Rezensions-Blog 256: Das Blut der Schande

Posted Februar 19th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist nichts Ungewöhnliches daran, wenn sich amerikanische Schriftsteller an Sherlock Holmes versuchen, das hat durchaus Tradition, und zwar seit vielen Jahrzehnten. Mal gelingt es besser, mal eher mäßig. Aber üblicherweise haben wir es meist mit recht geschickten Geschichten zu tun, die nur in der Struktur den einen oder anderen Makel aufweisen.

Ganz in die nämliche Richtung geht das vorliegende Buch, das vom amerikani­schen Autor Caleb Carr verfasst wurde, der sich von Vorgängerromanen her schon gut in der Zeitepoche auskannte. Dass dann die Story etwas zu sehr inter­pretierend auf Arthur Conan Doyles spätere Obsession des Spiritistischen ab­hebt und grundsätzlich etwas zu viele ausschmückende Details enthält (schwei­gen wir von der Schwatzhaftigkeit der eigentlich doch mehr sehr wortkargen Protagonisten), ist vielleicht dem generellen Thema geschuldet, aber ein wenig zu selbstverliebt kommt das alles dann doch herüber.

Dennoch – wer sich gern mal im Edinburgh des späten 19. Jahrhunderts und auf Holyrood Palace ebendort herumtreiben und auf Mörderjagd (nicht Geister­jagd!) gehen will, der sollte an diesem Werk gewiss nicht vorbeigehen. Er würde ein durchaus interessantes Stück Epigonenliteratur verpassen.

Worum geht es im Detail? Nun, hierum:

Das Blut der Schande

(OT: The Italian Secretary)

von Caleb Carr

Heyne Hardcover

München 2006

356 Seiten, geb.

Aus dem Amerikanischen von Robert Brack

ISBN 3-453-40457-2

Caleb Carr ist uns Europäern eigentlich bekannt geworden durch seine histori­schen Kriminalromane „Die Einkreisung“ und „Engel der Finsternis“, doch hier hat er ein interessantes Stück Literatur vorgelegt, das zwar in einem ähnlichen Zeitfenster spielt, doch sich zugleich in eine ganz andere Ecke des Literaturgen­res einschreibt.

Reden wir über Mr. Sherlock Holmes und seinen Adlatus und treuen Freund, Dr. John Watson, denn mit diesen beiden Herren bekommt es der Leser in diesem Buch zu tun. Das Nachwort von Jon Lellenberg macht deutlich, dass die vorlie­gende Geschichte eigentlich als Bestandteil einer Anthologie von Holmes-Epigo­nen-Geschichten gedacht war, die unter dem Titel „Ghosts of Baker Street“ 2006 erscheinen sollte. Dummerweise wucherte Caleb Carrs Geschichte auf er­staunliche Weise, nachdem er die Gelegenheit gefunden hatte, Holyrood Palace in Edinburgh zu besuchen (die Begeisterung Carrs über diese Location spürt man in der zweiten Hälfte des Romans überall, das macht alles ein wenig „läng­lich“).

Holyrood Palace ist ein berühmter Ort der britischen Monarchie… wenn auch eines Zweiges der Monarchie, über den man heutzutage außerhalb Schottlands nicht mehr gern redet. Er ist verbunden mit der Dynastie der Stuarts, also den Jakobiten des 16.-18. Jahrhunderts. Und speziell in diesem Roman geht es um einen Mord desselben Jahrhunderts. Der „italienische Sekretär“ David Rizzio, Tanz- und Musiklehrer am Hofe Maria Stuarts im Jahre 1566, wurde hier im Westturm auf brutale Weise vom Leben zum Tode befördert. Und es geht das Gerücht um, er spuke noch immer in diesen Mauern …

Gewiss, haltloser Aberglauben.

Aber als Sherlock Holmes in der Baker Street 221B ein chiffriertes Telegramm erhält, das höchste Dringlichkeit signalisiert und ihn und seinen Gefährten Wat­son flugs nach Edinburgh dirigiert, da scheint an dieser jahrhundertealten Schauergeschichte durchaus etwas dran zu sein. Während die Königin Victoria sich auf Schloss Balmoral aufhält, sind in den Mauern des Holyrood Palace über den Dächern von Edinburgh zwei honorige Männer auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen.

Monströse Weise, das träfe es besser, wie die beiden Freunde bald erkennen müssen. Behindert von schottischen Nationalisten und Bomben mit brennen­den Zündlunten erkennen sie rasch den Ernst der Lage und müssen gewärtigen, dass womöglich das Leben der Königin selbst in Gefahr ist. Im Palast visitieren sie den Körper des letzten Opfers, das am Fuß der Mauern gefunden wurde – und dem armen Kerl wurde buchstäblich jeder Knochen im Leib gebrochen, was nicht einmal der Sturz vom Dach des Gebäudes bewirkt hätte.

Dann hören Holmes und Watson von dem rätselhaften, niemals verschwinden­den Blutfleck in den Gemächern der glücklosen Maria Stuart, vernehmen ges­pensterhafte Schritte und italienische Musik … und fast beginnt der gute Doktor Watson tatsächlich an den Geist des glücklosen italienischen Sekretärs zu glau­ben. Indes, da ist noch der skeptische Sherlock Holmes, der einwendet, warum wohl ein Geist des 16. Jahrhunderts eine solche Vorliebe für Giuseppe Verdi he­gen sollte.

Doch es vergeht einiges an Zeit, eine ganze Reihe von Menschen kommt auf grässliche Weise zu Tode, ehe klar wird, worum es hier wirklich geht und wie skrupellos der Verstand ist, der hinter all dem steckt …

Das Blut der Schande“ ist ein für meinen Geschmack sehr gemächlicher Ro­man, der vom Duktus am ehesten mit „Der Hund der Baskervilles“ zu verglei­chen ist, wobei die erste Hälfte allerdings äußerst betulich beginnt. Wer rasche Action erwartet, ist hier fehl am Platze, ganz eindeutig. Auch macht Caleb Carr wenigstens zu Beginn unseren guten Holmes außerordentlich schwatzhaft, was seiner Natur im Grunde nicht entspricht. Sein hier ebenfalls auftauchender Bru­der Mycroft steht ihm nicht nach (und das passt zu ihm dann erst recht nicht). Die Handlung entwickelt sich eher träge und zögerlich, und hat man das Buch einmal ganz gelesen, fragt man sich ein wenig bedauernd, ob Carr nicht viel­leicht fünfzig Seiten hätte einsparen können. So ungern ich das zu einem Hol­mes-Roman auch sage: hier hätte es gestimmt, dass weniger mehr gewesen wäre.

Irritierend bleibt außerdem zum Schluss das leicht penetrante Insistieren auf ei­nem metaphysischen Seitenpfad. Sicherlich kann man das als eine Art später Verbeugung vor Arthur Conan Doyle verstehen, der bekanntlich selbst in Spiri­tistenkreisen verkehrte und an Geister, Feen und dergleichen glaubte. Und in ei­ner gewissen Weise macht es Sinn, wenn Carr diese Neigung nun dem alter Ego Doyles, Dr. John Watson, andichtet. Dennoch fand ich es ein wenig … nun … unpassend.

Gründlich irritiert wird der Leser durch den deutschen Titel, der nun wirklich auf Abwege führt (der englische ist nicht sehr viel besser, meiner Ansicht nach). Vielleicht wäre „Mord im Holyrood Palace“ prägnanter und dem Inhalt ange­messener gewesen – doch das wissen allein das Lektorat und der Verlag.

Sei’s drum … man kann dieses Buch, wenn man wenig Zeit hat, in sieben Tagen durchschmökern, und ich gestehe, es gibt wirklich langatmigere Werke. Einen Hochspannungspreis würde ich dem vorliegenden Buch gleichwohl nicht zuer­kennen. Als Epigonenroman, noch dazu von einem Amerikaner geschrieben, kann ich meine Anerkennung nicht verwehren.

Eine nette Geschichte – nicht nur für die Hardcore-Holmes-Fans geeignet. Eine Straffung hätte ihr indes nicht geschadet.

© 2016 by Uwe Lammers

Ja, in der Tat ist manchmal weniger mehr … ich bekenne mich dazu, hier auch manchmal nicht das rechte Maß zu finden. Das ist so das Problem mit Autoren, die sich in ihre eigenen Texte verlieben – das kann man Caleb Carr also nicht vorwerfen, ich schon gar nicht. Aber doch, etwas kürzer hätte es schon sein können, um konzentrierter zu wirken. Gleichwohl ein lesenswerter Roman.

In der nächsten Woche irren wir wieder in die Gegenwart ab und widmen uns dem ersten Teil einer verblüffenden Liebesgeschichte, die bis heute die Gemü­ter erhitzt und die Meinungen polarisiert. Ich selbst stehe auf der Seite der Be­fürworter, das sollte ich vorwegnehmen.

Zieht am besten euer eigenes Fazit in sieben Tagen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 363: Abenteuer mit Glossaren

Posted Februar 15th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute kommt mal wieder ein Beitrag aus der Rubrik Spontanes, und ebenso spontan war auch der Anlass, der mich dazu brachte, ihn zu konzipieren. Ich komme dazu gleich näher, aber zunächst möchte ich ein paar grundsätzliche Dinge sagen, um gewissermaßen vom Allgemeinen zum Speziellen vorzustoßen.

Glossare sind für euch Leser, die ihr meine E-Books seit inzwischen gut 6 Jahren kennt, nichts Neues mehr. In jedem Werk meines Oki Stanwer Mythos (OSM), das ich als E-Book veröffentlicht habe (inzwischen rund 40 Bände) findet sich ein solches Glossar, ebenso fertige ich solche zu meinen OSM-Stories und Archi­pelwerken an. Das ist einfach eine zwingende Notwendigkeit.

Warum?

Nun, das hat mit der Komplexität und der Aufrechterhaltung der Kontinuität zu tun. Wenn man einen Einzelroman schreibt und innerhalb dieses Werkes einen abgeschlossenen Handlungsrahmen zeichnet, um anschließend in einem zwei­ten Werk nicht mehr in dieselbe Welt zurückzukehren, dann erübrigt es sich, glossarisch tätig zu sein (wiewohl jeder Autor gut daran tut, sich für die Prot­agonisten und Handlungslinien des Romans natürlich intern Strukturseiten an­zulegen, um sich nicht in inhaltliche Widersprüche zu verwickeln).

Begibt man sich aber in einen komplexeren Kosmos, der mehrere Geschichten, vielleicht sogar Hunderte oder Tausende von Einzelwerken umspannt, dann ist es vollkommen unumgänglich, dazu detaillierte Ordnungsstrukturen anzuferti­gen, um den Überblick über einen immer größer werdenden Personenbestand, Welten, Völker, bestimmte Spezialbegriffe, Zeitmaßangaben, Maßsysteme usw. zu behalten.

Diese Erkenntnis ist nicht wirklich neu für mich. Wie ihr wisst, schreibe ich schon seit mehr als 40 Jahren. Aber anfangs war diese Einsicht durchaus schwierig und für mich nur bedingt nachvollziehbar. Mutmaßlich hielt ich da­mals mein Gedächtnis für so gut, dass ich auf derlei Gedächtnisstützen verzich­ten könnte. Eine fahrlässige Einstellung.

Sie führte dazu, dass frühe OSM-Serien wie „Oki Stanwer“ (KONFLIKT 15), „Oki Stanwer Horror“ (KONFLIKT 13) und „Drohung aus dem All“ (KONFLIKT 17) sol­che Strukturen nicht aufwiesen. Auch die Fantasy-Serie „Horrorwelt“, ebenfalls Ende 1983 begonnen, weist so etwas bis heute nicht auf. Ähnliches gilt für die Serien „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“ (KONFLIKT 20, 1984 begonnen) und, leider, auch für „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ (KONFLIKT 23, begon­nen 1988). Gerade im Fall der letzteren Serie hätte ich es wirklich besser wissen können!

Witzig ist, dass diese „Ignoranz“ gegenüber Ordnungsstrukturen im glossari­schen Sinne durchaus nicht für alle Serien galt. Für die 1983 begonnene OSM-Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (KONFLIKT 14, begonnen 1983!) habe ich von Anbeginn ein „Lexikon“ geführt, das galt auch für viele spätere Serien. Es sei an dieser Stelle allerdings ergänzt, gerade bezogen auf dieses Lexi­kon, dass dieses Werk enorme Lücken aufweist, wie ich heute im Zuge der Digi­talisierung der Serie feststelle. So fehlen beispielsweise nahezu alle Nebenprot­agonisten, so dass von einer Vollständigkeit der Erfassung der Personenriege weiß Gott nicht die Rede sein kann. Ferner bin ich bei vielen Lexikoneinträgen so abgeschweift, dass sie am Kern des Begriffes, den sie eigentlich erklären sol­len, kurzerhand vorbeizielen. Damit ist ein solcher Lexikoneintrag natürlich Ma­kulatur.

Man spürt: ich betrachtete damals Lexikoneinträge mehrheitlich als eine Art von anstrengender Zusatzaufgabe, und wo immer ich darauf verzichten konnte (oder dies meinte), tat ich es. Mit der Folgekonsequenz für heutige Tage, dass ich da massiv nacharbeiten muss. Und ihr glaubt gar nicht, wie viel Zeit diese Art von akribischer Arbeit verschlingt! Ich hätte das selbst früher nicht für mög­lich gehalten.

Die eigentliche Zeit der Serienglossare begann allerdings bei mir erst, als ich Mitte bis Ende der 90er Jahre ins Computerzeitalter durchstartete. Nun begann ich, gründlicher zu arbeiten und nach Möglichkeit für alle damals noch aktiven Serien Serienglossare anzulegen.

Das ging folgendermaßen vonstatten: Zunächst bemühte ich mich, die einzel­nen Serien mit Lexika auszustatten. Dafür führte ich Begriffslisten der jeweiligen Serien, in denen ich auch verzeichnen konnte, in welchem Band die Begriffe erstmals erschienen und in welchen sie dann im Rahmen der Lexika erklärt wor­den waren. Als ich digital imstande war, die Lexikonseiten in einem alphabeti­schen Glossar zusammenzuführen, tat ich das. Und ich entwickelte zudem eine übergeordnete Struktur, zunächst für den OSM – das „OSM-Hauptglossar“. Spä­ter folgte dann für den Archipel das „Archipel-Gesamtglossar“, das inzwischen mehr als 600 Seiten umfasst.

Im OSM-Hauptglossar, das sollte ich an dieser Stelle auch erwähnen, sind bis­lang noch keinerlei Serienglossare erfasst worden. Das hat den zentralen Grund, dass es noch kein fertiges Serienglossar gibt. Und wenn ihr euch vergegenwär­tigt, dass ein solches Serienglossar in der Regel mehr als 100 Textseiten mit Hunderten von Einträgen beinhaltet, könnt ihr euch vielleicht eine Vorstellung davon machen, wie zeitraubend es sein wird (ein Work in Progress, ganz recht), diese Daten ins Hauptglossar zu übertragen.

Die aktuelle Krönung dieses Systematisierungs- und Durchdringungsprozesses stellt, wie ihr euch vorstellen könnt, die OSM-Wiki auf meiner Homepage www.oki-stanwer.de dar. Daran arbeite ich so gut mir möglich ist, mit jedem neuen Blogartikel sukzessive weiter und werde beizeiten auch die E-Book-Ein­zelglossare dort einpflegen.

Soviel also zu den allgemeinen Prinzipien. Kommen wir nun zum Spezialfall, der mich gegenwärtig Zeit, Energie und Nerven kostet.

Kürzlich sagte ich schon mal, dass manche Serienglossare schon vor Jahren ir­gendwo im Entwicklungsstadium abgestorben sind. Das hat viele verschiedene Gründe, zentral ist in meinen Augen Ablenkung durch Brotarbeit und das Ver­fassen von E-Books sowie anderweitige Aktivitäten im Fandom.

Vor ein paar Wochen nahm ich mir vor, mich um den 1986 abgeschlossenen KONFLIKT 17 zu kümmern, um die Serie „Drohung aus dem All“. Ich habe sie vom 16. Mai 2005 bis zum 3. April 2011 digitalisiert. Am Ende hatte ich ein Ge­samtskript mit 1080 Seiten Umfang vorliegen, das durch 6698 Fußnoten kom­mentiert war.

