Rezensions-Blog 271: Im Zeichen der Vier

Posted Juni 3rd, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vermutlich werden jüngere Zeitgenossen als ich solche Namen wie „Major Sholto“ und „Mary Morstan“ eher aus der BBC-Serie „Sherlock“ kennen denn aus dem Original, um das es hier heute geht. Aber ich wage mal die Prognose, dass, wer die moderne „Sherlock“-Variante kennt, bei der Entdeckung der Lek­türe ungeachtet der starken inhaltlichen Ähnlichkeit doch bemerkenswerte Un­terschiede feststellen wird. Und für jemanden, der sich für Sherlock Holmes in­teressiert und neu zur Gemeinde der Holmesianer stößt, für den sollte es zum guten Ton und zur Selbstverständlichkeit gehören, diesen Roman gelesen zu ha­ben.

Ich selbst habe das erst relativ spät getan (2006), mithin ist diese Rezension, die gleich darauf entstand, auch schon ihre geschlagenen 14 Jahre alt. Aber sie nä­hert sich dem Werk mit Respekt, wiewohl die Übersetzung und Präsentation so ihre Schwächen aufweist und der Inhalt kolonialgeschichtlich quasi-rassistisch an vielen Stellen klischeehaft unterwandert ist. Heutzutage in einem Klima der zunehmenden literarischen Prüderie, wo sogar schon Mark Twain zensiert wird, wenn er ungeniert von „Negern“ spricht und die political correctness in voraus­eilendem Gehorsam Klassiker mit Scheuklappen und Maulkörben versieht, wür­de dieses Werk vermutlich unschön auffallen.

Wer sich nicht daran stört, sondern zur Kenntnis nimmt, dass Menschen eines anderen Zeitalters schlichtweg anders geschrieben haben und dies in den sozi­alhistorischen Kontext vernünftig einzusortieren weiß, wird von derlei albernen Spielchen der Moderne Abstand nehmen. Und vielleicht dennoch Sherlock Hol­mes´ zweiten veröffentlichten Fall von Romanlänge zu goutieren wissen.

Wer noch nicht Bescheid weiß, lese weiter. Wer den Roman kennt, lese auch gern weiter:

Im Zeichen der Vier

(OT: The Sign Of Four)

von Sir Arthur Conan Doyle

Ullstein 2744, September 1980

168 Seiten, TB

Übersetzt von Tatjana Wlassow

ISBN 3-548-02744-X

Im Jahre 1890 publizierte Lippincott’s Monthly Magazine ab Februar den zwei­ten aufregenden Fall des geheimnisumwitterten Detektivs Sherlock Holmes aus der Baker Street 221b. Und er wartet gleich mit einigen schockierenden Eröff­nungen auf: der etwa, dass der so durchgeistigte Sherlock Holmes ein zwischen manischer Begeisterung einerseits und depressiver Niedergeschlagenheit an­derseits schwankender Mensch ist, der „das stumpfe Gleichmaß des Daseins“ verabscheut, das sich jenseits seiner Kriminalfälle nur mit Kokain in steigender Dosierung ertragen lässt.

Im nächsten Atemzug diskutiert Doyle sein eigenes Werk – „Studie in Scharlach­rot“, auch Jefferson-Hope-Fall genannt – , und Holmes verreißt es …, sehr zum Ärgernis von Dr. John Watson, der dieses Werk „doch vor allem ihm zu Ehren geschrieben“ habe. Nein, muss man sagen, in diesem später auf den Handlungszeitpunkt September 1888 datierten Roman1 ist von besonderer Achtung und Ehrerbietung zwischen Autor und Geschöpf Sherlock Holmes noch keine Rede. Das soll sich bald darauf gründlich ändern.

Holmes leidet also in diesem Spätsommer 1888 unter starker Melancholie, doch das ändert sich ein wenig, als eine junge, blonde Dame seine Räume be­tritt – Mary Morstan, eine Waise, die bei einer Mrs. Forrester angestellt ist und eine überaus rätselhafte Geschichte zu erzählen weiß, in der sie Rat und zwei Freunde braucht.

Ihr Vater war Kolonialoffizier in Indien und schickte sie bereits als Kind in die Heimat nach Edinburgh zurück, weil die Mutter bereits verstorben war. 1878 kam er auf ein Jahr nach England zurück und telegrafierte seiner Tochter aus London, er sei wohlbehalten angekommen. Aber dann verschwindet er spurlos am 3. Dezember 1878 und wird nie wieder gesehen. Mary Morstan versuchte alles, um ihn wieder ausfindig zu machen, schrieb auch dem einzigen Kamera­den ihres Vaters, einem Major Sholto, der im Ruhestand in London wohnte, doch dieser wusste nicht einmal, dass Captain Morstan zurückgekehrt war.

Im Jahre 1882 erschien in der TIMES eine Anzeige, in der Mary Morstan darum gebeten wurde, ihre Adresse bekanntzugeben, und kaum hatte sie das getan, erhielt sie ein seltsames, kommentarloses Päckchen mit einer großen, leuchten­den Perle. Dieses Geschenk wiederholte sich auf den Tag genau sechs Mal … und bei dem letzten fand sich ein Schreiben um ein Treffen, zu dem sie, wenn sie misstrauisch sei, zwei gute Freunde mitbringen könne.

Sherlock Holmes, der von der Bizarrerie des Falles angezogen wird, ist gerne be­reit, hilfreich einzuspringen, und Dr. Watson, der von Mary Morstan ganz ver­zaubert ist („Was für eine ungewöhnlich reizvolle Frau!“), sagen zu. Aber auch in diesen Momenten merkt man Holmes düsteren Pessimismus deutlich. Gefragt, ob er Marys Schönheit nicht registriert habe, antwortet er dumpf: „Ich darf dir übrigens versichern, dass die entzückendste Frau, die ich je sah, gehängt wurde, und zwar deshalb, weil sie ihre drei kleinen Kinder, die hoch versichert waren, vergiftet hatte …“

Nun, in diesem Fall ist Mary wahrlich alles andere als eine Giftmischerin. Und der Fall ist noch abenteuerlicher, als sie sich das alle vorstellen: ehe sie recht begreifen, was geschieht, ist zwar der Tod von Marys Vater geklärt, aber ein an­derer Mensch zu Tode gekommen, auf durchaus fremdartige Weise. Zurückge­blieben ist das unbegreifliche „Zeichen der Vier“. Und es gilt sowohl, einen Ver­brecher zu jagen als auch den „großen Agra-Schatz“ zurückzubekommen, der aus Mary Morstan die reichste Waise Englands zu machen vermag. Sherlock Holmes nimmt mit dem „unvergleichlichen Toby“ und der trickreichen „Baker-Street-Bande“ die Verfolgung des Mörders auf.

