Liebe Freunde des OSM,

kennt ihr dieses Gefühl, wenn man sich etwas anschaut und einfach nicht fas­sen kann, was man da sieht? Hat wohl jeder von euch schon mal erlebt. Aber wie fühlt sich das an, wenn man selbst für das verantwortlich zeichnet, was man vor sich sieht, und wenn die Notwendigkeit besteht, der Tatsache ins Auge zu blicken, dass man eine nahezu unbeschreibliche Fehlerwüste produziert hat und das jahrelang, ach, Jahrzehnte lang gar nicht mehr im Blick hatte?

Ich sage euch – das ist ein total dämliches Gefühl, und als ich das in den letzten Tagen im Dezember 2017 fühlte (ihr seht diesen Blogartikel erst sehr viel später, aber vertraut mir, momentan kocht fast mein Blut, wenn ich an diese Baustelle denke, von der ich euch heute einen kleinen Ausschnitt präsentieren werde), da wusste ich ehrlich nicht, was ich sagen sollte. Hätte man mich da nach meinen Emotionen befragt, so hätte ich vermutlich antworten können: Diese Zeilen hät­ten besser gar nicht erst geschrieben werden sollen. Oder: Ich hätte diese Epi­sode besser damals gleich noch mal abgeschrieben, weil sie so unglaublich viele Fehler enthielt.

Zu dumm: Das hätte zum damaligen Zeitpunkt wahrscheinlich nichts geändert.

Warum nicht? Nun, das hat mehrere Gründe. Zum einen schrieb ich damals mit einer Schreibmaschine, die keine Korrekturtaste besaß. Fehler waren also Feh­ler, und ich konnte sie gerade mal überschreiben, solange die Seite eingespannt war. Danach – Chance vorbei (wie komfortabel haben wir es da doch heute mit unseren digitalen Hilfsinstrumenten! Ihr Jüngeren macht euch davon gar keine Vorstellung, für euch ist das alles selbstverständlich… ein wenig mehr Demut wäre da angebracht).

Zum zweiten hatte ich damals einen Scheuklappenblick. Vieles, was ich heute als Monita in alten Texten reklamiere, konnte ich damals überhaupt nicht wahr­nehmen. Beispielsweise: „Wie, ich soll die Protagonisten beschreiben? Warum denn? Ich weiß, das sind Allis, und wie Allis aussehen, weiß ich doch. Also brauche ich das nicht… wie? Ich soll mehr nennen als nur den Namen und die Funktion des Handlungsträgers? Wieso das denn? Das reicht doch aus. Ausarbeiten tu ich das später…“

Tja, so meine Arbeitseinstellung Ende der 80er Jahre (sagte ich schon, dass ich hier über den Dezember 1989 rede? Nein? Nun, dann wisst ihr das jetzt, Freun­de).

Und drittens wurde ich von dem überwältigenden Bilderflow in einer Weise vorwärtsgepeitscht, der mir gar keine Zeit zum Atem holen ließ. Dieser ganze Zyklus von vier Episoden, zu denen die heute vorgestellte gehört, entstand bin­nen weniger Tage im Dezember 1989. Ihr müsst euch das wie eine Art von per­manentem Bilder-Granatenhagel vorstellen, den ich festzuhalten hatte, um nicht verrückt zu werden. Dementsprechend fiel dann die Umsetzung aus.

Ich habe diese Episode am 10. Dezember 2017 fertig abgeschrieben und kommentiert. Sie besaß zuvor insgesamt 10 Textseiten im Schreibmaschinenformat und – notwendig, weil noch nicht realisierbar – keine Fußnoten. Als ich mit ihr fertig war, verfügte sie über 20 Textseiten und 268 Fußnoten, kein Witz.

Ich schaute sie mir an und dachte: Oh Gott, was für eine chaotische Fehlerwüs­te! Ich fasse es echt nicht.

Und dann dachte ich: Und was für ein unglaubliches Potenzial, das ich darin so einfach verschenkt habe! Wenn ich die Episode nachschleife, wird das ein haar­sträubendes, ultraspannendes Abenteuer voller emotionaler Dramatik, Action, Mystery und Schrecken. Inklusive einer versunkenen Stadt, einem verwüsteten Raumhafen, Raumschiffswracks und jeder Menge Leichen, einem drohenden, sirenenhaften Ungeheuer, das seine Liebhaber bei lebendigem Leib verschlingt, kosmischen Mysterien und drohendem Unheil für die gesamte Expedition.

Und schließlich kam der Gedanke, der zum heutigen Blogeintrag führte: Ver­dammt noch mal, warum konnte ich mich damals nur nicht konzentrieren und wenigstens halbwegs fehlerfrei schreiben? Eigentlich müsste ich das mal mei­nen Lesern zeigen… oh! Das geht ja tatsächlich.

So landeten wir dann also genau hier.

Mir ist natürlich die Gefahr des Spoilerns klar, die die folgenden Zeilen in sich bergen, selbstverständlich. Die Episode „Alte und neue Wissenssucher“ ist Band 42 der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC), die ich ab 2018 im E-Book vorstellen und zugänglich machen werde. Aber da nach meiner zuge­gebenen optimistischen Vorstellung die entsprechende Passage erst am Ende des vierzehnten Bandes auftauchen wird, und es noch eine Reihe von Jahren dauern wird, bis ihr dorthin kommt, und da ich außerdem ja die Möglichkeit habe, besonders enthüllende Passagen herauszunehmen, um euch die Lese­freude nicht zu vermiesen, riskiere ich das heute mal.

Folgendes zur Einstimmung:

Der Handlungsort ist ein Raumschiff der Alli-Truppen unter Salketh-en-torion, einer Helferin des Lichts. Es ist gerade durch den Schlund eines Schwarzen Lo­ches in einen Bereich des Universums abgestürzt, in dem sich ein Taschenu­niversum befindet. Hier stoßen sie auf ein Sonnensystem und befinden sich in einer prekären Situation wieder, auf die – außer einer Person – niemand vorbe­reitet war:

Das Ziel:1

S** [Name bei Zitation verschlüsselt – Spoiler! UL] sah die beiden Helfer des Lichts nicht zusammenbrechen, ihn hätte das wohl auch nicht nennenswert interessiert. Wichtiger war, dass sie bald das Ziel erreicht hatten.

Sie hatten den Braunen Zwerg umrundet und glitten von hier2 an in die Finsternis hinab, in das Nichts, in dem nichts3 mehr existieren4 konnte. Aber es war dennoch etwas da(,) und das, was da war5,6 das war nicht wenig.7

8 Hätten sie mit G** und den Berinnyern und Sargoy vom Stoßtrupp 12 der Invasionsstreit­kräfte BICCUNORS9 sprechen können, dann hätten10 diese ihm die Gleichheit dieses Raumes mit dem bestätigt, in dem11 sie das Planetenreich der L** gefunden hatten.12 Aber diese We­sen wussten voneinander nichts.13

Die ESQUAAT-YESH14 stürzte von unten herauf in einen Kosmos. Es war ein kleiner Kos­mos, hatte kaum eine Ausdehnung von15 einem Lichtjahr16, aber auf diesem Raum standen vier Sonnen, die eine Kette bildeten(,) in eine Richtung hin.

Zwischen ihnen befanden sich Planeten, aber kaum einer17 von ihnen18 war bewohnbar.19

Das Schiff der Allis steuerte den dritten Planeten der weißen Sonne an, der direkt am „Ausgang“ stand, wenn man diesen Ausgang auch nicht entdecken konnte, nicht optisch, al­lerdings fernmesstechnisch.

„Es ist mir ein Rätsel…“, stammelte hinter ihnen20 Aljoon. Er meinte den Zustand der bei­den Helfer des Lichts21, aber darum kümmerte sich S** ebenfalls nicht. Nicht jetzt.

Der dritte Planet war ein fruchtbarer Planet, er hatte einen Durchmesser von 24.895 Kilo­metern und war dennoch sehr gut bewohnbar, da die Schwerkraft auf unnatürliche 1,23 Gra­vos einreguliert war. Normalerweise hätte er doppelte Schwerkraft besitzen müssen.

Die meiste Weltfläche war von Wasser bedeckt, gut zwei Drittel mussten es wohl schon22 sein, grandiose blauweiße Gewässer mit einem Stich ins Grüne. Aber keiner hatte einen Blick für diese Schönheit, nicht einmal Aljoon, der die Sanitäter gerufen hatte.23 S*** [eine weitere Person, deren Identität ich aus Spoilergründen vorenthalten muss. UL] und Salketh lagen da wie tot(,) und sie waren erstarrt. Ihre Atmung funktionierte noch, aber nur noch sehr flach.

Es war schlechterdings24 erschreckend.25

Auf den Schirmen des Schiffes erschien ein Kontinent. Bergig am Rande, bis zu den Gipfeln in knapp 2000 Metern26 Höhe dicht bewaldet27, dahinter ein hügeliges Landstück, das sich tief nach drinnen fortsetzte.28

„S**! Hör auf, die Kommandanten sind im Koma! Du musst das Schiff im Orbit lassen…!“(,) schrie29 Aljoon.

„Nein!“(,) antwortete der Fremde kalt.

Aljoon wollte ihm30 in die Steuerung fallen, sein gutes Recht, denn immerhin war er der ei­gentliche Kommandant des Raumers.31

S** packte ihn am Arm und schleuderte ihn zurück gegen die Wand. Benommen sank der Alli daran herab. Der Schwung war, so beiläufig er auch ausgesehen hatte, ungemein wuchtig und brutal gewesen.

Auf dem Schirm erschienen Bauwerke, vom Dschungel überwuchert, der den gesamten Kontinent bedeckte.32 Und auf den Landefeldern der Ruinenstadt lagen und standen Raum­schiffe aller Arten und Sorten in allen Stadien der Vernichtung33 und Verrottung.34

S** lächelte und landete ebenfalls ruhig auf einem noch freien Landefeld.

Dann stellte er den Antigravantrieb ab, mit dem er die35 letzten Kilometer geflogen war.

Die ESQUAAT-YESH36 stand auf einem fremden Planeten, der nicht einmal in diesem be­kannten Universum lag, sondern irgendwo37 hinter dem Rund eines Braunen Zwerges, der zwischen Normalraum und dem ominösen Kosmos38 unterhalb des Ereignishorizontes exis­tierte.

Und hier waren sie nun gefangen.39

So, ihr könnt wieder durchatmen, Freunde.

So sieht eine Baustelle des frühen OSM aus, als ich schon eifrig mit der Schreib­maschine arbeitete. Aber dieses kleine Stück, das nicht mal zwei Textseiten um­fasst, zeigt recht nachdrücklich, was für eine Heidenarbeit allein in einer einzi­gen abzuschreibenden Episode des OSM steckt. Ich übertreibe nicht, wenn ich betone, dass das – zu dieser Schreibzeit – durch die Bank verdammte Fehler­wüsten sind. Das ist die lautere Wahrheit.

Ihr versteht vielleicht jetzt auch, warum ich gelegentlich sage – die obige Episo­de ist gewissermaßen ein Paradebeispiel, und eine spätere Blende hätte das noch viel deutlicher gezeigt – , dass es mich in den Fingern juckt, Episoden zu überarbeiten, Szenen einzufügen, Dialoge zu ergänzen oder nachzuschleifen, Begründungszusammenhänge in der Episode vertiefend einzuarbeiten usw… ich muss mich da immer unglaublich zusammenreißen.

Warum dies?

Nun, kurz gesagt: wenn ich diesem Impuls nachgäbe, würde ich unablässig am Nachbearbeiten der alten Episoden sein. Ich würde einerseits das Ziel der rei­nen 1:1-Abschrift gründlich verfehlen und so zum anderen die reine alte Textba­sis mit modernen Textpassagen „kontaminieren“, um es mal hart zu formulie­ren. Das wäre einer späteren Überarbeitung definitiv nicht unbedingt förder­lich. Zum dritten aber würde es mich gründlich daran hindern, aktuelle Ge­schichten und E-Books fertig zu stellen, und dann würde sich das Drama des Jahres 2017, wo ihr von mir fast nichts außer Blogartikeln zu Gesicht bekommen habt, wiederholen, und zwar mehrere Jahre in Folge, da es Aberhunderte von noch nicht digital erfassten alten OSM-Episoden gibt.

Wenn ihr aber andererseits nun mehrere Jahre auf E-Books von mir verzichten müsstet, wärt ihr nicht nur enttäuscht von mir, sondern schlicht und ergreifend weg vom OSM. Und das möchte ich euch und mir nicht antun. Deshalb balan­ciere ich eben auf der Rasierklinge und gebe dem Impuls des Überarbeitens nicht nach, sondern schreibe sie nur ab und kommentiere sie (bisweilen, wie ihr gesehen habt, durchaus ein wenig genervt und gallig).

Zeit für die Überarbeitung ist später. Wichtig ist es, die Texte digital vorliegen zu haben, um dann zügig die Überarbeitung realisieren zu können. Alles andere führt nur zur Potenzierung des Frusts auf allen Seiten.

Ach ja, ein wenig beneide ich mein jüngeres alter Ego, das sich im Dezember 1989, scheiteltief im Zivildienstleben von Hameln steckend, auf Heimaturlaub in Gifhorn die Stunden um die Ohren schlug, um im Kellerdomizil bei inspirieren­der Musik voll im Schreibrausch Seite um Seite füllte. Wäre man doch nur noch mal 23 Lenze alt wie ich damals, nicht wahr? Einerseits. Andererseits genieße ich es auch, heutzutage zahlreiche Rätsel der Frühzeit entschlüsseln zu können, die ich damals akkurat beschrieb, aber nicht mal entfernt verstehen konnte.

Nein, ich sehne mich nicht wirklich nach dem Damals zurück. Ich war wahnsin­nig kreativ, habe viele Fehler gemacht, die mich heute bisweilen zur Weißglut treiben – aber toll war’s doch.

In der nächsten Woche schauen wir uns die Gegenwart wieder an – den Monat Februar 2018 und was er kreativ erbrachte. Ich freue mich darauf, euch wieder hier zu treffen!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 In der Abschrift kursiviert.

2 Im Skript versehentlich zusammen geschrieben.

3 Dito.

4 Tippfehler, später mit blauer Tinte korrigiert.

5 Dito.

6 Das Komma wurde mit blauer Tinte nachgefügt.

7 Was ist denn das für ein albernes, unentschlossenes Wortgeschwurbel? Kann ich nicht mal konkret werden? Dieses Geschwafel ist doch schon so einfach nur nervig! Ändern!!!

8 Die Einrückung fehlt im Skript.

9 Im Skript nicht groß geschrieben.

10 Im Skript versehentlich zusammen geschrieben.

11 Dito.

12 Vgl. dazu die Bde. 35: „Geleitzug ins Nichts“ und 36: „Das Reich hinter dem Universum“, beide 1989. Mit „Gleichheit“ ist hier gemeint, dass sie sich in einem strukturell identischen Ausläufer der unterkosmischen Niveaus befinden wie jenem, in dem das Reich der L** existiert. Verdammt, ich schwafelte hier unkon­zentriert herum, das ist ja zum Heulen!

13 Und dieser Satz ist so was von überflüssig. Streichen!

14 Tippfehler. Im Skript stand „ESQUAAT-LESH“, mit schwarzer Tinte korrigiert.

15 Tippfehler. Im Skript stand „ovn“, später mit schwarzer Tinte korrigiert.

16 Tippfehler. Die letzten beiden Buchstaben wurden mit schwarzer Tinte korrigiert.

17 Im Skript versehentlich zusammen geschrieben.

18 Tippfehler. Im Skript stand „ichnen“, später mit blauer Tinte korrigiert.

19 Ein bisschen genauer geht es aber schon, oder? Wie agiert die Crew in der Zentrale? Tut sie überhaupt nichts? Bordwache? Medizinisches Personal? Ortungsstand? Also wirklich, hier fehlt einfach alles! Ver­dammt! Speziell dass die Planeten nicht bewohnbar sind, muss doch nicht S** feststellen. Ändern!

20 Hinter wem? S** ist doch eine Einzelperson…

21 Also wirklich, Aljoon als Kommandant sollte durchaus multitaskingfähig sein. Oder es sollte ihn umgebende Bordoffiziere geben, die er instruieren kann. Oder Roboter. Irgendwas. Dass ich mich hier völlig auf S** und die Landung konzentrierte, ist doch einfach bescheuert. Das kann so nicht bleiben.

22 Im Skript versehentlich zusammen geschrieben.

23 Auch wieder das Problem der eingeschränkten Personalriege. Aljoon muss die Mediziner rufen, weil ich sonst niemanden erwähnt habe, der das tun könnte. So ein Blödsinn.

24 Im Skript steht noch falsch „schlichterdings“. Bei Abschrift korrigiert.

25 Und das wäre der Moment für eine Handlungspause mit entsprechender Dramatik. Aber mich peitschte der Handlungsstrom voran und erzwang das Gegenteil. So kann das nicht bleiben. Hier wird eine Passage einge­fügt werden müssen, in der S** seinen Anflug unterbrechen muss, von Aljoon zur Rede gestellt wird, wäh­rend die Mediziner die Helfer des Lichts versorgen und in die Medostation transportieren. S** wird sich aber nicht von den Kontrollen entfernen lassen, sondern das Ziel vorgeben. Und der Bordcomputer wird ihm mit dem Bestimmungsziel Recht geben, was in Aljoon das Misstrauen erwachen lässt, dass S** hier bereits ein­mal war. Und immerhin ist S**, dessen Inkognito noch immer gewahrt ist, ja mit TOTAM im Bunde. Man wird ihn also scharf im Auge behalten, wenn er dann zum Landemanöver ansetzt.

