Rezensions-Blog 190: Polarsturm

Posted November 14th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

eigentlich mag ich Clive Cussler. Und im Grunde genommen tut es mir in der Seele weh, einem Roman ein schlechtes Zeugnis auszustellen, zumal dann, wenn ich den Verfasser im Kern sehr gut leiden kann. Aber wenn es nun einmal halbgares Unsinnsgarn ist, das spürbar lieblos daherkommt, dann kann ich an­dererseits bei meiner Rezensentenehre auch nicht anders, als zähneknirschend die Wahrheit einzugestehen.

Das heißt: der vorliegende Roman ist wirklich, abgesehen von ein paar Grund­ideen, nicht gut gelungen. Er ist Durchschnittskost, um es freundlich zu formu­lieren, zudem leider mit der heißen Nadel gestrickt und das an vielen Stellen einfach lieblos. Wer passionierter Vielleser ist und solch ein Werk in zwei Tagen verschlingt, um sich danach besseren Werken zuzuwenden, dem mag es halb­wegs gefallen. Aber wer sich als kritischer Leser versteht, der hat mit dieser Ge­schichte so seine Schwierigkeiten.

Ich zähle zu solchen Lesern. Und ja, ich lege unten mal schonungslos den Finger auf die wunden Stellen des Inhaltes. Mir scheint das fair gegenüber all jenen Leuten, die das Buch nicht kennen und sich vielleicht zu viel davon erwarten. Ir­gendwie hat Cussler grundsätzlich Probleme mit Romanen, die irgendwie mit der Arktis zu tun haben. Das hatten wir etwa schon bei „Akte Atlantis“ oder dem späteren Werk „Packeis“.1 Hier ist wieder so etwas.

So schlimm? Nun, das solltet ihr selbst entscheiden. Lauscht, worum es geht, und fällt selbst euer Urteil, ob dies in euren Augen ein lesenswertes Buch ist:

Polarsturm

(OT: Arctic Drift)

Von Clive Cussler & Dirk Cussler

Blanvalet 37469

512 Seiten, TB (2011 dt.)

ISBN 978-3-442-37469-4

Aus dem Amerikanischen von Oswald Olms2

Im Jahre 1848 ist die Arktis wenig kulant gegenüber den wagemutigen briti­schen Seeleuten unter Sir John Franklin, die schon seit Jahren versuchen, die le­gendäre Nordwest-Passage zwischen dem polaren Atlantik und dem polaren Pa­zifik zu finden und zu durchsegeln. Seit 1846 stecken die Segelschiffe „Terror“ und „Erebus“ im unerbittlichen Klammergriff des Eises fest. 1845 aufgebrochen, hat ihr bei Trafalgar ausgezeichneter Kommandant Franklin einkalkuliert, dass die Schiffe im Packeis eingeschlossen werden könnten. Aber er hat die Gewalt der Natur unterschätzt. Zunächst geht er selbst 1847 im ewigen Eis zugrunde, danach all seine Männer. Niemand wird jemals wieder entdeckt, abgesehen von wenigen Leichen, die viele Jahre später zusammen mit kärglichen Aufzeichnun­gen auf der King-William-Insel gefunden werden. Franklin und seine Schiffe sind vom Eis verschlungen worden, und mit ihnen ein unheimliches Rätsel…3

In der Gegenwart, im April 2011, ist die Welt aus vielerlei Gründen eine andere geworden, und selbst die so unwandelbar scheinende Arktis verändert sich drastisch. Grund dafür ist die globale Erwärmung. Die Menschheit heizt seit Jahrhunderten durch das Verfeuern fossiler Brennstoffe einerseits und das Ab­holzen von Regenwäldern andererseits das Weltklima an, und für die nahe Zu­kunft drohen Umweltkatastrophen ungeahnten Ausmaßes, Küstenlandstriche werden mitsamt ihren Städten im Meer versinken, Unruhen um Rohstoffe und Lebensraum, Wasser und sich verschiebende Territorialgrenzen entbrennen.

In dieser Zeit taut auch die legendäre Nordwest-Passage zunehmend ab. Per­mafrostgebiete erwärmen sich, Ressourcen, die dort lagern, werden zugänglich, und insbesondere der kanadische Tycoon Mitchell Goyette ist begierig dabei, sein Firmenimperium auszudehnen und sich unter den Nagel zu reißen, was er kann. Dabei ist er skrupellos genug, sich mit dem Mäntelchen des Wohltäters zu umhüllen. Mit seiner Firma „Terra Green“ hat er sich auf die Fahnen geschrieben, ökologische Methoden der Energiegewinnung auszuloten und sie im großen Maßstab zu realisieren. Eines dieser Verfahren ist dringlicher denn ja – die so genannte CCS-Technologie. Dabei wird das bei der Verbrennung bzw. Förderung fossiler Brennstoffe frei werdende Kohlendioxid, ein Treibhausgas, aufgefangen, verdichtet und verflüssigt und in unterirdische Lagerstätten hineingepresst und so dem Klimakreislauf entzogen. Auf diese Weise könnte es gelingen, die UN-Klimaschutzziele, die inzwischen verbindlich geltend gemacht worden sind (in Cusslers Roman!), einzuhalten.

Namentlich die USA und Kanada haben damit erhebliche Probleme. Die Kanadi­er setzen bei der umstrittenen Gewinnung von Ölsanden enorme Mengen CO² frei, die Nordamerikaner suchen ihren Energieengpass durch kanadisches Erd­gas zu umgehen. Goyette bietet beiden Fraktionen offensichtlich eine elegante Lösung für das Problem. Aber in Wahrheit laufen seine Pläne ganz anders. Er geht auf rücksichtslose Weise vor und lässt in großem Stil Politiker bestechen, Unterlagen fälschen und handelt zudem noch respektlos und ohne jede Geneh­migung mit den Chinesen, die er über die Nordwest-Passage mit eigenen Eis­brechern und Tankschiffen mit Ölsanden aus Kanada beliefert. Und wer seinen Plänen im Weg steht, für den arrangiert Goyette kurzerhand eine Begegnung mit einem angeheuerten Killer namens Clay Zak, der die „Hindernisse“ auf rüde Weise aus dem Weg schafft.

Außerdem beginnt der Tycoon damit, durch eine Reihe von verheerenden Zwi­schenfällen, die zahlreiche Menschenleben kosten, die USA und Kanada gegen­einander auszuspielen. Er möchte so die Amerikaner von potentiellen Erdgasfel­dern im Polarkreis verdrängen und sie selbst übernehmen.

Zu dumm ist nur, dass er durch seine Machenschaften die jungen NUMA-Wis­senschaftler Summer und Dirk Pitt argwöhnisch macht und ein Mordanschlag auf sie fehlschlägt. Und dann entdeckt eine junge US-Wissenschaftlerin überra­schend in den Staaten bei einem Experiment eine ungewöhnliche Eigenschaft des Minerals Ruthenium, die, wenn man hinreichende Mengen des Minerals zur Verfügung stellen könnte, dazu führen würde, dass die gesamte Energiever­sorgung der Welt und damit möglicherweise auch das Klimaproblem drastisch entschärft werden könnte. Die Konsequenz bestünde allerdings im erneuten Zufrieren der Nordwest-Passage und damit in Goyettes Ruin. Begreiflich, dass er, als er davon Kenntnis bekommt, alles daransetzt, diese Entwicklung schon im Ansatz abzuwürgen.

Ruthenium ist allerdings außerordentlich selten, und die einzigen Fördergebiete sind längst erschöpft. Es scheint also so zu sein, als wäre das Problem im Prinzip gar nicht so dramatisch… bis auf einmal herauskommt, dass es im hohen Nor­den offenkundig eine unbekannte Quelle für Ruthenium gibt. Denn die Proben, die zur Verfügung stehen, stammen von den Inuit, die sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts von Wesen bekommen haben sollen, die sie „schwarze Kobluna“ nennen… und die offenkundig in einem direkten Zusammenhang mit der ver­schollenen Franklin-Expedition stehen…

Man kann dieses Buch in drei Tagen lesen, wie ich es getan habe, und ich sage es mal vorsichtig: wer nicht viele Cussler-Romane kennt, wird es womöglich so­gar interessant finden. Als Kenner habe ich freilich einen sehr viel schärferen Blick darauf, man kann auch sagen: einen misstrauischeren, und leider gibt die­ses Buch insofern sehr viel Anlass zur Kritik.

Fangen wir mal mit den Rahmendetails an, um uns dann anschließend ein biss­chen in die Kernidee zu verbeißen und abschließend ein paar Worte zu den Protagonisten zu sagen:

Auf dem Titelbild sieht man einen Taucher über einem versunkenen Flugzeug­wrack. Dazu lässt sich nur sagen: frei phantasiert. Es gibt keine versunkenen Flugzeuge in diesem Buch. Taucher kommen natürlich vor (es geht ja um die NUMA, gell? Ein Buch über die NUMA ohne Taucher wäre etwa so logisch wie ein Buch über die Wüste ohne Sand).

Nehmen wir den Titel hinzu: „Polarsturm“ betrifft etwa nur 50-60 Seiten von mehr als 500. Das ist doch zumindest eine recht schiefe deutsche Titelgebung, die man ebenfalls vergessen sollte.

Hinzu kommen Karten: im Grunde etwas, was ich gerne mag. Wenn sie solide sind. Die hier sind es nicht. Die erste Karte zur Nordwest-Passage hat so etwas wie einen Maßstab (aber ohne Zahlenangabe!), die weiteren Karten ersparen sich Maßstäbe dann ganz. Unsolide und lieblos gemacht, muss ich konstatieren. Nicht jeder hat die Möglichkeit, sich historische oder gegenwärtige Karten von NATIONAL GEOGRAPHIC daneben zu legen, um die Route der Franklin-Expediti­on oder die von Dirk Pitt senior und seinen Gefährten, die sich auf die Jagd nach dem Ruthenium machen, genauer anzuschauen.

Kommen wir zur Kernidee: der Gedanke der in meinen Augen äußerst proble­matischen CCS-Technologie (über die ja auch in Deutschland als mögliche Alter­native zur Vermeidung eines drastischen weltweiten Temperaturanstiegs ernst­lich diskutiert wird) ist äußerst nachdenkenswert und hier auf eine Weise in die Tat umgesetzt, die durchaus geeignet ist, Skepsis zu schüren. Es werden hier mit Recht Argumente aufgebracht, die zeigen, dass Unfälle (oder absichtlich herbei­geführte Verdampfungen konzentrierten CO²s) erhebliche Risiken für die Tier- und Pflanzenwelt in sich bergen. Leider wird der Gedanke inhaltlich nicht allzu sehr vertieft und schließlich als eindimensionales Actionelement missbraucht. Schade.

Der damit verwobene Gedanke der Franklin-Expedition ist zwar interessant, aber er fußt auf einem eindeutig nachweisbaren Schnellschuss des Autorendu­os. Kurze Zeit vor Fertigstellung dieses Buches erschien Dan Simmons´ Roman „Terror“ (2007)4, der was zum Inhalt hatte? Das Schicksal der Franklin-Expediti­on! Wer hier keine direkten Inspirationslinien sieht, ist offenkundig blind. Cuss­ler sprang einfach munter auf den Zug auf, und entsprechend fällt dieser Teil der Geschichte dann eher etwas halbherzig aus. Er hätte wesentlich mehr dar­aus machen können, wenn er z. B. nicht nur einen Eisbären, sondern auch noch die Inuit in Person in die Geschichte integriert hatte. Sie wäre so länger, interes­santer und sicherlich auch um einiges glaubwürdiger geworden. Aber es sollte leider ein Schnellschuss werden und ist es auch geworden.

Der nächste Gedanke kam mir auch sehr vertraut vor: Jagen wir nach einem verschollenen Schiff bzw. einer verschollenen Expedition, um ein wertvolles Mi­neral zu finden, das es nur dort gibt und nirgendwo sonst. Und wenn wir das Ziel erreichen, stellen wir fest, dass alles völlig anders ist, als wir uns das so ge­dacht haben… woher, so dachte ich, kenne ich DEN Gedanken bloß? Ich brauch­te nicht lange zu suchen, um in meinem Bücherregal fündig zu werden. Der Quell dieser Idee heißt… Clive Cussler. Präzise gesagt: wir finden dieselbe Idee in seinem Buch „Hebt die TITANIC!“, 1977 auf Deutsch erschienen.5

Damals nannte sich das Mineral Byzanium, und es wurde benötigt, um ein stra­tegisches Abwehrsystem der USA im Kalten Krieg funktionsfähig zu machen. Of­fensichtlich war es mit der TITANIC auf den Meeresgrund gesunken, woraufhin die NUMA sich entschloss, die TITANIC zu finden und zu heben. Nach Hebung des Schiffes stellte man aber fest, dass das Byzanium dummerweise gar nicht an Bord war… und sehr ähnlich verhält es sich auch im vorliegenden Roman um Franklins Schiff „Erebus“.

Die Konsequenz lautete bei mir also: Gähn. Irgendwie alles schon bekannt. Das war nicht so richtig der große Hit, muss ich gestehen. Selbst wenn man zugeben muss, dass Cussler so langsam ob der sehr ähnlichen Handlungsideen die origi­nellen Gedanken ausgehen, muss es SO phantasielos dann doch nicht sein. Wer von sich selbst bereits abkupfert, befindet sich erkennbar in einer Notsituation (vermutlich musste das Buch rasch fertig werden…).

Aber die Personen, vielleicht gab es ja begeisternde Personen in der Story? Nun, das Hauptpersonal von der NUMA war grundsätzlich bekannt. Dirk Pitt, seine Frau Loren Smith, Pitts Kinder Dirk und Summer, die üblichen Statisten Julien Perlmutter, Al Giordino, Rudi Gunn, Jack Dahlgren usw. Auf der positiven Seite gab es eher nichts großartig zu entdecken. Das war auch schon mal peppi­ger in Aktion zu sehen…

Auf der Finsterling-Seite vielleicht? Mitchell Goyette ist eine Person, die nur aus „Gier, Gier, Gier, mache Geld, mache mehr Geld, schmiere noch mehr Politiker, betrüg die Leute, raff, raff“ zu bestehen scheint.6 Eindimensional bis zum Kli­schee. Wenn Cussler damit durchblicken lassen wollte, dass er alle reichen In­dustriellen für eingebildete Raffzähne hält, hat er hier ein wenig zu stark aufge­tragen.

Und sein Killer Zak? Überheblich, arrogant, selbstgefällig und ebenfalls geldgeil, außerdem zugleich jemand, der gern halbe Sachen macht. Legt einen Spreng­satz, geht außer Sichtweite und beobachtet nur, dass da eine Explosion ist. Ziel erledigt, schön, Abreise – dass die Zielpersonen gar nicht mehr am Explosions­ort waren und er folglich sein Ziel munter verfehlt hat, fällt ihm gar nicht auf. Das passiert mehrmals und lässt den Killer dann doch reichlich dämlich dastehen. Sein Ende ist dann auch entsprechend trottelig, wie ich finde. Keine glorreiche Person und schon gar nicht interessant.

Nein, das Personal ist kein Plus. Und auch die Vorstellung, dass ein einzelner In­dustrieller es schaffen sollte, Kanada und die USA in einen Krieg (!) zu hetzen, ist doch ziemlich albern. Wer diesen Roman darum gut findet, hat offenbar ei­nen schlechten Geschmack.

Sorry, Familie Cussler – bitte noch einmal zurück auf Null und von vorn anfan­gen!

© 2012 by Uwe Lammers

Tja, das war dann nicht wirklich berauschend, nicht wahr? Das stimmt. Aber der Rezensions-Blog ist halt eine Abwechslungsveranstaltung, und so führe ich euch in der kommenden Woche zu einem faszinierenden Techno-Thriller um Künstli­che Intelligenz. Das Thema ist ja gerade wieder in aller Munde (u. a. durch Ro­mane von Andreas Brandhorst und Frank Schätzing), aber das hier ist dann ein deutlich früherer Vertreter des Genres. Um welches Buch und welchen Autor es geht? Lasst euch da mal überraschen.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. dazu die Rezensions-Blogs 123 vom 2. August 2017 und 167 vom 6. Juni 2018.

2 Der erste Schreibfehler, der auf ausgeprägten verlegerischen Dilettantismus hindeutet, findet sich schon im Hinweis auf den Ursprung des Romans. Im Innern heißt es nämlich „Aus dem Englichen (sic!) von Oswald Olms“. Ob Olms oder – wie auf dem Umschlag angegeben – Michael Kubiak den Roman wirklich übersetzt haben, ließ sich nicht herausfinden. Verlegerische Sorgfalt sieht anders aus.

3 Nachtrag vom 6. Juni 2018: Als Cussler 2008 den Roman verfasste, konnte er natürlich nicht wirklich wissen, dass ihn die Geschichte überholen würde, und zwar ziemlich rasant. Ich wusste das 2012, als ich die Rezensi­on verfasste, ebenso wenig. Der ein Jahr zuvor in Deutschland erschienene Roman kann heute in weiten Tei­len als veraltet gelten. Die beiden Schiffswracks der Franklin-Expedition wurden 2014 und 2016 in den Nord­polargewässern ausfindig gemacht, sind also heute nicht mehr verschollen.

4 Er liegt mir vor, wurde aber noch nicht gelesen.

5 Vgl. dazu im Detail meinen Rezensions-Blog 87 vom 23. November 2016.

6 Fühlt sich da irgendwer an die Scientologen erinnert mit ihrem „Mache Geld, mache mehr Geld“? Warum bloß? Das kann sich nur um einen reinen Zufall handeln…

Wochen-Blog 297: Legendäre Schauplätze 10: Jenseitsraum

Posted November 10th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute reisen wir in ein nebliges Reich voller Legendenbildung, das selbst mir noch sehr fremd ist… seit über 30 Jahren, wenn ich ehrlich sein soll. Wenn ich es recht erinnere, taucht der so genannte „Jenseitsraum“ erstmals in der OSM-Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC) auf, die ich im Januar 1988 be­endete (Näheres zur Serie vgl. den Blogartikel 300 in drei Wochen).

Entgegen der ersten Erwartung hat der „Jenseitsraum“ nichts mit dem Leben nach dem Tode zu tun. Wir befinden uns hier also nicht an anderen legendären Orten wie TOTAM oder dem Matrixland (dazu kommen wir später noch, das ist nicht Thema unseres heutigen Diskurses), sondern durchaus an einem diesseiti­gen Ort… wobei „diesseitig“ wohl auch schon wieder irreführend ist.