Die Wurzeln dieses unvorhersehbar verwickelten Verbrechens reichen zurück bis nach Indien zum Sepoy-Aufstand, und überall trieft das Blut und liegen die Leichen …

Man merkt dieser Geschichte beim Lesen deutlich an, dass sie schnell geschrie­ben wurde und in monatlichem Rhythmus Kapitel für Kapitel erschien. Zwar er­weist sich Doyle als durchaus sicher und beeindruckend darin, Holmes´ dedukti­ve Fähigkeiten zu schildern, allerdings gibt es auch Details, die einfach unzutref­fend und schief sind. Überstarke Klischees, beispielsweise von den fast durch­weg blutrünstigen und barbarischen „schwarzen“ Indern (die, wenn man es ge­nau nimmt, nicht schwarz SIND) oder die von den Andamanen-Insulanern – Doyle/Holmes beschreibt sie generalisierend als „von Natur aus häßlich ge­formt, haben große, mißgestaltete Köpfe, kleine, wilde Augen und verzerrte Ge­sichtszüge …“ wirken teilweise so grotesk übertrieben, dass heutige Leser nur mitunter resignierend den Kopf schütteln können. Man schaue sich beispiels­weise im Auftaktheft der Zeitschrift GEO die Reportage über die Andamanen (!) an2 und die dort abgebildeten Menschen, und man kann diese anthropologi­sche Typisierung Arthur Conan Doyles sofort ad absurdum führen.

Natürlich sind diese Darstellungen der „barbarischen Wilden“ auf der einen Sei­te oder jener „edlen Männer mit hoch entwickeltem Moralempfinden“ auf der anderen ein Tribut an jene Zeit, in der die Geschichte entstand. Eine Zeit, in der Forscher noch um den Globus reisten und Schädel vermaßen in dem strikten Glauben, auf diese Weise „überlegene Rassen“ ermitteln zu können, ganz zu schweigen davon, dass natürlich, wer über die weiße Hautfarbe verfügte, ganz selbstverständlich dazu berufen sei, Menschen anderer Hautfarbe automatisch als minderwertig anzusehen. Solche heute rassistisch genannten Klischees sind in diesem Roman in hohem Maße aktiv. Sie sind keine Erfindung der Nazis, son­dern waren vorher schon durchaus im angelsächsischen Raum während der Spätzeit des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Entwicklung des „Sozialdarwinis­mus“ verbreitet.

Von solchen zeitgeschichtlich relevanten Tatsachen einmal abgesehen leistet sich aber auch die Übersetzerin so manchen Schnitzer, der den Leser seufzen lässt: Da wird beispielsweise ein offensichtlich zweistöckiges Haus beschrieben, dessen Fenster 60 (!) Fuß über dem Boden liegt, was immerhin 18 Metern ent­spricht.

An einer anderen Stelle wird den Andamanen-Bewohnern unterstellt, sie fertig­ten „steinerne Streitkolben“ an. Abgesehen davon, dass sich der Sinn für einen solchen Aufwand in keiner Weise erschließt (die Andamanen-Bewohner besit­zen selbst heute noch eine Steinzeitkultur), bestehen Streitkolben eigentlich per definitionem nicht aus Stein, sondern höchstens aus Holz. Was auch völlig genügt, um jemandem den Schädel einzuschlagen.

Wieder an anderer Stelle behauptet die Übersetzerin, Miss Morstan sei „beim Bericht von ihres Vaters plötzlichem Tod schlohweiß geworden“. Soweit mir be­kannt ist, wird diese Formulierung nur für Haare angewendet, und da später kein Bezug mehr darauf genommen wird, muss man wohl davon ausgehen, dass „kreidebleich“ gemeint war. Auch die Tatsache, dass Holmes seinen Freund Watson duzt, dann aber ungeniert an anderer Stelle fragt: „Könntest du diese Hauswand erklimmen, Doktor?“, legt nahe, dass die Übersetzerin das „you“, das ja sowohl „du“ als auch „Sie“ bedeuten kann, falsch übertragen hat.

Für einen aufmerksamen Leser schmälert so etwas das Lesevergnügen durch­aus. Die Handlung an sich ist jedoch interessant windungsreich und schwer zu durchschauen, jedenfalls bis kurz vor Schluss. Allerdings erreicht sie meiner An­sicht nach nicht die Intensität und Brillanz des Erstlings. Ein Klassiker der Krimi­nalliteratur ist das Buch gleichwohl geworden.

© 2006 by Uwe Lammers

Ja, schon anno 2006 konnte ich ein wenig unangenehm werden, wenn mir Strukturfehler in Geschichten auffielen. Aber ich pflege halt zu sagen: Das hier ist kein Schönwetterblog, es gibt da auch manchmal Schrammen auf den litera­rischen Vorlagen, die mit Recht verabreicht werden.

Einen kleinen überraschenden Schatz stelle ich dagegen in der kommenden Woche vor, wo wir uns in den mittelamerikanischen Urwald begeben und eine Erstbegegnung der ganz besonderen Art erleben. Freut euch drauf!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Vgl. die Chronologie der Sherlock-Holmes-Fälle im Anhang der Storysammlung „Sherlock Holmes und der Fluch von Addleton“, Bastei 14916 (Hg. Mike Ashley), S. 727f.

