Rezensions-Blog 327: Bei Hitlers

Posted November 24th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Zeitzeugen und ihre Erinnerungen sind kritische Quellenmaterialien bei der Erforschung der Geschichte. Einerseits sind sie definitiv unverzichtbar – wie man etwa im Fall von Holocaust-Überlebenden erkennen kann, da das erlebte Grauen so sehr den Rahmen des Vorstellbaren sprengt, dass man nur durch derartige Berichte wirklich nah an die Ereignisse herantreten kann. Andererseits gerät man als Historiker stets in Gefahr, un­kritisch den Stimmen der Vergangenheit Glauben zu schenken und dann, meist unabsichtlich, von der verwaschenen Erinne­rung der Zeitzeugen in die Irre geführt zu werden.

Interviews stellen also zweischneidige Schwerter dar, und je jünger die Befragten zur entscheidenden Zeit waren und je älter sie heutzutage notwendig geworden sind, desto vorsichtiger muss man als Interviewer sein und versuchen, durch die eigene kritische Distanz und das gegenwärtige zeithistorische Wissen die Defizite der Zeitzeugen aufzufangen.

Geschieht das nicht, wird die Lektüre einer solchen Publikation, wie ich sie heute vorstellen möchte, doch recht enttäuschend und verliert massiv an historisch-dokumentarischem Mehrwert. Der österreichische Journalist Kurt Kuch, der die alte Anna Plaim interviewt hat, die einige Monate lang im Machtzentrum des Na­tionalsozialismus, auf dem Obersalzberg im Jahre 1941 gearbei­tet hat, hat eigentlich alle Fehler begangen, die oben erwähnt worden sind: er nahm an, die Quelle sei von außerordentlichem Wert (worin er sich durchaus täuschte), er hielt die kritische Di­stanz nicht aufrecht und insistierte unnötig intensiv auf Sach­verhalten, die eigentlich zeithistorisch wenig zur Sache beizu­tragen haben. Und schlussendlich kompensierte er die begrenz­te Aussagekraft der interviewten alten Dame nicht hinreichend durch moderne zeithistorische Texte.

Herausgekommen ist ein Buch, das sich zwar durchaus gefällig lesen ließ, aber doch einen enttäuschend schalen Nachge­schmack zurückließ.

Das wenigstens ist auch 15 Jahre nach der Lektüre immer noch meine Meinung. Aber vielleicht bin ich zu anspruchsvoll, und eventuell seht ihr das ja völlig anders. Das könnt ihr jetzt nach­prüfen – einfach weiterlesen:

Bei Hitlers

von Anna Plaim und Kurt Kuch

Knaur 77758, TB

April 2005

144 Seiten, 7.90 Euro

ISBN 3-426-77758-4

Der Starkult ist kein reines Phänomen der Gegenwart, und er beschränkt sich auch nicht allein auf Film, Fernsehen und Pop­musik, wiewohl er dort heute wohl am ausgeprägtesten ist. Starkult ist und war immer auch problematisch, nicht zuletzt für die Betroffenen, deren Privatleben häufig arg in Mitleidenschaft gezogen wird.

Doch ist Starkult, mag man sich zu Recht fragen, von histori­schem Interesse? Durchaus, wenn sich dieser auf Personen der Zeitgeschichte bezieht. Beispielsweise im Falle von Anna Plaim, geb. Mittlstrasser, und ihr Anhimmeln des deutschen „Führers“ Adolf Hitler …

Anna Plaim war zum Zeitpunkt, da dieses auf ihren Lebenserin­nerungen basierendes Buch erschien, 83 Jahre alt und blickte auf ein im Wesentlichen recht unspektakuläres Leben zurück. Gäbe es da nicht das Jahr 1941 und jene Monate, in denen „Anni“ ganz überraschend, auf den Berghof Adolf Hitlers auf dem Obersalzberg berufen wurde, um Zimmermädchen bei Hit­ler und dessen heimlicher Gefährtin Eva Braun zu sein. Diese Monate machen sie zeitgeschichtlich zu einer interessanten Chronistin für Einblicke in die intimsten Sphären einiger der höchsten NS-Funktionäre, und das überdies in einer kritischen Zeit.

Anna Mittlstrasser, 1920 im österreichischen Loosdorf als Toch­ter eines Wagners geboren, der traditionell „schwarze“, also im Wesentlichen deutschnationale, nicht nationalsozialistische Auf­fassungen vertrat (und dies auch während der NS-Zeit in Öster­reich nicht änderte), ist eigentlich in jeder Beziehung ein ganz normales Mädchen, das im Grunde genommen aus dem Ort oder dem Landstrich kaum herausgekommen wäre. Nichts sprach dafür, dass sie irgendwann einmal näher an das Zen­trum des Faschismus, den deutschen Diktator Hitler, rücken würde.

Der Zufall aber, der so oft die Geschicke der Geschichte uner­wartet lenkt, will es, dass ihr Cousin Willi, den sie bis zum Jahre 1938 nicht kennt, schon frühzeitig mit der NSDAP und dem „Führer“ in Kontakt kommt. Als Willi mit seiner Frau Gretel auf Hochzeitsreise die Verwandten in Loosdorf besucht, ergibt sich ein Kontakt zwischen den beiden Frauen, doch denkt die damals achtzehnjährige „Anni“ nicht darüber nach, dass sich daraus et­was entwickeln könnte. Es kommt ihr ähnlich unwahrscheinlich vor wie viel später den Mitgliedern des SED-Zentralkomitees im Herbst 1989, in ein paar Tagen könne die Berliner Mauer fallen …

Doch Gretel Mittlstrasser erhält schließlich eine wichtige Funkti­on auf dem Berghof bei Berchtesgaden und entsinnt sich ihrer jungen Verwandten. So kommt „Anni“ völlig überraschend, ge­wissermaßen wie die Jungfrau zum Kinde, auf den Berghof und berichtet fortan völlig überwältigt in langen „tagebuchartigen“ Briefen an ihre Eltern, was ihr hier widerfährt. Mehr noch: sie ist zwar zur Geheimhaltung verpflichtet worden, insbesondere, was die pikante Beziehung zwischen dem „Führer“ und Eva Braun angeht, die im Grunde genommen Annas Chefin wird, doch die junge Österreicherin nutzt jede Gelegenheit, Devotionalien in Si­cherheit zu bringen, die sonst wahrscheinlich der Vernichtung anheimgefallen wären.

Beispielsweise?

Ein Fotoalbum mit Farbfotos des Berghofs, das zu großen Teilen in einem beeindruckenden Bildteil dieses Buches zu finden ist. Eine Reihe von Fotos, die von Eva Braun gemacht wurden und die diese zerrissen in den Papierkorb geworfen hat, weil sie ihr missfielen. Selbst so närrische Dinge wie eine Konfektschachtel, die auf Hitlers Schreibtisch stand und ein Löschblatt mit Abdrü­cken seiner Unterschrift wandern in Annas „Souvenirsammlung“ vom Berghof.

Wer sich freilich epochale Neuigkeiten über das „Leben der Schönen und Reichen“ des Nationalsozialismus von diesem Buch erwartet, der wird enttäuscht. Ähnlich, wie es auch im mo­dernen Starkult ist, wo Kleinigkeiten und Banalitäten, Anekdo­ten und Tratsch breitgetreten und in manchmal unverständli­cher Weise zu Sensationsmeldungen aufgebauscht werden, so ähnlich verhält es sich auch hier.

Die völlig begeisterte und überwältigte Anna Plaim berichtet recht unkritisch und damit auch eher oberflächlich von den klei­nen Hofintrigen der NS-Funktionäre, von Besonderheiten bei Tischgedecken, vom Versteckspielen Eva Brauns im Falle von offiziellen Besuchen – im Grunde genommen also bekannte oder zu vernachlässigende Tatsachen – , von Überfluss und edlem Es­sen, während der deutsche Durchschnittsbürger bereits Hunger litt und die Nahrungsmittel rationiert wurden. Es ist eben die Perspektive einer enthusiastischen, überwältigten Zwanzigjäh­rigen aus der Provinz, die völlig überraschend in eine Art von Paradies versetzt wurde und mit Luxus und berühmten Perso­nen konfrontiert wird, was ihre kühnsten Erwartungen übertrifft.

Da bleibt kein Platz für kritisches Reflektieren. Schon gar nicht im Alter von 20 Jahren.

Bedauernswert ist freilich, dass sich auch am Schluss solche Re­flexionen nur bedingt einstellen. Das Buch, komplett in Gestalt eines langen Interviews gehalten, was die Lesbarkeit enorm steigert, ermangelt leider einer stringenten, kritischen Fragehal­tung, was man dem österreichischen Coautor und Journalisten Kurt Kuch zur Last legen dürfte. Er bereitet das Material gewis­sermaßen „mediengerecht“ auf, er stellt „altersgerechte“ Fra­gen an die hochbetagte Dame und insistiert manchmal übertrie­ben lange auf nebensächlichen Details. Eine Parallele zu den Le­benserinnerungen von Traudl Junge ist hier durchaus zu ziehen.

Vom Standpunkt der Biografiegeschichte ist Anna Plaims Leben also nett, aber im Grunde genommen relativ unergiebig. Vom Standpunkt des Zeithistorikers, der stets auf der Suche nach originalen Quellen sein muss, bietet hingegen die Sammlung der Österreicherin einige schöne Dinge dar. Ergänzende Essays von historischer Relevanz hätten die Bedeutung dieses Buches und ihre Einordnung in den historischen Gesamtkontext erheb­lich gesteigert. Die wenigen Seiten des Journalisten, auf denen die Biografien prominenter Protagonisten (die Auswahl ist un­vollständig, die Kriterien nicht recht nachvollziehbar) in Kurz­form dargeboten werden, reichen zur Wertsteigerung nicht aus, auch nicht die sehr knappe mehrseitige Chronologie zum „Auf­stieg und Fall Hitlers“, der nach dieser Darstellung erst 1919 diese Welt betritt …

© 2006 by Uwe Lammers

Ich deutete ja oben an, nach der Lektüre war nur bedingt über­zeugt von dem Buch. Das gilt – aus anderen Gründen – auch von dem Werk der kommenden Woche. Aber da kehren wir ori­ginär in die Science Fiction zurück … auch wenn wir in der Steinzeit landen.

Was das heißen soll? Das erfahrt ihr in sieben Tagen hier.

Bis dann, mit Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 433: Vier Kameraden

Posted November 21st, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

bei dem Digitalisieren alter OSM-Episoden, also dem Abschrei­ben der alten Texte und deren Fehlerkorrektur plus der Anlage eines bisweilen recht ausufernden Fußnotenapparates, mache ich in letzter Zeit immer wieder verblüffende Entdeckungen. Von einer solchen Entdeckung, die in Wahrheit eher eine Form von Wiedergeburt geworden ist und ein ganz neues, faszinieren­des Ufer von Abenteuern erschloss, möchte ich heute berichten.

Wie ihr wisst, bin ich seit Jahren dabei und erfasse – anfangs zum Selbstzweck, inzwischen auch, um für die E-Book-Fassung der Serie Rohmaterial zu gewinnen – die Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC), an der ich zwischen 1987 und 1993 schrieb. Inzwischen ist ja Band 1 der E-Book-Serie schon länger auf dem Markt, „Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“, und weitere Bände sind in Arbeit. Mit den Digitalisaten habe ich inzwischen die Episode 100 deutlich überschritten, und bis die­ser Blogartikel erscheint, mag die Serie vollständig digitalisiert vorliegen. Das müssen wir abwarten, bekanntlich pausieren meine Blogartikel zum gegenwärtigen Zeitpunkt (April 2021) gerade. Regulär wäre dieser Artikel am 20. Juni 2021 erschie­nen, das wird nicht klappen.

Also, zurück zum Thema: Als ich in den 90er Jahren an der BdC-Serie schrieb, tauchte wie aus dem Nichts eine Spezialtruppe der reptiloiden Allis auf, das so genannte „C-Team“. Der Name leitete sich von ihren Namen ab, die sämtlich mit C begannen.

Caldoor war der energische, entschlussfreudige Anführer.

Clyngard stellte den klugen Analytiker und Theoretiker dar.

Cendoog verfügte als Waffenmeister des Teams über den nöti­gen waffentechnischen Sachverstand.

Cashique, der joviale, rundliche und gemütliche Kerl, den nichts und niemand aus der Ruhe bringen konnte, bildete als handfes­ter Praktiker gewissermaßen die Speerspitze des Teams.

1991 wurde das C-Team in der Galaxis Koopen auf eine unmögli­che Mission geschickt. Ohne hier zu viel verraten zu wollen, weil das letztlich ja den E-Books vorgriffe, kann ich sagen, dass diese Mission die vier Kameraden erst mit einem Geisterschiff ins Zentrum der Galaxis Koopen verfrachtete und, Monate später, dann in ein Paralleluniversum, das sich als Ort unglaublicher Schrecken entpuppte.

Und mit Band 106 verschwand das C-Team dann für immer aus der Serie … aber ich deutete auf einer Leserseite der Serie da­mals schon an, dass wir vermutlich nicht zum letzten Mal von ihnen gehört haben würden.

Nahm ich damals an … und vergaß fast 30 Jahre lang diese Wor­te – bis ich sie dann im März und April 2021 wieder entdeckte.

Und seither nagten sie an meiner Seele.

Ja, dachte ich mir, natürlich kann das C-Team als Matrixfehler­truppe zurückkehren, kein Problem. Das passiert schließlich ständig. Ihr müsst euch diesbezüglich nur mal an die Yantihni Ja­leena erinnern, die es über einen Abgrund von zehn Milliarden Handlungsjahren in Oki Stanwers INSEL-Imperium in der Galaxis Mysorstos verschlägt.1

Die Frage war nur: wo kommen sie wieder zum Vorschein? In was für einer Lage? Mir waren ein paar Dinge daran sofort klar: Es gibt Bereiche, wo sie NICHT wieder in Erscheinung treten können. Als da wären?

Nun, es fielen aus die KONFLIKTE 13, 14, 15, 16, 17 und 18, die direkt auf KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ folgten.

Warum? Weil sie seit langem beendet waren. Da hätte ich sie le­diglich in einer separaten Geschichte unterbringen können, aber mir schien es sehr viel klüger, sie in eine laufende Serienhand­lung zu integrieren.

KONFLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ hätte sich angebo­ten. Dort wimmelt die Galaxis Milchstraße von Matrixfehlern … und unvollendet ist sie immer noch. Prinzipiell verlockend, aber zugleich dann auch wieder nicht. Schließlich sollten sie ja auffal­len – in einem Gewimmel anderer Matrixfehler würde die inten­dierte Wirkung verpuffen.

Ich suchte also gedanklich weiter.

KONFLIKT 20 schied aus. Auch diese Serie ist längst abgeschlos­sen.

KONFLIKT 21 „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“ ist noch in Ar­beit, aber die Serie hat so viele autonome Problemkomplexe, dass ich das C-Team dort beim besten Willen nicht mehr ver­nünftig integrieren konnte. Also: negative Entscheidung.

