Rezensions-Blog 177: Der Schwarm

Posted August 15th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Erstkontakte sind etwas, was in der Science Fiction immer wieder vorkommt. Das ist gewissermaßen Teil der strukturellen DNS des Genres, könnte man sa­gen, es ist eingeschrieben in die Grundidee der Science Fiction, wie eben auf der anderen Seite auch Raumschiffe, fremde Welten und ferne Galaxien. Aber in sehr vielen Fällen, namentlich natürlich in der filmischen SF, greift man übli­cherweise auf menschenähnliche Aliens zurück. Das hat zum einen mit der rein technischen Tatsache zu tun, dass aufwändige Tricktechnik halt immer noch teuer ist, zum zweiten ist es schlicht eine Frage der Akzeptanz.

Wie meine ich das? Nun, so aufgeklärt wir Phantasten uns auch geben und so gerne wir den Topos des Erstkontaktes sowohl als Leser wie auch als Autor be­dienen… im tiefsten Inneren geht es doch um etwas anderes, nämlich um das Fremde an sich, und das kann verschiedenste Formen haben. Es hat, philoso­phisch gesprochen, mit etwas zu tun, was man Intersubjektivität nennt. Men­schen sind nun einmal in ihrem Kopf als einsame Wesen eingeschlossen und müssen die Wesen um sie herum, mögen sie nun tierischer oder menschlicher Natur sein, mühsam entschlüsseln anhand ihrer Reaktionen. Mimik, Gestik, ver­bale Kommunikation, Gerüche und Handlungen – das alles versetzt uns letzten Endes in die Lage, soziale Wesen zu sein und so etwas wie ein Gesellschaftsle­ben zu entwickeln.

Erstkontakte in der Science Fiction sind in vielen Fällen darum nach außen proji­zierte Konfliktsituationen, die ebenso im zwischenmenschlichen Bereich auftre­ten können. Und wir müssen uns nicht fremdenfeindliche Parteien oder die Na­zis anschauen, um zu wissen, dass das Fremde für die Majorität unserer Mit­menschen Furcht einflößend ist und verunsichernd wirkt.

Nicht allein deshalb lieben wir Science Fiction und die Begegnung mit fremden Lebensformen, unbekannten Zivilisationen. Und deshalb enttäuschen uns oft­mals die humanoiden Aliens in Star Trek, Star Wars & Co. Wirklich FREMDES zu erschaffen, das fällt uns überwältigend schwer, die Akzeptanz dessen noch we­sentlich schwerer.

In dieser Hinsicht fand ich den Versuch des deutschen Autors Frank Schätzing unglaublich packend und gelungen, das Fremde eben nicht irgendwo zwischen den Sternen zu suchen, sondern hier bei uns auf der Erde. In einem bis heute weitgehend unerforschten, kryptischen Lebensraum, den Tiefen des Ozeans.

Er ging noch einen wesentlichen Schritt weiter, indem er nämlich die Herausfor­derung des Fremden an sich tatsächlich ernst nahm und eine zutiefst fremdarti­ge Macht erschuf, die sich anschickte, der Menschheit auf unbegreifliche Weise den Krieg zu erklären.

Heraus kam ein Bestseller, an den ich auch nach fast 15 Jahren immer noch gern denke. Wer ihn damals nicht gelesen haben sollte, weil er dachte „Oh Gott, was für ein Schinken! Tausend und mehr Seiten! Das kann man doch über­haupt nicht lesen…!“, dem ist eindeutig etwas entgangen. Denkt bitte an mein Diktum, dass gute Romane stets zu kurz sind, ganz egal, wie umfangreich sie ausfallen. Das ist hier ganz genauso.

Und dann schlagt die erste Seite auf und beginnt mit dem Lesen. Wer ein wenig Vorwärmzeit braucht, sollte sich meine damalige Rezension zu Gemüte führen, die deutlich kürzer ausgefallen ist. Also einfach weiterlesen:

Der Schwarm

von Frank Schätzing

Kiepenheuer & Witsch

6. Auflage, 2004

1012 Seiten, 24.90 Euro

Die Frage nach fremder Intelligenz treibt die Menschheit seit Jahrtausenden um, und stets wurde sie dort vermutet, wo noch niemand gewesen war. Folge­richtig: auf unbekannten Erdteilen, in dampfenden, undurchdringlich scheinen­den Dschungeln, später auf entlegenen Inseln, in abgeschiedenen Bergtälern, schließlich in den Weiten des Kosmos, aus der viele Menschen händeringend fremde Intelligenz ersehnen.

Doch es gibt einen Ort, der für uns Menschen fremder ist, als es die fernen Ge­stirne am Firmament sein können und über dessen Fremdartigkeit und Tödlich­keit wir uns üblicherweise nicht im Klaren sind.

Diese unbekannte, nahe Welt ist der Ozean.

Wir sehen nur die Oberfläche davon und die Säume des Kontinentalschelfs, die mäßig erforscht sind. Doch Milliarden von Kubikkilometern Meerwassers sind in für uns fast undurchdringliche Finsternis gehüllt, gefüllt mit Lebensformen, von denen wir nur sehr wenig bislang gesehen haben. Viele werden uns vielleicht für immer verborgen bleiben. Das Meer dient der überproportional wachsen­den Menschenbrut als Ressource, als Becken, das man leer fischen kann, als Müllkippe, als Ort, mit dem man alles anzustellen wagt, was an Land mangels Platz nicht mehr möglich ist oder von den Gesetzen und Umweltschützern zu stark verfolgt wird.

Das gilt auch heute noch.

Bis jetzt.

Irgendwann zu Beginn des 21. Jahrhunderts verschwindet vor der peruanischen Küste ein Fischer spurlos. Ein bedauernswertes Unglück, zweifelsohne. Auch wenn er ein erfahrener und kundiger Fischer war. Unglücke geschehen nun mal, nicht wahr?

Vor Vancouver Island bleibt die alljährliche Walwanderung aus. Prompt tritt eine Gruppe aus dem Schatten der Unbekanntheit, die einem Whale-Watching-Unternehmen vorwirft, sie hätten die Wale verscheucht, ja, geradezu miss­braucht. Was nicht gerade für ein besseres Klima sorgt.

In Norwegen beginnt die Firma Statoil mit der Planung einer untermeerischen Fabrik, die dort in mehreren hundert Metern Tiefe auf dem Kontinentalschelf Ölvorkommen explorieren und ausbeuten soll. Bei den Erkundungen auf dem von Methanhydrat durchsetzten Kontinentalsockel stoßen die Tauchboote über­raschend auf eine neue Form von Tiefseewurm, der sich zu Millionen auf dem Hydrat tummelt.

Dies sind nur ein paar seltsame Mosaiksteine der Geschichte, und es dauert Wochen und Monate in der Romanhandlung, bis die maßgeblich Verantwortli­chen zu begreifen beginnen, dass hier irgendetwas furchtbar falsch läuft.

Als etwa die Wale wieder erscheinen, beginnen sie unvermittelt mit brutalen Attacken gegen die Menschen, wobei sie sich auch noch mit anderen Meeresle­bewesen verbünden. Selbst Frachtschiffe werden angegriffen. Neue Lebensfor­men wie extrem schnelle, mobile Muschelschwärme treten in Erscheinung. In Nordamerika überfallen Millionen Tiefseekrabben die Küstenstädte. In Frank­reich explodieren mit Toxinen gefüllte Hummer. Mutierte Quallen machen Strände unbegehbar. Die Fischschwärme verschwinden, die Fischereiwirtschaft bricht in sich zusammen. Und an allen Kontinentalhängen erscheinen zugleich Myriaden jener rätselhaften Tiefseewürmer, die das Methanhydrat attackieren und zu destabilisieren beginnen.

Methanhydrat, unter anderem ein Resultat abgesunkener organischer Schweb­stoffe, die in der Tiefsee in frierendem Meerwasser unter hohem Druck gebun­den werden, ist ein gigantischer Energielieferant und potenzieller Kandidat für eine Energieversorgung einer nahen Zukunft, in der es keine fossilen Brennstof­fe mehr gibt. Das ist die eine Seite des Methanhydrats, das bislang nicht abbau­bar ist. Es ist aber zugleich imstande, im Falle der Destabilisierung großflächige Meeresbodenrutschungen auszulösen. Diese wiederum erzeugen Seebeben und Tsunami-Wellen von unvorstellbarer Stärke. Jählings sind alle Küstenstädte der Menschheit von der vollständigen Vernichtung bedroht, und niemand weiß, wieso und weshalb.

Im Wettlauf mit der Zeit gelingt es einem Wissenschaftlerteam schließlich, ein Muster in all dem zu erkennen, und es ist ein Furcht erregendes Muster: denn es deutet auf die Existenz einer zweiten intelligenten Spezies auf diesem Plane­ten, einer Lebensform, die perfekter mit Biotechnik umgehen kann als es die Menschheit vermag – und diese Rasse sitzt in der perfektesten Festung der Erde: in der Tiefsee.

Der Countdown zur Auslöschung der Menschheit läuft, und nichts scheint ihn mehr stoppen zu können, weil man mit dem Gegner weder kommunizieren noch ihn überhaupt VERSTEHEN kann…

Frank Schätzing, bekannter Schriftsteller des Mittelalter-Romans „Tod und Teu­fel“ (1996) hat mit diesem rasanten, einfallsreichen und zum Teil außerordent­lich beklemmenden Feldzug der Natur gegen die Menschen ein Buch geschrie­ben, das dem Leser auf beispiellose Weise vor Augen führt, auf welch schma­lem Grat wir alle wandeln, die wir uns in dieser Welt aufhalten und wie wenig wir eigentlich von ihr und den biologischen Kreisläufen der Erde wissen. Der Kern des Romans ist ein klassischer SF-Topos, nämlich der Erstkontakt, und ich muss gestehen, selten ist er desillusionierender gewesen als hier. Selten trat die Borniertheit des sogenannten „homo sapiens“ nachdrücklicher in Erscheinung als auf diesen Seiten.

Liebevolle Charakterzeichnungen, intensive Recherchen beispielsweise bei dem Leben und der Mythologie der Inuit und der Indianer British-Columbias werden unterstützt von zahllosen Belegen für gute Kenntnis im Bereich der Mikrobiolo­gie, der Ozeanografie, Geologie und zahlreicher anderer Felder. Das macht das Buch für einen Leser wie mich, der über diese Themen aus Sachreportagen schon eine Menge weiß, überaus lesenswert.

Schätzing scheut sich auch nicht vor ziemlich eindeutigen Aussagen. So hat er sehr wenig übrig für die amerikanische Führung, das kommt im Buch sehr gut herüber. Der von einem messianischen Heilskomplex besessene Präsident, der sich von seiner charismatischen und innerlich eiskalten Generalin Judith Li (die Figur ist, wie Schätzing in einem Playboy-Interview erklärte, auf der Grundlage der Biografie von Condoleeza Rice entwickelt worden!) umgarnen und lenken lässt, ist nur zu deutlich mit George W. Bush jr. zu assoziieren. Auch die sturen Militärs und den ekelhaften Geheimdienstchef Vanderbilt, all diese Personen kann man sich nur zu gut vorstellen. Ähnliches geschieht auf der Seite der Wis­senschaftler, ob wir nun den Walforscher Anawak nehmen, den norwegischen Wissenschaftler Johanson, die Umweltaktivistin und Biologin Delaware, die SETI-Forscherin Crowe… Die Leute wachsen einem durchaus ans Herz, mit an­deren verbindet den Leser eine immer inniger werdende Abneigung.

Und dann sind da natürlich die Schockeffekte. Wenn z. B. die Angriffe stattfin­den, Angriffe, die stets auf Furcht erregende Weise doppelte Böden besitzen, Tarnmanöver sind, unglaubliche Wendungen enthalten… Und Hauptpersonen sterben. Ich verrate natürlich nicht, welche, ich verrate nicht, wie es geschieht oder wann. Das muss man lesen.

Am Ende enttäuscht Schätzing den Leser… nun, sagen wir, FAST. Ein paar Seiten lang dachte ich, er täte es. Aber dann reißt er das Ruder auf eine faszinierende Weise herum und verpasst der Menschheit einen mächtigen Denkzettel. Das ist sehr lesenswert.

Allein, was ich mir gewünscht hätte, das wäre ein wenig mehr Glück im Buch gewesen, insbesondere für die Frauen. Obwohl das vermutlich nicht intendiert war, hat der Autor hier eine Schwäche offenbart, etwas, woran er zu arbeiten hätte. Die Leserin wird es fühlen, denke ich. Ich fand die Art und Weise, wie Schätzing das Glück der Frauen behandelt, doch etwas sehr bedauerlich. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Ansonsten jedoch enthält das Buch unglaublich viele Anregungen und ist für je­den Phantastik-Autor, der sich mit wirklich fremdartigen Erstkontakten beschäf­tigt, meiner Ansicht nach absolute Pflichtlektüre. Selten habe ich einen Erstkon­takt und seine Problematik so gut beschrieben gefunden wie in diesem Roman. Und nebenbei lernen wir viel über jenen fremdartigen, fast unbegreifbaren Kos­mos in den Tiefen der Ozeane, von dem wir eigentlich noch gar nichts gesehen haben.

Dies ist die Zukunft – und niemand von uns kann sagen, was die Menschheit dort erwartet. Und ob da nicht wirklich jemand ist, der uns beobachtet…

© 2004 by Uwe Lammers

Neugierig geworden? Ich sagte ja, es lohnt sich, diesen Roman zu verschlingen… und glaubt mir, nach spätestens 200 Seiten kommt ihr gar nicht mehr raus, und die Länge des Textes spielt dann echt keine Rolle mehr.

Ähnlich packend wird das übrigens in der kommenden Woche, wo es in einem sehr viel kürzeren Roman um bodenständigere Themen geht. Juan Cabrillo hat einen Gegner, der auch der Phantastik entsprungen sein könnte – nichts Gerin­geres nämlich als metallene Riesenschlangen.

Was das konkret heißt? Nun, da müsst ihr schon nächste Woche wieder rein­schauen, da wird jetzt nicht gespoilert.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

vor neun Wochen verweilten wir das letzte Mal in dieser Rubrik meines Blogs, und ich kam damals bis Ende August 2011, sodass ich gleich mal nahtlos mit dem September 2011 fortfahren möchte. Mit nur fünfzehn vollendeten Wer­ken, von denen zahlreiche nicht zum OSM gehörten, ist das ein Monat des Durchschnitts gewesen.

Im Rahmen der Annalen im weiteren Sinne vollendete ich zwei Storyglossare und stellte schon am 2. September den Hintergrundtext „Das Reich der Zwer­gengöttin“ fertig, der zum KONFLIKT 4 des OSM gehört, also zur Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“.

Viel Zeit investierte ich sonst in diesem Monat in die immer umfangreicher wer­denden Episoden des KONFLIKTS 9 „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“ (DKdO), den ich in diesem Jahr erst begonnen hatte. Und dabei traf ich auf einen wirk­lich alten Bekannten… ein schrulliges Wesen namens BURTSON, der mich voll­kommen vereinnahmte. Zu BURTSON sollte ich etwas mehr sagen, damit ihr das verstehen könnt.

