Rezensions-Blog 217: Der Pandora-Pakt

Posted Mai 21st, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute geht es mal um ein Buch, das auf einem schmalen Grat zwischen „inter­essant“, „faszinierend“ und „total nervig“ balanciert und das es irgendwie schafft, ständig zwischen diesen Kategorien hin und her zu springen. Das klingt nicht witzig? Nein, ist es auch nicht. Vielleicht bin ich auch drei Jahre nach der Lektüre des Buches und seiner Rezension zu empfindsam, aber ich muss ganz offen sagen, dass ich meine unten geäußerte Grundüberzeugung bislang nicht geändert habe.

Steve Berry schreibt unstrittig rasant, und er baut auch interessante, komplexe Plotgeschichten, das ist nicht zu leugnen. Und ebenso wie Clive Cussler (an dem er sich höchstwahrscheinlich ein Vorbild nahm) vermag er auf bemerkenswerte Weise historische Themen mit packender Thrillerhandlung der Gegenwart zu kombinieren. Dennoch hat er meinen Lektürenerv nicht wirklich getroffen, und das fand ich des Themas wegen ganz besonders bedauerlich.

Es ist faszinierend, in Parallelwelten einzutauchen, in denen die Geschichte ab 1991 anders abgelaufen ist – und eine solche haben wir hier vor uns. Und ich mag es außerordentlich, in Indiana Jones-Manier auf Schatzsuche zu gehen. Lei­der machte es mir Berry schwer, mich mit dem Personal anzufreunden, und meine Rezension geriet darum einigermaßen durchwachsen.

Mag sein, dass ich zu kritisch war. Wer immer weniger hohe Genusshürden an seine Lektüre anlegt, mag hier für Tage gut unterhalten werden. Wollt ihr also den Spuren Alexanders des Großen in der Gegenwart folgen und in eine drama­tische Verschwörungsgeschichte hineingezogen werden? Dann lest einfach mal weiter:

Der Pandora-Pakt

(OT: The Venetian Betrayal)

Von Steve Berry

Blanvalet 37334

576 Seiten, TB

12.00 Euro

November 2009

Übersetzt von Barbara Ostrop

ISBN 978-442-37334-5

Die Geschichte beginnt im Jahre 323 vor unserer Zeitrechnung in Babylon. Alex­ander der Große, zu jener Zeit einer der größten Feldherrn aller Zeiten, längst im Status eines Quasi-Gottes, ist erbittert, weil sein bester Freund und mögli­cherweise Geliebter, ein Mann namens Hephaistion, kurz zuvor gestorben ist. Der Arzt Glaukias konnte ihm nicht helfen… doch dieser Geschichte zufolge hät­te er ihm helfen können, wenn ein bestimmtes Medikament zur Verfügung ge­standen hätte. Dieses Medikament hätte auch dem inzwischen selbst fiebrigen Alexander helfen können… aber es ist nicht da. Der Monarch lässt den Arzt hin­richten und wird wenig später vom Fieber dahingerafft. Der Wunschtraum von der Weltherrschaft ist dahin.

Soweit die Historie.

Mehr als zweitausenddreihundert Jahre später stoßen wir dann in Kopenhagen recht unvermittelt auf einen Mann namens Cotton Malone, der zu sich kommt in einem kleinen Museum, niedergeschlagen, um sich herum einen eigenarti­gen, beißenden Geruch wahrnehmend. Malone, Agent im Ruhestand und einst­mals Angehöriger einer Geheimeinheit des amerikanischen Justizministeriums, „Magellan Billet“ genannt. Jetzt ist er im Ruhestand, lebt als Buchantiquar in Kopenhagen und wollte sich eigentlich im Museum mit einer alten Bekannten, Cassiopeia Vitt, treffen.

Stattdessen wird er erst Zeuge eines Einbruchs, dann niedergeschlagen und an­schließend von bizarren robotischen Schildkröten, die das ganze Museum abfa­ckeln, nahezu eingeäschert. Im letzten Moment gelingt ihm die Flucht. Cassio­peia bringt ihn mit einer weiteren Person zusammen, die Malone ebenfalls kennt, Henrik Thorvaldsen. Thorvaldsen, ebenfalls Buchantiquar, bringt den reichlich genervten Malone allmählich auf den Stand der Kenntnisse, den er ha­ben muss. Aber zugegeben, am Anfang versteht man nur Bahnhof.

Es geht um Elefantenmedaillons aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Es geht um Alexander den Großen. Und es geht um die Zentralasiatische Föderation und ihr charismatisches wie rücksichtsloses Oberhaupt, die Ministerin Irina Zovastina.

Bitte was für ein Ding?, mögt ihr euch da jetzt fragen… tja, das kommt daher, dass wir uns in einer Parallelwelt aufhalten. Hier sind die historischen Abläufe nach dem Ende des Warschauer Paktes und des Zerbrechens des Sowjetreiches anders als bei uns abgelaufen. In dieser Welt ist eine mächtige neue staatliche Struktur aus den Staaten Kasachstan, Usbekistan, Karakalpakstan, Tadschikistan und Turkmenistan entstanden. Diese Nationen schlossen sich 1994 zur genann­ten Zentralasiatischen Föderation zusammen. Inzwischen lenkt Ministerin Zo­vastina rücksichtslos die Geschäfte dieser neuen Föderation, und sie hat weit reichende Pläne. Dabei scheut sie auch vor Mord nicht zurück und stößt bei­spielsweise höchst eigenhändig Menschen in großer Höhe bei vollem Bewusst­sein aus ihrem Flugzeug. Auch sonst hat sie sehr wenig Skrupel dabei, Dinge zu beschaffen oder Personen aus dem Weg räumen zu lassen. So ist inzwischen in Geheimdienstkreisen bekannt, dass Zovastina Mitglieder ihres Kabinetts kurzer­hand vergiften lässt und mit einem Mann namens Enrico Vincenti zusammenar­beitet, der von Venedig aus einen internationalen Pharmakonzern leitet.

Zovastina sieht sich, die homerischen Epen vergötternd, in der Nachfolge Alexanders des Großen, und ein Spleen von ihr, wenn man das so nennen möchte, besteht in dem Drang, ihn zum einen nachahmen zu wollen, was seine Welter­oberungspläne angeht, zum anderen aber auch – und das noch inniger – sein verschollenes Grab zu finden. Dort nämlich, davon ist sie überzeugt, befindet sich jenes Wunderheilmittel, das bei Alexander selbst zu spät kam, angeblich aber alle Krankheiten der Welt zu heilen verstehen soll.

Und was hat das mit Elefantenmedaillons zu tun? Was hat das mit abfackelnden Museen zu tun (es gibt noch mehr solche Vorfälle, wie Cotton Malone bald er­fahren soll). Nun, Henrik Thorvaldsen bringt ihn ein wenig aufs Laufende: als Alexander der Große starb, waren seine letzten Worte auf dem Totenbett un­klar. Jeder der ihn umstehenden Feldherrn interpretierte sie anders, was zur Folge hatte, dass sie sich zerstritten und das geeinte Alexanderreich zerbrach. Die so genannten Diadochenkriege führten zur Bildung zahlreicher neuer Staa­tengebilde im Vorderen Orient, von denen das mächtigste von Ptolemaios be­herrscht wurde, dessen Hauptstadt Alexandria bald das Herz der antiken Welt darstellte. Ptolemaios wurde Gründer einer eigenen Dynastie, die in die Fuß­stapfen der Pharaonen trat. Hier in Alexandria fand auch Alexanders Leichnam seine letzte Ruhestätte, im so genannten „Soma“ um das Jahr 215 vor Christus. Mehrere Jahrhunderte lang ist dies der Normalzustand, auch als das Römische Reich die Macht am Nil erringt und Ägypten als Kornkammer des Reiches Teil des Imperiums wird.

Im Jahre 391 nach Christus wird das „Soma“ allerdings zerstört. Der Leichnam des Alexander verschwindet spurlos. Und das Mysterium beginnt. Die einen meinen, der Leichnam wurde damals zerstört. Andere behaupten, er wurde stattdessen an einen sicheren Ort gebracht, der seither verborgen ist. Und hier beginnt dann der Mythos, dem Irina Zovastina auf der Spur ist und der sich im Laufe des Romans immer deutlicher herauskristallisiert. Anfangs hört er sich an wie eine Wahnidee, und die geht folgendermaßen:

Im vierten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurden Alexander und sein geliebter Hephaistion auf dieselbe Weise als Tote konserviert. Und da Streitig­keiten seiner Feldherrn nach dem Ableben erwartet wurden und der Besitz von Alexanders Leiche später zweifellos als Indiz für die Führerschaft angesehen werden würde, wurden zwei Leichenzüge losgesandt. Eine Leiche brachte Ptole­maios an sich und brachte sie später im „Soma“ in Alexandria unter. Diese ver­schwand bekanntlich im 4. Jahrhundert nach Christus. Aber zwischendurch hat­te in Alexandria ein christlicher Heiliger gelebt, nämlich der so genannte Heilige Markus, dessen Leichnam ebenfalls einbalsamiert worden war. Er war etwa im Jahr 100 nach Christus verstorben. Und interessanterweise wurde seine Leiche damals auch in Alexandria versteckt. Das ging – den Legenden zufolge – bis ins Jahr 828 nach Christus gut, dann raubten venezianische Kaufleute den Leich­nam und brachten ihn in ihre Heimatstadt. Seither ist der Heilige Markus Schutzpatron der Stadt.

Irina Zovastina geht nun davon aus, dass die Toten ausgetauscht wurden und stattdessen niemand Geringeres als Alexander der Große in Venedig in der Krypta der Basilika von Venedig liegt.

Abenteuerlich? Oh ja, aber das ist nicht mal die Hälfte der ganzen Geschichte.

Und wie passen diese seltsamen Elefantenmedaillons in die Sache hinein? Davon gäbe es mehrere, erklärt Thorvaldsen, und sie stehen in direktem Zu­sammenhang mit Alexander dem Großen. Sie sind über Museen in ganz Europa verteilt, eins davon befindet sich auch auf einer Insel vor Venedig. Und angeb­lich sind diese Medaillons (oder wenigstens eins davon) Teil einer verschlüssel­ten Schatzkarte, die im Zusammenhang mit Alexander steht. Zovastina will die­se Medaillons und alle Spuren verwischen.

Was anfangs allerdings noch nicht so klar ist, ist der Zusammenhang mit der so genannten Venezianischen Liga – einer geheimen, Milliarden Dollar schweren Organisation, die wie ihr früheres historisches Vorbild daran interessiert ist, die Geschicke Venedigs zu lenken und inzwischen international operiert. Sie finan­ziert auch Zovastinas Vorbereitungen für einen mit Biowaffen zu führenden Krieg, der China, Russland und den Iran unterwerfen soll. Vorsitzender dieses Gremiums ist Enrico Vincenti, Zovastinas Verhandlungspartner in Venedig. Doch er hat eigene Pläne mit der Zentralasiatischen Föderation und mit der Welt.

Und genau diesen Plänen kommen Cotton Malone, die rachsüchtige Cassiopeia Vitt und Henrik Thorvaldsen nun in die Quere… und so geraten sie in Lebensge­fahr…

Wer bis hierher gelesen hat, wird vermutlich fasziniert sagen können: ein span­nendes Garn. Eine Art Clive Cussler-Roman, ein Actionthriller mit historischem Bezug, kombiniert mit einer Schatzsuche. Das ist durchaus präzise, und ich gebe zu, ich habe den Roman binnen acht Tagen durchgelesen. Er ist nicht uninteres­sant, insbesondere wegen der historischen Strukturen dieser Parallelwelt, die sich – abgesehen davon – völlig wie die unsrige anfühlt. Es gibt leider ein paar Pferdefüße darin, die mich veranlassten, mich dann sowohl vom Roman wie vom Autor wieder zu trennen. Das muss aber nicht auf jeden interessierten Le­ser zutreffen, insofern halte ich mich mit der Bewertung hier etwas zurück.

Worin besteht das zentrale Problem? Darin, dass dieser Roman, der einen recht bescheuerten deutschen Titel trägt (es geht nicht einmal entfernt um Pandora, sie hätten die Geschichte lieber „Der Venezianische Betrug“ oder so nennen sollen, das wäre deutlich inhaltsnäher gewesen), kann man es nicht suchen. Nein, der Roman ist Teil 5 eines Zyklus. Das wusste ich nicht, als ich ihn antiqua­risch kaufte. Vorangegangen sind „Die Romanow-Prophezeiung“, „Urbi et Orbi“, „Alpha et Omega“ und „Patria“. Das wäre nicht mal so schlimm, aber der Autor behandelt die ganzen Handlungspersonen und ihre biografischen Bezüge so, als wären sie muntere alte Vertraute. Für ihn sind sie das, für die Leser, die sich mit den Vorgängerromanen auskennen, zweifellos auch. Aber wenn man so als Neuleser mitten in die Bezüge hineingeworfen wird, ist das deutlich weniger witzig.

Die Charakterisierung der Einzelpersonen bleibt flüchtig und eher oberflächlich. Selbst Personen, die neu in diesem Roman hinzugefügt werden, sind irgendwie schlicht zusammengezimmert. Nur wenige von ihnen bekommen tatsächlich Charaktertiefe – glücklicherweise gilt das für Irina Zovastina und Vincenti, die als Bösewichte der Story tatsächlich rigoros sind und raffiniert dazu. Auch die Doppelagentenschiene in der Geschichte macht Laune, weil sie durchaus un­konventionell aufgezogen wird.

Tja, aber ansonsten? Der Roman ist klar auf Tempo geschrieben, und das merkt man bedauerlicherweise. Die Personen werden entsprechend wie Bauern auf einem Schachbrett hin und her geschoben (und der kritische Leser argwöhnt, dass die Handlung deshalb so rasant ist, damit der Leser nicht nachdenken kann… aber dieser garstige Gedanke mag täuschen). Da taucht dann etwa mun­ter der Präsident der Vereinigten Staaten (!) in einer Hotelsuite auf und plau­dert gelassen mit den Protagonisten, und zwar ohne einen Schwarm von Sicher­heitsleuten… und so weiter und so fort. Man hat das dumpfe Gefühl, die Leute sind irgendwie alle austauschbar, nette Menschen von nebenan, ungeachtet ih­rer politischen Macht, und die privaten Animositäten zwischen den Charak­teren, die zumeist aus Ereignissen vor diesem Roman stammen und wirklich ständig vorkommen, die ruinieren an vielen Stellen die Spannung, die aus der Handlung resultieren könnte. Ist ja schön, wenn es „menschelt“ zwischen den Handlungsträgern, aber das hier war definitiv viel zuviel. Manchmal haben mich die Dialoge zwischen den Freunden (!) einfach nur unendlich genervt.

Am Ende habe ich mir gedacht: Schön, dass der Roman endlich ausgelesen ist. Von den Leuten möchte ich nichts mehr hören! Das sollte man von einem Ro­man, den man gern gelesen hat, eigentlich nicht sagen, und wie ich erwähnte, das war dann der Grund, warum ich mir sagte – mit dem Autor möchte ich nichts mehr zu tun haben. Dann doch lieber Clive Cussler, der etwas mehr Wert auf sympathischere Charakterzeichnung legt. Sorry, Steve Berry, aber ich werde kein Fan deiner Werke. Euch mag das vielleicht anders gehen, aber das ist mein Standpunkt.

© 2015 by Uwe Lammers

Tja, ihr merkt, wirklich berauschend fand ich die Umsetzung des prinzipiell sehr interessanten Stoffes nicht. Sehr schade? Ja, ganz meine Meinung. Aber ich er­wähnte schon verschiedentlich, dass ich keinen reinen Schönwetter-Blog schrei­be. Da wird auch schon mal ausgeteilt, wie oben geschehen.

Es gibt aber auch immer wieder nette Abwechslung und gelungene Geschich­ten. Eine solche stelle ich euch in der kommenden Woche vor. Worum es gehen wird? Na, auf alle Fälle landen wir im Anfang des 20. Jahrhunderts. Näheres er­fahrt ihr in sieben Tagen hier.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

ein neues Jahr, so gut kennt ihr mich nach gut sechs Jahren Blogartikelschrei­ben, in denen ich euch über meine monatlichen kreativen Aktivitäten auf dem Laufenden gehalten habe, ein neues Jahr ist für mich immer wie eine Art Re­boot, ein Neustart, ein Beginn bei Null. Kreativ betrachtet. Das Heft, in das ich meine Werke eintrage, ist jungfräulich leer und füllt sich von Tag zu Tag, von Woche zu Woche mit neuen Werken, rot hervorgehobenen besonderen Termi­nen und stolzen Fertigstellungsziffern. Das war auch im Frühjahr 2013 nicht an­ders.