26 Tippfehler. Im Skript steht „2000metern“.

27 Im Skript versehentlich zusammen geschrieben.

28 Wie oben erwähnt: Landungssequenz erfolgt überstürzt, ebenso wie die Annäherungssequenz an den dritten Planeten.

29 Im Skript versehentlich groß geschrieben.

30 Tippfehler. Im Skript steht „ihn“.

31 Im Skript versehentlich klein geschrieben. Aber es wird nicht Aljoon sein, der S** angreift, sondern eine der Bordwachen, die inzwischen seine Handlungen kontrolliert. Aljoon wird noch gebraucht, unverletzt.

32 Beschreibung! Ich hatte hier vermutlich ein altes TERRA ASTRA-Cover etwa um Band 360 vor Augen, das eine solche verwitterte Ruinenstadt im Dschungel zeigt. Deren Erforschung findet ja leider in dieser Episode überhaupt nicht statt, das wäre aber wirklich essenziell, finde ich. Das erwartet der Leser einfach.

33 Im Skript versehentlich zusammen geschrieben.

34 Die Schiffe der früheren Schatzsucher. Aber auch die sollte man bitte beschreiben! Hierbei käme Salkeths Wissen über die Baukunst der Berinnyer zugute, denn sie würde zahlreiche Schiffe als berinnyische Einhei­ten und Schiffe der Sargoy identifizieren können. Andere entstammen den Schiffbaulinien von Völkern, die von den Berinnyern in Bytharg ausgerottet wurden. Man darf nie vergessen, dass das Bytharg der Gegen­wart ja fast nur noch von Sargoy und Berinnyern bewohnt wird, aber früher gab es Dutzende andere Ster­nenvölker dort, die von rassistischen Berinnyern ausgelöscht worden sind. Hier könnte man einen guten Ein­blick in die Vielvölkerstruktur des alten Bytharg gewinnen. Soviel verschenktes Potenzial, wie ich einleitend schon konstatierte… es ist echt zum Heulen. Gut, dass ich das heute alles korrigieren kann.

35 Im Skript versehentlich zusammen geschrieben.

36 Im Skript stand ursprünglich noch „ESQUAAT-LESH“, Korrektur zeitnah mit schwarzer Tinte.

37 Im Skript versehentlich zusammen geschrieben.

38 Dito.

39 Das kommt zu früh. Das kristallisiert sich erst deutlich später heraus.

Liebe Freunde des OSM,

ja, und damit kommen wir dann zu einem Ende des magischen Zweikampfs zwi­schen Harry Potter und Lord Voldemort alias Tom Riddle, der die ganze Welt ins Kreuzfeuer geraten lässt und zahllose Tragödien einschließt, ebenso aber auch einen ganzen bunten Strauß an Rätseln aufklärt. Ein voluminöser, lesenswerter Band, keine Frage… aber schon 2007, als ich die unten stehende Rezension ver­fasste, war ich gegen Schluss einigermaßen ernüchtert. Da ich mich nicht als „Harry Potter-Fan“ verstehe, sondern lediglich als ein Phantastik-Fan, der eine Serie schon ganz gern vollständig lesen möchte, fühlte ich mich absolut legiti­miert, kritische Untertöne nicht zu verschweigen.

So interessant es auch gewesen ist, Harrys Weg und schulischem Werdegang zu folgen, so schwierig war dann Rowlings Spagat, in diesem Band die Konfrontati­on angemessen darzustellen – einigermaßen kindgerecht, um die jungen Neule­ser nicht zu verstören, aber zugleich auch glaubwürdig, um den erwachsenen Lesern das Gefühl zu geben, dass hier tatsächlich ein großmaßstäblicher magi­scher Krieg stattfand.

Mein Fazit: der Spagat konnte nicht gelingen. Wie schon in den vorangegange­nen zwei Bänden (vielleicht drei) war das ein Wagnis auf schwankendem Grund, und es klappte nur bedingt. Herausgekommen ist jedoch, bei aller Kritik, ein fas­zinierendes Werk, das den weniger kritischen Leser vermutlich begeistert hat und auch weiterhin faszinieren wird. Es ist kaum zu leugnen, dass die Ver­marktung mittels der Verfilmungen Harry Potter zu einem globalen Phänomen gemacht hat mit einer in die Millionen gehenden Fanbase weltweit.

Wer dem Phänomen bislang ratlos bis skeptisch gegenübersteht, hat hier noch mal die Chance, einem Verständnis näher zu kommen und sich zu überlegen, ob man ihm nicht doch eine Reihe von Lesetagen widmen sollte.

Wer mein Urteil erfahren möchte, der lese weiter:

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes

(Harry Potter and the Deathly Hallows)

von Joanne K. Rowling

Carlsen-Verlag, 2007

772 Seiten, geb.

Übersetzt von Klaus Fritz

ISBN 978-3-551-57777-1

Der Schock war wirklich perfekt am Schluss des sechsten Harry-Potter-Romans: Während Harry und der Schulleiter von Hogwarts, Albus Dumbledore, auf der Jagd nach den sinistren Horkruxen waren, erfüllte sich der geheime Plan des Todesser-Sohns Draco Malfoy, und als die beiden Helden zur Schule für Zaube­rei zurückkehrten, befand sich der Feind im Innern der gut gesicherten Mauern.

Bei der sich entwickelnden Schlacht zwischen „Dumbledores Armee“ und den Todessern entpuppte sich der Hauslehrer Severus Snape, Harrys Intimfeind, als Verräter – und tötete Albus Dumbledore! Danach lief er zum Dunklen Lord Vol­demort über und verschwand. Und Harry Potter selbst fasste den schicksals­schweren Entschluss, seine Schulausbildung abzubrechen, das siebte Jahr in Hogwarts nicht zu verbringen, sondern Dumbledores letzten Willen zu erfüllen: Suche und vernichte die Horkruxe Lord Voldemorts!

Erst sehr spät hatte der „Auserwählte“, wie Harry Potter inzwischen in der Zau­berwelt genannt wurde, weil er mehrfach den Attacken Voldemorts getrotzt hatte, von diesen magischen Artefakten erfahren, aus der Erinnerung des neu­en Zaubertränkelehrers Horace Slughorn1: dieser gab Jahrzehnte zuvor einem neugierigen Schüler von Hogwarts namens Tom Riddle, auf dessen begierige Nachfragen zögernd Antworten. Wenn man den Weg zur Unsterblichkeit be­schreiten wolle, gab Slughorn zu, dann könne man versuchen, einen Horkrux zu schaffen, einen magischen Gegenstand, der sozusagen mit einem abgespalte­nen Teil der eigenen Seele imprägniert werden würde. Auf diese Weise könne man aus diesem Horkrux wieder erstehen, auch wenn der eigene Körper vernichtet wäre. Der Preis dafür sei aber schrecklich, in jeder Hinsicht.

Tom Riddle, der sich später Lord Voldemort nannte, schuf nach Albus Dumble­dores Vermutung mehr als nur einen Horkrux, und Riddles Äußerung in den Er­innerungen anderer Zeitgenossen, dass doch „sieben die magischste aller Zah­len“ sei, könnte unter Umständen darauf hindeuten, dass er sieben davon ge­schaffen habe. Zugleich sei dadurch seine Seele so sehr deformiert und ver­stümmelt worden, dass sie quasi nichts Menschenähnliches mehr an sich habe.

Einen dieser Horkruxe hatte Harry bereits Jahre zuvor unwissentlich vernichtet, nämlich mit Hilfe eines Basiliskenzahnes – das sirenenhafte, verderbliche Tage­buch Tom Riddles, das einst in der „Kammer des Schreckens“ Keim für Volde­morts Wiedergeburt werden sollte, unterstützt durch das Blutopfer der jungen Ginny Weasley.2 Einen zweiten Horkrux zerstörte der Schulleiter – einen verzau­berten Ring, dessen verderbliche Kraft aber noch imstande war, Dumbledores rechte Hand absterben zu lassen.3

Nun jedoch, am Ende des sechsten Schuljahres, steht Hogwarts jählings orien­tierungslos da: der Schulleiter ist tot. Sein Mörder, Severus Snape, dem Harry von Anbeginn an misstraut hatte, wogegen Dumbledore immer wiederholte, er vertraue ihm rückhaltlos, flüchtete zusammen mit Draco Malfoy an die Seite des Dunklen Lords. Aus dem Zauberergefängnis von Askaban sind derweil schon seit Monaten die unheimlichen Dementoren desertiert, jene grauenhaften Kreaturen, die von der Hoffnung und dem Glück der Menschen zehren und eine Aura der Depression, Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit verbreiten.4 Und überall im Land nehmen derweil die Morde von Todessern zu, den Anhän­gern von Lord Voldemort. Menschen verschwinden, Angst und Schrecken brei­ten sich grassierend aus.

Und nun der Tod Dumbledores!

Alle Leser waren gewarnt, bereits seit Jahren. Sie wussten: wenn es soweit kam, dann würde Voldemort die Konfrontation suchen, er würde das letzte Hindernis aus dem Weg räumen – Harry Potter – und dann an die Macht zurückkehren. Und genauso kommt es nun tatsächlich im letzten Band der Serie.

Glücklicherweise ist Harry nicht alleine. Seine Freunde Ronald Weasley und Hermine Granger sowie der riesenhafte Wildhüter von Hogwarts, Hagrid, sind fest entschlossen, nicht von seiner Seite zu weichen. Ginny Weasley, das Mäd­chen, das Harrys Herz erobert hat, findet sich außerdem nicht damit ab, dass er sie, des eigenen Schutzes wegen, zunächst zurückweist. Harry weiß nur zu gut, dass er erpressbar wird, wenn ihrer beider Herzensnähe bekannt wird.

Und dann ist da noch immer der Orden des Phönix, von Dumbledore wieder ins Leben gerufen. Nun vom hünenhaften, durch magische Attacken missgestalte­ten Auror Mad-Eye Moody5 geleitet, entwickelt der geheime Orden einen Plan, Harry vor dem bevorstehenden Angriff der Todesser zu schützen.

Als jedoch die Attacke beginnt, kommt es gleich zu Beginn zu mehreren To­desopfern unter Harrys Freunden. Zutiefst erschüttert vergräbt er sich für die nächste Zeit bei Freunden und bekommt nur allmählich mit, wie Voldemorts Parteigänger immer mehr Terror in der Zaubererwelt und auch derjenigen der „Muggel“, also der nicht magisch begabten Menschen, anrichten. Familientra­gödien, schreckliche Unfälle, die keine sind, Intrigen, die auf magische Manipu­lation zurückzuführen sind, all das häuft sich immer mehr, und eine Atmosphä­re der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit breitet sich aus.

Die Mitglieder des Ordens und der mit Harry befreundeten Familien möchten ihn nur unbedingt aus jedem Kampf heraushalten, aber das kann er nicht ak­zeptieren – es gilt, Dumbledores Auftrag auszuführen, der dadurch unmöglich würde. Die Horkruxe müssen gefunden und vernichtet werden, denn nur so be­kommen sie eine reelle Chance, den Dunklen Lord töten zu können.

Sieben Horkruxe sollen es sein, zwei davon sind inzwischen zerstört. Nur von zwei weiteren ist bekannt, was sie vermutlich sind – das Amulett des Hogwarts-Hauses Slytherin (das aber vor vielen Jahren von einem Unbekannten geraubt und durch eine Fälschung ersetzt wurde; die Identität des Diebes, der seinen Namen mit R. A. B. angab, ist unklar) und ein Becher des Hogwarts-Hauses Hufflepuff. Doch was ist mit den anderen drei Horkruxen? Wo sind sie und wie sehen sie aus? Und wie kann man sie zerstören? Außerdem: selbst wenn Harry und seine Freunde die Horkruxe finden, ist es wahrscheinlich, dass sie – ähnlich dem Ring von Sauron6 – einen verderblichen Einfluss auf den Träger ausüben. Dies ist eine Befürchtung, die allzu bald Realität erlangt.

Als wenn das nicht genügt, möchte der neue Zaubereiminister Rufus Scrim­geour, wie schon am Ende des sechsten Bandes, den jungen Harry Potter in sei­nem Sinne instrumentalisieren, damit er die Handlungsweisen des Zauberei­ministeriums unterstützt. Dies kann Harry nicht ernstlich tun, da ihn das Ministerium bekanntlich lange Zeit als närrisches Zeug schwätzenden Teenager hinstellte und der frühere Zaubereiminister Cornelius Fudge die Anzeichen für die Rückkehr Lord Voldemorts selbst dann nicht wahrhaben wollte, als das Dunkle Mal aufstieg und die in den Untergrund verschwundenen Todesser wie­der auftauchten.7

Auch jetzt handelt das Ministerium unverantwortlich überstürzt und verhaftet Leute als potenzielle Todesser, nur damit sie „Erfolge“ vorweisen können. Und solche Heuchelei kann Harry, so jung er auch ist, auf den Tod nicht ausstehen. Da ist er, wie er kühl sagt, „ganz und gar Dumbledores Mann“, selbst nach des­sen Tod. Und er kann sehr stur sein!

Als dann die Hochzeit von Bill Weasley mit Fleur Delacour stattfindet, kommt die erschreckende Nachricht: „Das Ministerium ist gefallen. Scrimgeour ist tot. Sie kommen.“ Die Hochzeitsfeier wird gesprengt, und Harry, Ron und Hermine müssen fliehen – ohne einen Zufluchtsort zu besitzen.

Hogwarts erhält, von den Todessern übernommen, einen neuen Direktor, näm­lich niemand Geringeren als Severus Snape! Die Anwesen der mit Harry be­freundeten Familien stehen unter Beobachtung, Entführungen und Erpressun­gen häufen sich, und selbst den Sitz des Phönixordens, das Anwesen von Harrys verstorbenem Paten Sirius Black am Grimmauldsplatz in London, kommt als Zu­fluchtsort nicht mehr in Frage, da ihn Snape als Mitglied des Phönixordens na­türlich kennt.

Schlimmer noch: Voldemort übernimmt nun den gesamten Zaubereiapparat des Zaubereiministeriums. Harry Potter wird zum Staatsfeind Nummer Eins er­klärt und durch das ganze Land gejagt, zusammen mit seinen engsten Freun­den. Alle magischen Transmissionswege und Netzwerke werden kontrolliert, Strafpatrouillen reisen durchs Land und verfrachten jeden, der sich verdächtig verhält, entweder ins Zaubereiministerium oder nach Askaban, gelegentliche Folterungen inklusive.

Wie, fragt sich der verzweifelte Leser, sollen drei Teenager auf der Flucht und ohne Rückhalt, es schaffen, sich gegen den größten Magier der Welt durchzu­setzen, dessen Horkruxe zu finden (von denen sie meistenteils noch nicht wissen, wo sie sind oder wie sie überhaupt aussehen), wenn sie vorerst nur eins vorhaben: am Leben zu bleiben?

Vielleicht hilft ihnen dabei Dumbledores Testament, das ihnen der Zauberei­minister noch zugänglich gemacht hat. Allerdings sind es seltsame, scheinbar wertlose Dinge: Dumbledores Deluminator8, der erste goldene Schnatz aus dem Quidditch-Spiel9, das Harry einst gewonnen hat, und ein Kinderbuch mit Zau­berermärchen, das in Runenschrift geschrieben ist.

Es ist Hermine, die auf ein Zeichen stößt, das in diesem Buch geschickt verbor­gen ist, ein Zeichen, das auf einem Amulett des etwas verdrehten Zauberers Xe­nophilius Lovegood (Vater der bekannten, etwas seltsamen Mitschülerin Luna Lovegood10, die in diesem Roman auch eine bedeutende Rolle spielt) wieder­kehrt und das von dem Durmstrang-Quidditch-Spieler Viktor Krum11 als das „Grindelwald“-Zeichen betrachtet wird. Doch der Sieg Dumbledores über den Schwarzmagier Grindelwald liegt erst wenige Jahrzehnte zurück.12 Wieso findet Harry dann einen uralten, verwitterten Grabstein auf dem Friedhof von Godric’s Hollow, wo Harrys Eltern begraben liegen?

Mit gehöriger Verspätung – und reichlich demonstriertem Unglauben, weil nie­mand an ein derartiges Märchen glauben mag, ganz besonders nicht Hermine – beginnen die drei Freunde zu verstehen, dass Dumbledore sie nicht nur auf die Suche nach den Horkruxen geschickt hat. Es geht auch um das Vermächtnis der drei Brüder und die geheimnisumwitterten Heiligtümer des Todes.