BURTSON ist eine kybernetische Intelligenz von hoher Potenz – was äußerst nahe liegend ist, da seine Erschaffer die Baumeister sind. Wer heutzutage in meinen E-Books über SENSOREN der Baumeister stolpert, sollte wissen, dass BURTSON in deren Liga mitspielt, sie aber an Intellekt noch weit übertrifft. Im KONFLIKT 9 des OSM ist BURTSON das zentrale Steuerungsgehirn des okischen Imperiums, die Zentralintelligenz des legendären Okiplaneten. Und ja, diese ganzen Dinge sind ziemlich zentraler Kern meiner „Gedankenspiele“ mit mei­nem Bruder gewesen, vor mehr als vierzig realen Jahren.

Ich übertreibe also nicht, wenn ich sage, BURTSON sei ein „alter Bekannter“ ge­wesen. Im Grunde betrachte ich ihn als einen Jugendfreund… aber andererseits war ich nie wirklich imstande, ihn gescheit darzustellen. Und in den Episoden dieser Serie hatte ich in diesem Monat, September 2011, endlich die Möglich­keit, den Moment zu beschreiben, wo Oki Stanwer BURTSON kennen lernte.

Eine faszinierende, total singuläre Situation, die zugleich absolut haarsträubend war: denn der ZYNEEGHAR 11, der nachmalige Okiplanet, war ein toter Maschi­nenstern der Baumeister, der um eine rote Sonne am Rande der Magellanschen Wolken driftete, und Oki, seine engsten Freunde und eine Gruppe von schwar­zen Zwergen (Schrottis, keine Shonta… obwohl die im Laufe dieser Geschichte auch noch an Bedeutung gewinnen sollten), waren dort festgesetzt worden und sahen dem sicheren Tod ins Auge.

Oki Stanwers wahnwitziger Plan: wir wecken die Zentralintelligenz dieses Sterns wieder auf. Dafür war es allerdings erforderlich, ins Zentrum des Sterns vorzu­dringen und sich in einen kybernetischen Kontakttraum zu versenken – ein Traum, der aus Oki Stanwers Erinnerungen an sein 8. Leben gespeist wurde. Und wo landeten er und seine Gefährtin Viane Vansin el Descorin del Sante, die leidenschaftliche Kleini-Millionärin? Im Wilden Westen der Erde und an einem Ort namens Center-City.

Noch ein legendärer Ort aus den „Gedankenspielen“, damals inspiriert von den Winnetou-Filmen, ohne Scherz. Und hier trafen sie BURTSON – einen kauzigen Sheriff, der von ihnen nichts wissen wollte und nur draußen an der Main Street saß und seinen bizarren Würfel warf.

Gott, was war das für ein Schreibvergnügen. Und was wurde das erst für ein Alptraum, als ein leibhaftiger Dämon von TOTAM in Erscheinung trat, Tote zu neuem Leben erweckt wurden und schließlich die ganze Stadt in den Kriegszu­stand geriet… echt, Freunde, ich war hin und weg in diesem Monat. Es entstand echt eine wirklich lange Episode nach der nächsten, und jede endete mit einem üblen Cliff-hanger.

Außerdem feilte ich ein wenig nebenbei, wenn ich meine Gedanken fokussieren konnte, an den Fragmenten „Himmelfahrtskommando“ und „Die Tiefenwäch­ter“, entwarf das Storyfragment „BURTSONS Feuerprobe“… und dann war der Monat schon wieder vorbei.

Wow, dachte ich, das war gewissermaßen der Schnelldurchlauf. Aber so ein toller!

Der Monat Oktober entwickelte sich ebenso stürmisch und schloss mit 22 ferti­gen Werken. Inzwischen war ich mit der DkdO-Serie bis Band 12 vorgestoßen, und um mich hier ein wenig herunterzukühlen – zumal mit „Die automatische Stadt“ schon wieder ein Storyfragment aus dem Dunstkreis dieser Serie auf meinem mentalen Innenschirm erschien – befasste ich mich ab dem 16. des Monats mit einem weiteren Desiderat der OSM-Digitalisierung: Ich kümmerte mich um die frühen Episoden des KONFLIKTS 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“, wo die ersten 21 Episoden nur als Schreibmaschinenversionen existierten. Ab dort bis hoch zu Band 50 konnte ich sie nach und nach relativ zeitsparend einfach neu formatieren und ausdrucken, aber über 200 Textseiten abschreiben… das dauerte natürlich.

Außerdem befand ich mich ja im gleichen Arbeitsprozess in KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (KGTDUS). Da steckte ich gera­de mal in Band 13 von insgesamt 114 Episoden… und tatsächlich sollte ich mit dieser Aufgabe erst in jüngster Vergangenheit abschließen, nämlich im Juni 2018! Manche Arbeiten dauern einfach verdammt lange.

Neben diesen Tätigkeiten, die eine Menge Zeit aufbrauchten, kümmerte ich mich auch weiterhin um Fragmente des OSM. Dieses Mal an der Reihe waren nacheinander diese: „Auf ewiger Mission“, „Die automatische Stadt“, „Die Intervention“, „Der Zentralknoten“ sowie „Eine scharf geschliffene Waffe“. Wie ihr vermutlich wisst, sind bis heute erst zwei dieser Werke fertig geworden.

Der Monat November steigerte die Produktivität weiter. Diesmal blickte ich auf 25 beendete Werke zurück. Hauptarbeitsfeld: KONFLIKT 19 mit den Episoden­abschriften einerseits, den Episoden-Neuformatierungen andererseits. Vermut­lich ist es der Tatsache zu verdanken, dass ich mich, was längere Werke angeht, primär um „Eine scharf geschliffene Waffe“ kümmerte, die ja auch auf dem Planeten Dawson in KONFLIKT 19 spielt, dass ich sonst zu kaum etwas kam. Ge­legentliche Stippvisiten in längere Archipel-Projekte kamen vor, aber sie sind in dieser Beziehung nicht wirklich erwähnenswert.

Eine Geschichte wäre noch zu nennen, nämlich „Auf Space“, mit der ich am 24. November begann. Ebenso, wie ich im Vormonat mit „Der Zentralknoten“ be­gonnen hatte, spielt diese Geschichte im solaren System des KONFLIKTS 19 und beleuchtet dramatische Hintergründe der aktuellen Situation. Dabei spiegelt die Zentralknoten-Story mehr die Vergangenheit und geht dann in die Gegen­wart über, während die Space-Story die Gegenwart thematisiert und direkt aus der Serie selbst hervorgeht.

Space... ja, das hört sich witzig an, ist es aber nicht. Space wird im solaren Sys­tem als moderne Designerdroge bezeichnet, deren Besitz und Benutzung vom Staat strikt verfolgt wird. Dummerweise ist das vermutlich nicht mal ein Viertel der Wahrheit. Denn Space ist keine Droge, es ist mehr… wie soll ich das be­schreiben…, sagen wir mal: eine Art Lösungsmittel. Es hat gewisse Ähnlichkeit mit der Pille, die Neo in dem Film „Matrix“ nimmt. Sie versetzt den vermeintlich „Süchtigen“ aber nicht in eine virtuelle Welt oder koppelt ihn aus einer solchen aus, sondern sie befreit ihn aus einer umfassenden organischen Diktatur und macht ihn sofort zum Staatsfeind.

Das solare System ist im KONFLIKT 19 eine Diktatur, auf eine ungeheuerliche Weise, die man im Grunde genommen gar nicht wahrnimmt. Allerdings gibt es eine Person im System, die dagegen ankämpft… und wer die Geschichte „Die Intervention“ gelesen hat, weiß auch, wer das ist: ein Baumeister. Dass er da­mit sich und alle, die durch Space „befreit“ werden, in Lebensgefahr bringt, macht die Lage allerdings höchst kompliziert.

Leider sind die beiden genannten Geschichten noch lange nicht fertig, der Bil­derfluss stagniert hier seit Jahren. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich das als­bald wieder geben wird.

Über den dann wieder ein wenig (kreativ) kühleren Monat Dezember 2011 er­zähle ich euch dann beim nächsten Mal in dieser Rubrik wieder detaillierter. In der kommenden Woche lasse ich euch an dieser Stelle an einem unglaublichen, wenn auch non-phantastischen Leserausch teilhaben, der mich im Frühjahr 2018 wunderbar mit Beschlag belegte.

Welche Bücher das waren? Na, bleibt gespannt, Freunde. Ich denke, das wird eine schöne Überraschung für euch werden.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 176: Kein König von Geburt (3)

Posted August 8th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

selbst raffiniert gestrickte Zyklen mit faszinierenden Personenschicksalen und Einflechtung vielfältiger Formen parapsychischer Begabungen erreichen, wenn sie die Schwelle von mehr als tausend Seiten überschreiten, offenkundig Belas­tungspunkte, denen sie nur bedingt gewachsen sind. In einem anderen Fall habe ich so etwas schon einmal diskutiert, nämlich damals, als Peter F. Hamil­tons „Armageddon-Zyklus“ am Ende in die Unglaubwürdigkeit absank. Hier ist es etwas anders gelagert.

Wir erinnern uns, dass das Zeitportal von Madame Guderian an einen singulä­ren Punkt im Pliozän des Planeten Erde führt und ein irreversibles Portal dar­stellt. Man kann in die eine Richtung hindurch, aber nicht wieder zurück. High-Tech-Gerätschaften dürfen in die Vergangenheit nicht mitgenommen werden… nun, in diesem Teil des Zyklus verstößt Julian May leider gegen diese Regelung, und wie ich unten näher ausführe, hätte dies eigentlich die sofortige Schließung des Portals bedeuten müssen. Was aber nicht geschah. Das lässt leider nur die Schlussfolgerung zu, dass die Autorin diese Volte der Handlung nicht von Anbe­ginn des Zyklus im Blick hatte, sondern nachträglich installierte, um die Hand­lung zu „strecken“.

Das tut der Gesamtgeschichte leider nicht wirklich gut, sondern wirkt etwas un­angenehm aufgepfropft. Mein Fazit des dritten Bandes des Pliozän-Zyklus fiel darum vor sechzehn Jahren etwas durchwachsen aus.

Wie das ausschaut? Seht es euch einfach an:

Kein König von Geburt

(OT: The Nonborn King)

von Julian May

Heyne 4302

576 Seiten, TB

Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck

Die Flucht zivilisationsmüder Menschen aus dem galaktischen Milieu des 22. Jahrhunderts, zurück in das rund sechs Millionen Jahre in der Erdvergangenheit liegende Pliozän-Zeitalter, hat sich als Weg in eine Diktatur erwiesen. Denn die Erdvergangenheit steht unter dem Bann der eingewanderten, metapsychisch begabten Außerirdischen Tanu, die die Menschen versklavt haben.

Als die „Gruppe Grün“ das Zeitportal durchschreitet, ahnt niemand, dass die Teilnehmer dieser Gruppe das „vielfarbene Land“ von Grund auf umkrempeln werden, am wenigsten sie selbst. Und doch geschieht genau das:

Während der eine Teil der Gruppe, in der sich die bald dominierenden Personen der einstigen Metapsychikerin Elizabeth Orme und des jugendlichen Verbre­chers Aiken Drum befinden, mehr oder weniger gut in die Strukturen der Tanu-Hauptstadt Muriah integriert, versucht insbesondere die ebenfalls parapsy­chisch begabte, aber verhaltensgestörte Sportlerin Felice Landry im zweiten Teil der Gruppe, mit Hilfe menschlicher Rebellen ebendiese Sklavengesellschaft zu zerstören. Sie wollen dabei besonders die Ringfabrik zerstören, die in Muriah besteht und den Außerirdischen die fortdauernde Herrschaft über die Mensch­heit sichert. Madame Guderian, die Frau des Erfinders des Zeitportals, hat sich die Schließung des Portals auf die Fahnen geschrieben. Dieser Teil des Planes gelingt.

Die Chance zur Sabotage der Ringfabrik ergibt sich, als der „Große Wettstreit“ zwischen den dimorphen Stämmen der Tanu und Firvulag ausgetragen wird. In diesem Ringen, das auf der Aven-Halbinsel im noch weitgehend trockenen Mit­telmeerbecken ausgetragen wird, kämpfen die Außerirdischen und menschli­chen Kämpfer gegeneinander um die Vormachtstellung im vielfarbenen Land. Diesmal jedoch wird der Wettstreit – nach der Vereitelung des Anschlages auf die Fabrik – durch eine beispiellose Katastrophe vorzeitig unterbrochen, bevor Aiken Drum den amtierenden designierten Thronfolger, Lord Nodonn, heraus­fordern kann: der Felsendamm von Gibraltar birst und Milliarden Tonnen Meer­wasser ertränken Tausende von Tanu-Recken und zahllose Menschen, die Hauptstadt der Außerirdischen versinkt in Chaos und Schlamm. Die Ordnung bricht vollkommen zusammen.

Erst etwas später wird den Überlebenden klar, dass niemand Geringeres als die verrückte Felice Landry dafür verantwortlich war. Sie befand sich zwar in der Gewalt des Lordinquisitors Culluket, einem sadistisch veranlagten Tanu, der das Mädchen missbrauchte und ihren Geist vergewaltigte und sie damit fast um­brachte (und ohne es zu ahnen auch voll operant machte, zur stärksten Meta­psychikerin im Exil!), wurde jedoch befreit und fortgebracht. Ihr wilder Hass auf die Tanu bestärkte sie aber darin, die Fremden unbedingt vernichten zu müssen und gab ihr diese „letzte Tat“ ein. Seit der Zerstörung des Dammes von Gibral­tar jedoch galt sie als tot, hinabgestürzt in die von ihr ausgelösten Fluten.

Noch länger blieb im Unklaren, wie Felice diese gewaltigen Kräfte hatte ansam­meln können. Dabei wussten die Tanu sehr gut Bescheid über Feinde auf der Pliozän-Erde: 27 Jahre vor dem Durchgang der entscheidenden „Gruppe Grün“ hatte es einen verheerenden Zwischenfall gegeben, der von den Herrschern später gründlich vertuscht worden war.

Eine Gruppe Menschen, die durch das Portal in die Vergangenheit kam, ent­sprach in keiner Weise den Erwartungen. Es handelte sich um einige Dutzend Metapsychiker höchsten Kalibers, die schwerstens bewaffnet waren und sich auf der Flucht befanden, Rebellen der so genannten Metapsychischen Rebellion unter ihrem skrupellosen Anführer Marc Remillard, ohne weiteres fähig, die Tanu einfach so hinwegzufegen… wenn sie mit diesem Widerstand gerechnet hätten und nicht zu Tode erschöpft gewesen wären.

Doch auch so hatten sie das Potenzial, Dutzende von Tanu in lallende Idioten zu verwandeln und viele weitere mit ihren überlegenen Energiewaffen schlicht zu atomisieren. Mit Müh und Not von den zahlenmäßig überlegenen Außerirdi­schen in die Enge getrieben, schafften sie es, bis zum Atlantik durchzubrechen und dort in See zu stechen. So verschwanden sie aus Europa und aus dem Blick­feld der Tanu. Doch die Rebellen waren „nur“ bis Amerika geflüchtet und hatten sich hier zur Ruhe gesetzt. 27 Jahre lang. Die Tanu und sie beachten einander nicht mehr, doch es gibt keinerlei Gewissheit, dass sie für immer ruhig sind, wenngleich alle das hoffen.

Als Felice auftauchte und gellend um Hilfe rief, um die „fremden Teufel“ (also die Tanu und Firvulag) zu vernichten, gaben ihr die Rebellen und deren eben­falls psionisch begabte Kinder, die auf der Pliozän-Erde geboren worden waren, jene Energie, die sie brauchte, um Gibraltar zu sprengen.