Und doch in einer gewissen Weise schon… denn ich hatte vor, einen wichtigen Schritt weiter zu gehen, was die Veröffentlichung meiner Werke anging. Wie ihr wisst, hatte ich in der zweiten Jahreshälfte 2012 begonnen, Geschichten ins E-Book-Format umzubauen und einen ersten Plan für ein beginnendes E-Book-Programm aufzustellen. Ich kann auch aus der Rückschau nicht leugnen, dass ich da ziemlichen Bammel hatte.

Punktgenau am 13. Februar 2013 (auf den Tag genau vor 6 Jahren, wenn man bedenkt, wann ich diese Zeilen schreibe) fing das alles an. Aber lasst mich noch einen Schritt zurücktreten und auf den Januar 2013 blicken.

Wie erinnerlich war ich aus dem Projekt „Kommunale Amtsträger“ nach Ab­schluss der Arbeiten im vergangenen Jahr ausgeschieden und konnte mich nun, wiewohl auf ALG II angewiesen (schließlich war das Projekt ein Werkvertrag, mit dem ich mir keine Ansprüche auf Arbeitslosengeld I erworben hatte), wie­der verstärkt aufs Schreiben konzentrieren.

Mit 35 beendeten Werken für den Monat Januar fing das Jahr auch sehr gut an. Natürlich, mehrheitlich handelte es sich hierbei mal wieder um Abschriften oder kommentierte Digitalisate älterer OSM-Episoden, namentlich aus KON­FLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ und KONFLIKT 22 „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“. Außerdem fing ich mit etwas an, was ich schon seit einiger Zeit als zwingend erforderlich ansah – ich kümmerte mich endlich mal um die Neuformatierung des KONFLIKTS 15 („Oki Stanwer“), also der ersten OSM-Serie überhaupt.

Warum war das zwingend notwendig? Weil ich die Episoden damals alle hand­schriftlich festgehalten hatte… und zahlreiche Seiten hatten nach über 25 Jah­ren allmählich die Eigenschaft, die Tinte rückstandslos aufzusaugen. Die Texte verblassten also, und ich sputete mich, soviel wie möglich davon zu retten. Um es vorwegzunehmen: es hat nicht bei allen Seiten geklappt, leider.

Außerdem gelang es mir in diesem Monat, endlich Band 50 des KONFLIKTS 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ zu beenden, ein alptraumhaftes Werk mit dem Titel „MATRIXPEST“. Weshalb sage ich, dass das alptraumhaft ist? Nun… hier muss ich eure Erinnerung mal ein wenig aktivieren, Freunde. Wenn ihr Anna­len 6 – Mein Freund, der Totenkopf“ gelesen habt (es sei euch sehr ans Herz gelegt, falls ihr das noch nicht getan habt, nur mal so am Rande angemerkt), dann entsinnt ihr euch vielleicht noch der Worte des Totenkopfs Shush.

Shush sagte damals zu William Taylor jr. bei einem der legendären Verandage­spräche, die rätselhaften GRALSJÄGER hätten bei Gefangennahme durch Toten­köpfe höhnisch gesagt, es werde die Totenköpfe durchaus nicht ewig geben. Ei­nes Tages komme ein Phänomen, das man den RAND nenne, und das würde al­len Totenköpfen den Garaus machen.

Dummerweise ist das nicht mal die halbe Wahrheit, die Dinge sind noch weit­aus schlimmer. Aber darauf gehe ich heute nicht näher ein. Wichtig ist nur Fol­gendes. In dem oben angesprochenen Band des KONFLIKTS 28 erreicht der RAND die Erde, und die Menschheit in der Form, wie sie bislang existiert hat, hört auf zu bestehen. Und ja, auch die Totenköpfe erwischt es, die auf dem Mond einen großen Stützpunkt geschaffen haben.

Ist das das Ende von allem?

Nein.

Warum nicht? Und was geschieht NACH dem RAND? Nun, das ist schwer zu sa­gen… ich stehe aktuell immer noch, also sechs Jahre nach diesem Tag, an dem nämlichen Punkt und weiche den Folgerungen aus, um mich lieber in harmoni­scheren früheren KONFLIKT-Universen herumzutreiben. Feige? Ach, so kann man das nicht nennen. Ich weiß einfach noch nicht genug und warte darauf, dass sich die Bilder jenseits des RANDES konkretisieren. Aktuell ist das noch nicht der Fall gewesen. Und solange heißt es: geduldig sein.

Wozu kam ich im Januar noch, was ich hier hervorheben sollte? Nun, ich been­dete die Arbeiten an den E-Books „Im Zug“ und „Das ausgeplünderte System“, außerdem portionierte ich den OSM-Roman „Verderben auf Tuwihry“ in sie­ben Abschnitte, um die Geschichte im Fanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) zu publizieren, zu dessen Chefredakteur ich auch in diesem Jahr gewählt werden sollte.

Well, ja, das ist eine Geschichte aus KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorim­perium“, und heutzutage würde ich so etwas nicht mehr tun. Sie wird voraus­sichtlich 2020 oder 2021 als „Annalen 8“ erscheinen. Allein daran merkt ihr schon, dass ich viiiel zu zeitig mit dieser Geschichte herauskam. Das wäre etwa so gewesen, als wenn ich „Annalen 4: Heiligtum der Shontavorzeitig und jen­seits der E-Book-Serie veröffentlicht hätte. Gut, „Tuwihry“ geht nicht so in die Details und ist nicht so sehr in den Serienkontext eingebettet. Aber diese Publi­kation in sieben Teilen gehört dennoch in den Abschnitt der „wilden“ OSM-Ver­öffentlichungen, mit denen ich 2013 ja zugunsten meines E-Book-Programms eigentlich aufhören wollte.

Außerdem ist natürlich für den Januar 2013 erwähnenswert, dass ich sehr zö­gerlich damit anfing, Blogartikel für meine neu geschaffene Homepage zu schreiben. Das ging am 29. Januar mit Blogartikel 1 „Wer ist Oki Stanwer?“ los. Wie ihr inzwischen seht, bin ich da deutlich lockerer geworden.

Der Februar erreichte nur eine Schaffenshöhe von 28 fertigen Werken. 5 davon entfielen auf neue Blogartikel, ich freundete mich mit dem Format also allmäh­lich an und fand Vergnügen am Schreiben dieser Beiträge. Mit „Vhentars Schicksal“ entstand ein weiteres E-Book, und ich bereitete durch eine Neufor­matierung die Geschichte „Die Katze, die die Sonne stahl“ gewissermaßen dar­auf vor, auch ins E-Book-Format umgewandelt zu werden. In der Warteschleife waren bis dahin schon die E-Book-Texte bis „Am Rand der Bebenzone“ ange­langt.

Sonst hielten mich weiterhin kommentierte OSM-Episodenabschriften und Neuformatierungen in Atem, diesmal mehrheitlich aus KONFLIKT 22, KONFLIKT 18 und KONFLIKT 2 sowie KONFLIKT 15. Glossararbeiten kamen hinzu. Gegen Ende des Monats kümmerte ich mich außerdem um die Neuformatierung älte­rer Archipel-Geschichten, was ziemlich erforderlich war.

Im Monat März (31 fertige Werke) entwickelte ich neben den nämlichen Ab­schriften und Digitalisaten einen Artikel zum OSM-E-Book-Programm, der spä­ter im Conbuch der 1. PR-Tage Osnabrück Verwendung finden sollte. 4 Blogarti­kel entstanden, und ich kümmerte mich unter anderem um das erste Annalen-E-Book „In der Hölle“. Sonst würde ich diesen Monat als eher unspektakulär be­zeichnen.

Auf der einen Seite.

Auf der anderen war ich natürlich schon 94 autonome neue Werke weit gekom­men in diesem Jahr 2013, und im Gegensatz zur Realgegenwart, wo ich diese Zeilen schreibe und oftmals die Rezensionen überwiegen, muss ich konstatie­ren, dass ich damals deutlich mehr originäre kreative Werke betreute und weni­ger über die Romane reflektierte, die ich damals las (was natürlich auch vorkam – so verschlang ich etwa gegen Ende März das Buch „Freispruch für den Hund der Baskervilles“, den ich auch prompt rezensierte1).

Durch die stürmische Neuformatierung insbesondere im Fall von KONFLIKT 15 war ich dort bereits bis Band 30 gelangt, und das binnen von drei Monaten. Damit zog ich gewissermaßen gleich mit der Digitalisierung von KONFLIKT 18, an der ich zu der Zeit aber schon zwei Jahre schrieb (indes: die dortigen Episoden sind natür­lich maschinenschriftlich und erheblich länger sowie inhaltlich komplexer. Kein Wunder, dass die Digitalisierung da länger brauchte). Aus dem Jetzt betrachtet bin ich mit dem ersten Quartal des Jahres 2013 darum sehr zufrieden.

Lasst euch mal überraschen, wie das im Verlauf der nächsten Monate weiter­ging. Ich erzähle davon in der nächsten Folge dieser Artikelreihe.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Für den Rezensions-Blog in Vorbereitung.

Rezensions-Blog 216: Timeline

Posted Mai 15th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Zeitreisen sind ein SF-Setting par excellence, und das bereits seit mehr als 120 Jahren, seit H. G. Wells einen namenlosen Reisenden in die ferne Zukunft der Erde schickte. In der Folge erwies sich meist die Vergangenheit als wesentlich faszinierender. Das hängt zweifellos mit den logischen Fallstricken und den möglichen Zeitparadoxa zusammen, die dort manifestieren können und die uns vertraute Gegenwart zu einem sehr fremden Ort machen oder ganz auslöschen können.

Allerdings ist es immer ein wenig tricky, Zeitreisen zumindest partiell wissen­schaftlich fundieren zu wollen – dabei kann wirklich viel schief gehen. Und wenn dann ein Historiker wie ich einen Zeitreiseroman kritisch liest, kann er zwar von der Handlung mitgerissen werden, wie das heute der Fall ist in dem Buch, das ich vorstellen möchte… auf der anderen Seite kann er sich aber seine kritische Distanz bewahren und Passagen bemängeln, wo die Handlungslogik den Autor im Stich ließ (ich deute nur mal an: Magnetometer. Schaut es euch weiter unten an. Das tat echt weh).

Der vor einigen Jahren verstorbene Michael Crichton, der sich mit Geschichten um toxischen Staub aus dem Weltall („Andromeda“) und wieder genetisch neu­geschaffene Dinosaurier („Jurassic Park“) einen Namen sowohl in der Buch- wie Filmlandschaft gemacht hat, war noch für vieles andere gut. Ich habe dazu be­reits schon mal geschrieben, vor längerer Zeit.1

Und natürlich hat er sich auch um Zeitreisen gekümmert… oder um etwas, das man Zeitreise nennen könnte. Ich habe das vorzustellende Buch im Jahre 2002 gelesen und rezensiert, kurz nach Abschluss meines Geschichtsstudiums. Und es hat mir ausgesprochen gut gefallen, selbst wenn es – wie angedeutet – ein paar Fallstricke zu bieten hat und damit Passagen, wo es sich der Autor doch ein wenig zu einfach gemacht hat. Das ist ebenfalls nicht singulär, ich kenne einen ähnlichen Effekt von Bernhard Kegels „Ölschieferskelett“, das ich einst aus ge­nau dem Grund solcher Logikfehler verriss – weswegen diese Rezension wohl kaum den Weg in diesen Blog finden wird. Crichton hat jedoch jenseits dieser logischen Klippen einen packenden, durchaus empfehlenswerten Abenteuerroman mit Zeitreise-Zutat geschrieben.

Neugierig geworden? Dann lest mal weiter:

Timeline

(OT: Timeline)

von Michael Crichton

Goldmann 45122

Übersetzt von Klaus Berr

640 Seiten, 11.00 Euro

Januar 2002

Es ist schon eine vertrackte Sache mit Rekonstruktionen alter Ruinen. Wenn man als Historiker und Archäologe darauf angewiesen ist, Gebäude vergange­ner Jahrhunderte anhand unscharfer Auskünfte des darauf folgenden Jahrhun­derts zu zeichnen und gegebenenfalls wieder zu errichten, dann ist das immer ein undankbarer Job, und jeder seriöse Historiker tut gut daran, nur soviel wie­der aufzubauen, als man aus den Grundlagen und Ruinen auch wirklich heraus­lesen kann.

Dieses Problem stellt sich auch, als das Ausgrabungsteam von Professor John­ston in Frankreich Ende der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts in einem Tal ent­lang der Dordogne zwei Burgen, einen Klosterkomplex und eine alte Wasser­mühle ausgraben und im Auftrag ihres Geldgebers, des amerikanischen Hoch­technologiekonzerns ITC so wiederherstellen soll, dass damit eine detailgetreue Rekonstruktion ermöglicht wird. Die Arbeiten gehen mit typisch wissenschaftli­cher Akribie vonstatten, aber Robert Doniger, genialer ITC-Gründer, will es schneller haben, er möchte Resultate. Das hängt in erster Linie mit neuen Spon­soren zusammen, die er für seine extrem teuren Forschungen benötigt.

Was indes keiner der Wissenschaftler ahnt, ist folgendes: Doniger ist über die Landschaft, in der die Archäologen tätig sind, und über das wirkliche Aussehen ihrer Zielobjekte, also der beiden Burgen, der dazugehörigen Städte und des Klosters sowie der Mühle viel besser im Klaren als die Historiker selbst. Profes­sor Johnston erfährt das durch einen reinen Zufall, und sein Misstrauen er­wacht.

Als der Anruf eines einfachen Polizisten aus einem Navajo-Reservat in Arizona zur Folge hat, dass über das Faxgerät ein Grundriss des Klosters von Sainte Mére das Archäologenteam erreicht, inklusive Gebäudeteile, die noch nicht mal von den Forschern ENTDECKT worden sind, da werden sie alle sehr stutzig. Der Professor verlangt Aufklärung und fliegt in die Staaten.

Und verschwindet.

Die Ausgrabungen gehen derweil weiter. Jedenfalls bis zum plötzlichen Einbre­chen in unterirdische Gewölbe, die seit sechshundert Jahren von der Außen­welt abgeschnitten waren. Und hier entdecken die jungen Archäologen ein Ma­nuskriptbündel aus dem Jahre 1357, was ein unglaublicher Glücksfund ist – und mitten darin steckt unerwartet eine Notiz des Professors, ebenfalls auf dieses Jahr datiert. Ein Hilferuf.

Zunächst glauben sie an einen Scherz, müssen sich aber rasch eines Besseren belehren lassen, als die ITC-Leute eine Gruppe von ihnen in die Staaten holen. Ihnen wird ohne größere Umschweife erklärt, es habe „Probleme“ gegeben. Probleme mit ihrem Chef, der „in die Welt eingedrungen“ sei.

Nach einer Weile dämmert den vier Wissenschaftlern die Ungeheuerlichkeit dessen, was hier eigentlich enthüllt wird: ITC besitzt seit einigen Jahren funktio­nierende Quantentransmitter, die es möglich machen, dass man Reisen in die Vergangenheit paralleler Welten machen kann. Das ist, streng genommen, kei­ne Zeitreise, aber der Effekt ist derselbe. Plötzlich befindet man sich in der Rea­lität des 14. Jahrhunderts und kann alles dort im Sichtbereich beobachten.

Solange man sich nahe der Maschine aufhält, die die Reise ermöglicht, kann ei­gentlich nichts passieren. Doch sobald man unerlaubt ihren Senderadius über­schreitet, wird man Teil dieser Welt, und exakt das ist dem Professor widerfah­ren, der nun schon vier Tage dort verschollen ist und sich offenbar in Schwierig­keiten befindet.

Drei der Wissenschaftler werden zurückgeschickt ins Jahr 1357, unterstützt von zwei Ex-Marines, die die Bewachung übernehmen sollen. Doch einer der Mari­nes kommt sofort zurück, einen Pfeil in der Brust… und die Vergangenheit er­weist sich als so viel anders und gefährlicher, dass die Rettungsaktion schnell zu einem brutalen Kampf auf Leben und Tod wird. Und die Chancen schwinden im­mer rascher dahin, überhaupt jemanden aus der Vergangenheit lebend zurück zu erhalten…

Man kann dem inzwischen 60jährigen Michael Crichton vieles vorhalten, aber eines nicht: dass er es nicht verstehe, spannende Romane zu schreiben. „Timeli­ne“, ein Buch, das schon lange auf meiner Suchliste stand, alleine der Thematik wegen, liest sich fast von selbst, es saugt den Leser, der ein wenig Ahnung von Zeitreise und von historischen Romanen hat, förmlich in sich ein. Und es lässt ihn nicht wieder los.

Die Art und Weise, wie er sich dem Problem des Zeitparadoxons stellt, das fast unvermeidlich kommt, ist interessant. Und es lässt schaudern. Diese Art von Quantentransmitter, so wird ausgeführt, ermöglicht es NICHT, Zeitreisen durch­zuführen. Schlimmer noch: eigentlich müsste man in der Empfangswelt eine Empfangsstation haben, wenn das, was gesendet wird (Menschen) komprimiert und dann wieder rematerialisiert wird. Aber so läuft die Sache nicht.