Doch was genau ist wichtiger? Die Horkruxe? Die Heiligtümer? Oder der Kampf um das eigene Leben? Und was bleibt bei all diesen Entscheidungen auf der Strecke? Die Freundschaft? Die Liebe? Oder der Rest der Welt…? Harry Potter und seine Freunde haben schwere Entscheidungen zu treffen, während die Zau­bererwelt immer mehr im Sumpf der Finsternis verschwindet und die Macht des Dunklen Lords ins Unermessliche wächst…

Man kann nicht sagen, dass sich das Warten auf dieses Buch nicht gelohnt hat, ganz im Gegenteil. Und der Leser des letzten Harry-Potter-Buches kann wirklich Hunderte von Seiten zittern. In der ersten Hälfte des Buches sieht es lange Zeit sehr düster aus, und sehr viel mehr als Flucht gelingt den Helden kaum. Als während der langen Suche nach den Horkruxen schließlich die Freundschaft zwischen Ron, Hermine und Harry auf eine harte Bewährungsprobe gestellt wird, da verfestigt sich zwar eine Erkenntnis aus dem sechsten Band (die hier nicht verraten werden soll), zugleich nehmen aber Zweifel immer größeren Raum ein.

Zweifel an Gewissheiten, die immer quälender werden.

Die berüchtigte Reporterin Rita Kimmkorn13 veröffentlicht nämlich direkt nach Dumbledores Begräbnis eine gehässige Biografie des Hogwarts-Leiters, in der etwa Grindelwald als Dumbledores bester Freund bezeichnet wird. Und was ist mit dem Schicksal von Dumbledores Schwester Ariana, die auf rätselhafte Wei­se umkam? Und mit Dumbledores Bruder? Entspricht die in der Biografie er­wähnte Muggelfeindlichkeit Dumbledores der Realität? Und wenn an diesen Gerüchten etwas ist, was genau mag dann das Endziel von Albus Dumbledores Plan mit Harry Potter sein?

Auf abenteuerliche Weise sind all diese Dinge miteinander verflochten: die Su­che nach der Realität im Märchen der drei Brüder, die Geschichte mit den Hei­ligtümern des Todes, die Horkruxe Lord Voldemorts, der Ursprung von Harrys Tarnumhang14 und der Kampf gegen die Macht des pervertierten Tom Riddle.

Beklemmend gestaltet die Autorin die „Machtergreifung“ durch die Todesser und deren folgende, durchweg rassistische Maßnahmen als Analogie zur natio­nalsozialistischen Rassenpolitik, die Parallelen sind sehr deutlich. Doch sie weiß durchaus noch zu überraschen. Es gilt, auf Kobolde aufzupassen, auf Zauberel­fen, auf Portraits und Spiegelscherben, und schließlich und endlich kehren sich manche Dinge und Verhältnisse auf interessante Weise um.

Gewiss – der wirklich aufmerksame Leser wird von den meisten Dingen gegen Schluss des Romans (ich rede von den letzten 200 Seiten) nur milde überrascht, doch solide Arbeit ist das Buch schon. Es scheint jedoch ein wenig zu schnell fertiggestellt worden zu sein. So muss man entdecken, wie viele Handlungs­stränge im Verlauf des Buches schlicht und ergreifend unter den Teppich ge­kehrt werden. Zum Ende hin wird dann ganz deutlich, dass Rowling nur noch fertig werden wollte. Da schleicht sich der eine oder andere Logikfehler ein. Es sei nur auf die Verbindung zwischen Snape und Draco Malfoy hingewiesen15, die Frage, warum die Lehrerschaft von Hogwarts nicht flächendeckend ausgewech­selt (oder per Imperius-Fluch „umgedreht“) wird, auch vermissen wir letzten Endes eine Lösung der DoloresUmbridge-Geschichte.16

Auch sollte man mit Fug und Recht eine gewisse Einfallslosigkeit bei einigen Na­men gegen Schluss des Romans kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. So süß dieser Gedanke ist, um den zitternden und bangenden Lesern am Ende zu zei­gen, wer wen „bekommt“ und was danach geschieht, so macht dies alles doch einen etwas künstlich angeklatschten Eindruck. Genau wie schon im Buch 6 drängt sich der Verdacht auf, dass Rowling vom ursprünglich intendierten Ende – dem Tod Voldemorts UND Harrys – absichtlich abgewichen ist, möglicherwei­se auf Druck der Leserschaft.

Es wäre, betrachtet man all diese Details dann zusammen, vielleicht ein wenig sinnvoller gewesen, Joanne K. Rowling hätte sich noch ein halbes Jahr mehr Zeit genommen, an ihrem Abschlussband entschiedener gefeilt und mehr Details eingebaut, selbst auf die Gefahr hin, dass sie dem Roman noch hundert oder zweihundert Seiten Text hinzugefügt hätte. Kein Leser hätte da gemurrt, ganz im Gegenteil. Und genug zu erzählen wäre zweifelsohne gewesen.

Letzten Endes ist es dann also auch in diesem Fall unbestreitbar: gute Bücher sind immer zu kurz. Wenn man dieses hier binnen drei Tagen ausliest, wie ich es getan habe, dann ist dieser Mangel ganz eklatant sichtbar, nicht wahr?

Also, Muggelfreunde und Harry-Fans – verschlingt das Buch! Es gibt (wahr­scheinlich) kein weiteres.17

© 2007 by Uwe Lammers

Soweit zu dem Siebenteiler des Harry Potter-Zyklus. Weitere Romanzyklen werden in nächster Zukunft hier rezensiert werden (beginnend mit Blogartikel 168 im Juni 2018), aber ich möchte aktuell noch nicht verraten, was ich mir da für einen Zyklus und welchen Autor ich da ausgesucht habe.

Vielmehr bin ich bereitwillig dabei, einen kleinen Hinweis zu geben auf die Vorstellung der kommenden Woche: wir reisen in die Frühzeit des 19. Jahrhunderts und kümmern uns einmal wieder um erotische Literatur – das wird in nächster Zeit noch zunehmen, da ich 2017 eine Menge interessanter Romane dieses Genres gelesen habe, die ich vorstellungswürdig finde.

Welcher Roman wird das sein? In einer Woche seid ihr schlauer.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. Roman „Harry Potter und der Halbblutprinz“, 2005. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 160 vom 18. April 2018.

2 Vgl. Roman „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“, 1999. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 144 vom 27. Dezember 2017.

3 Vgl. Roman „Harry Potter und der Halbblutprinz“, 2005. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 160 vom 18. April 2018.

4 Vgl. Roman „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, 1999. Vgl.dazu auch den Rezensions-Blog 148 vom 24. Januar 2018,

5 Vgl. Roman „Harry Potter und der Feuerkelch“, 2001. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 152 vom 21. Februar 2018.

6 Vgl. dazu im Detail J. R. R. Tolkien: „Der Herr der Ringe“.

7 Vgl. Roman „Harry Potter und der Feuerkelch“, 2001. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 152 vom 21. Februar 2018.

8 Vgl. Roman „Harry Potter und der Stein der Weisen“, 1998. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 140 vom 29. November 2017.

9 Ja, die Quidditch-Freunde kommen in diesem Buch überhaupt nicht auf ihre Kosten. Auch die Freunde von magischen Eulen nicht…

10 Vgl. Roman „Harry Potter und der Orden des Phönix“, 2003. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 156 vom 21. März 2018.

11 Vgl. Roman „Harry Potter und der Feuerkelch“, 2001. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 152 vom 21. Februar 2018.

12 Angeblich fand der Kampf im Jahre 1945 statt. Vgl. Roman „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 140 vom 29. November 2017. Da in diesem Roman übrigens endlich das ge­naue Datum genannt wird, wann Harrys Eltern starben – 31. Oktober 1981 – , kann man auch den Zeitpunkt einordnen, wann dieser vorliegende Roman spielt. Er handelt etwa 1998/1999. Daraus erschließt sich, dass der Epilog reine Science Fiction ist. Neugierige werden das erkennen.

Nachtrag vom 25. Dezember 2017: Inzwischen ist über Grindelwald etwas mehr bekannt. Vgl. dazu den neues­ten in diesem Universum spielenden Film „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, 2016. In diesem Film und vor allen Dingen den darauf noch folgenden (angeblich vier weitere) wird die Grindelwald-Geschichte ausformuliert.

13 Vgl. Roman „Harry Potter und der Feuerkelch“, 2001. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 152 vom 21. Februar 2018.

14 Vgl. Roman „Harry Potter und der Stein der Weisen“, 1998. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 140 vom 29. November 2017.

15 Vgl. Roman „Harry Potter und der Halbblutprinz“, 2005. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 160 vom 18. April 2018.

16 Vgl. Roman „Harry Potter und der Orden des Phönix“, 2003. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 156 vom 21. März 2018. Der Leser kann in diesem Buch übrigens ein unerwartetes Wiedersehen mit Dolores Umbridge „feiern“, ein recht gruseliges, wie ich fand.

17 Wiewohl ich es für sehr plausibel halte, dass es wohl irgendwann einen Geschichtenband geben könnte, in dem gewisse Handlungsstränge oder Details aus dem HP-Kosmos aufgegriffen und ausgearbeitet werden. Wahrscheinlich aber dann wohl nicht mehr von der Autorin selbst, sondern von autorisierten Epigonen. Ein Millionenpublikum wäre ihnen sicher…

Nachtrag vom 25. Dezember 2017: Das obige Urteil ist, aus einer Distanz von 10 Jahren betrachtet, natürlich voreilig gewesen. Es stimmt, dass Rowling in den Potter-Kosmos eigentlich nicht zurückkehren wollte und sich als Krimiautorin unter Pseudonym erfolgreich ein weiteres Standbein aufgebaut hat. Gleichwohl hat sie der Pot­ter-Kosmos nicht losgelassen, wie diverse Publikationen und die neue Filmserie beweisen. Also gibt es neue Bü­cher aus der Welt um Hogwarts, wenn auch natürlich nicht mit Harry Potter…

Liebe Freunde des OSM,

jüngst war ich in dieser Rubrik bis zum Jahreswechsel 2013/14 vorgedrungen. Schauen wir uns heute also mal an, wie das aufregende Jahr 2014 begann. Während ich im Dezember 2013 nur auf 16 fertige Werke kam, sollten es im Ja­nuar 2014 insgesamt 29 werden. Hier wirkte sich wie eigentlich jedes Jahr, seit ich ausführliche kreative Aufzeichnungen anfertige, der Effekt aus, dass ein neu­es Jahr auch gewissermaßen stets „neues Spiel“ und damit frische Energie für meinen kreativen Dynamo bedeutete.

Sieben Blogartikel entstanden diesen Monat, und die Fertigstellung von Band 53 der Serie „Oki Stanwer – Der Missionar“ mit dem Eigentitel „Fluchtziel Kolo­ron“ (zugleich Band 1675 des OSM, immerhin mit stolzen 107 einzeiligen Seiten im Grunde eher ein Roman statt einer Episode) befeuerte meine kreative Ader nachhaltig. Da ich mit dem Band bereits am 3. Januar fertig wurde, fand ich das ein schönes Zeichen für den noch vor mir liegenden Monat, Arbeitssuche hin oder her.

Die Abschrift- und Kommentierungsarbeiten gingen sowohl an KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ weiter (hier war ich dato bis Band 6 ge­kommen, also bis „Invasion auf der Brutwelt“) wie auch an KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“, wo ich bis Band 47 „Das To­tenkopf-Kloster“ gekommen war.

Ich werkelte an weiteren E-Book-Texten, konnte aber nur E-Book 14 „Das Ma­schinenvolk“ abschließen. Einige andere Geschichten überarbeitete ich bzw. schrieb sie ab für die erste Storysammlung im E-Book-Format, „Beide Seiten der Medaille und andere phantastische Geschichten“. Ihr könnt die fertigen Werke natürlich längst auf Amazon oder XinXii nachlesen.

Ich feilte ferner an der OSM-Geschichte „Die Reisenden von Beltracor“ (bis heute Fragment) und vollendete „Die Intervention“. Letztere, die ein Prequel zu KONFLIKT 19 des OSM darstellte, also „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM), wur­de im August 2015 dann in der E-Book-Storysammlung „Reinkarnation und an­dere phantastische Geschichten“ publiziert.

Wie immer sprang ich munter zwischen den Universen hin und her in diesem Monat, ein klares Indiz für meine quecksilbrige und durchaus nicht klar fokus­sierte Kreativität: Da war die kommentierte Abschrift des KONFLIKTS 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“, wo ich mit Band 19 „Spion aus Kirrongar“ auch noch ganz am Anfang stand. Dann suchte ich wieder KONFLIKT 19 heim mit der Story „Der Zentralknoten“ (heute immer noch Fragment). Und ein we­nig töricht begann ich, meine Kräfte völlig überschätzend, mit der Abschrift der Anfangsepisoden von KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK).

Ja, ich verzettelte mich, gebe ich bereitwillig zu. Aber ich befand mich einfach in erstaunlich euphorischer Lage – im Frühjahr 2014 sollte der nächste Convention des Fördervereins Phantastika Raum & Zeit e.V. in Braunschweig stattfinden, und diesmal sollte ich einen Vortrag über mein E-Book-Programm halten … wundert es euch, dass ich ganz aufgekratzt war und meine Kreativität auf goldi­ge Weise „Amok lief“? Nun, ich nicht.

Es folgten gelegentliche Stippvisiten im Archipel in den Fragmentgeschichten „Rückzug in das Liebeskloster“ und „Shayas Bestimmung“, außerdem unver­meidlich auch ein Besuch im KONFLIKT 7 des OSM, „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“ (HdH), sowie auf dem Planeten TOTAM mittels „Die Totenköpfe 2: Durch die Ruinenwelten“ (ebenfalls bis heute Fragment). Und ich verfasste für ANDROMEDA-NACHRICHTEN einen OSM-Artikel über mein E-Book-Programm, der dann schließlich auch publikumswirksam veröffentlicht wurde.

Zum Ende des Monats hin feilte ich ein wenig an der OSM-Story „Quadranten­leben“ und dem zweiten Annalen-E-Book „Ian und der Stein der Götter“. Doch, alles in allem war ich mit dem Monat Januar 2014 recht zufrieden, er hätte nur etwas fokussierter sein können.

Im Februar fuhr ich die kreative Produktion etwas zurück. 6 Blogartikel entstan­den, zahlreiche OSM-Episoden verschiedener älterer KONFLIKTE konnte ich fer­tig abschreiben und kommentieren. Glossararbeiten, etwa für KONFLIKT 18 und 12 schlossen sich an. Die erste E-Book-Storysammlung konnte am 9. Februar vollendet werden, am 24. Februar dann noch ein Online-Interview für das Inter­netportal www.buchbesprechung.de. Ich arbeitete ein wenig weiter an der OSM-Geschichte „Beas Freund“, ohne hier signifikant vom Fleck zu kommen. Ähnlich verliefen Schreibarbeiten an der Geschichte „Ein zukunftsweisendes Verbrechen“.

Warum kam ich daran so wenig vom Fleck? Weil ich am dritten Annalen-E-Book schrieb, nämlich „Die schamlose Frau“. Und wenn ihr euch an diese leiden­schaftliche Geschichte über die Sternenfee Gloria und Anton Devorsin erinnert, dann könnt ihr euch sicherlich lebhaft denken, dass ich damit gründlich ab­gelenkt war.

Es war töricht, gleich an zwei Annalen-E-Books zu schreiben? Nun, das kann ich nicht abstreiten, aber es machte einen phantastischen Spaß. Die Fertigstellung von „Ian und der Stein der Götter“ erfolgte dann am 13. März, buchstäblich am Vorabend meines ersten Besuchs auf der Leipziger Buchmesse. Die Literatur­werkstatt Gifhorn machte es möglich, und ich nutzte einen Teil der Busfahrt, um aus meinem Roman „Die schamlose Frau“ vorzutragen … dabei hatte ich indes nicht beachtet, dass bei solchen Leseversuchen eher kurze Texte besser ankom­men würden, und folgerichtig ließ leider dann das Hörerinteresse rasch nach. Nun, das war mir dann eine Lehre für eigene Lesungen der Zukunft, insofern keine Vergeudung von Energie und Zeit.

Den Monat März nutzte ich dann ebenfalls noch dafür, den Archipel-Roman „Ana und die Sklavinnen“ weiter voranzutreiben und mit der Neuformatierung von „Rhondas Weg“ zu beginnen – eine der großen Arbeiten, die ich bislang im­mer vor mir hergeschoben hatte. Ein bisschen kam ich sogar an „Rhondas Auf­stieg“ vorwärts.

Im Rahmen des OSM schrieb ich weiter an diversen Serienepisodenabschriften, werkelte aber auch schon an „Das Archiv der Hushhiner“ im E-Book-Format, begann mit der Entwicklung eines E-Book-Glossars und formulierte etwas an der OSM-Geschichte „Mutproben“ weiter, mit der ich 2012 begonnen hatte.

Mit insgesamt 14 fertigen Werken hielt sich der Ertrag dieses Monats dann frei­lich schon in Grenzen. Ihr merkt auch hier deutlich, dass ich mich verzettelte und meine kreativen Impulse nicht wirkungsvoll auf eine kleine Zahl von Projek­ten fokussierte, die sich vermutlich leichter hätten fertigstellen lassen.

Dennoch war ich mit dem ersten Quartal 2014 durchaus zufrieden – ich blickte auf 61 abgeschlossene Werke zurück. Das fand ich schon ganz schön respekta­bel. Nun lag der Convention „Raum & Zeit Continuum IV“ voraus, zu dem ich auch einen Conbericht verfassen wollte, und ich nahm zuversichtlich an, dass ich im Anschluss daran wieder deutlich Fahrt aufnehmen würde. Das sollte auch stimmen.