KONFLIKT 22? Die chaotische und hochdramatische Serie „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“? Nein, dachte ich, da passen Allis irgendwie nicht hinein. Hier gibt es schon zahlreiche andere Völ­ker und Protagonisten, das lasse ich besser sein.

KONFLIKT 23 ist, wie langjährige Leser meines Blogs wissen, ebenfalls seit 1994 abgeschlossen und schied damit aus der Wahl aus.

Und dann fiel mein Blick auf KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“. Hier hatte ich kürzlich zwei Stolpersteine des Schreibprozesses erfolgreich überwunden – zum einen den Ab­schlussband des achtbändigen HANKSTEYN-Zyklus, „Tödliche Entscheidung“, der zum OSM-Band 2000 im Jahre 2020 ge­worden war. Und den Band 57, wo ich im April 2021 (!) mit „Sardoons Plan“ eine Trilogie vollendete, mit deren Abschluss ich ebenfalls seit dem Jahr 2015 gekämpft hatte.

Der nächste Band, Band 58, sollte „Ziel: Splitterhort“ lauten und eigentlich eine Gruppe gestaltwandelnder Tassiner in die Galaxis Tushwintau verfrachten.

Eigentlich.

Aber der Band fing dann völlig überraschend so an:

1. Cendoogs Rückkehr:

Irgendwann, irgendwo

In dem weltraumtauglichen Anzug hastete der von Echsen abstammen­de Alli Cendoog durch den Korridor, in dem Rauch hing, der aus den zer­störten Lüftungsschächten quoll. Die meisten der autonomen Lichtelemen­te der Decke waren ausgefallen, sodass ein unangenehmes Zwielicht mit zuckenden Schatten entstand.

Der sublunare Stützpunkt der Allis, die in diesem furchtbaren Paralleluni­versum gegen die siegreichen Schergen der LIGA ankämpfte, war von feindlichen Kräften über einen okkupierten Transmitter angegriffen wor­den, und nun strömten aus dem besetzten Stockwerk Killerroboter der LIGA überallhin aus und schossen jeden Bewohner nieder, den sie sichte­ten.2

Cendoog, der Waffenexperte des C-Teams, dessen Nerven ohnehin schon stark angespannt waren durch alles, was sie hinter sich hatten, war die Wachsamkeit in Person, aber er hatte eben gerade erst seinen Anzug in der Waffenkammer übergestreift und war noch nicht völlig mit allen Funktionen vertraut … aber ihm war völlig klar, dass sie keine Zeit zu ver­lieren hatten. Die Invasoren rückten unerbittlich vor, und Gnade war für diese Wesen definitiv ein Fremdwort.

Also eilte er seinen Gefährten hinterher, dem Anführer Caldoor, dem phlegmatischen Cashique, dem kühlen Logistiker Clyngard und dem hyper­nervösen Alli Dhenkan, der aus inzwischen schon in drei Universen gewe­sen war und ständig am Rand einer Hysterie balancierte. Er war, das ahnte Cendoog schon seit einiger Zeit, ein durchaus labiler Charakter.

Er hatte das Caldoor auch gesagt, aber der nickte zwar verständnisvoll und war wortlos derselben Ansicht. Seine Miene drückte aber zugleich aus, dass sie auf Dhenkan nicht verzichten konnten.

Dieses Universum, in dem sie mittels des durch Raum und Zeit pendeln­de Wrack der GHALOON-QUENT gelangt waren, mochte nicht Dhenkans Alptraumzukunft sein … aber seine Hinweise hatten ihnen schon mal das Leben gerettet, gut möglich, dass sie noch einmal in eine solche Lage ka­men, in dem…

Cendoog hörte ein scharrendes Geräusch, das irgendwie ÜBER IHM auf­klang.

Erschrocken riss er seine Waffe hoch und entsicherte sie mit einem spontanen Griff.

Dennoch traf ihn der gleißende Energiefunken aus der Höhe mitten in die gewölbte Brust des Anzugs. Ein grässlicher, unbeschreiblicher Schmerz löschte Cendoogs Verstand aus, während er einen letzten verzweifelten Schrei ausstieß … und dann war da gar nichts mehr.3

Jedenfalls für einen Moment lang.

Im nächsten fiel er schwer auf den Bauch und spürte, völlig verrückt, wie Wasser in seinen Anzug drang – warmes, salziges Wasser, das im Nu den schweren Kampfanzug zu füllen begann.

Cendoog, der beim besten Willen nicht verstand, wo zur Hölle in diesem zerschossenen Korridor Meerwasser herkommen sollte – verdammt, sie be­fanden sich in einer sublunaren Kaverne! Da kam höchstens Wasser aus den Wassertanks! – ignorierte erst mal die logischen Unklarheiten und be­mühte sich darum, irgendwie aufzustehen.

Wichtig war in diesem Augenblick, dass er überlebte. Alles andere hatte Zeit!

Zu seinem Glück – von Verstehen keine Spur – erwies sich das Wasser, in dem er stand, als nicht sehr tief, und sobald er aufgestanden war und tief in sandiges Sediment einsank, vermochte er etwa bis zur Hüfte im Wasser stehend seinen Zustand zu stabilisieren.

Aus einem Loch in seiner Montur sprudelte das eingedrungene Wasser wieder heraus, und sein Gesicht, das teilweise schon versunken war, tauchte ebenfalls wieder auf.

Schnaufend entriegelte er den Helm und öffnete das Visier, um nicht doch noch im letzten Moment im Anzug zu ersaufen.

Er atmete tief ein, eine warme, milde und salzig riechende Meeresbrise, absolut atembar.

Keine Kampfgase der LIGA-Roboter.

Keine giftigen Rauchschwaden.

Und er stierte um sich und konnte nicht verstehen, was er sah.

„Verdammte Scheiße, was ist DAS denn?“, schnaufte Cendoog fassungs­los.

Wo immer er hier sein mochte – das war nicht mehr die lunare Mondba­sis im Ventragor-System, wo er sich eben noch aufgehalten hatte. Ein kurz­er Seitenblick auf das im Helm angebrachte Display zeigte ihm, dass die Schwerkraft, die seinem ersten Eindruck nach deutlich höher als auf dem Mond war, ebenfalls Realität war: sie lag auf 1,02 g, während sie auf dem Mond noch unter 0,7 gelegen hatte – eine Frage der schieren Masserelati­on.

Einen Moment später wunderte er sich, dass an dem Anzug überhaupt noch was funktionierte … nun, allische Redundanztechnik. Aber gleichgül­tig, die Fakten sprachen für sich.

Einwandfrei – auf eine unbegreifliche Weise hatte er den Mond hinter sich gelassen und war nun … die Sternengeister Koopens mochten wissen, wo auch immer!

Cendoog bemühte sich erst einmal um seine Fassung und blieb still ste­hen.

Er stand tatsächlich bis zur Hüfte in dem warmen Wasser einer tropi­schen Lagune und verstand die Welt nicht mehr. Gar nicht mehr.

Das war natürlich kein Wunder, auch wenn er das nicht ahnte.

Im Grunde genommen war er tot.

Tja, wer den Jaleena-Roman gelesen hat, kennt derartige Mo­mente der völligen Verwirrung. Cendoog hat es wirklich nicht leicht … aber während ich diese Szenenblende gewissermaßen aus dem Stegreif schrieb und dann gleich noch eine zweite und dritte anschloss, kam es mir immer seltsamer vor, diese Ge­schichte mit dem geplanten Titel in Verbindung zu bringen.

Das ging irgendwie nicht.

Ich konnte aber auch nicht aufhören zu schreiben! Es fühlte sich gut an, einfach RICHTIG … ich weiß nicht, ob ihr das nachvoll­ziehen könnt. Jedenfalls MUSSTE ich am Ball bleiben. Und das tat ich auch.

Als schon mehr als 10 Textseiten standen, kam ich endlich zu ei­nem Entschluss. Zu einem, wie ich ihn seit Jahren nicht mehr getroffen hatte.

Verdammt noch mal, ich muss den Titel ändern! Dann ver­schiebt sich zwar die ganze Episodenvorschau, aber hier gibt es sowieso nur noch fünf weitere Planungstitel, das haut schon hin.“

Das habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht, müsst ihr dazu wissen. Normalerweise plane ich Episodentitel relativ klar und präzise voraus. Hier musste ich improvisieren.

So wurde die Episode in „Die Gestrandeten“ umbenannt … und plötzlich machte alles wunderbar Sinn, und binnen weniger Tage war die Episode ruckzuck fertig.

Ja, die vier Freunde sind in der Galaxis Tushwintau gelandet, in KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“. Das heißt, sie sind rund 60 Milliarden Jahre von ihrer angestammten Heimat­zeit entfernt. Aber ganz so wie jemand, der in ein Stasisfeld ein­geschlossen wird und nicht weiß, wie viel Zeit vergangen ist, ganz so ergeht es auch ihnen. Sie brachen aus dem Paralleluni­versum mit dem Plan auf, in der Zeit zurück zu reisen und ihr Heimatreich in Koopen vor dem drohenden Untergang zu war­nen. Was sie immer noch wollen.

Dummerweise ist diese Botschaft lange überholt. Ihre Heimat ist schon sehr lange vergangen. Nun befinden sie sich im so ge­nannten „Netzuniversum“, einem Ort, der Wunder und Schre­cken bereithält, die sie sich nicht mal in ihren kühnsten Träumen ausmalen konnten.

Einen kleinen Eindruck erhalten sie am Ende der Episode, als sie den nächtlichen Sternenhimmel betrachten … oder das, was davon noch da ist. Ich möchte euch diese Stelle nicht vorenthal­ten:

Als die Wolken, die gegen Tagesende aufgezogen waren, sich verflüch­tigten und den freien Blick aufs Firmament preisgaben, blickten ganz auto­matisch alle vier Allis nach oben.

Und konnten nicht fassen, was sie sahen.

Caldoor war der erste, der eine Bemerkung machte. „Was um alles in der Welt…?“

„Also, Sternenhimmel stelle ich mir irgendwie anders vor“, kam es tro­cken von Cashique.

Cendoog hatte es ganz die Sprache verschlagen. Und selbst der viele Meter abseits stehende Clyngard blinzelte den Himmel hilflos und ratlos an.

Was immer er erwartet haben mochte – das gewiss nicht.

Der Himmel war schwarz wie üblicherweise angenommen. Überwiegend jedenfalls.

Aber in diesem Schwarz tanzten farbige … ja … Splitter oder was immer es sein mochten. Sehr viele davon. Vielfarbige Funken wie gewaltige, von innen leuchtende Glasscherben, die einen sanften, behutsamen Reigen am Firmament aufführten und niemals zusammenstießen, sondern bei Annä­herung sogleich auf einen anderen Kurs einschwenkten. Die Größe dieser Dinger vermochte er beim besten Willen nicht abzuschätzen, auch nicht ihre Distanz zum Planeten.

Aber was immer das sein mochte – er hatte so etwas noch nie gesehen.

Clyngard verfeinerte das Programm und fügte einen Filteralgorithmus ein, um die vordergründigen Funkeleffekte durch die seltsam von innen heraus glühenden Splitter auszusieben. Ihn interessierte der stellare Hin­tergrund, der ihm vielleicht einen Hinweis darauf geben mochte, in was für einer kosmischen Region sie gelandet waren. Selbst wenn es da nur ver­einzelte Lichtpunkte gab, konnte das Programm sie vielleicht bekannten Sonnen, Sternhaufen oder Galaxien zuordnen und so eine erste Näherung …

Clyngards Gedanken zerstoben, als das Ergebnis auf dem kleinen Arm­display aufleuchtete. Er starrte auf das Display, und er starrte und starrte.

Das war unmöglich.

Das konnte einfach nicht sein!

„Clyn … hast du irgendein Ergebnis?“, klang Caldoors Stimme vom Feuer zu ihm.

Er musste die Frage dreimal wiederholen, ehe er Antwort bekam.

„Ergebnis … ja … in gewisser Weise … aber es wird dir nicht gefallen, Cal.“

Er kam zum Feuer zurück und machte das Ergebnis für die versammel­ten Freunde zugänglich. Die Reaktionen fielen aus wie vermutet – ganz wie seine eigene.

„Das kann doch nicht sein!“

„Mein Reden“, seufzte er.

„Da müssen doch Sterne sein!“

Ja, nickte Clyngard zustimmend. Das hatte er auch angenommen.

Aber da waren keine Sterne.

Der gesamte Nachthimmel über dem paradiesischen Planeten war jen­seits dieser … dieser Splittersphäre vollständig schwarz. Das war nicht nur die Schwärze des galaktischen Leerraums, das wäre in gewisser Weise noch begreiflich gewesen.

Da gab es rein gar nichts.

Es hatte den verstörenden Anschein, als hätte sich das gesamte Univer­sum mitsamt seinen zig Milliarden Galaxien einfach in Nichts aufgelöst und nur dieses eine kleine Sonnensystem zurückgelassen.

Einen idyllischen Planeten mit tropischen Meeren und wilder Dschun­gelvegetation.

Und eine bizarre Schar von Myriaden Kristallsplittern, die im Orbit des Planeten spöttisch tanzten, als besäßen sie eine obskure Form von Eigen­leben und würden sich über ihre Verwirrung und Ratlosigkeit köstlich amü­sieren.

Cendoog fasste es schließlich beinahe sarkastisch in Worte: „Also, ich weiß ja nicht, wie ihr das seht, Freunde … ich selbst bin von den Toten auf­erstanden, und jetzt sind wir wohl alle im Jenseits außerhalb des Univer­sums gelandet. Und wer weiß, was der morgige Tag bringt!“

Er hatte noch keine Ahnung, wie prophetisch seine Worte waren.

Aber sie sollten das bald erkennen.

Sie befanden sich in mächtigen Schwierigkeiten …

Da spricht er ein paar gewichtige Worte relativ gelassen aus. Aber in der Tat, die eigentlichen Abenteuer fangen für sie ja ge­rade erst an. Denn sie befinden sich direkt im Zentrum des Sturms, könnte man sagen, im „Splitterhort“. Und in der kom­menden Episode pocht das Chaos schlechthin an … ich bin wahnsinnig neugierig darauf, wie das weitergeht. Und beizeiten berichte ich davon gern weiter.

Für heute mache ich dagegen erst einmal Schluss. In der kom­menden Woche berichte ich dagegen, wie der Monat März 2021 kreativ für mich verlaufen ist. Und ich hoffe, sobald ich wieder Blogartikel veröffentlichen werde, kann ich den alten, gewohn­ten Takt von zwei Blogartikeln in der Woche – einen sonntags, einen mittwochs – wie gewohnt weiterführen.

Bleibt mir gewogen, Freunde, und haltet mir die Treue!

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Vgl. dazu das E-Book „Jaleenas zweites Leben“, Teil 1 und 2, 2016.

