machtzentrum im östlichen Mittelmeer.

Foreman berichtet, immer detaillierter werdend, über Herrscherkult der ptolemäischen Epoche, von Geschwisterehen und dem fast schon zwanghaften Geschwistermorden, von Intrigen, Gemetzeln, Umstürzen, von Machtpolitik, aufstrebenden Staaten und untergehenden Völkern, von Schlachten und einer grundlegenden Verschiebung der Kräftepotentiale.

Das alles ist als Voraussetzung wichtig, als es um die Biografie der Tochter Pto­lemaios XII. geht. Und ebenso spielen eine Rolle die Geschwister von Kleopatra, Berenice und Arsinoë. Ehe der Leser eigentlich richtig begreift, hagelt es gerade­zu bekannte Gestalten und verwirrende Zusammenhänge: Herodes taucht auf, Cäsar tritt in Erscheinung, das Griechentum wird erst in Griechenland beerbt, dann greift die aufstrebende römische Macht nach dem Orient, und mitten in den Thronwirren und Machtintrigen zwischen Rom und Ägypten sowie Griechen­land und dem sich entwickelnden Partherreich findet sich die Hauptperson die­ses Buches wieder – die jugendliche, hochintelligente Kleopatra, eine Kämpfer­natur, wie sie im Buche steht, die gleich einer Katze immer wieder auf die Füße fällt und ungemein erfindungsreich ist, was den Erhalt der Macht angeht …

Im Grunde genommen muss man das Buch also weniger als eine Geschichte von Kleopatras Palast lesen denn als eine äußerst packend geschriebene Biografie einer stolzen, machtbewussten und oft auch intriganten Frau, die an den strudel­artigen Wirren ihrer Zeit scheitert und letztlich tragisch zu Grunde geht. Ebenso werden die von ihr mitgerissenen oder sie zeitweise dominierenden Persönlich­keiten hinreichend gewürdigt, um sie als Menschen mit all ihren Fehlern und Stärken sichtbar zu machen. So erfährt selbst jemand, der mit diesem Teil der Historie gut vertraut ist, einiges Wissenswerte, insbesondere über den Bereich der interessanten und teilweise geglückten, teils missglückten Vermischung von griechischen mit ägyptischen Sitten und Gebräuchen.

Ständige Umblenden ins republikanische Rom ermöglichen vielleicht nicht eine erschöpfende Auskunft über das Geschehen, doch scheint mir durch die manch­mal mentalitätsgeschichtlich operierende und psychologisierende Interpretation der politischen Entscheidungsträger ein sehr unterhaltsamer und vielseitiger Überblick gelungen zu sein, der weiteres Interesse an dieser sehr turbulenten Zeit zu wecken vermag. Vor allen Dingen aber sind es die Biografien, die zum Teil wirklich abenteuerlichen Bündnisse und Verrätereien wert, gelesen zu wer­den. „Trockene“ Geschichtsbücher gibt es genug, dies hier liest sich fast mehr wie ein Roman, wobei aber der feste Grund der Geschichte höchst selten verlas­sen und viel historischer Sachverstand eingebracht wird.

Bedauerlich, aber zu erwarten ist hingegen, dass Franck Goddios Entdeckungen zum Schluss (sie machen knapp ein Viertel des Buches und einen noch kleineren Teil des Textbereichs aus) sich leider im Wesentlichen auf nette Unterwasserfo­tografien und die Beschreibung der vorläufigen Ergebnisse der Untersuchungen beschränken. Der Palast wird, wie gesagt, nicht sichtbar. Aber der Rest des Wer­kes verdient Leser sehr wohl, was durchaus nicht nur an den opulenten Illustrationen liegt.

Auf in den Kampf, meine Freunde der ptolemäischen Zeit! Oder jene, die es werden wollen …

© 2006 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche verlassen wir den Bereich der Antike vollständig und kommen wieder im 20. Jahrhundert an. Mehr erfahrt ihr an dieser Stelle in sie­ben Tagen.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

ich weiß nicht, wie es euch so geht, Freunde, aber bei mir flie­ßen die Tage im Home Office irgendwie ineinander, die Tage und Wochen strömen dahin, und der Eindruck, mehr oder minder ständig auf der Stelle zu treten, stellt sich immer stärker ein. Es hat sehr den Anschein, als sei ich nicht wirklich fürs Home Of­fice geeignet … mental nimmt mich die durch die mikrobielle Pandemie ausgelöste Ausnahmesituation unserer Gegenwart ziemlich mit.

Da ihr diese Zeilen erst viel später lesen werdet, sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich sie am 9. Februar 2021 schreibe – in ei­ner Zeit, in der Braunschweig tief eingeschneit ist, mit kollabier­ten öffentlichen Verkehrssystemen und erstaunlichen Schnee­bergen, die es zur Veröffentlichungszeit gewiss nicht mehr geben wird. Momentan ist das wie Klein-Sibirien.

Wer nun glaubt, dies widerlege die Theorie von der globalen Er­wärmung, der täuscht sich. Man lese die dazu gehörigen Veröf­fentlichungen richtig. Dort wird ausdrücklich betont, dass „Ex­tremwetterereignisse“ (und nichts Geringeres ist das) statistisch zunehmen werden: Hitzeperioden, Sturmfluten, Stürme und na­türlich auch Temperaturstürze. Also nein, das ist eher ein sehr handgreiflicher Beleg dafür, dass der vom Menschen maßgeb­lich verursachte Klimawandel sich nun auch im Winter zu Wort meldet. Muss man nicht mögen, aber aushalten.

Doch kommen wir zum eigentlichen Thema. Ich war bei der Dar­stellung meiner Kreativbilanz, soweit sie den OSM und den Ar­chipel thematisieren, insbesondere eben die titelgebenden „An­nalen der Ewigkeit“, Ende September 2016 stehen geblieben und erzähle heute etwas über das letzte Quartal dieses Jahres.

Mit 27 Werken schaut der Monat Oktober eigentlich ganz solide aus, aber schaltet man den Filter der „Annalen“ dazwischen, wird die Auswahl doch sehr karg.

Da ist natürlich zu nennen die Weiterarbeit am E-Book „Die Sternenbaustelle“ (inzwischen längst erschienen), außerdem arbeitete ich an dem Fragment „Die Kondenswesen“, das ei­nen Seitenpfad des KONFLIKTS 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ illustrieren soll … und nein, da bin ich leider noch nicht weiter vorangekommen.

Weiter wurde an der Archipel-Novelle „Waldmenschen“ ge­feilt, die höchstwahrscheinlich am Schluss ein veritabler Roman werden wird, sobald ich mal wieder tiefer in den Archipel eintau­che und den Fokus hierher verlagere.

Das OSM-Fragment „Thalgoons letzte Stunden“ spielt dage­gen in KONFLIKT 2 und soll hier ebenfalls einen Seitenpfad der Handlung illustrieren. Bislang ist das auch nur ein Rudiment ge­blieben.

Im Oktober 2016 begann ich dann mit den Vorbereitungen, die ersten Abschnitte des OSM-Romans „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“ für die BWA-Veröffentlichung zu adaptieren. Bis Jahresende sollten es insgesamt 6 Teile (von über 20) werden, die ich vorbereiten konnte.

Damit war der Monat Oktober 2016 auch schon wieder Ge­schichte – nicht zuletzt, weil ich da beruflich im Süden Deutsch­lands und anschließend erstmals auf der Frankfurter Buchmesse war. Das kostete einiges an Vorbereitungszeit, die für das kreati­ve Arbeiten fehlte.

Im November schrumpfte mein kreatives Kontingent an vollen­deten Werken auf 14 zusammen, und sehr viel für die „Anna­len“ war nicht darunter. Ein wenig schrieb ich am Archipel-Frag­ment „Die zwei Provokateurinnen“ weiter, etwas an der OSM-Story „Auf Sklavenjagd“, die in KONFLIKT 18 in einem thermonuklearen Krieg beginnt und dann in Gefilde führt, die sich die Teilnehmer überhaupt nicht vorstellen können … leider bis heute ebenfalls noch in Arbeit.

Erfreulicherweise konnte „Die Sternenbaustelle“ abgeschlos­sen werden, und ich beeilte mich, an den Folge-E-Books „Die Nomaden von Twennar“ (auch längst publiziert), „Das Krie­gernest“ (dito) und „Zeitenwandel“ zu arbeiten, dasselbe galt auch für die Storysammlung „Die Kristalltränen und an­dere phantastische Geschichten“.

Ja, angesichts dieser sämtlich veröffentlichten Werke kann man sagen, war die Welt noch halbwegs im Lot, auch wenn ich be­ruflich schon ziemlich ermattet war. Ehrlich, ich freute mich schon auf den Dezember und hoffte, jenseits des Weihnachts­trubels ein paar erholsame Tage zu verleben … auch wenn die wieder mal seltsam werden sollten. Schließlich mögt ihr euch daran erinnern, dass meine Mutter 2015 verstorben war, und 2016 hörte damit auch unser Elternhaus auf zu bestehen, der jahrzehntelange „Ort“ für Weihnachten.