Der Untergang eines guten Teils der Tanu-Elite (samt Auslöschung des Königs der Tanu und großer Teile seines Hofstaates) krempelte die Verhältnisse im viel­farbenen Land komplett um und veränderte natürlich auch die Abhängigkeiten der einzelnen hier lebenden Rassen grundlegend.

Die kleingewachsenen Firvulag waren zahlenmäßig immer schon in der Über­zahl gewesen und hatten sich nur deshalb nicht durchsetzen können, weil ihre besser gestaltete Schwesterrasse über die bessere Technik und die Hilfe der Menschen verfügte. Sie sannen aber stets danach, die Tanu zu besiegen, gege­benenfalls weitgehend auszurotten. Den Menschen, besonders den rebelli­schen, die sie „die Geringen“ nannten, brachten sie gleichfalls mehrheitlich Ver­achtung entgegen.

Die Tanu hielten sich in der nun in den nächsten Monaten um sich greifenden Verwirrung und Verzweiflung immer stärker an jene Persönlichkeit, die schon im Vorfeld des Turniers hervorgetreten war: an Aiken Drum, der das Chaos ebenso überlebt hatte wie die menschliche Lady-Kreatorin Mercy-Rosmar, Her­rin von Goriah in der Bretagne und zugleich Gefährtin des Schlachtenmeisters Nodonn der Tanu (der vermisst wurde). Aiken maßte sich, an, auf dem nächsten Maifest Herr des vielfarbenen Landes zu werden, was seinen parapsychischen Fähigkeiten zufolge kein Problem darstellte.

Doch die konservative Tanu-Elite, zum Teil Jahrhunderte alt, konnte sich mit die­sem massiven Bruch der Tradition nicht anfreunden, weswegen es langwieriger und intensiver „Public Relations-Touren“ des Herrschers in spe bedurfte, um die Zustimmung zu erwirken.

In der Zwischenzeit begannen die Firvulag mit ihren Angriffen auf Tanu-Siedlun­gen und die Dörfer tanutreuer Menschen. Und dies, obgleich ein Waffenstill­stands- und Freundschaftsvertrag mit den neuen Monarchen Sharn-Mes und Ayfa von den Firvulag geschlossen worden war. Die kleinwüchsigen Gestalt­wandler schoben diese Überfälle schamlos ihren unbotmäßigen Untertanen, den so genannten „Heulern“ in die Schuhe und behaupteten, selbst von nichts zu wissen. Jedem war natürlich klar, dass es sich hierbei um eine eindeutige Lüge handelte. Diese Lüge geriet in Gefahr, als die „Heuler“ auf einmal Anstal­ten machten, eine Völkerwanderung durchzuführen, die die Firvulag-Monar­chen vor eminente Probleme stellte, vor allen Dingen die vielen tausend Jung­frauen!

Zu allem Überfluss machten sich die „Geringen“, die menschlichen Rebellen, die schon über Eisenerz verfügten, das Tanu zu töten vermochte, daran, weiterge­hende Pläne zu schmieden, um die Außerirdischen weiter nachhaltig zu be­kämpfen. Die Katastrophe von Gibraltar war, so verheerend und ungeplant sie auch über alle hereingebrochen sein mochte, nur ein guter Auftakt zu größeren Taten.

Eine groß angelegte Expedition zum Nördlinger Ries, wo einstmals das Raum­schiff der Tanu und Firvulag vor Jahrtausenden eingeschlagen war, ermöglichte die Restauration und Evakuierung einer Reihe von Tanu-Beibooten, von denen nur zwei in zugänglicher Nähe der Menschen verborgen wurden, die anderen brachten die Rebellen in ein sicheres Versteck im Hochgebirge.

Und dann gab es noch andere, sehr verstörende Neuigkeiten: Elizabeth, die sich in eine neutrale Klausur zurückgezogen hatte und von einigen hochrangigen, friedensliebenden Tanu unterstützt wurde, informierte Aiken Drum darüber, dass jener große schwarze Rabe, der an den Rändern des Mittelmeeres gesich­tet wurde und goldene Halsreife raubte, niemand Geringeres war als die nun­mehr völlig wahnsinnige und unberechenbare Felice Landry, ausgestattet mit metapsychischen Kräften, die jeden Para im Pliozän überfordern würden. Und Felice suchte mit verzehrender Leidenschaft, in der sich Sadismus und Liebe mischten, ihren einstigen Folterer und „Geliebten“ Culluket, um ihm für seine „Wohltaten“ zu danken.

Culluket, wahnsinnig vor Angst und genau wissend, dass er Felices „Liebe“ nicht überleben würde, hatte die Flut überstanden und wurde nun von Aiken ge­schützt. Und der künftige König des vielfarbenen Landes suchte händeringend goldene Halsreife, die mentalen Verstärker, die die Tanu besonders talentierten und verdienten Menschen stets als Zeichen ihrer Gunst verliehen hatten. Felice sammelte jeden einzelnen davon, selbst von Leuten, die noch am Leben waren. In solchen Fällen tötete sie die Träger.

Felice selbst erhielt während all dieser Geschehnisse plötzlich Kontakt mit scheinbar Fremden, die sie Teufel nannte und die ihr bei der Gibraltar-Spren­gung geholfen hatten: mit jenen Psionikern, die sich in Florida aufhielten und nun aufbrachen, um ihr zu helfen, die Reste des Tanu-Reiches wegzuwaschen. Jedenfalls behaupteten sie das, während die Rebellen eigentlich nichts Geringe­res wollten, als Felice in ihre Sklavin zu verwandeln…

Und dann stellte sich auch noch heraus, dass der tot geglaubte Geliebte von Mercy-Rosmar, die inzwischen Aikens Frau und Königin des vielfarbenen Landes geworden war, nämlich niemand anderes als Nodonn Schlachtenmeister, entge­gen allen Erwartungen doch noch am Leben war. Und dass ER die Absicht hatte, den Usurpator des Tanu-Throns herauszufordern…

In Julian Mays drittem Pliozän-Roman wird, wie oben erwähnt, das soziologi­sche Profil der Pliozän-Gesellschaft völlig auf den Kopf gestellt, was höchst reiz­volle Konsequenzen hat. Doppelspiele, vergnügliche (und manchmal tödliche) Intrigen, die hohe Kunst der Diplomatie mit gleichzeitig erfolgenden hinterhälti­gen Schachzügen, all das ist überaus lesbar geschrieben und anhand des um­fangreichen Einleitungsteils, der die Vergangenheit referiert, durchaus verständ­lich.

Die Personenvielzahl ist hin und wieder hinderlich, da sich die Leute manchmal selbst im Weg stehen, um ein eigenes, hinreichendes Profil zu entwickeln. Im Großen und Ganzen aber gelingt es May hier aber, die Geschichte konsequent weiterzuerzählen.

Hinderlich schien es mir nur, dass sie anfangs auf die Flüchtlinge der Metapsy­chischen Rebellion zurückgreifen musste, um plötzlich auftauchende High-Tech-Inflation zu erklären. Ebenso kommt es dem kritischen Leser einfach lästig vor, wenn in Band 1 akribisch dargestellt wird, wie präzise und genau die Kontrollen am Tor sind (wo selbst stählerne Messer zurückzubleiben haben!), aber auf ein­mal Hochenergiewaffen, energetische Schutzschildprojektoren und ähnliches von den Tanu gehortet werden (angeblich Schmuggelware der Menschen! Glaubwürdigkeit gleich null).

Noch schlimmer erging es mir am Anfang des Romans, wo die Flucht von Marc Remillard und seinen schwer bewaffneten Getreuen in die Vergangenheit ge­schildert wurde: es mag ja sein, dass die Rebellen auf der Erde der Gegenwart und im Pliozän die Torwachen überwältigt haben und durchgedrungen sind. Aber… wenn die ERDREGIERUNG der Gegenwart daraufhin IMMER NOCH DEN DURCHSTROM VON TAUSENDEN VON ARGLOSEN REISENDEN ERMÖGLICHT, dann sollte man sie doch wenigstens skrupellos nennen, denn sie müssen ohne Zweifel glauben, dass diese Leute konsequent in die Gefangenschaft der Rebel­len gelangen.

Kein Wort davon.

Die einzig konsequente Handlung wäre (in meinen Augen) die gewesen, das Tor in der Gegenwart sofort und für immer zu versiegeln. Aber das passiert nicht. Eine Erklärung wird nicht gegeben. Na ja… vielleicht im vierten Band.

Selten war eine Lösung für High-Tech-Waffen so künstlich. Es ist KLAR, dass jetzt auf einmal Waffen des galaktischen Milieus auftauchen müssen, weil nämlich auch die hochgerüsteten Rebellen und deren Kinder wieder eine nachhaltige Rolle zu spielen beginnen. Und das wäre doch eine äußerst unsportliche Ange­legenheit, wenn man – sinnbildlich gesprochen – mit einer Maschinenpistole gegen einen halbnackten Muskelprotz antritt, hm? Mir stand da die Szene aus INDIANA JONES I vor Augen, wo Indy einen arabischen Schwertschwinger ein­fach erschießt. Es scheint so zu sein, dass sich allmähliche Ermüdungserschei­nungen bei der extensiven Verwendung metapsychischer Fähigkeiten bei der Autorin einschleichen.

In jedem Fall steuert die Handlung des Zyklus auf einen bombastischen Höhe­punkt hin, der in dem Roman „Der Widersacher“ kulminiert.

© 2002 by Uwe Lammers

Nächste Woche kehren wir wieder in die Gegenwart zurück oder vielleicht auch in die nahe Zukunft, tauchen aber zugleich in ein weitgehend unbekanntes Reich ab, das unglaubliche Überraschungen bereithält wie auch unheimliche Schrecken. Was das für ein Reich ist? Na, da lasst euch mal überraschen, Freun­de.

Bis in sieben Tagen.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 283: Der OSM in Gedichtform (8): Der tiefere Sinn

Posted August 5th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

tja, meine Lieben… Fehler kommen in den besten Haushalten mal vor. So akri­bisch man auch in seiner Arbeit ist, irgendwas übersieht man in der Regel. In meinem Fall war es dieses Gedicht von 1986. Ich weiß, dass wir mit dem Blogar­tikel 270 eigentlich schon in den 90er Jahren angelangt waren. Jetzt muss ich noch mal ein Stück zurückreiten in die früheren Zeiten des OSM.

1986 stand ich sowohl mit den Annalen der Ewigkeit wie mit dem Oki Stanwer Mythos insgesamt noch reichlich am Anfang. Zu Beginn des Jahres 1986 hatte der OSM gerade mal bescheidene 378 Werke erreicht – im Vergleich zu den mehr als 1.850 der Gegenwart in der Tat sehr überschaubar.

Gewiss, ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon mehrere KONFLIKTE des OSM ab­geschlossen – KONFLIKT 15 im Jahre 1984, KONFLIKT 13 im Jahre 1985, und anno 1986 sollte KONFLIKT 17 folgen – , aber es konnte noch keine wirklich kla­re Kontur gezeichnet werden. Reiche wie etwa die INSEL, Planeten wie Dawson, Tasvaan oder Rilecohr waren noch weit jenseits meiner Vorstellung, das galt so­gar noch für die Baumeister-Galaxis Arc… lässt sich heutzutage schwer vorstel­len, aber das stellte damals die Realität dar.

Und Gedichte waren zu jener Zeit eine Form von Blitzableiter für eher unausge­gorene Planungsgedanken kosmologischer Natur. Das gilt insbesondere auch für das unten wiedergegebene Gedicht aus dem April 1986. Es war mit vollkomme­ner Absicht sehr vage gehalten und enthält in der Tat einen „tieferen Sinn“, der auf den Ursprung des KONFLIKTS an sich, des Herzens des Oki Stanwer Mythos, zielt.

Erst Ende 1988, als ich begann, an „Aktion TOTAMS Ende“ zu schreiben, fasste ich den Mut, das, was unten nur als vage Andeutung formuliert ist, tatsächlich in Geschichtenform umzusetzen. Der Erfolg, das gebe ich heute freimütig zu, ist dann doch eher bescheiden zu nennen – weil ein Stoff, der Millionen von Jah­ren umfasst, kaum auf vierzig Seiten eingedampft werden kann. Deshalb befin­det sich diese Geschichte auch seit Jahren in Überarbeitungsfassung. Von der Fertigstellung ist dieser Roman, zu dem das Werk inzwischen längst geworden ist, noch ziemlich weit entfernt.

Einen ersten kleinen Vorgeschmack auf das, was euch dort beizeiten erwartet, findet ihr also hier als Gedankenanstoß. Möge es euch gefallen:

Der tiefere Sinn

OSM-Gedicht von Uwe Lammers

Wisse, Wanderer,

dass du gefährlich lebst,

wenn du fragst nach dem tieferen Sinn.

Denn du wirst wohl belesen sein,

aber nimmer glücklich.

Aus tiefen Quellen,

jenseits von Raum und Zeit,

quillt das pure Grauen,

schlimmer als das Absolut Böse

und doch getarnt als vergängliches Leben.

Nur SIE wissen um den Sinn des Kampfes,

denn SIE initiierten ihn,

propagierten ihn und verbargen sich.

Ihr Spiel ging auf,

zwei Fronten trafen aufeinander,

und sie machten den Kosmos zum Grab.

Sadistisch scheinen SIE sich

an den Qualen der Opfer zu laben,

doch wer maßt sich schon an,

SIE zu begreifen?

SIE sind die Herren des Alls,

beherrschen und kontrollieren,

täuschen selbst ihren Schöpfer.

Zwei Mächte kämpfen endlos,

scheinbar ohne Sinn und Ziel –

DIE LICHTMÄCHTE und TOTAM.

Beide Mächte im Dunkeln,

doch eine von ihnen ist eine Marionette,

SIE halten sie in ihren Händen.

SIE sind die Schöpfer des Kosmos,

SIE sind grauenhaft in ihrem Zorn,

der Welten zerschmettert

und Sonnen verglühen lässt.

Unvorstellbar sind ihre Machtmittel,

längst der Kontrolle entglitten.

Wenn du hinter dieses Geheimnis kommst,

dann kannst du sicher sein,

dass es dich nicht mehr lange gibt,

denn SIE erfahren es IMMER.

SIE sehen jeden im Kosmos!

Suche nicht den Sinn, Wanderer,

denn auch du willst leben…

ENDE

© 1986 by Uwe Lammers

Gifhorn, den 26. April 1986

Abschrift: Braunschweig, den 29. Oktober 2015

Der imaginäre, angesprochene Wanderer sollte übrigens als potenzieller Leser des OSM verstanden werden. Und es gilt überdies zu berücksichtigen, dass das Gedicht selbstverständlich nur die Metastruktur des frühen OSM abbildet und – schon mit einigen Einschränkungen – allenfalls bis zum realen Jahr 1994 tragfä­hig ist. Danach änderten sich die Parameter grundlegend. Ich werde zu gegebe­ner Zeit dazu noch mehr sagen.

