Liebe Freunde des OSM,

geht der Autor jetzt unter die Seefahrer und sattelt um auf Abenteuerromane, die zu hoher See spielen? Da muss ich grinsen und vergnügt den Kopf schütteln. Nein, selbst wenn das vielleicht manch einen von euch mit Neugierde erfüllen mag, so ist es nicht. Aber dieser Titel kam mir angesichts der zurückliegenden, stürmisch-kreativen Tage definitiv in den Sinn, und je länger ich darüber sinnie­re, desto passender will er mir scheinen.

Ihr wisst, dass die Rubrik „Logbuch des Autors“ meines Blogs immer dann ange­steuert wird, wenn ungewöhnlich kreative oder sonst wie überwältigend wir­kende Augenblicke in meiner Kreativbiografie aufleuchten und ich das Gefühl habe, nirgendwo sonst könnte ich davon berichten. Ganz so ist es im Moment auch.

Um zum eigentlichen Thema zu kommen: Wer meinen Blog, insbesondere die Rubrik „Work in Progress“ seit langem verfolgt hat, wird immer wieder, und zwar schon seit Jahren, auf den Eintrag „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ gestoßen sein, der notorisch in Klammern steht. In Klammern bedeutet: es ist ein länge­res Werk, das ständig in Arbeit ist, aber nach wie vor nicht abgeschlossen ist.

Das ist in diesem Fall definitiv ein Euphemismus. Denn der CK, wie ich das große Werk liebevoll abkürze, ist mit weitem Abstand das längste nicht abgeschlosse­ne OSM-Romanwerk. Das ist das „Flaggschiff“, von dem ich im Titel spreche. Und es ist aus verständlichen Gründen bislang unbeendet:

Der CK ist die Romanfassung des 13. KONFLIKTS des Oki Stanwer Mythos, also die Umarbeitung der Serie „Oki Stanwer Horror“ (OSH), an der ich zwischen 1982 und 1985 schrieb. Sie erreichte 77 Episoden und wurde ab 1988 in die CK-Form „umgegossen“, möchte ich sagen. Und anfangs lasen sich die Entwick­lungszahlen ja auch recht schön. Ich gebe euch mal einen kleinen summari­schen Auszug aus meinen handschriftlichen Aufzeichnungen, um den Schreib­fortschritt zu dokumentieren:

1988: Seiten 1-371

1989: bis Seite 460

1990: bis Seite 780

1991: bis Seite 1395

1992: bis Seite 1715

1993: bis Seite 1960

1994: bis Seite 2132

1995: bis Seite 2286

1996: bis Seite 2346

1997: bis Seite 2655

1998: bis Seite 3040

1999: bis Seite 3180

Dann gab es noch anno 2006 und 2007 einen kleinen Schreibschub, der mich bis Seite 3740 brachte, und danach… nothing.

Was war passiert?

Vieles. Insbesondere aber waren in den späten 90er Jahren von mir erst die Ar­chipel-Welt entdeckt worden, die unglaublich voluminöse Romane – im Ver­gleich zum CK quasi „aus dem Stand heraus“ – entstehen ließen… und das digi­tale Zeitalter war bei mir im Schreibprozess endgültig angebrochen. Ich kam am besten an Texten vorwärts, die schon als digitale Vorlagen existierten.

Na ja, und in dieser Beziehung war der CLOGGATH-KONFLIKT unsympathischer­weise eine Art von Dinosaurier. Er lag bis auf die letzten Kapitel nahezu aus­schließlich in analoger Form, also einem Schreibmaschinenskript von weit mehr als 2000 Textseiten vor. Ein unglaublicher Klotz, der acht dicke Leitz-Ordner in­zwischen füllte.

Well, ich befand mich schon im fünften von insgesamt sechs Romanteilen und in Kapitel 37 von insgesamt 50, damit also gewissermaßen fast auf der „Schluss­geraden“ des zu erzählenden epischen Abenteuers von Oki Stanwers heldenhaf­tem Kampf, den Untergang der Menschheit im Sommer des Jahres 2124 aufzu­halten.

Aber ich eckte immer wieder an, wenn ich an die schier endlose Aufgabe dach­te, dieses Werk in eine digitale Fassung zu überführen. Und so schrieb ich Kurz­geschichten, Episoden, Archipel-Novellen, Briefe, bald auch bergeweise Rezen­sionen, Editorials, wissenschaftliche Aufsätze und schließlich Blogartikel… nur am CK stocherte ich allenfalls ein wenig weiter, schaute wehmütig darauf, las hier und da mal ein Kapitel nach und haderte weiter mit dem Schicksal.

Am 13. Mai 2007 reichte es mir damit dann endgültig. Zutiefst genervt begann ich mit der „endlosen Aufgabe“, den CK abzuschreiben. Ich trug mich zu der Zeit ernsthaft mit dem Gedanken, den OSM zu publizieren, und der CK bot sich da­für – wiewohl er stilistisch inzwischen ziemlich eingerostet war – doch durchaus an.

Aber das Strohfeuer erlosch schon nach 15 Seiten und wurde dann erst im „E-Book-Zeitalter“ am 30. Juli 2015 wieder aufgenommen. Und diesmal blieb ich am Ball, wie ihr meinen Blogartikeln entnehmen könnt, wo ich zwar nicht den nummerischen Fortschritt festhielt, aber eben, wie oben angedeutet, in der Ru­brik „Work in Progress“, die Tatsache, dass ich daran arbeitete. Die abgeschrie­benen Seiten konnten sich wirklich sehen lassen:

2015: Seiten 17-414

2016: Seiten 415-464

2017: Seiten 465-605

2018: Seiten 606-1352 bislang

Das wird noch mehr werden, glaubt es mir.

Während ich mich auf diese Weise bis in das 19. CK-Kapitel hocharbeitete, be­gann ich mit einer Neulektüre der folgenden Kapitel, und glaubt mir, das koste­te mich aufregende Lesewochen. Aufregend deshalb, weil ich so in etwas ein­tauchte, das sich fast wie ein seltsamer, halbwegs melancholischer Traum an­fühlte. Vieles von dem, was ich vor so langer Zeit formuliert hatte, war mir völ­lig entfallen. Personen tauchten auf, deren ich mich nicht mehr entsinnen konn­te. Diskussionen wurden geführt, die im Lichte der modernen OSM-Physik ei­nen völlig anderen Sinn als einst ergaben.

Und ich verfolgte Oki Stanwers schrecklichen Pfad durch die Welt des CLOG­GATH-KONFLIKTES, eine Welt, die im Chaos versank.

Der Wendepunkt ist der Abend des 26. auf den 27. Oktober 2123 – an diesem Abend wird Oki Stanwer vom Spiegeldämon Cirrgool von TOTAM entführt und durch ein Double ersetzt, das die Invasion Londons durch Cirrgools Spiegelmen­schen in Szene setzt. Mehr als 25.000 Menschen sterben in dem chaotischen In­ferno, New Scotland Yard wird quasi enthauptet, und als sich das Chaos lichtet und die Armee Ordnung schafft, gilt Oki Stanwer als gejagter Hochverräter und ist auf der Flucht im vereinigten Europa.

Während das geschieht, beginnt der zweite Akt des CLOGGATH-KONFLIKTES: die Dämonenmacht CLOGGATH aktiviert ihre geheime Armee, die Irrealstrahler, und überall in der Welt kommt es zu magischen Entladungen. Die Irrealstrahler­zonen entstehen, ganze Städte sinken über Nacht in Schutt und Asche. Zugleich werden Oki und sein Kompagnon Thor Gordenbeyl gejagt, sowohl von den menschlichen Behörden als auch von den dämonischen Antagonisten.

Es gelingt ihnen zwar schließlich, die verheerenden Missverständnisse zu klä­ren, aber die Welt ist Anfang 2124 grundlegend und monströs verändert. Millio­nen Menschen weltweit sind tot, die öffentliche Ordnung bricht immer mehr zusammen, und schließlich erfährt Oki auch noch von der nächsten Bedrohung: CLOGGATHS Invasionsarmee ist auf dem Weg zur Erde, nachdem das Irreal­strahler-Bombardement die Heimat der Menschen – wie weiland ein Bombar­dement im Ersten Weltkrieg – sturmreif geschossen hat.

Gott, dachte ich, je weiter ich mich in diesen Aberhunderten relativ junger Text­seiten vergrub, was ist das doch für ein Wahnsinnsstoff... so voller Überraschun­gen, voller Tragödien, Intrigen, unsicheren Kantonisten, Wesen, die von den To­ten auferstehen und im Guten wie im Schlechten für und gegen die Menschheit wirken…

So kam ich vor kurzem dann an den „Schreibrand“, an Kapitel 37 des CK, das Ka­pitel „Die Horrorwelt“. Und es war irgendwie vollkommen natürlich, jählings vom reinen Abschreiben, das mich in den letzten Jahren festgebannt hatte, ein­fach weiter zu machen.

Verdammt, die können doch nicht einfach nur im Dunboro Inn hocken!“, ging es mir durch den Kopf. „So schön diese Hochzeit auch sein mag, es gibt echt ein paar wichtigere Dinge…“

Und die gab es tatsächlich, teilweise hatte ich sie 2007 schon skizziert: da war die Invasion von Scotland Yard-Beamten auf der monströsen Kristallwelt im Vor­feld der Knochendimension, also in TOTAMS direktem Umfeld. Da war der Wis­senschaftler William Stairdyke, der mit Dr. Elizabeth Quine, der Chefwissen­schaftlerin des Yard, daran arbeitete, einen Algorithmus zu finden, mit dem er die Landepunkte von CLOGGATHS Armee ausfindig machen konnte, damit man die Invasionstruppen rasch ausfindig machen und ausschalten konnte (was das für Truppen sind? Nein, das sei an dieser Stelle noch nicht verraten).

Da war außerdem der Werlöwe Mark Garsen mit seinen Alpträumen und die kleine Serena mit ihren monströsen „Haustieren“, den Knochenparasiten, die für reichlich amüsantes Chaos und Schrecken sorgten. Und es gab die Verschol­lenen des Infernos von Whitmore, in dem das Stanwer-Team augenscheinlich nahezu vollständig ausgelöscht worden war, was Oki Stanwer in die schlimmste Depression seines Lebens verbannt hatte.

Alles sah schwarz in Schwarz gemalt aus, wahrhaftig. Aber genau in diesem Ka­pitel 37 drehte sich dann der Wind.

Und ehe ich mich versah, schrieb ich am 16. August 2018 aus dem Stand 34 neue Textseiten am CK. Inzwischen sind noch 14 Seiten dazu gekommen, und ich befinde mich halb und halb auf dem Sprung zum Hang des Vesuvs, wo sich dramatische Geschehnisse ereignen werden.

Während ich mich daran machte, diese Seiten zu schreiben, war es unumgäng­lich, eine andere Aufgabe anzugehen, die ich eigentlich noch vermeiden wollte – ich suchte mir die Episoden 51 „Die Todeswolke“ und 52 „London in Trüm­mern“ der OSH-Serie heraus, die ich vor gut 33 Realjahren schrieb (glaubt man eigentlich überhaupt nicht!) und begann mit deren Abschrift.

Dabei wurde mir klar, dass ich die Handlungsstruktur dieser Episoden nahezu überhaupt nicht mehr verwenden kann. Die Inhalte von Kapitel 37 CK und den Ursprungsepisoden sind so dermaßen verschieden, das kann ich kaum klar kommunizieren.

Womit hat das zu tun? Ich meine, klar, es ist allgemein bekannt, dass, wenn ich alte Werke überarbeite, kaum eine Formulierung bestehen bleibt. Man muss sich dafür einfach nur mal das Non-OSM-Werk „Ein Passagier der R.M.S. TITA­NIC“ von 1984 (damals veröffentlicht beim SFCD) und 2014 ansehen. Dazwischen lie­gen wirklich Welten. Und so ähnlich ist das auch mit dem CLOGGATH-KONFLIKT.

Ich habe in den CK auf sehr verständlichen Gründen Personen eingeführt, die es in der OSH-Serie nie gegeben hat und die inzwischen massive Einflüsse auf die Handlungsführung ausüben. Natürlich, die Helfer des Lichts, die Dämonen und Dämonenwaffen sind unverändert, das gilt auch für die Führung von Scotland Yard… aber es geht schon in der zweiten Reihe los. William Stairdyke und insbe­sondere Dr. Elizabeth Quine haben in der OSH-Serie nie existiert. Sie haben be­stimmenden Anteil an der aktuellen Handlung. Der ganze Handlungsstrang um die Kristallwelt ist so verändert und faszinierend neu in Szene gesetzt, dass nie­mand, der die OSH-Serie kennt, damit rechnen würde.

Die rätselhaften MASKEN, die dort auftauchen oder diese grässliche Geschichte um die Kristallmaschine, die einen Yard-Angestellten auf monströse Weise „ver­daut“… in der OSH-Serie vor über 30 Jahren schlicht undenkbar. Ich hätte gar nicht das Feingefühl gehabt, das darzustellen.

Aber besonders in den vorliegenden Episoden, die ich abschrieb, stellte ich fest, dass dort als aktiv beschriebene Personen im CK eher passiv dargestellt werden. Es wird mit ominösen Stimmen aus dem Nichts agiert (mein damals einfältiger Versuch, die Handlung voranzubringen, heute natürlich unhaltbar). Und diese vollständig unterbelichtete Rolle der faszinierenden Serena…

Also nein, dachte ich mir, das tut ja schon beim Abschreiben fast weh. Das kann so überhaupt nicht bleiben. Und wo bleibt eigentlich die Aktion gegen CLOG­GATHS Armee? Hatte ich in OSH auch nicht dargestellt, weil die Menschheit dort eher eine passive Hintergrundfolie war. Das musste jetzt ebenfalls grundle­gend geändert werden…

Tja, und so stürme ich derzeit also munter voran und schicke Oki Stanwer in eine grässliche Falle, die ihn direkt in CLOGGATHS Reich führen wird. Es wird ein langes Kapitel werden, soviel ist sicher. Es hat jetzt schon gut 200 Seiten und wird sicherlich doppelt so lang werden, da ich mich derzeit erst in der ersten Hälfte des Episodenzweiteilers befinde.

Aber eins ist gewiss: während ich annähernd parallel abschreibe, das Glossar führe (bin da momentan schon auf Seite 780 und komme jeden Tag weitere paar Dutzend Seiten weiter) und den Haupttext weiter voran führe – es ist ein stürmisches Romanprojekt, und ich habe vor, neben all den anderen Aktivitäten diese Geschichte voranzubringen. In diesem Jahr 2019, wenn dieser Blogartikel das Licht der Welt erblickt, möchte ich schließlich mit der Publikation des CK beginnen, damit ihr diese Welt selbst kennen lernen könnt.

Ich denke, das lohnt sich. Ihr werdet es sehen, Freunde!

Bis nächste Woche, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

PS: Inzwischen (19. Januar 2019) wisst ihr natürlich durch die Veröffentlichung des E-Books „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“ schon deutlich mehr über das Obige, so dass dieser Text nicht völlig im luftleeren Raum schwebt. Und ich kann zudem glücklich verkünden, dass die Abschrift des CK gestern abgeschlossen werden konnte. Es kann also in Bälde weitergehen mit der Weiterarbeit am Kapitel 37…

Rezensions-Blog 199: Götter, Gräber und Gelehrte

Posted Januar 16th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wir schrieben etwa das Jahr 1975 oder 1976, und ich zählte so circa neun Lenze, als ich in unserer damaligen Wohnung in Wolfsburg ein Buch aus dem gut be­stückten Regal meiner Eltern zog. Ein für mein Alter – ich war an Comics und recht dünne Alben gewöhnt, in denen es primär um Dinosaurier ging – recht ge­wichtiges Werk, dem der Schutzumschlag fehlte. Es war schwarz eingebunden und besaß eine goldene Umschlagprägung, die einen Reiter mit Lanze zeigte, der einen springenden Löwen aufspießt.

Ich hatte, ohne das zu diesem Zeitpunkt zu ahnen, die „Bibel“ meiner späten Kindheit entdeckt. Ein Buch, das mir buchstäblich die Augen öffnete und eine bis heute glühende Leidenschaft entzündete: für die Archäologie, namentlich für die altägyptische Kultur und das benachbarte Zweistromland.

Hätte mir jemand zum damaligen Zeitpunkt erzählt, ich würde später Geschich­te studieren und Historiker werden, ich hätte ihn gewiss ausgelacht, denn so et­was lag mir absolut fern. In Geschichte war ich zu der Zeit eher desinteressiert. Das lag an einer Besonderheit, die natürlich jenseits meiner Familie niemand wissen konnte: Spätestens mit der Lektüre des Buches, das ich euch heute nä­her vorstellen möchte, besonders aber durch meine alljährlichen mehrmaligen Besuche bei meinen Großeltern in Hildesheim – was dann für mich unausweich­lich stets einen Alleinbesuch im Roemer- und Pelizaeus-Museum mit seiner gro­ßen Ägyptenausstellung beinhaltete – , durch diese Faktoren erhielt ich also meine ständige Aktualisierung der historischen „Dröhnung“ des alten Ägypten. Jedes Jahr wieder.

In unserem Geschichtsbuch wurden Jahrtausende pharaonischer Geschichte mit entwürdigender Geschwindigkeit binnen von wenigen Unterrichtsstunden abgehandelt, ehe es dann mit den Griechen und Römern weiterging (die mich nicht interessierten). Und dann kam die europäische Geschichte und das dröge Mittelalter (das mich auch nicht interessierte). Und so weiter.

Ich wollte Ägypten.

In Hildesheim bekam ich Ägypten. Wieder und wieder, jahrzehntelang! Und am Anfang verschlang ich als Dreikäsehoch wieder und wieder das phantastische schwarze Buch mit der goldenen Coverprägung.

Die Bibel meiner pharaonisch geprägten Jugend, wie gesagt. Ein Buch, das defi­nitiv die Entdeckung oder Wiederentdeckung lohnt, vertraut mir. Ihr werdet es merken.

