Rezensions-Blog 251: Das Geheimnis des weißen Bandes

Posted Januar 15th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

als ich vor vielen Jahren Kenntnis von diesem Buch erhielt, einem klassischen Epigonenroman um Sherlock Holmes, da war es für mich als jemand, der die Geschichten um den legendären Detektiv leidenschaftlich verschlingt und sich auch gerne die zahlreichen Verfilmungen älteren und neueren Datums davon anschaut, eigentlich ganz unvermeidlich, es zu suchen und zu Gemüte zu füh­ren.

Eine gute Entscheidung, muss ich aus dem Nachhinein konstatieren, und das sagte ich auch vor rund 8 Jahren schon, als ich das Werk dann genüsslich konsu­miert hatte. Es ist auf der einen Seite eine finstere, abgründige Geschichte, die auch – wie ich andeutete – auf heute leider immer noch gängige Negativseiten der menschlichen Gesellschaft abzielt. Auf der anderen aber hat sich Anthony Horowitz ganz in den Charme der alten Arthur Conan Doyle-Geschichten des klassischen Holmes-Kanons hineingedacht und besonders die messerscharfe Deduktion zu ihrer Geltung kommen lassen … das macht das Werk zu einem echten Leckerbissen.

Wer also Anthony Horowitz noch nicht entdeckt haben sollte, aber sich zu den Freunden des Sherlock Holmes rechnet, der lese unbedingt weiter. Das hier ist eine echte Perle:

Das Geheimnis des weißen Bandes

(OT: The House of Silk)

von Anthony Horowitz

Insel-Verlag, Hardcover

356 Seiten, 2011

Aus dem Englischen von Lutz-W. Wolff

ISBN 978-3-458-17543-8

Das Jahr ist 1890, der Monat November. London ist im Griff eines kalten Win­ters, als ein elegant gekleideter Mann die Baker Street 221b betritt …“

So bewirbt der Klappentext Anthony Horowitz´ Roman, mit dem der legendäre Detektiv Sherlock Holmes wieder die Bühne des Buchmarktes betritt, von der er, genau genommen, eigentlich niemals richtig fort gewesen ist (man denke beispielsweise nur an die zahlreichen Anthologien mit Holmes-Geschichten oder Holmes-Epigonen-Romane, die beispielsweise auch hier im Rezensions-Blog rezensiert worden sind). Natürlich ist die Latte durch mehr als hundert Jah­re literarischer Tradition hoch angelegt, und manch einer, der eine Holmes-Ge­schichte für eine leichte, spielerische Fingerübung hält, scheitert daran kläglich und blamiert sich mächtig. Horowitz hat sich deshalb die Sache auch nicht leicht gemacht, sondern acht Jahre an diesem Roman gesessen, bis er fertig wurde. Und vorab gesagt: man merkt es, im positiven Sinne.

Worum also genau geht es in diesem Roman? Sehen wir uns die Ausgangslage an:

Sherlock Holmes wohnt allein mit Mrs. Hudson in der Baker Street 221b, denn bekanntlich ist anno 1890 sein Kompagnon Dr. John Watson längst ausgezogen. Er hat Mary Marston geheiratet, eine eigene Praxis und einen eigenen Hausstand eröffnet. Und da Watson diese Geschichte zur Zeit des Ersten Weltkrieges erzählt, haben wir es hier eigentlich mit einer Geschichte in der Geschichte zu tun, was man jedoch außerhalb von Prolog und Epilog im Grunde genommen nicht merkt. Vernachlässigen wir dieses Faktum also, obwohl beide Abschnitte sehr reizvolle Gedanken enthalten.

Watson hält sich bei Holmes auf, weil er ihm telegrafiert hat, dass er gern für ein paar Tage sein altes Zimmer beziehen wolle. Holmes gibt ihm natürlich gern Obdach, und damit fängt die Geschichte an – mit einer unnachahmlich schönen Darbietung von Holmes´ phantastischer Deduktion. Lauschen wir kurz dem An­fang des ersten Kapitels:

Die Grippe ist unangenehm“, sagte Sherlock Holmes. „Aber Sie haben vollkom­men recht: Mit der Hilfe Ihrer Gemahlin wird das Kind schnell wieder zu Kräften kommen.“

Das hoffe ich sehr“, erwiderte ich, dann hielt ich inne und starrte ihn mit aufge­rissenen Augen an. Ich hatte meine Tasse schon zum Mund geführt, aber jetzt stellte ich sie so abrupt wieder hin, dass der Tee fast herausgeschwappt wäre.

Aber jetzt haben Sie wirklich Gedanken gelesen!“, rief ich. „Wie, um Himmels willen, haben Sie das gemacht, Holmes? Ich schwöre, ich habe weder über das Kind noch über seine Krankheit auch nur ein Wort verloren. Sie wissen, dass meine Frau verreist ist – das konnten Sie vermutlich daraus schließen, dass ich hier anwesend bin. Aber ich habe keinerlei Gründe für ihre Abwesenheit ge­nannt, und ich denke, auch mit meinem Verhalten habe ich Ihnen keinerlei Hin­weis darauf gegeben.“

Nun, es genügt die lächelnde Andeutung darauf, dass Holmes natürlich all seine Bemerkungen von eben kurz darauf kristallklar belegt und sogar noch einiges mehr über Watsons Verhältnisse: dass er vom Bahnhof gekommen ist, in großer Eile von daheim aufgebrochen ist, den Zug dennoch verpasste und gegenwärtig kein Hausmädchen besitzt … es gibt noch einige mehr solcher Szenen im Buch, besonders die beim Pfandleiher ist einfach wunderbar. Aber das ist halt die ver­gnügliche, charmante Seite des Buches. Als der Ernst des Lebens anfängt, ist es mit dem Witz für Holmes und Watson rasch vorbei, auch wenn alles zunächst nach einem routinemäßigen Fall ausschaut.

Sie bekommen Besuch von einem Galeristen aus Wimbledon, der sehr verstört wirkt und dafür auch allen Grund hat. Edmund Carstairs, ein eleganter Mann um die Mitte Dreißig, fühlt sich verfolgt und bedroht und bittet um Hilfe. Er hat eine sehr klare Vorstellung, wer ihn verfolgt und aus welchem Grund – er hat bei einem Kunstwerktransfer nach Amerika mitgewirkt, den Transport der Kunstwerke selbst aber nicht begleitet. Die Kunstwerke wurden bei einem Überfall einer irischstämmigen Banditentruppe, der Flat Cap Gang, in Amerika zerstört, woraufhin Carstairs zu dem Mäzen Stillman, der die Bilder eigentlich hatte erhalten sollen, reiste und sich an Stillmans Versuch beteiligte, die Gang für die dreiste Zerstörung zur Rechenschaft zu ziehen.

Bei der erfolgenden Polizeiaktion, die die Detektei Pinkerton ermöglicht, starb fast die gesamte Bande, doch einer von ihnen entkam – Keelan O’Donaghue, Zwillingsbruder des Bandenführers, und erfüllt von einem unstillbaren Hass. Ihm fiel bald darauf der Mäzen Stillman zum Opfer, dann verschwand er spur­los … und tauchte schließlich in England auf, um offensichtlich nun auch Car­stairs´ Leben zu bedrohen. Allerdings auf seltsame Weise: er zeigt sich mehrfach deutlich sichtbar, will laut einer schriftlichen Botschaft mit ihm sprechen, kommt aber nicht zum verabredeten Treffen.

Carstairs kann den Verbrecher gut beschreiben, obwohl er ihn in den Staaten selbst nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen hat. Aber dass seltsame Dinge in seinem Umfeld passieren, ist nicht zu leugnen. Einen Tag nach dem Besuch bei Holmes wird in Ridgeway Hall, Carstairs´ Haus in Wimbledon, eingebrochen und der Safe geöffnet. Geld und ein Schmuckstück verschwinden dabei spurlos. Ein Schmuckstück, das seiner Mutter gehört hat. Einer Frau also, die vor einigen Monaten überraschend verstarb – offensichtlich durch einen Unfall mit dem Gasofen. Andere munkeln von Selbstmord.

Als Holmes und Watson Ridgeway Hall besuchen, stoßen sie unvermeidlich mit Carstairs schöner, junger Frau Catherine zusammen, aber auch mit Carstairs´ unverheirateter Schwester Eliza, die der festen Ansicht ist, Catherine würde Un­glück über das Haus bringen. Die Hausbediensteten, die Holmes verhört, erwei­sen sich offensichtlich als keine große Hilfe. Aber das Schmuckstück scheint Hol­mes eine Spur wert zu sein. Er setzt seine Baker Street Irregulars darauf an und hat keine Ahnung, dass das zur Katastrophe führt. Darauf deutet ja auch noch nichts hin.

In der Tat findet einer der Jungs, Ross Dixon, ein Hotel, in dem der Mann, auf den die Beschreibung passt, abgestiegen ist. Aber als der Detektiv und Watson dort eintreffen, finden sie den Fremden ermordet vor. Kurz darauf verschwindet Ross Dixon spurlos. Nun fängt Holmes sich an, Vorwürfe zu machen, und er sucht jetzt zugleich nach einem anonymen, rätselhaften Mörder und nach dem verschwundenen Jungen. Zunächst fahndet er nach Ross´ Herkunft und gelangt zur Chorley Grange School for Boys, geleitet von Reverend Fitzsimmons und sei­ner Frau. Ja, sie erinnern sich an Ross, den sie als aggressiven Taugenichts und undankbares Waisenkind charakterisieren, mit Hang zum Diebstahl. Sie wissen nichts von seinem Verbleib.

Stattdessen findet Holmes bald darauf Ross´ Schwester Sally, die ihn verstört und durchweg aggressiv fragt, ob er vom „House of Silk“ käme. Dann verwun­det sie Watson und verschwindet fluchtartig. Und wenig später wird die übel zugerichtete Leiche des jungen Ross gefunden – um sein Handgelenk ein weißes Seidenband.

Eine eindeutige Warnung – und zugleich ein Zeichen, das Holmes fast rot sehen lässt, denn nicht zuletzt hat ihn Inspektor Lestrade davor gewarnt, Kinder in sei­ne gefährlichen Ermittlungen hineinzuziehen. Ross´ Tod, so sieht er es, ist ein­deutig darauf zurückzuführen.

Nun hat Holmes eine weitere Fährte, die ihn zum rätselhaften „House of Silk“ lenkt … ein Haus indes, um das eine Mauer des Schweigens gewoben wird, die bis in höchste Regierungskreise reicht. Handelt es sich dabei tatsächlich, wie der drogensüchtige Henderson Holmes erzählt, um ein Unterweltsyndikat, das England mit Opium überschwemmen will? Oder ist da noch etwas völlig ande­res im Spiel?

Watson ist jedenfalls verwirrt – und bald auch völlig verstört. Trifft er doch sei­nen alten Freund Holmes wenig später ganz benommen hinter einer Opium­kneipe an, die rauchende Waffe noch in der Hand, und vor ihm niedergestreckt die arme Sally Dixon. Holmes wird an Ort und Stelle von Inspektor Harriman verhaftet, und damit scheint die offensichtlich tödliche Suche nach dem „House of Silk“ schon beendet zu sein, ehe es überhaupt gefunden wurde. Nicht einmal sein Bruder Mycroft Holmes kann ihm nun mehr helfen.

Doch leider ist das alles erst der Anfang. Und das Intrigennetz, in das Sherlock Holmes eingesponnen worden ist, soll ihn ein für allemal mundtot machen. Denn das Geheimnis, dem er auf der Spur ist, ist so ungeheuerlich, dass nie­mand, der davon Kenntnis hat, jemals darüber spricht …

Es empfiehlt sich, den Roman genüsslich und langsam zu lesen. Das aus zwei Gründen: erstens ist es einfach ein phantastisches Lesevergnügen, zum zweiten gibt es in Horowitz´ Text so viele kleine, raffinierte Andeutungen zu entdecken, die auf den Kanon der Holmes-Geschichten zielen und wieder zurückverweisen, dass es eine Wonne ist, sich grübelnd und knobelnd durch die Seiten zu knab­bern und zu schauen, wohin sich die Entwicklungen biegen und wenden. Denn auf den ersten Blick scheinen es, wie Watson anfangs auch sagte, zwei vollkom­men unterschiedliche Fälle zu sein, die nur durch den blanken Zufall zusammen­hängen. Der rätselhafte Keelan O’Donaghue und das „House of Silk“ scheinen nichts miteinander zu tun zu haben.

Dies ist eine gründliche und letzten Endes schreckliche Täuschung, und es gibt mehrere von dieser Sorte darin. Es geht um Perversionen, Erpressung, Mord, Folter, Rache und ähnliches, und ja, es ist ein richtiger Sumpf, durch den Holmes und Watson da waten.

Allerdings gibt es einen kleinen Wermutstropfen in der Darstellung. Es geht nämlich mitnichten um „eine Verschwörung, die sie in Konflikt mit hoch stehen­den Persönlichkeiten bringen wird“, wie der Klappentext suggeriert. Es gibt kei­ne Verschwörung. Es gibt ein finsteres, widerwärtiges Geheimnis, ja, und das wird mit den scheußlichsten Mitteln bewahrt. Das nimmt dem Buch aber nichts von seinem manchmal beklemmenden, meist aber einfach schillernden Charme. Arthur Conan Doyle wäre entzückt, denke ich, dieses Buch zu lesen – auch wenn er das Thema selbst zweifellos mit einer Kneifzange nicht angefasst und auch sicherlich keine Zeile darüber geschrieben hätte. Es ist wirklich widerlich. Aber leider gibt es dergleichen auch heute noch. Und insofern kann man das Buch auch als Mahnung an die Gegenwart lesen, mit solchen Missständen rigoros auf gesetzliche Weise aufzuräumen.

Und darüber hinaus ist Horowitz einfach ein schönes, außerordentlich packen­des Buch gelungen. Hut ab! Lest es, Freunde!

© 2012 by Uwe Lammers

Man mag vielleicht jetzt denken, dass ich zu viel des Inhalts verraten hätte … doch vertraut mir, Freunde, das ist nicht der Fall, und das Buch enthält soviel mehr, dass es die Lektüre nach wie vor lohnt.

In der kommenden Woche kümmere ich mich wieder mal um einen Klassiker der Literatur, den ich erst recht spät lesend kennen lernte, aber dann wohlwol­lend besprach. Schaut es euch einfach mal in Bälde an.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

vor sechs Wochen erreichte ich mit der Darstellung des Monats Juni 2017 den Hochsommer dieses Jahres und damit fast den Schluss meiner Beschäftigungs­zeit an der Technischen Universität Braunschweig. Ich litt zunehmend unter ei­ner kreativen Balancestörung, die sich im Verein mit meiner sich stetig verknap­penden Zeit entschieden irritierend auf mein E-Book-Programm ausgewirkt hat­te. Heute möchte ich vom Schlussakkord dieser Beschäftigung berichten und davon, was sich in diesem Umfeld bei mir beruflich, kreativ und gesundheitlich abspielte. Um es vorauszuschicken: es war nicht sonderlich angenehm.

Der Monat Juli 2017 schloss mit 17 fertigen kreativen Werken, von denen wie in den vergangenen Monaten wieder viele Blogartikel waren (8). Weitere entfielen auf Rezensionen und eine Fanzine-Redaktion (BWA 407) (4). Das kreative High­light war die fertig gestellte Abschrift der OSM-Story „Der Herr der Schwarzen Berge“ (8. Juli), aber sonst kam ich kaum wirklich vom Fleck. Die Luft war raus, könnte man sagen. Man sieht das auch deutlich an den „eingeklammerten“ Werken in dieser monatlichen Storyübersicht, also den weiter bearbeiteten Ge­schichten, die ich aber nicht abzuschließen vermochte. Es gibt hier 27 (!) Einträ­ge. Ich denke, das spricht schon Bände.

Woran arbeitete ich besonders? Da gab es OSM-Werke wie „Insel der Wollust“, „Die Totenköpfe 2: Durch die Ruinenwelten“ (was ja nahe lag, da zeitgleich der erste Band dieses Romanzyklus, „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“ im Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA) in Etappen abgedruckt wurde. Auch feilte ich etwas an „Das Rätsel von Garos“, am Glossar des KONFLIKTS 12 „Oki Stan­wer – Bezwinger des Chaos“ und machte mit der Abschrift des BUCHES „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ weiter.

