Rezensions-Blog 182: Höllenschlund

Posted September 19th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

und wieder einmal folge ich an dieser Stelle den Spuren des Vielschreibers Clive Cussler und seiner Kompagnons, diesmal Paul Kemprecos. Wir wissen, dass es da sehr heterogene und durchwachsene Werke gibt – das hier ist einwandfrei eines der soliden Abenteuer, auch wenn ich in der unten wiedergegebenen Re­zension etwas hyperkritisch wirke. Das ist wesentlich meinem recht soliden his­torischen Breitenwissen geschuldet, das man ja nicht zwingend bei jedem Leser voraussetzen kann.

Abgesehen von den historischen Fakten, die mitunter doch etwas gezwungen zurechtgebogen werden, fand ich es faszinierend, auf diese Weise einen Konnex zwischen der amerikanischen Frühgeschichte, den Phöniziern und der Königin von Saba herzustellen. Das ist nicht wirklich simpel, und ich finde solche Verbin­dungen, wenn sie gut hergeleitet sind, durchaus inspirierend.

Wer sich jetzt nicht wirklich vorstellen kann, was die Artischocken-Gesellschaft, eine phönizische Bronzefigur und das legendäre Goldland Ophir miteinander zu tun haben, der sollte einfach mal weiterlesen. Er wird einen interessanten Ro­man finden und vielleicht die Neigung verspüren, ihn sich zuzulegen. Ach ja… und lasst euch nicht von Cover und Titel abschrecken oder zu überzogenen Er­wartungen verleiten, das wäre unschön, weil die Erwartungen so nicht einge­löst werden können.

Wie dann? Nun, folgendermaßen…:

Höllenschlund

(OT: The Navigator)

Von Clive Cussler & Paul Kemprecos

Blanvalet 36922, 2008

512 Seiten, TB

ISBN 978-3-442-36922-5

Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kempen

Die Vergangenheit birgt gelegentlich Schätze inmitten von Vertrautem, über die man nur durch einen ungeheuren Zufall stolpert. In einem solchen Fall kann es ohne weiteres passieren, dass man ganz unvermittelt in akute Lebensgefahr ge­rät und von verschiedenster Seite Verhängnissen ausgesetzt wird, die man sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausmalt. Man kennt solche Szenarien bei­spielsweise von Indiana Jones, aber es gibt dergleichen durchaus ebenfalls in Büchern von Clive Cussler und seinen Coautoren, so auch in diesem Werk hier.

Der erste Prolog des Buches verschlägt den Leser in das Jahr 900 vor unserer Zeitrechnung, in ein fernes Land, in dem Katzen unbekannt sind und eine wage­mutige Gruppe phönizischer Seefahrer einen Schatz in ein sicheres Versteck bringen soll. Als sie diese Aufgabe glücklich vollendet haben, kommt es unmit­telbar darauf zur jähen Konfrontation mit einem zweiten Schiff, ehe die Finster­nis der Geschichte alles zudeckt.

Gut 2700 Jahre später neigt sich im Jahre 1809 die Amtszeit von Präsident Tho­mas Jefferson dem Ende zu. Doch ehe er sich auf seinen Altersruhesitz Monti­cello zurückzieht, sinniert er noch über eine tragische Angelegenheit der jüngs­ten Vergangenheit nach, die mit seiner geplanten Studie über Indianersprachen zu tun hat – und mit dem von im beauftragten Entdecker Meriwether Lewis, der kurz zuvor eines rätselhaften Todes gestorben ist. Und Jefferson beschließt, ein Geheimnis zu bewahren, das mit der Artischocken-Gesellschaft zu tun hat.

Der eigentliche Roman beginnt im Jahre 2003 in Bagdad, genauer: im irakischen Nationalmuseum nach dem Sturz von Saddam Hussein im Anschluss an den zweiten Golfkrieg. Was hier referiert wird, ist leider allgemein bekannt: direkt nach dem Sturz des Regimes hatten die amerikanischen Truppen nichts Besse­res zu tun, als die Ölquellen zu sichern – das Nationalmuseum blieb 36 Stunden lang ohne Schutz, und gut organisierte Diebesbanden richteten dort eine un­glaubliche Verwüstung an.1 Kulturgüter der Antike in Millionenwerten werden gestohlen und verschwinden auf dem schwarzen Markt der Antikenschmuggler. Und dies ist leider absolut keine Fiktion!

Als Carina Mechadi, UNESCO-Beauftragte für Antikenschmuggel, hier eintrifft, findet sie beispiellose Verwüstung vor und setzt alles daran, die gestohlenen Güter wieder zu beschaffen. Eher von nachgeordneter Bedeutung ist dabei eine mannsgroße Bronzeplastik unklarer Herkunft, der so genannte „Navigator“. Und doch beginnt er bald eine zentrale, ja tödliche Rolle zu spielen.

Mechadis Verbindungsmann zum Schwarzmarkt wird ermordet, ehe er die ge­stohlenen Güter wieder beschaffen kann, und jahrelang gelingt es ihr nicht, die entwendeten Antiken zu finden… bis ihr ein schwerreicher Industrieller namens Balthazar finanzielle Unterstützung zusichert und ihre Arbeit fördert. Auf diese Weise kann die Wissenschaftlerin schließlich in Ägypten eine Reihe der gestoh­lenen Gegenstände erwerben, darunter auch den „Navigator“. Alle Güter sollen zwecks Präsentation einer Wanderausstellung in die USA gebracht werden, Me­chadi begleitet den Transport.

Ein weiterer Forscher, der von der Königin von Saba förmlich besessene Schrift­steller Anthony Saxon, der ebenfalls ein eigenartiges Interesse am „Navigator“ hegt, kommt etwas zu spät, um die Figur in Augenschein nehmen zu können.

Um ein Haar kommen aber die Schätze nebst dem „Navigator“ gar nicht in den Vereinigten Staaten an – auf hoher See erfolgt ein Hubschrauberüberfall auf das Schiff, das daraufhin, von den Angreifern so geplant, mit einer Bohrinsel kolli­dieren und untergehen soll. Dass dieser Plan vereitelt wird, ist zwei wagemuti­gen Gentlemen zu verdanken, die der Leser hinreichend kennt: Kurt Austin und Joe Zavala von der NUMA. Eigentlich vor Neufundland mehr aus Abenteuer­gründen – sie begleiten ein Schiff, das Eisberge einfängt und abschleppt – tref­fen sie auf das Desaster und retten Schiff, den „Navigator“ und Carina Mechadi.

Das alles ist jedoch leider erst der Anfang.

Sowohl die Wissenschaftlerin als auch die Figur werden verfolgt, und Austin stellt rasch fest, dass alles, was im Zusammenhang mit der Figur steht, tödlich sein kann. Ein kindgesichtiger Killer geht um, der mit großer Profession reihen­weise Personen ermordet. Außerdem steht jemand mit viel Geld hinter zahlrei­chen Entführungsversuchen und Mordversuchen, die Austin und Mechadi schließlich bis in die Türkei verfolgen. Dorthin nämlich führt die Spur einer zwei­ten „Navigator“-Figur, von der die beiden erfahren. Eine ebenfalls lebensge­fährliche Fährte, die mit zahlreichen Toten gespickt wird, alten wie modernen.

In den Vereinigten Staaten taucht derweil ein uraltes Dokument von Thomas Jefferson auf, das mit der alten Meriwether Lewis-Expedition in Verbindung steht… und mit der immer noch existierenden Artischocken-Gesellschaft, die nach wie vor darum bemüht ist, ihre Geheimnisse zu wahren…

Schließlich sind sogar Kryptografen der amerikanischen Geheimdienste in die­ses Geschehen verwickelt, das vor so langer Zeit seinen Anfang nahm und durchaus geeignet ist, die Welt zu erschüttern, wenn es zur Unzeit ans Tages­licht kommt. So beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Gegner ruhen nicht, sondern sind sehr bereit, buchstäblich auf archaische Weise über Leichen zu gehen…

Inwiefern die beiden Handlungsstränge zusammenhängen, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Ich habe das Buch jedenfalls mit großem Interesse gele­sen und mir damit etwas mehr Zeit gelassen als mit sonstigen Cussler-Roma­nen. Das kam der Lektüre definitiv zugute. Das Werk an sich basiert auf interes­santen Fakten, die mir als jemandem mit recht breit gefächertem historischem Wissen weitgehend bekannt waren. So ist beispielsweise absolut realistisch dar­gestellt, dass die Phönizier über eine hoch stehende Navigationstechnik verfüg­ten, mit der sie Handelswege erschlossen, die andere gleichzeitige Kulturen nie­mals riskiert hätten. Sie waren beispielsweise die ersten, die Afrika offensicht­lich ganz umschifft haben. Dass sie küstenferne Seefahrt betrieben haben, halte ich durchaus für denkbar.

Ein wenig nachteilig für die Lektüre erwies sich meine historische Kenntnis aber dann doch. So stellte ich recht schnell fest, um was für einen Schatz es ging, der im Prolog verborgen wird, das hat dann einigen Reiz aus der Geschichte genom­men. Ich gehe nicht in die Einzelheiten, aber das war etwas bedauerlich.

Die Vorstellung, dass die legendären Goldvorkommen von Ophir, um die es hier auch geht, durchaus nicht in Afrika gelegen haben sollten, ist ebenfalls reizvoll, aber in der hier gebotenen Präsentation doch eher etwas hanebüchen. Das gilt selbst dann, wenn man historisch nachweisen kann, dass dort, wo sie schließ­lich nachgewiesen werden, nachweislich Gold geschürft wurde.

Vollends Potentiale werden dann verschenkt, wenn es um die Rekonstruktion der Reiseroute der Phönizier geht. Vergebens wartet der Leser darauf, dass alt­bekannte NUMA-Experten wie St. Julien Perlmutter oder der Superrechner Max zu Rate gezogen werden, wobei das hier wirklich auf der Hand gelegen hätte. Aber vielleicht erschien den Verfassern das als „zu einfach“. Die Alternativstrategie ist dann zwar auch nicht übel, aber sie überzeugt irgendwie nicht wirklich.

Wirklich abstrus wurde dann aber die, wie ich es mal nennen möchte, „Famili­engeschichte“ im Zusammenhang mit der Königin von Saba. Nicht nur, dass sie hier fast durchgängig als „Saba“ bezeichnet wird (was etwa so passend wäre, als würde man Kanzlerin Angela Merkel in zweihundert Jahren oder so durchgängig innerhalb eines Romans als „Deutschland“ bezeichnen)2, es geht noch eine Gangart heftiger. Die hier hergestellte Pseudo-Historie – wohl gemerkt, über ei­nen Zeitraum von fast 3000 Jahren! – gipfelt dann in derartigen Zufällen, dass man die Verschwörungstheoretiker nicht nur trapsen hört, sondern poltern. In der Tat werden Verschwörungstheorien a la Dan Brown hier munter bedient.

All das ist nicht wirklich uninteressant und durch die Bank lesenswert, nur über­zeugt das Gesamtresultat dann nicht durchgängig. Schweigen wir davon, dass der Titel keinerlei Bezug zum Inhalt hat, und zwar wirklich überhaupt keinen (sieht man vielleicht von einer Szene ab, die etwa 3 Seiten umfasst), und das Ti­telbild selbst ist nun wirklich frei erfunden, wenn auch sehr hübsch anzuschau­en. Aber halt NUR ein „Eyecatcher“, sonst nichts.

Es sei dem Verlag wirklich angeraten, Romantitel zu ersinnen, die näher am Ori­ginal liegen. Was hätte, beispielsweise, dagegen gesprochen, das Buch „Der Na­vigator“ zu nennen? Unbedingt passend, kein Zweifel. Zu langweilig vielleicht? Oder warum wurde nicht etwa ein versunkener Tempel auf dem Titelbild abge­bildet (was dem Inhalt wenigstens nahe gekommen wäre)?

Interessant war auch der Wechsel in der Übersetzerriege. Kempen verleiht dem Kemprecos-Abenteuer neuen Charme. Das spricht nicht gegen die bisherigen Übersetzungen durch Michael Kubiak, aber ich wenigstens fand, dass der stilis­tische Wandel deutlich spürbar war. Besonders die Jefferson-Schiene, über die oben nur Andeutungen fallen gelassen wurden, hat dadurch sehr gewonnen.

Insgesamt ist also zu konstatieren, dass dies zweifelsohne einer der besseren Kemprecos-Romane ist, zwar lange nicht mehr so sehr wie die frühen Romane der Reihe an großen Menschheitsproblemen orientiert, sondern mehr auf die klassische Storyline der alten Cussler-Romane ausgerichtet (moderne Action in Verbindung mit einem Rätsel der Frühzeit, das zum Schluss aufgeklärt wird), das gereicht ihm aber nicht zum Nachteil. Wer deutlich weniger über Salomon, die Königin von Saba und die damit in Verbindung stehenden Thematiken weiß, wird sogar noch deutlich besser unterhalten, könnte ich mir vorstellen. Manch­mal ist zu viel Vorwissen von Nachteil. Seufz…

© 2012 by Uwe Lammers

Damit genug der Abenteuer für heute. In der kommenden Woche geht es auf moralisch-philosophische Weise hinab in den Abgrund, und ich stelle euch ein Buch vor, das mir damals die Gänsehaut auf den Leib trieb… und dabei handelt es sich wirklich in keiner Weise um einen Horror-Roman, sondern um ein Sach­buch.

Um welches genau? Oh, da solltet ihr nächste Woche reinschauen, das möchte ich hier noch nicht vorwegnehmen.

Bis dann, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. hierzu auch Matthew Bogdanos: Die Diebe von Bagdad. Raub und Rettung der ältesten Kulturschätze der Welt, München 2006.

2 Ihr wahrer Name, soweit er überliefert ist, lautet „Makeda“, woraus im Buch durchgängig – wenn überhaupt erwähnt – „Mekada“ wurde. Mag sein, dass es auch diese Schreibweise gibt, aber sie war mir unbekannt. Ich neige eher dazu, sie für einen Schreibfehler oder Recherchefehler zu halten.

Wochen-Blog 289: OSM-Kosmologie, Lektion 12 – Was wäre, wenn…?

Posted September 16th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ja, es liegt schon geraume Zeit zurück, dass wir uns zu einer Kosmologie-Lektion des Oki Stanwer Mythos an dieser Stelle trafen. Das war in Blogartikel 240, also vor ungefähr 11 Monaten. Aber ich wies ja anfangs schon darauf hin, dass diese Artikelreihe in sehr unregelmäßigen und meist recht weit zerstreuten Abstän­den erfolgen würde. Dazu muss einfach der richtige Moment gegeben sein, die Inspiration hat zu stimmen, das Thema muss mir liegen, damit die Worte auch strömen können.

Das war heute wieder der Fall, als mich ganz spontan die Idee zum heutigen Beitrag ansprang. Zwar wird er erst in vier Monaten, also am 16. September 2018, für euch öffentlich sein, aber das ist in meinen Augen nicht problematisch – ich bin es nun wirklich seit Jahrzehnten gewohnt, Werke „auf Vorrat“ zu schreiben, der OSM ist das allerbeste Beispiel dafür.

Heute möchte ich mal ein wenig in den Bereich der Kontrafaktik ausweichen… natürlich gäbe es da im Rahmen des OSM auch viel zu erzählen: über abwei­chende Zeitströme, Parallelwelten, Alternativzukünfte und so weiter, aber dar­um soll es heute eher nicht gehen. Dazu kommen wir später.

Worum geht es heute? Um einen interessanten Gedanken, den ich nie weiter verfolgt habe und wahrscheinlich auch nicht mehr verfolgen werde. Er hat gleichwohl gewisse Spuren in meinen Unterlagen hinterlassen, über die ich kürzlich stolperte, und deshalb ist es einen Beitrag wert, darüber zu schreiben. Er ist vielleicht geeignet, mancherlei, sagen wir, „enge“ Vorstellungen eurerseits über die Natur des Oki Stanwer Mythos zu relativieren. Das ist das Günstigste, was ich mir hiervon erhoffe. Und natürlich eine gewisse Gedankenoffenheit, die dadurch befördert werden soll.

Worum genau geht es?

Ich erzählte verschiedentlich schon davon, wie der OSM eigentlich begonnen hat – nämlich mit der Niederschrift des KONFLIKTS 15 „Oki Stanwer“ (1981-1984). Die Serie erreichte 91 handschriftliche Episoden und schloss am 8. Janu­ar 1984. Die digitale Abschrift wurde am 16. Mai 2005 mit Seite 671 vollendet.