Dezember 2016 kam auf insgesamt 23 fertige Werke. So wirk­lich viel für die „Annalen“ fiel auch hier nicht ab. Gut, ich kam in dem OSM-Roman „Eine scharf geschliffene Waffe“ voran, der inzwischen auch abgeschlossen ist und dessen Schreibar­beit in „Licht und Schatten auf Dawson“ münden sollte (was ich damals noch nicht vorhersah). Wie oben angedeutet arbeitete ich an dem Episodenroman „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“ für BWA weiter, schrieb – wie schon in den vori­gen Monaten – eifrig Episoden ab, die ich kommentierte und so für die Zukunft sicherte.

Was gab es noch? Das Archipel-Fragment „Auf und nieder“ beispielsweise, die oben genannten begonnenen E-Books, an denen ich weiterschrieb (aber nicht zum Schluss kam). Außer­dem feilte ich an der Archipel-Novelle „Die Rollenspielerin“, dito an „Sarittas Hilflosigkeit“ und „Mariannes Kursände­rung“ (so hieß das frühere Fragment „Marianne“ nun).

Und dann war da noch die neckische Sache mit dem Fragment „Ungleiche Freunde“ aus dem OSM, das ihr noch nicht kennt, weil es bislang nicht fertig ist. Ihr kennt aber das in diesem Mo­nat daraus ausgekoppelte Teilstück „Das Versteinerungs-Spiel“, das schon veröffentlicht wurde. Wenn ihr das gelesen habt, wisst ihr, dass es – wie auch der noch nicht öffentliche Teil – einen weiteren Abschnitt der Lebensgeschichte von Ian Perrys Tochter Senyaali dokumentiert, die mir viel Freude bereitet, wie ich gestehe. Ich mag das Mädel einfach und bin schon sehr ge­spannt, was ihr noch alles auf dem Planeten Dawson in KON­FLIKT 19 widerfahren wird. Momentan ist das alles noch diffuses Niemandsland.

Während ich also „Das Versteinerungs-Spiel“ am 27. De­zember kurz vor Jahresschluss noch beenden konnte, harrt „Un­gleiche Freunde“ bis heute der Fortsetzung.

Ihr merkt, der Baustellen gibt es gar viele, und das ist 2021 nicht anders als anno 2016. Die Wahl zu treffen, an welchem Projekt, auf welcher Baustelle ich weiterarbeiten möchte … das ist alles andere als trivial, weil dann natürlich die Zeit für andere Aufgaben fehlen wird.

Dieses Thema sollte mich auch im anbrechenden Jahr 2017 wei­ter beschäftigen, über dessen erstes Quartal ich im kommenden Teil dieser Artikelreihe berichten möchte.

Bis bald, meine Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 320: Calendar Girl 4/E: Ersehnt

Posted Oktober 6th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Mehrteilige Zyklen von Autorinnen sind immer in Gefahr, am Ende in einer „Alles wird wieder gut“-Szenerie zu landen, das ist vermutlich allbekannt. Und wie ich an diesem Roman entdecken musste, ist dagegen auch Vielschreiberin Audrey Carlan nicht gefeit, die in diesem Band, wie ich weiter unten darlege, in ei­nen echten Handlungsnotstand geriet und dann Zuflucht in überoptimistischem Super-Happy-End suchte. Das fing im drit­ten Roman des Zyklus schon an, hier wurde es noch heftiger. Wer es also nicht so süßlich mag, sollte sich lieber viel Mineral­wasser daneben stellen bei der Lektüre, ihr werdet es zur Ver­dünnung brauchen.

Ist das jetzt die Einleitung zu einem Verriss? Nein, so schlimm ist es dann durchaus nicht. Wir sind nicht im Rezensions-Blog 318, keine Sorge. Ich mag Audrey Carlan nach wie vor sehr gern, sonst hätte ich nicht zwischenzeitlich zwei weitere ihrer Zyklen komplett gelesen und rezensiert und würde die Bände des nächsten „Lotus House“ eifrig zusammensuchen.

Aber ich warne natürlich schon mal vor – die Geschichte um das Calendar Girl Mia Saunders entwickelt sich zunehmend zu einer unrealistischen, bizarr positiv überzeichneten und von sehr durchsichtigen „Zufällen“ dominierten Handlung, und das stellte mich nur bedingt zufrieden.

Ich habe absolut nichts gegen Happy Ends, aber was mir miss­fällt, sind völlig unrealistische Zwischentöne, die nur deshalb so formuliert werden, weil man nach Monaten des Schreibens end­lich gewisse Missstände aus der Welt schaffen möchte. Das ist nicht auf Audrey Carlan beschränkt, wir hatten das auch schon etwa bei E. L. James, und wir werden solchen Strukturen bei weiteren Romanzyklen noch begegnen, die ich schon rezensiert habe und die in Vorbereitung für den Rezensions-Blog sind.

Es sollte schon ein wenig bodenständig bleiben. Das fehlt hier leider weitgehend. Insofern trübte es mein ansonsten entspann­tes Leseerlebnis doch etwas ein. Aber wer sich grundsätzlich als LeserIn auf ein umfassendes Happy End freut, dürfte hier genau an der richtigen Adresse sein.

Wie sieht das konkret aus? Schaut selbst:

Calendar Girl 4: Ersehnt

(OT: The Calendar Girl – October/November/December)

von Audrey Carlan

Ullstein 28887

434 Seiten, TB

November 2016, 12.99 Euro

Aus dem Amerikanischen von Friederike Ails

ISBN 978-3-548-28887-1

Die Überraschung am Ende des dritten Bandes des „Calendar Girl“-Zyklus war durchaus gelungen: auf eine leicht dramatische Weise wurde Mia Saunders aus der knebelnden Zwickmühle be­freit, in die sie durch die Spielschulden ihres Vaters geraten war. Das hatte indes einiges von einem rigorosen Befreiungsschlag an sich und kam deshalb einigermaßen unrealistisch herüber, wie ich fand.

Wir erinnern uns: begonnen hatte der abenteuerliche und an­fangs von ihr völlig abgelehnte Weg als Escort-Girl des Unter­nehmens „Exquisite Escorts“ ihrer Tante Millie Milan, weil Mias Vater bei dem Kredithai Blaine Pintero eine Million Dollar Spiel­schulden hatte. Sie zahlte sie als „Calendar Girl“ ab, indem sie sich für 12 Monate verpflichtete, für ein Honorar von hundert­tausend Dollar monatlich als Begleitung für vermögende Män­ner vermietet zu werden. Allerdings entgegen dem ersten An­schein nicht dafür, um mit den Kunden ins Bett zu gehen, son­dern sie auf gesellschaftlichen Anlässen zu begleiten oder an­derweitig tätig zu sein. Was Sex natürlich nicht ausdrücklich ausschloss, wenn ihr die Kunden gefielen. Diese „Leistung“ kos­tete die Kunden allerdings extra ein paar Tausender.

Mia kam sich anfangs dennoch wie eine Hure vor und hatte spe­ziell mit der Bezahlung für diese „Sonderleistung“ einige Proble­me. Sie nahm sich denn auch kategorisch vor, gebrandmarkt durch diverse katastrophale Liebeserfahrungen der Frühzeit, ihr Herz völlig aus der Sache rauszulassen. Das misslang ihr aber schon beim ersten Kunden, dem vermögenden Drehbuchautor Weston Charles Channing III., in den sie sich vollständig verlieb­te. Und das beruhte durchaus auf Gegenseitigkeit – mit entspre­chenden Komplikationen im ersten halben Jahr ihres Escort-Jobs. Aber es dauerte Monate, bis sie sich das dann selbst ein­gestand und noch länger, ehe den beiden klar wurde, wie inten­siv sie sich ihr künftiges gemeinsames Leben vorstellten.

Als im August dann erst die Geheimnisse ans Tageslicht kamen, dass Mias dortiger Kunde, der Öl-Milliardär Maxwell Cunning­ham ihr niemals gekannter leiblicher Bruder war und sie selbst die Hälfte seines Unternehmens geerbt hatte, änderten sich die Verhältnisse grundlegend. Statt eine fundamentale Verstim­mung zu empfinden, unter falschen Voraussetzungen „gebucht“ worden zu sein (was ich sehr verstanden hätte, von der Autorin aber sehr rasch äußerst heruntergekocht wurde, um die not­wendige Harmonie zwischen Geschwistern nicht aufs Spiel zu setzen), setzte jählings umfassende Harmonie ein. Das kam mir schon sehr verdächtig vor, wie ich in der dritten Rezension des Zyklus andeutete.

Auf einmal schien alles unproblematisch zu werden, Geld war kein Thema mehr, bereit stehende Flugzeuge, hilfsbereiter älte­rer Bruder, der sofort alles stehen und liegen ließ, sobald Mia rief … aber Blaine Pintero gab es natürlich gleichwohl immer noch. Den Mistkerl also, der ihren Vater krankenhausreif hatte prügeln lassen und der Mia nun direkt im Anschluss an die Rückkehr nach Las Vegas brutal die Pistole auf die Brust setzte, ihre Freundin Ginelle entführte und misshandeln ließ. Mit dem unverhohlenen Wunsch, Mia wieder in sein Bett zerren zu wol­len.