Genug der Verwirrung. Was genau ist dieser „Jenseitsraum“? Und warum ist er „legendär“? Darauf gibt es eine ganz klare Antwort, die dem Kenner des OSM vermutlich ein wenig den Atem rauben wird: der Jenseitsraum ist jene Sphäre, in der Oki Stanwers Auftraggeber existieren, die Sieben Lichtmächte, die so gut wie niemals persönlich in die Geschehnisse hienieden eingreifen, weil das ge­wissermaßen unter ihrer Würde ist.

Der Definition zufolge, und ich sagte ja, wir wandeln hier in einem nebelhaften Bereich mit unsicherem Boden, liegt der Jenseitsraum, wie es schon der Name aussagt, „jenseits“ des Universums, d. h. außerhalb des so genannten „realisier­ten“ Universums. Wenn ein KONFLIKT des OSM in der Galaxis Milchstraße statt­findet, sind die Lichtmächte mithin von uns wenigstens zehn Milliarden Licht­jahre weit entfernt.

Wie kann jemand, der aus solcher Distanz wirkt, überhaupt in einem Gesche­hen intervenieren? Eine interessante Frage, auf die es aktuell keine umfassende Antwort gibt. Besuche im Jenseitsraum sind per definitionem unmöglich. Nie­mals ist jemand von den KONFLIKT-Teilnehmern dort gewesen. Oder, korrekt ausgesprochen, nicht im lebendigen Zustand.

Also tot?

Also doch ein klassisches „Jenseits“?

Jein. Eine eindeutige Antwort zu geben, das ist wirklich knifflig, weil hier so vie­les unklar und unbestimmt ist. Was mir bislang bekannt ist über den Jenseits­raum, ist mehr mittelbarer Natur:

Die Lichtmächte residieren (dem Vernehmen nach) dort.

Der Jenseitsraum liegt jenseits der Grenzen unseres Universums (so sagt man, aber da niemand jemals dort gewesen ist, kann das auch eine taktische Lüge sein; möglicherweise ist der Jenseitsraum auch eine Fiktion, konkret sagen kann ich das zum aktuellen Zeitpunkt nicht).

Im Jenseitsraum wird Oki Stanwers Seele aufbewahrt, bis sie in den nächsten KONFLIKT zieht. Hier wird sie auch von traumatischen Erinnerungen gereinigt – mancher Freund des Paladins der Lichtmächte ist eher geneigt, hier von Gehirn­wäsche zum Zwecke der Konditionierung zu sprechen… wahrscheinlich nicht zu Unrecht, wenn man sich gewisse KONFLIKTE anschaut.

Vom Jenseitsraum, wie gesagt, werden die Seelen der Helfer des Lichts als mas­sive primärenergetische Impulse ausgesandt (wie man das beispielsweise am Beginn des Romans „Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“ erleben kann).

Ebenfalls aus dem Jenseitsraum werden die Matrixkoordinatoren und die Ritter vom Goldkristall instruiert (die ihr beide in den KONFLIKTEN 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ und 13 „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ kennen lernen wer­det).

Soweit bekannt, entstehen im Jenseitsraum auch die Pläne für die Langzeitstra­tegien der Sieben Lichtmächte, und die Handlungsparameter für die Spezies der Baumeister kommen von dort.

In den frühen OSM-KONFLIKTEN (etwa in KONFLIKT 2) ist vom Jenseitsraum noch keine Rede, obwohl in KONFLIKT 1 („Der Zathuray-KONFLIKT“, 1991) durchaus davon schon gesprochen wird. Die früheste mir aktuell erinnerliche Erwähnung des Jenseitsraums findet allerdings in KONFLIKT 14 anno 1987 statt, als die Lichtmächte ins so genannte „Zeituniversum“ eingreifen, um den Plane­ten ANTI-TOTAM durch eine direkte Matrixintervention zu komprimieren.

Charakteristisch für den Jenseitsraum ist ein extrem hohes Primärenergiepoten­zial. Diese ursprüngliche Schöpfungsenergie ist im normalen Universum nahezu nicht mehr vorhanden, weil sie fast vollständig in andere Energieformen trans­formiert wurde bzw. degeneriert ist, wobei gleichzeitig der Anteil entropischer Energieformen zunahm. Wer also auch immer in den Jenseitsraum vorstoßen möchte und ein „normales“ Primärenergiepotenzial besitzt, wird eher das Ge­fühl haben, in einen Hochofen zu stürzen, wie eine Wunderkerze aufflammen und vergehen.

Für normalsterbliche Wesen ist der Jenseitsraum absolut tödlich. Dieses Primä­renergiepotenzial ist zugleich der optimale Schutz der Lichtmächte vor allen En­titäten aus der Hierarchie TOTAMS, denn für sie ist extreme Primärenergie ebenfalls verheerend.

Folglich fungieren die Baumeister, deren Primärenergiepotenzial relativ hoch ist, als die unvermeidlichen „Mittelsmänner“ zwischen den Lichtmächten und den energetisch schwächeren Lebensformen des baryonischen Universums.

Ob es im Jenseitsraum tatsächlich so etwas wie physische Materie gibt, ist aktu­ell unklar. Es scheint möglich zu sein, aber fraglos in völlig anderer Form als im Universum selbst. Planeten, Sonnen oder ähnliche stellare Phänomene sind dort hingegen mit Sicherheit unbekannt. Auch der Zeitablauf dürfte dort defini­tiv ein anderer sein, als wir ihn kennen.

Es gibt hingegen finstere Spekulationen, die ich an dieser Stelle auch nicht vor­enthalten möchte. Naturgemäß werden sie von Zweiflern und Gegnern Oki Stanwers und der Lichtmächte vorgebracht und sind deshalb mit Vorsicht zu ge­nießen.

Diese Spekulationen sagen aus, dass der Jenseitsraum ebenso wie die Sieben Lichtmächte an sich eine Fiktion darstellen. Sie seien gewissermaßen Kulissen, die höchst bequem seien für jene, die kosmische Verbrechen begingen und bei­spielsweise ganze Völker ausrotteten unter der Vorgabe, die Lichtmächte hätten die Eliminierung von „Matrixfehlern“ angeordnet. Speziell im KONFLIKT 19 führt das zu schrecklichen Szenen, aber das alles ist keine Angelegenheit der Spätzeit, sondern auch in KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ gibt es bereits derlei mörderische Auswüchse.

Und ja, wie bequem ist es doch, für Auftraggeber zu arbeiten, die so unendlich weit entfernt sind und in einem Domizil residieren, das man nicht aufsuchen kann, ohne zu verbrennen? Das ist doch wirklich äußerst nützlich. Ein wenig so, als wäre man Richter und Henker in einer Person und sonst niemandem mehr Rechenschaft schuldig.

Solche finsteren Anschuldigungen betreffen selbstverständlich auch den Jen­seitsraum an sich – ich erwähnte schon das Problem, wie jemand, der so weit vom eigentlichen Kampfgeschehen entfernt ist, zeitnah Kontakt zu seinen Trup­pen halten kann. Das wäre etwa so, als würde der Oberkommandierende der amerikanischen Streitkräfte vom Pluto aus versuchen, seine Truppen in Afghani­stan zu beaufsichtigen… ein Ding der Unmöglichkeit. Jedenfalls für unsereins. Aber wissen wir, über welche Technologien die Lichtmächte verfügen? Aktuell nicht, nein.

Der Jenseitsraum mag also Fiktion sein oder nicht – vorläufig müssen wir ihn so behandeln, als gäbe es ihn. Aber ansonsten halten wir es mit dem griechischen Philosophen Epikur und seiner Sicht der Götter: wenn es sie gibt, bekümmern sie sich nicht um uns, also gibt es keinen Grund, sie zu fürchten. Da die Licht­mächte im OSM so gut wie nie in personam in den KONFLIKT eingreifen und der Jenseitsraum eher eine Legende als irgendetwas sonst ist, können wir hier ver­mutlich wirklich analog verfahren: denken wir uns den Jenseitsraum einfach als Möglichkeit am Rande unserer Wahrnehmung und konzentrieren uns ansons­ten darauf, mit den Alltagsproblemen klarzukommen. Das tun schließlich die Baumeister und Oki Stanwer auch. Bleibt ihnen ja gar nichts anderes übrig…

Soviel zu diesem legendären Schauplatz Nr. 10. In der nächsten Woche geht es weiter in der Rubrik „Was ist eigentlich der OSM?“ Nicht verpassen, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

es ist immer ein wenig bedauerlich, in der heutigen Zeit an das Ende von Kurz­zyklen zu gelangen – ich sagte verschiedentlich schon, dass es seit ein paar Jah­ren in Mode gekommen ist, seitens der Verlage eine stärkere Betonung auf Kurzzyklen im Buchprogramm vorzunehmen. Namentlich gilt das für erotische Romane, wo man es zumeist mit Trilogien zu tun hat, manchmal auch mit Vier­teilern (Zyklen mit sieben oder mehr Bänden wie bei Anna Todd oder Vina Jack­son sind seltener). In diesem Fall fiel es mir besonders schwer, Abschied zu neh­men.

Das will was heißen? Oh, aber ganz gewiss, Freunde!

Ihr werdet das in den bisherigen Rezensionen der ersten beiden Bände sicher­lich deutlich registriert haben, dass hier starke Sympathie für Cassie Robichaud und die Organisation S.E.C.R.E.T. in meinen Reflexionen mitschwingt, und das ist völlig korrekt. Die vorliegende Trilogie ist ein Musterbeispiel für eine engagier­te, romantische Autorin, die sich am Ende schwer damit tat, ihre Protagonisten wieder verlassen zu müssen. Ich könnte an dieser Stelle sicherlich auch Sylvia Day mit ihren Hauptfiguren Gideon Cross und Eva Tramell nennen (Rezensio­nen folgen noch) oder Julie Kenner mit dem inzwischen recht ausgedehnten Personen- wie Romankosmos um Damien Stark und seine Frau Nikki Fairchild (üblicherweise unter dem Sammelbegriff „Damien Stark and Friends“ zusam­mengefasst; auch hier werden die Rezensionen anno 2019 folgen).

L. Marie Adeline hat einen Mordsspaß beim Schreiben dieses Buches gehabt, und das lässt sie den Leser spüren. Damit, so würde ich sagen, aber genug der Vorrede. Wer wissen möchte, wie die Geschichte in die Endrunde ging, der lese bitte weiter:

S.E.C.R.E.T. 3 – Enthülltes Geheimnis

(OT: S.E.C.R.E.T. Revealed)

von L. Marie Adeline

Heyne 54581

368 Seiten, TB

9.99 Euro, Mai 2015

Aus dem Englischen von Nicole Hölsken

Alles hätte so gut sein können. Aber das Schicksal will es wieder einmal anders… oder der Autorinnenwille oder die Absprache mit dem Verlag, wie auch immer. Tatsache ist jedenfalls Folgendes:

In Band 1 des Zyklus erlebten wir die Begegnung der 35jährigen verwitweten Kellnerin Cassie Robichaud mit den Frauen der geheimen Gesellschaft S.E.C.R.E.T., deren Ziel es ist, Frauen wie sie wieder an die eigene Sexualität her­anzuführen. In dem Wunsch, ihrem Chef Will Foret wieder näher zu kommen, ließ sich Cassie letztlich auf die Prüfungen ein, die S.E.C.R.E.T. ihr auferlegte und für die sie am Ende ein Armband mit zehn goldenen Charm-Anhängern besaß, jede für eine erfolgreich absolvierte Prüfung. Und zum Schluss des ersten Ban­des sah alles so aus, dass Cassie tatsächlich Wills Herz erobern würde… bis Wills gegenwärtige Freundin Tracina ihm gestand, schwanger von ihm zu sein, wor­auf er ihr pflichtschuldig die Heirat versprach – und Cassie so in die Arme von S.E.C.R.E.T. zurücktrieb.

In Band 2 war die immer noch zutiefst unglückliche Cassie in der Gesellschaft aufgestiegen zur Begleiterin des neuen Schützlings, der jungen Unternehmerin Dauphine Mason. Gleichzeitig, während Dauphines erotische Wunschphantasi­en umgesetzt wurden, die sie bis nach Buenos Aires führten, näherte sich Cas­sie nach und nach immer stärker dem attraktiven Koch Jesse an, mit dem sie oft und regelmäßig das Bett teilte. Ihr Herz hing immer noch an Will, doch er war nun definitiv für sie unerreichbar – wegen Tracina und dem Baby.

Doch gerade als Tracina das Kind bekam, tauchte (und das war jetzt für den Le­ser nur bedingt überraschend) der wahre Vater des Kindes auf, ein Politiker na­mens Carruther. Auf diese Weise wurde Will von Tracina „gelöst“ und war nun wieder „frei“ für Cassie, dem von Anfang an seine ganze Zuneigung galt. Ende gut, alles gut, könnte man sagen… aber wer das dachte, freute sich zu früh.

Cassie wagte es nun sogar, ihren geliebten Will mit zu einem Event von S.E.C.R.E.T. zu nehmen – denn die Gesellschaft wagte jetzt notgedrungen den Schritt in die Öffentlichkeit. Bislang hatte sie sich aus dem gelegentlichen Ver­kauf teurer Gemälde finanziert, doch der letzte Verkauf in Buenos Aires, der 15 Millionen Dollar eingebracht hatte, war unter betrügerischen Bedingungen er­folgt. Der schon im Band 1 in Erscheinung getretene Millionär und Playboy Pierre Castille erwarb es in der Absicht, die Ziele der Gesellschaft stärker beein­flussen zu können. Deshalb war Matilda Greene, die Leiterin von S.E.C.R.E.T., der festen Überzeugung, die Gesellschaft würde alsbald ihre Tore schließen müs­sen, aus schierem Geldmangel.

Wie gesagt, während zwischen Dauphine ihr Glück fand und Cassie und Will of­fenkundig wieder zusammen fanden, hätte am Ende dieses Bandes fast alles gut sein können… wenn nicht ein betrunkener Pierre Castille aufgetaucht wäre, der Cassie unverhohlen unterstellte, eine ordinäre Nutte zu sein und jeden Charm ihres Armbandes mit Sexdiensten gegenüber fremden Männern „er­kauft“ zu haben (wobei er dummerweise aus Erfahrung sprach, denn in Band 1 hatte Cassie mit ihm leidenschaftlichen Sex gehabt).

Diese jähe Offenbarung führte dann zum erneuten Bruch zwischen Will und Cassie und ihrem erneuten Rückzug zu S.E.C.R.E.T. und in die Arme von Jesse. Ich dachte – wie sicherlich auch viele Leserinnen: Will ist so ein Strohkopf! Aber die Handlungsdramaturgie ließ ihm wohl keine andere Wahl. Auch die Zukunft der Gesellschaft stand somit weiterhin auf Messers Schneide.

Dies sind also die Ausgangsbedingungen, unter denen dann das dritte Abenteu­er um Cassie Robichaud stattfindet. Ihr neuer Schützling, offenbar der letzte, fi­nanzbedingt, ist die höchst erfolgreiche, geschiedene farbige Journalistin Solange Faraday, die von ihrem Mann Julius getrennt lebt und deren gemeinsa­mer, zehnjähriger Sohn Gus zwischen ihnen hin und her pendelt.

Während das Café von Will Foret und Cassie Robichaud um ein Restaurant erweitert wird, das Will ungeachtet ihres persönlichen Zerwürfnisses „Cassie’s“ nennt, wo neue Personen die Bühne des Schicksals betreten, wird Solange von S.E.C.R.E.T. rekrutiert und durch ihre ganz private, prickelnde Abenteuerslalom­bahn erotischer Phantasien geschleust. Dabei erweist sich, dass Solange zwar eine mutige Person ist, sie aber über ganz bestimmte Hemmnisse und Schwie­rigkeiten verfügt, die sie in spezieller Weise hemmen.

Da ist beispielsweise das Problem, dass sie eine sehr öffentliche Person ist. Fol­gerichtig macht sie sich sehr, sehr viele Gedanken darum, was andere, die sie kennen, wohl denken werden, wenn sie davon erfahren könnten, was sie gera­de tut – sexuelle Abenteuer mit anderen Personen ausleben als ihrem Exmann Julius. Und erst recht fürchtet sie sich davor, dass Fotos davon an die Öffentlich­keit kommen könnten… was S.E.C.R.E.T. munter dazu nutzt, sie kurzerhand in ein erotisches Fotoshooting zu schleusen und in einem Sexvideo ihre hem­mungslose Lust zu dokumentieren…

Besonders pikant wird die Situation aber, als Solange als Herausforderung for­muliert, dass sie unbedingt mit einem ganz bestimmten Mann zusammenge­bracht werden will, der sich sonst überhaupt nicht in der Öffentlichkeit zeigt – ausgerechnet mit Pierre Castille, der inzwischen in Paris lebt. Matilda hat dage­gen aus sehr verständlichen Gründen massive Einwände, aber Solange bleibt absolut eisern und läuft prompt in eine fatale Falle…

Parallel dazu erfolgt endlich auch mal eine Blende hin zur Ausbildung der männ­lichen Mitglieder von S.E.C.R.E.T., die ja für die Realisierung der Phantasien un­abdingbar sind. Da kommen ein paar niedliche, aufreizende Szenen zusammen. Noch heftiger aber wird es dann gegen Schluss des Romans, als Cassie den nächsten Kandidaten ausbilden soll, diesmal zu ihrer Verblüffung einen Mann, und dazu noch einen, der ihr auf eigenartige Weise sehr bekannt vorkommt, was ganz besonders pikante Probleme hervorruft…

Der dritte, abschließende Band der erotischen Abenteuer um Cassie Robichaud war ein schönes und im hinteren Viertel unsagbar vergnügliches Buch, das ich wieder mal in nur zwei Tagen hemmungslos verschlungen habe, gegen Ende habe ich mit dem Kichern kaum wieder aufhören können, weil es so süß wurde, echt. Allein diese rund 30 Seiten sind den Kauf des Buches gewiss wert. Es war kaum möglich, es aus der Hand zu legen, was an der erneuten verschränkten Kapitelstruktur lag. Zwar endete nicht jedes Kapitel mit einem Cliff-hanger, aber oft genug war das schon der Fall. Und da dann stets ein Solange-Kapitel folgte, war ich als Leser auf süße Weise „genötigt“, stets zwei Kapitel weiter zu lesen… geschickt gemacht von der Autorin! Respekt!

Noch mehr gefallen hat mir dann aber, dass die Bände tatsächlich von Roman zu Roman LÄNGER wurden, dieser hier war 60 Seiten stärker als der Anfangs­band – so sollte es bei Romanzyklen generell sein, da die Struktur komplexer wird und auch die Personenriege üblicherweise zunimmt. Als Negativbeispiel taugt dagegen: „80 Days“ von Vina Jackson. Hier wurden die Bände immer kürzer, da die beiden Autoren nichts Substanzielles zu erzählen hatten. Sie enthielten grundsätzlich nicht soviel Text wie diese vorliegenden Bücher und waren überdies so distanziert-überfliegerhaft gestaltet, dass man mit den Personen nicht wirklich mitfühlen konnte. Mein Tipp darum: haltet euch also als kluge Leser besser an die vorliegende Trilogie, davon habt ihr entschieden mehr, zudem noch für sehr viel weniger Geld!