Es ist offenkundig, dass das nicht eine Aufgabe ist, die sich im Handumdrehen erledigen lässt, wenn ich daran denke, das alles inhaltlich zu durchdringen und dabei die Lexikonstufe zu überspringen, um gleich zum Glossar selbst überzuge­hen. Es ist umso komplizierter, als diese Serie ja überhaupt kein Lexikon besitzt – das ist also durchaus anders als etwa im Fall des KONFLIKTS 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“, wo ich von Band 1 an ein Lexikon führte. Da treten zwar die oben erwähnten „Macken“ ebenfalls zutage, aber es gibt wenigstens so etwas wie ein Basisgerüst, an dem ich mich entlanghangeln kann. Hier in KONFLIKT 17 existiert dergleichen nicht.

Na toll, dachte ich. Dann mal auf ins Abenteuer … das dachte ich mir anno 2010, als ich den ersten Anfang eines Glossars machte, also noch deutlich vor meinem E-Book-Zeitalter, das ja erst 2013 begann. Woran ihr erkennen könnt, dass mir diese „Baustelle“ schon ziemlich lange schwer auf der Seele lag.

Ich arbeitete erst mal daran, eher flüchtig, bis 2012 und kam bis zur Erfassung von Band 18 (von insgesamt 71 Episoden). Und es dauerte bis 2019, bis ich die­se Anfangsfassung des Glossars wieder entdeckte und dann mit neuer Energie daran zu arbeiten begann.

Sagen wir es so … auf der einen Seite scheint es von Vorteil zu sein, dass ich a) die Serie schon so lange abgeschlossen habe, und dass ich b) etwas Distanz auch zum frühen Glossarversuch habe. Aber die Nachteile überwiegen meiner Ansicht nach deutlich.

Inzwischen habe ich Band 28 der Serie glossarisch erreicht und raufe mir echt immer stärker die Haare. Das hat teilweise mit meinen wirklich bärbeißigen, un­gnädigen Fußnoten zu tun, die mich immer wieder in heilloses Gekicher ausbre­chen lassen. Es hat damit zu tun, dass ich unmöglich viele semantische, na­mentliche oder strukturelle Anleihen an meine damalige Lektüre entdecke, ins­besondere an Heftromane, die ich z. T. ungeniert und nur sehr mäßig verhüllt strukturell abkupferte.

Es hat aber sehr viel mehr mit den inhaltlichen Defiziten zu tun, die darin zuta­ge treten. Da werden Personen nahezu überhaupt nicht charakterisiert, oftmals tauchen Kommandanten von Raumschiffen – Haupthandlungsträger! – über Dutzende von Episoden nur mit Nachnamen auf. Ich frage mich beim Komman­danten Jackson beispielsweise immer noch, wie er vollständig mit Namen heißt. Er taucht in Band 8 erstmals auf, aber glaubt nicht, dass ich seinen Vornamen bis Band 28 auch nur einmal genannt hätte! Keine Ahnung, ob er überhaupt ei­nen besitzt (Na ja, klar hat er einen … aber ich weiß nicht, ob ich ihm den jemals zugestanden habe)!

Dann gibt es völlig kontraintuitive, einfach nur dämliche Handlungsweisen, die wirklich keinen Sinn ergeben und nur Chaos und Katastrophen im Gefolge ha­ben. Da ich aber behaupte, dass die Leute, die diese Handlungen initiieren oder selbst ausführen, Colonels, Kommodores, Verteidigungsminister oder hoch qua­lifizierte Wissenschaftler sein sollen, zerstöre ich damit munter jede Glaubwür­digkeit der Personen, und vielfach ist mir das damals gar nicht aufgefallen.

Es gibt beispielsweise eine Passage, wo sich Terraner und die non-humanoiden Hekaroner zusammentun, um in der Raumstation QUANTAGORN einen militäri­schen Feldzug durchzuführen, der a) durch unbekanntes Terrain führen soll, b) gegen einen Gegner, den man nicht kennt und c) auf Gebiet, das von einer ebenfalls völlig unvertrauten Vielvölkerallianz kontrolliert wird. Der Heereszug umfasst am Ende mehr als hunderttausend (!) Personen!

Da dachte ich mir beim Glossieren: also, das glaubt mir doch kein Schwein! Man stelle sich das bitte mal auf der Erde vor. Ein 100.000-Mann-Heer marschiert munter durch einen Vielvölkerstaat hindurch. Das soll so völlig ohne Reibereien und Ängste der dort Lebenden abgehen? Das kann man aber völlig vergessen.

Im KONFLIKT 17 habe ich derlei Probleme nicht mal gesehen. Stattdessen sind die Machthaber einfach nur völlig begeistert, diese Riesenarmee durchmar­schieren zu lassen. Auch über weitergehende Schwierigkeiten etwa der Versor­gung dieses Riesentrosses machte ich mir so gar keine Gedanken.

Gott, das muss ich alles umschreiben, das ist doch der reine Wahnsinn!“, dach­te ich seufzend, als ich das glossierte. Und ich überlegte schaudernd, dass ich 1983, als die Serie echt noch in den Kinderschuhen steckte und gerade mal begonnen hatte, wirklich und wahrhaftig Anstalten traf, die Serienepisoden im „Terranauten-Club Universum“ (DTCU) zu veröffentlichen, in dem ich damals Mitglied war. Das hat nur deshalb nicht geklappt, weil der Club einging.

Und dann dachte ich noch weiter: 1988/89 hatte ich ja intensiv Kontakt mit Gui­do Latz … und was versuchte ich? „Drohung aus dem All“ dort zu publizieren, in seinem „Phönix Fantastik Verlag“ (PFV). Das war natürlich schön für mein Fan-Ego damals. Aber glücklicherweise kam die Serie dort über ein oder zwei Ausga­ben nicht hinaus … und glaubt mal bitte nicht, ich hätte die Episoden bis dahin überarbeitet! Definitiv nicht! Das waren immer noch die ungeschliffenen Ur­sprungsepisoden! Heute bin ich daher wirklich heilfroh, dass diese Publikation nicht weiterging, die mich zum Gespött der Leute gemacht hätte (und Guido ohne Frage auch).

Es gab noch weitere „Abenteuer“, die ich im Zuge der fortdauernden zunächst handschriftlichen Glossierung machte, die meisten davon waren leider eher un­sympathischer Natur.

Beispiele gefällig? Also schön.

Ihr kennt das aus meinen E-Books, namentlich aus der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI), dass ich dort gern auf ältere Episoden verweise und dann beispielsweise in der Fußnote schreibe: „Vgl. Bd. 1: Das Erbe der Forsche­rin, 2013“. So sollte es aussehen.

In „Drohung aus dem All“ – und wir reden hier, wohlverstanden, von der digita­lisierten Fassung! – heißt es stattdessen einfach nur lapidar: „Vgl. Bd. 39: STER­NENWISCHER“. Dass diese Episode von 1984 stammt, was da als Angabe zwin­gend hingehört, unterschlug ich einfach.

Nein! Nein! So geht das nicht“, knurrte ich und machte eine entsprechende handschriftliche Korrektur. Was natürlich einen Neuausdruck dieser Seite erfor­derlich macht.

Auch „schön“ ist folgende Entdeckung: „Die 14. OSM-Ebene ‚Feldherr der Cranyaa‘ (FdC) wurde erst am 30. Januar 1988 abgeschlossen…“ Inhaltlich richtig. Aber die Serie heißt nun mal vollständig „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“!

Also auch zu korrigieren.

Es ist echt zum Verrücktwerden, wie viele Fehler ich in den letzten Wochen in diesem Seriendigitalisat (!!) schon entdeckt habe, wie viel Nacharbeit da noch irgendwann zu leisten sein wird. Der einzige „Vorteil“, wenn man das so nennen möchte, besteht dann darin, dass ich, da diese Seiten alle einseitig bedruckt sind, diese Fehlerseiten sämtlich in mein Briefpapier einsortieren kann. Wer von mir jemals schon in den letzten 10-20 Jahren Briefe bekommen hat, wird wissen, dass ich gern auf diese Weise Seiten „recycle“ und so meinen Brief­freunden verblüffende Inputs zukommen lasse.

Aber habe ich jetzt nur negative Abenteuer mit den Glossaren, namentlich ak­tuell mit Glossar 17, erlebt? Nein, erfreulicherweise nicht. Es gibt da auch span­nende Entdeckungen zu machen. Zwei seien hier kurz skizziert, dann möchte ich für heute auch schon wieder schließen, weil es doch schon recht viele Wor­te zu dem Thema sind, die ich geschrieben habe …

Während der Handlungsspur um terranische Raumfahrer, die mit fremden Ali­enzivilisationen zusammenstoßen, ergab sich natürlich wie immer das Problem der Sprachkompatibilität. Ihr mögt euch in dem Zusammenhang an den schwie­rigen Kontakt entsinnen, den die yantihnische Linguistin Vaniyaa im „Sternen­hammer“ der Tassaier mit dem Zwergenvolk der Shonta herstellte.

1983/84 war mir das so klar noch nicht. Ich etablierte hier das Volk der filigra­nen Uuraner, die Allroundtranslatoren aus Kristall schufen und so relativ schnell den Kommunikationskontakt mit den Terranern aufnehmen konnten. In einer Fußnote von 2008 machte ich mir dazu weiterführende Gedanken, die ich vor dem Glossieren völlig vergessen hatte. Dort sinnierte ich über die faszinierende Überlegung, ob wohl die Kristalltranslatoren der Uuraner direkt auf die Faden­matrix der Baumeister zugreifen könnten – dies könne eine optimale Erklärung dafür sein, warum sie so schnell und so mühelos fremde Sprachen adaptieren würden.

Ein toller Gedanke, den ich zweifellos noch weiter verfolgen muss. Er demons­triert darüber hinaus, dass die Fußnotenkommentierung auch echte inhaltliche Mehrwerte aufweist und nicht nur in bärbeißigen Fehlerkorrekturen versandet.

Eine zweite faszinierende Entdeckung, die ich machte, war diese: Die halbrobo­tischen All-Hüter des KONFLIKTS 17, die eine alptraumhafte, monströse Macht­maschinerie in diesem Universum darstellen und unglaublich viel Leid anrich­ten, erweisen sich, je mehr man von ihrem Handeln mitbekommt, als zutiefst gestört. Ohne Frage haben sie gewisse Prinzipien, aber die sind nur eine bizarre, finstere Kopie dessen, was sie einst mal gewesen sein könnten.

Ich machte mir dabei folgende Gedanken: die All-Hüter des KONFLIKTS 17 sind Matrixfehler. Wesen, die es eigentlich gar nicht mehr geben sollte, schon gar nicht in solch einer Machtposition wie in der Galaxis Milchstraße dieser Serie. Im KONFLIKT 10 schufen die Baumeister das Volk der All-Hüter als Ordnungswe­sen, die Oki Stanwer und einer Entität namens Z-NULL direkt unterstellt waren. Was genau in KONFLIKT 10 geschehen ist, kann ich bis heute nicht sagen, aber schon 2009 war mir, der Kommentierung der digitalisierten „Drohung aus dem All“-Episoden nach zu urteilen, völlig klar, dass die All-Hüter dieses KONFLIKTS ganz und gar entartet sind. Auf eine gewisse Weise machen so ihre chaotischen Handlungsmuster Sinn. Aber es erwachte in mir während der Glossierung immer mehr der Wunsch, einen Blick in KONFLIKT 10 zu werfen, in das korrekt funktionierende Reich der All-Hüter, um danach die Perversionen der späteren Abbildungen (eben in KONFLIKT 17, aber auch in KONFLIKT 15) genauer beleuchten zu können.

Es sieht durchaus danach aus, als wenn ich nach Abschluss des begonnenen KONFLIKTS 3 in ein paar Jahren tatsächlich mit den Arbeiten am KONFLIKT 10 des OSM beginnen könnte.

So betrachtet hat diese Glossararbeit zwar unglaublich viel Aufwand im Gefol­ge, und ich werde die Episoden dieses KONFLIKTS allesamt grundlegend umbau­en müssen, um sie wenigstens halbwegs plausibel zu gestalten und für euch le­senswert zu machen. Aber es ist keine vergebene Liebesmüh, sondern diese Ar­beit und die schon vor Jahren geleistete Kommentierung in den Fußnoten tut genau das, was ich damals erhofft habe: sie liefert mir kreative Gedankenanstö­ße für die Überarbeitung, sobald ich sie vorzunehmen beginne.

Das kann natürlich alles noch dauern. Wichtig ist erst einmal, ein gescheites vollständiges Glossar zu haben, alle Begriffe zu erklären, diese auszudrucken und dann das Serienglossar ins Hauptglossar zu überführen. Das wird, alle an­deren Tätigkeiten einbezogen, noch Jahre dauern.

Ihr werdet zweifellos von diesen Tätigkeiten beizeiten noch mehr hören.

Für heute soll diese kleine Abenteuerreise durch die Glossararbeit des OSM ge­nügen. Wir lesen hoffentlich nächste Woche wieder voneinander!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 255: Das Vermächtnis der Maya

Posted Februar 12th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vor sechs Wochen begann das Jahr 2020 für euch Blogartikel-Leser mit dem letzten Fargo-Abenteuer, mit „Das fünfte Grab des Königs“. Nun folgt also der nächste Roman von Thomas Perry als Coautor der Fargo-Abenteuer … und lei­der muss ich sagen, dass der Roman zwar eine wirklich schöne und beeindru­ckende Idee hat, dass die Umsetzung aber doch wirklich sehr arg zu wünschen übrig ließ.

Quintessenz? Ich konnte Clive Cusslers Enttäuschung über diesen Coautor, der danach prompt in die Wüste geschickt wurde, recht gut verstehen. Es mag ein wenig bitter klingen, wenn ich an dieser Stelle einleitend schon einen vielleicht unfairen Vergleich ziehe, aber er drängt sich mir aktuell (Schreibdatum ist der 8. August 2019) schlichtweg auf: Ich habe mir jüngst mal den Spaß erlaubt, die ersten sieben Filme der „Fast & Furious“-Reihe anzuschauen, nachdem ich sie jahrelang konsequent ignorierte. Letzteres lag nahe, da ich weder mit Autos noch mit Motorrennen irgendetwas anfangen kann … und jeder, der die Filme kennt, wird sagen: Hey, Uwe, dann bist du da aber im völlig falschen Metier ge­landet, denn genau darum geht es da.

Nun, nicht nur. Während ich die ersten paar Filme zwar ganz unterhaltsam, aber doch ein wenig zu stark testosterongesteuert und vor allen Dingen spritlastig fand, wurden sie ab dem vierten und fünften wirklich interessant. Der Teil, in dem Agent Hobbs (Dwayne Johnson) das erste Mal in den Einsatz geht, der ent­wickelte sich dann zu einem wirklich sehr ambitionierten Katz- und Maus-Spiel, garniert mit Tricks und Übertricks, Hinterhalten und pfiffigen Lösungen auf allen Seiten.

So etwas, und damit kehre ich zur heutigen Rezension zurück, so etwas wäre dem vorliegenden Roman sehr zu gönnen gewesen. Stattdessen erleben wir ein wenig anregendes und noch weniger realistisches Amateurkino mit zahnlosen Gegnern und eher snobistischen Fargos, was weder dem spannenden Thema angemessen war noch den Leser richtig zu packen vermochte.

Gut, vielleicht war ich in diesem Fall – wiewohl ich Cussler & Co. wirklich mag – schlicht der falsche Leser. Aber ich fürchte, ich stehe da nicht allein auf weiter Flur.

Dennoch, der Idee wegen, nicht der Umsetzung wegen, halte ich die Geschichte zumindest für interessant und deshalb vorstellenswert. Denn man stelle sich vor, was wohl geschehen würde, wenn man tatsächlich die verschollenen Maya-Kodizes fände …

Wer ungeachtet meiner wenig schmeichelhaften Worte neugierig geworden sein sollte, der lese bitte weiter:

Das Vermächtnis der Maya

(OT: The Mayan Secrets)

Von Clive Cussler & Thomas Perry

Blanvalet 38387

2015, 9.95 Euro

480 Seiten, TB

Übersetzt von Michael Kubiak

ISBN 978-3-442-38387-0

Man schreibt den 23. Januar 1537 in dem Ort Rabinal in Guatemala, als das Schicksal mit eherner Faust zuschlägt und die Vergangenheit in Asche verwan­delt: der später berühmte Dominikanerpater Bartolomé de las Casas, der zum Ordensmann geworden ist, weil er mit den Gräueln seiner Landsleute, die sie an den zentralamerikanischen Indios vollbrachten, nicht mehr reinen Gewissens leben konnte, ist zum Anwalt der Indianer geworden und versucht, von ihrer Kultur zu retten, was ihm möglich ist. Darunter befindet sich ein unglaubliches Kunstwerk, ein prächtiger Kodex der Maya, der ihm zum Studium überlassen wurde. Als die Vandalen in Gestalt seiner eigenen Landsmänner in Rabinal ein­fallen und damit beginnen, die Kultur der Maya auszulöschen, veranlasst er, dass der Kodex in Sicherheit gebracht wird.