Und dann kommt Max an und zahlt die ausstehenden vierhun­derttausend Dollar quasi aus der Westentasche. Problem erle­digt, Blaine verschwindet, finanziell befriedigt, vollständig aus der Handlung. Tja, dachte ich, das ist dann doch ein wenig sim­pel. Man hätte annehmen sollen, dass ein geldgieriger Gangster nun erst recht geldgeil geworden wäre und nach noch mehr Geld im Millionenbereich zu gieren versuchen würde. Man hätte es ihm gewünscht, dass er’s versucht und übel auf der Nase landet. Die Autorin verschenkt diese Chance vollständig. Realis­tisch sieht meiner Meinung nach anders aus.

Und was passiert jetzt mit den restlichen drei Monaten?, fragte ich mich. Der Grund für den Escort-Job hat sich ja nun restlos erledigt, gell? Für den vierten Roman des Zyklus trat also Hand­lungsnotstand ein. Das hatte sich die Autorin offensichtlich so gut auch nicht überlegt, wie im Abschlussband zum Vorschein kam, um den es nun geht.

Die Dinge entwickelten sich nun massiv in Richtung Happy End: der (immer noch vornamenlose) Vater Mias und Madisons schlief zwar, sein Zustand war jedoch stabil. Eine gigantische Erbschaft stand unmittelbar bevor. Mit der unerwarteten texani­schen Verwandtschaft der Familie Cunningham kamen die bei­den Schwestern phantastisch klar. Und Mias Geliebter, Wes Channing, war aus der Gefangenschaft der philippinischen Ex­tremisten freigekommen.

Was stand noch an? Nun, Mia ist fest entschlossen, den nächs­ten Escort-Job noch anzunehmen – nicht des Geldes wegen, sondern wegen der damit verbundenen Karrierechancen. Denn sie soll in Dr. Hoffmans Fernsehshow auftreten und hier ein Fea­ture übernehmen. Da sie ohnehin Schauspielerfahrung besitzt, ist das natürlich ein Sprungbrett, das sie nicht außen vor lassen kann, selbst wenn ihr Wes sagt, sie brauche nun eigentlich – aus Geldgründen – nicht mehr zu arbeiten.

So ein Mensch ist Mia allerdings nicht. Sie will arbeiten und stürzt sich in diese Aufgabe. Und parallel dazu verarztet sie ihren traumatisierten Wes, der unter grässlichen Alpträumen lei­det, in denen er quasi nicht mehr er selbst ist.

Im November setzt sie dann außerdem alles daran, die während ihrer Escort-Tätigkeit geknüpften Freundschaften zu pflegen und riskiert eine ernste Verstimmung ihres Geliebten, der sie nun in New York mit dem Plan überrascht, sie alsbald heiraten zu wol­len. Und er hat sogar schon einen Termin im Visier, an dem er hartnäckig festhält: Neujahr! Und das ist nur noch wenige Wo­chen hin. Mia gerät ein wenig in Panik deswegen und beginnt sich zu fragen, warum er denn um alles in der Welt so drängt …

Und im Dezember wird Mia, inzwischen fest bei Dr. Hoffman an­gestellt, wo sie Features über Künstler macht, dazu bewegt, eine Künstlergruppe in Aspen/Colorado aufzusuchen und vorzu­stellen. Hier findet sie die Galerie 4M und eine Frau, von der sie angenommen hat, sie niemals wieder zu sehen – ihre seit 15 Jahren spurlos verschwundene leibliche Mutter Meryl Colgrove! Und Mia sieht rot …!

So unterhaltsam der Roman auch war, so sehr muss ich ihm lei­der attestieren, dass er, was die inhaltliche Dichte und Konzen­tration anging, spätestens ab der Hälfte, eher noch nach dem ersten Drittel, massiv abbaute. Speziell das Dezember-Kapitel war doch außerordentlich schwach, weil es so unbeschreiblich durchsichtig war. Ich argwöhnte schon nach dem Klappentext, dass es „natürlich“ um Mias Mutter gehen würde und sie diese Künstlerin sein müsse. Und dass sie die Galerie 4M nach ihrem zweiten Ehemann Michael Saunders (womit „Pops“ aus den ers­ten drei Bänden endlich auf Seite 258 dieses Romans einen Vor­namen bekam! Also erst nach gut 1800 Seiten!) und ihren Kin­dern Maxwell, Mia und Madison benannt hatte, das fiel mir schon bei der ersten Erwähnung ein. Also wirklich, Raffinesse sieht anders aus.

Problemfelder? Ein paar leichte familiäre Turbulenzen, ein wenig Rumgezicke wegen der möglichen Versöhnung mit dem nun (er­wartungsgemäß) erwachenden Vater und der lange abwesen­den Mutter … und das war’s im Grunde schon.

Jenseits der interessanten Traumabekämpfung bei Wes, Ginelle und der Schauspielerin Gina DeLuca enthielt der Roman mehr­heitlich rosarote Freundschaftsszenen und wurde von Seite zu Seite immer süßlicher, bis er schlussendlich in ziemlichem Kitsch verlandete.

Sorry, Mädel, der Roman war zwar länger als der letzte und zeigt auch durch den Epilog, dass da auf weitläufige und allum­fassende Harmonie geschielt wurde. Aber ein wenig mehr Handlung wäre für die Geschichte wirklich angenehm gewesen. So hatte ich das Gefühl, eine wirklich seeeeehr ausgewalzte Kurzgeschichte zu lesen, die durch niedliche Szenen, ein paar erotische Intermezzi und viel Detailkram unangemessen aufge­bläht wurde. Außerdem war das alles deutlich zu durchsichtig. Das galt auch für die Frage, über die die Leser vier Bände lang grübeln durften – warum Meryl ihre drei Kinder in zwei Bundes­staaten im Verlauf von 30 Jahren konsequent alle im Stich gelas­sen hatte. Auch das kam doch, mit Verlaub, ein wenig unrealis­tisch und hastig herüber.

Also: ein bedauerlich überoptimistischer Schluss des Zyklus, der die harmoniesüchtigen Seelen natürlich zufrieden stellt und Le­serinnen zweifellos ein paar Tränchen aus den Augen perlen lässt, weil das alles so schön ist. Aber in meinen Augen ist das alles dann doch etwas zu transparent, zu kitschig, zu süßlich ge­raten.

Ich hoffe doch sehr, dass Audrey Carlan in ihrem nächsten Zy­klus, „Trinity“, etwas mehr Zurückhaltung an den Tag legt und ein wenig mehr Dramatik ins Spiel bringen kann. Und, bitte, nicht wieder so einen irreal-kitschigen Schluss bringt.

Wer sich mit den Personen angefreundet hat und ihnen ein ge­lungenes Happy End wünscht, der ist mit dem Roman wirklich bestens bedient. Alle, die etwas mehr Realismus wollen, werden vermutlich eher enttäuscht sein. Schade. Aber gern gelesen habe ich den Band dennoch, weil die Autorin echt schreiben kann.

Unter Berücksichtigung der obigen Kritikpunkte: eingeschränkte Leseempfehlung.

© 2018 by Uwe Lammers

Also, ihr merkt, ein überwältigend positiver Kommentar sieht anders aus. Einerlei, es ist eine kurzweilige, durchaus lesens­werte Kost, die uns die Autorin bot, und das hat mir dann doch letzten Endes gefallen.

In der nächsten Woche tauchen wir buchstäblich unter die Wo­gen des Mittelmeeres auf der Suche nach der Vergangenheit. Wonach gesucht wird? Schaut nächste Woche rein, dann seid ihr schlauer.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

die Zeit rennt echt unglaublich. Es ist schon wieder 7 Wochen her, dass ich den letzten Eintrag in diese Rubrik machte und euch so sukzessive näher an die Realgegenwart heranführte. Darum möchte ich auch gar nicht viel Vorrede bringen, sondern gleich überleiten zum eigentlichen Geschehen.

In meiner kreativen Rückschau war ich vorangeschritten bis Ende September 2019. Es geht weiter mit dem Monat Oktober 2019.

Mit insgesamt 30 vollendeten Werken konnte ich durchaus zu­frieden sein, was das kreative Ergebnis anging. Gab es dabei besondere Überraschungen? Lasst uns mal schauen …

Sechs Werke entstammten wieder mal den Blogartikelreihen. Hinzu kamen natürlich die weiteren Digitalisate der Serien „Hor­rorwelt“, „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ und „Oki Stan­wer – Feldherr der Cranyaa“. Zwar versuchte ich mich darauf zu konzentrieren, an KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimpe­rium“ weiterzuarbeiten, dito an KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“, die ja nun bis Band 43 durchgeplant war … aber das wurde noch nichts Rechtes, dasselbe galt für meine Schreibanstrengungen in KONFLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“.

Ein Grund für diese Effektlosigkeit (der Fertigstellung) lag si­cherlich in meiner damaligen Lektüre. Ich entdeckte James Rol­lins mit seiner „Sigma Force“ als Lesestoff und war schwer be­geistert. Bis Monatsende hatte ich vier seiner dickleibigen Ac­tion-Thriller verschlungen und rezensiert.