Als Gegengewicht fungierte der Archipel. Hier konnte ich zwar keinerlei Werke abschließen, aber ich nahm mir zahlreiche Fragmente vor, bei denen ich Aktua­lisierungen schaffte bzw. weitere Aspekte hinzufügte. Zu nennen sind hier ins­besondere die Werke „Brigitta“, „Die Suyenka“, „Veronica“, „Sarittas Hilflosig­keit“, „Das Geheimnis des Vungash“, „Auf und nieder“ und „Julianna“. Und als dritter Pol gesellte sich dann noch das „Erotic Empire“ hinzu, wo ich an den Fragmenten „Justine und Maximilian“ (das ich jetzt einfach mal in die Frühzeit des Erotic Empire eingemeinde), „Die Kolonie Saigon II“, „Brittanys Abenteuer“, „Die Safi“ und „Kay auf Tarragon“ schrieb.

Alles in allem ein wilder Gemischtwarenladen, wie ich sagen muss. Es war wirk­lich unvermeidlich, weil ich zunehmend tödlich erschöpft war. Hinzu kam dann zum Monatsende, dass ich mein Büro an der TU Braunschweig zu räumen hatte, weil mein befristeter Vertrag auslief. Ich tat das mit einem weinenden und ei­nem lachenden Auge.

Zum einen hatte mir diese Anstellung sehr viel gegeben, tolle neue Inputs, die Möglichkeit, unbekannte Archive zu bereisen, mit Wissenschaftskollegen auf unbekannten Feldern zusammenzuarbeiten … das zu verlieren, war bedauer­lich. Alles andere wäre unaufrichtig konstatiert. Auf der anderen Seite stellte ich aber zunehmend fest, dass mich diese Vollzeitstelle zu stark forderte, zu sehr von der notwendigen inneren Balance wegführte, die ich so dringend benötig­te. Insofern empfand ich auch durchaus eine gewisse Erleichterung, dass ich mich nun etwas von dieser anspruchsvollen Beschäftigung erholen konnte.

Konnte ich ahnen, dass ich dafür mehr als zwei Jahre Zeit bekommen würde? Nein, natürlich nicht. Natürlich war ich Ausfallzeiten für die Rente gewohnt, das war seit 2002 sozusagen ein ständiger Wegbegleiter … aber so lange Ausfallzei­ten kannte ich denn doch nicht.

Außerdem nahm ich ja zuversichtlich an, dass ich schon buchstäblich am nächs­ten Tag, nämlich am 1. August 2017, Gelegenheit finden würde, eine neue Be­schäftigung anzubahnen. Und es sah ja vordergründig auch alles gut aus: Ich wusste von einer Jobmesse, die in der Braunschweiger Stadthalle stattfinden würde, just an diesem Wochenende. Und an der nahm ich dann auch prompt teil. Natürlich mit der impliziten Hoffnung, hier neue Berufskontakte für eine Nachfolgebeschäftigung zu bekommen.

Was ich stattdessen allerdings erhielt, waren zwar interessante Gespräche, aber ich fing mir just auf dieser Veranstaltung auch einen hartnäckigen, überaus läs­tigen und unglaublich schnell intensiv ausbrechenden Erkältungsvirus ein, der mich für Wochen völlig plättete.

Heute ist mir natürlich ziemlich klar, worum es sich dabei handelte. Aber wie ich letztens schon andeutete – ich hatte von so etwas eigentlich immer nur gehört und für eine Art von urbaner Legende gehalten. Es war ein Phänomen, wie es häufig gestresste Arbeitnehmer trifft, z. B. dann, wenn sie nach Abschluss eines Projekts in Urlaub gehen können, den sie sich redlich verdient haben. Nicht sel­ten erfolgt dann nämlich ein massiver gesundheitlicher Einbruch, der ihnen den Urlaub gründlich versaut, um es mal drastisch auszudrücken.

Mir erging es nun nach Monaten angestrengten Arbeitens ganz genauso. Mein Geist hatte mich gewissermaßen bis zum Ende der Beschäftigung noch bei der Stange gehalten und dazu unterbewusst genötigt, keine Schwäche zu zeigen. Nun aber, wo die Notwendigkeit wegfiel, nach außen „Stärke zu zeigen“, sagte sich mein Organismus: lehn dich zurück, relaxe, klapp mal einfach zusammen. Und dann kam dieser hartnäckige Erkältungsvirus hinzu, dem ich sonst vermut­lich mühelos standgehalten hätte.

Tja, und es haute mich um. Das war, vorsichtig gesagt, unschön.

Es haute mich, genau genommen, so sehr um, dass ich geschlagene anderthalb Monate mit den Symptomen zu kämpfen hatte. Ihr könnt euch gut denken, dass mir das alles überhaupt nicht ins Konzept passte. Ich hatte einen ganz wichtigen Grund, warum ich dringend bis Mitte September spätestens wieder auf den Bei­nen sein wollte – und das war meine Teilnahme am diesjährigen 87. Deutschen Archivtag vom 27.-29. September 2017, der unter dem Motto „Massenakten – Massendaten. Rationalisierung und Automatisierung im Archiv“ stand. Ein The­ma, das mich sehr interessierte.

Aber ich sehe schon, ich muss noch etwas ausholen, ehe ihr die Bedeutung des­sen in voller Konsequenz versteht, was nun folgt.

Ich hatte schon vor Monaten in die Wege geleitet, dass ich am diesjährigen Ar­chivtag des Verbandes deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA), in dem ich seit Jahren Mitglied bin, teilnehmen konnte.

Ich nehme an, den meisten von euch sagen weder der VdA noch die Archivtage etwas, deshalb lasst mich da ein kleines bisschen ausholen. Der VdA veranstal­tet seit inzwischen 89 Jahren Archivtage an wechselnden Standorten, seit 1990 zunehmend auch in den neuen Bundesländern. Abgesehen von Vorträgen wird dann auf einer Informationsmesse (Archivistika) Firmen für Archivzubehör Gele­genheit geboten, Neuheiten vorzustellen, etwa neue Programme und Archivequipment, man kann sich mit Fachleuten über archivtechnische Probleme aus­tauschen, Kontakte knüpfen und horchen, was im Kollegenkreis so an Projekten angedacht und geplant wird.

Ich hatte immer schon seit meinem Beitritt zum VdA vor gut 10 Jahren das In­teresse, an einem solchen Archivtag teilzunehmen. Im Rahmen meiner universi­tären Beschäftigung gelang mir das 2016 beim Archivtag in Koblenz, den ich in sehr anregender Erinnerung hatte. Der Archivtag 2017 sollte nun in unserer di­rekten Nähe stattfinden, nämlich in Wolfsburg, keine 30 Kilometer von meinem Wohnort entfernt, beginnend am 27. September.

Noch besser ging es überhaupt nicht, dachte ich, und grundsätzlich hatte ich Recht. Ich machte mich also am 27. September planmäßig auf den Weg nach Wolfsburg, wo in der dortigen Stadthalle der Archivtag stattfand. Und, ver­dammt, es ging mir überhaupt nicht gut, immer noch nicht. Ich hatte keine Kon­dition, unterschätzte die Wegdistanz vom Bahnhof zur Stadthalle krass, und der Hals kratzte und kratzte, die Nase lief … kurzum, es war nicht wirklich witzig.

Am nächsten Tag der Veranstaltung ging es mir dann so dreckig, dass ich tat­sächlich mittendrin fast kollabierte und mir realistisch sagen musste: So kann das nicht funktionieren. Ich halte das einfach nicht durch. Darum endete dieser Archivtag für mich auf desaströse Weise bereits am zweiten Tag, an dem ich vorzeitig den Veranstaltungsort verließ, um nach Braunschweig zurückzukehren.

Ach, verdammt, was war das für eine Blamage – ich hatte mir alles so schön vorgestellt, sowohl Anfang August mit der Jobmesse als auch Ende September mit dem Archivtag, und statt dort positiv erfolgreich Weichen für die Zukunft zu stellen, schwächelte ich sowohl hier wie dort und kam auf absolut keinen grü­nen Zweig.

Das war echt nicht mehr witzig.

Soviel zu meinem beruflichen und privaten Befinden. Wie hat sich das daneben im August und September 2017 kreativ ausgewirkt? Sehr eigenartig.

Im August kam ich auf 17 fertige Werke, von denen 8 auf Blogartikel entfielen (u. a. Blogartikel 250), zwei auf Neuformatierung von Folgen für „Die Totenköp­fe 1: Die Alte Armee“ für BWA. Und das mit weitem Abstand faszinierendste Er­gebnis dieses Monats war die Finalkonzeption von KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR). Ich wusste schon seit Monaten, dass ich hier konzeptio­nell dicht vor dem Abschluss stand, aber es musste August 2017 werden, um die Episoden bis Band 43 „Die Klippe des Schicksals“ fertig zu konzipieren. Seit­her weiß ich, wie viele Episoden diese Serie noch hat und auch in etwa, wohin genau sie steuert. Vielleicht ist das kein Zufall, dass meine Gedanken auf diese Weise gerade in der ersten Augustwoche hochkochten, als es mir gesundheit­lich so übel ging.

Der September führte dann zu einer zunehmenden gesundheitlichen Verbesse­rung (wenngleich nicht hinreichend, um gegen Monatsende den Archivtag sta­bil durchzustehen, leider. Er hatte insgesamt 32 abgeschlossene Werke im Ge­folge. Damit hatte ich sozusagen die ermattende Talsohle des Monats August durchschritten, mich kreativ wieder ein wenig regeneriert, und ich stürzte mich mit neuer Energie in abzuschließende Projekte.

Zu den fertigen Werken in diesem Monat gehörten 11 Blogartikel, desselben 10 Rezensionen. Aber eben auch zwei weitere Teile der „Alten Armee“, ein Nach­ruf, die Überarbeitung der Non-OSM-Story „Sexdrohne“, die im darauf folgen­den Jahr in der Print-Storysammlung „Grey Edition 12: Lustvoller Schrecken“ des Terranischen Clubs Eden (TCE) veröffentlicht werden sollte. Mit „Sherlock #6“ konnte ich einen Beitrag für FAN (Futurian Amateur News) kreieren und am 24. September den Erotic Empire-Roman „Justine und Maximilian“ endlich fer­tig digitalisieren.

Sonst nahmen digitalisierte und kommentierte OSM-Episoden breiten Raum ein. Ich war bei KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (KGTDUS) immerhin schon bis kurz vor Band 100 vorgestoßen, und mit IR 30 „Der letzte Flug der STERN VON ALLKOOM“ konnte ich eine neue Episode des OSM vollenden.

Eine weitere OSM-Geschichte wurde weiter nachgefeilt, nämlich „Rilaans Ge­schichte“, die ebenfalls in KONFLIKT 4 spielte. Daneben nahmen Fragmente des Erotic Empire breiten Raum ein, dieses Mal „Die Eigentums-Lösung“, „Lynnes Vertrag“, „Alexandra: Ein Gast auf den Inseln“ und „Saskia und die Nomaden“. Und mit „Wandlungen“ machte ich eine kleine Stippvisite im Archipel.

Alles in allem war das Fazit dieses Monate wieder mal recht durchwachsen, aber da meine Gesundheit sich zunehmend nun berappelte, hoffte ich zuver­sichtlich, in den letzten Monaten des Jahres noch mal richtig Schwung holen zu können, um lange ausstehende Werke (nicht zuletzt E-Books) voranzutreiben.

Ob es dazu dann auch wirklich kam, das erzähle ich euch im nächsten Abschnitt meiner Kreativ-Biografie, mit der ich dann den Oktober 2017 erreiche.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 250: Das Pimpernell-Komplott (3)

Posted Januar 8th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wirklich gelungene Zeitreiseromane sind tatsächlich recht selten, und solche, in denen die Genres miteinander geschickt vermischt werden, um den Leser gründlich aufs Glatteis zu führen, noch mehr. Ich möchte mal behaupten, selbst wenn die Lektüre des vorliegenden Romans schon mehr als fünfzehn Jahre zu­rückliegt, dass Leser, die sich für die moderne BBC-Serie Sherlock mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman begeistern können, hier ganz in ihrem Stoff wären.

Tatsächlich erweisen sich die „Time Wars“-Bände von Simon Hawke als so raffi­niert gestrickte, doppelbödige und intrigante Alpträume, dass man sich echt wundern muss, warum daraus überhaupt wieder jemand lebend auftaucht. Langweilig oder durchsichtig wird es dabei so gar nicht – aber der Kopf des Le­sers raucht gelegentlich ordentlich. Wer solche intellektuellen Leseabenteuer schätzt, in denen auch reichlich intrigiert, geschossen und gemordet wird, ist hier echt vollkommen am rechten Platz.

Ich glaube, damit habe ich genug gesagt. Vorhang auf für eine Reise in die bluti­ge Hochzeit der Französischen Revolution und die Herrschaft des „Terreurs“:

Das Pimpernell-Komplott

(OT: The Pimpernel Plot)

von Simon Hawke

TIMEWARS Band 3

Bastei 23175

288 Seiten, TB, April 1996

Übersetzt von Bernd Kling und Axel Merz

ISBN 3-404-23175-9

 

Man schreibt den September des Jahres 1792. Die Französische Revolution tritt in die blutige Phase ihrer Existenz ein, und die so genannten „Septembermor­de“ unter den Adeligen des Landes beginnen. Die Bürgerkomitees unter der Aufsicht von George Jacques Danton haben den König Ludwig XVI. gefangen ge­nommen und fangen nun an, die Blaublütigen zu inhaftieren und sie sukzessive der Guillotine zuzuliefern, die bald täglich in Aktion ist.

In dieser Lage grassiert unter den Vermögenden Frankreichs und insbesondere in Paris eine überaus verständliche Furcht, und jeder versucht, sich aus dem Land zu retten, so gut es möglich ist, und sei es auch in Verkleidung.

Bei einem Zwischenfall an einem Stadttor von Paris kommt es dabei zu einem Schusswechsel. Eine französische Aristokratin, Marguerite St. Just, verheiratet mit dem britischen Lord Sir Percy Blakeney, wird hier angeschossen, ihr Mann von Pferden zu Tode getrampelt. Außerdem kommt der Verursacher des Wirr­warrs, ein Mann namens Alex Corderro zu Tode.

Auf den ersten Blick nur ein Drama, das sich in diesen Tagen oft ereignen mag.

Auf den zweiten Blick eine temporale Katastrophe – denn Corderro ist Rekrut in den Zeitkriegen und entstammt dem 27. Jahrhundert. Und Blakeneys Karriere ist zu Ende, bevor sie begonnen hat. Ein Regulierungsteam aus der Zukunft muss nun einschreiten und die menschliche Geschichte manipulieren.

Im 27. Jahrhundert hat die Menschheit die Möglichkeit gefunden, dank der ge­nialen Vorarbeiten des Wissenschaftlers Mensinger, in der Zeit zu reisen und hier die Brennpunkte der menschlichen Geschichte zu stabilisieren. Konzerne und Länder der Gegenwart im 27. Jahrhundert tragen ihre Konflikte in Form von Beteiligungen an historischen Schlachten aus, und es existiert ein Schiedsrich­ter- und Beobachterkorps, das diese Geschehnisse zu überwachen hat. Ausge­wählte Männer der Zukunft werden ausgebildet und auf Zeit verpflichtet, um in die Vergangenheit zu „zeiten“ und hier Rollen zu übernehmen und gegebenen­falls Geschehnisse in richtige Bahnen zu lenken. Zwei von ihnen sind die Haupt­handlungsträger Lucas Priest und sein Freund Finn Delaney, die erst vor kurzem ein haarsträubendes Abenteuer in der Vergangenheit hinter sich gebracht ha­ben:1

Im 17. Jahrhundert gelang es den beiden Agenten gerade noch, die größte aller denkbaren Katastrophen zu umschiffen, die man sich überhaupt vorstellen kann: eine Teilung des Zeitstromes. Eine Gruppe abtrünniger Zeitagenten, die von irgendwo aus der Vergangenheit heraus operieren und sich „Zeitwächter“ nennen, war dabei, die Zeit gravierend zu verändern. Verschlimmert wurde die­ser Sachverhalt durch die Tatsache, dass Priests und Delaneys Helfer vom Zeit-Nachrichtendienst (ZND) unter dem Chefagenten „Mungo“ sich eine Art von Privatkrieg mit den Zeitwächtern lieferten.