Hunderte von Jahren später treffen wir als Leser vor der mittelamerikanischen Küste alte Bekannte in der Gegenwart – Sam und Remi Fargo, die schon aus den Romanen von Grant Blackwood und einem von Thomas Perry vertrauten Aben­teurer und idealistischen Schatzsucher mit ihrer starken humanistischen Ader. Sie befinden sich hier gerade am rechten Platz bei einem kleinen Forschungs­auftrag, als ein schweres Erdbeben das Festland erschüttert und nahezu alle Orte von der Außenwelt abgeschnitten werden. Sie entschließen sich kurzer­hand dazu, helfend einzugreifen und transportieren wochenlang Rettungsgüter in die Krisenregion. Schließlich wagen sie es auch, ins Hinterland vorzudringen, wo zum Teil in mehreren tausend Metern Höhe entlegene Dörfer existieren, die die Naturkatastrophe ebenfalls schwer getroffen hat.

Während dieser Bergwanderung entdeckt das Ehepaar einen uralten Tempel aus der Maya-Zeit, der über geraume Zeit von einem Lavastrom zugedeckt war. Im Innern befindet sich eine ausgedörrte Leiche aus sehr viel späterer Zeit – und ein Krug. Da weitere Verheerungen drohen und der Vulkan, an dessen Hang sie sich befinden, durch neue Eruptionen erschüttert wird, bringen die Fargos den Leichnam und das Gefäß in Sicherheit. Zugleich wollen sie vermei­den, dass der Fund des Tempels an die breite Öffentlichkeit dringt – sie fürchten sehr zu Recht, dass er Schatzsucher und Plünderer anlocken könnte.

Doch ihr Plan geht nicht auf – in Windeseile wird der Fund bekannt.

Das ist schon fatal genug. Aber auf einmal sind die Eheleute Ziel von Diebstahl­versuchen. Das motiviert sie dazu, den noch ungeöffneten Krug außer Landes zu bringen und in ihrem renovierten Haus in La Jolla in Gegenwart eines Spezia­listen für mayanische Kultur, David Caine, öffnen zu lassen.1 Erwartungsgemäß für den Leser befindet sich in dem Krug jener mayanische Kodex, den einst Bar­tolomé de las Casas in den Händen gehabt hat. Das allein ist, weil es nur vier weitere existierende Kodizes aus der mayanischen Epoche gibt, schon spektaku­lär genug … aber es gibt auch Kartenmaterial darin, und auf diesen Karten sind unzählige versunkene Städte der Maya verzeichnet.

Ja, und dann geht alles so schief, wie es nur kann: zunächst bekommen die Far­gos mit, dass irgendeiner der eingeschalteten Wissenschaftler geschwatzt ha­ben muss. Als nächstes steht eine adrette, blonde junge Dame vor ihrer Tür, gleich mit mehreren Anwälten, die ihnen doch glatt fünf Millionen Dollar für den Kodex bietet.

Doch die millionenschwere Sarah Allersby blitzt bei den Fargos ab – und sie ist eine stolze, verwöhnte Person, die sich nicht so einfach abweisen lässt und sehr nachtragend ist. Ein Einbruchsversuch ist das nächste, was passiert. Es ist offen­sichtlich, wer dahintersteckt.

Die Fargos ziehen Erkundigungen über Sarah Allersby ein und bekommen ein immer mulmigeres Gefühl – die schwerreiche Sarah hat riesige Landflächen in Guatemala aufgekauft und steckt, soweit die Gerüchte besagen, tief im Ge­schäft mit illegalen Antiquitäten … es ist nicht auszudenken, was für eine Gold­grube der Kodex in ihren Händen sein wird.

Und dummerweise gerät er wirklich bald in Sarahs Hände – und die Fargos, die versuchen, den angerichteten Schaden möglichst zu begrenzen, finden sich we­nig später im mittelamerikanischen Dschungel im Kugelhagel. Sagen wir es vor­sichtig: das Klima wird ungesund, und sehr lange hat Sarah Allersby die Nase definitiv vorn.

Doch dann spielen die Fargos mit unlauteren Tricks …

Der fünfte Fargo-Roman hat ein phantastisches, aufregendes Thema. Wer je­mals einen der legendären Maya-Kodizes gesehen hat, kann eigentlich gar nicht anders, als sich vorzustellen, wie wohl einstmals der Glanz all dieser Werke ge­wesen sein mag, als sie noch existierten. Bevor die fanatischen, zumeist anal­phabetischen Conquistadores und ihre nicht minder verbohrten christlichen Beichtväter anhand der ihnen fremden Symbole entschieden, dies sei alles Teu­felswerk, und die Werke von Jahrhunderten der Gelehrsamkeit dem vernichten­den Feuer übergaben.

Ein Verbrechen an der menschlichen Kultur, ohne Frage. Und es steht in einer Reihe, meiner Ansicht nach, mit dem Brand der Bibliothek von Alexandria, der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten und ähnlichen Gewalttaten gegen­über der Kultur. Die Vorstellung, einen solchen gut erhaltenen Kodex zu finden und darin womöglich noch deutlich mehr als eben nur die Handelsrouten zu den geheimen Jadevorkommen der Maya (die auch Teil dieses Kodex sind) ent­hält, ist bestechend.

Zu dumm, dass die Geschichte nicht einmal entfernt hält, was sie verspricht. Es gibt jede Menge spannender Zutaten, das sei zugegeben, aber was Thomas Per­ry daraus zusammenkocht, hat leider wirklich außerordentliche Längen. Zu­nächst einmal dauert es sechzig Seiten, bis die Handlung überhaupt in Fahrt kommt (von einem kleinen Intermezzo unterbrochen, das der Autor aber nicht weiter nutzt). Dann, als die offensichtliche Antagonistenperson auftaucht, Sarah Allersby, da stellt sie sich so dämlich an, dass man denkt: Okay, sie hat die Far­gos unterschätzt … aber ein Gegner bei Cussler ist ja in der Regel lernfähig, wenn er schon am Anfang nicht gefährlich ist.

Tja, schön wäre es. Die gute Sarah, die sich offensichtlich primär über Wohl­stand, Markennamen und Hohlköpfigkeit auszeichnet, verhält sich wirklich nicht sonderlich intelligent. Man fragt sich als Leser nach ein paar hundert Seiten wirklich, wie diese Frau es schaffen konnte, a) mit all ihren unsauberen Ge­schäften durchzukommen und b) ihr Geld zusammen zu halten … die Wahl der Verbündeten ist unglücklich, die Verbündeten selbst sind auch keine Geistes­leuchten, selbst wenn sie vorgeblich welche sein sollten (immerhin Elitekiller … die sich aber wie Pat und Patachon benehmen) … und selbst, als schließlich noch ein „böser Drogenbaron“ in Erscheinung auftritt, der etwa so gefährlich ist wie ein in die Jahre gekommener, fetter Terrier, der am liebsten vor dem Kamin vor sich hindöst, kommt so überhaupt keine Spannung auf.

Seufz, dachte ich an sehr vielen Stellen des Romans. Was hätte man daraus ma­chen können? Etwas ECHTE Bedrohung, wirklich gefährliche Hinterhalte, Feinde beispielsweise auch, die etwa in der Lage wären, Handysignale abzufangen oder Peilsender zu applizieren oder Sprengfallen oder irgendwas in der Art … sucht man völlig vergebens.

Versteht mich nicht falsch, ich mag die Fargos und will sie nicht um die Ecke bringen. Aber sie sind primär Abenteurer, keine Trendsetter, denen die nächste Schuhgeneration von Manolo Blahnik wichtig wäre oder die Wahl erlesenen Weins zum Abendessen. Doch bei diesem Roman hatte ich das dumpfe Gefühl, als sei der gute Coautor dafür bezahlt worden, möglichst viele Markennamen in den Text einzuweben. Nicht so richtig geschickt. Einige wenige Krachwumm-Szenen können diesen Gesamteindruck nicht signifikant aufhellen. Ich würde darum leider sagen – ja, man kann den Roman in vier Tagen durchknabbern, wie ich das getan habe. Aber schöne Unterhaltung ist etwas anderes. Und viel­leicht ist es ja auf diese Tatsache zurückzuführen, dass Thomas Perry nach die­sem Roman aus der Coproduktion ausgeschlossen wurde und Cussler sich einen neuen Coautor für die Fargo-Romane suchte. Hoffen wir, dass er mit Russell Blake einen besseren Griff getan hat.

Ich meine … schlechter als Sarah Allersby (bei der ich, sorry, Mädel, dann leider immer irgendwie Paris Hilton vor Augen hatte) kann es wohl kaum werden. Der Vollständigkeit halber ist dieser Roman also lesbar, aber eine Leseempfehlung kann ich bedauerlicherweise nur sehr bedingt aussprechen.

© 2016 by Uwe Lammers

Tja, mal wieder leider eine Anti-Rezi zu einem Cussler-Buch, sorry, folks. Aber ihr wisst ja, ich schreibe hier keinen Schönwetter-Blog. Wenn es was zu kritisie­ren gibt, dann nehme ich da kein Blatt vor den Mund.

Ist das beim Roman der kommenden Woche auch der Fall? Definitiv nicht. Und das hat damit zu tun, dass wir es wieder mal mit dem berühmten Detektiv aus der Baker Street zu tun bekommen.

Schön neugierig bleiben, Freunde!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Warum das Haus grundrenoviert werden musste, sollte man im Vorgängerroman, „Das fünfte Grab des Kö­nigs“, nachlesen. Um ein Haar wäre der Wohnsitz der Fargos dem Erdboden gleichgemacht worden, und dass das monatelange Grundrenovierungen nach sich zog, ist äußerst plausibel.

Blogartikel 362: Zu Gast auf Baustellen

Posted Februar 9th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vor zwei Wochen berichtete ich davon, was ich im Oktober des Jahres 2019 alles so bearbeitet, weiter bearbeitet und abge­schlossen habe, mit primärem Fokus auf den OSM (da ich an Ar­chipel-Werken in diesem Monat nicht schrieb, konnte ich diesen Fokus vernachlässigen). Bis etwa zum 10. Oktober sah der Mo­nat sehr danach aus, als würde er wie all die vergangenen aus­schauen. Aber dann kam der 14. Oktober, drei Tage vor meinem Geburtstag, und ich beging eine Art von strategischem Fehler, an den sich quasi eine Weltreise anschloss. Und davon will ich heute Näheres erzählen.

Ich fange mal so an: wie ihr wisst, versuche ich seit sehr vielen Jahren, möglichst übersichtlich mit all den vielfältigen Werken des Oki Stanwer Mythos (OSM) zu verfahren, die noch in Arbeit sind. Dabei sind die abgeschlossenen Werke üblicherweise von den nicht beendeten strikt getrennt. Wer mich mal besucht hat, weiß das zumindest in Umrissen – die fertigen OSM-Serien be­finden sich in meinem Arbeitszimmer an der Ostwand, d. h. wenn man hereinkommt, direkt links an der Wand. Die begonne­nen OSM-Serien habe ich dagegen griffbereit direkt hinter mei­nem Schreibtisch positioniert, der mit der Schmalseite zum Westfenster angeordnet ist.

Anfangs habe ich mir gedacht, es wäre doch ganz intelligent, auch die angefangenen Episodenskripte, von denen es viele gibt, dort in die Serienordner zu verfrachten, aber davon kam ich alsbald ab. Das war vor sehr vielen Jahren die Geburtsstun­de der OSM-Fragmentordner. Inzwischen gibt es vier davon, und mangels Platz in meinem Arbeitszimmer habe ich sie in mein Bi­bliothekszimmer verlagert.

Kürzlich, Anfang Oktober, überkam mich eine gewisse Skepsis, ob diese Ausdrucke in den Ordnern noch alle so aktuell wären, wie ich es mir vorstellte. Ich war lange nicht an diesen Ordnern gewesen und wusste, es gibt da eine Menge „Baustellen“, also Werke, an denen ich lange nicht weitergeschrieben hatte. Und speziell solche, die nur im Schreibmaschinenskript vorlagen und folgerichtig noch kein Digitalisat-Gegenstück besaßen.

Primär ging es mir also um Aktualisierung. Und der Prüfstein, nein, die Prüfsteine waren zwei Werke. Zum einen wollte ich wissen, ob ich das in diesem Jahr begonnene Skript zu „Ster­neninsel der Wunder“ (OSM-KONFLIKT 3, ich erzählte davon) überhaupt schon ausgedruckt hatte.

Fehlanzeige.

Das fand ich ärgerlich und dachte, das müsste ich umgehend ändern.

Das zweite Fragment war Band 54 der 24. OSM-Ebene „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK) mit dem Eigentitel „Tödli­che Entscheidung“. Als ich nach dem Skript fahndete, fand ich gerade mal ein fast schon lächerlich veraltetes Ausdrucks­kript von 11 Seiten Länge … dabei hatte dieses Fragment (!) in­zwischen 85 Seiten. Alle nicht ausgedruckt. Ein Alptraum!

Und da ich schon dabei war, überkam mich, wie eingangs er­wähnt, ein gewisser „Rappel“, den ich „strategischen Fehler“ genannt habe. Es ist nur bedingt ein Fehler gewesen, denn das Resultat bestand nun wirklich aus gründlicher Aktualisierung. Aber ich konnte mir tatsächlich den Umfang der Arbeiten über­haupt nicht vorstellen.

Nachdem ich mich um die ersten beiden Werke gekümmert hat­te, sah ich meine Fragmentskripte insbesondere des Fragment­ordners III durch (es gibt insgesamt 4 Ordner, und es ist abseh­bar, dass das bald nicht mehr hinreichen wird). Und ich legte mir eine Liste an.

Eine Liste dergestalt, dass ich mir sagte: wovon habe ich schon Ausdrucke (angefangene Episoden inbegriffen), und wovon habe ich noch keine? Was macht Sinn, was macht keinen Sinn? So begann ich dann das, was ich aktuell als „Baustellenbege­hung“ bezeichnen möchte.

Mein erster Stopp war das Universum der INSEL, also KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR). Vor Monaten schon sag­te ich, dass ich hier relativ weit vorangekommen bin und in ab­sehbarer Zeit diese Serie wohl abschließen werde. Wie ich mir das eigentlich hätte denken können, war das mal wieder vorei­lig, und meine erratische Kreativität lenkte mich alsbald auf an­dere Pfade. Das hinderte mich aber nicht daran, schon vor Mo­naten die Episoden von Band 26 bis 43 der Serie durchzukonzi­pieren und Rohformen für diese Bände anzulegen.

IR wird aller Voraussicht nach mit Band 43 enden. Und im Schlussband einer jeden OSM-Serie, das ist gute Tradition seit Jahrzehnten, erfolgt eine Aufstellung aller Episoden der Serie. Das konnte ich für IR jetzt natürlich auch schon machen, da ich ja alle Folgen kannte, selbst wenn sie noch nicht fertig geschrie­ben waren.

Also machte ich mich über IR 43: „Die Klippe des Schick­sals“ her und machte gleich einen entsprechenden Ausdruck. Und da auch das Fragment „Rilaans Geschichte“ hier ange­siedelt war, machte ich damit umgehend weiter. Auch hier fehl­ten wesentliche Skriptseiten im bisher im Ordner untergebrach­ten Ausdruck.

Dann wechselte ich das Universum und sprang zur nächsten Baustelle, 45 Milliarden Jahre später angesiedelt. Das war „Das Geheimnis von Church Island“. Diese OSM-Novelle hatte sich auch deutlich vergrößert im Vergleich zum provisorischen Ausdruck. Es juckte mich definitiv in den Fingern, hier gleich weiterzuschreiben, aber das ließ ich dann besser sein.