Vorhang auf für dieses Werk:

Götter, Gräber und Gelehrte

Roman der Archäologie

Von C. W. Ceram

Rowohlt-Verlag, Hamburg

Erstauflage: November 1949

Besprochene Ausgabe: 21. Auflage, Juli 1956

532 Seiten, geb.

ISBN 3-499-61136-8

Archäologie, so versuchen sich viele Leute wohl immer noch einzureden, ist eine staubtrockene Wissenschaft, so staubig und trocken wie der Boden, in dem die versponnenen Idealisten graben. Ein Studienfach und eine Wissens­richtung für eine kleine Gruppe extravaganter Menschen, die sich mit Dingen befassen, die sonst eigentlich niemanden mehr interessieren. Ein Vorurteil wie so viele, die es gibt, und so falsch wie die meisten von ihnen.

Ebenso mag man annehmen, dass die Sachbücher, die Archäologen verfassen, eine dröge, trockene Literaturform darstellen, die den Ruinen und ausgegraben­en Knochen, die ihr Metier sind, entsprechen – und entsprechend wenig Inter­esse auf sich ziehen. Und dass es sich deswegen bei Werken, die Nichtarchäolo­gen schreiben, die sich mit Archäologie beschäftigen, notwendig ebenso tro­cken sein müssen.

Im November 1949 bewies der deutsche Journalist und Lektor des Rowohlt-Ver­lages Kurt Wilhelm Marek (1915-1972), der Öffentlichkeit nachdrücklich das Ge­genteil. Er legte unter dem Ananym C. W. Ceram – gewählt, um sich von den Werken abzugrenzen, die unter seinem bürgerlichen Namen während des Zwei­ten Weltkrieges herausgekommen waren, wo er in einer Armee-Propaganda­kompanie als Kriegsberichterstatter Dienst tat – ein Buch vor, das die Geschich­te der Archäologie nacherzählte und auf höchst beeindruckende Weise in nur sieben Jahren zwanzig weitere Auflagen erlebte. Zu einem Preis von 12 Mark (was heute etwa 30 Euro entsprechen würde) verkauften sich binnen fünf Wo­chen nicht weniger als 12.000 Exemplare, später wurde es in 28 Sprachen über­setzt und weltweit rund fünf Millionen Male verkauft. Marek wurde mit diesem Buch schlagartig berühmt, später benannte das Rheinische Landesmuseum Bonn sogar einen archäologischen Sachbuchpreis nach Marek (Ceram-Preis).

Um zu verstehen, wie es zu diesem Hype kommen konnte, wie man heute sa­gen würde, sollte man sich das Buch genauer anschauen und sich klarmachen, dass manche der obigen Vorurteile durchaus nicht völlig aus der Luft gegriffen waren. Wie das mit den meisten Vorurteilen so ist… sie haben in der Regel ein Gran Wahrheit in sich, anderenfalls können sie sich nicht entwickeln. Aber ebenso sind solche Vorurteile irreführende Übersteigerungen, die auf Abwege führen. Hier ist es wohl besonders deutlich zu sehen.

Ceram – bleiben wir beim Pseudonym, der Gängigkeit wegen – stellt in seinem Werk solide heraus, dass Archäologie in ihren Anfängen und über viele Jahr­zehnte hinweg tatsächlich das war, was man manchmal argwöhnt: ein exzentri­sches Hobby reicher Leute, die fähig waren, die dafür erforderlichen Grundla­gen zu bieten. Man brauchte eine gediegene klassische Bildung, um die Klassi­ker lesen zu können, etwa die griechischen Historiker. Man benötigte Geld, um Reisen in ferne Länder zu finanzieren, womöglich Expeditionen an Orte auszu­statten, die abseits der gängigen Reisewege lagen. Nicht umsonst gibt Ceram an, dass viele frühe Archäologen politische Ämter – etwa Konsularposten ihrer Länder – als Voraussetzung mitbrachten, um sich in den fremden Regionen zu verankern und ein Einkommen zu besitzen, das nicht aus der archäologischen Forschung stammte.

Denn ein weiteres landläufiges Vorurteil ist durchaus nicht unzutreffend: lange Zeit war Archäologie das, was man „brotlose Kunst“ nennt, und viele der frühen Forscher oftmals bettelarm oder doch wenigstens nicht das, was man reich nennen kann (der Widerspruch zum Obigen klärt sich im Buch auf). Die Muse­umskultur war unterentwickelt vor Anbruch der Neuzeit, und so etwas wie eine Literaturszene für archäologische Nachrichten existierte lange Zeit überhaupt nicht. Nicht selten vermischen sich also die Biografien von frühen Archäologen mit Abenteurertum, Schatzsuche, Raubgräberei oder Antikenhehlerei. Dass Fürsten nach „Antiken“ suchten und so etwas wie den Fundzusammenhang ge­ring schätzten, war zu Beginn völlig normal. Von einer ordentlich durchgeführ­ten Archäologie konnte unter diesen Umständen natürlich keine Rede sein.

Gleichzeitig signalisieren diese wenigen Worte schon den zentralen Grund, war­um Ceram das Thema so wichtig fand. Er war Journalist und wusste, dass pa­ckende, abenteuerliche Geschichten die Leser mitzureißen verstanden. Und je mehr er sich in die Vergangenheit vergrub, desto deutlicher wurde ihm, dass man die Allgemeinheit für die Anliegen der archäologischen Forschung begeis­tern könnte… Voraussetzung war, dass man es richtig aufzog. Und das verstand er wirklich meisterhaft. Denn er erzählt die Geschichte der Archäologie als Abenteuer, und durchaus mit Recht.

Wenn man das Buch aufschlägt, stößt man zuvorderst auf die Rekonstruktion einer antiken Königin, der Regentin Schub-ad aus Sumer, die vor mutmaßlich 5.000 Jahren gelebt hat. Und der Leser beginnt schon hier zu staunen, der viel­leicht nicht geglaubt hat, dass die menschliche Kulturgeschichte so weit zurück­reicht.

Das Leserinteresse ist geweckt, und man erwartet nun unwillkürlich, abzutau­chen in die ferne Vergangenheit… und wird wieder überrascht. Denn Ceram teilt das Werk in 5 Bücher ein.1 Und zugleich sagt er im Vorwort, vielleicht sei es für den Leser am sinnvollsten, mit dem zweiten (!) Buch zu beginnen, dem „Buch der Pyramiden“. Alsdann könne er zum Anfang zurückblättern und auch den Anfang im „Buch der Statuen“ lesen.

Gewiss, chronologisch macht das einen gewissen Sinn (obwohl man dann eher mit Buch 3, dem „Buch der Türme“ beginnen sollte, das sich mit der noch älte­ren mesopotamischen Geschichte befasst). Aber Ceram dachte wahrscheinlich mehr an die Strahlkraft von Tut-ench-Amuns Grabentdeckung durch Howard Carter, die zum Erscheinen des Buches gerade mal ein Vierteljahrhundert zu­rücklag und darum frisch im Gedächtnis der Leser sein musste. Die pharaoni­schen Ägypter seien uns, so resümierte er, offenbar näher als andere, zeitlich näher liegende historische Epochen, so seltsam das auch klingen mag. Es ist aber nur halb so verblüffend, wie man denkt, wenn man Cerams Ausführungen folgt.

Ich empfehle gleichwohl, das Buch so zu lesen, wie man üblicherweise Bücher liest: von vorn nach hinten, ohne dabei Teile auszulassen und zu überspringen, die vermeintlich uninteressant sind. Das kommt einfach der Erzählstruktur zu­gute, die eine achronische ist. Ceram fängt also nicht bei der frühesten Ge­schichte an, die uns sehr fern und fremd ist, sondern er beginnt quasi „mitten­drin“, nämlich im Italien der Renaissance anno 1738.

Der Zufall will es, dass unmittelbar vor einem Ausbruch des Vesuv im Boden klassische Kunstwerke entdeckt werden. Als kunstsinnige Adelige weiter nach­forschen lassen, entdecken sie eine versunkene Stadt der römischen Antike: Pompeji. Und, nach entsprechendem Studium der antiken Klassiker, vornehm­lich Plinius, bald danach eine weitere in der Nähe: Herculaneum. Beide versun­ken im August des Jahres 79 nach Christus durch einen verheerenden Ausbruch des Vulkans, an dessen Fuß sie angelegt wurden.

Die Wiederentdeckung dieser beiden Städte markiert nach Ceram den Beginn der systematischen Archäologie. In all den Jahrhunderten zuvor wurden die an­tiken Ruinenstätten und Gräberfelder mehr als Steinbrüche verwendet. Man riss beispielsweise weite Teile des Colosseums in Rom oder des dortigen Forum Romanum ab, um Baustoffe für Neubauten zu gewinnen. Man plünderte die Bauten der Altvorderen, um Kunstwerke für Galerien oder Wunderkabinette der Adeligen zu gewinnen, viele andere bronzene Kunstwerke wurden kurzer­hand eingeschmolzen, Tempel der Akropolis zerschlagen, weil man ihren Wert nicht schätzte. Bildersturm gibt es nicht erst seit der Lutherzeit oder seit dem Is­lamischen Staat im 21. Jahrhundert! Das ist leider eine kulturbanausenhafte Konstante durch die Jahrtausende.

Diese weit verbreitete Missachtung gegenüber den Hinterlassenschaften der Altvorderen änderte sich sehr langsam im 18. Jahrhundert, und davon erzählt Ceram in seinem ersten Buch, dem „Buch der Statuen“, bei dem es in der Tat wesentlich um Statuen geht. In 8 Kapiteln führt er den Leser von Oberitalien zur abenteuerlichen Biografie von Winckelmann, die er mit der von Heinrich Schlie­mann kontrastiert. Schliemann hat einen anderen Zugang zur Vergangenheit, und auch er wird anfangs als Außenseiter herzlich verlacht. Wie kann er nur dazu kommen, die alten Griechen, namentlich Homer, wörtlich zu nehmen? Niemand hat Troja jemals zu Gesicht bekommen, und Figuren wie der König Agamemnon sind natürlich Legendengestalten, so wie Thor und Odin in der nordischen Mythologie. Niemand käme ja auch auf die Idee, Walhall ausgraben zu wollen, nicht wahr?

Nun, Schliemann denkt anders. Der Selfmade-Kaufmann verliert seinen Kind­heitstraum nicht aus dem Blick, sondern er realisiert ihn, als er vermögend ge­nug ist. Und, unglaublich genug: er findet die homerischen Stätten. Troja gräbt er auf kleinasiatischem Boden aus, in Griechenland forscht er erfolgreich nach Orten wie Mykene und Tiryns. Und inspiriert so, ungeachtet der vielen Fehler, die er in seinem seligen Überschwang begeht – viele seiner Datierungen erwei­sen sich später als falsch – , weitere Forscher dazu, anderen Mythen nachzuge­hen.

Man weiß natürlich Ende des 19. Jahrhunderts von den wesentlichen Zivilisatio­nen des alten Orients, und dank Schliemann ist sogar erwiesen, dass die Zeug­nisse der Altvorderen nicht nur reines Spintisieren waren. Aber sind die Ägyp­ter, die Griechen und die Römer tatsächlich schon alle wesentlichen Kulturen? Der Brite Arthur Evans, der um 1900 den Spaten auf Kreta ansetzt, wo man schon länger von größeren Ruinenstätten weiß, die aber noch keiner Kultur zu­geordnet sind, ergräbt sich in 25 Jahren eine weitere vergessene Kultur, die auch ihre Spuren im Mythos und den Legenden hinterlassen hat: die minoische Hochkultur. Sagen wie die um den legendären Minotaurus erhalten auf einmal ebenfalls Substanz. Und für die Zeitgenossen Anfang des 20. Jahrhunderts wird immer deutlicher: die Vergangenheit mag tot sein und vielfach vergessen, aber das muss sie nicht bleiben, sondern sie kann zu völlig neuer Strahlkraft erweckt werden, wenn man es recht anfängt… wer hier das zentrale Motiv von Cerams Buch durchschimmern sieht, spürt, wie eng er am eigentlichen Thema bleibt, auch wenn er scheinbar erratisch durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte eilt. Tatsächlich baut Ceram geschickt Handlungsbögen auf.

Mit dem neunten Kapitel begibt er sich, einen Zeitsprung zurück machend, in das „Buch der Pyramiden“ und damit in jenen zentralen Teil des „Romans der Archäologie“, der womöglich die größte und nachhaltigste Strahlkraft entfessel­te. Er beginnt mit einem kleinen Korsen, der als General den Plan fasst, die briti­sche Weltmacht dort zu treffen, wo er ihr am meisten Schaden zufügen kann: seltsamerweise in Ägypten. Und mit dem Feldzug von Napoleon Bonaparte Ende des 18. Jahrhunderts nach Ägypten beginnt ein Abenteuer, das bis heute nachhallt.

Im Gefolge Napoleons sind Dutzende von Wissenschaftlern, die nun erstmals wissenschaftlich beginnen, die Nilzivilisation zu erforschen und zu dokumentie­ren. Männer wie Vivant Denon sind geradezu fiebrig vor Unglauben, als sie die farbenprächtige und völlig kryptische ägyptische Kultur der Pharaonenzeit ent­decken. Ja, man weiß von ihr aus alten Reiseberichten, aber das Pharaonen­reich war schon im Niedergang begriffen, als die alten Griechen das Land be­reisten. Als sich Alexander der Große im 4. Jahrhundert vor Christus dort als Gott krönen ließ, waren die Hieroglyphen schon lange unlesbar. Alle Entziffe­rungsversuche waren fehlgeschlagen. Ebenso, wie Napoleons Expedition zu ei­nem militärischen Fehlschlag wurde.

Doch das wissenschaftliche Werk, das in seinem Gefolge in Frankreich publiziert wurde und einen wahren Sturm der Ägyptenbegeisterung auslöste, hatte weit­reichende (und nicht nur positive) Folgen. Eine davon bestand in der energi­schen Anstrengung zahlloser Gelehrter, nun die in reicher Zahl vorliegenden rät­selhaften Symbolzeichen der alten Ägypter, die Hieroglyphen, lesen zu wollen. Aber erst Jean-François Champollion sollte dies gelingen.

Als dies erst einmal geschafft war, wurde die ägyptische Vergangenheit ein offe­nes Buch – und unglaubliche Dinge schienen jählings möglich zu sein. Die Bau­werke den Herrschern zuzuordnen, beispielsweise. Herauszufinden, was die al­ten Ägypter über Wissenschaft, Technik und Medizin gewusst hatten. Mumien, seit Jahrhunderten bekannt und vielfach für Quacksalberei ausgebeutet und als „Mumia“ zermahlen und als Medizin verkauft, gerieten ins Zentrum des Interes­ses. Und natürlich nicht zuletzt die legendären Grabstätten der Pharaonen – die Pyramiden von Gizeh zuvorderst, dann aber auch das geheimnisumwitterte Tal der Könige, das viele Jahrzehnte lang erforscht und in dem nahezu jeder Stein umgedreht wurde, bis man schließlich Anfang des 20. Jahrhunderts der festen Überzeugung war, es könne dort kein unentdecktes Pharaonengrab mehr ge­ben.

Dann kam Howard Carter und fand 1923 nach hartnäckiger, ja, verzweifelter Su­che das Grab des Kindkönigs Tut-ench-Amun und seine unermesslichen Grab­beigaben. Und die Legende vom „Fluch des Pharao“ begann zu kursieren.

Für Ceram stellte anno 1949 noch die spektakuläre Entdeckung des Pharaonen­grabes Tut-ench-Amuns den Höhepunkt der Entwicklung dar, die man nicht mehr „toppen“ konnte. Es sollte über 70 Jahre konstanter Forschung dauern, bis mit KV 5 (KV steht für „Kings Valley“) am Eingang zum Tal der Könige eine Grab­anlage in ihrer wahren Bedeutung exploriert werden sollte, die seit Jahrhunder­ten weitgehend verschüttet war. Das Grab der Ramsessöhne, das der amerika­nische Ägyptologe Kent Weeks seither ausgräbt und das über zahllose Kammern und Seitengänge verfügt, ist die größte Grabanlage, die man überhaupt in Ägyp­ten entdeckt hat, und sie ist heute immer noch nicht vollständig erforscht.2

Nach der Entdeckung des Howard Carter macht Ceram einen weiteren Sprung ins frühe 19. Jahrhundert – ich sagte ja, er geht achronisch vor und ordnet die einzelnen Abschnitte der Erforschung der Archäologie thematisch Kulturberei­chen zu, da die rein chronologische Abfolge den Leser zweifelsohne verwirren würde. Diesmal, im 3. Buch, dem „Buch der Türme“, reist der Leser ins Zwei­stromland zwischen Euphrat und Tigris. Da, wo heute der immer noch von Kriegswirren erschütterte Irak liegt, befindet sich uraltes Kulturland, das aller­dings im 19. Jahrhundert, als rückständige Provinz des osmanischen Reiches, al­les andere als glanzvoll war.

Soweit die dortigen Bewohner historischen Glanz für sich reklamierten, galt er für die islamische Zeit, für jene Epoche ab dem 7. Jahrhundert nach Christus, als sich der mohammedanische Glaube hierhin ausdehnte und prächtige Städte wie Bagdad aufblühen ließ. Wen interessierten denn da schon die staubigen Weiten des flachen Landes? Wen die grauen Hügel, die Tells? Die meisten Men­schen hier waren Viehzüchter, Bauern und Nomaden. Und als der Glanz des os­manischen Reiches im 19. Jahrhundert immer stärker verblasste, da sank auch Mesopotamien allmählich in die völlige Vergessenheit zurück.

Doch war das nicht immer so gewesen, und gerade die aufblühende Archäolo­genzunft wusste darum. Es gab Legenden, es gab die Bibel. Da war die Rede von blühenden Reichen in dieser Region, man wusste vom Turm zu Babel, von dem nun nichts mehr zu sehen war, von der babylonischen Gefangenschaft, der Sprachverwirrung… aber das waren nur fromme Legenden, nicht wahr?

