Wochen-Blog 350: Close Up: Der OSM im Detail, Teil 11

Posted November 17th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ja, die Dinge stehen schlecht im Reich der Cranyaa, soviel steht fest. Wer mir durch die ersten zehn Close Up-Artikel gefolgt ist, wird das unvermeidlich so se­hen müssen. Aber es wird noch abenteuerlicher in den Episoden 51-55 der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“, um die es jetzt geht. Zunächst die obligatorische kurze Rückschau:

Rückblick: Oki Stanwer ist fern von Hun’arc, wo er eigentlich als Feldherr des in­sektoiden Cranyaa-Volkes wirken soll. TOTAM hat in der Galaxis vollendete Tat­sachen geschaffen – zwar konnten Klivies Kleines und die Lichtfestung OREOC im Grunde genommen die Dämonenwaffe Rookax und die von ihr unterjochten Bündnisvölker ausschalten, doch liegt das Cranyaa-Reich völlig am Boden, und die Kämpfer des Bösen gewinnen immer mehr Einfluss. Kleines gilt als tot, OREOC ist schwer beschädigt in die Todeszone abgedriftet, wo sich die Helfer des Lichts um Oki Stanwer, den Planeten ANTI-TOTAM, die STELE DER EWIGKEIT und den Transmittermond der Plegg’re in einer Falle TOTAMS wieder gefunden haben. Sie werden bei der Zerstörung der Todeszone hinabgesogen in den Ab­grund der Zeit, ins so genannte Zeituniversum.

Doch in der Gegenwart bleibt die Zeit nicht stehen, sondern die Zeichen stehen auf Sturm in Hun’arc …

Episode 51: Kreuzzug des Bösen

(17. November 1984, digitalisiert 2018)

Blende nach Hun’arc ins zerfallende Reich der Cranyaa. TOTAM hat das Ewige Reich ausgerufen und den Ruf durch das Universum ausstrahlen lassen. Auch das Volk der entropiegeschädigten Yozinther wird davon animiert, in die Hei­matgalaxis der Cranyaa aufzubrechen. Sie werden von einem alles verzehren­den Hass auf gesunde Lebensformen angetrieben und sind technologisch ver­heerend hochgerüstet.

Die Cranyaa haben dieser Flotte von mehr als 24.000 Einheiten wenig entge­genzusetzen, da ein neuer innerer Feind sich bemerkbar macht – Cranyaa ver­weigern auf einmal den Gehorsam und behaupten, sie seien nur loyal zum „Kai­ser von Kareton“. Während auf der Zentralwelt Wislyon noch das verheerende Kommandounternehmen auf der Synox-Zentralwelt Crymon diskutiert wird (vgl. dazu die Bde. 48 und 49 der Serie, besprochen in Teil 10 der Close Up-Reihe), kommt es zu einer Palastrevolte auf Wislyon selbst.

Der Kaiser von Kareton putscht gegen Königin Sini-Ag!

Episode 52: REICHSALARM

(23. Dezember 1984, digitalisiert 2018)

Derweil landet die Yozinther-Flotte auf der Cranyaa-Waffenwelt Iltrian. Da von der Zentralregierung auf Wislyon – aus begreiflichen Gründen – keine Order mit Handlungsanweisungen kommt, verhalten sich die hier weilenden Cranyaa, die nur eine Notbesatzung darstellen, ruhig. Ein Patt tritt ein.

Auf Wislyon vermag derweil die Cranyaa-Admiralin Jeko-Ar die amtierende Kö­nigin Sini-Ag vor den Schergen des Kaisers von Kareton zu retten. Gemeinsam rufen sie über Funk den Alarmfall „Reichsalarm“ aus und warnen vor der Gefahr des Usurpators. Das verhindert allerdings nicht, dass das allgemeine Chaos aus­bricht. Denn auch das terroristische Zellennetzwerk „Kommando Erste Stunde“ (KES) unter dem verkrüppelten Cranyaa Ylor-Ya wird nun aktiv und betreibt den Umsturz.

Noch schlimmer: Auch der Troohn Tronlekk auf TOTAMS geheimer Stützpunkt­welt Ghoyyol wird autorisiert, die verstreuten Wiederaufbauteams der Cranyaa zu attackieren, um die Front der positiven Kräfte weiter zu schwächen. Seine Flotten beginnen mit neuen Attacken gegen die Cranyaa-Welten.

Und dann greift TOTAM selbst ein und lässt einen schwarzen Energiesturm über die Welt Iltrian lodern, der die Yozinther kollektiv in Untote verwandelt und die Cranyaa-Besatzung des Planeten auf der Stelle tötet.

Und ab diesem Zeitpunkt beginnt erneut das große Schweigen im Reich der Cranyaa … alles scheint verloren.

Episode 53: Das Zeituniversum

(12. Januar 1985, digitalisiert 2018)

Einige Wochen zuvor ist im Raum zwischen den Galaxien Wukarin und Risalon das dimensional kavernierte Reich der silberhäutigen Humanoiden aus dem Volk der Waaklors kollabiert, die so genannte Todeszone. Die Waaklors hatten sich hierher vor Zehntausenden von Jahren zurückgezogen, um vor der Aggres­sion durch das Volk der Plegg’re geschützt zu sein. Dann aber wurden sie vom Dämon Carthusuum von TOTAM auf die Seite des Bösen gezogen und sind in den Auseinandersetzungen, zusätzlich noch bedrängt durch das Wachstum der zerstörerischen Schockzone, zugrunde gegangen.

Oki Stanwer und seine Gefährten wurden mitsamt ANTI-TOTAM, der STELE DER EWIGKEIT und dem Transmittermond sowie der angeschlagenen Lichtfestung OREOC in einen dimensionalen Zwischenraum gesogen, in den auch die Trüm­mer der zerstörten Sonnensysteme aus der Todeszone gerissen worden sind. Oki Stanwer konnte soeben noch vor dem sicheren Tod auf der Waaklor-Haupt­welt Rolaan gerettet werden, wo er sich mit zwei Dämonen duelliert hatte. Bei­de fanden den Tod.

Ohne zu wissen, dass sie sich recht eigentlich in einem Zeittunnel befinden, werden Oki Stanwer und seine Gefährten nun in ein nebelhaftes Kontinuum hineingerissen, das man später als „Vorhof des Zeituniversums“ bezeichnen wird. Hier wirkt und herrscht der Dämon mit dem langen Namen, Egromeu­mogsoon, der Oki Stanwer ebenfalls zum Duell herausfordert. Der Feldherr der Cranyaa kann diesen Kampf für sich entscheiden.

Als sie danach endlich in den Normalraum vorzustoßen imstande sind, möchte Oki Stanwer sofort zurück nach Hun’arc … aber es ergibt sich ein Problem. Das GEHIRN der STELE behauptet, sie müssten „mindestens eine Milliarde Lichtjah­re von der Galaxis Wukarin entfernt“ sein.

Leider ist das nicht ganz die Wahrheit.

Episode 54: Der Kaiser von Kareton

(14. Februar 1985, digitalisiert 2018)

Blende ins Reich der Cranyaa: Wer ist der mysteriöse Kaiser von Kareton? Wie kann es sein, dass in einem Volk, in dem die Herrscherlinie grundsätzlich matri­linear vererbt wird, auf einmal ein männlicher Cranyaa die fixe Idee entwickelt, Herrscher werden zu wollen?

Dazu wird hier die Geschichte des Computertechnikers Thom-Ke von Kareton beschrieben. Während der Tsoffag-Invasion gelingt es diesem überdurchschnitt­lich intelligenten Cranyaa, die Natur der Strahlungsattacke zu entdecken, doch begeht er den Fehler, dies nicht an die zuständigen Behörden zu melden, son­dern selbsttätig einen Weg zur Quelle zu suchen. Auf diese Weise gelangt er in direkten Kontakt mit TOTAM und kann sich der Macht des Bösen als Helfer an­dienen.

Thom-Ke nimmt den Titel des Kaisers von Kareton an und gewinnt, durch TO­TAM mit einer Aura der Macht ausgestattet, unter den Überlebenden von Kare­ton eine treue Gruppe von Anhängern, die sich nach dem Abebben der Tsoffag-Desolationsstrahlung zunehmend auch auf andere weitgehend verwaiste Cranyaa-Welten ausbreitet und hier schließlich den gegen Ende der Episode 54 dargestellten Aufstand vom Zaun bricht.

Zugleich kristallisiert sich hier ein innerer Zwist zwischen Ylor-Ya vom Komman­do Erste Stunde und Thom-Ke heraus. Ein neuer Rivalitätsmachtkampf bahnt sich an …

Episode 55: Brennpunkt Wislyon

(16. Februar 1985, digitalisiert 2018)

Nachdem Thom-Ke als Kaiser von Kareton auf der Bühne des Schicksals erschie­nen ist, wird wieder nach Wislyon in die Handlungsgegenwart umgeblendet. Hier ist die Königin Sini-Ag auch weiterhin auf der Flucht vor den Kaisertruppen von Kareton. Zugleich lauert der Troohn Tronlekk darauf, Wislyon vernichten zu dürfen – die Erlaubnis dazu wird aber erst erteilt, als Sini-Ag von den Anhängern des Kaisers von Kareton gefangen genommen und mit dem Kreuzer CRIITHON nach Kareton gesandt wird. Im direkten Anschluss lässt der Troohn Wislyon mit Sonnenbomben eindecken, die einen unlöschbaren Atombrand auslösen.

Die Ursprungswelt der Cranyaa vergeht in nuklearer Glut.

Im Reich der Tekras, die in den letzten Monaten zu einer großen Stütze der er­matteten Cranyaa geworden sind, sind sich die Politiker des Volkes uneins, ob sie weiterhin die Cranyaa unterstützen sollen oder nicht – es sieht doch sehr da­nach aus, als wenn das Reich der Insektoiden unmittelbar vor der endgültigen Zerstörung steht.

Da der WÄCHTER und Yorrok, der Ritter vom Goldkristall, aktuell nicht auf Teko­nar sind, der Zentralwelt der Tekras, ist der Schrecken gigantisch, als ein TO­TAM-Schlachtkreuzer die angeblich unüberwindbare Asteroidenschale um das System durchdringt und die Hauptwelt direkt bedroht. Zur allgemeinen Verstö­rung scheint er aber von selbst zu explodieren.

Dies ist freilich ein Fehler. Ein riesenhaftes, monströses Wesen tritt in Erschei­nung, das vorgibt, dies bewirkt zu haben – es nennt sich SOFFROL. Und Soffrol verlangt als Gegenleistung für seinen Schutz, dass die Tekras künftig mit ihm verbündet sind und sich von den Cranyaa fernhalten …

Ihr merkt, die Lage in Hun’arc verschlechtert sich noch weiter. Neue Fronten werden eröffnet, unbekannte Protagonisten treten in Erscheinung … und Oki Stanwer ist ferner denn je. Wie fern und was seine ersten Eindrücke im unheim­lichen Zeituniversum sind, das erzähle ich euch in der nächsten Folge der Close Up-Reihe.

Bis bald, meine Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 242: Havoc – Verwüstung

Posted November 12th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es gibt manchmal wirkliche Überraschungen, wenn man Autoren, die man aus anderen Kollaborationen kennt, auf einmal im Teamwork mit anderen Verfas­sern erlebt oder sogar, wie im vorliegenden Fall, sogar als Solo-Verfasser. Ich finde es dann stets faszinierend, zu vergleichen, wie sie sich in einer solchen Geschichte schlagen – wenn sie es souverän, spannend und plausibel meistern, weiß man, dass an den Kooperationsarbeiten, die man vorher von ihnen gele­sen hat, das meiste auf die Kappe des aktuellen Verfassers geht.

In diesem Fall kratzt natürlich die Souveränität und Dramaturgiesicherheit von Jack DuBrul an dem Nimbus des Fließband-Bestsellerautors Clive Cussler, der bekanntlich schon in die Jahre gekommen ist. Was ja auch den Grund dafür dar­stellt, dass er solo quasi keine Romane mehr schreibt, sondern mehrheitlich Ideen beisteuert und ansonsten von wechselnden Co-Autoren „schreiben lässt“. Das mag jetzt gehässig klingen, ist so aber nicht gemeint. Wer meinen Blog schon eine Weile verfolgt, der weiß, dass ich Cussler eigentlich sehr schätze.

DuBrul versucht nun, Cusslers Rezept leicht zu variieren und dem Grundstruk­turmuster treu zu bleiben – man nehme ein Rätsel der Vergangenheit, inszenie­re daraus eine packende, dramatische Schatzsuche inklusive jeder Menge sinist­rer Konkurrenten, menge politische Themen der Gegenwart ein und erhalte ei­nen spannenden Roman mit Anspruch auf einen Platz auf der Bestsellerliste (keine Ahnung, ob er da je gelandet ist).

Herausgekommen ist auf alle Fälle ein lesenswertes Buch, bei dem man die Welt um sich herum perfekt vergessen kann. Auch wenn das Kernthema … na ja, sagen wir … nicht so richtig neu ist.

Was bedeutet das konkret? Nun, lest weiter, und ihr erfahrt es:

Havoc – Verwüstung

(OT: Havoc)

Von Jack DuBrul

Blanvalet 37366

544 Seiten, TB

ISBN 978-3-442-37366-6

Aus dem Amerikanischen von Michael Kubiak

Man schreibt das Jahr 1937, als ein verzweifelter Mann namens Chester Bowie an Bord des Zeppelins Hindenburg den Atlantik überquert und in die Vereinig­ten Staaten zurückkehrt. Aber er ist todgeweiht, und er weiß sich verfolgt von unerbittlichen Feinden, die ihm überall auflauern. Er war in geheimem Auftrag in Afrika unterwegs und hat etwas entdeckt, was für ihn die Erfüllung seiner wissenschaftlichen Träume war… doch zugleich eine Quelle unermesslicher Ge­fahr, die auf keinen Fall in fremde Hände fallen darf. Kurz vor dem Absturz des Luftschiffes in Lakehurst gelingt es ihm, einen Reisesafe mit den wichtigsten Er­kenntnissen seiner Reise darin über Bord zu werfen. Doch das Schicksal ist ihm nicht gewogen.

Über siebzig Jahre später ist die durchsetzungsfähige Ermittlerin Cali Stowe vom Center for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta in den Wirren der Zentralafrikanischen Republik unterwegs. Sie versucht hier ein kleines Dorf zu erreichen, in dem die höchste Krebsrate der Welt ermittelt worden ist, in der Hoffnung, eine Möglichkeit zu finden, ein Heilmittel gegen diese verheerende Krankheit zu entdecken. Das Problem: die Gegend ist politisch instabil, und der Rebellenführer Caribe Dayce ist hier auf dem Vormarsch, der ganze Dörfer aus­rottet. Zu allem Überfluss wird dann auch noch ihr Auto als nächtliche Zielschei­be benutzt, so dass sie in einem Ort in unmittelbarer Nähe ihres Zieles festsitzt.

Hier stößt Cali auf Philip Mercer, einen Bergbauingenieur, der im Auftrag der UN in derselben Gegend solo unterwegs ist, um herauszufinden, ob es auch dies­seits der Grenze zum Kongo Coltan-Vorkommen gibt. Zugleich ist er betroffen von dem unermesslichen Flüchtlingselend und nutzt seinen Wagen dazu, Flüchtlingsfamilien zu evakuieren.

Gemeinsam suchen sie das abgelegene Dorf auf und müssen feststellen, dass hier einiges sehr seltsam ist. Nicht nur, dass nahe dem Dorf ein offensichtlich aufgegebenes und nirgends verzeichnetes Bergwerk liegt, die Krebsfälle sind Realität, stammen nach Mercers geologischer Expertise aber eher von einem – weitgehend abgebauten – Pechblendevorkommen. Das scheint jedoch schon vor Jahrzehnten ausgebeutet worden zu sein.

Und dann gibt es noch diese rätselhafte Steinstele mitten im Dorf, bedeckt mit unbegreiflichen, scheinbar uralten Zeichen. Tja… und während sie noch im Dorf weilen und versuchen, all diese Rätsel zu lösen, wobei ihnen von einer alten Frau etwas von einem Amerikaner erzählt wird, der vor langer Zeit hier war und die Arbeiten geleitet habe, ein Mann namens Chester Bowie, da tauchen Caribe Dayces Schlächter auf und metzeln die Dorfbewohner nieder. Cali und Mercer geraten in Dayces Hände und stehen kurz vor der Exekution, als eine dritte Frak­tion eingreift und ein wirklich unbeschreibliches Blutbad anrichtet. Unter der Drohung, sie umzubringen, falls sie jemals zurückkehren würden, werden Mer­cer und Cali Stowe laufen gelassen.

Mercer, den das ganze Grauen zutiefst ergrimmt, will aber nun wissen, was hin­ter all diesen Vorgängen steckt, und er beginnt damit, nach Chester Bowie zu fahnden. Dass es sich dabei um eine lebensgefährliche Suche handelt, die äu­ßerst überraschende Resultate zeitigt, kann er noch nicht wissen. Aber er er­fährt es recht schnell.

Zu seiner nicht eben geringen Verblüffung muss er nämlich entdecken, dass Bo­wie dem ersten Anschein nach durchaus kein Geologe war, sondern Historiker. Zweitens, dass er recht versponnene Ansichten hegte, was die Vergangenheit der griechischen Antike und besonders der mythologischen Kreaturen angeht. Und drittens gibt es das Problem, dass er sich nun einen Wettlauf um ein tödli­ches Geheimnis der tiefen Vergangenheit liefern muss mit einem bulgarischen Söldner namens Poli Feines, der ihm zum einen immer einen Schritt voraus zu sein scheint und zweitens eine furchtbare Waffe aus grauer Vorzeit sucht, die einstmals Alexander dem Großen gehört hat: der später so genannte Alambic von Skanderbeg. Und seine Auftraggeber verfolgen ausgesprochen massenmör­derische Ziele.

Ach ja, und um das noch zu dramatisieren, gibt es auch noch einen Geheim­bund, die Janitscharen, die das Geheimnis des Alambic unerbittlich hüten und bereit sind, jeden zu vernichten, der es auch nur ansatzweise ausfindig macht. So befinden sich Philip Mercer, Cali Stowe und ihre Freunde bald in einer atem­beraubenden Hetzjagd rund um den Globus, und ob es sich um Atlantic City handelt, die Niagarafälle, Sibirien, das Schwarze Meer oder den Nasser-Stausee in Ägypten … es wird weiß Gott niemals langweilig in diesem dramatischen Roman …

Jack DuBrul kenne ich schon lange. Er machte bei mir seinen Leseauftakt mit dem Roman „Todesfracht“, den ich im Juni 2012 las, als ich mir die Fortsetzung der „OREGON“-Romane von Clive Cussler antat. Seither kenne ich den Autor gut und weiß, wie rasant er zu schreiben versteht. Er stellt es hier wieder unter Beweis, und man sieht, dass er einiges von seiner Zusammenarbeit mit Clive Cussler gelernt hat.

Der obige Roman entstand ein Jahr nach seiner begonnenen Zusammenarbeit mit Cussler, nämlich 2006. Dass er erst vier Jahre später übersetzt wurde, scha­det dem Buch durchaus, weil darin nämlich komplexe Verflechtungen des inter­nationalen Terrorismus und des arabischen Fundamentalismus eine Rolle spie­len. Manche Kontexte sind inzwischen von der Zeitgeschichte überholt, so etwa, wenn er von einer „radikalen Minderheit“ redet, die „Ägypten in einen Gottesstaat verwandeln“ wolle. Hier wissen die Leser nach dem arabischen Frühling schon deutlich mehr als der Autor damals. Interessant – und höchstwahrscheinlich ein wesentlicher Grund, warum der Roman nicht vorher übersetzt wurde – ist die Verantwortlichkeit saudi-arabischer Kreise für den 11. September 2001 (im Buch peinlicherweise als „9. September“ übersetzt, wohl der Hast der Übertragung geschuldet; Kubiak übersetzt ja gewissermaßen fließbandmäßig Cussler-Romane).

Es liefert zugleich aber außerdem eine faszinierende und durchaus plausible Er­klärung dafür, warum Selbstmordattentate heutzutage nicht mehr – wie im Ko­ran stehend – als Sünde betrachtet werden, sondern als Akte des Märtyrer­tums. DuBrul legt einem Protagonisten des Romans in den Mund, dass dafür maßgeblich Ayatollah Khomeini in den Anfangstagen des Iran-Irak-Krieges ver­antwortlich zeichnete. Wenn man, wie der verstorbene Peter Scholl-Latour in seinen Büchern zeigen konnte, weiß, wie hoch Khomeini heute noch als religiö­se Autorität in islamischen Ländern gehandelt wird, erhält diese Äußerung lei­der einiges an Plausibilität.

Das Buch selbst hat natürlich auch ein paar Punkte, an denen es schwächelte, wie ich fand. An zwei Stellen wird der Leser längere Passagen im englischen Ori­ginal finden, was verwirrt… aber vermutlich hat Kubiak völlig Recht gehabt, als er sie so drinstehen ließ. Immerhin handelt es sich dabei um Briefe an Albert Einstein, die als Grundlage für einen semantischen Verschlüsselungscode gebraucht werden. Und diese Wortspiele angemessen zu übertragen, war wohl in der zur Verfügung stehenden Übersetzungszeit einfach unmöglich.

Auch der Buchtitel ist knifflig gewesen, denke ich. Gut, „verwüstet“ wird in dem Roman weiß Gott hinreichend, das ist nicht zu bestreiten. Aber sowohl Original­titel wie 1:1-Übersetzung sagen doch eigentlich überhaupt nichts über den In­halt aus. Das ist aber mit vielen Romanen dieser Art der Fall. Auch, dass das Werk kein gescheites Titelbild besitzt, muss man einfach mal akzeptieren. Da hat sich der Verlag nun wirklich keine Mühe gegeben.

Interessant wird dann aber auch für den Leser ein Vergleich sein. Schlussendlich geht es bei der Suche nach dem monströsen „Alambic“ ja um die Suche nach dem Grab von Alexander dem Großen, und ohne vorwegzunehmen, was dieser „Alambic“ eigentlich ist und was schließlich mit dem Grab geschieht, so kann man diese Schatzsuche durchaus vergleichen. Inwiefern? Nun, mit dem vorlie­genden Roman habe ich schon die dritte „Alexander“-Suche vorliegen, die ich von unterschiedlichen angloamerikanischen Autoren geboten bekam. Die erste Begegnung erfolgte in dem wirklich guten Buch „Das Alexandria-Komplott“ von Clive Cussler, die zweite in „Der Pandora-Pakt“ von Dave Berry (hier eher mä­ßig, wie ich gestehen muss), und der vorliegende Roman ist dann die dritte Variante.1

In der Tat scheint das verschollene Grab Alexanders des Großen mit all seinen Schätzen eine Art Magnet für Schriftsteller von modernen Thrillerromanen dar­zustellen. Und in realiter ist es ja bis heute noch nicht gefunden worden. Ar­chäologische Meldungen vor rund 10 Jahren, man sei in Alexandria endlich auf Spuren seines Grabes gestoßen, wurden nie ergänzt, so dass man hier wohl ebenfalls von einem Fehlschlag reden muss.

Das Mysterium bleibt also akut, das Geheimnis erhalten. Und so ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich wieder einmal ein phantasievoller Phantast dieses Themas annimmt und es in eine packende Romanhandlung integriert. Der vor­liegende Roman jedenfalls ist ein äußerst kurzweiliges Leseabenteuer, das auch verblüffende Entdeckungen enthält und beispielsweise – unerwartet – die Frage nach der Selbstbestimmung der eigenen Handlungen aufwirft. Inwiefern?

Nun, meine Freunde, das solltet ihr selbst lesen. Aber soviel ist gewiss: wenn ihr die Coproduktionsromane von Cussler und DuBrul schon gemocht habt, seid ihr hier ganz an der richtigen Stelle, auch wenn ihr Juan Cabrillo natürlich verge­bens sucht.