Der Monat November war noch schreibeifriger, da entstanden bzw. wurden vollendet sage und schreibe 43 Werke. Davon ent­fielen 11 auf die Blogartikel, 14 weitere auf Horrorwelt-Episo­den, ebenfalls nicht eben wenige auf Rezensionen. Ansonsten wesentlich „Business as usual“, d.h. Digitalisate von alten Wer­ken und Episoden. Aber insgesamt eben doch eine ganze Men­ge Holz.

Der Dezember schwächelte aus saisonalen Gründen wieder et­was – er ist traditionell der Monat, in dem mich Weihnachtspost und Jahresendpost arg mit Beschlag belegt. Dennoch kam ich auf 35 fertig gestellte Werke, sodass das Jahr 2019 mit 420 voll­endeten Werken aufwarten konnte. Durchaus ein Wert, auf den ich stolz sein konnte.

Natürlich, auch in diesem Monat kamen 10 Blogartikel zustande. Schön war aber beispielsweise, dass ich kurz vor Silvester (29. Dezember, um exakt zu sein) noch Band 100 von „Horrorwelt“ digitalisieren konnte, ein erstaunlich handlungsarmer Jubiläums­band, der zum größten Teil aus Vorrede und Titelliste und Vor­schau auf die nächsten 20 Handlungsjahre besteht. Aber sei‘s drum, ich war über die hohe Nummer sehr erfreut, weil damit ein Handlungszyklus der Serie abgeschlossen werden konnte. Vor 14 Wochen konntet ihr mir ja inhaltlich bis zu diesem Punkt schon folgen, und vor 3 Wochen erzählte ich euch bereits von den nächsten 25 Episoden, um die ich mich dann im kommen­den Jahr 2020 kümmerte.

Auch schön in diesem Monat Dezember fand ich eine weitere Abrundung – in KONFLIKT 12 strebten Oki Stanwers Abenteuer einen weiteren Höhepunkt an, nämlich Band 79 der Serie mit dem programmatischen Titel „Das Konzil der Baumeister“. Das rundete auch hier einen Handlungsabschnitt schön ab. Sonst indes ist über den Dezember 2019 nichts Signifikantes oder Herausragendes zu berichten.

Schade? Ja, natürlich. Aber es gibt halt solche Monate, nicht im­merzu kann ich eine bemerkenswerte OSM-Episode abschließen (so arbeitete ich z.B. in diesen drei Monaten schon an Bänden wie „Rätsel von EWIGKEIT EINS“ und „Tödliche Entschei­dung“ weiter – ihr wisst, dass ich daraus später (2020) die Bän­de 1950 und 2000 des OSM machen sollte. Das ließ sich hier eher nur erahnen.

Mit diesem Artikel schließe ich dann die Betrachtung des Jahres 2019 für diese Reihe ab und werde in ein paar Wochen dann ins für mich gerade verstrichene Jahr 2020 überleiten.

Ich weiß, ihr lest diese Zeilen im Sommer 2021, aber zurzeit schreiben wir noch den 6. Januar 2021, das Jahr ist noch jung, und niemand vermag zu sagen, was es genau bringt. Abgese­hen natürlich von den sozialen und gesundheitlichen Schäden, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, die zurzeit gerade den zweiten Lockdown der deutschen Wirtschaft bis Ende Januar verlängert hat … ich für meinen Teil nehme ja stark an, dass uns dieser Mikroorganismus den ganzen Frühling verhageln wird, möglicherweise das gesamte Jahr … aber vielleicht muss es ja doch nicht gar so arg schlimm kommen.

Machen wir das Beste daraus. Ich werde zumindest versuchen, euch weiterhin zeitig mit diesen Blogartikeln zu versorgen, um euch ein wenig die Zeit in den eigenen vier Wänden etwas zu versüßen.

Macht es gut, bleibt wacker, Freunde!

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 319: Flucht ins Heute

Posted September 29th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ach ja, Zeitreisen … das ist ein Sujet, um das ich mich sowohl in meinen eigenen Geschichten gern kümmere als auch höchst neugierig solche Romane anderer Verfasser schmökere, in de­nen es um derartige Reisen geht. Und hier liegt einer vor, den man mutmaßlich schon zu den Klassikern zählen muss. Nicht nur deswegen, weil er mit H. G. Wells und seiner „Zeitmaschi­ne“ DEN Klassiker schlechthin zitiert.

Ich meine, auch wenn Romanstoffe verfilmt werden (über die Qualität von beidem lässt sich dann trefflich streiten), sollte man sich die Werke ein wenig näher anschauen. Im Fall des vor­liegenden alten Heyne-Taschenbuchs lohnt sich das in der Tat – deutlich mehr als im Fall des Werkes, auf das ich in der vergan­genen Woche zu sprechen kam.

Karl Alexander versucht auf durchaus nette Weise, sowohl Wells‘ Klassiker fortzuspinnen als auch das Mysterium um das Verschwinden von Jack the Ripper aufzuhellen. Derlei Versuche gab es ja bekanntlich zahlreiche.

Also folgt mir einfach mal ins neblige London Ende des 19. Jahrhunderts und sodann, schwupp, via Zeitreise ins sonnige Kalifornien des Jah­res 1979:

Flucht ins Heute

(OT: Time After Time)

von Karl Alexander

Heyne 3943

München 1983

272 Seiten, TB

Aus dem Amerikanischen von Reinhard Heinz

ISBN 3-453-30871-9

Man schreibt das Jahr 1893. Der Schriftsteller Herbert George Wells versammelt seine Freunde und Kritiker in einer abendli­chen Runde, um ihnen seine neueste Erfindung zu präsentieren – eine waschechte Zeitmaschine, mit der man sich aus dem Hier und Jetzt lösen kann. Doch dummerweise vermag er sie ih­nen nicht vorzuführen, da es zu einer verhängnisvollen Kompli­kation kommt.

Ehe er zur Vorführung schreiten kann, stürmen Polizisten von Scotland Yard das Haus. Sie suchen einen berüchtigten Verbre­cher, niemand Geringeren als Jack the Ripper, der nach fünf Jah­ren Pause wieder mit seinem blutrünstigen Handwerk begonnen hat.

Die Suche bleibt erfolglos – aber Wells entdeckt mit Entsetzen im Anschluss dieses Vorfalls in der Tasche seines Freundes und Gastes John Leslie Stevenson unleugbare Beweise, dass er der Gesuchte ist … und dann muss er feststellen, dass seine Zeit­maschine verschwunden ist.

Jack the Ripper ist entkommen, dank seiner Erfindung!

Glücklicherweise gibt es eine Rückholschaltung, und Wells kann die Verfolgung durch Raum und Zeit aufnehmen, bangen Her­zens, denn tief in seinem Herzen ist er ein friedliebender Mensch, und Gewalt ist ihm verhasst. Er empfindet es dennoch als seine Pflicht, den Verbrecher einzufangen und der Gerechtig­keit zuzuführen.

Zu seiner nicht geringen Verwirrung findet er sich im Jahre 1979 wieder (dem Ersterscheinungszeitpunkt des vorliegenden Ro­mans, daraus resultiert der deutsche Titel), und zwar in San Francisco. Allerdings wird ihm schnell klar, woran das liegt: Sei­ne Zeitmaschine „Utopia“ ist hier Teil einer Wanderausstellung.

Das Abenteuer 20. Jahrhundert durch die Linse von Wells´ Au­gen zu erleben, ist eine amüsante Achterbahnfahrt, die äußerst lesenswert ist. Für eine Weile verschwindet fast das Missionsziel aus dem Blick, einen blutrünstigen Massenmörder aufzuhalten – zumindest solange, bis Jack the Ripper in der amerikanischen Metropole zu morden beginnt. Und diesmal scheint es ganz so, als ob die Zeit selbst sein Verbündeter ist …

Den vorliegenden Roman las ich erstmals im Dezember 1988, als ich ihn als Teil eines umfangreichen Romankonvoluts eines Antiquariats erwarb. Damals versäumte ich es allerdings, ihn zu rezensieren, und die Erinnerung an das Werk war nach knapp 30 Jahren Lesedistanz entsprechend diffus. Es handelte sich aber auch bei der Zweitlektüre um ein ordentliches Vergnügen. Solide übersetzt, kommen der Wortwitz und die bizarren Trug­schlüsse von Wells und Stephenson sowie die amüsanten Wort­gefechte vergnüglich herüber.

Dass es sich indes, wie der Klappentext vollmundig verspricht, um einen „brillanten Roman“ handelt, „der auch die vertrack­teste Logik der Zeitparadoxa mühelos überspielt“, kann man eher nicht behaupten. Handwerklich gelungen, ja, kompliziert … eher nicht. Die „komplexe Handlung“ ließe sich mit wenigen Sätzen zusammenfassen, und es gibt hier gewisse Standardzu­taten wie die leichtlebigen Frauen von San Francisco sowie die phantasielosen Polizisten … dass es von Karl Alexander offen­sichtlich keine weiteren Veröffentlichungen gegeben hat, spricht eher für die Deutung, dass der Autor in diesem Werk schon sein ganzes Pulver verschossen hatte. Es ist zwar so, dass der Ro­man im Erscheinungsjahr erfolgreich als Film unter der Regie von Nicholas Meyer in die Kinos kam, aber von weiteren Roma­nen von Alexander (1938-2015) ist gleichwohl nichts bekannt. Lediglich ein Sequel des o. g. Werks aus seiner Feder wird noch erwähnt, das aber wahrscheinlich nie ins Deutsche übertragen wurde.