Für heute lasse ich es aber gut sein. In der nächsten Woche blende ich zurück ins Jahr 2011, dann verfolge ich weiter die Genese der Annalen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 175: Ein Sherlock Holmes des Roten Planeten

Posted August 1st, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute erwartet euch mal ein ganz unerwartetes Abenteuer, das ihr euch ver­mutlich im Rahmen meiner Rezensions-Blogs nicht vorgestellt habt. Denn das Buch, das ich heute vorstelle, gibt es recht eigentlich gar nicht… wie, das ist ein Widerspruch in sich? Wie kann man ein Buch vorstellen, das es überhaupt nicht gibt? Oh, ich versichere euch, das ist für einen kreativen Kopf keine Zauberei. Es ist nicht einmal völlig singulär. Lasst mich dazu mal die Vorgeschichte erzählen, denn es ist immerhin über zehn Jahre her, dass ich das unten stehende Werk entwickelte, und es war (anfangs) strikt zielgebunden.

Wie viele von euch wissen, bin ich seit sehr langer Zeit bereits Chefredakteur des Fanzines „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) des Science Fiction-Clubs Ba­den-Württemberg (SFCBW). Ich fülle diese Aufgabe mit Begeisterung und Lei­denschaft aus und bin auch nach mehr als dreizehn Jahren dieser Aufgabe durchaus nicht überdrüssig. Im Rahmen dieser Tätigkeit entwickelte ich ver­schiedene Themenbände, und der Themenband BWA 290 sollte im Zeichen des Themas „Mars“ stehen. Dazu kamen eine Menge interessanter Beiträge, und das Heft wurde eine schöne Ausgabe, auf die ich heute noch stolz bin.

Lange grübelte ich indes darüber nach, was ich selbst dazu beisteuern könnte. In meinem Oki Stanwer Mythos (OSM) ist der Mars eher unterrepräsentiert, und Stories aus dem Stegreif thematisch zu entwickeln und in kürzester Zeit niederzuschreiben, das ist für mich als intuitiver Schriftsteller so einfach nicht. Das entfiel also. Was dann aber tun…?

Tja, und da kam mir eine verwegene Idee. Ich erinnerte mich an den polnischen Phantasten Stanislaw Lem und sein Buch „Die vollkommene Leere“, das ich vor langer Zeit mit einiger Verwirrung gelesen hatte. Das Buch beinhaltet, und das ist kein Witz, Vorworte fiktiver Romane. Und zwar ausschließlich. Auf diese Wei­se entstand eine Art bizarrer Essayband mit zum Teil sozialkritischen Ansichten des Autors. Ein irritierendes, aber durchaus reizvolles literarisches Experiment.

Ich übertrug diesen Gedanken auf meine bevorstehende Aufgabe und mischte noch eine weitere meiner Leidenschaften hinein: Sherlock Holmes. Und dann kam Folgendes dabei heraus – was wäre, dachte ich mir, wenn es in der ferne­ren Zukunft auf dem Mars eine Kolonie gäbe und sich dort nach und nach eine eigenständige Kultur etablierte? Was, wenn es einen Kolonisten gäbe, der den physiologischen Herausforderungen seines Wohnortes nicht gewachsen wäre? Würde er, zumal als Schriftsteller, als den ich ihn entwarf, nicht alles versuchen, in seinen Geschichten Kompensation zu betreiben?

So tauchte Tarsin Vincent Eyslitt in meinem Leben auf. Und sein Protagonist, Janvier Tsangpo. Eine kuriose Figur mit einem nicht minder bemerkenswerten Lebenslauf. Und ich schrieb über Eyslitts drei fiktive Tsangpo-Romane. Mit dem Erfolg, dass diese Fiktivrezension nachgedruckt wurde und ich sogar noch einen Preis dafür gewann.

Neugierig geworden? Na, dann lest mal schön weiter und staunt, Freunde.

Vorhang auf für einen „Sherlock Holmes des Roten Planeten“:

Ein Sherlock Holmes des Roten Planeten

Ein marsianischer Mord

Rote Vergangenheit

Duell auf den Höhen

Drei Mars-Krimis (Kompakt-Edition)

von Tarsin V. Eyslitt

Quantum-Press, London, New York 2207

448 Seiten, Hardcover $ 21.80

Deutsch bei Scherz-Verlag, Bern

504 Seiten, Hardcover, 28.00 Neue Euro

Aus dem marsianischen Englisch von Derek Wild

Er lag am Ende der Schuttrinne, die fast zweihundertfünfzig Meter lang war, und sein verzerrtes rotes Gesicht starrte in einer bizarren Nachahmung eines Grinsens zu den Sternen empor, als man ihn fand. Mancher der Journalisten meinte ernsthaft, er habe gelacht, als er starb, aber damit ging diese Paralleli­sierung mit Janvier Tsangpo ganz offensichtlich zu weit.

Doch kann man natürlich angesichts des Todes des Autors nicht über die offen­sichtlichen Parallelen zwischen dem Schöpfer und seiner Figur hinwegsehen. Zweifelsohne ist Tarsin Vincent Eyslitt seiner Gestalt, dem Gentleman-Detektiv Janvier Tsangpo, sehr ähnlich gewesen, und er hat auch zeitlebens daraus kei­nen Hehl gemacht. Diese Ähnlichkeit bestand sowohl im Guten wie im Schlech­ten, und diese Werkausgabe ist gewiss ein guter Grund, diesen Parallelen ein wenig genauer nachzugehen, als es in den gängigen, kurzlebigen Nachrufen in den innersystemischen Netzzeitungen der Fall ist, wo Kürze noch mehr trium­phiert als Detailwissen, wo Fakten gering geschätzt werden, wenn man phantastischere Details ersinnen oder erspähen kann, die die Auflage mehr er­höhen. Die Widerrufe, die bald danach kommen, liest sowieso niemand.

Eyslitt hätte sich in dieser Situation ebenso bestätigt gefühlt wie Tsangpo.

Die Art und Weise, wie Tsangpos Schöpfer den Tod fand, erinnert in der Tat auf frappierende Weise an das vor zwei Jahren erschienene dritte Abenteuer des marsianischen Detektivs „Duell auf den Höhen“, und wohl unvergessen werden jene zynischen Abschiedsworte des Marsianers bleiben, als er, schon am Boden liegend und in die Mündung der gegnerischen Waffe starrend, das feine Knacken im Atemsystem seines Gegners hörte und dessen entsetzten Blick und den aufgerissenen Mund erblickte.

Ich nahm mir die Freiheit, Ihre zweite Sauerstoffpatrone gegen eine Stickstoff­patrone auszutauschen. Jetzt atmen Sie marsianische Luft.“ Unnötig zu erwäh­nen, dass dies die letzten Worte waren, die der Gegner jemals hörte. Und es ist schon gespenstisch, dann an diesen steilen Höhenzug zu denken, wo sich das abspielte, und dann die Bilder von der Bergung von Eyslitts Leiche zu vergegen­wärtigen, die um die Welt und durch das ganze Sonnensystem gingen.

Ich habe nur ein Leben, und ich gedenke, es auf die Weise zu verbringen, die meiner Person angemessen ist“, sagte Eyslitt acht Monate vor seinem Tod auf die Frage, warum er den Kontrakt über einundvierzig Millionen Dollar ab­gelehnt habe, den ihm das Random-House-Wilson-Konsortium in New Orleans für den vierten Tsangpo-Roman geboten hatte, von dem erst wenige Vorstudien existierten. „Ich schließe keine Kontrakte auf die Zukunft. Sie kommt dann für mich, wenn sie da ist, vorher nicht.“

Eyslitt, ein zäher, täglich acht Stunden Fitness betreibender Marskolonist, der durch den monatelangen Flug durch die kosmische Leere von der Erde zum Mars vor über dreißig Jahren eine grundlegende Muskel- und Gelenkschwäche davongetragen hatte, gehörte zu der Generation von Kolonisten, die mit ihrer eigenen Arbeit versuchten, den Mars in ein bescheidenes Paradies zu verwan­deln, wohl wissend, dass es stets ein fragiler Kosmos bleiben würde, der immer­zu der Aufmerksamkeit bedurfte. Niemand glaubte hier daran, dass ein Terra­forming dieser Welt irgendwann Erfolg haben würde, zu weit war der Planet von der Sonne entfernt, zu erkaltet sein Kern, und ein wie auch immer neu an­gefachter Vulkanismus hätte zuallererst alles zerstört, was sie aufgebaut hatten.

Marskolonisten wie Eyslitt waren hart, energisch, minimalistisch, und all das drückte sich dann auch in dem aus, was er tat, als unabweisbar klar wurde, dass er für physische Arbeit kaum mehr zu gebrauchen sein würde. Sein sprühender, kristallklarer Geist wandte sich neben der Ertüchtigung, die notwendig war, um sein Leiden nicht zu verschlimmern, der Essenz des menschlichen Verstandes selbst zu, und da er in den Netzzeitungen nur zu deutlich sehen konnte, dass selbst 125 Jahre nach der Kolonisation des Mars die alten, fast schon rassis­tischen Klischees zwischen Mars und Erde kursierten, die Vorurteile, Missver­ständnisse und all der Zank und Hader, da schlug er sich, im Herzen ohnehin seit langem Marsianer, ganz auf die Seite des Roten Planeten und griff gleicher­maßen „zur Feder“.

Auf die Frage, warum es denn eine Art „marsianischer Sherlock Holmes“ sein musste, den er charakterisierte und in die Welt hinausschickte, antwortete Eys­litt auf einer Pressekonferenz zu seinem Erstling „Ein marsianischer Mord“ im Juni 2188 lakonisch: „Kennen Sie sonst einen Detektiv auf dem Mars? Wenn ja, geben Sie mir doch seine Adresse.“ Damit entwaffnete er den Journalisten und trug wesentlich dazu bei, dass die ersten zehntausend Exemplare des Buches in Windeseile ausverkauft waren.

Und die Leser liebten ihn.

Ihn und seinen „Helden“, Janvier Tsangpo, einen gebürtigen Marsianer: Tsang­po, den lederhäutigen, hageren Mann, der auch vom Namen her so sehr an einen auf den Mars verpflanzten Tibeter erinnerte – was Sinn macht, weil bekanntlich viele Tibeter in der ersten Kolonistengeneration waren, und Eyslitt folgerichtig seinen Detektiv auch in eine marsisch-tibetische Familie integrierte und in einen Masuda-Aschram, in dem er aufwächst, nachdem seine Eltern in einem Drucksturm umgekommen sind. Vieles an diesem Schicksal deutet unzweifelhaft auf das Wunschschicksal Eyslitts hin, denn Tsangpo war eben vieles, was er selbst nicht war: nativer Marsianer, stark, kühl, selbstbewusster und deutlich zielstrebiger und erfolgreicher im Leben.

Eigentlich soll der junge Tsangpo Mönch werden, doch er ist erkennbar zu scharfsinnig für religiöse Dogmatik, stellt zu sehr kritische Fragen und ist zu­gleich für Predigten wegen seiner Wortkargheit wenig zu gebrauchen. Außer­dem entwickelt Tsangpo eine gewisse dandyhafte Neigung zu Exportkultur von der Erde und wird bald Stammgast in Spielhöllen von Port Bradbury, was ihm einen ernsten Verweis seines Abtes einträgt.

Das kümmert den sturen Tsangpo – hier ist es ganz Eyslitts alter Ego, wie man sieht – recht wenig. Er geht seinen Weg, liebt die Wanderungen in der lebens­feindlichen marsianischen Wildnis, wo er manchmal tagelang verschwindet. Und er wendet seinen scharfen Verstand ebenso an wie seine starke Physis. Gleich dem Vorbild, das Eyslitt womöglich auch vorgeschwebt hat, nämlich Sir Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes, ist der Marsianer in seiner Jugend be­geisterter Anhänger der Kampfkünste und höchst versiert, seine Gegner auf diese Weise in Verlegenheit zu bringen.

Dennoch gerät er eher durch Zufall in sein erstes Abenteuer hinein. Als er sei­nem zugewanderten und daher physisch schwachen Freund Alex Maylight hel­fen möchte, der in der Halbwelt in Schwierigkeiten geraten ist, hat er auf einmal einen Toten in seinem Hotelzimmer – einen waschechten Terraner, und dann sogar noch einen vom Nachrichtendienst, wie er bald darauf feststellen muss, als er selbst verhaftet wird.

Ein marsianischer Mord“ führt meisterhaft sowohl in die Tiefen der marsiani­schen Gesellschaft und beleuchtet die postkolonialistischen Ambitionen macht­hungriger irdischer Konzernkreise ebenso wie das schwierige Schicksal religi­öser Randgruppen auf dem Mars – es sei hier nur Maylights kleine jüdische Ge­meinde genannt, da ja die Masuda-Aschrams auf dem Mars wohl etabliert und gut situiert genannt werden können.

Die rigorose wie verblüffende Aufklärung des Mordes etabliert jedenfalls Jan­vier Tsangpos Ruf als unbestechlichen, rechtlich einwandfreien Staatsbürger des Mars, und sie demonstriert auch, dass ihm daran liegt, marsianische Rechte zur Geltung kommen zu lassen. So begründet er seinen Ruf als Detektiv.

Nach diesem Abenteuer wartete die Leserschaft lange acht Jahre bis zum zweiten Buch, auch dies mit nicht einmal 200 Seiten eine eher kurze Geschich­te, die man an einem Nachmittag geradezu verschlingen konnte. Und doch sehr gewöhnungsbedürftig. In diesem Buch schwenkte Eyslitt von unserer Welt fort und schilderte mit „Rote Vergangenheit“ etwas, das wir auf unserem Mars nicht finden können.

In der Tradition eines Edgar Rice Burroughs oder anderer Autoren des Pulp-Zeit­alters vor 300 Jahren, wärmte er die alte Geschichte von Schiaparellis Mars­kanälen wieder auf, die, wie wir seit langer Zeit wissen, eine Fiktion waren, aus­gelöst durch Beobachtungsungenauigkeiten der frühen Astronomie-Pioniere. Jahrzehntelang geisterten diese Kanäle durch die Weltgeschichte, und immer kühnere Geschichten von degenerierten, sterbenden Marskulturen entstanden, die in zerfallenden Palästen einer Hochkultur allmählich dahinschwanden. Auch unsere Hauptstadt Port Bradbury trägt bekanntlich den Namen eines solchen kühn schwadronierenden amerikanischen Phantasten jener Tage… und man­cher Kritiker spöttelte schon damals vor Erscheinen des Buches, als sein Inhalt durchsickerte, Eyslitt versuche sich jetzt wohl in „Science Fiction“, mancher wit­zelte, der reale Mars genüge ihm nicht mehr, jetzt müssten auch noch die „grü­nen Männchen“ her.

Doch wieder überraschte der Autor sie. Er hatte nicht acht Jahre über einem unausgegorenen, reißerischen Thema gegrübelt, sondern es auf die gewohnte, sowohl subtile wie auch intensive Art und Weise erforscht. „Rote Vergangen­heit“ enthält weder Zeitmaschinen noch grüne Männchen, auch keine Mars­kanäle. Sehr wohl hingegen Marsarchäologie und dezente Spuren einer marsia­nischen Urzivilisation oder wenigstens etwas, das für so etwas ausgegeben wird.

Eyslitt schnitt ein – wie üblich – sehr unangenehmes Thema an: Was geschieht, wenn man feststellen müsste, dass der Mars einstmals eine Zivilisation getragen hat, von deren technischen Errungenschaften sich die irdische Zivilisation große Vorteile verspricht? Wie würde die irdische Cosmic-Commonwealth-Regierung in London reagieren MÜSSEN, wenn so etwas sichtbar würde? Wäre es nicht unumgänglich, den Status der Marskolonisten drastisch einzuschränken und vor allen Dingen eine dauerhafte Garnison des Commonwealth auf den Mars zu verlegen, um frühzeitig technologischen Transfer zugunsten der Kolonisten zu unterbinden?