2 Zur Vorgeschichte vgl. beizeiten den KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC), insbesondere die Bde. 85: „Spur in die Hölle“, 103: „Emissär aus der Ewigkeit“, beide 1991, 104: „Ausflug in die Zukunft“ und 105: „Das Chaos-Univer­sum“, alle 1992. Alle weiteren Fußnoten beziehen sich auf BdC-Episoden.

3 Vgl. dazu beizeiten den BdC-Bd. 105: „Das Chaos-Universum“, 1992.

Rezensions-Blog 326: Bodyguard (2)

Posted November 16th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vor zwei Wochen an dieser Stelle erzählte ich, dass ich von dem Romanzweiteiler von Deanna Lee versehentlich den zweiten Teil zuerst las und später dann, als ich zu dem nächsten Roman von ihr griff, mit Verwirrung, dann langsam sich erhellendem Ver­ständnis zu begreifen begann, was eigentlich passiert war. Dummerweise hatte ich da zum zuerst gelesenen zweiten Teil („Bodyguard“) schon eine nicht wirklich verständnisvolle und recht kritische Rezension verfasst.

Ihr erlebt hier also, weil ich es durchaus erhellend finde, so et­was mal zu tun, einen etwas ratlosen und leicht frustrierten Re­zensenten, der 2019 von dem Folgeband von „Galerie der Lei­denschaften“ nicht wirklich angetan war.

Well, Fortsetzungsromane zeichnen sich mehrheitlich dadurch aus, dass sie schon vertraute Personen und Settings vorausset­zen können – was Lee hier auch getan hat. Wer aber als Leser dann in eine solche Geschichte ohne Vorkenntnisse einsteigt, dem wird eine gesteigerte Kombinationsbereitschaft abgefor­dert, die nicht immer zu leisten ist. Leserfrust ist die fast unver­meidliche Konsequenz.

Die etwas barschen und verständnislosen Worte in meiner da­maligen Rezension bitte ich darum zu entschuldigen. Im Lichte der später gewonnenen Vorkenntnisse würde ich nicht mehr ganz so harsch urteilen. Gleichwohl fände ich auch heute noch, dass der englische wie deutsche Titel recht unpassend gewählt ist.

Was das genau bedeuten soll? Da schlage ich vor, lest doch ein­fach mal weiter, der Nebel wird sich lichten:

Bodyguard

(OT: Barenaked Jane)

Von Deanna Lee

rororo 24856

304 Seiten, TB (2008)

ISBN 978-3-499-24856-6

Aus dem Englischen von Meike Wolff

Es gibt schon kuriose Bücher, aber das hier ist eines von der Sorte, das nun wirklich in keiner Weise hält, was der Titel ver­spricht. Wer hier insgeheim denkt, der Handlungsstoff des gleichnamigen Films mit Whitney Houston und Kevin Costner sei in einen erotischen Roman umgegossen worden, der wird sich gründlich umorientieren müssen.

Warum?

Weil es in dem Roman keinen Bodyguard gibt (obwohl die weib­liche Hauptperson gut einen solchen gebrauchen könnte, wie sich schließlich herausstellt). Gleichwohl ist das sinnliche Cover ebenso reizvoll wie der Inhalt, und damit sei dem Verlag dann die Rosstäuschung verziehen. Ich gebe ja zu – es wäre einiger­maßen schwierig gewesen, ihn gescheit zu betiteln. Mit weitem Abstand am passendsten wäre vermutlich gewesen, ihn „Die Ex-Polizistin und Galerie-Angestellte, in die sich ihr Sicherheits­chef verguckt“ zu nennen … aber es ist offenkundig, dass das kein wirklich zugkräftiger Titel ist.

Worum geht es also in Wahrheit, wenn schon der Titel in die Irre führt? Um Folgendes:

Jane Tilwell ist Ex-Polizistin aus dem Süden der USA, die nach Boston gezogen ist, als sie aus anfangs noch unklaren Gründen nicht mehr in ihrem angestammten Beruf arbeiten konnte. Sie hat wirklich völlig umgesattelt und ist Kunsthändlerin geworden, die in einer renommierten Bostoner Galerie unter dem Leiter James Brooks angefangen hat. Dass der jedoch nahezu nie in Erscheinung tritt und seiner leitenden Angestellten Mercy Ro­thell das Feld überlässt, die als ihre Chefin fungiert und alsbald zu ihrer engen Freundin wird, macht die Geschichte noch etwas undurchsichtiger. Als Leser braucht man eine ganze Weile, um die miteinander verflochtenen und stets nur angedeuteten Bio­grafien zu entwirren. Sie sehen dann etwa so aus:

Mercy hat in ihrer jüngsten Vergangenheit eine Vergewaltigung zu verarbeiten, mit der sie noch nicht ganz zu Rande gekom­men ist. Die zentrale Künstlerin Lisa Carlson, die in der Galerie ausstellt, steckt gerade in einem Scheidungsprozess von ihrem brutalen Ex-Mann, der ihr stalkermäßig nachsteigt.

Und Jane Tilwell, die Hauptperson, hat buchstäblich Leichen in ihrer Vergangenheit liegen, deren Schatten sie bis heute immer noch verfolgen – während ihre beiden Brüder im Süden Cops ge­blieben sind, ist sie auf einem Streifendienst Seite an Seite mit ihrem Kollegen mit einem durchdrehenden Autofahrer konfron­tiert worden. Der unmotivierte Streit endete so, dass Janes Kol­lege erschossen wurde, sie bekam zwei Kugeln ab und ballerte ihr Magazin auf den Amokläufer leer und leidet seither unter ei­nem ausgesprochenen Trauma.

Da tut es ihrem Ego enorm gut, von der Distanz zum Tatort ganz zu schweigen, dass sie sich in der Galerie beweisen kann. Und um die Sache noch toller zu machen, wird ihr der Auftrag über­antwortet, eine Reihe extrem seltener Kunstwerke eines exzen­trischen Künstlers in der Galerie ausstellen zu können. Aber da­mit fangen auch die Probleme an.

Denn ohne dass sie es weiß, hat ihre Vorgesetzte einen Sicher­heitscheck der Galerie veranlasst … und als Jane eines Abends wie so oft Überstunden macht, stößt sie in der dunklen Galerie auf einen Eindringling … und wird überwältigt. Natürlich hält sie ihn für einen Angreifer. Zu ihrem Glück ist er keiner, sondern ein ebenholzschwarzer, hünenhafter Ex-Marine namens Mathias Montgomery, der die Sicherheitsvorkehrungen testen sollte.

Das Testergebnis fällt indes höchst blamabel aus, und er muss konstatieren, dass die Galerie dringend ein massives techni­sches und auch personelles Update seiner Sicherheitsfirma be­nötigt. Er bekommt den Auftrag tatsächlich und bringt Janes Programmplanung anschließend gründlich durcheinander.

Noch mehr durcheinander bringt er allerdings ihr Gefühlsleben.

Denn Mathias erweist sich als ein unwiderstehlich attraktiver, einfühlsamer und zudem hochintelligenter Liebhaber. Jane, die sich mit dem Anwalt Charlie Wallace einen „Schwanz auf Abruf“ leistet, mit dem sie seit rund einem Jahr vögelt, wann sie es halt mal braucht, hat in ihrem Leben im Grunde genommen keinen Platz für einen dauerhaften Mann (das hat mit ihrer zerrütteten Familiengeschichte zu tun, zu der ich hier nichts weiter ausfüh­ren will). Aber sie bekommt Mathias nicht mehr aus dem Kopf. Umgekehrt geht es ihm ebenso.

Mathias hat ein Rezept dagegen, wie er sagt. Er beschließt, sie zu überraschen und, wie er sich ausdrückt, dem Problem da­durch zu begegnen, dass sie sich ein Wochenende lang „die Ge­fühle aus dem Leib vögeln“, um danach eine normale Arbeitsbe­ziehung einzugehen. Dummerweise klappt das nicht einmal an­satzweise, sondern verschlimmert nur die suchtähnliche Abhän­gigkeit der beiden voneinander.

Und dann taucht der nervige Charlie auf, der offenkundig sehr viel mehr von Jane möchte als nur ein unverbindlicher Sexpart­ner auf Zeit zu sein. Als sie diese Avancen abweist, zeigt der An­walt auf einmal ein völlig anderes Gesicht …

So heißblütig die erotischen Szenen auch sein mögen und so sympathisch die zentralen Charaktere auch gezeichnet werden – ich hatte nicht nur des Titels wegen ein wenig Schwierigkeiten mit dem Roman. Man liest ihn mühelos in drei Tagen weg und sieht auch geflissentlich über peinliche Übersetzungsfehler wie den „9. September 2001“ (sic!) hinweg. Irgendwie hatte ich, als ich das Buch auslas, das dumme Gefühl, nur die Hälfte der Ge­schichte vor mir zu haben.

Warum dies?

Nun, eigentlich glaubte ich doch, weil soviel Raum darauf ver­wendet wurde, dass es zentral um die Kunstwerkausstellung und den Schutz selbiger vor eventuellen Dieben gehen würde. Aber während die Sicherheitsvorkehrungen immer perfekter werden, verliert sich die Autorin in der Dreierkonstellation Jane – Charlie – Mathias, wo zwar schlussendlich eine Quintessenz her­gestellt wird. Aber die Ausstellung wird darüber vollkommen vergessen. Statt „Bodyguard“ hätte man also auch titeln kön­nen „Die fatale Dreierbeziehung der Galeristin Jane Tilwell“ oder so. Denn darum geht es in Wahrheit. Wer denkt, es würde jetzt noch wenigstens die Ausstellungseröffnung oder eine fatale Kri­se rings um die Kunstwerke einsetzen, sieht sich völlig ge­täuscht. Deshalb dachte ich mir: fehlen am Roman jetzt nicht noch 100 Seiten, um die Story abzurunden? Offensichtlich doch. Ich kann mich nicht entsinnen, jemals eine so unvollständige Storyline in einem etablierten Verlagsroman entdeckt zu haben. Echt nicht.

Also, ein seltsames Werk. Wenn man nur auf hitzige Erotik und durchaus witzige Dialoge aus ist und das Buch lediglich zur Ent­spannung und ohne eingeschalteten Verstand lesen möchte, kann man das Werk akzeptieren. Aber sonst ist es doch recht merkwürdig geraten.

Es gibt allenfalls eine recht eingeschränkte Leseempfehlung von meiner Seite.

© 2019 by Uwe Lammers

Soviel für den Moment von der Belletristik-Front. In der kom­menden Woche tauchen wir ein wenig in die Zeitgeschichte ab und machen (wieder mal) eine Stippvisite bei Adolf Hitler.

Bis dann, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

PS: Nachtrag vom 16. November 2021 – sorry, dass ich den Blogartikel vom Sonntag nur als Entwurf speicherte und heute dann verspätet veröffentlicht habe. Solche dummen Dinge geschehen. Dafür gibt es den Rezensions-Blog von morgen heute schon vorab, da ich dann auf einer Beerdigung bin und nicht sagen kann, wann ich hierfür Zeit fände.

Blogartikel 432: Legendäre Schauplätze 23: Westai

Posted November 16th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

an diesem Ort war ich schon lange nicht mehr … Westai war so ziemlich der erste Name, der mir vor ein paar Jahren einfiel, als ich die Rubrik „Legendäre Schauplätze“ zusammenstellte. Und weil das so ist, könntet ihr jetzt mit Fug und Recht vermuten, es handele sich dabei um eine Art von Lückenfüller. Das ist nicht völlig präzise, aber auch nicht ganz falsch.

Es ist deshalb nicht vollkommen verkehrt, weil die Handlungs­zeit, in der Westai wichtig wird für den KONFLIKT 24, in dem ich sie besuchte, noch in der Zukunft liegt. Vor vier Wochen berich­tete ich über den OSM-Band 2000, an dem ich viele Jahre schrieb … nun, die Westai-Handlungsschiene konnte bzw. kann ich erst danach fortsetzen. Aber selbst dann wird sie nicht so­gleich in Westai fortgesetzt werden … ah, ich merke, ich rede ein wenig in Rätseln, und ihr habt Mühe, meinen Gedanken zu folgen. Machen wir es darum anders.

Als ich Westai besuchte, geschah das im Juni des Jahres 1997, was inzwischen bekanntlich 24 Realjahre zurückliegt. Schauen wir uns mal kurz diesen Handlungsschauplatz an. Ich zitiere aus Band 16 „Der Neutrale“ der Serie „Oki Stanwer – Der Neutral­krieger“:

Der Neutrale hatte sein Zimmer verlassen und war nun auf dem Weg über die Gleitbänder in die Zentrale, wo Shanting der Schuppige Wache hielt. Shanting war einer der wenigen Angestellten des Neutralen, ein klei­nes Rädchen in einem großen Räderwerk, das über unvorstellbare kosmi­sche Distanzen arbeitete.

„Colin“, erinnerte er sich an Okis Worte, „was für einen Posten möchtest du übernehmen? Du weißt, es gibt eine Vielzahl von Aufgaben, einige davon nicht ungefährlich.“

„Ich bin kein Draufgänger“, hatte er geantwortet. „Am liebsten wäre mir ein Bürojob irgendwo in einem Archiv.“

Sie hatten herzhaft darüber gelacht. Und schließlich war ihm Westai als Areal zugeteilt worden, eine kleine Galaxis, die vom Hauptgebiet der BASIS DER NEUTRALEN gute zweihundert Millionen Lichtjahre entfernt war. Westai war eine Kugelgalaxis mit einem Durchmesser von nicht einmal fünfzigtausend Lichtjahren, recht jung, wenn man das in stellaren Dimensionen betrachtete. Interessanterweise gab es hier kein einziges raumfahrendes Volk. Aber das hatte nichts zu bedeuten.

Der Neutrale … bog gedankenvoll in den Hauptgang ein, der zur Zentra­le führte. Sie befand sich nicht im Mittelpunkt des „Schlosses“, sondern an der Peripherie, gut getarnt für den Fall eines Angriffes. Dann konnte man sie besser als Fluchteinheit abkoppeln. Und es war immer möglich, dass raumfahrende KONFLIKT-Mächte überraschend attackierten. Besonders in diesem KONFLIKT. Und besonders Neutrale.

Wir befinden uns bekanntlich im ersten Netzuniversum – in je­nem Kosmos, in dem Oki Stanwer vom Licht desertiert ist und mit der „Basis der Neutralen“ einen dritten Machtpol gebildet hat. Der Planet TOTAM ist zerborsten und seine Trümmer über das gesamte Universum verstreut worden … wobei die Bruch­stücke die Funktion von Transmitterbrücken erhielten, sodass der Kosmos von Myriaden von Transitportalen durchzogen wird. Und die „Basis“ und ihre Stützpunkte sind immerzu in Gefahr, von den aktuellen KONFLIKT-Mächten entdeckt und bekämpft zu werden (erinnert euch daran, was ich euch vor ein paar Wochen zum „Unternehmen STURMHERZ“ des AUREUS beim EXIL HANKSTEYN erzählte).

Westai ist eine beschauliche Provinz, könnte man sagen, in der eher wenig passiert. Der „Neutrale“, der in seinem fliegenden Schloss residiert, gilt als wohlwollender Förderer der humanoi­den Bewohner des Planeten Washian und erfüllt sonst im Auf­trag seiner Organisation Supervisionsaufgaben.