Stattdessen wird der Reisende in der Herkunftswelt durch die Sendemaschine komplett vernichtet. Und aus einer sehr, sehr nahen Parallelwelt landet ein qua­si identischer Reisender in der Vergangenheit – aus einer Parallelwelt, in der man herausgefunden hat, wie der Reisemechanismus in beide Richtungen funk­tioniert. Wofür Crichton am Ende des Romans keine Erklärung hat (und das lässt er damit geflissentlich unter den Tisch fallen), ist folgendes: weshalb kehrt dieser Reisende, der aus der anderen Parallelwelt stammt, nicht IN DIESE WELT ZURÜCK, SONDERN IN UNSERE? Das würde doch drüben signalisieren, dass der Transit schiefgegangen ist. Denn dort gäbe es dann keinerlei Rückreise.

Dies ist die logische Zwickmühle, die wohl so ziemlich jeder Leser einfach über­lesen wird, weil die Story so schön spannend und kurzweilig erzählt wird. Es ist ja auch gar zu neckisch, zwischen metzelnden Rittern, intriganten Herzögen, Tennis spielenden und dem Sex frönenden Mönchen und unkeuschen Adelsda­men herumzuwandern und zu schauen, wie die „Zeitreisenden“ von einer Ge­fangenschaft in die nächste wandern, geprügelt und fast ertränkt werden, Pfei­len ausweichen, zischenden Schwertern, Beilen und ähnlich netten Dingen.

Dennoch gibt es diese unbestreitbaren technischen Schwierigkeiten. Und sie zeigen sich auch auf einem trivialeren Niveau: Auf Seite 63 wird die Stätte der Ausgrabung mit einem Hubschrauber überflogen, und an ihn montiert sind Pro­tonenmagnetometer. Nun muss das niemand kennen, aber für den Laien sei fol­gendes erklärt: Ein Protonenmagnetometer sucht nach Anomalien im Erdma­gnetfeld. Solche Anomalien sind beispielsweise Mauern, die unter der Erde lie­gen, Gräber usw. Insbesondere reagieren sie ausgezeichnet auf Metalle.

Da ist der Knackpunkt. Solche Geräte sind keine Science Fiction, sie werden heute schon verwendet, beispielsweise bei der Suche nach den Stadtteilen von Pi-Ramesse im Nildelta oder der Unterstadt von Troja. Aber diese Magnetome­ter werden auf hölzernen Karren von Menschenkraft gezogen, wobei niemand, weder das Fahrzeug, noch die ziehenden Menschen, auch nur irgendein Stück Metall am Leibe haben dürfen, da dies die Messungen verfälscht.

Crichton schert sich darum nicht und lässt das Ding von einem – garantiert sehr metallhaltigen – Hubschrauber durch die Gegend fliegen. Dass er damit keine Resultate erzielen dürfte, ist evident.

Doch ungeachtet dieser kleinen Unschärfen und Mogeleien ist der Roman sehr lesbar. Wenngleich ich mich jedoch an vielen Stellen irgendwie an das Catch-as-catch-can der Doc Savage-Romane oder der TIME TUNNEL-Filmepisoden erin­nert fühlte. Crichton hat sehr viel Action in den Roman gebracht, ruhige Se­quenzen findet man kaum, entsprechend atemlos liest sich das Buch dann auch.

Das wird natürlich durch den engen Handlungsrahmen von 37 Stunden bedingt, in dem alles stattzufinden hat. Warum diese zeitliche Begrenzung? Und was wohl „Transkriptionsfehler“ sein mögen, die es mir jetzt noch kalt den Rücken herunterlaufen lassen? Tja, lesen, Leute. Lesen…

© 2002 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche landen wir dann wieder in einer ganz anderen Struk­tur von Roman. Wir verharren in der Gegenwart, reisen aber – gewissermaßen in der Manier von Clive Cussler und seinen Kollegen – in die Vergangenheit zu­rück, diesmal ohne Zeitreisegeräte zu benutzen. Es ist mehr ein archäologischer Thriller… den ich gleichwohl nach Lektüre und Rezension aus meinem Buchbestand aussortierte und ihn nicht für bewahrenswert einstufte.

Warum ich das tat?

Davon erfahrt ihr mehr in der nächsten Woche. Und wer weiß, vielleicht seid ihr danach ja auch der Ansicht, mein Urteil sei gar zu harsch ausgefallen. Die Ge­schmäcker sind definitiv verschieden… wer weiß also, vielleicht ist das dann ge­nau die Kost, die ihr gern lesen würdet.

Lasst euch mal überraschen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. dazu den Rezensions-Blog 42: Der große Eisenbahnraub (13. Januar 2016).

Liebe Freunde des OSM,

beim vergangenen Teil dieser Rubrik, der am 10. März 2019 veröffentlicht wor­den ist, hatte ich den Weg bis Ende November 2015 beschritten. Heute möchte ich damit fortfahren und die Schwelle ins Jahr 2016 überschreiten.

Der Dezember 2015 erwies sich mit 16 beendeten Werken – in der Mehrheit Texte, die hier nicht thematisch passen, z. B. Rezensionen und Rezensions-Blog­artikel – als ein wenig glamouröser Ausklang eines Kreativjahres. Herausragen tun aus diesem Einerlei eigentlich nur die Abschlussarbeiten am E-Book „TI 25: Audienz bei Quin“ sowie die Weiterarbeiten an Geschichten wie „Baumeister-Pläne“ und dem Annalen-Band „Mein Freund, der Totenkopf“, die ja inzwi­schen beide längst als E-Books erschienen sind.

Ansonsten machte ich mit dem üblichen Programm kommentierter analoger OSM-Abschriften weiter, wobei ich sowohl in KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Be­zwinger des Chaos“ als auch in KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ an epochale Schwellen pochte. Hier war es der erste heftige Waffengang gegen die beherrschende Macht CROSSATH in Bytharg, dort stand ich recht dicht vor Band 75 der Serie und damit vor einem Ort, der Church Is­land hieß (und der Name sagt euch seit dem Blogartikel 313 ja schon etwas mehr… und nein, von Assimilari hatte ich damals natürlich noch keine Ahnung).

Ich feilte außerdem an den Abschriften der Geschichten „Die magische Waffe“ und „DER ZATHURAY-KONFLIKT“ weiter – ebenfalls inzwischen beendete Ab­schriften, wie ihr aus meinen „Work in Progress“-Artikeln wisst.

Also, der Uwe kann ja doch mal endlos lang vor sich hinbrodelnde Werke voll­enden, mögt ihr jetzt sagen. Ja, kann ich durchaus. Das Problem ist stets ein an­deres: die schiere Masse an analogen Altwerken. Das bedeutet, die bloße Ent­scheidung, welches Werk ich nun als nächstes favorisiert angehe, ist die eigent­liche Schwelle. Das Schreiben an sich ist dann nicht mehr so das Problem, wenn die Entscheidung gefallen ist.

Das Jahr 2015 schloss also mit 316 beendeten Werken, was mich recht zufrie­den zurückließ. Und nachdem die ärgsten biografischen Turbulenzen sich gelegt hatten und ich mich ein wenig vom jähen Tod meiner Mutter erholen konnte, blickte ich grundsätzlich optimistisch ins Jahr 2016.

Dazu bestand auch, jenseits der Kreativität, durchaus jeder Grund – immerhin hatte ich inzwischen wieder eine Beschäftigung an der TU Braunschweig in ei­nem spannenden Projekt, das die Grenzen zwischen Philosophie einerseits, Bio­logie andererseits und Geschichte zum dritten auf faszinierende Weise über­schritt. Dass mich das mittelfristig in die größte Krise meines E-Book-Selfpubli­sherdaseins führen würde, konnte ich noch nicht ahnen.

Der Januar 2016 begann denn auch sehr positiv mit gleich 25 neuen Werken. Primär kümmerte ich mich hier allerdings um Blogartikelnachschub, weil ich an­nahm, dass ich dazu vielleicht bald nicht mehr soviel Zeit haben würde (was sich als richtig erweisen sollte). Ein Fünftel der fertigen Werke entfiel genau hierauf.

Einige Zeit investierte ich auch in Abschriften von Geschichten, die noch nicht gar so alt waren. Im Falle der Archipel-Story „Janines Feuerprobe“ ist mir bis heute unklar, wohin die ursprüngliche digitale Fassung verschwunden ist. Ich konnte sie nicht wieder ausfindig machen… was vermutlich daran liegt, dass ich Anfang der 2000er-Jahre noch alles auf Disketten speicherte, von denen sich in­zwischen ziemlich viele geballt versammelt haben. Die Überspeicherung auf die mobile Festplatte ist bislang nur in wenigen Fällen geschehen – was primär an der fehlenden Zeit und dem Aufmerksamkeitsfokus (siehe oben!) liegt.

Ich verirrte mich aber auch in andere, relevantere Werke, so etwa in einen OSM-Hintergrundtext mit dem beunruhigenden Titel „Der Alptraumpfad der Ordnung“ (und nein, der ist bis heute nicht fertig), in die Überarbeitung des 1987er-Romans „Odyssee in Arc“ (bis mir aufging, dass ich vielleicht sinnvoller­weise erst mal ein Digitalisat des Ursprungstextes anfertigen sollte… auch das steht bis heute auf der Agenda), dann war da „Kämpfer gegen den Tod“ (die Abschrift ist inzwischen fertig).

Eine Lesung am 12. Januar 2016 im „Lord Helmchen“ in Braunschweig warf mich dann wegen der Planungsarbeit ein wenig aus dem Schreibflow heraus. Außerdem besuchte ich kurz in „Die goldene Verlockung“ von neuem den tro­pischen Archipel. Abgesehen von ein paar kommentierten und in der Regel nur angefangenen kommentierten Episodenabschriften lässt sich sonst über diesen Monat allerdings kaum etwas aussagen.

Im Februar 2016 brach ich ordentlich ein, sowohl quantitativ als auch inhaltlich. Das hatte Gründe, die außerhalb meiner kreativen Sphäre lagen und die ich oben andeutete: meine bisherige TU-Stelle, die auf 10 Monatsstunden Recher­chezeit beschränkt war, was mir viel Handlungsfreiraum bot, wurde recht über­raschend und aufgrund zwingender Notwendigkeit auf eine volle 39,5-Stunden-Arbeitswoche ausgedehnt.

Klar, auf der einen Seite war das toll, weil ich nun nicht mehr so das Gefühl ha­ben musste, irgendwie freundlich huckepack mitgenommen zu werden, son­dern entsprechend meiner universitären Ausbildung anerkannt und akzeptiert zu sein. Der Verdienst war phantastisch, die Kollegen sehr nett, und die Mög­lichkeiten, sich für das Projekt zu engagieren, natürlich noch sehr viel vielfälti­ger und intensiver als zuvor. Und natürlich wurden Freunde nicht müde zu beto­nen, dass das doch gut für meine Rente wäre… alles ohne Frage sehr zutreffen­de Argumente.

Kehrseite der Verhältnisse, die vermutlich in erster Linie nur ich sah: sehr viel weniger Zeit für kreative Tätigkeit. Und ihr müsst euch das SEHR vermutlich fett­gedruckt und in 20.-Schrift vorstellen, mindestens. In der Regel war ich fix und fertig, wenn ich die Arbeitswoche hinter mir hatte, und an den wenigen Wo­chenenden, wo ich nicht soziale Kontakte pflegte, war ich ziemlich erledigt. Das fing hier erst ganz langsam an… aber ich bitte zu bedenken, dass ich wirklich seit Jahren keine Vollzeit-Arbeitsstelle mehr besetzt hatte und dementspre­chend auch konditionsmäßig arg eingerostet war.

Kreativ gesehen war das mittel- und langfristig für mich also fast die Overkill-Option, diese Stelle angetreten zu haben, so toll das in mich gesetzte Vertrauen auch war und so sehr ich von diesen Erfahrungen bis heute profitiere.

Zumindest gelang es mir in diesem Monat noch, das E-Book „Baumeister-Pläne“ abzuschließen und die Vorarbeiten am E-Book 44 „Die Kristalltränen und andere phantastische Geschichten“ zu beginnen – mit dem Resultat, wie ihr wisst, dass diese Storysammlung dann erst Anfang 2019 erscheinen konnte. Zugegeben, damals hing ich noch dem vermutlich etwas naiven Glauben an, ich könne tatsächlich in der Reihenfolge meiner Publikationen bleiben. Aber wäre das so gekommen, dann könntet ihr die Storysammlung bis heute noch nicht lesen – ihr Erscheinen war nämlich erst nach TI 34 „Arbeiter des Imperiums“ geplant. Ich zog sie vor, um überhaupt etwas veröffentlichen zu können und nicht durch eine noch längere „Ruhephase“ in der Versenkung zu verschwinden.

Nun, das war jedenfalls der Plan dahinter… hat irgendwie auch nicht recht funk­tioniert, wenn ich mir so meine schwindenden Downloadzahlen anschaue. Es ist also offensichtlich mehr als nur eine Mär, dass man nicht allein beim Bloggen ständig Stetigkeit zeigen sollte, sondern eben auch hier. Meine Unstetigkeit, die wesentlich durch Einschränkungen von Seiten des Uni-Projekts zustande kam, wirkte sich in vielerlei Weise höchst störend aus.

Um das alles ein wenig zumindest quantitativ zu kompensieren, betrat ich eine weitere Baustelle (höre ich da jemanden seufzen? Recht habt ihr!): Gedichte.

Wie, Gedichte?

Nun, im Laufe der zurückliegenden rund 36 Jahre meines Lebens habe ich über 200 Gedichte verfasst, die – ihr ahnt es – natürlich auch zumeist analog vorla­gen. Darunter auch diejenigen Gedichte, die ich euch in der Rubrik „Der OSM in Gedichtform“ vorgestellt habe. Dass ich diese Blogartikelrubrik überhaupt ins Leben rufen konnte, beruht auf den Aktivitäten, die im Februar 2016 ihren An­fang nahmen.

Aber wie ihr euch sicherlich denken könnt, stellte mich das nicht wirklich richtig zufrieden. So, wie man einen Döner nicht mit einem raffiniert selbst zubereite­ten Essen vergleichen kann, so verhielt es sich auch hier. Ich täuschte mich also kurzfristig rein quantitativ hinweg und hoffte, ich würde mich alsbald an den notwendigen universitären Stress gewöhnen und dann einen neuen kreativen Takt finden.

Ob mir das gelang, erzähle ich beim nächsten Mal.

Bis dann, meine Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 215: Sweet Sins (2): Essenz der Hingabe

Posted Mai 8th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

moderne erotische Romane folgen, was die Titelvergabe angeht, zumeist einem eher plumpen, banalen Zwei-Wort-Schema. Ob dies von „Fifty Shades of Grey“ (E. L. James) ursächlich ausgelöst wurde oder schon länger wenigstens im deut­schen Verlagswesen so der Fall war, sei dahingestellt. Faktum ist jedenfalls, dass ich oftmals das Gefühl hatte, solche Zweiwort-Titel wie „Gefährliche Leiden­schaft“, „Sinnliches Versprechen“ usw. würden ziemlich am Kern des Romans vorbeigehen.

Schaut man sich dagegen diese Trilogie mal allein von der Titelwahl an, wird man als Leser angenehm überrascht. Der vorliegende Titel verspricht zwar auch (ein bisschen) mehr, als er zu halten vermag, aber er besitzt zugleich eine von der obigen Schemastruktur abweichende Form, die beinahe lyrisch herüber­kommt. Gepaart mit einem äußerst anregenden Titelbild und solidem Lektorat kann man es eigentlich nur bedauerlich finden, dass der Verlag Plaisir d’Amour nach meiner Kenntnis im normalen Verlagsbuchhandel schlicht seine Produkte nicht aufstellen kann. Er muss sich hinter den deutlich einfallsloseren Titeln und Titelbildern anderer etablierter Verlage definitiv nicht zu verstecken.

Natürlich ist zu konzedieren, dass die PdA-Romane zumeist im BDSM-Milieu an­gesiedelt sind, das ist mit diesem hier ebenso der Fall. Aber das hat auch Verla­ge wie Bastei, Ullstein, Knaur, Heyne usw. nicht davon abgehalten, ähnlich the­matisch verortete Werke ins allgemeine Verlagsprogramm aufzunehmen und damit natürlich in den stationären Buchhandel zu bringen.

Für Freunde der modernen deutschen erotischen Literatur ist ein Blick ins Inter­net-Verlagsprogramm von Plaisir d’Amour unbedingt lohnenswert, er sei darum an dieser Stelle ausdrücklich empfohlen.

Im zweiten Band der „Sweet Sins“-Trilogie (die, wie ihr feststellen werdet, ei­gentlich vierbändig ist, es gibt gewissermaßen noch einen „Nachschlag“, den ich euch ebenfalls vorstellen werde) geht es wieder nach Australien zur Erotik-Agentur Sweet Sins von Renee Maurice. Und es geht um sinnliche Düfte und Parfüms, Liebe, Lust und Leidenschaft.