Es ging also um Autonomie und Okkupation. Um stellare Politik. Und natürlich um Intrigen. Deshalb waren die konkurrierenden Unternehmen der Aldersley-Expedition und der Yin-Sin-Unternehmung so wichtig und so hochpolitisch. Wieder war es eher ein Zufall, der Janvier Tsangpo auf die sterbende Journalis­tin Rebecca Riley stoßen ließ, deren letzte Worte ihn mit völligem Unglauben erfüllten: „Retten Sie die rote Vergangenheit… schützen Sie die Urmarsianer…!“

Ich glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dieses zweite Abenteuer noch weit aufregender, weit brisanter und politischer war als das erste. Zwei­undzwanzig Millionen Leser allein der Erstauflage fanden das damals ebenso, und der schon zu bescheidenem Wohlstand gelangte Autor wurde so in den bestirnten Himmel der vermögenden High Society des Mars katapultiert.

Und selbstverständlich hungerte die Fangemeinde nun nach weiteren Abenteuern des ersten marsianischen Detektivs. Viele Neugeborene wurden auf den Namen „Janvier“ getauft, was man in ein paar Jahren in den Schulen und Universitäten wird feststellen können. Auf diese Weise, wenigstens auf die­se Weise, hat sich Tarsin Vincent Eyslitt unsterblich gemacht.

Die Leserschaft musste sich weitere neun Jahre gedulden, bis 2205 endlich der letzte Roman über den marsianischen Detektiv auf den Verkaufstischen lag. Er schoss sofort raketengleich an die Spitze der Bestsellercharts und verkaufte sich in so ungewöhnlicher Weise, dass die Tantiemen aus diesem Werk und den Neuauflagen der beiden früheren Romane es dem Autor Eyslitt ermöglichten, sich endlich seine eigene Villa zu kaufen, eigenes Dienstpersonal einzustellen und damit auch eine Wacheskorte, die allzu aufdringliche Reporter und Fans von ihm fernhielt. Dies war dringend erforderlich.

Wie sein alter Ego Tsangpo nutzte er jede Gelegenheit, in die marsianischen Wüsten hinauszuwandern, sehr selten mit Begleitung, und er war äußerst unge­halten, wenn er feststellte, dass man ihm folgte. Denn der Ruhm hat das hässli­che zweite Gesicht, dass er anstrengend ist, dass er wie eine steinerne Mühle die Privatsphäre zermahlt und höchst selten haben die Menschen, die sich wünschen, berühmt zu sein, sich eindringlich klargemacht, dass sie dies dann für den Rest ihres Lebens sein werden. Man misst sie an der Fassade, die sie um ihr Leben errichtet haben, und haben sie dies nicht getan, bleiben sie verletzlich, für die Medien, für Rivalen, für Neider und für Fans.

Eyslitt schmerzte wohl vor allen Dingen die Unfähigkeit seines Publikums, zu verstehen, dass er die Öffentlichkeit mit Absicht floh. Er wollte keine schönen Frauen heiraten oder mit ihnen Affären haben, es gelüstete ihn nicht nach weiten Reisen, denn dazu war er von seiner Physis her gar nicht mehr imstande. Sein einziges, größtes Vergnügen bestand darin, die Einsamkeit zu genießen.

Im Kopf ist jeder Mensch allein, so sehr er sich auch der Illusion der Gemein­schaftlichkeit in geselliger Runde hingeben mag“, gab er gern einen Spruch sei­nes Detektivs Tsangpo wieder, der einem Glaubenssatz der Masuda-Tibeter ent­spricht. Und er ergänzte in „Duell auf den Höhen“ in einer selten philosophi­schen Laune: „Viele Menschen geben sich der Illusion hin, gesellige Wesen zu sein und schätzen nichts mehr als die Gegenwart von Lebenspartnern, Freunden oder Familienmitgliedern. Diese Illusion ist verständlich, aber sie lässt sich nicht auf alle Personen anwenden. Die Illusion der Geselligkeit ist zugleich ein eisiger Dorn, der der Quell aller Schmerzen der Seele ist, und wer die Schmerzen ver­meiden oder überwinden möchte, muss auch diese Illusion überwinden. Nicht nur die Stärke liegt in der Einsamkeit, sondern auch die Wahrheit.“

Für Tarsin Vincent Eyslitt gab es nie einen Zweifel, dass diese Wahrheit, diese Einsamkeit dort draußen lag, jenseits der klimatisierten Kuppeln der Marssied­lungen. Die Menschheit, die den Mars besiedelt, ist hier nur zu Gast, erwähnte er einmal, und wir werden nie hier völlig verwurzelt werden. Dies wusste sogar seine Figur Tsangpo, und daraus resultieren ihre melancholischen, bitteren An­wandlungen und ihre Schweigsamkeit.

Wir werden wahrscheinlich nie erfahren, was Eyslitt an jenem 8. August 2206 dort draußen gesucht und gefunden hat. Der Obduktionsbericht sagt aus, es habe sich nicht um einen Selbstmordversuch gehandelt, sondern eher um einen Schwächeanfall, der ihn auf dem Höhengrat das Gleichgewicht verlieren ließ. Wie jeder Marstourist und Marsbewohner gut weiß, genügt das völlig, um zu sterben. Schon ein gewöhnlicher Sturz auf das in der Regel scharfkantige Mars­gestein ist hinreichend, um den Druckanzug zu beschädigen, und wenn nie­mand in der Nähe ist, braucht es nicht mehr, um in eine lebensbedrohliche Lage zu geraten. Der Schriftsteller Eyslitt wurde erst nach elfstündiger Suche gefun­den, inzwischen völlig steifgefroren und mit einem geradezu mythischen Grin­sen im Gesicht, als wolle er den Marsgöttern der Vergangenheit ein für allemal widersprechen.

Der vierte Tsangpo-Roman sollte, soviel ist inzwischen bekannt, „Marsianisches Requiem“ heißen. Auf tragische Weise hat die Recherche den Autor zu weit ge­führt und den Titel zu einer sich erfüllenden Prophezeiung gemacht.

Zweifellos wird eine in Arbeit befindliche Biografie des bekannten Kriminalisten Peter Belford Licht in diese Dinge bringen. Bis dahin bleibt uns nur, erneut in die Abenteuer des ungewöhnlichen marsianischen „Sherlock Holmes“ einzutau­chen, die anlässlich des Todes seines Schöpfers hiermit erstmals in kompakter Edition vorliegen, hilfreich ergänzt um einen Essay von Belford, der die biografi­schen Parallelen und Unterschiede zwischen Verfasser und Romanfigur ins rechte Licht rückt und der Mythenbildung Vorschub leistet. Man wünscht sich als Leser mehr solche wohl ausgewogenen Darstellungen. Und wer weiß, viel­leicht kommt ja dereinst jemand daher, der wie damals, als der Meisterdetektiv Sherlock Holmes als Bienenzüchter in den Ruhestand geschickt wurde, Tsang­pos weitere Abenteuer erzählen mag.

Denn machen wir uns nichts vor – ein Autor ist sterblich, keine Frage. Aber eine berühmte Romanfigur gewiss nicht…!

© 2007 [2207] by Uwe Lammers

Tja, Freunde, ihr könnt euren ungläubig aufgerissenen Mund jetzt wieder schließen. Ich hoffe, ihr habt das kleine Leseabenteuer, das weitaus eher eine Kurzgeschichte denn eigentlich eine Rezension war, genossen. Und um aufflam­mende Erwartungen – die damals übrigens bei beiden Veröffentlichungen des Textes sofort in den Lesern erwachten und die ich sehr gut verstehen kann – so­gleich zu ersticken: Nein, es gibt diese drei besprochenen Romane bis heute nicht. Und nein, ich habe in absehbarer Zeit nicht vor, sie zu schreiben… wie­wohl ich einschränkend sagen muss, dass es tatsächlich ein Geschichtenfrag­ment zu Janvier Tsangpo gibt, das mir seither eingefallen ist. Aber ob und wann ich es fertigstelle, ob und wann ich mich der Herausforderung der obigen Romane stelle, steht buchstäblich in den Sternen.

Ich möchte andererseits niemanden von meinen Lesern daran hindern, die obi­ge Idee aufzugreifen und zu realisieren. Um mit einem Schmunzeln die Wahr­heit zu sagen: die Romane würde ich selbst gern lesen. Und da bin ich vermut­lich nicht alleine.

In der kommenden Woche begeben wir uns buchstäblich wieder auf irdischeres Terrain, nämlich ins archaische Pliozän, um zu sehen, wie der Machtkampf der exilierten Terraner und der Tanu weitergeht. Ich versichere, Freunde, es wird aufregend.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

hinter mir liegt ein seltsamer Monat, der zwischen drei verschiedenen Polen hin und her oszillierte, während ich, makroskopisch gesprochen, jede Menge Öf­fentlichkeitsarbeit zu tun hatte. Warum war das so?

Nun, ich bin nun in drei Ehrenämtern tätig, während ich nonstop auf Arbeitssu­che bin, und die hielten mich gut in Atem: Posten 1 ist bekanntlich der Chefre­dakteursposten des Fanzines „Baden-Württemberg Aktuell“, dessen Nummer 416 in diesem Monat entstand und mit 80 Seiten Umfang auch einiges an Ar­beit abverlangte.

Auf Posten 2 bin ich im Vorstand des Fördervereins Phantastika Raum & Zeit e.V. in Braunschweig aktiv, und hier fiel die bei weitem meiste Arbeit an – wir haben unseren nächsten Convention „Raum & Zeit Continuum IV“ (RZC IV) reali­siert, an dem wir seit vier Jahren gesessen haben. Das bedeutete natürlich, dass viel zu tun war: den Conort, das Jugendzentrum Mühle auf Vordermann bringen und schmücken, Räume vorbereiten, Plakate aufhängen, Lesungen organisie­ren, mit den Verantwortlichen reden, den letzten Schliff an die eigene Vortrags­präsentation anlegen, ein eigenes Lesungsskript verfassen, Probelesung halten usw… ehrlich, ich bin am Staunen, dass ich überhaupt noch was anderes neben dieser Schiene geschafft habe. Aber ihr werdet sehen, das ist mir durchaus ge­lungen.

Und dann war da der Ehrenamtsposten 3, der jüngste von allen: Ansprechpart­ner für den Sektor Buchmarkt beim Verein KreativRegion e.V.. Auch hier war ich nicht untätig, hatte ich es doch im vergangenen Herbst erreicht, dass die Krea­tivRegion mit dem Förderverein zusammen den RZC IV mitorganisierte und am ersten Contag einen eigenen Event, „11hoch11 trifft Buchmarkt“ stattfinden lassen konnte. Um das alles vorzubereiten und zugleich etwas Marketing für un­sere Fördervereins-Veranstaltung zu machen, hielt ich vor den Verantwortlichen der KreativRegion am 5. April einen Vortrag mit dem Thema „20 Jahre Förder­verein Phantastika Raum & Zeit e.V.“, denn ja, so lange sind wir schon aktiv.[1]

Gleichwohl war das nur EINER der drei Pole, mit denen ich in diesem Monat zu tun hatte. Pol 2 resultierte aus meiner ausgiebigen Entspannungslektüre, wäh­rend ich von Aktion zu Aktion hetzte – ich schrieb einen ganzen Haufen Rezen-sionen, die voraussichtlich 2019 und 2020 im Rezensions-Blog zu finden sein werden. Hier werden sie nicht aufgelistet, wie üblich.

Und beim Pol 3 kaprizierte ich mich darauf, in einem Gewaltmarsch bei der kommentierten Abschrift des KONFLIKTS 18 des Oki Stanwer Mythos, „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“, voranzukommen. Auch da bin ich rela­tiv weit gekommen, zumindest in der Entwurfsform. Im Mai geht es genau da gleich weiter.

Genug vorbereitet, meint ihr? Okay, dann schaut euch das mal im Detail an… ach ja, und zum Thema „Detail“ habe ich gegen Schluss auch noch was zu sa­gen, ihr werdet es sehen.

(Wandlungen – Archipel-Story)

Blogartikel 277: Work in Progress, Part 64

(OSM-Wiki)

18Neu 102: Das Magmareich

(18Neu 105: GOLEMS Geheimnis)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“)

18Neu 104: Dimensionsraumschiff Schädelturm

(Geister – OSM-Story)

(12Neu 46: Welt der Türme)

(12Neu 47: Die Gravitationsbändiger)

Blogartikel 281: Legendäre Schauplätze 9: INSEL

18Neu 103: Kriegszug der Skelette

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“)

Blogartikel 283: Der OSM in Gedichtform (8): Der tiefere Sinn

Erläuterung: Tja, und dieses Gedicht hatte ich dann einfach mal bei meiner Auf­arbeitung des OSM in Gedichtform munter vergessen und musste es noch er­gänzen. So etwas kommt vor. Ich versuche zwar schon, so präzise wie möglich zu arbeiten, aber ihr macht euch gar keine Vorstellung, was das hier für ein Wust an Werken ist, die z. T. noch niemals veröffentlicht worden sind. Und dann die strikte Reihenfolge solcher Frühwerke zu ermitteln, das ist mitunter knifflig. Da kommen schon mal Fehler vor – bin halt auch nur ein Mensch…

(18Neu 106: In der Welt des Rippenbaums)

(14Neu 50: ZEITTRANSIT)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“)

(Im Bann der schönen Fremden – OSM-Story)

Erläuterung: Oh Gott, NOCH ein neues Storyfragment?, mögt ihr stöhnen. Tja, so ist das eben mit einem intuitiven Schriftsteller… wenn mich Ideen anfliegen, kann ich einfach nicht widerstehen. So war es auch in diesem Fall. Schon seit Ta­gen nagte wieder dieser Sternenfeen-Gedanke an mir, und auf einmal war ich unterwegs in der Grünen Galaxis Bytharg… na ja, besser gesagt, UNTER der Ga­laxis Bytharg, in einem brodelnden, entfesselten Hyperraum, und da war dieser Trupp von Yesvaa, angreifende Berinnyer und Todesgefahr… und ein rettender Engel.

Beizeiten werdet ihr von der Geschichte mehr sehen als nur den Entwurf. Aber zunächst müssen zwei Grundbedingungen gegeben sein: a) die Story muss na­türlich fertig gestellt sein, und b) ihr braucht Hintergrundinformationen, worum zum Teufel es in der Geschichte überhaupt geht. Ihr wisst aktuell weder sonder­lich präzise, wer die Yesvaa sind, noch habt ihr allzu viel Informationen über das Netz der Hyperraumstationen der Baumeister. Diese Infos bekommt ihr aus der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC) in nächster Zukunft im E-Book, dann könnt ihr die obige Geschichte auch gescheit in den OSM-Kontext einsor­tieren. Und erst dann macht doch das Spekulieren, was das alles nun soll, richtig Spaß. Ich weiß das noch aus meiner Zeit als Leser der Perry Rhodan-Serie…

(Glossar der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“)

(E-Book BdC 1: Im Feuerglanz der Grünen Galaxis)

(18Neu 107: Der große Betrug)

Maiblog 2018

(18Neu 108: Flucht auf die Siegelwelt)

(18Neu 109: Soffrols Offenbarung)

(18Neu 110: Überlebenskampf auf der Kristallwelt)

(18Neu 111: Sterne ohne Gnade)

Erläuterung: Das sieht jetzt vielleicht etwas manisch aus, aber ich versichere euch, dazwischen lagen a) Tage und b) eine ganze Menge an Rezensionen. In meiner handschriftlich geführten Schreibaufstellung für den Monat April 2018 sieht das nicht so gedrängt aus. Dennoch ist die Tendenz klar: ich habe Rohfor­men für die Episoden angelegt, eine jede umfasst aktuell etwa 5-6 Textseiten. Die restlichen Bände bis Nr. 114 (Ende der Serie) folgen im Mai.