2 Vgl. GEO 10/1976, Hamburg 1976.

Liebe Freunde des OSM,

unmittelbar bevor ich diese Zeilen schreibe, habe ich – wieder einmal, muss ich seufzend sagen – einen Nachruf verfasst. Er­neut ist einer der kreativen Vielschreiber von uns gegangen, den ich sehr geschätzt habe. Hat es früher Menschen wie Arthur C. Clarke, Iain Banks und Richard Adams „erwischt“, so hat uns nun auch im stolzen Alter von 88 Jahren der Abenteuer-Schrift­steller Clive Cussler verlassen. Ich bin darum ein wenig melan­cholisch gestimmt und lenke mich mit meiner heutigen traditio­nellen Pflichtübung ein wenig davon ab. Mehr zu Cussler und seinen Werken und Coautoren findet ihr dann in meinem Nach­ruf, wahlweise im Fanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA), Ausgabe 439, oder in den nächsten ANDROMEDA-NACHRICH­TEN.

Heute möchte ich Bericht erstatten über den kreativen Monat Februar 2020, soweit er den Oki Stanwer Mythos oder den Ar­chipel betraf. Während letzterer allerdings Sendepause hatte, gelang es mir dieses Mal, unter den 32 fertig gestellten Werken mal wieder einen kleinen Meilenstein unterzubringen, nämlich den OSM-Band 1950.

Ja, es geht voran, einwandfrei. Und so sieht das diesmal im De­tail aus:

Blogartikel 373: Work in Progress, Part 86

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“)

(IR 31: Die Sturmfestung)

(Himmelfahrtskommando – OSM-Story)

IR 25: ZYNEEGHAR-Krieg

(IR 26: Odyssee in Uuridan)

(OSM-Wiki)

(OSM-Begriffsregister)

Anmerkung: Ihr stutzt, weil ihr hiervon seit Jahren nichts mehr gehört habt? Mit Recht, Freunde. Ich stutzte auch, schaute dann nach und bekam fast eine Föhnwelle – als ich nämlich entdeck­te, wie viele Jahre ich hieran nicht mehr gearbeitet hatte! Die­ses Register braucht dringend ein Update, ich war jetzt nur zu einer Stippvisite darin. Hier wartet in diesem Jahr noch jede Menge Arbeit auf mich …

(IR 27: Kettenreaktion)

(IR 40: INSEL in Flammen)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“)

Anmerkung: Was ist denn ein „Lexikon“?, mögt ihr euch fragen. Und denken: Es gibt doch zu den Serien üblicherweise Glossare … ja, das ist heute so. Aber diese Serie existiert ja schon gut 15 Jahre, und das heißt, sie hat auch ein Lexikon (im Prinzip ein Serien-Begriffsregister, wenn ich genau sein soll). Auch das ruh­te schon seit vielen Jahren und hatte dringend einen Update-Ausdruck nötig. Und nein, DEN habe ich dann auch gleich ge­macht. Das Lexikon ist jetzt etliche Seiten länger als zuvor.

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“)

12Neu 80: Brückenkopf Pholyar

12Neu 81: Bei den Traalern

14Neu 82: Strahlenstürme

Blogartikel 368: Legendäre Schauplätze 17: QUANGOOR-8810

Blogartikel 374: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (XXXV)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer Horror“)

Anmerkung: Tja, nachdem ich diese neue Baustelle im Januar 2020 begonnen habe, ist da natürlich ebenfalls ein Glossar zwingend geboten. Noch eine definitiv neue Baustelle, aber ebenso eine unverzichtbare. Das ist schon allein deshalb gebo­ten, weil ich ja auch die Vorversionen der endgültigen Episoden glossiere … und da sind manchmal Sachen drin, das kann ich euch hier und heute gar nicht erzählen. Es ist jedenfalls einiger­maßen haarsträubend, und dann ist es gut, solche Namen wie „Matoran Monterrand“, die sonst völlig untergehen würden, zu erfassen. In der E-Book-Version „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ fin­det sich dieser Name jedenfalls dann nicht mehr. Vielleicht er­läutere ich euch das irgendwann mal. Not now.

Blogartikel 377: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 70

FvL 43: Rätsel von EWIGKEIT EINS

Anmerkung: Das war dann der wundersame Band 1950 des OSM, und hier deuten sich schon gruselige Dinge für den Folge­band an und für die nähere Zukunft … stets vorausgesetzt, dass ich tatsächlich rasch daran weiterschreibe. Denn erinnert euch: an der FvL-Serie schreibe ich seit Januar 1988. „Schnell“ ist hieran so gut wie gar nichts.

(FvL 44: Die Tiefenseele)

(12Neu 83: Die Phantomschiffe)

Anmerkung: Das ist der Auftaktband der nächsten militärischen Eskalationsstufe des OSM. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wol­len – das ist selbst in der rudimentären Version (sie wurde An­fang 1991 geschrieben) höllisch spannend, und die Ausarbei­tung wird ohne Frage neue Action-Maßstäbe setzen, davon gehe ich aus. Das trifft auch auf die beiden Folgebände der Trilogie zu.

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“)

(12Neu 84: Die Schlacht im Sonnenfeld)

(12Neu 85: Spur in die Hölle)

14Neu 83: Die Entstehung der Biowelt

14Neu 84: Blaue Galaxien

(14Neu 85: Der Kristallriese)

(14Neu 86: Soffrols Horrorplan)

Blogartikel 382: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (XXXVI)

(12Neu 82: Kiquaas Hinterhalt)

(14Neu 87: Timor-Dols Asyl)

(13Neu 2: Die knöchernen Killer)

(13Neu 3: Der Horror-Garten)

(14Neu 88: Attacke der Dämonen)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“)

Und das war es dann auch für heute schon wieder, Freunde. Ihr merkt, es geht kreativ langsam und stetig voran, aber eben mit der ausdrücklichen Betonung auf: langsam. Das gilt auch für meine E-Book- und Taschenbuch-Pläne.

Aber nun liegt ein neuer unbekannter Monat voller Überra­schungen vor mir, und ich bin sehr gespannt, was ich hier an Neuem und an Überarbeitungen, an Rezensionen und derglei­chen schaffen werde. Wie der Monat März sich entwickelt hat, davon erzähle ich euch, sobald er vorbei ist.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 270: Giulias Geheimnis (1)

Posted Mai 26th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

erotische Romane, die auf einer gewissen Modewelle mitschwimmen – und dazu muss man das Werk rechnen, das ich heute vorstelle – , haben stets das Problem, in gewisser Hinsicht durchschaubar zu sein, als seien es Skulpturen, die aus klarem Glas gefertigt worden sind. Sie mögen dann hübsch anzuschauen sein, aber sonderlich viel an Überraschung wird da nicht geboten … das muss nicht heißen, dass es nicht kunstfertig ist, diese Schöpfung, und kurzweilig sein kann das im literarischen Bereich auch durchaus.