Gleichwohl – wer Zeitreiseromane mag, eine romantische Ader besitzt und vielleicht noch neugierig darauf ist, warum wohl Jack the Ripper nie gefasst wurde, der ist mit diesem Roman gut ver­sorgt und kann ein paar Stunden lang auf angenehme Weise aus der Gegenwart ausklinken. Es gibt definitiv sehr viel trübsinnigere Lektüren, wie ich finde. Das Buch wird auch nach zweimaliger Lektüre gewiss in meinem Bücherregal verbleiben.

Klare Leseempfehlung.

© 2016 by Uwe Lammers

In der nächsten Woche kehren wir dann in den Schlussakkord der „Calendar Girl“-Romanreihe zurück und erfahren endlich Näheres über die vertrackten Familienverhältnisse von Mia Saunders und darüber, ob sie nun ihr Liebesglück findet oder eher nicht.

Neugierig bleiben, Freunde!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

üblicherweise, so kennt ihr das von mir, ist der Januar ein Mo­nat, in dem ich der Ansicht Ausdruck verleihe, dass der Horizont wieder offen ist und ich mit frisch regenerierter Kreativität nach den Weihnachtstagen und den ruhigen Tagen bis zum neuen Jahr durchstarte und neue Werke realisiere usw.

Nun, das Jahr 2021 fing leider gründlich anders an, und ihr kennt den zentralen Grund dafür aus eigenem Erleben seit Mo­naten natürlich auch, und selbst wenn wir ihn alle nicht mehr hören können, führt doch kein Weg daran vorbei: Corona.

Die Corona-Pandemie hat uns immer noch fest im Griff, und der Lockdown inzwischen wieder, der gegenwärtig zwar auf Mitte Februar vorläufig terminiert ist … aber mal ehrlich, Freunde, glaubt daran irgendwer? Es hieß auch, der „Lockdown light“ im November sei befristet. Und dann der neue Lockdown bis zum 5. Januar … ich schätze mal ein wenig realistischer, dass die Verhältnisse bis zum Erscheinen dieses Blogartikels immer noch unsicher sein werden. Lassen wir uns mal positiv überraschen, ob ich mich irre. Ich hoffe das ja selbst auch.

Faktum bleibt jedenfalls, dass ich im Januar zwar 28 Werke fer­tigstellen konnte, aber darunter war nur vergleichsweise wenig, was in dieser Aufstellung erscheint. Das hatte teils berufliche Gründe, teilweise waren es Abschriften von Non-OSM-Episoden (Horrorwelt usw.), Rezensionen und ähnliches.

Schauen wir uns mal an, was ich hinbekam. Am Anfang des Mo­nats sah das ja gar nicht so übel aus:

Blogartikel 421: Work in Progress, Part 97

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“)

Anmerkung: Hiermit fuhr ich wie schon zu Jahresende 2020 fort, und inzwischen kann ich vermelden, dass die Glossierung der letzten abgeschlossenen und noch nicht „kartierten“ OSM-Serie, bereits bis Band 95 vorangeschritten ist. Die Serie hat zwar ins­gesamt 147 Episoden und ist damit die längste OSM-Serie über­haupt, aber ich bin zuversichtlich, bis vielleicht Anfang April alle Begriffe rudimentär erfasst zu haben, so dass ich hinter dieses Projekt einen (vorläufigen) Haken setzen und mich dann wieder anderen Aufgaben widmen kann.

Es ist immer schön, wenn man Aufgaben abschließt, das entlas­tet dann mein nicht multitasking-fähiges Hirn und verringert das Chaos darin. Ich habe das jüngst wieder gemerkt, als ich mit Wochen Verspätung die Aktualisierung meiner Kreativkartei abschloss. Das war echt eine Wohltat.

HdH 5: Am Großen Strom

Anmerkung: Ja, an HdH war ich ziemlich lange nicht mehr, das ist wahr. Und es kam ein wenig überraschend, dass ich hier schlagartig so gut vorankam, bis zum Abschluss der Episode. Oben deutete ich ja an, dass Anfang Januar 2021 durchaus gut anfing. Und in gewisser Weise hoffte ich, es werde sich so fort­setzen. Der KONFLIKT 7 des OSM ist tatsächlich seit seinem Start im Jahre 2006 (!) ziemlich stiefmütterlich behandelt wor­den, das wollte ich ändern … hat nicht so recht geklappt, wie ihr erkennen könnt.

(HdH 6: Der Diener Lemaars)

(HdH 8: Fremde im Hellen Dom)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“)

(HdH 7: Der Glanz der Vorzeit)

(HdH 9: Gefangen in der Falle)

(HdH-Lexikon)

(Bewusstwerdung – OSM-Story)

Anmerkung: Auch dieses Geschichtenfragment rechnet noch in KONFLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“ hinein. Es spielt etwas vor der Episode 1 der Serie und hat eine gewisse Schnitt­menge geografischer Natur mit den Bänden 5 bis 8, weswegen es nahe lag, daran weiterzuschreiben. Der Elan hielt leider nicht sehr lange an, zu bedauerlich …

(OSM-Wiki)

Blogartikel 414: Legendäre Schauplätze 21: Ursinoon

Blogartikel 426: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 76

13Neu 8A: Der Todesfahrer

12Neu 101: Der Konstantenwechsler

(12Neu 102: Galaxis im Mahlstrom)

(Rilaans Geschichte – OSM-Novelle)

Anmerkung: Das sieht man hier natürlich nicht, aber an dieser Geschichte kam ich enorm weit voran. Inzwischen hat das Werk schon 77 Skriptseiten, die meisten davon fertig formatiert. Ich halte es für äußerst realistisch, diese Geschichte im Frühling 2021 abschließen zu können. Lasst euch davon mal überra­schen.

(12Neu 103: Emissär aus der Ewigkeit)

(12Neu 104: Ausflug in die Zukunft)

Blogartikel 429: Close Up – Der OSM im Detail (27)

(12Neu 105: Das Chaos-Universum)

13Neu 9: Der Killer mit meiner Waffe

Blogartikel 418: Wenn der Autor über den OSM lachen muss…

(13Neu 10: Gehirn-Parasiten)

(13Neu 9A: Der Killer mit meiner Waffe)

(12Neu 106: Schnittstellen des Infernos)

(IR 26: Odyssee in Uuridan)

Anmerkung: Ja, und zum Ende rutschte ich dann – wohl ausge­hend von der Rilaan-Novelle, die ja auch in der INSEL des KON­FLIKTS 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ spielt – , in diese Serie zurück. Leider nur ganz kurz, weil ich müde und erschöpft war … aber auch hier will ich im begonnenen Jahr noch deutlich weiter vorankommen. Drückt mir mal die Daumen, dass das auch gelingt.

Und damit waren wir dann am Schluss der Aufstellung ange­kommen. Ich sagte ja, viele andere Positionen sind nicht darstellungsberechtigt in dieser Auflistung, darunter rechnen natürlich auch alle Rezensions-Blogs.

Schauen wir einfach mal, wie sich das angebrochene Jahr entwi­ckelt. Ich hoffe, da alsbald auch mal wieder zu E-Book-Texten zu kommen, damit ihr wisst, wie sich die Ereignisse in Twennar, in Bytharg und Pholyar bzw. auf der Erde des 22. Jahrhunderts (CLOGGATH-KONFLIKT) weiter entwickeln.

Für heute aber möchte ich schließen und danke für eure Auf­merksamkeit und Treue. Bleibt bitte alle gesund und mir gewo­gen! Danke!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 318: Die Entdecker-Zeitung

Posted September 22nd, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

schöne Bücher zu machen, ohne auf den Inhalt zu achten, ist stets problematisch. Ebenso, wie Menschen, die schöne Bücher sammeln, ohne sich um deren Inhalt zu bekümmern. Ich habe beides immer bedauernswert gefunden und stand und stehe auf dem Standpunkt, dass der Inhalt eines Werkes im Zentrum der Wahrnehmung zu stehen hat, nicht der schale Oberflächen­glanz.

Bücher mögen so nett und gefällig aufgemacht sein, wie sie wollen, wenn der Inhalt schwach oder sogar bedenklich ist, muss man in einer realistischen Rezension kritisch darauf ver­weisen und gegebenenfalls von der Lektüre ernsthaft abraten.

Ich neige üblicherweise nicht dazu, solche Bücher überhaupt zu rezensieren … aber das ist der Standpunkt des Heute. Anno 2003, als ich das unten besprochene Buch las, ließ ich mich durchaus noch vom Äußeren verlocken … und in diesem Fall so­gar zu einem veritablen Verriss.

Das kennt ihr so gar nicht von mir? Nun, das ist richtig. Kritische Worte kommen natürlich schon mal vor, aber so etwas hat wirk­lich Seltenheitswert, da stimme ich euch zu. Dennoch war es damals schlicht unumgänglich.

Das Zeitalter der Entdecker ist durchweg faszinierend, da stim­me ich als Historiker vollkommen zu, aber es in dieser Weise für kindliche Leser aufzubereiten, halte ich zugleich für äußerst pro­blematisch.