© 2015 by Uwe Lammers

Ihr merkt, dass ich von dem Roman sehr angetan war, und das war ich mit Recht. Es ist eine verdammt routinierte Schreibleistung, mit weitgehend glaub­würdigen Charakteren (auch wenn man sich manchmal ein bisserl in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ beim Lesen fühlte – fand ich nicht schlimm, ich mag Indy). Alles in allem, wenn man mal von Alexander absieht, eine runde Sa­che. Und für einen vermutlichen Romanerstling als Alleinautor ist das allemal respektabel. Schade, dass ich bis heute nicht herausfinden konnte, ob DuBrul noch weitere Soloromane geschrieben hat. Wundern würde es mich nicht.

Ach ja … und wo ich eben gerade bei Clive Cussler war – um den geht es dann im Rezensions-Blog der kommenden Woche wieder. Näheres seht ihr in sieben Tagen an dieser Stelle.

Bis dann, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Nachtrag vom 25. April 2019: Inzwischen habe ich Kenntnis von einer vierten Variante, die Chris Kuzneski in seinem zweiten „Hunters“-Roman (2018) vorgelegt haben soll. Der Roman ist mir aber noch nicht inhaltlich bekannt.

Wochen-Blog 349: Logbuch des Autors 30 – KONFLIKT 3 begonnen!

Posted November 10th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist wirklich selten geworden, dass ganz neue Welten aufblühen – wirklich groß dimensionierte Welten, meine ich damit. Dass ich im Rahmen meiner schriftstellerischen Entwicklung neue Handlungsräume finde, ist definitiv nicht selten, aber davon spreche ich aktuell nicht. Natürlich ist es für mich ständige Normalität, dass mir Protagonisten in den Geschichten, die in mir aufblühen, über den Weg laufen. Dass unbekannte Völker ins Licht treten, die ich bislang nur dem Namen nach kannte, oder dass ich unbekannte Regionen auf fremden Welten erkunde, indem ich um die sprichwörtliche „Ecke“ herumschaue, die ich vielleicht schon seit Jahren kannte.

Aber auch davon spreche ich nicht.

Ich spreche davon, eine ganz neue Seite im Oki Stanwer Mythos (OSM) aufzu­schlagen, ein völlig neues Universum (!) zu entdecken. Um die Bedeutung die­ses Moments ein wenig klarer zu konturieren, sollte ich vielleicht noch mal aus­holen und zu den Grundlagen des Gesamtwerkes kommen. Dann könnt ihr den Moment, von dem ich heute sprechen will, dem 6. Juni 2019, besser einordnen.

Der OSM erzählt von dem epischen Kampf der Mächte des Guten gegen die Macht der Finsternis, und zwar in Form einer das Universum umspannenden Space Opera … ah, und da wird es schon unscharf. Denn wir sprechen hier nicht über ein Universum, sondern um mutmaßlich 33 an der Zahl, die wie Perlen auf einer chronologischen Kette aufgereiht und durch einen jeweiligen Abgrund von minimal 5 Milliarden Handlungsjahren voneinander getrennt sind (vielleicht sind es auch größere Zeiträume, das ist bislang nicht erforscht). Wir reden also davon, dass der OSM einen Gesamt-Handlungsrahmen von mutmaßlich 165 Milliarden Handlungsjahren umspannt.

Ich begann mit der Schreibarbeit, fußend auf den eher schlichten „Gedanken­spielen“ mit meinem Bruder Achim, um 1981, arbeitete das Gesamtkonzept aber erst etwa 1984/85 aus, als durch das Arbeiten an verschiedenen Parallel­serien mit überlappenden und sich widersprechenden Timelines klar wurde, dass ich hier ein Multiversum komplexer Natur geschaffen hatte. Mittendrin an­fangend – mit KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ – arbeitete ich mich im Laufe der Zeit durch verschiedenste KONFLIKTE in beide Richtungen der Zeitschiene voran. Primär ging es natürlich „vorwärts“ (heute weiß ich: in Richtung RAND) bis hin­auf zu KONFLIKT 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“, wobei es dort ab KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ noch viel weiße Flecken gibt. Die chaoti­schen Netzuniversen sind schwierige Handlungsräume.

In der Gegenrichtung schuf ich zwischen 1985 und 2010 zahlreiche Serien, die die bislang nur angedeuteten Lücken füllten. So entstanden relativ zeitnah die KONFLIKTE 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (1987-1993), 13 „Oki Stan­wer Horror“ (1982-1985) und 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (1983-1988). Ein erster Versuch, den KONFLIKT 9 „Der Kaiser der Okis“ zu generieren, schlug in den frühen 90er Jahren fehl. Heute verblüfft mich das nicht weiter.

Das Gros der frühen KONFLIKTE blieb nebulös. Einzig KONFLIKT 1 „Der Zathu­ray-Konflikt“ (1991) entstand in Form eines einzigen kompakten Romans, auch eine Story der Vorgeschichte („Aktion TOTAMS Ende“, 1989), die bis heute we­gen ihrer Form und ihrer inhaltlichen Implikationen unter Verschluss ist. Ich bin dabei, sie in eine Romanform zu übertragen, aber das Projekt ist … schwierig, sagen wir es mal so. Wenn ich dereinst mehr darüber erzähle, werdet ihr das verstehen können.

2003 überwältigte mich dann das Troohn-Universum, der legendäre KONFLIKT 2, an dem ich schon 1984 versucht hatte zu arbeiten (erfolglos). So entstand nun stürmisch die Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“, die zudem zahl­reiche Einzelromane gebar und schließlich ab 2013 in E-Book-Form zu erschei­nen begann. Diese Serie prägt bis heute das Bild des frühen OSM.

Schon vor Entstehung des E-Book-Programms entwickelte ich mit KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ und KONFLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohl­welt“ zwei weitere Trittsteine im dunstigen Niemandsland des frühen OSM. Ak­tuell liefern sich KONFLIKT 2 und KONFLIKT 4 gewissermaßen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, welche Serie früher abgeschlossen sein wird. Letztere hat da wohl den Kopf vorn, weil sie einfach jetzt schon bis zum Schluss durchkonzipiert ist und die wohl kürzeste Serie werden wird, die ich je schrieb.

Und dann kam der 3. Januar 2011. Nach sehr, sehr langer Zeit – genau genom­men das erste Mal seit dem 23. April 2006, als ich die „Held der Hohlwelt“-Serie entwickelte – entstand nun eine neue OSM-Welt. Ich startete stürmisch in die Neukonzeption des KONFLIKTS 9, nunmehr „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“ genannt.

War das wirklich eine neue Welt? Nicht ernsthaft. Denn ich kannte diesen Handlungsraum seit Kindesbeinen an, und das muss man wörtlich nehmen. Die Okis, humanoide Roboter, die täuschend menschenähnlich sind, und ihre Kom­mandointelligenz BURTSON, das Denkgehirn des Okiplaneten, kannte ich ernst­haft schon seit den 70er Jahren. Allerdings war ich auch in den 90er Jahren au­ßerstande gewesen, das adäquat darzustellen. Jetzt hatte ich genug dazu ge­lernt, die Allis waren mir inzwischen sehr vertraut, desselben die humanoiden Kleinis und die undurchsichtigen Baumeister, auch hatte ich einiges über die SCHMELZENDEN geschrieben und über ZYNEEGHARE, um endlich den Mut zu haben, dieses Abenteuer zu beginnen.

Danach fuhr ich allerdings mehrheitlich fort, an schon begonnenen Projekten weiterzuarbeiten, Episoden zu digitalisieren, sie neu zu formatieren. Freunde kamen zu meinem Lebenskreis hinzu. Familienangehörige und Freunde starben. Jobs kamen und gingen, Phasen der Arbeitslosigkeit und neue Lebensorientie­rungen brachten mich zeitweise vom Oki Stanwer Mythos ziemlich ab. Ich ver­grub mich beispielsweise jahrelang im tropischen Archipel, den ich heute immer noch gern ansteuere … kurzum, es passierte phantastisch viel Positives und Ne­gatives.

Und während ich so in unterschiedlichsten KONFLIKTEN Episoden schrieb, tauchte immer wieder ein Schatten auf, der mich heimsuchte.

Der Schatten von KONFLIKT 3.

Der KONFLIKT 3, also die Erzählung davon, was zwischen dem Yantihni-Univer­sum und dem Aufblühen des INSEL-Imperiums in KONFLIKT 4 geschah, war durchaus kein undurchdringliches Mysterium. Auch wenn das komisch klingen mag … je mehr ich an KONFLIKT 4 und dem neu geschaffenen KONFLIKT 9 arbei­tete, desto stärker wurde ich in Richtung auf KONFLIKT 3 gedrängt.

Warum war das so?

Weil es seelisch Versehrte gab, die diesen KONFLIKT überstanden hatten und die nicht vergessen konnten.

Weil es seelisch Versehrte gab, die diesen KONFLIKT NICHT überstanden hatten und ihn gleichwohl ebenfalls nicht vergessen konnten!

Letzteres ist ein OSM-Spezifikum. Wir reden hier von „Matrixfehlern“. Dingen, wie der Matrixfehler-Alli Graaleed in KONFLIKT 4 heulend beteuert, „die es nicht mehr geben dürfte“, die aber dennoch existieren. Und die eine qualgela­dene Erinnerung mit sich herumschleppen, die die wahnsinnigsten Folgen nach sich zieht.

In KONFLIKT 9, das nehme ich jetzt mal vorweg, weil es noch Jahre hin ist, bis ihr diese Episoden zu lesen bekommt und diese Zeilen vermutlich bis dahin nicht mehr präsent haben werdet, in KONFLIKT 9 ist eine solch gequälte Kreatur maschineller Herkunft: der ZYNEEGHAR 11, der so genannte spätere „Okipla­net“.

In KONFLIKT 3, so kommt es im Verlauf von Oki Stanwers Abenteuern in Magel­lan im KONFLIKT 9 heraus, bestand die Aufgabe der Kommandointelligenz BURTSON des ZYNEEGHARS 11 darin, die Zentralwelt der Kleinis zu beschützen, das Herz des Friedensreichs in der Baumeister-Galaxis Arc (die übrigens mit der Galaxis Arc, wie ich sie in den 80er und 90er-Jahren in der „Edward-Norden-Saga“ (ENS) beschrieb, nur sehr bedingt etwas gemein hat). Und sie versagte. Die Zentralwelt ging unter, und der ZYNEEGHAR 11 ging mit unter … und dann kam er in Magellan wieder zu sich und nahm sich vor, solch ein Versagen nie­mals wieder zuzulassen.

Okay, dachte ich, da ist der Schatten von KONFLIKT 3. Ein dramatisches, furioses Ende. Offenkundig.

Und dann war da der Baumeister Zomar in der INSEL, also in KONFLIKT 4. Fünf Milliarden Jahre nach dem traumatisch verlorenen KONFLIKT 3 kapselte sich dieser Baumeister auf unergründliche Weise ab. Er hatte seine Gründe dafür, und zum Teil lagen sie im KONFLIKT 2, zum Teil aber auch eben in KONFLIKT 3, den er gewissermaßen hautnah miterlebte.

Immer stärker begannen sich nun Puzzlestücke zusammenzufügen. Sie lauteten wie folgt:

Der KONFLIKT 3 spielt in der Frühversion, der Ursprungsversion der Galaxis Arc.

In diesem KONFLIKT ist der Brennpunkt die Zentralwelt der Kleinis, die dort in Arc existiert.

Über die Zentralwelt wachte der ZYNEEGHAR 11 mit BURTSON.

Die Geschichte von KONFLIKT 3 ist sehr kurz und ausgesprochen blutig.

Und mir wurde noch etwas klar – die Handlungsschiene, die in KONFLIKT 2 mit der yantihnischen Linguistin Vaniyaa und ihren zwergenhaften Shonta-Gefähr­ten begonnen hatte, wurde in KONFLIKT 3 zum Grundstein für die Entwicklung des erotischsten Volkes der Baumeister: der Sternenfeen.

Wenn ich darum über diesen KONFLIKT schreiben wollte, würde ich unabweis­lich auch die erste Sternenfee beschreiben müssen. Die erste Sternenfee und ihre Entwicklung. Ich würde über die Kleinis und ihren Regenten Klivies Kleines schreiben müssen. Über die Baumeister, die damals noch Namen trugen, und über diesen grässlichen ersten Schwall zerstörerischer Matrixfehler, die gerade­wegs aus der Hölle zu kommen schienen und dieselbe in Arc entfesselten.

Der KONFLIKT 3, wurde mir im Mai 2019 immer klarer deutlich, drängte gleich einer prall gefüllten Wasserleitung immer mehr auf den Explosionspunkt hin, auf jenen Punkt, da das Ventil endgültig platzen würde. Ständig schweiften mei­ne Gedanken dorthin ab. Sie begannen akut mein E-Book-Programm zu stören, meine Korrespondenz, meine Blogartikelproduktion, meine Bewerbungsaktivi­täten.

Ich erinnerte mich, dass ich Anfang der 2000er-Jahre, als mich der Archipel in ähnlicher Weise überrollte, mitunter für Wochen aus der Realität ausklinkte und für niemanden ansprechbar war. Damals ging das, ich befand mich in der Finalphase meines Studiums und brachte sowieso jenseits der nur noch weni­gen besuchten Seminare meine Zeit mit Aktenrecherche im NLA Staatsarchiv Wolfenbüttel zu. Aber selbst dafür fand ich damals kaum mehr Zeit, weil die Kreativität so in meinem Hirn brannte und mich völlig ablenkte.

Das durfte ich dieses Mal definitiv nicht zulassen. Es wäre nicht intelligent, Sanktionierungen durch das Jobcenter zu riskieren, nur weil ich meiner Kreativi­tät keine Zügel anlegen konnte.

Also entschied ich am 6. Juni, gewissermaßen den Druck aus der Leitung her­auszulassen, kontrolliert und für eine Weile.

Ich begann damit, den Roman „Sterneninsel der Wunder“ zu konzipieren, die Geschichte des KONFLIKTS 3 (denn es ist wie KONFLIKT 1 ein sehr kurzer KON­FLIKT, der vermutlich nur wenige hundert Seiten Umfang haben wird). Und ich kam aus dem Stand auf 24 Seiten an jenem Tag. Inzwischen sind es deren 55, und der ärgste Druck aus dem Schreibprozess ist heraus, gottlob.

Natürlich … eine kompakte, zusammenhängende Handlung existiert aktuell noch nicht. Aber ich habe die erste Sternenfee schon in Aktion erlebt und muss sagen – sie macht echt was her. Berenice ist ihr Name, und sie taucht unter recht spektakulären Umständen in der Geschichte auf.

Neben dieser mir vorher namentlich unbekannten Person tauchen natürlich jede Menge vertraute Wesen auf, auf die ihr euch beizeiten, wenn die Geschichte fertig und veröffentlicht ist, freuen könnt. Wen haben wir denn da im Detail?

Oki Stanwer natürlich – der oberste Bedienstete der Sieben Lichtmächte, der in Arc das Volk der Kleinis zum zentralen Hilfsvolk des Lichts schmieden soll, eine Raumzivilisation, die schon länger in Kontakt mit den Baumeistern steht (hier kann ich von der Vorarbeit des KONFLIKTS 4 profitieren, denn dort versuchen die Baumeister ja, dasselbe in der Galaxis Mysorstos zu realisieren, wenn auch unter etwas anderen Vorzeichen).

Klivies Kleines – seinen besten Freund und Helfer. Hier Regent über die Zentral­welt.

Die Kleinis – ein Volk, das ich schon seit Kindertagen aus den „Gedankenspie­len“ kenne und seither aus zahlreichen OSM-Geschichten und diversen KON­FLIKTEN. Dies hier ist die Urversion der Kleinis.

Die Zentralwelt der Kleinis – Brennpunkt kosmischer Geschichte in den KON­FLIKTEN 4, 9, 15 und weiteren Universen, dort stets als unterschiedlich ausge­prägter Matrixfehler.

Die Allis – ein Echsenvolk, das den Lesern des KONFLIKTS 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ zurzeit sehr vertraut sein wird.

Die Zhonc – ja, die kennt ihr auch aus KONFLIKT 2, aber auch sie sind natürlich schon sehr alt. Ich entdeckte sie meiner Erinnerung nach im Jahre 1984, wäh­rend ich an KONFLIKT 20 „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“ schrieb. Sie sind eines der ältesten Raumfahrtvölker von Arc und machen in späteren KONFLIKTEN eine steile Karriere.

Der erste Matrixkoordinator, der LENKER – ein machtvolles Wesen, das zu ei­ner neuen Generation von Dienerwesen der Lichtmächte gehört und Oki Stan­wer assistieren soll.

Darroc, der erste Ritter vom Goldkristall – die Ritter, ein 17 Personen umfas­sender Orden von Lichtmachtbediensteten, ist geschaffen worden, um dem LENKER zu assistieren und Oki Stanwer zur Seite zu stehen. Seine Ankunft in Arc wird krisenhaft überschattet.

Und dann ist da noch die dunkle Gegenseite. Wesen, die es eigentlich nicht mehr geben dürfte: die Troohns und ihre MINEURE. Zielrichtung ihres Vorsto­ßes aus dem Nichts – die Galaxis Arc.

Ihre Intention: totale Vernichtung.

Und damit beginnt das Drama des KONFLIKTS 3 …

Um eure notwendige Frage vorab zu beantworten: Nein, ich weiß nicht, wie schnell ich diese Geschichte, die in meinem Kopf schon sehr schöne Konturen bekommen hat, fertig schreiben werde. Ich kann auch nicht sagen, wie umfang­reich sie ausfallen wird. Aber Tatsache ist, KONFLIKT 3 ist ab sofort keine nebu­löse, ferne Idee, die ich „irgendwann einmal“ in die Tat umsetzen werde. Der Anfang ist gemacht, und spätestens nach Abschluss von KONFLIKT 4 (mutmaß­lich 2020) werde ich mich wohl verstärkt auf den Weg machen, um hier den Handlungsbogen vollständig auszuarbeiten und die Geschichte zu vollenden.

Ihr könnt gespannt sein, Freunde – das wird ein faszinierendes, forderndes Abenteuer für mich werden. Aber auch eins zugleich, das euch, ganz ähnlich wie die Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ auch, zahlreiche Details der Frühzeit des OSM aufzeigen wird. Und wenn ihr dann beizeiten spätere Ge­schichten lest, werdet ihr sicherlich diverse Reaktionen, nicht nur die der Bau­meister, aber ganz besonders deren Reaktionen, deutlich besser verstehen kön­nen, als das bislang der Fall ist.

Der KONFLIKT 3 mag kurz sein, aber er fällt auch ausgesprochen traumatisch aus für jene Personen, die ihn überstehen. Und, Stichwort Matrixfehler!, auch für jene, die ihn eben gerade NICHT überstehen.

Denn mit dem Tod ist für viele Protagonisten des OSM das Drama durchaus nicht vorüber (und nein, ich spreche jetzt nicht vom Totenkopf Shush und den Knochenstraßen TOTAMS! Das kommt doch alles erst sehr viel später. Die schie­re Erinnerung kann schon schlimm genug sein).

Bleibt neugierig, Freunde. Auch wenn das jetzt „schon wieder“ ein neues Pro­jekt am Horizont ist, von denen es schon schier unübersehbar viele gibt, bin ich zuversichtlich, dass es nur temporär unvollendet bleiben wird. Ich behalte KON­FLIKT 3 im Blick, versprochen!

Soviel für heute, meine Freunde. Danke für eure Geduld!

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 241: Das Ivanhoe-Gambit (1)

Posted November 5th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vielleicht denkt einer von euch, dass ich schon längere Zeit keine SF-Zyklen mehr rezensiert habe und möglicherweise daran Mangel litte… nun, das kann ich nicht bestätigen, es gibt da schon noch eine ganze Menge interessanter Zy­klen, von denen ich auch einige vor Jahren längst rezensiert habe. Aber ich stimme euch zu, nachdem ich mich zuletzt im „Down Under“ mit dem letzten Mehrteiler amüsierte (sehen wir mal von unserem Dimensionsdetektiv ab, das waren ja auch nur zwei kurzweilige Comicalben) und dies zudem noch einen eindeutigen Fokus auf BDSM-Erotik hatte, hättet ihr völlig mit Recht die oben vermutete Klage angestimmt.

Ich habe vor ein paar Monaten mal daran gearbeitet, die hier jetzt vorgestellten Rezensionen für Fanzine-Publikation aufzubereiten, und wie ihr am Datum am Schluss dieser Rezension seht, hatte ich das aktuelle Buch 15 Jahre zuvor gele­sen, die Rezension war darum ein kleines bisschen… hm… angestaubt. Aber im­mer noch nicht uninteressant.

Es geht um lupenreine Science Fiction, um ein turbulentes Zeitreiseabenteuer, in dem auch der Zeithistoriker auf seine Kosten kommt, der ich ja vom berufli­chen Hintergrund auch bin. Intelligente Unterhaltung, gut übersetzt und, von einigen schiefen Showeffekten abgesehen, sehr interessanter Lesestoff. Natür­lich sind die Bücher längst vergriffen, aber antiquarisch sollten sie sich noch fin­den lassen. Ich denke nach wie vor: das Suchen lohnt sich.

Ihr seid noch nicht überzeugt? Okay, dann schaut euch das mal an und entschei­det danach ein weiteres Mal:

Das Ivanhoe-Gambit

(OT: The Ivanhoe-Gambit)

Von Simon Hawke

TIMEWARS Band 1

Bastei 23166

320 Seiten, TB

Juli 1995

Übersetzt von Bernd Kling

ISBN 3-404-23166-X

Man schreibt das Jahr 2613, als Lucas Priest, ein junger Mann, auf den Werbe­slogan „Die Armee von heute hat Zeit für dich!“ hereinfällt und in die Armee eintritt. Es klingt wirklich harmlos: man leistet eine Woche (!) Armeedienst, wird in Ehren entlassen und kann sich mit einem angenehmen Gehalt zur Ruhe setzen.

Da ist doch ein Haken dabei, wird man misstrauisch sagen. Natürlich hat der Skeptiker Recht. Es gibt sogar mehrere Haken.

Haken Nummer 1 ist zugleich ein großer Köder für die gelangweilten High­school-Absolventen des 27. Jahrhunderts: In einer Welt, in der man unproble­matisch mehr als hundert Jahre alt werden und kerngesund bleiben kann, in der es keine nennenswerten Krankheiten und Malaisen mehr gibt, von Kriegen ganz zu schweigen, da ist der Ort dieser Armeeverpflichtung ein reines Eldorado des reinsten Abenteuers: die Vergangenheit der menschlichen Rasse.

Denn die Armeeangehörigen kämpfen in der Vergangenheit. Sie überwachen unter Aufsicht des Gremiums der Schiedsrichter Krisenherde der Historie und greifen ein, wenn es dort „Probleme“ gibt. Das ist sehr häufig mit tödlichen Ein­sätzen verbunden, und viele Soldaten bleiben auf der Strecke.

Freilich, so sagen die Werber, kann man dabei Abenteuer en masse erleben, schöne Frauen umgarnen, historische Persönlichkeiten kennenlernen… kurzum: alles das, was die Gegenwart des 27. Jahrhunderts nicht mehr zu leisten ver­mag. Außerdem hat man ja einen optimalen Schutz durch die Technik, Implan­tate, historische Schulungen usw.

Nun ja.

Sagen wir es vorsichtig: Es gibt Situationen, in denen diese Vorteile sehr trüge­risch sind.

Das zweite Plus neben dem Abenteuerfaktor ist definitiv die kurze Dienstzeit. Sie ist wirklich kurz. In der so genannten PLUSZEIT. Denn die Woche Dienstzeit ist die Woche, die man im Hier und Jetzt zubringt.