Neugierig geworden? Dann schaut mal weiter:

Sweet Sins 2 – Essenz der Hingabe

Von Ivy Paul

Plaisir d’Amour

300 Seiten, TB (2015)

ISBN 978-3-86495-147-3

Preis: 12,90 Euro

Monique Heillecourt ist eine französische Parfümdesignerin Mitte Dreißig, die von ihrer alten Studienfreundin Renee Maurice nach zwölf Jahren der Distanz wieder kontaktiert wird. Sie standen zwar stets in mäßigem Gedankenaus­tausch, aber die halbe Welt trennte sie. Monique lebt in Arles in Frankreich, Re­nee in Sydney am anderen Ende des Erdballs. Nun aber hat Renee, die jüngst die Erotik-Agentur „Sweet Sins“ aufzog1, ein bestimmtes Bedürfnis – sie möchte, dass ein exklusives Parfüm für ihre Agentur kreiert wird, und Monique scheint ihr die ideale Person dafür zu sein.

Monique fühlt sich geschmeichelt und nimmt die Einladung nach Australien an. Sie liebt die Herausforderung und hofft zudem, vielleicht auch das eine oder an­dere interessante sinnliche Abenteuer zu erleben, umso mehr, als sie nun Re­nees Agentur ein wenig näher kennen lernt. Dass Renee darüber hinaus seit jüngstem einen Nachtclub für erotische Vergnügungen ihr eigen nennt, bestärkt sie noch darin, und tatsächlich hat sie ein wildes Lusterlebnis mit zwei attrakti­ven Kerlen in einem Nachtclub… aber auf die nächste Überraschung ist sie dann durchaus nicht vorbereitet.

Als sie nämlich Renees Club wieder verlässt, dem sie einen Besuch abgestattet hat, um ihre dortigen Arbeitsräume zum Kreieren des Parfums näher kennen zu lernen, da wird sie kurzerhand von zwei Männern überwältigt, gefesselt und in den Kofferraum eines Wagens gesperrt, um entführt zu werden. Das ist für Mo­nique schon eine derbe Überraschung, und sie schäumt vor Zorn. Schnell klärt sich zwar, dass es sich hierbei um eine Verwechslung handelt und der dominan­te Tim und sein sadistischer Partner Steve bei „Sweet Sins“ zusammen mit einer devot veranlagten Gefährtin einen Abenteuerurlaub geplant hatten. Ihre Ge­fährtin sollte dabei den unterwürfigen Teil des Trios verkörpern, die beiden Männer jedoch die dominanten „Master“.

Zu ihrer nicht geringen Überraschung beginnt Monique die Situation Vergnügen zu bereiten. Das hat auch damit zu tun, dass sie die beiden Kerle am Vorabend schon sehr nah, doch anonym, zu spüren bekommen hat und durchaus Lust auf mehr hat.

Sie versteht sich selbst zwar eher als dominant veranlagt, weiß aber sehr wohl um ihre „Switcher“-Fähigkeiten. Das bedeutet, sie ist durchaus fähig, bei dem geeigneten Partner auch in die devote Rolle zu schlüpfen und Vergnügen daran zu finden. Und als die ursprüngliche Gespielin für Tims und Steves Urlaubswo­che nun ausfällt, springt sie kurzerhand ein, um eine Woche lang heißblütige Abenteuer als devote Gefährtin der beiden Männer zu erleben.

Es wird in vielerlei Hinsicht eine äußerst aufregende Woche mit einigen Kompli­kationen. Eine davon stürzt sie in tiefe Herzensnöte – denn ohne es eigentlich zu wollen, sprießen in ihr ernsthaft Liebesgefühle für Tim empor, und, noch schlimmer, er empfindet sehr ähnlich für sie. Dabei ist es doch ganz hoffnungs­los – sie leben auf unterschiedlichen Kontinenten und kennen sich sonst so überhaupt gar nicht. Eine desaströse Beziehungskatastrophe bahnt sich an.

Ehe sie sich über ihre chaotisch-sinnlichen Gefühle im Klaren sein können, wird das Urlaubsanwesen jedoch brüsk überfallen und Monique von zwei brutalen Kerlen kurzerhand splitternackt aus dem Ferienanwesen entführt… das ist dann tatsächlich der brüske Einbruch des Elements des Unerwarteten in den Ge­schichtenstrom…

Mit „Essenz der Hingabe“ liegt also der zweite Band der „Sweet Sins“-Trilogie von Ivy Paul vor. Nach „Arie der Unterwerfung“, wo sich die Autorin ins Musik-Business stürzte, flaniert sie hier naseschnuppernd und durchaus vergnüglich wie kenntnisreich durch das Reich der Düfte und Parfümherstellung. Durch die Blume (!) begreift man allerdings als Leser bald, woher die Inspiration gekom­men ist – aus Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“. Das ist nicht unbedingt von Nachteil, sondern zauberte gelegentlich ein Schmunzeln auf die Lippen des be­lesenen Rezensenten.

Ivy Paul geht zwar, was die Parfümherstellung angeht, nicht sonderlich in die Tiefe, aber an zahllosen Stellen des Romans spielen Düfte und Gerüche eine massive Rolle, so dass der Titel des Romans durchaus gerechtfertigt ist. Auch wird so Moniques Persönlichkeit glaubwürdiger, während die Männerrollen da­gegen doch eher etwas blass gezeichnet wirken. Im Vergleich zum ersten Band der Trilogie fand ich die Handlungsstruktur ein wenig schlicht und nicht wirklich abwechslungsreich. Die sich entwickelnden Konflikte sind eher halbherziger Na­tur und wirken ein wenig gekünstelt, die Lösungsszenarien zeichnen sich relativ schnell ab. Ein wenig bedauerlich fand ich auch, dass zwar durch Moniques jahrzehntelange Bekanntschaft mit Renee Maurice ein winziger Blick in Renees Vergangenheit möglich wurde, aber grundsätzlich bleibt die Agenturchefin bis zum Schluss geheimnisumwittert. Der Epilog macht die Sache vermutlich noch kryptischer, taucht doch hier wieder der Journalist Nicholas Brady auf, der im ersten Band eine recht unrühmliche Rolle gespielt hat. Und seine Rolle wirkt hier durchaus nicht so, wie man sich das als Leser am Ende des ersten Teils vor­gestellt hat… zweifellos, um Renees Persönlichkeit deutlich aufzuwerten.

Wiewohl die drei „Sweet Sins“-Bände allein über den Handlungsschauplatz Syd­ney und die Agentur sowie über wenige zentrale Personen miteinander ver­knüpft sind, offenbart dieser Mittelband die Schwächen eines Mittelbandes ei­ner Trilogie. Obgleich die Geschichte um Tim und Monique geklärt wird (soviel sei, wenig überraschend, verraten), fehlen wesentliche Bestandteile zu einer ab­gerundeten Story. Der Roman lässt, ungeachtet seiner Länge, den Leser also in gewisser Weise nicht vollständig zufrieden gestellt zurück. Das ist schade… man muss darauf hoffen, dass der Schlussband der Trilogie die noch offenen Fragen klären hilft.

Klare Leseempfehlung für prickelnd-anregende Nachmittage… mit der erwähn­ten kleinen Einschränkung. Wer sich vollständig auf die Haupthandlung um Mo­nique konzentrieren will, kommt auf seine Kosten.

© 2017 by Uwe Lammers

Ich schätze es, wenn sich Autorinnen und Autoren in ihr jeweiliges Metier gründlich einarbeiten, um ihren fachlich kompetenten Protagonisten Glaubwür­digkeit einzuhauchen. Und in diesem Fall fand ich Moniques Person durchaus realistisch gezeichnet.

Auf eine witzige Weise, unintendiert, bleiben wir in der kommenden Woche im Bereich des frankophonen Sprachraums, aus dem hier Monique stammt. Es geht definitiv nach Frankreich, aber zugleich wechseln wir das Setting, indem wir uns mit Zeitreisen, Parallelwelten und historischen Paradoxien befassen. Ich deute nur mal an, dass wir uns mit einem Roman des verstorbenen SF-Autors Michael Crichton befassen, um euch schon mal auf die richtige Fährte zu locken.

Nächste Woche wird es deutlich spannender und mörderischer als dieses Mal, das kann ich versprechen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. dazu Ivy Paul: „Sweet Sins 1: Arie der Unterwerfung“ bzw. Rezensions-Blog 211 vom 10. April 2019.

Liebe Freunde des OSM,

oje, es ist wirklich sehr lange her, dass ich mich dieser Rubrik gewidmet habe, das ist wahr. Wer zu faul ist, um nachzuschlagen, sei darum hiermit informiert: das letzte Mal kratzte ich an den Baufehlern des frühen OSM im Blogartikel 272, das war am 20. Mai 2018, also vor rund einem Jahr.

Warum war das so? Gab es zwischendurch nicht genügend seltsame „Baustel­len“ im OSM, aus denen ich hätte zitieren können? Doch, zweifellos. Aber ich war durch E-Book-Schreiben, Todesfälle, berufliche Unwägbarkeiten, Publikati­onspläne und vieles andere einfach zu abgelenkt.

Was hat sich daran heute geändert? Ich habe heute wieder digitalisierte und kommentierte Episoden des KONFLIKTS 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC) händisch glossiert und wirklich vielfach genervt den Kopf ge­schüttelt… tja, und dann sprang mich dieser Blogeintrag-Titel einfach so an, und here I am.

Autorenwissen ist schwierig, um damit mal einzusteigen. In der Regel ist es ja so, dass Autoren mehr Kenntnisse haben als ihre Romanfiguren, denen sie mit Worten Leben einhauchen. Und wir Autoren haben stets auch zu bedenken, dass da draußen auch noch Dritte sitzen, nämlich ihr, die Leser, die einen eige­nen Kopf haben und ebenso kombinatorische Fähigkeiten. Ihr könnt aus Andeu­tungen, die wir Autoren machen, Dinge schließen, die womöglich den Romanfi­guren (für eine Weile oder dauerhaft) undurchsichtig sind. Aus der dadurch ent­stehenden informatorischen Dissonanz resultiert ein nicht eben geringer Span­nungsfaktor.

Manche Autoren unterlaufen diese Form der Autoren-Handlungspersonen-Le­ser-Kommunikation. Sie führen etwas ein, was man den „allwissenden Erzähler“ nennt. Das ist stets eine Gratwanderung, die auch schrecklich schief gehen und aus tollen Ideen veritable Katastrophen machen kann. Nur recht wenige Auto­ren, glaube ich sagen zu können, beherrschen diese Gratwanderung. Was dazu führt, dass die „allwissenden Erzähler“ üblicherweise nur sehr selten eingesetzt werden.1

Anders ist es, wenn arglose Autorenneulinge versuchen, Wissen in die Ge­schichtenhandlung einzuweben und offenkundig wird, dass das einfach so hin­ten und vorne nicht passt. Das ist mir in einem der FdC-Bände aufgefallen, den ich 1985 schrieb. Herausgekommen ist solch ein erzählerisches Desaster, dass ich beinahe beim Kommentieren im Boden versunken bin. Aber da ich jemand bin, der auch zu schriftstellerischen Fehlern der Frühzeit steht (die ihr natürlich in der Ausarbeitung so nie wieder finden werdet!), präsentiere ich euch heute einen kurzen Blick in dieses Desaster.

Zunächst aber eine Einordnung in den historischen Kontext. Aus Spoilergründen halte ich das sehr knapp: Wir befinden uns im legendären „Zeituniversum“ des KONFLIKTS 14. Oki Stanwer und seine Getreuen haben einen gigantischen Zeit­abgrund unabsichtlich überbrückt und sind in der Vergangenheit unterwegs, wo sie intelligentes Leben suchen.

Die Lichtfestung OREOC und ihre Besatzung finden dabei ein Sonnensystem, das „negiert“. Das ist grundsätzlich schon der erste Fehler, denn dieses System IST bereits negiert, die Geschehnisse liegen also schon eine ganze Weile zurück. Das System kann nicht mehr direkt angeflogen werden und wird von den „Gen­wächtern von Zykhor“ abgeriegelt.

Der Leser erfährt nun aus der Perspektive „von außen“ Näheres zum System. Ich zitiere: „Die Welt Ceqqolar war eine schöne Welt gewesen.2 Grüne Wiesen, sanft geschwungene Hänge und abgerundete Bergkuppen gaben dem alten Pla­neten seine Konturen. Die Meere waren seicht und infolge der fehlenden Monde fast spiegelglatt. Die Bewohner von Ceqqolar waren freundliche, weise Wesen.3 Sie waren humanoid und hatten eine hochentwickelte, aber umweltfreundliche Technologie. Sie beuteten ihre Mutterwelt nicht aus, wie es dereinst ihre Ahnen getan hatten, sondern sie gewannen Materie aus Energie, Energie aus Materie. Nichts ging in diesem ewigen Kreislauf verloren. Nicht einmal die Überreste der langlebigen Wesen selbst.4

Sie trieben Handel mit mehreren fremden Welten, die samt und sonders einem Fremdvolk gehörten. Dem Volk der DIGANTEN! Die DIGANTEN waren bittere, verzweifelte und manchmal sogar hysterische Technokraten, die ihre eigenen Welten mit einer unvorstellbaren Pedanterie ausbeuteten. Seit einiger Zeit hat­ten die DIGANTEN, die nach Ceqqolar zur Erholung kamen, Kontakt mit einem Abgesandten eines weiteren Volkes. Es nannte sich das Ewige Volk, das das Ewi­ge Reich gegründet hatte, ausgehend vom Schwarzen Stern TOTAM. Dieser Name weckte in den Bewohnern von Ceqqolar schon seltsamerweise Abscheu. Das hatten sie den DIGANTEN auch gesagt.5

Und nun zeigte sich die grausame Psyche dieser Wesen. Wenige Wochen darauf erschienen bereits große, schwarze Kegelschiffe über der Welt Ceqqolar und verankerten sich.6 Keiner wusste genau, wie viele es waren, aber sie waren un­antastbar. Alles, was sich ihnen näherte, zerfiel binnen kurzer Zeit zu Staub. Der Radius, in dem sich alles zu Staub veränderte und zersetzte, wuchs ständig. Und die Reste begannen zu schillern in einem satten Violett!7

Von den Kegelschiffen stachen somit gewaltige violette Lichtkegel gen Himmel, die ein Netz um das Sonnensystem legten. Die Maschen dieses Netzes zogen sich immer weiter zusammen, bis es ein komplettes Ganzes war. Die Wesen, die den tödlichen Auren entkamen, wurden von den sich herniedersenkenden vio­letten Nebeln eingehüllt und erstarrten zur Regungslosigkeit. Sie veränderten sich allmählich grundlegend. Aus den Überlebenden von Ceqqolar wurden die Freunde Timor-Dols. Aus ihnen entwickelten sich die NEGATIVEN!8

+

OREOC stand still. Oder besser doch relativ still, denn die Driftgeschwindigkeit bremste OREOC nicht. Sie schwebten am Rand des fluoreszierenden, violetten Feldes und beobachteten die Veränderung der Umgebung. Es war ein grauen­hafter Prozess, nicht nur wegen seiner Lautlosigkeit.

Die Bildschirme füllten sich mit einem matten Violett…“

Also… ihr merkt schon an der aus der kommentierten Episode übernommenen Kommentierung, dass hier eine vollständige Katastrophe vorliegt. Und ich versi­chere euch, das ist nur ein sehr kleiner Teil des Problems. Es gibt auch massive Komplikationen mit Erstkontakt mit den Genwächtern, mit den gesprochenen Sprachen, mit Vertrauensseligkeit und unendlicher Naivität usw. Die ganze Epi­sode ist ein einziges argumentatives Inferno.

Der Grund dafür ist offenkundig: Ich besaß im Kopf einen Riesenwust an Infor­mationen zur vorliegenden Episode… und ich fragte mich offenbar verzweifelt, wie ich dieses Wissen hier zur Geltung bringen sollte. Dummer Entschluss: ein­fach reinschreiben! Ist mir doch egal, aus wessen Perspektive die Geschichte gerade erzählt wird und wie viele Millionen Kilometer Distanz zwischen dem Planeten und den Beobachtern liegen. Ich schreibe das jetzt einfach rein, basta!

Wir sind uns sicherlich darin einig, dass das eine unreife, infantile und einfach schlechte Schreibentscheidung war. Die Besatzung von OREOC dürfte weder den Namen des Planeten noch irgendetwas von seinen Bewohnern oder deren Verbindungen zu den DIGANTEN erfahren, weil das dort überhaupt nicht verba­lisiert wird.