Mein Fund jüngst zeigte nun, dass dies nicht in Stein geschlagene, eherne Ge­wissheit war, jedenfalls nicht während des Verlaufs des Jahres 1983. Während ich damals noch als Realschüler die Schulbank in Gifhorn drückte, konnte sich ein Teil meines Unterbewusstseins offensichtlich durchaus vorstellen, dass die Serie hätte weitergehen können. So betrachtet habe ich also nur ein mögliches Ende der Serie letzten Endes realisiert. Und ein weiteres skizzierte ich in eine handschriftliche Kladde.

Ehe ich dazu komme, muss ich euch ein kleines Update geben über den Verlauf des KONFLIKTS 15, anderenfalls seht ihr die fundamentalen Abweichungen nicht, die ich mir für den kontrafaktischen weiteren Serienverlauf vorstellte.

Der KONFLIKT 15 – grober Handlungsablauf:

Man schreibt in der Galaxis Milchstraße das Jahr 7474. Die Menschheit hatte einst ein weitläufiges Sternenreich geschaffen, aber die Invasion der rätselhaf­ten Voorks hat sie vor inzwischen fast zweitausend Jahren in alle Winde zer­streut. So ist ein Flickenteppich von kleinen Sternenreichen entstanden, die un­tereinander verfeindet sind und rivalisieren. Die Ursprungsheimat, die Erde, ist zu einem vergessenen, mythischen Ort herabgesunken.

Ähnliches trifft auf ein weiteres Sternenreich zu, das lange vor dem Tag blühte, an dem die Menschen zu den Sternen aufbrachen: das okische Imperium unter Oki Stanwers Führung. Niemand ahnt, dass es sich dabei lediglich um einen Ma­trixfehler des KONFLIKTS 9 handelt. Ruinen des okischen Reiches sind nach wie vor überall in der Galaxis zu entdecken.

Als Oki Stanwers Seele aus der Ewigkeit zurückkehrt und in der Kleingalaxis Zoran einen humanoiden Androidenkörper beseelt, der die Reise in die Milch­straße antritt, beginnt der KONFLIKT, der Kampf gegen TOTAM und seine Dämo­nen, die längst mit der Unterwanderung der Menschenwelten begonnen ha­ben.

Nach abenteuerlichen Umwegen kann sich Oki Stanwer in der Maske des Milli­ardärs Eon Seggar auf dem Planeten Korsop unter dem Licht der Sonne Mira Ceti als gesellschaftliche Kraft etablieren. Er gewinnt schließlich eine Reihe von machtvollen Verbündeten, sucht die alten Bündnispartner des okischen Imperi­ums, um sein Ziel zu erreichen: eine starke Streitmacht zu etablieren, die TO­TAMS erwarteten Angriff abwehren soll. Zu diesen Verbündeten zählen etwa Klivies Kleines, Regent des eigentlich ausgestorbenen Volkes der Kleinis, das nun nur noch in der Form der so genannten „Seelen-Armee“ existiert, außerdem der Helfer des Lichts Thor Gordenbeyl vom Planeten Garos. Und dann ist da noch der abtrünnige Dämon Zomar von TOTAM mit seinen Truppen, ganz zu schweigen von den pflanzlichen Zartans und den PSI-Intelligenzen, die Oki Stanwer für sich gewinnen konnte.

TOTAM, das sagen Voraussagen aus, wird im Nebelsektor die finale Auseinan­dersetzung suchen, und das trifft auch zu. Im Januar 7477 kommt es dort zum schlussendlichen Waffengang, bei dem die galaktische, multiethnische Streit­macht verheerend geschlagen wird und Oki Stanwer den Tod findet.

Der KONFLIKT 15 endet mit TOTAMS Sieg.

So ist es tatsächlich gelaufen. Aber wie oben angedeutet, gab es eine alternati­ve Handlungsschiene, die ich nicht realisierte. Die „Was wäre, wenn…“-Schiene weicht bereits in den späten 80er-Bänden von der tatsächlichen Handlungskur­ve ab, aber nicht sehr stark.

So ist als Band 90 der Planungstitel „Tod den Helfern des Lichts“ vermerkt, den es so nie gab. Der Untertitel „Okis Freunde fliehen“ signalisiert, dass eine Verta­gung der finalen Auseinandersetzung geplant war.

Band 91 sollte „Die Randwelt“ heißen, der Untertitel lautete: „Marko taucht auf.“ Dazu sollte man wissen, dass der Helfer des Lichts Marko Chang bereits vor Band 10 der Serie umkam. Wie er hier also noch mal auftauchen sollte, ist mir heute unklar.1

Für Band 92 ist der Titel „Kleines, der Heiler“ vermerkt mit dem Untertitel „Der Herr der Seelen-Armee auf der Flucht“. Auch hier das klare Verschleppungssyn­drom. Das machte natürlich nun notwendig, dass ich mir auch Gedanken um das Schicksal der anderen Freunde Oki Stanwers machen musste.

Man merkt das an Band 93: „Der Hüne von Garos“ (Untertitel: Thor als Muskel­mann.) – doch eher eine etwas hilflose Titelgebung. Gut, dass ich das nie reali­siert habe…

Band 94 fordert wieder Dynamik: „Die Staub-Pest“ (Untertitel: Das VERSTECK wird verraten.). Hier wirkte sich ganz offenkundig aus, dass ich zum Thema Staub-Monster bereits parallel in KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“ etwas ge­schrieben hatte. In gewisser Weise kupferte ich also schon in Gedanken aus ak­tuellen OSM-Serien ab – zwar besser, als von anderen Autoren abzukupfern, aber nicht sehr viel einfallsreicher. Auch hier ist es gut, dass es nie zu einer Um­setzung kam.2

Die direkte Konsequenz aus dem vorigen Band wird dann in Band 95 „Ausgelie­fert an TOTAM“ (Untertitel: Der WAHRE Feind hat Okis Freunde.) geschildert. Es schließt sich eine Trilogie an, die direkt auf TOTAM und im Innern TOTAMS spielt:

Band 96: TOTAMS WaffenfabrikDie Freunde erkennen TOTAMS Macht.

Band 97: In der Festung TOTAMIm Zentrum des Horrors.

Band 98: TOTAMS KernOkis Freunde im Brennkreis höllischer Mächte.

Mit den beiden Folgebänden wurde dann dieser Handlungsstrang abgeschlos­sen, auf denkbar finsterste Weise:

Band 99: Die Versklavung des AllsKeiner widersteht TOTAMS Macht.

Band 100: Der Entropie-HammerTOTAM schlägt zu.

Mit Band 101 wurde dann ein krasser Handlungsbruch und offenbar auch ein Zeitsprung und Handlungsortswechsel intendiert, wie dann Band 105 signali­siert. Da folgte ich der gängigen Handlungslogik von Heftromanserien, die ich kannte, namentlich Perry Rhodan – wo damals noch die 100er-Bände für einen Zyklusneubeginn standen. Bei „Oki Stanwer“ sollten Titel und Untertitel bis da­hin folgendermaßen aussehen:

Band 101: Einsatzplan GultoomDer Kampf der Hu’uns beginnt.

Der Volksname der Hu’uns war einigermaßen einfallslos. In der Serie existierte zuvor schon das Volk der Clu’un’raa… die Parallelen sind ziemlich eindeutig. Auch hier also wieder nur: Neuaufguss, keine Innovation.

Band 102: Das Strahlen-Grab Seng-ton-la im Bann von fremden Seelen.

Die Person des Seng-ton-la sollte offenbar eine neue zentrale Handlungsperson sein, möglicherweise jene, von der dann in Band 103 die Rede ist – scheinbar als Gastkörper der verstorbenen Helfer des Lichts, die auf diese Weise wieder „reanimiert“ werden sollten… prinzipiell auch heute nicht unmöglich, aber da­mals kaum realistisch ohne Rekurs auf obskure Mythen zu erklären.

Band 103: Das Fünffach-WesenFünf Seelen in einem Körper.

Band 104: Die Robot-KammerEine uralte Oki-Basis wird aktiviert.

Hier war dann der eben erwähnte thematische Bruch vollzogen

Band 105: Hundert Jahre danachDie Entwicklung des Alls seit Okis letztem Tod.

Das hört sich dann sehr schematisch an. Was hatte ich hier wohl im Sinn? Eine reine Geschichtslektion? Wie hätte das wohl dramaturgisch ausgesehen? Ich meine, es ist nicht undenkbar, dass eine solcherart eingenordete Episode einen eigenen Spannungsbogen enthält, aber das ist doch der „direct action“ mit han­delnden Protagonisten in keiner Weise vorzuziehen.

Band 106: Das AndroidendepotEine Seele bekommt einen neuen Körper.

Und auch das war ein Neuaufguss, der in der realisierten Serie bereits mehrfach gebracht worden war. Jetzt also NOCH eine Auferstehung, WIEDER mit einem Androidenkörper…? Nein, das war mir dann doch etwas zu kraus. Auch hier: gut, dass ich das nicht realisiert habe! 

Band 107: Flug in die FinsternisOki Stanwer und die Dunkelwolke.

Band 108: TOTAMS BastionenUnbezwingbar ist TOTAMS Macht.

Ein theatralischer, aber letzten Endes inhaltsleerer Titel, im Grunde nichts sa­gend, so hübsch er auch klingen mag.

Band 109: Todeswelt TerraDie Ursprungswelt der Terraner wird vernichtet.

Auch das war in der Serie schon mal in den frühen 40er-Bänden als bedrohliche Perspektive in der Serie zu sehen… ziemlich theatralisch und eigentlich unnötig in Szene gesetzt. Außerdem ließ sich ja mit Fug und Recht bezweifeln, dass TO­TAM, wenn die Macht des Bösen schon 100 Jahre über die Milchstraße herrsch­te, die Erde ungeschoren gelassen hatte. Der Band entbehrte also offensichtlich der logischen Grundlage.

Band 110: Horror-HeereTOTAMS WAHRER Herrscher öffnet TOTAMS Kern.

Dies sollte offenbar der Auftakt von Feldzügen TOTAMS sein – sie werden in der Serie verschiedentlich angedeutet, dasselbe gilt auch für andere KONFLIKTE, etwa für KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“, aber man erfährt generell jenseits der Hauptbrennpunkte der Auseinandersetzungen wenig davon, wie sich das Ewige Reich via Knochenstraßen ausdehnt. Hier wollte ich wohl einen Anfang machen, das zu ändern.

Band 111: RiddleOki auf der geheimnisvollen Welt.

Band 112: Der Unbekannte Das Rätsel von Hellside.

Und schon wieder ein Crossover aus einer anderen KONFLIKT-Ebene, an der ich zum damaligen Zeitpunkt bereits schrieb: In KONFLIKT 16 „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“, in dem einige Handlungslinien aus KONFLIKT 15 interes­santerweise weiter verfolgt werden, taucht der Planet Hellside und das dortige Orakel auf. Es hat hier also nichts zu suchen.

Band 113: Flotte der Hu’unEin Volk gegen TOTAM.

Band 114: Der StrukturatorDie Todeswaffe wird eingesetzt.

Über diese Waffe ist nichts Näheres bekannt, sie wird im weiteren OSM bislang nicht mal genannt.

Band 115: „TOTAM soll sterben!“Der Flug ins Zentrum des Schreckens.

Band 116: BURTSONOki und das Geheimnis der kosmischen Wolke.

Band 117: Der OkiplanetOki bricht auf.

Und auch hier sieht man einen klaren Rekurs auf frühere Handlungsmuster. Der Okiplanet, der im Zentrum der Handlungen des KONFLIKTS 9 „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“ steht und in den „Gedankenspielen“ mit meinem Bruder in den 70er Jahren solch eine eminente Bedeutung hatte, sollte von mir mitsamt der Zentralintelligenz BURTSON wieder in die Handlung dirigiert werden. Das wäre sicherlich schief gegangen.

Wie solch ein Wiederauftauchen des Okiplaneten ausschaut, kann man beizei­ten in der Serie „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“ beobachten, dem KONFLIKT 22, den ich im Herbst 1989 begann. Von daher weiß ich, dass dieses Setting wahnsinnig schwierig umzusetzen ist. 1983/84 wäre ich daran zweifelsohne ge­scheitert.

Band 118: Das RaumlochEine Flotte von TOTAM im Entropie-Bann.

Auch hier zog ich mich auf Ideen aus den „Gedankenspielen“ zurück. Dort war es eine Oki-Kampfflotte des okischen Imperiums, die ins Silberne Universum verschlagen wurde, hier nun gedanklich eine Flotte TOTAMS, die sich in einem entropischen Kontinuum wieder finden sollte.

Diese Idee verwendete ich übrigens ca. 1985/86 im KONFLIKT 20 „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“.

Band 119: Das Orakel von HellsideZomar und der Älteste der Totenköpfe.

Das ist ebenfalls eine kontrafaktische Geschichte, die deshalb besonders absurd wurde, weil sowohl Zomar als auch das Totenkopf-Orakel schließlich bei der fi­nalen Auseinandersetzung mit TOTAM im KONFLIKT 15 liquidiert worden waren. Ohne Zeitmanipulation hätte das hier also nicht funktioniert.

Band 120: „Fürchte die Mächtigen“Die Warnung des Orakels.

Tja, noch mehr substanzlose Theatralik…

Band 121: Der Sammelpunkt Oki findet eine Kampfflotte der Okis.

Diese Suche nach Sammelpunkten im Halo ist bereits Thema der realisierten „Oki Stanwer“-Serie gewesen. Man sollte auch hier annehmen, dass 100 Jahre nach TOTAMS Sieg von diesen Sammelpunkten nichts mehr übrig ist…

Band 122: Die zweite SchlachtDie Hu’un an der Peripherie der Galaxis.

Band 123: Die GeisterweltDie alte Zentralwelt erscheint.

Auch dies war in ähnlicher Form bereits in der realisierten Serie des KONFLIKTS 15 geschehen. Aber dort war die alte Zentralwelt der Kleinis Teil einer instabilen Raumzone. Nach 100 Jahren wäre sie längst von den entropischen Gewalten aufgezehrt worden. Noch eine unplausible Idee… mir gingen definitiv die Ideen aus.

Band 124: Riss zum Silbernen UniversumDas ultimate Gefängnis wird ent­deckt.

Die Idee habe ich dann später, wie oben erwähnt resultierend aus den „Gedan­kenspielen“, in KONFLIKT 20 übernommen, dort aber in den 90er Jahren deut­lich geschickter, als ich es hier hätte tun können.

Band 125: Im Entropie-FieberTOTAMS Superflotten im Silbernen Universum.

Band 126: Oki und die KampfplanetenGestrandet in TOTAMS Reservoir.

TOTAMS Reservoir ist, wenn man den restlichen Oki Stanwer Mythos heran­zieht, die Knochendimension. Darüber erfährt man ein kleines bisschen im KONFLIKT 15, aber nicht allzu viel. Etwas mehr wird in KONFLIKT 13 „Oki Stan­wer Horror“ gesagt, wo ich die Handlung im Finalzyklus Ende 1985 in diesen Be­reich verlagerte. Ernsthaft um die Knochendimension gekümmert habe ich mich dann allerdings erst Ende 1988, Anfang 1989 im Finalzyklus des KONFLIKTS 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“. Auch für diesen Fall gilt – ich hätte das 1983/84 unmöglich gescheit darstellen können.

Band 127: Der schwarze TunnelReise nach TOTAM.

Band 128: Das Entropie-ChaosDas Ende von TOTAMS Flotten.

Band 129: Das ultimate Gefängnis – (hierzu gibt es keinen Untertitel mehr)

Tja, und damit gingen mir die Ideen dann endgültig aus… und ich schätze, mir wurde bereits klar, während ich über den potenziellen Untertitel von Band 129 sinnierte, dass das alles nicht sehr viel Sinn ergeben würde. Dass eine Ver­schleppung des Kampfs gegen die Helfer des Lichts nach Oki Stanwers Tod und erst recht seine Jojo-artige Wiederauferstehung keinen Nutzen für die potenzi­ellen Leser bieten würde.

Damit verschwand diese alternative Storyline über das eigentliche Ende des KONFLIKTS 15 hinaus dann aus meiner Wahrnehmung und blieb allein als Mög­lichkeitsform bestehen. Es ist sehr gut möglich, dass ich den einen oder ande­ren Haupt-Planungstitel in der Zukunft in anderen KONFLIKTEN einsetzen wer­de. Manche davon sind recht nett gewählt. Aber ihr könnt sicher sein, dass die obigen Inhalte dieser Episoden dann keinen Bestand haben.