Erst durch das Eingreifen der jungen Andre de la Croix, einer Frau, die eigentlich aus dem 13. Jahrhundert kam2, gelang das Ausschalten der Zeitwächter und das Einfangen des offenbar völlig durchgedrehten Agenten Mungo. Andre, die sich inzwischen Andre Cross nennt, wurde bei dieser Gelegenheit der Aufnahme ins Zeitkorps für würdig befunden und wechselte auf Lucas´ und Finns Seite.

Diesmal werden Lucas und seine Gefährten auf ein besonderes Problem ange­setzt, das anfangs ganz routinemäßig aussieht: Sie sollen zurückgehen unmittel­bar hinter den Moment des Unfalls mit Sir Blakeney, wo Operateure inzwischen Marguerite Blakeney wieder versorgt haben. Finn hat Blakeneys Stelle einzu­nehmen, Andre und Lucas sollen ihm bei der Aufgabe assistieren, die der Adeli­ge hat.

Blakeney ist, was sonst kaum jemand ahnt, auch seine eigene Frau nicht, ein Mann mit einem Doppelleben. Während er nach außen einen eher dümmlichen und seiner Frau gegenüber recht abweisenden Ehemann spielt, versucht er zu­gleich, französische Adelige aus Frankreich nach England zu schmuggeln. Dafür bedient er sich des Tarnnamens „Scarlett Pimpernell“.

Nun könnte das immer noch eine recht einfache Geschichte sein. Leider ist Marguerite überzeugte Republikanerin (also Gegnerin des französischen Adels) und hat bereits eine Familie ans Richtbeil ausgeliefert; und zum zweiten verliebt sich Finn unsterblich in sie (er darf es aber, seiner Rolle gemäß, nicht zeigen). Und als ob das noch nicht genügen würde, erfahren sie auch noch, dass der Agent Mungo aus dem vergangenen Einsatz, dessen Karriere Lucas und Finn rui­niert haben, aus unerklärlichen Gründen wieder in die Vergangenheit geschickt wurde und nun IHR Kontaktoffizier ist. Bald scheint es, dass Mungo jede er­denkliche Möglichkeit wahrnimmt, um die beiden Agenten zu blamieren und ihren Ruf zu ruinieren.

So wenigstens sieht es aus. Aber leider ist das nur die Oberfläche, und die Wahrheit ist noch viel schlimmer und verstörender, als sie alle ahnen können …

Simon Hawke hat es mit diesem Roman erneut geschafft, ein anfangs ganz rou­tinemäßiges Abenteuer auf solche psychotischen Abwege zu bringen, dass dem Leser angst und bange dabei werden kann. Ist es schon verwirrend genug, mit Zeitreisen zu jonglieren, verharrt er nicht hierbei, sondern mischt – wie schon im vergangenen Roman – diese Problematik mit der Geheimdienstpsychose, die bald so ausgeprägt ist, dass der Leser Gespenster zu sehen und jedem zu miss­trauen beginnt (allerdings nicht genug, wie man am Ende weiß!).

Genau diese Mischung macht den Roman jedoch auch lesenswert. Im Vergleich zu den ersten beiden Bänden der Serie ist diese Geschichte relativ arm an De­tails, was vermutlich daran liegt, dass er sich hier auf eine m. E. nicht-reale Figur stützt (ich konnte Blakeney und Pimpernell in Lexika zu der Zeit nicht finden). Er schreibt ja an einer Stelle des Buches selbst, dass manche Dinge, die als Fiktion gelten, hier durch „Zeitnachprüfung“ zu wirklichen Fakten werden (nur so kann er beispielsweise in Band 2 d’Artagnan und die Musketiere als reale Personen behandeln). Außerdem erschwert es das ständige Hin- und Herpendeln von Frankreich nach England, sich an einem Schauplatz fest und intensiv zu verankern.

Dennoch hat er eine Reihe von erstaunlichen Bonmots zu bieten. Einen jugend­lichen Mörder und späteren Piraten gefällig? Bitte, findet sich hier. Zeitgespens­ter? Bitte sehr, ebenfalls vorhanden. Paranoia? Reichlich. Sich entwickelnde Handlungspersonen: ebenfalls. Und auch dann, wenn man denkt, das Ende sei voraussehbar, eine vollständige Kehrtwendung mit ziemlichem Knall. Wow, sagt sich der beeindruckte Leser.

Konsequenz: die Geschichte geht zwar gemächlich los, aber wer die ersten bei­den Bände der Serie gelesen hat, wird rasch wieder drin sein und sich gewiss nicht langweilen. Und die letzten 80 Seiten kann man das Buch gar nicht mehr weglegen. Guter Stoff!

© 2003/2018 by Uwe Lammers

Tja, was soll ich dazu noch mehr sagen?

Wie jetzt, ihr habt für den Teil 250 meines Rezensions-Blogs etwas sehr Beson­deres erwartet? Das tut mir leid, euch da ein wenig enttäuscht zu haben, aber es gelingt einfach nicht immer, so etwas zu organisieren. Da ich mich außerdem gerade in der Besprechung eines Mehrteilers in relativ klar festgelegten Abstän­den befand, rumpelte gerade diese Rezension in Position 250 des Blogs.

Macht nicht so lange Gesichter, Freunde. In der kommenden Woche gibt es hier das nächste Schmankerl, in dem ihr dem legendären beratenden Detektiv aus der 221B-Baker Street begegnen werdet. Sherlock Holmes durchlebt seine Aben­teuer ja unabhängig von Sir Arthur Conan Doyle, womit wieder einmal schla­gend bewiesen wäre, dass Romanfiguren den Tod ihres Schöpfers mitunter mü­helos überleben können – wohingegen gerade Holmes belegt, dass der umge­kehrte Fall leicht fehlschlägt.

Mehr zu Sherlock Holmes also in der kommenden Woche.

Bis dann, meine Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Vgl. „Die Richelieu-Intrige“, Bastei 23171 (siehe dazu den Rezensions-Blog 245 vom 4. Dezember 2019).

2 Vgl. „Das Ivanhoe-Gambit“, Bastei 13166 (siehe dazu den Rezensions-Blog 241 vom 6. November 2019).

Wochen-Blog 357: Legendäre Schauplätze 16: Pholyar

Posted Januar 5th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es bringt so seine Schwierigkeiten mit sich, auch im Oki Stanwer Mythos und demzufolge in meinem Blog, wenn eine Artikelreihe alphabetisch aufgebaut ist. So ist es denn auch mit dieser Artikelreihe, in der ich etwas über „legendäre Schauplätze“ des OSM sage, die ihr zumeist noch nicht kennt. Ich meine, ich habe da einen gewissen Standortvorteil – der resultiert schlicht aus gegenwär­tig 1935 OSM-Werken, die abgeschlossen sind und die sich monatlich weiter hochzählen. Vom nächsten „Quasi-Jubiläum“, dem Band 1950, bin ich nicht mehr sehr weit entfernt, er wird irgendwo in den ersten vier Monaten des Jah­res 2020 liegen, wie ich zuversichtlich annehme.

Nachdem ich euch im vergangenen Teil dieser Artikelreihe wirklich sehr viel er­zählt habe, kann ich mich dieses Mal recht knapp fassen. Das liegt einfach in der Natur der Sache – als ich diese alphabetische Gliederung entwickelte, ging ich zuversichtlich davon aus, dass von der E-Book-Reihe „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ schon zwei, vielleicht sogar drei Bände zum gegenwärtigen Zeit­punkt vorliegen würden. Und der Ausgangspunkt dieser Serie ist bekanntlich die Kleingalaxis Pholyar im direkten Halo der Grünen Galaxis Bytharg.

Dummerweise ist aktuell aber nur der erste Band erschienen, und damit sind natürlich sehr viele Details, die Pholyar angehen, euch noch unbekannt. Damit ergibt sich ein Problem für den vorliegenden Blogartikel, wie unschwer zu er­kennen ist: wie viel darf ich verraten, ohne unangemessen zu spoilern? Das ist wirklich keine leichte Aufgabe.

Natürlich kenne ich Pholyar schon sehr lange. Der Begriff dieser Kleingalaxis fiel erstmals in KONFLIKT 13 „Oki Stanwer Horror“, die – wie ihr euch vielleicht erin­nern werdet – bereits im Dezember 1985 in Episodenform abgeschlossen wur­de. Wir sprechen also damit über eine semantische Hülse, die inzwischen 36 Realjahre alt ist. Und selbstverständlich war mir Pholyar dann ein Begriff, als ich im Frühjahr 1987 mit der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC), also dem legendären KONFLIKT 12, begann.

Ebenfalls längst Vergangenheit ist die letzte Erwähnung von Pholyar im Sommer des Jahres 1993, als ich nämlich die BdC-Serie beendete. Weit über hundert Episoden später, sollte ich hier vielleicht mit andeuten.

Es gab im Rahmen der Serie zahlreiche Besuche in Pholyar, etwa auf einer Welt, die Pholyar-Tor genannt wird, oder in einem System, das euch gegenwärtig nur dem Namen nach bekannt ist, nämlich dem Hyertonn-System. Aber von vielen Dingen in Pholyar kann ich einfach nicht reden, ohne, ich deutete es an, zu spoi­lern. Manch einen von euch, der erhofft hat, ich würde hier so aus dem Näh­kästchen plaudern oder auch nur plaudern können wie im letzten Beitrag, wo es um den Okiplaneten ging, muss ich folgerichtig enttäuschen.

Schauen wir uns mal die reinen lexikalischen Fakten an, die im Glossar der Serie festgehalten worden sind. Sie sehen so aus:

Pholyar: Eine kugelförmige Kleingalaxis (Durchmesser 11000 Lichtjahre), die im Halo von Bytharg eingelagert ist. Entfernung zur eigentlichen Riesengalaxis Bytharg beträgt 8940 Lichtjahre. Pholyar ist Bestandteil des Reiches Bytharg, was keiner weiß, ein so genannter Vasallenstaat. Pholyar ist die Heimat der Tas­vaner.

Demgegenüber habe ich in dem E-Book „BdC 1 – Im Feuerglanz der Grünen Ga­laxis“ das schon ein kleines bisschen ausgearbeitet. Dort sieht der Glossarein­trag so aus:

Pholyar: Eine kugelförmige Kleingalaxis (Durchmesser 11000 Lichtjahre), die im Halo von Bytharg eingelagert ist. Entfernung zur eigentlichen Riesengalaxis Bytharg beträgt 8940 Lichtjahre. Pholyar ist Bestandteil des Reiches Bytharg, was keiner weiß, ein so genannter Vasallenstaat. Das Regierungszentrum des Vasallenstaates ist Hyertonn. Pholyar ist die Heimat der Tasvaner, die dort bei ihren Besiedelungen benachbarter Sonnensysteme noch keine anderen Spezies angetroffen haben.

Allerdings macht uns das immer noch nicht wirklich schlauer, das ist mir klar. In­wiefern, könntet ihr nun fragen, ist Pholyar so speziell? Eine Kleingalaxis, bevöl­kert von einem indigenen Alienvolk, das ist doch irgendwie … na ja, Standard in der Science Fiction, nicht wahr? Ja, wenn das denn alles wäre, hättet ihr voll­kommen recht. Wenn es da nicht diese erstaunliche Ähnlichkeit zwischen den Tasvanern einerseits und den Allis andererseits gäbe.

Vielleicht ein Fall von analoger Evolution?

Könnte man annehmen. So, wie auf verschiedenen Kontinenten in verschiede­nen Kulturen analoge Entdeckungen gemacht werden. Möglich. Aber dummer­weise funktioniert der OSM so nicht. Während in unserer Wirklichkeit manche Leute von „intelligent design“ schwätzen, weist der OSM mit den Baumeistern schon seit Jahrzehnten eine Lebensform auf, die nachweislich in sehr tief grei­fender Form in die Genese von Intelligenzvölkern eingegriffen hat (von anderen Intelligenzen, die auf ähnliche Weise wirken, habt ihr glücklicherweise noch kei­ne Ahnung! Das kommt beizeiten noch). Am besten nachgewiesen ist das für die humanoiden Lebensformen, zu denen im weitesten Sinn die Allis und die Tasvaner gehören. Ich konzentrierte mich vor Jahren aber mehr auf die Men­schen, Kleinis, Technos, Weelon, Waaklors, Shonta und Schrottis. Und es gibt noch deutlich mehr Zwischenstufen zwischen diesen Alienvölkern.

Bei den Allis und den Tasvanern von Pholyar, soviel darf ich andeuten, gibt es eine ähnliche Verbindung, und sie hat eine überaus komplizierte Vorgeschichte. Der Pater Osvehl hat mit seinen Thesen an diese Vorgeschichte gerührt, und ihr wisst ja, was mit ihm passiert ist – er wurde seines Amtes enthoben, inhaftiert und ist in der Haft gestorben, und seine Anhänger gingen als terroristische Strö­mung in den Untergrund.1

Pholyar als Kleingalaxis mag also auf den ersten Blick nur die Bühne für ein Randspektakel des KONFLIKTS 12 sein, aber ich versichere euch, diese Vorstel­lung trügt grundlegend. Ich weise auf solche Welten wie Xisnaik hin oder SOFFROL I, die beide in Pholyar liegen und alsbald eine wichtige Rolle in der Serie spielen werden. Dasselbe gilt in vielleicht noch stärkerem Maße für das Hyertonn-System und seinen residierenden Statthalter Sascyawesho.

Selbst wenn sich die Handlung der Serie alsbald von Pholyar nach Bytharg und schließlich nach Koopen verlagern wird, kann ich doch versprechen, dass diese Kleingalaxis und ihre vom Schicksal arg gebeutelten Bewohner immer wieder wie ein Springteufel in Erscheinung treten werden. Und schlussendlich wird Pholyar als Bühne für ein unglaubliches Spektakel herhalten müssen, in dessen Verlauf ein monströses Wesen sich als „Täuscher von Pholyar“ so sehr etablie­ren wird, dass dieser Titel selbst noch im fernen KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK) für eiskaltes Grauen sorgen wird, das den Protagonisten schier das Blut in den Adern gefriert.

Fürwahr, Pholyar ist gut für phantastische und grässliche Überraschungen, das werdet ihr alsbald erleben. Und nahezu alles, was ihr hier mitbekommt, hat doppelte Böden, manchmal dreifache. Ob es sich dabei um so schlicht erschei­nende Charaktere wie Sketahr, Wanshen, Ghonai, Zhelokh, Resacohn, Oscihr oder etwa Voskohr oder um Personen, die bislang noch nicht in Erscheinung ge­treten sind … bei all diesen Wesen muss man tatsächlich sehr vorsichtig und auf Überraschungen gefasst sein.

Pholyar ist, so gesehen, ein kosmischer Flecken, der für unheimliche wie phan­tastische Geschehnisse prädestiniert sind. Und ich kann versichern, ihr werdet im Zuge der Serie erleben, wie stark diese Kleingalaxis in den Fokus kosmischer Auseinandersetzungen rückt. Dagegen ist die Invasion der „Neuen Herren“ ge­genwärtig noch gar nichts.

Mehr möchte ich an dieser Stelle aber nicht vorwegnehmen. Mehr zu Pholyar bekommt ihr in Band 3 der BdC-E-Book-Serie zu sehen, hoffentlich im Frühjahr 2021. Ich halte euch auf dem Laufenden, versprochen!

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Beizeiten werde ich dazu Näheres in einer Novelle aussagen, die jetzt schon als Fragment konzipiert ist: „Eine Frage des Glaubens“.

Rezensions-Blog 249: Das fünfte Grab des Königs

Posted Januar 1st, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist schon eine Weile her, dass von den Schatzsuchern Sam und Remi Fargo die Rede war. Eine arge Weile, die selbst hier im Rezensions-Blog nach Jahren zählt (vgl. dazu die Fußnote weiter unten). Ich gehe dennoch mal davon aus, dass ihr euch noch halbwegs in diesem Subkosmos Clive Cusslers auskennt.

Sam und Remi Fargo sind ursprünglich Erfinder gewesen, die durch den Verkauf einer Erfindung so finanziell unabhängig geworden sind, dass sie ihr bisheriges Hobby, die Schatzsucherei, zu ihrem Hauptanliegen gemacht haben. Dabei sind sie allerdings nicht gewissenlose Plünderer oder rücksichtslose Rüpel wie ein gewisser Indiana Jones, sondern durchaus darauf bedacht, Schätze zwar zu ent­decken, sie dann aber arrivierten Wissenschaftlern zur Erforschung und Restau­rierung zu überlassen.