Wenn man dann freilich, wie ich jetzt, zweieinhalb Jahre nach Lektüre auf die damals verfasste Rezension schaut und sie für den Rezensions-Blog aufbereitet, dann muss ich doch konstatieren, dass eine gewisse Ernüchterung eingetreten ist. Heute würde ich sagen, dass das vorliegende Buch eher von durchschnittli­chem Interesse ist und nette, kurzweilige Ablenkung vom Tagesalltag bietet.

Wer die Autorin noch nicht aus anderen Werken kennt, hat hier indes die Gele­genheit, mal zu schauen, wie so ein Romanerstling in einem ausdrücklich ero­tisch dominierten Romanlabel ausschaut. Das mag dann eine interessante Er­fahrung sein.

Schaut es euch einfach mal näher an:

Giulias Geheimnis

Von Pia Conti

Plaisir d’Amour

304 Seiten, TB (2015)

ISBN 978-3-86495-153-4

Preis: 12,90 Euro

Teil 1 der Serie „Italian Masters“

Rom, Italien, in der Gegenwart:

Giulia Bertani ist in ihrer Ehe mit Alessandro unglücklich, da ihr Mann sich ihr gegenüber in unbegreiflicher Weise kalt und abweisend verhält. Dabei hat doch alles so schön begonnen – sie waren wie Geschwister in ihrer Kindheit, ein Herz und eine Seele, und ehe Giulias Vater starb, war es sein sehnlichster Wunsch, dass die beiden heiraten, damit sie einander Halt geben könnten. Was dann auch geschah. Alles hätte schön sein können. Aber das war es nicht.

Stattdessen zieht es Alessandro zunehmend vor, nicht mehr im ehelichen Schlafzimmer zu nächtigen und ist so oft außer Haus, dass Giulia mit Recht an­nimmt, er vergnüge sich mit anderen Frauen. Was die zurückhaltende, schüch­terne Giulia zudem als Geheimnis mit sich herumträgt, hält sie für eine perverse Neigung – sie sehnt sich in ihren schlaflosen Nächten danach, von ihrem Gatten rigoros unterworfen und beherrscht zu werden. Wann immer sie solche Phanta­sien imaginiert, wird sie unendlich erregt. Aussprechen kann sie das alles frei­lich nicht – ihr Gatte hebt sie doch immer als wunderbare, edle Schönheit auf ein anbetungswürdiges Podest … und genau dies scheint Giulias Erfüllung rest­los im Weg zu stehen.

Auch ihre Freundin Francesca sieht mehr und mehr, wie unglücklich sie wird und schlägt Giulia vor, sie solle sich doch einen Liebhaber nehmen, das sei in der heutigen Zeit lange nicht mehr so anrüchig, wie es einst gewesen wäre. Doch die prinzipientreue Giulia wagt es nicht. Sie liebt doch nur einen Mann, ihren Alessandro, so kalt er sich ihr gegenüber auch verhalten mag. Wie könnte sie es nur wagen, fremdzugehen? Abgesehen davon: mit der Neigung, die in ihrem Herzen schlummert, geht das erst recht nicht. Muss sie denn nicht jeder potenzielle Liebhaber, dem sie von ihren Sehnsüchten erzählt, gleichfalls für verrückt oder pervers halten?

Aber da tritt Fabrizio Testi in ihr Leben, ein aufregender, gefährlicher Mann, der ihr die Chance bietet, ohne Skrupel und Scham einen Seitensprung zu begehen. Er erkennt sogar sehr schnell ihre devote Ader und lässt durchschimmern, dass er selbst dominant veranlagt ist. Er sei darum der ideale Partner, wenn sie ihre dunkle Seite der Erotik ausloten wolle. Zögernd lässt sich Giulia darauf ein.

Was sie nicht weiß: Fabrizio und ihr Mann kennen sich seit langer Zeit, und sie sind erbitterte Gegner. Außerdem ist ihr nicht klar, dass die „Zufallsbekannt­schaft“ mit Fabrizio alles andere als zufällig arrangiert wurde. Es gibt einen Plan dahinter, und er zielt auf nichts Geringeres als ihre Ehe mit Alessandro – und ehe ihr das bewusst wird, ist sie eine Spielfigur in einer perfiden Schicksalsrochade …

Der vorliegende Roman ist der Erstling der Autorin Pia Conti und zugleich der Auftaktband eines Zweiteilers mit dem Obertitel „Italian Masters“. Conti hat eine definitive Neigung zum italienischen Setting, und während sie in ihrem späteren Roman „Die Zähmung des Racheengels“ Mailand als Schauplatz wählt, ist sie hier in Rom daheim und taucht mit dem Leser ab in die gehobene Schicht der High Society der römischen Kapitale. Gleichwohl … sehr viel be­kommt man davon nicht mit, weil außerordentlich viel Raum auf das Innenle­ben der Hauptperson verwendet wird. Der Charakterisierung tut das durchaus gut, auch wenn man sich an manchen Stellen schon wünscht, dass Giulia ein wenig durchsetzungsfähiger wäre … aber zugegeben, das würde zu ihrer Rolle nicht passen.

Strukturell ist recht bald erkennbar, wohin die Geschichte steuert, große Über­raschungen sollte man vom Handlungsverlauf also nicht erwarten. Interessant wird der Roman eher durch die sehr gemächlich herausgearbeitete Neigung beider Protagonisten und ihrer durchweg schwierigen Annäherung. Schade fand ich, dass die Konflikte hier eher halbherzig ausgefochten werden, richtige Dramatik, die sich in manch anderen PdA-Romanen ja schon finden lässt, fand hier kaum statt. Für einen dreihundertseitigen Roman ist mir das dann etwas wenig … aber zumindest lässt sich konstatieren, dass die Geschichte flüssig les­bar ist und an keiner Stelle ernsthaft verflacht. Allein am Schluss schien es ein wenig so, als sei hier Unentschlossenheit federführend gewesen.