Wovon ich keine Vorstellung hatte, waren allerdings die gesundheitlichen Tur­bulenzen meiner Mutter, die im Sommer 2014 stärker wurden. Ich schätze, es ist irgendwie so ein allgemein verbreiteter Impuls, dass man seine Eltern für unsterblich hält … eine Vorstellung, die bei mir seit Anfang Dezember 2013, wo mein Vater gestorben war, einen üblen Knacks erlitten hatte. Das sollte noch schlimmer werden, anno 2015. Aber davon hatte ich gottlob noch keine Ah­nung.

In der nächsten Folge dieser Reihe werde ich euch dann vertraut machen mit dem zweiten Quartal 2014, in dem meine Werkeproduktion deutlich anziehen sollte. Lasst euch da mal überraschen.

Was findet ihr in der kommenden Woche an dieser Stelle? Dann bringe ich wie­der einen kleinen, amüsanten Einblick in die „Baustelle OSM“. Ja, ich habe wie­der einige haarsträubende Fehler gefunden, die ich präsentieren werde. Das dürfte ganz kurzweilig werden.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 163: Todesschrein

Posted Mai 8th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist eine undankbare Aufgabe eines Fans, einen Roman zu besprechen, der a) von einem seiner favorisierten Lieblingsautoren stammt und b) durchaus gut lesbar ist, aber leider dabei c) auch ausgesprochen haarsträubenden Stuss ent­hält, den ein kritischer Leser recht leicht entdecken kann (etwa durch den er­sten Satz des Prologs). Dennoch ist es nicht nur der Tatsache geschuldet, dass ich möglichst vollständig die Romane von Clive Cussler und seinen Coautoren abbilden möchte, sondern ich will hiermit auch durchaus auf einen vom Ge­samtplot her interessanten Roman hindeuten.

Wiewohl meine harsche Kritik im Nachgang zur eigentlichen Inhaltsangabe un­ten abschreckend wirken könnte, möchte ich doch dazu auffordern, dass sich der entfernt interessierte Leser diesem Roman nähert. Die OREGON-Romane sind zwar – in diesem Stadium – weitgehend in sich abgeschlossen, aber es ist doch sinnvoll, sie der Reihe nach zu lesen und zu kennen. Die Struktur des vor­liegenden Buches mit den intermittierenden Parallelplots ist zwar nicht optimal umgesetzt, wie meine Kritik nachweisen kann, aber strukturell sehr interessant und anspruchsvoll. So etwas habe ich in dieser Form bislang selten gefunden, meist beschränken sich Autorinnen und Autoren auf maximal zwei Parallelsträn­ge, die deutlich weniger konfliktreich miteinander reagieren.

Mag sein, dass diese konfuse Struktur dazu beigetragen hat, Craig Dirgo aus der Coautorenschaft hinauszukomplimentieren, aber das ist eine Vermutung mei­nerseits. Auf der anderen Seite nimmt der vorliegende Roman – wie schon der Erstling – explizit Bezug auf politische Missstände der Gegenwart und versucht, ausgleichend tätig zu sein. Vor allen Dingen die Tatsache der massiven Konfron­tation mit dem Islam ist lesenswert. So weit wie Dirgo in diesem Roman gehen selbst Thriller heutiger Tage eher selten. Doch nicht bis in den Hof der Kaaba zu Mekka…

Wer neugierig geworden ist, lese weiter:

Todesschrein

(OT: Sacred Stone)

Von Clive Cussler & Craig Dirgo

Blanvalet 36446

512 Seiten, TB, 2006

Aus dem Amerikanischen von Michael Kubiak

ISBN 10: 3-442-36446-9

Das Debakel beginnt vor Jahrtausenden, und niemand kann absehen, was dum­me und verblendete Menschen einer späteren Zeit daraus einmal für ein Chaos machen werden: ein sterbender Stern schleudert ein Trümmerstück direkt ins solare System. Ein kugelförmiger Meteorit aus Iridium, zudem hochradioaktiv, landet auf dem grönländischen Eisschild und wird hier von dem Wikinger Erik dem Roten gefunden. Er errichtet zu Ehren der Gottesgabe, wie er es sieht, einen geheimen Weihort, der aber viele Jahrhunderte lang in Vergessenheit ge­rät, bis ihn der amerikanische Archäologe John Ackerman im Jahre 2005 findet. Damit gerät die Geschichte in Bewegung.

Ackerman benachrichtigt zuallererst seinen Sponsor, den amerikanischen Milli­ardär Halifax Hickman, von dem Fund, hat aber keine Ahnung davon, dass die Mail abgelauscht wird. Auf diese Weise erfahren zwei weitere Gruppierungen von der Entdeckung – einmal die CIA, zum anderen aber ein katarischer Um­stürzler namens Alemein Al-Khalifa, dessen Ansinnen es ist, den Emir von Katar von seinem Thron zu stürzen, der sich derzeit zu einer Konferenz in Island auf­hält. Al-Khalifa hat eigentlich zwei Pläne parallel am Laufen, was die Geschichte sehr verkompliziert: zum einen sieht er vor, den Emir von Katar zu entführen und zur Abdankung zwingen zu wollen, zum zweiten aber hat er auf dubiose Weise inzwischen in der Ukraine eine kleine russische Nuklearwaffe erstanden, die er nach London schmuggeln will, um „dem Westen“ einen verheerenden Schlag zu versetzen. Niemand hat von diesen Plänen eine Ahnung.

Dem Milliardär Hickman kommt hingegen die archäologische Entdeckung auf Grönland ebenfalls sehr passend, denn sie passt in SEINEN Plan – er hat kurze Zeit zuvor seinen unehelichen Sohn, der im US-Heer in Afghanistan diente, bei einem Angriff der fundamentalistischen Taliban verloren und ist seither wie ver­rückt vor Hass. Er macht den Islam insgesamt für diesen Schicksalsschlag ver­antwortlich und ist fest entschlossen, die heiligen Stätten des Islam zu zerstö­ren. Der Meteorit, der so fatal jenem heiligen Stein gleicht, der in der Kaaba zu Mekka verehrt wird, scheint ihm der letzte Mosaikstein in einem wundervollen Puzzle der Vernichtung zu sein, den er noch benötigt. Er heuert also einen Killer an, um den Stein an sich zu bringen.

Al-Khalifa hingegen scheint der Stein ideal zu sein, um die toxische Wirkung der beabsichtigten Nuklearexplosion in London zu erhöhen. Also macht auch er sich auf den Weg nach Grönland, derweil seine Männer in Reykjavik den Emir von Katar entführen sollen.

Tja, doch für den Personenschutz des Emirs ebendort ist die so genannte „Corporation“ verantwortlich, also die private Söldnertruppe des Schiffes ORE­GON unter Juan Cabrillo, den der Leser schon aus dem ersten Abenteuer der „OREGON-Files“ kennt.1

Cabrillo wiederum wird seinerseits von Langston Overholt von der CIA angeru­fen. Ein Wissenschaftler hat inzwischen entdeckt, dass der Iridium-Meteorit ein Sicherheitsrisiko darstellen könnte, und die OREGON-Crew ist die einzige, die gerade in der Gegend ist und ihn bergen könnte. Da die Corporation sich gern mal ein paar Dollar dazu verdient und Cabrillo die Aufgabe als unproblematisch ansieht, fliegt er also alleine nach Grönland. Er soll sich als Wissenschaftler aus­geben und diskret den Meteoriten gegen ein rasch angefertigtes Duplikat aus­tauschen.

Er gerät mitten in das Drama hinein, denn alle drei Fraktionen prallen mit Macht gegeneinander. Ackerman wird angeschossen, Hickmans Killer kann den Meteoriten entwenden, wird aber seinerseits von Al-Khalifa übertölpelt, und so gerät der Stein außer Reichweite – glücklicherweise konnte Cabrillo noch kleine Funksender an dem Artefakt anbringen, so dass die Crew der OREGON wenigs­tens auf der Fährte bleiben kann.

Die Leute der Corporation haben derweil noch weitere Probleme – trotz ihres Personenschutzes ist es nämlich gelungen, den Emir zu entführen, und obgleich sie die Verbindung halten, tapsen sie von einem Desaster ins nächste. Juan Ca­brillo versucht, des Meteoriten habhaft zu werden, was unter anderem beinahe zu einer Hubschrauber-Notlandung im Loch Ness führt und zu einer abenteuer­lichen Verfolgungsjagd durch Schottland und England, seine Leute finden zwar die Yacht Al-Khalifas mitsamt Geisel, aber das Schiff ist auf gespenstische Weise vollkommen leer, der Meteorit verschwunden.

Das Hauptproblem besteht darin, dass die Corporation ebenso wie die befreun­deten Geheimdienste allesamt davon überzeugt sind, dass Meteorit und Nu­klearbombe (von deren Existenz sie bald Kenntnis erlangen) zusammen einge­setzt werden sollen. Von Hickmans parallelem Plan haben sie keine Ahnung, was zu einer Reihe nervenaufreibender Störungen und Verzögerungen im Handlungsablauf führt, die zweifellos intendiert sind und die Spannung sehr be­fördern. Territoriale Rivalitäten mit dem britischen Geheimdienst und verstärk­ter Stress, als immer neue Zugriffsversuche auf den Meteoriten scheitern, dra­matisieren die Geschichte zusätzlich.

Als dann endlich klar wird, dass es hier um zwei verheerende Parallelpläne geht, ist es beinahe schon zu spät. In London wird die Nuklearbombe scharf gemacht und ist nur noch Minuten von der Detonation entfernt, und Hickman befindet sich auf dem Weg nach Saudi-Arabien, um pünktlich zum Beginn des Haddsch am 10. Januar 2006 Zehntausende von Muslimen umzubringen und einen bei­spiellosen weltweiten Krieg der Religionen zu entfesseln, an dessen Ende der Untergang des Islam stehen soll…

Weder der reichlich schwachsinnige Titel der deutschen Ausgabe, noch das völ­lig unpassende Titelbild (ein Schiff fährt durchs Eismeer!) bereiten den Leser auf die turbulente Tour de Force vor, die in diesem Buch auf ihn wartet, und wer zu der Spezies von Lesern gehören sollte, die sich von verlockenden Titelbil­dern zum Kauf verleiten lässt, wird dieses Buch wahrscheinlich nie entdecken. Was ein wenig schade wäre, denn es handelt sich grundsätzlich um Gute-Lau­ne-Lektüre wie schon beim „goldenen Buddha“. Diese Einstufung bedarf aber einiger grundlegender Korrekturen und Einschränkungen. Es empfiehlt sich sehr, bei manchen Aspekten der Handlung das Nachdenken vollständig abzu­schalten, sonst kann man doch ziemlich verdrossen werden. Und das kommt so:

Schon bei dem Buch „Akte Atlantis“ von Clive Cussler2, das ein paar Jahre früher geschrieben wurde (1999) stellte ich fest, dass Cussler mit astronomischen Fak­ten nicht recht gut umgehen kann. Das bewahrheitet sich hier einmal mehr. Schon der erste Satz des Prologs des vorliegenden Romans bereitete mir Magendrücken: „Vor fünfzigtausend Jahren und Millionen von Meilen von der Erde entfernt zuckte ein Planet wie von Krämpfen befallen, um seinen Kollaps anzukündigen.“

Ja, dachte ich, der Autor und der Übersetzer waren auch beide von Krämpfen befallen, als sie das schrieben. Nach dieser Lesart müsste der nämliche Planet, aus dessen Trümmern der Meteorit entstanden sein soll, der das Zentrum der Romanhandlung darstellt, Teil unseres Sonnensystems sein. Dummerweise ist 50.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung kein Planet des Sonnensystems explo­diert, so ein Pech aber auch (vermutlich hat Cussler dabei an den Asteroiden­ring gedacht, anders lässt sich das nicht näherungsweise erklären, aber hier würde die angegebene Zeitspanne nicht entfernt reichen). Dann verstreichen „Zehntausende von Jahren“ (S. 11), bis das Trümmerstück auf die Erde auf­schlägt. Wer nun die Driftgeschwindigkeit von planetaren Trümmern im Univer­sum kennt, weiß, dass man hier wohl mit deutlich größeren Zeiträumen rech­nen müsste, selbst wenn der Meteorit „nur“ aus dem Asteroidenring gedriftet sein sollte. Das ist also schon einmal reichlicher Nonsens.

Dann kommt der nächste „Zufall“ – der Meteorit ist natürlich kugelrund, be­steht angeblich aus so genannten „Buckyballs“ (im Roman durchgängig als „Bucky Balls“ falsch geschrieben) – und ähnelt damit letztlich mehr den fiktiven platonischen Körpern als einem realen Meteoriten. Auch dass er fast völlig aus Iridium bestehen soll, halte ich für eine ausgesprochen unlogische Angelegen­heit. Und dass er ohne jedwede Bearbeitung dem Stein in der Kaaba gleicht… wie gesagt, man sollte an dieser Stelle den Verstand abschalten, alles andere macht keinen Sinn mehr (ich deute nur an, dass der nächste unplausible Punkt der ist, dass Buckyballs aus reinem Kohlenstoff bestehen, Iridium hingegen… nun, von Chemie und freien Valenzen hat Cussler offenbar ebenso wenig eine Ahnung wie sein Kompagnon Craig Dirgo).

Noch abenteuerlich wurde die Handlungslogik strapaziert durch die vermeint­lich tödliche Gefahr im Innern des Meteoriten – da sollte sich nämlich ein au­ßerirdischer Mikroorganismus verbergen, der, wenn er freigesetzt wird, „einen enormen Heißhunger auf unsere Atmosphäre entwickelt“ (was natürlich plakativ mit einem anderen Trümmerstück in Szene gesetzt wird und einfach nur zum Slapstick degeneriert). Es ist durchsichtig, dass damit kurzerhand verhindert werden sollte, ein Flugzeug, das das Ding an Bord hat, einfach abzuschießen. Abschuss, Problem erledigt, Roman nach 200 Seiten zu Ende. Oh, nee, das geht so nicht… es ist doch arg durchsichtig.

Man merkt an vielen Stellen, dass der Plot des Romans offenkundig „nachge­bessert“, d. h. um dramatische Gefährdungen verschärft wurde, was der Hand­lungslogik des Romans leider sehr geschadet hat. Die Konsequenz ist zwar ein durchweg rasant lesbarer, spannender Roman, der auch an manchen Stellen nicht unwitzig ist, aber in puncto Lesevergnügen an den Erstling definitiv nicht herankommt.

Der als Gegner sehr ernst zu nehmende Hickman bleibt jenseits seiner fana­tischen Verbohrtheit als Person leider recht unscharf, auch werden an vielen Stellen auf beunruhigende Weise Menschen- und Bürgerrechte munter mit Fü­ßen getreten (es gibt einige explizite Folterszenen, die freilich nur angedeutet werden, aber unmissverständlich bleiben). Da fühlt man sich als sensibler Leser doch einigermaßen unangenehm berührt.

Wie gesagt, wenn man sich um derlei Details nicht kümmert, kann man den Ro­man sicherlich genießen. Aber als Rezensent fühle ich mich schon veranlasst, auf diese Dinge hinzuweisen. Ansonsten könnte es interessant sein, zu sehen, wie sich die Corporation-Romane weiter entwickeln. Bekanntlich ist Co-Autor Craig Dirgo nach diesem Roman ausgestiegen und Jack du Brul hat sich um die weitere Fortsetzung der Abenteuer gekümmert.

Demnächst mehr zu diesem Thema…

© 2012 by Uwe Lammers

Nun, wie ich einleitend sagte – es gibt manches am vorliegenden Roman zu be­kritteln, die Lektüre lohnt sich ansonsten durchaus. Die ihm zugrunde liegenden Ideen sind brisant und durchweg faszinierend, die Ausführung nicht ganz so überzeugend. Aber so etwas kann man bekanntlich auch von zahlreichen ande­ren Werken sagen… etwa dem der nächsten Woche. Es geht dort in den End­spurt der magischen Konfrontation zwischen Harry Potter und seinem dunklen Widersacher, Lord Voldemort. Wenn ihr erfahren mögt, wie ich diesen Schluss der Saga aufgefasst habe, dann schaut kommende Woche wieder herein.

Bis dann, meine Freunde,

mit Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. dazu Clive Cussler & Craig Dirgo: „Der goldene Buddha“, München 2005. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 151 vom 14. Februar 2018.

2 Vgl. Clive Cussler: „Akte Atlantis“, München 2001. Vgl. dazu ausführlicher meinen Rezensions-Blog 123 vom 2. August 2017.

Liebe Freunde des OSM,

mit dem siebten OSM-Gedicht bleiben wir in der Sphäre der Gegenständlichkeit und Präzision, die wir mit dem sechsten Gedicht vor zwölf Wochen betreten ha­ben. Diesmal reise ich mit euch in das Jahr 1993 zurück, als ich das unten prä­sentierte, nie veröffentlichte Gedicht schrieb. Es thematisiert einen Handlungs­schauplatz im KONFLIKT 16, also der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ (DMadN), die ich 1998 abschloss.