Soviel für heute aus dem Bereich der Kosmologie-Lektionen. In der nächsten Woche berichte ich über den Abschluss der digitalen Fassung von KONFLIKT 18. Da könnt ihr dann ein wenig nach Luft schnappen und staunen. Das solltet ihr nicht versäumen, Freunde.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

Denkbar wäre hier eine Inszenierung in Form von Matrixfehlern, aber davon hatte ich damals interessanter­weise nur geringe Ahnung… wiewohl gerade dieser KONFLIKT von Matrixfehlern nur so wimmelt!

Inwiefern übrigens hier Dinge wie das dritte der SIEBEN SIEGEL VON TOTAM, d. h. das Staubgrab, bzw. auch die staubförmige Dämonenwaffe Ullikummi präjudiziert wurden, ist unklar. Ich denke aber, da gibt es keine ursächlichen Zusammenhänge.

Rezensions-Blog 181: S.E.C.R.E.T. (1)

Posted September 12th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute begeben wir uns mal in den Süden der Vereinigten Staaten, direkt an den Golf von Mexiko – auf nach New Orleans und in das Leben einer einfachen Frau, die hier als Kellnerin ihr vergleichsweise schlichtes Dasein fristet und die von Jahr zu Jahr melancholischer und einsamer wird. Wir kennen solche Menschen zur Genüge, sie finden sich in jeder Stadt. Und für eine Autorin sind solche Per­sonen stets gute Aufhänger, weil die Leser ihnen von Herzen wünschen, dass sie aus ihrem erdrückenden Alltagstrott ausbrechen.

Bei Cassie geschieht das durch einen interessanten Zufall, und es bleibt, fand ich, ein wenig das Geheimnis der Autorin, ob dies tatsächlich reiner Zufall ist oder ob die Geheimgesellschaft, auf die sie trifft, vielmehr Zwischenfälle dieser Art für Menschen inszeniert, denen man ansieht, dass sie in einem Strudel des unsichtbaren Unglücks gefangen sind.

Ich fand den Gedanken einer solchen Geheimgesellschaft, deren Ziel darin be­steht, das Glück der Menschen herbeizuführen, von Anbeginn an faszinierend. Und dass es sich dabei dann auch noch um einen erotischen Roman handelte, machte ihn beinahe unwiderstehlich.

Neugierig geworden? Dann schaut mal, wovon ich hier im Detail eigentlich rede:

S.E.C.R.E.T.

(OT: S.E.C.R.E.T.)

von L. Marie Adeline

Heyne 54564

304 Seiten, TB

9.99 Euro, Februar 2014

Aus dem Englischen von Nicole Hölsken1

Cassie Robichaud ist das, was man eine graue Maus nennen würde, wenigstens sieht sie sich selbst so. Sie ist 35 Jahre alt, verwitwet und als Kellnerin im eher mäßig erfolgreichen Café Rose in New Orleans tätig, wohin sie mit ihrem Mann Scott nach dem Abflauen des Sturms Katrina gezogen war. Seit vier Jahren lebt sie nun im selbst gewählten, eher unabsichtlichen Zölibat, bewundert den Un­ternehmungsgeist ihres Chefs Will Foret, und eigentlich hat sie das dumpfe Ge­fühl, bereits am Ende ihres Lebens angekommen zu sein. Nach 14 Jahren Ehe und vier Jahren Witwendasein, in einem Wohnblock untergekommen, der gern als Hort der alten Jungfern bezeichnet wird, lediglich mit einer Katze als Gesell­schaft, sieht sie die Welt grau in Grau.

Das ändert sich völlig überraschend, als sie eine Fundsache aufhebt, die eine at­traktive Frau versehentlich fallen gelassen hat – ein kleines, in Leder gebunde­nes Büchlein. In dem Wunsch, vielleicht die Adresse der Frau herauszubekom­men, blättert sie darin. Zwar findet sie den Namen der Besitzerin, Pauline Davis, aber was da noch drinnen enthalten ist… das ist… nun, pikant, um es behutsam zu formulieren.

Pauline hat hier offensichtlich ein erotisches Tagebuch geführt, das ihr bei den wenigen Blicken, die Cassie hineinwirft, die Schamröte in die Wangen treibt. Und doch… irgendwie animiert sie dieser Blick in die leidenschaftliche Intimität einer fremden Frau.

Und dann ist da dieses Inhaltsverzeichnis.

Wenn das ein Inhaltsverzeichnis sein soll:

Schritt eins: Hingabe

Schritt zwei: Mut

Schritt drei: Vertrauen

Schritt vier: Großzügigkeit

Schritt fünf: Furchtlosigkeit

Schritt sechs: Selbstvertrauen

Schritt sieben: Neugier

Schritt acht: Wagemut

Schritt neun: Überschwang

Schritt zehn: Entscheidung.“

Sehr seltsam. Sehr animierend. Und Cassie ist außerdem schockiert.

Wenig später kehrt Paulina Davis zurück, doch sie ist nicht alleine, sondern in Begleitung einer älteren Dame namens Matilda Greene. In dem sich entspin­nenden Gespräch macht die sehr energische Matilda Cassie überraschend den Vorschlag für ein persönliches Gespräch und überreicht ihr ihre Visitenkarte. Auf der Rückseite findet Cassie ein weiteres Rätsel vor, denn dort steht nur ein Akronym: „S.E.C.R.E.T.“ Außerdem die beunruhigenden Sätze „Kein Urteil. Keine Grenzen. Keine Scham.“

Was soll das nur bedeuten? Und was meint Matilda mit der Bemerkung, Frauen wie Cassie seien „ideale Kandidatinnen“? Kandidatinnen wofür? Und – ist sie für solch eine Erfahrung überhaupt bereit? Wäre es nicht besser, einfach alles zu vergessen und… ja… mit ihrem Kellnerinnenleben fortzufahren?

Ach, wenn es doch nur nicht so glanzlos wäre. So hoffnungslos. So immer gleichbleibend. Paulinas Notizbuch und Matildas Andeutungen scheinen zu signalisieren, dass es irgendwo da draußen noch mehr gibt. Dass sie selbst, Cas­sie, womöglich etwas versäumt, wenn sie nicht wenigstens mit Matilda das Ge­spräch sucht.

Sie gibt sich einen Ruck.

S.E.C.R.E.T. erweist sich, wie Cassie alsbald erkennen muss, als eine Art von Ge­heimgesellschaft von Frauen, die sich in New Orleans etabliert hat. Ihr Ziel ist es, wenigstens vordergründig, Frauen mittleren Alters – also Frauen wie Cassie – , die aus irgendwelchen Gründen die stärkste Kraft ihres Lebens, nämlich die weibliche Sexualität, verschüttet und vielleicht sogar verleugnet haben, zu neuem Leben zu erwecken und die betroffenen Kandidatinnen so zu vitalisieren.

Die nervöse, unsichere und scheue Cassie, die sich weder ihres eigenen Äuße­ren recht bewusst ist noch ihrer sexuellen Phantasien („Was, wenn ich gar keine habe?“ „Oh, Sie haben welche. Sie wissen es nur noch nicht.“), braucht eine Wei­le, um auf Matildas Offerte einzugehen. Wenn sie dies tun will, erfährt sie, wird sie wie jede Absolventin von S.E.C.R.E.T. ein Armband mit neun goldenen An­hängern erhalten, so genannte „Charms“. Jeder Anhänger steht für eine der neun Prüfungen, durch die ihre Sexualität zu neuem Leben erweckt werden soll.

Als sie sich dazu entschließt, die Herausforderung anzunehmen, steht auch schon die erste Prüfung direkt vor ihrer Haustür – ein ungemein attraktiver, tä­towierter Mann, der seine Massageliege gleich mitgebracht hat und Cassie zu lustvollen Erlebnissen und Höhepunkten führt, die sie für unmöglich gehalten hätte.

Und das ist alles erst der Anfang…

Es ist immer wieder schön, neue Autorinnen kennen zu lernen, namentlich sol­che, die erotische Literatur schreiben, und ich gebe zu, in diesem Fall war es ein besonders kurzweiliges Vergnügen (das gerade mal 48 Stunden dauerte, eher noch weniger). Das Buch, bestehend aus 13 Kapiteln, ist offensichtlich durch­konzipiert und darum nicht das Werk einer intuitiven Autorin – was es freilich nicht weniger lesenswert macht. Man ahnt zwar schnell, dass quasi jedes Kapi­tel nach den erforderlichen Anfangsabschnitten notwendig eine Prüfung für Cassie Robichaud beinhaltet, doch bleibt die Natur dieser Herausforderungen grundsätzlich unklar. Es ist stets ein Wagnis. Das kann in Cassies eigener Woh­nung geschehen, in einem Tanzsalon, in einer gründlich (und unabsichtlich) ver­wüsteten Küche oder auf einer Yacht auf See… man ist einfach von Mal zu Mal verdutzter, was der Autorin an interessanten Situationen so einfällt.

Bei alledem bleibt Cassies Charakter strukturell gleich, und ihre anfängliche Nervosität, die zwar gedämpft und durch hungrige Vorfreude auf den nächsten „Vorfall“ partiell ersetzt wird, verschwindet nie völlig. Selbst zum Schluss hin hat sie – sehr begreiflich, wie ich fand, Angst vor der eigenen Courage und muss ein wenig zu ihrem Glück „überredet“ werden. Ich fand, die Handlung hatte einiges gemeinsam mit dem archäologischen Abtragen von Erdschichten – in diesem Fall von Schichten der Lethargie und Passivität, die sich über Cassies ursprüngli­che, lebenshungrige Persönlichkeit gelegt hatten wie ein erstickender Panzer. So atmet nicht nur Cassie von Kapitel zu Kapitel freier, sondern in gewisser Weise überträgt sich das auf den Leser. Ein sehr angenehmer Effekt, der romantisch-unaufgeregt daherkommt. Alles in allem ist dies also ein eher ruhiger Roman, dramatische Einbrüche muss man weder fürchten noch kann man sie erwarten.

Natürlich ist der Band Auftakt zu einer Trilogie, das bedeutet notwendigerwei­se, dass die Hauptperson zum Schluss auf eine Klippe des Schicksals treffen muss, um eine Entscheidung zu fällen. Welche Konsequenzen sich daraus erge­ben, wird sich zeigen, und zwar im zweiten Band, auf den ich schon sehr neu­gierig bin.

Ein wenig manisch fand ich Cassies Wirkung auf die Männer beschrieben, mit denen sie ihre Prüfungen durchlebt. Zu behaupten, sie seien durch die Bank von ihr begeistert gewesen, würde noch eine ziemliche Untertreibung darstel­len – euphorisch bis hemmungslos verliebt trifft es deutlich besser. Ich meine, hier hat die Autorin dann doch etwas zu stark aufgetragen. Und selbst wenn ich schon ein paar Handlungsweichen für Band 2 und vielleicht auch Band 3 erah­nen kann (vielleicht überrascht sie mich ja auch?), schmälert das das Lesever­gnügen nur sehr wenig.

Wie ein Blogger oder vermutlich mehr eine Bloggerin passend schrieb: „Endlich mal ein packender und berührender Erotikroman, der ganz ohne Fesseln und Peitschen auskommt!“ Ich schmunzelte dabei, da ich bekanntlich gegen solche Werke auch keine Einwände erhebe (sofern da nicht über die Stränge geschla­gen wird, was leider auch mal vorkommt). Dieses Leserdiktum stimmt jedenfalls unbedingt, und es handelt sich um ein angenehmes, locker-leichtes Lesevergnü­gen mit einer sehr sympathischen Protagonistin, der man etwas mehr Selbstbe­wusstsein sehr wünschen würde. Aber das hat Cassie Robichaud zum Ende des Romans zweifelsohne gewonnen – seien wir gespannt auf Band 2!

© 2017 by Uwe Lammers

Ja, das ist also erst einmal der erste Teil. Um Teil 2 kümmere ich mich in vier Wochen. Zweifellos Zeit genug, das Buch zwischendurch zu verschlingen (dauert im Idealfall keine drei Tage, wie ich schmunzelnd ergänzen möchte).

Ähnlich ist es übrigens mit dem Werk, das ich in der nächsten Woche hier vor­stellen werde. Da haben wir es dann wieder mit Kurt Austin und Joe Zavala zu tun, die sich diesmal in die phönizische Antike verirren… ein faszinierendes Garn, und das sage ich nicht allein als Historiker.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Jetzt nach einem Dreivierteljahr fällt mir hinsichtlich der Übersetzerin auf, dass sie vorab schon bei Sylvia Days Romanzyklus „Crossfire“ ihre Meriten verdient hatte… den Zyklus habe ich inzwischen ebenfalls gele­sen und rezensiert, er wird beizeiten auch hier sukzessive nachzulesen sein, allerdings zweifellos frühestens im Sommer 2019.

Wochen-Blog 288: Das 14. BUCH – Eine scharf geschliffene Waffe

Posted September 9th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

manchmal überrascht es mich, wie flink sich die Dinge ändern und veralten kön­nen. So geschah es gestern auch mit meinem Blogartikel 278, den ich, um euch ein wenig zu verwirren, erst vor rund 14 Tagen geschrieben habe, am 11. Febru­ar 2018. Heute schreiben wir den 27. Februar, aber bis ihr die eben erwähnten Zeilen lesen werdet, müsst ihr euch bis zum 1. Juli 2018 gedulden, und ehe ihr diese hier zu sehen bekommt, werden wir den 9. September schreiben.

Ja, ich arbeite weit im Voraus, und das ist gut so, denn aktuell kann ich noch nicht sagen, was das Jahr an Arbeitsbelastungen und Aufgaben bringen wird. Mein Denkhorizont reicht eigentlich zurzeit nur bis zum Convention „Raum & Zeit Continuum IV“ und dem vorgeschalteten Event „11hoch11 trifft Buch­markt“ (13.-15. April 2018, alles zusammen).

Und eher so en passant verschob sich zwischenzeitlich mein Aufmerksamkeits­fokus – weg von „primär lesen“ hin zu: „endlich mal längere Projekte abschlie­ßen“. Ihr wisst seit langem, dass ich an einer schier unüberschaubaren Zahl an parallelen Projekten arbeite, was meine Aufmerksamkeit disloziert, meine Kon­zentration zersplittert und zu konstanter Verzettelung führt.

Nachdem ich kürzlich quasi aus dem Stand die OSM-Kurzgeschichte „Die Ster­nengeborene“ abschloss, war mir klar, dass der Wind sich gedreht hatte – und ich nahm mich des langen Romans „Eine scharf geschliffene Waffe“ an und brachte ihn binnen Tagen zum Abschluss. Ein Werk, an dem ich nun wirklich seit fast acht Jahren mit vielen Unterbrechungen geschrieben habe. Der Roman um­fasst insgesamt 497 anderthalbzeilige Seiten, ein Glossar werde ich in den nächsten Tagen in aktualisierter Version in Angriff nehmen (natürlich gibt es längst einen ersten Entwurf, aber die Seitenzahlen haben sich gründlich ver­schoben, so dass ich die noch mal eruieren muss).

Der ausschlaggebende Punkt, warum ich diese Geschichte endlich abrunden konnte, lag in der Tatsache, dass ich jene Stelle fand, wo ich sie aufteilen konn­te. Denn es war, wie jüngst schon mal erwähnt, genau wie im Fall von „Der Platz der Steine“ – irgendwie hatte ich mich aufgrund des langen Zeitrahmens verheddert und Szenenblenden niedergeschrieben, die durch zu große temporale Lücken getrennt waren.

Indem ich daraus kurzerhand zwei Romane machte und die Dateien „Waffe 3“ und „Waffe 4“ in den neuen, zweiten Ghani-Roman „Licht und Schatten auf Dawson“ verschob, vollführte ich am 5. Februar 2018 quasi einen Befreiungs­schlag. Und auf einmal war alles ganz simpel: ich hatte schon seit zwei Jahren gewusst, dass die kleine Reisegruppe um Ghani kurz nach dem Aufbruch aus der Siedlung „Tor des Susquehenna“ Oki Stanwers LAGER erreichen würde… aber mir war durchaus unklar gewesen, wo ich da den „Cut“ setzen sollte.

Es ist doch sehr viel sinnvoller, damit zu warten und Ghanis Eingliederung ins LAGER erst im zweiten Roman an prominenter Stelle zu beschreiben“, sinnierte ich schließlich. Und so verfuhr ich dann auch.