Der Thrill der Schatzsuche an sich ist es, der sie motiviert, das Aufklären von Rätseln der Vergangenheit. Begreiflich, dass mich als Fan von Schatzsucherge­schichten stets animierte. Und wenn man dann noch die Actionelemente a la Clive Cussler mit hinzunimmt – denn die Fargos haben traditionell immer Riva­len, die den Schätzen auf der Spur sind, und die sind deutlich weniger zart be­saitet – , dann hat man die Zutaten zu einem wirklich furiosen Leseabenteuer vor sich.

Nachdem Grant Blackwood, der die ersten drei Fargo-Abenteuer geschrieben hatte, seinen Abschied genommen hatte, übernahm mit dem vorliegenden Band Thomas Perry das Ruder und führte sie zwei Bände lang fort (inzwischen sind wir danach über Russell Blake bei Robin Burcell angelangt, das nur mal so am Rande bemerkt. Die entsprechenden Romane werden beizeiten hier besprochen).

Diesmal führte mich die historische Recherche in die Zeit der Hunnenkriege im 5. nachchristlichen Jahrhundert, wo ich mich nicht sonderlich gut auskenne … allein das machte mich schon neugierig. Und so stieg ich in diese abenteuerli­che Geschichte ein und ließ mich mitreißen.

Folgt mir da mal einfach, Freunde:

Das fünfte Grab des Königs

(OT: The Tombs)

Von Clive Cussler & Thomas Perry

Blanvalet 38224

Januar 2014, 9.95 Euro

480 Seiten, TB

Übersetzt von Michael Kubiak

ISBN 978-3-442-38224-8

Man schreibt das Jahr 453 christlicher Zeitrechnung. Das marode römische Im­perium sieht sich seiner größten Bedrohung gegenüber – dem gewaltigen Heer der hunnischen Angreifer, die erst vor kurzer Zeit das letzte Aufgebot des alten Reiches geschlagen haben. Seit Monaten sind die Invasoren plündernd durch Italien, das nachmalige Frankreich und weite Teile Westeuropas gezogen und haben unermessliche Schätze geraubt. Nichts scheint ihren Kriegsfürsten Attila und seine Mannen mehr aufhalten zu können, den größten Triumph von allen zu erringen – die Eroberung Roms. Es ist Attilas Herzenswunsch, sich dort in die Nachfolgereihe der römischen Cäsaren einzureihen. Dies ist sein Wunsch schon seit seinem zwölften Lebensjahr, als er als Geisel am römischen Hofe weilte.

Doch nun herrscht Aufruhr in Attilas Lager auf den pannonischen Ebenen, dem späteren Ungarn, wo sich die Truppen derzeit aufhalten. Und dann ist der Feld­herr tot, offenbar eines natürlichen Todes gestorben. Der Angriffsplan auf Rom wird verschoben und kommt nicht mehr zustande. Stattdessen wird Attila mit einem aufwändigen Ritual, bei dem tausend seiner Elitekrieger nach vollzoge­ner Arbeit niedergemetzelt werden, unter die Erde gebracht. Nur wo? Von die­sem Moment an ist Attilas Grab spurlos verschwunden, und mit ihm all die Schätze, die seine Horden erbeutet haben.

So bleibt es bis zum Jahre 2012.

Ein Anruf unterbricht die Hilfsarbeiten, die die professionellen Schatzsucher Sa­muel und Remi Fargo am Golf von Mexiko durchführen, wo sie ein versunkenes indianisches Dorf erforschen. Ein befreundeter deutscher Archäologe, speziali­siert auf das Römische Reich, Dr. Albrecht Fischer, bittet das Ehepaar, zu ihm nach Berlin zu kommen, um ihm bei einer Angelegenheit zu helfen, über die er noch nichts Detailliertes bekannt geben möchte. Den Fargos kommt das sehr recht, weil sie am Golf von einer eigenartigen Vandalengruppe einer amerikani­schen Firma belästigt werden.

Die Schwierigkeiten hören aber in Deutschland nicht auf, im Gegenteil – hier fangen sie eigentlich erst richtig an. Fischer ist in Ungarn auf ein Schlachtfeld gestoßen, wie er denkt. Doch der eine Tote, den er ausgegraben und heimlich nach Deutschland überführt hat, ist kein Römer, sondern eindeutig ein Hunne. Und ehe die Freunde Genaueres darüber herausfinden können, verschwindet die Leiche, und Dr. Fischer gleich mit. Die Fargos ahnen Übles – denn Fischer hatte schon bei seinem Aufenthalt in Ungarn das Gefühl, beschattet zu werden. Ein Verdacht, der sich bestätigt.

Er ist einem ungarischen, zwielichtigen Industriellen in die Quere gekommen, einem Mann namens Arpad Bako. Der gierige Bako betrachtet sich als direkten Nachkommen von Attila und bereitet in der Folge jedem, der gleich ihm nach Attilas Grab suchen will, arge Probleme. Noch dümmer: er hat internationale Verbindungen in Verbrecherkreise, was verheerende Konsequenzen nach sich zieht.

Zwar gelingt es den Fargos, mit Hilfe einer ungarischen Familie Albrecht Fischer wieder zu befreien, doch sie stehen gleich vor dem nächsten Problem – die fixe Idee Arpad Bakos, dass Fischer und die Fargos auf der Suche nach Attilas Grab seien, ist durchaus kein Hirngespinst… denn in dem Gräberfeld stoßen die For­scher tatsächlich auf Hinweise auf Attilas Grab.

Nun ja, Grab ist etwas zu einfach gesagt – der kluge und raffinierte Hunnenfürst hat nicht nur ein Grab anlegen lassen, sondern deren gleich fünf. In jedem ein­zelnen hat er einen Teil seiner Schätze verstecken lassen, um sie später für sei­nen Sturmlauf auf Rom als Finanzierungsquelle heranziehen zu können. Ein Sturmlauf, der bekanntlich nie stattfand. Was jetzt folgt, ist also ein seit gut fünfzehnhundert Jahren aufgeschobener Wettlauf zu den einzelnen, verschlüs­selten Stationen der Gräber. Keines von ihnen ist jemals gefunden worden.

Im Nu sind also Bako und seine kriminellen Verbündeten auf der einen Seite und das Ehepaar Fargo sowie Albrecht Fischer und die Recherchecrew der Far­gos auf der anderen in eine nervenzehrende Verfolgungsjagd verwickelt, in der es zum einen auf detaillierte historische Kenntnisse, das Wissen alter Sprachen und auf Dreistigkeit und Chuzpe ankommt. Und keine Seite gönnt der anderen den Erfolg. Gewissermaßen ist dies nun also eine Art von sportlichem Wett­kampf um historische Pretiosen im Werte von ungezählten Millionen Dollar.

So gelingen Sam und Remi Fargo ein paar Überraschungserfolge. Doch dann, mitten auf dem Weg zu einem der entlegenen Grabplätze, verschwindet auf einmal Remi Fargo auf dem Moskauer Flughafen spurlos, und der verzweifelte Sam Fargo erhält ein Handy zugestellt mit einer Rückgabeforderung: Ausliefe­rung der schon gefundenen Schätze im Tausch gegen Remis Leben.

Da beschließt er, auf eigene Faust die Rettung seiner Frau in die Wege zu leiten – ohne Hilfe, ohne Sprachkenntnisse, ohne Ortskenntnisse, mitten in den Wei­ten Russlands …

Mit „Das fünfte Grab des Königs“ liegt der inzwischen vierte Roman um das Schatzsucherehepaar Sam und Remi Fargo vor. Nachdem die erste Staffel von drei Romanen von Grant Blackwood verfasst worden ist1, hat nun Thomas Perry als Hauptautor den Staffelstab übernommen und schreibt die neuen Abenteuer der Fargos nieder. Ich war gespannt, wie gut es ihm gelingen würde, die Fargos und ihre Gedankenwelt zu übernehmen und auszubauen.

Es ist vermutlich auch dem gleich bleibenden Übersetzer Kubiak zu verdanken, dass die Differenzen nicht gar so deutlich zum Vorschein kommen. Im Vergleich zu den Juan Cabrillo-Romanen oder den Abenteuern von Dirk Pitt von der NUMA sind die Fargo-Romane immer schon eher dezent gewesen. Bei diesem hier fiel zudem eine gewisse bedauernswerte Monolinearität auf. Man kann den Roman selbstverständlich – wie ich es getan habe – binnen von drei Tagen auslesen, und der Mittelteil ist durchaus so spannend, dass man deutlich mitfie­bert.

Gleichwohl fällt auf, wie zahm und blass der Antagonist Bako dargestellt wird. Er wird, wie auch seine kriminellen Gefährten, nicht wirklich solide gezeichnet, und Tibor Lazar (wer das ist, wird hier nicht vorweggenommen) und seine sehr vielseitige Mannschaft sind ein wenig zu optimal für ihre Rolle angepasst. Da hätte man mehr Sorgfalt und Raffinesse walten lassen können… indes, dies ist ja erst der Auftaktroman für wenigstens drei dieser Sorte (der zweite, der dann mit den Maya zu tun hat, ist auch schon erschienen). Thomas Perry ist also gerade mal dabei, sich warm zu schreiben. Und wer ohnehin die Fargos mag und gern in Bergen von Gold und Edelsteinen baden will … das geht hier durchaus. Zwischendrin gibt es dann Schusswechsel, Ritte mit gestohlenen Pferden, Einbrüche in Lagerhäuser, Wandern durch Katakomben, Tauchgänge in Buchten und Flüssen, ganz zu schweigen von dieser famosen Mehlexplosion … autsch, dachte ich da, als es gar mächtig krachte.

Doch, Spaß macht der Roman durchaus, und selbst wenn der Eifer mit dem Au­tor durchgeht, etwa bei gewissen archäologischen Ausgrabungs- und Kartie­rungsarbeiten, kann man ihn als Abenteuerroman schon mit Vergnügen lesen. Staffelstabübergabe gelungen, möchte ich sagen. Fargos – das Abenteuer geht weiter!

© 2015 by Uwe Lammers

Natürlich muss man immer ein paar Konzessionen an einen neuen Autor ma­chen, aber abgesehen von den obigen Kritikpunkten fand ich den Roman durch­aus gelungen. Da gab es definitiv schon deutlich üblere Problemgeschichten bei Cussler.

In der kommenden Woche reisen wir auch in die Vergangenheit, aber via Zeit­maschine. Die „Time Wars“ gehen weiter. Alles Nähere in sieben Tagen an die­ser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. dazu die folgenden Romane: Das Gold von Sparta (im Rezensions-Blog 8 vom 20. Mai 2015), Das Erbe der Azteken (im Rezensions-Blog 11 vom 10. Juni 2015) und Das Geheimnis von Shangri-La (im Rezensions-Blog 14 vom 1. Juli 2015).

Silvesterblog 2019

Posted Dezember 31st, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute starte ich mal mit einem ungewohnten Vorsatz in diesen letzten Blogartikel des Jahres 2019: Ich möchte mich ein wenig kürzer halten als in den vergangenen Jahren an dieser Stelle. Das hat natürlich seine Gründe.

Zuvorderst ist die jüngste Entwicklung an der digitalen Front zu nennen – am 21. Dezember wurde ich aus technischen Gründen gezwungen, das Betriebssystem auszuwechseln und damit die wirklich über Jahrzehnte zu verfolgende kontinuierliche Linie zu unterbrechen, die mich mit Microsoft-Programmen verband. Je mehr ich in die digitale Welt eintauche, was vermutlich unum­gänglich ist, wenn man als Selfpublisher E-Books erstellt, desto unschöner ist es, dem permanenten Wettlauf von Programment­wicklern einerseits und ihren Antagonisten, die im Netz Viren­programme schaffen und destruktive Ziel verfolgen, ausgesetzt zu sein. Da war es nötig, mal einen recht rigiden Riegel vorzu­schieben.

Die Konsequenz erzeugte aber einige Kollateralschäden, über die ich mich an anderer Stelle ausführlicher ausgelassen habe. Und da ich selbst ja auch nicht jünger werde, muss ich mich erst mal an das neue Programm gewöhnen. Das fängt bei so kurio­sen Dingen wie der Suche nach den ursprünglichen Schriftarten an und endet vorläufig bei der Tatsache, dass ich noch nicht recht verstehe, wie das mit den automatisierten Silbentrennun­gen funktioniert.1

Außerdem sah ich mich – eben aufgrund des Systemwechsels – auch außerstande, vorzuarbeiten. Das schien mir schwierig, und die umfangreiche Weihnachtspost erschwerte das dann zusätz­lich und machte Vorarbeiten unmöglich. Gut so! Denn so verlor ich durch die Kollateralschäden nur den Blogartikel 361, den ich schon geschrieben hatte.2

Worauf möchte ich also in diesem verkürzten Silvesterblog ein­gehen? Nun, natürlich gibt es den obligatorischen Überblick über das, was ich im E-Book-Programm leisten konnte, ein we­nig Informationen über die Blogs, dann über sonstige Publikatio­nen außerhalb des E-Book-Programms. Flankiert wird das durch einen kleinen Blick in meine OSM-Episodenarbeit. Und dann will ich etwas sagen zu neuen Entwicklungen im Winter 2019, die doch schöne Hoffnungen für das neue Jahr vorzeichnen. Etwas Statistik zur Homepage und eine Vorausschau sollen diesen Sil­vesterblog dann abrunden.

Zunächst also etwas zum Thema der E-Books. Wie ihr als eifrige Leser meiner Aktivitäten sicherlich verfolgt habt, blieb die publi­zistische Tätigkeit hier erneut hinter den früheren Jahren zurück. Konkret konnte ich drei E-Books publizieren, im Frühjahr einmal mit „Die Kristalltränen und andere phantastische Ge­schichten“ meine fünfte E-Book-Storysammlung. Dann folgte mit „BdC 1 – Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“ der be­reits seit einigen Jahren angekündigte erste Band des KON­FLIKTS 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“, in dem ich die ersten drei Episoden um das tasvanische Reich in der Kleingala­xis Pholyar zusammenfasste und ausarbeitete. Für das Jahr 2020 plane ich den zweiten Band, der schon in Arbeit ist, „Ge­strandet in Bytharg“. Das Schlusslicht machte, auch schon lange angekündigt, Band 31 der Serie „Oki Stanwer und das Ter­rorimperium“ (TI), in dem die Yantihni endlich als Volk mit den Bediensteten des Lichts unter dem Baumeister Nogon und sei­nen Allis zusammenprallten. Auch hier ist für 2020 der nächste Band in Arbeit, „Krisenherd Xoor‘con“. Ich hoffe, dann auch die beiden weiteren Bände der Serie fertigstellen und publizie­ren zu können.

Damit hat sich für 2019 meine E-Book-Aktivität bei Amazon er­schöpft. Auch bei meinem zweiten Distributor XinXii.com war ich dann ein wenig rege, aber erst recht spät im Jahr. Deshalb kamen hier nur die „digitalen Nachdrucke“ der E-Books „TI 24 – Gelüftete Schleier“ und „TI 25 – Audienz bei Quin“ heraus. Band 26, den ich noch fertig konfigurieren wollte, schaffe ich heuer nicht mehr, das ist ein Plan für Januar 2020.

Was ich an Plänen nicht umsetzen konnte, war die Fertigstellung der Novelle „Das Geheimnis von Church Island“, die die Brücke zwischen dem E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“ (CK 1) und dem Folgeband „Monstererwachen“ bildet. Ebenfalls zu vollmundig war ich in der Vorstellung, den zuletzt genannten Band im Herbst 2019 veröffentlichen zu kön­nen … aber Träume und Wünsche sind bekanntlich dazu da, no­velliert zu werden. Auch das sind nun beides Pläne für 2020.

Jenseits des E-Book-Programms ging natürlich die Arbeit am Oki Stanwer Mythos rege weiter. Insbesondere handelte es sich da­bei um kommentierte Abschriften älterer Episoden. Bei den bei­den aktuell in Arbeit befindlichen Serien, den KONFLIKTEN 12 und 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC) befinde ich mich gegenwärtig in etwa in gleicher Episodenhöhe. Bei BdC habe ich Band 79 fertig erfasst, kommentiert und ausgedruckt, bei FdC arbeite ich zurzeit an Band 80. Wenn die Arbeiten hier so gut vorangehen, wie ich das hoffe, werde ich 2020 die Seri­enabschrift des KONFLIKTS 14 beenden können. Danach plane ich, mich dem ältesten noch nicht digitalisierten Serienkoloss zu nähern, nämlich „Oki Stanwer Horror“ (OSH), auf dessen Ausar­beitung die E-Books des „CLOGGATH-KONFLIKTS“ fußen.