Der alsbald zum Oberstaatsfeldwebel des Zeitkorps avancierte Lucas Priest be­merkt aber sehr rasch, dass die Einsatzaufrufe in der Gegenwart im Minuten­takt aufeinander folgen, es ist selten, dass man eine Stunde im Hier und Jetzt ausruhen kann. Manchmal sind, wenn man aus dem Einsatz zurückkehrt, noch nicht einmal die Eiswürfel im Drink geschmolzen – man selbst hat aber unter Umständen 9 Monate in der Vergangenheit zugebracht.

So altert Priest recht schnell und versucht bald nur noch, zu überleben. Indem er an Little Big Horn Custer umnietet (in der Verkleidung als Cheyenne, versteht sich!) oder sich beinahe von Hannibals Kriegselefanten in Grund und Boden rennen lässt, als er in der Maske eines Römers Scipios Angriff auf die karthagi­sche Armee mitmacht.

Und das desillusioniert doch recht schnell.

Und dann kommt dieser Selbstmordeinsatz.

Er wird schon misstrauisch, als in der Konditionierungszone im 12. Jahrhundert ein leibhaftiger Schiedsrichter auf ihn wartet und seine Freunde Finn Delaney, Ro­bert (Bobby), Benjamin Johnson und ein Mann namens Hooker auf einen Allein­einsatz getrimmt werden, ohne Begleitmannschaft.

Es wird noch seltsamer, als er erfährt, dass nach diesem Einsatz alle noch abzu­leistende PLUSZEIT annulliert und er ehrenhaft entlassen werden soll. Und voll­ends die Haare zu Berge stehen ihm, als er trotzdem annimmt, aus Neugierde, und um mit seinen Freunden zusammen zu sein, und nun endlich erfährt, was passiert ist.

Ein Schiedsrichter namens Irving Goldblum, versiert in allen Theorien und Tech­niken der Zeitmechanik, ist aus der Zukunft desertiert und in die Vergangenheit verschwunden. Sein Ziel: das 12. Jahrhundert, genauer gesagt: das Jahr 1194. Im Jahre 1189 hat Richard Plantagenet, auch bekannt als Richard Löwenherz, den englischen Thron bestiegen und ist auf Kreuzzugfahrt ins Heilige Land auf­gebrochen. In der Zwischenzeit hat John Lackland, Richards Bruder, den Thron okkupiert. Bei der Rückkehr aus dem Heiligen Land geriet der rechtmäßige eng­lische König in Gefangenschaft und wurde gegen ein Lösegeld im Jahre 1194 freigelassen. Er müsste auf dem Rückweg nach England sein…

müsste, wenn Irving, der desertierte Schiedsrichter, ihn nicht hätte verschwin­den lassen. Denn Irving hat einen größenwahnsinnigen Plan. Wohl wissend, dass Richard Löwenherz im Jahre 1199 in Frankreich den Tod finden wird, hat ER vor, den Platz des Herrschers in Löwenherz´ Maske einzunehmen und alles andere als sein Schicksal zu teilen.

Stattdessen möchte Goldblum die Zukunft verändern, indem er über Richards Todesdatum hinaus lebt und eine neue Zeitlinie entwirft. Die Schiedsrichter der Zukunft sind aber gerade deshalb so erpicht darauf, dies zu verhindern, weil es – höchstwahrscheinlich – ein entsetzliches Chaos heraufbeschwören würde und die Existenz der menschlichen Spezies gefährden könnte. Irving Goldblum glaubt das nicht.

Er ist darum mit seinem eigenen Zeitschirm (eine Art transportabler Zeitmaschi­ne) in die Vergangenheit zurückgegangen und beginnt nun hier, in der Maske des zurückkehrenden Königs damit, die Macht des Usurpators John Lackland zu zersetzen.

Zwei Versuche der Schiedsrichter des Zeitkorps, ihn aufzuhalten, sind bereits gescheitert. Alle Soldaten sind dabei umgekommen. Im Prinzip sind Lucas und seine Leute die dritte Wahl. Und es gibt wenig Aussicht darauf, dass sie erfolg­reich sein könnten (glücklicherweise wissen sie das nicht!).

Um leichter in „Richards“ Nähe zu gelangen, werden ihre Zielpersonen, deren Stelle sie einnehmen sollen, sorgsam ausgesucht. Lucas Priest mimt niemand Geringeren als Sir Wilfred von Ivanhoe, Hooker ist sein Knappe, und seine bei­den Kollegen sollen sich in den Sherwood Forest durchschlagen, und Bobby und Finn ersetzen dort Robin Hood und Little John.

Die Geschichte wird ziemlich kompliziert, als sie in der Zielzeit real ankommen und sich in ihren Rollen daran machen müssen, Teil der Zeit zu werden. Bei ei­nem Schauturnier brilliert „Ivanhoe“, indem er alle Ritter König Johns aus dem Sattel wirft, und der sich namenlose gebende „Robin Hood“ stellt legendäre Bo­genschießkünste (mit technischer Hightech-Unterstützung) zur Schau. Letzteres wird ein echtes Problem: denn als er wenig später mit Little John im Forest auf­taucht, muss er erkennen, dass Robin Hood alles andere als auch nur ein passa­bler Bogenschütze ist, dass seine gefürchtete Bande eine Horde von geistlosen Tagträumern und Säufern ist, die obendrein – wie er selbst auch! – unter dem Pantoffel von „Lady Marian“ stehen.

Aber das ist das kleinste Übel. Viel schlimmer ist, dass ihr Gegenspieler bestens über sie Bescheid zu wissen scheint und ihnen das sehr drastisch beweist, in­dem er Hooker seine eigene Leiche vor die Füße wirft!

Sehr, sehr schnell wird aus einer scheinbar sehr klaren Lage ein konfuses Chaos, in dem der Gegner stets einen Zug voraus zu sein scheint und letzten Endes nur der Zufall eine hauchdünne Chance lässt, hier lebend herauszukommen, ge­schweige denn, das Ziel zu erreichen…

Was an dem Roman ungemein positiv auffällt, sind mehrere Dinge: zum einen ist der Schreibstil erfreulich locker, die Übersetzung gelungen ironisch und kurz­weilig (großes Lob an Bernd Kling an dieser Stelle!). Ebenso faszinierend ist das Hintergrundambiente der TIMEWARS, das lange sehr diffus und fragwürdig im Hintergrund verbleibt. Man fragt sich, warum diese Kriege ausgefochten wer­den, gegen wen man eigentlich kämpft, wie es sich mit der Frage der Moral ver­hält, wie man ins Schiedsrichterkorps aufsteigt und was da nun genau vor sich geht und WARUM überhaupt…

Im Laufe des Romans kristallisiert sich heraus, dass die Struktur, auf der die Ge­schichte basiert, überaus komplex ist und offenkundig gut entwickelt wurde (in weiteren Bänden der Serie erweist sich das als zutreffend). Dabei sind die subti­len Feinheiten der Zeitreisetheorie so schön und verwirrend gestrickt, dass selbst ein altgedienter Zeitreiseleser wie ich fast einen rauchenden Kopf be­kommt. Sehr angenehm. Wenn dann noch zum Schluss „Charles Dickens“ auf­taucht, demgemäß jede fortschrittliche Technik den Gegenwärtigen wie Magie erscheinen muss, kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Hawke hat seinen Arthur C. Clarke gut gelesen.

Weiterhin überzeugen profunde Kenntnisse der Zeithintergründe den historisch vorgebildeten Leser. Ich bin zwar kein Experte für die Zeit von Richard Löwen­herz, aber ein Abchecken der generellen Daten konnte keine signifikante Abwei­chung von der Realität zeigen.

Die einzigen kleinen Problemchen habe ich mit Hooker II gehabt, und Hawke of­fenbar auch, lässt er ihn doch klammheimlich verschwinden. Da windet er sich etwas aalgleich aus der Affäre. Ansonsten aber… gelungener Lesestoff, ein spannendes, schön lesbares Garn, das Hunger auf mehr macht. Dass ich diesen Roman mit sechs Jahren Verspätung kennen gelernt habe – ich kannte ihn schon länger, habe ihn aber erst als Remittende in diesem Jahr erworben – , das sehe ich dabei nicht als Problem an. Er ist in einer ironischen Weise „zeitlos“. Und es gibt wenigstens vier Folgebände.

© 2001/2016 by Uwe Lammers

Doch, das machte wirklich Laune, das kann ich nicht anders sagen. Nicht zuletzt der trockene Humor, der in der Übersetzung gut herüberkommt, macht die Lek­türe sehr kurzweilig.

In der kommenden Woche bleiben wir etwas näher an der Gegenwart und stür­zen uns in einen rasanten Abenteuer-Roman, der fast der Feder von Clive Cuss­ler entsprungen sein könnte… womit ihr nicht weitab von Schuss liegt. Was ich damit meine, erfahrt ihr im Detail dann in sieben Tagen an dieser Stelle!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

heute spreche ich mal über einen legendären Schauplatz, der nun wirklich zum OSM-Urgestein schlechthin zählt. Ein Ort, den ich wahrhaftig seit 40 Jahren ken­ne und an den ich immer wieder gern zurückkehre, weil er einfach unfassbar ist, so vielgestaltig und gigantisch und rätselhaft, selbst dann, wenn er ein Wrack ist, eine halbe Ruine, und man sich in seinen ungeheuerlichen Ausmaßen schier verläuft. Und weil das so ist und ich bereits so viel darüber geschrieben habe, wird dieser Beitrag entsprechend viele Zitate erhalten und wohl ziemlich aus dem Teig gehen.

Nein, das ist jetzt kein Grund, zu erschrecken, Freunde … ich bin ziemlich sicher, dass der Funke der Faszination, der mich dazu getrieben hat, hieran zu arbei­ten, auch recht bald auf euch überspringen wird. Und ich sehne den Tag herbei, da ich euch in Form eines oder besser wohl mehrerer E-Books an diesen Ort mitnehmen kann.

Folgt mir zunächst mal in die Frühzeit meines Schreibens, also etwa in den Herbst des Jahres 1978 oder das Frühjahr 1979 (ich habe damals leider nicht wirklich Buch geführt, wann ich was geschrieben habe, darum bin ich hier auf Mutmaßungen angewiesen). Wir befinden uns, das sollte ich wahrscheinlich noch dazu sagen, damit ihr den Background versteht, kurz nach dem Jahre 2400 irdischer Zeitrechnung. Eine kleine versprengte Gruppe von Menschen hat es nach jahrhundertelanger Unterjochung der Erde durch robotische Invasoren ge­schafft, wieder in den Weltraum zu flüchten und erlebt dort Abenteuer.

Bei diesen Abenteuern und in Verfolgung ihrer robotischen Nemesis, die sie „Bumerangs“ nennen, stoßen sie unvermittelt auf einen Pulk fremder Raum­schiffe. Und dann kommt es zu einem Erstkontakt, der sich folgendermaßen an­lässt1:

Im Flaggschiff des Raumerpulks saß Oki Stanwer, Kaiser der Okis, mit ihrer gigantischen Tech­nik. Er ließ funken: „Hier ist Oki Stanwer, Kaiser der Vereinigten Oki-Weltreiche. Wer spricht dort?“

Hier spricht Ben, Kommandeur der letzten Menschenstaffel. Der Rest wurde von den Bume­rangs zerstört. Woher könnt Ihr so gut Terranisch?“

Ich bin selbst einmal Terraner gewesen“, erwiderte Oki. „Ist die Erde zerstört worden?“

Ja“, erwiderte Ben erneut, „wollt Ihr uns helfen? Wollt Ihr die Bumerangs zerstören?“

Oki willigte ein.

Dann aber gerieten sie in den Anziehungsbereich der Okiraumer. Noch dazu hielt sie ein Trak­torstrahl fest.

Was soll das? Wohin fliegen wir?“, wollte Ben wissen.

Zu meinem Planeten“, erwiderte Oki und schaltete den Funk ab.

Nach einer Viertelstunde waren sie da. Ben schaltete den Bildfunk ein. Sie sahen einen Pla­neten aus Metall. Ein künstlicher Planet von diesen Ausmaßen übertraf alles, was Ben bisher gesehen hatte.

Das ist ein technisches Wunderwerk“, rief Vultejus.

Okis Raumer landeten auf der Tausende von Kilometern langen Rollbahn. Dabei war das noch die kleinste Rollbahn. Es war so, als ob der Mount Everest einen Kratzer hatte. Der Pla­net war (man glaubt es nicht) 12 Lichtjahre groß, und die Orbitalstationen 200.000 Kilometer lang …2

Soweit die früheste Erwähnung des Okiplaneten, damals natürlich noch mit reichlich abstrusen Maßvorstellungen, wie ich grundsätzlich maßlos war und mich in Zahlengigantomanie verlor … aber bedenkt bitte, Freunde, wir reden hier über mein Alter von 12 Jahren. Ich denke, in dieser Lebenszeit sind irreale Vorstellungen dieser und ähnlicher Art bei Jungs etwas völlig Normales.

Ihr merkt, der Okiplanet ist schon sehr alt. Mir war damals vieles noch nicht präsent. So beispielsweise, dass diese Welt, die durchaus frappierend dem To­desstern aus Star Wars ähnelt, ein Bauwerk der Rasse der Baumeister war, ein so genannter ZYNEEGHAR. Das wurde mir erst klarer, als ich ab 1985 allmählich ein System in den OSM zu bringen begann, die aufeinander folgenden Univer­sen (aka: Ebenen, aka: Serien) des Oki Stanwer Mythos entwickelte.

Aber schon zu diesem Zeitpunkt war der Okiplanet eine Legende.

In den „Gedankenspielen“ mit meinem Bruder, die meinem Roman „Der stäh­lerne Tod“ vorangegangen waren und auch noch eine Weile fortdauerten, bilde­te der Okiplanet so etwas wie den Kondensationskern des Machtpotenzials Oki Stanwers. Die Galaxis Milchstraße bildete damals mit der Galaxis Andromeda den Kern eines Zweigalaxien-Vielvölker-Imperiums (das, wie ich später entde­cken sollte, gewissermaßen die Spiegelung des INSEL-Imperiums aus KONFLIKT 4 war, wobei ich dorthin erst im November 2004 vorstieß). Tausende von mond­großen mobilen Kampfsternen, die Oki-Kampfsterne, verteidigten die Grenzen des Reiches, das zentral vom Okiplaneten gelenkt wurde.

Der Okiplanet selbst wurde von dem künstlichen Gehirn BURTSON kontrolliert, der eine myriadenfach replizierte Kaste von menschenähnlichen Robotern er­schuf, die Okis, die absolut loyal zu Oki Stanwer waren und überall im Reich zivi­le und militärische Aufgaben erfüllten.

Man darf ja nicht vergessen: Oki Stanwers Auftrag war es, sein Imperium, das okische Sternenreich, gegen den zu erwartenden Aufmarsch der Macht TOTAM und ihrer Truppen zu befestigen. Und mit dem Okiplaneten als Zentrum erreich­te dieses Reich letzten Endes auch eine chronologische Kontinuität von rund 9.000 Jahren, ehe es dann letztlich unter dem Feindansturm zerbrach und un­terging.

Ja, damit „starb“ auch der Okiplanet, könnte man sagen. Aber ihr kennt den OSM inzwischen gut genug, um euch zu fragen: war das alles? Nein, natürlich nicht. Dazu komme ich gleich in der Weiterung. Zuvor aber ist es vielleicht klug, einmal einen Schritt zurück zu gehen. Ein Schritt, der mir selbst schwer fiel.

Ich fragte mich nämlich 1983 schon: Wie hat das eigentlich angefangen? Wie kam Oki Stanwer in die Milchstraße, wie hat er das okische Imperium aufge­baut? Ich wusste einiges über das Ende und zahlreiche Episoden aus der Glanz­zeit, aber der Anfang war völlig dunkel.

In den Jahren 1983-1990 unternahm ich in der Serie „Der Kaiser der Okis“ den etwas kläglich verlaufenden Versuch, die Geschichte von Anbeginn an aufzurol­len. Aber ich kam nicht mal bis in die Milchstraße, nicht einmal innerhalb von sieben Arbeitsjahren. Es war ganz offensichtlich hierfür zu früh, so, wie es auch 1984 zu zeitig war, mich mit dem Terrorimperium der Troohns zu befassen (was ich ernsthaft versuchte und woran ich ebenfalls scheiterte – es sollte bis 2003 dauern, ehe ich einen zweiten und, wie ihr in der E-Book-Serie lesen könnt, sehr viel erfolgreicheren Anfang dafür fand).

Also ließ ich diese Idee ruhen und kümmerte mich um andere Welten.

Und am 3. Januar 2011 startete ich dann mit der neuen Serie „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“ neu durch. Direkt in der Milchstraße, mit turbulenten Space Opera-Abenteuern, knorrigen Figuren, witzigen Dialogen und ausführli­chen Beschreibungen.

Oki Stanwer, der die in Zwisten zerrissene Galaxis Milchstraße aufsucht, ist dar­um bemüht, Hilfe zu finden, um die von den Sieben Lichtmächten anbefohlene Einheit der Milchstraße herbeizuführen. Ihm wird dabei rasch klar, dass keine der zankenden galaktischen Mächte dafür aus eigenen Kräften hilfreich sein wird. Zu sehr sind sie in Rivalitätsdünkel verstrickt, in Intrigen und Kleinkriege, Rassismus und Ähnliches. Also sucht er anderweitig Unterstützung. Sein Ziel sind, wen wundert es, die Baumeister. Ihr kennt sie inzwischen ein wenig.

Die Baumeister als kosmisch agierende Wesen, die von Galaxiencluster zu Gala­xiencluster unterwegs sind und über eine unglaubliche Supertechnik verfügen, können die technischen Hilfsmittel bereitstellen, um Oki Stanwer beim Aufbau eines Machtpols zu helfen. Aber wie soll er sie kontaktieren? Sie sind wirklich extrem rar im Universum.

Nun, er hat Glück: Er kann ein Hilfsvolk der Baumeister kontaktieren, das in der Milchstraße unterwegs ist, schwarze Zwergenwesen aus dem Volk der Schrottis. Und die erzählen ihm dann: Ja, in einer Begleitgalaxis der Milchstraße, die man die „Geisterwolken“ nennt, ist ein ZYNEEGHAR der Baumeister stationiert, und sie kennen dessen Position. Sie können Oki und seine Crew des Raumschiffs STERNENFLUG dorthin mitnehmen und tun dies auch.

So kommt Oki Stanwer in die Magellanschen Wolken und zum ZYNEEGHAR 11, dem späteren Okiplaneten. Aber irgendetwas ist hier unheimlich und passt nicht. Schaut selbst, so sieht der erste intensive Blick auf das Ziel aus:

Die Umwelt war rot, völlig rot.

Alle Schirme gaben ein glosendes, rotes Wabern wieder, das gelegentlich von gelben und violetten Filamenten durchzogen war, die sich, wenn man sehr genau hinschaute, ganz leicht zu bewegen schienen … wie feine Gazevorhänge in einem ganz milden Luftzug.

„Grundgütiges Licht von Kilriees!“, flüsterte Viane. „Wo SIND wir hier?“

Ich zögerte mit der Antwort und musterte, mich langsam im Saal drehend, das Bild, das in den Saal projiziert wurde. Es sah überall annähernd identisch aus.

Viane rüttelte mich und brachte meine abschweifenden Gedanken zum Versiegen. „Oki!“

„Oh, entschuldige … ich denke … das ist die Chromosphäre eines roten Riesensterns“, schätzte ich, ihre Sorge nun verstehend.

„Sie sind am Rand einer SONNE materialisiert?“

Ich nickte. Es erschien mir relativ plausibel. Vermutlich ein Orientierungshalt. Rote Riesen­sterne gaben hervorragende kosmische Leuchtfeuer ab. „Offenkundig. Das, was wir da drau­ßen wahrnehmen, ist das vergleichsweise kalte Gas eines solchen Riesensterns. Der Halo ei­ner solchen Sonne in dieser Phase seiner Existenz sehr ausgedehnt. Das Navigieren mit dei­nem Schiff wäre hier ein bisschen schwierig, und ich denke, das Gas würde die Schilde etwas belasten. Aber sonst … eher kein Problem.“

Für die galaktische Navigationskunst war die Annäherung an eine Sonne auf solche Di­stanz schon recht kitzelig. Die galaktische Technik, namentlich die der Kleinis, erwies sich als störanfällig für derlei Manöver, und es galt als ziemlich wagemutig von Raumschiffskomman­danten – etwa während der Verfolgung durch Raumpiraten – , sich in die Chromosphäre ei­nes Sterns zu flüchten. Üblicherweise hielten die Raumschiffe gehörigen Abstand von den Sternen.

Für Schrottis traf das ganz sicher nicht zu. Für sie war es nicht mal gefährlich. Soweit ich wusste, nutzten sie, wenn sie keine anderen Möglichkeiten hatten, die Sonneneruptionen zur Rohstoffgewinnung. Davon hatte ich meinen Freunden an Bord der STERNENFLUG nie etwas erzählt, denn das hätten sie sicherlich nicht geglaubt …

„… oh, verdammt, ich komme schon zu spät, was?“

Wir drehten uns beide um und sahen den rundlichen Kleini-Bordchemiker Endooran ein­treten. Im glutroten Licht der Schirmprojektion wirkte er, als stünde er in Flammen, was durchaus witzig war. Es gab kaum jemanden an Bord der STERNENFLUG, der jovialer und ge­lassener wäre als er. Jetzt war er freilich etwas außer Atem.

„Nein, nicht zu spät“, meinte ich lächelnd. „Ich denke, du bist gerade rechtzeitig gekom­men. Unser eigentliches Ziel ist noch gar nicht erschienen.“

„Na ja … ist es das da vielleicht?“ Endooran blickte über meine Schulter.

Viane und ich drehten uns überrascht herum, und sie stieß einen undefinierbaren Laut aus, halb Überraschung, halb Erschrecken.

Mitten in dem fahlen, roten Glimmen der Umgebung war ein kleiner, dunkler Punkt aufge­taucht, der nun allmählich immer größer wurde.

„Ja“, murmelte ich nach einem Moment, den ich brauchte, um meiner eigenen Verblüf­fung Herr zu werden. Mein Herz klopfte stärker. Meine Vermutung von eben verpuffte rück­standslos. Das hier war kein Signalstern, kein Zwischenhalt. Das war offenbar tatsächlich das Ziel.

Ich begann zu ahnen, dass die Schrottis sehr genau gewusst haben mussten, wohin sie flo­gen. Und natürlich nahmen sie präzise Zielanflüge vor. Wir erlebten gerade einen. Sie verlo­ren nicht gern Zeit. Das hätte ich mir eigentlich denken können.

Der ZYNEEGHAR war nicht in einem anderen Sonnensystem. Er befand sich genau hier!

„Ja, ich glaube, das ist es“, bekräftigte ich. „Das ist das Ziel.“

Vianes Griff festigte sich, als der dunkle Fleck langsam größer wurde. Und größer. Und grö­ßer. Der Tender näherte sich sehr rasch, mit sicherlich wenigstens zwei Drittel Lichtgeschwin­digkeit. Die Ionisierungsschauer molekularer Teilchen der Chromosphäre, die in den Schilden aufflammten, wurden zweifellos durch digitale Entmischungsprozesse eliminiert, so dass wir ein klares Blickfeld behielten.

„Das ist ein Planet“, schätzte Endooran. Aber seine Stimme klang doch unsicher.

„Dann dürfte von ihm nach der stellaren Eruption aber nicht mehr viel übrig sein“, unkte Viane Vansin skeptisch und wies diesen Gedanken damit flugs ab. „Hört sich nicht allzu realis­tisch an … es muss irgendwas anderes sein …“

Der Chemiker hatte aber insofern Recht, als das schwarze Objekt tatsächlich rund war. Und beim Näherkommen sah es auch ganz so aus wie eine Mondsilhouette oder die dunkle Rundung eines Planeten vor seinem Heimatgestirn.