Aber ich sollte an dieser Stelle noch mal etwas zurückrudern für die Leser, die mit den obigen Informationen nicht allzu viel anfangen können… und das ist wohl die Majorität von euch. Ich darf nie aus dem Blick verlieren, dass ihr ja im Gegensatz zu mir den vollen Überblick nicht habt, sondern auf die fertig publi­zierten Werke aus dem OSM und die Informationshäppchen angewiesen seid, die ich herausgeben kann.

Folgendes ist also der Background des vorliegenden 14. BUCHES meines priva­ten Romanarchivs:

Wir befinden uns im KONFLIKT 19 des Oki Stanwer Mythos. Ich begann am 1. Januar 1991, an diesem KONFLIKT zu schreiben, niedergelegt in der Serie „Oki Stanwer – Der Missionar“, die aktuell 55 Episoden Umfang hat.1 Der zentrale Handlungsschauplatz der frühen Bände ist ein Ort, der euch sehr vertraut sein dürfte: eine erdnahe Welt unter fremder Sonne, die man als Dawson bezeich­net.

Eine chinesische Raumexpedition zur Venus entdeckte in den 40er Jahren des 21. Jahrhunderts eine uralte Alienstation mit einem schwarzen Monolithen dar­in, dem so genannten „Tor der Ewigen Seligkeit“, das von der Spezies der Bau­meister zurückgelassen worden war und jeden verschlang, der sich ihm unter bestimmten Umständen näherte. Kenner des OSM wissen, dass es sich dabei um eines der zahllosen Portale des Baumeister-Transmitternetzes handelte. Was indes hinter all diesen Ereignissen stand, war eine gezielte Intervention eines Baumeisters, der die Menschheit und ihre Aufmerksamkeit dorthin lenkte.2

Ein Auswandererstrom bewegte sich schließlich dorthin, als die föderale Erd­regierung sich in eine rigide Überwachungsdiktatur zu verändern begann. Einer dieser Auswanderer war der junge Ire Ian Perry, der auf Dawson – das er noch „Swamp“ nannte – sein Heil in der Flucht suchte und stattdessen sein Schicksal fand, in Gestalt des jungen Kleini-Mädchens Sinaa, das seine Frau und die Mut­ter seiner Kinder wurde.3 Eines dieser Kinder war dann die in vielerlei Hinsicht talentierte kleine Senyaali, die eine ganz eigene Verbindung zu ihrer fremden Heimat entwickelte und spezielle Talente an den Tag legte.4

Doch all das spielte sich im Wesentlichen im Süden des Blackriver-Tales ab. Weiter nördlich, dort, wo das Baumeister-Portal stand, entstand unter unge­klärten Umständen eine kleine Stadt, die man fast mit einer Art Wildwestsied­lung vergleichen kann. Diese Ortschaft, mit Abstand das kulturelle Zentrum des Planeten, war First Valley.

In der OSM-Serie „Oki Stanwer – Der Missionar“ entdeckte ich bereits 1991, dass das ein höllischer Ort war: eine Stadt mit einer verrohten Stadtmiliz, der Stadtwache, einem dauergeilen Diktator, dem Obmann Alex Tschernowsky, der sich weibliche Neuankömmlinge selektieren ließ, um sie dann zu sich zu zitieren und sie ungeniert und ausdauernd zu vergewaltigen.

Ja, ein grässlicher Ort, ich sagte es schon.

Und irgendwo in der Wildnis von Dawson gab es noch etwas anderes – eine geheime Siedlung, die man nur als „das LAGER“ bezeichnete und die von einer legendären Gestalt beherrscht wurde: von Oki Stanwer.

An seiner Seite war neben einigen Helfern des Lichts auch eine rätselhafte, ver­schwiegene Asiatin, ein zierliches und unscheinbares Wesen namens Ghani, das über unbegreifliche Fähigkeiten verfügte.

Ich spürte sofort, dass sie keine Mutantin war, obwohl ihre Fähigkeiten sehr in diese Richtung gingen. Aber wiewohl ich nicht genau verstand, was sie war oder wo ihre Ziele lagen, begriff ich eines sehr schnell, während die Serie sich in den folgenden 15 Realjahren entwickelte – Ghani war mit Sicherheit alles andere als ein Mensch. Und damit begann ein faszinierendes Rätsel, das an meiner kreati­ven Seele beständig nagte wie ein tosender Strom am umliegenden Felsen.

Wer also war Ghani? Woher war sie gekommen, was war ihr Ziel? Ich vermoch­te es beim besten Willen nicht zu sagen, und das machte mich kribbelig – so et­was deutet immer auf komplexe, gefährliche Geheimnisse im Hintergrund des OSM hin. Und dass dieses unscheinbare, zierliche Persönchen eine gefährliche Wesenheit war, begriff ich sehr schnell. Ich verstand nur beim besten Willen nicht, warum.

Im Dezember 2010, während ich in der Serie schon in den 50er-Bänden ange­kommen war und zahlreiche erschreckende neue Entdeckungen auf Dawson und im direkten Umfeld dieser Welt gemacht hatte, sprang mich dann jene Idee an, die den Keim zum vorliegenden Roman bildete.

Wann, so dachte ich mir, war Ghani eigentlich nach Dawson gelangt? Und von woher? Wie hatte sie den Weg von First Valley, wo ja der Empfangstransmitter der Venus stand, zu Oki Stanwers LAGER gefunden? Das war schließlich alles an­dere als trivial, da niemand die Position des LAGERS zu kennen schien – Alex Tschernowsky brannte darauf, Oki Stanwers Machtbasis zu zerstören. Geheim­haltung war also absolut essentiell.

Die Arbeiten an dem vorliegenden Roman begannen am 26. Dezember 2010, und bis Silvester arbeitete ich jeden Tag daran – und kam auf erstaunliche 47 Skizzenseiten aus dem Stand bis Jahresende. Atemberaubende 47 Seiten, die sich heute auf mehr als 600 Seiten Skript verteilen und auf die eingangs er­wähnten inzwischen zwei Romane.

Der Schreibdruck war unglaublich, die Bilderflut schier überwältigend. Ich sah nicht nur schreckliche Protagonisten aus der Serie in ihrer frühen Brutalität wie­der – etwa den Verwalter Jefferson Carmichael und den brutalen Stadtwachen-Kommandanten Dave Haldane – , sondern ich warf auch erschreckende Blicke in die ferne Zukunft… in jene Welt, aus der Ghani stammte.

Eine Zeit, in der so etwas wie Planeten, Sonnen und Galaxien der Vergangenheit angehören. In der organisches Leben quasi nicht mehr existiert. Und in der Oki Stanwer ein mythisches Wesen ist, eine Legende, ein Mythos der grauen Vorzeit – wie es der Titel des OSM generell signalisiert. In jener fernen Zeit, wo die Zeit als Mixzeit existent ist und mal vorwärts, mal rückwärts fließt, wird immer noch gekämpft und ein schier unglaublicher Krieg geführt.

Ich wusste von diesem Krieg jenseits des RANDES schon seit 1994, als ich den KONFLIKT 23 „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ abschloss, und Interventionen aus jenen fernen Zeitaltern waren mir längst vertraut. Aber lange war mir un­klar, inwiefern der Planet Dawson, der doch auf den ersten Blick so unspektaku­lär wirkt, ein derartiger Brennpunkt der Geschehnisse war.

Dawson, soviel war in der Zukunft immerhin noch bekannt, stellte etwas dar, was die zukünftigen Mächte ein „blindes Datenfenster“ nannten. Rahmenin­formationen über die dortigen Ereignisse waren bekannt, aber Detailrecherche vor Ort führte fast unausweichlich und ständig zum vollkommenen Verlust der ausgesandten Späher.

Dawson galt als gefährlicher Ort.

Es gab nur ein einziges Einfallstor dorthin: den Venus-Transmitter. Aber offen­sichtlich war die Venus bereits vor Jahrhunderten kontaminiert und versiegelt worden. Selbst der im Solsystem wirkende Baumeister, der sich seit langer Zeit in Deckung befand, musste letztlich seine Hilflosigkeit eingestehen. Und die Temporalschockwellen, die von Dawson ausgingen, wurden beständig stärker. Die Zukunft war in akuter Gefahr.

Auf Dawson befand sich Oki Stanwer, die zentrale Person des KONFLIKTS. Sein Leben war in größter Gefahr, und es war nahezu unmöglich, irgendwen zu sei­nem Schutz abzustellen.

So kam eine zukünftige Macht dahin, einen Emissär nach Dawson zu entsen­den, um die Ereignisketten in ihrem Sinn zu stabilisieren. Es galt, eine grundle­gende Intervention auszuführen. Aber aus den in die Zukunft übermittelten Daten war klar, dass jede Person, egal, welchem Volk sie entstammte, egal, wie gut sie technisch ausgestattet war, in dem Augenblick verloren sein würde, sobald sie den Transmitter auf Dawson verließ.

So wurde Ghani erschaffen und instruiert.

Ein Wesen, das äußerlich unscheinbar war, intern jedoch über Machtmittel jen­seits jeder Vorstellung verfügte – eine scharf geschliffene Waffe, erschaffen für jede Art von Intervention. Und in völliger Unkenntnis der eigenen Fähigkeiten.

Was sie zuallererst tun sollte, war eine Aufgabe, die unerwartet schwierig aus­fiel: sie sollte sich in die menschliche Gesellschaft integrieren, „implementie­ren“, wie sie es nannte. Und dabei stieß die völlig arglose Ghani auf die erstaun­lichsten Überraschungen. Eine zentrale darin war etwas, was sie nicht als Kom­plikation begriffen hätte: die menschliche Psyche und ihre irrationalen Untie­fen…

Es machte einen schier unglaublichen Spaß, kann ich euch versichern, diese zahllosen schrulligen Personen in First Valley und der Umgebung zu treffen und zu erleben, wie sie sozial interagierten. Die vergnüglichen Erstkontakterfahrun­gen, die Ghani durchmachte und manchmal fast zur Weißglut trieben, die amü­sierten mich zunehmend. Und während all das geschah, während sich Ghanis Fähigkeiten immer weiter entwickelten, fand ich so vieles über den Planeten Dawson, seine Bewohner und seine Struktur heraus, wie ich das nie für möglich gehalten hätte.

Dawson ist noch sehr viel schrecklicher, als sich das irgendwer bisher auszuma­len verstehen könnte – und wenn ihr denkt, dass ich da jetzt auf die dort leben­den gestaltwandelnden Berinnyer anspiele… Freunde, vergesst die Berinnyer, wirklich. Im Vergleich zu den Gefahren, die dort tatsächlich das Leben zur Hölle machen, sind sie wirklich vernachlässigbar. Wer mir nicht glaubt, kann das bei der Lektüre des Romans beizeiten genauer entdecken. Aber die Berinnyer sind tatsächlich nicht das Schlimmste, was Dawson aufzubieten hat. Bei weitem nicht.

Selbst Ghani täuscht sich lange Zeit vollständig über die Gefahr, in der sie und alle dort Lebenden schweben. Und auch nachdem sie eine zentrale Person des frühen 19. KONFLIKTS getroffen hat, den knorrigen Trapper Charles de Quentin, ist ihr überhaupt nicht klar, in welchem Minenfeld sie sich eigentlich bewegt – als ihr das schließlich bewusst gemacht wird, kennt ihr Entsetzen indes keine Grenzen mehr.

Dawson ist mit Recht die Hölle. Und Ghani muss unglaubliche Widerstände und Schwierigkeiten überwinden, um endlich ihr Ziel zu erreichen.

Beizeiten, denke ich, werde ich euch diesen faszinierenden Roman zugänglich machen, kann aber noch nicht sagen, in welcher Form genau – ob als E-Book oder zuvor in einer kapitelweisen Abdruckvariante oder als Printversion. Aber ich bin überzeugt davon, dass es jede Minute des Lesens wert ist – wie es auch jede Minute des Schreibens wert war.

Soviel also heute zum neuesten Werk der „Annalen der Ewigkeit“, dem OSM-Werk 1846. Demnächst steuere ich dann wieder andere Ufer an.

Bis nächste Woche, meine Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. dazu beizeiten die Serie „Oki Stanwer – Der Missionar“, begonnen 1991.

2 Vgl. zur Vorgeschichte die Story „Die Intervention“, Januar 2014.

3 Vgl. dazu den Roman „Ian und der Stein der Götter“, August 2010.

4 Vgl. dazu die Stories „Der Platz der Steine“, Juni 2015, und „Das Versteinerungs-Spiel“, Dezember 2016.

Rezensions-Blog 180: Panji und Sekar Taji

Posted September 5th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute entführe ich euch mal in eine wirklich sehr fremde Welt. Nicht zu den Sternen, nicht in die uralte Vergangenheit des Pliozän, auch nicht nach Holly­wood oder an andere exotische Plätze, sondern buchstäblich ins Reich der Le­gende.

Als ich 2011 den heute vorzustellenden schmalen Band erwarb, war ich buch­stäblich entzückt, und ich denke, das merkt man meiner Rezension auch noch deutlich an. Die Geschichte ist aber auch wirklich zu niedlich, gleichzeitig ab­wechslungsreich und voller vergnüglich-abenteuerlicher Wendungen. Ich muss­te da nicht umsonst an meinen tropischen Archipel denken. Denn sowohl die zeitgenössische Situation, das Setting wie auch die Tatsache, dass diese Ge­schichte üblicherweise durch Geschichtenerzähler von einer Generation an die nächste weitergegeben wird, wie das in meinem überwiegend analphabeti­schen Archipel auch der Fall ist, passte wunderbar.

Wer sich mit javanischen Legenden bislang nicht auskennen sollte, der be­kommt nun eine kleine und höchst schmackhafte Kostprobe davon. Möge es euch munden, Freunde:

Panji und Sekar Taji

Neu erzählt von Otto Abt nach Bildrollen aus Gedompol/Java

Horlemann-Verlag, Bad Honnef 2007

ISBN 978-3-89502-169-5

112 Seiten, TB

Als ich diesen Band zuerst im Bücherprospekt sah, dachte ich schlagartig einen wohl einzigartigen Gedanken: das sieht ja fast aus wie eine gedruckte und ver­legte Archipel-Geschichte! Und wer weiß, dass ich meine Archipel-Geschichten für ein bisschen… sagen wir… erotisch verwegen für den Druck halte, der kann vielleicht meine Neugierde verstehen, die mich dieses Buch bestellen ließ.

Um es kurz zu machen: ich wurde nicht enttäuscht.

Bei dem Buch handelt es sich um die Nacherzählung (mit selbst gestalteten Dia­logen) einer javanischen Legende aus dem 17. Jahrhundert, wobei dies nur die späte Version ist, die vom Erzähler Otto Abt ausgewählt wurde. Er erklärt im Nachwort, dass er sie auswählte, weil sie weitgehend der märchenhaften Aus­schmückungen entbehrte und damit vergleichsweise geradlinig ist. Es gibt nach seiner Aussage jede Menge Legenden um den Helden Panji – und damit ist er prinzipiell dem Archipel-Heroen Vandecca vergleichbar1 – , der in dem nach ihm benannten hinduistischen Epos die Nachfolge von Arjuna (Mahabharata-Epos) und Rama (Ramayana-Epos) antritt. Anders als diese aber ist Panji wohltuend diesseitig und hat in dem Moment, als er die Heirat mit der schönen Fürsten­tochter Sekar Taji plant, ganz weltliche Probleme, und um die geht es in dieser Geschichte.

Sekar Taji ist die Prinzessin des Herrschers von Kediri, einer kleinen Stadt im Os­ten von Java, irgendwann vor langer Zeit. Ihr Vater ist ein wohlanständiger Monarch, gottesfürchtig und fest in den Traditionen des Volkes verwurzelt, zu­tiefst friedliebend, und Sekar Taji ist sein Ein und Alles. Sie ist schon seit langem dem berühmten Helden Panji versprochen, doch gesehen haben sich die beiden (allem Anschein nach) noch nicht.2 Anfangs also ist das Mädchen noch hellauf begeistert und hofft, Panji bald sehen zu können… doch wer beschreibt ihr Ent­setzen, als ihr Vater auf einmal mit finsterer Miene eröffnet, dass Panji jählings einen Rivalen bekommen hat – niemanden anderes als den brutalen König Klana, einen Aggressor „aus Übersee“ (womit dann vermutlich das asiatische Festland gemeint ist), der ihren Vater vor die Wahl gestellt hat: Sekar Tajis Hand oder Krieg!

Der Schreck sitzt, und die Eltern sind alles andere als glücklich darüber. Als dann sogar noch Boten die baldige Ankunft Klanas melden, schickt Sekar Tajis Vater eilends einen Boten zu Panji, um ihn von dem Desaster zu berichten und seine Hilfe zu erbitten.