Natürlich kann Autorenwissen gelegentlich mit einfließen, aber immer im Rah­men gewisser Grenzen. Man muss sich darüber klar sein, wie viel von dem Wis­sen überhaupt für die Protagonisten erfahrbar ist. Oder man baut eine zweite Handlungslinie auf, die gewissermaßen von Ceqqolar aus die historische Per­spektive einnimmt. Dann hat man ein informatorisches Gefälle der Art, wie ich es oben andeutete: Autor weiß sehr viel, Leser wissen ebenfalls viel, die Prot­agonisten auf unterschiedlichen Ebenen eher wenig, erst recht, wenn die Hand­lungsebenen nicht interagieren können, wie es hier bei Ceqqolar der Fall wäre.

Deshalb ist Autorenwissen stets schwierig zu händeln. Agiert man ungeschickt wie ich in diesem Fall im Alter von 18 Lenzen, erzeugt man ausgesprochene Ka­tastrophengeschichten und blamiert sich bis auf die Knochen. Ich bin also echt sehr froh, dass diese Episode – abgesehen von einem einzigen Leser – niemals jemand zu Gesicht bekommen hat. Das war wirklich kein Ruhmesblatt.

Soviel also für heute aus der chaotischen Frühzeit des OSM. In der nächsten Woche kehre ich in die Rubrik „Was ist eigentlich der OSM?“ zurück und berich­te dann etwas zeitnäher aus der jüngsten Vergangenheit.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Wer ein Beispiel davon sehen möchte, schaue sich Félix J. Palmas „Landkarten“-Trilogie an, die für den Re­zensions-Blog in Vorbereitung ist. Auf der einen Seite ein tolles Lesevergnügen, aber der auktoriale Erzähler hat mich doch nicht selten ziemlich frustriert.

2 Dieser ganze Abschnitt ist, wie oben angedeutet, höchst unglücklich geraten. Warum? Nicht weil er inhalt­lich völlig falsch wäre. Er gibt durchaus schon das wieder, was geschehen ist. Aber die Frage an den Autor muss lauten: wie viel davon bekommt GOONEX mit? Was SIEHT er auf dem Bildschirm? Dass die Welt Ceqqolar heißt? Nein. Der Planet trägt ja kein tausend Kilometer großes Schild mit dem Namen. Wie die Be­wohner von Ceqqolar heißen, sage ich oben nicht mal (ganz schwerer Fehler!). Dass das eine idyllische Welt war, kann Goonex nicht mehr erkennen, weil er sie nur im negierten Zustand zu sehen bekommt (der aber nicht beschrieben wird!!). Dass die DIGANTEN dort Urlaub machten und wie dieses Volk überhaupt heißt, dass sie mit TOTAM verbündet sind und warum sie Entropie-Experimente machen… all das ist nichts Gegen­ständliches. Das kann sich Goonex nicht mal entfernt zusammenreimen. Der gesamte Textblock ist hier also aus Verlegenheit in den Haupttext projiziertes Autorenwissen. Autsch! Das muss dringend geändert werden.

3 Name des Volkes? Und ein bisschen mehr als „humanoid und friedfertig“ kann man über die Leute schon sagen. Fiel mir damals im Traum nicht ein. Begründung? „Das Volk ist doch eh gleich tot und spielt danach keine Rolle mehr. Also, so what?“ Das ist natürlich nicht einmal entfernt genügend. Ausbauen und vor allen Dingen die Perspektive beachten. Goonex kann nur das mitbekommen, was die Geräte von OREOC zeigen, nichts sonst!

4 Auch dies ist Autorenwissen. Goonex kann das durch Ferndiagnose doch nicht entdecken.

5 Aber davon kann Goonex nichts wissen.

6 Da das schon vor längerer Zeit passiert ist, kann Goonex das auch nicht mitbekommen. Was genau BEOB­ACHTET er eigentlich??

7 Das kann OREOC aus der Distanz von wenigstens einigen Millionen Kilometern Distanz natürlich auch nicht beobachten!

8 Das kann Goonex VERMUTEN, aber miterleben kann er es nicht. Das bedarf einer völlig anderen Perspekti­ve, nämlich einer von innen heraus, die uns auch das Volk von Ceqqolar näher bringen kann. So. Geht. Das. Nicht!

Maiblog 2019

Posted Mai 1st, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde meiner E-Books,

irgendwie ist es echt verwirrend, wie rasch die Zeit dahinrast. Auf einmal ist schon wieder fast Zeit für den alljährlichen Maiblog, pünktlich zum Tag der Ar­beit, der dieses Jahr auf einen Mittwoch fällt. Um da nicht dem regelmäßigen Rezensions-Blog ins Gehege zu kommen, habe ich den entsprechenden Beitrag schon gestern veröffentlicht. Heute können wir uns also voll und ganz auf die­sen Beitrag konzentrieren.

Seit dem letzten Mal, als wir uns an dieser Stelle sahen, also dem 1. Mai 2018, ist schon wieder eine Menge geschehen, und vieles davon wirkte sich notwen­dig auf mein kreatives Leben aus wie auch auf das, was ich auf meiner Webseite oder im Rahmen meines E-Book-Programms von mir öffentlich verlauten lasse. Fangen wir mal ganz locker und nicht schematisch verkrampft an.

Im Zuge meines E-Book-Programms sind seit dem letzten Mai-Blog bei Amazon folgende Werke veröffentlicht worden:

TI 30: „Das Kriegernest“

DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“

Die Kristalltränen und andere phantastische Geschichten“

BdC 1: „Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“

Bei XinXii erschienen im gleichen Zeitraum folgende Werke als „Nachdrucke“:

TI 22: „Welt der Wunder“

TI 23: „Das Sternenreich des Windes“

Annalen 5: Jaleenas zweites Leben (1)“

Annalen 5: Jaleenas zweites Leben (2/E)“

Man kann also nicht direkt sagen, dass da so gar nichts geschehen ist, auch wenn es natürlich an die „Hochzeiten“ anno 2013-2015 noch lange nicht heran­kommt. Rein numerisch und auf den ersten Blick. Aber schaut euch beispiels­weise nur mal die Längen der aktuellen Amazon-E-Books an. Ganz besonders der CK 1-Band sprengt da den bisherigen Rahmen meiner üblichen Projekte ganz beträchtlich, aber auch BdC 1 ist ungewöhnlich umfangreich. Das hat mit der langfristigen Struktur der Geschichten zu tun.

DER CLOGGATH-KONFLIKT soll etwa im jährlichen Turnus fortgeschrieben wer­den, weswegen ich da schon denke, dass Umfang und Preis gerechtfertigt sind. Und bei BdC hoffe ich, zwar etwas häufiger Bände vorlegen zu können, bin mir da aber noch nicht restlos sicher… das hängt mit meiner beruflichen Zukunfts­planung zusammen und dem Zeit- und Finanzbudget, das mir 2019/2020 zur Verfügung steht. Im nächsten Maiblog am 1. Mai 2020 werdet ihr Näheres er­fahren.

Wichtig scheint mir an dieser Stelle zu sein, dass ich euch ein wenig über die nahen Zukunftspläne orientiere. Das Programm wird schätzungsweise überam­bitioniert wirken, und sicherlich werde ich manches davon nicht so schnell um­setzen können (das beste Beispiel für verschleppte Planrealisierung ist vermut­lich „Feuerglanz“, das eigentlich schon 2017 erscheinen sollte; aber ihr seht, Pläne werden bei mir üblicherweise nur aufgeschoben, aber sie werden nicht fallengelassen. Vollmundige Ankündigungen, die ich nie umsetze, sind mein Ding nicht, ich probiere schon, realistisch zu bleiben und die Versprechen einzu­halten). In meinen Augen macht das aber gar nichts – dann könnt ihr eben von Jahr zu Jahr sehen, wie ich meine vollmundige Arbeits-Agenda abarbeite… auch nicht das Schlechteste.

Bei XinXii möchte ich bis zum nächsten Maiblog gern auch zwischen 4 und 6 E-Book-„Nachdrucke“ veröffentlichen und bin zuversichtlich, dass das auch gelin­gen wird. Wie schaut meine derzeitige Arbeitsplanung bei neuen E-Book-Wer­ken für Amazon aus? Nun, an folgenden Werken arbeite ich bereits:

TI 31: Zeitenwandel

BdC 2: Gestrandet in Bytharg

CK 2: Monstererwachen

BdC 3: Unter Feinden

BdC 4: Der Sonnengarten von Bytharg

Weiterhin auf der Planungsliste stehen:

TI 32: Krisenherd Xoor’con

TI 33: Sturz ins Stahlherz

TI 34: Arbeiter des Imperiums

Annalen 7: Räuber

Ihr seht allein schon hieran: langweilig wird mir gewiss auf lange Sicht hinaus noch nicht. Für alle genannten Werke liegen mir bereits fertig montierte Titel­bilder vor, und es gibt außerdem einen akkumulierten Bilderpool für spätere E-Book-Cover… so dass mir die anstehende Fusion des Bilderdienstes Fotolia mit Adobe (November 2019) momentan noch kein Kopfzerbrechen bereitet. Für Winter 2019 und Frühjahr 2020 werde ich mir allerdings bei Bedarf überlegen müssen, wie ich neue Titelbildmotive akquiriere. Bei der Montage kann ich auch weiterhin fest auf meinen Grafiker und Freund Lars Vollbrecht zählen.

Was ebenfalls im vergangenen Maiblog noch vage Andeutung war, ist inzwi­schen schöne, handfeste Realität geworden. Man schaue beispielsweise nur in den ANDROMEDA-NACHRICHTEN 265 (April 2019) am Schluss nach: meine ers­te Print-Storysammlung „Lustvoller Schrecken“ ist als Band 12 der Schriftenrei­he „Grey Edition“ beim Terranischen Club Eden (TCE) erschienen und kann dort bei Joachim Kutzner zum Preis von 6,50 Euro bestellt werden.

Dabei steht auf diesem Band ausdrücklich „Band 1“… was natürlich darauf ver­weist, dass es auch einen zweiten Band geben wird. Er ist ebenfalls bereits in der Bearbeitungspipeline. Der endgültige Titel steht noch nicht fest, aber Joe, der Titelbildgrafiker Norbert Schneider und ich planen das Erscheinen dieses Bandes für September 2019. Hoffen wir, dass das klappt. Vorher (Ende Mai) fin­det nach unserer Planung aus dem ersten Band auf den „3. Perry Rhodan-Tagen Osnabrück“ eine Lesung statt.

Auch jenseits dieser Aktivitäten ist eine Menge geschehen. So bin ich seit An­fang 2019 in den Geltungsbereich von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) geraten, was zur Folge hatte, dass ich über mehrere Monate hinweg in einer Maßnahme des Jobcenters, der so genannten „Jobfabrik“, landete. Eine interessante Sache, die durchaus nicht so schikanös war, wie sich das vielleicht auf den ersten Blick anhören mag, sondern für mich definitiv einen Gewinn darstellte.

Seit Februar 2019 bin ich fernerhin als wissenschaftliche Hilfskraft wieder in ei­nem Projekt der TU Braunschweig untergekommen und bin hier für Archivre­cherchen zuständig, die immer wieder auswärtige Einsätze mit sich bringen. Hier bin ich in den vergangenen Monaten schon in Koblenz, Hannover und Wolfenbüttel gewesen, werde demnächst wieder nach Hannover jetten, und auch Berlin und Hildesheim sind mögliche weitere Rechercheziele. Auch hier gilt: langweilig wird es gewiss nicht.

Fernerhin bin ich wie erwartet als Chefredakteur des Science Fiction-Clubs Ba­den-Württemberg (SFCBW) wiedergewählt worden und betreue in dieser Funk­tion auch weiterhin das monatliche Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA). Und ich muss sagen: selbst nach über 12 Jahren Nonstop-Redakteurstätigkeit macht es mir immer noch Spaß.

Auch zum Verein KreativRegion e.V. in Braunschweig gibt es Neues zu vermel­den. Nicht nur wurde ich im Frühjahr 2019 in meinem Ehrenamt als Ansprech­partner für die Sparte „Buchmarkt“ bestätigt. Ich bin inzwischen auch zahlendes Mitglied des Vereins geworden (möglich wurde das durch eine Satzungsände­rung im vergangenen Jahr, durch die auch Einzelpersonen und nicht nur Vereine und StartUps Mitglied werden können). Als E-Book-Selfpublisher bin ich dort jetzt auch ins „Branchenbuch“ der KreativRegion eingetragen. Aktuell sind wir am Überlegen, den Sektor Belletristik auf der dortigen Webseite zu etablieren, und ich habe da schon ein wenig Vorarbeiten geleistet. Ich nehme an, im kom­menden Maiblog kann ich dazu Näheres ausführen.

Wer zudem meinen Blogartikel 319 „Gibt es das auch als Hörbuch? Neue Wege meiner Kreativität“ (14. April 2019) gelesen hat, der weiß, dass ein wesentlicher interessanter Impuls der KreativRegion für mich im Winter 2018 der Gedanke war, in den Podcast-Bereich einzusteigen. Momentan ist das noch alles in der Planungsschleife und nicht konkretisiert, aber ich bin zuversichtlich, auch hierzu im kommenden Maiblog mehr sagen zu können.

Wie ihr seht: langweilig geht definitiv anders.

Bei den Blogartikeln habe ich in der Veröffentlichung bei den sonntäglichen Wo­chen-Blogs aktuell Nr. 320 erreicht. Der äußerste Planungsrand reicht hier schon bis Nr. 342 (geplant für den 22. September 2019). Die Rezensions-Blogs sind inzwischen veröffentlicht bis Nr. 213, die Planung reicht hier sogar schon bis Nr. 253, der bereits auf Ende Januar 2020 datieren wird. Tatsächlich habe ich hier schon alle Rezensions-Blogs bis Anfang November 2019 (Nr. 241) fertig ge­stellt. Gerade bei den Rezensions-Blogs muss ich mich, weil sie sich so mühelos schreiben, wirklich aufpassen, nicht pro Monat 5 oder mehr dazu zu fügen. Hier sollte ich mal etwas locker lassen.

Für die Wochen-Blogs habe ich die damals angekündigten „Serien-Blogs“ in Form der „Close Ups“ inzwischen fest etabliert. Fünf davon sind schon erschie­nen, sodass ihr inzwischen in groben Umrissen über die Detailhandlung des KONFLIKTS 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC) und die dort realisier­ten Episoden 1-25 orientiert seid. Inzwischen sind die fertigen Close Ups bis Teil 8 gediehen, und da die Serienabschrift dieser OSM-Serie schon bis inklusive Band 66 gediehen ist, kann ich die Close Ups bis 13 auch schon schreiben. Dann sind wir mit der Publikation aber auch schon deutlich ins Jahr 2020 vorgesto­ßen. Auch hierzu sage ich sicherlich das nächste Mal mehr.

Ebenfalls fortgesetzt wird die Artikelreihe zu den „Legendären Schauplätzen“, von denen es in alphabetischer Folge zunächst 26 Teile geben wird. Danach kann es aber gut sein, dass ich wieder bei A beginne… es gibt mehr als nur 26 legendäre Schauplätze im OSM…

Was ist seit dem letzten Maiblog noch geschehen?

Am 5. Juni 2018 schloss ich die Digitalisierung des 18. OSM-KONFLIKTS ab, also die Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (KGTDUS, 1984-1989), unter dem Label „18Neu“ in Arbeit seit März 2011.

Im Jahre 2019 konnte ich außerdem den KONFLIKT 1 „Der Zathuray-Konflikt“ (1991) digitalisieren, so dass ich ihn mir in den nächsten Jahren, sobald sich ein Zeitfenster öffnet, grundlegend überarbeiten und als E-Book veröffentlichen kann. Dann werdet ihr eine Menge mehr über TOTAM, die Genese Oki Stanwers und das erste Projektvolk der Baumeister, die Desiner, erfahren.

Ebenfalls dieses Jahr (April 2019) konnte ich die phantastische Schwelle von OSM-Band 1900 überschreiten. Das war für mich selbst eine schöne Überra­schung, dass mein kreatives Unterbewusstsein sich dafür entschied, diesmal ei­nen Band der jüngsten OSM-Serie „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“ (HdH, KONFLIKT 7) zu wählen. Mit „Schmelztiegel Shallakhon“ ist ein schöner, mit 56 Seiten Umfang recht ausführlicher und ziemlich amüsanter Text entstanden, an dem ich mit großen Pausen seit 2008 gefeilt habe.

Auch im Bereich des Non-OSM habe ich mir endlich ein Herz gefasst und einen Plan begonnen, der mir bereits Anfang 2018 im Kopf herumschwirrte (ja, man­che Ideen brauchen bei mir etwas länger zur Realisierung, aber das ist für euch ja nichts Neues): Ich habe mir gedacht, dass es vielleicht nützlich sein könnte, die uralte analoge Non-OSM-Serie „Horrorwelt“ digital zu erfassen, die ich zwi­schen Winter 1983 und 1998 verfasste und die dort immerhin auf 172 Episoden kam. Da die Folgen lange Zeit nur jeweils 5 Skriptseiten besaßen, rechnete ich mir aus, relativ zügig voranzukommen, und das erwies sich als korrekt. Bis Ende April habe ich insgesamt 31 Episoden erfassen können.