Zugegeben, bislang habe ich von Westai nur den Planeten Wa­shian gesehen … das hatte mit den abenteuerlichen Umständen zu tun, durch die der „Neutrale“ Colin Gablon hier erstmals auf­trat.

Seine beschauliche Ruhe wird massiv gestört, als ein zerstöreri­sches Phänomen auf Washian in Erscheinung tritt, das er schon aus anderen Galaxien kennt: ein ellipsoides, mobiles Transmit­terfeld tritt auf, das man „Transversale“ nennt. Ähnlich wie die früheren Transmitternetze der Baumeister und jetzt die zerleg­ten Knochenstraßen TOTAMS, die über die HEIMATSTÜCKE, d.h. die Trümmermonolithen des Planeten TOTAM frequentieren kann, sind Transversalen Tore zwischen weit entfernten Regio­nen des Universums. Ihr Ursprung ist unbekannt – das Problem ist jedoch, dass sie mobil sind. Sie bewegen sich meist äußerst zielstrebig und geradlinig, offensichtlich an den Gravitations­feldlinien jener Welten entlang, auf denen sie spontan materiali­sieren.

Die Schwierigkeit bei ihnen ist allerdings, dass ihre Transmitter­wirkung ungesteuert ist. Sie verschlingen Materie und senden sie ins Nirgendwo, andere von ihnen speien dagegen Materie und Lebensformen aus dem Kosmos auf fremde Welten.

Das Transversalenfeld, das auf Washian in Westai materialisiert, ist anders: es folgt keinem klaren Kurs. Und, schlimmer noch, eine Gruppe von Intelligenzwesen tritt aus ihnen hervor, die Co­lin Gablon recht schnell als Angehörige der zwergenhaften Spe­zies der „Mörder“ identifizieren kann. Formal sind sie früher Die­ner TOTAMS gewesen, aber diese hier sind Matrixfehler und stammen aus einer höchst fremdartigen Welt … eine Höhlen­welt, in deren Tiefen sich aber offenkundig massive Installatio­nen jener rätselhaften Wesen befinden, die die Transversalen aus undurchsichtigen Gründen erschaffen haben – die so ge­nannten „Transversalisten“.

Colin Gablon kann den desorientierten und unter massivem Kul­turschock leidenden gestrandeten Mördern helfen – aber als er versucht, mit ihnen durch das Feld zu ihrer Welt zurückzukeh­ren, um mehr über die Transversalen und ihre Erbauer heraus­zufinden, da gelingt das nur partiell.

Die Gruppe wird getrennt. Colin gelingt mit einigen Mördern der Übertritt in die Höhlenwelt, die anderen bleiben in Westai zu­rück … weshalb es alsbald erforderlich wird, dass ich dorthin er­zählerisch zurückkehre. Denn Colins Kollege Shanting, der nun mit den verbliebenen Mördern ausharrt, hat ohne Frage die Ba­sis-Zentrale informiert.

Was das erratische Transversalenfeld derweil tut? Ich habe kei­ne Vorstellung, aber ein paar üble Befürchtungen. Zum Glück ist Washian nicht sehr stark besiedelt. Sehr viel dramatischer er­geht es auf der anderen Seite des Feldes aber Colin und seinen Gefährten, über die ich in den Bänden 55-57 der Serie Auskunft gebe. Bis ich nach Washian zurückkehre, kann es dauern.

Deshalb wird Washians große Zeit also erst noch kommen. Und ein „Lückenfüller“ ist dieser Beitrag deshalb in gewisser Weise, weil mir auf die Schnelle kein Handlungsschauplatz mit „W“ ein­fiel, den ich hier hätte darstellen können. Dafür gäbe es natür­lich für zahlreiche andere Buchstabengruppen noch weitere Kandidaten. Für „T“ fiele mir etwa „Terra“ ein oder „Technoros“, für A etwa „Allkoom“, für Z käme auch „Zooltahn“ in Frage, für D „Dyllawaar“ oder das „Domizil der Macht“ … also, an solchen Orten herrscht kein Mangel.

Doch denke ich zurzeit nicht über eine zweite Runde der „Legendären Schauplätze“ nach. Ich möchte vielmehr, wenn ich diese A-Z-Reihe abgeschlossen habe, eine neue Artikelreihe konzipieren, die sich um „Legendäre Völker“ kümmert, wie ich das verschiedentlich schon andachte. Und noch weiter entfernt, in einigen Jahren, kann ich mir dann eine Reihe von „Herausragenden Protagonisten des OSM“ vorstellen. Auch davon gibt es, wie sich leicht vorstellen lässt bei über 2000 Bänden (aktuell 2014), nicht eben wenige.

Für heute muss ich es bei dieser sehr kursorischen Vorstellung belassen, die notwendig so knapp war, weil ich ja selbst von der Kugelgalaxis Westai noch nicht allzu viel gesehen habe. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich das beizeiten ändert.

Lasst euch da mal überraschen, ich halte euch auf dem Laufen­den.

Bis nächstes Mal, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 325: Der Consul

Posted November 10th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

als ich vor vielen Jahren eher durch einen Zufall in meiner Ei­genschaft als Historiker auf die Spur der „Organisation Consul“ (OC) stieß, das kann ich heute offen zugeben, war ich vollkom­men perplex. Auf einmal tauchte ich in eine bizarre Parallelwelt voller finsterer Verschwörer ein, die sich auf dem schmalen Grat zwischen patriotischen Idealen und staatsverschwörerischem Hochverrat bewegten, und das war nicht nur eine Handvoll von Personen, wie das später etwa bei der RAF oder NSU der Fall war, sondern wir reden hier von einem weitläufigen Netzwerk mit Aberhunderten von Personen in verschiedensten gesell­schaftlichen Kreisen.

OC stellte ein brandgefährliches Strukturelement in der Endzeit der Weimarer Republik dar, das durchaus das Potenzial besaß, die erste deutsche Demokratie massiv ins Wanken zu bringen. Und ja, sie besaß sehr potente Förderer in den Parteien, im Poli­zei- und Staatsschutzapparat und in der Armee.

Das, was Christian von Ditfurth mit seinem Alternativwelt-Krimi entwickelt, stellt also nur eine relativ leichte graduelle Abwei­chung von dem dar, was in unserer Welt tatsächlich passiert ist. Zugleich ist er natürlich Historiker und raffinierter Schriftsteller, der mit ein paar Paukenschlägen die Geschichte ins Rollen bringt und den Leser über die Person des Kommissars Soetting in die Handlung zerrt, die alsbald einem Malstrom zu gleichen beginnt.

Von Ditfurth setzt eine Menge an Basiswissen voraus, um die fein verästelte Struktur der Story und die Motive der Handeln­den angemessen zu verstehen. Doch erfreulicherweise befinden wir uns heutzutage im Internetzeitalter, und nahezu alles, was er hier an Namen und Organisationen und Ereignissen bringt, lässt sich auf diese Weise nachrecherchieren. Es sollte also nie­mand durch den komplexen Background des Romans von des­sen Lektüre abgehalten werden – ich bin überzeugt davon, dass ihr das bereuen würdet. Euch würde auf diese Weise einer der faszinierendsten Romane der jüngeren deutschen Literaturge­schichte entgehen, von dem ich heute immer noch sehr über­zeugt bin, wiewohl die Lektüre bereits dreizehn Jahre zurück­liegt.

Ich schlage vor, ihr lest einfach weiter – und bin ziemlich sicher, dass eure Neugierde angefacht wird:

Der Consul

von Christian von Ditfurth

Knaur 62787

480 Seiten, TB

Januar 2006, 8.95 €

ISBN 3-426-62787-6

Da hat sich einer einen Wunschtraum erfüllt – das ist der erste Gedanke, den man hat, wenn man die Eingangszeilen des Klap­pentextes liest: „Weimar, im November 1932: Hitler wird im Ho­tel ‚Elephant‘ erschlagen aufgefunden …“ Bekanntlich ist die Geschichte UNSERER Welt so nicht verlaufen. Wir wissen, dass der Politiker, Psychopath und Massenmörder Adolf Hitler „Füh­rer“ des Dritten Reiches wurde und maßgeblich verantwortlich war für den Tod von Millionen Juden, Soldaten und Zivilisten, von anderen Schreckenstaten einmal ganz zu schweigen.

Nicht so in dieser Welt, weswegen dieses Buch, das formell ein Kriminalroman ist, zur Phantastik gerechnet werden muss. Hier biegt die Geschichte aus dem uns bekannten historischen Fahr­wasser am 8. November 1932 ab und gerät in trügerische, düs­tere und schlecht beleuchtete, übel riechende Gewässer, wo un­heimliche und ekelhafte Dinge im Wasser driften, die man bes­ser nicht mit seinem Ruder berührt.

Der Historiker und Phantast in einer Person ist fasziniert und er­schrocken zugleich, und beide Teile seiner Seele beginnen zu ar­beiten. Die eine Seite spürt die Neugierde auf diese fremde Welt, die sich ausbreitet, die andere fragt nach historischer Ak­kuratesse. Und so sieht sie aus, diese unheimliche „neue Welt“:

Berlin, November 1932: Die NSDAP hat bei den letzten Reichs­tagswahlen herbe Stimmenverluste hinnehmen müssen und ist nicht mehr stärkste Fraktion im deutschen Reichstag. Die Partei ist in der Krise, der Schatzmeister Franz Xaver Schwarz rechnet Adolf Hitler vor, dass seine Bewegung finanziell am Ende ist. Hitler, der von Reichspräsident Hindenburg als potenzieller Reichskanzler kategorisch abgelehnt wird, von diesem Anspruch aber nicht abgehen möchte, steht kurz vor dem Aus.1

Am Morgen des 8. November 1932 wird der Berliner Kriminal­kommissar Stefan Soetting aus dem Schlaf geklingelt. Er soll im Auftrage von Reichskanzler Franz von Papen und Reichswehrmi­nister Kurt von Schleicher die Ermittlungen im Fall Hitler über­nehmen. Warum gerade er, warum nicht die Weimarer Polizei? Nun, der Polizeichef in Weimar ist ein Nazi. Offensichtlich vor­eingenommen.

Aber das ist die Polizei insgesamt, und die Reichswehr auch – alle sind fest davon überzeugt, dass der Mörder „natürlich“ in den Reihen der „Kommune“ zu suchen sind, also bei der KPD. Nazis und Kommunisten liefern sich schon seit Jahren Straßen­schlachten, ermorden einander auf zum Teil brutale Weise.2 Also ist, wenn der Führer der Nationalsozialisten umgebracht wird (und dann noch mit einer Goethebüste erschlagen!), „die Kom­mune“ natürlich der erste Verdächtige. Und umso mehr, als zwei Angestellte des Hotels unter dringendem Verdacht festge­nommen worden sind, Kommunisten zu sein.

Doch als Soetting, einstiger Soldat des Ersten Weltkriegs und verwitwet – die Frau und das Kind sind bei der Geburt gestorben – , in Weimar ankommt und die Spuren untersucht, kommen dem hartgesottenen Kriminalisten Zweifel. Er analysiert den Mord und schließt, dass es eine Affekttat war. Er vernimmt die beiden Verdächtigen, von denen nur einer, Leutbold, die richtige Schuhgröße hat. Die bildhübsche Sofia Schmoll hingegen macht einen eher verschüchterten Eindruck. Niemand weist Blutspuren auf, obwohl Hitler im eigenen Blut liegt und alles beschmiert ist.

Leider sind die anderen Verdächtigen, die bei Hitler in jener Nacht waren, allesamt wieder abgereist, und die Weimarer Poli­zei hat nichts dagegen getan. Und es gab eine Menge Gäste im Hotel: Joseph Goebbels, Hermann Göring, Gregor Strasser, Heinrich Hoffmann, Sepp Dietrich und die Herren Schaub und Brückner. Allesamt Nationalsozialisten und allesamt Personen, die man unter die Lupe nehmen muss, wenn man die Alibis tes­ten möchte.

Die Polizei in Weimar will nicht. Nur Soetting will das.

Aber die beiden Verdächtigen in Haft belügen Soetting – Leut­bold wie Schmoll sind Kommunisten, passen also perfekt in das Schuldschema. Und der Kommissar, der sich vorgeführt vor­kommt … verliebt sich in Sofia Schmoll, ohne etwas dagegen tun zu können. Und verspricht, ihr zu helfen. Was ihn in Schwie­rigkeiten bringt. In mächtige Schwierigkeiten.

In Berlin möchte sein Chef schnelle Resultate sehen. Alles scheint ja völlig sonnenklar zu sein – die Kommunisten sind schuld, die Täter sind gefasst, wo also ist das Problem? Soetting spielt auf Zeit, denn er glaubt nicht an die Schuld der Verhafte­ten. Er möchte erst die anderen Zeugen vernehmen.

Das nächste Problem tritt kurze Zeit später zutage, als eine Lei­che aus der Spree gezogen wird – Ernst Röhm, ungeliebter Chef der SA, der Sturmabteilungen der Nationalsozialisten. Ein be­kannter Homosexueller. Er ist auf widerwärtige Weise umge­bracht worden, die Soettings Kompagnon an einen Fememord denken lässt. Und das Kabel, mit dem Röhm gefesselt worden ist, riecht irgendwie nach Öl …

Doch Soetting hat kaum Zeit, sich auf diese neue Lage einzu­stellen. Wenig später werden zwei seiner Tatverdächtigen er­mordet, beides führende Nationalsozialisten. Er selbst wird, als er den Ort des Röhm-Mordes findet, von einem Anwesenden niedergeschlagen.

Dann bricht der Bürgerkrieg aus – die Nationalsozialisten und die Reichswehr gegen die „Kommune“ und einen Teil der SA, die zu den Kommunisten übergeht. Straßenschlachten, Maschinen­gewehrgehämmer, Entführungen, Morde … und Soetting hat nichts Besseres zu tun, als allein nach Leipzig zu fahren, um Leutbold und die Schmoll nach Berlin zu überführen. Stattdessen gerät er in die Gefangenschaft des Rotfrontkämpferbundes, der militanten Kommunistenorganisation. Und einer der Köpfe die­ser Bewegung ist … Walter Berg, einer von Soettings beiden Ka­meraden im Weltkrieg. Der andere ist Kurt Rübezahl, doch der ist inzwischen Adjutant von Reichswehrminister Schleicher.

Der zutiefst unpolitische Kommissar sieht sich in ein Netz aus hochpolitischen Angelegenheiten verstrickt, und er begreift schnell, dass die Kommunisten Hitler und die anderen drei Mor­de nicht auf dem Gewissen haben, es aber einflussreiche Kreise gibt, die genau das glauben machen wollen – und als Soetting allmählich versteht, worum es tatsächlich geht, wird ihm nicht nur befohlen, nicht mehr gegen den Hauptverdächtigen zu er­mitteln, sondern rasch hat er Schläger und einen psychopathi­schen Killer auf dem Hals.