Wie schon im Silvesterblog 2018 erwähnt, habe ich in der Tat Band 1900 des OSM erreicht und mit „Schmelztiegel Shallakhon“ (Band 4 des KONFLIKTS 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“) am 16. April 2019 fertigstellen können. Der OSM in der Gesamtzählung hat mit BdC 79 jetzt Band 1939 erreicht, so dass Band 1950 in greifbarer Nähe für das Frühjahr 2020 ist. Mit dem Erreichen des Bandes 2000 des OSM rechne ich aber erst anno 2021.

Die Blogartikelserien sind auch 2019 konstant mit einer Fre­quenz von einer Veröffentlichung pro Woche fortgesetzt worden. So erreichte der Wochen-Blog den Teil Nr. 355, und mit dem heutigen Tag (25. Dezember) hat der Rezensions-Blog auch schon die Nr. 248 erreicht. Dort sind aktuell schon alle Beiträge bis Mitte Juni 2020 fertig verfasst.

Bei beiden Artikelreihen wird mir so schnell die Puste nicht aus­gehen – bei den Wochen-Blogartikeln kann ich sogar für 2020 eine witzige aktuelle Ergänzung machen: Während ich das lange vernachlässigte Serienglossar des KONFLIKTS 17 „Drohung aus dem All“ vervollständigte3, machte ich so viele amüsante Kom­mentare und Stilblüten aus, dass ihr euch auf ein paar vergnüg­liche Blogartikel freuen könnt. Den ersten, der mit dem Univer­sum und einer Chipstüte zu tun habt, habe ich schon fertig. Mehr verrate ich hier und jetzt nicht.

Manche Pläne klappen dann durchaus: So konnte im September in Zusammenarbeit mit dem Terranischen Club Eden (TCE) die zweite Print-Storysammlung das Licht der Welt erblicken. Nach­dem im Frühjahr 2019 auf den 3. Perry Rhodan-Tagen Osna­brück der Titel „Wollust, Wunder und Verhängnis“ Joe Kutz­ners Wohlwollen fand, konnte der Band als Teil 13 der Reihe „Grey Edition“ Ende September 2019 auf dem GutCon in Oelde vorgestellt werden und ist seither auf jedem TCE-Clubtisch im Bundesgebiet zu erwerben.

Weitaus überraschender kam dann die Entwicklung in Richtung Podcast und Print-Fassungen meiner E-Books: Während ersteres durch Zeitmangel meines Partners auf Eis gelegt werden muss­te, ergab sich im Oktober überraschend die Möglichkeit, mit ei­nem Salzgitteraner Startup-Gründer die Formatvorgaben für das Printprogramm Amazon-KDP-Print zu erfüllen. Auf diese Weise erblickten bis Ende Dezember 2019 zwei Printwerke das Licht der Welt – einmal das Katzenmärchen „Die Katze, die die Sonne stahl“, zum zweiten meine erste E-Book-Storysamm­lung „Beide Seiten der Medaille und andere phantasti­sche Geschichten“. Für 2020 planen wir die Übertragung wei­terer E-Books ins Printformat. Ich favorisiere dabei der Vielfalt wegen besonders die inzwischen fünf Storysammlungen, möch­te dann aber mit den „Annalen“-Bänden fortfahren und schließ­lich zu TI, BdC und vielleicht sogar zum CK vorstoßen … aber das ist ein Plan, der zweifellos nicht mehr 2020 und vielleicht nicht mal 2021 Realität werden wird. Wenn wir fünf oder sechs weitere Print-Werke 2020 schaffen, wäre das schon eine reife Leistung. Ihr werdet davon hören, spätestens im nächsten Sil­vesterblog.

Ebenfalls ein Pfad, den ich mit tatkräftiger Hilfe zu beschreiten versuchen werde, ist der einer ersten Übersetzung eines Werkes ins Englische. Anvisiert ist zunächst die „Katze“, aber wenn das funktioniert, kann ich mir auch weitere Übersetzungen ins Englische vorstellen, die mir dann eine weltweite Reichweite meiner Schriften ermöglichen könnte und hoffentlich auch eine entsprechende Erhöhung der Tantiemen bringen würde (so dass endlich wenigstens mal die Herstellungskosten hereinkämen, gegenwärtig sind die E-Books noch ein reines Zuschussgeschäft … und damit notorisch prekär, da ich außer ALG II gegenwärtig keine Einkünfte besitze und folglich keine großen Sprünge (= In­vestitionen) machen kann).

Was die Besucherfrequenz meiner Webseite www.oki-stanwer.de angeht, so kann ich mit Stand von gestern (30. Dezember) für das Jahr 2019 sagen, dass aus mir nicht klaren Gründen in eini­gen Monaten die Zahlen ziemlich durch die Decke gingen. Aktu­ell zähle ich 177.769 Klicks in diesem Jahr, was einer Frequenz von rund 14.770 „Besuchen“ pro Monat entspricht (oder etwa 487 Klicks pro Tag). Im Vergleich zum letzten Jahr ist das eine echt heftige Steigerung, da waren es „nur“ rund 5.000 Klicks pro Monat … mal schauen, wie sich das im anbrechenden Jahr 2020 verändern wird.

In Planung befinden sich neben dem, was ich oben schon er­wähnte, für 2020 oder später zwei mögliche weitere Grey Editi­on-Ausgaben, die sich mit dem OSM und dem Archipel befassen könnten. Zur TI-Serie möchte ich einige Kurzgeschichten schrei­ben, u. a. die Brückengeschichte zu den Forschern des Planeten Hushhin, zu denen ich in den 40er-Bänden der Serie zurückkeh­ren werde. An der Fertigstellung des KONFLIKTS 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) werde ich ebenfalls arbeiten.

Also, das Auftragsbuch für 2020 ist prall gefüllt, und ich kann noch nicht sagen, was da an weiteren kreativen Abenteuern auf mich warten wird. Doch wie immer das aussehen mag, so kann ich darauf bauen, dass mich eine kleine, engagierte Crew von Freunden und Kreativen unterstützen wird. Meine Freunde vom Förderverein Phantastika Raum & Zeit e.V. sind da zu nennen, ohne die die Homepage nicht funktionieren würde. Für meine E-Book-Erstellung gilt mein Dank wie schon in den Vorjahren dem Team von Thrillkult-Media, ohne das es mein E-Book-Programm vermutlich nicht mehr gäbe. Zum dritten ist natürlich auch wei­terhin mein Grafiker Lars Vollbrecht zu nennen, der dem OSM optisch zu einem ansprechenden Äußeren verhilft.

Und als jüngstem „Teammitglied“ in der Runde danke ich auch Daniel Neigel vom Startup Codeularity in Salzgitter, der es er­möglicht hat, dass mein alter Traum von E-Books als Taschenbü­cher endlich in Erfüllung gehen konnte. So kommen nun also nach langer Wartezeit auch diejenigen Freunde meiner Ge­schichten auf ihre Kosten, die immer auf das haptische Erlebnis verzichten und lange Mienen ziehen mussten, wenn ich ihnen nach meinen Lesungen bedauernd signalisierte, dass es noch keine Printpublikationen von meinen E-Books gäbe. Dank Daniel gehört diese Zeit der Vergangenheit an.

Damit möchte ich für dieses Mal wieder zum Ende meiner Aus­führungen kommen. Hm … ich bin nicht wirklich sehr viel kürzer als letztes Mal gewesen, scheint mir. Das lag aber wohl daran, dass es a) so vieles Heterogenes zu berichten galt und ich b) eben nun mal „der Typ für die Langform“ bin. Mögen auch man­che Literaten damit nicht klarkommen und sich dieser Wortflut nicht gewachsen fühlen (ich hatte heute so einen bedauerlichen Fall, ernsthaft), die meisten unter euch Stammlesern oder de­nen, die dazu werden könnten, wissen vermutlich, dass ich eher zu mehr Worten neige als zu wenigen.

Ich verstehe mich halt nicht als Dichter, bin kein Hermann Hes­se, sondern rede so, wie mir der Schnabel gewachsen bin und bin schlicht geradeaus und direkt. So kennt ihr mich, und so werde ich auch bleiben, selbst wenn sich, wie zu hoffen steht, meine Einnahmen aus den Publikationen in der näheren Zukunft steigern werden. Ich bemühe mich, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren und ein bodenständiger Fan-Autor zu blei­ben.

Für das Jahr 2020 wünsche ich euch alles Gute. Bleibt neugierig und schaut wieder hier herein – etwa morgen, wenn ich meinen neuen Rezensions-Blog in die Welt sende.

Bis dann, meine Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Das klingt ein wenig strange? Ja, fand ich auch, als ich heute (25. Dezember) meinen jüngsten Rezensions-Blog hochgeladen habe. Der hatte bei seiner Entstehung vor Mo­naten natürlich schon platzsparende Trennungen erhalten, aber als ich ihn heute öff­nete, waren die Trennzeichen einfach irgendwo im Text verstreut. Toll, dachte ich, jetzt kann ich das alles noch mal machen … aber das mache ich dann, wenn ich ihn in die Maske auf der Homepage eingepflegt habe.

Gesagt, getan. Witzigerweise waren daraufhin alle Trennungszeichen verschwunden, und ich hatte normalen Fließtext … wie gesagt, ich kapiere das noch nicht so richtig, aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Hoffe ich.

2 Das war nachträglich von Vorteil, als ich ihn neu schrieb, denn ich fand, die Erstversi­on sei doch einigermaßen „schwafelig“ ausgefallen. Ihr werdet den neuen 361er dann 2020 zu lesen bekommen.

3 Ah, dabei muss ich natürlich sogleich wieder relativieren. Das Serienglossar ist nicht „fertig“, wie ihr hier vielleicht fälschlich annehmen würdet. Es ist so, dass ich alle Na­men und Begriffe erfasst und die Episoden-Verweisstellen erfasst habe. Jetzt muss in einem weiteren Arbeitsgang natürlich dafür gesorgt werden, dass die Begriffe auch ERKLÄRT werden. Und sofern sie nicht serien-endemisch sind, kann es sein, dass sie schon in anderen Roman- oder Serienglossaren erläutert wurden. Um die Erklärungen nicht doppelt zu machen, werde ich sie dort heraussuchen und kopieren müssen … ihr spürt schon, das ist ein zeitaufwändiger Prozess,

Liebe Freunde des OSM,

es gibt eigentlich nur ein Gefühl, das jenes toppen kann, das ich empfand, als ich am 27. September 2019 auf dem nordrhein-westfälischen Kulturgut Nott­beck von Joachim „Joe“ Kutzner das erste Exemplar unseres neuen Gemein­schaftsproduktes in die Hand gedrückt bekam: Grey Edition 13 – Wunder, Wol­lust und Verhängnis, 144 Seiten reiner Uwe Lammers, könnte man ironisch sa­gen.

Was ist noch besser als dies? Nun, das leuchtende Interesse in den Augen Um­stehender, die dann sagen, dieses Werk gern selbst besitzen zu wollen und sich schließlich herandrängen, um ein Autorenautogramm zu erhalten. Das ist mir am vergangenen Wochenende und auch gestern Abend mehrmals zuteil gewor­den, und es ist einfach ein phantastisches Gefühl, ein schöner Abschluss für den Monat September 2019, der ansonsten doch ziemlich wechselhaft verlief.

Die große, drückende Hitze hatte glücklicherweise nachgelassen, was sich un­verzüglich in meiner kreativen Produktivität auswirkte. Hätte ich nicht mit dem Magnifest 2019 am Monatsanfang und dem Gut-Con 2019 in Nottbeck, den der Terranische Club Eden (TCE) und die LWL-Literaturkommission für Westfalen ge­meinschaftlich ausrichteten und wo ich als Helfer und Programmgestalter beide Male im Einsatz war, gewisse Ablenkungen erfahren, so könnt ihr sicher sein, dass ich sicherlich noch kreativer gewesen wäre, als ich es so schon war. Denn ich sagte es ja verschiedentlich bereits – wenn die Temperaturen in einen nied­rigeren Bereich um die 20 Grad sinken, dann kann ich meinen inneren Thermo­staten niedriger „schalten“, der sonst soviel Kraft aufsaugt und mich schriftstel­lerisch absacken lässt.

Das Gesamtfazit beläuft sich für diesen Monat also auf 28 fertige Werke, von denen nur 8 auf Blogartikel entfallen. 4 waren für die Leseskripte der Events re­serviert, und da ich nur wenig las, könnt ihr mit Fug und Recht davon ausgehen, dass einiges in den OSM investiert wurde (und ein kleines Stückchen auch in den Archipel, natürlich). Woran arbeitete ich nun konkret, und was wurde fertig? Das seht ihr hier:

Blogartikel 351: Work in Progress, Part 81

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“)

(E-Book-Glossar)

Anmerkung: Das E-Book-Glossar hinkt tatsächlich noch immer ziemlich hinter den Erfordernissen her. Zur Erläuterung – ihr wisst ja, dass jedes meiner OSM-E-Books ein Glossar am Schluss besitzt, damit ihr über die wichtigsten neuen Be­griffe und Namen orientiert seid. Wohlverstanden: die wichtigsten. Das heißt also nicht alle. Um alle Begriffe und Namen zu verzeichnen, bedarf es einer gründlichen Neulektüre und Durchsicht der schon geschriebenen und publizier­ten OSM-E-Books.

Wie weit hinke ich damit hinter der Gegenwart her? Ich gebe euch mal einen kleinen Tipp: Ich habe in diesem Monat September TI 8 „Am Rand der Beben­zone“ verzeichnet.

Sagt da gerade wer „Ups, das ist aber verdammt weit zurück!“? Recht hast du! Ich trachte danach, diese Baustelle alsbald weiter anzugleichen, damit in relativ naher Zukunft (vielleicht schon Mitte 2020, mal schauen) alle Begriffe aus mei­nen E-Books wirklich wie versprochen Eingang in die OSM-Wiki finden können. Gegenwärtig ist damit noch nicht zu rechnen.

(OSM-Wiki)

(Vivica auf Abwegen – Archipel-Novelle)

(Das Los der Lady Renata – Archipel-Novelle)

12Neu 71: CROSSATHS Revolte

12Neu 72: Verbannt nach Arc

(12Neu 75: Der Schläfer)

(Die Suyenka – Archipel-Roman)

(Aktion TOTAMS Ende – OSM-Roman)

TI 48: Das graue Ei

Anmerkung: Das war dann eine echt schöne Überraschung, nach langer Zeit mal wieder einen TI-Band fertig zu schreiben und dabei tiefer in die Cestai-Welt einzutauchen. Ihr erinnert euch doch sicherlich an diese telepathischen Wurm­wesen, die die Cestai-Späherin Yiita der armen Forscherin Visinor auf den Anzug setzte … wer denkt, das sei jetzt schon das letzte Wort in dieser Hinsicht gewe­sen, der hat noch keinen blassen Schimmer, worum es in der fertig geschriebe­nen Episode geht. Den Würmern, dem „Konglomerat“ begegnet ihr dort jeden­falls wieder … und einer Menge anderer Wesen, die ihr dort sicherlich nicht im Kriegernest der Königin Achthundertvierzehn erwartet.

(TI 49: Neugierde und Mitleid)

Anmerkung: … und kaum war ich mit dem obigen Band fertig, brannte in mir die Leidenschaft, die Handlungsspur gleich fortzusetzen. Vom Band 49 existiert also auch schon ein gutes Stück. Vielleicht kann ich den Band, vorausgesetzt, die Bil­der strömen schön weiter, bis Ende des Jahres abschließen und mich dann sogar schon um den Jubiläumsband 50 kümmern, dessen Titel mir schon seit fast 10 Jahren bekannt ist.

Ja, manche Dinge brauchen bei mir echt Zeit, Freunde.

(14Neu 76: Gott der Plegg’re)

(TI 46: Brennpunkt Hushhin)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“)

(OSM-Hauptglossar)

Blogartikel 349: Logbuch des Autors 30: KONFLIKT 3 begonnen!