Nun, man kann das allerdings nachvollziehen. Soweit ich das verstanden habe, ist dies der Romanerstling der Autorin, und dafür ist er ganz passabel gelungen. Und da hier schon der Pfad zum zweiten Band des Zyklus gelegt wird, in dem wir wieder mit Fabrizio Testi konfrontiert werden, ebenso wie mit Lady Silvanas Nichte Elisa, die hier schon erwähnt wird, kann man als Leser gespannt auf den zweiten Band sein. Er wird uns dann auf den Handlungsschauplatz Florenz schi­cken.

© 2017 by Uwe Lammers

Wie erwähnt – sehr viel an Überraschendem bietet das Buch nicht direkt. Aber ich würde auch nicht sagen, dass es jetzt langweilig war bei der Lektüre, es hat sich schon einen Platz in meinen Bücherregalen erobert (im Gegensatz zu vielen anderen Werken, die ich zwar las, aber einer Rezension nicht für wert befand).

In der kommenden Woche werden wir wieder einmal ausdrücklich klassisch und begeben uns zurück ins viktorianische England, um einem Meisterdetektiv … oh, pardon, DEM Meisterdetektiv, über die Schulter zu schauen.

Mehr dazu in der kommenden Woche.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

im letzten Teil dieser Artikelreihe war ich mit der Aufarbeitung meiner kreativen Werkschau bis Ende März des Jahres 2018 ge­kommen und blickte da für dieses Jahr schon auf 86 fertige Wer­ke zurück. Heute schauen wir, wie sich das in den nächsten drei Monaten entwickelte.

Zunächst kann ich sagen, dass ich quantitativ auf einem zufrie­denstellenden Level blieb: 34 Werke für den Monat April 2018, im Schnitt also gut ein Werk pro Tag. Diesmal stand der Monat deutlich im Zeichen der nächsten regulären Veranstaltung des Fördervereins Phantastika Raum & Zeit e.V., des Conventions „Raum & Zeit Continuum IV“, gelegentlich auch als IV.2 bezeich­net, weil es sich, genau genommen, um den zweiten Anlauf desselben handelte. 2016 (ursprüngliches Planungsdatum) ließ sich das wegen der Belegung unseres Conortes mit Flüchtlingen nicht realisieren.

Da ich dieses Mal wieder zu den Converanstaltern und Pro­gramm-Mitgestaltern gehörte und fernerhin auch noch die Gele­genheit genutzt hatte, den Verein KreativRegion e.V. als Koope­rationspartner mit ins Boot zu holen, war natürlich einiges vor­zubereiten. Das ging von der reinen kreativen Arbeitszeit dann ab.

Aber auch so kamen etwa 13 Blogartikel zustande (darunter der Blogartikel 300), ein Artikel über mein E-Book-Programm, den ich auf dem Con vortrug, sowie im Nachgang der Veranstaltung (konkret: am 15. April) ein Conbericht. Die Konsequenz dieser Ablenkung durch den Con waren dann mehr als zehn Rezensio­nen, die die schiere Quantität des Werkausstoßes vergrößern halfen, ohne signifikant die neu geschriebenen Seitenzahlen zu erhöhen.

Ansonsten arbeitete ich viel an Glossaren verschiedener Serien sowie insbesondere an dem Digitalisat des KONFLIKTS 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“, wo ich frag­mentarisch schon bis Band 111 vorstieß. Da die Serie, wie ich letztens erwähnte, nur 114 Bände besaß, war damit der Schluss gewissermaßen in Griffweite.

Im Folgemonat Mai, der traditionell mit dem „Maiblog“ startete, gelang es, 33 weitere fertige Werke zu ergänzen, von denen aber wiederum 12 auf Blogartikel entfielen. Für die KreativRegi­on entstand eine Auftragsarbeit über das Thema E-Books, die heute immer noch in der Mediathek der KreativRegion nachzule­sen ist.

Da nun – ich kam beim KONFLIKT 18 fragmentarisch auf Band 113, fertig wurde Band 109 „Soffrols Offenbarung“ – tatsäch­lich das Serienende in Sicht gekommen war, kümmerte ich mich verstärkt auch wieder um die Digitalisate der KONFLIKTE 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (Stand damals: Bd. 46 „Welt der Türme“) und KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (Stand damals: Bd. 50 „ZEITTRANSIT“).

Ebenfalls gingen die Weiterarbeiten am E-Book „Das Krieger­nest“ langsam weiter und an der Abschrift des „CLOGGATH-KONFLIKTS“. Sonst ist aus dem Monat nichts Spektakuläres zu vermelden.

Kommen wir zum Juni 2018. Hier erreichte ich tatsächlich am 5. Juni bereits das, was ich mir seit Monaten vorgenommen hatte – ich beendete das Digitalisat von KONFLIKT 18 (Gesamtumfang: 1403 Seiten). Das gesamte Projekt hatte mich gut sieben Jahre gekostet … aber wie ihr ja aus meinen Berichten zwischendurch wisst, war das nicht vollständig absorbierend, sondern es ge­schah in dieser Zeit noch jede Menge mehr.

Mit 28 beendeten Werken in diesem Monat war die Fertigstel­lungstendenz leicht rückläufig. Genau genommen war sie ziem­lich stark rückläufig. Warum? Weil 11 Werke auf Blogartikel ent­fielen und weitere 9 auf Rezensionen entfielen. Okay, ich stellte auch das E-Book „Das Kriegernest“ fertig und feilte ein wenig am E-Book-Projekt „Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“. Aber sonst waren die Früchte dieses Monats doch etwas ernüch­ternd.

Was hatte das für Gründe? Einer lässt sich unschwer in einem externen Faktor festmachen – es wurde zu warm. Das ist im Sommer immer so ein Problem. Wenn die Temperaturen in mei­nem Arbeitszimmer auf 30 Grad oder höher steigen, bin ich ein­fach nicht mehr so leistungsfähig wie in den kühleren Jahreszei­ten. Das sollte sich im kommenden Vierteljahr noch deutlich fortsetzen, wie ihr sehen werdet.

Davon berichte ich dann aber lieber beim nächsten Mal. Für heute mag das an Worten von der Kreativfront des Jahres 2018 genügen.