Und so macht Stefan Soetting als Privatmann Jagd auf die wah­ren Mörder, mitten im Chaos des „neuen Reiches“ unter Vize­kanzler Hermann Göring. Die Spuren führen zu einer Person na­mens „Consul“. Doch als er begreift, was es mit diesem Begriff auf sich hat, ist es fast schon zu spät, seinen Kopf noch zu ret­ten …

Leser, die nicht so zeithistorisch gebildet sind wie der Rezensent es notwendigerweise ist, werden lange brauchen, bis sie sich orientiert haben in der chaotischen Zeit der frühen 30er Jahre. Die Bedeutung der „Organisation Consul“ hingegen erschließt sich wirklich schwer. Ich möchte darüber nur soviel verraten, dass ein Lexikon dazu sagt, dass OC, wie man die Organisation zeitweilig nannte, bis zu 5000 (!) Mitglieder besaß.3 Heute wür­de man sagen, es sei eine der größten Terrororganisationen der Weltgeschichte gewesen, und das wäre vermutlich zutreffend.

Das sah man in der frühen Weimarer Republik weithin völlig an­ders. Dort galten diese Leute als „Patrioten“, und wenn man das als Hintergrundfolie vor Augen hat, wenn man dieses Buch liest, werden viele Passagen um einiges begreiflicher. Recht und Mo­ral, da muss man Stefan Soetting und einigen anderen Personen leider Recht geben, sind in diesen turbulenten Jahren der Wei­marer Republik zwei grundverschiedene Begriffe gewesen, wie­wohl sie eigentlich verschwistert sein sollten. Man schaue sich heutzutage die PLO oder die Hamas an und ihre Rolle einst und jetzt, und man wird vielleicht begreifen, was ich damit sagen möchte.

Der Kontrafaktik-Phantast, der ich auch bin, muss gruselnd an­erkennen, dass von Ditfurth einen überaus mitreißenden, pa­ckenden Roman geschrieben hat, mit plausiblen, manchmal be­klemmend realistisch handelnden Personen, der alle Qualitäten für einen Bestseller besitzt. Die Lobeshymnen auf dem Um­schlag sind zufälligerweise passend. Solide Unterhaltung, als Krimi allemal sehr gediegen.

Was macht nun die historische Seite der Geschichte? Von Dit­furth ist ja Historiker von Haus aus, und er hat schon in Roma­nen wie „Die Mauer steht am Rhein“ und „Der 21. Juli“ bewie­sen, was er schriftstellerisch drauf hat. Doch beide Romane un­terscheiden sich meines Wissens erheblich von diesem hier. Den ersten habe ich noch nicht gelesen, doch davon weiß ich, dass es sich um eine Vision eines sozialistischen Gesamt­deutschland handelt. „Der 21. Juli“ handelt ja davon, dass Hitler am 20. Juli 1944 durch das Stauffenberg-Attentat getötet wird, Heinrich Himmler jedoch danach die Führung übernimmt und das Dritte Reich mit Hilfe der Atombombe zum Sieg im Welt­krieg führt.4 Diese beiden Werke scheinen also relativ weit vom eigentlichen historischen Boden der Tatsachen abzudriften. Und wie schon Alexander Demandt aussagte5 – wenn man sich in kontrafaktischen Geschichten weit vom ursprünglichen sicheren Boden der historischen Überlieferung entfernt, wird die Sache sehr wackelig.

In dem vorliegenden Buch bleibt von Ditfurth dagegen sehr dicht an der Realität. Seine Ereignisschiene verlagert sich nur um wenige Monate in die Zukunft und bleibt in einer gewissen Weise „eng“ an den Tatsachen. Wie meine ich das? Nun, folgen­dermaßen: Es ist eine erwiesene Tatsache, dass die OC so arbei­tete, wie von Ditfurth das zusammenbaut. Es ist bekannt, dass Röhm 1934 Opfer einer parteiinternen Intrige wird, des soge­nannten „Röhm-Putsches“6, ebenso ist richtig, dass die Reichs­wehr Röhm wegen seiner homosexuellen Neigungen hasste.

Die Fakten, die der Autor zum Fall Emil Maurice und Hitlers Nich­te Geli Raubal (an einer Stelle wird sie zu „Hitlers Freundin“ ge­macht, aber das ist wohl ein Lektoratsfehler) bringt, sind präzi­se.7 Die führungsinternen Querelen zwischen Hitler, Göring, Goebbels und Strasser werden zutreffend wiedergegeben. Selbst die „Legende“ um den Tod von Heinrich Hoffmann, Hitlers Leibfotografen, lassen sich verifizieren.

Wieso? Nun, zwar hat Hoffmann in unserer Welt den Zweiten Weltkrieg überlebt, aber ganz wie von Ditfurth in diesem Roman andeutet (hier freilich als Verschleierungsmotiv des Mordes an Hoffmann), ist die Version, er habe sich „umgebracht“, in sich schlüssig. Wie die Historikerin Christiane Kohl erforscht hat, un­ternimmt Heinrich Hoffmann im so genannten „Zeugenhaus“ am Rande von Nürnberg während der Kriegsverbrecherprozesse einen Selbstmordversuch.8

Selbst der melodramatisch scheinende Verteidigungsprozess Soettings, den viele Leser zweifellos als billiges stilistisches Mit­tel und höchst unrealistisch abtun würden, hat sein reales Vor­bild: Vom 7. Februar bis zum 2. März kam es in Berlin-Moabit zu einem Prozess gegen den protestantischen Theologen Martin Niemöller, der seine Richter und Ankläger so sehr präzise argu­mentativ an die Wand spielte, dass schlussendlich sogar der als Zeuge geladene Geheimrat Sauerbruch seine Aussage mit dem Satz schloss: „Wollte Gott, wir hätten in Deutschland noch mehr solche Pfarrer!“

Zwar wurde Niemöller dennoch von den Nazis ins KZ eingewie­sen, wo er schließlich umkam, doch ist eine mehrseitige Akten­niederschrift der Verhandlung überliefert9, die sich auch heute noch beeindruckend liest und möglicherweise Christian von Dit­furth nicht nur bekannt gewesen ist, sondern auch Inspiration für den Schlussteil seines Buches gab.

Am faszinierendsten aber ist die widersprüchliche, in sich zerris­sene Person Soettings, des Ich-Erzählers des Romans. Viele Res­sentiments gegenüber der Demokratie, Ablehnung des Kommu­nismus, Abscheu gegenüber Frankreich, Hass gegen den „Schmachfrieden von Versailles“ und tiefe Enttäuschung über die instabilen Zeitverhältnisse … all das macht aus dem Kom­missar eine authentische Gestalt seiner Zeit, in sich hin- und hergerissen, zwischen eherner Berufsmoral, Vorurteilen und Verstörung schwankend, manchmal verzweifelnd, resignierend und im Alkoholsumpf schier untergehend …

Man wünscht Soetting, der eigentlich gar kein Heldentyp ist und damit per se realistischer als solche, von Herzen gern einen Er­folg, einen richtigen Erfolg. Und natürlich ein Happy End. Was Christian von Ditfurth daraus macht, muss man selbst lesen. Und wer sich die Spannung bis zum Schluss bewahren will, soll­te nicht den Fehler machen, die Schlusssätze vorweg zu lesen. Auf gar keinen Fall.

Alles in allem: ein gelungenes, faszinierendes Buch. Und vieles wäre einfacher, wenn die Geschichte uns in realiter auf diese oder ähnliche Weise von einigen finsteren Gestalten der Weltge­schichte vorzeitig befreit hätte. Allerdings wäre das keine Ge­währ dafür gewesen, dass es nicht doch einen neuen Krieg ge­geben hätte – warum nicht? Lesen, meine Freunde, lesen. Und danach erwacht vielleicht in dem einen oder anderen das bren­nende Interesse an der Weimarer Zeit, die mit zu den span­nendsten in der jüngeren deutschen Geschichte überhaupt ge­hört.

So, könnte man auch sagen, macht Geschichte Spaß. Phantasti­schen Spaß, im wahrsten Sinne des Wortes.

© 2008/2020 by Uwe Lammers

Wie ihr sehen könnt, habe ich während der Abfassung der Re­zension damals noch gründlich weiter recherchiert. Ich sagte ja eingangs, der Hintergrund ist recht komplex – aber sehr gut auf­gearbeitet.

In der kommenden Woche könnt ihr eure rauchenden Gehirn­windungen ein wenig abkühlen mit etwas gegenwärtiger eroti­scher Lektüre.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Und alles dies sind historische Fakten!

2 Man braucht sich hierfür nur exemplarisch den Fall Potempa anzusehen, einen Nazi­mord an einem Kommunisten am 12. August 1932. Der Fall wird auch in diesem Ro­man gelegentlich als Vergleich herangezogen. Vgl. Paul Kluke: „Der Fall Potempa“, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 3/1957, S. 279-297.

3 Einer von ihnen ist der später in der Bundesrepublik erfolgreiche Schriftsteller Ernst von Salomon. Über seine Verstrickung in die Aktivitäten von OC und der Brigade Ehr­hardt schreibt er in seinem sehr lesenswerten Roman „Der Fragebogen“, 1951.

4 Vgl. hierzu den Rezensions-Blog 184 vom 3. Oktober 2018.

5 Vgl. dazu beizeiten Alexander Demandt: „Ungeschehene Geschichte“, in Vorbereitung für den Rezensions-Blog.

6 Pikantes Detail am Rande: während derselben Aktion, der Röhm 1934 zum Opfer fällt, ermorden die Nazis auch den Reichswehrgeneral Kurt von Schleicher …

7 Allerdings hätte er die Tatsache, dass Maurice jüdische Ahnen hatte, in diesem Zu­sammenhang ruhig noch etwas genauer ausführen können. Vgl. Anna Maria Sigmund: „Des Führers bester Freund“, München 2003.

8 Vgl. hierzu den Rezensions-Blog 231 vom 28. August 2019.

9 Interessierte können dieses Manuskript auch gedruckt nachlesen. Hans Buchheim hat sie als Dokumentation in der Zeitschrift Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 3/1956 un­ter dem Titel „Ein NS-Funktionär zum Niemöller-Prozeß“ (S. 307-315) ans Tageslicht gebracht.

Liebe Freunde des OSM,

diesmal beträgt die Distanz zum letzten Beitrag dieser Artikel­reihe nur 5 Wochen, allerdings schreibe ich ihn am 14. Februar 2021, für euch wird das erst eine November-Lektüre sein. Und was ich letz­tens schrieb bezüglich der Corona-Pandemie und der Lockdown-Zeiten, so ist das schon wieder überholt … aktuelles Enddatum des Lockdowns ist der 7. März, und sobald ihr das hier lest, seid ihr natürlich im Bilde, dass das wohl nicht funktioniert hat. Es gibt aktuell schon Stimmen, die die Osterurlaube ausfallen las­sen wollen … meine Prognose von neulich, dass uns das Virus und seine Mutanten das ganze Frühjahr verhageln werden, ent­spricht offenkundig der Realität.

Nein, mögen muss das niemand, auch nicht all die Ausfalltermi­ne von Messen und Conventions, Kongressen und vielem ande­ren mehr. Wir müssen da einfach durch und schauen, nicht de­pressiv zu werden und den Kopf hängen zu lassen. Ich möchte dazu beitragen, positiv gestimmt zu sein und berichte an dieser Stelle, wie sich für mich kreativ das erste Quartal des Jahres 2020 entwickelt hat.

Mit 27 abgeschlossenen Werken im Januar 2020 fing das Jahr grundsätzlich gut an. Dass davon 12 auf Blogartikel entfielen, die sämtlich inzwischen erschienen sind, steht auf einem ande­ren Blatt. Ein wichtiges Datum in diesem Monat war der 14. Ja­nuar, als ich den Entschluss fasste, die lange überfällige Digita­lisierung des KONFLIKTS 13 „Oki Stanwer Horror“, an dem ich von 1982 bis 1985 geschrieben habe, endlich anzugehen. Die Besonderheit an diesem KONFLIKT ist, dass sich von vielen Epi­soden Entwurfsfassungen, so genannte A-Fassungen, erhalten haben, die ich mit digitalisiere. Somit wird die Serie nicht die re­gulären 77 Folgen haben, sondern vermutlich eher 95 oder mehr. Ihr könnt das in den schätzungsweise kommenden 2 Jah­ren verfolgen, das ist so der Zeithorizont, in dem ich plane.

Auch ist der 27. Januar hervorzuheben. Hier gelang es mir nach vielen Jahren endlich, das alte OSM-Kompendium „Die Tiefen des inneren Universums“ zu updaten … der Plan war, dies in Zusammenarbeit mit Daniel Neigel als Printpublikation aufzube­reiten … grundsätzlich ein schöner Plan, der aber durch die Co­rona-Situation sehr schnell Makulatur wurde (dafür konnte er natürlich nichts, das war allein den Umständen geschuldet, die die Kreativbranche seither grundsätzlich in Schwierigkeiten brachten). Und inzwischen bin ich deutlich jenseits von OSM-Band 2000, was in der Quintessenz bedeutet: Das Update ist schon wieder veraltet.

Seufz.

Was ist noch für diesen Monat erwähnenswert? Ich arbeitete na­türlich weiter an der Digitalisierung und Kommentierung von KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“, an KON­FLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“, am Erotic Empi­re, außerdem feilte ich ein wenig an KONFLIKT 21 „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“ weiter und an der Novelle „Rilaans Ge­schichte“, die den Vorlauf von KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ erzählt.

Der Monat Februar kam mit insgesamt 33 Werken noch deutlich weiter. Diesmal nur 9 Blogartikel. Hervorhebenswert ist hier be­sonders der 16. Februar, an dem ich Band 1950 des OSM fertig­stellte, „Rätsel von EWIGKEIT EINS“ aus KONFLIKT 21, an dem ich im vorherigen Monat schon gut weitergeschrieben hat­te.

Inspiriert durch die Arbeit an der Rilaan-Novelle schwenkte mei­ne Aufmerksamkeit verstärkt zu KONFLIKT 4 zurück, wo mit „ZYNEEGHAR-Krieg“ eine weitere Episode aktueller Form fer­tiggestellt werden konnte.

Rege Glossararbeiten für verschiedene Ebenen des OSM kamen hinzu, während die meisten Episodenabschriften auf die Serie „Horrorwelt“ entfielen.

Der März 2020 hielt die hohe Latte von 33 beendeten Geschich­ten. 9 davon waren Blogartikel, einer entfiel auf einen Nachruf zu einem meiner Lieblingsautoren, Clive Cussler, der inzwi­schen verschiedentlich veröffentlicht worden ist.

Ansonsten kümmerte ich mich, wie schon in den Vormonaten, um die Digitalisierung und Kommentierung von Episoden der Serien „Horrorwelt“, „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“, „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ und „Oki Stanwer Horror“. Reichlich Glossararbeit ergänzte diese Arbeitsfelder.