Als jedoch im Gefolge von Napoleons Expedition die jahrhundertelang krypti­schen Hieroglyphen entziffert worden waren, wandten sich die Philologen, die sich mit alten Schriften befassten, einer weiteren Sorte rätselhafter Zeichen aus, die wirkten, als seien „Vögel über nassen Lehm gelaufen“. Kleine Schriftta­feln und bisweilen monumentale, hoch in Fels gemeißelte Inschriften waren von Abertausenden solcher Zeichen bedeckt, die Keilschriftzeichen genannt worden sind. Lesen konnte sie niemand.

Aber wenn man die Hieroglyphen lesen konnte… dann vielleicht auch diese ei­genartigen Symbole? Aber wo war der Schlüssel dazu? Wo der Stein von Roset­ta, der ihnen den Zugang ermöglichte?

Der dritte Abschnitt des vorliegenden Buches beschäftigt sich mit solchen The­men. Es geht darum, wie viel Wahrheitsgehalt in den Büchern der Bibel enthal­ten ist. Wir verfolgen Insektenkundler, Konsuln und Hilfslehrer dabei, wie sie die Keilschrift zu entschlüsseln suchen, wie sie sich in der noch rätselhafteren Ge­schichte des Zweistromlandes verirren und Dinge finden, die selbst die Einhei­mischen für unmöglich halten. Wir sehen Fabelwesen aus den grauen Schutthü­geln auftauchen wie mythische Ungeheuer. Städte, die man für reine Legende und Erfindung hielt, erhalten physische Präsenz. Selbst das antike Babylon wird wieder aus dem Schutt der Geschichte befreit (man muss nur mal das Perga­mon-Museum in Berlin besuchen, um zu begreifen, was die damaligen Forscher freilegten – einfach atemberaubend, vertraut meinem Urteil!).

Und im vierten Buch von „Götter, Gräber und Gelehrte“ machen wir dann einen weiteren historischen Sprung, fort aus dem bisher schwerpunktmäßig um das Mittelmeer kreisenden Archäologie. Denn selbstverständlich ist das nicht alles. In „Das Buch der Treppen“ reisen wir als Leser zurück ins 16. Jahrhundert und überqueren mit Kolumbus und Cortez den Atlantik, um im alten Mexiko mit der aztekischen Kultur zusammenzutreffen – eine Kultur, die in einem abenteuerli­chen, sehr riskanten Coup letztlich „geköpft“ wird… und dann kommt das Chris­tentum, das sich in diesem Punkt kultureller Verbrechen schuldig macht, indem es nahezu das vollständige überlieferte schriftliche Wissen der Azteken dem Scheiterhaufen überantwortet.

Das hat weit reichende Konsequenzen. Wie Ceram zutreffend berichtet, hat das, was oben geschildert wurde, namentlich die starke Zentrierung auf die rö­mische, griechische, schließlich die ägyptische und mesopotamische Geschichte zur Folge, dass eine Art von kultureller Eindimensionalität in die Gedanken der Forscher einzog. Eindimensionalität der Art, dass bestimmte Regionen der Welt als kulturelles Brachland betrachtet wurden, das erst dann aufzublühen begann, als Kulturträger aus dem europäischen Raum einwanderten. Will heißen: An­fang des 19. Jahrhunderts galt es selbst für nordamerikanische Forscher als aus­gemacht, dass man in Mexiko oder weiter im Süden natürlich „nur“ die Kultur der spanischen Konquistadoren finden würde, nichts Älteres. Davor hatte es ja nichts gegeben, nicht wahr? Wer sich für alte Geschichte interessiert, der reist nach Europa, besucht die griechischen und römischen Stätten, macht Visiten im Heiligen Land und bei den Pyramiden. Aber eine Reise nach Mittelamerika fällt nahezu niemandem ein. Dort gibt es doch nichts von kultureller Bedeutung zu entdecken!

Selbst Stätten wie die monumentale Ruinenstadt Teotihuacan nahe der Haupt­stadt Mexiko-City, deren gigantische Treppentürme gen Himmel strebten, wur­den geflissentlich ignoriert. Heute klingt das unfasslich, aber es ist tatsächlich Realität. Als John Lloyd Stephens als amerikanischer Konsul Yucatan aufsuchte (1838), da war selbst den einheimischen Maya völlig unklar, dass nur wenige Ki­lometer von ihren Dörfern entfernt im fieberheißen Dschungel mächtige ver­sunkene Städte verborgen lagen, die ihre Ahnen einst geschaffen hatten. Allein deshalb war es möglich, dass Stephens eine ganze Stadt – die Mayastadt Copan – für 50 US-Dollar dem Landlord abkaufen konnte, auf dessen „nutzlosem“ Grund sie lag.

Und was waren das für Städte! Was waren das für vollkommen fremdartige Schriftzeichen? Wenn es Schriftzeichen waren. Vielleicht handelte es sich ja auch um Ornamente? Um Bilder? Und sie glichen wirklich rein gar nichts, was man aus dem indoeuropäischen Kulturkreis kannte. Allenfalls die Hieroglyphen schienen dem noch nahe zu kommen.

Was, so begannen sich Stephens – und nachdem er und sein Zeichnergefährte Frederick Catherwood reichlich Bildmaterial publiziert hatten – und andere For­scher zu fragen, was war das für eine Kultur gewesen? Wie alt war sie? Wo war sie geblieben? Handelte es sich um einen hier auf einen anderen Kontinent verschlagenen Stamm Israels? War das eine Kolonie der legendären Atlanter?

Denn – natürlich, so das kulturelle, europazentrierte Vorurteil – eine einheimi­sche Kultur konnte das ja nicht sein, da die Kultur ausschließlich aus dem Mit­telmeerraum stammte… ein Vorurteil, das die Forschung lange massiv behin­dert hat.

Auch über die abenteuerliche Erforschung der frühen mesoamerikanischen Kul­turen liefert Ceram in der Folge in diesem Abschnitt des Buches einen packen­den Bericht. Er schlägt sich mit den frühen Forschern durch den tropischen Ur­wald, ringt mit aufständischen Soldaten, feilscht mit ungläubigen Adeligen, taucht in schlammige Brunnenlöcher auf der Suche nach Schätzen und Bestäti­gung historischer, als unglaubwürdig angesehener Quellen.

Und es werden Entdeckungen über Entdeckungen gemacht… und es bleiben na­türlich Rätsel offen (bedenkt: wir schreiben hier maximal das Jahr 1956!).

Wahrhaftig, das Buch ist ein Leseabenteuer, das selbst nach siebzig Jahren sei­nesgleichen sucht. Cerams wortmächtige, mitreißende Erzählungsform, die uns sowohl den zeithistorischen Horizont nahe bringt wie auch die Biografien und bisweilen wilden Zeitläufte schildert, veranlasst selbst den in solchen Dingen kundigen und erfahrenen Historiker als Leser, ein Kapitel nach dem nächsten zu verschlingen… ich tat mich, offen gestanden, sehr schwer damit, möglichst nur ein Kapitel pro Tag zu lesen, einfach deswegen, weil ich dieses Leseabenteuer genießen wollte. Und wenn das Buch den Leser mitreißt, dann kommt man ein­fach nicht umhin, es gut zu nennen. Denn das will ein Autor schließlich errei­chen – begeisterte Lesefreude. Hiermit gelingt es.

Ich nehme an, ohne es jetzt genauer zu wissen, dass ich damals, als ich das Buch schätzungsweise 1975 oder 1976 das erste Mal las (also im Alter von 9-10 Jahren), sehr viel langsamer vorging. Immerhin war das für mich alles Neuland und unterschied sich doch massiv von den sonst gängigen „Was-ist-was?“-Bü­chern, die für diese Altersgruppe eher geeignet sein sollten. Auch damals war ich schon ein eher unkonventioneller Leser… das lag irgendwie nahe, denn mei­ne Großeltern väterlicherseits wohnten in Hildesheim, und sehr schnell wurde ich dort im Roemer- und Pelizaeus-Museum mit seinem starken Schwerpunkt Ägyptologie Stammbesucher, anfangs wohl noch in elterlicher Begleitung, sehr rasch aber allein.3

Das war gewissermaßen das, was ich gern die „regelmäßige pharaonische Dröhnung“ nannte, die mich für immer prägte. Und meine „Bibel“, wenn man so will, war das vorliegende Werk, C. W. Cerams „Götter, Gräber und Gelehrte“, das ich zahlreiche Male verschlang, bis ich wesentliche Teile des Anhangs – der ägyptischen und mesopotamischen Königslisten – auswendig konnte (wie ich vorher schon die Namen zahlreicher Dinosaurier hatte herunterbeten können, das war die frühere Leidenschaft gewesen).

Natürlich ist Cerams Buch in weiten Teilen historisch überholt, keine Frage. Er schreibt nur kursorisch (im 5. Teil) über die Entdeckung der hethitischen Kultur, die in der Bibel eher kursorisch erwähnt wird.4 Von dem syrischen Qatna hatte er keine Ahnung. Über die hellenistischen Diadochenreiche hört man wenig, dasselbe gilt für die Phönizier, der ferne Osten bleibt völlig dunkel, und nie­mand braucht darauf zu hoffen, viel von Nan Madol zu erfahren. Auch sind na­turgemäß viele eher spätere Entwicklungen der archäologischen Praxis hier noch unbekannt. C14-Analysemethode: ein Fremdwort. Unterwasserarchäolo­gie? Findet kaum statt. Dendrochronologie? Unbekannt. Und so weiter und so fort.

Aber ich wiederhole: das Buch bildet den Zeithorizont des Jahres 1949, in der Neuauflage den des Jahres 1956 ab. Und Ceram gibt selbst zu, dass es Felder gibt, die er nicht bearbeiten konnte. Die Hethiter werden dort erwähnt, die Inka (die vorinkaischen Kulturen kennt er nicht), auch die phönizische Geschichte wäre eine Untersuchung wert, ganz zu schweigen von all den afrikanischen Kul­turen. Gemessen am Horizont der Zeit greift Ceram selbst Forschungsergebnis­se des Jahres 1947 auf, also jüngste zeithistorische Forschung, und er gibt be­reitwillig zu, dass viele Geheimnisse noch ungeklärt sind. Ja, er kokettiert sogar ein wenig, indem er spekuliert, dass vielleicht Leser seines Buches dereinst manche dieser Mysterien aufhellen können.

Ich halte es für außerordentlich realistisch, dass genau das geschehen ist. Cerams Buch hat aufgrund seiner geschmeidigen und gefälligen Schreibform und des eher unorthodoxen, absolut nicht dogmatischen Zugangs dafür ge­sorgt, dass weltweit Millionen Menschen die Faszination des Themas zu begrei­fen begannen. Und ich denke, das ist mit weitem Abstand sein größtes Ver­dienst: dass er das vermeintlich staubgraue, uninteressante Thema der Archäo­logie, wo also seltsame, schrullige Leute im Staub knien und mit Pinsel und Pin­zette in wochenlanger Kleinarbeit Gräber und Ruinenstätten erforschen, die jahrhundertelang niemand mehr angeschaut hat, ins Licht der breiten Öffent­lichkeit hob und Neugierde stimulierte.

Nein, ich kann nicht behaupten, dass das Buch, so veraltet manche der Erkennt­nisse auch sein mögen, uninteressant geworden ist. Das Buch ist nicht ohne Grund ein Klassiker der Archäologie. Und wer immer sich für die Vergangenheit der vielfältigen menschlichen Zivilisationen zu interessieren beginnt und gern mehr wissen möchte, für den ist dieses Buch als Einstiegslektüre nach wie vor immer noch perfekt geeignet. Auch wenn dem Ahnungslosen nach der Lektüre schier der Kopf platzt, weil es so unglaublich viel an Information enthält – es ist ein Ratgeber, auf den man nicht verzichten sollte. Weder jetzt noch in dreißig Jahren.

© 2018 by Uwe Lammers

In der nächsten Woche gibt es dann ein wenig „Abkühlung“. Wie das konkret aussieht, werdet ihr in rasch verstehen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 In der Ursprungsauflage waren es nur 4, das letzte mit dem Titel „Bücher, die noch nicht geschrieben wer­den können“, fügte er später hinzu.

2 Für nähere Einzelheiten vgl. Kent Weeks: „Ramses II. Das Totenhaus der Söhne“, München 1999.

3 Ich kannte es übrigens damit noch in seiner ursprünglichen architektonischen Gestalt. Der moderne Bau ist da weniger geheimnisumwittert… aber man beachte bei einem Besuch bitte das Treppenhaus, das architek­tonisch der Großen Galerie der Cheopspyramide nachempfunden ist! Der Ägypten-Kenner merkt das, sonsti­ge Besucher registrieren das vermutlich kaum.

4 Vgl. dazu C. W. Cerams bald danach erschienenes Werk „Enge Schlucht und schwarzer Berg – Die Entde­ckung des Hethiterreiches“, Hamburg 1955. Ebenfalls übrigens ein sehr empfehlenswertes Buch… wenn­gleich heute vom Kenntnisstand natürlich auch überholt.

Liebe Freunde des OSM,

in der letzten Folge dieser Subartikelreihe des Blogs erzählte ich vom April und dem schockierenden Mai des Jahres 2015 und von der emotionalen Verwer­fung, die der jähe Tod meiner Mutter mit sich brachte. Man könnte nun anneh­men, dass ich völlig am Boden zerstört war und das einen starken kreativen Ein­bruch nach sich gezogen hätte… wer indes meine monatlich geführten Kreativ­hefte anschaut, in denen ich meine Schreibprojekte, Abschlüsse und Weiterar­beiten festhalte, wird entdecken können, dass das Gegenteil der Fall war.

Der Monat Juni 2015, um den es hier zunächst geht, überraschte mit der spek­takulären Menge von 39 fertig gestellten Werken (heute ein Traum, in der Tat). Sehen wir uns das genauer an. Wohin floss diese ganz enorme kreative Energie?

Nun, drei der Werke gehen auf das Konto des jüngst kursorisch erwähnten „Ge­heimprojekts“, über das ich bis heute nichts sagen darf. Sechzehn davon entfal­len auf weitere Blogartikel, 4 auf die einzelnen Teile der Story „Der Platz der Steine“, die ich für die Etappenpublikation in Fanzines vorbereitete. Mit „Rein­karnation und andere phantastische Geschichten“ kam außerdem ein E-Book-Text hinzu. Außerdem hatte ich zum Ende des Monats die traurige – selbst ge­stellte – Verpflichtung, den Nachruf auf Patrick Macnee alias John Steed zu ver­fassen. Und ja, ich mag die „Avengers“ aus Großbritannien wirklich sehr gern und habe die ganze Serie daheim.

Weitere „fertige“ Werke waren Gedichtabschriften. Im OSM schrieb ich weiter an „Besuch in der Heimat“ (KONFLIKT 4), an „Tödliche Entscheidung“ (KON­FLIKT 24), „Ungleiche Freunde“ (KONFLIKT 19) sowie an diversen Episoden und Episodenabschriften, die sich munter auf die KONFLIKTE 4 („Oki Stanwer – Der Insel-Regent“), KONFLIKT 12 („Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“), KONFLIKT 18 („Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“), KONFLIKT 14 („Oki Stan­wer – Feldherr der Cranyaa“) und KONFLIKT 2 („Oki Stanwer und das Terrorim­perium“) verteilten.

Ihr seht, ich kam im OSM ziemlich gut herum.

Hinzu kamen sporadische Stippvisiten im „Erotic Empire“, wo ich mich um „Die Kolonie Saigon II“ kümmerte, das mit weitem Abstand umfangreichste Projekt in diesem Kosmos, und im Archipel. Hier schrieb ich insbesondere an den Wer­ken „Gashoyys Geschichte“ und „Die neue Strafe“ weiter.

Das einzig wirklich Neue in diesem Monat war die Fertigstellung der IR-Episode „Projekt Vergangenheit“, womit ich für lange Zeit den äußersten Schreibrand des KONFLIKTS 4 erreichte. Am Schluss der Episode (Band 35 der IR-Serie) springt man als Leser quasi direkt in den Finalzyklus, der in diesem KONFLIKT wirklich sehr zeitig kommt. Ich habe das schon mal angedeutet.

Im Juli ließ die Schreibintensität dann ein wenig nach. Aber es waren immer noch 23 beendete Werke, davon allerdings auch wieder 12 Blogartikel. Drei Werkfertigstellungen entfielen auf das „Geheimprojekt“, einer auf ein Archipel-Glossar. Außerdem vollendete ich das E-Book „Auf Götterpfaden“.

Sonst oszillierte ich ziemlich wild zwischen meinen kreativen Welten hin und her. Mal zu Besuch im Archipel – etwa bei „Assarons Abenteuer“, „Die Rollen­spielerin“, „Nadines Verwandlung“, „Sarittas Hilflosigkeit“ oder „Brigitta“ – , mal suchte ich den OSM heim. Dort etwa KONFLIKT 14, KONFLIKT 12, KONFLIKT 19 oder KONFLIKT 18. Ich entwickelte schon die Idee für die nächste Kurzge­schichtensammlung, aus der deutlich später dann „Als Tiyaani noch ein Kind war… – Phantastische Geschichten“ werden sollte.

Ferner kümmerte ich mich um die OSM-Projekte „Beas Freund“, „Kämpfer ge­gen den Tod“ (Abschrift), „BURTSONS Feuerprobe“ (womit ich einen Hand­lungsfaden von KONFLIKT 9 verfolgte, also der Serie „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“).

Und ich grub zwei ältere Werkideen aus, um an ihnen weiterzuarbeiten. Die erste kennt ihr nicht, es ist „Gold“, eine kriminalistische Story aus dem „Erotic Empire“. Der Titel ist vermutlich nur provisorisch, wiewohl es da um wirklich viel Gold geht, die Titelwahl damit also prinzipiell korrekt wäre. Aber es geht na­türlich noch um einiges mehr, und das hat dann mit dem Edelmetall nur noch mittelbar zu tun.