Der Hintergrund des Gedichts ist folgender: Wir schreiben das Jahr 3937 in der heimischen Milchstraße. Oki Stanwer ist mit seinen Gefährten aus der Galaxis Kirrongar zurückgekehrt, aber durch eine Zeitfalle hat er 40 Jahre Realzeit verlo­ren. Die Zwischenzeit nutzte die Dämonenwaffe GOLEM, um die Heimatgalaxis zu überfallen und nahezu alle zivilen Strukturen und Sternenreiche zu zertrüm­mern, die es gab. Auf der Suche nach Galaxisrebellen und Verbündeten emp­fängt er rätselhafte Funksignale, die von einem Stern ausgehen, dem sie wegen seiner Größe den Namen „MONOLITH“ geben, ein mächtiger Gasriese, umge­ben von schimmernden Juwelmonden, in die eingebettet die Wracks von Raum­schiffen sind.

MONOLITH ist eine Falle – offensichtlich geschaffen von den Baumeistern, und es vermag des ganzen Geschicks Oki Stanwers und seiner Freunde, diesem Ster­nengrab zu entrinnen. Die mich bestürmenden visuellen Eindrücke waren der­maßen heftig, dass sie mich am 29. Juli 1993 zu diesem Gedicht veranlassten. Ich griff damit aber deutlich den Episoden selbst voraus. Die Bände 53 „Funk­spruch von MONOLITH“ und 54 „GOLEMS Schergen“ entstanden dann erst im September desselben Jahres.

Es gibt zwei Andeutungen im Gedicht, die rätselhaft für euch mit dem aktuellen Informationsstand bleiben müssen, und ich sehe mich gegenwärtig auch außer­stande, sie an dieser Stelle vollständig zu entschleiern. Es handelt sich um die Anspielungen auf die „Helden von Xissorah-44“ und die „ZYNEEGHARE“. Wäh­rend letztere euch in der näheren Zukunft unausweichlich in KONFLIKT 2, also der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) im E-Book sowie – natür­lich, bin ich versucht zu sagen, mit einem wissenden Schmunzeln – in KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC) im E-Book-Format begegnen werden, ist das mit den „Helden von Xissorah-44“ anders.

Warum ist das so?

Nun, lasst es mich so ausdrücken: der OSM macht verschiedene Stadien durch, und das, was ich derzeit im E-Book bzw. auch hier meistenteils im Blogformat ausdrücke und darstelle, ist gewissermaßen die Grundeinstellung. Wer meine Blogartikel verfolgt hat, wird wissen, dass sich anno 1993/94 mit dem Abschluss des KONFLIKTS 23 „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ (DDj) die Strukturen des OSM massiv änderten und ich von da ab vom „neuen OSM“ spreche. Um aber die grundlegenden Veränderungen, die damit einhergingen, wirklich würdigen zu können, müsst ihr selbstverständlich erst einmal die Ausgangssituation ken­nen.

Das ist auch so mit allem, was das von Legenden umwitterte Volk der Baumeis­ter betrifft. Die Baumeister sind, das erlebt ihr aktuell in den E-Books, für die weitaus meisten der fertig gestellten KONFLIKTE essentiell, ihre Gegenwart qua­si unausweichlich, ihre Spuren ubiquitär.

Die „Helden von Xissorah-44“ nun… sie stellen eine wichtige Weiterentwicklung der Baumeister-Existenzspur dar. Sie hinterlassen zwar mit MONOLITH schon in KONFLIKT 16 ihre Spuren, aber wirklich wirkungsmächtig werden sie eigentlich erst in KONFLIKT 23 und später.

Das kann ich, wie erwähnt, heute nicht näher auflösen. Heute kann ich nur ihre erste Spur präsentieren und Neugierde auf das Später wecken. Folgt mir also in den KONFLIKT 16 und eine eisige Todesfallenwelt (Nachtrag vom Veröffentlichungstag: leider hat die Webseite mal wieder die Leerzeilen zwischen den Strophen „gefressen“, Freunde… denkt euch also bitte überall da, wo ein Satz mit einem Punkt endet, ein Strophenende und eine Leerzeile dazu. Sorry, ich bekomme das Problem irgendwie nicht in den Griff):

Die Türme von MONOLITH

Gedicht von Uwe Lammers

Drohend taucht der Riese auf

aus der Dämmerung der Sternennacht

und funkelnd tanzen die Smaragdmonde

um ihn das Ballett des Todes.

Sein Name ist MONOLITH,

so wurde er festgelegt,

wie er wirklich hieß,

vielleicht wird niemand das ergründen,

denn wer immer den Ruf MONOLITHS vernimmt,

der ist des Todes.

Doch wer den Ruf überlebt,

und wer das Ziel letztlich findet,

wer es womöglich schafft,

so nahe an MONOLITH heranzukommen,

dass eine Landung möglich wird,

der wird eine Welt erblicken,

in der Leben nicht willkommen ist.

MONOLITH ist ein Gasriese,

Ozeane aus glühendem Wasserstoff

und wabernde Eisberge diffuser Form

erfüllen die obersten Schichten

dieser Höllenwelt ohnegleichen.

Darunter steckt,

dick eingepackt von Eisgebirgen

mit Dutzenden von Kilometern Höhe,

der eigentliche Kern des Planeten,

groß wie die Erde

und ihr doch völlig unähnlich.

Bis dorthin dringt niemand vor,

schon zuvor scheitern sie alle

in den Eiswüsten von MONOLITH

es sei denn…

Wenn sie die Türme finden,

die Türme von MONOLITH,

hoch aufragende schwarze Kristallzinnen,

zwanzig Meter breit,

zehn Meter durchmessend,

vierseitig und kristallin,

wenn sie also diese Türme finden,

kilometerhoch emporstrebend,

eisbrecherhaft eingebettet

in Gletscher aus gefrorenem Gas

und doch nicht berstend,

dann haben sie die Chance, zu überleben.

Denn diese Türme

sind errichtet worden in grauer Vorzeit,

von einer Rasse,

die man Baumeister nannte,

so jedenfalls sieht es aus,

so wird es geglaubt,

nichts ahnend, dass dieses Bauwerk

von den Nachfolgern gebaut wurde,

von den Helden von Xissorah-44,

deren Geheimnis verborgen liegt

in einem zerstobenen Universum.

Wer den Einstieg

in die Türme findet,

der gleitet kilometertief,

hinab in die Schaltzentralen der Macht,

hinab in den Kern des Planeten,

oder fast zumindest.

Der Kern ist ein Sonnenherz,

der Kern des Planeten,

der massive Kern MONOLITHS,

er ist ein Bauwerk der Baumeister,

eine Art Ultimat-ZYNEEGHAR,

eine Ortungszentrale,

eine Lenkbasis,

ein Kampfstern,

ein perfektes Versteck.

Und MONOLITHS Geheimnisse –

sie gehen noch weiter, tiefer,

zurück in graue Vorzeiten,

sie könnten Auskunft geben

über die Erbauer,

sie könnten… freilich.

Aber sie werden nicht.

Die Türme von MONOLITH

sind Türme des Schweigens,

sie erzählen nicht.

Nie werden sie das tun,

solange sie bestehen.

Man mag Zugang finden

zu den Anlagen selbst

und auch einige Funktionen aktivieren,

doch viel wird niemand finden,

alles auf keinen Fall.

Dafür wurde Vorsorge getroffen.

Tödliche Vorsorge.

Denn die Türme von MONOLITH

sind Türme des Todes!

ENDE

© 1993 by Uwe Lammers

Wohin es uns dann in der kommenden Woche verschlagen wird, am 13. Mai 2018? Da lasst euch mal überraschen, Freunde.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 162: Zeitknick

Posted Mai 2nd, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Zeitreisen können tricky sein, das weiß wohl so ziemlich jeder belesene Phantast. Es gilt, Paradoxien zu vermeiden, und selbst wenn man sie verursacht, ich meine jetzt: absichtlich verursacht, erweist sich das Resultat durchaus nicht als so konsistent, wie sich der Manipulierende das üblicherweise vorgestellt hat. Die Zahl von Geschichten, in denen bei einer Reise in die Vergangenheit Dinge schief gehen, ist Legion, jeder von euch kennt solche verrückten Ge­schichten.

Nun, ich liebe Zeitreise-Geschichten. Sie treffen sowohl meinen Nerv als fakten­versessener Historiker wie meine neugierige Phantasie, die sich mit den Welten des „Was wäre, wenn…“ der Kontrafaktik auseinandersetzt. Grenzwertig wird es immer dann, wenn zu diesen beiden – nahezu unvermeidlichen – Zutaten einer klassischen Zeitreisegeschichte auch noch das Element des Grotesken hinzu­tritt. Das ist üblicherweise bei Zeitreiseromanen von Keith Laumer der Fall, und das kann mitunter heftig nach hinten losgehen.

Ein ähnlich ambivalenter Fall liegt mit dem Buch vor, das ich euch heute vorstel­len möchte. Die Zweitlektüre des (einst nicht rezensierten) Buches erfolgte 2015 und fiel etwas ernüchternd aus. Aber möglicherweise sehe ich die Dinge ja auch zu eng, und manch einer von euch mag so überdrehte Geschichten.

Wovon rede ich? Von Frank Mihaliks Ausflug auf die Weltausstellung des Jahres 1939, wo er sich unerwartet im Spinnennetz der Zeit selbst verheddert und nicht mehr wieder wegkommt. Wie das aussehen soll? Seht selbst:

Zeitknick

(OT: The Knick of Time)

von George Alec Effinger

Heyne 4720, 1990

288 Seiten, TB

Aus dem Amerikanischen von Isabella Bruckmaier

ISBN 3-453-04305-7

(nur noch antiquarisch erhältlich)

Zeit ist für uns ein steter Fluss, der von der Vergangenheit in die Zukunft strömt und auf dessen Verstreichen wir keinen Einfluss ausüben können. Aber das ist in phantastischen Romanen bisweilen anders, so auch in diesem. Wer unvoreinge­nommen in diesen Roman geworfen wird, hat einige Überraschungen zu erwar­ten. Und dabei fängt alles so unscheinbar und harmlos an…

Am 17. Februar 1996 gelingt Dr. Waters in New York ein sensationeller Durch­bruch – er schafft es, erstmals einen Menschen in der Zeit zurück zu versetzen. Der verwegene Pionier heißt Frank Mihalik, und er ist darauf eingestellt, einfach nur ein paar Stunden im Jahre 1939 auf der New Yorker Weltausstellung zuzu­bringen, ehe er dann erfolgreich in die Gegenwart zurückkehrt und Bericht er­statten kann. Erst danach kann daran gedacht werden, Zeitreisen in irgendeiner Weise kommerziell einzusetzen – beispielsweise als Ventil für eine vollkommen übervölkerte Erde, in der selbst in Amerika Raumnot und karge Lebensverhält­nisse herrschen. Allein an Süßwaren gibt es hier ein Überangebot, aber Süßig­keiten sind bekanntlich nicht alles.

Anfangs scheint alles glatt zu gehen. Frank erscheint tatsächlich an einem ab­gelegenen Ort der Weltausstellung des Jahres 1939, einem ruhigen Tag, den er durchaus genießen kann. Nur knurrt ihm bald der Magen, weil nicht an Proviant gedacht wurde, und sein Anzug hat nicht einmal Taschen, von Geld ganz zu schweigen.

Nun, es ist ja nur für ein paar Stunden. Denkt sich Frank.

Doch als der Transmissionsschock ihn schließlich erfasst, findet er sich durchaus nicht wieder im New York des Jahres 1996, sondern… auf der Weltausstellung von 1939. Und zwar exakt am gleichen Morgen, an dem er auch „gestern“ schon hier erschienen ist. Die Menschen folgen demselben „Programm“ wie am Vortag, bis in die Wortbeiträge hinein.

Der kurze Ausflug wird zum Alptraum.

Frank Mihalik muss bald begreifen, dass irgendetwas mit der Transmission grundlegend schief gegangen ist, denn er kommt mit penetranter Regelmäßig­keit wieder an denselben Tag zurück. Die Weltausstellung von 1939 ist eher ein Gefängnis als irgendetwas anderes, und sie scheint sich nie zu verändern. Er selbst kann keine Vorräte anlegen, alles, was er sich erwirbt, ist mit der nächs­ten Transmission unwiderruflich verschwunden, zurückgekehrt zum ursprüngli­chen Besitzer. Niemand auf der Ausstellung hat eine Erinnerung an „Gestern“, und selbst als der Zeitreisende seit Monaten an diesem einen Tag festsitzt, än­dert sich scheinbar überhaupt nichts. Nicht einmal eine Botschaft in die Zukunft kann er senden.

Als seine Kollegin Cheryl schließlich überraschend ebenfalls im „Zeitgefängnis“ von 1939 erscheint, haben sie das Gefühl, ein wenig Kontrolle über die Dinge zu gewinnen, doch diese Vorstellung ist trügerisch. In Wirklichkeit sind Frank und Cheryl längst in den Treibsand paralleler Zeitwelten geraten, und auch die Evakuierung in die Zukunft bringt ihnen schließlich keine Hilfe – weil es nämlich nicht „ihre“ Zukunft ist, sondern eine parallele, in der so etwas wie die „Agen­tur“ und das „Ewigkeitsministerium“ regieren, die die gezielte Deportation von Bevölkerungsüberschuss in die Vergangenheit zum Programm erhoben haben… und das ist leider alles erst der Anfang…

Zeitknick“ ist ein Roman, den ich im August 1990 kaufte und gleich nach Er­scheinen schier verschlang. Seltsamerweise verfasste ich damals keine Rezensi­on dieses Buches, und das kam mir so eigenartig vor, dass ich mir das Werk nach 25 Jahren noch einmal vornahm und es – wieder in wenigen Tagen – las, mit dem klaren Vorsatz der Rezension.

Nach der Lektüre wurde mir klar, warum ich damals keine Rezensionsabsicht gehegt hatte. Das Buch schwächelt nach anfänglicher Stärke recht bald und zieht sich dann zum durchweg unbefriedigenden Ende immer weiter in die Län­ge wie ein Kaugummi, der überdehnt wird und fad schmeckt. Ihn auf dem Cover mit den Worten „Ein kosmischer Slapstick durch Raum und Zeit, voll Witz, Hu­mor und satirischen Seitenhieben“ auszugeben, ist doch arg übertrieben (wie­wohl ich natürlich eingestehe, dass ich vielleicht nicht die entsprechende Bil­dung besaß, um die Seitenhiebe zu erkennen, aber das klingt doch nicht sehr realistisch).

Ich fand eigentlich bereits in dem Moment, wo die beiden Zeitreisenden im Reich der Königin Hesternia und des Königs Proximo landen, dass die Story lah­mer und immer zielloser wurde, und alle Anspielungen auf den „Wizard of Oz“ und die Smaragdstadt (heute verständlicher, weil ich L. Frank Baum zwischenzeitlich gelesen habe) machen die dünne Suppe von Story nicht viel schöner. Es ist deutlich zu spüren, dass Effingers Grundidee, die eigentlich eine Modifikation vieler Zeitreisegeschichten des lange verstorbenen Keith Laumer bzw. auch des Filmklassikers „Und täglich grüßt das Murmeltier“ darstellt, einer langfristigen, in sich geschlossenen Struktur ermangelt.

Vielleicht ist das ein grundsätzliches Manko solcher Romane, die auf eine Über­raschung eine noch überdrehtere, noch wildere Überraschung folgen lassen müssen, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Ich denke, der Roman wäre mit abwechslungsreicherem Personal, einer stringenteren Handlung und vielleicht auch Straffung deutlich besser geworden.

So kann ich ihn nur für ausgesprochene Fans von Zeitreisegeschichten empfeh­len.

© 2015 by Uwe Lammers

Ein ernüchterndes Fazit? Nun ja… ich sagte ja nicht, dass ich ausschließlich Wer­ke empfehle, die ich rundum gelungen fand. Manche liegen auch in einem sol­chen Zwischenbereich des „Schwächelnden“, die dann vielleicht gerade noch nach dem Schulnotensystem mit einer 3- davonkommen würden. Gemessen freilich stets an meinem Qualitäts-Wertsystem. Da ich für Satiren ohnehin nur bedingt etwas übrig habe, mögen Freunde humoristischer SF den obigen Ro­man vielleicht begeistert goutieren.

In der kommenden Woche kehren wir in den Parallelkosmos von Clive Cussler zurück und kümmern uns nach dem Rezensions-Blog 151 um das zweite Abenteuer der OREGON-Crew. Diesmal geht es um ein höchst problematisches religiöses Artefakt, und ich behaupte mal, dass heutzutage in Zeiten des „Krie­ges gegen den Terror“ wohl kaum ein Verlag so bereitwillig ein Buch verlegen würde, das sich so weit aus dem Fenster lehnt.

Was das bedeuten soll? Nun, das zu kontrollieren überlasse ich euch in der kommenden Woche. Tatsache bleibt, dass es ein höchst interessantes Werk ist, das – wie schon „Der goldene Buddha“ mit einer ganzen Reihe von Überra­schungen aufwartete.