Mich verblüffte das im Grunde genommen recht wenig – die ZYNEEGHARE der Baumeister besaßen sehr unterschiedliche Gestalt. Aber sehr viele von ihnen imitierten stellare Körper und geometrische Figuren. Kugeln oder kugelähnliche Strukturen waren unter ihnen sehr verbreitet. Folglich konnte man runde ZYNEEGHARE aus der Distanz leicht mit Planeten oder Monden verwechseln.

Die schwarze Silhouette wurde noch größer. Einzelheiten waren gleichwohl in der Be­leuchtung kaum zu erkennen.

Endooran schluckte nach einer Weile hörbar. „Äh … das Ding ist aber VERDAMMT groß … bist du SICHER, dass das kein Planet ist, Chefin?“

„War ich vielleicht schon mal hier?“, schnappte sie ungnädig, klang aber durchaus ange­spannt. Sie wandte keinen Blick von dem immer größer werdenden ZYNEEGHAR. Ihr Gesicht schien etwas blasser zu werden.

Unser Zielobjekt wurde noch größer und füllte inzwischen einen halben Wandschirm. Die Schwärze, die fraglos aus dem Sonnenschatten herrührte, schuf einen so starken Kontrast, dass wir auf der Oberfläche des ZYNEEGHARS keine Details entdecken konnten. Mich begann die Tatsache zu beunruhigen, dass ich keine Lichter sah. Nicht, dass ein ZYNEEGHAR wie eine nächtliche Großstadt ausgesehen hätte … aber hier zeigte sich so gar nichts.

Nichts.

Und das war irgendwie nicht in Ordnung. Ich merkte, wie sich mein Magen verkrampfte. Die Schrottis mochten sich hier ja auskennen … aber ich fühlte mich irgendwie unbehaglich. Gab es hier irgendwelche Probleme? Wenn ja, welcher Natur waren sie? War das der Grund, warum sie mich dazu aufgefordert hatten, ich möge ihnen hier am Ziel helfen? Gab es irgend­welche Kommunikationsschwierigkeiten mit dem ZYNEEGHAR …? Warum klang das alles so … so verkehrt?

„Oh, wir ändern den Kurs!“

Vianes scharfe Augen hatten als erste die leichte Seitwärtsbewegung des Bildes wahrge­nommen.

„Vermutlich bewegen wir uns auf die vom Sonnenlicht beschienene Seite“, schätzte ich mit leiser Stimme. Mehr brachte ich nicht heraus. Mir ging es inzwischen ganz wie den Kleinis – Nervosität hatte mich ergriffen, die immer stärker wurde.

Ich behielt Recht – und damit wurde alles noch viel schlimmer. Und zwar für uns alle.

Binnen weniger Minuten erreichte der sich rasant nähernde Schrotti-Tender die von ro­tem Licht umloderte Terminatorzone unseres Reiseziels, und hier sahen wir alle das Glühen, mit dem das Licht des roten Sternhalos die Oberflächenkonturen unseres Ziels aus dem Dun­kel der kosmischen Nacht riss. Mir war ein solcher Anblick vertraut, weil ich wirklich viele ZY­NEEGHARE in früheren Universen gesehen hatte – aber die Kleinis waren auf das, was wir nun erblickten, in keiner Weise vorbereitet. Es verschlug ihnen die Sprache, und als der Ten­der dann wirklich auf die düsterrot beleuchtete Seite des ZYNEEGHARS hinüberglitt, da wur­de das Glitzern des Terminators absolut klar … und während das offenbar wurde, was da ei­gentlich funkelte und schimmerte, näherten wir uns noch immer weiter an.

Der Tender war noch ziemlich weit entfernt.

Und der ZYNEEGHAR war einer der größten, die ich jemals gesehen hatte. Ein verdammt beeindruckendes Gebilde, selbst für mich.

„Bitte … ich kann das nicht glauben …“ Endoorans Stimme schwankte, und er klang, als wolle er beinahe heulen. Er stützte sich inzwischen an der Wand ab, weil er so zitterte.

Der Tender überflog eine planetare Stadt.

Jeder einzelne Quadratkilometer der Oberfläche des ZYNEEGHARS war bebaut. Bedeckt mit gewaltigen Türmen, Fabrikkomplexen, Oberflächenstraßen und fremdartigen Technikarealen, die die Dimensionen ganzer Städte der Kleinis besaßen. Und sie hörten nicht auf.

Kilometerhoch wölbte sich ein Gebäudekomplex neben dem nächsten, Brücken schwan­gen sich in kühnen Bögen über die Oberfläche, und in ihren Schatten gediehen weitere Fabri­ken, Landefelder, Ausflugschächte, Wartungshangars, Torkomplexe, groß wie Gebirge.

Und es hörte und hörte einfach nicht auf.

Ein ZYNEEGHAR war ein Bauwerk der Baumeister – eine gigantische Fabrik planetaren Ausmaßes, und zugleich stellte er eine Machtinstanz allerersten Ranges dar. Wenn es – jen­seits der gewaltigen Transmittersysteme, die die Baumeister auch schufen – jemals eine Art von Ausweisschild der Fähigkeiten der Baumeisterrasse gegeben hatte, dann waren es die ZY­NEEGHARE.

Ich kannte so etwas. Aber meine Gefährten nicht. Sie hatten so etwas nicht mal für MÖG­LICH gehalten!

Viane schniefte, und ihre Hände krallten sich in meinen Arm und meine Seite.

Der Anblick dieses Maschinensterns musste sie tief treffen.

Sie hatte über meine Visionen einer geeinten Galaxis gelächelt.

Und sie hatte ungläubig gelächelt, ja gespottet, als ich wenigstens ansatzweise auf dem Flug nach Magellan von den Baumeistern erzählt hatte, jenen Wesen, von denen ich mir Hilfe versprach.

Aber das waren technische, eher akademische Dinge gewesen. Worte, nicht wahr?

Das hier … also … ein ZYNEEGHAR der Baumeister ließ sich nicht einfach ignorieren. Man konnte ihn nicht wegerklären.

Dieses „Bauwerk“, wie die Baumeister es euphemistisch und fast ein wenig herablassend zu bezeichnen pflegten, übertraf ihre kühnsten Erwartungen, es sprengte die Grenzen von Vianes Vorstellungen so sehr, dass sie unwillkürlich Zuflucht zu Tränen nahm. Sie konnte nicht anders. Was sie sah, war einfach unvorstellbar. Niemand in der Galaxis war imstande, so et­was zu erbauen. Niemand. Nicht heute und nicht in tausend Jahren.

Die Baumeister vermochten es.

Und der Kontakt mit diesem Gebilde stand unmittelbar bevor. Für die Kleinis musste das wie ein Kontakt mit ihren Sternengöttern selbst sein.

„Gütige Sternengötter …“, flüsterte nun auch tatsächlich Endooran neben uns, halb aufge­löst vor Staunen und Schrecken. „Ach du allmächtige Sternengötter …“

Ich schätzte, dass Viane ganz ähnlich empfand. Sie klammerte sich schniefend an mir fest und brachte kein Wort mehr über ihre Lippen. Ich hielt sie fest und wusste, dass ich ihres Dankes gewiss sein konnte.

Während der Quader des Schrotti-Tenders allmählich langsamer wurde und immer noch über die von blutigem Sonnenlicht beschienene Seite glitt, näherten wir uns auch weiterhin an und blieben schließlich ziemlich genau über dem Äquator stehen. Hier befanden sich ge­waltige Schluchtensysteme … damit hätte man sich vielleicht noch abfinden können, aber diese Schluchtensysteme waren geometrisch. Ihre Klippen bestanden aus solidem Metall. Aus ungezählten Milliarden Tonnen Metall.

Es handelte sich um Hangarzugänge für riesige Raumschiffe, und jeder von ihnen maß mit hoher Wahrscheinlichkeit wenigstens zwanzig oder dreißig Kilometer allein in der Breite. Von unserer Umkreisungshöhe – wir hatten inzwischen offensichtlich einen geostationären Orbit eingenommen – wirkten diese gewaltigen Hangars nur wie fingerdünne, schwarze Striche.

Mein Herz klopfte inzwischen heftiger, aber aus einem anderen Grund als bei Viane, die am ganzen Körper haltlos zitterte und immer noch keinen Ton herausbrachte.

Sie hatte Angst – und ich auch. Aber meine Angst besaß eine andere Ursache.

Die Hangars, die wir zu sehen bekamen, waren ebenfalls schwarz.

Es gab keinerlei Beleuchtung, keine Signallichter, gar nichts.

Alles hier war schwarz.

Der ZYNEEGHAR sah – ungeachtet seiner bläulich silbern glimmenden Oberfläche und makellosen Vollkommenheit – zugleich so vollkommen inaktiv aus, und das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Die Baumeister pflegten so etwas nicht zu tun – ZYNEEGHARE, so hatte ich sie stets kennen gelernt, stellten eigentlich nimmermüde Werkstätten dar, und sie sandten beständig Ströme von Raumschiffen aus, um benachbarten Sternenvölkern zu helfen, um Ressourcen zu erschließen, bei galaktischen Katastrophen zu helfen und dergleichen.

Dieser ZYNEEGHAR tat nichts dergleichen.

Er sah aus wie tot.

Und in diesem Moment wurde mir mit voller Konsequenz klar, dass ich nicht am Ziel war, ganz bestimmt nicht – irgendetwas hier war schrecklich falsch. Und zugleich, das war dann wohl das Entsetzlichste, die Schrottis wussten davon.

Sie wussten davon und taten nichts dagegen, für sie schien das alles ganz normal zu sein – das war vielleicht noch schlimmer.3

Die Dinge entwickeln sich noch sehr viel dramatischer in der Folge, und die ers­ten 16 Episoden sind Oki und seine Gefährten in eine Reihe gefährlicher Aben­teuer verwickelt, ehe sie dann tatsächlich den ZYNEEGHAR reaktivieren und in die Milchstraße überführen können. Von da an beginnt seeehr langsam die Ent­wicklung der okischen Machtbasis.

Nun gut, im genannten KONFLIKT 9 des OSM entwickelt sich also das okische Imperium, blüht auf und wird schließlich nach gut neuntausend Jahren Opfer des KONFLIKTS. Der Okiplanet wird vollkommen zerstört.

Aber der OSM kennt so genannte „Matrixfehler“.

Dinge, die es nicht mehr geben dürfte, tauchen auf einmal wieder in der Exis­tenz auf, teilweise gründlich pervertiert. So ist es denn auch mit dem Okiplane­ten.

In KONFLIKT 16, also der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ (1983-1998), befindet sich eine arg verwitterte Ruinenkopie des Okiplaneten in der Galaxis Milchstraße im Reich der insektoiden Artaner wieder. Eher durch einen Zufall werden Oki Stanwer und seine Gefährten dort damit konfrontiert und stellen fest, dass der ZYNEEGHAR grundlegend gestört ist. Er hat etwas erschaf­fen, was GRALSREICH genannt wird, und bizarre halbkybernetische Wesenhei­ten, die sich GRALSJÄGER nennen, arbeiten daran, den Planeten, so verwüstet er auch ist, in ein anderes Universum zu entführen.

Naturgemäß will Oki das verhindern – die schwer verwüstete Milchstraße braucht dringend technologische Hilfe. Aber ehe er auch nur einen gescheiten Kontakt mit der Lenkintelligenz des ZYNEEGHARS herstellen kann, sprengen ant­agonistische GRALSJÄGER den ganzen Stern kurzerhand in die Luft.

Verständlich, dass Oki Stanwer daraufhin auf GRALSJÄGER nicht mehr gut zu sprechen ist.4

War das das letzte Mal, dass der ZYNEEGHAR 11, der Okiplanet, in Erscheinung trat? Leider nein. Es gab einen weiteren Matrixfehler, der noch sehr viel schlim­mere Auswirkungen auf die kosmische Geschichte hatte. Dafür müssen wir ei­nen KONFLIKT ansteuern, der vom Schauplatz der eben kursorisch erzählten Ge­schehnisse 30 Milliarden Handlungsjahre in der Zukunft liegt.

Wir sprechen über KONFLIKT 22, der am 17. Oktober 1989 begann, also vor rund 30 Realjahren, aber immer noch nicht abgeschlossen ist. In dieser Serie, „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“, regiert Oki Stanwer in der Galaxis Daarcor und stützt sich dabei auf eine Kaste von menschenähnlichen Robotern, die sich bei näherer Betrachtung als Okis erweisen.

Okay, der gedankliche Folgeschluss ist absolut nachvollziehbar: Wenn es Okis gibt, selbst wenn sie als Untergrund-Agenten des „Oki-Stanwer-Netzes“ ver­schiedenste morphologische Formen annehmen, um andere Sternenvölker zu unterwandern, dann muss es natürlich auch die Lenkintelligenz geben.

Den Okiplaneten.

Also auch die Lenkintelligenz BURTSON.

Dummerweise ist Oki Stanwers Zentralplanet eine Welt namens THALAMAT. Und die Okis sind Roboter, die rigide unmenschliche Programmierungen verfol­gen.

Als Klivies Kleines, seines Zeichens Okis ältester Freund und Helfer des Lichts, in Daarcor eintrifft, wird er Zeuge der unmenschlichen Brutalität der Okis und ent­tarnt schließlich seinen alten Freund als monströsen Diktator … woraufhin dieser kurzerhand eine Gehirnwäsche an ihm vornimmt.

Solcherart „gleichgeschaltet“ avanciert Kleines für eine Weile zu Okis willigem Handlanger und dann, als ein beinahe tödliches Attentat auf Oki Stanwer verübt wird, während dessen Regenerationsphase zum Interims-Regenten von Daarcor. Im Zuge dieser Tätigkeit erfährt er von den BAUSTELLEN.

Die BAUSTELLE 001 liegt in einer abgelegenen, stark bewachten Dunkelwolke, und als Kleines sie aufsucht, hat er, der im KONFLIKT 9 auch schon jahrhunder­telang an Okis Seite in der Milchstraße wirkte, einen grässlichen Erinnerungs­flash.

Die BAUSTELLE 001 ist der Okiplanet.

Oder besser – seine Ruine. Aber alles andere als inaktiv oder tot. Und so sah das damals aus, lange vor dem Beginn der Serie „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“:

Baustelle 001 befand sich nur 255 Lichtjahre vom THALAMAT-System entfernt im Schutz einer ausgedehnten Dunkelwolke im inneren Zentrumsring von Daarcor. Normalerweise gab es einen dreifach gestaffelten Schutzkordon um das Projekt, ein Dutzend Asteroidenbasen mit Okibesatzung und scharfen, starken Waffensystemen … aber als Kleines mit seinem Schiff hier ankam, war rein gar nichts davon mehr aktiv.

Der Schock von Oki Stanwers Tod hatte alle Okis auch in diesen Basen umgemäht und in­aktiv gemacht.

„War das Reiseziel der Sternenfee Jasmina direkt die Baustelle oder die Randstationen?“, wollte der Helfer des Lichts vom Schiffscomputer erfahren.

„DIREKT DIE BAUSTELLE. ABER ES IST UNKLAR, OB SIE DORT JEMALS ANGEKOMMEN IST.“

„Nun, dann werden wir das herausfinden.“ Kleines lächelte entschlossen und traf rasche Entscheidungen. „Heron, schleuse zwei Gruppen Okis aus, die die Abwehrsysteme wieder in Gang bringen sollen. Der Rest kommt mit mir zur Baustelle selbst.“

Binnen weniger Minuten verließen zwei Beiboote den 100-Meter-Kreuzer. Das Schiff selbst, das nur eine Automatnummer und keinen Namen trug – Oki-Kampfschiffe brauchten so etwas nicht, solange sie nur von Okis bemannt wurden – , drang durch einen künstlich sta­bilisierten Korridor in der Staubmaterie der Dunkelwolke ins Zentrum vor. Hier drehte sich der ausgebrannte Rest einer Sonne einsam um seinen Schwerpunkt. Er war optisch nicht mehr auszumachen und durchmaß wohl kaum mehr als fünfzig oder sechzig Kilometer. Ein Neutronenstern.

Direkt im Orbit um dieses Gebilde bewegte sich ein großer, massereicher Körper, der von den Maßen einem Planeten gleichkam. In der absoluten Finsternis dieser Dunkelwolke muss­te sich Kleines auf das verlassen, was die Sensoren des Schiffes allmählich aus der Finsternis schälten.

„Heiliges Licht“, murmelte er, als das Zielobjekt endlich im künstlich simulierten Tageslicht auf den Holoschirmen sichtbar wurde.

Eine mächtige, zerrissen und zerrupft wirkende Welt tauchte aus der Dunkelheit auf, wie ein Alptraum aus Stahl und Verbundmetallen. Über Tausende von Quadratkilometern er­streckte sich eine technologische Wüste, ein Schlachtfeld unvorstellbarer Ausmaße. So ziem­lich alles, was hier einstmals existiert hatte, war in Explosionen zerborsten, in wahnwitzigen Hitzegluten zerschmolzen, verkohlt und verbrannt.

Ein anderes Wesen, das Kleines aber nicht kannte, hätte dieses Gebilde die ANOMALIE ge­nannt.

„Ausmaße!“, keuchte der Helfer des Lichts.

„ES HANDELT SICH UM EIN VOLLTECHNISCHES ARTEFAKT MIT ABSOLUT SPHÄRISCHEM KU­GELDURCHMESSER. WENIGSTENS WAR DAS VOR DER – MISSLUNGENEN – ZERSTÖRUNG DER FALL. DER DURCHMESSER BETRÄGT INZWISCHEN 12093 KILOMETER, LEICHTE DEFORMATIO­NEN HERAUSGERECHNET. ES HANDELT SICH UM EINE HOHLWELT …“

„Ich weiß. Sie hat nur eine tausend Kilometer starke Kruste, nicht wahr? Und darin einen Hohlraum, in dessen Zentrum eine Singularität als Energiequelle steckt, richtig?“

„KORREKT, KLEINES. ES SCHEINT, DASS DU WEISST, WORUM ES SICH HANDELT?“

„Ja“, murmelte der Helfer von Daarcor hohl und hielt sich an den Lehnen seines Sitzes in der Kommandozentrale fest. Er hatte das Gefühl, die Welt drehe sich um ihn herum. Die jähe Erinnerung brachte ihn aus dem Gleichgewicht. „Oh Gott, ja.“

„BURTSON wurde von einer der letzten Attacken vor rund dreißig Jahren schrottreif ge­schossen und jeder Oki bekam dadurch eine Art von Trauma …“

Okis Worte!

Kleines stand auf und sah auf die zernarbte, verheerte Welt hinab. Er hatte das rührende, aufwühlende Gefühl, nach Hause zurückzukehren, zu jenem Planeten, den er in einem ande­ren Leben so viele Jahre bewohnt hatte. An der Seite von Oki Stanwer, dem Kaiser der Okis.

Der Okiplanet.

„Hallo BURTSON“, murmelte er und spürte, wie ihm fast die Stimme wegblieb vor Rüh­rung. „Es ist lange her …“

Er hatte noch keine Ahnung, was ihn erwartete.5

Die Außenwirkung ist schon gruselig. Aber das Innere erweist sich als nicht viel angenehmer, wie Kleines entdecken muss, als er mit seiner robotischen Eskorte landet:

Das unspektakuläre Botenschiff von Klivies Kleines landete ohne irgendeine Behinderung in einer schon wieder hergerichteten Docksektion. Sie stand noch unter Druck und war mit einem Ionenschutzfeld abgesichert, damit die Atmosphäre nicht dekompressierte. Ganz of­fenkundig funktionierte doch noch ein wenig hier, nicht alles war restlos ausgefallen. Das war erleichternd.

Der Landeplatz lag in einem der kleineren Landefelder im äußeren Rand des Okiplaneten. Es gab auch Großraumhangars, die Dutzende von Kilometern tief und mehr als hundert Kilo­meter breit waren. Dort fanden etliche Großraumschiffe der Okis Platz. Aber wie ihm glaub­haft versichert wurde, waren diese Regionen des künstlichen Planeten alle noch verwüstet.

‘Muss ein schrecklicher Angriff gewesen sein’, dachte Kleines benommen und empfand den Anflug beinahe religiöser Empörung. Etwa, wie ein Gläubiger reagiert hätte, der von der Schändung einer Reliquie erfuhr. Er fragte sich, über was für Waffensysteme wohl der „Bund der Vier“ verfügt hatte, als er diese Verheerungen anrichtete. Es schien überhaupt seltsam – hatten auch hier schon die GRALSJÄGER mitgewirkt? Anders ließ sich das kaum erklären …

Sein analytischer Verstand kam zu keinem sinnvollen Ergebnis. Also verschob Kleines diese Grübeleien auf einen späteren Zeitpunkt. Jetzt hatten sie andere Sorgen als die Vergangen­heit vor fünfzig Jahren.

Als er mit den Okis ausstieg, sah er die Schäden der neuen Heimsuchung: überall im Han­gar waren Okiroboter zusammengebrochen und lagen wie Marionetten, denen man die Fä­den durchtrennt hatte, regungslos herum. Und ansonsten sah der Hangar aus, als sei er … ja … sehr alt.

Der Eindruck war unheimlich. Kleines konnte sich einer intensiven Beklemmung nicht er­wehren. Irgendetwas war hier falsch. So falsch, dass er nicht mal die Okis fragen konnte. Sie schienen ohnehin sehr unsicher zu sein.

„Heron! Probleme?“

„N… nein, Herrscher“, kam es zögernd zurück.

Klivies Kleines glaubte ihm kein Wort. Der Oki sah aus, als müsse er sich zu jedem Schritt überwinden. Das BURTSON-Trauma? Eine bizarr-rudimentäre „Erinnerung“ an den Ort des Ursprungs?

Und ein weiterer Gedanke schoss durch den Kopf des Helfers: ‘Oki, warum hast du mir nicht mehr über die BAUSTELLEN erzählt? Was ist hier eigentlich los? Irgendetwas ist hier grundlegend verkehrt. Aber ich kann mit niemandem darüber reden. Vielleicht mit dir. Viel­leicht nicht einmal das.’

Noch so ein trostloser, fruchtloser Gedanke …

Entschlossen ging er voran und erreichte das Schott zum Transitkorridor. Erinnerungen an ein anderes Leben kamen hoch, als er die Sensorfelder sah. Mit traumwandlerischer Sicher­heit gab er seinen alten Signalcode ein.

„Legitimation erkannt. Willkommen an Bord, Helfer.“

„Danke“, sagte Kleines lächelnd. Aber er musste sich zum Lächeln zwingen. Der Begriff „Helfer“ war anachronistisch. So war er genannt worden im 9. Universum. Ja, auch noch ein­mal im 15. Kosmos. Aber hier nicht.

Das legte zwingend den Schluss nahe, dass dieser Okiplanet ein Matrixfehler war.

Was um alles in der Welt war hier geschehen? Was nur?

Während die Okis mit Kleines an der Spitze weiter in den Okiplaneten vordrangen, ver­suchte der Helfer des Lichts seine Gänsehaut zu verscheuchen.

Es gelang nicht.

Mit jedem Meter, den er der Zentrale des Planeten näherkam, hatte er das klaustrophobi­sche Gefühl, eine ungeheuerliche Falle schlösse sich über ihm …6

Auch damals war ich mir durchaus schon der Dimensionen bewusst, die der Okiplanet hatte, und ein wenig schwelgte ich in dieser Episode in Kleines´ Reminiszenzen an den KONFLIKT 9, als der Okiplanet noch in voller Blüte stand – der Kontrast zu der verwüsteten Kulisse, die ich darstellen musste, war damals nur schwer aushaltbar:

Kleines und die Okis brauchten mehr als anderthalb Stunden, bis sie vermittels einer Hori­zontal-Antigravbahn das Innere des Planeten erreichten, jenen Bereich in der inneren Hohl­schale, die man allgemein als Zentrale bezeichnete.