Das andere Projekt, das ich quasi ausgrub, war „DER CLOGGATH-KONFLIKT“. Noch nicht in Form einer Überarbeitung, sondern in Form einer Abschrift, wo­bei ich da noch ganz am Anfang stand (aktuell, also Ende November 2018, wenn ich diese Zeilen schreibe, habe ich schon fast Seite 1900 in der Abschrift erreicht, und die Lücke bis zum digitalisierten modernen Abschnitt beträgt nur noch ca. 500 Seiten). Die wirkliche Zeit zum Durchstarten hier kam dann allerdings erst 2017/18.

Wie entwickelte sich der Monat August 2015? Während privat wegen der an­haltenden juristischen Turbulenzen aufgrund des Todesfalls meiner Mutter und des erwähnten – aber in diesem Jahr noch nicht relevanten – Erbschaftsfalls noch ziemliches Chaos herrschte, vergrub ich mich auch in diesem Monat in di­versen Projekten. Die Energie ließ aber immer stärker nach. Ich kam hier ledig­lich noch auf 21 fertige Projekte, davon sechzehn Blogartikel. Immerhin konnte ich mit „Hinter der Raumzeitwand“ erneut einen E-Book-Text abschließen.

Die Weiterarbeit am „CLOGGATH-KONFLIKT“ und dem dazu gehörigen Glossar sowie zahlreichen anderen Serienglossaren verschlangen weitere Schreibzeit in diesem Monat. Und tatsächlich begann ich in diesem Monat, das E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“ zu konzipieren… allerdings sollte es drei lange Jahre dauern, bis es dann endlich das Licht der Öffentlichkeit erblickte, und zwar in einer völlig anderen Form als der hier konzipierten Planung. Nun, ich machte mir einfach vom schieren Arbeitsaufwand noch keine Vorstellung. Wie hätte ich das tun können?

Wieder steppte ich – neben zahlreichen Episodenabschriften älterer OSM-Seri­en – in weitere Archipelprojekte, darunter „Die Sklavin Crista“ und „Die Rollen­spielerin“.

Und ich versuchte, wieder einmal in zwei älteren Abschriften längerer Werke voranzukommen. Für den OSM bedeutete das: „Der Zathuray-Konflikt“, also ein Romanwerk von 1991, das den ersten KONFLIKT des OSM thematisiert (bis ich das als E-Book bringe, kann es aber noch dauern, Freunde… ich habe bis No­vember 2018 noch nicht mal die Abschrift auf Reihe bekommen!). Das zweite Projekt war noch exotischer – mein erstes BUCH, also der Fantasy-Roman „Die sieben Prüfungen“ von 1987… steinalt, stilistisch doch, vorsichtig gesprochen, arg angestaubt, mit megahölzernen Dialogen und so reduktionistischem Inhalt, dass sich mir allein bei der Abschrift die Zehennägel kräuseln.

Echt, Freunde, da muss ich so gründlich dran nachschreinern, sobald die digitale Fassung vorliegt (ist auch noch lange nicht fertig), da erkennt ihr aber von der Ursprungsversion gar nichts mehr wieder. Vertraut mir. Das ist so wie mit dem „CLOGGATH-KONFLIKT“. Wer die alte Serie „Oki Stanwer Horror“ (OSH) kennt, wird mir beipflichten, dass der CK etwas vollkommen anderes geworden ist, als damals in den Episoden zu sehen war. Und so soll das optimalerweise auch lau­fen.

Ja, mit diesen neuen und alten Baustellen endete dann der Hochsommer 2015. Beim nächsten Mal erzähle ich euch, wie der Herbst dieses Jahres ausfiel. In der kommenden Woche möchte ich euch an dieser Stelle aber etwas vom „Flagg­schiff“ des OSM erzählen.

Was das ist? Und was da passiert ist? Bleibt neugierig, Freunde, nächste Woche seid ihr schlauer!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 198: Eiskalte Brandung

Posted Januar 9th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist immer bedauerlich, wenn man merkt, dass einem Autor buchstäblich die Puste ausgeht und der schreiberische, packende Elan auf der Strecke bleibt. Das passiert hier leider mit Paul Kemprecos, der wohl nahezu 99 % des Romans ge­schrieben haben dürfte. Er war nicht so ganz bei der Sache und baut diverse un­schöne Logikfehler in den vorliegenden Roman ein, der von der Thematik her gar nicht mal so uninteressant ist.

Es geht um biochemische Forschung. Es geht um Seuchenforschung. Es kommt eine versunkene Ruinenstadt im Pazifik vor (doch, die gibt es wirklich, ihr braucht sie nur zu googeln!), es geht um chinesische Unterwanderung, und auch Action gibt es reichlich.

Bei mir kam der Roman dennoch nur als Durchschnittsfutter an. Da wäre defini­tiv mehr drin gewesen. Aber, well done, vielleicht bin ich auch einfach wieder hyperkritisch und habe mir durch die Kenntnis der zahlreichen bisherigen Cuss­ler-Romane etwas den „literarischen Magen“ verdorben. Das kann durchaus sein, und wer weiß, der eine oder andere unter euch, der nicht gar so kleinkrä­merisch veranlagt ist wie ich (lach), wird von der vorliegenden Geschichte ja möglicherweise doch gepackt und findet sie klasse. Das zu entscheiden, liegt definitiv nicht an mir.

Also, wer sich seine Neugierde bewahrt hat, der schaue einfach mal weiter und breche in den Pazifik des 19. Jahrhunderts an Bord eines Walfängers auf…

Eiskalte Brandung

(OT: Medusa)

Von Clive Cussler & Paul Kemprecos

Blanvalet 37577, 2010

576 Seiten, TB

ISBN 978-3-442-37577-6

Aus dem Amerikanischen von Michael Kubiak

Wir schreiben das Jahr 1848. Der Walfänger „Princess“ unter Kapitän Horatio Dobbs ist unterwegs im Pazifik, um Wale zu jagen, die es zu dieser Zeit noch reichlicher gibt als heutzutage. Dobbs hat keine Ahnung, dass diese Fahrt seine letzte sein wird – und zwar durchaus nicht, weil Cussler & Kemprecos ihn im Prolog meucheln, nein, nein … das ist viel interessanter.

Die „Princess“ stößt tatsächlich auf eine Walherde und kann ein Tier erlegen… aber auf einmal ist der Schiffsjunge verschwunden, offensichtlich vom Wal im letzten Moment geradewegs verschlungen. So verhält es sich tatsächlich, aber als das Tier dann zerteilt wird, kann der Junge lebend geborgen werden, gleich einer modernen Variante des biblischen Jonas, den auch ein Wal verschlungen haben soll. Aber Caleb Nye, so der Name des Unglücklichen, ist von da an ge­zeichnet – mit geisterhaft fahler Haut und weißem Haar. Dass dies ihr aller Glück ist, wissen weder Dobbs noch die anderen an Bord. Sie erfahren es aber bald.

Denn kurz darauf erkrankt die Besatzung an einer heimtückischen Krankheit und siecht dahin. Mit letzter Energie steuern sie eine Insel an, die sie „Trouble Island“ nennen und die bewohnt ist. Und allein Calebs geisterhafte Erscheinung verhindert, dass sie kurzerhand von den Bewohnern alle umgebracht werden. Was dann jedoch passiert, ist … sagen wir … ein Mysterium.

Geradewegs über Nacht genesen die Matrosen wieder, und die Besatzung der „Princess“ kehrt nach New Bedford zurück. Kapitän Dobbs setzt sich zur Ruhe und verschwindet (für eine Weile) aus der Geschichte.

In der Gegenwart führt in einer chinesischen Provinz ein neuartiger Grippeerre­ger, der demjenigen der Spanischen Grippe von 1918 gleicht, aber viel schlim­mere Folgen zeitigt, zu einer Epidemie, die tunlichst geheim gehalten wird. Als erkennbar wird, dass die Krankheit sich mit normalen Mitteln nicht eindämmen lässt, aktiviert die chinesische Führung eine geschasste junge Medizinerin na­mens Song Lee und holt sie in den aktiven Dienst zurück. Mehr noch: da die chi­nesischen Mikrobiologen denen in den USA weit hinterherhinken, wird, allen weltanschaulichen Differenzen zum Trotz, eine Kooperation mit den Amerika­nern arrangiert. Konkret: mit einem Wissenschaftler namens Max Kane, der derzeit an einem hoch geheimen virologischen Experiment tätig ist. Wesentli­cher Ort des Geschehens ist eine Insel namens Bonefish Key in den Bermudas und ein Unterwasserlabor, das man als „Davy Jones´ Locker“ bezeichnet.1 Dr. Lee wird dorthin delegiert und soll dabei mithelfen, dort ein Vakzin zu entwickeln, das die Infektion in China wirkungsvoll eindämmt.

Doch schon bald zeigt sich, dass es Kräfte gibt, die das verhindern wollen. Max Kane, der eingeladen worden ist, mit Mitarbeitern der NUMA ein legendäres Tiefseetauchexperiment zu wiederholen, findet sich bald darauf mit Joe Zavala eingesperrt in mehreren tausend Fuß Tiefe auf dem Meeresboden wieder, und nur mit großer Mühe und Wagemut kann Zavalas Freund Kurt Austin die beiden retten.

Kurze Zeit später, Kane ist bereits abgereist, wird das NUMA-Schiff kurzerhand von bewaffneten Banditen geentert, die beinahe ein Blutbad anrichten und de­zidiert Dr. Kane suchen. Schlimmer aber noch: „Davy Jones´ Locker“, dessen Standort streng geheim ist, ist auf einmal verschwunden. Und schließlich wird auch noch auf Dr. Lee auf Bonefish Island ein Mordanschlag unternommen.

Es stellt sich heraus, dass hinter diesen Attacken eine chinesische Triade steckt, die sich „Pyramid“ nennt2 und von Drillingen geleitet wird. Und die Zeit läuft ih­nen davon, während Kurt Austin und seine Freunde noch versuchen, herauszu­finden, was da eigentlich los ist – letzten Endes droht nicht nur in China eine Seuche apokalyptischen Ausmaßes, sondern auch noch ein politisches Erdbe­ben. Und der einzige Ort, wo man das aufhalten kann, ist das verschwundene Unterwasserlabor. Aber von dem fehlt nach wie vor jede Spur…

Um es mal grundsätzlich zu sagen: es gibt wohl keinen dämlicheren Titel als den, den die Texter des Verlages diesem Buch gegeben haben. Das wird sofort deutlich, wenn man das Werk liest – es spielt zum überwiegenden Teil im war­men Pazifik, also war das wohl nix mit „eiskalter Brandung“, von der auch sonst keine Spur zu sehen ist. Warum nicht der Originaltitel 1:1 übernommen wurde, der schon Interesse genug geweckt hätte, vermag wohl nur die Verlagsleitung zu sagen. Wenigstens gaben sich die Leute Mühe, ein halbwegs zum Inhalt pas­sendes Titelbild zu besorgen. Das ist dann ein kleiner Lichtblick.

Ansonsten setzt sich leider ein wenig der Eindruck aus dem Vorgängerroman fort: die Handlung spult sich wie gewohnt routiniert ab und liest sich flink und flott… aber irgendwie ist sie erneut zu glatt, zu seltsam an den Haaren herbei­gezogen und improvisiert. Da wird, beispielsweise, eine Epidemie auf die Menschheit losgelassen, aber die Verantwortlichen kümmern sich nicht wirklich um Schutzvorkehrungen (so etwas soll vorkommen, man sehe sich etwa die Nu­klearindustrie an). Da versteckt sich das Hauptquartier des Feindes ausgerech­net genau DORT, wo sich laut Karte „Trouble Island“ befindet. Da will man dem Leser weismachen, dass man ein 570 Fuß langes U-Boot mit einer Crew von 9 Personen steuern kann bzw. die Crew eines solchen Fahrzeuges mit nur 9 Perso­nen unter Kontrolle halten kann. Außerdem wird, um die Geschichte zu drama­tisieren, der Virus munter „mit dem Wasser“ weiter verbreitet, wo doch eigent­lich jeder weiß, dass Viren für die Übertragung auf Wirtskörper angewiesen sind…

Man merkt: der Vorstellungskraft und Leichtgläubigkeit des Lesers wird hier ei­niges zugemutet. Ansonsten ist das ein nicht uninteressanter Roman, aus ver­schiedenen Gründen. Einmal ist da natürlich das Hauptobjekt der Geschichte zu nennen – die Medusen. Wunderbare Geschöpfe des Meeres, die ich wirklich phantastisch finde. Dass sie noch sehr viele Geheimnisse besonders biochemi­scher Natur beherbergen, ist kaum zu bestreiten. Zweitens ist dann Nan Madol im Pazifik zu nennen, einer der Schauplätze der Handlung – eine sehr beeindru­ckende Ruinenmetropole, über deren Geschichte ich leider immer noch viel zu wenig weiß. Sie taucht hier erstmals als Handlungsschauplatz in einem Roman überhaupt auf, den ich gelesen habe. Und wenn man bedenkt, dass ich über Nan Madol eigentlich schon seit etwa gut 35 Jahren mehr wissen möchte, mag man verstehen, warum ich hier so elektrisiert war (und dann enttäuscht, denn sehr viel Interessantes erfährt man eben nicht).

Schließlich ist auch noch faszinierend und beunruhigend, was Kemprecos aus der chinesischen Unterwanderung Amerikas macht (das ist definitiv eine Tatsa­che, wenn auch zumeist auf kapitalistischem Weg, d. h. durch Firmenübernah­men und Aufkäufe seitens der finanzstarken Chinesen). Das macht die Ge­schichte so beklemmend – ob man die amerikanischen Geheimdienste ein­schaltet oder nicht… es kann immer sein, dass der Feind seine eigenen Leute dort eingeschleust hat und die Protagonisten kurzerhand in eine Falle laufen lässt.

Schade fand ich nur, dass dieser Teil des Buches gewissermaßen der Selbstzen­sur unterlag. So gemäß dem Motto: Nein, die Triadenbosse DÜRFEN keine post-mortem-Anordnungen hinterlassen, Kurt und Joe bezüglich, sonst würden die beiden ja nie mehr ihre Ruhe finden. Stattdessen wird die Triade aus dem Weg geräumt, Problem erledigt… das ist etwas sehr billig. Bloß keine politischen Pro­bleme mit den Chinesen erzeugen, hatte ich das vage Gefühl. Vielleicht ist da was dran, und wenn, dann zeigt das deutlich, dass „politisch korrekte“ Romane irgendwie öde sind, sobald es sich um das Thriller-Genre handelt.

Ich bleibe dabei: Paul Kemprecos ist schreibmüde und die Protagonisten leid, so kommt es mir vor. Deshalb ist dieser Roman auch der letzte von ihm – der Staf­felstab wird nun an Graham Brown übergeben. Mal schauen, wie er mit unse­ren beiden NUMA-Helden zurecht kommt.

Mehr dazu demnächst an dieser Stelle.

© 2013 by Uwe Lammers

Es gab definitiv schlimmere Romane von Cussler & Co. Aber das hier ist, meiner persönlichen Einschätzung nach, eher ein schwächerer. Was eindeutig NICHT schwach ist, wird das Leseerlebnis der kommenden Woche sein, wo ich euch ein Buch vorstelle, das ich 1975 das erste Mal gelesen habe. Einer meiner all-time favoureds, eindeutig.

Mehr dazu in einer Woche. Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Nein, nicht in Anspielung auf die Filme „Fluch der Karibik“. Der Begriff „Davy Jones´ Locker“ findet sich auch schon in alten NATIONAL GEOGRAPHIC-Heften aus den 50er Jahren, wo es um Unterwasserforschung geht. Also hat Jerry Bruckheimer geklaut.

2 Ein Schelm, wer dabei an das Alan Parsons Project denkt…

Wochen-Blog 305: Close Up: Der OSM im Detail, Teil 2

Posted Januar 5th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ich resümiere noch mal kurz, was bisher geschah, ehe wir uns wieder in das Ge­tümmel des KONFLIKTS 14 stürzen, also in das Schreibjahr 1983, als der Oki Stanwer Mythos (OSM) noch recht jung war und die Episoden entsprechend… na, sagen wir mal… schlicht gestrickt. Sie entstanden meist im Abstand von we­nigen Tagen, maximal Wochen und umfassten hier im KONFLIKT 14, der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ gerade mal 15 handschriftliche Textsei­ten. Da kann man keine großen Handlungssprünge erwarten.

Ich hatte im ersten Close Up vor fünf Wochen zunächst eine ausführliche Einlei­tung gebracht, warum ich Close Ups überhaupt bringen möchte, dann eine knappe Einführung in den KONFLIKT 14 gegeben und schließlich mit den Kurzre­zensionen der ersten drei Episoden losgelegt. Da ich heute gern bis Band 10 kommen möchte, um danach in den Takt von 5 Episoden je Close Up zu gelan­gen, fange ich am besten gleich mal an.

Rückblick: Wir befinden uns in der Galaxis Hun’arc irgendwo in den Tiefen des 14. Universums des OSM. Das Reich der insektoiden Cranyaa ist dabei, seine Heimatsterneninsel zu erforschen und nach weiteren Zivilisationen zu fahnden. Dabei entdecken sie den Wüstenplaneten Yurok, wo sie Kontakt mit der ersten Helferin des Lichts bekommen – Slek-Im. Sie ist dank eines gerade ungeboren gestorbenen Cranyaa-Kindes in Cranyaa-Gestalt reinkarniert und gibt nun den monarchisch-matriarchalisch organisierten Cranyaa die Entwicklungsrichtung vor: sie sollen für Oki Stanwer und die Sieben Lichtmächte ein starkes Reich eta­blieren, um, wenn Oki Stanwer als „Feldherr der Cranyaa“ erscheint, bereit zu sein, den Kampf gegen TOTAM aufzunehmen.