Warum? Nun, schaut euch das mal näher an und lest weiter:

Die Entdecker-Zeitung

(OT: The History News: Explorers)

von Michael Johnstone

Kinderbuchverlag (kbv) Luzern

36 Seiten, gebunden (1999)

Übersetzt von Christa Holtei

Ohne Zweifel, das Zeitalter der Entdecker ist länger, als man allgemein annimmt. Für den Macher dieser „Zeitung“ beginnt dieses Zeitalter im Polynesien vor rund 3500 Jahren. Jeder, der sich ein wenig mit der Materie auskennt, wird dieser Einschät­zung zustimmen können. In der Tat sind die polynesischen See­fahrer die Prototypen der Abenteurer, die dargestellt werden.

Der Bogen der Handlungszeit spannt sich vom Polynesien des zweiten vorchristlichen Jahrtausends bis zur Gegenwart. Wir treffen die Phönizier, die chinesischen Forscher, natürlich die reiselustigen Wikinger und den erstaunlichen, fußfesten Ibn Bat­tuta. Kolumbus darf nicht fehlen, ebenso wenig Magellan und die spanischen Konquistadoren. Sucht jemand Captain Cook? Ist drin. Afrikaforscher? Polarforscher? Ebenfalls vorhanden. Selbst Tiefseetaucher sind zu finden.

Alles in Ordnung? Leider nein.

Wer sich an „Die aztekische Zeitung“ und „Die WikingerZei­tung“ entsinnt, die auch rezensiert wurden1, muss von diesem Band zwangsläufig enttäuscht sein. Man merkt es bereits beim ersten Artikel, also zurück zu den polynesischen Wagemutigen und gelauscht, wie der betreffende Text beginnt:

Als ich gebeten wurde, diesen Artikel zu schreiben, habe ich mir vorgestellt, was es bedeutet haben muss, ohne Kompass oder Seekarte auf das riesige, offene Meer hinauszusegeln und nicht zu wissen, wo das nächste Land lag …“

Netter Versuch, aber im ganzen Text über die Polynesier schwingt die auswärtige Position mit, ein eher hilfloses Staunen, das mit keiner Silbe in der damaligen Zeit wurzelt. Der große Reiz, den diese „Zeitungen“ bislang ausmachten, speiste sich ja gerade daraus, dass die Autoren sich richtig in die Zeit und das damalige Alltagsleben hineinversetzten. Das passiert in diesem Buch nur sehr selten.

Doch, es kommt vor. Beispielsweise bei den Phöniziern und den Chinesen. Danach kehrt der Stil zurück zur „Reportage“ . Dann, bei Ibn Battuta, wechselt es wieder in die Interview-Weise zu­rück. Bei Kolumbus erzählt ein Mitreisender, und Kolumbus selbst meldet sich mit einem „Leserbrief“ vom 23. März 1506 zu Wort, in dem er betont: „… An einem Punkt muß ich jedoch et­was richtig stellen. Trotz allem, was die Leute sagen, glaube ich fest, dass ich keine ‚Neue Welt‘ entdeckt habe. Ich behaupte immer noch, dass ich nur eine Insel an der Küste Japans erreicht habe. Ich hoffe, Sie berichtigen diesen Fehler, bevor ihn jeder für richtig hält …“

Köstlich.

Ab Seite 20 wird das Buch indes zu einem Werk mit morali­schem Zeigefinger, es wird wirklich fast nur noch „berichtet“, es kommen keine „Zeugen“ mehr zu Wort, was die Lektüre dröge macht und den Eindruck erweckt, hier sei hastig und schlampig gearbeitet worden. Ärgerlicher ist aber noch, dass allein der „entdeckerische“ Aspekt einseitig in den Vordergrund gestellt wird.

Wäre dieser Effekt durch eine Quasi-Historisierung (Reporter, die beispielsweise bei karthagischen Expeditionen vor Christi Geburt dabei sind) hervorgerufen, so könnte man dagegen we­nig einwenden. Da diese Einseitigkeit sich aber verstärkt in der zweiten Hälfte des Buches niederschlägt – wo die Quasi-Histori­sierung nicht mehr greift – und einen sehr naiven Eindruck er­weckt, ist er kritikwürdig.

Nehmen wir, nur als ein Beispiel von mehreren, den Afrikarei­senden Henry Morton Stanley, der hier als heldenhafter Kämp­fer auf der Suche nach dem verschollenen Dr. David Livingstone dargestellt wird („… wir verließen Sansibar am 21. März 1871 und kämpften uns sieben Monate lang durch ein Land voller kriegerischer Stämme und hatten mit vielen Krankheiten zu kämpfen …“).

Der Berichterstatter vergisst geflissentlich zu erwähnen, dass Stanley ein ausgeprägter Rassist war und die „kriegerischen Stämme“ deswegen kriegerisch wurden, weil Stanley während seiner Suche in Afrika ziemlich wahllos Dutzende (manche be­haupten, es seien Hunderte gewesen) von Afrikanern umbrach­te, die ihm auf seinem Weg begegneten. Dass deren Angehöri­ge ihm daraufhin nicht gerade Sympathie entgegenbrachten, ist wohl verständlich.

In diesem Bericht kommen diese aufgebrachten Angehörigen aber einfach nur als „kriegerische Stämme“ rüber, also als blindwütig-aggressive Leute, die dem „armen, guten Stanley“ an den Kragen wollen. Dass es sich, streng genommen, umge­kehrt verhielt, wird unter den Teppich gekehrt.

Solche Details machen das Werk leider ziemlich ungenießbar. Mehr oder weniger der ganze Esprit, der die ersten beiden „Zei­tungen“ adelte, fehlt hier, und da das Konzept des historisieren­den Erzählens nicht konsequent durchgehalten wird, macht es einen zusammengestoppelten Eindruck.

Leider also nicht empfehlenswert.

© 2003 by Uwe Lammers

Nein, das ist, bei allen netten Momenten, die das Buch durchaus bietet, kein Ruhmesblatt, soviel ist schon aus den obigen Zeilen ersichtlich. Dennoch dachte ich, ich mache euch auch diese Rezension zugänglich.

In der kommenden Woche beschäftige ich mich auch mit einem recht alten Werk, das aber deutlich besser geraten ist.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Die beiden Rezensionen sind noch nicht im Rezensions-Blog veröffentlicht worden – wird nachgeholt.

Blogartikel 424: Close Up: Der OSM im Detail, Teil 26

Posted September 19th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wir haben uns vor ein paar  Monaten in einer prekären Situation innerhalb dieser Subartikelreihe voneinander getrennt. Nament­lich Oki Stanwer schwebte da noch immer in akuter Lebensge­fahr, und genauso geht es dann auch gleich weiter …

Rückblick: Oki Stanwers erste und zweite Konfrontation mit den Mächten der Finsternis, inkarniert im schwarzen Kristallplaneten TOTAM, hat beide Male mit der Zerstörung des Dämonenplane­ten geendet … aber wie inzwischen bekannt ist, hat das weder im Realuniversum noch im Paralleluniversum bewirkt, dass die Gefahr dadurch kleiner wurde. Der Magnet-Effekt hat TOTAM binnen kürzester Zeit wieder restauriert.

Oki Stanwer büßte indes seinen Androidenkörper ein und ge­wann durch die im Komplex Eisgruft auf der alten Oki-Medowelt OKISTAN lagernden Klone einen neuen Leib hinzu. Nach anfäng­lichen Problemen mit dem Wachroboter, dem so genannten Ul­traroboter, ist die Legitimationskrise inzwischen überwunden. Aber TOTAMS Schergen unter der Leitung des Dämons Morosk greifen die völlig heruntergekommene Medowelt an. Nun ist gu­ter Rat teuer …

Episode 21: Das Ende von OKISTAN

(unklar, 1982, digitalisiert 2002)

Der Kampf um OKISTAN entbrennt. Auf der einen Seite Aberhun­derte von hochgerüsteten Totenköpfen und Landeeinheiten TO­TAMS, auf der anderen Seite nur Oki Stanwer, der sich in einem unförmigen, wolkenartigen Robotkörper versteckt, dem Ultraro­boter, den der Kämpfer für das Gute inzwischen „Thors Ham­mer“ nennt.

In letzter Minute gelingt es Oki und dem hyperraumflugfähigen Roboter, OKISTAN hinter sich zu lassen … und der Roboter weiß tatsächlich ein probates Flugziel – Xenors Stern, rund 3821 Lichtjahre von OKISTAN entfernt. In terranischen Sternenkatalo­gen firmiert der Sternhaufen, in dem sich diese Sonne befindet, unter dem Namen M3. Hier sollen sich gigantische Tankstatio­nen des okischen Imperiums befinden mit entsprechenden Streitkräften … aber als Oki und der Roboter hier erscheinen, müssen sie konsterniert entdecken, dass die Informationen nichts mehr wert sind.