Dabei machte ich übrigens eine historisch sehr interessante Entdeckung, die ich mir inzwischen erklären kann: Der Wechsel von Band 30 zu 31, der sich im Früh­jahr 1984 ereignete, ist so krass ausgefallen, dass ich ziemlich perplex war. Wäh­rend es in den ersten 30 Episoden weder Einrückungen noch Leerschritte hinter den Satzzeichen gab (ernsthaft!), war nicht nur dies beides ab Band 31 auf ein­mal vorhanden, sondern außerdem ein handgeschriebener Titelkopf, andert­halbzeilige Schreibbreite und sehr viel weniger Schreibfehler als zuvor.

Wie kam es dazu? Nun, im Frühjahr 1984 hatte ich den verwegenen (und natür­lich viel zu voreiligen) Plan gefasst, Heftromanautor für den Zauberkreis-Verlag zu werden. Und ganz ohne Zweifel wurde mir vom dortigen Lektorat unmissver­ständlich gesagt, dass solche Dinge wie Absatzeinrückung und Leerschritte hin­ter Satzzeichen essentielle Voraussetzungen dafür seien, ein Skript von mir überhaupt zur Kenntnis zu nehmen.

Aus dem Heute betrachtet ist es phantastisch und fast atemberaubend, zu se­hen, wie das meine Schreibarbeit sofort massiv im positiven Sinne beeinflusste. Dass alle vier eingereichten Romanskripte dennoch abgelehnt wurden (eins ist später auf dem Leihweg an einen Brieffreund leider verschollen, ich habe „Der Sirenen-Stern“ nie wieder gesehen, und es gab weder einen Durchschlag noch eine Kopie davon, sniff), gehört wohl zu dem Lehrgeld, das ein Hobby-Autor zahlen muss.

Was den Punkt Lesungen angeht: weder die im letzten Maiblog angesprochene Lesung im „Lord Helmchen“ noch im Kulturpunkt West wurde realisiert. Mo­mentan bin ich grundsätzlich nicht so in Lesungs-Stimmung… aber das ändert sich vielleicht nach meinem kleinen Osnabrücker Auftritt wieder, mal schauen.

Was die Digitalisierung weiterer OSM-Geschichten angeht, so konzentriere ich mich zurzeit auf KONFLIKT 14 (hier bin ich, wie gesagt, schon bis Band 66 ge­langt), auf KONFLIKT 12 (dort ist Band 59 aktuell zuletzt beendet worden). Das Erreichen der OSM 1900-Schwelle hat mich ein wenig verzögert, doch bin ich aktuell schon bei Band 1903 angelangt und möchte mich hier so bald als mög­lich sowohl an weitere Bände aus KONFLIKT 2 machen („Oki Stanwer und das Terrorimperium“) als auch einige Episoden abschließen, die hier schon seit Jah­ren angefangen liegen. Insbesondere denke ich dabei an die KONFLIKTE 19, 21, 22 und 24 sowie einen speziellen Band aus KONFLIKT 28. Und nicht zu verges­sen: die geplante Fertigstellung von KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Re­gent“.

Ach ja, und fast hätte ich es vergessen – im Rahmen des Terranischen Clubs Eden wird in absehbarer Zeit im Fanzine PARADISE einiges Material aus meinem tropischen Archipel erscheinen, darunter auch ein längerer Einführungstext über diese Welt, den ich kürzlich geschrieben habe. Ich gehe mal davon aus, dass bis zum 1. Mai 2020 einiges davon bereits gedruckt vorliegt.

Ich denke, das soll für heute als Einblick in mein kreatives Schaffen des verflos­senen Jahres und als Vorausblick auf das, was ich mir noch so alles vorgenom­men habe, genügen. Wahrscheinlich werde ich auf einiges hiervon schon im tra­ditionellen Silvesterblog Bezug nehmen können. Bis dahin lesen wie wie üblich voneinander am Sonntag und am Mittwoch. Und es freut mich sehr, dass meine Blogartikel so gut angenommen werden.

Ich danke euch dafür, meine Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 214: Teuflischer Sog

Posted April 30th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute gibt es mal wieder ein Werk vorzustellen, das – leider – in die Rubrik „überkritische Rezension“ einzuordnen ist. Will heißen, ich war von der Lektüre durchaus enttäuscht, wiewohl das Buch grundsätzlich interessante Ansätze be­sitzt. Das, was die Autoren daraus gemacht haben, ist jedoch, vorsichtig gespro­chen, arg grenzwertig. Da ich in der Rezension darauf schon hinreichend hin­weise, möchte ich nur soviel vorwegnehmen: Ich schätze Schatzsuchergeschich­ten. Ihr wisst das, die ihr meinem Rezensions-Blog schon länger folgt, natürlich bestens. Ich bin auch durchaus ein Freund abenteuerlicher und dramatischer Handlungsszenarien, und Clive Cussler-Fan bin ich ohnehin.

Das alles bedeutet aber nicht, dass ich meinen kritischen Verstand an der Gar­derobe abgebe, wenn ich ein Buch lese, das ich routinemäßig rezensieren möchte – was bei den Cussler-Romanen der Fall ist. Durch jahrzehntelange Lek­türe entsprechend sensibilisiert lege ich durchaus gern mal den Finger auf die Wunde und bin unbequem. Diesmal fiel mir das, dank der unmöglichen Steil­vorlagen der Verfasser, wirklich leicht. Ich nenne nur mal die Sache mit Oak Is­land.

Aber ich sagte auch schon verschiedentlich, dass das hier kein Schönwetter-Blog ist, in dem nur rundum gelungene Superromane rezensiert werden. Das würde der Realität auf dem Buchmarkt ebenso wenig entsprechen wie wenn man einzig und allein Bücher von den Bestsellerlisten läse und sich daraufhin einbildete, DAS sei die Buchszene. Ist sie natürlich nicht. Viele Werke, die sehr gut sind, kommen überhaupt nicht auf die Bestsellerlisten, weil z. B. die Verlage gar nicht im Buchhandel vertreten sind. Oder weil es sich um Selfpublisher-Titel handelt (nur die wenigsten von ihnen werden später von renommierten Verla­gen in ihr Programm aufgenommen). Und zahlreiche „gehypte“ Titel, die auf die Spitzenpositionen kommen, erweisen sich bei genauerer Betrachtung als ausge­sprochene Modeprodukte oder problematische Bücher (ich möchte hier jetzt keine aktuellen Autoren oder Titel nennen… aber ihr wisst sicherlich aus lang­jähriger Erfahrung mit Bestsellerlisten, wen man hier wohl nennen könnte).

Also rezensiere ich sowohl alte und antiquarische Titel, die es meiner Ansicht nach verdienen als auch solche, die einen guten Schlag an bissiger Kritik abbe­kommen müssen, weil das einfach Not tut. Tja, und Cusslers und du Bruls heuti­ges Werk gehört leider in die letzte Kategorie.

Das bedeutet nicht, dass es uninteressant ist oder unspannend geschrieben, durchaus nicht – ihr werdet das merken. Aber wenn man seinen kritischen Kopf einschaltet, wird man über jede Menge unschöne Stolperschwellen straucheln. Und das sollte ein wohlmeinender Rezensent lieber vorab erwähnen.

Wer trotzdem neugierig geblieben ist, der lese weiter:

Teuflischer Sog

(OT: Silent Sea)

Von Clive Cussler & Jack du Brul

Blanvalet 37751

512 Seiten, TB, 2011

Aus dem Amerikanischen von Michael Kubiak

ISBN 978-3-442-37751-0

Der 7. Dezember 1941 ist für die Vereinigten Staaten von Amerika ein traumati­scher Tag, der sich mit zwei Worten präzisieren lässt: Pearl Harbor. Von diesem Tag an war das 20. Jahrhundert für die Amerikaner buchstäblich nicht mehr das, was es zuvor gewesen war. Aber der 7. Dezember markierte auch für die Fami­lie Ronish im Staate Washington eine Zäsur von elementarer Bedeutung. An je­nem Tag versuchten die jungen Männer der Familie wieder einmal, das Geheim­nis von Pine Island zu lösen, einer kleinen Insel im Familienbesitz, dicht vor der Küste gelegen.

Auf Pine Island existierte ein seltsamer Schacht, der wenigstens seit dem 18. Jahrhundert Rätsel aufgab und scheinbar unerforschlich war. Er führte mehr als sechzig Meter in die Tiefe und war einwandfrei von Menschenhand geschaffen. Die Legenden um diesen Schacht waren mannigfaltig – die einen behaupteten, Piraten hätten ihn geschaffen, um einen Schatz zu verbergen. Andere nahmen an, dass flüchtende Inkas aus dem tiefen Süden dort ihre Kostbarkeiten verbor­gen hätten. Wieder andere mutmaßten, Freimaurer oder Tempelritter wären die Konstrukteure gewesen.

An diesem 7. Dezember 1941 starb einer der Ronish-Brüder im Schacht auf tragische Weise. Der Rest der Geschwister wurde bald darauf in den Zweiten Weltkrieg hineingesogen, und das Rätsel um Pine Island blieb ein Mysterium.

Jahrzehnte später befinden sich Kapitän Juan Cabrillo und eine Gruppe seiner hart gesottenen Mitstreiter von der „Company“ auf eher unüblichem Boden, nämlich im Dschungel zwischen Argentinien und Paraguay. Sie sind unterwegs, um im Auftrag der CIA einen abgestürzten zivilen Satelliten zu bergen, der dum­merweise auf argentinischem Grund und Boden niedergegangen ist. Man muss dazu wissen: in diesem Roman wird Argentinien von einer Militärjunta regiert und vom Terror der Neunten Brigade schikaniert. Generalissimo Ernesto Cora­zón lauert nur darauf, die „Gringos“ als „Imperialisten“ vorzuführen – ein abge­stürzter Satellit wäre darum ein phantastisches Fressen für ihn, zumal er über eine Plutoniumbatterie verfügt, die in Corazóns Staat ganz sicher fehl am Platze wäre. Es gibt nur eins, was dem Diktator noch lieber wäre: wenn die Gringos versuchen würden, in einer verdeckten Operation das Gerät wieder an sich zu bringen, und er diese Spione fassen und vor der Welt bloßstellen könnte.

Beinahe bekommt der Generalissimo, was er sich wünscht, denn die Mission der Company-Männer steht unter einem Unstern. Nur mit sehr viel Glück ge­lingt es ihnen, die Aufgabe zu erledigen.

Dabei machen Cabrillo und seine Männer aber zwei seltsame Entdeckungen: zum einen finden sie im Urwald das Wrack eines kleinen Luftschiffs, das schon seit ein paar Jahrzehnten dort liegen muss, die „Flying Dutchman“. Cabrillo nimmt Papiere von dort mit und will sie den Hinterbliebenen der Absturzopfer überbringen. Und zum anderen finden Cabrillos Spezialisten, als sie den Satelli­ten untersuchen, eine Beschädigung, die darauf hindeutet, dass er abgeschos­sen worden ist – mit einem Waffensystem, über das nur zwei Staaten verfügen, nämlich einmal die USA… und China.

Puzzleteile, die hinten und vorne nicht zusammenpassen, fürwahr. Es kommt noch schlimmer.

In der Antarktis existiert eine kleine Polarstation der Vereinigten Staaten na­mens „Wilson/George“. Unter anderem soll hier simuliert werden, wie Men­schen sich unter Isolation auf anderen Welten verhalten, wenn sie dort auf engstem Raum langfristig aufeinander angewiesen sind. Alles scheint dort sei­nen normalen Gang zu gehen… bis eines der dortigen Missionsmitglieder an ei­nem nahen Strand eine seltsame Entdeckung macht. Wenig später bricht der Kontakt mit Wilson/George auf spektakuläre Weise ab. Ein Sturm macht die Sta­tion für wenigstens noch eine Woche völlig unzugänglich.

Langston Overholt von der CIA aktiviert daraufhin die Männer von der „Ore­gon“, also Juan Cabrillos Männer. Sie sind die einzigen, die sich dort in der Nähe aufhalten, auch wenn sie demnächst nach Südafrika unterwegs sein sollen. Overholt macht Cabrillo zudem darauf aufmerksam, dass am besten niemand von dem Besuch erfahren soll – nur wenige Kilometer entfernt von Wilson/Ge­orge liegt die argentinische Basis, und die Argentinier sind derzeit aus begreifli­chen Gründen nicht wirklich gut auf die Amerikaner zu sprechen.

Die Handlung des Buches spaltet sich nun auf – Juan Cabrillo und Max Hanley bereisen die USA und suchen die Verwandten der Toten von der „Flying Dutch­man“. Diese erweisen sich als Angehörige der Familie Ronish, und es gibt nur noch einen davon… seltsamerweise tauchen zur selben Zeit wie die beiden „Oregon“-Mitglieder dort Angehörige einer argentinischen Armeeeinheit auf, angeführt von demselben Major, der Cabrillo auch schon im Dschungel seines Heimatlandes über den Weg gelaufen ist.

Und mit einem Mal stecken Cabrillo und die Leser in einer Schatzsucherge­schichte fest. Nur: was haben, verdammt noch mal, die Argentinier mit der Schatzinsel Pine Island zu tun?

Angehörige der „Corporation“ erreichen in der Zwischenzeit Wilson/George… und finden die Reste eines Massakers. Aber nicht nur das, sondern auch seltsa­me goldene Schmuckstücke und die mumifizierten Reste einer Person, die ganz offensichtlich ein Chinese ist.

Die Angelegenheit wird immer rätselhafter. Wirklich haarsträubend ist dann aber, was die Mitglieder des Stoßtrupps in der Antarktis noch entdecken: die Argentinier sind nämlich munter dabei, den Antarktisvertrag zu unterlaufen und haben geradezu eine Stadt auf ihrem kleinen Flecken Raum geschaffen, der ih­nen vertraglich zugesichert ist. Und sie haben noch sehr viel unsolidere Absich­ten…

Juan Cabrillo stößt indessen auf das Geheimnis des Schachtes auf Pine Island, das weitaus tiefer in die Vergangenheit zurückreicht, als die meisten Spekulatio­nen vermuten. Und es führt zu einem Schatz, der mit einem Schiff zusammen­hängt, das es angeblich niemals gegeben hat, der „Silent Sea“. Dummerweise ist sie an einem Ort versenkt worden, der geeignet ist, eine weltpolitische und wirtschaftspolitische Katastrophe ungeahnten Ausmaßes auszulösen. Den Welt­mächten sind die Hände gebunden, kampfbereite U-Boote patrouillieren im Po­larmeer, und Juan Cabrillo muss lügen und ethische Normen brechen, um die hauchdünne Chance wahrzunehmen, das Schlimmste zu verhindern…

Zunächst einmal: der Titel ist wieder mal vollkommener Schwachsinn. Es ist wirklich nicht einzusehen, warum der Verlag so einen bescheuerten Titel ge­wählt hat und dazu ein Cover nahm, das mit dem Inhalt mal wieder nichts zu tun hat. Hätten sie es nicht „Das Rätsel der Antarktis“ oder „Silent Sea“ oder so nennen können? Nein, konnten die Dummbatzel nicht. Na schön.

Zum zweiten ist das Buch eine Mogelpackung. Da liest man munter voran… und stellt konsterniert fest, dass auf Seite 477 (!) Schluss ist! Was kommt danach? Es folgen 30 Seiten „Leseprobe“ aus dem Roman Wüstenfeuer. Das ist singulär und wirklich strohdämlich. Man merkt hieran, dass entweder der Verfasser sich viel zu kurz gefasst hat oder dass der Übersetzer den Originaltext deutlich knap­per übertrug, als es vom verlagspolitischen Rahmen her wünschenswert gewe­sen wäre. Ich weiß nicht genau, was zutrifft, beide Varianten sind denkbar.

Zum Inhalt wäre festzuhalten, dass mir die Geschichte mit dem Schacht auf Pine Island äußerst bekannt vorkam, und ich wurde bei einem Besuch in der WIKIPEDIA in vollem Umfang bestätigt: Wer hier den Artikel „Oak Island“ nach­liest, wird im Abgleich mit dem vorliegenden Roman sehr schnell entdecken, dass es sich Cussler/du Brul diesmal recht leicht gemacht haben (es wird dort sogar explizit auf den vorliegenden Roman hingewiesen! Das ist also schon an­deren Lesern aufgefallen). Während „Pine Island“ fiktiv ist, sind die meisten De­tails der Geschichte einfach von Oak Island entlehnt, wo es einen derartigen Schacht tatsächlich mal gegeben hat. Heutzutage ist er aufgrund so vieler Ber­gungsversuche seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts quasi eingeebnet und nicht mehr auffindbar. Das Geheimnis ist nie gelüftet worden. Jack du Brul hat hier natürlich die Sache etwas sehr geschönt und die Gegend optisch so intakt gelassen, dass er dort normal agieren konnte. Es wirkt freilich arg überzogen, dass er dort Erfolg hat, wo Generationen von Schatzsuchern sich vergebens abmühten.