Ich sprang stattdessen wieder zurück in der Zeit und besuchte dreißig Milliarden Jahre vorher die Hohlwelt Hyoronghilaar, wo ich mit „Bewusstwerdung“ eine ziemlich seltsam konfigurier­te Geschichte über die Entstehung der ersten Dämonen von TO­TAM begonnen hatte. Aber der Anfang funktionierte irgendwie nicht, weshalb das bis heute eine Baustelle geblieben ist. Hier hielt ich mich länger auf und arbeitete recht intensiv an einem neuen Anfang der Geschichte.

Ende der Sightseeing-Tour? Weit gefehlt. Die Reihenfolge der Geschichtenfragmente im Ordner diktierte mir, dass ich nun noch weiter zurück zu reisen hatte, nämlich in KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI), in dem ihr euch als mei­ne E-Book-Leser seit 2013 bewegt. Hier kümmerte ich mich um Band 55: „Die Anthrazitlegion“, blieb dann dort und schlüpf­te auf die Kommandobrücke eines Alli-Schlachtschiffes, um ei­nen weiteren Blick in einen exotischen Schauplatz dieses Uni­versums zu werfen. Das tat ich, indem ich an TI 58: „Das ZY­NEEGHAR-EXIL“ weiterarbeitete. Und dann sprang ich ein klei­nes Stück, im gleichen Universum, zurück vom regionalen Fokus und schrieb etwas weiter an TI 47: „Brückenschlag in die Ka­tastrophe“.

Erst danach war es mir möglich, diesen Kosmos zu verlassen und die Reise in die Zukunft anzutreten. Zündung der Zeittrieb­werke und Reise über 35 Milliarden Jahre in die Zukunft, um die nächste Baustelle zu besuchen in KONFLIKT 9 „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“ (DKdO), wo ich im Band 19 steckengeblie­ben war. Eigentitel: „Lügengespinste“. Daran machte ich recht wenig, aber ein neuer Ausdruck war auch hier vonnöten.

Im Anschluss: Weiterreise zum nächsten Haltepunkt – Galaxis Bytharg im KONFLIKT 21, also in der Serie „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“ (FvL). Hier galt es, einen Neuausdruck des Frag­ments von Band 44 „Die Tiefenseele“ vorzunehmen.

Ja, dachte ich, an der Serie, an der ich inzwischen seit fast 32 Jahren schreibe, muss ich auch dringend mal weiterschreiben …

Aber heute war dafür keine Zeit.

Ich blätterte weiter im Fragmentordner und stieß auf das nächs­te Problemkind. Oje, dachte ich, schon wieder KONFLIKT 2! Also zurück über 95 Milliarden Handlungsjahre rückwärts in der Zeit … Mann, wenn ich dafür Kilometergeld bekommen hätte oder Jahrmilliarden-Zählcredits, dann wäre ich längst Milliardär, schätze ich. So begnügte ich mich damit, das nur als launigen Seitengedanken zuzulassen und kümmerte mich stattdessen um TI 57: „Depot der Baumeister“. Das ging recht flink, da war nicht sehr viel zu ergänzen. Aber auch hier ließ sich ein Neuausdruck nicht umgehen. Der alte stammte noch von 2012 …

Ende der Reise? Definitiv nicht! Ich war noch nicht mal auf der Halbzeit angelangt! Stattdessen stand nun eine Reise in den KONFLIKT 19 an, die Serie „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM). Auch hier, wieder 85 Milliarden Jahre in der Zukunft, hakte die Weiterarbeit am Band 64 mit dem Eigentitel „Der Raumzeit­gletscher“. Auch daran hatte ich zwischenzeitlich weitergefeilt und Details eingefügt, die ich bislang nicht im Ausdruck doku­mentierte. Also: auch hier ein Neuausdruck.

Und dann jettete ich über weitere 25 Milliarden Jahre vorwärts in KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK). Hier war ich, leider, mitten in einer Trilogie vor Jahren abgestorben, während ich mich an NK-Band 57 Sardoons Plan“ versuchte. Ich schätze, ich bin abgelenkt worden vom Auftauchen des Ata­vismus-Schattens Sardoons in HANKSTEYN im oben erwähnten NK-Fragment von Band 54. Dennoch sind die beiden Kerle nicht identisch. Das ist noch schlimmer als das, was ihr beizeiten im KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC) im E-Book bezüglich der Dämonenwaffe Rescaz entdecken werdet. Und nein, ich gehe hier natürlich nicht in die Details, das wäre höchst unfair. „Spoiler“, würde Doctor Who wohl sagen …

Anschließend riss es mich mit dem Hintergrundtext „Das Rät­sel von Garos“ direkt zurück in KONFLIKT 13 „Oki Stanwer Horror“ (OSH), den ich zwar im Dezember 1985 als Episodense­rie abschloss, der aber immer noch präsent ist in Form seiner Überarbeitung in dem Werk „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ (CK). Garos ist nicht nur gut gewesen für das Abschlusskapitel meines E-Books „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“ (2018), sondern hat auch sonst noch einiges an Geheimnissen zu bieten, über die ich mich hier aber auch nicht weiter auslas­sen werde, weil es dafür definitiv zu früh ist.

Was ist denn als nächstes in diesem unglaublichen Ordner …?“, fragte ich mich und spähte an der nächsten Klarsichtfolie vor­bei, die die einzelnen Fragmente voneinander trennen.

Und schlagartig schleuderte mich das nächste Fragment wieder weit in die Zukunft. Diesmal hieß der Zielpunkt: KONFLIKT 22, also die Serie „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“ (DSf), wo ich ein wenig von Band 63 skizziert hatte, also vom Band „Strand­gut aus der Zukunft“. Bislang aber noch nicht sehr viel. Das würde auch wenig Sinn machen, wenn man bedenkt, dass ich da noch im Band 50 hänge, und zwar schon seit Jahren.

Schnell weiterblättern, dachte ich, nachdem ich auch diesen Ausdruck aktualisiert hatte. Was kommt als nächstes? Oje, noch eine Reise in ein bereits vollendetes Universum: Dieses Mal lag die Baustelle in KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC), die ihr in meinen Close Up-Blogartikeln detaillierter kennen lernt. Hier hatte ich einen unvollständigen Ausdruck der Story „Die Kondenswesen“ zu aktualisieren.

Ja, und dann landete ich bereits im Jahr 2017, in dem ich schon ein paar anfängliche Stippvisiten gemacht hatte, als ich mich um „Rilaans Geschichte“ und IR 43 kümmerte. Denn ich hat­te natürlich noch mehr Fragmente damals konfiguriert, die alle­samt etwas angestaubt waren. Also grub ich mich relativ ge­schwind, weil alle recht schmal bislang sind, in die Bände IR 31: „Die Sturmfestung“, IR 32: „YALVASHINGAR“, IR 36: „Die Sklavenwelt“, IR 38: „Entscheidung in YALVASHINGAR“, IR 40: „INSEL in Flammen“, IR 41: „Geister des Gestern“, IR 42: „Überlebenskampf auf TOTAM“, IR 26: „Odyssee in Uuridan“ und schlussendlich auch noch in IR 27: „Kettenre­aktion“.

Volle Dröhnung des KONFLIKTS 4, kann ich euch sagen!

Jetzt reicht es damit aber mal“, dachte ich einigermaßen er­mattet. Es wurde schon allmählich dunkel draußen, weil die Zeit vollkommen vergessen worden war. Ich war jetzt schon stun­denlang am Nachlesen, Kontrollieren der Baustellen einzelner Universen, hatte mich diverse Male an den Fragmenten festge­lesen und wollte eigentlich nur noch so allmählich zum Schluss kommen. Glücklicherweise war der Ordner nicht mehr so sehr dick.

Die nächste Stippvisite, wieder zurückkehrend in KONFLIKT 2, konfrontierte mich dann allerdings mit einem Fragment, das to­tal veraltet war. Bekanntlich habe ich jüngst Band 48 „Das graue Ei“ vollendet und folgerichtig auch schon recht umfang­reich an TI 49: „Neugierde und Mitleid“ weitergeschrieben. Das musste sich nun natürlich im Ausdruck ebenfalls wieder fin­den lassen.

Dann entdeckte ich, weiterblätternd, dass ich die nächsten bei­den Baustellen überhaupt noch nicht dokumentiert hatte. Will heißen: Für das Fragment „Beweis aus Glas“ aus KONFLIKT 13 fehlte ebenso ein Ausdruck wie für ein kleines und unscheinba­res Fragment namens „Begehbar“, das im 22. OSM-Kosmos spielt.

Dasselbe galt, wie ich daraufhin etwas genervt entdeckte, auch für das aktuelle Fragment von HdH 8: „Fremde im Hellen Dom“ aus KONFLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“. Das ist eine direkte Fortsetzung von Band 4 „Schmelztiegel Shal­lakhon“ (OSM-Band 1900!). Hierfür galt also dasselbe, was für TI 48/49 gegolten hatte.

Ich blieb mit dem nächsten Fragment im gleichen Universum und verschob nur innerhalb der Hohlwelt Hyoronghilaar ein we­nig den regionalen Fokus, als ich das Fragment von HdH 5: „Am Großen Strom“ etwas aktualisierte. Auch eine Geschichte, die ich dringend weiterschreiben sollte …

Den Abschluss des Tages, und ich war wirklich von diesem wahnwitzigen Reiseparcours, der mich über Dutzende von Milli­arden Handlungsjahren gescheucht hatte, von unzähligen Wel­ten, Universen, Galaxien und Völkern wie Reichen mal ganz zu schweigen, doch ziemlich ermattet, den Abschluss bildete dann die Aktualisierung einer Episode aus KONFLIKT 2, nämlich TI 54: „Die Jenseitsarche“.

Damit hatte ich dann Ordner III (!) aktualisiert und einen Teil der Fragmente, die nun deutlich mehr Volumen besaßen, in den Ordner IV übertragen, die Inhaltsverzeichnisse der Ordner aktualisiert und noch etwas entdeckt, was ich nach wie vor alarmierend finde.

Ich meine, ihr habt ja gesehen, wie unglaublich viele Baustellen es allein an diesem Tag zu bereisen galt. Aber es gibt VIER Ord­ner der OSM-Fragmente. Wenn man mal davon absieht, dass ich viele davon aus der Frühzeit ab ca. 1987 noch digitalisieren muss, so ist nicht zu leugnen, dass es auch in den Ordnern II und IV noch zahlreiche Werke/Baustellen gibt, die ebenso ein drucktechnisches Update vertragen können wie die obigen Wer­ke.

Ihr seht also – Langeweile kommt hier wirklich nicht auf. Und da­mit habe ich euch mal einen kleinen Eindruck in das gegeben, was ich so tue, wenn ich gerade nicht an aktuellen OSM-Episo­den oder E-Books arbeite. Sage niemand, ich sei faul – nichts könnte falscher sein.

Damit möchte ich für heute die transuniversale Baustellentour beenden und mich für euer Interesse und eure Ausdauer bedan­ken. Es war mir ein Vergnügen, euren Horizont ein wenig zu wei­ten für die Baustellen des OSM. Beizeiten gibt es gewiss eine Fortsetzung davon, aber ich kann noch nicht sagen, wann das sein wird.

Bis bald, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 254: Die Zenda-Vendetta (4)

Posted Februar 5th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Zeitreisen sind trickreich, das ist für Freunde des phantastischen Themenkreises nun wirklich nichts Neues. Wenn man sich erst mal grundsätzlich mit der Idee angefreundet hat, dass Zeitreisen nicht per se unmöglich sind, eröffnet sich ein Feld der faszinierendsten und vertracktesten Paradoxien und Logikfallen. Das macht sowohl das Schreiben von Zeitreisegeschichten als auch das gründliche Lesen zu einer echten Herausforderung. Natürlich kann man sie flüchtig wegle­sen und ihren komplexen Inhaltsstrukturen damit Ignoranz entgegenbringen. Doch ist das nicht die Art und Weise, in der ich verfahre. Ich grabe mich da schon ganz gerne tief hinein, und selten gelang das besser und auf unterhalts­amere Weise als bei den wenigen ins Deutsche übersetzten Romanen von Si­mon Hawkes „Time-Wars“-Serie.

Warum sage ich „wenige ins Deutsche übersetzte Romane“? Weil ich kürzlich mit Recht darauf hingewiesen wurde, dass es davon noch deutlich mehr gibt. Warum der Bastei-Verlag diese Reihe dennoch abgebrochen hat, ist einigerma­ßen rätselhaft … aber an Basteis Lektorat bzw. Verlagspolitik gab es immer schon viel Schleierhaftes. Wer alte Bastei-Taschenbücher kennt, erinnert sich lebhaft und manchmal vermutlich unter Seelenqualen an die Fehlerwüsten und grotesken Übersetzungsfehler, die uns damals zugemutet wurden. Und in punc­to Verlagspolitik hat sich Bastei meiner Ansicht nach nicht mit Ruhm bekleckert, als er das E-Book-Label „Beam-E-Books“ aufkaufte, an die Wand fuhr und dann wieder abstieß. Ebenso halte ich es für eine Fehlentscheidung, die Heftroman­serie „Shadows of Love“ zunächst im Print einzustellen, um sie danach ins E-Book-Label umzuwidmen … und dann wenige Monate darauf auch dort einzu­stellen.

Wirklich, da werden auf Verlagsebene manchmal Entscheidungen getroffen, die muss man vermutlich als Leser nicht begreifen. Die Einstellung der „Time-Wars“-Übersetzungen rechnet meiner Ansicht nach in dieselbe Sparte. Viel­leicht, so ein kleiner gemeiner Seitenhieb, waren die Bücher einfach ZU GUT und ZU INTELLIGENT geschrieben, als dass Verlagsmanagement und Leserschaft sie verstanden? Denn gut sind sie wirklich meiner Ansicht nach.

Das gilt auch für das vierte Abenteuer von Lucas Priest, das ihn diesmal ins spä­te 19. Jahrhundert und in eine Mördergrube voller Intriganten befördert, näm­lich nach Ruritanien.

Nie gehört (schlagt ggf. mal bei Wikipedia nach, um ein wenig Hintergrundwissen zu bekommen)? Also schön, dann will ich euch mal ein wenig informieren. Bitte ein­fach weiterlesen:

Die Zenda-Vendetta

(OT: The Zenda Vendetta)

von Simon Hawke

TIMEWARS Band 4

Bastei 23181

256 Seiten, TB, September 1996

Übersetzt von Rainer Gladys

ISBN: 3-404-23181-3

 

Ruritanien, wer kennt schon Ruritanien? Ein kleines, vergessenes Provinzkönig­reich auf dem Balkan, das kurz vor dem Ersten Weltkrieg eine beiläufige Rolle der Weltgeschichte spielen wird (wenigstens in der Fiktion). Diese Geschichte handelt zuvor und stellt die weitere Existenz der Welt in Frage.

Ruritanien im Jahr 1891. Die Krönung des Regenten Rudolf Elphberg als Rudolf der Fünfte von Ruritanien steht unmittelbar bevor, ebenso seine Verheiratung mit der Gräfin Flavia, die seit Kindheitstagen als Ehefrau vorgesehen ist. Es gibt jedoch eine Verschwörung, die darauf abzielt, Rudolf zu beseitigen und den Thron zu usurpieren. Diese Verschwörung geht von seinem Bruder Michael aus, den man den „schwarzen Michael“ nennt und der insbesondere in der Armee eine wichtige Rolle spielt.

Rudolf wird von Michael entführt und auf Burg Zenda gefangen gehalten. Doch einem entfernten Verwandten aus England, Rudolf Rassendyll mit Namen, ge­lingt es mit Offiziershilfe, die Verschwörung zu zerschlagen und den König zu befreien (vgl. hierzu am besten die Filmversion: „Im Schatten der Krone“, 1952). Er hält diese Geschehnisse in seinem Tagebuch fest, und im Jahre 1894 wird von einem Schriftsteller auf Basis dieser Aufzeichnungen der obskure Roman „Der Gefangene von Zenda“ verfasst.

Im 27. Jahrhundert ist über Zenda und Ruritanien sonst nicht allzu viel mehr be­kannt. Aber es kommt dem Zeitkorps zu Ohren, dass die terroristischen Zeit­wächter vorhaben, genau diese Geschehnisse für ihre höllischen Pläne auszu­nutzen. Sie wollen eine Spaltung des Zeitstroms um jeden Preis herbeiführen und dadurch die Zukunft, die Gegenwart des 27. Jahrhunderts, auslöschen.