Die Textsteigerung von Band zu Band signalisiert m. E. deutlich, dass die Verfas­serin sich deutlich stärker als andere Autorinnen in ihre Protagonisten hinein­versetzen wollte und es ihr dann doch recht schwer fiel, am Ende wieder loszu­lassen. Ich hatte das Gefühl, sie hätte gern noch hundert Seiten weiter geschrie­ben… und ich hätte nichts dagegen gehabt, sie auch zu lesen.

Es ist außerdem schön zu sehen, dass wieder einmal ein paar meiner Vermu­tungen nicht eintrafen, und es machte ferner Spaß, mit Solange Faraday eine sehr energische farbige Journalistin kennen zu lernen, die wirklich konzentriert am Erreichen ihrer Berufsziele arbeitete… und dann auf der anderen Seite doch auch die Möglichkeit bekam, ihre Sexualität wieder zu entdecken und zu einem harmonischen Liebesleben zurückzufinden.

Ja, die Handlungsschiene mit Pierre Castille kam mir etwas sehr gekünstelt vor, gebe ich zu. Da zeigte sich, dass sie die anfänglichen Erwartungen an den „Fins­terling“ Castille aus den ersten beiden Bänden nicht wirklich halten konnte. Das ist allerdings ein Problem zahlreicher erotischer Romane, dass sie außerstande sind, wirkliche Bösewichte zu bringen oder wahrhaftig bedrohliche Konflikte. Und natürlich ist Adeline eine Romantikerin reinsten Wassers, die an eine Form von Liebes-Vorbestimmung glaubt… wenn man das zeitig entdeckt, könnte es sehr gut sein, dass die Romane stark an Reiz verlieren. Ich sah diese Pfade zwar auch recht deutlich, und insbesondere der des vorliegenden dritten Romans ist da sehr vielsagend… aber sonst hat er mir sehr gefallen, und ich kann ihn guten Gewissens weiterempfehlen.

Schade halt nur, dass er, wiewohl der längste der Trilogie, immer noch zu kurz war und zu schnell ausgelesen – nun, ihr kennt das ja: Gute Bücher sind immer zu kurz. Bei dem hier trifft diese Feststellung definitiv den Nagel auf den Kopf.

Klare Leseempfehlung!

© 2017 by Uwe Lammers

Aus dem sonnigen Süden der Vereinigten Staaten machen wir in der kommen­den Woche – Vorsicht, Kontrastprogramm! – eine Stippvisite in einer wirklich frostigen Ecke der Welt. Da zieht ihr euch aber besser gut an… alles Weitere er­fahrt ihr dann in der kommenden Woche. Ich freue mich schon auf euren Be­such.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe

Liebe Freunde des OSM,

wie jüngst versprochen, als ich die letzte Eintragung in dieser Blogrubrik vor­nahm (Blogartikel 284 vom 12. August 2018), werde ich heute erzählen, wie das Jahr 2011 kreativ endete, beleuchtet unter dem Stern der Annalen. Der Monat Dezember 2011 schloss mit 18 beendeten Werken, von denen wieder die Majo­rität der Abschrift- und Konvertierungsarbeit am KONFLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM) entstammte.

Leider hielt sich der erhoffte inspirierende Funke in Grenzen. Zwar arbeitete ich außerdem am Glossar der Serie und konnte Band 62 „Chaos in Gondaur“ als neues Werk abschließen und einige weitere Episoden weiter bearbeiten oder neu beginnen (darunter die Episoden 60: „Die Blockadebrecher“, 63: „Geka­pert!“, aber auch 56: „Brückenschlag der Nosh“, 68: „Jenseits der Sterne“, 53: „Fluchtziel Koloron“ und 54: „Das Vernichtungssystem“), aber ihr spürt das schon: Verzettlung. Statt mich intensiv auf eine Sache zu konzentrieren, ver­suchte ich, an allen möglichen Baustellen voranzukommen.

Sinnlos.

Deshalb gelang es auch nicht, die Annalen-Geschichten „Auf Space“, „Eine scharf geschliffene Waffe“ oder „Ein Alptraum namens Koloron“ signifikant weiter zu entwickeln. Alles blieb im Halbgaren, und der Monat Dezember 2011 prunkte nicht mit irgendwelchen interessanten, abgeschlossenen Einzelwerken.

Nun, dennoch blickte ich auf insgesamt 181 fertige Werke für 2011 zurück,das war doch ganz ordentlich. Mein Blick richtete sich nunmehr auf den Januar 2012, und ich hoffte, durchaus mit einiger Berechtigung, dann mit neuem Elan durchzustarten.

Geschah das?

Jein, möchte ich aus dem Heute heraus urteilen. Glücklicherweise gelang es mir, bis zum Jahresende 2011, nahezu alle Restbestände der nicht digitalisierten Epi­soden von KONFLIKT 19 einzuarbeiten, so dass diese Baustelle damit fast vom Tisch war – was einer der Gründe sein dürfte, warum ich an so vielen neuen Episoden schrieb. Im Januar 2012 machte ich darum was? Man ist fast geneigt zu sagen: natürlich machte der Uwe das… und ich kann das nicht abstreiten. Manchmal bin ich einfach sehr berechenbar.

Ich begann mit der nächsten Baustelle.

Sie hieß: KONFLIKT 21. Konkret: „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“ (FvL). Auch hier war das Problem das nämliche wie in KONFLIKT 19, allerdings nicht so dras­tisch. Hier waren es nur 11 Episoden im Schreibmaschinenformat, ab Episode 12 brauchte ich nur noch neu zu formatieren, was ich denn auch geschwind tat. Außerdem – und das hätte ich vermutlich nicht tun sollen, aber der Jahresan­fang verlieh mir wieder neuen Schwung und Energie, und irgendwie fühlte ich mich da unbesiegbar – nahm ich mir auf nämliche Weise auch KONFLIKT 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ (DSj) vor. Zunächst mit den Neuformatierun­gen, beginnend mit Band 26 „UFO-Alarm in Nevada“.

Ja, da geht es um UFOs, unter anderem. Aber die Episoden waren in den späten 90er Jahren formatiert worden und sahen nun… gruselig aus. Zu breite Ränder, zu archaische Rechtschreibung und dergleichen. Viel Arbeit also.

Insgesamt kam ich auf 24 vollendete Werke, aber wie oben schon angedeutet: primär Abschriften und Neuformatierungen.

War das alles? Nein, glücklicherweise nicht.

Ich konnte in diesem Monat außerdem mit „Vektoren der Vernichtung“ den Band 1700 des OSM vermelden, das war der erste Band des zweiten Zyklus des KONFLIKTS 9 „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“ (DKdO). Der phantastische, fu­riose Magellan-Zyklus mit seinen sechzehn Episoden lag nun hinter mir, und es galt, einen kleinen Zeitsprung über ein paar Jahre in die Zukunft zu vollführen und einen neuen Handlungsschauplatz und neue Protagonisten einzuführen: das untergangene Alli-Kaiserreich von Trandin und die unterdrückten, verspreng­ten Trand-Allis… eine nervenaufreibende, aber tolle Geschichte mit dem wage­mutigen Trand-Alli Reshtaar in der Hauptrolle. Von ihm werdet ihr beizeiten noch mehr hören.

Während ich derweil beruflich im Projekt „Kommunale Amtsträger“ weiter fort­fuhr, Daten über die Bürgermeister des Landes Braunschweig zu sammeln und hier bald in den vierstelligen Bereich vorstieß und dabei mit Hilfe der Heimat­pfleger bis ins Mittelalter zurückging, fuhr ich im Februar 2012 fort, die Ab­schriftarbeiten und Neuformatierungen zu forcieren. KONFLIKT 28 einerseits, KONFLIKT 21 andererseits. So kam ich bis Ende des Monats auf insgesamt 19 Werke.

Und ja, es gab da einen herausragenden Peak. Ich deute das nur kurz an, weil das nicht zum OSM und damit nicht zum zentralen Thema dieser Blogartikelrei­he gehört: am 2. Februar schloss ich Teil 1 des Romans „Die Kolonie Saigon II“ ab, immerhin 120 Seiten lang. Es sei vermerkt, dass der Roman bislang aus sechs Teilen besteht und eine ganze Reihe von „Anhängen“ hat, die individuelle Kolonistenschicksale schildern. Ob das langfristig so beibehalten wird, kann ich noch nicht sagen.

Der Roman, ein erotischer SF-Roman, beschreibt im Rahmen der Welt des „Erotic Empire“, wie eine irdische Raumexpedition die Dschungelwelt Saigon II besiedelt. Ein paar tausend Kolonisten finden offenbar eine ideale Welt zum Le­ben vor – üppige Vegetation, tropisches Klima, keine Parasiten, keine Krank­heitskeime… perfekt.

Aber jedes Paradies hat eine Schlange.

In diesem Fall ist es ein Mikroorganismus, dessen Gefahr nicht erkannt wird. Man nennt es den „Beschleuniger“, weil seine Wirkung ausdrücklich positiv zu sein scheint: er beschleunigt den Heilungsprozess bei Verletzungen, er stählt die Physis der Kolonisten, steigert ihre Kräfte und ihr Leistungsvermögen. Männer sind auf einmal zu erstaunlichen sexuellen Ausdauerleistungen fähig, die Frauen erleben glühende, unfassbare Orgasmen und sind sehr bald sexuell unglaublich sensitiv. Negative Folgen? Nicht feststellbar.

Alles sieht paradiesisch aus.

Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, als ein Biochemiker seine Assistentin einem un­ethischen Experiment unterzieht und er so einen entsetzlichen Blick in die nahe Zukunft wirft. Und dann kommt diese frivole andere Kolonistin daher, die im ko­lonialen Ministerium ihren Vorgesetzten zu verführen versucht, indem sie sich immer aufreizender kleidet… und dann immer weniger kleidet…

Niemand kann sich vorstellen, dass das der Anfang vom Untergang der Kolonie ist – aber genau das ist es. Die Kolonie Saigon II entgleist in einen wahnsinnigen, rauschhaften sexuellen Alptraum, und Dinge geschehen, die jeder gescheite Po­litiker für unmöglich gehalten hätte…

Inzwischen hat der Roman über sechshundert Seiten, aber ich bin noch ziemlich weit von der Fertigstellung entfernt. Er kostete mich im Januar und Februar 2012 aber eine Menge an Energie und Zeit.

Außerdem investierte ich im Februar einiges an Kraft in diverse OSM-Glossare und OSM-Lexika und kümmerte mich zudem um die Neuformatierung der Epi­soden des KONFLIKTS 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI).

Warum dies?

Nun, das hatte noch nichts mit meinem E-Book-Programm zu tun, dazu sollte ich ja erst später in diesem Jahr kommen, das deutete sich noch nicht einmal an. Aber ich hatte damit so ziemlich die letzte „begonnene“ OSM-Serie vor mir, deren Formatierungen schon fast 10 Jahre alt waren, und sie sahen weitgehend nicht besser aus als in KONFLIKT 19 oder KONFLIKT 21. Also war die hiesige Re­form eigentlich nur eine Frage der Zeit. Ich wollte einfach das rechts hinter mei­nem Arbeitsplatz befindliche Regal mit den begonnenen OSM-Ebenen endlich in einen ordentlichen Zustand bringen.

Diese Arbeiten hatten auch durchaus befruchtende Effekte auf die Serien, an denen ich nun schrieb. So entstand mit „Sinuu, die Rebellin“ der erste Teil eines neuen Mehrteilers der FvL-Serie, mit einer aufsässigen, raffinierten Berinnyerin in der Hauptrolle, von der ich euch beizeiten auch mehr erzählen werde.

Auch fand ich im Laufe des Februars überraschend in meinem umfangreichen Ordnermaterial einen lange gesuchten Band wieder – nämlich den frühesten erhaltenen Roman zum Thema Oki Stanwer Mythos. Dazu muss ich etwas mehr sagen.

Wie ihr euch entsinnt, habe ich vor einer Weile etwas zu den „BÜCHERN“ ge­schrieben, meinen wirklich langen Romanprojekten (Blogartikel 278 vom 1. Juli 2018). Dabei habe ich ein Werk ausgespart, weil es nicht so ganz in die Reihe passte. Tatsache ist aber, dass „Der stählerne Tod“ recht eigentlich der Anfang meiner langen Werke ist. Dieser Roman wurde 1979 fertig gestellt und hat mehr als zweihundert handschriftliche Seiten. Ich habe schon lange vor, ihn ein­zuscannen, und gewiss werde ich das irgendwann in den nächsten Jahren auch machen. Aber vorher – und damit begann ich in diesem Februar 2012, nachdem ich den Ordner mit dem Skript wieder gefunden hatte – möchte ich ihn in einer kommentierten Version abschreiben und digitalisieren.

Das wird kompliziert, ich habe das schon dort gemerkt. Das Werk ist unter an­derem auch Ausdruck meiner damals begrenzten Konzentration: jede einzelne Textseite hat eine eigene Kapitelüberschrift, manchmal mit mehreren Teilen, das gesamte Werk ist quasi-episodisch aufgebaut, durchsetzt mit farbigen Illus­trationen, mal schlicht, mal anspruchsvoll.

Stark angelehnt an meine damalige Heftromanlektüre (primär „Ren Dhark“-Zweitauflage), z. T. bis in die Namen hineingehenden Übernahmen, erwies sich die Geschichte als so chaotisch und uneinheitlich, dass eine Einarbeitung des Werkes in den Oki Stanwer Mythos strikt unterbleiben musste.

Problem: hier tauchten Figuren wie die Baumeister auf, Oki Stanwer, Klivies Kleines, TOTAM, die Totenköpfe… all das ist hier schon angelegt und wird mun­ter verquickt mit Topoi aus dem „Herrn der Ringe“, „Ren Dhark“, SF-Filmen wie „Mondbasis Alpha“ und anderem, was mich damals beeinflusste.

Chaos? Ja. Aber schönes, kreatives Chaos, das mir einen unverfälschten Blick auf heiß hochkochende Schreibenergie meiner Frühzeit eröffnet. Heutzutage fast beängstigend wild. Auch hierzu werde ich beizeiten sicherlich mehr sagen, für den Moment mag es hinreichen, dass ihr wisst, dass dies eine weitere Bau­stelle ist, an der ich zu arbeiten begann, als der Monat Februar 2012 ausklang.

Damit schließe ich für den Moment wieder die Kiste der Erinnerungen. In der kommenden Woche suche ich mit euch dann wieder einen „legendären Schau­platz“ auf, und da landen wir echt mitten im Mythos. Lasst euch mal überra­schen, wohin wir dort reisen.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 188: Die Diebe von Bagdad

Posted Oktober 31st, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wer von euch jetzt denkt, ich habe den Titel falsch zitiert und glaubt, ich meinte doch wohl recht eigentlich „Der Dieb von Bagdad“, also einen alten Hollywood-Film, der hat sich bei mir in den falschen Blog verlaufen. Ich rezensiere (übli­cherweise) keine Filme. Gelegentliche Ausnahmen kommen vor.1 Es kann aber andererseits als sicher gelten, dass der Übersetzer bzw. Verantwortliche im Ver­lag, höchstwahrscheinlich sogar schon in den USA, diese Anspielung im Titel vollkommen beabsichtigt einfügten (wie ich schon in der Rezension selbst ver­mutet habe).

Gleichwohl sei gleich darauf hingewiesen, dass es sich nicht um eine humorvol­le Geschichte handelt, wiewohl sie unbestreitbar abenteuerlich ist. Und durch den Verfasser entbehrt sie dann definitiv auch nicht gelegentlich witziger Passa­gen, was sie sehr lesbar macht. Grundsätzlich aber geht es hier um ein Verbre­chen von unglaublichen Dimensionen und um den Versuch, das Diebesgut wie­der ausfindig zu machen – eine Aufgabe, die meiner Vermutung nach immer noch andauert und so schnell wohl auch nicht zufriedenstellend abgeschlossen werden kann.

Wir haben es mit Kunstraub zu tun, mit organisiertem Verbrechen – und mit den Taten einer kleinen Gruppe entschlossener, rechtschaffener Männer, die bereit waren, Vorschriften einfach mal Vorschriften sein zu lassen und zu tun, was ihnen ihr Gewissen eingab, allen voran der Berichterstatter Colonel Matt­hew Bogdanos.

Bereit für seinen Reisebericht in den Alptraum? Dann folgt mir einfach. Auf in den Kampf und den Irak des Jahres 2003:

Die Diebe von Bagdad

Raub und Rettung der ältesten Kulturschätze der Welt

(OT: Thieves of Baghdad)

Von Matthew Bogdanos

DVA, 436 Seiten, geb.

München 2006

ISBN 13: 978-3-421-04201-9

Aus dem Amerikanischen von Helmut Dierlamm

Scheinbar beginnt die Geschichte mit einer mehrfachen Katastrophe: Colonel Matthew Bogdanos befindet sich am 3. Mai 2003 im Irakischen Nationalmuse­um und versucht sich mit seinem Team und den wieder aufgetauchten Muse­umsmitarbeitern ein Bild davon zu machen, wie verheerend die Auswirkungen der in den Medien verbreiteten Plünderung tatsächlich sind. In den medial ver­heerenden Berichten ist die Rede davon, dass 170.000 antike Artefakte aus dem Irakischen Nationalmuseum in Bagdad geraubt worden sind, und, schlimmer noch, dass die amerikanischen Interventionstruppen zwar das Ölministerium bewachen ließen, aber nicht das Museum, das daraufhin von einem fanatischen Mob gestürmt und ausgeraubt worden sein soll.

Bogdanos befindet sich vor Ort, um wenigstens Schadensbegrenzung zu betrei­ben, vielleicht auch, um die Wahrheit herauszufinden. Denn er stellte schnell fest, dass hier einiges nicht stimmt. An diesem 3. Mai 2003, als er mit der Mu­seumsdirektorin Dr. Nawala al-Mutwali, seinen Marines und einer Gruppe von BBC-Fotoreportern in die Kellerräume des Museums hinabsteigt, wo in Räumen unter anderem Tausende von kostbaren Tonsiegelzylindern und Goldmünzen sein sollen, erlebt er ein Drama ganz eigener Art.