Lasst euch überraschen, Freunde.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Maiblog 2018

Posted Mai 1st, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde meiner E-Books,

während ich diese Zeilen zu schreiben beginne – das ist, wie bei den Silvester­blogs und Maiblogs so üblich, eine fortlaufende Tätigkeit, die sich über eine Rei­he von Tagen oder Wochen erstrecken wird – , sieht die Sachlage für mein E-Book-Programm noch nicht wirklich wieder rosig aus. Nun könntet ihr euch na­türlich fragen, woran das liegt und was seit dem letzten Maiblog geschehen ist. Um das ein wenig aufzuhellen, bin ich ja jetzt dabei, exakt das zu tun.

Als ich den Maiblog 2017 formulierte, also in den Monaten März bis Ende April 2017, da steckte ich noch mitten in meinem befristeten Vollzeitjob an der Tech­nischen Universität Braunschweig und hatte, wie berichtet, sehr wenig freie Zeitkapazitäten, um an meinen E-Books zu feilen. Wie ihr aber auf der anderen Seite natürlich auch bemerkt haben dürftet, wenn ihr regelmäßig meinen statis­tischen Updates in der Blogartikelrubrik „Work in Progress“ gefolgt seid, hieß das nicht, dass ich nichts getan hätte. Es wurden nur die Kapazitäten meiner verfügbaren Zeitkontingente anders verschoben. Das hatte seine Gründe.

Ich möchte, wenn ich E-Book-Texte verfasse, nicht einfach so Texte herunterrat­tern, sondern sie wollen wohl überlegt ausgearbeitet sein. Zumal in der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) müssen sie sich in die Gesamtstruk­tur der Serie einfügen, und das ist nichts, was ich übers Knie brechen möchte, gewissermaßen zwischen Tür und Angel.

Außerdem galt es sicherzustellen, dass andere Publikationsaktivitäten nicht gänzlich zum Erliegen kommen. Ich war im April 2017 gerade wieder gewählt worden als Chefredakteur des Fanzines „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) des Science Fiction-Clubs Baden-Württemberg (SFCBW). Und genau das ist mir erwartungsgemäß in diesem März erneut widerfahren. Nun, ich habe mich auf­stellen lassen, was also hättet ihr anderes erwartet?

Dann war ich aber auch zwischenzeitlich Mitglied im „Terranischen Club Eden“ (TCE) geworden und begann ab Sommer 2017 damit, alte erotisch-phantasti­sche Geschichten, die z. T. noch niemals veröffentlicht worden waren, so zu überarbeiten, dass sie in absehbarer Zeit in Form einer Printpublikation erschei­nen werden. Inzwischen (Ende März 2018) sind alle Geschichten fertig und ein­gesandt, und ich hoffe zuversichtlich, dass ich im Silvesterblog 2018, vielleicht auch erst im Maiblog 2019 stolz verkünden kann, dass diese Storysammlung draußen ist und sie sich jeder von euch, der sie bestellt, ins Regal stellen kann – etwas, das ich langfristig auch für meine E-Books anstrebe.1

Fernerhin bin ich seit dem 1. März in ein neues Ehrenamt eingetreten: Für den regionalen Verein KreativRegion e.V. bin ich der Ansprechpartner für die Sparte „Buchmarkt“, vorerst für ein Jahr. Und als meine erste „Amtshandlung“ bin ich mit involviert in die Veranstaltung „11hoch11 trifft Buchmarkt“ am 13. April 2018. Bis diese Zeilen also erscheinen, kann ich euch dazu mehr sagen, da der Event dann Vergangenheit ist. Genauso übrigens, wie auch der Convention „Raum & Zeit Continuum IV“ des Fördervereins Phantastika Raum & Zeit e.V. dann Vergangenheit sein wird (14./15. April 2018).2

Dies alles hat meine Aktivitäten auf dem Sektor des E-Book-Schreibens und E-Book-Publizierens natürlich zeitlich beeinträchtigt. Jenseits dieser Dinge bin ich seit dem 1. September 2017 auf Arbeitssuche, und ich brauche euch nicht zu sagen, dass natürlich auch das jede Menge Zeit und Energie bindet. Zeit, die ich nun prinzipiell habe, aber zu einem guten Teil auch für ausgiebige Lektüre auf­wende… ich habe davon in den vergangenen Wochen und Monaten schon in meinem Blog berichtet.

Die Konsequenz des nachlassenden Stroms neu publizierter Geschichten, ich komme dazu gleich, bestand natürlich darin, dass auch die Downloadzahlen zu­rückgingen. Zum Teil hat das sicherlich immer noch mit dem Umstellen bei Amazon zu tun, wo man nun auch E-Books direkt lesen kann, ohne sie zu kaufen (die Entgelte je gelesenen Seiten sind leider recht bescheiden, und auch die Tantiemen für die E-Books sind ja nicht wirklich üppig). Parallel dazu sind die Zugriffszahlen auf meine Homepage zurückgegangen. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich in den „Work in Progress“-Berichten jeden Monat zwar von fertig gestellten bzw. abgeschriebenen und kommentierten Werken berichte, jenseits der Blogartikel aber kaum etwas in die breite Öffentlichkeit gelangt. Ich sehe zu, dass sich das alsbald ändert.

In Bezug auf meinen dritten Distributor XinXii habe ich da schon losgelegt. Seit Anfang April sind hier inzwischen 5 E-Books erschienen:

TI 18: Vaniyaa und die Shonta

TI 19: TRANCRAN-4462

Reinkarnation und andere phantastische Geschichten

TI 20: Auf Götterpfaden

TI 21: Hinter der Raumzeitwand

Ja, natürlich sind diese E-Books auf Amazon seit 2015 erhältlich. Aber durch die Veröffentlichung auf XinXii, nachdem sie aus dem KDP-Select-Programm bei Amazon herausgenommen wurden, haben sie eine neue Aktualität gewonnen und werden nun etwa auch in den Shops der Tolino-Allianz mit verbreitet.

Apropos Tolino… hier gab mir doch vor ein paar Monaten ein guter Freund den Rat, ich solle mich da mal mit meinen E-Books melden. Das scheint mir aber nicht erforderlich zu sein, da XinXii diese Shops wie Weltbild, Hugendubel, Tha­lia & Co. alle beliefert. Meine Werke sind dort also präsent und werden auch (mäßig) verkauft. In den nächsten Monaten plane ich hier noch deutlich aufzu­holen mit den „Nachdrucken“.

Bei meinen Amazon-E-Books gab es, was Neuerscheinungen angeht, leider recht wenig Bewegung zwischen Mai 2017 und heute. Es erschienen gerade mal diese angekündigten Bände:

Aus den Annalen der Ewigkeit 6,1: „Mein Freund, der Totenkopf“ (Teil 1)

Aus den Annalen der Ewigkeit 6,2: „Mein Freund, der Totenkopf“ (Teil 2)

und TI 29: „Die Nomaden von Twennar“

Was ich noch nicht schaffte, war alles andere, was ich euch gerne gezeigt hätte und woran ich immer noch sitze. Maßgeblich an den folgenden beiden E-Books:

TI 30: „Das Kriegernest“

und

BdC 1: „Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“

Soweit zu den erschienenen E-Books und denen, die relativ dicht vor der Fertig­stellung stehen.

Worin ich unermüdlich weiter gemacht habe – das gebietet mein Arbeitsethos einfach – , das waren natürlich meine Blogartikel. So sind bis heute im Wochen-Blog die Wochenausgaben bis Nr. 269 erschienen (der maximale Arbeitshori­zont liegt aktuell hier bei Blogartikel 288, der erst Anfang September für euch zugänglich sein wird). Beim Rezensions-Blog stieß ich bis Beitrag 161 vor (aktu­elle Arbeitsplanung geht bis Nr. 177, der am 15. August online gehen wird).

Ihr merkt, hier bin ich durchaus schon ganz ordentlich weit vorangeschritten. Aber Blogartikel schreiben sich im Vergleich zu Geschichten auch recht schnell. Da ist keine Personencharakterisierung zu beachten, kein komplexes Storytel­ling, Dialogstruktur oder ähnliches, das ist einfach nur ein munter dahinströ­mender Monolog. Ein wenig wie ein Vortrag.

Während solche Rubriken des Wochen-Blogs wie „Aus den Annalen der Ewig­keit – alt und neu“ oder „Der OSM in Gedichtform“ oder „Legendäre Schauplät­ze“ letzten Endes durchaus begrenzt sind, gibt es natürlich schon Planungen für weitere Artikelreihen, die ich mittelfristig umsetzen möchte. Vielleicht realisiere ich den einen oder anderen Plan bis Mai 2019. Jüngst ventilierte ich für euch ja die Idee von „Völkern des OSM“, aber vor kurzem kam mir noch ein weitaus in­teressanterer Gedanke. Lasst ihn mich mal kurz entwickeln.

Ihr wisst, dass es neben dem Universum 2, in dem die E-Book-Serie „Oki Stan­wer und das Terrorimperium“ spielt, zahlreiche bereit in Episodenform abge­schlossene OSM-Serien gibt. Bis ich diese Serien so überarbeitet habe, dass ich sie euch in E-Book-Form vorlegen kann, werden noch Jahre vergehen, z. T. so viele Jahre, dass mir allein vom Nachdenken darüber schon graue Haare wach­sen… also sann mein Unterbewusstsein nach einer Alternative. Ich glaube, ich habe sie gefunden.

Sie lautet: Serien-Blogs.

Wie soll man sich das jetzt vorstellen, mögt ihr ein wenig ratlos fragen. Nun, ich orientiere mich dabei ein kleines bisschen an Bloggern, die beispielsweise die Perry Rhodan-Serie Band für Band rezensieren. In unserem Fanzine BWA pas­siert das inzwischen sowohl mit der Erstauflage (gelegentlich) als auch mit PR NEO (regelmäßig). Warum also, dachte ich mir, nehme ich mir nicht einfach mal eine abgeschlossene OSM-Episodenserie vor und verfasse dazu Kurzrezensio­nen pro Band? Vielleicht je Blogartikel dann so um die 5 Episoden. Damit könn­tet ihr euch vorab eine Vorstellung machen, wie die Serien sein werden, die in mittlerer Zukunft für das E-Book-Format aufbereitet werden sollen. Und ich könnte euch die Inhalte zumindest schon mal in geraffter Form zugänglich ma­chen.

Da ich mit der E-Book-Publikation von KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ und KONFLIKT 13 „Oki Stanwer Horror“ (hier ist die Veröffentlichung in dem Format „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ geplant) spätestens 2019 loslegen möchte, würde ich mit der obigen Blogartikelreihe mit KONFLIKT 14 „Oki Stan­wer – Feldherr der Cranyaa“ beginnen. Dann folgte nach der Besprechung von Episode 105 der FdC-Serie der KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“, nach dessen Band 91 dann KONFLIKT 16, 17 und 18. Glaubt mir, das gibt eine Menge Material. Und es liefe z. T. parallel mit meinen kommentierten Abschriften.3

Für 2018 ist geplant, mit KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ diesbezüglich fertig zu werden (aktuell sitze ich an der Abschrift von Band 105, und die Serie hat nur 114 Episoden, das Ende ist also definitiv in Sicht). Dann möchte ich mich, wie vor ein paar Monaten schon angedeutet, ver­stärkt um KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ kümmern und um die Fortschreibung der TI-Serie.

Ebenfalls noch bis Februar 2019 wird der Abdruck des OSM-Romans „Die To­tenköpfe 1: Die Alte Armee“ andauern. Wer von euch regelmäßiger Leser des Fanzines „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) ist, ist natürlich im Vorteil.

Kommen wir zum Punkt der Lesungen. Eine habe ich auf dem RZC IV gehalten (siehe oben), eine weitere im Restaurant Lord Helmchen in Braunschweig habe ich jüngst mit dem Besitzer angesprochen. Er war diesem Gedanken nicht abge­neigt. Vielleicht wird das im Sommer 2018 schon etwas, vielleicht auch erst im Herbst. Die im letzten Maiblog angedeutete Lesung im Kulturpunkt West wurde terminlich überraschend ins Jahr 2019 vertagt.

Was gab es in den zurückliegenden zwölf Monaten an neuen OSM-Abenteuern, die ich fertig stellen konnte? So einige. Mehrheitlich habe ich mich auch jetzt um die kommentierten Rettungsabschriften alter Episoden gekümmert, natür­lich, aber nicht ausschließlich. Während mein Elan an der E-Book-Front etwas erlahmte, konnte ich mit „Die Sternengeborene“ eine sehr kurze Geschichte aus dem Vorfeld des KONFLIKTS 12 abschließen. Und im Februar 2018 gelang es, den langen und seit vielen Jahren in Arbeit befindlichen Roman „Eine scharf geschliffene Waffe“ (immerhin fast 500 Seiten lang) abzuschließen und die Handlung in den Folgeroman „Licht und Schatten auf Dawson“ überzuleiten.

Aktuell hat der Abschluss der kommentierten Serienabschrift von KONFLIKT 18 Priorität, aber sobald das gelungen ist, steht die finale Arbeit an KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ an, die inzwischen bis zum Schluss titelmäßig durchgeplant ist. Und natürlich die Fertigstellung weiterer E-Books.

Ich möchte im Laufe des kommenden Jahres gern sowohl an der TI-Serie nach Möglichkeit bis Band 35 vorankommen als auch die ersten beiden oder sogar drei Bände der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC) fertigstellen. Ich habe nicht umsonst schon die Titelbilder bis Band 4 fertig montiert hier vor­liegen. Ich möchte allerdings erst mal die KGTDUS-Baustelle hinter mir lassen, die mich temporal doch sehr beansprucht.

Alles in allem sieht die Lage gar nicht so schlecht aus – gewiss, was meine Be­schäftigung und damit den mittelfristigen Finanzhorizont meines Lebens an­geht, ist es nicht so rosig. Aber was die freie Zeiteinteilung für die kreative Ar­beit angeht, so könnte ich mir kaum etwas Besseres wünschen als das, was ich gegenwärtig durchmache. Sobald der Drang, primär zu lesen endlich abebbt, kann ich auch tatsächlich wieder mit verstärkter Kraft dazu übergehen, Ge­schichten zu schreiben und nicht nur zu konsumieren und diese zu rezensieren, wie ich es gegenwärtig meist tue.

Selbstverständlich entstehen parallel zu all diesen oben angesprochenen Wer­ken auch weiterhin Blogartikel (allein heute drei, mit diesem hier), und ich habe das Gefühl, dass ich mich alsbald auch ein paar alten Fragmenten zuwenden werde, die so vor sich hindümpeln und aktuell in der Warteschleife hängen. Das ist kein Dauerzustand, ihr werdet es noch erleben.

Bis dahin bin ich allerdings überwiegend über die Blogartikel präsent und meine dortigen Planungen. Ich hoffe, ihr habt noch ein wenig Geduld mit mir und bleibt mir lesend gewogen.

Danke dafür, meine Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Nachtrag vom 24. April 2018: Inzwischen ist der eingangs referierte Stand etwas veraltet. Das hatte mit zwei Faktoren zu tun, die ich mit dem Verantwortlichen des TCE klären konnte, als wir uns auf dem Convention „Raum & Zeit Continuum IV“ in Braunschweig vom 13.-15. April d. J. Mal wieder persönlich sahen. Das „ma­jor problem“ bestand nämlich darin, dass die von mir gelieferten fünf Geschichten deutlich zu umfangreich für einen Storyband waren. Nun hätte jeder zunächst die Idee gehabt, die ich auch hatte: dann nehmen wir einfach eine raus, aber weniger als vier sollten es nach Möglichkeit nicht werden… nun, es gab aber auch ei­nen Plan B, und nach dem sind wir verfahren: die Storysammlung wird nun einfach geteilt. Ich habe noch eine sechste, unveröffentlichte erotisch-phantastische Geschichte ausgegraben, „Everstons Traum“ (2016), und so sieht der aktuelle Plan ZWEI Storysammlungen vor, eine für Winter 2018, eine für 2019.

2 Nachtrag vom 24. April 2018: Diese Vorbereitungen und Durchführungen kosteten mich deutlich mehr Zeit und Energie, als ich ursprünglich angenommen hatte. Aber in der Quintessenz hat sich das dann doch ge­lohnt. Aktuell erscheint der von mir verfasste Conbericht zu dem Event in verschiedenen Fanzines, z. T. In ge­kürzter Fassung. Für 2020 ist ein neuer Con geplant, „Raum & Zeit Continuum V“, dessen Motto noch nicht feststeht. Dass ich auch hier zum Orga-Team gehöre und ich Programmpunkte selbst gestalten werde, kann als sicher gelten.

3 Nachtrag vom 29. April 2018: Tja, und ich habe schon Nägel mit Köpfen gemacht. Der erste solche Blogarti­kel ist heute verfasst worden. Der konkrete Titel lautet: „Close Up: Der OSM im Detail“. Wie das konkret aus­sieht, werdet ihr dann im November 2018 erfahren. Es hat jedenfalls eine Menge Spaß gemacht, das zu schreiben.

Liebe Freunde des OSM,

der Januar eines jeden Jahres ist für mich ein bisschen wie das Rebooten einer Festplatte beim Computer – der Neustart, der Beginn bei 0, ohne dass man wirklich bei 0 anfängt … schwer zu beschreiben. Kreativ gesehen ist das stets eine Art von Neubeginn, und dann schiebe ich üblicherweise die Sorgen des vergangenen Jahres beiseite und konzentriere mich darauf, nach einer Phase der Erholung meine Energie auf aktuelle Projekte zu fokussieren.