Doch was tut das Mädchen selbst? Trübsal blasen? Weit gefehlt: Geleitet von einer göttlichen Offenbarung beschließt die Prinzessin, dem Unheil zuvorzu­kommen und entweicht heimlich mit ein paar ihrer Dienerinnen, quer durch den Urwald zu ihrem Verwandten, dem Distriktregenten Kyahi Tumenggung im Ort Paluhamba. Gerade noch zeitig, denn so entgeht sie der Ankunft Klanas, der furchtbar zornig über die entwischte „Beute“ ist.

Tja, und dann taucht auch noch der strahlende Held Panji auf, und Sekar Tajis Vater verspricht die Hand seiner Tochter demjenigen der beiden Rivalen, der das Mädchen zuerst ausfindig macht – was nun zu einem abenteuerlichen Wettlauf zwischen beiden führt, bei dem Klana trotz seiner Streitmacht den Kürzeren zieht. Dies wiederum verdrießt ihn umso mehr, und während Panji sich den Etiketten des Hofes fügen, werben und meditieren muss (das läuft hier alles nicht so stürmisch ab wie in Hollywood, die Uhren gehen hier deutlich langsamer), schwelt ja immer noch der Konflikt zwischen dem Elternhaus Sekar Tajis und König Klana.

Schließlich einigen sich beide Seiten darauf, als schon Klanas Heer aufmar­schiert, um sich die Beute mit Gewalt zu holen, dass ein Kampf zwischen den Helden beider Streitmächte entscheiden soll. Panji auf der einen Seite, ein rie­senhafter Krieger namens „Büffel“ auf der anderen. Doch Panji fehlt in dem Moment, da der Stellvertreter-Kampf beginnen soll, und sein Freund Tawang Alun nimmt die Herausforderung an – aber er ist chancenlos und wird zu Boden geschlagen. Im letzten Moment taucht Panji auf und kann den Kampf für sich entscheiden.

Leider ist das nicht das Ende der Komplikationen – denn Klana schwört Rache und ebenso, dass er Kediri, Sekar Tajis Heimatstadt, dem Erdboden gleich ma­chen werde. Schlimmer als das ist aber, dass die Priester von Kediri erklären, wenn Panji Sekar Taji heiraten wolle, dürfe er das Blut Klanas in einem Kampf so unmittelbar vor der Hochzeit nicht vergießen. Und überhaupt wollen sie doch alle einen verheerenden Krieg vermeiden.

Da ist nun guter Rat wirklich teuer… aber dies ist halt eine Legende mit morali­schem Anspruch, und so kann der Leser darauf vertrauen, dass sich eine Lösung findet, und die hat dann unter anderem fast komödiantische Züge mit einem Mann in Verkleidung und Liebeswahn…

Alles in allem ist die wechselvolle, kurzweilige Geschichte von Panji und Sekar Taji in meinen Augen äußerst lesenswert. Sicherlich muss man ein wenig das Anspruchsdenken des modernen Lesers etwas herunterschrauben und sich auf die schlichte Welt der Legende einlassen, aber der muntere Erzählfluss Otto Abts, der die Personen sympathisch und prägnant hervortreten lässt, wirkt hier wahre Wunder. Man beginnt zugleich auch zu ahnen, wie gut solch eine Ge­schichte auf einer volkstümlichen Bühne wirken muss, und ebenfalls recht bald ist zu erkennen, wo „märchenhafte Umwege“ in anderen Variationen der Ge­schichte zu finden sein könnten: bei Sekar Tajis Flucht durch den Urwald etwa, bei der fieberhaften Suche Panjis nach der Prinzessin, bei vielen, vielen Gesprä­chen, die hier nur angedeutet werden, beim Werben der Heere, bei den Zwei­kämpfen… es ist schon ganz gut, dass Otto Abt eine recht geradlinige Version ausgewählt hat.

Ebenfalls eine Neuerung, die er hier einführt, ist das Voranstellen eines thema­tischen Haikus, das in drei Zeilen den Inhalt des jeweiligen Kapitels (selten mehr als 6 Seiten umfassend) komprimiert und doch Raum für Spekulationen lässt. Auch das ist eine Kunst, die es zu würdigen gilt. Ich würde darum festhalten, wer märchenhafte Erzählungen und Legenden schätzt, der sollte die 12.90 Euro (oder weniger, wenn man den Band über JOKERS beziehen kann, wie ich es tat) durchaus investieren. Es ist gut angelegtes Geld.

© 2011 by Uwe Lammers

Soweit also zu einem ausgesprochenen Lesevergnügen, das sich wunderbar etwa für einen frostigen Winterabend eignet, während man an einem feurigen Früchtetee nippt, der auf einem gläsernen Stövchen in der Kanne funkelt… das ist, denke ich, die rechte Stimmung, die geeignet wäre, um vollen Genuss zu entfalten.

In der kommenden Woche landen wir dann wieder in unserer realen Welt und machen die Bekanntschaft mit einer unglücklichen Frau und einer Organisation, die ihr Unglück beenden möchte – auf eine höchst unkonventionelle, aufregen­de Art und Weise.

Was das im Detail heißt? Nun, da müsst ihr wohl wieder reinschauen. Ich bin si­cher, ihr werdet das entsprechende Buch, Band 1 einer Trilogie, ebenso schät­zen lernen wie ich selbst…

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Das ist ein Interna meines Archipels. In den Jahren 2003-2006 verfasste ich zwei Vandecca-Legenden („Van­decca und der Dämon“ und „Vandecca und die Goldschuppennixe“), aber es gibt noch zahlreiche weitere Ge­schichten um den mythischen Archipel-Helden, die ich eines Tages noch schreiben möchte, etwa diese wa­gemutige Story um die Jungfrauenkarawane, die ihn fast das Leben kostete… alle genannten Geschichten sind noch nicht publiziert worden.

2 Da gerät später die Handlungslogik deutlich ins Wanken, aber es ist halt eine Legende, da muss man einfach lächelnd nachsichtig sein. Dem Charme der Geschichte tut das keinen Abbruch.

Liebe Freunde des OSM,

als wir uns das letzte Mal in dieser Rubrik des Wochen-Blogs trafen, referierte ich, wie weit meine Arbeiten am aktuellen OSM bis Ende August 2014 gediehen war (vgl. dazu den Blogartikel 280 vom 15. Juli 2018). Da befand ich mich noch in stürmischem Lauf durch eine Vielzahl von Werken. Im September 2014 ließ das etwas nach, da kam ich dann nur noch auf 15 fertig gestellte Werke.

Woran lag diese „Abkühlung“, um es mal so zu bezeichnen? Nicht an den Blog­artikeln (davon entstanden nur zwei), auch nicht an eine größeren Menge E-Books (ich konnte nur das E-Book 20 „Die Macht der Liebe“ vollenden). Es hat­te unter anderem damit zu tun, dass ich meine erste Lesung in Dettum vorbe­reitete. Das kostete einiges an Zeit – und es ließ sich gut fusionieren mit der Ar­beit an meiner nächsten Storysammlung („Ein Passagier der R.M.S. TITANIC und andere phantastische Geschichten“), denn gerade diese Geschichte ver­schlang enorm viel Energie und Zeit… und sollte doch erst im November 2014 fertig gestellt werden.

Ansonsten verzettelte ich mich. Die „üblichen Verdächtigen“ belegten mich mit Beschlag: Abschriften von noch nicht digitalisierten OSM-Serien („Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“), Glossare, kommentierte Versionen von OSM-Episoden („Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“, Gedichtabschriften und Frühformen wei­terer E-Books… all das hielt mich ziemlich gut in Atem, hinzu kamen nebenbei dann noch ausführliche Lektoratsarbeiten.

Im Oktober 2014 drehte ich auf, was die Blogartikel anging (8 Werke), ansons­ten wurden die Arbeiten des Vormonats im Wesentlichen fortgesetzt, ich küm­merte mich aber außerdem um weitere OSM-Fragmente wie „Kontrollverlust“ sowie um Archipel-Werke wie „Rückzug in das Liebeskloster“, „Rhondas Auf­stieg“, „Wendy und die Räuber“, „Vivica auf Abwegen“ und „Brigitta“. Unnötig zu erwähnen, dass noch nichts davon bis heute fertig ist, oder? Außerdem ent­wickelte ich den Archipelkalender für die Jahre 871 und 872 der Archipel-Zeit­rechnung. Und ich stellte erfreulicherweise Band 2 der Shonta-Land-Trilogie aus KONFLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ fertig, also Band 63 der Serie mit dem Titel „Gekapert!“.

Die gut besuchte Lesung in Dettum fand statt, am 9. Oktober wurde mein Le­sungs-Blog 1 hochgeladen, und ich stürzte mich gleich auf weitere Werke, die ich begann oder fortführte, sowohl in KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutral­krieger“ also auch in KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Scher­gen“, KONFLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“, in der zweiten Monatshälfte kamen noch Arbeiten an KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ so­wie KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ hinzu.

Einen Monat später beschleunigte ich den Schreib-Output noch einmal etwas und kam auf insgesamt 18 beendete Werke, von denen fünf auf Blogartikel ent­fielen, drei auf Glossare und mehrere auf überarbeitete Geschichten sowie auf das E-Book 21 „Ein Passagier der R.M.S. TITANIC und andere phantastische Geschichten“.

Ich wagte zumindest den Versuch, auch noch an weiteren Fragmenten vor­wärtszukommen, sowohl im Archipel wie im OSM. Zum OSM zählten „Parasiten aus dem Kosmos“ und „Exil auf Hushhin“, eine flankierende Geschichte zur E-Book-Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“. Stärker brachten mich Archi­pel-Settings vom Kurs ab, das beweist die schiere Zahl der in Angriff genomme­nen Projekte: „Rhondas Aufstieg“, „Das Geheimnis des Vungash“, „Brigitta“, „Rückzug in das Liebeskloster“, „Verschwörerpläne“, „Die Suyenka“, „Sarittas Hilflosigkeit“ und „Nadines Verwandlung“.

Vor Jahresschluss wollte ich dann definitiv noch einiges fertig stellen, und mit 30 beendeten Werken ist mir das wohl auch gelungen. Das Jahr 2014 schloss mit insgesamt 300 abgeschlossenen Projekten.

Dazu zählten natürlich diesmal sehr viele Gedichtabschriften, fünf Blogartikel und ein Strauß Rezensionen. Aber ich feilte auch an OSM-Geschichten weiter, zu denen beispielsweise „Die kontrollierte Illusion“ gehörte, „Eine scharf ge­schliffene Waffe“, „Monsterjagd“, „Exil auf Hushhin“, „Der Zathuray-Konflikt“ und „Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“. Letzteren stellte ich mir noch deutlich anders vor, als er euch heutzutage als E-Book erscheinen wird.

Well, natürlich dachte ich damals, wir befinden uns im E-Book-Zeitalter, dabei primär an eine E-Book-Veröffentlichung, klar. Aber eine sehr viel umfangreiche­re, als ich inzwischen anstrebe. Diese Form hätte euch sicherlich völlig überfor­dert. Inzwischen habe ich dieses Skript ja auf die ersten drei Episoden „zurecht­gestutzt“, und selbst das ist schon eine Menge Text.

Aber ich fuhr natürlich weiterhin zweigleisig. Neben den OSM-Texten arbeitete ich auch ständig weiter an Archipel-Geschichten. Es ging los mit „Die goldene Verlockung“, führte über „Miriam Tvallachs Alptraum“ und „Das Los der Lady Renata“ hin zu „Rhondas Aufstieg“ und „Falsche Voraussetzungen“.

Besonders witzig fand ich eben, während ich diesen Blogartikel ausarbeitete, die Entdeckung, dass es einen Text gab, den ich seit Abfassung völlig vergessen hatte. Rätselnd starrte ich auf den Eintrag vom 3. Dezember 2014.

‚Seelenverwandtschaft, Zeitschleifen und Reinkarnation‘? Was zum Henker, war denn DAS für ein Text?“ Ich hatte keinen blassen Schimmer. Als Kategorie stand dabei „Mainstream“, das machte mich nicht wirklich schlauer. Also suchte ich diesen nie veröffentlichten, vierseitigen Text und war nach wenigen Zeilen schon wieder im Bilde.

Ich hatte wenige Wochen vorher mit der ausführlichen Neufassung der Ge­schichte „Ein Passagier der R.M.S. TITANIC“ eine ausdrückliche Reinkarnations-Geschichte geschrieben, und nun traf ich in Wolfenbüttel auf eine mir unbe­kannte Frau, mit der ich wirklich SOFORT auf derselben Wellenlänge schwang. Wundert es, dass ich diesen Moment im Text festhielt und die Vermutung aussprach, wir würden uns ggf. aus einem früheren Leben kennen und nun wieder gefunden haben?

Sicherlich, vielleicht nur eine überspannte Form der Überreizung. Aus dem Heu­te betrachtet würde ich das sagen. Aber damals war das eine phantastische Überzeugung, ein kurzes, wildes Aufflackern einer möglicherweise irrationalen Hoffnung.

Alles in allem war das ein denkwürdiges Erlebnis gegen Jahresende. Und der Jahresausklang erwies sich, ohne dass wir das verstehen konnten, noch in einer anderen Hinsicht als bemerkenswert – nachdem schon im Dezember des Vor­jahres 2013 mein Vater überraschend verstorben war, ging es auch meiner Mut­ter immer schlechter. Dass dieses Weihnachtsfest das letzte sein sollte, das mei­ne Geschwister und ich mit ihr erlebten, ahnte ich gleichwohl nicht. Und mir war erst recht nicht klar, dass das Jahr 2015 dann auch den endgültigen Ab­schied von unserem Elternhaus in Gifhorn bringen würde, langwierige Erb­schaftsverhandlungen, Briefe von Notaren und dergleichen… es sollte ein an­strengendes Jahr voller anstrengender Umwälzungen werden, das mich nach­drücklich prägte.

Wenn ich mir so unter diesem Distanzblick aus knapp vier Jahren Abstand an­schaue, was sich seither ereignet hat, muss ich sagen, dass 2014 das letzte soli­de strukturierte Jahr war. 2015 bemühte ich mich weiterhin um Normalität, aber angesichts der familiären Stresssituation blieben dann wesentliche Teile meiner Kreativität auf der Strecke, und erst Ende des Jahres würde sich das än­dern – so ändern, dass ich wenigstens ein wenig aus der monetären Talsohle herauskam, in der ich inzwischen gelandet war… denn nach dem Projekt „Kom­munale Amtsträger“ war ich umstandslos auf dem Level von Arbeitslosengeld II gelandet, landläufig auch als „Hartz IV“ bezeichnet. Eine unschöne Erfahrung, auf deren Wiederholung ich keinerlei Wert lege.

Wie meine Vita im Januar 2015 weiterging, erzähle ich demnächst. In der nächsten Woche möchte ich zur Abwechslung mal von einem schönen Erfolg des Jahres 2018 berichten, dem 14. BUCH, das ich verfasst habe.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 179: Der Widersacher (4/E)

Posted August 29th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

tja, ich habe es in meinen Rezensionen schon verschiedentlich betont… ich fin­de es bedauerlich, wenn man zu spüren beginnt, dass den Verfassern die Ener­gie ausgeht und ein an und für sich interessanter Stoff zu schematischem Sei­tenwust degeneriert. Als ich 2002 das zweite Mal Julian Mays Pliozän-Zyklus las, war ich gegen Ende, also im vierten Band, doch an vielen Stellen rechtschaffen enttäuscht. An vielen Stellen dieses Romans hatte ich damals den Eindruck ge­wonnen, dass die Verfasserin, vielleicht auch die Übersetzerin, zu schwächeln begonnen hatten.

So viel Potenzial, das hier verschenkt wurde. So viele Seiten, die man mit inter­essanteren Dingen hätte füllen können. So viel Charaktere, die zu Hülsen zu­sammenschrumpften und quasi bedeutungslos wurden. Das war doch sehr bedauerlich. Natürlich steuert dieser Roman das Finale des Zyklus bei, aber ihr ahnt schon an diesen Vorbemerkungen, dass die Rezension einiges Konfliktpo­tenzial in sich birgt und nicht so positiv ausgefallen ist wie die Besprechung der vorherigen drei Bände.