Bis nächste Woche, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 269: E = mc² – Wer war Albert Einstein?

Posted Mai 20th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Biografien sind nicht jedermanns Sache. Das betrifft ganz besonders Biografien, die das Leben und Werk von Menschen behandeln, deren Werk man ohnehin nur schwer verstehen kann. Dazu zählen neben Philosophen ganz besonders Naturwissenschaftler, deren Biografien zumeist nur Fachkollegen zu würdigen imstande sind. Man nimmt vermutlich ganz unwillkürlich an, dass in diese Kate­gorie auch der deutsch-jüdische Physiker Albert Einstein gehört hat, der Be­gründer der Relativitätstheorie.

Von der hat natürlich jeder schon mal gehört, aber wenn man sich die dazu ge­hörigen Gleichungen anschaut, geraten selbst Leute, die auf der Schule Mathe­matik-Leistungskurs hatten, ins Schleudern (und ich erst recht, ich kam schon mit dem Mathematik-Grundkurs kaum klar). Die theoretischen Gedanken sind höchst komplex, die Phänomene so speziell, die Einstein erforschte, dass man dies unwillkürlich auf sein Leben überträgt.

Aber interessanterweise war Einstein durchaus kein völlig abgehobener Mensch im Elfenbeinturm, der menschlichen Gesellschaft abhold. Im Gegenteil. Und Wissenschaftsjournalisten, die es verstehen, die menschlichen Elemente des Phänomens Einstein hervorzuheben und ihn als „einen von uns“ wieder in die Gesellschaft einzugemeinden, verdienen mindestens unseren Respekt. Es lohnt sich unbedingt, eine solche Publikation zu lesen und so die eigene Seele viel­leicht von unnötigen Vorurteilen zu befreien.

In dem vorliegenden schmalen und klug gemachten Buch unternimmt Gero von Boehm den – in meinen Augen – gelungenen Versuch, Einstein zu erden und den Leser neugierig auf seine Person zu machen.

Wie gelingt von Boehm das? Nun, schaut es euch einfach selbst an:

E = mc²

Wer war Albert Einstein?

von Gero von Boehm

Collection Rolf Heyne, 2005

180 Seiten, geb. im Schuber

ISBN 3-89910-251-7

Alles ist relativ.

Wir kennen diesen Satz zur Genüge, und wir meinen wahrscheinlich auch, jene prominente Person zu kennen, die diesen lapidaren Satz berühmt machte: den deutsch-jüdischen Physiker Albert Einstein. Ein Genie, ohne Frage. Aber auch er unterliegt natürlich den Gesetzen der Relativität, und so muss man sich im Falle Einstein fragen: wie viel Platz braucht man, um das Leben eines Genies zu schil­dern? Nun, verblüffend wenig, wie man hier feststellen kann. Und es kann an­genehm unterhaltsam sein.

Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht erkennt und sich nicht mehr wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen“, pflegte Einstein zu sagen. „Und Albert Einstein selbst blieb ein Geheimnis“, führt der Biograph Gero von Boehm, neu­gierig machend, weiter aus und leitet damit in die Lebensgeschichte des wider­sprüchlichen, so ganz und gar nicht abgehobenen, sondern sehr diesseitigen Menschen Albert Einstein über.

Albert Einstein, am 14. März 1879 als Sohn des jüdischen Kleinindustriellen Her­mann Einstein und seiner Frau Pauline in Ulm geboren, ist von Kindertagen an ein wenig sonderbar. Einen „Einspänner“ nennt er sich später, ein Kind, das erst mit drei Jahren anfängt zu sprechen – in ganzen Sätzen (wie die Legende es be­hauptet), jemand, der allein am besten arbeiten kann. Doch dies ist, wie so vie­les, eine Legende, wenn man sich in die Zickzacklinie seines Lebens vertieft. Die Wahrheit ist grundlegend anders.

Auswendiglernen und „preußischen Drill“ in der Schule schätzt er überhaupt nicht, mit Sprache kommt er eher schlecht zurecht, stattdessen entdeckt der junge Einstein mit 12 Jahren sowohl die Philosophie – er liest Kants „Kritik der reinen Vernunft“! – und die Geometrie und Mathematik sowie, ergänzend, die Musik. Wobei er darin stets dilettantisch bleiben wird.1 Die Schattenseite dieser bald faszinierend aufblühenden Begabungen sind emotionale Defizite: Wutan­fälle, Tätlichkeiten gegenüber der jüngeren Schwester Maja, den Hauslehrern.

Er befindet sich damit, meinen heutige Psychologen, durchaus in guter Gesell­schaft: solche Defizite werden bei Hochbegabten häufig festgestellt, eine gewis­se Neigung zu innerer Unausgeglichenheit und quasi-autistischen Symptomen. Manche mutmaßen, Einstein habe mit dem „Asperger-Syndrom“ zu kämpfen gehabt.

Wiewohl aus einem jüdischen Haushalt stammend, hat er für Religion wenig übrig, vielleicht weil sich ein Schöpfergott mathematisch nicht beweisen lässt. Dass er als einziger Jude an der Schule in München am katholischen Religions­unterricht teilnehmen muss, ist zweifellos von Vorteil für die Entwicklung seiner Toleranz gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen.

Ein grundlegender Wandel seines Lebens erfolgt, als die elterliche Elektrotech­nik-Firma zu Grunde geht und die Familie nach Italien übersiedelt, den damals sechzehnjährigen Albert aber auf der Schule in München lässt – was ihn prompt dazu bringt, von dort flüchten und den Eltern nachzueilen (zu deren nicht gerin­gem Schrecken).

Fortan geht er also in der Schweiz zur Schule, erwirbt schließlich die Schweizer Staatsbürgerschaft und wird Teil der Gastfamilie der Wintelers … und verguckt sich in die Tochter des Hausherrn, Marie Winteler, eine Neigung, die durchaus auf Gegenseitigkeit beruht und Einsteins geordnete, „geometrische“ Gedanken­welt in Unruhe bringt. Fortan wird er immerzu hin- und hergerissen sein zwi­schen der Pflichterfüllung gegenüber den gedanklichen, mathematisch-physika­lischen Idealen und den emotionalen Notwendigkeiten, die ihn zu den Frauen in seinem Leben hinziehen. Wobei dort auch seine mentalen Defizite immer wie­der klar und bisweilen krass zu Tage treten werden.