Die Lagerräume haben zwei Zugänge, wie Nawala nach Zögern zugibt. Zu dem einen sind die Schlüssel derzeit nicht auffindbar. Der zweite aber ist ein Ge­heimzugang, der zugemauert worden ist. Doch als sie vor Ort sind, entdecken sie, dass die obersten Reihen der Ziegel herausgebrochen sind. Die Diebe sind hier eingedrungen – der Raum dahinter, voll von braunen Metallspinden, ist kniehoch mit leeren Pappschachteln übersät. Dass sie grundsätzlich leer waren, wird erst später klar. Der Moment ist aber traumatisierend… und Nawala bricht ohnmächtig zusammen und kollabiert in der stickigen, finsteren Hitze der Kel­lerräume. Sie ist nicht transportabel.

Bogdanos halluziniert schon panisch von einer grässlichen Schlagzeile: „Be­rühmte irakische Expertin stirbt in amerikanischem Gewahrsam.“ Zweifellos das Allerletzte, was er sich wünschen könnte.

Es erweist sich aber als schwierig, Nawala Hilfe zukommen zu lassen, denn sie ist Muslimin, und das macht Rettung durch männliche Hilfskräfte undenkbar. Also brauchen sie ein paar Frauen aus dem Erdgeschoss hier unten – nächstes Problem: sie verstehen kein Englisch, und Bogdanos kann nicht hinreichend Ara­bisch. Nächstes Problem: sie weigern sich, in Gegenwart von Männern aktiv zu werden (das nächste Tabu). Außerdem hat das inzwischen wie ein Lauffeuer kursierende Gerücht von Nawalas Tod schon um die 40 Schaulustige in den Kel­ler gebracht… und der Keller ist immerhin nach Bogdanos´ eigener Auffassung ein Tatort, an dem Spurensicherung stattfinden soll…

Kurzum: es gelingt, Nawala am Leben zu erhalten und Rücksicht auf ihre Gefüh­le zu nehmen. Doch zeigt dieses kurze Schlaglicht am Anfang von Bogdanos´ Buch sehr deutlich mehrere Dinge. Zum einen, dass entgegen vereinfachender journalistischer Berichterstattung die Sachverhalte vor Ort in Bagdad in den Wochen, in denen die Stadt von den alliierten Interventionstruppen eingenom­men wurde, alles andere als simpel und einfach waren. Und zweitens, dass US-Soldaten keineswegs als befehlshörige, kulturell banausenhafte Trottel und Kommissköppe zu verstehen sind, sondern man sie grundsätzlich mit allen Vor- und Nachteilen als das ansehen muss, was sie sind: nämlich Menschen mit Vor­schriften, kulturellen Vorprägungen und Unsicherheiten, die natürlich manch­mal auch Fehler im Gefolge haben können.

Matthew Bogdanos ist eigentlich in seinem zivilen Beruf Staatsanwalt in Man­hattan, ist verheiratet und hat mehrere Kinder. Er stammt von einer Familie griechischer Einwanderer ab, sein Vater betreibt während seiner Kindheit meh­rere griechische Lokale in New York, und es gibt eine Menge zu lesen über Bog­danos´ faszinierende Kindheit. Doch, man kann dieses Buch nicht nur unter dem Aspekt genießen, dass es uns in den Irak entführt und zu den ältesten Kul­turschätzen des Zweistromlandes, sondern auch als eine beeindruckende und sehr humorvoll geschriebene Biografie des Erzählers. Und das erweist sich auch als zwingend erforderlich, wie man schnell entdecken soll.

Es ist eigentlich gar nicht intendiert, dass Bogdanos zum Militär geht, im Gegen­teil, es ist auch nicht ausgemacht, dass er Staatsanwalt wird. Stattdessen wird er von seinen Eltern darauf vorbereitet, ein Restaurant zu übernehmen, und es ist davon zu lesen, wie er dort serviert, wie er zur Unterhaltung der Gäste griechische Tänze vorführt und dergleichen… was äußerst vergnüglich und kurzweilig ist. Und er saugt mit der Lektüre seiner Kindheit die griechisch-römischen Klassiker in sich hinein, schläft mit der „Ilias“ unter dem Kopfkissen wie weiland Alexander der Große, und die Geschichte Griechenlands und des alten Mesopotamien begeistert ihn schon als Kind.

Aber er soll ja ein Restaurant übernehmen, nicht wahr?

Wie er dann auf dem Umweg über das Tanzstudio seine Boxerqualitäten ver­bessert und schließlich den alkoholseligen Entschluss fasst, ins Marine Corps einzutreten (wofür man zuvor studieren muss, was er eigentlich gar nicht im Sinne hatte), und wie er dann im Griechischunterricht den Lehrer bei der Inter­punktion korrigiert… also, diese Dinge sollte man echt gelesen haben, ganz gleich, ob man US-Soldaten mag oder nicht. Das macht einfach Spaß und cha­rakterisiert den Verfasser auf wunderbar warmherzige Weise. Man muss ihn danach ganz einfach mögen.

Es dauert auch geraume Zeit, bis man eigentlich versteht, wie er in den Irak kommt, und dafür spielt die traumatisierende Erfahrung des 11. September 2001 massiv hinein in die Geschichte, die Bogdanos hautnah in New York macht. Zornig über diese Attacken und bereit, das Leben seiner Familie und sei­nes Landes zu verteidigen – man erinnere sich daran: er hat das Heldenethos der Antike durch seine Lektüre in sich aufgesogen, und das schlägt sich massiv in seinen moralischen Vorstellungen nieder – , meldet er sich freiwillig und wird natürlich von seinen Vorgesetzten für diesen Dienst freigestellt.

Zu dieser Zeit ist Bogdanos schon dreizehn Jahre Staatsanwalt in New York, und besonderen Wert legt er dabei auf Spurensicherung und Strafverfolgung (durchaus mit Qualitäten, die einem Sherlock Holmes zur Ehre gereichen wür­den). Folglich wird er auch nicht als Kampfsoldat eingesetzt, als er im Südirak bei Basra in den Einsatz kommt, sondern er und sein gemischtes Team aus Er­mittlern unterschiedlichster Behörden sucht nach Hinweisen auf Devisen­schmuggel, Verbrechen des Regimes, verschwundene Menschen und derglei­chen.

Und hier in Basra hört er zum ersten Mal von dem Vorfall, der sein Leben verän­dern soll. Am besten ist hier ein Zitat:

Wir konnten in 20 Tagen nicht alle Bedürfnisse der irakischen Bevölkerung be­friedigen, aber im Rahmen der Operation Desert Scorpion wurden 1000 Anhän­ger von Saddam festgenommen und 9.463.000 US-Dollar, 1.557.000.000 iraki­sche Dinar, 1071 Goldbarren und zahlreiche unerlaubte Waffen beschlagnahmt.

Trotzdem war nicht jedermann erfreut über unsere Arbeit.

Am 15. April [2003] war ich wieder in Basra, als eine wütende Journalistin auf mich zurannte und schrie: „Ihr Macho-Arschlöcher sucht hier unten nach Geld und Raketen, und in Bagdad ist gerade das schönste Museum der Welt ausge­raubt worden.“

Ich rief Senior in unserem Quartier in Um Kasr an, berichtete ihm von dem Vor­fall und sagte: „Wovon zum Teufel spricht die eigentlich?“

Er sagte: „Ich kriege es heraus, Sir.“

Ich sagte: „Ich will es sofort wissen.“2

Nun, und dann kommen Schlagzeilen wie diese zutage, und nichts davon ist ir­gendwie witzig:

MUSEUM TREASURES NOW WAR BOOTY (Museumsschätze jetzt Kriegsbeute). „Alles, was sich wegtragen ließ, ist aus dem Museum verschwunden.“ Associa­ted Press, 12. April 2003.

PILLAGERS STRIP IRAQ MUSEUM OF ITS TREASURES (Plünderer rauben dem Irakmuseum seine Schätze). „Es dauerte 48 Stunden, bis das Museum zerstört war und die Plünderer mindestens 170.000 Artefakte entwendet hatten.“ New York Times, 13. April 2003.

U.S. BLAMED FOR FAILURE STOP SACKING OF MUSEUM (USA wird vorgeworfen, die Plünderung des Museums nicht gestoppt zu haben.) „Nicht ein einziges Ge­fäß und keine einzige Ausstellungsvitrine blieben intakt.“ Independent, 14. April 2003.

Für Bogdanos und seine Leute ist in diesem Augenblick schlagartig klar: dies ist ihr Fall. Sie sind die einzigen Strafverfolgungsexperten im Land, und es ist keine Zeit zu verlieren, auch wenn um Bagdad zu diesem Zeitpunkt noch gekämpft wird und von Lageberuhigung keine Rede sein kann. Jeder Tag Verzögerung be­deutet zum einen, dass sich die Empörung im internationalen Raum über die „Kulturbarbarei“ der US-Soldaten, wie man schnell sagt, ausbreitet, zum ande­ren aber, und das ist für Bogdanos ungleich wichtiger, je mehr Zeit sie verlieren, desto weniger aussagekräftig sind die Spuren. Desto mehr Zeit bleibt den Plün­derern, das Raubgut wegzuschaffen, womöglich aus dem Irak heraus… und die Chancen, die Dinge dann wiederzubekommen, sind ungleich schlechter, als wenn man zeitnah vor Ort aktiv wird.

Bogdanos überschreitet also seine Befugnisse, trommelt eine Gruppe von Leu­ten zusammen, die er für qualifiziert und befähigt hält, ihn in seiner Arbeit zu unterstützen, und er macht sich direkt auf den Weg in die Kampfzone.

Bagdad hat natürlich für Bogdanos mit seiner historischen Vorbildung einen sa­genhaften Klang, und alle Stätten, an denen er vorbeikommt, sind durch Jahr­tausende glorreicher Geschichte geprägt, wenn auch inzwischen weitgehend desolat und heruntergekommen. Und das Nationalmuseum in Bagdad erweist sich dann schließlich als ein einziger Alptraum, in mehrfacher Hinsicht.

Zum einen handelt es sich nicht um ein Gebäude, sondern um einen gewaltigen Komplex, der sich über 4,5 Hektar erstreckt, also 45.000 Quadratmeter. Zum zweiten finden Bogdanos und sein Team auf dem Gelände so wenig vertrau­enerweckende Dinge wie Scharfschützenstellungen, ausgehobene Verteidi­gungsgräben, Splitterschutzwände und Hunderte von abgefeuerten Munitions­hülsen, später sogar raketengetriebene, panzerbrechende Munition. Es erweist sich darum, dass das Museum von der irakischen Staatsführung durch die Repu­blikanischen Garden planmäßig zu einer Abwehrbastion ausgebaut worden ist (und in der Tat wird von dort aus ein Panzer der Amerikaner beschossen – als er zurückschießt, stanzt seine Granate ein Loch in die Fassade des Kindermuse­ums, das an das Museum angebaut worden ist. Es wird in der medialen Bericht­erstattung aber gern vergessen, dass genau dort, wo die Granate einschlug, ein Raketenschütze mit panzerbrechender Waffe stationiert war, dass dies also ei­nen Akt der Notwehr darstellte).

Noch schlimmer: die meisten Museumsmitarbeiter sind Mitglieder der Baath-Partei, also Saddam Husseins Parteigänger (was für ganz besondere Komplikationen in der Folge sorgen sollte). Und dann diese Kompetenzen… dieses Miss­trauen…

Niemand hat alle Schlüssel für alle Bereiche des Museums. Manche Bereiche sind nur gewissen Personen vorbehalten. Es gibt keine übersichtlichen Listen der Artefakte, von vollständigen mal ganz zu schweigen. Bogdanos und seine Mitarbeiter stellen zudem schnell fest, dass auch Wahrheit etwas ist, dessen Grenzen im Museum fließend sind. Die Museumsmitarbeiter widersprechen einander, halten gezielt Informationen zurück.

Und es wird bald immer deutlicher: die in den Medien genannten Zahlen sind utopisch überzogen. Viele dort referierte „Fakten“ sind einwandfrei falsch. Es gibt erhaltene Vitrinen. Viele Vitrinen sind bereits vor der Plünderung leer ge­wesen. Zahlreiche Kunstwerke sind an andere Orte ausgelagert worden (aber niemand rückt damit heraus, wohin). Manche Artefakte können relativ bald im Zuge eines einmaligen Amnestieprogramms wiederbeschafft werden (in der Re­gel gegen eine Einladung auf eine Tasse Tee).

Aber es gibt eben auch ein paar sehr beunruhigende Fakten, die besonders die wichtigsten Exponate des Museums betreffen, etwa den so genannten „Frauen­kopf von Warka“. Sie werden in einen Restaurierungsraum gebracht, nicht gesi­chert und im Vorfeld der Invasion von dort gestohlen. Bogdanos resümiert, dass sich das eigentlich durchaus danach anhört, als habe ein finanziell potenter Sammler gewissermaßen seine Wunschliste zusammengestellt und dann ein­fach im Museum einsammeln lassen, was er gerne haben wollte.

Überhaupt konstatiert der Verfasser gegen Ende des Buches höchst kritisch und zutreffend, dass eine konzertierte Arbeit gegen internationalen Schmuggel – und dabei ist ja die Plünderung des Irakischen Nationalmuseums nur der An­fang – zumeist im Ausland unterbunden wird, weil Museen, Sammler und Politi­ker miteinander im Grenzland des schwarzen Antiquitätenhandels dicht verfilzt sind. Viele Stücke, die damals 2003 im Irak tatsächlich gestohlen wurden, sind bis heute nicht wieder aufgetaucht (wenigstens nicht bis zur Publikation des Bu­ches). Hier sei, sagt Bogdanos, und das tut er mit Recht, noch viel zu tun, um derlei Verfilzungen aufzulösen und die Strafverfolgungsbehörden auszubilden und zu unterstützen. Er selbst ist seit dem Ende seiner aktiven Dienstzeit im US-Militär wieder bei der New Yorker Staatsanwaltschaft tätig, wo er weiter gegen den illegalen Kunst- und Antiquitätenhandel ermittelt.

Man erfährt also in diesem vielseitigen, packenden und sehr lebendig geschrie­benen und übersetzten Buch sehr viel über das Thema des Raubzugs im Natio­nalmuseum von Bagdad (und ja, der Titel ist natürlich eine Anspielung auf den Film „Der Dieb von Bagdad“, wie überhaupt das gesamte Buch von unglaublich vielen Zitaten und historischen Seitenhieben wimmelt – wer also eine umfas­sende Bildung besitzt, kommt hier voll auf seine Kosten!). Und ja, natürlich be­kommt man auch eine ganze Menge mit über das US-Militär… solche Passagen kann man, wenn man sich damit nicht anfreunden möchte, natürlich etwas flüchtiger lesen. Es ist nur wichtig, festzuhalten: es handelt sich bei dem Buch nicht um eine apologetische Schrift eines amerikanischen Soldaten höheren Dienstgrades. Vielmehr geht es Bogdanos tatsächlich darum, darzustellen, dass er und sein Team sich – oft auch gegen bürokratische Vorbehalte der Vorgesetz­ten – idealistisch eingesetzt haben, um ein Verbrechen aufzuklären.

Dieses Ziel wird weitgehend erreicht. Und dass Bogdanos dafür auch seine indi­viduelle Biografie in die Waagschale wirft, um verständlich zu machen, warum er so gehandelt hat, wie er handelte, macht das Buch noch lesenswerter und weckt Hoffnung. Hoffnung darauf, dass zum einen bei den US-Streitkräften nicht nur Kraftmeier und ideologische Scheuklappendenker sind (Bogdanos ent­spricht diesem gern in den Medien gebrauchten Klischee wirklich gar nicht), zum anderen aber auch darauf, dass die Journalisten einmal lernen sollen, aus ihrem kurzatmigen Trott aufzuschrecken, der sie vielfach Sensationsmeldungen nachlaufen lässt, die nachher – nicht selten jahrelang – mühsam dementiert werden müssen, weil sie schlicht falsch sind.

In diesem besonderen Fall war die spektakuläre Beschädigung des irakischen Kindermuseums und die Plünderung des Irakischen Nationalmuseums natürlich ein gefundenes Fressen für antimilitaristische Berichterstattung weltweit, die höchst bereitwillig das US-Militär als Horde von stumpfsinnigen, obrigkeitshöri­gen Kulturbarbaren im Dienste George W. Bush jrs., „schlimmer als Dschingis Khan“ (!), hinstellten.

Wer indes wissen möchte, wie die Dinge tatsächlich abgelaufen sind, sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen. Es ist in der Tat, wie der Klappentext sagt, „eine Mischung aus Kunstkrimi und Abenteuergeschichte“. Und sie lohnt jede Stunde der Lektüre.

© 2013 by Uwe Lammers

Ich halte auch nach fünf Jahren dies immer noch für ein Werk, das einer breite­ren Leserschaft sehr ans Herz gelegt werden sollte. Insbesondere in Zeiten, in denen die Medien voll sind von Schreckensmeldungen über Plünderungsaktio­nen und Zerstörungen von Kulturgütern vergangener Jahrtausende, beispiels­weise durch die kulturlose Terrormiliz „Islamischer Staat“, die damit schon durch die eigene Namensgebung die islamische Religion in den Schmutz zieht, sollte man sich nicht als Leser, Hörer und Zuschauer der aktuellen Berichterstat­tung mental in fatalistische Stimmung versetzen lassen.

Natürlich sind diese Ereignisse grässlich, das ist unstrittig, und natürlich sollte man sie lieber heute als morgen unterbinden. Aber wer denkt, es gäbe nicht einmal den Hauch eines Lichtstreifs am Horizont, und alles würde nur schwarz in Schwarz gemalt werden, der kann sich neben seiner Hoffnung gleich begra­ben lassen und zur ewigen Ruhe betten. Wer hingegen solche Berichte wie die von Bogdanos liest, begreift, dass es durchaus eine Gegenbewegung gibt und sehr viele Menschen, die bereit und willens sind, gegen derlei Auswüchse des Kulturbanausentums und der Hehlerei anzugehen.

Allein schon aus diesem Grund ist das Buch strikt empfehlenswert, auch wegen der darin geleisteten differenzierten Durchdringung der mitunter sehr theatrali­schen Berichterstattung, die, wie erwähnt, in vielen Fällen schlicht völlig in die Irre geht und nahezu alle relevanten Fakten außen vor lässt.

Ihr versteht, dass ich als Historiker und Fan des alten Orients – aktuell lese ich gerade mal wieder den wunderbaren Klassiker „Götter, Gräber und Gelehrte“ von C. W. Ceram, der meine Neigung zum klassischen Altertum, also zu den Ägyptern, Mesopotamiern und Maya sowie Azteken entflammte, als ich noch ein kleines Kind von 9 Jahren war – dieses Buch nicht nur mit Gewinn gelesen habe, sondern es mir auch ein Herzensanliegen war, es zu rezensieren. Ich hoffe sehr, Bogdanos´ Buch findet auch in diesem Medium des Rezensions-Blogs eine Menge interessierter Leser. Und ich wünsche Staatsanwalt Bogdanos weiterhin viel Erfolg bei seiner Arbeit – hol die geraubten Kulturschätze zurück und be­strafe die Hehler und unrechtmäßigen Neubesitzer, wo du kannst! Halte es mit Indiana Jones, der das bezüglich des Kreuzes von Coronado im dritten Teil sei­ner Filmreihe ausdrücklich ruft: „Es gehört in ein Museum!“

Ganz meine Meinung!