Als das Regulatorenteam um Major Lucas Priest, Finn Delaney und Andre Cross im Jahre 1891 ankommt, ist die Katastrophe schon auf den Weg gebracht. Ru­dolf Rassendyll wurde in einem Zug auf dem Weg nach Ruritanien umgebracht und Finn, der sowohl Rassendyll als auch König Rudolf dummerweise wie aus dem Gesicht geschnitten ist, soll Rassendylls Stelle einnehmen. Das Team soll zugleich verhindern, dass die Zeitwächter den König entführen und gegebenen­falls in der Burg Zenda umbringen.

Was sie nicht wissen, ist, dass neben der rassigen Doppelagentin Falke, die bür­gerlich Sophia Falcon heißt, der illegitime Sohn ihres eigenen Vorgesetzten Mo­ses Forrester der zweite überlebende Kopf der Zeitwächter ist. Und dieser Mann, gezeugt in der tiefen Vergangenheit, später inkognito im 27. Jahrhundert ausgebildet und nun Teil der Terroristen, möchte seine ganz private Rechnung mit seinem Vater aufmachen …

Es ist eine ganz üble Geschichte, die hier aufgebaut wird, und sie ist übel in vie­lerlei logischen Bezügen. Das heißt NICHT, dass sie unlogisch ist, ganz im Gegen­teil. Sie ist deshalb so übel, weil sie logisch wird. Der Leser kommt sich vor wie bei einer verzwickten Schachpartie und muss ständig rochieren und täuschen, permanent die Augen offen halten und den regen Verstand eingeschaltet las­sen, weil die geschickt und raffiniert gespannten Fäden sehr schnell entgleiten können.

Wir haben es mit Betrügern aller möglichen Sorten zu tun. Mit Zeitreisenden wie immer in Hawkes Romanen, mit teuflisch geschickten Psychopathen, heim­tückischen Fallen, derben Überraschungen und, das macht den Roman so wun­derbar, mit psychologisch ausgefeilten Dialogen. Wer denkt, er stößt hier auf 08/15-Romanfiguren, wird sehr überrascht werden. Wer Situationskomik liebt, hervorragend dargestellte emotionale Effekte und beeindruckend in Szene ge­setzte Konfrontationen mag, kommt hier unstrittig voll auf seine Kosten. So­wohl die innere Zerrissenheit von Moses Forrester als auch die tödlich-brillante Psychosepersönlichkeit von Falke kommt ausgezeichnet herüber. Deutliche Sei­tenhiebe auf den adeligen Moralkodex, auf die Sinnlosigkeit der Existenz des britischen Herrscherhauses im 20. Jahrhundert und ansatzweise eine Diskussion um die Frage der Legitimation von Terrorismus als Waffe der Schwachen gegen­über den Starken bringen eminent moralische Aspekte in diesen Roman ein, die ihm ausgesprochen gut tun.

Zwar verfügt das Buch über eine ähnliche Grundstruktur wie der vorangegange­ne Roman „Das Pimpernell-Komplott“, doch ist dies wahrlich eine Oberflächlich­keit. Aus einer ähnlichen Anfangssituation entwickelt Hawke eine Reihe ganz ei­genständiger Charaktere und schafft es bis zum Schluss, eine sich ständig stei­gernde, dramatische Spannung aufzubauen. Wenn man auf Seite 238 die Sätze liest „Er versuchte, nicht an die Mission zu denken. Anscheinend war sie fehlge­schlagen“, dann ist die Spannung noch immer nicht auf dem Siedepunkt.

Ergo: ausgezeichnete, hochintelligente Unterhaltung, von der man noch einiges lernen kann. Sehr empfehlenswert.

© 2003/2018 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche könnt ihr euren armen, überhitzten Kopf wieder ein bisschen runterkühlen, Freunde. Ihr wisst, Clive Cussler und seine Coautoren stehen eher für lockere Abenteuerunterhaltung, und das bespreche ich dann nächste Woche, wo wir uns auf den Weg nach Südamerika machen.

Bleibt neugierig! Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 361: Close Up: Der OSM im Detail, Teil 13

Posted Februar 2nd, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

manchmal fallen Späne, wenn gehobelt wird, das ist leider auch so, wenn die Technik ein Update erhält – so geschehen bei mir gestern am 21. Dezember 2019, als ich aus technischen Grün­den gezwungen war, ein neues Betriebssystem aufzuspielen. Dumm gelaufen – denn meine Sicherungskopie der rund 40.000 Dateien, die sich hier nach und nach akkumuliert hatten, war nicht vollständig auf dem Laufenden. Ich hatte den Wochen-Blog 361 nämlich in den Tagen NACH der Sicherung geschrie­ben, und der verabschiedete sich nun in den Orkus.

Well, dumm gelaufen, wie gesagt. Aber was andere nur als Ver­lust wahrgenommen hätten, sah ich bei genauerer Überlegung als Chance an. Denn in meiner Erinnerung erwies sich, dass der Blog 361 doch ein wenig … länglich geraten war, zu viele Wie­derholungen enthielt. Also kann ich nun die Gelegenheit wahr­nehmen, ihn ein wenig konzentrierter neu zu schreiben.

Wie üblich befinden wir uns in diesem Abschnitt der Close Up-Artikelreihe in der Kurzrezensions-Wiedergabe des KONFLIKTS 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC), an dem ich zwi­schen 1983 und Anfang 1988 schrieb. In dieser Folge behandle ich die Episoden 61-65, die komplett im „Zeituniversum“ der Serie handeln.

Rückblick: Die Handlung der Serie ist zweigeteilt. In der Gegen­wart muss sich das Reich der Neuen Cranyaa unter der Kaiserin Sini-Ag zunehmend gegen die Attacken von TOTAMS Emissären wehren, während zugleich wichtige Protagonisten der positiven Seite in TOTAMS Gefangenschaft geraten. Indes ist ein Totge­glaubter wieder aufgetaucht, der zweite Helfer des Lichts, Klivies Kleines, nun ein humanoides Wesen aus lebendem Kristall.

Im „Zeituniversum“, der mehr als 500.000 Jahre tiefen Vergan­genheit, verfolgen derweil Oki Stanwer und seine Gefährten an Bord der STELE DER EWIGKEIT und der Lichtfestung OREOC Le­benszeichen. Während der Soogrer Goonex und der Calnarer Zephir-Gort an Bord von OREOC der Spur der ERNEUERER fol­gen, die das Sonnensystem der Zivilisation von Ceqqolar ausge­löscht haben, ist Oki Stanwer unterwegs in ein Sonnensystem, aus dem eindeutig künstliche Signale abgestrahlt werden …

Episode 61: Attentat auf Oki Stanwer

(31. Mai 1985, digitalisiert 2019)

Oki Stanwer und die STELE DER EWIGKEIT sind unterwegs in ein Sonnensystem, aus dem eindeutig künstliche, aber sehr schwa­che Signale gesendet werden. Auf dem Weg dorthin kreuzen sie überraschend den Kurs einer unheimlichen Flotte, die in schwarz-transparentes Eis eingeschlossen scheint, sich aber dennoch mit hoher Geschwindigkeit bewegt – und zwar in die­selbe Richtung wie die STELE auch.

Schlimmer noch ist die Erkenntnis Oki Stanwers: Er kennt diese Flotte. Es handelt sich um Tausende von TOTAM-Schlachtschif­fen, und er ist dieser Armada in einem früheren Leben schon einmal in TOTAMS Knochendimension begegnet. Es kann keine Rede davon sein, dass sie inaktiv ist. Vielmehr steht zu befürch­ten, dass das „schwarze Eis“ auf unheimliche Weise taut und die solcherart konservierten Truppen freigibt.

Oki Stanwer beeilt sich also, das Zielsystem zu erreichen, das nur über einen einzigen wüstenhaften Planeten verfügt. Es scheint unbewohnt zu sein, besitzt aber die Reste einer alten Zi­vilisation, deren letzte Rudimente noch funken. Bei einem Au­ßeneinsatz, den der Feldherr der Cranyaa unternimmt, wird un­vermittelt auf ihn ein Anschlag verübt – von einem Wesen, von dem er es nicht erwartet hätte … von einem Mitglied seiner ei­genen Besatzung!

Episode 62: Experimente der Vernichtung

(19. Juni 1985, digitalisiert 2019)

Die Lichtfestung OREOC erreicht in Verfolgung der Kegelschiffe der ERNEUERER ihr Ziel, ein unglaubliches Sonnensystem, das von einer offensichtlich künstlichen Schale von Dutzenden von Sonnen umringt wird. Der geheimnisvolle Anführer der „Gen­wächter von Zykhor“, Timor-Dol, hat Goonex zuvor schon be­richtet, dass die ERNEUERER gefährliche Wesen sind – er spricht, wie der Leser in diesem Band anhand einer Vergangen­heits-Handlungsebene erkennt, die Wahrheit und aus berufe­nem Mund.

Die ERNEUERER sind sein eigenes Volk, die DIGANTEN. Sie sind geniale Techniker, hohe Kegelwesen mit einem Kranz aus kurz­en Tentakel unterhalb der großen Facettenkugel, die ihren Kopf darstellt. Besonders intensiv haben sie sich, weil ihnen durch ihre stellaren Forschungen klar wurde, dass der Kosmos am Er­kalten ist, mit Entropiemechanik befasst. Auf diese Weise gerie­ten sie geradezu notwendig in den Aufmerksamkeitsfokus des Dämons Craathava von TOTAM, der im Zeituniversum die Fäden zieht.

Timor-Dol ist, bevor er von seinem Volk desertiert, Kommandant einer Flotte von Raumschiffen eines Hilfsvolkes gewesen, das bei einem entropischen Experiment Hilfestellung bot. Die Entro­pie-Experimente sollen dazu dienen, aus anderen dimensiona­len Universen Sonnen zu extrahieren und so die entropische Ab­kühlungsrate rings um das Sternensystem der DIGANTEN, das Tohl-System, zu verringern.

Als eines dieser Experimente fehlschlägt und die Hilfsflotte komplett in das fremde Kontinuum gesogen wird, verschmilzt Timor-Dol mit einem geisterhaft gewordenen Artgenossen und erkennt nun, dass möglicherweise jede Sonne, die die DIGAN­TEN in diesen Kosmos entführen, einem dortigen Sternenvolk fehlt. Auf diese Weise begehen die DIGANTEN kaltblütig Mas­senmord, was er nicht mehr länger mitmachen will. Timor-Dol meutert.

In der Gegenwart erreicht die Lichtfestung OREOC das Tohl-Sys­tem, aber entropische Folgewirkungen schwächen die ohnehin schon angeschlagene Lichtfestung, deren Funktionen nun im­mer schneller verfallen. Der Calnarer Zephir-Gort versinkt in Apathie … und der Mechanismus der Stasiskammer, in der der psychisch kollabierte Helfer des Lichts namens Gruhl ruhig ge­stellt worden ist, schaltet sich ab. Gruhl, halb wahnsinnig vor Blutdurst, erwacht und sucht nach Opfern – und es gibt an Bord nur zwei: Zephir-Gort und Goonex …!

Episode 63: Der Wahnsinnsplan

(6. Juli 1985, digitalisiert 2019)

Auch diese Episode, die die Ereignisse des Vorgängerbandes aufnimmt, besitzt zwei Handlungsebenen. Auf der nicht klar zeitlich eingeordneten Vergangenheitsschiene wird der meu­ternde Timor-Dol mit den linientreuen Artgenossen konfrontiert und erhält unvermittelt Hilfestellung von den entropisch verän­derten Hilfstruppen der vormals im anderen Kosmos verscholle­nen Raumschiffen. Es handelt sich um unheimliche, feurig-sche­menhafte Kreaturen, die man später als die NEGATIVEN be­zeichnen wird.

In der Gegenwart stellen die DIGANTEN die Annäherung der Lichtfestung OREOC fest und beschießen sie mit Entropierake­ten. Während das geschieht, treffen Goonex und Gruhl aufein­ander, und der Soogrer muss den Amok laufenden Helfer des Lichts in Notwehr erschießen … aber gleich darauf vermag die Lichtfestung die beiden Gefährten und den Calnarer Zephir-Gort in einer Energiesphäre zu evakuieren. Gleich darauf treffen die Waffensysteme der DIGANTEN OREOC und löschen die Lichtfes­tung aus.

Jetzt schiffbrüchig geworden, werden die Gefährten von einem anderen Raumschiff aufgenommen – ausgerechnet von einem Kegelschiff der DIGANTEN, so dass sie vom Regen in die Traufe kommen. Und es kommt noch unheimlicher, wie Goonex fest­stellt. Als der gegenwärtig betäubte Zephir-Gort zu sich kommt, spricht er plötzlich mit Gruhls Stimme – die mentale Essenz des Helfers des Lichts ist auf ihn übergegangen … aber ist das ein Lichtblick? Sie werden immer noch in die Gefangenschaft ins Tohl-System verschleppt und haben kein eigenes Raumschiff mehr …

Episode 64: Todesurteil für die Fremden

(26. Juli 1985, digitalisiert 2019)

Den DIGANTEN der Gegenwart ist zunehmend klar, dass ihre Ex­perimente, mit denen sie Sonnensystemen in anderen Kontinua die Gestirne rauben, nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Auf Dauer werden sie unterliegen und im erkaltenden Kosmos zugrunde gehen. Da bietet ihnen der Dämon Craathava einen Ausweg: unter seiner Anleitung bauen die Kegelwesen einen ti­tanischen Entropietransmitter, mit dem das Volk in Sicherheit gebracht werden kann.

Aber als der Entropiewaffenangriff auf die Lichtfestung OREOC mitten im Tohl-System stattfindet, zerbricht hier die Raumzeit, und aggressive entropische Kräfte beginnen damit, das Sonnen­system zunehmend zu zerrütten. Der Countdown der Vernich­tung ist eingeleitet.

Da die DIGANTEN von Craathava ideologisch auf TOTAMS Kurs eingeschworen worden sind – die Parallele zu den Waaklors in der Todeszone ist offenkundig – , sind sie überzeugt davon, dass Goonex und Zephir-Gort/Gruhl ihre Todfeinde sind, die der „To­desinkarnation“ Oki Stanwer zuarbeiten. Sie sollen darum zum Tode verurteilt werden.

Die Hinrichtungsart ist gewöhnungsbedürftig: die beiden Freun­de Oki Stanwers sollen durch den Giganttransmitter ins Nir­gendwo abgestrahlt werden, was aufgrund der extrem schädli­chen entropischen Emanation, auf die sie besonders heftig re­agieren, tödlich sein wird. Aber während das Tohl-System in sich zusammenstürzt und die letzten Stunden der DIGANTISCHEN Rasse anbrechen, passiert etwas Unerwartetes …

Episode 65: DAS TOR NACH KAWEKOR

(9. August 1985, digitalisiert 2019)

Und wie ist es parallel hierzu Oki Stanwer selbst ergangen? Er ist auf dem einzigen Planeten des Ovahaan-Systems (!) in eine Falle TOTAMS gelaufen, nachdem er einen alten Tempelkomplex in der Wüste entdeckte. Aus einem Tor heraus ist ein geheimnis­volles Wesen getreten, das Okis Attentäter auslöschte – es han­delt sich offenbar um ein Wesen namens Gehr-li, das Oki Stan­wer aus einem früheren Universum kennt und dem er vertraut.

Gehr-li verspricht, ihn durch das Tor ins Reich Kawekor zu holen, wo allein Frieden und Harmonie existieren. Als der Feldherr der Cranyaa diesem Vorschlag folgt, erreicht er tatsächlich ein selt­sam idyllisches, offenbar in einer parallelen Dimension gelege­nes Habitat, in dem scheinbar so monströse Wesen wie die Troohns selbst auch friedfertig sind.

Im Ovahaan-System sind inzwischen die Eisschiffe angekom­men, und wie befürchtet taut das „Eis“ ab und gibt die Feindraumschiffe frei. Viele von ihnen setzen Landetruppen ab, an­dere greifen massiert die STELE DER EWIGKEIT an.

Da der Kontakt mit Oki Stanwer abgebrochen ist, folgt ihm Dop­pelporter durch das Tempelportal nach Kawekor und wird hier Zeuge von dimensionalen Bruchzonen am Himmel, aus denen nun TOTAM-Landekommandos untoter Cranyaa abgesetzt wer­den, die Mord und Totschlag in Kawekor verbreiten.