Nun, diesen Januar lief das irgendwie nicht so wie geplant. Vielleicht ist das auch eine Frage des biologischen Alters, jedenfalls fiel mir der Neustart dieses Jahr deutlich schwerer als sonst. Der Dezember war unerwartet überschattet worden von einem Todesfall und einem schweren Unfall, und mit etwas Verzö­gerung stand ich dann gegen Mitte Januar völlig neben mir.

Ich zog, nicht nur sinnbildlich, den Stecker, und ging tagelang völlig offline. Kein Telefon, kein Internet, nur gelegentlich aufflackernde Zeitfenster öffneten sich, damit ich meine Verpflichtungen für die Blogartikel und für mein Redaktions­amt als Chefredakteur des Fanzines Baden-Württemberg Aktuell (BWA) des Science Fiction-Clubs Baden-Württemberg (SFCBW) wahrnehmen konnte. An­sonsten versank ich in einer Art Raumzeitblase, die ich mehrheitlich mit Musik und Lesen füllte. Ich hatte absolut kein Interesse daran, irgendwen zu treffen und war selbst für meine Freunde kaum erreichbar.

Nun, Anfang Februar, ebbt dieser massive Abschottungsdrang allmählich ab, und die Dinge normalisieren sich wieder. Gut so.

Dass ich mich vollständig auch kreativ zurückgezogen hätte, kann man dagegen glücklicherweise nicht sagen – ich habe schon einiges geschafft in diesem Mo­nat, auch wenn kaum OSM-Werke darunter waren. Mehrheitlich arbeitete ich Projektideen und Fragmente auf, die ich im Laufe dieses Jahres anderweitig ver­öffentlichen werde. Da sie nicht in die Themenfelder Oki Stanwer Mythos oder Archipel fallen, seien sie hier kurz zumindest genannt:

Ich formatierte die Story „Erster Bericht über Alcengia II“ neu, weil das eine zwingende Voraussetzung für mein zweites Storyprojekt war, „Die Kugel-Invasi­on“, die ich am 15. Januar fertigstellte. Beide Geschichten werden im Magazin PARADISE des Terranischen Clubs Eden (TCE) erscheinen und sind es vermutlich schon, sobald dieser Blogartikel online geht.

Da ich darum gebeten wurde, einen verknüpfenden „Making of“-Beitrag zur zweiten Geschichte zu verfassen, entstand der Beitrag „Alles kann die Kreativi­tät befeuern … – Das Making Of von ‚Die Kugel-Invasion’“. Außerdem kam ich endlich dazu, eine gescheite Abschrift der Story „Edgars Sorgen“ zu leisten, was ich schon seit Jahren tun wollte.

Am 24. Januar stellte ich zudem die nächste Geschichte für das Storysamm­lungsprojekt für Mitte des Jahres 2018 fertig, „Das Portrait einer Lady“, und kurz vor Monatsende folgte dann noch die Abschrift und kommentierte Ab­schrift der 1988er-Story „Sun Circle“.

Also, allein von den solcherart beendeten Werken konnte sich der Monat schon mal durchaus sehen lassen. Aber das war glücklicherweise nicht alles, sondern es gab auch dies noch:

Blogartikel 264: Work in Progress, Part 61

(Glossar der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“)

(OSM-Wiki)

12Neu 43: Hüterin des Schwarzen Juwels

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“)

18Neu 97: Entdeckung am Rande des Wahnsinns

18Neu 98: Die Allianz des Lichts

(18Neu 99: Vorstoß nach TOTAM)

(Der Heiler – OSM-Story)

(Rilaans Geschichte – OSM-Story)

Blogartikel 262: Legendäre Schauplätze 7: Garos

(18Neu 100: Das Zeitalter der SIEBEN SIEGEL)

(IR 31: Die Sturmfestung)

Blogartikel 274: Legendäre Schauplätze 8: Hun’arc

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“)

(Eine scharf geschliffene Waffe – OSM-Roman)

(Wandlungen – Archipel-Story)

Erst damit war der Monat dann tatsächlich abgelaufen – inklusive Arbeitssuche, Bewerbungen, Arbeitsamtterminen, SF-Stammtisch, Treffen mit dem Verein KreativRegion, immer noch viel Korrespondenz, nicht zuletzt mit dem Förder­verein Phantastika Raum & Zeit e.V.

Zusammen mit den Rezensionen und Rezensions-Blogartikeln, die auch noch entstanden sind, kam ich dann auf 24 fertige Werke für Januar 2018, womit ich annähernd das Level des Vorjahres hielt. Ich hoffe zuversichtlich, dass ich im Fe­bruar, jetzt, wo mein Kopf wieder einigermaßen klarer ist als zuvor, doch erheb­lich bessere Karten dabei habe, meine wichtigen Langzeitprojekte abzuschlie­ßen. Heute ist beispielsweise noch eine Bewerbung dran, dann jede Menge sta­tistische Arbeit, abends der SF-Stammtisch, der aller Wahrscheinlichkeit nach die Planungstätigkeit für den Con Raum & Zeit Continuum IV (RZC IV) am 13.-15. April 2018 erheblich voranbringen wird.

Mit einem E-Book-Text hat es leider noch nicht geklappt, dafür war ich zu sehr neben der Spur, aber das soll sich im Februar ändern, damit ihr nicht mehr lan­ge auf das nächste Werk zu warten habt. Ich bin zuversichtlich, dass bis zum Er­scheinen dieses Blogartikels vielleicht schon zwei neue E-Books auf dem Markt sein werden.

In der kommenden Woche machen wir einen Besuch an einem unheimlichen Ort, den ich in den 90er Jahren MONOLITH genannt habe – eine wahre Höllen­welt des KONFLIKTS 16 des OSM. Ihr werdet schon sehen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 161: Die Mars-Chroniken

Posted April 25th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wer meinem Blog schon länger gefolgt ist und sich Woche für Woche Bücher empfehlen lässt, die ich mal mehr, mal etwas kritischer empfehle, der weiß, dass ich mich mit solchen Termini wie „Helden“ oder „Klassiker“ schwer tue. Es gibt fraglos solche Dinge, das zu bestreiten wäre töricht. Aber ich setze doch solche Bezeichnungen nur sehr sparsam ein, weil das der Realität entspricht: derlei Dinge sind selten, und sie inflationär zu benutzen, wie es etwa leichtsin­nige Journalisten aus Gründen der Popularisierung tun, hieße, sie letzten Endes zu entwerten.

Nein, da sind mir kritische, vorsichtige Worte doch sehr viel lieber. Sie erzeugen keine übertriebenen Erwartungen, schüren keine Hoffnungen, die die Lektüre der besprochenen Bücher dann nicht zu halten vermag.

Nun, das gilt für die Majorität der von mir vorgestellten Werke, zugegeben. Mit dem Buch, das ich euch heute wärmstens ans Herz legen möchte, ist das ein wenig anders. Es wird „Klassiker der Science Fiction“ genannt, und ich bin mehr als geneigt, nachdem ich es selbst endlich gelesen habe, dieser Einschätzung voll und ganz zuzustimmen.

Sehr gute Bücher, die es wert sind, Klassiker genannt zu werden, sind in allen Li­teratursparten rar, aber das folgende, das uns auf einen exotisch-fremdartigen Planeten Mars eines offenkundigen Paralleluniversums mit einer alternativen Zeitlinie entführt, gehört zweifelsohne dazu. Wer das Staunen auch in hohem Alter nicht verlernt hat und bislang an diesem Buch ahnungslos vorbeigegangen sein sollte, der lese unbedingt weiter. Und wer es kennt und schätzt, wird viel­leicht auch bereit sein, meinen faszinierten Ausführungen zuzustimmen.

Vorhang auf für:

Die Mars-Chroniken

(OT: The Martian Chronicles)

Von Ray Bradbury

Heyne 3410, München 1974

(ursprünglich entstanden 1946-58)

240 Seiten, TB

Aus dem Amerikanischen von Wolfgang Jeschke

ISBN 3-453-3280-X

Es ist der Januar des Jahres 1999 – Raketensommer. Die Menschen schauen gen Himmel und sehen den Feuerschweif eines Sternenschiffs, das zum Himmel auf­steigt. Es geht zur nächsten Grenze, hinauf zum roten Planeten Mars! Aufbruch der Menschheit!

So wenigstens beginnt Ray Bradburys legendärer Episodenroman „Die Mars-Chroniken“, der wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und dem nuklearen Inferno von Hiroshima und Nagasaki, inmitten der beginnenden Wirren des Kal­ten Krieges, eine Vision der Zukunft ausmalt und uns den nächsten Sonnensystem-Planeten Mars als Sehnsuchtsziel und Auswanderungsort imaginiert. Und ja, man muss von Imaginieren sprechen, denn mit dem realen Mars hat die Welt, die uns Ray Bradbury in diesem Werk vorstellt, nicht allzu viel gemein – seid darum nicht enttäuscht, liebe Naturwissenschaftler und Astronomen und versierten Laien, die ihr euch an die Bildaufzeichnungen von „Opportunity“ aus den staubigen, eisigen roten Marswüsten gewöhnt habt.

Lasst euch von Ray Bradburys Mars singen, einer Fabelwelt voller Überraschungen, Tragik und Melancholie, wie er sie sich vor über sechzig Jahren erträumte und mit Leben füllte.

Der Mars ist bei Bradbury eine alte Welt. Alt und weise – Heimstatt einer sanft­mütigen Alienspezies, die uns physisch sehr ähnlich ist und doch völlig anders. Eine Welt erschließt sich hier, voller fremdartiger, prächtiger Städte, aufgereiht wie Perlen auf einer Kette entlang der alten Marskanäle, und ihr Alter zählt nach Jahrtausenden. Kunst und Literatur stehen in hoher Blüte, niedergeschrie­ben auf Büchern mit metallenen Seiten, vorgetragen in Theaterstücken unter dem nächtlichen Sternenhimmel, an dem ein funkelnder, naher Stern steht, bläulich schillernd – die Erde.

Natürlich, vom Mars aus sieht die Welt anders aus, aber ich betonte schon, dies ist nicht unser Mars. Hier ist die Erde dem Mars physisch und ideell sehr nahe, was ja auch die Flugzeit zum Mars so sehr verkürzt, dass die erste Marsexpediti­on schon im Februar 1999 dort landet… vorhergesehen von einer Marsianerin namens Ylla, die zugleich auch das Verhängnis für diese Reisenden darstellt. Die erste Expedition scheitert.

Im August 1999 landet die zweite Expedition, personell größer als die erste. Sie kommen tatsächlich in Kontakt mit den Marsianern und wollen eigentlich nur freundlich begrüßt werden… stattdessen hält man sie für Halluzinationen und bereitet ihnen ein grässliches Ende.

Offensichtlich sind beide Seiten nicht bereit für einen Erstkontakt. Doch der hat leider schon längst stattgefunden, wie nach dem Scheitern auch der dritten Ex­pedition im April 2000 schließlich die nächste Gruppe von Reisenden im Juni 2001 entdecken muss – durch Mikroorganismen nämlich, die die schutzlosen Marsianer in Massen dahinrafft. Eine Parallele zu H. G. Wells´ „Krieg der Wel­ten“ ist nicht zu leugnen, selbst wenn diese Marsianer nicht wirklich feindselig sind, sondern allein zu ihrem Selbstschutz die frühen Expeditionsgruppen aus­löschten.

Im Sommer 2001 beginnt dann die erste Kolonisationswelle aus den Tiefen des Weltraums. Die nahezu ausschließlich amerikanischen Siedler – auf den ande­ren Kontinenten der Erde toben bereits erbitterte Kriege, über deren Natur sich Bradbury ausschweigt, wir können uns hier aber durchaus Rohstoffkriege vor­stellen – finden eine stille Welt vor, voll von rätselhaften, leeren Städten, staubi­ger Pracht und voller verwitterter marsianischer Leichen, die sie erst einmal entsorgen müssen, ehe sie hier heimisch werden (hier streift uns der unheimli­che Hauch des Holocaust, und fraglos nicht zufällig!).

Doch werden sie heimisch? Auf einer Welt wie dieser? Wieso nicht, fragt sich Benjamin Driscoll, der von der Vision besessen ist, den kargen Mars ergrünen zu lassen, auf dass er mehr Sauerstoff zum Atmen bekommt. Und tatsächlich ge­lingt ihm dieses Zauberkunststück buchstäblich über Nacht… naturwissen­schaftlich absurd, freilich, und auch die sehr fruchtbaren Böden des Mars, ihre wundertätige Wachstumskraft und die konstanten Regenfälle widersprechen unserem Bild des Mars fundamental.

Doch noch einmal: dies ist nicht unser Mars, es ist der Mars, den sich Bradbury in den späten 40er Jahren und frühen 50er Jahren in seinen Geschichten er­träumte und später durch weitere Verbindungsstücke und eine nachträgliche Datierung der einzelnen Erzählungen zu einem Roman in Erzählungen zu­sammenfügte.

Die menschliche Besiedelung des Mars stellt indes nur eine temporäre Angele­genheit dar – denn als auf der Erde ein Nuklearkrieg ausbricht und „jedermann gebraucht wird“ (bei einem Nuklearkrieg eher eine fragwürdige Reaktion, aber Bradbury braucht einen Grund für seine Handlungsweise), setzt eine Remigrati­onswelle der Kolonisten ein. Am Ende sind die von den Erdenmenschen zu­sammengezimmerten Frontiersiedlungen ähnlich verlassen wie diejenigen der ausgestorbenen, sanftmütigen und paramental begabten Marsianer… abgese­hen von einigen Individuen, die aus unterschiedlichsten Gründen den Mars als Siedlungsgrund vorgezogen haben…

Die Mars-Chroniken“ ist ein phantastisches Leseabenteuer für Menschen, die Ray Bradbury schätzen und die gern naturwissenschaftlich den Boden unter den Füßen verlieren wollen. Für jene Leser, die der reale Mars enttäuscht und die sich lieber an Edgar Rice Burroughs und ähnliche Autoren des Pulp-Zeital­ters halten, ist Bradburys vorliegendes Werk ganz die rechte Kost. Natürlich mag man sagen, es sei albern, sich vorzustellen, dass von der Erde zum Mars ganze Raumschiffsladungen Bauholz zu den Sternen geflogen werden (redet mal mit den Leuten der NASA über die Nutzlastkosten! Da könnte man die Ge­bäude auf dem Mars auch gleich aus Diamant bauen!). Man mag sich über die fruchtbaren Böden des Mars amüsieren oder über die heißen Sommertage, die es dort effektiv nicht gibt. Dass es Marskanäle und reichlich Wasser gibt, das in Brunnen sprudelt, selbst als die Marsianer längst ausgestorben sind… nette Vi­sionen ohne Realitätsgehalt. Aber darum geht es nicht wirklich. Das sind Ober­flächlichkeiten.

Es geht um die tieferen Aussagen in diesem Buch. Darum etwa, dass Bradbury mit dem stillen Genozid an den Marsianern unverhohlen an die Quasi-Ausrot­tung der nordamerikanischen Indianer durch die Siedler erinnert und beides für unrecht erklärt. Darum beispielsweise, dass er die kulturelle Barbarei der Erd­siedler dem hohen Kulturniveau der Alteingesessenen gegenüberstellt und traurig demonstriert, wie rücksichtslos und instinktlos doch die rohen „Barba­ren“ von der Erde sind, wie sie gleich Elefanten im Porzellanladen unsensibel ih­ren eigenen Lifestyle durchsetzen wollen. Würstchenbuden. Hölzerne Frontier-Städte. Lautes Marodieren durch die leeren Marsianerstädte… peinlich, um das Wenigste zu sagen.

So, sagt der Autor, so tretet ihr draußen in Erscheinung, ihr, die feinen amerika­nischen Gutmenschen. Und damit meint er eigentlich nicht den Mars, sondern er spiegelt das durchaus auf die reale Welt der 50er Jahre… mit Recht, wie ich finde. Zugleich verschweigt er nicht, dass im Innern das Denken stehenge­blieben ist, nämlich etwa im Süden der USA im Zeitalter des Rassismus („Juni 2003: Mit dem Kopf in den Wolken“).

Und was bleibt am Ende, wenn die marsianische Kultur, die Jahrtausende über­dauerte, in Rekordzeit ausgelöscht worden ist? Staubige Ruinen auf dem Mars… ja. Aber wie sieht es auf der Erde aus? Da lehrt er uns das Grauen in einer der letzten Geschichten: „August 2026: Es werden kommen leise Regen“… mit ei­nem automatischen Luxushaus inmitten einer radioaktiv verseuchten Schutt­wüste, die einstmals die Stadt Allendale, Kalifornien, war.

Seht, sagt Bradbury, der Mensch ist nicht nur außerstande, das Fremde zu ak­zeptieren und mit dem Fremden und den Fremden zusammen eine Koexistenz einzugehen, sondern er ist so egozentrisch und destruktiv, dass er zugleich in seiner Dummheit alles auslöscht, was das Leben lebenswert macht, sich selbst eingeschlossen. Und so bleibt am Schluss wirklich nur, wie in der Bibel, der Neu­anfang in kleinstem Kreise.