Interessant ist hingegen die kritische Großwetterlage zwischen Argentinien, den USA und China und den Interessen auf der Antarktis. Das ist eine knifflige Ge­schichte, und der Versuch der „Corporation“, zum einen das Geheimnis um die „Silent Sea“ zu lösen (die Gründe für die Versenkung und für das Desaster in Wil­son/George vermögen allerdings nicht zu überzeugen, wie ich finde), zweitens die Pläne der Argentinier zu durchkreuzen und drittens dann noch dafür zu sorgen, dass die „lebenden Schutzschilde“ befreit werden können, ohne dass jemand MERKT, dass sie befreit worden sind… Respekt, das ist eine intelligente Sache, auch wenn da manchmal gewalttätig mit der Axt gearbeitet wird.

Auch nicht recht überzeugen konnte die Lösung der Geschichte. Ohne zu viel zu verraten – weder die Lage in Argentinien wird geklärt noch die Sache mit der „Flying Dutchman“. Von der „Silent Sea“ mal ganz zu schweigen, das war sowie­so das heftigste Stück, danach war Cabrillo mir zutiefst unsympathisch. Und da­bei hätte es so schöne Möglichkeiten gegeben, hier Lösungen zu präsentieren. Ich deute mal an – es gab da einen argentinischen Militär, der moralisches Rückgrat besaß. Es hätte schöne Gelegenheiten gegeben, dies auszunützen, die allesamt verstrichen. Außerdem stellte Cabrillo zwischenzeitlich einen Kontakt zu Julian Perlmutter, dem großen Marinehistoriker, her, der eng mit Dirk Pitt von der NUMA befreundet ist. Und Meeresarchäologie ist nun einmal wirklich ein Steckenpferd der NUMA.

Wäre es also wohl undenkbar gewesen, dem Schluss des Romans archäologisch eine andere Richtung zu geben? Ich glaube kaum. Es hätte vielleicht 30 oder 40 Seiten mehr erfordert, ja. Aber wenn man weiß, dass es Juan Cabrillo-Romane von mehr als 600 Seiten gibt und dieser hier nun außerordentlich schmalbrüstig daherkommt, dann muss man sich wirklich fragen, warum diese Chance nicht genutzt wurde, das absolute Mittelmaß, das man hier nur erreichte, etwas durch einen gescheiten Schluss auszugleichen?

Am Ende des Romans bleibt ein wirklich fader Nachgeschmack zurück. Ich als Leser bin enttäuscht. Das Werk scheint hastig zusammengezimmert und herun­tergeschnurrt zu sein, aber nicht mit allzu viel Liebe. Sehr bedauerlich. Viel­leicht war du Brul im Stress, als er das Buch fertig stellen musste. Hoffen wir, dass das nächste wieder besser ist…

© 2013 by Uwe Lammers

In der nächsten Woche könnt ihr euch wieder ein wenig entspannen. Dann geht es einmal mehr nach „Down Under“ zur Agentur Sweet Sins und damit zurück in den BDSM-Kosmos der Autorin Ivy Paul.

Bis dann, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

das Jahr 2019 begann in kreativer Hinsicht ausgesprochen gut – das zu beschö­nigen, würde mir im Traum nicht einfallen. Ich meine, der Monat Januar 2019 schloss mit 31 kreativen beendeten Werken ab… welchen Grund sollte ich also haben, mich zu beklagen? Wenn ich sage, das Jahr hätte gut begonnen, hätte ich es wohl kaum besser machen können.

Wie viele von diesen Werken entfielen indes dann auf den Oki Stanwer Mythos (OSM)? Das ist dann etwas davon sehr Verschiedenes. Ich verfasste einen gan­zen Strauß an Blogartikeln und Rezensionen und las eine verdammte Menge in­teressanter Romane. Für den OSM blieb Folgendes übrig, was relevant an die­ser Stelle ist:

Blogartikel 317: Work in Progress, Part 73

(OSM-Wiki)

(14Neu 62: Experimente der Vernichtung)

(14Neu 63: Der Wahnsinnsplan)

14Neu 61: Attentat auf Oki Stanwer

DER CLOGGATH-KONFLIKT – OSM-BUCH (Abschrift)

Anmerkung: Ja, es ist fertig! Ernsthaft. Das gesamte „Flaggschiff“ des OSM liegt jetzt in digitalisierter Form vor… ich meine, wenn ich daran mehrere Jahre mit vollem Elan arbeite, muss eine Arbeit ja auch endlich mal abgeschlossen sein. Es ist noch immer ein riesiger Klotz an Text, aber nun vermag ich wenigstens, in diesem Werk so spazieren zu gehen, wie ich das in digitalisierten Serien bereits kann und sehr schätze. Und es ist nur eine Frage der freien Zeit, bis ich am aktu­ellen Kapitel 37 des CK fortfahre und mich wieder in das Chaos des Jahres 2124 vertiefe, in dem Oki Stanwer und die irdische Menschheit unglaubliche Dinge er­warten. Beizeiten werdet ihr das erleben.

(E-Book „BdC 1: Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“)

Anmerkung: Kaum hatte ich wieder etwas Gedankenraum frei, und kaum war das vorherige E-Book „Die Kristalltränen und andere phantastische Geschich­ten“ erfolgreich am 20. Januar publiziert, konnte ich mich auch mit neuem Elan auf dieses Werk stürzen und vorantreiben. Aktuell ist es annähernd zur Hälfte fertig ausgearbeitet. Nach meiner Schätzung könnte es Ende März vielleicht in E-Book-Fassung veröffentlicht werden… well, das hängt natürlich von dem Zeit­kontingent der lieben Leute ab, die für mich die Texte konvertieren. Ich bin da aber guten Mutes, im Gegensatz zu meinem übereifrigen Optimismus von vor zwei Jahren, als ich dieses Werk schon im Conbuch zu den 2. Perry Rhodan-Ta­gen Osnabrück ankündigte. Diesmal sind das keine leeren Versprechungen mehr…

(Die Suyenka – Archipel-Roman)

Anmerkung: Tja, und da rollte dann der nächste faszinierende Stolperstein zwi­schen meine Füße, kaum dass ich in KONFLIKT 12 des OSM angelangt war. Ir­gendwie wollte dieser Roman aus dem Archipel, an dem ich seit über zehn Jah­ren arbeite, jählings meine Aufmerksamkeit erhaschen.

Kurzum: das geschah auch. Ich hatte bislang immer mit dem Anfang der Ge­schichte gehadert… und mit der Tatsache, dass das gesamte Skript im Präsens abgefasst worden war, was für mich eine völlig unübliche Erzählzeit ist. Aber ich sage euch, Freunde – kaum hatte ich den rechten Anfang gefunden, da erzählte sich die Geschichte irgendwie wie von selbst.

Drei Drillingsmädchen auf der Flucht durch eine idyllische Sommerlandschaft des Südkontinents der Archipelwelt, die nicht recht wissen, wo ihr Ziel liegt – ein Lager des legendären Fahrenden Volkes, bei dem sie sich in Sicherheit vor den Nachstellungen ihrer Brüder glauben. Und dann finden sie diesen verborgenen Waldsee und baden darin… und werden von drei Nomadenbrüdern entdeckt, in deren Verstand ein heißblütiger Plan zu sprießen beginnt… eine ziemlich aufre­gende Geschichte, wie ich sagen muss. Und dass sie inzwischen doppelt so lang ist wie ursprünglich noch Anfang 2019, das muss auch niemanden überraschen.

Allerdings stelle ich, je weiter ich mit der Ausarbeitung komme, umso mehr fest, wie rudimentär der Fortgang entwickelt ist und wie flüchtig ich doch einst skiz­zierte. Heutzutage muss quasi jeder Satz mit halben Seiten an Ergänzungstext kommentiert und erweitert werden, um überhaupt vollständig zu sein… das Abenteuer wird mich zweifellos noch Monate in Atem halten.

Blogartikel 311: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (XXVII)

Blogartikel 322: Fehlerlese: Das Problem mit dem Autorenwissen

Anmerkung: Was an Autorenwissen so falsch ist, wollt ihr wissen? Nun, ohne der kommenden Woche über Gebühr vorgreifen zu wollen – sehr vieles. Jeden­falls dann, wenn man Texte entwirft, in denen die Leser auf einmal Dinge erfah­ren, die die Personen in den Geschichten weder zu Beginn noch zum Schluss der vorliegenden Geschichte jemals erfahren können.

Ich habe, um es aufrichtig zu sagen, sowohl mit dem in frühe OSM-Episoden munter eingestreuten Autorenwissen so meine Probleme als auch mit einem „allwissenden Erzähler“, den ich als ziemlich spannungstötend verstehe. Wenn ich Archipelmärchen erzähle, ist das eine Sache, da ist so etwas sehr ange­bracht. Aber wenn ich keine Metaerzählung einflechte, hat das einfach nichts in der Geschichte zu suchen (ja, ja, verzeih mir, Félix Palma, aber das ist so meine Meinung).1

Mehr zu dem Thema, wie gesagt, kommende Woche an dieser Stelle. Ich denke, dann seid ihr ganz meiner Meinung.

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“)

(Tiyaani und die Nebelgeister – Archipel-Story)

Anmerkung: Oh Gott, schon wieder ein Archipel-Fragment? Ja, ich knirschte hin­terher auch ein bisschen mit den Zähnen. Aber so arbeitet meine impulsive Kreativität eben, wenn Kapazitäten frei werden (siehe oben: CK-Abschrift!). Es wird Raum frei für Neues. Und hier flog mich der Gedanke an, dass natürlich nicht nur die Neeli-Töchter Tiyaani und Ansiina Abenteuer erleben könnten, son­dern eben auch Tiyaani und ihre abenteuerliche jüngste Schwester Shareena.

Herrgott, was kann ich denn dafür, wenn ich auf einmal Kenntnis von Vogel­menschen, gehässigen Nebelgeistern und dergleichen bekam? Das musste ich einfach auf ein paar Seiten skizzieren. Sonderlich weit gediehen ist der Entwurf nicht, gottlob, aber der grobe Umriss ist schon sichtbar. Irgendwann werde ich euch davon mehr berichten, doch nicht hier und jetzt.

(Begehbar – OSM-Story)

Anmerkung: Oh Gott, schon wieder ein OSM-Fragment? Das kann doch gar nicht sein… doch, kann es. Auch das ist nur ein Entwurf, der völlig unaufhaltsam war. Ich meine, es klingt total verrückt, aber es ist die reine Wahrheit: Ich schau­te auf die Seite eines Busses (!), und prompt sprang mich diese Geschichten­idee an. Im Grunde eine Schatzsuchergeschichte, die im KONFLIKT 22 des OSM spielt („Oki Stanwer – Der Schattenfürst“). Sie hat zu tun mit dem versunkenen Reich von Veskoy, transdimensionalen Ruinengebäuden und anderen Dimensio­nen. Wie das alles im Detail ausschaut, kann ich noch nicht sagen. Aber eine erste Gedankensammlung dazu ist jetzt wenigstens verschriftlicht.

Blogartikel 315: Close Up – Der OSM im Detail (4)

(12Neu 53: Inferno in Bytharg)

Anmerkung: Wenn ihr – was im OSM immer von Vorteil ist – ein langes Ge­dächtnis habt, werdet ihr euch als treue Leser meiner E-Books vielleicht an Be­rinnyer namens Shaslacanyoorid und Rholghonnicaar erinnern, die auf dem Pla­neten Dawson in KONFLIKT 19 des OSM („Oki Stanwer – Der Missionar“) leben und dort mit menschlichen Kolonisten wie Ian Perry und seiner ungebärdigen Tochter Senyaali interagieren.2

Diese Wesen erzählen, sie seien vor einem furchtbaren Krieg in ihrer Heimat ge­flohen, durch die Baumeister-Portale gegangen und auf Dawson gelandet… dass das nicht mal die halbe Wahrheit ist, ahnen sie natürlich nicht. Nun, aber was ich eigentlich sagen wollte: dieser Krieg, von dem sie reden, das ist genau der, der in Band 53 der BdC-Serie seinen blutrünstigen Anfang nimmt und bei dessen kommentierter Digitalisierung ich jetzt angelangt bin… ein einziger Alp­traum, wirklich wahr (und nicht nur wegen der unüberschaubaren Zahl an Schreibfehlern). Mann, das wird ebenfalls ein schauriger Alptraum, wenn ich euch das in einigen Jahren mal im E-Book zeigen werde… freut euch darüber, dass das noch ziemlich hin ist…

(E-Book „BdC 2 – Gestrandet in Bytharg“)

Anmerkung: Tja, und weil ich doch gerade in Bytharg war, machte ich mir auch den Spaß, die etwas angenehmere Erstbegegnung des Tasvaners Sketahr mit der Grünen Galaxis, die ich voraussichtlich im Winter 2019/20 als E-Book veröf­fentlichen will, als eigenständiges Skript aufzubereiten. Fast wäre ich da im Ho­nignetz der schönen Sternenfee Saan hängengeblieben… aber das konnte ich gerade noch vermeiden.

Ja, da geht es um Sternenfeen, ganz recht. Und um Baumeister, Sargoy, Yesvaa, Berinnyer, Allis und ein paar monströse Wesen, die euch künftig in euren Alp­träumen begegnen könnten. Wird eine wilde Geschichte… ich freue mich schon darauf, dort weiterzuschreiben, aber zunächst muss natürlich die Grundlage in Form des ersten BdC-E-Books gelegt sein, versteht sich. Also bitte noch etwas Geduld, meine Freunde.

Blogartikel 314: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 60

Blogartikel 319: „Gibt es das auch als Hörbuch?“ Neue Wege meiner Kreativi­tät

(Der Zathuray-Konflikt – OSM-Roman (Abschrift))

Anmerkung: Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber auch das war eine direkte Fol­ge der fertigen Digitalisierung des CK – an der Digitalisierung dieses 1991er-Ro­mans, der den ersten KONFLIKT des OSM behandelt, habe ich auch schon ziem­lich lange herumgedoktert. Jetzt, wo ich den Kopf etwas freier hatte, konnte ich damit loslegen. Ich bin schon recht weit gekommen und denke, im Monat Fe­bruar 2019 werde ich das fertige Digitalisat vorliegen haben. Ihr werdet das in meiner nächsten Work in Progress-Etappe sicherlich feststellen.

Blogartikel 320: Close Up – Der OSM im Detail (5)

(DKdO 19: Lügengespinste)

Anmerkung: Ja, auch in KONFLIKT 9 des OSM („Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“) kam ich unvermittelt weiter. Und das kam folgendermaßen und ist hier natürlich intransparent, weil ich Leseallüren nirgendwo in dieser Form festhalte. Eine meiner Leseallüren, wie ich das nennen möchte, betraf das Herausziehen eines Ordners rechts hinter meinem Arbeitsplatz. Ich wollte eine Szene noch mal nachlesen, die mir durch den Sinn ging – nämlich die abenteuerliche Konfronta­tion Oki Stanwers und seiner damaligen Geliebten, der Kleini-Millionärin Viane Vansin el Descorin del Sante mit dem monströsen Mr. Mor in der Westernstadt Center-City anno 1853.

Und ehe ich begriff, was eigentlich passierte, klebte ich in der Handlung fest. To­tal fest. Will heißen: ich las mich weiter durch den Ordner und konnte nicht mehr aufhören. Las von dem gestörten ZYNEEGHAR-Gehirn BURTSON, davon, wie BURTSON die Raumfahrer von der STERNENFLUG ausmanövrierte, begeg­nete in den Magellanschen Wolken diesen phantastischen DIRIGENTEN und machte schließlich den Sprung in die heimatliche Galaxis mit.

Tja, und danach landete ich bei dem Trand-Alli Reshtaar, den ich vor Jahren im dritten Band seiner Geschichte – eben der obigen – verlassen hatte. Und als ich an den Leserand der Serie kam, machte ich einfach gegen Ende des Monats Ja­nuar kurzerhand weiter.

Vermutlich hat das auch was mit der Vorbereitung auf den OSM-Band 1900 zu tun, der ja quasi vor der Tür steht. Ich denke, er wird vor Mai 2019 geschrieben werden, aber noch weiß ich nicht, welcher Serie des OSM er wohl entstammen mag. Ich tendiere instinktiv zu KONFLIKT 9 oder vielleicht auch zu KONFLIKT 7 des OSM („Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“). Ihr werdet davon lesen, verspro­chen.

Damit war der Monat Januar 2019 dann vollendet… aber ich möchte noch eine Sache erwähnen, die auch nichts mit dem OSM zu tun hat, indes sehr viel mit den mehrfach genannten kreativen freien Kapazitäten: Ich habe in diesem Mo­nat nämlich auch damit begonnen, ein weiteres Projekt in Angriff zu nehmen, das ich schon seit vielen Jahren vor mir herschiebe.