Als er 1896 am Polytechnikum zu studieren beginnt, läuft ihm die zweite Frau seines Lebens über den Weg, Mileva Maric, eine junge, eher unscheinbare Un­garin (heute würde man sagen: eine ethnische Serbin, wie es ja auch schon der Name nahelegt). Beide sind Außenseiter, sie ist vier Jahre älter als er, und sie teilen beide die tiefe Begeisterung für die Mathematik. Mileva wird als wesent­licher Ergänzungspart zu Einstein fungieren, als sein logisches Korrektiv, und bis heute vermuten Wissenschaftshistoriker, dass sie Einstein wesentliche Anstöße für seine physikalischen Berechnungen gegeben hat.

Aus der Verliebtheit in ihren Intellekt wird auch eine physische Beziehung, die allerdings tragisch endet – Mileva bringt die gemeinsame (uneheliche) Tochter Lieserl im Ausland zur Welt, Einstein wird sie nie kennenlernen. Ihr Schicksal ist rätselhaft, bis heute.2 Obgleich Mileva Einstein später heiratet und den Sohn Hans Albert zur Welt bringt, wird sie ihm dennoch nie verzeihen können, dass dieser Pfad des Schicksals ihren eigenen beruflichen Weg unwiderruflich zer­stört hat.

Zu diesem Zeitpunkt ist Einstein selbst schon auf dem Weg zum Ruhm.

Er ist Angestellter des Berner Patentamtes geworden und hat hier während der Prüfung von eingereichten Patentanträgen genügend Zeit, um selbst an Theori­en zu basteln. Als er eine nur dreiseitige Ausarbeitung am 27. September 1905 zur Veröffentlichung in den „Annalen der Physik“ einreicht, ahnt er das selbst vielleicht am wenigsten, und erst recht nicht, dass die darin enthaltene Formel „E = mc²“ eines Tages das Synonym für die verheerendste Waffe der Mensch­heit sein wird, die Nuklearbombe. Und wiewohl er den Krieg in jeder Form ver­abscheut, wird er es sein, der der Furie des Krieges so viele Hilfsdienste leistet. Kein Wunder also, dass er später sowohl mit dem Kommunismus liebäugelt als auch seine jüdischen Glaubensbrüder unterstützen wird.

Der Pfad von einer simplen Formel bis zum international angesehenen Kory­phäe in Kosmophysik, zum bekennenden Friedensforscher und Freund des jun­gen Staates Israel ist lang und steinig, es ist ein Zickzackweg, wie gesagt. Er führt über viele Stationen und Länder, durch zahlreiche Kontroversen und An­feindungen, und oft muss Einstein nahezu alles aufgeben, was er schätzt und liebt: sein Domizil in Caputh beispielsweise, sein Segelboot, familiäre Bindun­gen, letztlich den ganzen Kontinent Europa als ideelle Heimat – in Amerika fühlt er sich nie völlig heimisch, nicht zuletzt anhand der Tatsache, dass keine seiner zahlreichen Geliebten jemals eine gebürtige Amerikanerin ist, kann man das deutlich spüren.

Frauen sind immerzu um ihn, auch wenn er sie mit sehr wechselhaftem Tempe­rament behandelt, mal schmeichelhaft, sanft und freundlich, dann wieder schroff und abweisend, manchmal absichtlich brüskierend. Einstein ist und bleibt von Anfang bis Ende ein schwieriger, widersprüchlicher Mensch …

Der in Paris lebende Autor, Regisseur und Fernsehfilm-Produzent Gero von Boehm hat, passend zum 50. Todesjahr Albert Einsteins (er starb am 18. April 1955 in Princeton), eine neue, kurze und flüssig lesbare Biografie Albert Ein-steins vorgelegt, die in vielerlei Hinsicht angenehm ist. Sie erschlägt den Leser nicht mit einer Unzahl an Fakten, sondern ist auf intelligente Weise – 10-Jahres-Schritte von 1895 an – strukturiert und beschränkt sich auf die wesentlichen Einzelheiten, ohne dabei an Kritik und differenzierten Blickwinkeln zu sparen.

Indem besonders die gern unterbelichtete Rolle des Weiblichen in Einsteins Le­ben berücksichtigt wird und damit das wohl am stärksten schwankende Ele­ment in seiner Lebenszeit in den Blick kommt, erarbeitet von Boehm ein vielsei­tiges Portrait des Physikers, das jeden Verdacht der Lobhudelei oder gar der Ha­giografie vermeidet.

Für Neugierige, die sich deshalb bislang von Einsteins Formeln und der Unver­ständlichkeit seiner Relativitätstheorie abschrecken ließen und ihn möglicher­weise ob seiner bizarren Gedankenwelt in den Pantheon der wissenschaftlichen Halbgötter entrückten, stellt dieses Buch eine durchaus angenehme Überra­schung dar. Es zeigt den durchaus bodenständigen Menschen Einstein hinter dem bisweilen unbegreiflichen Phänomen Einstein.

Wie sagte doch Einstein so prägnant? Alles ist relativ.

Dies gilt in hohem Maße ganz besonders für ihn selbst.

© 2007 by Uwe Lammers

Ich sagte ja – es ist eine interessante Herausforderung, sich von dem überkom­menen Denkklischee zu lösen und unvoreingenommen auf das „Genie“ zuzuge­hen. Man kann da bemerkenswerte Entdeckungen machen und Dinge feststel­len, die man eventuell gar nicht für möglich gehalten hat. In jedem Fall wäre es vollkommen nutzlos, sich von antijudaischen Vorbehalten leiten zu lassen und deshalb dieses kluge Werk links liegen zu lassen. Wer das dennoch tut, ver­säumt zweifellos ein bemerkenswertes Stück Biografiegeschichte.

In der nächsten Woche schwenke ich erneut vollkommen um. Wir bleiben im 20. Jahrhundert, wenden uns aber der eher seichten Unterhaltung zu und schauen nach Italien … mehr sei noch nicht verraten.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Der vielseitig belesene Zeitgenosse wird hier eine faszinierende Parallele zu Sir Arthur Conan Doyles Ro­mangestalt Sherlock Holmes feststellen können, wo auch reiner, präziser Intellekt und musikalische Bega­bung eine interessante Symbiose eingehen. Hier fehlt freilich vollkommen das weibliche Element, was Hol­mes etwas Pathologisches verleiht.