Der Okiplanet stellte eine gigantische technische Struktur dar, in der man sich normaler­weise bewegte, indem man Transmitterkanäle benutzte, die zu großen Transitknoten in der tausend Kilometer tiefen Planetenkruste führten. Diese Verbindungen waren nun allerdings ausgefallen, und so mussten die Okis und Kleines auf das Sekundärsystem zurückgreifen, eben die Antigravbahnen. Dieses Reservesystem funktionierte tadellos, es war nur eben sehr viel langsamer.

Während sie in einem der luxuriös mit Datensalons ausgestatteten Zügen mit vielfacher Schallgeschwindigkeit durch Vakuumröhren dahinjagten, vernetzte Kleines hier seinen Anzug mit den Systemen des Okiplaneten und bekam beunruhigende Informationen.

Weit mehr als neunundneunzig Prozent des Planeten lagen nach wie vor brach und waren ohne Energie. Nur in diesem angesteuerten Bereich gab es Stellen, die – wie das gesamte Bahnnetz – mit Energie versorgt wurden und mit Atemluft betankt waren. Es handelte sich um einige Datennetzknoten, in denen DIGANTEN-Kolonien existierten, die dieses gewaltige Habitat wieder zum Funktionieren bringen sollten.

BURTSONS Eigenintelligenz war gegenwärtig erloschen, erklärte der Rudimentknoten, der Kleines´ Fragen beantwortete.

‘Wie kann es dann noch Okis geben?’, schoss Kleines der nächste unangenehme Gedanke durch den Kopf. Je mehr Informationen er erhielt, desto undurchsichtiger und widersprüchli­cher wurde die ganze Sache.

Er war indes klug genug, zu schweigen.

Schließlich lief der Zug in die gewaltige Terminalhalle ein, in der zweiundsechzig Gleisan­schlüsse (die ihren Namen eigentlich zu Unrecht trugen, weil sie keine Gleise besaßen) ne­beneinander lagen.

Die Okis stiegen in der gedämpften Notbeleuchtung aus, die auch hier das Alter enthüllte, das über allen Anlagen lag. Die rund achtzehn Kilometer weite, elliptische Halle, an deren Rand sich Besucherzentren entlang erstreckten, außerdem Esplanaden mit verdorrten Bäu­men, terrassenförmige Plantagen, in denen einstmals Wesen unterschiedlichster Völker hat­ten lustwandeln können, war einem Grabmal ähnlicher als alles andere.

Ein eisiger Hauch fegte durch die Halle, ein Zeichen dafür, dass sich irgendwo ein Tor in ei­nen anders temperierten Raum geöffnet hatte. Die Temperatur hier lag auf minus acht Grad, und kalter Hauch stand vor Kleines´ Mund, während er sich beeilte, zielstrebig über den Steig zu gehen.

In Gedanken sah er das alles vor Milliarden Jahren.

Sah die tropischen Halosonnen, die von der Decke gleißten, die schwatzende, neugierige, aufgeregte Menge an Touristen, die den täglichen Shuttleservice von den Orbitalstationen nutzten, um einmal in ihrem Leben das Herz des Imperiums zu sehen.

Hoch aufgerichtete Okis in blauen Uniformen und Signalplaketten, die ihren Namen und Status anzeigten, führten Gruppen von kleinwüchsigen Allis, die staunend den Erläuterungen des Roboters lauschten. Schmelzende glitten mit ihren Transportplattformen durch die Men­ge, Prallfeldbarrieren hielten den Sicherheitsabstand aufrecht. Verschiedenste Insektoidenwe­sen unterhielten sich, Kleinis – Wesen seines eigenen Volkes – schlenderten zwischen den im­mergrünen Rabatten auf den acht Etagen der Wandelgärten dahin und philosophierten.

Roboterschwärme sausten durch die Halle, Gleiterverkehr überbrückte die Verbindungen zwischen entfernten Teilen des Terminals und brachte Besucher und Handlungsreisende zügig zu ihren Zügen, die in andere Richtungen des Planeten unterwegs waren.

Rauschend schossen Züge in die Hohlröhren hinein oder kamen an, wobei sie mit strahlen­den Lichtentladungen abbremsten, damit auch ja jeder aufmerksam wurde. Durchsagen hall­ten …

„Herrscher … Ihr solltet weitergehen. Die Kälte ist Eurem Organismus nicht zuträglich.“

Ein Oki war an Kleines´ Seite getreten und hatte ihn angesprochen.

„Oh“, murmelte der Helfer des Lichts. „Ja, natürlich.“

Kleines hatte gar nicht gemerkt, dass er, in Gedanken versunken, einfach stehengeblieben war. Er schüttelte den Kopf, warf die Benommenheit ab und marschierte dann stramm wei­ter. Erinnerung konnte auch ein Hemmschuh sein.

Von diesen großen Terminals gab es insgesamt zweihundertsechsundachtzig, die um den gesamten Planetenkern konzentriert waren. BURTSON hatte sich irgendwann mal einen Spaß gemacht und auf die Fragen eines neugierigen Besuchers ernsthaft zu zählen begonnen, wie viele Netzstationen es gab und wie ihre Kennziffern lauteten.

‘Gott, habe ich gelacht’, dachte Kleines und schmunzelte unwillkürlich. Das Gesicht dieses Tarvolers, eines rothäutigen Humanoiden einer kürzlich ins Imperium eingegliederten Rand­welt der Galaxis Milchstraße, war eine Miene der Fassungslosigkeit gewesen …

Ein hohes Schott tauchte vor Kleines und den Okis auf. Es trug die so bekannte und seit Ewigkeiten nicht mehr gesehene Kennzeichnung für BURTSON. Oki Stanwer selbst hatte die­ses verschnörkelte Symbol entworfen, in dem Kleines leicht ein sehr verziertes, mannshohes Ebenbild des Buchstaben B erkannte. Aber für andere Intelligenzen war es eine der zahllosen unbekannten Glyphen, die die Wände der Räume des Okiplaneten zierten.

BURTSON.

Wieder legte Kleines seine Hand auf das Sensorfeld, gab seine alte Helfer-Kennung ein.

„Autorisierung der Besucher“, erscholl auf einmal eine Stimme.

BURTSONS Stimme? Aber wieso brauchten Okis eine eigene Autorisierung?

„Es handelt sich um Okis“, meinte Kleines irritiert. „Seit wann …?“

„Fremde Roboter sollen sich ausweisen!“

Kleines warf einen Blick zurück auf Heron und reagierte noch in dem Moment, in dem He­rons Hand zur Hüfte hinabzuckte.

Der Helfer des Lichts warf sich zur Seite und entging dadurch einem Schlag eines zweiten Okis, der ihn zweifellos in den Nacken getroffen hätte. Kleines hatte aber gar keine Gelegen­heit, Entsetzen zu zeigen, weil alles viel zu rasch ablief.

Noch während der Handlung der Okis – oder was immer sie sein mochten! – aktivierte je­mand die automatische Abwehr. Binnen Sekundenbruchteilen waren die Roboter in ein knis­terndes Gitternetz aus Energien eingehüllt, von dem Kleines nicht einmal einen Schwall Hitze mitbekam, weil ihn ein hauchdünnes Prallfeld vor den Gewalten schützte, die Heron und sei­ne Gefährten buchstäblich rösteten. Die Roboter, die so Okis täuschend ähnlich waren, dass selbst Kleines keinen Verdacht geschöpft hatte, zuckten unter den Entladungen, ihre Kunst­haut verbrannte, die Gliedmaßen reckten sich in alle möglichen und unmöglichen Richtun­gen, als nutzlose Fluchtversuche aus dem Energiekordon versucht wurden. Strahlende Ener­giestäbe durchbohrten die Roboter an unterschiedlichen Stellen und ließen sie schließlich zu­sammenbrechen.

Die ganze Aktion hatte zwei Sekunden gedauert, dann war Kleines´ Begleiteskorte von sechzehn Okis nicht viel mehr als glühender Schrott. Penetranter Gestank und diffus davondriftender Rauch hing in der Luft.

7

Wie ihr merkt, hat der ZYNEEGHAR 11, der Okiplanet, auch im rudimentären Zustand und arg angeschlagen, sehr wache Instinkte – und dennoch ist er grundlegend gestört, was Klivies Kleines in der Folge in arge Bedrängnis bringen wird. Doch ist das nicht mehr das Thema der heutigen Erörterungen.

Ich wollte euch hiermit zeigen, dass der Okiplanet wirklich und wahrhaftig zum Urgestein der legendären Orte des OSM gehört, und ich denke durchaus, dass mir das geglückt ist. Da ich über den KONFLIKT 9 noch sehr viel schreiben werde und natürlich auch der chaotische KONFLIKT 22 noch lange nicht beendet ist, könnt ihr da beizeiten zweifellos noch die eine oder andere Überraschung erle­ben, und ich selbst natürlich ebenfalls.

Denn wenn ich eins gelernt habe, seit ich den KONFLIKT 9 schreibe, dann dies: der alte Traum meiner Kindheit, über das okische Imperium dereinst eine Space Opera zu schreiben und die schrullige kybernetische Intelligenz BURTSON dar­zustellen, ist jetzt tatsächlich möglich … ich sah damals wirklich nur sehr kleine Teile dessen, was es da tat­sächlich zu sehen gab. Und vieles habe ich einst völlig falsch verstanden.

BURTSON ist eine faszinierende, uralte und unendlich machtvolle Entität. Und der Okiplanet, gewissermaßen sein „Körper“, wenn man so will, birgt noch un­endliche Geheimnisse und Abenteuer ohne Zahl.

Beizeiten berichte ich euch davon gern wieder. Doch für heute habe ich genug erzählt und lasse eure ermatteten Augen sich entspannen.

Bis nächste Woche, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Dabei bitte ich zu berücksichtigen, dass hier natürlich unendlich viel fehlt. Die Sprachproblematik ist eine Sa­che, Beschreibungen von Personen und Locations etwas zweites, einfallslose Dialoge, groteske Verkürzung von Distanzen und Zeitfenstern kommen dazu, hypertrophe dimensionierte Übersteigerungen… einfach drü­ber hinweglesen. Die ärgsten Schreibfehler wurden bei Abschrift stillschweigend bereinigt.

2 Zitat aus dem handschriftlichen Skript „Der stählerne Tod“, ca. 1979, bislang nur teilweise digitalisiert, S. 115/16.

3 Zitat aus der KONFLIKT 9, d. h. der Serie „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“, Bd. 3: „Der Maschinenstern“, 2011, S. 21-25.

4 Da KONFLIKT 16 zwar schon seit über 20 Jahren fertig geschrieben ist, aber noch keine Digitalisatform be­sitzt, kann ich hieraus leider keine Zitate bringen, Freunde, so gern ich das auch wollte. Vertraut also einfach meinen obigen Worten.

5 Zitat aus KONFLIKT 22, d. h. der Serie „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“, Bd. 45: „Anschlag auf Baustelle 001“, 2004, S. 5-6.

6 Zitat aus KONFLIKT 22, d. h. der Serie „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“, Bd. 45: „Anschlag auf Baustelle 001“, 2004, S. 7-8.

7 Zitat aus KONFLIKT 22, d. h. der Serie „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“, Bd. 45: „Anschlag auf Baustelle 001“, 2004, S. 9-11.

Rezensions-Blog 240: Saphir (Sammelrezension)

Posted Oktober 30th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute gibt es mal wieder das echte Kontrastprogramm zur letzten Woche. Dort tummelten wir uns in alternativen Realitätsversionen des Zweiten Weltkriegs, heute bleiben wir – diesbezüglich – bodenständig, während wir andererseits ziemlich den Boden unter den Füßen verlieren. Das klingt wirr? Vertraut mir, wenn ihr die folgenden Seiten lest, werdet ihr rasch entdecken, dass ich die lau­tere Wahrheit spreche.

Als ich die folgende Sammelrezension im November 2011 im Fanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) in der Ausgabe 338 veröffentlichte – deshalb auch die Anfangssätze, die ich der Vollständigkeit halber stehen gelassen habe und die sich natürlich auf die dortige Publikationsplattform beziehen, nicht auf den Rezensions-Blog – , lag die Lektüre dieses vergnüglichen Romanvierteilers erst kurze Zeit zurück. Mittelfristig dachte ich mir aber, dass sie, auch aufgrund der vielen Metainformationen zu gelungen war, um sie euch vorzuenthalten.

Und da diese Geschichte sowohl etwas für Fans von Indiana Jones wie von Doc Savage, Orientabenteuern, drolligen Humoresken im Jet-Set wie für die Liebha­ber von Agentengeschichten enthält – ein wenig wie ein Kessel Buntes, in dem auch allerlei Vermischtes zusammengerührt wird – , ist allein schon diese wilde Mischung etwas, dem ich einen breiteren Leserkreis wünsche.

Vordergründig handelt es sich natürlich um einen Zyklus erotischer Romane. Aber wie ich bereits anhand der in die Rezension eingearbeiteten Zitate deut­lich mache, ist das bei weitem nicht alles. Und vertraut mir, ich habe wirklich nur sehr wenig von den vergnüglichen Dingen dieser Romane ausgeplaudert. Aber vielleicht genug, um dieses abenteuerliche Garn, das als Scharade beginnt und in der reinrassigen Fantasy endet, für euch interessant zu machen.

Es ist ein wenig „länglich“, zugegeben, und man braucht etwas Geduld beim Le­sen, doch immerhin geht es insgesamt um vier Romane, mithin also rund 900 Textseiten. Und ich bin ziemlich sicher – wenn ihr erst mal Feuer gefangen habt und der Geschichte mit heißer Aufmerksamkeit folgt, spielt die Länge der Sam­melrezension echt so gar keine Rolle mehr.

Glaubt ihr nicht? Na, dann schaut mal und lasst euch eines Besseren belehren:

P. J. Royce

Saphir im Garten der Sinne

(OT: Sapphire Star)

Heyne 6526

München 1985, 224 Seiten, TB

Aus dem Englischen von Sibylle Greiling

Saphir und die Pikanterien der High Society

(OT: Sapphire Star)1

Heyne 6605

München 1985, 256 Seiten, TB

Aus dem Englischen von Uschi Gnade

Saphir und das nackte Ebenbild

(OT: Sapphire Star 3: Picture Perfect)

Heyne 6704

München 1986, 224 Seiten, TB

Aus dem Englischen von Antoinette Gittinger

Saphir gefangen im Harem

(OT: Sapphire Star 4: Star of the East)

Heyne 6771

München 1986, 224 Seiten, TB

Aus dem Englischen von Antoinette Gittinger

Es gibt recht selten Grund, einen erotischen Roman auf diesen Seiten zu rezen­sieren, zugegeben, sind doch die Seiten des BWA in der Regel für phantastische Werke reserviert. Gleichwohl wird der Leser der Rezension rasch merken, dass es hier einen zentralen Grund für solch ein Vorgehen gibt. Er trat in der Lektüre des zweiten Bandes so überraschend zutage, dass ich nur noch schallend lachen konnte … und ganz abgesehen davon habe ich Grund zu der Vermutung, das op­tische Vorbild für die Figur der Sapphire Star zu kennen, deren Ursprung ein rein phantastischer ist – wenngleich dieser auch im amerikanischen Umfeld weit besser bekannt ist als bei uns in Deutschland.

Mir war übrigens durchweg unbekannt, dass es sich bei den oben genannten Bänden um einen Zyklus handelt. Als ich anno 2000 den ersten Band antiqua­risch entdeckte und das erste Mal las, ging ich von einem einzigen Band aus (auch wenn das angesichts des Endes des Romans, der ja mitten in der Hand­lung aufhört, reichlich absurd klingt). Dennoch: als ich im Mai 2011 im Antiqua­riat über die restlichen drei Bände stolperte, war es einfach unumgänglich, mir den ersten noch mal zu Gemüte zu führen, gefolgt von den restlichen. Ein… in­teressantes Leseabenteuer, um das Mindeste zu sagen.

Ohne viele weitere einleitende Worte gehe ich gleich einmal zur Handlung der einzelnen Bände über:

1. Teil: Saphir im Garten der Sinne

Sie kommt buchstäblich aus dem Nichts – eine die Sinne betörende, junge, sportliche Frau mit rassigen Körperformen, faszinierenden Augen und einer lan­gen, wallenden roten Haarmähne. Ohne zu wissen, wer sie eigentlich ist, tau­melt sie eines Tages in eine Single-Bar und wird hier von dem Fotografen Mi­chael Baldini entdeckt, der auf der Suche nach Fotomodellen ist.

Das nächste, was dem Mädchen, dem er den Namen Grace gegeben hat, weil es sich weder an den eigenen Namen noch sonst irgendetwas erinnern kann, dann als Eigenschaft zugeschrieben werden kann, ist eine wilde, vulkanische Leidenschaft und eine unglaublich versierte erotische Kenntnis. Grace oder wie auch immer sie heißen mag, ist angewiesen auf heißblütigen Sex, und ihre Ori­entierung ist dabei durchaus nicht festgelegt. Während sie anfangs Mike ver­führt, vernascht sie im Verlauf der Handlung auch noch eine Stripperin, den Be­sitzer eines Casinos in Las Vegas, einen Cowboy usw., ganz zu schweigen davon, dass sie unter abenteuerlichsten Umständen ihre Höhepunkte zu suchen bereit ist.2

Erst einer der Auftraggeber von Mike Baldini, John Rhodes, macht den Fotogra­fen darauf aufmerksam, dass seine „Grace“ verblüffend einer wirklich atembe­raubenden Frau ähnelt: Saphir Star, der Tochter des schwerreichen Industriellen Diogenes Dokks aus Florida.3 Sie geistert gerade durch die Presse, weil sie jüngst in den Staaten mit einem Flugzeug abgestürzt ist und im Schneechaos der Berge noch vermisst wird.

So reift in Baldini der Entschluss, seine Grace die Rolle der Saphir spielen zu las­sen und sich in Florida einen dicken Batzen Geld abzuholen. Es dauert eine Wei­le, bis er die Idee seiner schönen neuen Freundin schmackhaft gemacht hat, die viel moralischer denkt als er. Schließlich und auf abenteuerlichen Umwegen er­reichen sie dennoch Florida (die Umwege sind echt lesenswert und ziemlich un­konventionell). Zu diesem Zeitpunkt ist schon klar, dass „Saphir“ einen bemer­kenswert scharfen Verstand besitzt, stark exhibitionistisch veranlagt, sexuell au­ßerordentlich leistungsfähig und zudem physisch sehr schlagfertig ist. Warum sie beispielsweise Rodeo reiten kann, ist ihr hingegen weit weniger klar. Und das sind nur ein paar Fähigkeiten, zu denen bald noch weitere treten.

Diogenes Dokks ist wie vom Blitz getroffen, als er „Saphir“ zu sehen bekommt. Die Ähnlichkeit mit seiner Tochter ist so frappierend, dass „Saphir“ alle in sei­nem Anwesen und weiten Umkreis sofort davon überzeugt, die verschollene Tochter zu sein. Sehr zum Leidwesen von Dokks Geliebter, Melody Harwick, der Saphir stets ein Dorn im Auge war und die darum den Streit, in dem sich Saphir von ihrem Vater getrennt hat, eifrig geschürt hat. Sie durchschaut die „Betrüge­rin“ sogleich und beginnt boshaft zu intrigieren, nicht zuletzt, indem sie den Pri­vatdetektiv Bently Kensington bearbeitet, den Dokks mit den Forschungsarbei­ten an dem Flugzeugwrack beauftragt hat.

Und zum Schluss gewinnen die Gewissensbisse bei „Saphir“ die Oberhand, was zu einer beinahe tödlichen Entscheidung führt…

Der erste Roman lässt den Leser einigermaßen ratlos zurück. Zwar ist am Ende klar, dass die Protagonistin durchaus mit ihren Zweifeln Recht hat und NICHT Saphir ist (was man übrigens auch am Fehlen eines prägnanten Muttermals auf ihrem Rücken deutlich erkennen kann4), aber ihre Erinnerung ist nicht zurückge­kehrt. Stattdessen hat sie einen Ersatz-Vater gefunden, durch eine ärztliche Un­tersuchung entdeckt, dass sie ihre Eileiter hat durchtrennen lassen, so dass Sex folgenlos möglich ist … und der Arzt hat ihr auch gesagt, dass sie eindeutig schon einmal Mutter war. Was die Rätsel bekanntlich nur vergrößert. Tja, und dann steht da auch noch Saphirs Verlobter vor der Tür, geradewegs vom Nord­pol hereingeschneit, mitsamt Schlittenhunden …

2. Teil: Saphir und die Pikanterien der High Society

Im zweiten Roman der vierteiligen Reihe gehen die Abenteuer wirklich nahtlos weiter, die zeitliche Distanz zum ersten Roman kann allenfalls nach Minuten zählen (etwa so wie bei den modernen James Bond-Filmen mit Daniel Craig).5 Das macht es reizvoll, die Bücher in rascher Folge zu lesen, wenigstens bei den ersten beiden empfiehlt es sich. Und dieser zweite Band ist jener, der mich dazu bewog, diese Rezension zu schreiben.

Wir erinnern uns: am Ende des ersten Romans steht unvermittelt Saphirs Ver­lobter vor der Tür von Diogenes Dokks´ Anwesen und begehrt Einlass. Das Mäd­chen, das sich entschlossen hat, vorläufig doch Saphirs Namen zu tragen, möch­te ihn am liebsten in die Wüste schicken oder zurück zum Nordpol, weil er ihr erst mal Panik einjagt … bis sie ihn zu sehen bekommt, diesen perfekten Mann, Abenteurer, Schatzsucher und wagemutigen Kerl namens Rex Sauvage.6 Offen­kundig ein waschechter Franzose … und als er sie französisch anredet, antworte­te Saphir munter in derselben Sprache (die die wahre Saphir nie beherrscht hat!). Und das ist erst der Anfang der abenteuerlichen Kapriolen, die sie mit Rex erlebt. Denn wenig später geht er in seine Familiengeschichte (jaja, natürlich erst, nachdem sie ihn in voller Montur in den Pool gezerrt und anschließend im Dampfbad vernascht hat, es ist schließlich ein erotischer Roman).

Rex Sauvages Biografie ist höchst lesenswert und hat mir mehr als nur einen un­gläubigen Lacher entlockt. Warum? Man höre ihn selbst: „‚Ganz im Ernst’, sagte er. ‚Um mich zu verstehen, musst du meinen Vater verstehen, und um meinen Vater zu verstehen, musst du seinen Vater verstehen.’

Soweit kann ich dir folgen …’

Mein Großvater war ein richtiger Abenteurer. Im Vergleich zu seinen Heldenta­ten nehmen sich meine Expeditionen zahm aus. Er hat sich einen großen Ruf er­worben. Er war einen Kopf größer als ich, breiter gebaut und unglaublich stark und schnell. Dennoch gab es etwas, was in seinem Leben gefehlt hat.’

Nicht genug Sex?’

Überhaupt keiner … die Schwierigkeit bestand nicht darin, mit einer Frau auszu­gehen. Aber es war ihm zuwider, eine Bindung zu einer Frau zu entwickeln, denn er lebte ein sehr gefährliches Leben und wollte nicht einen anderen Menschen diesem Leben aussetzen.’“

Wem das jetzt verdächtig bekannt vorkommt, der hat durchaus Recht. Aber es geht ja noch weiter und wird entschieden eindeutiger. Lauschen wir Rex´ fol­genden Worten: „‚Es gab nur eine Frau auf Erden, die es mit ihm aufnehmen konnte – eine Kusine, die ihn auf einigen seiner Expeditionen begleitete. Er sah sie mit der Zeit als einen Freund an, doch sie sah in ihm mehr. Als sie an einem kühlen Neujahrsmorgen zu ihm kam und nur ein Nachthemd aus feinster Gaze trug und auf ihrem Gesicht ein Ausdruck der Liebe und des Begehrens stand …’

Konnte er ihr kaum widerstehen. Und aus dieser Vereinigung ist dein Vater ent­standen …?’“

Allen Ernstes: wir reden hier von niemand Geringerem als Clark Savage jr., bes­ser bekannt als Doc Savage7, und seiner Kusine Patricia Savage (der nächste Hinweis sind die „bronzegesprenkelten Augen“ der beiden, die Rex bald darauf erwähnt)! Auf diese Weise schreibt Royce auf durchweg prickelnde Weise die Doc Savage-Serie weiter – die ja rein historisch zwischen den beiden Weltkrie­gen angesiedelt ist8 – und spinnt zugleich ein Garn, das einfach nur süß und köstlich zu lesen ist. Rex´ Vater wandert nach Frankreich auf, wo Rex dann aus der Verbindung mit einem französischen Mädchen entspringt.