Als neuen Plan sollte ich erwähnen, dass ich eine der alten „An­nalen“-Geschichten zu digitalisieren begann, nämlich „Partisa­nengruppe Rilon Vleh“, die im KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ spielt und eine Logiklücke der Serie schließen half. Beizeiten sage ich dazu sicherlich mehr, aber gegenwärtig ist dieses Digi­talisat noch nicht mal entfernt vollständig.

Damit erreichte das erste Quartal 2020 die schöne Kreativzahl von 93 abgeschlossenen Geschichten. Und meine Hoffnung war, das würde sich halten lassen. Das sollte sich aus verschiedenen Gründen als unrealistisches Wunschdenken erweisen. Mehr dazu sage ich im nächsten Teil dieser Artikelserie.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 324: Galerie der Leidenschaften (1)

Posted November 3rd, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

mit erotischen Romanen ist das so eine Sache, zumal dann, wenn sie in Verlagsbuchreihen erscheinen – vielfach, und das hat sich bis heute (2021) nicht geändert, sind sie so gestaltet, dass man sich leicht in der Reihenfolge täuscht. Mitunter ma­chen auch die Verlage Irrtümer und nummerieren die Bände verkehrt (oder sind inzwischen dazu übergegangen, auf dem Buchrücken überhaupt keine Reihennummern mehr zu drucken, was ich persönlich irritierend und problematisch finde; das mag drucktechnische Gründe haben, für falsch halte ich es gleich­wohl).

Als ich den vorliegenden Roman aus der optisch relativ homoge­nen rororo-Reihe antiquarisch zulegte und ihn neben einen an­deren Band derselben Autorin stellte, kam ich irgendwie nicht auf die Idee, dass sie zusammenhängen könnten. Das fiel mir dann erst im zweiten Anlauf auf, als ich den Nachfolgeband (!) schon gelesen hatte.

Dumm gelaufen? Allerdings. Aber so etwas kommt vor. Den eben erwähnten Band mit dem Titel „Bodyguard“ stelle ich euch in zwei Wochen vor, damit die Erinnerung an den heute präsentierten noch frisch ist.

Ich würde sagen, er ist primär etwas für Freunde, die in der Lite­ratur selbstbewusste Frauen kennen lernen wollen und denen es gefällt, aktuelle Gegenwartsprobleme in den Werken wieder zu finden, die also nicht so vordergründig auf Happy End getrimmt sind, wie man es bei modernen Romanzyklen ganz oft findet (ich brauche da nur jüngst an die „Calendar Girl“-Reihe von Audrey Carlan zu erinnern).

Well, natürlich ist ein Happy End auch hier das Ziel, aber Mercy Rothell ist doch eine deutlich bodenständigere und lebensnähe­re Person, als es eine Mia Saunders oder Anastasia Steele, um eine weitere Protagonistin zu nennen, sein konnte. Tauchen wir also ein in die Bostoner Galerie und lernen Mercy kennen. Und kümmern wir uns mal nicht näher um den Titel. Der Originaltitel ist definitiv passender, war dem Verlag aber vielleicht noch zu pikant.

Neugierige sollten weiterlesen:

Galerie der Leidenschaften

(OT: Undressing Mercy)

Von Deanna Lee

rororo 24512

240 Seiten, TB (2007)

ISBN 978-3-499-24512-1

Aus dem Englischen von Elsie Meerbusch

Auch als Leser erlebt man Überraschungen, zumal dann, wenn man über zahlreiche noch ungelesene Bücher in den eigenen heimischen Regalen verfügt und nach der Lektüre eines Romans unerwartet auf einen zweiten derselben Autorin stößt und schon im Klappentext über vertraute Namen stolpert. So ging es mir, als ich nach Deanna Lees Roman „Bodyguard“ dieses Werk hier hervorzog.

Der Klappentext geht so los: „Mercy Rothell ist Galeristin in Bos­ton.“ Und ich dachte: Verdammt, das kann doch nicht sein! Konnte es doch. Ein kurzer Abgleich von Erscheinungsdatum und deutscher Verlagsnummer bestätigte den Verdacht: „Body­guard“ ist der zweite Band eines Zweiteilers gewesen, dies hier ist der erste. Wer also die erwähnte Rezension noch nicht gelesen haben sollte, dem empfehle ich, mit diesem Buch zu starten, anderenfalls ergeht es ihm/ihr wie mir, da zahlreiche Entwicklungen des vorliegenden Buches für mich in der Konse­quenz schon bekannt und entschieden waren.

Tun wir mal so, als hätte ich die erste Rezension noch nicht ge­schrieben. Worum geht es hier?

Mercy Rothell ist Galeristin in Boston, soweit ist das präzise. Und nach dem Willen des Galeriebesitzers James Brooks soll sie Milton Storey in ein paar Monaten auf den Geschäftsführersitz folgen. Dann möchte sie ihre Assistentin Jane Tilwell gern auf ihren Posten nachrücken lassen. Aber das erweist sich als gar nicht mal so einfach. Mercy ist vor mehreren Jahren aus New York hierher gekommen und hat sich ihren Platz mühsam er­kämpft. Der Kampf dauert jedoch immer noch an. Der eher bie­dere, eindimensional denkende Storey ist mit einer Reihe ihrer Entscheidungen ganz und gar nicht einverstanden und torpe­diert sowohl Mercys Entschluss, die etwas exzentrischen Künst­lerin Lisa Millhouse (die erotische Skulpturen erschafft und da­bei durchaus auch mit dem Schweißbrenner gewalttätige Dar­stellungen erarbeitet), als er auch ihrem Entschluss, den schwarzen Künstler Shamus Montgomery, dessen Kunst eben­falls in den erotischen Skulpturbereich geht, ausstellen zu wol­len. Storey hält das für „Pornografie“, und das sei in „seiner“ Galerie ja wohl nicht machbar.

Zu dumm, dass James Brooks und der Stiftungsrat der Galerie fest hinter Mercy Rothell stehen. Und dass Storeys Angestellte und offenkundige Geliebte Sarah, die mühsam versucht, Mercy das Wasser abzugraben, so gar nicht dafür geeignet ist.

Man sieht, die Verhältnisse sind einigermaßen anstrengend.

Sie werden noch anstrengender.

Als das Gespräch mit Shamus Montgomery ansteht, entwickelt sich das Gespräch grundsätzlich positiv. Aber der Künstler stellt eine Bedingung. Für die Ausstellung möchte er noch eine letzte Skulptur anfertigen. Leichtsinnig bekräftigt Mercy, dass die Ga­lerie ihm bereitwillig bei der Suche nach dem Modell dafür hel­fen wird.

Er habe es schon gefunden, sagt der hünenhafte, charismati­sche Künstler. Und schaut Mercy an. Sie soll ihm nackt Modell stehen, dann werde alles gut.

Sie hält das zunächst für eine unmögliche Zumutung (und Sto­rey erst!), aber ihre Reserve, die sie nicht lange aufrechterhal­ten kann, weil sie sonst die Ausstellung an sich gefährdet, hat verschiedene Gründe. Einer davon ist in der Person ihres vorma­ligen Arbeitskollegen Jeff King zu suchen, mit dem sie in New York zusammenarbeitete. Er war der Grund, warum sie von dort fortging – nachdem er sie am Arbeitsplatz vergewaltigte.

Dennoch hat Mercy beschlossen, unter die Vergangenheit einen Schlussstrich zu ziehen und ihn dafür nicht angezeigt. Das er­weist sich alsbald als Fehler. Denn während sie Shamus Modell steht und sich zunehmend sinnlich zu ihm hingezogen fühlt, mischt sich Jeff King erneut in ihr Leben ein und scheint bereit, ihre berufliche Existenz auch in Boston zu zerstören …

Auch wenn der vorliegende Roman von einer anderen Überset­zerin ins Deutsche übertragen wurde, wird der kokette Wortwitz in den Gesprächen hier wunderbar erfasst. Die Männer in dem Roman – Shamus ausgenommen – können dem Leser eigentlich nur leid tun. Die Frauen hierin – Sarah ausgenommen – halten wirklich zusammen wie Pech und Schwefel, und sie nehmen üb­licherweise kaum ein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, Männern Paroli zu bieten und gockelhafte Machtkämpfe auf ab­surde Weise auszumanövrieren. Das zu lesen ist ein wirklich ausgesprochenes Vergnügen.

Zugleich transportiert der Roman ein durchaus wichtiges Anlie­gen auf eine äußerst geschickte Art und Weise, nämlich das Thema des sexuellen Missbrauchs und der damit verbundenen emotionalen Verwundung. Wenn die Autorin klipp und klar aus­drückt, dass „in den USA alle zwei Minuten eine Frau vergewal­tigt wird“, wird offenkundig, dass es sich hierbei nicht um ein peripheres Randproblem handelt, sondern um einen akuten Missstand. Und wenn man sich fragt, warum es so lange gedau­ert hat, bis die #MeToo-Debatte sich an die Oberfläche der öf­fentlichen Wahrnehmung kämpfen konnte, dann liefert Deanna Lee auch hierzu einen probaten Grund (ohne die Kampagne da­mals natürlich nennen und erwähnen zu können).

Es geht primär um Scham. So absurd das auf den ersten Blick klingen mag, fühlen sich sehr viele Frauen, die sexuell miss­braucht oder am Arbeitsplatz entsprechend belästigt wurden, tief in ihrer Seele so, als wenn sie eine gewisse Mitschuld an den derben Übergriffen ihrer männlichen Arbeitskollegen trü­gen. Und aus Scham vor Diskriminierung, Sorge um ihre Karrie­rechancen oder auch, weil sie fürchten, womöglich als Flittchen dargestellt zu werden, versuchen sie oftmals, diese Erfahrung zu vergraben und zu verschweigen.

Dies ist aber, wie der Roman anschaulich zeigt, in vielen Fällen die definitiv falsche Strategie. Natürlich sind nicht alle Täter so dämlich wie Jeff King, aber dass es wichtig ist, „andere Frauen vor ihm zu beschützen“, ist eine Erkenntnis, die in Mercy Rothell erst recht spät reift. Dass es hierbei nicht nur um sie und ihren sexistischen Arbeitskollegen geht und auch nicht darum, doch seiner Karriere nicht zu schaden, wenn sie ihn anzeigt – sondern eben darum, durch das Aufdecken seiner Tat zu verhindern, dass ein sexistischer Täter weiter herumläuft und womöglich an­deren Frauen dasselbe antut wie ihr. Was eine ziemlich sichere Gewissheit wäre.

Therapeutisch ist das ein wertvoller und konstruktiver Gedanke, und er macht den Roman ungemein lesenswert. Dass der Titel mal wieder reichlich absurd anmutet, lassen wir mal dahinge­stellt. Jedenfalls: wer dieses Buch mit Gewinn gelesen hat (das leider mal wieder viel zu kurz war), wird sich zweifellos freuen, das deutlich längere „Bodyguard“ im Anschluss zu schmö­kern, in dem man ja auf dieselben lieb gewonnenen Personen von neuem stoßen wird.

Freut euch auf einen äußerst kurzweiligen Roman mit sehr le­bendigen und ganz und gar nicht dumpfbackigen Frauengestal­ten, wie sie leider so viele erotisch-romantische Romane bevöl­kern. Das hier ist mitten aus dem lebendigen Leben gegriffen und einfach gut zu lesen. Mit dem erwähnten nachdenklichen Mehrwert.

Klare Leseempfehlung!

© 2019 by Uwe Lammers

Soweit erst mal die erotischen Irrungen und Wirrungen aus Bos­ton, zu denen wir in zwei Wochen zurückkehren. In der kom­menden Woche tauchen wir wieder in die Phantastik ab … na, halbwegs, sagen wir mal. Ich bespreche dort einen interessan­ten Grenzbereich der Historie und Phantastik, nämlich eine kon­trafaktische Parallelwelt, in der ein faszinierender Mordfall ge­schah, den man sich zur rechten Zeit durchaus für unsere Zeit gewünscht hätte.

Warum das? Ich kann mir doch keinen Mord wünschen, oder?

Nun, in diesem Fall bin ich ein wenig im Widerstreit, muss ich zugeben, denn das Mordopfer heißt Adolf Hitler, und er stirbt, ehe er die Macht übernehmen kann. Aber danach geht die Ge­schichte erst richtig los.

Bleibt gespannt, Freunde, das lohnt sich zu lesen!

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

die Zeiten im Lockdown wegen der Corona-Pandemie sind ein veritabler Alptraum, auch wenn man selbst nicht erkrankt ist – das hat einfach mit der fortdauernden vorsichtigen Selbstisolati­on zu tun. Ich merke jedenfalls zahlreiche negative Effekte, umso mehr, seit ich mich im Home Office befinde (seit 15. Janu­ar). Meine Arbeitsenergie lässt signifikant nach, meine Aufmerk­samkeit schweift ab, Konzentrationsmangel stellt sich ein, und ich ertappe mich zunehmend dabei, gelegentliche Telefonate er­staunlich ausufern zu lassen.

Es ist wirklich kurios, wie sehr ein Mensch doch auf regelmäßige soziale Kontakte angewiesen ist, selbst wenn er glaubt – wie ich lange Zeit – , er käme mit dem Alleinsein gut zurecht. Das gilt solange, wie man diverse kulturelle Ablenkungen besitzt. Aber wie ihr alle wisst, ist das seit einem Jahr auch nicht mehr wirk­lich der Fall. Man kann weder gepflegt essen gehen noch ins Kino oder Theater gelangen, zahllose Geschäfte, die ich sonst frequentierte, sind seit langem geschlossen, und der Internet­handel oder der wöchentliche Einkauf im Supermarkt reichen mittelfristig einfach nicht hin. Reisen sind fast unmöglich, Dien­streisen sowieso, das Treffen mit Freunden wird durch Abstands­regeln und Maximalteilnehmerzahl (selten mehr als 2 oder 3 Personen gemeinsam) fast unmöglich gemacht.

Nein, an diesem 1. März 2021, an dem ich diesen Blogartikel schreibe, kann ich nicht behaupten, es sei Normalität einge­kehrt. Vielleicht ist das in vier Wochen anders, aber momentan ist das alles sehr, sehr grenzwertig.

Um nicht völlig am Rad zu drehen oder zu verzweifeln, habe ich zumindest versucht, wann immer ein wenig rare und freie Zeit existierte, mit meinen Digitalisierungsarbeiten voranzuschrei­ten. Rein quantitativ hat das etwas gebracht, allerdings zumeist außerhalb des OSM. Insgesamt kam ich im Februar 2021 auf 28 abgeschlossene Werke, ebenso wie schon im Januar. Folgende Detailbilanz lässt sich daraus, bezogen auf den OSM, den Archi­pel und das Erotic Empire ableiten:

Blogartikel 425: Work in Progress, Part 98

(OSM-Wiki)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“)

(12Neu 103: Emissär aus der Ewigkeit)

(12Neu 104: Ausflug in die Zukunft)

(12Neu 105: Das Chaos-Universum)

(12Neu 107: Die Chaosdenker)

Blogartikel 427: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (XLI)

(HdH 8: Fremde im Hellen Dom)

Anmerkung: Das war eine recht kurze Stippvisite im KONFLIKT 7 und der Hohlwelt Hyoronghilaar … gern hätte ich dort länger verweilt, aber ich konnte die Konzentration leider nicht halten.