Vielleicht bin ich ja zu hyperkritisch. Julian May-Fans werden das sicherlich fin­den. Aber wenn ihr euch besser eine eigene Meinung bilden möchtet, dann schaut einfach weiter:

Der Widersacher

(OT: The Adversary)

von Julian May

Heyne 4303

608 Seiten, TB

Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck

Das Machtkarussell im Vielfarbenen Land geht weiter. Nachdem sich der Usur­pator Aiken Drum aus der Schar der einstigen „Gruppe Grün“ zum Herrscher über die außerirdischen Tanu aufgeschwungen hat, ist Widerstand gegen ihn erwachsen, insbesondere durch den totgeglaubten Nodonn Schlachtenmeister und seine menschliche Geliebte, Lady Mercy-Rosmar. Indem sie sich Aiken hingab und Loyalität vortäuschte, schmiedete sie in Wahrheit Ränke gegen ihn und unterlag schließlich in einem fulminanten Kampf gegen ihn. Ebenso wie ihr Mann Nodonn wurde sie vampiristisch ausgesogen und ihre mentale Essenz von Aiken einverleibt.

Doch diese Tat hat ihre Nachteile, wie Aiken Drum rasch herausfinden muss: er kann diese mentalen Fähigkeiten nicht kontrollieren, außerdem entwickeln sie in ihm selbst ein unangenehmes, um nicht zu sagen: monströses Eigenleben, da die beiden Persönlichkeiten der Absorbierten noch existieren. Infolgedessen ge­rät er, als es schließlich in den Kampf gegen die ungeheuerlich mental begabte und vollkommen wahnsinnige Felice Landry geht, beinahe zugrunde. Das liegt auch an der Person, die ihm zu Hilfe eilt: Marc Remillard, der einstige Anführer der Metapsychischen Rebellion, der im Galaktischen Milieu der Zukunft mehre­re Milliarden Tote auf dem Gewissen hat.

Skrupellos, wie Marc ist, legt er es darauf an, sowohl die bedrohende Felice als auch Aiken bei dieser Aktion umzubringen. Glücklicherweise macht ihm das Schicksal einen Strich durch die Rechnung.

Nach dieser Konfrontation ist die Lage nach wie vor bedrohlich. Felice ist ausge­schaltet, doch Marc Remillard, dem die Kinder seiner geflohenen Getreuen nach Europa entwichen sind, weil sie nichts Geringeres vorhaben als das ge­schlossene Zeitportal von der Vergangenheitsseite her wieder zu öffnen, be­schließt, sich selbst in die Intrigen und Kämpfe auf dem alten Kontinent einzu­mischen.

Verheerenderweise rüsten nun auch die missgestalteten Firvulag, das Ge­schwistervolk der außerirdischen Tanu, zum so genannten „Letzten Krieg“, der in ihrer Kriegsmythologie zum Untergang beider Völker führen wird. Die Anfüh­rer der Firvulag rechnen sich aus, dass dieser Letzte Krieg vielleicht mit dem Sieg ihrer Seite enden wird.

Aiken Drum ist sich dessen durchaus bewusst. Ein Drahtseilakt nach dem ande­ren findet statt: er muss sich zunächst gegen die jugendlichen Rebellen unter der Führung von Marc Remillards Sohn Hagen behaupten und sie vor seinen Karren zu spannen verstehen. Gleichzeitig darf er aber auch die Herrschaft über die Tanu nicht vernachlässigen, die aufsässigen Firvulag in Schach halten und muss zudem versuchen, den Zeitportalplan zu realisieren.

Besonders letzteres wirft ungeahnte Probleme auf, die schließlich von einem an sich völlig unbedeutenden Mann, dem Metallurgen Tony Wayland, entschieden werden. Doch der wird zunächst von den Firvulag durch halb Europa entführt, als „Lebendration“ mitgeschleppt, umschmeichelt, vergewaltigt und so weiter… Und eigentlich möchte doch Toniiie nur zu seiner geliebten Heuler-Frau Rowane zurück, die er so schmählich im Stich gelassen hat, weil sie ihn sexuell völlig aus­saugte. Was ihm dabei alles zustößt, reicht für einen eigenen Roman.

Aiken versucht unterdessen, seine Machtbasis auszubauen. Dafür braucht er die Tanu-Beiboote, die die menschlichen Rebellen vor kurzem auf dem höchs­ten Gipfel des Pliozän-Europa, dem Monte Rosa, in Sicherheit brachten. Aber wer ist schon fähig, einen neuntausend Meter hohen Berg zu bezwingen? Und wie wehrt man dort oben eine Attacke der gebirgsgewohnten Firvulag ab? Wie, vor allen Dingen, kann Aiken sicher sein, dass die Bergsteiger sich nicht einfach mit den Flugzeugen aus dem Staub machen…?

Probleme en masse. Und es kommt noch schlimmer, als sich Marc Remillard von der Überladung durch Felice Landry erholt und die Fähigkeit des D-Springens vervollkommnet, die es ihm beispiellos ermöglicht, bald überall auf der Welt aufzutauchen. Erst alleine, ohne Lasten, dann mit Edelweiß, einer einzelnen Person, schließlich mit mehreren Tonnen Gewicht. Sein Ziel ist es, die eigenen Kinder und die der anderen Rebellen wieder einzufangen – und zu verhindern, dass das Zeitportal geöffnet wird. Dabei ist dem Widersacher Marc Remillard auch recht, von den Firvulag für den Letzten Krieg eingespannt zu werden, des­sen Ziel die Vernichtung aller Tanu – und der gesamten Menschen im Pliozän-Exil sein soll…

Der Roman birgt den Showdown des Pliozän-Zyklus und bringt ungemein Bewe­gung in die ganze Geschichte. Soviel ist man durchaus bereit, einzugestehen. Aiken Drums allmähliche Heilung, die subtilen und manchmal auch brachialen Arten der „Diplomatie“, die hier und da angewandt werden, sie schaffen Span­nung verschiedenster Art. Die allmähliche Wandlung mancher Charaktere, ins­besondere der Großmeisterin Elizabeth Orme, ist beachtlich. Doch man merkt dem Buch auch deutlich Längen an, Seiten, die dem Roman eigentlich hätten erspart werden können. Langwierige Umwege, unnötige Ausdehnung von Dialogen und beschreibenden Passagen – z. B. das Monte-Rosa-Abenteuer – , signalisieren allmähliche Arbeitsmüdigkeit der Autorin. Insbesondere zum Schluss, wo breit das große Turnier zwischen Menschen, Tanu und Firvulag ausgewalzt wird, verschenkt jede Menge an dramatischer Interaktion, die Personen verkümmern hier zu Schemata und zu Schablonen. Das ist ausgesprochen schade.

Was beispielsweise aus der schön aufgebauten Geschichte um Tony Wayland und seiner Heulerfrau Rowane wird, ist einfach nur traurig. Die zwanghafte Pro­blemlösung – z. B. für die Schwarzringe – wirkt dahergestoppelt und eigentlich unnötig. Das Schicksal des Bergsteigers Basil ist an Realitätsferne schwerlich zu übertreffen. Aber May muss um jeden Preis ein irgendwie glattes Ende herbei­zaubern, wissend, dass „glatte Enden“ die Künstlichkeit einer Geschichte eher betonen als verbergen.

Die Charakterwandlungen des „Widersacher“ Marc Remillard und Elizabeths kommen so überhastet und sprunghaft daher, als wäre diese Lösung ganz zum Schluss einfach so improvisiert worden. Viele Leute werden einfach zu Statisten degradiert, es stauen sich in Europa am Ende alle wichtigen Hauptpersonen und werden wie Schachfiguren auf dem Brett hin- und hergeschoben, manche Dut­zende von Seiten schlicht vergessen. Und so weiter und so fort.

Zum Ende bleibt der Lesespaß – etwa auf den hundert Schlussseiten – fast kom­plett auf der Strecke.

Das heißt nun nicht, dass der Roman überflüssig wäre. Keineswegs. Ohne die hier geschilderten Verwicklungen und Verbindungen hätte man noch weit weni­ger machen können. Aber es fragt sich ernstlich, ob es mancher Windungen der Storyline bedurft hätte. Und die von mir schon im vergangenen Band beklagte, extreme High-Tech-Inflation, die nun zum Schluss zwingend notwendig wird (weil mit immer stärkeren, bombastischeren Kalibern geballert wird), aber kaum hinterfragt wird, kommt so „deus ex machina“-haft daher, dass es beina­he lächerlich wirkt.

Statt schließlich einen Anhang über die Hyperraum-Translation zu bringen, wäre es in meinen Augen weit besser gewesen, zu schildern, was passiert, als die ers­ten Flüchtlinge aus dem Exil wieder im Galaktischen Milieu auftauchen. Aber nein, nein, genau DAS passiert nicht. Und Folgebände gibt es nicht. Mit diesem Band hat Julian May ihr Universum um das Pliozän-Exil verlassen und, soweit ich weiß, nie wieder aufgesucht. Und, wie erwähnt, sind die ersten drei Bände, die in diesem Kosmos spielen, „Jack the Bodyless“, „Diamond Mask“ und „Fury“ niemals ins Deutsche übersetzt worden. Der Leser hängt also zum Schluss bedauerlicherweise ziemlich in der Luft. Genauso, wie er auch zu Beginn in der Luft hing.

Schlussendlich lässt sich über den Zyklus vom Pliozän-Exil sagen, dass er sich mit wenigen Ausnahmen an Seiten sehr gut und flüssig lesen ließ und an vielen Stellen Personen mit unwahrscheinlicher Liebe und Intensität geschildert wur­den, ganz zu schweigen vom exotischen Ambiente der Völker und Städte und Landschaften des irdischen Pliozän. Sobald aber die herrschende Ordnung durch die Sprengung von Gibraltar erst einmal zerstört war und der Macht­kampf um die Rangfolge im Tanu-Reich entschieden war, begann die Handlung zu lahmen und konnte nur durch den „Widersacher“, seine Mitstreiter und de­ren Kinder wieder in Gang gesetzt werden. Wobei dann aus unwahrscheinlichs­ten Ecken die unwahrscheinlichsten Waffen und High-Tech-Gerätschaften ge­zaubert werden mussten, nur um die Geschichte letztlich zu einem leidlich plausiblen Ende zu bringen.

Fazit? Gute Idee, anfangs gute Umsetzung, später nachlassender Elan und am Ende eine eher peinliche, überhastete Aktion, um endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Der Zyklus hätte ein weit besseres Ende verdient. Doch lesenswert ist er allemal, mindestens, um auf kreative Gedanken zu bringen…

© 2002/2012 by Uwe Lammers

Tja, wie eingangs schon angedeutet – eine begeisterte Rezension sieht deutlich anders aus. Da braucht ihr nur an den Roman der letzten Woche zu denken… oder vielleicht auch an den der kommenden. Dort werde ich von einer faszinie­renden Leseerfahrung berichten, die mich in direkten Kontakt mit der Nacher­zählung einer Sage brachte – eine wirklich bezaubernde Erfahrung. Näheres in sieben Tagen hier.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

und schon wieder ist ein Monat ins Land gestrichen, verflogen wie ein leichter Regenschauer, der durch den Tag hastet und entschwunden ist, ehe man ihn recht zur Kenntnis nehmen konnte. Es verdutzt mich immer wieder, wie ge­schwind die Wochen dahinrasen. Glücklicherweise kann man nicht sagen, dass ich derweil kreativ auf der Stelle treten würde.

Neben meiner Jobsuche hatte ich im verflossenen Monat auch die Gelegenheit, meine Expertise in Bezug auf den Buchmarkt und das Phänomen der E-Books und der Selfpublisher unter Beweis zu stellen, und ich kann sagen, dass mein Auftraggeber, der Verein KreativRegion e.V. in Braunschweig vom Endresultat sehr angetan war.1

Auch hinsichtlich des Oki Stanwer Mythos (OSM) bin ich gut vom Fleck gekom­men, insbesondere konnte ich mich stark dem Abschluss der Digitalisierung des KONFLIKTS 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (KGTDUS) nä­hern. Anfang Juni sollten die Arbeiten hier abgeschlossen sein.

Was es sonst noch gab, erfahrt ihr jetzt im Detail. Daran konnte ich arbeiten bzw. diese Texte konnte ich im Monat Mai fertigstellen:

Blogartikel 282: Work in Progress, Part 65

(OSM-Wiki)

12Neu 46: Welt der Türme

Blogartikel 280: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 55

Blogartikel 305: Close Up: Der OSM im Detail (2)

Erläuterung: Wie schon im vergangenen Monat erwähnt, versuche ich mit den Close Up-Beiträgen eine etwas ausführlichere Rezensionsform noch nicht online vorliegender OSM-Episoden ab KONFLIKT 14 zu realisieren. Und ja, das Schrei­ben dieser Beiträge macht verdammt Spaß, und ich bin definitiv in Versuchung, weitere Close Up-Texte zu verfassen. Ich halte mich aktuell damit allerdings des­halb zurück, weil dieser Beitrag hier erst am 6. Januar 2019 veröffentlicht wer­den kann. Es ist wenig sinnvoll, noch sehr viel weiter in die Zukunft hinein zu planen. Da gibt es doch definitiv Aufgaben, die meiner Aufmerksamkeit sehr viel früher bedürfen (aber schade ist’s doch… seufz!).

Blogartikel 293: Der OSM in Gedichtform (9): Das Blut der Matrix

(12Neu 47: Die Gravitationsbändiger)

18Neu 107: Der große Betrug

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“)

(18Neu 112: Endstation TOTAM)

(14Neu 51: Kreuzzug des Bösen)

(12Neu 48: Jagd auf den Täuscher)

Erläuterung: Als ich diese Episode abzuschreiben begann, stieß ich doch allen Ernstes auf eine Verwerfung der Handlungslogik in KONFLIKT 12. Dort agiert eine Person, die im Grunde genommen schon vorher in einer Zeitschleife „ent­sorgt“ worden war, unvermittelt wieder. Da war ich ziemlich neben der Spur. Aber inzwischen habe ich eine gute Idee, wie ich diese unerwartete Turbulenz zum Besten der Serie wieder einfangen und plausibel erklären kann, ohne dra­matische Veränderungen umzusetzen… lasst euch mal überraschen, wie das wohl gemeint ist und wie ich mich da aus der Affäre zu ziehen gedenke. Beizei­ten sage ich bestimmt noch mehr dazu.

(Glossar der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“)

18Neu 105: GOLEMS Geheimnis

18Neu 108: Flucht auf die Siegelwelt

(E-Book 38: Das Kriegernest)

18Neu 109: Soffrols Offenbarung

18Neu 106: In der Welt des Rippenbaums

(18Neu 110: Überlebenskampf auf der Kristallwelt)

(18Neu 111: Sterne ohne Gnade)

(18Neu 113: Aufmarsch zur letzten Schlacht)

(18Neu 114: Entscheidung in der Knochendimension)

Erläuterung: Dies ist dann der Abschlussband des KONFLIKTS 18. Wen übrigens die verwirrende Reihenfolge der fertig gestellten Episoden oben in Konfusion ge­raten lässt, der lausche meiner Aufklärung an dieser Stelle – wenn ich alte Epi­soden abschreibe und kommentiere, so geschieht das nicht immer zwingend in der originalen chronologischen Reihenfolge. Wenngleich die Episoden natürlich alle in der Serienreihenfolge vervollständigt werden, kann es doch zu dem Zeit­punkt, da ich mit der Überarbeitung beginne, sein, dass ich mal an dem einen, dann an dem anderen Band weiter schreibe. So kommt dieses scheinbar „chao­tische“ Bild zustande.

(DER CLOGGATH-KONFLIKT – OSM-BUCH (Abschrift))

Erläuterung: Ja, hier bin ich auch wieder aktiv gewesen… seit November 2017 pausierte ich mit der Abschrift, weil mich bekanntlich ganz andere Aufgaben be­schäftigten. Aber auf einmal hatte ich das dringende Gefühl, hieran weiter­schreiben zu müssen, und als ich erst mal damit begonnen hatte, wuchs der CK, wie ich ihn kurz nenne, binnen von anderthalb Wochen täglich um wenigstens 10-12 Seiten. Inzwischen habe ich den zweiten Ordner, der die Kapitel 5-12 (und damit die Seiten 479-990) enthält, fast ganz abgeschrieben. Ich stecke parallel in der Abschrift der Kapitel 11 „Der Höllenbote“ und 12 „Terror in London“. Da­bei hat allein das 11. Kapitel schon 130 Textseiten und eine unglaublich drama­tische Handlung… beizeiten berichte ich dazu mehr. Der CK ist ja als E-Book-Projekt für die nähere Zukunft in Planung. Wer auf dem Convention „Raum & Zeit Continuum IV“ im April in Braunschweig war, der konnte außerdem schon das Titelbild für den ersten CK-Band sehen.