Die Tankstationen sind offenkundig alle vor langer Zeit zerstört worden. Bis auf eine einzige – aber ob das reichen wird? Zumal Okis Fährte von Morosk aufgenommen wurde und die TOTAM-Soldaten ihnen dicht auf den Fersen sind …

Episode 22: Der Sporen-Stützpunkt

(unklar, 1982, digitalisiert 2002)

Blende in den von Terranern besiedelten Raum. In Band 18 wur­de eine Flotte der Stardust-Flibustiers von Kosmischen Sporen aus dem Nirgendwo ausgelöscht. Als die Crew der CAPTAIN KIDD hier materialisierte, landete sie mitten im Endgefecht. Al­lein die beiden Weltraumpiraten Martin Been und Frank Bernd konnten entkommen, sind aber mit einer Fehltransition weitab von Schuss gelandet. Fast 69.000 Lichtjahre von ihrer Heimat entfernt stranden sie mitten im Gebiet ihrer Gegner – der PSI-In­telligenzen, deren Kosmische Sporen derzeit das von Menschen besiedelte Galaxisgebiet überrennen.

Die organischen Schäden durch die Transition führen dazu, dass die beiden Terraner ihr Leben einbüßen … aber die PSI-Intelli­genzen, psionisch begabte pflanzliche Makroorganismen, die über ein ebenfalls völlig pflanzliches Volk, die Zartans, gebieten, fangen ihre Seelenessenz ein, pflanzen sie in Samenkörner und generieren hieraus neue Körper.

Von nun an sind die beiden Flibustiers physisch Zartans, mental aber Botschafter der PSI-Intelligenzen. Sie sollen die Menschheit wieder befrieden. Als Instrument dafür erhalten sie ein gewalti­ges Raumschiff, die sporenförmige CAPTAIN KIDD II, mit der sie alsbald Zielkurs nehmen auf ihre Heimat – auf das Herrschafts­gebiet der SDF …

Episode 23: Gegen Zomar und TOTAM

(unklar, 1982, digitalisiert 2002)

Blende nach Beteigeuze IV: Wie erinnerlich haben sich die Wege von Oki Stanwer und Thor Gordenbeyl auf OKISTAN eher un­planmäßig getrennt. Der Hüne von Garos ist von Sklavenjägern verschleppt und auf Beteigeuze IV verkauft worden. Dank des Priesters Joseph Ghastor, den er als Mitsklaven kennen gelernt hat, ist er in die Gemeinschaft von gottgläubigen Jesuiten gera­ten und in die Freiheit.

Gerade zum rechten Zeitpunkt, denn der Dämon Zomar hat da­mit begonnen, die Gesellschaft auf Beteigeuze IV zu unterwan­dern. Alsbald tobt ein Untergrundkrieg der Geistlichen gegen die Sendboten des Bösen. Und Thor als Dämonenjäger ist in vorderster Front dabei.

Episode 24: Die Zombie-Truppe

(unklar, 1982, digitalisiert 2002)

Fortsetzung der Thor-Handlungsschiene aus dem letzten Band. Während Totenköpfe und Zombies zunehmend die Gesellschaft von Beteigeuze IV unterwandern, erkennen Thor und die Jesui­ten zunehmend, dass sie sich der Übermacht nicht erwehren können. Einer nach dem anderen fällt den Monstern aus dem Jenseits zum Opfer, da kann Thor noch so oft seine silberne Doppelaxt schwingen.

Am Ende der Episode bleibt ihm nach ausgiebigem Kampf nur die Flucht zurück zum Jesuitenheim und zu Ghastor und Pater Hieronymus.

Aber Zomars Soldaten verfolgen ihn unerbittlich …

Episode 25: Trainingslager der Hölle

(unklar, 1982, digitalisiert 2002)

Zeitgleich mit Thor Gordenbeyl ist auch Klivies Kleines, auf dem Planeten OKISTAN gestrandet, vom sterbenden Oki Stanwer ge­trennt worden. Er geriet jedoch im Gegensatz zu Thor in die Ge­fangenschaft von TOTAM-Truppen und wurde auf den Methan-Ammoniak-Planeten Torom entführt.

Hier unter mörderischer Schwerkraft und menschenfeindlichen Umgebungsbedingungen ist es ausgeschlossen, dass er wieder freikommen kann. Stattdessen wird Kleines einem intensiven Psychoverhör unterzogen. Dabei werden aus seinem Verstand Informationen ausgelesen, die er freiwillig nicht preisgegeben hätten, ja sogar solche, von deren Existenz er überhaupt nichts wusste.

So war ihm beispielsweise unbekannt, dass er ein Helfer des Lichts ist und er Oki Stanwers nächstes Ziel durchaus kennt: die Wiederherstellung des Bündnissystems mit den Zartans, die einstmals vor Tausenden von Jahren durch den so genannten Al­ten Bund Teil des okischen Imperiums waren.

Und dann ist da noch eine sensible Koordinatenangabe, die aus seinem Verstand extrahiert wird: die Lage seiner Heimatwelt, der Zentralwelt der Kleinis.

Der Dämon Garas, dem Torom untersteht, ist begeistert, das zu erfahren. Sein Plan zielt darauf ab, alsbald das Volk der Kleinis, das auch als das „Volk der Helfer“ bezeichnet wird, ein für alle­mal auszulöschen … und danach will er sich gegen TOTAM und die anderen Dämonen auflehnen.

Ohne dass Kleines das begreift, ist er in ein monströses, im Zweifelsfall tödliches Intrigenspiel geraten und kann weder vor noch zurück …

Ihr seht, die Handlung bleibt auf allen Ebenen durchaus drama­tisch, und noch immer ist durchweg unklar, was für langfristige Handlungslinien verfolgt werden. Das macht natürlich insoweit Sinn, als in der Frühzeit, und wir reden hier von der ursprüngli­chen, ersten Serie und den Episoden aus dem Jahr 1982, alle Strukturen noch durchaus im Fluss sind. Weder werden die Dä­monen klar konturiert noch die Personen hinreichend charakte­risiert. Es kommt zu heute eher peinlichen Plagiatsversuchen, indem ich etwa – mindestens durch Namensnennung – munter Völker aus meiner damaligen Lektüre einflechte.

Gerade die Handlungsebene um die PSI-Intelligenzen und die Zartans hat doch sehr viel von den TERRANAUTEN an sich. Völ­ker wie die „Frogs“ oder die „Mysterious“ kennen wir aus ande­ren Bezügen. So etwas wird in der späteren Ausarbeitung nicht mehr vorkommen.

Die PSI-Intelligenzen und Zartans dagegen schon noch, da sie konstitutiv sind, etwa auch für KONFLIKT 22, zu der ich euch bei­zeiten noch mehr berichten kann. So weit ist es aber noch lange nicht – auch in dieser Serie werdet ihr mit diesen pflanzlichen Entitäten noch viel zu tun bekommen, wartet es nur ab.

Soweit für dieses Mal. Macht es gut und bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 317: Calendar Girl 3: Begehrt

Posted September 15th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

auf in die dritte Runde des vierteiligen, ein Handlungsjahr um­spannenden Abenteuers um das „Calendar Girl“ Mia Saunders, das die Verfasserin ursprünglich in monatlichen Einzelepisoden veröffentlicht hat, die dann vom Ullstein-Verlag in das handli­chere Quartalsformat umgegossen und deutlich zügiger publi­ziert wurde.

In diesem dritten Band, in dem es um die Monate Juli bis Sep­tember von Mias Escort-Leben wider Willen geht, passiert bio­grafische eine ganze Menge, und man wird als Leserin bzw. Le­ser durch eine veritable Wildwasserfahrt geschickt, mit Alpträu­men, Panikattacken, biografischen Schrecken, bizarren Überra­schungen und regelrechter Todessorge. Langweilig, soviel ist zu konstatieren, wird es wirklich nicht. Der Fokus geht jetzt weg von der primär auf erotische Abenteuer unterschiedlichster Art gerichtete Action, es geht biografisch auf bisweilen seltsame Weise in die Tiefe, und mancherlei Zusammenhänge werden of­fenbar, die man zuvor so nicht sehen konnte.

Mein Fazit des Bandes fiel gleichwohl ein wenig verhalten aus, wer die folgende Rezension liest, wird das begreifen. Ein lesba­rer Roman, keine Frage, aber in mancherlei Beziehung blieb ein gewisser Realitätssinn schon auf der Strecke – was begreiflich ist, da die Autorin nun nur noch einen Band Raum hat, um die offenen Handlungsfäden zusammenzuführen.

Also, Vorhang auf für Mias nächste Abenteuer:

Calendar Girl 3: Begehrt

(OT: The Calendar Girl – July/August/September)

von Audrey Carlan

Ullstein 28886

402 Seiten, TB

Oktober 2016, 12.99 Euro

Aus dem Amerikanischen von Christiane Sipeer (Juli) und Friederike Ails (August/September)

ISBN 978-3-548-28886-4

Als Mia Saunders, die 24jährige angehende Schauspielerin und vormalige Kellnerin aus Las Vegas, die Hälfte ihrer sechs Monate als quasi zwangsweise rekrutiertes Escort-Girl und „Calendar Girl“ der Agentur Exquisite Escorts ihrer Tante Millie hinter sich hat, ist sie regelrecht am Boden zerstört. Der Sohn ihres letzten Kunden, der kalifornische Senator Aaron Shipley, hat in ange­trunkenem Zustand versucht, sie kurzerhand zu vergewaltigen und damit ein verstörendes Trauma ausgelöst. Da Mia, um die humanitären Hilfsaktionen von Aarons Vater Warren Shipley nicht zu gefährden, dies alles unter den Teppich kehren muss, ist sie aus der inneren Balance geraten.