In der kommenden Woche haben wir es dann wieder mit sehr viel sanftmütige­rer Kost zu tun und begleiten Cassie Robichaud in New Orleans in ihrem ab­schließenden dritten Abenteuer im Auftrag der Geheimorganisation S.E.C.R.E.T.

Bis dann, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. dazu den Blogeintrag 125 vom 16. August 2017.

2 Bogdanos, S. 160.

Liebe Freunde des OSM,

dieser Monat des Jahres 2018 hätte sich auch auf einer Wüstenwelt a la Arrakis abspielen können – oder im tropischen Archipel, wie es mir vorkam. Wochen­lang brannte sengende Hitze auf Braunschweig herunter, die Temperaturen la­gen meistenteils um 30 Grad oder höher, was bedeutete, dass es auch in mei­ner schriftstellerischen „Eremitenklause“ im Herzen Braunschweigs deutlich zu heiß war, um kreativ sonderlich voranzukommen. Wie schon verschiedentlich gesagt: wenn die Temperaturen 25 Grad überschreiten, fängt meine Konzentra­tion an, sich zu verabschieden, ich bin unentwegt am Schwitzen, dehydriere und verfalle in unkreative Apathie.

Ich tat also das, was ich am sinnvollsten fand: ich zog mich in zwei Bereiche zu­rück, in denen ich nur sehr bedingt kreativ zu sein hatte: Aktualisierung von Lis­ten einerseits, verstärkte Lektüre mit gelegentlicher Rezensionstätigkeit ande­rerseits.

Dass ich dennoch 26 Werke beenden konnte, grenzt eigentlich an ein Wunder. Folgendes kam zustande (falls ihr nachzählt und nicht auf 26 Werke kommt, be­denkt bitte die Rezensionen sowie Rezensions-Blogs, die hier nicht aufscheinen und ebenfalls abgeschlossene Werke darstellen):

Blogartikel 291: Work in Progress, Part 67

(DER CLOGGATH-KONFLIKT – OSM-BUCH (Abschrift))

12Neu 47: Die Gravitationsbändiger

(12Neu 48: Jagd auf den Täuscher)

Anmerkung: Hier entdeckte ich mit einem gewissen Schock, dass ich 1990, als ich das niederschrieb, offensichtlich in einer Zeitschleife einen fundamentalen Baufehler etabliert hatte. Als ich jedoch mit dem Abschreiben und Kommentie­ren dieser Episode voranschritt, reifte in mir – wenn die Temperaturen das zulie­ßen – ein neues Verständnis dieser komplizierten Situation. Und ich denke, ich kann das in der Überarbeitung geschickt bereinigen, ohne zwanghaft diese Zeitschleife zu schließen. Ich habe den Endpunkt entdeckt, und er führt in eine furiose Explosion aus Wahnsinn und Tod. Dazu jetzt mehr zu verraten, wo ihr das im E-Book doch erst in ein paar Jahren nachlesen könnt, hielte ich für verfrüht. Vertraut mir – ich habe die Lage im Griff. Wird ja auch Zeit nach 28 Realjahren…

14Neu 52: REICHSALARM

(Ullikummi – OSM-Story)

Anmerkung: Was für ein possierlicher Name, wie Kaugummi oder so… so könnte man arglos denken. Aber wer das tut und einmal zu tief durchatmet, erleidet ein Schicksal, das schlimmer ist als der Tod. Ullikummi ist eine Geißel des Uni­versums – eine von sechzehn Dämonenwaffen TOTAMS. Manche sagen, er sei die schlimmste, weil er unfähig zu Kompromissen ist und keinem Argument zu­gänglich. Man nennt ihn nicht umsonst den Grauen Tod.

Wenn ich die Geschichte überarbeitet und fertig kommentiert habe, werde ich mich alsbald an die Überarbeitung machen, damit ihr sie alsbald zu lesen be­kommt. Mutmaßlich in einem der Fanzines, die ich mit Geschichten beschicke.1

(E-Book BdC 1: Im Feuerglanz der Grünen Galaxis)

IR 39: Grünes Todeslicht

Anmerkung: Ja, das war eine Art Schnellschuss, unaufhaltsam – der erste Band des Finalzyklus des KONFLIKTS 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR). Ich er­wähnte ja vor ein paar Monaten, dass ich mich in diesem Universum der INSEL unaufhaltsam dem Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen Oki Stanwer und den Baumeistern auf der einen sowie TOTAM und seiner Alten Armee auf der anderen Seite nähere. Davon gibt es alsbald noch mehr zu vermelden…

(IR 26: Odyssee in Uuridan)

(IR 27: Kettenreaktion)

(IR 38: Entscheidung in YALVASHINGAR)

Blogartikel 294: OSM-Kosmologie, Lektion 13: Die Entdeckung des kosmischen Eidotters

Anmerkung: Wie ihr inzwischen seit der vergangenen Woche wisst, erwuchs dieser Blogartikel spontan meiner Ideenflut für den oben schon erwähnten IR-Band 39. Solche Entdeckungen zu machen, ist eine tolle Sache. Und sie bringen auch mich in Sachen OSM-Kosmologie definitiv voran. Denn es ist doch so, dass das alles noch nicht festgezimmert ist, selbst wenn man sich das bei einem Wel­tenkonzept, das inzwischen über 35 reale Jahre existiert, vorstellen könnte. Nach wie vor gibt es hier viele weiße Flecken und für mich immer noch verwir­rende Tatsachen, die ich nur bedingt erklären kann.

Und dann solche Aha-Effekte beim Schreiben zu haben und dank der Blogarti­kelreihe auch die Möglichkeit zu besitzen, diese Entdeckung euch, meinen Le­sern, relativ zeitnah kommunizieren zu können – das ist phantastisch.

(IR 40: INSEL in Flammen)

(TI 48: Das graue Ei)

Anmerkung: Hier war zu spüren, dass die Fertigstellung am E-Book TI 30 „Das Kriegernest“ mich in einen Handlungsstrom der Serie „Oki Stanwer und das Ter­rorimperium“ gespült hatte, wo ich auf schöne Weise weiterschreiben konnte. Band 48 ist die direkte Fortsetzung von Band 30 der TI-Serie. Hier geht es wei­terhin um die Akklimatisierung der Yantihni im Kriegernest, aber sie machen sich nun auch nützlich, lernen neue (und interessanterweise für euch auch BE­KANNTE Völker) kennen. Und dann entdecken sie, dass die Welt im Kriegernest alles andere als harmonisch ist.

Sie steht vielmehr vor einem Bürgerkrieg – und die Yantihni von der RHONSHAAR sind mittendrin…

Blogartikel 292: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 57

(TI 49: Neugierde und Mitleid)

(TI 47: Brückenschlag in die Katastrophe)

Blogartikel 298: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 58

Blogartikel 302: Nächtliche Anfälle

Anmerkung: Nein, nein, Freunde, macht euch nicht zu viele Sorgen wegen die­ses alarmierenden Titels, er ist eher ironisch gemeint. Ironisch und kreativ, um genau zu sein. Er hat viel zu tun mit unplanmäßigem frühem Aufstehen und mit heißen Umwelttemperaturen. Ihr werdet schon noch sehen, wie ich das meine. Ist ja nur noch sieben Wochen hin…

(OSM-Wiki)

Blogartikel 301: Der OSM in Gedichtform (10): Tanz im Smaragdwald

Anmerkung: Wenn ich das richtig gesehen habe, scheint das hier das letzte OSM-Gedicht zu sein. Da natürlich nicht ausgeschlossen werden kann, dass ich mal wieder eins schreibe, habe ich hier – im Gegensatz zu „Der OSM im Bild“ keinen Schlusspunkt gesetzt. Aber aus dieser Rubrik gibt es dann bis auf weite­res erst mal nichts mehr zu vermelden. Ich kann mich dann also anderen The­men widmen. Welchen? Lasst euch überraschen.

(Beweis aus Glas – OSM-Story)

Anmerkung: Nein, nicht schon wieder eine… oder? Doch, Freunde. Schon wieder ein OSM-Fragment, das mir durch den Kopf flirrte und sich nicht wegdrängen ließ. Diesmal entstand die Geschichtenidee, als ich im CLOGGATH-KONFLIKT (CK) das Kapitel um „Stanwers Blutnacht“ (was genau da passiert und warum diese Nacht mehrere tausend Menschen das Leben kostet und Oki Stanwers Ruf rui­niert, verrate ich hier noch nicht) fertig abgeschrieben hatte. Eine in jederlei Weise haarsträubende Angelegenheit.

Ich dachte mir: was ist eigentlich mit den armen Angehörigen der Toten? Und da lief mir diese Frau vor die Füße, die auf die Rückkehr ihres Lebenspartners wartet, der nicht mehr zurückkehren kann… und schließlich fährt sie mit ihrer Schwester gemeinsam wieder nach London hinein, in die „Zone Zero“, wo Häu­ser ausgebrannt sind, die Straßen voller Trümmer liegen und entsetzlichste Din­ge Realität wurden. Dinge, die man mit dem gesunden Menschenverstand gar nicht erfassen kann.

Bislang habe ich nur wenige Seiten skizziert, aber das wird eine Story, die wird mir sehr an die Nieren gehen. Gleichwohl ist sie notwendig und absolut unauf­haltbar. Es wird noch geraume Zeit dauern, bis das jemand dann zu lesen be­kommt, denn die Geschichte ist nur zu verstehen, wenn das CK-Kapitel als E-Book draußen ist. Und da ich mit der E-Book-Umarbeitung des CK gerade ganz am Anfang stehe, ist das vor 2020 sicherlich nicht realistisch.

(Falsche Voraussetzungen – Archipel-Story)

14Neu 51: Kreuzzug des Bösen

(14Neu 53: Das Zeituniversum)

Anmerkung: Damit bricht die spannende zweite Hälfte des 14. KONFLIKTS des Oki Stanwer Mythos an. Eigentlich will der Feldherr der Cranyaa in die Cranyaa-Heimatgalaxis Hun’arc reisen, aber stattdessen strandet er in einer Zeitfalle TO­TAMS und in der tiefen Vergangenheit des Universums… jedenfalls sieht es so aus. Aber diese frühe Universum ist auf schreckliche Weise finsterer und kälter als erwartet. Es stirbt, und geheimnisvolle Mächte treiben hier ihr Unwesen und löschen Sternenzivilisationen aus.

Um zu überleben, gilt es, zwei Aufgaben zu erfüllen: der Tod des Universums muss aufgehalten werden. Und Oki und seine mit ihm gestrandeten Gefährten müssen in die Gegenwart zurück, wo TOTAMS Truppen sich anschicken, das Reich der Cranyaa endgültig zu zerstampfen…

(12Neu 49: Operation Antipol)

(12Neu 50: Aufbruch ins Nirgendwo)

Anmerkung: Und 1990 war es dann auch im KONFLIKT 12 soweit, dass nach der Abwehr der ersten Attacken der Dämonenwaffen von TOTAM auf die Galaxis Koopen, die Heimat der Allis, der Krieg der antagonistischen Mächte des Lichts und der Finsternis in eine neue Phase ging. Dabei sagte Oki Stanwer unmissver­ständlich: Wir brauchen die Hilfe der Baumeister, alleine gehen wir hier unter.

Problem: Die Baumeister waren seit Tausenden von Jahren nicht mehr gesichtet worden. Es hieß, sie hätten sich in ihre Heimatgalaxis Arc zurückgezogen, deren Lage aber niemand kannte.

So machte sich Oki Stanwer mit seinem Schiff SCHATTENBRECHER auf die lange Reise nach Arc, um die Hilfe der Baumeister zu erringen. Und in Bytharg tobte derweil der Letzte Krieg, in dem das Gestaltwandlervolk der Berinnyer das Joch der Macht CROSSATH abzuschütteln suchte…2

(Der Zathuray-Konflikt – OSM-Roman (Abschrift))

(Glossar des BUCHES „DER CLOGGATH-KONFLIKT“)

Ja, damit war der Monat dann vorüber. Ich war leider lange nicht so weit ge­kommen,wie ich das erhofft hatte… aber aktuell gebe ich die Hoffnung nicht auf, im Monat August, der hoffentlich etwas kühler werden wird, entscheiden­der vorwärts zu kommen. Drückt mir die Daumen, Freunde!

Bis nächste Woche dann wieder, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 In diesem Punkt möchte ich anmerken, dass in der heute (1. August 2018) erschienenen Ausgabe der AN­DROMEDA-NACHRICHTEN (Nr. 262) die OSM-Story „Das Versteinerungs-Spiel“ zu finden ist, in der ein klei­nes Mädchen namens Senyaali die zentrale Rolle spielt. Ihr kennt die Kleine aus „Der Platz der Steine“.

2 Und auch von dieser Auseinandersetzung habt ihr schon gehört, wenn ihr die im E-Book vorliegenden Ge­schichten „Ian und der Stein der Götter“ und „Der Platz der Steine“ kennt.

Liebe Freunde des OSM,

heute reisen wir mal in die Frühzeit meines dokumentierten Rezensionswesens zurück. Will heißen, was ich diesmal präsentiere, ist ein Experiment des Jahres 1999, also fast schon 20 Jahre her. Diese Sammelrezension ist damals ein oder zwei Male publiziert worden, und den ersten der rezensierten Romane besitze ich auch schon gar nicht mehr.

Die Struktur dieser Rezension ist nicht eben konventionell, wie ihr das von mir gewohnt seid, sondern sie wirkt heutzutage auf mich eher ein wenig flüchtig. Gleichzeitig fällt der vergleichende Charakter auf… und die Erkenntnis, dass ich beiden Romanen ziemlich energische Defizite zuschreiben musste. McDevitt ist immer noch ein Autor, den ich gern lese, während Macauley jemand ist, der mehr oder weniger vergessen ist.

Die Geschichten sind, wie es der Titel schon aussagt, Endzeitromane, beide spielen in den USA und schildern hie wie dort eine Art Queste einer kleinen Gruppe, die dabei in die Vergangenheit der versunkenen Welt der Vorväter zu­rückgleitet. Einmal in durchweg alptraumhafter Art, einmal auf eine fast schon schrullig-märchenhafte Weise mit durchaus obskuren Einfällen. Leider haben beide Geschichten so ihre Probleme, durchaus unterschiedliche. Aber es ist doch interessant, wie nur 18 Jahre Distanz der Schreibzeit (1979 der erste, 1997 der zweite) zu einer sehr verschiedenen Sicht der postapokalyptischen Welt führen können.

Wie das konkret ausschaut? Lasst euch überraschen und lest weiter:

Finstere Zukunft – Zwei Endzeitromane im Vergleich

Dunkel kommt die Zukunft

(OT: „A Secret History of Time to Come”)

von Robie Macauley, Knaur 5755, 1982

Aus dem Amerikanischen von Thomas Ziegler

und

Die ewige Straße

(OT: „Eternity Road“)

von Jack McDevitt

Bastei 24245, 1998

Aus dem Amerikanischen von Axel Merz

ISBN 3-404-24245-9

Es mag eine Zeit gegeben haben, in der Endzeitromane groß in Mode waren. Aber es scheint beinahe so, als kehrten sie zurück. Ende 70er und Anfang der 80er Jahre gehörte es offensichtlich zum „guten Ton”, so etwas wie einen End­zeitroman gelesen zu haben, am besten einen, der im besten aller Länder spiel­te, also in den USA, und der möglichst intensiv Anschauungsunterricht erteilte, was mit der urbanen Welt so geschehen würde, wenn die Menschheit einmal nicht mehr da sein sollte, um diesen Planeten, und besonders die amerikani­schen Felder und Äcker, zu hegen und zu pflegen.

Für die Art und Weise, wie man solch eine apokalyptische Zukunft gestalten und besonders auch deren alleinige Existenz begründen wollte, nahm gerne Zu­flucht zu Kriegen oder sonstigen Katastrophen. In den beiden Romanen, die hier verglichen werden sollen, kommt einmal eine militärische Katastrophe zum Zuge, einmal eine eher „natürliche”.

Es geht um den Roman „Dunkel kommt die Zukunft” („A Secret History of Time to Come”) von Robie Macauley, 1979 in den USA erschienen, 1982 in der Über­setzung von Thomas Ziegler als Knaur 5755 auf deutsch herausgekommen. Die­ses Buch beginnt mit einem Schwarzen im amerikanischen Rassenkrieg, der ausbricht, als sich die schwarze Bevölkerung gegen eine neue Apartheid-Politik mit militärischer Macht zu wehren beginnt. Dieser Konflikt eskaliert schließlich in einem Nuklearkrieg, der die gesamte Menschheit weltweit in die technische Steinzeit zurückbombt.

Interessanterweise träumt dieser Schwarze, der Tagebuch über die Revolution führt, von einem wilden reitenden Mann, der offensichtlich in der fernen Zu­kunft durch Wälder und überwucherte Ruinenstädte reitet. Und, ohne dass er das weiß, träumt auch dieser andere Mann der Zukunft seinerseits von ihm, als von einem schwarzen Geist des Bösen, der aus der Vergangenheit die Lebenden verfolgt und ihn insbesondere.

Während die Welt der Vergangenheit verweht und verschwindet, blendet das Buch dann überwiegend in die Zukunft um, etwa dreihundert Jahre nach dem „großen Knall”. Der Reiter Kincaid, ein Arzt und ungebundener Mann mit einer Vision und einer seherischen Gabe, die ihn von Zeit zu Zeit überfällt und gewis­se Geschehnisse vorausahnen lässt, ist unterwegs durch die postatomaren USA, die wild von der Natur zurückerobert worden sind. Sein Leitfaden ist eine Karte, die ihn quer durch den Kontinent führt und in Richtung der Großen Seen bringt, an einen Ort, der „Haven” genannt wird. Von dort nämlich scheint jener ster­bende Reisende gekommen zu sein, von dem Kincaid die Straßenkarte des „Esso-Reiches” erhalten hat. Eine Bezeichnung, die mich maßlos amüsierte. Aber woher sollte Kincaid auch wissen, dass es sich bei ESSO nicht um eine Be­zeichnung für ein Reich, sondern um eine Ölgesellschaft handelt?