Blogartikel 300: Close Up: Der OSM im Detail (1)

Erläuterung: So, und ich sagte ja oben schon, zum Thema „Detail“ gibt es etwas mehr zu erzählen. Sehen wir mal von der wirklich phantastisch fernen Nummer des Blogartikels ab… Ihr erinnert euch vermutlich noch daran, was ich vor rund drei Monaten im Maiblog 2018 gesagt habe – dass das alleinige Veröffentli­chungstempo der E-Books, selbst wenn ich zum monatlichen Rhythmus zurück­kehren kann (was allerdings durchaus fraglich ist, das hängt von meiner errati­schen beruflichen Beanspruchung ab), wohl nicht hinreichen wird, euch mit den schon in Episodenform fertig gestellten Universen einigermaßen vertraut zu ma­chen. Das ist etwas, was schon seit Jahren unangenehm an mir nagt.

Der Gedanke, eventuell kommentierte Abschriften der alten OSM-Episoden auf meiner Webseite zum Lesen zur Verfügung zu stellen, war einer, der schnell wie­der gestorben ist. Die Gründe dafür stehen in meinem Maiblog. Ich ging ge­danklich stattdessen einen anderen Weg, indem ich mich für Kurzrezensionen der Episoden ab KONFLIKT 14 entschied. Und ihr seht schon daran, wie mächtig die Idee und wie unwiderstehlich der innere Druck für mich war, dass ich am gleichen Tag, an dem ich den Maiblog fertigstellte (29. April 2018) auch den ersten Blogartikel der neuen Reihe der „Close Ups“ munter herunterschrieb.

Ich versichere euch, das war das reinste Vergnügen, und wenn meine händische Übersicht über die Blogartikel nicht bei Nr. 298 gegenwärtig endete (das muss ich heute Nachmittag dringend ändern, allein schon, um die Nr. 300 und ihren Fertigstellungstermin nachzutragen), dann hätte ich Folge 2 und 3 sicherlich auch gleich geschrieben.

Natürlich, damit rase ich dem Publikationsdatum der Blogartikel weit voraus, denn der erste Close Up-Beitrag wird Ende November erscheinen, der dritte also sicherlich erst 2019. Dennoch… ich werde vermutlich dergestalt verfahren, davon werdet ihr im kommenden Monat gewiss lesen.

Geplant ist ein Abstand von fünf Wochen, und ich werde versuchen, in jeder Fol­ge wenigstens 5 Episoden kurz zu rezensieren (im ersten Close Up waren es, weil ich etwas Einleitungstext brauchte, nur deren drei). Dennoch wird allein die FdC-Serie 21 Close Up-Beiträge umfassen, so dass ihr euch auf einen Veröffentli­chungshorizont von gut 105 Blogartikeln einstellen könnt.

Weite Vorausplanung? Weiß Gott, ja, das sind, von heute an gerechnet, annä­hernd drei Jahre. Aber ich habe ja zu Beginn meiner Blogartikel im Jahre 2013 versprochen, dass ich hier diesmal systematisch und gründlich vorgehen wollte, und exakt das werde ich tun. Das hier ist das beste Beispiel dafür.

(NK 54: Tödliche Entscheidung)

Erläuterung: Das war nur so eine kurze Stippvisite im letzten Band des HANKSTEYN-Zyklus… es juckte mich verdammt in den Fingern, den Band, der inzwi­schen schon 85 einzeilige Textseiten bekommen hat, ohne fertig zu sein, mal wieder zu lesen… und Teufel noch mal, das ist vielleicht ein Höllenstoff. Muss ihn dringend fertig schreiben. Aber dafür ist es natürlich erforderlich, um in die komplexe Handlung reinzukommen, den gesamten HANKSTEYN-Zyklus noch mal zu lesen. Das müsst ihr verstehen – ich muss doch wieder wissen, wer die Leute sind, die ich (leider) umzubringen habe: BASSID, LECHESICC, Grauhäutige, CRO­MOS, Technos, Dämonen, Dämonenwaffen, zeitreisende GRALSJÄGER verschie­denster Fraktionen, Crellys, Masork… schweigen wir mal von diesem angreifen­den Heer multiethnischer Zusammensetzung, das über 100.000 Schiffe umfasst und von allem, was im EXIL HANKSTEYN noch so herumwuselt.

Das ist die Hölle (allerdings, und das klingt jetzt paradox, eine schöne Hölle!) – und da sich das alles auf die ferne Zukunft UND ferne Vergangenheit des OSM auswirkt, ist hier natürlich große Vorsicht angesagt. Beizeiten sage ich mehr dazu.

So also schaut der recht arbeitsame Monat April 2018 aus, der mit 33 fertig ge­stellten und noch mehr begonnenen Werken abschloss. Ihr könnt jetzt wieder durchatmen, Freunde, genau wie ich.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

[1]    Also, das muss ich natürlich einschränken: Der Förderverein selbst ist so alt. Ich selbst bin erst seit 2012 „an Bord“. Ich bekam allerdings von unserer Vereinsvorsitzenden die entsprechenden historischen Basisdaten und konnte so einen umfassenden Vortrag halten. Kam gut an.

Rezensions-Blog 174: Der Fluch des Khan

Posted Juli 25th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ich habe ja schon verschiedentlich gesagt, dass Clive Cussler inzwischen ein we­nig in die Jahre gekommen ist, was das Schreiben angeht. Und da er sich nahezu notorisch auf ein und dieselbe Person kapriziert, eben auf Dirk Pitt und dane­ben auf dessen Sidekick Albert Giordino, nimmt es nicht wunder, dass nach mehr als 25 Jahren unablässiger Bestseller-Abenteuer langsam die Puste aus­geht. An diesem Buch merkt man das dann leider recht deutlich, weswegen ich ihn in einem potenziellen Ranking von Cussler-Romanen auch ziemlich weit hin­ten einsortieren würde.

Damit möchte ich nicht behaupten, dass er so unlesbar ist wie etwa weiland „Akte Atlantis“, der Roman war nun echt unterirdisch. Dieser hier hat nur eine ganze Reihe schematischer Schwächen und spult gelegentlich Standardkost ab, wobei es gewisser würzender Ingredienzien ermangelt. Wie ich unten andeute, war wohl der Schreibanteil seines inzwischen ebenfalls schriftstellerisch aktiven Sohnes Dirk Cussler recht bescheiden – das hat sich äußerst nachteilig auf das Buch ausgewirkt.

Abgesehen davon und vielleicht auch der Vollständigkeit der Lektüre halber sollte sich ein wahrer Fan von diesen zurückhaltenden Einleitungsworten nicht abschrecken lassen. Und wer sich für mongolische Geschichte interessiert, ist hier ohnehin richtig.

Auf, auf zu der Spurensuche nach Dschingis Khans Grab:

Der Fluch des Khan1

(OT: Treasure of Khan)

von Clive Cussler & Dirk Cussler

Blanvalet, gebundene Ausgabe

548 Seiten, 2007

ISBN 978-3-7645-0275-1

Übersetzt von Oswald Olms

Wer sich ein bisschen mit asiatischer Geschichte des Mittelalters auskennt, hat die Fakten, die im ersten der beiden Prologe dieses Buches auf packende Weise in dramatische Handlung umgegossen werden, recht schnell parat: Als der Mongolenherrscher Kublai Khan, Erbe des legendären Dschingis Khan, den chi­nesischen Thron im 13. Jahrhundert besteigt, geht sein Ehrgeiz dahin, auch die umliegenden Reiche zu unterwerfen. Korea nimmt er von See her, und als sich das störrische Japan Drohungen nicht unterwerfen will, nimmt er anno 1274 den Weg der Gewalt und versucht eine Invasion der japanischen Inseln. Doch ein gewaltiger Sturm zerstreut die Armada und rettet Japan.

Am 10. August 1281 unternimmt der Khan einen neuen Vorstoß. Zwei große Flotten sollen sich diesmal vereinigen, eine vom chinesischen Festland, eine von Korea stammend. Zwar gelingt dies, und unter normalen Umständen wäre die Landung dieser Tausende von Schiffen zählenden Armada der sichere Unter­gang für das japanische Kaiserreich… doch einmal mehr wütet ein verheerender tropischer Sturm und sorgt für eine beispiellose Niederlage – und das Schiff des mongolischen Heerführers Arik Temur wird dabei weit aufs Meer hinausgetrie­ben, bis er und die wenigen Überlebenden nach langer Zeit und völlig desorien­tiert an die Gestade einer fremden, tropischen Insel gelangen, wo man sie gast­freundlich aufnimmt.

Erst nach Jahren erfährt Temur, dass die Bewohner dieser Insel einst übers wei­te Meer gekommen sein sollen, und auf diese Weise gelingt es ihm endlich, in seine Heimat zurückzukehren und Kublai Khan Bericht zu erstatten. Der Khan je­doch ist inzwischen alt und krank, und wenig später stirbt er. Das Mongolen­reich geht unter. Sein Grab, geheim gehalten wie das seines großen Vorbildes Dschingis Khan, wird nie gefunden.

Im zweiten Prolog, der am 4. August 1937 nahe Peking spielt, machen wir die Bekanntschaft eines wirklich alten Bekannten (der mich hier ausnehmend nerv­te): Leigh Hunt.2 Diesmal ist er weder Kommandant eines Atom-U-Bootes3, auch nicht ein Pirat in der Karibik4 und ebenso wenig ein Captain eines Schiffes der konföderierten Marine, das mit der NAUTILUS konfrontiert wird.5 Damit es nicht so auffällt, darf er heute mal anno 1937 in China den Archäologen mit Fedora auf dem Kopf spielen (Indiana Jones lässt munter grüßen, das gilt auch für die Folgen). Hunt gräbt das legendäre Xanadu Kublai Khans aus und macht hier kurz vor dem Vorrücken der japanischen Armee einen Aufsehen erregenden Fund: eine Schatulle, dessen Inhalt offensichtlich auf das Grab des Dschingis Khan deutet. Leider ist sein Assistent Mongole. Noch bedauerlicher ist es, dass Hunt sein Reiseziel, nämlich England, niemals erreicht. Sein Flugzeug verschwindet spurlos über der Wüste Gobi, und mit ihm jeder Hinweis auf das geheime Grab­mal…

Am 2. Juni 2007, und damit erleidet der Leser nun fast eine Art Kulturschock, wird umgeblendet zum sibirischen Baikalsee, wo eine kleine Gruppe von Pro­spektoren einer Ölfirma unter Leitung von Theresa Hollema einer jungen mon­golischen Ölfirma namens Avarga Oil Consortium wissenschaftliche Hilfestel­lung leistet. Entlang des Baikalsees sollen Ölflecken gesichtet worden sein, die auf ein Austreten von Öl aus unterirdischen Lagerstätten hindeuten. Leider ist das nicht das Hauptanliegen von Avarga, die mit Tatiana Borjin die Schwester des Besitzers der Firma, Tolgoi Borjin, eine direkte Kontaktperson zu den Ölspe­zialisten geschickt hat.

Überraschend wird das Boot der Gruppe von einer Seebebenwelle beinahe ver­senkt, und nur dem draufgängerischen Mut zweier Meeresforscher, die mit ih­rer Forschungsmission in direkter Nähe sind, ist es zu verdanken, dass sie alle am Leben bleiben: Dirk Pitt senior und sein Freund Al Giordino von der NUMA leisten nämlich zufällig ebenfalls gerade wissenschaftliche Schützenhilfe, und zwar bei dem russischen Geophysiker Dr. Alexander Sarchow, der an der Erforschung der Strömungsverhältnisse des Baikalsees arbeitet.

Eigentlich scheint alles nach der Rettung in bester Ordnung – aber dann stellt Pitt fest, dass ihr eigenes Schiff, die Wereschtschagin, nächtens am Ankerplatz schlicht unterzugehen droht. Mit Müh und Not gelingt es ihm und seinen Ge­fährten, das Schiff zu retten. Nur um das nächste Rätsel serviert zu bekommen: das Ölsuchteam ist spurlos verschwunden, und Dr. Sarchow ebenfalls. Glückli­cherweise können Pitt und Giordino Sarchow kurz darauf aus Entführerhand retten und seinen Tod vereiteln. Die anderen sind aber verschwunden, und die Spur führt, seltsam genug, mitten in die Mongolei, zum Sitz von Avarga.

Auf den Weltmärkten regiert derweil das Chaos: Erdbeben im Persischen Golf und ein Tankerunglück in Fernost lassen die Weltmarktversorgung mit Öl weit­gehend kollabieren. Besonders betroffen davon ist China, wo die Wirtschaft ins Stocken zu geraten droht – aber auf einmal taucht eine relativ unbekannte Öl­firma auf, die verspricht, binnen 30 Tagen die notwendigen Ölmengen zu lie­fern. Diese Firma ist das Avarga Oil Consortium aus der Mongolei, Tolgoi Borjins unscheinbare Firma.

Zu diesem Zeitpunkt ahnt aber noch niemand, dass Borjin im Besitz einer revo­lutionären Technik ist, mit der man künstliche Erdbeben auslösen kann. Sein verheerender Plan sieht vor, auf wirtschaftlichem Gebiet genau dort weiterzu­machen, wo sein großer Ahne Temudschin, Dschingis Khan, aufgehört hat: erst das mongolische Großreich wieder in alter Pracht erstehen zu lassen und dann die Welt zu erobern.

Dummerweise stehen ihm dabei ein paar erstaunlich hartnäckige Gegner im Weg, die sich penetrant weigern, zu sterben. Und Dirk Pitt und Al Giordino er­weisen sich nicht nur als findig wie Sherlock Holmes, sondern sie überstehen sogar Reiterattacken von mongolischen Kriegern, Motorradfahrten ins Nirgend­wo, Wanderungen durch die Wüste Gobi ohne Nahrungsmittel und allerlei an­deres Ungemach. Und schließlich holen sie zum Gegenschlag aus…

Man kennt derlei Szenarien von anderen Romanen Clive Cusslers inzwischen zur Genüge, und wiewohl es mitunter recht vergnüglich zugeht, kann man doch in den drei Tagen Lesezeit, die man für diesen Roman veranschlagen sollte, gele­gentlich ein ermüdetes Grinsen nicht unterdrücken. Ganz so wie in dem Roman „Die Troja-Mission“ kann man hier konstatieren, dass die stilistische wie inhaltliche Höhe des Vorgängerromans „Geheimcode Makaze“ (der kalendarisch definitiv vor diesem hier erschienen ist, obwohl das Erscheinungsdatum etwas irritiert) nicht gehalten werden kann. Das lag vermutlich daran, dass Dirk Cusslers Beiträge zum Skript relativ bescheiden waren. Die Protagonisten, die ihm am Herzen liegen – Dirk Pitt jr. und seine Schwester Summer – tauchen erst auf Seite 359 auf, was wirklich sehr schade ist. Ansonsten fließt vermutlich nur seine Kenntnis des Börsenwesens der Welt in die Story weiter vorne ein.