Dennoch nimmt Mia zuversichtlich an, dass sie das alles – wie so oft – allein wieder in den Griff bekommen kann. Aber schon der nächste Auftrag, der sie nach Florida bringt, zeigt, dass das nicht stimmt. Hier soll Mia mit dem Hip-Hop-Star Anton Santia­go ein heißes Video aufnehmen. Damit hat sie auch grundsätz­lich Schwierigkeiten: sie kann beim besten Willen nicht tanzen. Aber das wäre nicht das entscheidende Problem – viel schlim­mer ist es, dass sie keine männliche Berührung mehr erträgt, ohne ein grässliches Flashback zu erleiden, das sie geradewegs zurück nach Washington, D.C., in die Nacht ihrer Quasi-Vergewal­tigung schießt.

Da ist guter Rat wirklich teuer.

Als wäre das nicht schon problematisch genug, ist sie sich im­mer noch nicht sicher, was sie genau für Weston Channing III., ihren ersten „Kunden“ empfindet. Dass er sie jederzeit bei einer Begegnung sexuell in Flammen setzt, ist offenkundig. Aber … ist das Liebe? Ehrlich? Immer, wenn Mia sich in einen Mann verlieb­te, ging das grässlich schief, und am Ende stand sie allein da. Sie fühlt sich schon halbwegs verflucht deswegen. Und mit dem L-Wort ist sie seither aus begreiflichen Gründen äußerst vorsich­tig.

Und dann ist da noch die Erkenntnis, dass sich ihre fünf Jahre jüngere Schwester Maddy nun nicht nur in einen Freund namens Matt verknallt hat, sondern er beim ersten gemeinsamen Abendessen mit Matts Eltern auch unverhohlen sagt, dass er Maddy einen Antrag gemacht hat und sie Ja gesagt hat!

Große Katastrophe! Ihre kleine Schwester will heiraten? Mit 19? Ist die Welt verrückt geworden? Mia ist sofort und vollständig dagegen und rastet heftig aus.

Also, Stress ohne Ende für die arme Mia. Und es wird noch selt­samer.

Im August wird sie im Rahmen ihres zwölfmonatigen Escort-Jobs nach Texas geschickt, zu einem Kunden, der wirklich eigenartige Vorstellungen hat. Mia soll seine verschollene Schwester mi­men, aus welchem Grund auch immer. Und unheimlicherweise heißt diese Schwester, die der junge Ölbaron Maxwell Cunning­ham angeblich nie gesehen hat, Mia Saunders und hat auch noch am selben Tag Geburtstag wie Mia! Und um die Sache noch bizarrer zu machen, hat Mia, sobald sie ihm gegenüber­steht, das überwältigende Gefühl, diesen Mann mit den eigenar­tigen Augen, die den ihren so ähnlich sehen, irgendwann und ir­gendwie schon einmal gesehen zu haben … aber auf die Enthül­lungen, die in Texas auf sie warten, ist sie in keiner Weise einge­stellt.

Ende August hören die seltsamen, fast märchenhaften Tage in Texas auf und münden in einen Alptraum: Mia erhält einen Anruf aus der Rehaklinik in Las Vegas, in der ihr Vater seit über einem halben Jahr im Koma liegt. Er ist zwar von den Verletzungen ge­nesen, aber er wacht einfach nicht auf. Und nun hat er sich In­fektionen im Krankenhaus eingefangen, und sein Herz ist ste­hen geblieben. Die Frau macht drastisch deutlich, wie es um ihren Vater steht: „Wahrscheinlich bleibt ihm nicht mehr viel Zeit. Sie sollten bald herkommen, wenn Sie sich noch von ihm verabschieden wollen.“

Was Mia unausweichlich ebenso wie ihre kleine Schwester nach Las Vegas zurücktreibt. Zum Teufel mit dem September-Kunden! Ihr Dad liegt im Sterben! Tagelang ist sie für gar nichts zu ge­brauchen.

Dann erst erreicht ihre Tante sie und macht Mia unmissver­ständlich klar, dass sie jetzt ein ernstes Problem haben. Ein Pro­blem, das in Hunderttausenden von Dollar Schulden besteht. Und wenig später taucht wie ein Springteufel auch noch der Gläubiger auf, der widerwärtige Kredithai Blaine Pintero, der ihren Vater erst ins Krankenhaus geprügelt und Mias Problemsi­tuation generell erst heraufbeschworen hat, und er setzt der schönen Escort-Dame wider Willen auf grässliche Weise die Pis­tole auf die Brust: sofortige Geldzahlung oder Sex mit ihm, und zwar sehr bald.

Für Sex ist Mia aber weniger denn je zu haben, da sie sich inzwi­schen neben dem fragilen Zustand um ihren Dad auch noch massive Sorgen um ihren Wes Channing macht – den Mann ihres Lebens. Denn er ist offensichtlich in Südostasien bei Dreh­arbeiten eines neuen Films verschollen – und als herauskommt, was da wirklich passiert ist, steht Mia kurz vor einer akuten Pa­nik …

Der dritte Band des „Calendar Girl“-Zyklus geht noch etwas wei­ter vom stürmischen Sex der ersten beiden Romane weg, ver­tieft aber auf interessante – wenn auch durchweg zu erwarten­de – Weise den biografischen Kosmos um Mia Saunders. Wäh­rend ihr Vater immer noch keinen Namen bekommt (er wird im­mer nur „Pops“ oder „Dad“ genannt, allmählich könnte der Au­torin echt mal sein Name einfallen), erfährt man ein wenig mehr über die leibliche Mutter von Mia: Meryl Colgrove. Dass diese Enthüllungen alle Rätsel lösen, kann man allerdings nicht be­haupten, es tauchen eher noch mehr auf.

Ich fand allerdings, dass im August-Kapitel ein bisschen zu pe­netrant „plötzlich“ die Erinnerungsträume von Mia einsetzen, von denen vorher nie die Rede war. Geraume Zeit hat man zu­dem als Leser das Gefühl, dass die Familie Cunningham irgend­welche sinistren Ziele im Sinn hat, und manchmal hätte man insbesondere Maxwell gern einen Tritt für sein dämliches Verhal­ten verpasst. Da geht Mia mit ihm noch recht sanft ins Gericht, fand ich.

Das September-Kapitel oszilliert außerdem ein wenig unent­schlossen hin und her, und da hätte ich mir von Mia schon ein wenig mehr Einsicht gewünscht. Wie das Blaine Pintero-Problem schließlich gelöst wird, kam mir zudem doch ein wenig schlicht vor. Der vorher – und auch in diesem Band – als so sinistre Cha­rakter aufgestellte Pintero erweist sich letzten Endes als gera­dezu absurd einsichtig und verliert schließlich jeden Biss. Es deutet sich hier schon an, dass die Autorin langfristig auf eine Art allumfassendes Happy End zusteuert. Ich kann nur hoffen, dass das in Band 4 nicht zu süßlich umgesetzt wird.

In gewisser Weise ist der Anfang des Bandes mit Mias Trauma mit weitem Abstand das realistischste, was man hier lesen kann, danach wird es teils melodramatisch, teils märchenhaft-ir­real. Es ist durchaus nicht so, wie sie stets beteuert, dass sie „alles selbst in den Griff bekommt“ – die Tatsachen sprechen klar gegen Mia Saunders und stellen ihrem Realitätssinn eher ein schlechtes Zeugnis aus.

Einerlei – man kann den Band locker in drei Tagen wegschmö­kern, wie es mir ging, und besonders im seltsamen August-Ab­schnitt fällt es schwer, das Buch überhaupt aus der Hand zu le­gen … des eigenartigen Beigeschmacks der ganzen texanischen Handlungsstränge wegen.

Es zeichnet sich allerdings jetzt schon ab, dass im letzten Band die Genesung von Wes sowie die Suche nach Mias lange ver­schollener Mutter im Zentrum stehen werden. Und wahrschein­lich wacht ihr Vater auch beizeiten auf und ist auf wundersame Weise von seiner Spielsucht genesen … das steht jedenfalls zu befürchten, wenn der superoptimistische Schluss zutrifft, der im Raum steht.

Ein lesbarer Band, nicht ganz so leidenschaftlich-sinnlich wie die ersten beiden, aber emotional durchaus eine Achterbahnfahrt mit sehr vielen Tränen darin. Etwas für romantik-affine Perso­nen, soviel steht fest. Für einen Romantiker wie mich war das jedenfalls eine angenehme Lektüre, und ich kann den Band mit gutem Gewissen weiterempfehlen. Mal schauen, wie der Schlussband werden wird.

© 2018 by Uwe Lammers

Ich sagte ja, der Roman ist noch nicht so lange geschmökert. Es kann sehr gut sein, dass ich ihn beizeiten noch einmal lesen werde, er hat jedenfalls seinen festen Stellplatz nahe bei den Clive Cussler-Regalmetern gefunden. Mal sehen …

In der kommenden Woche werden wir wieder etwas historischer. Worum es genau geht, erfahrt ihr in sieben Tagen hier.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.