Und sich selbst charakterisiert er dann wie folgt: „Und hier stehe ich also, ein einfacher Franzose, der auf einer seiner Reisen Aztekengold in einem geheimen Versteck gefunden hat und seitdem reich und unabhängig ist …“ (wiederum für Insider eine Anspielung auf die Doc Savage-Serie, unverkennbar. Bei Doc war es Inka-Gold, und die Nachkommen der Inka lebten in einem abgeschiedenen Ge­birgstal in dem fiktiven mittelamerikanischen Staat Hidalgo).

Kurz und gut: Saphir II stößt Rex nicht von der Bettkante, dafür ist er einfach zu phantastisch (nicht zuletzt phantastisch gut gebaut) und tut der Serie zu gut. Im Gegensatz zu Doc hat er wirklich so überhaupt gar kein Problem mit Sex und passt bestens zu Saphir II.

Die nächste Person, die in diesem Buch in Erscheinung tritt, ist die wilde, über­drehte Schriftstellerin und High-Society-Jetsetterin Justine von Clapper9, immer höchst bereitwillig dabei, die Gesellschaft zu schockieren, mit Männlein und Weiblein in munterer Paarung zu schlafen (natürlich auch mit Saphir), und sie ist es, die ihr einen Tapetenwechsel vorschlägt – den Saphir auch dringend nötig hat, nachdem ein pikantes Arrangement von Justine sie mit einem Tennisspieler zusammengebracht hat und sie schließlich zu einer sehr lesenswerten, abenteuerlichen Flucht veranlasste.

So reisen sie also nach New York, kommen dort aber beinahe nicht an – denn ihr Flugzeug wird von einem Dreifachdecker10 aus dem Ersten Weltkrieg verfolgt und beinahe abgeschossen. Dass es nicht zum Schlimmsten kommt, ist Rex Sau­vage zu verdanken (den Saphir fortan Rex „Savage“ nennt).

Dramatisch werden die Ereignisse dann auf eine höchst biografische Weise in New York. Denn parallel zu Saphirs Erlebnissen, die in einer prächtigen Party an­lässlich ihrer „Rückkehr unter die Lebenden“ in einem Club namens „Studio 108“ gipfeln sollen (quasi das Doppelpack des legendären „Studio 54“), zu dem sie auch Prominenz aus aller Welt einlädt, nicht zuletzt Staatschefs und Schau­spieler – manche Anspielungen sind sehr eindeutig, die weitaus meisten davon zugleich höchst abstrus – , also, parallel zu ihren Erlebnissen führt die Chefde­tektivin der Agentur Bently Kensington, Deborah Romana, im Auftrag ihres Chefs weltweite Recherchen nach der rätselhaften, rotlockigen Sirene durch.

Erschwert wird diese Recherche durch einen völlig unprofessionellen Umstand: Kensington selbst ist mächtig in Saphir verschossen (die davon nichts mitbe­kommt), und Deborah ist in ihren Chef verliebt und teilt gelegentlich das Bett mit ihm. Sie befindet sich somit auf der Fährte einer direkten Rivalin, und als sie nach dem erschöpfenden Ende ihrer Recherche zurückkehrt, steckt sie unmit­telbar in einer emotionalen Zwangslage. Es sieht, schlicht beschrieben, so aus: soll sie ihre Forschungsergebnisse ihrem Chef geben, der sie vermutlich nicht zu würdigen weiß? Oder soll sie damit lieber an die Öffentlichkeit gehen, um das „Idol“ ihres angebeteten Bently Kensington zu zerstören und sich so daran zu rächen, dass er ihre Liebe nicht zu schätzen weiß?

Man ahnt, der Roman schließt mit einem mächtigen Knall, und das ist wirklich so. Ich verrate die Details nicht, das sollte man sich wirklich selbst anschauen (und davon abgesehen ist das Buch an vielen anderen Stellen einfach unglaub­lich unterhaltsam. Selbst bei sehr langsamer Leseweise braucht man nur sechs Tage dafür. Wenn man wirklich SEHR langsam liest …).

3. Teil: Saphir und das nackte Ebenbild

Nachdem der zweite Roman des Zyklus in einer echten Krise geendet hat, ha­ben sich die Wogen am Beginn des dritten Buches wieder ein wenig geglättet. Dennoch ist die feuerhaarige Saphir – oder die Frau, die die Identität von Saphir Star angenommen hat, da sie ihre eigene Erinnerung immer noch nicht wieder gefunden hat – der Ansicht, dass ein wenig räumliche Distanz zu Amerika nicht schaden kann. So jettet sie also nach Europa und entspannt sich sonnend an der Côte d’Azur und stößt hier prompt auf einen feurigen Franzosen namens Pi­erre, der dummerweise einen Schauspieler namens Jean-Paul Gascon11 kennt, den Saphir jüngst in einem Film gesehen und bewundert hat. Und so MUSS sie den nun natürlich auch kennen lernen. Damit beginnt die Misere, die sie fast das Leben kostet, auch wenn ihr das zu dem Zeitpunkt nicht klar ist.

Denn Jean-Paul, der für sein Leben gern DEN Rex Sauvage in einem Film spielen möchte und ihm tatsächlich recht ähnlich sieht, findet sich in Begleitung von Sa­phir bald darauf in eine Kneipenschlägerei im Hafenviertel von Marseille verwi­ckelt. Dummerweise ist beiden nicht klar, dass das nicht ein dummer Zufall ist – die Schlägerei wurde gezielt von einer unscheinbaren Frau angezettelt, die auf Saphirs Fersen ist, eine Agentin namens Natasha, die mit einer Gruppe anderer skrupelloser Personen zusammenarbeitet und deren Ziel darin besteht, Saphir zu entführen.

Korrektur: nicht Saphir, sondern die Frau, die jetzt Saphirs Platz eingenommen hat. Sie haben tatsächlich sie selbst, nicht Diogenes Dokks Tochter, im Visier. Und sie kommen ihren Plänen näher, als die schöne Millionärstochter, die Sa­phir zu sein vorgibt, in einer Galerie unvermittelt ein Porträt von ihr selbst vor­findet – nicht von Saphir Star, sondern, da es eine nackte Rückansicht ist, die eindeutig Saphir ohne Muttermal zeigt, ein Bildnis von ihr selbst ist.

Sie ist sich sofort sicher: dieses Bild hat der Maler nicht nach irgendeinem Foto in der Zeitung gemalt, sondern SIE SELBST hat ihm Modell gesessen. Findet sie ihn, hat sie eine heiße Spur zu ihrer Vergangenheit.

Die Spur führt nach Paris. Der Maler heißt Marc Antoine Charles und ist fast un­bekannt. Neckischerweise ist es ein spitzbübisches Kind, das sie auf die Fährte des Malers bringt, doch um ein Haar kommt Saphir dort überhaupt nicht an – denn die Entführer aus Marseille setzen nun ihren Plan um, die Schöne im Zug zu entführen … und was dann folgt, könnte einem James Bond-Film oder auch einem Fantomas-Film entlehnt sein (beides durchaus nicht unrealistisch, der Autor macht ständig Genreanleihen, und zwar mit voller Absicht). Auch hiervon erzähle ich lieber keine Details, um die Geschichte nicht vorwegzunehmen und die Neugierde des Lesers zu erhalten.

Es mag genügen, dass sie dank eines neuen Beschützers und dank ihrer eigenen Fähigkeiten der Falle entrinnen kann … was leider nicht das Ende der Gefahr be­deutet, ganz im Gegenteil. In Paris trifft sie dann zwar den Maler und lüftet ei­nen kleinen Schleier der Vergangenheit, doch in der Zwischenzeit treffen der besorgte Diogenes Dokks und einer seiner Pokerrivalen namens Hiram Steaks12 ein. Und die Jäger haben durchaus nicht aufgegeben … es gibt noch eine Falle, die Saphir gestellt wird und in die sie direkt hineinläuft. Inwiefern ihr dann aus­gerechnet Parfüm und ein Zauberstab dabei helfen, den Befreiungsschlag zu landen, das muss man gelesen haben. Ganz zu schweigen von der Pasteten- und Tortenschlacht am Schluss …

4. und letzter Teil: Saphir gefangen im Harem

Das ist kein gutes Ende.“

Sallah, nicht alles endet so, wie du es erwartest …“13

Und wahrhaftig, könnte man sagen, die Dinge entwickeln sich durchaus nicht so, wie man denken könnte. So überraschend, wie die Geschichte begann, en­det sie dann auch, und man ist doch einigermaßen verdattert, dass sie dann tat­sächlich vollendet in die Höhen der Phantasie führt. Und das kommt dann fol­gendermaßen:

Saphir ist nach ihren europäischen Abenteuern wieder wohlbehalten zurück in Amerika und hat es geschafft, ihren Cowboy Willie McShane (Bd. 1) zu sich zu holen, damit sie sich ein wenig gemeinsam austoben. Gleichwohl ist sie immer noch ruhelos, was angesichts ihrer immer noch vorhandenen Amnesie ja kein Wunder ist.

Wie ein Schicksalswink taucht jemand namens Ron Armstrong auf, der im Buch passenderweise als „Cary Grant“ charakterisiert wird. Er tritt Saphir gegenüber, aus dem Bad kommend und gefolgt von der intriganten Melody Harwick, die sich ihm gegenüber als Saphir ausgegeben und ihn kurzerhand vernascht hat. Aber Ron möchte eigentlich tatsächlich zu Saphir, und zwar, weil ihm seine Be­gleitung abhanden gekommen ist – Justine Clapper, mit der er in Marrakesch unterwegs war.

Nun, man kann sich die weitere Entwicklung unschwer vorstellen: mit ihrem Pri­vatjet, sinnigerweise von einem Captain namens „Kirk“ geflogen (!), jettet sie nach Marrakesch, um Justine zu retten, die offensichtlich als blonde Amerikane­rin in einen Harem verschleppt wurde. Im Schlepptau: Willie McShane, Ron Armstrong, der in Marrakesch witzigerweise als ein kerniger Typ mit Hut und Peitsche (!) auftritt14 und auch sonst permanent Filmdialoge und Filmrollen pa­rat hat, um davon abzulenken, dass er persönlich sozusagen ein „Mann ohne Ei­genschaften“ ist; außerdem aber dann auch noch Melody Harwick, was doch ei­nigermaßen überrascht.

Melody – über deren Vergangenheit man hier eine Menge erfährt, mit einem Detail freilich, das mit ihrem Gesicht zu tun hat und doch sehr, SEHR unrealis­tisch klingt – meint dazu einfach, sie kenne sich in Marrakesch aus, und es kön­ne nicht schaden, man hätte eine ortskundige Person um sich. Zu dumm, dass sie ein doppeltes Spiel treibt und das überhaupt nicht ihre Absicht ist. Sie will nämlich vielmehr immer noch Saphir loswerden (vgl. Bd. 1). Und noch dümmer, dass ihr Kontaktmann in Marrakesch sie hintergeht. So wird nicht nur Saphir be­täubt, sondern auch Melody, und beide finden sich bald darauf auf einer Skla­venauktion wieder – und zwar als Handelsware.

Und wenn man den Roman zu rasch liest, wie es mir fast gegangen wäre (die zweite Hälfte an einem Abend), dann überliest man wichtige Details, etwa die­sen Ringkauf, den Saphir auf dem Suq von Marrakesch tätigt. Dass der wichtig werden könnte, glaubt man im Traum nicht, und doch ist exakt das der Fall. Und Träume sind ebenso wichtig wie Geschichten eines Fakirs.

Bald darauf geistern dann eine Frau, die keine Frau ist, der israelische Geheim­dienst, außersinnliche Erfahrungen und mythische Vergangenheit, die auf den Propheten Mohammed selbst zurückgeht, durch die Geschichte, und am Schluss fühlt man sich nicht nur in einem waschechten Fantasy-Roman, sondern ist dort gelandet. Und dazu noch in einem selbstreferenziellen, muss man sagen, denn im Harem überlegt Saphir allen Ernstes, ob sie nicht ihre Abenteuer „in vier Bänden“ aufschreiben solle. Na, und was hat man gerade gelesen? Genau das!

Wildes Garn, möchte ich also sagen, alles in allem. Am Ende, im vierten Band also, da merkt man deutlich, dass dem Autor die Puste ausgeht und er das vage Versprechen, das in den vorangegangenen Bänden immer mal wieder anklang, eigentlich nicht auflösen kann. Er weicht nämlich auf Kosten eines exotischen Schauplatzes, dem er leider nicht recht gewachsen ist, völlig von der Suche nach Saphirs Vergangenheit ab, und so „vergisst“ er kurzerhand das Kind in Pa­ris und Saphirs Eltern und ihre Biografie. In einer Hinsicht ist das enttäuschend, auf der anderen Seite kann man das irgendwie verstehen, wenn nämlich die In­spiration stimmt, von der ich sehr vermute, dass sie zutrifft, und dazu komme ich nun.

In den späten 70er Jahren, also einige Zeit vor Abfassung dieser Bücher, weswe­gen ich eine Beeinflussung zumindest für sehr wahrscheinlich halte, schuf der Zeichner Ron Embleton nach der Textvorlage des inzwischen verstorbenen PENTHOUSE-Chefs Bob Guccione die Comicfigur der Sweet Chastity, und das war, jenseits ihrer zahllosen Anspielungen auf Film, Fernsehen, Politik und Lite­ratur, die die opulent gezeichnete und zugleich grotesk überdrehte erotische Comicversion sowieso sehr sehenswert machte, dann eine zutiefst phantasti­sche Geschichte. Warum?

Sweet Chastity beginnt in Transsylvanien in den 70er Jahren des 20. Jahrhun­derts. Vincent von Frankenstein (in der einzigen deutschen Übersetzung ver­mutlich aus urheberrechtlichen Gründen in „Vincent von und zu Krankenstein“ übertragen15) ist in die Fußstapfen seines Ahnen getreten und versucht, einen künstlichen Menschen zu schaffen. Der Versuch schlägt fehl – bis ein amerikani­scher Milliardär namens Howard Huge (unschwer als Kopie von Howard Hughes zu erkennen), sich auf die Suche nach „der perfekten Frau“ begibt. Vincent tritt mit ihm in Verbindung und erklärt sich bereit, neuestes technisches Know-how als Voraussetzung, diesen Traum zu erfüllen. Sein Traum ist es schon seit lan­gem, den perfekten Menschen zu schaffen, und mit Huges finanzieller Unter­stützung gelingt das tatsächlich.

So entsteht eine feurige, rothaarige (!), sinnliche Frau, eben Sweet Chastity – auf mehrerlei Weise einzigartig. Zum einen hält sie sich für einen ganz norma­len Menschen, zum zweiten besteht sie quasi ausschließlich aus Sex, ist absolut unersättlich, zum dritten aber wurde sie von ihrem „Onkel“ Vincent darauf pro­grammiert, die vollkommene Geliebte des alternden Milliardärs Huge zu sein. Wir Phantasten würden sie vermutlich eine Androidin nennen, und noch phan­tastischer geht es folglich kaum. Soweit geht also alles glatt. Das perfekte Kunst­werk ist kreiert und Vincent aus begreiflichen Gründen unendlich stolz. Doch dann gehen die Dinge schief – anstatt nämlich nun Sweet Chastity als perfektes Kunstwerk Frankensteins hinzustellen, beansprucht der unsterblich verliebte Huge sie als Ehefrau für sich selbst und droht dem Erfinder damit, ihn gegebe­nenfalls umzubringen, wenn er nicht schweigt.

Schlimmer noch: während Chastity den alternden Ehemann Tag für Tag durch göttlichen Sex immer weiter an den Rand des Grabes bringt, macht er sie welt­weit zum gefeierten Star und weckt die Begehrlichkeiten des Filmproduzenten Awesome Wells (= Orson Welles) in Rom, der Chastity nach Möglichkeit zur Um­satzsteigerung in seinen Filmen verwenden will.

So kommt es also, wie es kommen soll – der zürnende Frankenstein reist in die Staaten und programmiert Chastity um, löscht sozusagen die Loyalitätsschal­tung. Das treibt sie, nunmehr in ihrer sexuellen Orientierung nicht mehr festge­legt, fast automatisch in die Fänge des Filmproduzenten, was Vincent billigend in Kauf nimmt – er gilt ja nun als Chastitys Onkel und sonnt sich im Glanz ihres Ruhms … Dummerweise sinnt der Milliardär auf Rache und lässt sie verfolgen. In der Auseinandersetzung mit dem Entführer kommt es dann zu einer Katastro­phe, die Chastitys wohl ausbalanciertes Programm völlig aus dem Gleichgewicht geraten lässt, und so läuft sie völlig aus dem Ruder und gehorcht niemandem mehr.

Bis dahin war die deutsche Übersetzung gekommen, als der Verlag Bankrott ging und die Comicreihe einstellte. Über den Rest der Geschichte bin ich darum nur vage informiert. Soweit ich es weiß, war Chastity langfristig doch Huges Tod, es gibt eine Episode, die an seinem Grab spielt und Chastity als hoch emo­tionale, trauernde Witwe zeigt – sie entwickelt ganz wie in SF-Romanen eine ei­genständige kybernetische Persönlichkeit, und ich brauche nicht zu betonen, dass das ein weiterer originär phantastischer Topos ist, die Maschine, die menschlicher ist als die Menschen um sie herum. Später kehrt sie dann an die Seite ihres „Onkels“ zurück und findet in weiteren Abenteuern beispielsweise den Heiligen Gral. Was genau sie insgesamt für Abenteuer erlebt haben mag oder wie lange exakt, das ist schwer einzuschätzen.

Es lässt sich aber nicht bestreiten, dass die Comicfigur der Sweet Chastity und die oben erwähnte Saphir eine Menge Gemeinsamkeiten besitzen. Auch kann man vermuten, dass in Vincents herrischer Ehefrau Electra vielleicht der Keim für die Persönlichkeit der Melody Harwick angelegt war. Das intrigante Gehabe passt jedenfalls sehr gut. Sowohl in den Comics wie in den oben besprochenen vier Romanen ist zudem das konstitutive Element zu verfolgen, ein wenig über­dreht karikierend auf zeitgenössische Kultureinflüsse einzugehen und die Aben­teuer samt und sonders nicht so vollkommen ernst zu nehmen – wobei aller­dings „Saphir“ deutlich ruhiger und doch manchmal auch in voller Konsequenz tödlich daherkommt.

Bedauernswert mag sein, dass die Geschichte auf seltsame Weise im Nirgend­wo endet, in derselben Form von Vernebelung wie zu Beginn. Aber irgendwie ist das auch passend. Und solange Saphir auf der Bühne steht, ist es ja eigent­lich auch nebensächlich, wie man das konkret begründet, nicht wahr? Hauptsa­che, the show goes on … und so kann sich zum Schluss jeder überlegen, wie das wohl genau gewesen sein mag mit der Herkunft Saphirs. Man lese also die vor­handenen Romane mit einem entspannten Augenzwinkern, und wenn das alles nichts nützt, kann man ja immer noch den Rat von Saphir beherzigen: „Mein einziger Wunsch ist es, das Ganze zu vergessen.“

Amen.

© 2011 by Uwe Lammers

Wow, da war ich 2011 aber noch richtig tief eingetaucht in die Handlung, als ich diese Rezension schrieb. Ihr merkt es deutlich. Und ich hoffe, ich habe euch mit der ausführlichen Darstellung der Geschichte nicht gelangweilt.

In der kommenden Woche werde ich dann wieder sehr viel konzentrierter. Da geht es mal wieder um Zeitreisen und den Auftaktband eines Roman-Mehrtei­lers, den ich auch vor Jahren mit großer Faszination gelesen habe. Und ja, auch dort kommt es zu neckischen Genre-Anspielungen, die besonders für die Leser, die sich mit historischen klassischen Romanen auskennen (etwa bei Alexandre Dumas oder auch Jules Verne) Mehrwerte beinhalten.

Details erzähle ich nächste Woche.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Sowohl die Titelidentität wie die Tatsache, dass die Handlung nahtlos an den ersten Band anschließt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen in zwei Teile gespaltenen Einzelband handelt. Klarheit darüber existiert nicht.

2 Etwas, das sich in den übrigen Bänden übrigens ebenso fortsetzt. Phantasievoll geschrieben, soviel ist si­cher.

3 Dass sie eigentlich „Saphir Dokks“ heißen müsste, wird wenigstens in den ersten drei Bänden konsequent ignoriert. Daran erkennt man, dass die Namen hier mehr technische Funktionen erfüllen denn genealogisch plausibel wirken. Das wird noch stärker in den Folgebänden.

4 Und nein, das ist kein müßiges Detail, sondern ist konstitutiv für den dritten Roman, wie noch zu zeigen sein wird.

5 Was in mir anfangs die Vorstellung aufkommen ließ, dass der erste und zweite Roman einstmals eine kom­pakte Einheit gewesen seien und nur von der Verlagsseite zerteilt worden wären, wie es häufig mit den Ro­manen von Peter F. Hamilton geschieht. Das ist aber wohl doch nicht der Fall. Dass sie direkt hintereinander geschrieben sind, steht aber außer Frage.

6 Was gleich in doppelter Weise ein „sprechender“ Name ist, der konstitutiv für die Person wirkt: zum einen ist er tatsächlich eine „beherrschende“ Gestalt, wenn er die Szene betritt, zum anderen hat er ja seine aben­teuerliche Abstammung. Siehe dazu weiter unten.

7 Der ja seinerseits einen „sprechenden“ Namen trug. Der „wilde Doktor“ war einerseits hoch begabter Wis­senschaftler und ein Mann von hohem moralischem Anspruch … und auf der anderen Seite ständig in „wilde“ Abenteuer verstrickt, so dass er seinem Namen alle Ehre machte.

8 Das merkt man der in den 70er und frühen 80er Jahren bei Pabel neu publizierten deutschen Version frei­lich nicht an, was daran liegt, dass der amerikanische Verlag Conde Nast sie in den 60er-Jahren bei der Neu­publikation im angloamerikanischen Bereich „modernisierte“. Der deutsche Verlag leistete sich außerdem die abenteuerliche „Innovation“, die einzelnen Romane in völlig wirrer Reihenfolge zu publizieren. Da wünscht man sich direkt eine auf die ursprünglichen Pulp-Versionen zurückgehende Neuübersetzung in kor­rekter Reihenfolge, um dem Original näher zu kommen. Aber das ist wohl vergebene Liebesmüh.

9 Und auch hier wieder ein sprechender Name – denn „Klappern gehört zum Handwerk“, und Justine, die an­zügliche erotische Romane verfasst, z. T. mit sich selbst in der Hauptrolle, klappert in der Tat eifrig, und lang­weilig wird es dort, wo sie auftaucht, ganz bestimmt nicht.

10 Dreifachdecker sind mir von dorther allerdings eher weniger bekannt. Realistischer sind Doppeldecker, zu­mal auch die Anspielungen ständig auf den Ersten Weltkrieg zielen. Aber mit der Historizität nimmt es Royce ohnehin nicht so richtig genau.