Die Majorität der Handlung wird von Dirk Pitt sr. und seinem Sidekick Al Giordi­no eingenommen, wobei es im Wesentlichen um einen recht ungleichen Kampf zwischen den beiden Unverwüstlichen und einer Truppe eher unterbelichteter Gegner geht. Der Familienclan der Borjin kann wirklich den beiden weder das Wasser noch das Öl reichen, und das merkt man ziemlich bald. Der Bruder Tol­gois erweist sich vor Hawaii als jemand, der von Seefahrt und von Tauchen wirk­lich keinen blassen Schimmer besitzt (und folgerichtig auch durch ein richtiges Deppentum umkommt), die Schwester Tatiana ist eher so eine Art von Quoten­frau, die auch nicht richtig viel zu melden hat, und Tolgoi selbst… ach, das müsst ihr selbst nachlesen. „Natürlich“ machen die Helden mal wieder eine Begeg­nung mit Clive Cussler selbst, der diesmal am Rande der Mongolei als Busfahrer unterwegs ist… und wie immer wird er natürlich nicht erkannt. Früher waren solche Selbstreferenzen manchmal recht witzig, doch inzwischen wirken sie sehr bemüht, hier zumindest.

Der Verlag hat im Übrigen dem Buch einen überaus reißerischen und ganz und gar unpassenden Titel gegeben. Von einem „Fluch des Khans“ ist weit und breit wirklich so überhaupt nichts zu sehen, und abgesehen von der wirklich pfiffigen Erfindung, die Tolgoi einsetzt (aber die ist dann auch deutschen Ursprungs, so dass die Mongolen wirklich mehrheitlich als dumpfe, machtgierige und raffgieri­ge Deppen kommuniziert werden), ist der Roman eigentlich nur eine Art von Durchschnittslesefutter für Cussler-Hardcore-Fans. Es wäre tatsächlich zu wün­schen, dass der Sohnemann ein bisschen mehr Freiraum fürs Schreiben erhält und Summer sowie Dirk Pitt jr. ein bisschen besser ausarbeiten darf. Und auch die hier doch inzwischen völlig degenerierte Libido könnte ruhig ein wenig aus­gedehnt werden. Außer freundschaftlichen Küssen passiert hier nämlich eigent­lich überhaupt gar nichts. Das mag ja für Cussler sr. angehen, aber die beiden Kinder sind doch eigentlich im besten Alter für erotische Abenteuer.

Das hier ist sozusagen der klassische Schlag ins Wasser. Sorry, Clive, aber das ist eine ziemliche Niete, auch wenn dein Held nachher den Schatz doch noch fin­det… aber wo, das sei nicht verraten. Das soll man dann nachlesen, wenn man neugierig geworden ist. Alles in allem ist der Roman ja recht unterhaltsam gera­ten, wenn auch nicht besonders berauschend. Schlichtes Lesefutter halt, wenn an große Langeweile hat und sich nicht an Gehaltvolleres traut. Dafür ist er ak­zeptabel.

© 2011 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche nehme ich euch dann mit zu einem extraordinären Leseabenteuer, das es noch gar nicht gibt… das klingt verrückt? Oh nein, meine Freunde, absolut nicht. Wir haben es dann mit einer Rezension aus dem 23. Jahrhundert zu tun und besuchen den Planeten Mars.

Näheres in sieben Tagen an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Eigentlich, und das sagt das Rechtschreibprogramm völlig mit Recht, müsste es hier „des Khans“ heißen, was einmal mehr darauf hindeutet, dass der Verlag des Deutschen offensichtlich nicht restlos mächtig war. Vermutlich war das auf den Fluch des Khans zurückzuführen…

2 Inzwischen ist es relativ klar, dass es sich dabei um einen persönlichen Freund Clive Cusslers handelt, dem er einen Gefallen mit „Gastauftritten“ tut. Aber in der Häufung fällt das allmählich echt negativ auf.

3 Wie in dem Roman „Im Todesnebel“ von Clive Cussler vor über 20 Jahren! Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 66 vom 29. Juni 2016.

4 Wie in dem Roman „Die Troja-Mission“ von Clive Cussler. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 143 vom 20. Dezember 2017.

5 Wie in dem Roman „Im Zeichen der Wikinger“ von Clive Cussler. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 135 vom 25. Oktober 2017.

Liebe Freunde des Oki Stanwer Mythos,

erneut hat sich die Veröffentlichung meines neuesten E-Books bedauerlicher­weise etwas hingezogen. Aber nun ist es soweit, der vorläufige Schlussakkord der Abenteuer, die die Überlebenden der RHONSHAAR-Expedition absolvieren, liegt vor euch.

Die havarierte RHONSHAAR ist – wie weiland ihr Schwesternschiff GHANTUU­RON – von fremden Intelligenzwesen vor der sicheren Zerstörung durch die Ab­baumaschinen des Terrorimperiums der Troohns gerettet worden. Aber wäh­rend die GHANTUURON-Raumfahrer mit den reptiloiden Allis und dem Bau­meister Nogon zu tun bekamen und alsbald in die Heimat repatriiert wurden (mehr von ihnen ist im 31. Band der TI-Serie zu lesen), sehen sie sich hier den rätselhaften Cestai gegenüber.

Über sie und ihre Lebensweise ist bislang nicht allzu viel bekannt. Als Kapitän Khaalnech und die Seinen nun also den originären Lebensraum der Cestai auf­suchen, nehmen sie zuversichtlich an, dass sich das bald ändern wird. Aber eine Reihe von Überraschungen erwartet sie.

Das Kriegernest der Cestai ist ein Ort der Rätsel und Wunder und … ja … des Ver­drusses. Denn die Cestai reagieren durchaus nicht wie angenommen. Und dann ist da auch noch diese Geheimniskrämerei … und schließlich eine Entdeckung, die den geretteten Yantihni geradewegs den Boden unter den Füßen wegzieht …

Mehr dazu lest ihr besser nach in meinem neuen E-Book „Das Kriegernest“, Band 30 der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“. Es ist ab sofort im EPUB-Format auf Amazon-KDP zum üblichen Preis von 1,49 Euro erhältlich. Der einmalige Gratisdownload ist am 30. und 31. Juli 2018 möglich. Im Preis inbe­griffen ist der Schluss der Bonusgeschichte „Das Silber des Bösen“.

Ich wünsche euch angenehmes Lesevergnügen.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 281: Legendäre Schauplätze 9: INSEL

Posted Juli 21st, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

der Name ist eine Legende im OSM für sich… obwohl ich, zugegeben, lange Zeit gar nicht wusste, dass sie existierte. Aber das ist im Oki Stanwer Mythos oft der Fall – dass Welten, Reiche und Völker quasi aus dem Nichts auftauchen, meis­tens zunächst in Form von Erzählungen, ehe ich sie dann tatsächlich zu Gesicht bekomme. Man stelle sich das ein wenig wie das mythische Cathay vor, von dem lange Legenden kursierten, ehe Seefahrer es dann tatsächlich mit eigenen Augen erblickten.

So ähnlich erging es mir mit der INSEL.

Die Galaxis Mysorstos tauchte auf meinem Radar bereits ab Mitte der 80er Jah­re auf, nämlich damals, als ich am KONFLIKT 20 „Oki und Cbalon – Das Ewig­keitsteam“ (OuC) schrieb. Damals gehörte diese Galaxis mit dem betörenden Namen zu einem Galaxiencluster, der von der so genannten MACHT regiert wird, die auch die Baumeister-Galaxis Arc unterworfen hatte. Schon damals, als ich Mysorstos nur kurz streifte, dachte ich darüber nach, was dort wohl einst­mals los gewesen sein mochte und warum ich diesen Namen einfach nicht ver­gessen konnte.

Als ich sehr viel später damit begann, mir ernsthafte Gedanken zu machen über die Genese des finsteren Antagonisten Oki Stanwers, TOTAM, da irrte ich – heu­te würde ich sagen: unweigerlich – zurück nach Mysorstos. Und obwohl das eher zufällig geschah, war das irgendwie folgerichtig. Nachdem ich erst einmal damit begonnen hatte, diese Idee zu verfolgen, entwickelte sie, wie so viele im OSM, ihr Eigenleben und ist inzwischen so zementiert, dass sie sich gleich ei­nem begierigen Mikroorganismus überallhin ausgebreitet hat.

Wer meinen Blogartikeln schon geraume Zeit folgt, der weiß, dass ich den OSM gegen Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts eher aus seinem Zentrum her­aus entwickelte, von KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ an (1981-1984). Die frühen Universen des OSM, in denen so zentrale Dinge geschehen sein mussten, lagen weitgehend im Dunkel. Auch wenn ihr Leser heutzutage mit KONFLIKT 2 nahezu am Beginn des Gesamtbauwerks steht, ist doch der KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) erst eine Geburt der späteren Zeit, mit dessen Ausarbeitung ich erst 2003 begann.

Die INSEL folgte ziemlich genau ein Jahr später, am 28. November 2004. Und wieder überfiel mich diese Idee, von der ich nicht wusste, wohin sie mich füh­ren würde: Bilder tauchten in meinem Kopf auf, die insbesondere mit einer zen­tralen Erscheinung des OSM zu tun hatten – mit der unheimlichen Untotenar­mee, über die TOTAM später gebietet, die Totenköpfe.

Wann und wie, fragte ich mich, sind sie wohl entstanden? Wann haben sie ihren schrecklichen Ruf erlangt? Inzwischen seid ihr darüber als eifrige Leser meiner E-Books und Fortsetzungsgeschichten in Fanzines darüber klarer infor­miert. Dazu muss man nur das zweite Werk der Annalen, „In der Hölle“, oder den Fortsetzungsroman „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“ im Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA) lesen.

Und damit war ich automatisch in der INSEL.

In der Galaxis Mysorstos.

Mitten im KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR).

Ihr betretet die Bühne der INSEL in der Blüte ihrer Existenz, im Jahre 2562 ihres Bestehens. Entgegen des Namens handelt es sich hierbei nicht um ein klein di­mensioniertes tropisches Eiland, wie man es beispielsweise im tropischen Ar­chipel, meiner erotisch-phantastischen Gegenwelt zum OSM, zu Tausenden vor­finden kann.

Die INSEL ist ein Vielvölker-Sternenreich, das sich am Rande der Galaxis Mysor­stos ausdehnt. Ursprünglich hätte der Verlauf der kosmischen Geschichte in Mysorstos vielleicht denselben Weg genommen wie in so vielen anderen stella­ren Regionen des Universums – als Bühne für die rivalisierenden, antagonisti­schen Sternenreiche aufstrebender Völker, vielleicht stellare Kriege eingeschlos­sen.

Denn es gab tatsächlich einiges Konfliktpotenzial in dieser Sterneninsel, das ist nicht zu leugnen. Das Volk der humanoiden Technos, das sich von seiner Hei­matwelt Technoros auszubreiten begann, war ein sehr expansives, das zugleich dazu neigte, sich in Splittergruppen aufzuspalten. Sehr leicht hätte das frühe Techno-Sternenreich zerfallen, Bruderrepubliken bilden und sich in Machtkämpfen zerfleischen können.

Dass es nicht so kam, war einer Intervention von außen zu verdanken.

Es trat eine legendäre Gestalt auf den Plan, die das verhinderte: Oki Stanwer. Er kam im Gefolge einer Gruppe machtvoller Aliens, deren Heimat die ferne Gala­xis Arc war.

Die Baumeister.

Sie erschienen zusammen mit ihren gewaltigen technologischen Bauwerken, den ZYNEEGHAREN, die die Größe ganzer Monde besitzen und gigantische Fa­brikzentren der Hochtechnologie darstellen. Und diese geballte Macht setzten Oki Stanwer und die Baumeister ein, um Positives zu wirken: die Baumeister re­volutionierten die Raumfahrttechnik und motteten die archaischen Antriebe der Technos ein. Sie entwickelten ein Netz von Portaltransmittern, das jede be­siedelte Welt vernetzte. Die Datensphären der Planeten wurden optimiert, das Gesundheitswesen perfektioniert… die Zahl der Wohltaten der Baumeister wur­de unüberschaubar.

Binnen weniger Jahrzehnte erlosch jeder zivilisatorische Groll zwischen der Mutterwelt der Technos und ihren Kolonialwelten, und die Kultur der „INSEL“, wie die Baumeister und Oki Stanwer das entstehende imperiale Gebilde zu nen­nen pflegten, dehnte sich immer mehr aus.

Das Ziel der INSEL-Gründung, das sagte Oki Stanwer, der offensichtlich unsterb­liche Regent der INSEL, bestehe darin, nach und nach alle Völker von Mysorstos in eine homogene zivilisatorische Struktur einzugemeinden und ihr Entwick­lungslevel so anzuheben, dass sie ein Leben führen könnten, das keine Entbeh­rungen mehr kennen würde. Und die Baumeister stellten all ihre Technologie sehr bereitwillig in den Dienst der INSEL.

Man schätzt, dass zeitweise bis zu dreißig Baumeister im Raum der INSEL wirk­ten, die genaue Zahl weiß niemand in der Öffentlichkeit präzise. Mutmaßlich Hunderte von ZYNEEGHAREN sind stets unterwegs oder, wie der ZYNEEGHAR 38 über der Zentralwelt der Kleinis, stationär verankert.

Dutzende von Völkern leben im dritten Jahrtausend der INSEL-Zeitrechnung un­ter dem Schutz der Baumeister und haben sich an einen zivilisatorischen Luxus gewöhnt, der für uns Normalsterbliche völlig unfassbar ist.

Transmitterportale, die Reisen über Lichtjahresdistanzen mit einem Schritt er­möglichen – kein Problem, Alltag in der INSEL.

Schwebende Gebirge, von einer Welt zur nächsten versetzt, um dort als Ur­laubsparks zu dienen? Alltag in der INSEL.

Datensphären, die die Bürger vor jedweder Gefahr zu schützen verstehen, wo und wie auch immer sie auftritt? Normal in der INSEL.

Verbrechen? Seit langem ausgerottet.

Kriege? Hat es seit Jahrtausenden nicht mehr gegeben.

Naturkatastrophen? Sofern sie nicht von den ZYNEEGHAR-Überwachungssyste­men vorausgesehen werden, sind sofort Katastrophenhilfskräfte vor Ort, um Opferzahlen zu minimieren, Verletzte zu bergen und Schäden zu begrenzen.

In der INSEL haben sich die vielen Völker, die hier leben, seit Generationen dar­an gewöhnt, dass die altruistischen Baumeister und ihre nimmermüden Künstli­chen Intelligenzen sowie die ständig erreichbaren ZYNEEGHARE alles im Griff haben. Es gibt, so sieht es wenigstens aus, keinerlei Gefahr medizinischer, zivili­satorischer oder kriegerischer Art, die der stabilen Friedensgesellschaft der IN­SEL gefährlich werden könnte.

Aber sind die Baumeister wirklich ausschließlich die Altruisten, als die sie sich geben? Es gibt daran schon gewisse Zweifel. Ihr wisst das, wenn ihr den Anna­len-Roman „Jaleenas zweites Leben“ gelesen habt.