Blogartikel 352: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 66

12Neu 73: Die Straßen der Verheißung

14Neu 74: Ein Mond vergeht!

(DM 54: Der Vergeltungskonvoi)

(FvL 42: Bei den Bytharg-Rebellen)

(12Neu 76: Spione für TOTAM)

12Neu 74: Die Totengräber von Arc

Anmerkung: Mann, bei dem Band hat es mich wirklich beim Abschreiben gegru­selt. 1990, als ich ihn in Rohform niederschrieb, war ich tatsächlich richtig heftig drauf. Man darf natürlich auch nicht außer Acht lassen, dass ich damals noch Horror in viel stärkerem Maße las als heutzutage, und dass meine Lovecraft-Phase erst langsam abebbte, die 1983 begonnen hatte. Das wirkte natürlich al­les hier mit.

Ich meine: wie würdet ihr denn einen Feind bekämpfen, der keinen Körper be­sitzt, aber mittels seiner Kräfte imstande ist, Raumschiffantriebe kollabieren zu lassen und Strahlerenergien zu reflektieren? Und der außerdem jeden verzwei­felten Raumfahrer kurzerhand auszuhungern versteht, weil er selbst keine Nah­rung braucht? Da ist guter Rat teuer … nur gut, dass die Raumfahrer Oki Stan­wer an ihrer Seite haben …

(14Neu 75: Im Reich der Plegg’re)

(Exil auf Hushhin – OSM-Story)

Anmerkung: Seit vielen Jahren habe ich mit diesem Storyfragment gehadert, weil mir der Anfang einfach nicht gelingen wollte. Nun entschloss ich mich dazu, es mal völlig anders zu versuchen … und ich war ganz verdattert, als sich die Seiten unvermittelt wie von selbst schrieben. Ich konnte den Handlungsverlauf relativ gut skizzieren und bin zuversichtlich, nach dem ursprünglich ziemlich ver­korksten Anfang in akzeptabler Zeit eine Geschichte fertigstellen zu können, die Hand und Fuß hat.

Sie wird dann das Bindeglied zwischen dem TI-Band 12 „Sternenlegenden“ und dem TI-Band 46 „Brennpunkt Hushhin“ bilden. Dieser gigantische Spagat, der im E-Book viele Jahre überbrückt (ihr macht euch aber keine Vorstellung davon, wie viele Jahre das für mich waren!), ist natürlich einigermaßen unglücklich, aber leider auch nicht zu ändern. Manche Argumentationsbögen fußen auf Sto­ry-Brückenpfeilern, die sehr weit auseinander stehen. Das muss man einfach ak­zeptieren, sowohl ihr als auch ich.

Blogartikel 355: Close Up – Der OSM im Detail (12)

Anmerkung: Mit dieser Folge der Close Ups erreiche ich bereits den Band 60 der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“, was ich wirklich überraschend fin­de. Da komme ich ja kaum mit der kommentierten Abschrift der Serie hinterher (da stehe ich, wie oben zu sehen ist, aktuell auf Band 74 – den ich im „Close Up 15“ besprechen werde). Und bis zum Serienende sind es von heute an gerechnet nur noch 9 Close Up-Beiträge. Teil 21 der Reihe wird diese Serie vollständig ab­schließen, dann kann ich in den KONFLIKT 15 vorstoßen, der von mir im Januar 1984 beendet (!) wurde. Selbst das Digitalisat ist im Mai 2005 vollendet wor­den. Wird höchste Zeit, dass ihr über diese Serie mehr erfahrt, nicht wahr?

Einfach geduldig bleiben, es ist mein fester Wille, euch das alles noch zu erzäh­len. Wenn nichts Ungeplantes dazwischen kommt, wird das auch geschehen … aber ihr kennt ja das Leben, das ist durchaus unberechenbar.

Blogartikel 353: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (XXXII)

(TI 54: Die Jenseitsarche)

(TI 55: Die Anthrazitlegion)

Und damit ist dann die Übersicht über den Monat September 2019 abgeschlos­sen. Ja, ich weiß, es war wenig E-Book-Artiges dabei, auch habe ich es nicht mehr im September geschafft – insbesondere wegen des Gut-Cons – , mein neues E-Book zu veröffentlichen. Aber das geschieht jetzt Anfang Oktober 2019. Und wenn ihr diese Zeilen lest, nähert sich das Jahr 2019 sowieso schon dem Ende. In zwei Tagen findet ihr an dieser Stelle den Silvesterblog, und dann bre­chen wir in das dritte Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts auf.

Unglaublich, aber wahr.

Bis bald, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 248: Rork – Eine magische Odyssee

Posted Dezember 25th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

grafische Abenteuer mit surrealem Einschlag sind ausgespro­chen selten, wenigstens für mich. Ich habe zwar schon einige Erfahrungen gesammelt in den zurückliegenden Jahrzehnten, was beispielsweise Marvel- und DC-Comics in den 70er und 80er Jahren angeht, und ich habe nach 2006 das phantastische Abenteuer des CrossGen-Universe (CGU) mitgemacht, das mich zu einer Vielzahl von Comicrezensionen animierte.1 Aber das war ja durchaus nicht alles. Es gab da noch ein weiteres Lese­abenteuer, das sogar Spuren in meinem kreativen Hauptwerk, dem Oki Stanwer Mythos, hinterlassen hat.

Schon in den 90er Jahren stieß ich auf einen bis zum Jahre 2003 (meines Wissens nach jedenfalls) vierteiligen Comiczyklus des deutschen Zeichners Andreas, in dem er sich eines geheimnisvollen Weltenwanderers namens Rork und seiner durchweg surrealen Abenteuer annahm. Und ja, ich war über alle Maßen fasziniert. Als ich das vierte Album erhielt, fand ich es angebracht, auch in Anbetracht meiner Faszination für die CrossGen-Comics, die allmählich begann, diese Alben zu rezensieren.

Im Vergleich zu der heutigen Schwemme zumeist hastig hingeschluderter Superhelden-Comics sind diese Alben, mindestens die ersten beiden, ein opulenter, detailreicher Zeichenwahn, in dem nicht nur mit literarischen Motiven gespielt wird, sondern sehr wirkungsvoll auch mit Perspektiven, geradezu atemberaubend arabesker Fülle mit Ornamenten, Verzierungen und Verschnörkelungen dem Leser ein wahrer Bildersturm vorgesetzt wird.

Ja, die Geschichte endet in Rätseln und Aporie, natürlich. Und das tut der Gesamtgeschichte durchaus Abbruch. Aber was Andreas bis dahin an Feuerwerk von Ideen und brillanten Bildern abbrennt, das ist höchst sehenswert.

Vorhang auf also für ein grafisches Meisterwerk, das die Wiederentdeckung un­bedingt lohnt:

RORK

Eine magische Odyssee

oder

Die faszinierenden Bilderwelten des Magiers Andreas

Alles beginnt mit der Geschichte „Ein Jahrhundert für ein Haus“: an einer Steil­küste, gegen die wütend das Meer peitscht, steht ein herrschaftliches Haus leer, zur Hälfte durch eine Katastrophe ins Meer abgestürzt, Hülle für den Rest einer rätselhaften Maschinerie. Es ist verlassen, bis der junge Schriftsteller Bernard Wright sich genau dieses Gebäude als Inspirationsort erwählt und sich nicht um die Legenden kümmert, die Anwohner um die Ruine ranken. Doch rasch wird er von entsetzlichen Alpträumen und sehr realen nassen Spuren in Angst und Schrecken versetzt, Spuren, die vom leeren Dachboden des Hauses herabkom­men. In seiner Verzweiflung ruft er einen hochgewachsenen, weißhaarigen Mann mit jungem Gesicht zu Hilfe, der Rork heißt.

Rork, ein seltsamer Name?

Auch ein seltsamer Mann mit eigentümlichen Fähigkeiten.

Rork ist, wie im Laufe dieser kurzen Geschichte schnell klar wird, ein Magier, je­mand, der mit dem Übernatürlichen so bekannt ist, dass ihm das Erscheinen geisterhafter Unbekannter, die einem kugelrunden Raumschiff den Wogen ent­steigen, kein Entsetzen einflößt.

Er ist ebenfalls, wie die zweite Geschichte dieses Bandes, „Der empfindliche Punkt“ zeigt, ein Mann mit merkwürdigen Bekannten, in diesem Fall mit einem genialen, greisenhaften Erfinder, der Adam Neels heißt und in einem dichten, alten Wald verborgen lebt und hier nach dem archimedischen Punkt sucht, mit dem man die Welt aus den Angeln heben – oder jede Kugelgestalt zerstören kann …

Und Rorks Welt ist zugleich eine der lovecraftschen Schrecken, die aus unerwar­teten Quellen aufsteigen, wie die dritte Episode „Der Fleck“ beweist – in diesem Fall ein amöbenhaftes Wesen, das sich auf einem Bild festgesetzt hat und Rorks Freund Ebenezer Awridge okkupiert.

Schließlich, und das lässt das Panorama dieser eigentümlichen, sehr detailrei­chen und opulenten Bildersphäre allmählich vollständig erscheinen, ist Rorks Welt ein Hort seltsamer Orte, die nur sehr schwer zu verstehen sind. Orte wie „Low Valley“, so der Titel der vierten Geschichte, in der es um ein geheimnisvol­les, völlig vegetationsloses Tal geht und um eine junge Frau, die vor Rorks Au­gen dort zusammenbricht. Bei dem Versuch, sie zu retten, entdeckt der Magier ein betäubendes Kräftefeld und Spuren, die zu einer von oben unerkennbaren Höhle führen. Als Rork diese Höhle betritt, entdeckt er eine Schwindel erregend tiefe Treppe und schließlich einen unterirdischen, gigantischen Saal … und rät­selhafte Fußspuren titanischer Art, die die seinen überlagern.

Die Frau, die er nach dem Tal Low Valley nennt und die ihr Gedächtnis verloren hat, bringt er zu sich mit nach Hause, wo die Probleme aber erst richtig begin­nen … Denn die schöne Low besitzt offenkundig selbst magische Fähigkeiten, wie die Titelstory „Fragmente“ beweist. Als sie schläft, beginnt ihr Geist damit, die Umwelt zu demontieren und zu fragmentieren. Dramatisch wird es, als sich Rorks Haus in zahlreiche schwebende Fragmente zerlegt und Low inmitten die­ses Chaos schlafend schwebt. Folgerichtig muss er, nachdem dieses Problem mühsam gebändigt worden ist, Low aus der Zivilisation entfernen. Doch das macht die Angelegenheit nur schlimmer.

Die Rückkehr des Flecks“, mit dem dieses erste Album von Rorks Geschichten schließt, verbindet die losen Enden mehrerer vorangegangener Geschichten, und offenkundig endet Rorks rätselhaftes Leben, als er sich in New York einem auf ihn und einen Stapel Dynamit herabstürzenden Eisenbahnwaggon gegen­übersieht.

Doch die Fragen sind damit nicht geklärt. Insbesondere die Hauptfrage nicht: wer ist dieser Rork eigentlich, der „faustische Held“, wie er im Nachwort zu Band 1 genannt wird, dieser geheimnisvolle Mann, der über Zauberkräfte ver­fügt und mit dem Phantastischen so selbstverständlich agiert? Und wie hängen diese fragmentierten Stückchen, diese kurzen Bildergeschichten zusammen? Denn DASS sie zusammenhängen, wird gegen Schluss dieses ersten Albums sehr deutlich.

Mehr Licht in dieses Dunkel bringt „Rork II: Passagen“, das Album, das ein Jahr später, 1988, erscheint. Schon das Titelbild mit einer fremdartigen, wüstenhaf­ten Welt, übersät mit gigantischen, skelettierten Kadavern, unter dem Schein einer seltsam fahlen Sonne und dem Widerschein mehrerer Monde zeigt, dass dies nicht nur eine Geschichte ist, die auf unsere Erde beschränkt ist, und dieser Eindruck ist vollkommen richtig.

Nach einer kurzen Rückblende über die bisherigen Ereignisse taucht eine neue Figur im Kosmos von Rork auf – Raffington Event, ein korpulenter Privatdetek­tiv, der diesmal die Rahmenhandlung zusammenhält: angesetzt von einem Un­bekannten, das Haus von Rork zu beobachten, der vor einigen Wochen in New York bei einer Explosion ums Leben kam (wobei rätselhafterweise kein Leich­nam zu finden war).

Bei dem Versuch, in das Gebäude einzudringen, sieht er sich auf einmal einer ganz vermummten Gestalt gegenüber, die ihn illusorisch irreführt und sich dann offenkundig als Rork „outet“, ohne indes das Gesicht zu zeigen. Event vermutet, es handele sich um Scham über eine Verstümmelung, die er bei dem Unfall er­litten habe, nicht ahnend, dass es viel schlimmer ist.

Rork erzählt ihm sein Leben, das vor rund dreihundert Jahren begann. Es macht vieles klarer, aber längst nicht alles: Rork ist nämlich ein Findelkind, das von ei­ner Schmiedfamilie vor der Haustür gefunden wurde. Binnen kürzester Zeit stellt sich heraus, dass Rork Fähigkeiten und geistige Qualitäten besitzt, die die seines Ziehvaters weit in den Schatten stellen. Und in der Nacht beginnt er schließlich, im Fieber mit seltsamen Wesen zu reden, die nur er sehen und hö­ren kann. Die wichtigste Begegnung ist die mit einem Magier namens Tanema­nar, der ihm verspricht, ihn zu holen, wenn es an der Zeit ist und Rork mehr ler­nen möchte.

Rork geht schließlich mit Tanemanar, dem „Meister der Träume“, als er auf­taucht, und er geht lange bei ihm in der Lehre. Schließlich bringt der Magier den jungen Mann an einen geheimnisvollen Ort, in eine Bucht, wie es scheint, in der gestrandete, zerfallende Schiffe liegen. Hier sollen sie den „Kapitän“ tref­fen und Rork in „das Geheimnis“ eingeweiht werden. Durch einen faszinierend visualisierten „rite de passage“ und den Tod eines halb Wal, halb Schnecke scheinenden Grenzgängers gelangt Rork schließlich in jene andere, auf dem Ti­telbild gezeigte Welt, und er erwirbt sich die Fähigkeit, zwischen den Welten zu pendeln.

Doch dies ist eine zweischneidige Fähigkeit, wie rasch klar wird. Denn es gibt ei­nen Wächter namens Pharass, der darüber wacht, dass der Übergang nicht zu oft benutzt wird. Es scheint eine Art von subtilem Gleichgewicht zu geben, das nicht gestört werden soll.

Die erste Notwendigkeit, die Passage erneut zu benutzen, ergibt sich, als sich die Wege des Schriftstellers Bernard Wright und die von Rork erneut kreuzen. Wright benutzt diesmal ein weiteres zerfallenes Haus als Inspirationsquelle, wird jedoch von übernatürlichen Mächten darin gefangen, altert und stirbt un­glaublich schnell. Als Rork ebenfalls in dieselbe Falle geht, kann er dem amor­phen Gegner nur durch den Passageübertritt entgehen.

Doch damit beginnen die Rätsel erst richtig: denn Tanemanar sagte Rork einst, wenn Pharass Rork nach dem Passageübertritt fände, würde er ihm die Erinne­rung an das „Geheimnis“ nehmen, und er könne nie wieder die Welten wech­seln. Und nach Rorks Worten ist er auch nach seinem Entkommen aus dem Trümmerhaus Wrights von Pharass entdeckt und beraubt worden.

Rork ist ziemlich klar, warum er dennoch die Welten wechseln kann, aber ich werde diese Erklärung hier natürlich nicht offenbaren. Wichtig ist nur: gegen Ende des Bandes kommt es zu einer Gegenüberstellung zwischen Raffington Event, Rork, Deliah Darkthorn (die Rork ursprünglich als Low Valley bezeichne­te), Ebenezer Awridge, dem rätselhaften Fleck und dem Wächter Pharass – und mit einem rätselhaften Kugelschiff, das sie alle in eine jenseitige Welt bringt.

Dort finden sie, schwebend in einem unwirtlichen Tal – Rork.

Und dann verlieren sie ihr Kugelschiff, was Pharass und seine Begleiter hier stranden lässt. Alle Fäden aus dem ersten Band vereinigen sich in diesem zwei­ten zu einem furiosen Finale – und machen doch ratloser als zuvor. Denn was GESCHIEHT nun mit Rork, der offenkundig von Deliah aufgeweckt wird und im Moment des Erweckens mit ihr spurlos verschwindet? Das Gleichgewicht scheint gestört, die perfekte Katastrophe eingetreten zu sein.