Buchstäblich in letzter Sekunde gelingt es Doppelporter, Gehr-li als pflanzlichen Gestaltwandler zu entlarven und zu töten. Der Bann, unter dem Oki Stanwer steht, erlischt daraufhin. Hastig treten sie den Rückzug an, bei dem Oki Stanwer allerdings ver­wundet wird und das Bewusstsein verliert. Zugleich ist die STE­LE DER EWIGKEIT gezwungen, sich von einem Großteil ihres Schiffskörpers zu trennen. Nur noch 50 Kilometer lang, tritt das Riesenschiff der Sieben Lichtmächte die Flucht an, gedeckt von den Attacken der NEGATIVEN unter Timor-Dol, die hier auftau­chen …

Fürwahr, es sieht nicht schön aus für Oki Stanwer und sein zu­nehmend dezimiertes Team. In der nächsten Folge der „Close Ups“ blende ich wieder um in die Handlungsgegenwart und in die Galaxis Hun‘arc, wo TOTAMS Vasallen die nächsten Attacken auf das Reich der Cranyaa vorbereiten.

Neugierig bleiben, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 253: Radikal – Abenteuer mit Extremisten

Posted Januar 29th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

was sind „Extremisten“? Darauf kann man verschiedene Antworten geben. Klammern wir die der Mikrobiologen hier mal aus, die darunter Mikroorganis­men verstehen, wie sie etwa entlang der heißen Quellen am Grund des Ozeans existieren oder beispielsweise im Yellowstone-Nationalpark in siedendem Was­ser gedeihen.

Nein, wir reden hier von Menschen mit zum Teil abenteuerlichen Ansichten, die sie zumeist auch mit energischem Nachdruck vertreten: Antisemiten, Terroris­ten, Islamisten, Verschwörungstheoretiker unterschiedlichsten Couleurs. Sie gelten üblicherweise als abseitig und beunruhigen die Bürger im Alltag, wenn ihre Ansichten zutage gefördert werden. Ich fürchte, in jüngerer Vergangenheit kann man zu dieser Gruppe von Menschen auch so genannte „Reichsbürger“ oder jene Personen rechnen, die „Fake News“ verbreiten.

Der amerikanische Journalist Jon Ronson, der Erfahrung im Sondieren abson­derlicher Zeitgenossen und Denkwelten besaß (man erinnere sich nur beispiels­weise an sein Buch „Männer, die auf Ziegen starren“, das ich schon vor Jahren im Rezensions-Blog vorstellte), wollte eigentlich eine Reihe von Profilen von Ex­tremistenführern machen … aber das lief dann, wie er erzählt, etwas aus dem Ruder, als er auf eine umfassender Verschwörungsphantasie stieß. Eine, die in­teressanterweise nicht völlig aus der Luft gegriffen war.

So fing das Abenteuer für ihn tatsächlich an, und in diesem Buch berichtet er, wie diese Reise auf die Extremistenseite der menschlichen Gesellschaft im De­tail aussah. Eine äußerst unterhaltsame Reise voller Überraschungen. Wer neu­gierig ist und nicht gar zu leichtgläubig, der sollte an diesem Werk definitiv nicht vorbeigehen.

Warum? Na, schaut es euch mal näher an:

Radikal – Abenteuer mit Extremisten

(OT: Them – Adventures with Extremists)

von Jon Ronson

Salis-Verlag, Zürich 2007

292 Seiten, geb.

978-3-905801-01-9

Aus dem Englischen von Martin Jaeggi

Also, sagen wir es mal ganz offen: ich bin vermutlich ein heillos naiver Mensch, und da kann ich durchaus Jon Ronson anno 2000 die Hand schütteln (das Buch wurde kurz vor dem 11. September 2001 fertig gestellt, was einen guten Teil des Themas und der Behandlung desselben erklärt). Zwar bilde ich mir ein, über ein recht solides Allgemeinwissen zu verfügen, aber als mich kürzlich mein Brieffreund Helge so im Vorbeigehen auf eine so genannte „Bilderberg­gruppe“ aufmerksam machte, zog ich die Augenbrauen hoch und dachte mir: Was will er mir damit sagen?

Die Eingeweihten mögen nun nach Luft schnappen und sagen: Wie, du KENNST Bilderberg nicht? Tja, solche Menschen soll es geben. Ich zählte bis zum März 2011 dazu, und auch Jon Ronson gehörte dazu, bevor er dieses Buch zu schrei­ben begann, und er hätte, ehrlich gesagt, nie damit gerechnet, auf diese Leute zu stoßen.

Worum genau geht es in dem Buch, das nicht nur einen extremen Titel trägt, sondern auch einen ebenso extremen (und an vielen Stellen einen zugleich ex­trem absurden und abenteuerlichen) Inhalt besitzt? Ronson schreibt dazu Fol­gendes zur ursprünglichen Ausrichtung: Radikal begann als eine Reihe von Profilen von Extremistenführern, aber entwickelte sich schnell zu etwas viel Selt­samerem. Mein ursprünglicher Plan war, mit Leuten Zeit zu verbringen, die als politische und religiöse Ungeheuer der westlichen Welt gelten: Islamisten, Neo­nazis etc. Ich wollte sie in ihrem Alltagsleben begleiten. Ich dachte, es wäre in­teressant, einen Blick auf unsere Welt zu werfen, indem man in ihre Welt geht und neben ihnen steht, während sie uns anstarren.“

So weit, so gut. Das klingt dann schon abenteuerlich genug. Aber dann ging das Experiment des – übrigens jüdischen – Autors Jon Ronson (was im Kontext noch durchaus wichtig wird, ansonsten wäre mir der Glauben oder die Abstammung eines Verfassers reichlich gleichgültig, weil mich sonst lediglich interessiert, ob er/sie interessante Bücher zu schreiben versteht und Standpunkte vertritt, die ich auch vertreten kann) etwas gründlich schief. Er entdeckte nämlich etwas, was er eigentlich nicht erwartet hatte.

Er berichtet weiter: „Dies [einen Blick auf unsere Welt werfen, aus der Warte der Extremisten] haben wir eine Weile lang getan. Und dann stellte ich fest, sie alle teilen einen Glauben: dass eine kleine Elite die Welt aus einem geheimen Raum regiert. Diese beginne die Kriege, sagte man mir; sie suchten sich unsere Staatsoberhäupter aus, kontrollierten Hollywood sowie die Märkte und Kapitalf­lüsse, unterhielten einen Harem aus minderjährigen, entführten Sexsklaven, verwandelten sich, wenn niemand zusehe, in drei Meter lange Echsen und zer­störten die Glaubwürdigkeit all jener, die bei ihren Untersuchungen der Wahr­heit zu nahe kämen.“

Da dachte ich mir, an Ronsons später geschriebenes und absolut beeindrucken­des Buch „Männer, die auf Ziegen starren“ denkend: das ist was für mich. Nicht zuletzt, weil es so total abgedreht klang. Und so kaufte ich das Buch und ver­schlang es. Zunächst einmal – ich lag vollkommen richtig mit meiner Einschät­zung. Und das ist noch sehr zahm ausgedrückt.

Du meine Güte, kann ich im Nachhinein nur sagen, ich glaube, das Buch ist eine Melange zwischen einem Horrorschocker, einer verschärften Satiresendung und einer Gehirnwäsche, so verrückt sich das jetzt auch anhören mag. Die Idee oder auch die Chuzpe, sich als Autor jüdischen Glaubens in das Abenteuer zu stür­zen, das Ronson hinter sich hat, ist schlichtweg haarsträubend. Die meisten Leu­te, mit denen er zusammen war, würde ich nicht mal kennen lernen WOLLEN, erst recht nicht, wenn ich wüsste, dass diese Leute das Judentum HASSEN. Und ein paar Male gerät er deshalb auch in knifflige Situationen. Ich meine, wie wür­de es euch denn in seiner Lage ergehen? Ihr befindet euch in einem Islamisten-Trainingslager und werdet gefragt, ob ihr Jude seid?! Oder im Lager der ameri­kanischen Neonazis der Aryan Nation? Witzig ist etwas anderes …

Aber Ronson war neugierig geworden, und während er sein Projekt der Por­traits von Extremistenführern fortführte, wollte er natürlich auch die Weltsicht dieser Leute verstehen. Und zu dieser Weltsicht gehörten nun einmal auch die­se tief greifenden Verschwörungsvorstellungen.

Ronson weiter: „Ich fragte sie nach den Einzelheiten. Wussten sie, wo sich der geheime Raum befand? Aber ihre Auskünfte waren vage. Manchmal, sagten sie, treffe sich die Elite in Hotels und regiere die Welt von dort aus. Jeden Som­mer, fügten sie hinzu, besuchten sie zusammen mit Präsidenten und Premiermi­nistern ein luziferisches Sommerlager, wo sie sich in Roben kleideten und am Fuße einer gigantischen steinernen Eule Opfer verbrennen.

Ich entschied mich, die Sache selbst zu klären. Wenn es wirklich diesen gehei­men Raum gab, dann musste er sich irgendwo befinden. Und wenn er sich ir­gendwo befand, dann konnte man ihn finden. Und so begab ich mich auf die Su­che. Es war eine gefährliche Reise. Ich wurde von Männern mit Sonnenbrillen verfolgt, die mich hinter Bäumen versteckt beobachteten, und sah zu – so un­wahrscheinlich dies nun klingen mag – , wie internationale Wirtschaftsführer an einem bizarren heidnischen Eulenverbrennungsritual in den Wäldern von Nord­kalifornien teilnahmen, an einem Ort namens Bohemian Grove …“

Darunter, das sollte man vielleicht noch hinzufügen, so prominente Leute wie Bill Clinton, George Bush jr., Henry Kissinger und John Major, von vielen ande­ren, die Ronson in diesem Zusammenhang dingfest macht, ganz zu schweigen. Während sich vieles in Ronsons Buch wirklich abstrus liest und z. T. durch die Art der Darstellung vielfach ironische oder quasi-ironische Züge trägt, sind man­che Fakten definitiv unbestreitbar.

In einigen Dingen haben die Verschwörungstheoretiker nämlich leider durchaus Recht – mögen sie nun islamische Fundamentalisten sein, amerikanische Neo­nazis der Aryan Nation, fanatische Waffennarren, die der Ansicht sind, dass die UN und die amerikanische Regierung sich anschicken, eine subversive Weltre­gierung zu errichten und die Menschheit zu versklaven, Leute, die glauben, dass Gestalt wandelnde Riesenechsen die irdische Gesellschaft unterwandert haben oder solche, die denken, alle internationale Politik werde von einem kleinen, elitären Zirkel ferngesteuert (ganz gleich, ob man dahinter dann Juden, Interna­tionalisten, Kommunisten, Illuminaten oder die Bilderberger vermutet):

Ja, es gibt einen elitären Kreis von hochrangigen Wirtschaftsfunktionären und Politikern, die man den „Bilderberg-Kreis“ oder die „Bilderberggruppe“ nennt (nach einem Hotel, in dem sie sich 1954 das erste Mal getroffen haben).

Ja, es gibt definitiv einen Ort namens Bohemian Grove, an dem das oben er­wähnte Sommerlager stattfindet (an dem letztlich dann auch der Verfasser es schaffte, sich einzuschmuggeln, so dass er aus erster Hand von diesem abstru­sen Ritual berichten konnte).

Und ja, die Verschwörungstheoretiker sind felsenfest davon überzeugt, dass die Welt auf ganz andere Weise funktioniert, als es uns die Meinungsmacher in den Medien üblicherweise erzählen.

Das heißt nun indes nicht, dass alles stimmt, was die Verschwörungstheoretiker glauben. Oder dass man Extremisten uneingeschränkt Glauben schenken (schaut euch mal die Sache mit den Echsen an und fragt euch, ob sie da wirklich von Echsen reden oder vielleicht eher von Juden oder sonst irgendetwas) und von allen eigenen Vorstellungen Abschied nehmen muss. Das wäre freilich weit überzogen. Aber wenn man dieses Buch unter der Prämisse liest, dass man ein wenig skeptischer über das nachdenken will, was gemeinhin in den Medien als internationale oder nationale Politik verkauft wird, dann findet man hier genü­gend lose Enden und Hinweise, um selbsttätig weiterforschen zu können. Das ist der eine Mehrwert des Werkes und ein guter Grund, es zu lesen. Es fördert die kritische Mündigkeit des Lesers, solange er nicht naiv wortgläubig jeden Buchstaben darin glaubt.

Zum zweiten, und das entschärft den ersten, kritischen Punkt vielleicht ein we­nig, trägt Ronsons ironischer Stil, der schön konturiert die Absurditäten des Themas herausarbeitet, dazu bei, Entdämonisierung zu betreiben. Das wird vielleicht an keinem Punkt besser deutlich als bei dem Islamisten Omar Bakri (Kapitel 1: „Ein Reihenhaus-Aytollah“) oder bei dem bizarren Ritual in Bohemian Grove (Kapitel 13: „Die Lichtung im Wald“). Ich denke, man kann nicht gut der Ansicht sein, Ronson sei „von Bilderberg gekauft“, um die Bedeutung der Bilder­berg-Gruppe herabzuspielen, obwohl es bestimmt in der Szene Leute geben wird, die derlei Vermutungen aufbringen … Verschwörungstheoretiker neigen zu den seltsamsten Annahmen, und selbst wenn ihre Vermutungen NICHT zutref­fen, neigen sie oft genug dazu, zu denken, genau DAS sei doch ein Zeichen da­für, dass sie RECHT haben … Fanatiker, leider, wie man seufzend sagen muss. Sie schalten beim Denken das Gehirn ab und behaupten selbstverständlich immer das Gegenteil.

Wie gesagt, solche Leute gibt es immer, aber wir Leser zählen hoffentlich zu den klügeren, aufgeschlosseneren und intelligenteren Zeitgenossen, die auch die oben erwähnten Vorteile dieses sehr unterhaltsamen Buches zu würdigen wis­sen. Denn Ronsons Stil macht selbst die kuriosesten Zumutungen ausgespro­chen lesenswert.

Der dritte Vorzug, den ich ausgemacht habe, besteht in einem bemerkenswer­ten Blick auf die Islamistenszene vor dem 11. September 2001. Selbst nachdem inzwischen der Tod von Osama bin Laden vermeldet worden ist, bin ich leider der Ansicht, dass der so genannte „Krieg gegen den Terror“, der seit Ende 2001 die Weltgeschichte vergiftet und schon so viele zehntausend Menschen (man­che sagen, es seien viele hunderttausend, aber die Zahlen schwanken natürlich sehr stark, und die Dunkelziffer ist bestimmt noch viel höher) das Leben gekos­tet hat, letzten Endes ein vergeblicher Kampf ist.

Das alles stand eigentlich von Anfang an fest. „Der Terror“ ist nun einmal kein klar konturierter Gegner, sondern ein ideologisches Phantom, dem jeder die Kontur geben kann, die ihm passt. Ein ideales Totschlagargument wie beispiels­weise auch „Antisemitismus“ (auch hierzu hat das vorliegende Buch eine Men­ge Interessantes zu sagen, dem ich teilweise zustimme) oder „Kommunismus“ und so weiter. Und ich habe nun mal eine Abneigung gegen derlei Ideologien, es wird einfach viel zu viel Schindluder damit getrieben und Unheil angerichtet. Man kann es nicht oft genug betonen.

Das Ausschalten eines vorgeblichen oder realen Anführers einer solchen radika­len Bewegung scheint mir absolut nutzlos, jedenfalls auf lange Sicht betrachtet. Schließlich wachsen ständig neue Führungspersönlichkeiten nach. Sie alle nach­einander wegzupusten, das kann man kaum mehr demokratisch nennen (das ist aber durchaus „Sitte“ etwa in Israel, einem vorgeblich demokratischen Staat, dessen demokratisches Gebaren ich an dieser Stelle mal aus diesem Grund in Frage stellen möchte). Es ist vielleicht auch eine klassische, amerikanische Sicht­weise, die auf die Konfrontationspolitik im Wilden Westen zurückging und in Western immer wieder zu bestaunen ist: der Böse kommt in die Stadt, der She­riff fordert ihn zum Duell auf der Main Street heraus, erschießt ihn, und die Ordnung ist wieder hergestellt.