(Blogartikel 289: OSM-Kosmologie, Lektion 12: Was wäre, wenn…?)

Ja, das sieht nicht nach allzu viel aus, ich weiß. Aber das Gesamtergebnis des Monats Mai sieht vielmehr so aus, dass ich 33 Werke fertig stellen konnte, dar­unter zahlreiche Rezensions-Blogs und Rezensionen, die in ebendiesen später mal eingehen werden.

Alles in allem bin ich also mit dem Erreichten schon sehr zufrieden. Für den Mo­nat Juni habe ich mir den Abschluss des KONFLIKTS 18 vorgenommen, die Glos­sierung der entsprechenden Bände, und dann möchte ich gern energisch an TI 30 „Das Kriegernest“ und BdC 1 „Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“ weiter­schreiben.

In der kommenden Woche führe ich euch zurück ins Jahr 2014, um zu schauen, wie ich ab September kreativ vorangekommen bin. Lasst euch davon mal über­raschen.

Bis nächstes Mal, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Bis dieser Beitrag erscheint, ist auch der E-Book-Text fraglos auf der Webseite der KreativRegion erschienen.

Nachtrag vom 25. August 2018: Nein, das ist leider bislang nicht geschehen, die Homepage dort ist noch in Bearbeitung. Sorry, folks…

Rezensions-Blog 178: Schlangenjagd

Posted August 21st, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute machen wir uns mal wieder auf, die Crew der OREGON auf ihren Aben­teuern zu begleiten. Genau genommen geht es ins Herz Afrikas mit den Maske machenden Angestellten der „Corporation“ um Juan Cabrillo, und hinein in eine Geschichte, in der quasi jeder wie gedruckt lügt und betrügt und im Extremfall auch munter mordet. Haarsträubendes Abenteuer, tiefgründige Charaktere, atemlose Action und jede Menge abstruser Humor füllen diesen Roman, den ich mit großem Vergnügen gelesen habe.

Ich bin überzeugt, dass selbst der Schlangen verabscheuende Dr. Henry Jones jr., den Kinogängern und Romanlesern als Indiana Jones vertraut, diesen Roman genießen könnte. Denn schließlich geht es nicht primär um Schlangen, wir be­suchen auch keine Schlangenfarm, stattdessen haben wir es hier mit Söldnern, Waffenhändlern, Schmugglern, Schatzsuchern und ähnlichen Leuten zu tun.

Neugierig geworden? Das will ich doch schwer hoffen. Und das hier ist es im Detail, was euch erwartet:

Schlangenjagd

(OT: Skeleton Coast)

Von Clive Cussler & Jack du Brul

Blanvalet 36864

608 Seiten, TB, 2009

Aus dem Amerikanischen von Michael Kubiak

ISBN 978-3-442-36864-8

Als Craig Dirgo als Coautor aus dem Schreibteam ausschied, das für die ORE­GON-Abenteuer verantwortlich zeichnete und dafür der mir vollkommen unbe­kannte Jack du Brul Clive Cusslers Partner wurde, war ich ja noch ein wenig skeptisch. Das Gefühl, das mich beschlich, ist wahrscheinlich jedem Fan von Serien vertraut – auf einmal schreibt da jemand über Personen, die man gut kennt, aber mag er wohl die richtigen Worte finden? Mag er die Charaktere ebenso gut beleben wie der Ursprungsautor? Kurz gesagt: man steht immer im Schatten desjenigen, der den Personen ursprünglich ihr Leben einhauchte. So war ich also ein wenig nervös, als ich den Roman „Todesfracht“ anging.

Wie die Leser dieser Rezension aber schon wissen, war diese Furcht definitiv unbegründet. Jack du Brul erfüllte die Erwartungen nicht nur, sondern ihm ge­lang das Kunststück, was manche Epigonen auch hinbekommen – die Nachfol­ger wurden besser als das Original. Im Falle der Sherlock Holmes-Geschichten ist dieses Muster inzwischen seit Jahrzehnten vertraut, bei Clive Cusslers Coau­toren ist es noch jung. Der vorliegende Band zeigt nun auf wirklich beeindru­ckende Weise, wie sich Jack du Brul vom Vorbild freigeschwommen hat. Das zeigt nicht nur der Umfang des Romans, sondern auch die faszinierende Rasanz der Handlung, die den Leser überhaupt nicht mehr auf den Gedanken kommen lässt, diesen Roman mit den Dirgo-Vorbildern abzugleichen.

Der Klappentext macht schon durchaus neugierig auf den Inhalt: laut ihm retten die OREGON-Besatzungsmitglieder eine Frau namens Sloane Macintyre vor Pi­raten und erfahren dadurch einmal von einem gigantischen Diamantenschatz als auch von riesigen, metallenen Seeschlangen, woraufhin sich Juan Cabrillo genötigt sieht, auf Schlangenjagd zu gehen, was dem Roman den Titel gibt.

Sagen wir es vorsichtig: das ist nur sehr partiell korrekt, wenn es auch inhaltlich nicht völlig falsch ist. Und man muss zudem rund zweihundert Seiten warten, bis die Worte des Klappentextes überhaupt in der Romanhandlung realisiert werden.

Und was passiert bis dahin? Tja, folgendes:

Kalahari-Wüste, 1896: Eine Gruppe von heruntergekommenen Abenteurern flüchtet quer durch die menschenfeindliche Kalahari-Wüste vor Angehörigen des Maharero-Stammes. Sie haben ihnen im Geheimen einen Diamantenschatz geraubt und befinden sich nun auf dem Weg zu einem Rendezvous mit einem Frachter, der H.M.S. Rover, die vor der Küste ankert und sie sicher an Bord neh­men soll. Verfolgt werden die Abenteurer unter H. A. Ryder jedoch von den Kriegern des Maharero-Stammes, und ihnen ist der Tod gewiss, wenn sie sie einholen. Was sie stattdessen an der Küste einholt, ist der Sandsturm des Jahr­hunderts, und so werden sie und die H.M.S. Rove aus der Geschichte ausgetilgt.

In der Gegenwart, kurz nach der Jahrtausendwende (mutmaßlich anno 2004), macht die Wissenschaftlerin Susan Donleavy in den Genfer Labors von Merrick/Singer eine beeindruckende Entdeckung. Eine molekulare Neuschöp­fung ermöglicht es, Wasser in eine Art Gallert zu verwandeln, wobei große Hitze frei wird. Ihr Chef ist Geoffrey Merrick, ist inzwischen Milliardär durch eine Er­findung, die er mit seinem Kompagnon Daniel Singer vor Jahren entwickelte und die die Schwefelemissionen von Kraftwerken binden konnte. Während Sin­ger sich aber aus der Firma verabschiedete und von Merrick ausbezahlt wurde, ist Merrick selbst immer noch auf der Suche nach innovativen neuen Ideen. Ihm ist zwar nicht ganz klar, was Donleavys Entdeckung für Anwendungen mit sich bringt, er ermuntert sie aber dazu, weiterzuforschen.

Wenig später werden Merrick und Donleavy wie aus heiterem Himmel mitten in der Schweiz entführt.

Zur gleichen Zeit, auf dem Kongofluss. Ein heruntergekommener Frachter legt an einem maroden Steg an und der schwarze Captain Lincoln, eigentlich Frank­lin Lincoln, Miteigner der OREGON ohne spezifischen Aufgabenbereich, tritt im Auftrag der CIA und natürlich im Dienst von Juan Cabrillos „Corporation“ in Ver­handlungen mit Samuel Makambos kongolesischer Revolutionsarmee, um ei­nen Container voller Waffen gegen eine Ladung Blutdiamanten zu verkaufen. Makambo schickt seinen Stellvertreter, Oberst Raif Abala, um den Handel abzu­wickeln.

Beide Seiten wollen einander hintergehen. Cabrillo hat im Auftrag der CIA die Waffen mit Funkpeilsendern versehen, damit die Regierungstruppen unter Ben­jamin Isaka sie anschließend orten und so das Lager der Rebellen angreifen können. Abala hat den Auftrag, sowohl die Waffen in Besitz zu nehmen als auch die Diamanten zurückzuholen. Er denkt gar nicht an Bezahlung. Vordergründig sieht das natürlich alles anders aus.

Das feurige Desaster, was sich anschließt, ist noch um einiges übler, als sich das selbst Juan Cabrillo vorgestellt hat, und nicht nur die OREGON bezieht einiges an herben Prügeln, sondern sie und die Crew geraten sogar in existenzielle Ge­fahr, weil die OREGON im Süßwasser des Kongoflusses ihre magnetohydrodyna­mischen Maschinen nicht einsetzen kann – und schließlich auch noch auf eine Sandbank aufläuft, während die Feinde näher kommen… da bedarf es schon ei­niger abenteuerlicher Manöver (sehr lesenswert übrigens!), um dem sicher scheinenden Ende zu entkommen.

Gleichwohl, es klappt. Aber zu diesem Zeitpunkt steht leider auch schon fest, dass Benjamin Isaka doppeltes Spiel treibt und den Rebellen Informationen ge­liefert hat. Der Plan der CIA und der OREGON-Crew ist damit gescheitert – und Juan Cabrillos Zorn erwacht, immerhin hat er diesen Halunken nun einen Con­tainer voller Waffen verschafft. Damit ist klar, dass die Geschichte noch ein üb­les Nachspiel haben wird – für die Rebellen. Cabrillo weiß nur nicht, wie er das anfangen soll.

Während des Gefechts haben zudem die Antennen der OREGON einen frag­mentarischen Funkspruch aufgefangen, in dem die Entführer von Geoffrey Mer­rick kurz etwas von ihrem Zielort gesagt haben, einem Ort namens „Devil’s Oa­sis“, der niemandem etwas sagt. Cabrillo lässt diese Geschichte verfolgen, zu­mal die „Corporation“ ja eine Institution von Freiberuflern ist, die immer auf der Suche nach lukrativen Anschlussaufträgen ist. Und wenn sie Merrick befrei­en können, springt sicherlich eine Belohnung in Höhe von einigen Millionen Dollar dabei heraus. Die Schweizer Behörden tappen derzeit noch völlig im Dun­keln und nehmen an, dass Merrick irgendwo in der Schweiz festgehalten wird. Es gibt aber auch keine Lösegeldforderung. Juan Cabrillo nimmt darum schnell an, dass es um politische Motive geht, womit er auf erschreckende Weise Recht behält.

Etwa zeitgleich befindet sich südlich von Walvis Bay in Namibia die hübsche und entschlossene Sloane Macintyre mit ihrem Kollegen Tony Reardon auf der Su­che nach dem Wrack der Rover, das sie in den Gewässern vor der namibischen Küste vermutet. Ausgerüstet mit einer Menge an Ehrgeiz und angespornt von der Vorstellung, den großen Diamantenschatz zu finden, sucht sie gewisserma­ßen als letzte Spur einen alten einheimischen Fischer auf, der „Papa Heinrick“ genannt wird. Als sie ihn endlich zum Reden bringen kann, scheint er zu Halluzi­nationen zu neigen. Er berichtet nämlich, es gäbe ein Seegebiet weit draußen vor der Küste, das er meide, seit er dort großen metallenen Seeschlangen be­gegnet sei.

Offensichtlich ein Hirngespinst… aber warum verfolgen unmittelbar darauf zwei bewaffnete weiße Männer Sloane durch die nächtlichen Straßen von Swakop­mund und schießen sogar auf sie? Warum raten sie ihr, das Land schnellstens zu verlassen?

Als Sloane eben nicht aufgibt, sondern sich tatsächlich auf die Suche nach dem Seegebiet mit den metallenen Seeschlangen begibt, wird sie plötzlich von einer schnittigen Yacht verfolgt und beschossen. Ihre einzige Chance ist dann ein her­untergekommener Frachter, der auf unmögliche Weise manövriert und die Ver­folger ausschaltet – die OREGON.

Zu dumm: Juan Cabrillo glaubt der Geschichte von den „metallenen Seeschlan­gen“ nicht. Mehr noch – er merkt deutlich, dass Sloane wie gedruckt lügt… was er selbst natürlich auch tut, einfach schon deshalb, um die OREGON und ihre Tarnung zu schützen. Sloane ist ihm zwar nicht unsympathisch, aber er findet sie undurchsichtig, und das bleibt auch so, als sie ihm enthüllt, was sie hier tat­sächlich will und in wessen Auftrag.

Cabrillo hat noch zwei Dinge am Laufen und hat keine Lust, sich noch in ein drit­tes Abenteuer verstricken zu lassen – denn während er an Merricks Befreiung arbeitet, muss er sich auch noch etwas einfallen lassen, das Kongo-Desaster in den Griff zu bekommen. Dass das alles sehr viel mit den „metallenen Seeschlan­gen“ vor Namibias Küste zu tun hat, kann er sich eigentlich nicht vorstellen. Aber ehe er richtig versteht, was vor sich geht, steckt er bis zum Hals in Schwie­rigkeiten, die mit skrupellosen Fanatikern zu tun haben, die lieber Selbstmord begehen, als sich verhören zu lassen, mit Rebellenführern und einem Verhäng­nis, das durchaus den Lauf der Weltgeschichte verändern kann – und die ORE­GON unter seinem Kommando ist die einzige Waffe, die das letztlich vereiteln kann…

Hochgeschwindigkeits-Nervenkitzel“ urteilte Publishers Weekly über diesen Roman (vermutlich jedenfalls, denn bekanntlich werden solche Statements gern als verkaufsförderndes Etikett immer wieder auf Romane diverser Autoren ge­pappt, man erinnere sich an Stephen Kings Zitat „Dan Simmons schreibt wie ein Gott“, das nur auf einem Roman prangte und dann munter auf weitere Sim­mons-Romane übertragen wurde; gleichwohl ist das obige Urteil hier vollkom­men richtig am Platz). Das ist in der Tat so – man kommt aus dem Buch gar nicht mehr heraus, und es in drei Tagen zu lesen, wie ich es getan habe (die zweite Hälfte des Buches an einem Tag, dem gestrigen), das ist gar kein Pro­blem. Ich neige stets dazu, zu sagen, dass so etwas ein Qualitätsurteil hinsicht­lich der Fähigkeit des Autors ist, und das trifft hier ebenfalls zu.

Jack du Brul hat sich, wie oben schon angedeutet, mit diesem Roman wirklich freigeschwommen, und man merkt deutlich, dass er sich sehr mit den Personen angefreundet hat. Namentlich Juan Cabrillo bekommt immer mehr interessante Züge, er wendet seine Fähigkeiten vielseitig an (aberwitzig ist die Szene, wie er in der Wüste, eigentlich durch einen Absprungfehler beim Fallschirmsprung vom Ziel abgekommen, via Parasailing einen Fahrzeugkonvoi verfolgt… einfach unglaublich), und auch viele seiner Crewmitglieder bekommen bisweilen recht schrullige, sie gut charakterisierende Züge – etwa der Steward Maurice. Ebenso kommt der Humor nicht zu kurz, das belebt die Geschichte dann sehr.

Hinzu kommt, dass die Gegenseiten (!) sich als durchaus verschlagen und raffi­niert herausstellen. Dabei umschifft du Brul die Klippe, Afrika – wo ja fast die gesamte Handlung spielt – als „schwarzen Kontinent mit sinistrer Bevölkerung“ zu beschreiben. Die Bösewichter sind durchaus nicht alle schwarz, viele Schwar­ze sind vielmehr außerordentlich moralisch hoch stehende Personen und sym­pathische Charaktere, und man erhält zumindest eine Andeutung von den kom­plexen politischen und ethnischen Problemen der dortigen Staatenwelt rings um den Kongo.

Da es letzten Endes – auch wenn man das weder dem Titel noch dem Cover oder dem Klappentext ansehen kann – um Ökologie geht (außerdem um Waf­fenhandel, Korruption und Fanatismus, um nur ein paar der weiteren Themen anzusprechen), erweist sich die Geschichte auch als entschieden tiefgründiger, als man das anfangs annehmen kann. Wer darum Geschichten mit doppeltem Boden lesen möchte, mit intelligenten, verschlagenen Gegnern (die man auch als „Schlangen“ bezeichnen kann, weshalb Cabrillo nicht nur metallene, son­dern auch menschliche Schlangen jagt und der Titel außerordentlich passend ist) und Handlungssträngen, in denen selbst die sonst so gut sortierte OREGON-Crew auf Grundeis läuft, der ist hier wirklich bestens am Platze.