700 Jahre lang expandiert das Cranyaa-Imperium, dann setzt die eigentliche Serienhandlung mit Band 2 ein. Rätselhafte Schollenschiffe werden gesichtet, die aber keinen Kontakt suchen. Sie scheinen aus dem Zentrum von Hun’arc zu stammen. Das Expeditionsschiff LUHMEN wird ausgesandt, um Kontakt zu su­chen. Kommandant Week-Ta entdeckt dabei die Zivilisation der nonhumanoiden Mogolker, die eine systemische Raumfahrt betreiben, aber zugeben, dass sie mit den Schollenschiffen Kontakt gehabt haben, den so genannten Tsoffags.

In der Zwischenzeit erscheinen Aberhunderte von Tsoffag-Einheiten im Cranyaa-Reich, besonders über der Brutwelt Sayliih, und ihr Anführer Dunkelmond stellt ein Ultimatum. Die Cranyaa sollen sich den Tsoffags und ihrem ideellen Führer Rookax unterordnen, dies seien die Kräfte des Lichts, Oki Stanwer hingegen wird als Abgesandter des Bösen dargestellt.

Derweil warnt das Orakel davor, ein Bündnis mit den Tsoffags einzugehen, Schreckliches werde dann geschehen. Und die Mogolker spinnen indessen eine Intrige, um die Besatzung der LUHMEN in eine Falle zu locken…

Episode 4: Die Tsoffag-Mission

(21. November 1983, digitalisiert 2013)

Die Besatzung der LUHMEN wird von den Mogolkern auf deren Hauptwelt Vo’hoccl eingeladen, zu Gast beim „Fest der strahlenden Haare“ zu sein. Kom­mandant Week-Ta argwöhnt allerdings eine Falle und lässt sicherheitshalber un­ter die „Urlauber“ Wachpersonal mischen. Mehr als achttausend Cranyaa besu­chen so die Welt der Mogolker und laufen, in kleine Gruppen zerspalten, in Hin­terhalte. Die Diener des Rookax opfern die paralysierten Cranyaa nach und nach den schwarzen Monolithen, in denen Rookax´ Mentalessenz präsent ist. Roo­kax, das kommt für den Leser, noch nicht für die Cranyaa, zum Vorschein, arbei­tet einwandfrei für TOTAM…

Derweil sind schon mehr als 31.000 Schiffe der Tsoffags im Reich der Cranyaa angelangt und positionieren sich über deren zentralen Welten, belauert von den Cranyaa-Wachschiffen. Und eine Gruppe Tsoffag-Schiffe wird abgezweigt, um ins System der Mogolker einzufliegen und das Expeditionsschiff LUHMEN auszuschalten…

Episode 5: Die Sonnenhölle

(28. November 1983, digitalisiert 2013)

Die Falle schnappt zu! Während die Cranyaa am Boden der Mogolker-Heimat­welt den Kontakt mit ihrem im Orbit befindlichen Schiff LUHMEN verlieren und, soweit sie nicht sofort überwältigt wurden, auf der aussichtslosen Flucht sind, taucht das Tsoffag-Kampfgeschwader auf, das 49 Einheiten umfasst. Cranyaa-Kommandant Week-Ta muss schnell die Hoffnung begraben, dass die Tsoffags in friedlicher Mission kommen. Eine Raumschlacht beginnt, bei der die in Segmente aufgespaltene LUHMEN Stück für Stück vernichtet wird. Als klar wird, dass der Kampf nicht zu gewinnen ist, muss Week-Ta die Bodenkommandos im Stich lassen und zieht sich mit dem Rudiment des Expeditionsschiffes tiefer ins Galaxiszentrum zurück. Die Tsoffags verfolgen die verkleinerte LUHMEN nicht, wohl wissend, dass Week-Ta zurückkehren wird, um die Besatzungsmitglieder zu retten.

Nun ist der Weg frei, im Reich der Cranyaa aktiv zu werden…

Episode 6: Invasion auf der Brutwelt

(30. November 1983, digitalisiert 2014)

Die Attacken der Tsoffags im Reich der Cranyaa beginnen, als Königin Sini-Ag das Ultimatum des Tsoffag-Anführers Dunkelmond kategorisch zurückweist. Da­bei, das wird erst später ersichtlich, ist der Angriff längst im Gange: etwa auf der Industriewelt Yroo-Tee, wo immer mehr Cranyaa aus unklaren Ursachen zu­sammenbrechen. Da Cranyaa über einen doppelten Kreislauf verfügen, das so genannte erste und zweite System, können sie aktionsfähig bleiben, auch wenn ihr erstes System versagt. Aber das ist erst der Anfang – die von den Tsoffags im Orbit unmessbar emittierte Strahlung schwächt die Vitalkraft der Cranyaa und tötet sie auf schleichende Weise.

Dann beginnen die Invasoren damit, die zentrale Brutwelt Sayliih zu bombardie­ren, wo der Nachwuchs der Cranyaa seit Jahrhunderten zentral ausgebrütet wird. Der Krieg entbrennt, ein Kampf ohne Gnade.

Derweil wird auf der Orakelwelt Yurok der Kommandant der Orakelwache, der Cranyaa Kama-Ke, zum Orakel Slek-Im gerufen, das ihm eine Vision offenbart: TOTAMS finstere Streitkräfte greifen nach dem Reich der Cranyaa, der Beginn des KONFLIKTS ist nah, während Oki Stanwer noch fern von Hun’arc ist. Aber Hilfe sei unterwegs – ein „weißer Stern“ werde alsbald materialisieren, und er bringe das Ende für den finsteren Kristallherrscher Rookax. Aber danach sieht Slek-Im Chaos, Tod und Verderben.

Und dann bricht sie zusammen, während schwarze Schatten über die Wände ihres Aufenthaltsraumes im Innern der Orakelzinne flackern – das Böse greift die Orakelwelt an!

Während die Brutwelt nach heftigem Kampf in den Besitz der Invasoren über­geht, verhalten sich allein die Tsoffag-Einheiten über der Cranyaa-Hauptwelt Wislyon still. Die Computer prognostizieren, dass sie darauf warten, dass im Hil­lomerg-Park der ZEITHORT Oki Stanwers materialisiert, damit sie ihn vernichten können.

Aber er taucht nicht auf.

Und der Kampf geht auf der Orakelwelt weiter…

Episode 7: Angriff auf das Orakel

(14. Dezember 1983, digitalisiert 2014)

Der Kampf im Reich der Cranyaa geht in die nächste Phase. Während der Kon­takt mit dem Expeditionsschiff LUHMEN abgerissen und die Brutwelt Sayliih verloren ist, emittieren die Tsoffags, sofern sie nicht mit brutaler Macht die Schiffe der Cranyaa aus dem Orbit fegen und deren Raumforts zerstören, eine lähmende Strahlung, die nicht zuletzt auch auf der Hauptwelt der Cranyaa, auf Wislyon, Fatalismus und Apathie verbreitet.

Auf der Orakelwelt kämpfen zur gleichen Zeit das Orakel Slek-Im und der Kom­mandant der Orakelwache, Kama-Ke, ums Überleben. Der Dämon Ormun von TOTAM ist erschienen, ein immaterielles Wesen, das wie schwarzer Nebel in die Orakelzinne eingedrungen ist und jeden tötet, der ihm in den Weg tritt. Kama-Ke wird von ihm versucht, zur Seite des Bösen zu konvertieren, doch der Cranyaa bleibt stark und weigert sich.

Slek-Im kann ihm zwei Traumvisionen eingeben, die erst zutage treten werden, wenn er in Sicherheit ist – er soll zum Rand von Hun’arc fliegen und hier den Helfer des Lichts Klivies Kleines suchen. Die Traumvisionen sind für ihn als Handlungsanweisung gedacht, damit er Rookax bekämpfen kann. Dann stirbt Slek-Im.

Ormun wird von einer automatischen Abwehrroutine der Orakelzinne kurz dar­auf vertrieben, aber er kann die Tsoffags noch instruieren: „Vernichtet die Ora­kelwelt!“

Episode 8: Rookax´ Coup

(17. Dezember 1983, digitalisiert 2014)

Der Kommandant der Orakelwache, Kama-Ke, wird von seinem Gefährten Olom-Ra in Sicherheit gebracht, als die Tsoffags die Orakelwelt angreifen. Wäh­rend die Cranyaa in letzter Sekunde die Welt verlassen können, versinkt Kama-Ke in tiefer Trance und erlebt die erste Traumvision, die ihm das Orakel Slek-Im, die erste Helferin des Lichts, eingepflanzt hat.

Er wird so Zeuge, wie ein schwarzer Kristallmonolith ins Sternenzentrum von Hun’arc trudelt und über einer dunklen Welt zerbirst. Der Monolith, wird in der Vision klar, ist eine intelligente Entität namens ROOKAX, und der Planet, auf dem seine Trümmer landen – was ihn freilich nicht zerstört – wird in naher Zu­kunft seine Zentralwelt, die „Düsterwelt“ werden.

Hunderttausende von Jahren später landet hier das Tropfenschiff eines fremden Volkes – der Raumfahrer, der es steuert, heißt Luurix und ist ein tropfengestalti­ger Genforscher aus dem Volk der Soogrer. Rookax kann ihn beeinflussen und unter seine paramentale Kontrolle bringen. Alsbald hat Rookax auch mentalen Kontakt mit TOTAM selbst, der Macht des Bösen. Nach TOTAMS Anweisungen unterwirft Rookax das Volk der Soogrer auf deren Hauptwelt Senaax und zwingt sie dazu, ein weiteres Volk zu erschaffen – die Tsoffags.

Die Tsoffags sind allerdings nur gewaltige neuronale Geflechte, die scheinbar nach einer Missgeburt aussehen – doch sie sind starke Telepathen und werden schließlich in mechanische Körper eingebaut, in geschmeidige Schollenschiffe, die ihre Leiber sind. Um sie mit Aggressionspotenzial aufzuladen, werden sie mit TOTAM-Energie geradewegs elektrisiert. Und mit einer Million Tsoffags er­hält Rookax nun den Auftrag, weitere Völker im galaktischen Zentrum zu unter­werfen, um ein Vielvölkerreich zu erschaffen, das dereinst Oki Stanwers Trup­pen den Kampf ansagen soll…

Episode 9: Unter der Knechtschaft des Bösen

(17. Dezember 1983, digitalisiert 2014)

Olom-Ra und Kama-Ke haben mit einem kleinen Kurierschiff den Rand der Gala­xis Hun’arc erreicht. Hier soll, nach den Worten des gestorbenen Orakels Slek-Im, irgendwo der zweite Helfer des Lichts erscheinen, Klivies Kleines. Aber Olom-Ra hat keine Ahnung, wie und wo sie wohl Kontakt aufnehmen sollen.

Kama-Ke durchlebt in der Zwischenzeit die zweite Vision des Orakels. Nachdem er Zeuge von Rookax´ Ankunft im Zentrum von Hun’arc, der Unterwerfung der Genforscher der Soogrer sowie der Erschaffung der Tsoffags wurde, geht es nun darum, wie sich Rookax´ Reich ausdehnt und wie das Volk der Mogolker unter Rookax´ Bann gerät.

Ehe sie auf sie stoßen, entdecken die Tsoffags zwei weitere Raumfahrtnationen – die zweiköpfige Echsenspezies der Calnarer, die begnadete Raumschifftechni­ker sind, sowie die kristallinen und psychotischen Synox, die sich in gnadenlo­sen Clankriegen zerfleischen, ehe Rookax sie zwangsweise befriedet und hier seine schwarzen Kristallstelen aufstellen lässt, durch die er paramental wirken kann.

Auch die Mogolker, mit Abstand das primitivste der nunmehr fünf Völker, können Rookax´ Übernahme nicht lange widerstehen. Kama-Ke wird auch Zeuge davon, wie die Mogolker reihenweise Angehörige ihres eigenen Volkes den Rookax-Ste­len opfern, deren Mentalessenz kurzerhand vampiristisch aufgesogen wird… exakt das, was Jahrzehnte später auch Tausenden von Cranyaa der LUHMEN auf Landgang widerfahren wird.

Sobald Kama-Ke dies alles erblickt und durchlebt hat, erwacht er.1

Episode 10: Unbekannter aus Sternentiefen

(18. Dezember 1983, digitalisiert 2014)

Am Rande von Hun’arc ist der Cranyaa-Grenzkreuzer SAFLON unter der Kom­mandantin Lasa-On unterwegs, als ein fremdes Raumschiff auftaucht – eine gi­gantische, pulsierende Kristallfestung, die entfernt wie ein gigantischer, dreidi­mensionaler Schneekristall wirkt. Aber der Kristall ist offensichtlich schwarz… und er geht auf Angriffskurs.

Es handelt sich um die Lichtfestung OREOC, an Bord ist der zweite Helfer des Lichts, ein Kristallwesen namens Klivies Kleines, das aktuell vom Dämon Dreno­sa von TOTAM attackiert und von seiner schwarzen, schleierartigen Materie um­hüllt wird. In letzter Sekunde können Kleines und OREOC den Dämon in die Flucht schlagen.

OREOC nimmt sowohl die SAFLON als auch das auftauchende kleine Kurierschiff von der Orakelwelt an Bord, in dem sich Kama-Ke und Olom-Ra befinden. We­nig später kann Kama-Ke Kleines die Visionen wiedergeben, die das sterbende Orakel ihm eingepflanzt hat. Mit grimmiger Rachsucht beschließt Kleines, Slek-Ims Tod zu rächen und ins geheime Sternenreich des Rookax einzudringen, um Vergeltung zu üben.

Erstes Flugziel: der Planet Vo’hoccl, die Zentralwelt der Mogolker.

Aber der Dämon Drenosa und die Macht TOTAM warnen Rookax vor, dass Klei­nes und OREOC kommen werden. Die nächste Falle wird gestellt…

Soweit kommt die Serie bis Band 10. In der nächsten Close Up-Folge kümmere ich mich dann um die Episoden 11-15, die wesentlich Klivies Kleines´ Abenteu­ern im Reich des Rookax nachgeht.

Bis nächste Woche, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Es ist übrigens richtig, dass die Träume des Orakels jede Menge Fragezeichen beim Leser induzieren – muss man nicht vor Ort gewesen sein, um derlei Informationen zu erhalten? Grundsätzlich: ja. Anfangs war diese Traumgeschichte schlecht durchdacht, aber inzwischen ist mir aufgegangen, wie ich sie prinzipiell plausibel machen kann. Das hat mit einer Zeitreise Oki Stanwers im Fortgang der Serienhandlung zu tun, zu der ich beizeiten noch kommen werde…

Rezensions-Blog 197: In fremderen Gezeiten

Posted Januar 2nd, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

eine Warnung vorweg: vieles an dem, was ich unten erzähle, wird euch seltsam vertraut vorkommen. Und das ist kein Wunder. Schon in der Rezension von 2011 deutete ich schließlich an, dass ich davon Kenntnis besaß, dass sich Jerry Bruckheimer die Rechte an der Verfilmung des Stoffes gesichert hatte und sie schließlich in seinen vierten Film der Reihe „Fluch der Karibik“ einfließen ließ.

Damals war ich noch verhalten optimistisch, was das Resultat anging… aber wer den Film kennt, weiß höchstwahrscheinlich, dass daraus nur eine klägliche Tra­vestie wurde, etwas, was ich nur als „Altherrenpartie mit Jack Sparrow und Hector Barbossa“ bezeichne. Wirklich: wie man bei solch einer literarischen Vorlage einen filmischen Stoff so dermaßen vollständig gegen die Wand fahren kann, ist mir heutzutage immer noch vollkommen schleierhaft. Bruckheimer muss wirklich so ganz und gar neben sich gestanden haben, als er das machte… einfach nur noch peinlich.

Deshalb erscheint es mir umso wichtiger, das wirklich brillante Buch von Tim Powers an dieser Stelle gleichsam als Antidot zum vierten Filmteil um Jack Spar­row zu verabreichen – das Abenteuer, das sich hier auf den Seiten ausbreitet, könnt ihr im Gegensatz dazu tatsächlich genießen, das ist ein prallbuntes Ad­venture-Spektakel mit wilden Einfällen, das euch in Staunen, Lachen und Tränen versetzen wird, versprochen.

Neugierig auf das Abenteuer geworden? Dann folgen nun die Details:

In fremderen Gezeiten

(OT: On Stranger Tides)

von Tim Powers

Heyne 4632, 1989

448 Seiten, TB

ISBN 3-453-03894-0

Aus dem Amerikanischen von Walter Brumm

Alles fängt damit an, dass der junge John Chandagnac eine Reihe falscher Ent­scheidungen trifft, und es geht damit weiter, dass die sich aus diesen Entschei­dungen ergebenden Entwicklungen sein gesamtes Weltbild auf den Kopf stel­len. Das kann er aber nicht wissen, als er sich im Jahre 1718 anschickt, mit dem Segler „Brüllender Carmichael“ und dem Reiseziel Westindische Inseln aufzu­brechen. Sein Vater Francois ist kurz zuvor an den späten Folgen eines Überfalls gestorben, und gemeinsam waren Vater und Sohn jahrelang unterwegs als Pup­penspieler. Inzwischen hat der junge John eine Anstellung als Buchhalter ange­nommen, als er erfährt, dass der Bruder seines Vaters, Sebastian Chandagnac, auf Jamaika eine Erbschaft angenommen hat, von der Johns Vater nie Kenntnis erlangte. Sebastian ist nun reicher Plantagenbesitzer, während sein Bruder in Europa bettelarm verstarb. In dem Bestreben, diesen Onkel nun zur Teilung des Erbes zu verpflichten, reist John Chandagnac in die Karibik.

Natürlich hält er das für eine völlig vernünftige Entscheidung, leider zu Unrecht.