Und ihr ahnt, dass das Imperium der INSEL nicht einfach nur aus Nächstenliebe geschaffen wurde… denn irgendwo in den Weiten des Universums gibt es einen finsteren Feind, eine unbegreifliche Entität namens TOTAM, die schon drei Zivi­lisationsgründungen der Baumeister ausgelöscht hat.

Die INSEL ist nur dem ersten Anschein nach eine reine Friedensgründung. Insge­heim arbeiten die Fabriken der Baumeister auf Hochtouren, um Kriegsschiffe zu erschaffen, Arsenale anzulegen, um gerüstet zu sein für den Krieg, der offenbar unausweichlich ist.

Gigantische Sensorsysteme lauschen hinaus in den Leerraum und in die Tiefen von Mysorstos, um den sich anschleichenden Gegner aufzuspüren und attackie­ren zu können, ehe TOTAM über die friedlichen Welten der INSEL herfallen kann.

Aber ein Gegner, den man nicht versteht, kann man nicht wirklich abwehren.

TOTAM schleicht sich auf unbegreifliche Weise ein: Friedhöfe verschwinden. Einzelne Gebäude lösen sich samt Bewohnern in Nichts auf und werden direkt auf die schwarze Welt des Bösen transferiert. Hier mutieren die Verschleppten auf entsetzliche Weise und müssen sich schließlich direkt dem Kampf mit mons­trösen Feinden stellen – der Alten Armee, die TOTAM für den Sturm auf die IN­SEL erschafft.

Und sehr, sehr viel später, da erfährt ein traumatisierter Oheetir-Totenkopf na­mens Shylviin in einer Horror-Mikrowelt, die alle vier Stunden unwiderruflich zerstört und neu erschaffen wird, dass die INSEL damals, vor Urzeiten, als TO­TAM schließlich angriff, in einem schrecklichen Feuersturm unterging, den sich weder Oki Stanwer noch die Baumeister jemals vorstellen konnten.

Dies ist ein Trauma, das die Baumeister nie wieder überwunden haben.

Aber, und das sage ich euch hier im Vertrauen, Freunde, die INSEL ist nicht nur eine paradiesische Traumwelt des schwelgerischen Luxus. Und sie ist auch nicht nur die Hintergrundkulisse für eine alptraumhafte Zerstörungsvision, mit der sie in Schutt und Asche sinkt. Es gibt Gründe, die dies zwar unabweislich machten… aber es gibt auch ferne Mächte, die wichtige kosmische Pläne verfolgten – mit der Gründung ebenso wie mit dem Untergang der INSEL.

Beizeiten kann ich mehr dazu sagen, heute kann ich nur darauf hinweisen, dass ich aktuell dabei bin, den KONFLIKT 4 in seiner Rohform zu beenden, weil ich in­zwischen weiß, wie das Finale aussehen wird. Und zweifellos werde ich später noch über die zahllosen Welten und Myriaden von Bewohnern dieses wunder­baren und prächtigen Reiches schreiben können. Partiell bin ich sogar schon da­bei, wenn ich an Geschichten wie „Rilaans Geschichte“ oder „Besuch in der Heimat“ denke.

Die INSEL bietet Raum für zahllose Geschichten und Anknüpfungspunkte für schon jetzt recht viele Fragen. Ein paar seien kurz erwähnt: Wie kann es sein, dass auf allen Welten, die Techno-Kolonisten erreichen, schon Baumeister-Por­tale stehen? Die Baumeister scheinen buchstäblich schon auf allen Welten von Mysorstos gewesen zu sein, auf denen die INSEL-Raumfahrer landen.

Wie kommt es, dass im Blitzberge-Park der Zentralwelt während Unwettern yantihnische Matrixfehler aus dem Nichts erscheinen, wie beispielsweise die kampfbereite Jaleena?

Was hat es mit den Matrixfehlern der MINEURE auf sich, die am Rande der IN­SEL auftauchen und bisweilen ganze Kolonialwelten vernichten? Sind das tat­sächlich nur „Randerscheinungen“, wie die meisten Baumeister glauben, oder handelt es sich nicht vielmehr um Angriffsversuche TOTAMS?

Und schließlich: Wie ist es möglich, dass auf dem Planeten Tushwannet eine Gruppe von Technos entsteht, die offenbar imstande ist, Ereignisse zu sehen, ehe sie eintreten?

Das alles sind Fragen, mit denen sich alsbald die Publikation des KONFLIKTS 4 des Oki Stanwer Mythos beschäftigen wird. Ich würde sagen, das ist nicht mehr sehr weit entfernt, vielleicht vier oder fünf Jahre. Doch bis dahin werdet ihr sporadisch von der INSEL in anderen publizierten Geschichten hören, da der Widerhall der grässlichen Katastrophe, in die die INSEL-Geschichte mündet, durch die Jahrmilliarden des Oki Stanwer Mythos hallt. Das hat seine Gründe, die ich heute noch nicht enthüllen kann.

Tatsache ist und bleibt jedoch, dass mich die INSEL, seit ich sie vor rund vier­zehn Jahren erstmals aufsuchte, schlagartig bezauberte und seither nicht mehr losgelassen hat. Vielleicht ergeht euch das ja genauso, ich hoffe es sehr.

Damit schließe ich für heute das aktuelle Kapitel der „legendären Schauplätze“ und verabschiede mich bis zur nächsten Woche, wo ich über meine kreativen Aktivitäten im April 2018 berichten möchte.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

gar zahlreich sind die legendären Fälle des Detektivs Sherlock Holmes aus der Baker Street in London, die sein „Eckermann“ Dr. John Watson den Lesern des „Strand Magazine“ im Laufe von Jahren berichtet. Auf diese Weise machte der „Chronist“ Dr. Arthur Conan Doyle seinen fiktiven Helden unsterblich, wie ein­gefleischte Fans seit langem wissen. Und eine Vielzahl von Epigonen trat nach Doyles Ableben in seine Fußstapfen und verfolgte Windungen und Biegungen und die unzähligen kleinen Andeutungen in Holmes´ Kanon-Geschichten, um daraus ein eigenes „verschwiegenes“ oder „vergessenes“ Holmes-Abenteuer zu generieren.

Manche dieser Fälle wurden sogar mehrfach aufgegriffen und zu unterschiedli­chen Werken literarisch verdichtet. Eine solche Begebenheit ist die um den Seg­ler „Matilda Briggs“ und den „Schrecken von Sumatra“. Ich war verdutzt, als ich auf den Roman von Jörg Kastner stieß, wie ich unten referiere, aber es handelte sich um eine ausgesprochen angenehme Überraschung. Wer also glauben soll­te, er wisse schon alles, was es mit der Matilda Briggs auf sich hatte und mit dem „Schrecken von Sumatra“, der sollte sich dieses Buch besorgen und besser noch mal nachlesen.

Ich bin der Auffassung, dass sich das lohnt.

Worauf genau lasst ihr euch ein, wenn ihr meiner Empfehlung folgt? Das stellt am besten selbst fest und lest weiter:

Sherlock Holmes und der Schrecken von Sumatra

Von Jörg Kastner

Verlag Thomas Tilsner

260 Seiten, geb. (1997)

ISBN 3-910079-40-7

Wir kennen die Grundstruktur – und zweifellos fungiert Jörg Kastner deshalb hier auch auf dem Vorsatzblatt als Herausgeber eines Berichtes von Dr. John H. Watson – , die dieses Werk als posthumes Werk von Sherlock Holmes´ langjäh­rigem Freund und Vertrauten Watson ausgibt. In Wahrheit, auch das ist für Holmsianer offensichtlich, ist es lediglich die raffinierte Camouflage des Autors selbst, der traditionell sein Licht unter den Scheffel stellt. Sei es drum, das hat schon Arthur Conan Doyle so gehalten, verweilen wir dabei also nicht.

Auf den ersten Blick überrascht es, dass es schon wieder um den Fall der „Ma­tilda Briggs“ geht, denn das ist tatsächlich so. Warum verblüfft das? Weil allge­mein bekannt sein sollte, dass dieser Fall längst in einem anderen Roman aus­führlich abgehandelt wurde.1 Dort werden die Ereignisse ins Jahr 1894 datiert, in diesem Buch vor uns befinden wir uns hingegen etwa im Jahre 1887 und noch deutlich vor der Veröffentlichung der ersten Holmes-Geschichte.2

Der Fall beginnt, als ein Monstrum in Holmes´ Wohnung stolpert und hier unter grässlichen Qualen verendet. Nur ist es kein Monstrum gewesen, sondern der französische Kriminalist François le Villard. Er kann nur noch wenig hervorsto­ßen, doch darunter ist der Name „Professor Chalonge“. Schnell wird klar, dass ein Verbrechen vorliegt und dies nur die Spitze des Eisbergs darstellt, eine zu­dem höchst gefährliche. Denn le Villard ist an einer schrecklichen Seuche ge­storben, die offensichtlich künstlich ausgelöst wurde. Professor Chalonge selbst, ein französischer Biologe, ist wie vom Erdboden verschluckt, und seine Entfüh­rer, denen Holmes und Watson bald auf den Kontinent folgen, sind ihnen stets einen Schritt voraus.

Das merken die beiden Kriminalisten, als sie versuchen, Chalonges Tochter Marie in Lyon vor der Entführung zu retten. Wieder misslingt es ihnen. Aber dank des seltsamen „Haustiers“, das die Verbrecher mitschleppen, und mit Hilfe von raffinierter hündischer Spürnase und Indizien, die der Polizei wenig sagen, dafür umso mehr Sherlock Holmes, erkennt er, dass die Spur nach Fernost führt – genauer gesagt: nach Sumatra.

Ohne Unterstützung durch amtliche Personen müssen die beiden sich hier ihrem Feind stellen, der seinerseits ein Heer williger Geister beschäftigt, die skrupellos über Leichen gehen – den Geheimbund der Tukans, die mehrmals auf raffinierte Weise versuchen, Holmes und seinen Gefährten vom Leben zum Tod zu befördern. Schließlich führt die Fährte auf die Insel Aravia, ein düsteres, dschungelbedecktes Eiland des malaiischen Archipels, voller Fallen und Tod. Hier residiert der Baron Xavier Henri Maupertuis3, der sich als Menschenfreund geriert, aber keinerlei Skrupel hat, monströse Experimente durchzuführen, die angeblich zum Besten des Menschengeschlechts dienen sollen, in Wahrheit aber Tod und Grauen im Gefolge haben. Sehr schnell finden sich die Freunde in einem erbarmungslosen Kampf mit einem nicht minder erbitterten Gegner wie­der, und alle Schicksalskarten scheinen zu Ungunsten von Holmes und Watson gemischt zu sein…

Es ist eine klassische Abenteuergeschichte, die uns Jörg Kastner hier unter dem Deckmantel der Autorenschaft von Dr. John H. Watson erzählt, und sie hat mit der Story, die Rick Boyer darbietet, in Wahrheit nur noch recht wenig zu tun. Natürlich, gegen Schluss tauchen sowohl die „Matilda Briggs“ als auch die Rie­senratte von Sumatra auf, aber ich denke, der wahre „Schrecken von Sumatra“ ist in Wirklichkeit der Baron. Er, der sich als Menschenfreund vorstellt und tat­sächlich ein Monstrum ohne Respekt und Skrupel ist, stellt die Hauptgefahr dar, flankiert von nicht minder menschenfeindlichen, kriminellen Subjekten. Wes­halb allerdings überallhin der Orang-Utan von Sumatra mitgehen muss, entzog sich, offen gestanden, meiner Kenntnis. Es hat dann Holmes die Verfolgung der Verbrecher sehr erleichtert.

Das Buch selbst, das durchzogen ist von zahllosen Verbeugungen – insbesonde­re gegenüber Herbert George Wells, der tatsächlich als Handlungsfigur auf­taucht und zahlreiche Elemente des Buches befeuert, bei denen sich Kastner munter bedient4 – und raffinierten Anspielungen, es macht insbesondere we­gen seines schönen Detailreichtums Spaß. Davon abgesehen hat es ständig ne­ckische und bisweilen recht dramatische Wendungen parat. Natürlich… die Rahmenstruktur gerät schon arg an ihre Grenzen, wenn „Watson“ aus der Di­stanz des Jahres 1923 (!) über fast 40 Jahre zurückliegende Ereignisse so akri­bisch Bericht erstattet, bis hin zu den Dialogen (!), dass man darüber eigentlich nur noch schmunzeln kann. Da ist doch der eigentliche Autor Kastner zu sehr Perfektionist, als dass er eine realistische, durch jahrzehntelange Erinnerung ge­trübte und reduzierte Fassung gutgeheißen hätte.

Das spielt aber, wenn man sich auf das Leseabenteuer einlässt, bald keine Rolle mehr. Man vergisst mehrheitlich den „allwissenden Erzähler“ Watson und fie­bert mit Holmes und seinem Kompagnon der langsamen Auflösung des Falles entgegen, leidet durch die Wechselfälle des Schicksals. Er wird tatsächlich an keiner Stelle langatmig oder langweilig, was wesentlich auf die dichte Beschrei­bung zurückzuführen ist und, natürlich, auf die zahlreichen subtilen Anspielun­gen, z. T. in „zeitgenössische“ Fußnoten verpackt. Insgesamt ist es eine Lektüre, die man sich am besten schön genüsslich einteilt… ich für meinen Teil habe ge­mächliche acht Tage dafür gebraucht.

Ausdrückliche Leseempfehlung – eine gelungene Holmes-Geschichte.

© 2017 by Uwe Lammers

Wie ihr sehen könnt, gibt es unter den vergriffenen Büchern jenseits des Ver­zeichnisses Lieferbarer Bücher (VLB) eine ganze Menge echte Perlen. Das hier ist eine davon. Ob auch die Empfehlung der kommenden Woche dazu rechnet, ist wohl Geschmacksfrage. Es geht mit Clive Cussler in den Fernen Osten.

Näheres erfahrt ihr an dieser Stelle in sieben Tagen.

Bis dann, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. Rick Boyer: „Sherlock Holmes und die Riesenratte von Sumatra“, Bastei 15601, 2006 (das Originaldatum der Publikation war allerdings 1976, womit dieser Roman ein klarer Vorläufer des vorliegenden Werkes ist). Vgl. zur Rezension des Werkes den Rezensions-Blog 74 vom 24. August 2016.

2 Dies erzeugt dann eine interessante Diskontinuität: Wie kann Holmes jenseits von Watsons Geschichten schon so bekannt sein, dass sich internationale Kriminalisten um seinen Rat bemühen? 1894 scheint darum die weitaus plausiblere Datierung für den Fall der Matilda Briggs zu sein… doch dies nur am Rande bemerkt.

3 Der Name ist eindeutig entlehnt von Pierre Louis Moreau de Maupertuis, einem französischen Mathemati­ker (1698-1759) – ebenfalls ein Mann, der seiner Zeit weit voraus war, allerdings deutlich positiver geartet als die Romangestalt.

4 Natürlich dreht „Watson“ das so, dass Wells die Inspirationen, die er aus den obigen Geschehnissen gewon­nen hat, später für seine eigenen Romane verwendet… auf diese Weise verwandelt er den Plagiierten in den Plagiator… eine Handlungsweise, die dann weniger verbeugend ist, als sie ursprünglich wohl gedacht war.