11 In Anbetracht der Abfassungszeit der Romane muss man fast unwillkürlich an Jean-Paul Belmondo denken, das ist vermutlich sogar intendiert.

12 Echt, der Kerl wird wirklich so genannt! Ich habe ja auch gelacht. Und es gibt wirklich in der Beziehung zum Ende des Buches noch viel mehr zu lachen.

13 Zitat aus Bd. 4, S. 221.

14 Wie schon gesagt, Genreanleihen sind hier extrem ausgeprägt, auch Ingrid Bergman und Humphrey Bogart aus „Casablanca“ usw. lassen mächtig grüßen.

15 Vgl. dazu die nur vierbändige Edition der Penthouse Comix, 1998.

Liebe Freunde des OSM,

ich erwähnte schon, dass ich bei Temperaturen über 25 Grad draußen nicht mehr sonderlich gut schriftstellerisch „funktioniere“. Das sollte mich auch in diesem verstrichenen Monat Juli einholen, wenngleich er, prognosegerecht, kühler war als der Juni. Dafür überrollten mich gleich mehrere andere Proble­me, und an zweien davon trage ich aktuell immer noch, bis gestern krank ge­schrieben, aber eigentlich effektiv immer noch krank.

Zum einen hatte ich eine Menge zu tun mit den Bewerbungsverfahren, in de­nen ich zurzeit stecke (drei an der Zahl). Zum zweiten drängte nun tatsächlich der Fertigstellungsschluss der Storysammlung „Grey Edition 13: Wollust, Wun­der und Verhängnis“, die im September beim Terranischen Club Eden (TCE) er­scheinen soll. Dafür galt es, die zahlreichen Korrekturen einzuarbeiten, die mir zwei treue Korrekturleser hatten zukommen lassen.

Mann, ich sage euch, da waren vielleicht noch stilistische und logische Kracher drin, da sträubten sich mir echt die Nackenhaare. Und es kostete eine Menge Zeit, das akribisch Zeile für Zeile durchzugehen und zu ändern. Mit der letzten Geschichte wurde ich dann tatsächlich auch erst am 31. Juli fertig.

Zu dieser Zeit war ich bereits krank. Am 19. Juli meldete sich mal wieder eine „Baustelle“ meines Körpers und begann mich zu plagen: der rechte große Zeh, der mich so quälte, dass ich nur an einen eingeklemmten Nerv denken konnte und schließlich sogar Zuflucht zu Schmerzmitteln suchen musste, was ich sonst strikt vermeide.

Es folgten, weil keine Besserung eintrat, Arztbesuche, Blutabnahme, medizini­scher Check … na ja, und dann am 29. Juli endlich der Befund, woran es denn läge: ein akuter Gichtanfall. Womit das Kind einen Namen hatte und ich dagegen etwas konzentrierter angehen konnte. Das Medikament, das mir verschrieben wurde, hatte dann prompt zwei Folgekomplikationen zum Effekt: Übelkeit und Durchfall.

Ihr könnt euch denken, dass das nicht wirklich optimale Bedingungen sind, wenn es an das konzentrierte Korrekturlesen und Überarbeiten von Geschich­ten geht, ganz zu schweigen von neuen Werken. Die wieder ansteigende Hitze­kurve tat ihr Übriges, und das Resultat zeigte dann nur noch 27 beendete Wer­ke für den Monat Juni.

Nicht so berauschend? Da war der Juni besser? Ja, da stimme ich sofort zu. Auch die Verteilung fand ich suboptimal: 7 Blogartikel, 3 überarbeitete Geschichten, einige Rezensionen und Horrorwelt-Abschriften … und was war da noch? Dies:

(Die Kolonie Saigon II – Erotic Empire-Roman)

Anmerkung: Ihr mögt euch erinnern, dass ich an diesem Roman verschiedent­lich in den letzten Jahren immer wieder mal weitergeschrieben habe. Was aber grundlegend fehlte, war ein neuer, aktueller Ausdruck. Der, den ich besaß, war so alt, den hatte ich noch auf meinem Vorgänger-Drucker realisiert, der schon lange den Geist aufgegeben hat. Und inzwischen machte es mich zunehmend kribbelig, dass es keinen gegenwärtigen Ausdruck gab … also machte ich mich, parallel zu der Arbeit an den GE 13-Geschichtenkorrekturen und zwischen den Bewerbungsaktivitäten hin und her switchend, eifrig daran, das zu ändern.

Womit ich nicht rechnete, war, dass mich die Welt wieder in sich einsaugte. Das ging so fatal schnell, dass ich tagelang weitgehend absorbiert war. Der Roman besteht aktuell aus sechs großen Abschnitten (den jetzt schon recht langen Epi­log werde ich wohl schlussendlich in einen siebten Teil umformen müssen). Dann ist der Haupthandlungsstrang abgeschlossen – aber ich hatte ergänzend schon Protagonistinnen-Fallstudien begonnen, die ich als Anhänge an den Ro­man anfügen wollte. Das sind inzwischen auch schon sechs, z. T. bis zu 100 Sei­ten stark.

Als ich die Neuausdrucke machte, packten mich manche Szenen, so dass ich sie vor Neuausdruck noch erweiterte. Und ehe ich mich versah, war dieser Roman um Dutzende von Seiten gewuchert auf bis jetzt 695 Seiten. Und erst die ersten 159 Seiten davon sind fertig bearbeitet.

Ihr seht, das Projekt wird mich noch ziemlich lange verfolgen. Ich schätze, schlussendlich dürfte es sicherlich 1500 Seiten oder mehr besitzen, aber da bis­lang noch kein Erotic Empire-Werk fertig gestellt wurde, kann ich es nicht mit Si­cherheit sagen. Es hat glücklicherweise keine große Eile. Aktuell heißt es hier für mich: Baustelle aktualisiert, Bearbeitungsdruck rausgenommen. Ich konnte mich anderen Ufern zuwenden und tat das auch.

Blogartikel 343: Work in Progress, Part 79

(12Neu 68: Der Verräter im Rat)

(12Neu 71: CROSSATHS Revolte)

Anmerkung: Diese Episode schrieb ich ursprünglich im Jahre 1990, nur mein lei­der seit langem verstorbener Brieffreund Peter Servay ist jemals in der Serie so­weit vorgedrungen. Das hier ist der Höhepunkt der CROSSATH-Trilogie, durch die man Insiderinformationen bekommt, was vor Zehntausenden von Jahren vor Handlungsbeginn der BdC-Serie geschah und wie CROSSATH nach Bytharg kam. Es wird noch ziemlich dauern, bis ihr das im E-Book lest, Freunde, aber darauf könnt ihr wirklich sehr gespannt sein.

14Neu 71: Jenseits des Todes

14Neu 73: In der Galaxis Srakkonar

(OSM-Wiki)

Blogartikel 345: Close Up: Der OSM im Detail (10)

14Neu 72: Das Gericht der Irrealstrahler

Anmerkung: Diese Episode verdient eigentlich so etwas wie eine goldene Him­beere oder wie auch immer die Preise für missratene Produkte heißen. Der Titel führt so dermaßen auf Abwege und wird vom Inhalt überhaupt nicht logisch ge­deckt, dass ich mir die Haare raufte, als ich diese Episode abschrieb und kom­mentierte. Dieses Werk aus dem Jahr 1986 ist definitiv kein Ruhmesblatt für mich. Fast fühlte ich mich inspiriert, einen „Fehlerlese-Blog“ dazu zu verfassen. Aber dafür hat’s dann doch nicht gereicht.

(12Neu 69: Zu Besuch beim Bösen)

Blogartikel 344: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 65

(Glossar des Romans „Die Kolonie Saigon II“)

(14Neu 74: Ein Mond vergeht!)

(12Neu 70: Legende der Vernichtung)

(E-Book TI 31: Zeitenwandel)

Anmerkung: Ich sehe euch erleichtert? Der Uwe kennt ja doch noch E-Books?! Ja, Freunde, natürlich tue ich das. Und diese Geschichte ist inzwischen auch schon weitgehend fertig. Bis dieser Blogartikel erscheint, sollte, wenn alles gut klappt, wie ich es hoffe, das E-Book auch schon veröffentlicht sein. Ich habe oben und im letzten „Work in Progress“-Blog ausgeführt, was mich hier lange aufgehalten hat. Ich hoffe sehr, bei den folgenden drei Bänden des Vierteilers geschwinder arbeiten zu können …

(E-Book TI 32: Krisenherd Xoor’con)

Anmerkung: … und um das schon mal im Ansatz zu bestätigen, begann ich auch gleich damit, Band 32 vorzubereiten. Bislang hat diese Episode nur 25 Seiten, aber seid versichert, dabei bleibt es definitiv nicht. Ich würde jedenfalls gern die TI-Bände 32-34 noch bis Weihnachten erscheinen lassen. Aber ob das so klappt, wie ich es mir für mich und euch wünsche … keine Ahnung. Drückt mir mal die Daumen!

(Glossar der Serie „Drohung aus dem All“)

Anmerkung: Was ist DAS denn? Ja, das fragte ich mich echt auch. Warum? Eher durch einen dummen Zufall klickte ich das falsche Glossar an und schaute mir am Ende an, was das Bearbeitungsdatum sagte. Mich traf fast der Schlag: „Wie jetzt? Stand von 2012? Glossiert sind die Episoden bis Band 18? Das kann doch nicht wahr sein!“

Leider stimmte das alles. Als ich am 3. April 2011 den 71. Band des KONFLIKTS 17 „Drohung aus dem All“ fertig kommentiert und ausgedruckt hatte, ging ich offenbar eher halbherzig die Glossierung der Serie an. Und vergaß die Hälfte an Einträgen. Und schrieb sie auch noch in Seitenzählungsmanier auf … statt sie, wie das sonst in OSM-Serienglossaren üblich ist, nur pro Episode aufzunehmen.

Das ist jetzt kryptisch? Okay, dann mal ein konkretes Beispiel: Wenn in einer STORY oder einem ROMAN des Oki Stanwer-Gesamtglossars unter dem entspre­chenden Werk-Kurztitel etwa der Begriff „Terra“ auftaucht, dann wird das dort mit einer Seitenzahl festgehalten. Wird dieser Begriff aber in einer SERIE ge­nannt, bringt es einem späteren Leser des OSM-Hauptglossars gar nichts, wenn da steht „Seite 1.344“ oder so. Man fragt sich nämlich sofort: Äh, welche digitalisierte Episode muss ich jetzt konsultieren, um die Stelle zu finden? Da ist echt guter Rat teuer, kann ich euch sagen. Darum werde ich also, sobald erste Serienglossare ins Hauptglossar übertragen werden, dort die Episoden-Nummern eintragen. Das sollte auch mir das Nachschlagen sehr erleichtern.

Aber diese neu entdeckte Baustelle nervt mich wirklich nicht eben wenig … es gibt hier schier unendlich viel zu tun.

(14Neu 75: Im Reich der Plegg’re)

Alles in allem seht ihr also, dass immer noch sehr viel zu tun ist, und ständig kommen neue oder manchmal auch – siehe eben – alte Anforderungen zutage, die meine Aufmerksamkeit beanspruchen und mich vom geradlinigen E-Book-Kurs ablenken. Ich hoffe zuversichtlich, dass ich im kommenden Monat August weniger Ablenkung erfahre, gesundheitlich besser drauf bin und vielleicht auch beruflich und finanziell etwas mehr Stabilität in meine Lage bringen kann.

In einem Monat werde ich davon erzählen, Freunde. Drückt mir mal die Dau­men, das kann ich gebrauchen!

Bis demnächst, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 239: Unternehmen Proteus

Posted Oktober 23rd, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist immer schwierig für Rezensenten, auch wenn sie noch so kritisch und be­hutsam mit den ihnen anvertrauten Werken umgehen, zum einen die Spreu vom Weizen zu trennen, noch viel mehr aber, die Werkinhalte von den Über­zeugungen der Autoren abzuscheiden. Ich betone stets, und das schon seit ein paar Jahrzehnten, dass ich mich schwerpunktmäßig auf die Romane, die in ih­nen wirksamen Ideen und Strukturen beziehe und diese kritisiere. An den Auto­ren selbst übe ich in der Regel eher wenig Kritik, abgesehen davon, dass ich in­haltliche Fehler auf mentale Ermüdung der Verfasser usw. zurückführe. Vergan­gene Woche hatten wir solch ein Beispiel.

Der vorliegende Roman, den ich jüngst – und meiner Ansicht nach durchaus zu Recht – als einen Klassiker der modernen Science Fiction charakterisiert habe, ist unter diesem Aspekt allerdings eine Art von zweischneidigem Schwert, ihr werdet das gegen Schluss meiner Rezension von 2009 erkennen. Als ich das Buch 1988 das erste Mal las, verfügte ich nicht über allzu viel Wissen über den Autor und, da es WIKIPEDIA noch nicht gab, auch kaum über die Chance, dies schnellstmöglich zu ändern. Das sah natürlich anno 2009 gründlich anders aus … und als ich dann die unten stehende Rezension verfasste, flossen kritische Be­merkungen über den Autor und seine Weltvorstellungen ganz unvermeidlich ein.

Doch sieht man einmal davon ab und fokussiert zunächst auf das zentrale The­ma des vorliegenden Buches, so hat man es zum einen mit einer Zeitreisege­schichte zu tun, einem originären Sujet der klassischen SF, zum anderen mit ei­ner ambitionierten Parallelweltgeschichte, die die moderne Quantentheorie an­tizipiert, und zum dritten zugleich mit einem „Was wäre, wenn …?“-Szenario der Alternativwelten.

Das Thema, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte, ist natürlich auch 1988 nicht mehr eben neu gewesen, doch dies mit Zeitreisen gleich in verschiedene temporale Universen zu verknüpfen UND mit Verschwörungstheorien … das al­les in einen Buchdeckel zu pressen UND dazu dann noch die zeithistorischen Persönlichkeiten glaubwürdig agieren zu lassen … doch, das nötigte mir auch zwanzig Jahre nach Erstlektüre noch Respekt ab.

Wer das vorzustellende Buch also noch nicht kennen sollte, aber nach den obi­gen Zeilen Neugierde in sich aufsteigen fühlt, der sollte ausdrücklich weiterle­sen. Ich bin der Auffassung, dass sich das durchaus lohnt:

Unternehmen Proteus

(OT: The Proteus Operation)

von James Patrick Hogan

Heyne 4461, 1988

496 Seiten, TB

Aus dem Amerikanischen von Edda Petri

ISBN 3-453-00979-7

Die Welt ist ein Alptraum.

Man schreibt das Jahr 1974, und die USA stehen unter John F. Kennedy mit dem Rücken gegen die Wand. Die Nazis haben in Europa den Zweiten Weltkrieg ge­wonnen, die Japaner sich Russland und den Pazifikraum unterworfen, die südamerikanischen Staaten sind als Militärdiktaturen ins faschistische Lager umgekippt, und in Afrika wird von Hitlers Schergen die Endlösung betrieben. Die Welt ist ein einziger Kriegszustand, und es sieht nicht so aus, als solle sich daran etwas ändern … bis Claud Winslade in der amerikanischen Armee eine Gruppe von Männern und Frauen um sich sammelt, um ein ehrgeiziges Projekt zu starten, das „Unternehmen Proteus“. Es geht um eine Reise, ja, das ist schon richtig, aber nicht irgendwohin, sondern IRGENDWANN.

Die Proteus-Gruppe unter John F. Kennedy hat eine Zeitmaschine entwickelt, die ausgewählte Mitglieder ins Frühjahr 1939 zurückschicken kann. Von dort aus soll verhindert werden, dass die Weltgeschichte ins diktatorische Gleis kipp­te. Dort soll außerdem ein Zweiseitentor eingerichtet werden, um technische Hilfe aus der Zukunft zu ermöglichen.

Um es kurz zu machen: Teil 1 der Mission gelingt. Claud Winslade und eine Gruppe hochrangiger Militärs und Wissenschaftler wird in die Vereinigten Staa­ten von 1939 zurückgeschickt. Unter einer Tarnadresse entsteht in Brooklyn in einem Lagerhaus am Meer die Gegenanlage. Während das geschieht, gehen Winslade, der deutsche Physiker Klaus Scholder und einige andere Beteiligte nach England, um dort den scheinbar abgehalfterten, aufs Altenteil geschobe­nen ehemaligen Lord der Admiralität, Winston Churchill, wieder in die Politik zurück zu befördern. Obwohl dieser Entschluss in der Proteus-Welt umstritten war, weil Churchill nach 1940 dort keine Rolle mehr spielte, erweist sich Winsla­des Wahl als Glücksgriff. Churchill lässt sich mobilisieren, aber die Politik mahlt langsam, sehr langsam.

In Europa fällt sehr bald Polen unter die Teilungsherrschaft Deutschlands und der Sowjetunion. Der Alptraum scheint auf das Jahr 1942 zuzulaufen, unauf­haltsam… und 1942 haben die Nazis mit einer Nuklearbombe Moskau ausge­löscht und damit Stalin das Rückgrat gebrochen.

Gleichzeitig haben die Wissenschaftler in Brooklyn Probleme mit dem neuen Torkomplex. Offensichtlich bekommen sie keine Verbindung mit der Zukunft von 1975. Und dann gibt es noch etwas Bedrohliches: Claud Winslade weiß scheinbar viel mehr, als er bisher gesagt hat, insbesondere über die heikle und in der Proteus-Welt nie geklärte Frage, woher Hitler seine Nuklearbombe hatte, mit der er den Krieg entschied. Die deutsche Atomindustrie steckte damals schließlich noch in den Kinderschuhen und hätte solch eine Waffe niemals aus eigener Kraft zu diesem Zeitpunkt entwickeln können.

Das hat er auch nicht, wird den verstörten Zeitreisenden schließlich eröffnet. Hitler hatte Hilfe aus der Zukunft, und es ist niemand anderes als Kurt Scholder, der ihnen das erläutert. Scholder, der auf der Proteus-Welt aus dem besetzten Europa herausgeschmuggelt worden ist, entstammt nämlich eigentlich der Welt von 2025 … aber diese ist auf einer anderen Weltenlinie gelegen.

Dort hat sich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ein Jahrhundert des Frie­dens angebahnt. Aber revanchistische Faschisten, die niemals eine Chance hat­ten, die Welt nach ihrem Wunsch zu formen, haben ein wissenschaftliches Pro­jekt in Brasilien, „Orgel“ genannt, benutzt, um eine Zeitmaschine zu bauen. Mit der überlegenen Technik des 21. Jahrhunderts gelang es ihnen, volle hundert Jahre zu überbrücken und ins Jahr 1925 vorzustoßen, um hier die hoffnungsvolle Nazibewegung zu unterstützen und zum Aufblühen zu bringen.

Sie haben es also, erklären Scholder und Winslade, mit den Neonazis aus dem 21. Jahrhundert zu tun, die hier und heute, anno 1939, die Fäden in Europa zie­hen. Ihr Gegentor, durch das in wenigen Monaten die Nuklearwaffe kommen wird, die den Krieg entscheidet, steht in einem militärischen Komplex in Leipzig. Und da die politischen Mühlen so extrem langsam mahlen und es unergründli­che Probleme mit der Verbindung nach 1975 gibt, bleibt nur eins: ein Stoßtrupp muss nach Nazideutschland hineingeschleust werden, um das schwer bewachte Tor in Leipzig zu zerstören. Ein Himmelfahrtskommando, aber offensichtlich die letzte Chance, das Ruder herumzuwerfen.

Leider ist das alles immer noch nicht die ganze Wahrheit. Denn woher hatte beispielsweise die Erde des Jahres 1975 wohl die Zeitreisetechnologie …? Und das ist nur eine heikle Frage, es gibt noch ganz andere …

Pünktlich zum 40. Jahrestag des Kriegsendes veröffentlichte der amerikanische Autor James P. Hogan 1985 seinen Roman „The Proteus Operation“, der in Deutschland in einer passablen Übersetzung und sogar mit einem extrem pas­senden Cover zum Roman publiziert wurde (was auch damals nicht die Norm war). Ich las das Buch erstmals direkt nach Erscheinen im April 1988 und war schwerstens begeistert. Noch weit entfernt vom Studium der Geschichte und nicht sonderlich tief in die Geheimnisse der Quantenmechanik eingeweiht, be­einflusste dieses Buch meine Kreativität in nicht geringem Maße.

Die Zweitlektüre fand im Dezember 2009 statt, nach über 20 Jahren, und noch immer ist zu konstatieren, dass dieser inzwischen vergriffene Roman, den man nur noch antiquarisch bekommen kann, einen gewissen Zauber ausstrahlt. Die Grundidee hat ihren Charme nicht eingebüßt, heute vielleicht weniger denn je, weil die Kontrafaktik, die Wissenschaft von der spekulativen Geschichte, dem „Was wäre gewesen, wenn …?“, mich heute mehr als früher schon fasziniert.

Nach der Neulektüre habe ich mich dann auch ein wenig über Hogans Biografie kundig gemacht, und ganz ehrlich, sein WIKIPEDIA-Artikel ist nicht eben schmei­chelhaft. Hier wird unter anderem darauf hingewiesen, dass er in jüngster Zeit pseudowissenschaftliche Themen favorisiert bearbeite, den Themen des „intel­ligent design“ nahe stehe (was auf einen ausgeprägt religiösen, vielleicht funda­mentalistischen Hintergrund schließen lässt) und zudem mit der Position der Holocaust-Leugner Arthur Butz und Mark Weber sympathisiert. Damit ist gleichzeitig eine Nähe zu Verschwörungstheoretikern plausibel, und diesem „Hobby“ frönt Hogan in dem oben rezensierten Werk eifrig.

Die Grundlagen dessen, was man als recht unverhohlenen Relativismus des Ho­locaust nennen könnte, finden sich auch schon in „Unternehmen Proteus“. Hier wird unverblümt die Vorstellung vertreten, der Nationalsozialismus sei aus sich heraus quasi weder lebens- noch entwicklungsfähig gewesen, außer in Form ei­ner Ausstülpung höherer Mächte, die ihn unterstützten, förderten und seine Pläne und Strukturen schufen.

Diese Ansicht ist ganz klar dem Denkmuster von Verschwörungstheorien ent­lehnt. Die Vorstellung, dass die wahrnehmbare Geschichte nur der Abglanz ei­ner von elitären Geheimzirkeln gestrickten „Geheimgeschichte“ sei, findet sich in allen Verschwörungstheorien, mal mehr, mal weniger deutlich. Hier sind es die Freimaurer, da die Kommunisten, die Rosenkreuzer, die Juden, der internationale Terrorismus, die Hochfinanz … ganz gleich, überall wird ziemlich deutlich, dass wir nur die Oberfläche dessen zu sehen bekommen, was „wirklich“ da ist.

Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass nach „Unternehmen Proteus“ keines der zahlreichen Bücher von James P. Hogan mehr ins Deutsche übersetzt wor­den ist. Seine Ansichten sind dann doch gar zu durchsichtig geworden und für den deutschen Markt vermutlich untragbar.

Sieht man allerdings davon ab und beschränkt sich mit vorsichtiger Kenntnis des Hintergrunds allein auf diesen Roman, so ist zu konstatieren, dass es sich jen­seits des Verschwörungshintergrunds um eine solide zeitgeschichtlich basierte Arbeit handelt, die historische Persönlichkeiten durchaus glaubwürdig und manchmal sehr amüsant mit fiktiven Personen in Relation und Interaktion setzt. Man mag also zu Hogan als Mensch und Schriftsteller und seinen bedenklichen Ansichten stehen, wie man mag, ich bin der Auffassung, dieser Roman hat es dennoch verdient, aus dem Dunkel der Vergessenheit gehoben zu werden. Er lohnt durchaus eine Neuentdeckung.

© 2009 by Uwe Lammers

Ja, Hogan mag menschlich und von seinen politisch-historischen Überzeugun­gen fragwürdig und schwierig sein. Wer das jedoch im Hinterkopf behält und stets kritisch reflektiert, findet hier meiner Überzeugung nach immer noch ei­nen sehr soliden, bemerkenswerten Stoff vor.