Sorry, aber so funktioniert Politik nicht. Es steht zu befürchten, dass uns „der Terror“ noch sehr lange beschäftigen wird. Aber dieses Buch zeigt uns, wie wir­kungslos zumindest radikale Islamisten vor „9/11“ waren. Heute kann man sich solche beinahe rührende Szenen, wie Ronson sie mit Omar Bakri mitmacht, kaum mehr vorstellen.

Vom Rest des wirklich sehr lesenswerten und an manchen Stellen ziemlich übel ekelhaften Buches sage ich dann lieber nichts weiter. Ich betone nur noch ein­mal: mit den meisten Leuten, mit denen sich Jon Ronson auf zum Teil sehr haar­sträubende Weise trifft und mit denen er Umgang pflegt, um dieses Werk zu schreiben, würde ich lieber keinen Umgang haben wollen, und das liegt nicht nur an ihren kruden Verschwörungstheorien. Die Extremisten lauern wirklich fast überall, und dies ist ein leichter Einstieg in diese verschrobene Welt, die manchmal nur durch Zimmerwände von unserer Normalität getrennt ist. Wer das Abenteuer eines Besuchs wagen möchte, lese dieses Buch. Ich denke, er wird es nicht bereuen.

© 2011 by Uwe Lammers

Wirklich, das ist eine Abenteuerkur, die man vermutlich mehrmals im Leben wiederholen kann – denn natürlich weitet sich der Denkhorizont eines jeden Lesers, der meine ebenfalls, im Laufe der Jahre aus. Und ich glaube zuversicht­lich, weitere Andeutungen, die ich bei der Erstlektüre nicht verstanden oder re­gistriert habe, in kommenden Jahren begreifen zu können. Allein diese Einsicht macht das Buch schon zu einer wichtigen Informationsquelle – und zu einem Lesevergnügen sowieso.

In der nächsten Woche wird es dann auf Science Fiction-Art phantastisch: es geht wieder um die „Time Wars“, von denen nur fünf Bände auf Deutsch über­setzt sind. Im angelsächsischen Sprachraum ist die Serie sehr viel umfangrei­cher, wie ich heute weiß (danke für die Info, Joe!).

Bis demnächst also, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

der Monat, über den ich heute berichten möchte, war ein ziemlich wildes Pot­pourri an Aktivitäten verschiedenster Art – zum einen war ich noch rekonvales­zent wegen meiner heftigen Erkältung (ein wenig Husten ist nach wie vor exis­tent), dann gab es zahlreiche Aktivitäten für die KreativRegion, wodurch ich ge­rade in den letzten Tagen einige sehr interessante Leute kennen lernen durfte. Was sich daraus mittel- und langfristig ergibt, besonders aber (worauf meine neue Arbeitsberaterin im Jobcenter mit Recht abhob), ob daraus schlussendlich eine bezahlte Beschäftigung resultiert, die mich aus der derzeitigen Abhängig­keit von ALG II löst, das kann ich aktuell noch nicht beurteilen.

Ach ja, und dann gab es da diesen wirklich verrückten Tag gegen Monatsmitte, wo ich Baustellenbesuche machte … ich erzähle davon in zwei Wochen Nähe­res, das soll hier nur am Rande thematisiert werden. Aber ihr werdet es un­übersehbar weiter unten in der Aufstellung entdecken, in der ich Aufschluss darüber gebe, wo ich im Rahmen des Oki Stanwer Mythos (OSM) vorangekom­men bin.

Denn das bin ich tatsächlich. Aktuell steht der OSM auf Band 1932, ich bin sehr tief eingetaucht in ein altes Abenteuergarn, das am Rande der Grünen Galaxis Bytharg auf bzw. eigentlich im Innern einer würfelförmigen Welt namens EWIG­KEIT EINS spielt und begleite hier rebellische Totenköpfe und reptiloide Gestalt­wandler plus ein paar verzweifelte, verstreute Seelen, die es auf unschönen Wegen hierher verschlagen hat.

Wie meint ihr? Das klinge doch sehr nach KONFLIKT 21 des OSM, also der Serie „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“? Recht habt ihr. Ich stecke tief in Band 43 und habe erste Ahnungen, wie sich die Handlung nach Band 50 auswirken wird. Nach langen Jahren des Stillstands an dieser Serie komme ich hier also nun end­lich wieder vom Fleck. Mal sehen, wie lange dieser Arbeitsflash dauert. Ihr wisst ja, meine Kreativität ist etwas … nun, sagen wir … erratisch und unkontrollier­bar.

Wie dem auch sei – mit 31 fertigen Werken für den Monat Oktober 2019 konn­te ich recht zufrieden sein. Ich hätte beinahe noch mehr geschafft, wenn nicht … ah, aber dazu sage ich am Ende mehr.

Blogartikel 356: Work in Progress, Part 82

(E-Book „BdC 2: Gestrandet in Bytharg“)

12Neu 75: Der Schläfer

(12Neu 77: Im Herz von Koopen)

(OSM-Wiki)

(12Neu 78: Soffrols Imperium)

(12Neu 79: Das Konzil der Baumeister)

Anmerkung: Zu diesem sehr wichtigen Band des KONFLIKTS 12 ist zu sagen, dass er textlich inzwischen schon digitalisiert ist, aber die finale Kommentierung fehlt. Ich denke, dass ich dazu im November kommen werde.

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“)

(E-Book „TI 32: Krisenherd Xoor’con“)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“)

14Neu 75: Im Reich der Plegg’re

(14Neu 77: Das verdammte Heer)

(Sterneninsel der Wunder – OSM-Roman)

Anmerkung: Auch an dem jüngst unter diesem Titel begonnenen Aufarbeiten des KONFLIKTS 3 des Oki Stanwer Mythos kam ich ein Stück weit voran. Aber dann kam der 14. Oktober, und ich war gedanklich ganz woanders. Wo? Das seht ihr in zwei Wochen recht gründlich.

(IR 43: Die Klippe des Schicksals)

Anmerkung: Band 43 dieser Serie ist nach bisherigem Kenntnisstand der Hand­lung der Endband des KONFLIKTS 4. Er stellte mich, als ich hier die Gesamttitel­liste der Serie einbaute, vor ein ganz pikantes Problem, das ich so noch nicht er­lebt habe – normalerweise, müsst ihr wissen, gebe ich am Ende einer OSM-Serie immer einen Ausblick auf den nächsten KONFLIKT, in diesem Fall auf KONFLIKT 5. So wäre es normalerweise. Aber was in KONFLIKT 5 geschehen ist bzw. ge­schehen wird, kann ich aktuell noch nicht mal im Ansatz sagen. Zwar gehe ich davon aus, dass ich schon gewisse Bildblenden sehen werde, sobald ich mit dem Schreiben von KONFLIKT 4 soweit bin, dass ich die letzten Seiten an Band 43 schreiben kann, aber das ist noch nicht sicher.

Momentan existiert hier also eine Leerstelle. Mal schauen, wie sich das entwi­ckelt, ich habe da selbst noch keinen blassen Schimmer.

(Rilaans Geschichte – OSM-Novelle)

(Das Geheimnis von Church Island – OSM-Novelle)

Anmerkung: Der Plan war eigentlich, diese Zwischengeschichte zwischen den E-Books „CK 1: Vorbeben“ und „CK 2: Monstererwachen“ bis Herbst 2019 fertig­zustellen und separat zu publizieren. Dummerweise HABEN wir schon Herbst 2019, aber die Geschichte ist noch nicht einmal zur Hälfte fertig. Dumm gelau­fen. Ich sagte ja, meine erratische Kreativitätsader lässt mich da zuweilen etwas im Stich. Aber ich spüre schon deutlich, dass diese Novelle weiter drängt … ich bin also zuversichtlich, bis Jahresende und Frühjahr 2020 daran deutlich voran­zukommen. Was den Publikationsort selbst angeht, so möchte ich mich da mo­mentan noch bedeckt halten.

(Bewusstwerdung – OSM-Story)

Anmerkung: Diese Story hatte einen etwas eigenartigen Anfang, und ich spürte in diesem Monat, dass sie recht eigentlich ganz anders beginnen müsste … und schrieb einen guten Teil davon um. Von Fertigstellung kann auch hier leider den­noch keine Rede sein.

(TI 55: Die Anthrazitlegion)

(TI 58: Das ZYNEEGHAR-EXIL)

(TI 47: Brückenschlag in die Katastrophe)

(DKdO 19: Lügengespinste)

(FvL 44: Die Tiefenseele)

(TI 57: Depot der Baumeister)

(DM 64: Der Raumzeitgletscher)

(NK 57: Sardoons Plan)

(Das Rätsel von Garos – OSM-Hintergrundtext)

(DSf 63: Strandgut aus der Zukunft)

(Die Kondenswesen – OSM-Story)

(IR 31: Die Sturmfestung)

(IR 32: YALVASHINGAR)

(IR 36: Die Sklavenwelt)

(IR 38: Entscheidung in YALVASHINGAR)

(IR 40: INSEL in Flammen)

(IR 41: Geister des Gestern)

(IR 42: Überlebenskampf auf TOTAM)

(IR 26: Odyssee in Uuridan)

(IR 27: Kettenreaktion)

(TI 49: Neugierde und Mitleid)

(Beweis aus Glas – OSM-Story)

(Begehbar – OSM-Story)

(HdH 8: Fremde im Hellen Dom)

(HdH 5: Am Großen Strom)

(TI 54: Die Jenseitsarche)

Anmerkung: Diese gigantische Häufung von angefangenen, aber nicht abge­schlossenen Projekten überrascht euch? Tja, mich in gewisser Weise auch, als es dann passierte. Ich erzähle hiervon in zwei Wochen mehr.

14Neu 76: Gott der Plegg’re

(14Neu 78: Gegenschlag Ghoyyol)

(12Neu 76: Spione für TOTAM)

FvL 42: Bei den Bytharg-Rebellen

Anmerkung: Das war echt ein kleines Offenbarungs-Erlebnis! Diese Episode war seit 2012 in Arbeit, schon sehr weit seitenmäßig gediehen, und dennoch kam und kam sie einfach nicht vom Fleck. Gleichwohl schien sie mir bereits halb fer­tig (was stimmte). Das ging mir furchtbar gegen den Strich, so dass ich mich in diesem Monat endlich mal am Riemen riss, ein paar Episoden der Serie nachlas und schließlich in einem schönen Kreativ-Flow dieses Werk abschloss.

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“)

(FvL 48: DIE PROVOKATION)

(FvL 43: Rätsel von EWIGKEIT EINS)

(NK 54: Tödliche Entscheidung)

Anmerkung: Könnt ihr euch meinen ungläubigen Schreck vorstellen, als ich im OSM-Fragmentordner III dieses Fragment entdeckte und feststellte, dass der Ausdruck gerade einmal 11 Seiten lang war und noch aus dem Jahre 2012 stammte?

Verdammt, daran habe ich doch sehr umfänglich weiter gearbeitet! Warum habe ich das nicht ausgedruckt?“, schimpfte ich mit mir selbst.

Ich sah nach und entdeckte mit sich kräuselnden Nackenhaaren, dass das jetzi­ge Skript 85 (!) einzeilige Seiten umfasste. Und keinerlei Sicherheitsausdruck! Das ging ja gar nicht an! Also investierte ich zwei Arbeitstage, um Bagatellfeh­ler in der Episode auszubügeln und sie dann neu auszudrucken. Dabei ging mir der Gedanke durch den Kopf, dass das hier der würdigste Kandidat für OSM-Band 2000 sein wird, der mutmaßlich im Frühjahr/Sommer 2021 vollendet sein dürfte, wenn ich mein gegenwärtiges Arbeitstempo beibehalte. Ein toller Ge­danke.

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“)

Anmerkung: Ich habe das wohl vor Jahren schon mal geschrieben – ein Glossar einer OSM-Serie ist nicht gleich dem Lexikon derselben. Das sind bei mir zwei grundverschiedene Dateien. Genau genommen müsste man das „Lexikon“ ei­gentlich in ein Begriffsregister umwidmen, denn das ist es recht eigentlich. Während das „Glossar“ die mehr oder minder ausführlichen Inhaltserklärungen beinhaltet und auf den Lexikonseiten (!) der Serienepisoden fußt, werden im obigen „Lexikon“ nur die Begriffe und Erstnennungen sowie die Ziffern jener Epi­soden genannt, in denen die Begriffe im Rahmen der Lexikonseiten der Episoden aufgeschlüsselt werden.

Nun, ich stellte einigermaßen konsterniert fest, dass ich auch hier mit der Erfas­sung der Begriffe im Jahre 2012 stecken geblieben war (woran man sehen kann, was mein aufkeimendes E-Book-Programm so alles an die Seite schob, es gibt da noch mehr solche Kandidaten). Das FvL-Lexikon umfasste 26 Seiten. Wer das für viel hält, hat leider zu wenig Hintergrundwissen.

Ich glich tagelang mit der aktuellen digitalen Version des Glossars der Serie ab und ergänzte handschriftlich die Änderungen auf dem alten Ausdruck des FvL-Lexikons. So wurden rasch aus ursprünglich 26 Seiten deren 33. Und dann nahm ich mich auch des Glossars an, von dem auch nur etwas mehr als 50 Seiten aus­gedruckt waren. Der aktuelle Endstand betrug aber 126 Seiten … es ist offen­kundig, dass hier längst Handeln angesagt war.

Was ich indes nicht sofort verstand, war allerdings dies: sowohl die Arbeit am Lexikon wie auch am Glossar bedurfte sehr viel Zeitinvestition, und je mehr ich mich darin vergrub, desto geschwinder raste auch die Zeit dahin, als wenn ich in einem wilden Wildwasserstrom talwärts gerissen würde, ohne es recht eigent­lich zu merken.

Und so gelangte ich äußerst rasch bis zum 31. Oktober und war völlig verdat­tert, zu entdecken, dass der Monat schon wieder rum war.

Schade eigentlich, denn ich hatte durchaus vor, FvL-Band 43 abzuschließen, an dem ich solide vorwärtsgekommen war. Das muss ich dann auf Anfang Novem­ber verschieben. Zunächst aber einmal grundlegende Ordnung in der Organisa­tionsstruktur von KONFLIKT 21 zu schaffen, an dem ich ja nun schon seit über 30 Jahren schreibe (es ist wirklich höchste Zeit, die Serie zu vollenden, zumal ich seit 2003 recht genau weiß, wie sie enden wird), das war auch eine sehr befrie­digende Erfahrung. Nur kostete es natürlich Zeit, die beiden Listen nun gescheit zu formatieren und dann neu auszudrucken. Deshalb kam ich von „Church Island“ wie von meinen E-Book-Skripten wie auch in der angepeilten Episode FvL 43: „Rätsel von EWIGKEIT EINS“ nicht weiter voran.

So ist das, wenn man im Kreativ-Flow ist … Zeit wird völlig nebensächlich, und Pläne, die man macht, sind mitunter schneller Makulatur, als man glauben mag. Doch wie dem auch immer sein mag – grundsätzlich bin ich mit der Kreativaus­beute von Oktober 2019 durchaus zufrieden. Und es sieht gut aus, dass sich die letzten beiden Monate des Jahres 2019 ähnlich positiv entwickeln werden. Bei­zeiten werdet ihr das sehen, ob meine aktuelle Prognose zutrifft.

In der nächsten Woche schicke ich euch zurück in den KONFLIKT 14 des OSM, in die Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC), wo der Tod reiche Ernte im „Zeituniversum“ halten wird.

Ihr merkt, es bleibt spannend. Bleibt dabei, Freunde!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 252: Manon Lescaut

Posted Januar 22nd, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ich wünschte wirklich, ich hätte diesen Roman schon gelesen, als ich noch in meinem Geschichtsstudium steckte … aber das war anno 2006, als es dann tat­sächlich zur Lektüre kam, schon ein paar Jahre beendet. Denn auf interessante Weise belebte dieser stark autobiografisch vom Verfasser, dem Abbé Prévost, geschriebene Roman meine Kenntnisse des vorrevolutionären Frankreichs im 18. Jahrhundert zu neuem Leben.

Allein das fand ich schon entzückend, und meine daraufhin angestellten biogra­fischen Recherchen waren vermutlich noch interessanter … doch das allein macht nicht den Reiz des vorliegenden Romans aus. Er ist auch darüber hinaus eine interessante Lektüre für alle, die leidenschaftliche Irrungen und Wirrungen des Herzens mögen (die, wie allein die Buchhandlungen zeigen, ein zeitloses Thema sind und bis heute ungezählten Leserinnen und Lesen gefallen).