An Bord des „Brüllenden Carmichael“ unter Kapitän Chaworth befinden sich ein paar weitere Passagiere, was völlig normal zu sein scheint: da ist der seltsame, einarmige Benjamin Hurwood, eigentlich ein Philosoph, wenn auch oftmals seltsam abwesend. Dazu kommt seine bildhübsche und blutjunge Tochter Eliza­beth, sowie der fette „Arzt“ Leo Friend, der sich um Beths „Diät“ zu kümmern hat (die sie selbst definitiv nicht schätzt – immerzu nur Kräuter und Gemüse, kein Fleisch! Was es damit letzten Endes für eine Bewandtnis hat, tritt auch bald zutage). Friend ist ein durchweg unsympathischer Kerl, und immer, wenn er sich aufregt oder unziemlich Elisabeth anschaut, gerät er heillos ins Stottern und Stammeln. Es ist unübersehbar, dass er sehr gern sehr viel enger mit der viel jüngeren Elizabeth vertraut wäre, was von ihrer Seite keinerlei Ermunterung erfährt. Ja, und so kommt es, dass John Chandagnac eigentlich gar nicht anders kann, als sich mit Elizabeth anzufreunden.

Und schon in diesem harmlosen Stadium des Romans beginnen ausgeprägte Disharmonien und Dissonanzen zwischen den Personen. John nimmt das alles aber nicht richtig wahr. Er findet Elizabeth zwar sehr anziehend und sympa­thisch, ist aber gerade aus einer Verlobung in Europa geflohen und möchte ei­gentlich nur nach Jamaika, um seinen Onkel zu stellen. Beth ist also eine nette Begleitung an Bord des Seglers, doch mehr offensichtlich nicht.

Das soll sich drastisch ändern.

Kaum sind sie nämlich in der Karibik angelangt, geht alles schief: ein Piratenseg­ler steuert auf sie zu, und zu Johns Entsetzen machen Hurwood und Leo Friend gemeinsame Sache mit den Angreifern, außerdem erweist sich die Artillerie des Seglers als völlig wirkungslos in dem Versuch, das Piratenschiff zu versenken. Als der Piratenkapitän Davies an Bord kommt, folgt der nächste Schrecken – denn obwohl sich John mit dem Mut der Verzweiflung verteidigt, muss er die erschre­ckende Entdeckung machen, dass die genannten drei Feindpersonen allesamt immun gegen Kugeln und Säbelhiebe zu sein scheinen… nun, oder fast! Piraten­kapitän Davies entpuppt sich als jemand, der mit Hurwood und dem berüchtig­ten Seeräuber Schwarzbart einen Handel gemacht hat, und ehe der junge John Chandagnac begreift, wie ihm geschieht, befindet er sich mitsamt den Passagie­ren in der Gewalt der Piraten.

Seine eigentlich vergleichsweise friedfertige Reise entgleist in einen Alptraum.

Ben Hurwood, soviel kommt bald heraus, hat ein Reiseziel im Norden der Kari­bik, in den Sümpfen von Florida, wo es eine Quelle starker magischer Macht ge­ben soll, die Quelle des ewigen Lebens, nach der schon die Konquistadoren un­ter Ponce de Leon im frühen 16. Jahrhundert gesucht haben. Außerdem erweist es sich, dass die Karibik durchtränkt ist von einer sehr gegenständlichen magi­schen Macht. Es gibt stumme Personen, die offensichtlich schon lange tot sind und als Marionetten Dienste leisten. Es gibt verfluchte Hühner, deren Verzehr Fieber auslöst. Schwarzbart selbst ist von einer Vielzahl von Geistern besessen, die er nur im Zaum halten kann, indem er Unmengen von Rum mit Schießpulver konsumiert.

Die Reise zur Quelle des ewigen Lebens ist erst der Auftakt zu einer Reihe von haarsträubenden Abenteuern, und die Folgen des Handelns sind wirklich aben­teuerlich. Wir treffen beispielsweise auf ferngelenkte Seeleute, auf bovistähnli­che Pilze, die sich als verzauberte oder besser: verfluchte Menschen erweisen und sogar sprechen können, auf grimmige Elementargeister und leibhaftige Geisterschiffe, bemannt mit Untoten… und John Chandagnac, inzwischen zum Koch, Maat und dann Piratenkapitän namens Jack Shandy mutiert, merkt im­mer schneller, dass seine hehren Vorstellungen von Ehre und Anstand den Bach herunter gehen, seine ursprünglichen Pläne sich auflösen und schließlich ein neues Ziel zentrale Gestalt gewinnt: rette Elizabeth Hurwood vor den Plänen, die ihr Vater mit ihr hat… selbst wenn das heißt, dass man fast buchstäblich zur Hölle fahren muss…

Wer die drei Filme der Serie „Fluch der Karibik“ gern gesehen hat und sich dort wie zuhause fühlte, der kann das in diesem Buch auf schriftlicher Basis noch ein weiteres Mal intensivieren. An vielen Stellen hat man als Leser und Kinogänger das bezaubernde Gefühl, Jerry Bruckheimer oder Captain Jack Sparrow gewis­sermaßen über die Schulter zu schauen bei wirklich bisweilen aberwitzigen Pi­ratenabenteuern in der Karibik. Und immer, wenn man denkt: wie mag sich denn unser Held John Chandagnac nun wieder aus DER Malaise retten (etwa, als die Piraten von einer englischen Fregatte überwältigt werden und John alias Jack Shandy – zu dem Zeitpunkt noch „nur“ Koch – eigentlich nur schnellstens in sein bürgerliches Leben zurückkehren möchte, während der Rest bald in der Schlinge baumeln soll), da gelingt es Tim Powers, solche irrsinnigen Kapriolen einzubauen, die faszinierend an die argumentativen und handlungsdramaturgi­schen Haken und Bögen erinnern, die die Handlung der „Fluch der Karibik“-Fil­me auszeichnet.

Es nimmt darum nicht Wunder, dass Jerry Bruckheimer tatsächlich vor relativ kurzer Zeit an Tim Powers herantrat und sich die Drehrechte an seinem Buch si­cherte und die Ideen schließlich in „Fluch der Karibik 4: Fremdere Gezeiten“ einfließen ließ. Ich bin sehr neugierig, was er aus den hier ausgebreiteten Ideen gemacht hat (auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, wo in diesem Wirrwarr von Voodoo-Zauberern, von Geistern besessenen Piratenkapitänen, Untoten und Dämonen wohl Jack Sparrow und seine Crew ihren Platz finden werden).

Auch, wer „nur“ Piratenromane mit leichtem übernatürlichem Einschlag liebt, wird dieses Buch wahrscheinlich verschlingen. Ich las langsam und brauchte gleichwohl keine sechs ganze Tage… ach, und da frage ich mich natürlich schon, warum es fünfzehn Jahre dauerte, bis ich es in die Hand nahm! Und was mögen wohl noch für faszinierende Schätze in meinen Bücherregalen schlummern?

Dieses Buch werdet ihr zweifellos nur noch antiquarisch bekommen – aber ich versichere euch, das lohnt sich. Ich bin sicher, ihr werdet es lieben. Und natür­lich nachher, wie ich selbst, auch bedauern, dass es nicht wenigstens DOPPELT so dick ist…!

© 2011 by Uwe Lammers

Ja, ihr seht, mancherlei Details hat Bruckheimer schon weitgehend übernom­men. Aber er hätte diese absurde Christentumsschelte nicht einbauen müssen (die hier übrigens vollkommen fehlt), die hat schließlich alles ruiniert. Zu scha­de, das werde ich ewig bedauern.

In der kommenden Woche bleiben wir bei der Seefahrt, landen aber wieder in der Gegenwart und folgen den Spuren von Clive Cussler. Ihr werdet es sehen, Freunde.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Silvesterblog 2018

Posted Dezember 31st, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

schon vor einem Jahr an dieser Stelle konstatierte ich ein wenig verdrossen, dass mein E-Book-Programm sich im Laufe des verstrichenen Jahres 2017 nicht eben sonderlich gut entwickelt hatte… aber das war eigentlich zu erwarten ge­wesen. Was ich dann freilich nicht erwartete und weswegen selbst die eher be­scheidenen Ziele für 2018 nicht erreicht wurden, war, dass das Folgejahr eben­so zu einer Achterbahnfahrt wurde.

Ich meine, die Situation war schon singulär für mein Leben: ein Jahr lang ohne Beschäftigung zu sein und dies ohne Bezug von Lohnersatzleistungen… das er­zeugte das seltsame Gefühl, in einer Blase zu stecken, far away from the world. Dass ich selbstverständlich auch weiterhin Teil der Welt blieb, mich auf Arbeits­suche befand und Kontakte zu vertrauten Institutionen hielt, gehörte gleich­wohl dazu.

Kreativ, und darum geht es hier ja primär, setzte ich dann andere Prioritäten. Eine davon betraf das, was ich in meinen Blogartikeln das „Flaggschiff“ genannt habe: die Buchversion des KONFLIKTS 13 des OSM, „Oki Stanwer Horror“ (OSH), von mir in den Jahren 1982-1985 niedergeschrieben und ab Frühjahr 1988 in Buchfassung unter dem Titel „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ (CK) ausführlicher ausgearbeitet.

Womit ich nicht rechnete und wohl auch nicht rechnen konnte, war die Eigen­dynamik, die sich daraus entwickelte. Während ich über das Jahr 2018 auf meh­reren Ebenen an diesem Werk arbeitete – Weiterschrift, kommentierte Ab­schrift, Glossar – , erwachte immer stärker der Wunsch in mir, das erste CK-E-Book zu realisieren. Das lockte umso mehr, als mir das Titelbild für Band 1 „Vorbeben“ ja schon über ein Jahr lang vorlag.

So kam es dann, dass bis Jahresende das erste CK-E-Book alle Arbeitsstadien an anderen E-Books in den Schatten stellte und als mein mit weitem Abstand um­fangreichstes E-Book (immerhin 475 Seiten laut Amazon) veröffentlicht werden konnte. A dream come true, ernsthaft.

Neben diesem E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“ konnte ich au­ßerdem den vorläufigen Abschluss des RHONSHAAR-Zyklus in der E-Book-Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) auf den Weg bringen.

Die Vorarbeiten für Band 1 der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC), „Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“, konnte ich 2018 noch nicht ab­schließen. Stattdessen zog ich die nächste Kurzgeschichtensammlung „Die Kris­talltränen und andere phantastische Geschichten“ vor, die inzwischen konver­tiert wird und voraussichtlich im Januar oder Februar 2019 erscheint. Direkt danach folgt „Feuerglanz“, dann soll im Frühjahr 2019 Band 31 der TI-Serie „Zeitenwandel“ kommen. Zu dessen Inhalt habe ich im vergangenen Silvester­blog schon ein wenig ausgeführt, ich denke nicht, dass es sinnvoll wäre, mich hier zu wiederholen.

Für Herbst 2019 plane ich außerdem den zweiten Band des CLOGGATH-KON­FLIKTS, der den Titel „Monstererwachen“ tragen wird und den Handlungszeit­raum der Jahre 2114 bis 2123 abdecken soll, also bis zu dem legendären Persos-Abenteuer, von dem eigentlich bislang nur Guido Latz Kenntnis hat… wieso hat der Inhaber des Atlantis Verlages davon Kenntnis, mögt ihr euch jetzt vielleicht überrascht fragen? Wird der OSM demnächst in Stolberg verlegt? Nein, nein, keine überzogenen Erwartungen. Ich verrate euch ein kleines Geheimnis meiner Vergangenheit und denke nicht, dass das sehr indiskret ist:

Im Jahre 1990 waren Guido Latz und ich noch das, was man einfache Fandomler nennen kann. Er hatte zwar schon seinen semiprofessionellen „Phönix Fantastik Verlag“ (PFV) in Stolberg gegründet, ideell der Vorläufer seines heutigen profes­sionellen Verlages. Auf der anderen Seite war er aber auch mein Brieffreund und Mitglied in meinem Weird Fiction-Club LOVECRAFTS ERBEN. Wir besuchten uns gelegentlich, und bei einem dieser Besuche gab ich Guido den ersten Ord­ner meiner oben erwähnten Romanfassung der OSH-Serie zu lesen. Darin befin­den sich die so genannten Prologe und Vorspiele, die nicht Teil der eigentlichen OSH-Serie sind. So hat Guido damals eine Vorstellung dessen bekommen, was ich einst den „modernen OSM“ nannte. Gemessen an heutigen Maßstäben war das natürlich sehr bescheiden, aber sowohl Guidos als auch meine Qualitäts­messlatten lagen damals noch recht niedrig.

Der einzige noch lebende Mensch, der weiß, was in der gesamten OSH-Serie vor sich gegangen ist, der also alle 77 Episoden der Serie gelesen hat, ist mein damaliger Brieffreund Michael Breuer aus Köln gewesen, ebenfalls ein LOVE­CRAFTS ERBE, der heute erfolgreich Heftromane schreibt – was mich sehr freut. Selbst wenn unser Kontakt lange abgerissen ist, denke ich doch immer noch sehr gern an jene Zeit zurück, und es freut mich außerordentlich, zu sehen, was aus den kreativen Geistern meines damaligen Clubs geworden ist.

Das gilt übrigens auch, deute ich an dieser Stelle mal an, für den Bestsellerautor Kai Meyer, ebenfalls ein damaliger LOVECRAFTS ERBE, den ich im Fandom auf Augenhöhe kennenlernen durfte und der sich heute toll entwickelt hat. Das sei aber nur so am Rande angemerkt.

Doch zurück zu meinen eigenen kreativen Produkten.

Es blieb also anno 2018 bei nur zwei E-Books. Dafür konnte ich im Bereich der kommentierten Abschriften älterer OSM-Episoden gut vorankommen und habe gegenwärtig die laufende Nummer 1885 erreicht. Im Jahr 2019 wird also unwei­gerlich OSM-Band 1900 entstehen. Welcher Serie dieser Band entstammt, kann ich aktuell noch nicht sagen, obwohl ich da schon gewisse Ideen habe…

Bei den beiden Blogartikelreihen, dem Wochen-Blog und dem Rezensions-Blog, bin ich auch weiterhin konstant vorangekommen. Der Wochen-Blog hat am 2. Dezember 2018 die Nummer 300 überschritten, wobei ich dort mit der neuen Rubrik „Close Up: Der OSM im Detail“ angefangen habe, jeweils etwa 5 Episo­den einer OSM-Serie in Kurzrezensionsform zusammenzufassen. Die Idee hatte ich deswegen, weil mir natürlich klar ist, dass es bei meiner gegenwärtigen E-Book-Veröffentlichungspraxis eine Ewigkeit dauern würde, bis ihr beim KON­FLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC) anlangt, den ich freilich schon im Januar 1988 abgeschlossen habe. Also waren diese Kurzrezensionen der sinnvollste Weg, damit umzugehen.

In voraussichtlich 21 Close Up-Beiträgen werde ich euch nach und nach diese Serie vorstellen. Da die kommentierte Abschrift der FdC-Serie gegenwärtig Band 60 erreicht hat (was Close Up-Folge 12 entspricht) und ich anno 2019 dar­an sehr gut vorankommen dürfte, glaube ich kaum, hier schnell in Zugzwang zu kommen. Folgen wird dann die Close Up-Form des KONFLIKTS 15 „Oki Stanwer“ (1981-1984), quasi also die Ur-Keimzelle des OSM in serieller Form überhaupt. Da ich die kommentierte Abschrift dieser Serie schon vor mehr als 10 Jahren beendete, habe ich Stoff für weitere 18 Close Up-Beiträge… ich male mir nicht aus, in welchem Jahr wir landen, bis das alles veröffentlicht ist, aber es ist noch ziemlich fern, glaube ich.

Der Rezensions-Blog wird im Januar 2019 auch schon die 200. Folge erreichen und erfreut sich, wie mir scheint, immer noch großer Beliebtheit. Und es be­steht definitiv kein Mangel an interessanten Büchern… während ich diese Zeilen schreibe, linse ich zu meiner aktuellen Lektüre hinüber, Lauren Rowes Roman­zyklus „The Club“, in dem ich gegenwärtig ziemlich tief versunken bin, soweit mir die Beantwortung der Jahresendpost dafür Raum lässt. Sehr leidenschaftli­cher Stoff, bei dem man unglaublich viel lachen kann… eine äußerst unterhalts­ame Lektüre, die ich jetzt schon empfehlen kann. Die Rezensionen, die ich dazu bislang verfasst habe, werden sicherlich nicht vor dem Jahr 2020 den Weg in den Rezensions-Blog finden.

Warum nicht? Ach, das hat mit meiner Vorausplanung zu tun. Der Rezensions-Blog ist bereits bis zum 13. November 2019 verplant, ernsthaft. Und bis zum Er­scheinungszeitpunkt 15. Mai 2019 sind sie auch alle bereits geschrieben… auf manchen Feldern arbeite ich eben einfach weit voraus, das ist nicht auf den OSM beschränkt.

Was wird es 2019 auch noch an sicheren Ereignissen geben? Also, gewiss ist, dass meine erste Print-Publikation, die Storysammlung „Grey Edition 12: Lust­voller Schrecken“ in der „Grey Edition 13“ des Terranischen Clubs Eden (TCE) eine Fortsetzung erfahren wird. Die Texte liegen schon mehr oder weniger fertig vor (ein redaktioneller Korrekturgang ist natürlich noch zu leisten), und ich wer­de mich im Januar mit dem Illustrator enger zusammenschalten, um den grafi­schen Teil des Bandes zu realisieren. Ich schätze, so im Sommer 2019 dürfte das Werk dann auch erscheinen können.