Gilt das auch für das Buchpaket (!) der kommenden Woche? Das ist schwieriger zu sagen, wie immer, wenn wir über erotische Literatur zu urteilen haben. Ich fand die Bücher, mit äußerst passenden Covern versehen, schon vor geraumer Zeit und las sie mit Interesse. Und in der nächsten Woche erzähle ich euch Nä­heres.

Bleibt neugierig, Freunde!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

das Leben ist nicht fair, singt auch schon ein Herbert Grönemeyer, und leider muss ich gestehen: recht hat er. Zumal dann, wenn der Tod ungefragt und in der Regel ziemlich überrumpelnd in die Lebenssphäre einbricht und lieb gewonne­ne Mitmenschen brüsk aus unserer Welt entfernt, dann haben wir das Gefühl, dass das Leben mit gezinkten Karten spielt. So erging es mir im Dezember 2013, über den ich heute unter anderem berichten möchte.

Ihr erinnert euch, dass ich im Blogartikel 342 vor vier Wochen andeutete, dass der Winter 2013/14 einen massiven Einbruch in meine kreative Sphäre bedeu­tete. Korrekterweise hätte ich sagen müssen, dass diese Veränderung mein gan­zes Leben grundlegend veränderte. Es kam nicht gänzlich überraschend, gott­lob, aber wie schnell das dann ging, hat uns doch alle überrumpelt. Mit „alle“ meine ich alle Angehörigen meiner Familie.

Mein Vater (Jahrgang 1939) war schon ziemlich lange gesundheitlich nicht mehr völlig auf der Höhe. Aber wiewohl er mit Übergewicht, Weichteilrheumatismus, gelegentlich Schuppenflechte, allmählich zunehmender Demenz und anderen Problemen zu kämpfen hatte, nahmen wir doch zuversichtlich an, dass er uns durchaus noch eine Weile erhalten bleiben würde … man hofft so etwas ja im­mer, dass die lieben Anvertrauten und Verwandten durch irgendeine obskure Laune des Schicksals (und ohne Zellaktivator!) unsterblich wären. Und wir wer­den immer enttäuscht.

Nun, so war es auch bei meinem Herrn Vater – und immer, wenn gesundheitli­che Turbulenzen mein Leben durcheinander wirbeln, hat das notwendig Aus­wirkungen auf meinen kreativen Output. Manchmal kompensiere ich das zwar durch einen Schaffensschwall, aber sehr viel häufiger führt so etwas dazu, dass meine Schreibfreudigkeit massiv gedrosselt wird. Man sieht das hier schon an den schieren Zahlen: Im November 2013 kam ich gerade mal auf 19 fertige Werke, im Dezember waren es nur noch 15. Ihr erinnert euch sicherlich: im Au­gust und September lag ich noch auf jeweils mehr als 30 fertig gestellten Wer­ken.

Der sich verschlechternde Gesundheitszustand meines Herrn Vater wirkte sich also deutlich auf meine Kreativität aus. Das wäre sicherlich noch sehr viel dras­tischer ausgefallen, wenn ich nicht eine Zugfahrt von daheim entfernt gewohnt hätte und nur alle paar Wochen an einem Wochenende mal zu Besuch in Gif­horn weilte.

Was konnte ich also in diesen verdüsterten Monaten schreiben? Das war nicht wirklich viel. Blogartikel, ja. Es gelang mir im November, mit „Am Rand der Be­benzone“ das 8. TI-E-Book zu vollenden. Außerdem kam es zu den üblichen Verdächtigen: kommentierte Abschriften von Episoden des KONFLIKTS 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“, Abschriften von analogen Episoden des KON­FLIKTS 22 „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“, Gedichtneuformatierungen sowie Weiterarbeit an Episoden aus KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ und 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“. Ebenso versuchte ich mein Glück bei der kommentierten Abschrift von Episoden des KONFLIKTS 18 „Kampf gegen TO­TAMS Dämonen und Schergen“, kam da aber nicht wirklich auf einen grünen Zweig.

Nein, der November war eher ein trüber Monat, betrachtet man ihn durch den Fokus der „Annalen“.

Der Dezember war dann Finsternis pur.

Am 3. Dezember starb nach einer erneuten Operation – er war schon mit Stents wegen seines Herzens versorgt worden, erlitt dann aber nach anfänglicher Ge­nesung im November daheim einen Zusammenbruch und kam von neuem ins Krankenhaus. Und am 3. Dezember erlosch sein Leben unwiderruflich. Ich habe dazu einiges noch am Todestag in meinem Blogartikel 57 „Ein feiner Faden un­nennbarer Substanz…“ geschrieben, den ich Interessierten zur vertiefenden Lektüre gern anempfehle. Dann wisst ihr, wie ich mich damals fühlte.

Ich meine … natürlich habe ich zum Tod prinzipiell eine positive, offene Einstel­lung und weiß, dass er Teil der Lebenssphäre ist. Was lebt, stirbt unweigerlich. Und ich bin zudem fest davon überzeugt, dass der Tod eben nicht jenes finstere, alles auslöschende Loch im Universum ist, das jeden Sinn nihiliert. Die Zurück­gebliebenen in ihrem Seelenschmerz des Verlustes, der nur im Laufe der Jahre langsam blasser wird, ohne jemals vollständig zu schwinden, die Zurückgeblie­benen empfinden das zumeist so. Das kann ich vollkommen verstehen und lei­de mit ihnen (in diesem Fall gehörte ich ja selbst dazu).

Doch das ist gewissermaßen die rationale Seite des Geschehens. Die emotiona­le Sphäre ist sehr viel heftiger, aufgewühlter und unkontrollierbarer. Sich auf dieser Ebene mit dem Verlust anzufreunden, das ist erheblich schwieriger, und das warf mich dann doch ziemlich gründlich aus der Bahn.

Zwar gelang es mir – kurz vor dem Tod meines Vaters, nämlich am 1. Dezember – noch, das TI-E-Book 9 „Ins Innere der Maschine“ zu vollenden, doch danach kam ich quasi gar nicht mehr hoch und schrieb fast ausschließlich Blogartikel. Von den fünfzehn Werken im Dezember waren das immerhin zehn. Ansonsten kam ich nur noch zu Rezensionen.

Das bedeutet, aus dem Jetzt heraus betrachtet, Folgendes: Ich vergrub mich ge­radezu in der Lektüre und verschwand auf diese Weise im Monat Dezember fast vollständig aus der realen Welt, die zu so einer finsteren Sphäre geworden war. Verständlich, dass ich auch kaum in Laune für Weihnachtspost war oder mich Weihnachten oder Silvester sonderlich optimistisch geben konnte.1

Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass ich nicht versuchte, mich krea­tiv abzulenken. Ich arbeitete schon an zahlreichen Geschichten, ich kam halt nur nirgendwo sonderlich weit. Was ich unter anderem aufs Korn nahm, waren folgende Werke:

Der Sphäroid – OSM-Story

Mariann, die Skelettfrau – OSM-Fragment

Anmerkung: Dies ist ein ähnlicher Fall wie jüngst bei „Horrorsturm“. Ebenfalls ein handschriftliches Fragment, das strukturell KONFLIKT 18 zuzuordnen wäre, aber nicht so ganz in den Handlungsstrom hineinpasst. Die Handlungsperson, Mariann Drayer, die ihre Gestalt wandeln kann und mal als normale und sehr erotische Frau, dann wieder als grässliches Skelett in Erscheinung tritt, taucht auch in KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ auf. Al­lerdings war mir, als sie auf dem „Radar“ erschien, durchaus unklar, was sie ei­gentlich ist.

Nun, da bin ich inzwischen deutlich besser informiert. Und da das so ist, wurde dieses Fragment Makulatur, weil das darin Beschriebene mit dem, was letztlich aus Mariann Drayer wurde, so gar nicht harmonierte. Ich halte Letzteres aber für sinnvoller. Ich meine – wer kann schon was gegen eine DÄMONENWAFFE VON TOTAM sagen …?

Das Los der Lady Renata – Archipel-Story

Auf Space – OSM-Story

Der Veteran – OSM-Story

Rhondas Weg – Archipel-Roman (Umformatierung)

Falsche Voraussetzungen – Archipel-Story

Enklave Xissorah-44 – OSM-Story

Das Akademie-Problem – OSM-Hintergrundtext

Anmerkung: Das hier ist etwas, das man nicht verstehen muss, und es ist ei­gentlich so „hoch“, dass ich selbst es bislang nur teilweise verstanden habe. Das ist mit Metastrukturen im OSM häufig so: Ich WEISS, dass ich manche Dinge und Handlungen so und so darstellen muss, aber zumeist weiß ich nicht, WES­HALB. Das bekomme ich manchmal erst mit Jahren Verspätung heraus. So dürf­te es sich auch mit der AKADEMIE verhalten.

Damit ist nicht primär eine Lehranstalt gemeint. Der Hintergrundtext themati­siert ein dramatisches Problem in KONFLIKT 22 „Oki Stanwer – Der Schatten­fürst“ und versucht, eine Grundlage für den geheimen Krieg in diesem Univer­sum zu legen. Eine AKADEMIE ist im Grunde genommen eine Art von Machtba­sis von unvergleichlicher Stärke. Sie sind üblicherweise weit jenseits von KON­FLIKT 25 angesiedelt. Aber eines Tages gelingt es eine Fraktion entarteter GRALSJÄGER, eine ganze AKADEMIE über Milliarden Jahre in die Vergangenheit zu entführen, in den untergegangenen KONFLIKT 22. Und dort etablieren diese Wesen einen Machtpol, der skrupellos ganze Galaxien zersprengt und Imperien einreißt.

Aber dummerweise haben sie zeitreisende Verfolger – die TUURINGER. Und so entwickelt sich ein Zeitkrieg, gegen den das, was Simon Hawke in seinen „Time Wars“-Geschichten niederschrieb, ein Spaziergang war.

Aber ihr merkt hieran schon, wie komplex der Hintergrund ist. Deshalb ist der KONFLIKT 22 derzeit auch erstarrt und komplett unzugänglich. Ich möchte mich hier nicht in Widersprüchen verheddern wegen der ganzen wirren Zeitlinien. Aber ihr habt ja gegenwärtig sowieso genug zu tun mit den KONFLIKTEN 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“, 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ und 13 „DER CLOGGATH-KONFLIKT“, nicht wahr …?

Brigitta – Archipel-Story

Wie ihr seht … ich war durchaus versucht, umtriebig zu sein, aber es haute ein­fach alles nicht hin, ich sah mich gänzlich außerstande, irgendwie konzentriert arbeiten zu können.

So kam ich in diesem Jahr 2013 also insgesamt auf beeindruckende 350 abge­schlossene Werke (mehrheitlich Blogartikel und kommentierte OSM-Episoden­abschriften), aber sehr motiviert oder optimistisch sah ich nicht ins Jahr 2014 hinaus.

Es würde ein erstes Jahr ohne meinen Vater sein, was unweigerlich bedeutete: ein schweres Jahr, weil ich ihn sehr gern gehabt hatte und er mir jetzt schon verdammt fehlte. Wenigstens, dachte ich mir ein wenig erleichternd, wenigs­tens hatten wir ja noch unsere liebe Mutter. Sie war zwar ebenfalls schon schwer krank und nahezu völlig immobil, aber sie war noch da. Und wir waren zugegen, um sie nach besten Kräften von der notwendig herannahenden De­pression abzulenken. Denn für sie war Johannes´ Tod natürlich der schwerste Verlust nach all den Jahrzehnten der Ehe.

So endete das Jahr 2013 also ziemlich finster, und eine neue Zeit brach für un­sere Familie an. Das Jahr 2014. Ich erzähle demnächst mehr darüber, wie sich das dann für mich gestaltete.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Ihr könnt euch dazu ja mal spaßeshalber den Silvesterblog 2013 anschauen, der ist auch nicht eitel Sonnen­schein …

Rezensions-Blog 238: Unterdruck

Posted Oktober 15th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es tut immer ein bisschen weh, finde ich, wenn man spürt, dass Autoren, die man eigentlich sehr gerne mag, mehr und mehr die Puste ausgeht und ihre Stoffe fadenscheinig werden wie zu oft getragenes Tuch. Als versierter Kenner der Vorgängerromane durchblickt man – in diesem speziellen Fall – die Struktur des Plots, enttarnt die Bösewichter, als ob man like Superman über einen Rönt­genblick verfügte… mit der wenig erheiternden Konsequenz, dass man zuneh­mend genervt oder gelangweilt wird bei der Lektüre.

Romane, die entweder auf Tempo geschrieben worden sind (wie dieser hier ganz unübersehbar) oder solche, die sich mit einem viel zu geringen Personal durch die Romangeschichte bewegen, demonstrieren in der Regel, dass es die Autoren wahlweise nicht unbedingt nötig hatten, intelligenter zu schreiben oder, und das ist fataler, es gar nicht drauf hatten.

Nun, letzteres kann man von Clive Cussler und seinem Sohnemann eher nicht behaupten. Dass der Senior indes in die Jahre gekommen ist und Sohn Dirk ihm nur bedingt das Wasser zu reichen imstande ist, wird am vorliegenden Werk überdeutlich. Auch der Verlag hat sich hier nicht eben mit Ruhm bekleckert, möchte ich dazu ergänzend anmerken.

Ja, man kann den Roman lesen. Ja, als notorischer Fan ist man dazu vielleicht sogar genötigt. Aber ich wage die Mutmaßung, dass selbst Hardcore-Cussler-Fans sich nach Lektüre vielleicht genieren, dieses Buch sichtbar ins Regal zu stel­len. Es ist einfach viel zu mittelmäßig.

Warum? Ach, schaut am besten einfach selbst:

Unterdruck

(OT: Poseidon’s Arrow)

Von Clive Cussler & Dirk Cussler

Blanvalet 38418

512 Seiten, TB

ISBN 978-3-38418-1

Aus dem Amerikanischen von Michael Kubiak

Fangen wir mit einer freundlichen Warnung an – wer mit der hohen Erwartung an diesen Roman herangeht, einen qualitativ ebenso soliden Stoff vorzufinden wie im Vorgänger „Wüstenfeuer“, der muss wohl unvermeidlich enttäuscht werden. Das hat nicht sonderlich viel damit zu tun, dass das Titelbild mal wie­der so gar nicht zum Thema passt. Es GEHT zwar um ein Unterseeboot revolutionärer Struktur, aber dass es von einem Torpedo beschossen wird, kommt im gesamten Buch nicht vor. Doch das ist das kleinste Problem. Dröseln wir die Ge­schichte mal gescheit auf.

Im Oktober des Jahres 1943 ist das italienische Lasten-U-Boot „Barbarigo“ im Indischen Ozean auf der Heimfahrt. Es hat in Fernost für die Achsenmächte wichtige Fracht übernommen. Doch bedauerlicherweise kommt es nie am Ziel an, wiewohl es eine Flugzeugattacke durchaus übersteht. Es verschwindet spur­los… wenigstens hat es diesen Anschein.

Im Juni 2014 – also gemäß der amerikanischen Erstausgabe, die 2012 in den Handel kam, auf bewährte Weise gut zwei Jahre in der Zukunft – wird in der Mojave-Wüste in Kalifornien ein Sabotageanschlag von zwei südamerikanisch wirkenden Attentätern durchgeführt, der dazu führt, dass der gesamte Betrieb ausfällt.

Wenig später besucht der US-Präsident ein Marineunternehmen in Groton und wird hier in ein revolutionäres neues Projekt eingeweiht, das parallel zum Bau eines neuen U-Bootes finanziert wurde. Es handelt sich um das Projekt „Sea Ar­row“ (womit der Bezug zum englischen Romantitel hergestellt wurde). Dieses Produkt des seiner Zeit weit voraus denkenden Wissenschaftlers Dr. Joseph Eberson arbeitet mit einem speziellen Antrieb, der es dem Fahrzeug ermögli­chen wird, dreistellige Knotenzahlen unter Wasser zu erreichen. Doch ehe das Projekt abgeschlossen werden kann, findet Dr. Eberson auf geheimnisvolle Wei­se vor der Küste Kaliforniens den Tod. Das Boot, auf dem er sich befindet, sinkt auf den Meeresgrund.

Derweil macht Dirk Pitt, der Direktor der NUMA, mit seiner Frau Loren Urlaub an der Küste von Chile – und hier wird er zunächst Zeuge und dann beinahe Op­fer eines offensichtlich wahnsinnig gewordenen Frachterkommandanten, des­sen Schiff fast ein vollbesetztes Kreuzfahrtschiff rammt. Pitt kann in allerletzter Minute das Schlimmste abwenden. Und stößt auf ein Rätsel: Das Schiff ist voll­kommen verlassen… zu zwei Dritteln sind die Frachträume leer, teilweise gibt es aber noch seltsames Erz darin. Und einen grässlich verkohlt wirkenden Toten, für den es keine Erklärung gibt.

Eines der zahllosen Rätsel der Weltmeere, mutmaßt er und denkt sich vorder­gründig nichts weiter. Das ist nun ein Fall für die Versicherungen, und der gröbs­te Schaden konnte schließlich abgewendet werden. Pitt ahnt nicht, dass er auf eine verheerende Spur gestoßen ist, die ihn und zahllose andere Personen in akute Lebensgefahr bringen wird.

Wieder zurück in den Staaten wird er von seinem vormaligen Chef, Admiral James Sandecker, inzwischen Vizepräsident der Vereinigten Staaten, dazu be­wegt, das Boot des verschollenen Dr. Eberson zu heben. Seine beiden Gefährten wurden tot an die mexikanische Küste angespült. Dirk Pitt nimmt an, dies sei gewissermaßen eine Routinegeschichte und recht schnell abzuschließen. Die NUMA ist als ausführendes Organ gewählt worden, weil so schnell kein geschei­tes Tauchgerät in die Wassertiefe vorstoßen kann, in der das Wrack liegt, und weil die NUMA Erfahrung mit derlei Bergeunternehmen hat. Von der US-Regie­rung wird ihnen außerdem die schöne und findige Ermittlerin Ann Bennett zur Seite gestellt. Dummerweise ist Pitt nicht in alle Details der Geschichte einge­weiht worden, und das durchaus mit voller Absicht. Folgerichtig kommt es zu Komplikationen.

Tatsächlich finden sie das Wrack relativ schnell und neben dem Toten – und grässlich verbrannten Dr. Eberson (!) – auch das, was noch an Bord war, nämlich ein länglicher Kasten. Der wird ihnen jedoch buchstäblich unter den Augen weggestohlen, und Ann Bennett geht ihnen bei dieser Gelegenheit ebenfalls verloren.

Dirk Pitt und sein Kompagnon, Albert Giordino, machen sich umgehend an die Verfolgung, die sie mitten ins Chaos von Mexiko führt, Verkehrspolizisten gegen sie aufbringt und schließlich zu einem blutigen Finale in einer Stierkampfarena leitet.

Doch auch danach ist ihnen durchweg unklar, was hier eigentlich vorgeht… nur soviel schimmert immer stärker durch: Eberson hat eine revolutionäre Erfin­dung gemacht, und er wurde umgebracht, wobei die Erfindung gestohlen wer­den sollte. Das hat nicht ganz funktioniert. Die Jagd nach Ebersons Erkenntnis­sen geht weiter und fordert weitere Menschenleben.

Aber wer steckt hinter all diesen Geschehnissen, was ist letztlich das Ziel all die­ser kriminellen Energien? Und was hat es mit dem Erzbrocken auf sich, den Pitt auf dem Frachter vor Valparaiso an sich genommen hat? All diese Dinge hängen eng miteinander zusammen, ebenso ein Saboteur namens Pablo, der ungerührt über Leichen geht (und den ganzen Roman hindurch keinen Nachnamen be­kommt!). Und dann sind da noch dieser arglistige Industrielle namens Edward Bolcke und sein raffinierter Plan, die Weltwirtschaft in ein unglaubliches Chaos zu stürzen – ein Plan, der gelingen könnte… ja, wenn es da nicht einen wüten­den Dirk Pitt gäbe… und außerdem nicht minder wütende Chinesen…

Wieder einmal haben Clive Cussler und sein Sohn Dirk einen Roman zusammen geschrieben. Diesmal scheint es allerdings definitiv so gewesen zu sein, dass Daddy weniger daran Anteil hatte als der Sohnemann, und der hat, was eine großräumige Hintergrundidee des Werkes angeht, noch eine Menge dazulernen zu müssen. Zwar liest sich das Buch durchaus rasant, das ist unübersehbar und treibt die Lektüre bisweilen 100 Seiten am Tag voran. Die Kürze des Roman­skripts und die mehr als 80 (!) Kapitel hingegen signalisieren unübersehbar, dass die Geschichte primär auf Tempo geschrieben wurde, auch zahlreiche „be­kannte“ Situationen im Roman, die man aus anderen Werken Cusslers kennt, deuten darauf hin. Was aber etwa den Isaac Bell-Romanen von Justin Scott zum unbestreitbaren Vorteil gereicht und auch bei den frühen OREGON-Abenteuern atemberaubende Spannung induzierte, führt an dieser Stelle dann nur dazu, dass man gar zu sehr als Leser meint, man sei in einer modernisierten Form von „Doc Savage“ gelandet, die mit ein wenig „Indiana Jones“ und „James Bond“ gekreuzt wurde. Action first, scheint die Hauptdevise gewesen zu sein.

Will heißen: es wird entführt, gejagt, entführt, gejagt, geflohen und eingefan­gen… und dabei geht der eigentliche Handlungsfaden ziemlich rasch vor die Hunde. Die „Barbarigo“-Geschichte ist, im Gegensatz zu den historischen Hand­lungslinien früherer Cussler-Romane, erkennbar nur ein wenig zeitgenössischer Zierrat und trägt zur eigentlichen Geschichte nichts bei. Die Illustrationen sind eher bescheiden ausgeführt, vom unpassenden Cover sprach ich schon. Der „Villain“ des Romans hat ein eher handliches Westentaschenformat, und der finstere Pablo besitzt im Grunde genommen gar keine Persönlichkeit. Selbst der gemeine Verräter, der letzten Endes (wenig überraschend) enttarnt wird und dem Leser schon lange vorher als quasi einzig Verdächtiger klar ist, hat keine Größe.

Es bleibt darum, bei aller Rasanz der Handlung, doch nach der Lektüre ein scha­ler Nachgeschmack zurück. Man hat das dumpfe und unbefriedigende Gefühl, dass dieses Buch eine Auftragsarbeit war, zu der die Verfasser gedrängt wurden. Sie haben es spürbar nicht mit Leidenschaft für die Sache geschrieben. Und das ist wirklich bedauerlich.

Ein wenig davon bildet sich sogar noch im deutschen Titel ab: Es war dem Ver­lag offenbar ebenfalls nicht möglich, a) ein gescheites Titelbild zu finden (das wäre allerdings sehr schwer geworden, muss ich nach Lektüre gestehen), als auch b) einen passenden Titel zu erdenken. „Unterdruck“ ist jedenfalls so ziem­lich der unmotivierteste und unpassendste Titel für einen Cussler-Roman, den ich je gesehen habe. Mehr als Durchschnitt ist dieses Buch jedenfalls nicht und im Grunde nur für eingefleischte Fans zu empfehlen. Sehr bedauerlich. Hoffen wir darauf, dass der nächste Roman aus der Familienschreibwerkstatt deutlich besser ausfällt.

© 2017 by Uwe Lammers

Hm, 500 Seiten for nothing? Nein, ganz so arg würde ich das nicht sagen wollen. Es ist aber leider nicht sehr weit davon entfernt. Ganz anders, das verspreche ich euch, ist es mit dem Klassiker der Science Fiction, den ich euch kommende Woche präsentieren werde. Der lohnt sich wirklich!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.