Sehr schön kann man die schier barbarischen Verhältnisse dieser neuen USA mitbekommen. Die Städte der Ahnen sind, weil radioaktiv verstrahlt, weitge­hend nicht zugänglich. Die Ortschaften, in denen er ankommt, kranken an Miss­geburten, Debilen und geisteskranken Menschen, die man kaum mehr so nen­nen kann, und an einer Führungsschicht, die jeden umbringt, der intelligent werden könnte. So muss die Welt fast notwendig zugrunde gehen.

Weit hinten im Buch wird überraschend ein neues Kapitel aufgeschlagen mit Glyn Havensdochter und ihrem Gefährten Berk, die nahe der Siedlung Haven Sklavenjägern in die Hände fallen und schließlich über tagelange Reisen und eine endlos scheinende Floßfahrt hinab in den Süden an einen Ort gebracht werden, der Nuu Meffiss genannt wird. Als ihr Vater sich schließlich auf die Su­che nach ihr macht, stoßen Kincaid aus der ersten Hälfte des Romans und er zu­sammen. Zusammen unternehmen sie eine Reise, die selbst Kincaids großfor­matige Karte sprengt und sie in eine Gegend des vergessenen Kontinents bringt, in der sie noch nie gewesen sind…

Das Problem dieses Romans ist, dass er gekünstelt wirkt. Das Einbringen des zweiten Handlungsstranges ziemlich weit hinten deutet für mich darauf hin, dass die Struktur, die eher einer Kurzgeschichte ähnelt als einem Roman, zu­sammengeflickt wurde, um auf eine entsprechende Länge zu kommen, was als definitives Negativum gelten muss. Hervorzuheben ist indes die bemerkenswert gelungene, bilderreiche Übersetzung von Thomas Ziegler, die einiges wieder gutzumachen versteht. Bis auf die stilistischen Schönheiten offeriert der Roman aber meines Erachtens ein rechtes Klischeebild, das über Durchschnittlichkeit nicht hinauskommt.

Als zweiten Roman las ich dann „Die ewige Straße” (Eternity Road) von Jack McDevitt, Bastei 24245, 1997 geschrieben, 1998 im Oktober auf deutsch er­schienen in der Übersetzung von Axel Merz, der auch schon „Die Küsten der Vergangenheit“ von McDevitt übersetzte.

Dieser Roman beginnt im Mississippi-Delta, im Bereich der Ligastädte, die seit einigen Jahrhunderten einen regen Handelsaufschwung erleben und eine Zeit der Friedfertigkeit durchleben, nachdem sie zuvor ein despotisches Joch über­wunden und die Demokratie ausgerufen haben. Die Liga-Menschen betreiben Segelschiffahrt, haben eine Art Universität (das Imperium) angelegt, und sie sind gut in Wissenschaften und Mathematik sowie Philosophie. Nun, was man eben gut nennt, wenn alles an altem menschlichem Wissen bis auf ein paar Dutzend nicht sonderlich geschickt ausgewählter Bücher restlos verschwunden ist.

Sie sind umgeben von Relikten einer untergegangenen Zivilisation, die sie die „Straßenbauer” genannt haben, und diese Gesellschaft ist mysteriöser als alles andere, was sie kennen. Die Ligabewohner sind meistens überaus pragmatisch, sehen sich nicht als Nachkomme jener Straßenbauer und kümmern sich zu­meist kaum um die Relikte. Doch es gibt auch Ausnahmen, die von einer uner­messlichen Neugierde geplagt werden.

Zu diesen gehört Karik Endine, ein Wissenschaftler des Imperiums, der einen mystischen Ort weit im Norden namens „Haven” (sic!) suchen möchte, an dem laut der Legende, der ebenso mystischer Held Abraham Polk mit seinem legen­dären Schiff Quebec die letzten Menschen und ihr Wissen aus der Straßenbauer­zeit nach einer Odyssee von 77 Jahren auf den Meeren der Welt in Sicherheit brachte.

Doch, wie erwähnt, Polk und Haven sind eine Legende, allein schon anhand der Überlieferung, dass die Quebec ein Schiff ohne Segel war und die meiste Zeit UNTER WASSER fuhr, zeigt, dass es sich um ein reines Märchen handeln MUSS. So etwas vermag sich niemand vorzustellen.

Dennoch kann Endine eine Expedition zusammenstellen, die monatelang unter­wegs ist. Zu ihr gehört auch Arin, ein junger Mann mit außerordentlichem Zei­chentalent. Als Endine endlich zurückkehrt, ist er furchtbar gezeichnet – und al­lein. Alles, was er dabeihat, ist ein Tagebuch, das er niemandem zeigt, Arins Skizzen und, überraschenderweise, ein vollständig erhaltenes Buch Mark Twains, der „Ein Yankee aus Connecticut an König Artus‘ Hof”, was für die Ange­stellten des Imperiums natürlich eine Sensation darstellt.

Sie erfahren von diesem Buch aber erst neun Jahre später, als Endine in den Freitod gegangen ist. Zuvor vermachte er das rätselhafte Buch noch Chaka Milana, Arins Schwester. Sie entdeckt auch die Skizzen und darunter seine letz­te, die eine schlichte Felswand zu zeigen scheint. Doch sie trägt den Titel „Haven”.

Von da an möchte sie wissen, wie ihr Bruder gestorben ist, und nach einer ge­raumen Zeit schafft sie es auch, einige Menschen von dem Plan zu überzeugen, die Expedition anhand von Arins datierten und beschrifteten Skizzen nachzu­vollziehen. Ihr Weg führt sie durch das völlig von Bäumen überwucherte, rui­nendurchsetzte Land der Straßenbauer, jener rätselhaften Menschen, die sich einmal Amerikaner nannten, was aber heutzutage niemand mehr weiß. Die Su­che nach Haven scheint aussichtslos, denn niemand, dem sie begegnen, kennt den Ort oder hält ihn für mehr als nur eine Legende. Auch Abraham Polk ist vollständig unbekannt.

Aber die Reise ist, als sie schließlich auf den „Drachen” stoßen, der ihnen all die Wunder der Straßenbauer zeigt, die sie sich nicht einmal vorstellen konnten, auch eine Horizonterweiterung. Sie entdecken Magnetschwebebahnen, die im­mer noch funktionieren. Die Priesterin Avila Kap redet mit einem „Geist”, der seit Jahrhunderten einsam ist und auf Menschen wartet, um seine Funktion zu erfüllen, und der nun endlich nur noch eins möchte: sterben, weil er so elend allein ist.

Sie finden weitere dienstbare Geister, Bankwächter, die eine verlorene Bankzen­trale solange schon bewachen und die „Bankräuber” dermaßen lange in Schach halten, bis die Polizei kommen soll (die auch längst tot ist), dass die Räuber ster­ben und deren Knochen allmählich den Schalterraum ausfüllen. Und letztlich entdecken sie ernste Gefahren, Wegelagerer, wilde Tiere, Sklavenhändler und Fieber… und sind monatelang unterwegs, geplagt von Ängsten, Zweifeln, Wut und Hilflosigkeit… bis sie schließlich eines Tages die Spur nach Haven heiß und immer heißer werden sehen und letztlich am Ziel ihrer Wünsche stehen – nur um festzustellen, dass eine Gefahr hier lauert, die für sie schier unüberwindlich ist…

Der zweite Roman hat, was eine durchgehende Storyline angeht, dem ersten ei­niges voraus. Dennoch fällt auch hier dem aufmerksamen Leser ins Auge, dass er besonders in der zweiten Hälfte einige Längen hat. Wie auch bei Macauley gelingt es jedoch McDevitt und dem Übersetzer, den Roman lesbar zu gestalten. Es gibt in der Handlungsstruktur keine durchgehenden, deutlichen Brüche, was ihn positiver erscheinen lässt als Macauley. Auch vermeidet dieser Roman gut, ein Klischee zu verwenden, was beispielsweise die Ursache der Katastrophe an­geht.

Im Vergleich zu Macauley muss man aber bei diesem Roman anmerken, dass das Ende etwas sehr dunkel bleibt. Es wendet sich einerseits zu einem Quasi-Happy-End (ist für Bücherfans aber doch ein arger Schocker, besonders was die letzten 30 Seiten angeht!), aber während Macauley klischeehaft, aber doch sehr nachdrücklich sagt, was die Zivilisation den Bach runtergehen lässt (Atom­krieg und vorausgehende Rassenunruhen), klingt das, was das Buch Abraham Polks gegen Ende von McDevitts Roman als Erklärung für das weltweite Sterben anbietet, doch arg dünn und dramaturgisch sehr gekünstelt.

Das ganze Buch über möchte man mehr erfahren über Abraham Polk, den Exis­tenzzweck von Haven, die Quebec, die Katastrophe… und McDevitt lässt uns als Leser nahezu völlig im Stich. Außerdem kommt in der ganzen Geschichte nicht recht herüber, was für eine entbehrungsreiche Reise ins Nirgendwo die Expedi­tionsteilnehmer durchmachen müssen. An manchen Stellen hat er überdies dramaturgische Rückgriffe, die mehr als nur gekünstelt wirken.

Der gut lesbare Stil alleine hilft da nicht weiter. Meiner Ansicht nach ist das Buch zwar gut, eines der besten, die ich 1999 bislang gelesen habe, aber es hat etwas von einem sympathischen Ausflug an sich.

Macauley zeigt beispielsweise in dem Teil, wo es um die Sklavenkarawane und Glyns Schicksal geht, sehr drastisch, wie es dort zugeht, und man leidet als Le­ser richtig mit ihr. Das ist bei Chaka Milana und ihren Gefährten in McDevitts Buch fast ausgeschlossen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Katastrophe bei Macauley etwa im Jahr 1985 passiert und der Roman rund 300 Jahre später spielt. McDevitt lässt der Erde mehr Zeit und sie bricht erst etwa im Jahr 2079 zusammen, wodurch sich die Technik so weiterentwickelt hat, dass sie ein paar Jahrhunderte übersteht. Dennoch – laut seinen Aussagen macht sich die Gesellschaft Chaka Milanas etwa 740 Jahre nach der Katastrophe auf. Und dass irdische Technik, selbst die von 2079, ohne Wartung und unter massivem Einfluss der Pflanzen der Umgebung siebeneinhalb Jahrhunderte funktionieren soll, das klingt doch sehr nach Märchen.

Beide Romane haben also ihre unbestreitbaren Vor- und Nachteile, aber es ist empfehlenswert, sie parallel zu lesen, denn erst dann hat der Leser die Möglich­keit, eventuelle Schwächen des einen Romans mit Schwächen des anderen zu kontrastieren und seine eigene Vision vielleicht im Mittelfeld zwischen beiden anzusiedeln. Weder die harsche Wahrheit des Macauley noch die verklärende Romantik des McDevitt sind die plausible Zukunftsmöglichkeit, aber schät­zungsweise liegt sie mehr an Macauleys „Dunkel kommt die Zukunft” als an je­nem anderen Roman.

Es gibt zweifelsohne noch eine ganze Reihe weiterer Endzeitromane, auch sol­che, die in den USA spielen. Doch ich habe nun einmal nur diese beiden heraus­gegriffen, weil sie eben gerade in Lesereichweite lagen. Falls jemand nun zu der Überzeugung kommen möchte, dass einer der beiden – oder beide – Romane nicht lesbar seien, bzw. ich sie so rezensiert habe, so gebe ich zu bedenken, dass meine eigene Sicht der Dinge die ist, dass beide Romane unbestreitbar le­senswert sind. Es ist allerdings von meiner Warte aus nicht zu sagen, welcher „lesenswerter” ist. Das muss dem geneigten Leser selbst überlassen bleiben.

© 1999 by Uwe Lammers

Ja, so kann es also kommen, wenn man zwei Romane annähernd zeitgleich liest und sie dann thematisch und strukturell miteinander zu vergleichen beginnt. Man erinnere sich bitte außerdem: ich befand mich 1999 gerade mitten in mei­nem Geschichtsstudium und war natürlich entsprechend sensibilisiert, gerade was untergegangene Kulturen usw. anging.

So reizvoll es also auch sein mag, Endzeitromane zu schreiben oder sonst ir­gendwelche Endzeitgeschichten zu ersinnen – in Filmen und Serien haben diese Szenarien aktuell ja auch gerade wieder Konjunktur, was zweifellos auch mit den Untergangspropheten der Politlandschaft zu tun hat und mit den Personen, die von ausgedehnten ökologischen Katastrophen schwafeln (es ist allerdings meiner Ansicht nach allemal konstruktiver, etwas gegen derartige Tendenzen zu unternehmen, als sie passiv herbeizureden), so wenig mag ich mich heute damit anfreunden.

In der kommenden Woche lande ich denn auch mit dem Buch, das ich euch vor­stellen möchte, sehr viel näher an der Gegenwart, nämlich im frühen 21. Jahr­hundert. Da geht es um ein Verbrechen unglaublicher Ausmaße, das gleichwohl fast heimlich realisiert wurde.

Wie das möglich ist? Dafür gibt es viele Gründe, und ich zähle die wesentlichen dafür in der kommenden Woche auf. Wer schon mal neugierig sein möchte, re­cherchiere nach dem Namen des Autors: Matthew Bogdanos. Und nicht wun­dern!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

wer bei der Überschrift ernsthaft ins Grübeln gerät, ob ich noch recht bei Ver­stand bin, dem mögen sich vielleicht folgende Fragen aufdrängen: Bin ich jetzt etwa unter die galaktischen Hühnerzüchter gegangen? Mache ich einen Trip mittels psychedelischer Pilze, die meinen Verstand illuminieren und verwirren? Oder lege ich es darauf an, einem Terry Pratchett oder Douglas Adams Konkur­renz zu machen, indem ich jetzt überraschend ins Milieu der humoristischen SF abdrifte?

Ich kann euch da alle beruhigen. Nichts davon trifft zu, und insbesondere von letzterem Gedanken bin ich weit entfernt (seufzt da irgendwer enttäuscht? Also bitte! Dann seid ihr hier a bisserl auf der falschen Veranstaltung unterwegs1). Auch liegt es mir fern, hier die lange „Durststrecke“ zwischen der Kosmologie-Lektion 11 und 12 durch eine rasche weitere Folge kompensieren zu wollen. Nein, der Anlass für diesen Blogartikel ist ein sehr aktueller und überaus faszi­nierender. Kosmologie-Artikel entstehen immer dann – wie etwa auch die Log­buch-Einträge – , wenn es dazu einen akuten Anlass gibt. Und der ist wahrhaftig gegeben. Wenn ihr den Beitrag gelesen habt, werdet ihr das sicherlich ganz ge­nauso sehen.

Jenseits des amüsanten Titels, über den ich auch ständig kichern muss, seit er mir heute einfiel, ist das, worüber ich heute sprechen möchte, ein Thema von ungemein tiefgründiger Relevanz für den gesamten OSM. Die Tragweite kann ich aktuell selbst noch nicht ganz abschätzen, aber das kann bei der Frische der Entdeckung auch nicht verblüffen.

Ja, ich habe das kosmische Eidotter entdeckt, und zwar gestern. Aber was das wirklich WAR und was es BEDEUTETE, das wurde mir erst heute schlagartig klar, als ich mittags auf dem Weg zur NORDSEE war, um mich wie so oft mal wieder an Seelachs-Ei-Baguettes zu laben. Und seither wusste ich, dass ich diesen Bei­trag schreiben MUSSTE, unbedingt JETZT schreiben musste. Ich weiß, ihr lest ihn erst am 21. Oktober, aber zurzeit schreiben wir den 5. Juli, und ich bin gestern wieder abgestiegen in ein Alptraumuniversum, von dem ich vor Monaten bereits sagte, dass es kurz vor dem Abschluss steht.

Ich stehe zu meinem Wort.

Meine Reise führte mich in den KONFLIKT 4 des Oki Stanwer Mythos, also in die Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR). Und ich will gar nicht leugnen, dass es mich seit Wochen in den Fingern juckte, wieder in die Zentrale des alten Techno-Siedlerschiffes RASLOORED zurückzukehren und sie endlich alle an den Ort zu geleiten, wo sich das Schicksal erfüllen wird.

Wir schreiben den 29. Naaled 2562 INSEL-Zeitrechnung, als der vom Schicksal geknechtete, 62jährige Techno-Archivar Scheverlay von Tornolaan dem Bau­meister Naam und den um ihn versammelten Fehlersuchern aus dem Volk der Technos verkündet, wohin der nächste Transitionssprung der RASLOORED in wenigen Sekunden führen wird: zu einer kleinen, fremden schwarzen Welt mit­ten im kosmischen Leerraum, wo es scheinbar nichts gibt. Wo aber in Wahrheit ein bizarres grünes Gestirn diese Welt bescheint, und zwar mit „grünem Todes­licht“.

Allen Versammelten wird schlagartig klar, was das heißt – Baumeister Naam hat sie auf diese Eventualität seit Jahrzehnten vorbereitet: das Reiseziel heißt TO­TAM, die grüne Sonne Granat. Schockstarre erfasst sie alle… und dann entmate­rialisiert das Raumschiff… und die Episode 35 der Serie, „Projekt Vergangen­heit“, endet. Wir schrieben in der realen Welt den 16. Juni 2015, als das ge­schah. Und wiewohl ich an anderen Stellen des KONFLIKTS 4 weiterschrieb, ging ich doch über diesen Punkt nicht hinaus.

Bis gestern.

In einem wunderbaren Schreibrausch entstanden zehn neue Seiten dieser Epi­sode2, und sobald ich diesen Blogartikel beendet habe, werde ich unverzüglich dort weitermachen. In meinem Kopf sind so viele Bilder, inzwischen so viel Ver­ständnis für das, was dort geschieht, dass es einfach nur phantastisch ist und mich vehement zum Schreiben drängt. Es ist ein wenig vergleichbar mit dem Durchblättern einer Akte, bei der man mit jeder gelesenen Seite mehr versteht, worum es hier eigentlich geht. Spirituell gesehen könnte man auch von einer gewissen Form der inhaltlichen Erleuchtung sprechen, aber solche großen Worte würde ich hier jetzt eher sparsam verwenden.

Wie dem auch sei… eher durch einen überraschenden Zufall entdeckte ich beim Verfassen dieser gestrigen Seiten dann das kosmische Eidotter.

Was zum Teufel hat es denn nun damit auf sich? Ich soll mich endlich mal erklä­ren! Na schön, Freunde. Haltet euch fest, es geht nun ab in nichteuklidische Ge­filde, die ihr in meinen bisherigen E-Books noch nicht bereisen konntet. Man könnte es auch kommende Schrecken nennen, wiewohl für mich traditionell die Faszination mehr überwiegt.