Pharass meint, die Chance, dass Rork und Deliah jemals wieder in ihrer Heimat­welt ankämen, sei mehr als gering.

Es dauert zwei Jahre, bis der Leser endlich erfährt, was geschehen ist, doch, das sei gleich vorausgeschickt, die Rätsel werden nur durch neue ersetzt.

Rork III: Der Friedhof der Kathedralen“, der eigentlich inspirative Band für mich, verwirrt schon durch den Titel und das Cover, und er führt eine weitere Figur ein: Professor Wallace de Wolf, der auf der Suche ist nach einer Splitter­gruppe mittelalterlicher Häretiker, die sich angeblich nach Südamerika einge­schifft haben sollen und hier eine Baumaßnahme begonnen haben, die man später den „Friedhof der Kathedralen“ nennt. Nur spärliche Hinweise deuten darauf hin, wo dieser Ort sein soll, und als de Wolf mit seinem Sohn Sidney und der Begleiterin Fay McKee endlich im tiefen Dschungel dem Ziel nahekommt, entgehen sie dem Tod durch Indianer nur, weil direkt neben ihnen ein ausge­mergelter Mann in zerlumpter Kleidung und wallendem Bart buchstäblich aus dem Nichts erscheint – Rork.

Wochenlang ringen sowohl die von einem vergifteten Pfeil getroffene Fay als auch der entkräftete Rork mit dem Tod, dann können sie sich auf den Weiter­marsch machen und endlich ihr Ziel finden, den legendären Friedhof der Kathe­dralen.

Er scheint verlassen und menschenleer, doch leider beherbergt er noch zwei Le­bewesen, die seit Jahrhunderten innig aufeinander angewiesen sind. Den un­menschlichen Yosta und seinen wahnsinnigen Widerpart Levec. Beide sind von magischen Kräften, die von einem unterirdischen Steinkreis ausgehen, der di­rekt unter den Kathedralen existiert, extrem langlebig geworden, und die Aus­einandersetzung, in der Rork, Sidney und die magischen Kräfte des Steinkreises aufeinanderprallen, fordert eine Reihe von Opfern.

Als sie endlich den Friedhof wieder verlassen, geht Yosta mit ihnen – und er ver­spricht Rork, dass sie sich in einem Jahr bei Rork treffen wollen. „… und wir wer­den nicht allein sein“, meint Rork kryptisch.

Womit die Welt um Rätsel reicher ist. Neue Gestalten, neue Geheimnisse, rät­selhafte Verbindungen … und niemand weiß, wie sie aufzulösen sind.

Doch es gibt noch einen vierten Band.

Was genau mag das sein – „Sternenlicht“? Rork wird auf dem Cover wirkungs­voll gezeigt, mit weißer, wehender Mähne, eingerahmt in ein Bündel aus selt­sam abgestuftem Licht.

Rork verließ Südamerika mit einem Schiff Richtung Mexiko, und hier angekom­men, erhält er durch ein kleines Mädchen ein Pergament, bedeckt mit rätsel­haften Schriftzeichen. Der Weg führt ihn mitten in die Wüste hinein, in eine un­wirtliche Gegend und zu einer Mesa, unter deren Felsüberhang eine alte Pue­blo-Siedlung von Indianern neu besiedelt worden ist.

Hier leitet eine alte, grauhaarige Frau den Stamm, doch ihre Vorherrschaft ist nicht unumstritten. Es gibt Intriganten, die versuchen, hinter das Geheimnis ei­nes Ereignisses zu kommen, das in zwei Tagen eintreten soll. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die Personen Bagat, Shamah, Auge und Juacho sowie der etwas verrückte Erfinder Blei.

Rork kommt gerade rechtzeitig, um den Versuch von Blei mitzuerleben, sich mittels eines Flugapparates in die Luft zu erheben – doch der Versuch scheitert und Blei stürzt ab. Und der Magier, der sich im Vergleich zum Band 1 quasi kaum verändert hat, erkennt die alte Frau erschüttert wieder, die ihn mit dem Pergament hierher gerufen hat: Low Valley. Sie hat im Gegensatz zu ihm in ei­ner anderen Welt ein halbes Leben zugebracht und in diesem Pueblo das Ge­heimnis entdeckt, das sie ohne Mithilfe von anderen Menschen nicht enträtseln konnte – das Mysterium des Sternenlichts, eines Lichts, das alles verwandeln wird, wenn es zur vorausberechneten Zeit eintrifft.

In der Tat verwandelt das Licht, aber die Dinge, die entstehen, sind einfach schrecklich und unverständlich … und zum Ende hin offenbart Low Valley Rork, weshalb sie seine Hilfe braucht – es geht um Low Valleys Tochter Syra, die wie Rork nach dem Passageübertritt hilflos und besinnungslos im Raum schwebt. Als sie sie schließlich dem Magier anvertraut, meint er nur: „Komm in neun Mo­naten zu mir. Ich brauche dich dann …“

Und die seltsamen beiden Eulen, die sowohl den Band 3 als auch den Band 4 von Rork einleiten und beenden und kryptische Sprüche von sich geben? Was ist mit ihnen …?

Niemand weiß es bisher. Dies ist alles, was ich zu sagen weiß, und ich muss ge­stehen, je länger man auf die Vollendung des Kreises zu warten hat, desto faszi­nierender wird das Gesamtbild. So wenigstens empfinde ich es. Bedauernswert ist lediglich, dass die feine Zeichenstruktur der ersten beiden Bände inzwischen abgeschält und verschwunden ist und breiten Flächen und starken, kräftigen Farben Platz gemacht hat. Die Detailtreue hat nachgelassen, bedauerlich nach-gelassen.

Doch kann man als sicher annehmen, dass der 1951 in der DDR geborene An­dreas, der Grafik studierte und schließlich zur Comickunst kam, noch mehr und intensiver in dieser Welt arbeiten wird und vielleicht sogar schon gearbeitet hat. Denn es ist nun schon fast zehn Jahre her, dass ich diese Alben geschenkt bekam… es wird Zeit, den Rest zu suchen, der womöglich schon erschienen ist. Oder Andreas auf die Füße zu treten, um den Rest endlich einzufordern (grins).2

Für den Comicfreund lohnen sich diese Alben auf jeden Fall, wenngleich es auch schwierig sein könnte, sie zu bekommen. Immerhin sind sie, gemessen an der Schnelllebigkeit des Zeitgeistes, schon „uralt“.

Alle vier Alben sind im Alpha-Comic-Verlag erschienen, präsentiert von Schwer­metall:

Rork I: Fragmente

Rork II: Passagen

Rork III: Der Friedhof der Kathedralen

Rork IV: Sternenlicht

© 2003 by Uwe Lammers

Viele Worte für ein paar Comicalben? Ja, das ist wahr. Aber ich denke, sie sind absolut erforderlich gewesen. Andreas´ Rork-Zyklus steht seit damals ziemlich singulär auf weiter Flur (lassen wir mal viele CrossGen-Comics und deren eben­falls höchst detailreichen Stil außen vor). Nichts, was ich in jüngerer Vergangen­heit so zu sehen bekam, vermochte mich auf diese Weise zu fesseln wie diese Alben … hab sie irgendwo tief verwühlt, ich sollte sie mal wieder heraussuchen und lesen. Das lohnt sich ganz ohne Zweifel.

Das Schöne an solchen grafischen Meisterwerken ist einfach, dass sie zeitlos be­eindruckend sind. Während vieles, was man heutzutage auf dem Markt findet, schlicht nur Gebrauchskunst ist, mit hastig hingeworfenen, skizzenhaften oder kaum ausgeformten Gesichtern, flüchtigen Hintergründen, schiefen Perspekti­ven und einfallslosen Panels, sieht das hier völlig anders aus und überschreitet sehr mit Recht die Grenzen zum Kunstwerk.

Das kann man natürlich auch anders sehen, aber so ist wenigstens meine eige­ne Meinung.

In der kommenden Woche besuchen wir nach langer Zeit mal wieder das Ehe­paar Sam und Remi Fargo, die – wie überraschend – mal wieder einem Schatz nachjagen. Wohin es sie diesmal verschlägt und womit sie es zu tun bekommen, erfahrt ihr in sieben Tagen.

Bis dann, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Ihr findet sie bei Interesse in den Ausgaben des Fanzines „Baden-Württemberg Aktuell“ aus den nämlichen Jahren im Bereich zwischen BWA 275 und etwa 350.

2 Nachtrag von 2019: Wie mir inzwischen bekannt wurde, gibt es in der Tat Folgealben, die in einer zweibändigen Gesamtausgabe zusammengefasst worden sind. Ich sollte sie mir beizeiten besorgen.

Wochen-Blog 355:

Posted Dezember 22nd, 2019 by Uwe Lammers

Wochen-Blog 355:

Close Up: Der OSM im Detail

Teil 12

Liebe Freunde des OSM,

heute bespreche ich in Form von Kurzrezensionen die Episoden 56 bis 60 des KONFLIKTS 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“, womit wir die Halbzeit die­ser insgesamt 105 Episoden langen Serie überschritten haben. Kurz zur Einlei­tung wie immer, was zuletzt geschah:

Rückblick: Eigentlich soll Oki Stanwer als Feldherr den insektoiden Cranyaa in der Galaxis Hun’arc beistehen, die von der Macht TOTAM und deren Dienern at­tackiert werden. Aber davon ist er gegenwärtig weit entfernt. Fast 600.000 Jah­re weit in die Vergangenheit geschleudert befindet sich in einem unheimlichen Weltraumabschnitt, dem Zeituniversum, das voller Gefahren und Fallen steckt – und ein Mysterium aufbietet: denn der Kosmos scheint vor der Zeit zu erlöschen, was klar der Realgegenwart widerspricht. Irgendwie muss es ihm also nicht nur gelingen, den Zeitsprung zu wiederholen und in die Gegenwart zurückzukehren, sondern auch den vorzeitigen Untergang des Universums zu verhindern.

In der Realgegenwart zerfällt derweil das geschwächte Cranyaa-Reich in einem Bürgerkrieg, aufgestachelt durch den Usurpator Thom-Ke, einen Cranyaa-Vasal­len TOTAMS. Sein letzter Schachzug war die Gefangennahme der Kaiserin Sini-Ag und ihre Verschleppung auf seine Zentralwelt Kareton. Der Ursprungsplanet der Cranyaa, Wislyon, wurde von TOTAMS Schergen durch einen Atombrand ausgelöscht …

Episode 56: Duell der Cranyaa

(4. März 1985, digitalisiert 2018)

Üblicherweise wird im Reich der Cranyaa die Regentschaft matrilinear weiterge­geben, es gibt also nur Königinnen. Thom-Ke, der geniale männliche Cranyaa-Programmierer von Kareton, durchbricht diese Reihe und ruft sich zum Kaiser von Kareton aus und nimmt Königin Sini-Ag gefangen, um sie auf seine Seite zu ziehen.

Sie erkennt jedoch, dass er wahnsinnig und ein Vasall TOTAMS ist. Daraufhin be­steht er auf einem rituellen Kampf auf Leben und Tod. Er ist sich sicher, ihn auf­grund größerer physischer Kräfte und durch TOTAMS Rückhalt gewinnen zu können.

Buchstäblich im letzten Moment greift jedoch der Matrixkoordinator dieses KONFLIKTS, der untergetauchte WÄCHTER, in das Geschehen ein. Indem er sei­nen Geist mit dem Sini-Ags austauscht, kann er den Kampf zu seinen Gunsten entscheiden und Thom-Ke töten. Dieser Kampf bricht den aufständischen Cranyaa Karetons das moralische Rückgrat, und sie anerkennen nun die neu ernann-te „Kaiserin Sini-Ag“. Es schlägt die Geburtsstunde der Neuen Cranyaa, aber es bleiben große Probleme und krisenhafte Zustände. Es ist nur eine Atempause im Kampf um Hun’arc erreicht worden.

Episode 57: „Sucht Leben!“

(18. März 1985, digitalisiert 2018)

Blende ins Zeituniversum: Oki Stanwer und seine Getreuen befinden sich auf ANTI-TOTAM in der STELE DER EWIGKEIT und oberhalb davon in der angeschla­genen Lichtfestung OREOC sowie dem Transmittermond der Plegg’re in einer trostlosen kosmischen Region, die Distanz nach Hun’arc ist unklar, wird aber als­bald mit gut 24 Millionen Lichtjahren beziffert. Aber Beobachtungen machen auch deutlich, dass sich die Gefährten in der tiefen Vergangenheit befinden. Entgegen ihren bisherigen Vermutungen sind sie der Sterbenden Zone nicht entronnen, sondern befinden sich mitten in ihr.

589.419 Jahre tief in der Vergangenheit gefangen gibt es für Oki Stanwer nur eine logische Option: Ein Aufbruch nach Hun’arc ist vollkommen witzlos. Da die Dämonen von TOTAM für diesen Zeitsog verantwortlich zeichnen, müssen sie hier irgendwo aktiv sein. Und sie werden Zeittransmitter besitzen – die einzige Chance, wieder schnell in die Gegenwart zurückzukehren.

Er beschließt also, den Transmittermond über ANTI-TOTAM zurückzulassen und bricht selbst mit der STELE auf, um Funksignalen nachzugehen. Auch OREOC wird auf die Suche nach Leben geschickt.

Eine Schlussblende führt den Leser dann in die 2,3 Millionen Lichtjahre entfern­te Galaxis Srakkonar, wo der Dämon Craathava von TOTAM auf einer Welt na­mens Kalamaar residiert. Er ist siegessicher, auch als er von Oki Stanwers An­kunft erfährt – schließlich hat er schon Fallen etabliert …

Episode 58: Eine Welt negiert!

(21. März 1985, digitalisiert 2018)

Blende zur Lichtfestung OREOC: Bemannt mit dem Soogrer Goonex, dem Calna­rer Zephir-Gort und dem raubtierhaften Helfer des Lichts Gruhl steuert die von den Synox schwer beschädigte, mit vorhandenen Mitteln aber nicht reparable kristallene Kampfbasis einen Raumsektor an, der 12.590 Lichtjahre von der wei­ßen Sonne „Point Zero“ entfernt ist, um die jetzt ANTI-TOTAM kreist. In diesem Raumsektor scheint die Struktur des Universums grundlegend manipuliert zu werden – recht eindeutige Anzeichen für intelligente technische Kulturen.

In der Tat finden sie ein Sonnensystem, aber sie kommen zu spät: Das Sonnen­system mit der Welt Ceqqolar ist von gigantischen Kegelschiffen einem verhee­renden entropischen Experiment unterzogen worden und grundlegend negiert worden, wobei nahezu alles Leben ausgelöscht wurde.

Ehe OREOC einfliegen kann, geschehen in kurzer Folge zwei bizarre Ereignisse – zum einen verliert Gruhl die Kontrolle über sich und wird zu einer wahngesteu­erten Mordmaschine, die über Goonex herfallen will (wie erinnerlich sind die Soogrer als Genforscher die Entwickler des Kunstvolkes der Moogs, der „geneti­schen Armee“, die auf dem Planeten Suriloom im Auftrag der Dämonenwaffe Rookax gezüchtet wurde. Gruhls Helferseele besetzte damals einen der Moog-Körper, die animalischen Blutlust-Triebe sind aber offenkundig nur temporär verschüttet worden). Ehe er gefährlich werden kann, wird er paralysiert und in eine Stasiskammer eingeschlossen, wo er kein Unheil mehr anrichten kann.

So wird er auch nicht Zeuge, wie OREOC von einem Raumgeschwader von Schif­fen angefunkt wird – zu Goonex´ Fassungslosigkeit von einem Toten! Denn der Rufende ist niemand Geringeres als Timor-Dol, der DIGANT und Herr der NEGA­TIVEN … aber Timor-Dol ist bekanntlich in der Todeszone umgekommen, in der Zukunft … (vgl. dazu Bd. 47 der Serie)

Als Leiter der Genwächter von Zykhor warnt Timor-Dol davor, das Sonnensys­tem anzusteuern. Es sei „negiert“ worden von Wesen, die die ERNEUERER ge­nannt werden. Timor-Dol fliegt nach dem kurzen Funkkontakt weiter zu einem Sonnensystem, das er das „Ovahaan-System“ nennt.