Das Rätsel der „metallenen Schlangen“ sei an dieser Stelle nicht verraten – das und viele andere Überraschungen birgt der Roman auch für die Leser, die die Rezension bis zum Schluss gelesen haben. Er sei den Lesern wärmstens ans Herz gelegt. Und ich freue mich schon auf die nächsten OREGON-Abenteuer.

© 2012 by Uwe Lammers

In der nächsten Woche kümmern wir uns dann an dieser Stelle um den Schluss­akkord von Julian Mays Pliozän-Zyklus. Und ja, ich habe natürlich schon einen weiteren Mehrteiler im Visier, über den ich ab Blogartikel 181 berichten werde. Diesmal wieder etwas völlig anderes, aber, da könnt ihr meinem Urteil voll und ganz vertrauen, etwas äußerst Lesenswertes…

Bis nächste Woche, meine Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 285: Logbuch des Autors 26 – Bücherrausch II

Posted August 19th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute möchte ich mit euch mal eine ganz frische, ausgesprochen elektrisieren­de Erfahrung teilen, die ihr vielleicht auch schon gelegentlich erlebt habt. Je­denfalls, schränke ich ein, wenn ihr nicht zu der großen Schar der Media-Fans gehört, die Bücher eher mit der Kneifzange anfassen und sie eher „gezwunge­nermaßen“ lesen. Glaubt mir, es gibt solche Menschen, die sich kreativen Stof­fen nur dann mit Genuss nähern können, wenn sie sich in Film- oder Serienform konsumieren lassen. Solche Personen berichten dann gern, dass sie vielleicht mal zwei oder drei Bücher im Jahr lesen. Besonders ignorante Angehörige die­ser Sorte Mensch erzählen anschließend auch ungeniert, dass sie gelesene Bü­cher kurzerhand wegwerfen…

Ja, da können wir schon empört reagieren, aber es geht mir nicht darum, heute solches Verhalten zu verurteilen, das für mich immer seltsam bleiben wird. Ich berichte heute vom Gegenpol dieser Erfahrungen.

Dass ich jemand bin, der für sein Leben gern liest, das muss ich wohl nicht son­derlich betonen. Ihr habt das in der vorletzten Ausgabe dieser Subreihe meines Blogs vor siebzehn Wochen mitbekommen. Ohne Frage nenne ich nicht gut dreitausend Bücher mein eigen, wenn ich mit Büchern nichts anfangen könnte. Und wenn ich sage, dass ich aktuell, gegen Mitte Februar 2018, wo ich diese Zeilen schreibe, schon mehr als 30 Bücher dieses Jahr gelesen habe, spricht das wohl auch für sich.

Außerdem erzählte ich mal, dass es für mich als intuitiven Autor Zeiten fürs Schreiben gibt wie es Zeiten für das Lesen gibt, und dass sie sich üblicherweise recht deutlich ausschließen – wenn ich Schreibdrang verspüre, kann ich mit Lek­türe, anspruchsvoller noch dazu, wenig anfangen. Dann wiederum kommt es vor, dass ich völlig in Büchern versinke und kaum mehr zum Schreiben komme. Solch eine Phase machte ich im Januar und ganz stark dann im Februar durch. Von dieser phantastischen Zeit möchte ich heute berichten und zugleich der Autorin danken, die primär für diese Leseerfahrung zuständig war: Anna Todd.

Alles fing im vergangenen Herbst an, jedenfalls bewusst, sage ich mal. Aber ich setze noch etwas früher an und sage etwas Generalisierendes.

Wer meine Rezensions-Blogartikel verfolgt hat, der weiß, dass ich seit geraumer Zeit ein Faible für erotische Romane habe. Mich faszinieren einmal generell ero­tische Szenen, mich interessieren die verschiedenartigsten Facetten weiblichen Verhaltens und der femininen Psyche, die ich für einen schier unerschöpflichen Gegenstand halte, der immer neue, aufregende Überraschungen und Entde­ckungen bereithält.

Aufgrund dieser Neigung besuche ich auch sehr gern in Buchhandlungen die Bereiche, in denen Neuerscheinungen erotischer Romane zu finden sind. Heut­zutage, das muss ich nicht eigens betonen, finden sich dort mehrheitlich die Tei­le von Kurzzyklen, und manchmal sind darunter schon recht voluminöse Werke. Viele, wie etwa die Romane von Vina Jackson oder die frühen Auflagen von E. L. James´ Büchern sind optisch grell-poppig und ziemlich einfallslos mit Blü­tenformen garniert, die optisch eine Analogie an das weibliche Geschlecht her­stellen sollen.

Aber es gibt eben auch Romane, die anders aussehen.

Darunter fiel mir schon vor ein oder zwei Jahren eine ganze Reihe dunkel einge­bundener, mit erhabenen, glänzenden Signets gestalteter Bücher auf, die auf eine Autorin namens Anna Todd verwiesen. Aber ihr „After“-Romanzyklus ge­hörte zugleich in die Reihe von Werken, die mit 12,99 Euro pro Band ziemlich kostspielig daherkamen.

Eine unbekannte Autorin kaufen, und dann vielleicht über 70 Euro ausgeben, einfach so auf blauen Dunst? Lieber nicht, dachte ich mir, notierte mir die Titel und schrieb sie auf meine Suchliste. Wenn mich etwas auszeichnet, dann Ge­duld. Ich weiß um die Schnelllebigkeit des Buchmarktes, und in der Tat musste ich nicht lange warten – im Herbst 2017 fand ich Band 6 des Zyklus auf dem Wühltisch.

Nothing more“, dachte ich. Wer mochte wohl dieser Landon sein, um den es im Klappentext ging? Ich hatte keine Ahnung. Aber das Buch fühlte sich gut an, und es reizte mich. Mal schauen, überlegte ich, ob es die anderen Bände auch schon irgendwo preiswerter gibt…

Kaum hatte ich das gedacht, stolperte ich auf einem weiteren Büchertisch im Januar 2018 über den ersten Band des Zyklus, „After passion“. Interessanterwei­se besaß er keinen Remittendenaufkleber und keinen Remittendenstempel. Ich nehme darum an, dass er regulär gekauft, einmal gelesen und dann kurzerhand dort deponiert wurde, mutmaßlich von der Betreiberin des Ladens, wo ich das Buch dann gleich mitnahm.

Damit hatte ich zwei Bände des Zyklus, und ich begann nun ernsthaft damit, an­tiquarisch danach zu fahnden. Ende Januar hatte ich dann alle sieben Bände beisammen – eine enorme Bücherfront, da die Anfangsbände über 700 Seiten besaßen, Band 3 hatte sogar über 900, die restlichen waren deutlich kürzer ge­halten.

Außerdem hatte ich gerade zum zweiten Mal E. L. James´ Grey-Romane aus­gelesen (fünf an der Zahl inzwischen, der finale Band, der den dritten Band der Trilogie „Fifty Shades of Grey“ aus Christian Greys Sicht erzählen wird, kommt mutmaßlich frühestens Ende 2018 auf den Markt, eher später), und ich befand mich in einem emotionalen Tief, das sich am besten durch ausführliche Lektüre bekämpfen ließ.

So griff ich nach Anna Todds Romanen, die ja nun alle vorlagen, und fast sofort versank ich in diesem chaotischen Achterbahnleben und kam nicht mehr raus. Eine phantastische Erfahrung, wie oben angedeutet. Und für alle, die diesen Zy­klus noch nicht kennen, sei kurz dargestellt, worum es geht. In meinem Rezensi­ons-Blog werden die entsprechenden Rezensionen beizeiten auch auftauchen, aber das wird vermutlich kaum mehr anno 2018 der Fall sein, dafür habe ich dort zu weit vorgeschrieben (zum aktuellen Zeitpunkt reicht die Planung schon bis Blogartikel 176 weit, der am 8. August 2018 erscheinen soll).

Wir befinden uns in Washington in der Gegenwart. Die junge Theresa Young, die kurz vor ihrem 19. Geburtstag steht, schreibt sich an der Washington Cen­tral University (WCU) ein und will Literatur studieren. Da sie romantisch veran­lagt ist, für die britischen Klassiker schwärmt und von ihrer Mutter Carol unter­stützt wird, sieht eigentlich alles rosig für sie aus. Carol plant ohnehin alles gut voraus und hat diese Attitüde auf ihre Tessa übertragen. Selbst ihr künftiges Eheleben ist schon scheinbar in trockenen Tüchern. Sie soll ihren Jugendfreund Noah heiraten, einen netten Nachbarsjungen. Aber es kommt alles anders.

Die Mitbewohnerin im Wohnheim, in das Tessa zieht, ist die Punkerin Steph, und schon am ersten Tag rasselt die nervöse Tessa mit einem rüpelhaften, riesi­gen Kerl zusammen, der wirklich unterirdische Manieren besitzt, zudem täto­wiert und gepierct ist – Hardin Scott. Dummerweise belegt er denselben Litera­turkurs wie sie und setzt sich dann auch noch neben sie. Sehr schnell reizen sie sich gegenseitig bis zur Weißglut.

Allerdings spürt Tessa nicht nur schiere Ablehnung, sondern diese ruppige, un­verschämte Art macht sie auch schrecklich nervös. Das merkt auch ihr anderer Mitkommilitone Landon Gibson, der mit ihnen den Kurs teilt und das völlige Ge­genteil von Hardin zu sein scheint – ein sanftmütiger, freundlicher, hilfsbereiter Kerl, der schnell zu Tessas Notanker mutiert.

Gleichzeitig beginnt eine bizarre Form von Romanze zwischen Hardin und Tessa. Sie, die im Beisammensein mit Noah immer nur eher ruhige, keusche Gefühle gehegt hat, erlebt unglaubliche Emotionen, als Hardin sie Besitz ergreifend küsst und sie auf eine Weise berührt, die sie noch nie erlebt hat. Schnell wird beiden klar, dass sie mehr füreinander empfinden, als gut ist. Tessa möchte Noah nicht „betrügen“, von dem sie ständig behauptet, sie würde ihn lieben. Und Hardin beteuert seinerseits, er wolle keine „Beziehung“, aber er könne an­dererseits auch nicht die Finger von ihr lassen.

Schnell gerät Tessa in Hardins ungesunde Mitkommilitonenkreise, hinein in Al­koholexzesse und bizarre Spielrituale. Und als völlig argloses Mädchen, das von der Umwelt immer nur das Beste annimmt, ist sie von den Intrigen, Lügen und Geheimnissen, die unter anderem auch Hardin vor ihr hat, schnell überfordert.

Noch schlimmer wird es dann, als klar wird, dass Hardin nicht einfach nur ein x-beliebiger Student ist, sondern der Sohn des Rektors der WCU, mit dem er sich allerdings gründlich verkracht hat (aus Gründen, die noch diverse Katastrophen nach sich ziehen sollen). Tessa lernt Hardins Tobsuchtsanfälle und seine Alkoho­lexzesse ebenso kennen wie seine Neigung, Mobiliar zu zertrümmern und Leute zusammenzuschlagen. Und auf der anderen Seite erlebt sie mit ihm sexuelle Leidenschaft jenseits ihrer Vorstellungskraft und kann sich beim besten Willen nicht gegen die magnetisierende Anziehungskraft seiner Person zur Wehr set­zen.

Zugleich erkennt sie in ihm aber auch noch etwas anderes: den zutiefst trauma­tisierten, vom Leben und seiner Familie verbitterten Jungen, der die Welt hasst und meint, von der Welt ebenfalls gehasst zu werden. Und sie nimmt sich vor, ihn zu heilen, ihn zu bessern und zu einem normalen Leben zu führen. Leider ist das mit schier unendlich vielen traumatisierenden Szenen, viel Geschrei und Streit und Tränen verbunden. Und je länger das andauert, je mehr sie Hardins Eifersucht, seine Besitzattitüde einerseits und seine Verlustangst andererseits auszuhalten hat, desto mehr höhlt es Tessa aus…

Ich schrieb in meinen Rezensionen, dass es sich wirklich um abenteuerliche, sogartige Achterbahnfahrten der Hormone und Emotionen handelt, und beim dritten Band – dem mit über 900 Seiten – grauste es mich schon ein wenig, noch weiter in dieses Chaos einzutauchen. Denn Anna Todd schont ihre Leserin­nen und Leser nicht. Da, wo zahllose andere Autoren schnell Konflikte abbügeln und aus Streitszenen auftauchen (wenn sie sie überhaupt beschreiben), da geht sie bis auf den Grund. Streitszenen, die über mehrere Kapitel gehen, sind keine Seltenheit. Zerwürfnisse und Missverständnisse, die 200 Seiten brauchen, bis sie sich halbwegs aufklären, sind an der Tagesordnung. Sie schont ihre Protago­nistinnen und Protagonisten wirklich nicht.

Ich kam mir, während ich wochenlang in diesen Büchern schwelgte und fast je­den Sinn für das Schreiben dabei verlor, mitunter vor, als würde ich in meinen voluminösen Archipel-Romanen stecken. Ach, wie vertraut waren mir diese lang schwelenden Missverständnisse! Wie vertraut diese tränenreichen Zerwürfnis­se. Diese ganz sinnlosen Vorwurfsszenen. Ich kannte das wirklich alles, hatte es aber so ausführlich noch nie von anderer Seite her gelesen. Das war eine tolle Erfahrung, so wenig dieser Zyklus mit Phantastik zu tun hatte (bei Landon Gib­sons abschließenden zwei Zyklus-Romanen gibt es zahllose Anspielungen auf Harry Potter und Game of Thrones, aber das macht aus ihnen natürlich keine phantastischen Romane, sondern leicht erotische Liebesromane).

Als ich also heute früh (!) aus dem letzten Roman auftauchte und ihn rezensiert hatte, stand der Entschluss fest, diese aufregenden Leseerfahrungen, die ich meinen eigenen Lesern natürlich auch von Herzen gönnen möchte, so ihr sie noch nicht gemacht habt, allgemein aufzubereiten – und was bot sich dafür am besten an denn ein solcher Blogartikel, wie ihr ihn hier vorliegen habt?

Wenn ihr also neugierig geworden seid und nicht auf meine Rezensions-Blogar­tikel warten wollt, die noch Monate von der Veröffentlichung entfernt sind, dann haltet einfach Ausschau nach diesen Büchern: After passion, After truth, After love, After forever, Before us, Nothing more und Nothing less.

Dabei sollte ich noch etwas ergänzend erwähnen: lasst euch im ersten Band nicht von dem Mistkerl Hardin abschrecken. Dummerweise hat die Autorin in dem ersten Roman nur die Tessa-Perspektive beachtet, ab Band 2 wechseln sich Hardin- mit Tessa-Kapiteln ab, so dass man auch einen Einblick in seine Psyche erhält, was der Psychodynamik der Geschichte doch sehr gut tut und seine bis­weilen echt bescheuerten Taten wirkungsvoll relativiert. Im Band Before us hat Anna Todd dann versucht, zumindest auszugsweise die Handlung des ersten Ro­mans aus Hardins Sicht nachzustellen (meiner Ansicht nach ist das Experiment, das sich klar an „Grey“ von E. L. James anlehnt, und leider nur bedingt gelun­gen, das ist mit Abstand der schwächste Band der ganzen Reihe).

Tatsache ist jedoch, dass das wirklich Bücher sind, die man bis tief in die Nacht durchschmökern und aus denen kaum wieder auftauchen kann. Voraussetzung ist natürlich, dass man gleich mir so romantisch und sentimental veranlagt ist und sich mit den Protagonisten anfreunden kann. Während ich Hardins „Freun­de“ durch die Bank für Vollidioten oder Schlimmeres gehalten habe, empfand ich für die beiden Hauptpersonen primär intensive Zuneigung, manchmal durchmischt mit akuten Anfällen von Verzweiflung, wenn die Beziehung (mal wieder) in die Binsen ging und Tessa in Tränen zerfloss.

Es ist meiner Ansicht nach eine tolle Gabe einer Autorin oder eines Autors, wenn man es versteht, die Leser so mitleiden zu lassen. Und wenn man dann noch wie im Fall von Anna Todd wichtige soziale Themen wie die Problematik zerrütteter und unvollständiger Familien oder den destruktiven Einfluss von Al­kohol auf menschliche Beziehungen und jugendliche Sozialisation einarbeitet, dann muss man diese Romane eigentlich rundweg empfehlen.

Wer neugierig geworden sein sollte, der sollte meine Leseerfahrung wiederho­len – das lohnt sich wirklich sehr.

In der kommenden Woche kommen wir wieder zu bodenständigeren Themen zurück, dann berichte ich euch von meiner kreativen Genese im Monat Mai 2018.

Bis dann, meine Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.