Worum geht es? Um die Digitalisierung der Fantasy-Horror-Serie „Horrorwelt“, die ich im Dezember 1983 begonnen und deren Inhalt ich fast völlig vergessen habe. Ich habe noch einiges mehr vergessen, wie mir auffiel, als ich die Ge­schichten herausholte und mit der Abschrift anfing.

Das erste, was mir auffiel, war Folgendes, und das ist kein Witz: „Wo sind denn die Leerzeichen geblieben, verdammt noch mal! Das kann doch nicht sein!“ Denn ernsthaft, Freunde: Das, was heute und schon seit sehr langer Zeit völlig normal ist, dass nämlich in meinen Texten auf Kommata, Punkte, Semikolon, Bindestriche usw. Leerzeichen folgen, war für diese frühen „Horrorwelt“-Episo­den ein Fremdwort. Ich hämmerte da ungeniert und mit unglaublicher Energie Zeichen an Zeichen, dass mir bei der Abschrift fast die Haare zu Berge standen.

Was ebenfalls fehlte, waren Einrückungen, wie sie für meine heutigen Texte bei neuen Absätzen normal sind. Was ich hingegen im Übermaß vorfand, waren Absätze. Nahezu jeder dritte Satz bekam einen neuen Absatz. Das Ergebnis war ein Text wie eine Art Maschinengewehr-Sperrfeuer, echt. Ich kenne das aus frü­hen OSM-Episoden, die genauso aussehen (und aus derselben Zeit stammen, etwa bei „Drohung aus dem All“ und „Oki Stanwer Horror“ ist das ausgeprägt). Und auch sonst wimmelte der Text von sprunghaften Argumentationen, Thea­tralik und Tippfehlern. Außerdem entbehrte er nahezu jeder Charakterbeschrei­bung und Darstellung der Location.

Mann, dachte ich, was war ich damals für ein Hobbyautoren-Heißblut! Das gibt’s doch gar nicht! Und in meinen damaligen Briefen war ich wohl ebenso, was? Echt, Freunde, im Vergleich dazu bin ich heute wirklich sehr gesittet und gelas­sen. Damals waren das vollkommene Fremdworte.

Das ist also eine weitere „Schattenbaustelle“, die ihr deshalb – wie schon die Rezensions-Blogs, Gedichte, Rezensionen und Fanzine-Redaktionen – in meinen „Work in Progress“-Blogs nicht zu Gesicht bekommt. Behaltet es im Hinterkopf, dass ich daran auch noch werkele.

Soviel also der vielen Worte für heute. Ich verlasse euch und erzähle euch dann kommende Woche mehr über diese Sache mit dem Autorenwissen. Vielen Dank für eure Geduld.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Diese Bemerkung in der Klammer werdet ihr beizeiten verstehen, wenn ich im Rezensions-Blog Palmas „Landkarten“-Trilogie rezensiere, dort erzähle ich Näheres dazu. Denn er verwendet solch einen allwissen­den Erzähler. Ordentlich gemacht, ja, aber manchmal supernervig.

2 Vgl. dazu das E-Book „Ian und der Stein der Götter“ sowie die Stories „Der Platz der Steine“ und „Das Ver­steinerungs-Spiel“.

Rezensions-Blog 213: Die Schöne

Posted April 23rd, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

verschiedentlich sagte ich es schon, und auch ein kurzer Blick in meinen Über­blicks-Rezensions-Blog 200 zeigt es recht deutlich: Fantasy ist heutzutage nicht mehr ganz meine favorisierte Lektürerichtung. Da tummelt sich wirklich bedau­ernswert viel schematischer Stoff, immer wieder gehen Grüppchen politisch korrekt zusammengesetzter und zusammengewürfelter Schicksalsgenossen auf Queste. Da finden wir die unvermeidlichen Zauberer, Elfen, Zwerge, Barbaren mit starkem Schwertarm oder vergleichbaren martialischen Kenntnissen, gern auch Diebe oder Jugendliche mit einer problematischen, weil vorherbestimm­ten Biografie… na ja, solche Stoffe ziehen mich schon ziemlich lange nicht mehr an.

Der vorliegende Roman, ein wirklich ziemlich opulenter Schinken, bricht aus den erwähnten Kategorien auf vielfache Weise aus. Zum einen ist er verfasst von einer ausdrücklichen SF-Autorin, so dass sich klassische SF-Topoi wie die Zeitreise unvermittelt in der Handlung wieder finden. Zum zweiten hat die Au­torin ihre Märchen solide gelesen und kämmt sie nun munter und humorvoll gegen den Strich und nimmt sie als Ausgangsbasis für weitere verwegene Aben­teuer, die dann nicht eben gering die Zeitgeschichte vom 14. Jahrhundert bis in die ferne Zukunft sprenkeln.

Und sie hat eine etwas tapsige, aber niedliche und eben sehr attraktive Haupt­person (ob man bei „Beauty“ von Heldin sprechen sollte, sei dahingestellt… es gibt dabei gewissen Anlass für Zweifel, wie ihr bei der Lektüre rasch entdecken werdet). Ja, sie ist etwas sehr schwatzhaft, und die Klügste unter der Sonne ist sie auch nicht… aber man muss sie irgendwie lieb haben, auch wenn ihre Hand­lungen manche Zeitgenossen sich die Haare raufen lässt.

Seid ihr bereit für eine muntere, abenteuerliche und recht lange Zeitreise kreuz und quer durch die Realität und alternative Gefilde? Dann mal auf ins Abenteu­er, Freunde:

Die Schöne

(OT: Beauty)

von Sheri S. Tepper

Heyne 5344, Hardcover

674 Seiten, 1995

Aus dem Amerikanischen von Biggy Winter

ISBN 3-453-08537-X

Ja, wenn doch die Uhrenfee Carabosse nicht so Recht hätte! Die Dinge könnten sich viel besser, zielstrebiger, harmonischer entfalten. Aber andererseits hätte dann der Fürst der Finsternis auch schon gewonnen, bevor Beauty überhaupt verstanden hätte, was geschähe. Also ist es vielleicht doch ganz gut so, dass Beauty zwar unbestreitbar Schönheit von ihrer Feenmutter Elladine von Ylles geerbt hat, aber keine Intelligenz.

Aber vielleicht sollte ich von vorne anfangen. Die Sache ist etwas verwickelt.

Man schreibt das Jahr des Herrn 1347, als die einzige Tochter des Herzogs von Westfaire in England, Beauty, sich mit einer grundlegenden Veränderung ihrer häuslichen Umgebung konfrontiert sieht. Sie ist ein bildhübsches, ihrem Namen absolut entsprechendes Mädchen von bezaubernder Naivität und Unschuld, ihr mürrischer Vater beachtet sie kaum (er hat mehr mit Pilgerfahrten zu tun, bei denen er – zu Beautys Unverständnis – sich „die verrottenden Gebeine toter Menschen anschaut!“; das heißt, das tut er, wenn er nicht ständig mit wech­selnden Frauen in seinem Gemach verschwindet), und so wächst sie unter der Fuchtel ihrer zahlreichen, meist schon ergrauten Tanten auf. Ihre Mutter hat Beauty nie kennengelernt, es heißt, sie sei früh verstorben. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit.

Die ganze Wahrheit (oder das, was sie dafür hält) kommt ans Tageslicht, als ihr Vater sich neu verheiraten möchte. Beautys Schwiegermutter Sibylla vertreibt das Mädchen aus seinen Räumen in jenen Turm, den man den Taubenturm nennt, und hier – und im Gespräch mit Dienstpersonal – kristallisiert sich all­mählich heraus, dass Beautys Mutter Elladine eine Fee war, die eines Tages vom Herzog von Westfaire in den Turm eingesperrt wurde, aber spurlos daraus ver­schwand. Sie ist also, frohlockt das Mädchen, noch am Leben.

Doch gibt es einen Fluch, oh weh, ausgesprochen von Beautys Tante Carabosse, heißt es, der besagt, dass Beauty sich am 16. Geburtstag an einer Spindel ste­chen und daran sterben soll.1 Und dieser Geburtstag steht unmittelbar bevor! Allerdings ist bei der Übermittlung dieses Fluches irgendetwas schiefgegangen, wie es scheint – als nämlich der Tag ihres Geburtstags kommt, tauscht Beauty mit einem befreundeten Mädchen aus dem Dorf (das ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ist, womit klar feststeht, wer der Vater des Mädchens ist), den Platz und muss, unter einem magischen Tarnmantel dabeistehend, entsetzt mitbe­kommen, wie ihre Freundin Herzchen (das Double) und alles Hofpersonal menschlicher und tierischer Provenienz, in tiefen magischen Schlaf fällt. Um Westfaire wächst in beängstigendem Tempo eine magische Rosenhecke.

Beauty ist völlig verstört und flüchtet mit ihren Siebenmeilenstiefeln, die sie sich geschneidert hat – Himmel, Beauty ist eine Halbfee, schon vergessen? Na­türlich hat sie magische Kräfte, auch wenn sie die Natur der meisten davon beim besten Willen nicht weiß. Bedenkt, Intelligenz ist nicht ihre Gabe! – aus Westfaire und ist todunglücklich. Sie hat genug Grund dazu, hat doch Pater Raymond schon zuvor den Hofangestellten Giles vom Hof verwiesen und auf eine Pilgerreise geschickt, weil Beauty ihn heimlich anhimmelte (das geht na­türlich nicht. Unter Stand!).

Die Uhrenfee Carabosse, die aus dem Feenreich Feery über Beautys Wohl wacht – passt irgendwie mit dem Fluch nicht zusammen, gell? Stimmt. Da ist ja auch einiges falsch übermittelt worden – und sie veranlasst hat, den Tarnmantel und die Siebenmeilenstiefel zu schneidern, ist nun der Überzeugung, dass sich Beauty mittels der Stiefel unverzüglich auf den Weg zu ihrer Mutter machen wird.

Hätte sie vielleicht auch – aber da stolpert Beauty, was Carabosse nicht vorher­gesehen hat! – , über ein zeitreisendes Filmteam aus dem 22. Jahrhundert, die „das Ende des Zaubers“ festhalten wollen und das Mädel in die Zukunftswelt des 22. Jahrhunderts entführen. In eine Zeit, in der die Feen keine Macht mehr haben, weil dort kein Zauber mehr existiert. Und in jener Epoche dominiert der Herr der Finsternis, der auf das bald bevorstehende Ende der Menschheit war­tet…

Wer denkt, damit hätte ich den größten Teil des Buches erzählt, kann sich beru­higt zurücklehnen – das sind gerade mal gut hundert Seiten (und vieles fehlt). Denn nach dieser Reise in die Zukunft geht das Drama eigentlich erst richtig los. Weitere Stationen des Mädchens sind das rätselhafte Land Chinanga, wo es so seltsame Attraktionen gibt wie die Kathedrale von Sankt Frosch, das märchen­hafte Reich Baskarone und den Dampfer Stugos Queen. Beauty lernt die Heimat ihrer Mutter, das legendäre Feery und seinen Regenten Oberon kennen, das 20. Jahrhundert und die verstörenden Realitäten des 14. Jahrhunderts.2 Und sie er­fährt natürlich von der Beziehung zum Allerhöchsten, was eine sehr verzwickte Angelegenheit ist.

Bald wird ihr fernerhin klar, dass die Menschheit, wenn die Feen ihrer Rolle nicht endlich gerecht werden, Beschützer der menschlichen Rasse gegen die Bosheit des Fürsten der Finsternis zu sein, im 22. Jahrhundert untergehen wird.3 Jene Welt, in der sie zu Besuch war, wird Realität gewinnen und die einzi­ge Realität bleiben. Eine Welt ohne Feen und ohne Menschen, eine triste Wüs­tenei. Was Beauty aber lange Zeit nicht versteht, ist, warum der Fürst der Fins­ternis ausgerechnet hinter IHR her sein sollte. Und was für eine rätselhafte Saat nahe ihrem Herzen brennt, das ist ihr auch nicht klar.

Die Pläne der Fee Carabosse kollidieren jedenfalls ständig mit Beautys Unver­ständnis und ihrem Eigensinn, besonders dann, als sie, von einem Vergewaltiger schwanger, in der Vergangenheit ziellos herumirrt und schließlich das Schicksal ihres Kindes weiter verfolgen will. Ich erspare dem Leser Details, um die Neu­gierde wachzuhalten.

Mit einem bemerkenswerten Geschick und Augenzwinkern hat Sheri S. Tepper, die eigentlich im SF-Genre beheimatet ist, in diesem umfangreichen Roman die vergnügliche Tour de force durch die Märchenwelt Disneys angetreten. Wir be­gegnen einem Prinz Charming, sprechenden Fröschen, bösen Schwiegermüt­tern, Aschenputtel, Dornröschen und zahlreichen anderen Wesen, die uns mal ein Kichern, mal ein Kopfschütteln entlocken. Dabei verspinnt die Autorin die Fäden der Märchen geschickt mit der Zeitgeschichte, der Mythologie und Phan­tastik, ohne freilich jemals die Fäden aus der Hand gleiten zu lassen.

Sheri S. Tepper ist sowohl humorvoller, menschlicher, wärmer und erfahrener, ihre Personen, so schrullig sie bisweilen auch sein mögen, sind stets in sich „rund“, sie handeln nachvollziehbar (auch wenn man viele ihrer Taten beim bes­ten Willen nicht mögen muss), und die Handlung hat ein, wenn auch überra­schendes, stimmiges Ende. Von solchen Büchern kann man noch vieles lernen, nicht zuletzt Menschlichkeit jenseits aller Klischees.

Außerdem sollte man nicht glauben, wie viel an Zeitkritik dieser Roman enthält. Wenn Beauty in der Hölle beispielsweise die radikalen Abtreibungsgegner wie­derfindet, dann bezieht Sheri S. Tepper hier – und in vielen anderen Dingen – demonstrativ politisch Position, was den ahnungslosen Leser manchmal doch sehr überrumpelt. Der Roman hat darum an vielen Stellen auch politischen bzw. Gleichnis-Charakter und beeindruckt zusätzlich.

Wer sich, um es auf den Punkt zu bringen, also ein paar Tage lang wunderschön unterhalten möchte und die Bekanntschaft der (schwatzhaften) Beauty, der Tochter des Herzogs von Westfaire machen möchte, sollte das unbedingt tun. Es ist eine köstliche Lektüre, die den Leser mit der Schmalspur-Fantasy von heu­te beim besten Willen wieder versöhnt. Im Format, in dem heutzutage die Hey­ne-Bücher gesetzt werden, würde dieses Buch wohl locker 2000 Seiten Länge erreichen…

© 2008 by Uwe Lammers

Wirklich ein abenteuerliches Garn, daran kann kein Zweifel bestehen. Und sol­che Exoten versöhnen mich dann mit der Allerweltskost der zeitgenössischen Fantasy, die in langen und immer längeren Zyklen mit zunehmend einfallslose­ren Namen besteht. Das Schönste an solchen Werken sind zumeist die Titelbil­der, auf denen sich höchst talentierte Illustratoren austoben können. Aber bitte, ich bin der – vielleicht antiquierten – Auffassung, dass man doch nicht 08/15-Stoffe nur deswegen auf Aberhunderte von Seiten pressen sollte, weil man ein schönes Titelbild gefunden hat, das man verwenden will. Etwas Substanz und Einfallsreichtum im Inhalt sollte dann auch gegeben sein.

Ist das beim Buch der nächsten Woche der Fall, das ja auch von einem ausge­wiesenen Vielschreiber mehrhundertseitiger Romane stammt? Die Rede ist mal wieder von Clive Cussler.

Nun, um herauszufinden, ob es sich um ein gutes und versiertes Werk des Best­sellerautors handelt oder nicht, konsultieren wir am besten meine diesbezügli­che Rezension, die ich euch kommende Woche vorstellen möchte.

Bis dahin sage ich Adieu!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Wem das bekannt vorkommt, der sei darauf vorbereitet, dass in das Geflecht dieses Romans noch weitere Märchenanleihen verarbeitet wurden, auf höchst originelle und unterhaltsame Weise. Manchmal kommt man aus dem Kichern nicht heraus.

2 Man merkt hier übrigens deutlich, dass die Autorin das Buch Der ferne Spiegel von Barbara Tuchman gele­sen hat, das ich kurz vor dieser Lektüre ebenfalls las. Das Werk beschreibt die Lebensumstände und Politik des 14. Jahrhunderts und ist als erschütternde Hintergrundfolie für den Tepper-Roman sehr zu empfehlen.

3 Kenntnisreiche Leser und Filmfans werden erkennen, dass sich Tepper in der Beschreibung des 22. Jahrhun­derts einwandfrei an dem Film „Soylent Green“ („Das Jahr 2022 – Die überleben wollen“, hieß es wohl in der deutschen Übersetzung) orientiert hat. Wenn es eine Hölle auf Erden gibt, dann ist es wohl diese Welt. Ja, die ANDERE Hölle lernt Beauty leider auch kennen.