Die abenteuerliche Geschichte der schönen, jungen Manon Lescaut und ihres Liebhabers, des Chevalier Des Grieux, gehört meiner Ansicht nach zu den unbe­dingt lesenswerten Büchern, die auch Jahrhunderte nach ihrer Abfassung wenig von ihrem Potenzial eingebüßt haben (dazu zählt übrigens meiner Ansicht nach auch unbedingt Cervantes´ „Don Quichotte“, das sogar aus dem 17. Jahrhundert stammt und das ich euch sehr ans Herz legen möchte – und zwar nicht in der reduzierten, sondern in der dreibändigen vollständigen Ausgabe!).

Bereit, ins vorrevolutionäre Frankreich einzutauchen? Dann lest weiter, Freun­de:

Manon Lescaut

(OT: L‘Histoire du Chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut)

von Antoine-Francois Prévost (d’Exiles) = Abbé Prévost

Bechtermünz-Ausgabe

Augsburg 2001, 212 Seiten, geb.

Aus dem Französischen von Karl Görke

Der Ich-Erzähler dieser Rahmengeschichte ist ein ungenannter Reisender, der Anfang des 18. Jahrhunderts, mutmaßlich etwa um das Jahr 1730 in der Nähe von Evreux eine Pause macht und dabei Zeuge eines seltsamen Menschenauf­laufs wird. Als er sich erkundigt, was denn los sei, wird ihm erläutert, es sei nichts Besonderes, nur eine Gruppe von einem Dutzend Freudenmädchen, die nach Le Havre eskortiert würden, um dann gen New Orleans verschickt zu wer­den.

Was indes interessanter scheint, ist ein bildhübsches und charakterstarkes Mäd­chen, das unter den ordinären Huren offenkundig fehl am Platz zu sein scheint – und ein junger, nicht weniger hübscher Mann, der, todunglücklich in die Schöne verliebt, dem Tross folgt.

Der Reisende spendet dem armen Kerl ein wenig Geld, damit er mit seiner An­gebeteten reden kann, und danach trennen sich die Wege von Reisendem und den Verliebten. Zwei Jahre später jedoch ist der Reisende zufällig in Calais, als er überraschend meint, jenen verzweifelten jungen Mann wiederzuerkennen – und er ist es tatsächlich.

Er erkennt den edlen Spender wieder, dankt ihm und dem Himmel, und nun ist er mehr als nur bereit, ihm für die erwiesene Gnade die Geschichte seines Le­bens und seiner Angebeteten, der schönen Manon Lescaut, zu berichten. Der Großteil des Buches besteht aus den Berichten des unglückseligen Chevalier Des Grieux, der sein Lebensglück, seine Moral und sein Geld völlig aufbrauchte, allein, um seiner Geliebten zu gefallen …

Der Chevalier, gerade mit seiner Schulausbildung fertig geworden und bereit, in einen Orden einzutreten und Theologie zu studieren, trifft auf der Reise nach Paris zusammen mit seinem Freund Tiberge eine blutjunge, wunderschöne Schönheit, die von ihrem Vormund ins Kloster gesteckt werden soll. Der sehr träumerische, romantische und leidenschaftliche (und leider auch sehr naive) Chevalier Des Grieux beschließt, alle Pläne seines Vaters und alle Ratschläge sei­nes Freundes über Bord zu werfen. Er freundet sich mit der hinreißenden Ma­non Lescaut, so der Name des sechzehnjährigen Mädchens, an, und zusammen brennen sie durch. Und damit beginnt ihr dramatisches Schicksal – denn sowohl Des Grieux´ Vater als auch Manons verdorbener Bruder setzen alles daran, der beiden habhaft zu werden, der eine, um seinen Sohn auf die rechte Bahn zurückzulenken, der andere, um das Glück und die körperliche Schönheit seiner Schwester sowie die Naivität ihres jungen Liebhabers auszunutzen.

Zahllose Monate abenteuerlichster Verwicklungen und Verwirrungen schließen sich an, gewürzt mit dramatischen Vorwurfsszenen, pathetischen Dialogen, reichlich fließenden Tränenströmen und Schicksalsschlägen, aber man kann mit Fug und Recht behaupten, dass es an keiner Stelle langweilig wird, dem win­dungsreichen Schicksal der beiden Verliebten zu folgen, die sich in immer grö­ßere Schwierigkeiten hineinbugsieren, bis die Liebe schließlich fast zwangsläufig Schiffbruch erleidet …

Der bürgerliche Autor des Romans, Antoine-Francois Prévost (d’Exiles), genannt Abbé Prévost, wird am 1. April 1697 in Pas-de-Calais geboren und stirbt nach ei­nem kaum minder abenteuerlichen Leben, das er überwiegend als Schriftsteller verbringt, am 23. November 1763 in Courteuil bei Chantilly. Er verfasste zahllo­se Werke, viele davon mit autobiografischem Einschlag, von denen heute wohl alleine noch dieses hier, „Manon Lescaut“, bekannt ist.

Ursprünglich für eine Jesuitenlaufbahn vorgesehen, überwarf sich Prévost 1712 mit seinem Vater (man spüre die Parallele dazu in diesem Roman!), bricht sein Theologiestudium vorzeitig ab und geht stattdessen zur Armee, um am Spani­schen Erbfolgekrieg teilzunehmen. Zwar schließt er später sein Theologiestudi­um ab, kehrt aber im Noviziat erneut den Jesuiten den Rücken (vgl. den Roman) und wird wieder Soldat. Wieder wechselt er zu den Jesuiten, dann zu den Bene­diktinern.

Zwischenzeitlich beginnt er aber bereits mit den Arbeiten an einem umfangrei­chen Roman, der in mehreren Teilen in den nächsten Jahren publiziert wird, und wer „Manon Lescaut“ gelesen hat, wird meine Ansicht teilen, dass Prévost definitiv nicht zum Mönch oder Soldaten, sondern zum Schriftsteller berufen war.

Flucht aus dem Kloster (vgl. Roman), Reise nach England, dort Antritt einer Hauslehrerstelle für einen jungen Mann, dessen Schwester er ehelichen möchte (vgl. in gewisser Weise auch hierfür den Roman), dann königliche Verfolgung durch einen Haftbefehl (lettre de cachet1), schließlich frustrierende und über­aus kostspielige Liebesereignisse mit der Haager Edelkurtisane Lenki Eckhardt (um 1731), all das verleiht dem Leben des Bürgersohns und Theologen Prévost eine so bekannte Unstetigkeit, dass es dem Wissenden leicht fällt, in der Gestalt des vom Unglück verfolgten Chevalier Des Grieux unzweifelhaft das jugendliche alter Ego des Autors wiederzuerkennen.

In der seltsamen Geschichte um die Mississippier und New Orleans, wo man den Leuten „goldene Berge“ verspricht und sie überraschend stattdessen Sumpfland vorfinden, kann man auch einiges in der spannenden, manchmal un­glaublich atemberaubenden Biografie des Schotten John Law der Kunsthistori­kerin Janet Gleeson nachlesen.2

Interessant scheint auch, dass der durchaus sehr moralisierende Stoff, der die allgemeinen Moralvorstellungen der vor der Französischen Revolution klar ge­schichteten Stände gründlich durcheinanderquirlt und teilweise doch bissig an den Pranger stellt, auch verschiedentlich Opernkomponisten zur Vertonung reizte. Genannt sei hier nur Puccinis Oper „Manon Lescaut“, 1893.

Meiner Ansicht nach lohnt der Roman sehr eine Wiederentdeckung für all jene Leser, die sich gerne ein wenig Eindruck verschaffen wollen von der allgemeine Erosion der Moral im vorrevolutionären Frankreich. Und natürlich ist er für alle Freunde gut geschriebener Literatur geeignet (über die manchmal melodrama­tischen Dialoge kann man schmunzelnd hinwegsehen). Manon Lescaut ist ein­fach ein sehr emotionaler, leidenschaftlicher Liebesroman und als solcher na­türlich ebenfalls zu lesen.

© 2006 by Uwe Lammers

Ihr merkt schon an der nicht minder leidenschaftlichen Form der Darstellung, dass ich da­mals voll und ganz in die Geschichte eingetaucht war. Vielleicht muss man dazu Historiker von Haus aus sein, aber das glaube ich eher weniger. Man braucht einfach nur eine gewisse Affinität zu dem präsentierten Stoff, und die ist, so hoffe ich, bei vielen von euch gegeben.

In der kommenden Woche geht es mal wieder in Richtung Kontrastprogramm. Wenn ihr sehr lange meinem Blog folgt, erinnert ihr euch vielleicht noch an das Sachbuch „Männer, die auf Ziegen starren“. Ja, ja, lange ist es her, ich gebe es zu.3 Aber der amerikanische Journalist Jon Ronson hat nicht nur hierüber ge­schrieben, sondern er verfasste auch ein ungeheuerliches Buch über Extremis­ten … und damit sind jetzt keine Freeclimber oder andere Bergsteiger gemeint, sondern wirklich Extremisten … außerdem geht es um Verschwörungstheorien – und mein Wort drauf, liebe Leser, das ist ein abenteuerliches Buch, das mir fast die Schuhe auszog.

Ich denke, diese Rezension solltet ihr echt nicht verpassen!

Bis demnächst, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Vgl. zu dem Leben unter der ständigen Drohung von „lettre de cachet“ auch Justus Franz Wittkop: Graf Mi­rabeau, Frankfurt am Main 1989.

2 Vgl. Janet Gleeson: Der Mann, der das Geld erfand, Wien 2001 (vgl. dazu den Rezensions-Blog 61 vom 25. Mai 2016. Hier findet sich auch ein dezidierter Verweis auf den Roman Manon Lescaut von Prévost (S. 187).

3 Vgl. dazu den Rezensions-Blog 37 vom 9. Dezember 2015.

Liebe Freunde des OSM,

der Monat Mai 2014, über den ich heute einleitend berichten möchte, war, was die „Annalen“ angeht, ein Monat der langsamen Erholung. Während meine Ge­schwister, meine Mutter und ich uns noch mit den juristischen Nachwirkungen des Todes unseres Vaters abplagten, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte, wandte ich mich zunehmend wieder dem Oki Stanwer Mythos zu. Das fiel mir umso leichter, als ich ein neues Jubiläum begehen konnte: Mit „Projekt 700.000“ (Band 24 des KONFLIKTS 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR)) schloss ich Band 1700 des OSM ab und trat in einen neuen weiteren Hunderter-Zyklus meines Lebenswerks ein.

Während die kommentierten Abschriften der KONFLIKTE 12 „Oki Stanwer – Be­zwinger des Chaos“ (BdC), 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC) und 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (KGTDUS) weiter voran­schritten, kümmerte ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten weiter um die E-Book-Skripte. Da gelang mir zwar noch keine weitere Fertigstellung, aber ich feilte an Annalen 3: Die schamlose Frau“, an dem E-Book 18: „Gefangen auf der Dschungelwelt“, 19 „Vanshcors Flucht“, 20: „Die Macht der Liebe“ und Band 21, der nächsten Storysammlung „Ein Passagier der R.M.S. TITANIC und andere phantastische Geschichten“. Wie ihr wisst, sind diese Werke längst alle fertig und seit langen Jahren publiziert.

Ebenfalls kam ich voran in den Abschriften der Episoden des noch in Arbeit be­findlichen KONFLIKTS 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK). Weniger gut liefen die Versuche, verschiedene Fragmente des OSM abzuschließen. Ich ver­suchte mich hier an „Auf ewiger Mission“, „Ein zukunftsweisendes Verbre­chen“, „Eine scharf geschliffene Waffe“ und „Monsterjagd“, außerdem ging die Abschrift der „Annalen“-Story „Der Matrixschatten“ weiter.

Der Monat Juni erlebte dann die Fertigstellung von „Die schamlose Frau“ im E-Book-Format, meine Blogartikel erreichten Folge 100 (für mich damals eine recht beachtliche Zahl, lacht also nicht darüber!), und ich machte gleich mit der Bearbeitung von Annalen 4: Heiligtum der Shonta“ weiter. Auch entwickelte ich erste Gedanken zur Konzeption der nächsten E-Book-Storysammlung, da noch ohne Titel, und ich werkelte an einem E-Book-Glossar. Jenseits der allge­mein bekannten kommentierten Episodenabschriften kam ich aber nicht sehr weit voran, wiewohl ich in diesem Monat auf beachtliche 30 beendete Werke kam. Machen wir uns nichts vor – die meisten davon waren Gedichtabschriften, täuschten also mehr Masse vor, als wirklich vorhanden war.

Der Monat Juli war dann mit sagenhaften 53 Werken wirklich ein echtes High­light dieses Jahres. Unter den beendeten Werken fanden sich mit dem E-Book 18 wie 19 die ersten beiden Teile des Shookash-Zyklus. Neben den Episodenab­schriften kümmerte ich mich recht intensiv um die Fragmente „Spurensuche in Babylon“, Annalen 4“ und die nächste Storysammlung, die nun mit „Reinkar­nation und andere phantastische Geschichten“ endlich auch einen Titel erhielt (und ihr wisst natürlich sicher, dass auch dieses Werk längst publiziert ist). Ein wenig feilte ich auch an einem Shorex-Roman weiter, an „Der Feuerhort“, wor­an ich lange nicht mehr geschrieben hatte.

Ach ja, und ich machte weiter an der kommentierten Abschrift des Altskripts „Der stählerne Tod“ … aber das ist so kompliziert von der Binnenstruktur her, dass ich da bis heute noch nicht auf einen grünen Zweig gekommen bin. Be­stimmt werde ich dazu beizeiten Näheres erzählen, doch nicht hier und heute.

Mit „nur“ 34 Werken musste der August 2014 natürlich wieder ein wenig mo­derater ausfallen als der bombastische Vormonat. Das war irgendwie ein Inter­view-Monat, ansonsten stand er ganz im Bann der Episodenabschriften. Aber ich begann auch mit der Ausarbeitung des E-Books 22 „Abenteurerherz“. Been­den konnte ich in diesem Monat kein E-Book.

Das lag zweifellos auch an der generellen Zersplitterung meiner Aufmerksam­keit. Da gab es das „Erotic Empire“, das mich mit der „Kolonie Saigon II“ abdrif­ten ließ, da kümmerte ich mich um einige OSM-Glossare und versuchte halb­herzig, ältere OSM-Stories wie „Pazifisten“ oder „Quisiins letzter Fall“ zu über­arbeiten bzw. weiterzuschreiben. Und bedenkt, dass es sich dabei ja um völlig unterschiedliche Geschichtenkonfigurationen in grundverschiedenen Universen handelt – das ist also nicht mal eben ein Jetten von einer Stadt zur nächsten, sondern wir reden hier davon, dass ich das Universum, die Galaxis, die Völker UND die Protagonisten sowie deren ideologischen Hintergrund wechseln muss­te. Irgendwie begreiflich, dass beides nichts wurde.

Gedichtabschriften, Fanzineredaktionen, Jobsuche und viele andere Dinge lenk­ten mich von fokussiertem Arbeiten ab.

Eine Sache möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen, weil sie demnächst für die Folgebeiträge dieser Artikelreihe wichtig wird: Ich arbeitete seit ein paar Monaten mit meiner Mutter an einem autobiografischen Erinnerungsskript. Da ich um ihre sehr fragile Gesundheit wusste und uns die Erinnerung an den jä­hen Tod meines Vaters eine stete Warnung war, dachte ich, es sei auf diese Wei­se höchste Zeit, die flüchtigen Lebenserinnerungen meiner Mutter festzuhalten. Sie selbst war dazu nicht mehr imstande, also spielte ich Interviewer und no­tierte bei jedem Besuch in Gifhorn einiges aus ihrem Leben.

Dabei fiel mir immer mehr auf, wie sehr sie doch abbaute. Dennoch neigte ich dazu, vermutlich absolut begreiflich, die mahnenden Zeichen zu unterschätzen. Die Quittung dafür sollte ich im Jahre 2015 erhalten, deutlich vor der Zeit. Aber davon erzähle ich, wenn es soweit ist.

Für den Moment soll dies hier genügen. In der nächsten Folge der Artikelreihe werde ich etwas zum September 2014 bis zum Jahresausklang sagen, vielleicht gleite ich dann sogar schon ins Problemjahr 2015 hinüber … lasst euch davon mal überraschen.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.