Über das ganze Jahr 2018 hinweg konnte ich die Veröffentlichung des OSM-Ro­mans „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“ im Clubfanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) des Science Fiction-Clubs Baden-Württemberg (SFCBW) realisie­ren. Der Schlussteil wird in BWA 425 im Februar 2019 zu finden sein. Mit 26 Tei­len ist das der längste Fortsetzungsroman, den ich jemals in einem Fanzine ver­öffentlicht habe. Und ja, es gibt schon den Ansatz eines zweiten Teils, der dann „Durch die Ruinenwelten“ heißen wird (regelmäßige Leser meines Blogs und besonders der Rubrik „Work in Progress“ wissen davon bereits). Aber wann die­ser Roman fertig geschrieben wird… no idea. Das ist die Last von zu vielen Bau­stellen, an denen ich laboriere. Das allmählich mal einzuschränken, ist schon seit Jahren ein Wunschgedanke von mir… aber wie ihr seht, ist das mit der Rea­lisierung so eine Sache…

Kommen wir noch kurz zur Besucherfrequenz meiner Webseite in den zurück­liegenden zwölf Monaten. Da kann ich wie üblich nur einen provisorischen Wert nennen, weil erstens das Jahr noch nicht herum ist, zweitens aber auch des­halb, weil aufgrund eines noch nicht vollständig greifenden Updates der Web­seite www.oki-stanwer.de die Statistikfunktion gegenwärtig nicht tagesaktuell zählt. Bis zum 19. Dezember 2018, dem Tag, wo sich die Funktion gerade mal wieder „aufhängte“, zählte ich jedenfalls 63.238 Klicks, womit wir auf rund 5.000 Klicks pro Monat kommen… eine mehr als akzeptable Zahl, wie ich finde.

Momentan wird die Webseite zwar mehrheitlich durch die Blogartikel vertrau­ter, wie mir scheinen will, weniger durch die E-Book-Präsenz bei meinen beiden zentralen Distributoren Amazon und XinXii.com, aber das finde ich nicht über­mäßig dramatisch… selbst wenn es natürlich schier unendlich viele Werke gibt, die ich gern via E-Book und sicherlich beizeiten auch in Printform an euch wei­tergeben möchte.

Für das Jahr 2019 gibt es da vielleicht noch ein paar neue Ideen, an denen ich zurzeit tüftele, über die ich aber noch nichts Näheres verraten möchte… ihr wisst ja aus den vorangegangenen Silvesterblogs, dass das mit Vorankündigun­gen immer ein zweischneidiges Schwert ist. Zu leicht kann man da vollmundig zu viel erzählen und lange Gesichter erzeugen, wenn die Realisierung nicht Schritt halten kann. Also lieber erst mal kleine Brötchen backen.

Gewiss ist, dass ich meine Präsenz im TCE im Fanzine PARADISE ausbauen wer­de, dasselbe gilt für die ANDROMEDA-NACHRICHTEN des Science Fiction-Clubs Deutschland (SFCD), da sind die Pläne durchaus schon bis Frühjahr 2020 gedie­hen (kein Schreibfehler).

Abschließend möchte ich einmal mehr meinen Freunden vom Förderverein Phantastika Raum & Zeit e.V. danken. Mein weiterer Dank gilt dem Team von Thrillkult-Media, ohne das es mein E-Book-Programm vermutlich nicht mehr gäbe. Die Konvertierung der E-Books, die ich selbst nicht leisten kann (hey, ich bin Autor, nicht IT-Spezialist!), die ist und bleibt das Nadelöhr der Veröffentli­chung meiner Werke. Und ohne die unendliche Geduld und Kulanz der Spezia­listen, die mir hier helfen, wäre ich aufgeschmissen und ihr ohne Lesestoff. Also vielen herzlichen Dank einmal mehr an dieser Stelle!

Und auch meinen Grafiker Lars Vollbrecht möchte ich ein weiteres Dankeschön aussprechen dafür, dass er so geduldig dabei ist, dem OSM grafisch ein Gesicht zu geben. Dasselbe gilt auch für befreundete Grafiker, die mir im vergangenen Jahr dabei geholfen haben und hoffentlich auch weiterhin helfen werden (ihre Werke werden beizeiten meine E-Books zieren, ihr werdet es sehen).

Werde ich im kommenden Jahr wieder auf ähnliche Events gehen, wie auf den Convention „Raum & Zeit Continuum IV“, auf den ich im letzten Silvester-Blog hinwies? Das ist noch nicht absolut klar zu sagen. Es gibt einige Kandidaten. Am 30. März findet in Osnabrück der „Starbase Charity-Event“ statt, zu dem ich ver­mutlich mit Freunden vom Förderverein Phantastika Raum & Zeit e.V. aufbre­chen werde. Im Mai folgt dann, ebenfalls in Osnabrück, der „3. Perry Rhodan-Tag Osnabrück“. Da ich bei den ersten beiden Malen aus zeitlichen Gründen passen musste, will ich dieses Mal versuchen, dabei zu sein (und nicht nur zu deren Conbuch beitragen). Joachim Kutzner vom TCE und ich planen dort schon eine Lesung aus der „Grey Edition 12“… das ist also schon recht konkret.

Weitergehende Conpläne für 2019 habe ich noch nicht… ich bin einfach nicht so der wahnsinnig kommunikative Congänger, sondern mehr der „stille Schreiber­ling in seiner Schreibklause“ (lach). Aber es würde mich schon reizen, im Herbst mal wieder auf den Buchmesse-Con nach Dreieich zu fahren… mal schauen, ob sich das so realisieren lässt.

Damit möchte ich für dieses Mal zum Ende kommen und euch einen guten Start ins neue Jahr 2019 wünschen. Bleibt mir gewogen, bleibt neugierig und lasst euch von dem faszinieren, was ich euch alles ausbreiten kann – via E-Books, Blogartikeln, Rezensionen, Geschichten und Artikeln in diversen Fanzines. Ich verspreche euch, das Füllhorn meiner Phantasie ist noch lange nicht erschöpft, und allein das, was ich hier noch an Vorrat für euch gehortet habe, würde euch vom Hocker reißen. Möge 2019 das Jahr sein, in dem ich euch wieder einen Gutteil davon in lesbarer Form präsentieren kann.

Macht es gut, Freunde, bleibt gesund, neugierig und gespannt auf alles, was ihr an dieser Stelle in den nächsten 365 Tagen von mir so lesen werdet.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

der Monat September zählt in diesem Jahr temperaturmäßig unbedingt noch mit in den Hochsommer. Ich kann mich ehrlich an keinen Monat September entsinnen, den ich jemals so schwitzend durchlitten hätte – aber möglicherwei­se wird meine Rückschau durch die Tatsache getrübt, dass ich a) älter werde und das Gedächtnis ohnehin schwächelt (im kommenden Monat endet immer­hin mein 52. Lebensjahr und das 53. beginnt), und b) habe ich natürlich keine Wetteraufzeichnungen geführt, insofern muss ich mich hier ein wenig auf das reine Gefühl verlassen.

Was hatte diese Temperatur zur Folge? Wie ihr aus den letzten Blogartikeln die­ser Rubrik wisst, funktioniere ich oberhalb von 25 Grad nur noch bedingt, es stand also zu erwarten, dass ich hier schwächeln würde, was den Output an­ging. Und das stimmte tatsächlich, ihr werdet es gleich dramatisch merken.

Zum einen.

Zum anderen hatte ich vor wenigen Monaten schon gesagt (im Juni-Eintrag der „Work in Progress“), dass es mich in den Fingern jucke, mit der Ausarbeitung des ersten E-Books des KONFLIKTS 13 zu beginnen. Konkret: mit dem Werk „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“. Das war dann DIE Baustelle, die ich im Monat September bearbeitete, und ich bin wirklich ganz phantastisch darin vorwärts gekommen. Das gilt generell für den CLOGGATH-KONFLIKT (CK) im All­gemeinen. Ich schrieb ja schon vor kurzem, dass ich hier mehrfach involviert bin. Ich rufe das hier noch mal in Erinnerung:

Erstens arbeitete ich weiter an der Digitalisierung.

Zweitens trieb ich die Glossierung des bestehenden nicht-digitalen Skripts vor­an, das immerhin mehr als 3800 Seiten umfasst.

Drittens schrieb ich in bescheidenem Ausmaß an Kapitel 37 des CK weiter.

Und viertens kümmerte ich mich eben in die gründliche Umarbeitung des Stof­fes, um ihn euch in Bälde als E-Book präsentieren zu können.

Ende Juni nahm ich noch an, es werde in diesem Jahr nicht mehr gelingen, das zu realisieren, aber dann überholte meine Schreibleidenschaft für dieses Pro­jekt die für das eigentlich zunächst vorgesehene Werk „BdC 1: Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“… und ehe ich mich versah, war es weit abgehängt und ich befand mich in einer ungewöhnlichen Form von Monokultur, in der ich zwi­schen 2113 und 2124 im KONFLIKT 13 „versumpfte“, unendlich viele Schreibfeh­ler fand, einfallslose Formulierungen und unverzeihliche Auslassungen.

Während ich in diesem Monat also nur 10 fertige Werke rubrizieren konnte, davon die meisten Rezensionen und sonstige Non-OSM-Werke, stürmte ich bei dem CK und dem ersten CK-E-Book phantastisch voran. Dazu gleich an gegebe­ner Stelle mehr. Nun schaut, was im September so Berichtenswertes vor sich ging:

(Glossar des BUCHES „DER CLOGGATH-KONFLIKT“)

(DER CLOGGATH-KONFLIKT – OSM-BUCH)

(OSM-Wiki)

Blogartikel 299: Work in Progress, Part 69

(DER CLOGGATH-KONFLIKT – OSM-BUCH (Abschrift))

(E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“)

(E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 2: Monstererwachen“)

Anmerkung: Als ich während der Arbeit am ersten CK-E-Book deutlich zu spüren begann, dass der Text sich munter wie ein Hefeteig ausdehnte (weil so viel im Ursprungsskript von 1988 fehlte, wie ich immer geahnt hatte, nicht weil ich so­viel Stoff zum Aufblähen hinzufügen wollte), wurde mir klar, dass eine Umver­teilung unumgänglich sein würde.

Ursprünglich sah ich vor, dass CK 1 die gesamten Prologe und Vorspiele zum ei­gentlichen KONFLIKT 13 des Oki Stanwer Mythos (OSM) beinhalten sollte (im­merhin 265 Rohtextseiten). Aber das erwies sich als völlig unrealisierbar. Also teilte ich den Band kategorisch auf und sagte mir: Okay, er bekommt „nur“ die ersten vier Kapitel, nicht alle, die ich vorgesehen habe. Der Handlungsbogen bis Frühjahr 2123 (Persos), wird in diesem zweiten Band verarbeitet werden.

(E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 3: Knochensaat“)

Anmerkung: Im gleichen Arbeitszug, in dem ich die Inhalte des ersten und zwei­ten CK-Bandes voneinander trennte, musste ich mir natürlich auch für den vor­maligen 2. Band der CK-E-Books etwas Neues einfallen lassen. Zuallererst einen neuen Titel (der schnell gefunden war). Und dann sinnierte ich, ob ich die gräss­liche erste Glusem-Geschichte hier noch mit einbauen sollte oder nicht. Aktuell tendiere ich dazu, das zu tun. Aber es hängt natürlich sehr davon ab, wie die vormaligen Episoden des KONFLIKTS 13, die ich hier bearbeiten möchte, durch die sich massiv intensivierenden sozialen Interaktionen ausweiten. Das kann ich aktuell noch nicht abschätzen. Das ist aber auch erst ein Problem, mit dem ich frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 zu tun haben werde. Bis ihr diese Zeilen lest, könnte es durchaus sein, dass ich für diese beiden E-Books schon Titelbilder vorliegen habe.

Tja, und das war es dann auch schon.

Shocking? Leerlauf? Nein, weit gefehlt. Dröseln wir das mal kurz auf, warum ich in diesem Monat ungeachtet der geringen Menge an fertigen Texten auf mehr als 800 Kreativseiten gekommen bin:

Die Digitalisierung des CLOGGATH-KONFLIKTS startete Anfang September bei Seite 1469. Am Monatsende hatte ich Seite 1592 erreicht (und zahlreiche höhe­re Kapitel jenseits von Kapitel 23 angefangen, mit erfasst. Die dort digitali­sierten Seiten werden aber erst einbezogen in die monatlich laufende Statistik, wenn die Kapitel an das bisherige Digitalisat angeschlossen werden).

Mit dem Weiterschreiben an Kapitel 37 des CK hörte ich schon ganz zu Monats­beginn auf, weil ich spürte, dass ich jenseits des Nachlesens (was mich ja be­kanntlich im Monat August eine Menge Zeit gekostet hatte) besser weiter Ab­schrift betreiben sollte, um keine weiteren Inhaltsfehler zu erzeugen… und wer denkt, ich würde übertreiben, der macht sich von der Komplexität dieser Welt echt keine Vorstellung. Ich gebe mal ein paar Beispiele von Fehlern, die ich wäh­rend der Abschrift kopfschüttelnd entdeckte:

England wird im 22. Jahrhundert von einer recht jungen, attraktiven und sehr angefeindeten Monarchin regiert. In späteren Kapiteln des CK fasele ich auf ein­mal von einem König, weil ich die Regentin völlig vergessen hatte. Das geht na­türlich nicht.

Dann entdeckte ich zu meiner Bestürzung, dass ich eine ganze Reihe von Kapi­teln einen Knochenacker TOTAMS übersehen hatte und mit der Zählung durch­einander gekommen war… oh, was ein Knochenacker ist? Nein, das ist Spoilern auf hohem Niveau, das möchte ich jetzt noch nicht verraten. Das sollt ihr dann selbst herausfinden – eine haarsträubende und spannende Sache, soviel sei ver­sprochen.

Noch schlimmer war es, als ich während des Glossierens des Textes ins Schleu­dern kam und mich fragte: „Also, welche Städte sind jetzt eigentlich schon Irre­alstrahlerzonen? Glasgow, okay, das habe ich kapiert. Aber gehört Aberdeen auch dazu? Hongkong?“ Auch das musste dringend geklärt werden, weil das wirklich MASSIVE Auswirkungen auf die Handlung der E-Books haben wird.

Was Irrealstrahlerzonen sind? Ach, wisst ihr… auch das ist etwas, das möchte ich hier nicht vorwegnehmen. Auf jeden Fall ist das der Stoff, aus dem Alpträu­me gemacht sind, vertraut mir. Ich weiß echt, wovon ich spreche.

Dann entdeckte ich mit Hilfe des Ewigen Kalenders, dass es mir durchaus mög­lich ist, die Wochentage für das Jahr 2113 zu berechnen und präzise anzugeben. Damit konnte ich natürlich 1988 noch nicht kommen, da kannte ich dieses Ka­lenderinstrument nicht. Ich werde also mindestens noch die Wochentage bis in­klusive 2124 recherchieren müssen, damit nicht irgendwann die Leute von Scot­land Yard versuchen, an einem Sonntag einkaufen zu gehen. Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten hin oder her – es muss auch gewisse Regeln geben.

Das Neuschreiben am CK-Kapitel 37 hörte also erst mal auf Seite 2838 auf.

Am 3. September begann ich mit der Ausarbeitung des CK 1-E-Books, und bis Monatsende hatte ich Seite 312 des Skripts erreicht. Also entfielen allein hier­auf schon mal mehr als 200 Neutextseiten, da es ja einen Rohtextkorpus aus dem Jahre 2015 gab.

Und last but not least war da natürlich auch noch das CK-Glossar. Inzwischen sind gut 2900 Textseiten des Schreibmaschinenskripts erfasst. Am Monatsan­fang stand das Glossar auf Seite 91, Ende des Monats hatte ich Seite 173 er­reicht.

Also, ich weiß ja nicht, Freunde, wie ihr das seht – aber für mich sieht „Still­stand“ doch ein wenig anders aus. Zugegeben, ich bin zu einer ziemlichen „Mo­nokultur“ geworden und habe mich gründlich in meinem Schreiboffice vergra­ben. Aber die Fortschritte machen mir wirklich Mut. Es macht einen phantasti­schen Spaß, die Intrigen der Dämonen von TOTAM zu verfolgen, die Jagd des Scotland Yard auf den rätselhaften MAESTRO, oder Oki Stanwer dabei zuzuse­hen, wie er sich in die Gesellschaft des Jahres 2113 einzuleben versucht.

Wer also immer mal Oki Stanwer in Aktion erleben wollte, hat in diesem E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“ die Gelegenheit.

Soviel für heute zur kreativen Ausbeute des Monats September 2018. In der kommenden Woche reisen wir zurück in den KONFLIKT 14 des OSM und schau­en durch das Brennglas des neuen Close Up-Formats, was in der Galaxis Hun’arc so im Detail geschehen ist, damals anno 1983.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

vor vier Wochen lockte ich euch das erste Mal in dieses satirische Comic-Paral­leluniversum, fußend auf den Charakteren von Sir Arthur Conan Doyle. Damals war das gewissermaßen für Zeichner und Texter noch eine Warmschreibübung, könnte man sagen. Vielleicht waren sie sich auch des Erfolges noch nicht restlos gewiss und dachten sich: na, lieber erst mal kurze Episoden verfassen, ehe wir uns an den Wurf einer durchgängigen Storyline wagen.

Diesmal sind sie verwegener, diesmal geht es vordergründig um den im Titel vorkommenden Club, in dem man… vornehm ausgedrückt… seltsamen Hobbys nachgeht. Und gelegentlich dabei stirbt. Was dann Scotland Yard und den bera­tenden Detektiv auf den Plan ruft. Einen Detektiv, der auf obskure, nachgerade panische Weise schwächelt… sehr lesenswert, unbedingt.

Ernster Zwerchfellerschütterungs-Alarm, sollte ich vielleicht warnend vorweg sagen. Wer gerade mit einer Magenverstimmung laboriert, sollte sich diesen Band zu Gemüte führen, wenn sich seine Verstimmung gelegt hat. Lachen kann man hier gar schrecklich viel.

Neugierig geworden? Dann mal auf ins Abenteuer:

Baker Street 2:

Sherlock Holmes und der Club der tödlichen Sportarten

(OT: Sherlock Holmes et le Club des Sports Dangereux)1

Piredda-Verlag

Von Pierre Veys & Nicolas Barral

Berlin 2010

52 Seiten, geb.

ISBN 978-3-941279-36-0

Wird Sherlock Holmes alt? Das fragt man sich, je weiter man in diesem Comic kommt, der schon zu Beginn subtil andeutet, dass es eine Menge Probleme hin­ter der eigentlichen Handlung gibt (es lohnt sich also sehr, den Comic mehrmals mit viel Geduld und vor Kichern verkrampften Bauchmuskeln zu lesen!). Fangen wir einfach mal mit der ersten Seite an.