Blogartikel 431: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 77

Blogartikel 423: Der Name ist Programm – Ein Kosmos na­mens Horrorwelt, Teil 5

Anmerkung: Dieser Teil bespricht die Serienepisoden bis Band 150, wie ihr seit ein paar Wochen wisst. Bis der abschließende sechste Teil dieser Serienbetrachtung geschrieben wird, muss ich erst einmal die Episoden bis Band 172 (dies ist der Schrei­brand aus dem Jahr 1998) digitalisieren, und da jede Episode recht lang und bis Band 160 massiv mit Fehlern gesättigt (Band 150 hatte fast 600 Korrekturfußnoten, ein Alptraum, kann ich euch sagen – hatte natürlich auch mit dem Mehrumfang zu tun) ist, kann das dauern. Bis Blogartikel 450 wird das sicherlich nichts, darauf müsst ihr euch einstellen.

13Neu 9A: Der Killer mit meiner Waffe

12Neu 102: Galaxis im Mahlstrom

(Die Kolonie Saigon II – Erotic Empire-Roman)

Anmerkung: Auch das war nur ein sehr kurzer kreativer Wim­pernschlag, der lediglich ein paar Szenen nachschärfte und sei­tentechnisch nicht ins Gewicht fällt … womit sich „Saigon II“ in die lange Reihe von umfangreichen Projekten einreiht, an de­nen ich dringend weiterschreiben müsste. Novellen und Roma­ne aus dem OSM, dem Archipel und dem Erotic Empire. Die Zahl der begonnenen Projekte ist echt uferlos.

(13Neu 10: Gehirn-Parasiten)

Blogartikel 422: Legendäre Schauplätze 22: Vier-Stunden-Welt

(12Neu 106: Schnittstellen des Infernos)

Blogartikel 435: Close Up – Der OSM im Detail, Teil 28

Und damit ist die Show schon wieder vorbei … und ja, ich kann jeden von euch verstehen, der jetzt ein langes Gesicht macht und enttäuscht ist. Das spiegelt sich recht gut in meiner eige­nen Seele wider, kann ich euch versichern. 28 Werke kündige ich an, 8 bleiben dann effektiv übrig, und davon sind dann auch noch 6 Blogartikel. Diese Ausbeute mager zu nennen, ist völlig berechtigt. Der Rest entfiel auf Digitalisate von zwei Non-OSM-Serien, die hier nichts zur Sache tun. Schön und der Zukunft zu­gewandt ist etwas anderes. Aber rein zeitlich ließ sich wirklich nicht mehr erreichen.

Ich gebe zu, sehr gern hätte ich an KONFLIKT 7 („Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“), an KONFLIKT 4 („Oki Stanwer – Der Insel-Regent“) oder aber an den KONFLIKTEN 21 („Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“) bzw. 24 („Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“) weitergearbeitet. Überall dort gibt es angefangene Episoden, deren offene Enden mich dann und wann kreativ zwicken … aber meist ist dann das Zeitfenster der verfügbaren freien Minu­ten schon so geschrumpft, dass ich genau weiß, ich muss eine Vollbremsung hinlegen und an der Matratze horchen, ehe ich mehr als 2-3 Seiten geschrieben habe.

Und ihr fühlt es selbst – das lohnt nicht. Ich brauche effektiv ein paar freie Tage am Stück, um so locker werden zu können, dass ich mich in die Handlungsströme hineindenken und weiter­schreiben kann. Das ist momentan echt nicht drin, und das frus­triert mich selbst außerordentlich.

Ich kann jetzt schon prognostizieren, dass dieser Monat, März 2021, nicht sehr viel abwechslungsreicher werden wird. Danach entspannt sich die Lage hoffentlich … allerdings startet dann bald das Sommersemester, unsere Ringvorlesung beginnt, für die ich verantwortlich zeichne, und das wird jede Menge Zeit und Konzentration von dem Themenfeld des kreativen Schrei­bens abziehen.

Hoffen wir einfach mal das Beste. Viel mehr kann ich gegenwär­tig als Trost noch nicht anbieten. Halten wir fest, dass ich auch diesen Monat einer Infektion mit den diversen Formen des Coro­na-Virus erfolgreich ausweichen konnte. Das ist schon mal ein kleiner Lichtblick, dabei wird es hoffentlich auch in den kom­menden Monaten bleiben.

Und wer weiß, wenn ihr am 30. Mai 2021 diese Zeilen lest, sind wir alle schlauer, ob der verlängerte Lockdown (aktuelle Be­grenzung ist der 7. März) tatsächlich dann endete oder – wie viele und auch ich befürchten – noch einmal ausgedehnt wurde. Sei es wegen der „Bristol“-Corona-Variante oder anderen „Mu­tanten“.

Fakt ist, dass das Land beizeiten aus dem verordneten Dornrös­chenschlaf erwachen muss. Lasst euch impfen, Freunde, sobald ihr die Möglichkeit dazu habt, das ist aktuell der einzige Weg – abgesehen von Selbstisolation, die aber rasch in die Depressivi­tät führt – , die eigene Gesundheit und die derjenigen, die ihr liebt und wertschätzt, zu erhalten. Jede Impfung mit einem wirk­samen Vakzin ist besser als stumpfsinniges Abwarten und Hof­fen, der Kelch würde an euch vorübergehen. Das ist nämlich eher nicht zu erwarten, und die Konsequenzen selbst einer leichten Corona-Infektion sind langfristig noch nicht abschätz­bar. Denen sollte man entgehen.

In der Hoffnung, dass ihr auch im kommenden Monat alle noch gesund und guten Mutes seid, möchte ich für heute schließen. Macht es gut und bis demnächst, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 323: Der goldene Mann

Posted Oktober 27th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Philip Kindred Dick, 1982 gestorben, gilt heutzutage, ich sage es auch in der unten wiedergegebenen Rezension von 2006, nicht zu Unrecht als einer der Großen der amerikanischen Sci­ence Fiction, dessen Ideen bis heute massiven Einfluss auf Film, Fernsehserien und andere Autoren ausgeübt hat. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts habe ich viele von Dicks Romanen gele­sen, allerdings geschah das zu einer Zeit, in der ich noch kaum Rezensionen verfasste. Darum sind nur ein paar wenige in der Spätzeit entstanden, in der Regel zu Kurzgeschichtensammlun­gen. Diese ist eine davon.

Der goldene Mann“ gibt einen bunten Reigen von Geschichten Dicks wieder und versammelt Werke aus verschiedenen Jahr­zehnten seines Schaffens. Stets kehren dort Fragen nach der Natur der Wirklichkeit und philosophische Ideenansätze wieder, die ihn zeitlebens umgetrieben haben. Wer Dick wider Erwarten noch nicht kennen sollte – und zwar nicht von den Verfilmungen wie „Blade Runner“, „Minority Report“, „Total Recall“, „A Scanner Darkly“, „The Man in the High Castle“ und wo im­mer sich seine Einflüsse sonst noch finden, sondern von verein­zelten Geschichten oder Romanen – , dem empfehle ich von Herzen die vorliegende Kurzgeschichtensammlung. Wer mehr möchte, ist sehr gut beraten mit der im Haffmanns-Verlag er­schienenen Gesamtcollection von Dicks Werken, deren Lektüre aktuell noch vor mir liegt – und ihr könnt sicher sein, ich freue mich sehr darauf.

Also, tretet ein in Dicks facettenreiche Welt und lest weiter:

Der goldene Mann

(OT: The Golden Man)

von Philip K. Dick

Moewig Hardcover, 1980

366 Seiten

Deutsch von Joachim Körber

Dick zählt heute zu den Klassikern der Science Fiction, und das – meiner Ansicht nach – durchaus zu Recht. Der amerikanische Schriftsteller, der 1982 verstarb, hat als Autor der New Wave in­tensiven Einfluss auf die Entwicklung der angloamerikanischen SF ausgeübt und inspiriert noch heute Filmregisseure, die seine Hauptthemen – Fragen nach Identität oder nach dem Wesen der Wirklichkeit – aufgreifen und in ihren Filmen verarbeiten.

Dieses Buch aus der alten Reihe der Moewig-Silberbände kam noch zu seinen Lebzeiten heraus und enthält 14 Geschichten, die im Verlauf von 15 Jahren (1953-1968; Dick selbst spricht im Vorwort irreführend von drei Jahrzehnten) erschienen sind. Übersetzt von Joachim Körber und von Dick mit einem Vorwort und ergänzenden Anmerkungen zu den einzelnen Stories verse­hen, geben sie einen interessanten Überblick über Dicks Werk, wenngleich man hier nicht direkt von einer „repräsentativen“ Auswahl sprechen kann.

Vieles an diesen Geschichten ist natürlich überholt und fast schon amüsant, auch nimmt ihnen der Charakter der Plot-Story doch gelegentlich einiges an Reiz und macht ein paar recht durchsichtig. Aber viele sind andererseits auch recht verblüf­fend. Vor allen Dingen, wenn man sich mit Dicks Romanen und späteren Werken auskennt, hat man als Leser gerne eine „Um­drehung mehr“ im Geiste drauf und wird durch den Schluss überrumpelt.

Die Titelstory „Der goldene Mann“ behandelt das Problem der Mutanten, das Dick sein ganzes Leben verfolgt hat. Was passiert, wenn die Evolution einen neuen Weg einschlägt und aus dem Schoß der Menschenfrauen eine neue Form von Leben entsteht, die der bisherigen weit überlegen ist? Wie werden die „alten“ Menschen reagieren? Oder, präziser: wie werden die „Goldenen“ sich gegenüber den Menschen verhalten? Sehen sie sie noch als Mitmenschen oder mehr als eine Form von Nutzvieh oder gar als etwas, was man, mit Dicks Worten, zu Gebäuden schickt, „die die Aufschrift DUSCHEN tragen, in Wirklichkeit aber etwas ganz anderes darstellen“ …?

Rückspiel“ thematisiert die Heimtücke einer außerirdischen Rasse, die offenkundig gegen die Menschheit Krieg zu führen trachtet. Sie leiten Spielcasinos und lassen, als sie flüchten müssen, einen Spielautomaten zurück. Tja, wenn das nur ein Spielautomat wäre …

Der König der Elfen“ ist einer von Dicks seltenen Ausflügen in die Fantasy. Wie üblich beginnt die Geschichte ganz unspek­takulär: an einer alten, heruntergekommenen Tankstelle, dessen in die Jahre gekommener Besitzer Shadrach Jones (!) eines reg­nerischen Abends Besuch von einer Gruppe kleinwüchsiger Männer bekommt, deren Existenz er gar nicht glauben kann. Es sind Elfen, und ihr König ist erkrankt. Und dann sind da noch die Trolle, gegen die sie kämpfen … wenn es die denn nun wirklich gibt …

Yancys Sinneswandel“ ist vielleicht die Furcht erregendste Geschichte überhaupt, völlig unspektakulär, bieder geradezu. Eine Gesellschaft wird durch eine allmächtige, allgegenwärtige Persönlichkeit, den Durchschnittsbürger Yancy, geformt, der zu allem etwas zu sagen hat, meist völlig banale Dinge. Aber hin­ter diesem Yancy steckt ein diabolisches System …

Auf den Einband kommt es an“ ist wieder – von der Erklä­rung her – ein Ausflug in die Fantasy, wenn man genau ist, ein geradezu schrulliger Gedanke, der Philologie, Religion und Ge­schäftsdenken karikiert. Ein marsianischer Verleger lässt ein klassisches Werk, Lukrez´ „De rerum natura“ in marsianischen Wub-Pelz binden … und die Fachleute laufen Sturm, denn der In­halt der Bücher hat sich verändert. Alle Stellen, die sich mit dem Tod befassen, sind vom Inhalt her vollkommen geändert worden. NACH dem Einband. Und offenbar hängt das mit dem Wub-Pelz zusammen …

Als die Amerikanerin Joan Hiashi, Lebensgefährtin des Musikers Ray Meritan in der Geschichte „Das kleine schwarze Käst­chen“ zum chinesisch unterwanderten kommunistischen Kuba geschickt wird, soll die Zen-Buddhistin eigentlich nur im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes „der chinesischen Bevölke­rung dort religiösen Beistand geben“. Aber das ist ein fingierter Auftrag. In Wahrheit geht es um ein Netzwerk der sogenannten „Merceristen“, die mit dem messianischen Wilbur Mercer über ein Empathiekästchen verbunden sind. Diese neue Ersatzreligi­on unterspült die weltlichen und spirituellen Wurzeln der Menschheit.1 Aber was genau ist Wilbur Mercer, und was will er? Unerwartete Entwicklungen verwandeln die Protagonisten voll­kommen …

Das unvergleichliche M“ ist ein Hilfsmittel in einem Mord­fall. Genauer: es ist eigentlich der Mörder. Aber was tut man, wenn man zwar von diesem Ding weiß, aber der ermittelnde Po­lizist stur und fest an das glaubt, was gezielt vom Hintermann des Mordes fingiert wird …?