Als die RASLOORED rematerialisiert, befindet sie sich zunächst einfach nur mit­ten im stellaren Nichts, im Leerraum – ganz so, wie die SENSOREN des Baumeis­ters Naam und die stellaren Datenbänke das auch prognostiziert haben. Das nächste Sonnensystem ist 80 Lichtjahre entfernt, und weit und breit ist nichts von TOTAMS Sonne zu entdecken oder von der Welt selbst.

Scheverlay sagt auf einmal, sie hätten jetzt ein wenig Zeit, sich von den bisheri­gen Reisestrapazen zu erholen, denn sie befänden sich nun „im Schatten“. Ehr­lich, Freunde, ich habe genauso verdutzt geschaut wie ihr, als ich diese Worte niederschrieb.3

Schatten? Wieso Schatten? Schatten wovon? Zumal draußen von Schatten weit und breit rein gar nichts zu sehen war.

Natürlich glaubte man ihm erst einmal nicht. Und auch nicht, dass jedweder Kontakt nach außen gefährlich wäre… er erwies sich sowieso als unmöglich. Der Normalfunk war aus unerklärlichen Gründen massiv gestört. Und da das Schiff nicht mit Baumeistertechnik ausgerüstet war, konnte man auch nicht via Ma­trixfunk Kontakt zu anderen Basen oder Raumschiffen oder ZYNEEGHAREN auf­nehmen. Aber wie ich inzwischen weiß, hätte der bloße Versuch auf diesem technologischen Kanal nichts gebracht – auch der Matrixfunk wäre tot gewe­sen.

Dann materialisierte eine Gruppe von INSEL-Robot-Interventionsschiffen der Baumeister. Aber ehe sie die RASLOORED anfunken konnten, explodierten sie scheinbar ohne jeden ersichtlichen Grund.

Scheverlays Erklärung dafür, sie befänden sich „im Schatten“, war im Grunde ge­nommen keine Erklärung… und doch war sie es auf eine unglaubliche Weise, die ich erst begriff, als sich wenig später dann der Weltraum zu wellen begann.

Und wie aus dem Nichts erschien ein kleiner, grüner Lichtpunkt auf den Schir­men.

Granat.

Und ein einzelner schwarzer Planet, der die Sonne umkreiste.

TOTAM.

Sie waren definitiv am Ziel. Auch wenn hiervon noch Minuten vorher rein gar nichts zu sehen oder zu orten gewesen war.

Was um alles in der Welt war das eben kurz vorher gewesen? „Schatten“? Sich „wellender Raum“?

Ich musste darüber schlafen, um es zu verstehen. Die Erklärung lauerte ganz dicht unter der Schwelle der Bewusstwerdung in meinem Geist, und inzwischen ist sie erwacht und einfach nur kristallklar. Alles ist total logisch und unglaublich simpel… wenn man, wie ich, seit Jahrzehnten mit den OSM-Interna vertraut ist, sollte ich indes einschränken.

Das, was Scheverlay als „Schatten“ bezeichnet hat, könnte man auch als „Schlei­er“ formulieren. Eine kosmologische Grenze, sozusagen die Scheidelinie zwi­schen zwei disparaten universalen Enklaven. Die Technos merken das, als die RASLOORED die unsichtbare Grenze passiert – ihre Messgeräte fangen auf ein­mal an, völlig unmögliche Werte zu ermitteln, die ständig oszillieren.

Wer den Roman „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“ gelesen hat, ist über das Phänomen in Maßen informiert: man ermittelt solche irregulären, unerklärli­chen Messwerte, wenn man versucht, TOTAMS Materie zu erfassen. In der im Innern TOTAMS rekonstruierten Shopping-Mall von Tushwannet (in dem eben erwähnten Roman) besteht alles aus TOTAM-Kristall, aus Wiederauferstehungs­materie, wie sie mal ein Totenkopf bezeichnet hat4, ohne dass man ihr das indes irgendwie ansehen könnte. Hier gelten TOTAMS bizarre Naturgesetze. Und das­selbe gilt für den Raum, in den die RASLOORED derzeit vorstößt.

Das Interessante für mich war: ich kannte diesen Raum schon seit über 35 Jah­ren… aber ich hatte ihn noch niemals in dieser Form gesehen. Weil das, was ich hier entdeckte, die vage, verletzliche und empfindsame Frühform jenes Raumes war, den ich seit langem als TOTAMS VORHOF kenne.

In späteren KONFLIKTEN des OSM bildet TOTAM als Zentrum des VORHOFS eine Art separate Dimension, eine kosmisch nicht eindeutig zu lokalisierende Enklave – was es ja auch den Dienern des Lichts so schwer macht, diese Welt zu finden und anzugreifen. Das gilt übrigens nicht nur für planetare KONFLIKTE wie die KONFLIKTE 13 „Oki Stanwer Horror“ (1982-1985) und 18 „Kampf gegen TO­TAMS Dämonen und Schergen“ (1984-1989), sondern auch für andere, selbst wenn man dort oft das Gefühl hat, der VORHOF würde nicht existieren, da man TOTAM aus dem Weltraum heraus direkt ansteuern kann.

Krasser Denkfehler. Die Anschauung trügt hier in nahezu jeder erdenklichen Weise.

TOTAMS VORHOF ist, und damit beginnt das Verdrehen unserer Gedanken jetzt richtig, ein Teil TOTAMS. Meistens, habe ich bislang jedenfalls das Gefühl, hat TOTAM den VORHOF in seinem Innern kaverniert und gewissermaßen kompri­miert, wie etwa auch die so genannte Knochendimension, die direkt an den VORHOF grenzt.

Moment, mögt ihr da jetzt einwenden, du hast doch gerade gesagt, TOTAM sei das Zentrum des VORHOFES, also liegt letzterer ja wohl außen herum, wie kann sich das jetzt auf einmal umkehren?

Tja, ich sagte, es wird nichteuklidisch. Während unsere Mengenlehre normaler­weise dekretiert, dass Mengen sich selbst nicht als Teil ihrer selbst enthalten dürfen, weil das ein Widerspruch ist, der zur Inkonsistenz der Grundannahmen führt, ist es bei TOTAM andersherum. Die Gesamtmenge heißt TOTAM, und der VORHOF ist ebenso Teil von TOTAMS Substanz wie der Planet TOTAM. Damit verbunden sind ihre „Orte“, sage ich jetzt mal so, fließend. In Maßen also aus­tauschbar, und auch ihre Dimensionierung ist… vorsichtig ausgedrückt, flexibel. Was in der Regel, um die Sache noch ungeheuerlicher zu machen, intern keinen Einfluss ausübt.

Was bedeutet das? Dass etwa der VORHOF auf Staubkorngröße „geschrumpft“ erscheinen, man im Innern aber nach wie vor mit Raumschiffen die Wei­ten durchreisen kann. Das Vorstellungsvermögen der Reisenden wird hier auf eine ziemlich krasse Probe gestellt, und wir reden hier jetzt übrigens NICHT über Mikrokosmen oder dergleichen, was man ja vermuten und vielleicht noch mit unserem üblichen geometrischen Verständnis begreifen könnte. TOTAM ist in der Hinsicht deutlich seltsamer, vermutlich sogar noch weit seltsamer, als ich es gegenwärtig verständlich erklären kann…

Noch schlimmer: beides – der Planet TOTAM wie auch der VORHOF und alles, was er enthält – unterliegt im modernen OSM dem Willen des Wesens TOTAM, das damit die Gewalt über die Naturgesetze dieses Raumkontinuums besitzt. Gedankenschneller Ortswechsel, permanente Regeneration nach sofortiger Zer­störung und dergleichen – das ist keine Hexerei, sondern Normalität für das Wesen TOTAM in diesem Raum, der im Grunde genommen aus unterschiedli­chen Manifestationen von schwarzen Quanten, TASSYJAAREN, besteht. Dies al­les mag die eigenartigen Naturgesetzlichkeiten, die dort herrschen, hinreichend erklären… aber dafür müsste ich deutlich mehr von Quanten verstehen, als ich tue. Physiker mögen sich hier beizeiten mal austoben und Gesetzmäßigkeiten festlegen.

Während ich am OSM arbeitete, stellte ich jedenfalls im Laufe der Jahrzehnte verschiedentlich fest, dass die Grenze des VORHOFES sich immer mehr verfes­tigte, ein wenig wie eine verholzende Pflanzenwand, wenn die Gesamtpflanze älter wird (da es sich allerdings um eine energetische Barriere handelt, kann hier keine Rede von „Verholzung“, „Starre“ oder dergleichen sein, die man mit brachialer Gewalt aufbrechen könnte, ganz im Gegenteil). In KONFLIKT 18, bei­spielsweise, werden die zentralen Kämpfe gegen Schluss des KONFLIKTS im In­nern der Knochendimension geschlagen. Von hier aus ist zwar ein direkter Ein­blick in den VORHOF möglich, aber TOTAM ist, wiewohl sichtbar, quasi uner­reichbar. Um die hauchdünne dimensionale Membran zu durchstoßen und zum Planeten TOTAM gelangen zu können, sind irrwitzige Energiemengen vonnöten.

Und gestern jetzt, da beginnt ihr wahrscheinlich meine Faszination und mein Entzücken zu begreifen, gestern flog ich gewissermaßen nonchalant mit der RASLOORED direkt durch diese Grenze – eine Grenzschicht, die zu diesem Zeit­punkt noch hauchdünn, fragil, kaum entwickelt war. Und jenseits davon, wie das Eigelb in einem unsichtbaren kosmischen Eidotter, driftete der Planet TO­TAM mit seinem kleinen grünen Gestirn Granat.

Was hier also als „Schatten“ bezeichnet wurde, ist in Wahrheit die vage, or­tungstechnisch nicht erfassbare Scheidewand zwischen dem „normalen“ Uni­versum und dem Kontinuum, in dem TOTAMS Gesetzmäßigkeiten wirken… eben jenem Raum, der etwas später dann zum VORHOF gerinnen wird und eine Schutzschicht TOTAMS gegen vernichtende Gewalten von außen darstellt.

Ich begann, als ich diesen Gedanken erst einmal realisiert hatte, mit immer größerer Faszination zu verstehen, dass der VORHOF TOTAMS eine gewisse Ähnlichkeit hat mit einer biologischen Zelle: es ist eine anfangs noch ganz feine, frische Membran, die einen weitgehend unstrukturierten inneren Raum um­gibt, in dem ganz andere (osmotische) Verhältnisse herrschen als im umgeben­den Bereich. Und, kosmologisch gesprochen, je weiter sich der Oki Stanwer My­thos von KONFLIKT 4 aufwärts entwickelt, desto stärker diversifiziert und parzel­liert sich der VORHOF – das „Eidotter“ oder das Zellinnere, wenn ihr so wollt.

Als die RASLOORED TOTAM ansteuert, ist davon noch gar nichts zu sehen. Es gibt die Knochendimension noch nicht, auch nicht die SIEGEL-Welten, die später einmal solche grässlichen Schrecken beinhalten werden, die KNOCHENWELT, die Weißwelt, die Kristallwelt… und auch vom SCHLÜSSEL, der Würfelwelt, ist noch nichts zu entdecken.

Aktuell ist dieses „kosmische Eidotter“ noch ein sehr fragiles Gebilde, empfind­lich und zugleich durchzogen von kosmologischen Gesetzmäßigkeiten, die die Technos und ihr Anführer, der Baumeister Naam, noch nicht begreifen können. Tatsache ist allerdings auch, dass sie Eindringlinge darstellen. Und dass sie ab sofort in akuter Lebensgefahr schweben.

Sie sind gekommen, um den Krieg TOTAMS gegen die INSEL zu beenden. Aber sie sehen noch keine Feinde, keine Kriegsflotten, keine Armee, nichts, was sie verstehen könnten. Doch schon sehr bald werden sie begreifen, was hier vor sich geht. Und dann beginnt der Kampf ums Überleben.

Ich werde darüber schreiben, jetzt gleich. Wie weit ich damit bis zu dem Zeit­punkt gekommen bin, zu dem dieser Artikel das Licht der Öffentlichkeit erblickt, muss sich zeigen. Aber ich bin guten Mutes, dann schon sehr viel weiter gedie­hen zu sein.

Auf in den Kampf und in eine fremdartige, vage entwickelte Welt voller Schre­cken – ich bin unendlich neugierig darauf!

In der kommenden Woche werden wir dann wieder etwas bodenständiger. Dann berichte ich, was ich so im Monat Juli 2018 alles geschrieben habe. Aktu­ell – erinnert euch, wann ich diese Zeilen verfasse – habe ich davon noch keinen blassen Schimmer.

Soviel also für heute, Freunde. Bis in einer Woche, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Auch wenn ich bereitwillig zugebe, dass der letzte Band der Annalen, „Mein Freund, der Totenkopf“ (2017), dafür einigen Anlass bot. Ebenso verhält es sich definitiv mit dem derzeit in Etappen veröffentlichten OSM-Roman „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“ (im Fanzine Baden-Württemberg Aktuell).

2 Band 39 der Serie mit dem Titel „Grünes Todeslicht“.

3 Ich sagte schon verschiedentlich, dass ich zwar Formulierungen schreibe, aber deshalb nicht zwingend WEISS, warum ich das tue oder was sie bedeuten. In der Regel habe ich bei solch komplexen Bemerkungen nur immer das starke Gefühl, das alles GENAU SO formulieren zu müssen… das Verständnis stellt sich dann üblicherweise erst später ein, manchmal allerdings Jahre später. Diesmal ging das sehr viel schneller.

4 Vgl. dazu Annalen 6.1 und 6.2: „Mein Freund, der Totenkopf“ (2017).

Rezensions-Blog 186: Höllenjagd

Posted Oktober 16th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wer den Namen Clive Cussler über all die Jahrzehnte nur und nahezu aus­schließlich mit Dirk Pitt, Albert Giordino und der NUMA in Verbindung brachte – oder neuerdings dann eben auch mit Kurt Austin und Joe Zavala (ebenfalls von der NUMA) bzw. Juan Cabrillo und der OREGON1, der wird von diesem Roman so überrascht werden, wie ich es wurde, und zwar, so denke ich, ausschließlich positiv.

Wir befinden uns im Jahre 1906, also im sehr frühen 20. Jahrhundert, und eine Serie von Banküberfällen hält die Vereinigten Staaten in Atem. Die Kriminalistik befindet sich nach wie vor in den Kinderschuhen, so etwas wie Serienverbre­cher sind weitgehend unbekannt, Fahndung über die Grenzen der Bundesstaa­ten sind… sagen wir… wenigstens schwierig. Ganz besonders in den USA. Da versuchen die lokalen Behörden natürlich alles, um sich selbst zu profilieren, und der Verbrecher, der so genannte „Schlächter“, trickst sie konsequent stän­dig aus.

Schließlich schlägt also die Stunde der privaten Van-Dorn-Agency und ihres bes­ten Ermittlers, des jungen, temperamentvollen und technikversessenen Isaac Bell. Hier lernen wir ihn erstmals kennen – ihn und einen gnadenlosen Feind, der keine Skrupel kennt.

Auf in dieses Abenteuer, Freunde:

Höllenjagd

(OT: The Chase)

Von Clive Cussler

Blanvalet 37057

448 Seiten, TB

ISBN 978-3-442-37057-3

Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kempen

Man nennt ihn den Schlächter – einen skrupellosen Verbrecher ohne Gesicht, der im Jahre 1905 immer wieder Banken ausraubt und jeden umbringt, den er dabei antrifft. Anschließend löst er sich offensichtlich wie ein Geist in Luft auf, und weder von dem Verbrecher noch von seiner Beute findet man jemals wie­der eine Spur. Der Überfall auf die Bank in Bisbee, Arizona, ist sein fünfzehntes oder sechzehntes Verbrechen, und er bringt dabei zwei Bankangestellte und eine Passantin um.

Dies ist der Moment, als die Regierung der Vereinigten Staaten endlich be­schließt, dass die Jagd auf das Ungeheuer eröffnet werden muss. Sie beauftragt die Van-Dorn-Detective-Agency damit, den Schlächter zu jagen und zur Strecke zu bringen. Detektei-Gründer Joseph Van Dorn betraut damit seinen besten Mann, Isaac Bell.

Bell, ein rastloser, attraktiver Junggeselle Anfang Dreißig, unterscheidet sich von den üblichen Detektiven in wesentlichen Punkten. Entscheidend ist, dass er es eigentlich gar nicht nötig hätte, diesen Job zu tun. Er ist Spross einer Bankiersfa­milie und hätte im Grunde genommen Karriere in der elterlichen Bank machen können. Doch Bell zieht es hin zum Abenteuer. Er ist erfüllt von einem starken Gerechtigkeitsgefühl, liebt die intellektuelle Herausforderung, raffinierte Ver­brecher zur Strecke zu bringen und dabei die Spesen selbst zu tragen, schließ­lich ist er vermögend genug. Außerdem gehört er zu den handwerklich versier­ten Technikern und Bastlern, die sich neue Errungenschaften der Technik gern aneignen und benutzen, beispielsweise moderne Automobile. Und wie das bei Cussler stets so ist, spielen natürlich die technischen Gimmicks immer eine ganz besondere Rolle, auch in diesem Roman.2

Gleichwohl: als Bell seine Zentrale in Denver, Colorado, aufschlägt, um hier mit Hilfe einer kleinen Gruppe von Van Dorn-Agenten die Fährte des Schlächters zu verfolgen, ist es zunächst, als stochere man im Nebel. Niemand weiß, wie der Verbrecher aussieht, da er nie Zeugen lebend zurücklässt. Alle Sheriffs und Marshals, die nach den Banküberfällen ermittelt haben, tappten gleichfalls im Dunkeln. Isaac Bell merkt, dass die intellektuelle Herausforderung diesmal un­gleich höher ist als bei allen anderen Kriminellen, die er bereits gefasst hat.

Er sucht die Schauplätze der letzten Verbrechen auf und ist relativ bald über­zeugt davon, dass ein paar Fakten klar zutage liegen – der Schlächter ist ein hochintelligenter, sehr berechnender Mann, der als Einzeltäter arbeitet und of­fenkundig seine Ziele in Verkleidung vorher sorgfältig ausspäht.

Ein wenig wie Sherlock Holmes vorgehend – was einen wesentlichen Reiz des Romans ausmacht, wie ich fand – , versucht sich Bell in den Kopf des Verbre­chers hineinzuversetzen und kleinste Details zu einem Puzzle der feindlichen Persönlichkeit zusammenzubauen. Man bedenke allerdings, dass das alles zu ei­ner Zeit geschieht, als Fingerabdrücke noch fast eine fremde Wissenschaft dar­stellen. So etwas wie Fahndungskarteien existieren nicht, das Modernste an Kommunikationstechnik ist das Telegrafennetz. Flugzeuge und zumeist auch Au­tomobile sind quasi nicht vorhanden, und es grenzt an Zufall, wenn eine Bank einmal die Nummern ihrer Banknoten aufschreibt.