Nächtlicher versuchter Einbruch bei den Limehouse Docks in London. Ein Schat­ten fällt über den entsetzten Dieb, und dann… Themenwechsel, kein Wort mehr davon. Stattdessen befinden wir uns am nächsten Tag in der Baker Street 221B, wo Holmes und Watson beim Brettspiel spielen sind. Inspector Lestrade stürmt die Wohnung und bittet um ihre Mithilfe: ein Informant hat ihm erklärt, er habe eine brandheiße Spur zum „meistgesuchten Terroristen des Königreichs“: Jack the Bearder, so genannt, weil er überall Porträts von Königin Victoria mit Bärten verziert. Sherlock Holmes hat keine Ahnung oder tut wenigstens so (aber war­um meint er dann erschrocken: „Ich war’s nicht! Ich habe ein Alibi!“, als die Sprache auf den Verbrecher kommt? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt… aber das ist natürlich nicht das letzte Wort in der Angelegenheit).

Kurzum: dieser Besuch an den Docks, wo der Informant Lestrade seine Kennt­nisse vermitteln möchte, endet in einer Katastrophe, in der Watson beinahe in einem Meer aus Bier ersäuft wird. Dabei geht vieles unter, so auch ein Holzpfos­ten, der mit eigenartigen runden Verzierungen bedeckt ist (was das bedeutet, kommt erst sehr viel später wieder zum Vorschein). Zwar gelingt es, dieses Dra­ma um den infamen „Bieranschlag“ zu enträtseln, aber inwiefern das dann dazu führt, dass Scotland Yard abbrennt, muss man nachlesen, das ist zum Brüllen.

Und von da ab hat man das untrügliche Gefühl, dass Holmes alt wird.

Lestrade erscheint mal wieder, zusammen mit seinem Cousin Brodie2, gerade noch zeitig, um eine extreme Eifersuchtsszene zwischen Holmes und Watson zu unterbrechen (der nämlich hat entdeckt, dass Watson reichlich Post von weibli­chen Verehrerinnen erhält, die nicht immer so richtig seriös sind. Ein Beispiel: „Ich wage es nicht, Doktor Watson anzusprechen… darum bitte ich Sie, ein gu­tes Wort für mich einzulegen… ich verfüge über gute Kenntnisse der schotti­schen Küche… eine sehr komfortable jährliche Rente… eine hübsche Sammlung Single Malt und habe einen großen Busen…“ Aha, sagt man da doch nur, und Watsons knallrotes Gesicht spricht Bände).

Doch zurück zum Besuch von Inspector Lestrade: diesmal führt Lestrade sie zu einem „unlösbaren“ Todesfall in den „Club der tödlichen Sportarten“, und damit sind wir dann mitten im Geschehen: Die Tür war von innen verschlossen, der Mann – Dr. Nicholas Spota – ist offenkundig friedlich im Schlaf verstorben.3 Hol­mes argwöhnt dennoch Mord, und er findet auch ein ungewöhnlich selten vor­kommendes Insekt in totem Zustand. Danach jedoch befragt, was das mit dem Fall zu tun hat… ratloses Schweigen und Schweißausbrüche.

Holmes hat es nicht rausbekommen, da treffen Watsons Gedanken ins Schwar­ze.

Allerdings sind Holmes und Watson in der Zwischenzeit schon Mitglieder im Club geworden, weil nur Vereinsmitglieder das Gelände betreten dürfen und sonst logischerweise die Nachforschungen behindert wären. Wie eine uner­müdliche Klette klebt Inspector Lestrade an ihrer Fährte, und mit ihm natürlich sein Cousin… und zumindest für Lestrade und Watson wird das sehr schmerz­haft werden (ich deute nur mal an, um nicht den ganzen Spaß zu verderben: es hat etwas mit einem Helm, einer Kiwi, einer Ballonfahrt und Kakteen zu tun, nicht zu vergessen die Mausefalle und das „Gadget“ des Inspectors, ein Spazier­stock mit mehr oder weniger ordentlich ausfahrender Klinge).

Während Watson immer ungnädiger mit seinem Kollegen umspringt, kümmert sich Sherlock Holmes gar nicht um das „rätselhafte Massenverschwinden“, das in London immer noch andauert (man erinnere sich an Seite 1!), auch Lestrade kümmert das offenbar überhaupt nicht (Zitat Lestrade: „Kümmern sich die Ver­schwundenen etwa um ums? Siehst du!“). So denkt Watson immer öfter dar­über nach, „den Detektiv zu wechseln“, von dem erfolglosen Holmes zu einem anderen, was Sherlock freilich schockiert.

Watsons Meinung wird eher noch bestärkt, als Holmes im Fall der tanzenden Rennmaus des Mr. Crimson auch völlig ratlos ist und beinahe einen Nervenzu­sammenbruch erleidet. Warum dann aber der notorisch in seiner Teetasse rüh­rende Inspector Lestrade die Blockade durchbricht und Holmes auf die richtige Fährte führt, muss man selbst nachlesen. Wieso dann der Fall Spota, der an­schließend neu aufgerollt wird, zu einem weiteren Bad im Bier führt, ist auch köstlich lesenswert. Und völlig haarsträubend wird es dann, als Holmes nach ei­nem grässlichen Alptraum jählings zu begreifen beginnt, was es mit dem rätsel­haften Massenverschwinden auf sich hat…

Der zweite Comic der Baker Street-Reihe weist nicht eine Vielzahl von kleinen Vignetten auf, sondern erzählt eine durchgehende Geschichte, die durch viele subtile Andeutungen zu einem großen Ganzen zusammengeschnürt wird. Der Titel führt deshalb ein wenig in die Irre, denn es geht noch um ganz andere Sa­chen… die freilich ohne Mitwirkung des „Clubs der tödlichen Sportarten“ und der vielen dort vertretenen, schrulligen Personen nicht denkbar wäre. Es ist nur eins bedauerlich – dass die dramaturgisch interessante Lösung des Massenver­schwindens aus rein biologischen Gründen vermutlich nicht möglich ist. An­sonsten aber halte ich diesen Band strukturell und vor allen Dingen wegen der zahllosen kleinen Gemeinheiten, die hier gebracht werden, durchaus für besser als den ersten Band. Wirklich: selten so gelacht, auch im Wiederholungsfall!

Wer kein absoluter Holmes-Purist ist oder schon den ersten Band mit Vergnü­gen und Gekicher verschlungen hat, sollte sich den hier ganz bestimmt nicht entgehen lassen!

© 2011 by Uwe Lammers

Ja, das ist schon so ein schockierendes wie satirisches Abenteuer gewesen, und das Schönste daran dürfte sein, dass es ja noch Fortsetzungen davon gibt. Ich komme zu gegebener Zeit darauf zurück.

In der Rezension der kommenden Woche begeben wir uns in ganz andere Gefil­de, sowohl geografisch wie zeitlich. Wir machen einen Sprung ins ausgehende 17. Jahrhundert, und wer sich immer schon für Piratengeschichten begeistern konnte und bei wem in diesem Zusammenhang das Jahr 1692 ein wohliger Schreck durch den Körper geht, der ist hier ganz exakt richtig.

Nächster Stopp: Port Royal, 1692.

Es geht um Piraten, Geister, Magie, Flüche und Schlimmeres. Demnächst an die­ser Stelle.

Bis dann Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Wenn ich als nicht des Französischen Mächtiger das richtig interpretiere, hat man im Deutschen den Titel dramatisiert, und aus den „gefährlichen“ Sportarten wurden tödliche. Die französische Variante ist eigentlich zutreffender und sowieso sinnvoller – was machte eine tödliche Sportart auch für einen Sinn, außer für aus­gesprochene Selbstmörder…?

2 Vgl. dazu „Baker Street 1“ – da es viele solcher Querverweise gibt, empfiehlt es sich sehr, die Comics in der richtigen Reihenfolge zu lesen, das gilt ganz besonders für die Bände 3 und 4, zu denen beizeiten noch mehr gesagt werden wird.

3 Von innen verschlossene Türen sind in Holmes-Geschichten durchaus weit verbreitet, sowohl im traditionel­len Kanon von Arthur Conan Doyle als auch später. Erst jüngst las ich eine solche Story: „Der ägyptische Gnom“ von Martin Barkawitz, enthalten in der Anthologie „Das Geheimnis des Geigers“ von Alisha Bionda (Hg.). Dort allerdings ist der Tote vermeintlich an einem Schuss in die Schläfe gestorben. Indes, Holmes weist nach, dass er ertrunken ist. Wie das im Britischen Museum in einem von innen abgeschlossenen Raum mög­lich sein soll? Es lohnt sich, das nachzulesen. Aber das ist hier nicht weiter zu thematisieren.

Liebe Freunde des OSM,

im November verließ ich euch mit Teil 25 dieser Rubrik und hatte dort meine kreative Aktivität bis Ende Februar 2012 aufgearbeitet. Machen wir also damit gleich weiter.

Während ich arbeitstechnisch im Projekt „Kommunale Amtsträger“ biografiehistorisch Regionalgeschichtsforschung betrieb und, da halbtags angestellt, eini­ges an freien Zeitkapazitäten fürs Schreiben besaß, gelang es mir, in diesem Monat insgesamt 16 Werke fertig zu stellen. Zählte dazu viel zu den „Annalen“? Kann ich leider nicht behaupten. Ich leistete einiges an Glossararbeiten für die jüngst abgeschlossene Digitalisierung des KONFLIKTS 17 „Drohung aus dem All“, arbeitete am Annalen-Werk „Eine scharf geschliffene Waffe“ weiter, das erst 2018 fertig werden sollte, schrieb Rezensionen, einen Reisebericht, auch wur­den zahlreiche Episodenabschriften bzw. -neuformatierungen fertig.

Der Monat April 2012 gab mir zeitlich mehr Freiraum, weil ich mich inzwischen gescheit im Amtsträger-Projekt eingelebt hatte. Das führte zu 21 fertigen Wer­ken. Nach wie vor dominierten OSM-Episoden (hier: KONFLIKT 21 „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“) neben gelegentlichen Rezensionen.

Man sieht diese Gewöhnung an die neue berufliche Aufgabe allein schon an der schieren Quantität meiner parallel entstandenen kreativen Werke: in diesem Monat kam ich auf 32 fertige Werke. Dabei wandte ich mich nun der Neuforma­tierung zweier andere OSM-Serien zu, nämlich KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) und KONFLIKT 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ (DSj). Hier begann ich auch nun endlich mit der Abschrift der frühen Episoden der DSj-Serie, womit ich eine „Altlast“ aufzuholen begann, die ich seit Winter 1989 vor mir hergeschoben hatte. Manche Dinge brauchen eben bei mir enorm viel Zeit.

Und warum formatierte ich die TI-Episoden neu? Das hatte was mit der Verein­heitlichung zu tun, mit manuellen Trennungen, der alten Rechtschreibung usw. Da hatte sich strukturell seit 2003, als diese Episoden ursprünglich entstanden, digital bei mir einiges getan.

Neben diesen Abschriften und Neuformatierungen kam ich indes im Mai 2012 nicht wirklich vom Fleck. Ich glossierte etwa an der DSj-Serie, parallel tat ich dasselbe für Archipel-Werke und machte dort in Geschichtenfragmenten immer mal wieder Stippvisiten. Ansonsten – Fehlanzeige.

Im Juni 2012 hielt sich das hohe Level an Werkausstößen: auch diesmal 32 ferti­ge Texte. Inhaltlich war es diesmal durchwachsener. Ich stieß mit „Auf ewiger Mission“ in einem Fragment des OSM in die Romandimension vor (es ist aller­dings nach wie vor ein Fragment), stampfte gewissermaßen überraschend eine neue Archipel-Kurzgeschichte aus dem Boden („Zwei Welten“) und fuhr an­sonsten emsig fort mit Episodenabschriften bzw. Neuformatierungen in KON­FLIKT 2 und KONFLIKT 28. Am 16. Juni entstand außerdem die 6. Version des Ar­chipel-Begriffsregisters (48 Seiten Umfang). Glossararbeiten und gelegentliche Weiterschriften an Archipel-Fragmenten kamen hinzu. Und das Annalen-Projekt „Mutproben“, das abenteuerlicherweise in KONFLIKT 28 angesiedelt ist, wurde begonnen.

Und da ich mit KONFLIKT 28 und KONFLIKT 2 mit diesen „einfachen“ Aufgaben weitgehend durch war, machte ich mit der Neuformatierung der Episodenab­schriften bei KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ weiter.

Sagte ich schon, dass es an Baustellen bei mir keinen Mangel gibt? Ihr seht es gerade, und es ist wirklich zu bedauerlich, dass ihr nicht meinen Informations­horizont habt, sondern bislang nur die relativ eingeschränkte Perspektive durch die (wenigen) Werke, die ich bislang als E-Book publizieren konnte. Es fühlt sich für mich immer so an, als führe ich seit Jahren mit angezogener Handbremse, ehrlich. Ich muss mich immer bremsen, nicht zu sehr in die Vollen zu gehen, weil mir klar ist, dass ihr viele meiner Andeutungen beim besten Willen nicht verstehen könntet… selbst wenn sie sich auf Werke beziehen, die ich vor 30 Jahren geschrieben habe.

Echt, es wäre soviel einfacher, wenn ich ein engagiertes Team von Mitarbeitern hätte, die sich mit einarbeiten und mit veröffentlichen könnten. Als Einzelkämp­fer dauert das hier alles schier ewig, und ich weiß sehr wohl, eure Geduld ist nicht unerschöpflich… ach, das ist Seufzen auf hohem Niveau, das ist mir be­wusst.

Also, ich blende noch um in den Juli des Jahres 2012, der wieder 25 beendete Werke sieht. Ich fuhr fort mit den Neuformatierungen von KONFLIKT 12, mit den Abschriften von KONFLIKT 28 und Glossararbeiten. Ebenfalls kam es noch zu gelegentlichen Neuformatierungen in KONFLIKT 2. Außerdem gelangen mir ein paar kommentierte Abschriften in KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dä­monen und Schergen“ und gelegentliche Stippvisiten in Archipel-Fragmenten. Neue Werke? Fehlanzeige.

Wurde es im August 2012 besser? Nicht wirklich. Die Zahl der Werke, die abge­schlossen werden konnten, sank auf 20 ab, allerdings hatte das einen anderen Grund als bisher: Ich arbeitete am Glossar des KONFLIKTS 9 „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“, was mich dann dazu brachte, die umfangreichen Neu-Episoden 13, 14 und 15 dieser Serie zu verfassen, also „Rückkehr zum ZYNEEGHAR 11“, „Signale“ und „Die Warnung der Baumeister“.

Sonst blieb der Fokus auf KONFLIKT 28 bestehen, sowohl via Neuformatierung als auch Abschrift, kontrastiert von ebensolchen Aktivitäten bei KONFLIKT 2. Dass es mich aber nach neuen Ufern gelüstete, sieht man schon an den eben erwähnten neuen Episoden. Gegen Ende des Monats August erschienen noch zwei weitere neue Fragmente aus dem Bereich der Annalen auf meinem Schirm.

Mit „Spurensuche in Babylon“ zog ich gewissermaßen die Konsequenzen aus meinen ständigen kommentierten Episodenabschriften des KONFLIKTS 18, wo ich gerade auf Episode 20 „Die Steinernen“ angelangt war. Das mag im ersten Moment kryptisch klingen, vielleicht auch im zweiten. Ich gebe euch mal eine kleine Denkaufgabe für die mittlere Zukunft auf:

In der eben erwähnten Episode bekommt es Oki Stanwer mit einem Dämon von TOTAM zu tun, der auf den Namen Hogon hört und über Staubmenschen und steinerne Wesen gebietet. Inzwischen ist mir sehr klar, wer Hogon war, ehe er starb und zum Dämon von TOTAM wurde. Und ihr habt diese Person (lebend) auch schon in meinen E-Books erlebt.

Außerdem spielte in der genannten Episode der so genannte „Babylonische Stab“ eine zentrale Rolle, den der WEOP-Beauftragte Gerd Kartland einstmals nach eigenen Angaben aus Babylon bzw. zumindest aus dem Irak geholt hatte. Aber die genaue Geschichte war mir unklar, wiewohl ich diese Andeutungen einst in den Jahren 1984/85 niedergeschrieben hatte. Und genau da setzt dann „Spurensuche in Babylon“ an – Gerd Kartland wird hier zentral eingeführt und auf einen Mordfall im Nahen Osten angesetzt und auf eine magische Schatzsu­che in den Irak geführt. Das Ende dieser Novelle (der Text wird, glaube ich, recht umfänglich werden) soll dann in den Anfang der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (KONFLIKT 18) münden. Momentan ist das alles natür­lich noch ein Fragment, wie so oft.

Und irgendwie, als hätte das noch nicht gereicht, wucherte mit „Beas Freund“ ein weiteres obskures Fragment in meinem Kopf heran als nächstes Annalen-Projekt. Diesmal ist es im bislang noch nicht digitalisierten (aber seit 1998 ferti­gen) KONFLIKT 16 angesiedelt, also in der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“. Eine Geschichte von Schiffbrüchigen und Erstkontakt, über die ich noch nicht viel mehr Worte verlieren möchte. Bislang umfasst die Geschichte ja nur ein paar Seiten… da muss noch deutlich mehr Fleisch auf die Rippen, soviel ist sicher.

Damit schloss dann der Monat August 2012. Wie das Jahr 2012 sich weiter ent­wickelte, erzähle ich in der nächsten Folge dieser Rubrik. In der kommenden Woche berichte ich dann wie üblich in der Rubrik „Work in Progress“ über die aktuellen Schreibfortschritte im Monat September 2018.

Bis dann, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.