Die Mars-Chroniken“ ist ungeachtet seines Alters ein äußerst nachdenkliches, über weite Strecken hin melancholisches Buch, das tiefe philosophische Gedan­ken und Reflexionen enthält. Wer genau liest, findet hier übrigens auch den Ge­schichtenkeim von Bradburys 1953 veröffentlichtem Roman „Fahrenheit 451“ schon angelegt. Und wer bereit ist, über die naiven naturwissenschaftlichen Prämissen hinwegzugehen, die der Prüfung durch die Fakten der Gegenwart nicht standhalten können, wird in „Die Mars-Chroniken“ zudem einen magi­schen Roman vorfinden, der mit Recht als Klassiker der Science Fiction gilt.

Schade, dass es mehr als 25 Jahre dauerte, bis ich ihn zur Hand nahm… und dann in fünf Tagen buchstäblich verschlang, weil er mich so fesselte. Kann man etwas Schöneres über ein altes Buch sagen?

Wenn ihr es nicht kennt – sucht danach und lest es. Es lohnt sich!

© 2016 by Uwe Lammers

Schwärmerisch, gell? Fürwahr, das ist diese Rezension, die noch nicht mal zwei Jahre alt ist… aber ich versichere euch, dieses Buch ist ungeachtet seines Alters diese Schwärmereien mehr als wert. Eine echte Perle der Science Fiction, die leider viel zu dünn ausfällt (gute Bücher sind wirklich IMMER zu kurz! Sniff!) und deshalb viel zu schnell vorbei ist.

Da hilft es wohl nur, das nächste Buch aus dem Regal zu ziehen. Was haben wir denn da vor uns…? Eine weitere Reise, und sie führt uns am kommenden Mitt­woch auf die Weltausstellung von 1939. Aber Vorsicht, es ist eine Kost mit Pro­blemen.

Neugierig geworden? Dann schaut wieder rein, Freunde.

Bis nächsten Mittwoch.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 268: Logbuch des Autors 24 – Bücherrausch

Posted April 22nd, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ach, wenn ihr doch nur sehen könntet, wie gegenwärtig meine Wohnung aus­schaut! Ihr würdet euch vermutlich ganz unweigerlich fragen, ob dies eine Art wüster Bücherflohmarkt sein soll, ein Räumungsunternehmen oder etwas in der Art… aber weit gefehlt. Es ist ein Projekt, das ich seit langer Zeit in Angriff hätte nehmen sollen, das sich aber nun beim allerbesten Willen nicht mehr auf­schieben ließ. Ich weiß, jetzt – aktuell schreiben wir den 17. Dezember 2017 – ist der Zeitpunkt dafür denkbar ungünstig, weil es noch jede Menge anderes zu tun gibt… doch gibt es manchmal Dinge, die man tun MUSS, weil man ihnen wirklich nicht mehr ausweichen kann. Das hier ist so etwas.

Zunächst einen kurzen Blick auf den aktuellen Zustand, dann komme ich zur Er­läuterung dessen, was hier eigentlich vor sich geht.

Wer heutzutage in meine Wohnung träte, würde gleich im Flur mit mehreren fast hüfthohen Stapeln Bücher konfrontiert werden, die von „Jean Ray: Das Storchenhaus“ bis „OMGUS: Ermittlungen gegen die I. G. Farben“ reichen (so die obersten Titel des ersten und des letzten Stapels.

Ein Blick nach links in die Küche offenbarte ein Dutzend weiterer Bücherstapel, die dort meinen Küchentisch so füllen, dass ich mein Frühstück, nähme ich es in der Küche ein, im Zentrum eines Büchergebirges einnehmen würde. Alle Bücher dort wurden von Verfassern oder Herausgebern verfasst, die mit Buchstaben B anfangen. Auf dem Boden befinden sich außerdem noch Bücherstapel für Ray Bradbury, Peter Berling und andere B-Autoren.

Ein weiterer Blick eine Zimmertür weiter den schmalen, von Bücherregalen zu­gestellten Korridor hinunter (diese Bücherregale bestechen auch weiterhin durch akkurate, unberührte Ordnung, ich erkläre gleich, weshalb), würde in mein Arbeitszimmer führen, das auf den ersten Blick aufgeräumt wirkt. Dann fiele aber bei einem Blick links zum Bücherschrank zwischen den CD-Regalen auf, dass die oberste Ebene rappelvoll ist mit Büchern, bei denen Autoren wie Charles Sheffield, Rupert Sheldrake und Brian Stableford auffallen. Die drei Schrankfächer darunter sind fast leer bis auf weitere unorganisierte Büchersta­pel. Dasselbe Bild bieten auch zwei weitere Regalfächer gegenüber der Tür.

So kennt man mich gar nicht? Wahr. Aber das ist ja noch nicht alles.

Wer meine Wohnung kennt, dem ist klar, dass es natürlich noch zwei Räume mit Büchern gibt, das prominenteste ist mein Bibliothekszimmer hinter der Glastür am Korridorende. Inzwischen ist es fast unbetretbar, so viele Büchersta­pel reihen sich hier am Boden links und rechts aneinander. Will ich an die hinte­ren Bücherregale, wo die Majorität meiner ungelesenen historisch-philosophi­schen Bücher steht, so muss ich mich nun mühsam zwischen den Bücherstapeln hindurchschlängeln. Schweißtreibend, wenn man dabei hohe Bücherstapel zu balancieren hat… und in den letzten Tagen habe ich auch schon mit ungeschick­ten Fußbewegungen den einen oder anderen Stapel zum Einsturz und mich zum verhaltenen Fluchen gebracht.

Ach ja, man muss erst durch das Tal des Chaos gehen, ehe sich Ordnung ab­zeichnet, fürwahr… mir war klar, dass das eine echte Knochenarbeit ist. Auf der anderen Seite ist sie absolut unverzichtbar.

Okay, ihr seht also, ich lebe derzeit in einem echten Sturm von Büchern, die je­des Antiquariat vermutlich gern sehen würde – aber das ist kein Versuch der Buchaussonderung (na ja, obwohl… eine Dublette gefunden habe ich schon, und ein Ziel dieser Aktion ist definitiv durchaus eine Verringerung des Buchbe­standes, aber das ist nur so ein Nebeneffekt des Ganzen). Nein, das ist es also definitiv nicht. Was hingegen die Frage nach dem Warum nur umso verstärkter stellt.

Warum also verwandele ich meine Wohnung in einen Büchersumpf? Bin ich Masochist, der gern wissen möchte, wie viele zehntausend Seiten ich noch an ungelesenem Lesestoff vor mir habe? Nein, gewiss nicht. Ich bin mir darüber vollkommen im Klaren, ohne die Regale ausräumen zu müssen. Das hat einen ganz anderen Grund. Um den aber transparent zu machen, ist es erforderlich, dass ihr ein wenig von meiner systematischen Organisation der eigenen Bücher­bestände erfahrt. Bis zum 22. April 2018, wenn dieser Artikel planmäßig er­scheinen soll, wird das Chaos längst behoben sein und eine völlig neue Ordnung eingekehrt sein. Das ist das letztendliche Ziel.

Die bisherige Bücheraufstellordnung ist eine dreigeteilte. Ich unterscheide mei­ne Bücher einmal nach a) historisch-philosophischen Werken (inklusive histori­sche Romane und Zeitreisegeschichten), b) sonstiger Belletristik und Sachbü­chern, und dann gibt es noch c) den Bestand der schon gelesenen Bücher.

Sinnvollerweise sollte man annehmen, dass alle Bestände gleich organisiert sind. Das ist bislang leider nicht restlos der Fall, und deshalb ist dieser Organi­sationstornado, den ich derzeit durchmache, unumgänglich gewesen. Ich habe mich jahrelang dagegen gesträubt, aus reinen Bequemlichkeitsgründen. Die Be­stände a) und c) sind klar von A-Z durchorganisiert, wie man das ja erwarten würde. Der Bestand b) ist das prinzipiell auch, aber er hat eben auch ein Annui­tätsprinzip. Will heißen: die noch nicht gelesenen belletristischen Werke stelle ich der Reihe nach jahrgangsweise auf. Innerhalb der Jahrgänge sind die Bücher alphabetisch geordnet. Es ist also nicht so, dass ich grundsätzlich eine andere Struktur darin hätte… ich sah nur davon ab, alle belletristischen Werke unge­achtet der Jahre in eine Reihung aufzunehmen.

Warum tat ich das? Weil mir natürlich der Nachteil der anderen beiden Bestän­de stets vor Augen stand: wenn ich Neuzugänge habe, muss ich den gesamten Bestand rücken – beispielsweise, wenn ich Bücher von Stephen Baxter oder Iain Banks oder so finde oder geschenkt bekomme.

Dann alles noch mal neu rücken? Bin ich verrückt?, dachte ich. Nee… das ist viel bequemer, die Bücher dann jahrgangsweise zu organisieren und sie anschlie­ßend innerhalb der Jahrgänge zu alphabetisieren…

Das stimmte prinzipiell auch. Theoretisch hätte ich auch eine Signatur vergeben und die alphabetische Struktur ganz außen vor lassen können (wie es in den meisten Bibliotheken geschieht, wo es allerdings in der Regel um völlig andere Buchzahlen in Größenordnungen von Hunderttausenden bis Millionen Werken geht). Aber das war mir dann doch des Aufwandes zuviel. Bei mir handelt es sich ja „nur“ um rund dreitausend Werke.

Tja. „Nur“ ist gut gesagt. Habt ihr mal dreitausend Bücher auf einem Haufen ge­sehen? Nur soviel: es ist ein höchst imposanter, einschüchternder Eindruck.

Mein aktueller Plan, der dem „wohlorganisierten Chaos“ zugrunde liegt, ist also folgender: Ich verschmelze die Bestände a) und b) miteinander. Da Bestand c) ja schon alphabetisch organisiert ist und ich nicht vorhabe, ungelesene und gele­sene Werke miteinander zu vermischen, gibt es Bereiche der Wohnung, die vom Neuordnungswahn (lach) verschont bleiben. Dazu zählt, ich deutete das oben an, der gesamte Korridor mit seinen vier Regalen, das erste rechte Regal im Bibliothekszimmer und einige Bereiche des dritten Raumes, des Wäsche­zimmers. Und nein, in dem Raum gibt es derzeit zwar leere Regalfächer und einen leeren Schrank, aber keine Bücherstapel. Ich baue ja nicht alles zu…

Um jedenfalls erst mal eine Grundordnung zu erhalten, war es notwendig, das Regal im Bibliothekszimmer ganz links an der Fensterfront befindet, auszuräu­men. Das hatte ich schon länger vor. Dort stehen die jahrgangsweise alphabe­tischen Bücher der Jahre 1998 bis 2002, jedenfalls war das so etwa der Hori­zont. Sie waren nahezu unzugänglich.

Weshalb das?

Das hat mit dem Erbe meiner verstorbenen Mutter zu tun: ich erbte auch einen erheblichen Teil meiner elterlichen historischen Buchbestände, und sie stapel­ten sich anderthalb Jahre lang direkt vor dem Regal auf dem Fußboden. Das war, fand ich, auf Dauer wirklich kein Zustand – und damit fing dann die Um­strukturierungsgeschichte eigentlich an. Um sie in das eben genannte Regal einzufügen, musste ich natürlich die dort stehenden Bücher entfernen.

Dann kann ich doch auch gleich die Umsortierung in Angriff nehmen“, dachte ich. „Sonst habe ich hier einen Haufen Bücher am Boden rumstehen, und die Si­tuation hat nur das Gesicht gewechselt, aber nicht die Struktur.“

Gesagt, getan… und der Bücherrausch fing an. Das ist so ein wenig wie ein Do­minospiel, bei dem man die Steine aufstellt und dann aus Versehen gegenein­ander stößt. Fällt einer, fallen sie – richtig aufgestellt – fast unvermeidlich alle. Auch hier zog eine Handlung die nächste nach sich, und das Resultat habe ich eingangs geschildert.

Aktuell habe ich mich durch die Buchbestände des Buchstabens A gearbeitet und die Bücher bis Bea aufgestellt. Ich glaube, Greg Bear war so ziemlich der letzte Autor dieses Blogs. In der Küche stehen jetzt die restlichen Stapel des Buchstabens B, einfach ziemlich unglaublich viele. Bin froh, wenn ich bei C an­komme, das sind dann deutlich weniger. Bei B habe ich halt solche Leute wie Ja­mes Graham Ballard, Iain Banks, Ray Bradbury, Stephen Baxter usw., die viele Werke ungelesener Natur beisteuern. Buchstabengruppen wie C, E oder J sind vergleichsweise überschaubar (jedenfalls noch: ich habe noch nicht alle Jahrgangsbestände der Gruppe b) auseinander sortiert.

Warum, mögt ihr euch jetzt vielleicht fragen, gehört diese Erörterung unter „Logbuch des Autors“, wo das doch mit dem Schreiben nichts zu tun hat? Das will ich euch gern verraten. Dieser Gedanke ist nämlich ein Irrtum, wenn auch ein verständlicher.

Zum einen BIN ich gerade am Schreiben, und zwar aus aktuellem Anlass – was ich in dieser Rubrik halt immer tun wollte und mache. Insofern ist diese Erörte­rung hier sehr wohl am Platz. Zweitens aber wollte ich euch damit zeigen, was mich aktuell vom Schreiben wirkungsvoll abhält – es gibt eben Notwendigkei­ten, die mich dann so vollkommen beanspruchen, dass ich fürs Schreiben an sich keinen Raum und keine Kapazitäten mehr habe. Ich kann zwar schlecht ver­mitteln, was für einen verführerischen Reiz es hat, statt an der Tastatur zu sitzen, an die Regale und Schränke zu gehen und die ungelesenen Bücher her­auszuholen, um sie auf die entsprechenden Buchstabenstapel zu sortieren… aber vertraut mir, Freunde, das ist eine Verlockung, die mich heute Nacht im­mer wieder umgetrieben hat, bis nach 1 Uhr nachts.

Schlimm. Fehlt nur noch, dass ich von Bücherstapeln träume (heute früh hatte ich im Halbschlaf so das dumpfe Gefühl, das täte ich… aber als ich dann richtig erwacht war, hatte sich der Gedanke verflüchtigt, wie das leider meist so ist). Das würde echt passen.

So kann’s also kommen. Man ahnt nix Böses, und auf einmal steht man inmit­ten eines ausgewachsenen Büchertornados, der mich zum Teil mit Werken kon­frontiert, die ich seit Jahren nicht mehr in den Händen hatte. Das ist toll. Und auf der anderen Seite entdecke ich Werke, die ich vor 15 oder mehr Jahren ge­kauft oder anderweitig erworben habe, wäge sie in der Hand und überlege: „Muss ich wirklich irgendwann mal ein Buch über Druiden lesen? Oder über die Deutschordensritter? Was ist mit diesen Romanen über den Zweiten Weltkrieg? Werde ich die jemals durchschmökern?“

Ihr merkt, es gibt da einiges an Potenzial, das meine Denkfähigkeit durchaus be­ansprucht. Es ist nicht nur stumpfsinniges Rausholen der Bücher, alphabe­tisches Zusammensortieren und wieder wegstellen… das erfordert durchaus ei­niges an Grips. Denn die Bücher, die ich so aus dem Bestand entferne, werden natürlich auch in meinen Bücherlisten und in der Buchkartei ausgetragen werden müssen, damit mir nicht solche dämlichen Dinge passieren wie ich sie jetzt schon entdeckt habe.

Wovon ich spreche? Na, ich sagte doch oben, dass ich schon eine Dublette ent­deckte. Was ich ebenfalls gestern fand, war ein Buch, das aktuell immer noch auf meiner Suchliste steht, was ich aber schon seit mehreren Jahren besitze… verdammte blinde Flecken! Das kommt davon, wenn man viele ungelesene Bü­cher hat und manchmal vergisst, Erwerbungen aus den Suchlisten zu tilgen. Da kommt man in schönste Schwierigkeiten.

Gewiss, mich hält die Erwartung des endgültigen Anblicks der geordneten Bü­cherregale bei Laune, das will ich überhaupt nicht abstreiten. Das vorhin er­wähnte ganz linke Regal im Bibliothekszimmer ist jetzt schon schöner als je zu­vor strukturiert, reicht aber gerade mal bis Charles Baudelaire (so der aktuelle Stand. Da ich momentan nur die Bücher bis Ende 2016 zusammenstelle, wird das Jahr 2017 vorläufig noch einen „alten b)-Bestand“ ergeben und erst irgend­wann im Sommer oder Herbst 2018 eingegliedert werden).

Also, ich bin gerade bei den Be-Büchern, da ist noch viel Arbeit voraus… aber ihr seht an dem, was ich eben schilderte, woran ich gerade laboriere. Und glaubt mir: mit einer wohlsortierten Bibliothek arbeitet es sich sehr viel besser und effizienter als bislang. Es gibt also viele gute Gründe, das gegenwärtige Chaos durchzustehen. Drückt mir die Daumen… kann ich gebrauchen.

In der nächsten Woche werden wir wieder bodenständiger, dann erzähle ich euch, was ich so im Januar 2018 alles kreativ geschafft habe.

Macht es gut und bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.