Doch in der Selbstüberschätzung begeht der Schlächter Fehler, winzige zumeist, und jeder würde sie übersehen. Isaac Bell, der selbst durchaus nicht fehlerlos ist, bemüht sich aber, jeden davon zu finden und den intellektuell Furcht erre­gend überlegen scheinenden Gegner in die Enge zu treiben. Dabei stößt er auf eine aufregende, rothaarige Schönheit, die sich Rose Manteca nennt und an­geblich eine Farmerstochter aus Los Angeles ist (eine Identität, die sich als falsch herausstellt und Bell misstrauisch werden lässt), die ihn schon recht gut zu kennen scheint. Und dann entdeckt er, wer der Schlächter ist, was ihn freilich fast das Leben kostet – und es ist ein Mann mit einem absolut untadeligen Ruf, der in seiner Heimatstadt vollkommen unangreifbar ist, in San Francisco.

Jedenfalls gilt das bis zum 18. April 1906 um 5.12 Uhr morgens… denn dann geht für die Bewohner der Stadt buchstäblich die Stadt unter – im verheerends­ten Erdbeben des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.3 Aber das ist nur der Start­schuss für den Showdown…

Clive Cussler hat mit Isaac Bell einmal mehr ein alter Ego von sich geschaffen, wie weiland mit Dirk Pitt von der NUMA. Mit dem der Van-Dorn-Agency schuf er zudem gleich eine fiktive Detektiv-Agentur, die er nach dem Vorbild der rea­len Agentur Pinkerton gestaltete. Und er konnte in dieser Zeit und diesem Meti­er endlich einmal aus dem Vollen schöpfen und seine Begeisterung für die Früh­zeit des amerikanischen Traumes ausbreiten. Oldtimer fahren als hochmoderne Fahrzeuge auf Amerikas Straßen, uralte Motorräder knattern als neumodische Errungenschaften durch die Städte, und ansonsten erlebt man Kutschen, Pfer­defuhrwerke, in San Francisco die Straßenbahnen, Elektrifizierung ist etwas sen­sationell Neues. Jack London und Enrico Caruso laufen dem Leser über den Weg, und die ganze Welt des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts erwacht auf faszinierende Weise wieder zu neuem Leben.

Ich schätze, Cussler hat es wirklich großes Vergnügen gemacht, den Roman zu schreiben. Er liest sich – wie in meinem Fall – mühelos in vier Tagen, so packend und durchaus raffiniert ist er gemacht. Manche Winkelzüge lassen sich zwar ohne weiteres voraussehen, aber dann wieder kommt man nicht umhin, wech­selweise vor der Raffinesse des Detektivs UND seines Widersachers den Hut zu ziehen.

Während man rasch mit Isaac Bell und seinem lässigen Lebensstil warm wird, fasziniert auf der anderen Seite die menschenverachtende Kaltblütigkeit und die berechnende Seelenruhe des Verbrechers, der sich unbesiegbar glaubt und zugleich offenkundig süchtig nach dem „Kick“ ist, den er erlebt, wenn er wieder Geld raubt und nach und nach mehr als 40 Menschen umbringt. Das Ende ist denn auch schrecklich und irrational – nicht zuletzt, weil ihn ein Element um den Sieg betrügt, mit dem er nicht gerechnet hat. Was genau das ist, soll nicht verraten werden. Tatsache ist jedenfalls, dass der Roman hohe Unterhaltungs­qualität aufweist.

Allerdings schätze ich, dass er ursprünglich als Einzelband konzipiert wurde – das beweist der irritierende Prolog, der nämlich am 15. April 1950 (!) spielt, also lange NACH der Haupthandlung. Üblicherweise spielen ja alle von Cusslers Prologen um Jahre, Jahrzehnte oder sogar Jahrtausende VOR der Haupthand­lung. Zu dumm ist es deshalb, dass es noch zwei weitere Isaac-Bell-Romane gibt, von denen „Sabotage“ sogar schon in deutscher Übersetzung vorliegt.4

Ihr ahnt es sicherlich schon – auch zu diesem Werk wird es in absehbarer Zeit einen Lesekommentar geben. Ich bin schon mal sehr neugierig auf das Buch. Also, Isaac Bell, wir sehen uns wieder…

© 2012 by Uwe Lammers

Doch, wenn man sich mal gedanklich Clive Cussler von der NUMA oder auch den Schatzsuchern, dem Ehepaar Sam und Remi Fargo, gelöst hat und mit voller Absicht in diese Zeit eintaucht, dann landet man in einer sehr faszinierenden Epoche, die mit dem Ersten Weltkrieg unwiderruflich untergegangen ist. Einen kleinen, verstörenden Vorgeschmack des grässlichen 20. Jahrhunderts bekom­men Bell und Co. ja schon beim verheerenden Erdbeben von San Francisco in diesem Band.

Außerdem lernt man als Leser allerdings noch ganz andere Dinge kennen: tech­nische Alternativentwicklungen etwa wie das Elektroauto. Oder berühmte bzw. berühmt werdende Zeitgenossen, die hier mal tragende Rollen haben, mal nur als „Sidekicks“ eingeführt werden, um die Story aufreizend zu illuminieren. Man spürt sehr deutlich, wie genussvoll sich Cussler in diese Welt und Zeit eingear­beitet hat, was es ihm für ein enormes Vergnügen bereitete, auf viele der mo­dernen Hilfsinstrumente zu verzichten, die für heutige Ermittler zur Verfügung stehen. DNS-Abgleiche? Internet-Bilddatenbanken der Verbrecher? Super­schnelle Rechenleistung für Verknüpfung komplexer Sachverhalte? Na, da muss man mal downgraden auf Karteikarten, Handschrift, Telegramme und Botenjun­gen. Das sorgt gelegentlich für haarsträubende, aber durchaus plausible Verzö­gerungen im Handlungsablauf und damit für eine erstaunlich wirksame Ver­schärfung der Dramatik.

Doch, das nächste Bell-Abenteuer kommt unbedingt, aber davon berichte ich dann erst im Jahr 2019. Zwischendurch gibt es noch jede Menge anderer inter­essanter Romane, auch von Cussler und seinen Kompagnons, die vorher zu be­schreiben sein werden. Aber wer von Isaac Bell nicht genug bekommen kann… googelt ihn, Freunde. Da ist schon viel erschienen.

In der nächsten Woche stelle ich euch mal eine wirklich alte Rezension vor, in der ich zwei Endzeit-Romane verglichen habe. Welche? Nun, das wird hier und jetzt noch nicht verraten, dazu komme ich in sieben Tagen.

Bis dann, meine Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Und es sollte vielleicht angemerkt werden, dass der Blanvalet-Verlag immer noch nicht gelernt hat, die ver­schiedenen Settings Clive Cusslers zu unterscheiden. Mit einer stumpfsinnigen Einfallslosigkeit werden die Juan Cabrillo-Abenteuer in der Werbung jedes Buches dauerhaft falsch unter die „Helden der NUMA“ rubri­ziert, mit denen er wirklich so gut wie überhaupt nichts zu tun hat. Der Verlag sollte das wirklich endlich mal lernen und die Werbung abändern, er blamiert sich wirklich permanent damit – und das im direkten Umfeld eines Autors, der sich bei ihnen schließlich sehr gut verkauft. Ziemlich peinlich…

2 Cussler selbst hat übrigens in diesem Roman selbst keinen seiner üblichen „Gastauftritte“… wenn man von einer Erwähnung eines früheren Falls von Bell absieht, wo er angeblich einen Verbrecher namens „Big Foot Cussler“ zur Strecke gebracht haben soll. Und im Prolog stößt man auf den vermutlich fast unvermeidlichen Leigh Hunt, einen früheren Freund Cusslers, den er gern in vielen seiner Romane an prominenter Stelle un­tergebracht hat. An manchen Stellen geriet ich allerdings ins Schleudern, so bei der Erwähnung eines Elek­troautos (!) im Jahre 1905, was nicht unmöglich sein mag, aber doch zumindest die meisten Leser so verdut­zen wird wie mich. Schließlich hält man Elektrofahrzeuge ja doch eher für einen Trend aus dem Ende des 20. Jahrhunderts. Es mag freilich sein, dass es diesen Trend als technologische Sackgasse schon 1905 gab (wie halt auch Edison und seine qualvollen Versuche, elektrischen Gleichstrom nutzbar zu machen und Nikola Teslas Wechselstrom zu diffamieren – was den Siegeszug des Wechselstroms nicht aufgehalten hat).

3 Es empfiehlt sich übrigens, als ergänzende Lektüre zu diesem Buch (oder als Vorbereitung) ein packendes Sachbuch zu lesen, nämlich Simon Winchester: Ein Riss durch die Welt. Amerika und das Erdbeben von San Francisco 1906, München 2006. Ich nehme an, da die Originalausgabe von Winchesters Buch 2005 erschie­nen ist und Cusslers Roman auf Amerikanisch im Jahre 2006, dass hier ein direkt inspirativer Zusammenhang besteht.

4 Nachtrag vom 12. Mai 2018: Das ist natürlich eine längst veraltete Information aus dem Gestern. Inzwischen gibt es schon rund ein Dutzend Bell-Abenteuer, da sich der Van-Dorn-Agent und das historische Setting als sehr gut verkäuflich erwiesen haben. Die Romane werden nach und nach gelesen und dann ebenfalls hier rezensiert werden.

Wochen-Blog 293: Der OSM in Gedichtform (9): Das Blut der Matrix

Posted Oktober 14th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute geht es an die Fundamente des Oki Stanwer Mythos, und selbst wenn vieles im folgenden Text, der hier erstmals veröffentlicht wird, kryptisch bleiben wird, seid gewiss, dass ich inzwischen eine sehr gute Vorstellung von den meis­ten Andeutungen habe. Vieles davon ist bereits umgesetzt worden.

In den Kosmologie-Lektionen, den seltenen, habe ich mal erzählt, dass das Uni­versum des Oki Stanwer Mythos aus so genannter „Primärenergie“ erschaffen wurde, dass Energie zu Materie sublimiert wurde, und ebenfalls natürlich, dass Primärenergie heutzutage kaum mehr anzutreffen ist – das ist der Lauf der kos­mischen Entwicklung: Primärenergie neigt dazu, sich zunehmend zu verdünnen, an Gehalt zu verlieren, quasi zu „degenerieren“. Je länger sich Wesen mit ho­hem Primärenergiepotenzial, Oki Stanwer oder die Helfer des Lichts beispiels­weise, im Universum aufhalten, desto stärker gleich sich ihr Primärenergiepo­tenzial, anfangs noch wie eine gleißende Entladung lodernd, dem Energieni­veau der Umgebung an.

So ist es normal.

1994 entdeckte ich allerdings, dass das nicht für alle Bereiche des Universums gilt. Ebenso, wie es verschiedentlich erratische Tore ins Innere der Matrix selbst gibt, verfügt ein Universum auch über Schadstellen, Brüche der Raumzeit. Und dort scheint der Kosmos selbst zu brennen, zu explodieren. Unter der Oberflä­che der Raumzeit kommt es zu spontanen Entladungen von Primärenergie, ge­legentlichen Ausfällungen.

Man nennt solche Orte, an denen das geschieht, TVESTHIL. Sie sind sehr selten, und ihr Standort wird strikt geheimgehalten. Dazu besteht jeder Grund, denn die Substanz, die dort ausflockt, ist strategisch wichtig für die Ziele der Licht­machtbediensteten – es handelt sich um Goldkristall, und er wird gesammelt und zu Waffen geschmiedet, die den Kämpfern des Lichts zur Verfügung stehen.

Im KONFLIKT 22 des OSM jedoch, in der Serie „Oki Stanwer – Der Schatten­fürst“, da tauchte ein rätselhaftes Volk auf, die Veskoy, die angeblich imstande waren, ein TVESTHIL zu bändigen und seine zerstörerischen Kräfte im Zaum zu halten. Zu dumm: die Veskoy waren keine Bediensteten des Lichts. Und sie exis­tierten in keiner der Völkerdateien des KONFLIKTS. Sie schienen geradewegs aus dem Nichts gekommen zu sein.

Damit war für die Bediensteten der Lichtmächte natürlich, ideologisch verna­gelt, wie sie waren, der Fall vermeintlich glasklar: es musste sich mal wieder um sinistre Kreaturen TOTAMS handeln, und das Streben der Veskoy nach Ordnung war nur ein Vorwand für das exakte Gegenteil: vollständiges Chaos.

Aber der KONFLIKT 22 ließ sich nicht mit normalen Maßstäben bisheriger Aus­einandersetzungen zwischen Licht und Schatten messen, und so gingen alle diesbezüglichen Spekulationen krass in die Irre. Ich vertiefte mich in diese Zu­sammenhänge und stieß durch Raumzeitlabyrinthe in ein geheimnisvolles, un­glaubliches Reich unter dem Universum vor, in dem das Feuer des TVESTHIL gnadenlos brannte. Und hier unten kollidierten sinistre Pläne, in die Wesen jen­seits der Zeit involviert waren.

Gründlich romantisch verschlüsselt schuf ich schließlich parallel zu den Hand­lungslinien des KONFLIKTS 22 folgendes Gedicht:

Das Blut der Matrix

Gedicht von Uwe Lammers

Quecksilbriges Schimmern

hinter Wogen aus Raumzeit.

Energetisches Wabern und Gleißen

gefangen in Gittern aus Immaterialität.

—-

Und doch sind da Löcher,

Risse in der Ewigkeit,

gespaltene Felsen und Welten

werden Durchlass für dein Blut.

—-

Haarfeine Spalten,

unendlich fein verästelt,

lassen das flüssige Gold rinnen,

lassen den Mythos Wirklichkeit werden.

—-

Rubinschimmer, Smaragdmonde,

Grüne Galaxis, Feuerrad,

Daarcor und Zooltahn,

Arc und Vengartin.

Anmerkung: Die „Grüne Galaxis“ ist euch inzwischen zumindest dem Namen nach vertraut – die Galaxis Bytharg, Schwerpunktkampfschauplatz in KONFLIKT 12 (Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“, 1987-1993). Feuerrad ist euch aus den „Legendären Schauplätzen“ bekannt, in den Geschichten seid ihr dort mehrheitlich noch nicht gewesen, es sei denn, ihr habt im Rahmen des Fanzines „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) dort vor Jahren mal eine Stippvisite ge­macht, als ich die Abenteuer des Xin-Feuerspürers Shorex’uss publizierte.

Daarcor ist der zentrale Schauplatz in KONFLIKT 22, während die Galaxis Zool­tahn in KONFLIKT 20 (Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“, 1984-1997) liegt. Arc als Heimatsterneninsel der Baumeister ist aus den „Legendären Schauplätzen 1“ bekannt. Vengartin überfordert mich aktuell gerade… da erwischt ihr mich kalt. Wo und wann und unter welchen Umständen diese Galaxis eine Rolle spielte – no idea.

Die Auflistung der Sterneninseln ist ein wenig kryptisch, weil ich kaum glaube, dass dort überall TVESTHILE existierten. Aber ich kann mich natürlich täuschen.

Ihr seid Horte der Brüche,

ihr seid die Punkte der zerborstenen Raumzeit,

und ihr seid verborgen im Angesicht der Baumeister,

kaum einer weiß um eure Bedeutung.

—-

Wo aber das Blut der Matrix quillt,

wo Goldkristall kristallisiert,

wo primäre Energie Materie wird,

da ist das Schöpfungstor.

—-

Dort wird alles möglich,

für Wesen jenseits von Ort und Kausalität,

dort ist die Verschmelzung möglich,

die Verschmelzung der Teile der Seele.

Anmerkung: Das ist ein wenig sehr hohe OSM-Geheimniskrämerei, denn mit den legendären Teilen der Seele, die erstmals in KONFLIKT 23 (Serie „Oki Stan­wer – Der Dämonenjäger“, 1988-1994) auftauchen, habt ihr nun wahrhaftig noch keine Berührung gehabt. Dazu kann ich zum aktuellen Zeitpunkt leider noch nichts weiter erläutern, das wäre ein zu starker Spoiler…

Aber eine Wächterin ist hier

und wacht mit Argusaugen,

dass niemand vor der Zeit kommen kann

und alles zunichte macht.

Anmerkung: Und auch zu dieser Wächterin könnte ich manches sagen, doch da sie erst in KONFLIKT 23 geboren wird, wiewohl ihr Ruhm in Vergangenheit und Zukunft ausstrahlt, möchte ich mich auch an dieser Stelle in Schweigen hüllen. Ihr merkt schon, dass dieses so schlicht wirkende Gedicht doch sehr weit auss­trahlt im OSM.

Einmal nur versagte sie – kurzfristig – ,

das war, als die Veskoy kamen,

aber das war nur ein Moment

im Lauf der Ewigkeit.

—-

Längst sind die Veskoy nicht mehr

und auch nicht all ihre Erben,

und die Dinge bleiben so, wie sie sind,

bis zum Ende der Welt.

Anmerkung: Die Veskoy-Deutung, die hier geboten wird, ist inzwischen veraltet. Ich ging – wie alle Lebewesen im KONFLIKT 22 – fest davon aus, dass das Ster­nenreich der Veskoy vor Hunderttausenden von Jahren in einer einzigen giganti­schen Eruption ausgelöscht wurde, die die Trümmer des Imperiums über den gesamten stellaren Cluster und durch die Tiefen der Zeit verstreute. Was unter anderem dazu führte, dass Bauwerktrümmer der Veskoy in Millionen Jahre al­ten Kohleflözen auf ansonsten unbewohnten Welten gefunden werden können… aber heute ist mir klar, dass es eine tiefere Geschichte hinter all dem gibt, und davon kann ich euch erst später was sagen. Das hat mit dem geheimen Tempo­ralkrieg hinter den Kulissen des verworrenen KONFLIKTS 22 zu tun.

Blut der Matrix,

kostbares Halb-Nass, Pseudo-Funke, Quasi-Materie,

brennt auf immer und funkelt unvergänglich,

bis einst das Universum sich selbst aus den Angeln hebt.

ENDE

© 1994 by Uwe Lammers

Tja, soweit für heute der Blick in ein weiteres interessantes OSM-Gedicht, das euch ein neues Mosaiksteinchen für das komplizierte Gesamtbild des Oki Stan­wer Mythos bietet. Selbst wenn das Gedicht partiell veraltet ist, strahlt es doch wenigstens semantisch immer noch einigen Reiz aus. Ich mag es nach wie vor ganz gern, wiewohl es fast 15 Jahre alt ist.

Lasst euch mal überraschen, wohin es uns in der kommenden Woche ver­schlägt.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.