Goonex und OREOC entschließen sich allerdings dazu, auch weil sie wissen, dass Oki Stanwer derzeit anderweitig unterwegs ist, ungeachtet der Gefahr der Spur der ERNEUERER zu folgen …

Episode 59: Auf der Suche nach Klivies Kleines

(3. April 1985, digitalisiert 2018)

Blende in die Handlungsgegenwart zur Galaxis Hun’arc: Auf der durch die Licht­roboter-Attacken vor langer Zeit verwüsteten Heimatwelt der Soogrer (vgl. Bd. 22), auf Senaax, empfängt die soogrerische Forscherin Loree seltsame Funksignale aus dem Reich der Calnarer, das ansonsten funktechnisch tot ist. Da sie schon eine Weile über den Ritter vom Goldkristall Yorrok in Verbindung mit den Cranyaa steht, übermittelt sie diese Information zu deren neuer Zentralwelt Kareton.

Niemand kann etwas mit den Funksignalen anfangen – bis Yorrok darin das terranische SOS erkennt. Er hat davon im letzten Universum Kenntnis erlangt, als er auf der Erde im Einsatz war.1 Die einzige Person, die als Sender in Frage kommt, ist … Klivies Kleines!

Nun gilt Kleines seit dem katastrophalen Gigant-Syndrom als tot (vgl. Bd. 38). Aber Yorrok erinnert profund daran, dass Kleines schon öfter als tot galt und wie ein böser Traum immer wieder von neuem seine Lebendigkeit unter Beweis stellte. Natürlich kann das alles auch eine perfide Falle TOTAMS sein. Aber der WÄCHTER lässt sich überzeugen, dass sie es nicht riskieren können, sollte Klei­nes noch leben, ihn in TOTAMS Hand fallen zu lassen.

Mit einer kleinen Streitmacht, Yorrok und Loree an der Seite, bricht der WÄCH­TER nach Runix auf, um das Rätsel zu klären und, falls möglich, Kleines zu ret­ten. Als sie im System Le-Konji ankommen, entdecken sie voller Schrecken, dass Runix´ Oberfläche von kilometerdicken Kristallpanzern überkrustet ist – und in die Sonne zu stürzen droht!

Episode 60: Der neue Kleines

(4. April 1985, digitalisiert 2018)

Es bleibt nicht viel Zeit, um das Schlimmste zu verhindern. Das Cranyaa-Schiff mit dem WÄCHTER, Yorrok und Loree an Bord landet in der Nähe der Signal­quelle, um herauszufinden, ob es sich dabei tatsächlich um den um Hilfe rufen­den Klivies Kleines handelt.

Sie laufen in einen Hinterhalt der Soldaten TOTAMS, und der WÄCHTER wird bei einer Sprengung unter einer tonnenschweren Kristalltrümmerhalde begraben. Yorrok und Loree geraten in Gefangenschaft und werden von einer Inkarnation TOTAMS direkt zum Zentrum des Geschehens gebracht – hier wächst aus einer kristallenen Schote ein neues Wesen heran: ein Humanoider, der ganz aus elas­tischem weißem Kristall besteht. Es ist Klivies Kleines. Der neue Kleines.

Das Wesen TOTAM macht Anstalten, sowohl ihn als auch die Soogrerin und Yor­rok durch einen Transmitter zur Welt des Bösen zu entführen, als überraschend der WÄCHTER wieder auftaucht, der sich aus der Schutthalde befreien konnte. Bei dem sich entspinnenden Kampf kann er zwar jede Menge untote Cranyaa vernichten, aber Yorrok und Loree werden durch den TOTAM-Transmitter fort­gerissen. Auch der gelandete Cranyaa-Kreuzer attackiert und zerstört.

Alles, was der WÄCHTER noch tun kann, ist ein Griff hinüber zu Klivies Kleines und die Aktivierung seines Ego-Transmitters, mit dem er sie beide in Sicherheit bringt. Dann stürzt Runix in die Sonne und vergeht.

Ja, die Dinge stehen definitiv nicht gut, weder im Zeituniversum noch in der Handlungsgegenwart. In der nächsten Folge der „Close Ups“ kümmere ich mich vollständig um den Handlungsraum des Zeituniversums mit seinen vielfältigen Gefahren.

Bleibt neugierig, Freunde.

Bis nächste Woche, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. dazu das E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“, 2018 erschienen.

Rezensions-Blog 247: Lust und Gefahr

Posted Dezember 18th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

üblicherweise rezensiere ich an dieser Stelle Romane oder Kurzgeschichten­sammlungen bzw. Anthologien (wenn es um Sammlungen mit verschiedenen Verfassern geht). Dass ich einen Novellenband rezensiere, also ein Mittelding zwischen diesen drei Varianten, kommt eher selten vor. Ich schätze, dass solche Novellenbände noch häufiger vorkommen können, obwohl ich aktuell keinen „Kandidaten“ dafür an der Hand hätte, um ihn zu benennen.

Natürlich gibt es z. B. bei dem unten erwähnten Label Plaisir d’Amour inzwi­schen auch Novellen als handliche Printformate, also Bände, die gerade mal 100-130 Seiten Umfang haben und sich geradezu enttäuschend an einem Nach­mittag lesen lassen (und selbstverständlich immer zu kurz sind). Aber das sind Ausnahmen. Etablierte Verlage neigen doch eher dazu, ein Seitenlimit von 200 Seiten nicht zu unterschreiten, da sind die Verhältnisse heute anders als noch in den 1980er-Jahren, wo 146-160 Seiten üblicherweise das untere Seitenlimit für Taschenbücher darstellte (man schaue sich beispielhaft die Terra Fantasy-Reihe oder die Doc Savage-Serie an).

Hier jedoch hat Knaur drei erotische Kurzkrimis in einem Band zusammenge­schaltet, und ich fand das Experiment interessant. Wie ist es gelungen? Nun, seht selbst:

Lust und Gefahr

(OT: Baddest Bad Boys)

3 Novellen von Cate Noble, E. C. Sheedy und Shannon McKenna

Knaur 50689, Juni 2010

400 Seiten, TB

Aus dem Amerikanischen von Tine Mey

ISBN 978-3-426-50689-9

Man findet es eher selten, ein solches Mittelding zwischen einer Kurzgeschich­tensammlung (ein Verfasser) oder einer Anthologie (verschiedene Verfasser) und einem Roman. Hier haben wir eine Sammlung von drei längeren Novellen vor uns. Jede einzelne wäre – vor dem Zeitalter des E-Books – zu klein für ein Buchformat gewesen, zusammengeschaltet ergeben sie aber eine respektable Portion Lesestoff. Der Obertitel der Novellensammlung gibt dabei den Kurs für das Ganze vor und trifft zumindest in der Übersetzung zu (der englische Titel führt in die Irre, da es eigentlich nicht wirklich um „Bad Boys“ geht): es geht hier um erotische Liebesgeschichten, die einen lebensgefährlichen Krimitouch haben. Und das erwartet den Leser:

In „Mein unmoralisches Angebot“ von Cate Noble existiert seit vielen Jahren die unterschwellige erotische Spannung zwischen dem schwerreichen Max De­Luca und der schönen Ellie. Und Max möchte in der Tat mehr mit ihr zu tun ha­ben, nur gibt es da emotionale Komplikationen – denn Ellie hat seinen Bruder Stefan DeLuca geheiratet, einen ausgesprochenen Mistkerl. Bis vor drei Jahren, bis zu Stefans Unfalltod, war Ellie damit natürlich für ihn vollkommen tabu. Aber nun geht es um Stefans Erbe und DeLucas Schiffbaufirma, an der Ellie dank der Verbindung mit Stefan natürlich Anteile hat.

Die Übernahmeverhandlung von Ellies Anteilen gestaltet sich anders, als er das angenommen hat – denn Ellie schlägt ihm tatsächlich eine gemeinsame Nacht vor. Offenbar existieren tatsächlich noch romantische Gefühle ihrerseits aus ih­rer Zeit vor der Ehe mit Stefan. Er macht ihr schließlich ein unmoralisches Gegenangebot: Eine Nacht reicht ihm nicht, er würde sie gern für eine Woche auf eine Insel vor der Küste entführen, um die sinnlichen Erfahrungen etwas ausgiebiger auszukosten. Zögernd nimmt Ellie dieses Angebot an.

Doch es gibt Komplikationen: zum einen taucht nun wie ein böser Geist Max´ verflossene Lebensgefährtin Bridgette St. Regis auf, die alle Register zieht, um wieder mit ihm zusammen zu kommen. Und auf der anderen Seite wird Ellie von einem unbekannten Stalker verfolgt, der ihr immerzu näher zu kommen scheint und schließlich akut ihr Leben bedroht …

Bei E. C. Sheedy lernen wir in der Novelle „Komm und küss mich“ bekommt die Angestellte Tommi ernste Probleme mit ihrem aktuellen Lover Reid McNeil, der in derselben Firma arbeitet wie sie selbst. Sie entdeckt, dass er in Unterschla­gungen und Betrug in großem Stil verwickelt ist und sichert die Beweise. Dann begeht sie den Fehler, ihn damit zu konfrontieren und wird von ihm nun brutal drangsaliert und erpresst. Da der Firmenchef selbst derzeit nicht im Land ist, muss sie die nächsten paar Tage irgendwie überbrücken und braucht einen sicheren Unterschlupf, ehe sie die Geschichte mit dem Chef selbst klären kann. Sie scheut sich nämlich seltsamerweise, mit den Beweisen direkt zur Polizei zu gehen und befindet sich deshalb in akuter Gefahr.

Sie wendet sich an einen alten Freund namens Hugh Fleming, der ihr eine Un­terschlupfmöglichkeit in der Wildnis von Vancouver anbieten kann – dorthin hat sich sein jüngerer Bruder Mac zurückgezogen, der mit Tommi nie warm gewor­den ist. Zögernd und ohne wirkliche Perspektivmöglichkeiten nimmt sie die Of­ferte an und landet tatsächlich mitten in der Wildnis.

Die Überraschungen, die folgen, hat sie nicht erwartet – der früher unansehnli­che, pickelige Mac ist zu einem gestandenen Mannsbild herangereift, und zwi­schen ihnen prickelt es enorm. Dummerweise machen sie einander dann fal­sche Hoffnungen und versuchen anschließend alles, um es „nur bei unverbindli­chem Sex“ zu belassen und daraus keine weiteren Verpflichtungen erwachsen zu lassen … wobei offenkundig ist, dass sie sich geradezu magnetisch zueinander hingezogen fühlen und mit dieser Entscheidung definitiv unglücklich sein wer­den.

Und schließlich wird es dann vollends dramatisch, als McNeil herausfindet, wo­hin sie sich geflüchtet hat – und er entscheidet sich dafür, das „Problem“ aus der Welt zu schaffen, und zwar mit einem Gewehr …

Shannon McKennas Geschichte „Ein echter Kerl“ handelt vordergründig von Detective Jon Amendola, der nach einem traumatisierenden Fall eines Serienkil­lers mit den Nerven ziemlich am Ende ist. Der Fall um William Geddes, den „Vo­gelei-Mann“, der die Angewohnheit hatte, junge Frauen zu entführen, zu foltern und zu ermorden, um den toten Opfern dann ein Rotkehlchen-Ei in den Mund zu legen, hat ihn gründlich geschafft. Er hat sich jetzt in eine Jagdhütte in den Wäldern zurückgezogen, um für eine Weile vollkommen runterzukühlen. Der­weil ist er vom Dienst befreit.

Doch wer beschreibt seine Überraschung, als er an der Hütte ankommt und nicht nur schon ein Fahrzeug vorfindet, sondern auch eine offene Tür – und eine junge, atemberaubend schöne Frau, die er zunächst mal mit der Waffe be­droht (Detective ist Detective, nicht wahr?). Seine Verblüffung steigt noch an, als er in der jungen, durchaus nervösen Frau Robin MacNamara erkennt – die „kleine Robin“, die er aus der Kindheit noch kennt, als er zusammen mit Danny und Mac MacNamara herumgehangen hat. Jon, das Waisenkind, hat sich schließlich zum erfolgreichen Detective hochgearbeitet, aber Robin hat er im­mer als schüchternes Mädchen mit Zahnspange und Brille in Erinnerung ge­habt … kein Vergleich mit dieser atemberaubenden jungen Schönheit, die nun auf einmal in seiner Hütte ist.

Aber warum ist sie hier? Wie konnte sie ihn überhaupt finden? Kleinlaut ge­steht sie: Sie hat sein Telefonat mit ihrem Bruder Danny abgehört, weil sie da in der Telefonzentrale der Firma saß, und anschließend eigenverantwortlich den Plan ausgearbeitet, der sie hierher führte. Und der Plan sieht so aus: Sie ist seit Kindesbeinen an in Jon verschossen und hat sich, inzwischen 25, dafür entschie­den, dass er derjenige Mann sein soll, der ihre Jungfräulichkeit beendet (etwas, was ihre überfürsorglichen älteren Brüder bislang stets verhindert haben!). Da­mit sollen aber keinerlei weitergehende Verpflichtungen verbunden sein, er soll nicht glauben, dass sie klammere oder so.

Jon reagiert mit ungläubigem Entsetzen und glaubt an einen schlechten Scherz. Gott, ja, er ist auch seit langem scharf auf sie (was er nie gesagt hat), und in ihrem jetzigen gereiften Zustand sowieso. Aber mit der kleinen Schwester sei­nes besten Freundes rumvögeln und sie entjungfern? Das geht gar nicht. Danny wird ihn umbringen.

Also: Ganz schlechte Idee.

Aber Robin kann sehr hartnäckig sein und leider auch auf natürliche Weise äu­ßerst verführerisch. Man ahnt also als Leser, was unweigerlich kommen muss, und man wird nicht enttäuscht.

Problem: Obwohl der Killer Geddes hinter Gittern sitzt, hat Jon das dumme, un­terbewusste Gefühl, dass der Fall immer noch nicht abgeschlossen ist. Und das stimmt auch. Denn er hatte eine Komplizin, die nun hartnäckig die Verfolgung aufnimmt und nun Jon Amendolas vermeintliche Freundin ins Visier nimmt, um sie nun ebenfalls auf grässliche Weise umzubringen: Robin …

Auf den ersten Blick mag es so scheinen, dass Novellen von jeweils über hun­dert Seiten Länge recht viel Zeit verschlingen könnten … aber um der Wahrheit die Ehre zu geben, habe ich für jede nur einen Tag gebraucht. Dank der geschmeidigen Übersetzung und der solide dargestellten Charaktere erhält man zwar nie wirklich das Gefühl, einen ausgewachsenen Roman vor sich zu haben, aber von Langeweile kann weiß Gott auch keine Rede sein. Alle drei Autorinnen verstehen es gut, die emotionalen Turbulenzen der Protagonisten und Protagonistinnen darzustellen, ohne zugleich dabei in die „Friede-Freude-Eierkuchen“-Falle zu gehen, wie das beispielsweise ganz gern bei den mehrbändigen Zyklen des Hauses Plaisir d’Amour geschieht. Es ist hier vielmehr so, dass es nach wie vor gewisse Spannungsfelder gibt. Man merkt deutlich: die erste, vielleicht entscheidende Klippe zum Gestehen der Liebe ist überwunden, aber das ist nur der Anfang, die Sache kann langfristig durchaus immer noch schief gehen … also sehr ähnlich wie im realen Leben.

Dann ist es ebenfalls schön, dass die Frauengestalten durch die Bank nicht nur rein dekorative oder schematische Zwecke erfüllen, sondern die Personen durchaus so etwas wie einen eigenen Willen besitzen, den sie sich auch nicht nehmen lassen. Und durch die Konfliktlinien, die durch die lebensbedrohenden Umstände der Geschichten etabliert werden, erhalten die Novellen eine lese­freundliche Dynamik, die den Leser neugierig von Kapitel zu Kapitel vorantreibt.

Alles in allem eine Erfahrung, die ich gerne gemacht habe. Für Leser, die gern mal sanfte Erotik mit prickelnder Spannung verbunden wissen wollen, ist dies sicherlich eine geeignete Lektüre.

Klare Leseempfehlung.

© 2018 by Uwe Lammers

Auch in der kommenden Woche bleiben wir experimentell und reisen in die Welt der Comics. Näheres in sieben Tagen an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.