Der Krieg mit den Fnools“ ist eine Satire, diesmal über die Invasionsphobien, die in der SF gerne kursieren. Als die Fnools in Utah landen, stöhnen die Polizisten. Schon WIEDER Fnools! Die Kerle werden es auch NIE lernen! Das Problem bei ihnen ist – sie sehen immer alle genau gleich aus. Diesmal sind sie als 90 Zentimeter große Gebrauchtwagenhändler gekommen, Hunder­te von ihnen, und sie begreifen selbst nicht, warum es den Ter­ranern gelingt, sie so schnell zu entlarven. Und zwar IMMER. Bis sie dazulernen. Aber auch das hat seine Tücken …

Der letzte der Meister“ variiert ein beliebtes Dick-Thema: den Zusammenbruch der Zivilisation nach einem weitflächigen Krieg. Meist sind es Nuklearkriege, hier jedoch eher ein Bürger­krieg, der die herrschenden Regierungsformen wegfegte. Anar­chistische Brigaden haben die alten Militaristen verfolgt, doch das liegt inzwischen schon zweihundert Jahre zurück. Alles zer­fällt allmählich … nur in einem kleinen, abgeschlossenen Tal hat wie durch ein Wunder eine Enklave überlebt, ein mikroskopi­scher Militärstaat, ähnlich dem antiken Sparta. Aber dann macht ihre Führerpersönlichkeit allmählich Probleme. Und ein Anarchistentrupp wird in der Umgebung gesichtet. Die Gesell­schaft gerät in eine Krise …

Der Zeittaucher“ ist eine berühmte Geschichte Dicks. Und wieder einmal variiert er ein Lieblingsthema, die Zeitreise. Über die Prinzipien macht sich Dick wie üblich wenig Gedanken. Man „kann“ es eben einfach, durch die Zeit reisen. Aber die Wissen­schaftler wollen eben nicht nur die Vergangenheit erforschen, sondern auch die Zukunft, was eigentlich verboten ist. Und dort entdecken sie beim ZWEITEN Durchlauf, der eine paradiesische Welt zeigte, eine vollkommen verwüstete Zukunft. Offensichtlich haben sie allein durch den „Zeittaucher“ die Zukunft verändert. Und nun wollen sie wissen, wie das geschehen konnte …

Ein ungerechtes Spiel“ bringt einen Zirkus auf eine irdische Kolonialwelt (es könnte auch im amerikanischen Mittelwesten spielen, so, wie es dargestellt wird), und die Kolonisten wissen: da muss man immer vorsichtig sein. Beim letzten Mal wurden sie mörderisch übers Ohr gehauen. Aber diesmal setzen sie ei­nen jungen Mutanten ein, der dem Zirkusbesitzer das Fell über die Ohren zieht. Aber das, was sie gewinnen, hat es auf bösarti­ge Weise in sich …

Tod eines Handelsroboters“ ist eine wirklich sehr schlichte Geschichte über den Terror der Medienindustrie und die Auf­dringlichkeit von Verkäufern. Dick, der selbst einmal Verkäufer war, weiß nur zu gut, was er hier erzählt, und die Lösung fällt ausgesprochen dramatisch aus …

Ein wertvolles Andenken“ ist für Milt Biskle, einen Rekon­struktionsingenieur auf dem Mars das einzige, das er von sei­nem Besuch auf der Erde mitnimmt. Nachdem er jahrelang har­te Arbeit auf dem Mars verrichtet hat, kehrt er – gegen den Wi­derstand der Obrigkeit – zur völlig überbevölkerten Erde zurück und muss hier bald ein paar gespenstische Entdeckungen ma­chen. Vielleicht ist der jahrelange, erbitterte Krieg gegen die Prox doch anders ausgegangen, als man ihm das immer erzählt hat …

Kleinstadt“ erzählt schließlich die Geschichte von Verne Has­kel, einem kleinen Angestellten in der Stadt Woodland, der zwanzig Jahre in einem Ventilwerk gearbeitet hat, sich immerzu mit seiner Frau streitet und nur einen einzigen Trost besitzt: sei­ne Spielzeugeisenbahn im Keller, in dem er in jahrelanger Klein­arbeit die ganze Stadt Woodland nachgebildet hat. Und dieses Modell hat ein ganz besonderes Geheimnis …

Ich denke, diese Geschichten machen durchaus Appetit auf mehr von Dick wenigstens 120 Kurzgeschichten, von seinen zahlreichen Romanen einmal ganz zu schweigen. Auch wenn man diese Storysammlung nur noch antiquarisch bekommen kann, lohnt sie die Suche gewiss.

Das Titelbild von Tony Roberts hat leider keinen Bezug zum Ro­man. Am ehesten kann man es mit „2001“ und „2010“ von Arthur C. Clarke in Verbindung bringen, mit dem goldglänzen­den Embryo in einem halbtransparenten Ringplaneten zwischen Erde und Mond. Aber dass Cover mit dem Inhalt nichts gemein haben, ist in der Phantastik ja häufig so. Halten wir uns an den Inhalt und machen uns unsere eigenen Bilder …

© 2006 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche erden wir uns dann wieder bodenständig und besuchen eine amerikanische Galerie. Näheres erfahrt ihr in sieben Tagen an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Und diese Idee wird intensiver in Dicks Roman „Do Androids dream of Electric Sheep?“ ausge­führt (dt.: „Blade Runner“). In der Verfilmung von Ridley Scott löst sich dieser Hand­lungsstrang leider völlig auf.

Blogartikel 429: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 27

Posted Oktober 24th, 2021 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

fünf Wochen verfliegen echt im Nu, ganz besonders, wenn man wegen des erneuten Corona-Lockdowns ins Home Office ge­drängt worden ist. Wer immer behauptet, dann verginge die Zeit langsamer, weil man nichts Rechtes mit sich anzufangen wisse oder ihm/ihr fiele die Decke auf den Kopf, dem kann ich leider aus eigener Perspektive nicht beipflichten. Hier ist soviel los, dass ich kaum zum Schreiben von Blogartikeln komme … und meine Hoffnung, dass das zu dem Zeitpunkt, wo ihr diese Zeilen lest, sehr viel besser gewor­den sein könnte, ist doch eher mäßig ausgeprägt.

Pessimistische Einstellung? Nein, ich halte das eher für Realis­mus. So sehr wir uns alle Normalität zurückwünschen, die glo­bale Pandemie wird uns noch geraume Zeit in Atem halten und die Normalität auf die Reservebank schieben.

Was also tun? Vertiefen wir uns in eine alte OSM-Serie und rei­sen zurück ins Jahr 1982/83 bzw. ins 75. Jahrhundert irdischer Zeitrechnung.

Rückblick: Was als einfache Flucht aus der Kleingalaxis Zoran begann und Oki Stanwer erst nach Garos, dann nach TOTAM und schließlich zum Planeten OKISTAN und in ein Paralleluniver­sum führte, hat längst andere Dimensionen angenommen, als der Flüchtende sich vorstellte. Nun in einem alten Androiden­körper des untergegangenen okischen Imperiums verweilend, ist er mit dem Ultraroboter auf der Flucht vor TOTAMS Scher­gen.

Derweil beginnt der Dämon Zomar mit der Invasion des irdi­schen Herrschaftsbereichs und breitet sich auf dem Planeten Beteigeuze IV aus, behindert von Thor Gordenbeyl, Pater Joseph Ghastor und den dortigen Jesuiten. Sie kämpfen auf ziemlich verlorenem Posten.

Auch Klivies Kleines ist in die Hände eines Dämons gefallen und wurde auf eine Gefängniswelt deportiert.

Und als wenn das noch nicht genügen würde, droht eine Macht aus dem Spiralarm III, die sich im Bereich der irdischen Star­dust-Flibustiers (SDF) auszudehnen beginnt – eine uralte Zivili­sation, die auf rein pflanzlicher Basis agiert und allen „carnivor­en“ Lebensformen den Krieg angesagt hat …

Episode 26: Die Sporen-Missionare

(unklar, 1982, digitalisiert 2003)

Die Zartans aus Spiralarm III haben unter der Anleitung der PSI-Intelligenzen die gestrandeten SDF-Raumfahrer Frank Bernd und Martin Been in pflanzliche Lebensformen gleich sich selbst verwandelt und dabei auch ihre mentale Agenda verändert. Ausgestattet mit einem großen Raumschiff, das das Aussehen einer gigantischen Spore besitzt, steuern sie den Zentralplane­ten der SDF, New Port Royal, an.

Ohne dass man das registriert, gelingt es den Zartans, auf dem Planeten Mutationssamen zu verteilen, die ins Kanalisationsnetz der Hauptstadt, der so genannten Morgan-Metropole.

Episode 27: Flucht vom Methanplaneten

(unklar, 1982, digitalisiert 2003)

Blende zum Schicksal von Klivies Kleines: Im Psycholator-Verhör auf der Methanwelt Torom hat Kleines gegenüber dem Dämon Garas die Koordinaten seiner Heimatwelt, der legendären Zen­tralwelt der Kleinis, preisgeben müssen.

Nun befindet er sich – und insofern führt der Titel der Episode völlig in die Irre! – auf Garas‘ Schiff, dem Kriegsschiff ALL-MACHT VON TOTAM. Der Dämon will sich aufmachen, die Zen­tralwelt zu unterwerfen, nach der die Diener TOTAMS schon seit Jahrtausenden fahnden. Denn einst, vor mehr als neuntausend Jahren, waren die Kleinis engste Berater des okischen Imperi­ums.

Doch der Plan wird konterkariert. Ein fremdes Schiff erscheint und verwickelt die ALL-MACHT VON TOTAM in ein Gefecht, bei dem Garas und seine Totenkopf-Crew den Kürzeren ziehen. Als das fremde Schiff einen Energietunnel zum TOTAM-Schiff er­schafft, nutzt Kleines die Chance, dadurch seiner Gefangen­schaft zu entrinnen … aber er ahnt nicht, was er sich damit ein­brockt.

Episode 28: Die Oki-Stanwer-Brigade

(unklar, 1982, digitalisiert 2003)

Blende zu Oki Stanwer: Ihm ist mit dem Roboter „Thors Ham­mer“, vormals Ultraroboter genannt, die Flucht aus dem Ein­schließungsring gelungen, den TOTAMS Truppen um den einsti­gen okischen Medoplaneten OKISTAN gelegt haben. Aber sie werden verfolgt.

Im Sternhaufen M3, wohin der Roboter sie bringt, sollen die Tankstationen der Okis existieren … aber zu Okis Entsetzen sind sie sämtlich vor langer Zeit zerstört worden … bis auf eine einzi­ge, die sich aus der Korona einer Sonne nun hervorschiebt.

Es handelt sich um die Tankstation 781, eine zehn Kilometer lange Plattform, die für Wartungszwecke der Okis angelegt und von ihnen bemannt wurde. Die humanoiden Oki-Roboter aner­kennen unter ihrem Leiter, Oki 4197, Oki Stanwers Legitimität an und zerstören seine Verfolger, die aus einem Schwarm TO­TAM-Jäger bestehen.

Nun wollen sie gemeinsam daran gehen, „Unternehmen Rück­kehr“ zu initiieren – Oki Stanwers neuen Aufstieg zur Macht, da­mit er mit einer breiten Offensivbasis gegen TOTAM vorgehen kann und nicht immerzu, wie bisher, hilflos auf der Flucht ist.

Doch ehe sie daran gehen können, befreit sich auf der Tankstation eine gefangene Dämonenwaffe von TOTAM namens GOLEM aus ihrem Sicherheitskordon und beginnt mit einem Amoklauf auf der Tankstation …

Episode 29: Die Oki-Falle

(unklar, 1982, digitalisiert 2003)

Weiter im Handlungsstrang um Oki Stanwer: Der Dämon Morosk ist mit seinen Schiffen von OKISTAN dem Vorauskommando ge­folgt, das Oki Stanwer auf der Spur war, und der Beschuss der Tankstation wird begonnen. Während von innen wie von außen die Oki-Roboter der Oki-Stanwer-Brigade unter Druck geraten, wird Oki Stanwer via Hypnoschulung ein Teil der verschütteten Erinnerungen wieder gegeben. Dazu zählt auch die Erinnerung an eine Schwerkraftwaffe, die so genannte OKI-SCHOCK-Waffe, die sich auf der Tankstation befindet.

Als das Zentralgehirn der Tankstation eine Raumversetzung durchzuführen versucht, um der Umklammerung durch die TO­TAM-Schiffe zu entkommen, misslingt „Operation Sternen­sprung“. Schuld daran ist die Dämonenwaffe GOLEM und die von ihr ausgelösten hyperdimensionalen Turbulenzen.

Der hyperenergetische Schockeffekt weckt nun allerdings beim Kommandogehirn der Tankstation die Erinnerung an die OKI-SCHOCK-Waffe, die sie nun einsetzt, um sich aller Feinde zu ent­ledigen.

Bei diesem Einsatz wird sowohl Morosks Schiff als auch sein Gastkörper vernichtet, seine Essenz flüchtet jedoch nach TOTAM zurück. Und dabei registriert Morosk die zornige Dämonenwaffe GOLEM, die selbst in den Hyperraum geschleudert wird und ihn dafür verantwortlich macht. GOLEM schwört schreckliche Ra­che.

Als Oki Stanwer, der während des Hypnoschulungsmanövers ins Koma gefallen war, nach Monaten wieder erwacht, hat die Tank­station innerhalb von M3 den Ort gewechselt. Die Schäden sind ausgebessert, und dem Beginn des „Unternehmens Rückkehr“ steht nichts mehr im Weg … nun, fast nichts.

Denn Oki Stanwer möchte gern bei der terranischen Zentralwelt Terra beginnen. Die ist aber, erklären die Okis ihm, den Terra­nern gar nicht mehr bekannt. Stattdessen hat der Voork-Sturm vor mehr als 1.900 Jahren dazu geführt, dass die terranischen Siedler sich neu organisiert haben, unter Ausschluss des einsti­gen Zentrums.

Die Nationen, die nun die Galaxis sprenkeln, sind der Freistaat Wega (FSW), die Stardust-Flibustiers (SDF) und die Freien Händ­ler (FH). Außerdem existieren noch die Arme Bettler Föderation (ABF) und die Extraterrestrier Killer-Kommandos (EKK), die aber als eine eher unstrukturierte Gruppe von Verbrechern charakte­risiert werden.

Oki Stanwer besteht darauf, mit Terra anzufangen …

Episode 30: Das fremde Schiff

(1983, digitalisiert 2003)

Fortsetzung von Band 27. Klivies Kleines ist dem wracken TO­TAM-Kreuzer ALL-MACHT VON TOTAM entkommen und an Bord des fremden Schiffes gelangt, das sich von dem Havaristen wie­der löst und im Sternenraum untertaucht.

Sicher, dass er nun ein besseres Schicksal erleidet, als er es in Gefangenschaft des Dämons Garas gehabt hätte, bewegt er sich in dem fremden Schiff … und wird bitter enttäuscht, denn es handelt sich um ein automatisch gelenktes Gefährt, das seit langer Zeit unterwegs ist und Lebensformen sammelt und ein­friert.

Während Kleines sich mit einigen Weggenossen, die ebenfalls Widerstand leisten, eine Weile behaupten kann, führt doch letzt­lich kein Weg daran vorbei, dass er von den Robotern überwäl­tigt und ebenfalls eingefroren wird.

Ich merke hier schon einmal an, dass diese Handlungsspur ein totes Ende der Argumentation darstellt, nicht allein aufgrund der Tatsache, dass sie so viele STAR WARS-Anleihen enthält. Warum ist das dann so? Weil ich, während ich an der Serie schrieb, schon merkte, dass diese Handlung so nicht recht funk­tionierte.

Es erfolgte also etwas später ein gedanklicher Handlungs­sprung, der den Torom-Abschnitt der Serie völlig ausblendet. Danach endet Kleines‘ Transmittersprung von der Zentralwelt in Wahrheit auf Beteigeuze IV, wo er von seinem Verfolger, dem EKK Berghaus II, gefangen genommen und in einer Stasiswabe eingelagert wird. Damit fährt dann in Band 40 der Serie der Kleines-Handlungsstrang fort. So habe ich dann 1986 auch in dem ersten, auf der Episodenserie des KONFLIKTS 15 fußenden Romanserie gedanklich weiter gearbeitet.

Ihr merkt, die Serie war 1982/83 noch recht experimentell, teil­weise bizarr simpel gestrickt und noch lange nicht so durchkon­zipiert, wie es beispielsweise bei KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (realchronologisch) wenig später der Fall war.

Tatsache ist aber, dass es im nächsten Teil der Close Up-Artikel so richtig zur Sache gehen wird. Für heute mag dieser De­tailblick auf diese Serie des KONFLIKTS 15 genügen.

In der kommenden Woche berichte ich, wie sich der Februar 2021 kreativ entwickelt hat.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.