2 Vgl. Michele Zackheim: „Einsteins Tochter“, München 1999. Es sei übrigens angemerkt, dass der SF-Autor Stephen Baxter Lieserl Einstein-Maric in seinem Roman „Ring“ in den 90er Jahren ein bizarres Denkmal ge­setzt hat … eine lesenswerte Geschichte. Als ich ihn las, hatte ich von Einsteins Leben und Lieserls Ursprung darin freilich keine Kenntnis.

Liebe Freunde des OSM,

wohl jeder von euch, der sich seit Jahren oder Jahrzehnten in der phantasti­schen Literatur zuhause fühlt, hat gewisse Vorstellungen von den traditionellen Genregrenzen. Wenn man es mit einer Fortentwicklung unserer gegenwärtigen Welt, sei es zum Positiven oder Negativen, zu tun hat, mit Robotern, KI, Raum­schiffen, Weltraumimperien usw., dann befindet man sich üblicherweise in der Science Fiction.

Hat man es dagegen mit Zauberern, mittelalterlich anmutenden Weltsystemen, feudalen Konfliktszenarien, Fabelwesen wie Drachen, Elfen, Zwergen und der­gleichen zu tun, handelt es sich in der Regel um Fantasy.

Und wenn man in den Geschichten über Untote stolpert, über Flüche, Vampire, Mumien, verfluchte Orte und ähnliches, dann haben wir zumeist Horrorge­schichten vor uns.

Selbstverständlich sind die Grenzen dieser Genres fließend, das weiß ich nur zu gut und zwar schon ziemlich lange. Fantasy schließt Untote oder Vampire nicht aus, Horror weist gern in Richtung Magie und Zauberei, und SF-Welten können in prästellare Zeiten zurückstürzen, Technikdegeneration unterliegen und etwa eine auf Parakräfte gestützte Form von „Magie“ entwickeln. Darkover von Mari­on Zimmer-Bradley wäre etwa ein Beispiel dafür.

Und dann gibt es so seltsame Dinge wie das, was ich euch heute ein wenig nä­her bringen möchte. Soweit ich das sehen kann, wird diese Artikelreihe vier oder fünf Teile umfassen, das hängt sehr stark davon ab, wie weit ich heute komme.

Es geht um die Horrorwelt. Und nein, das ist eigentlich keine Horrorserie, son­dern tendiert sehr viel stärker zur Fantasy, weswegen ich diese Serie auch so ge­labelt habe. Und da diese Welt seit langer Zeit einen Dornröschenschlaf schlum­mert – zu den Gründen sage ich noch mehr – , zurzeit aber in meinem Aufmerk­samkeitsfokus wieder recht präsent ist, scheint es mir sinnvoll, darüber mal et­was Näheres zu berichten.

Zunächst folgende Information als Vorabbemerkung: Wir befinden uns nicht im Oki Stanwer Mythos (OSM). Ihr braucht hier also nicht auf TOTAM, Totenköpfe, Lichtmächte, Oki Stanwer oder Ähnliches zu warten, ihr werdet nichts davon vorfinden. Und notwendigerweise sind wir auch nicht auf der Archipelwelt (die ich, das aber nur am Rande, sowieso erst 14 Jahre später entdeckt habe).

Die Horrorwelt ist stattdessen eine klassische, feudal strukturierte Fantasy-Welt. Anfangs sind nur zwei Kontinente bekannt, der so genannte „Nordkonti­nent“ und ein mythisch verbrämter Südkontinent, der Sin’ol’ghe heißt. Sie ha­ben keinen Kontakt miteinander und halten das jeweilige Gegenstück mehr für eine Art von Legende. Das soll sich alsbald gründlich ändern.

In einem dimensional nebengeordneten Raum, den die Eingeweihten die „Jen­seitigen Dimensionen“ nennen, gibt es eine Reihe von Dämonenreichen. Ich habe sie mir immer als Segmente eines gewaltigen Kreises vorgestellt, die sich um eine Art feuriges Zentrum gruppieren. Von den Jenseitigen Dimensionen hat es vor weit mehr als hundert Jahren einen Invasionsversuch auf der Horrorwelt gegeben. Die hier lebenden Dämonen erzählen sich Sagenhaftes von diesem „Dämonensturm“, der aus unerfindlichen Gründen abbrach. Unzählige Dämo­nen kehrten nicht zurück, sondern sind entweder auf der Horrorwelt umgekom­men oder haben sich dort eine neue Existenz aufgebaut.

Zu Handlungsbeginn hat ein nebelhafter Dämon namens TOETAAR, der Dämon der Gewalt (der strukturell ein wenig Ähnlichkeit hat mit einem Dämon von TO­TAM, zugegeben), sich in Konkurrenzkämpfen in den Jenseitigen Dimensionen durchgesetzt. Von seiner driftenden Burg, der SCHATTENRESIDENZ, die jede Provinz der Jenseitigen Dimensionen überfliegt und unentwegt weiter wächst, baut er seine Macht immer weiter aus. Und er stellt Invasionsheere zusammen. Er erschafft die so genannten Eisernen Krieger, unbesiegbar scheinende Kampf­gestalten aus Schattenstahl, die ihm gegenüber unbedingt loyal sind. Und Zehn­tausende von Skeletten, Mumien, Vampiren und anderen Horrorwesen werden von ihm gedrillt und auf den Krieg vorbereitet, mit dem TOETAAR die Horror­welt überziehen will.

Soweit ist das Setting recht traditionell. Das ändert sich aber schon mit Band 1 „Deserteur des Bösen“. Protagonist ist einer von TOETAARS designierten Heer­führern, ein aus der Nordpolregion stammender lebender Toter namens Mapun. Er ist einer magischen Seuche zum Opfer gefallen und so Teil von TOE­TAARS Truppen geworden. Irgendwie scheint ihn der Hafer zu stechen – als er zu einem Vorauskommando auf die Horrorwelt kommandiert wird, erscheint er in einer verfallenen Burg im Norden seiner einstigen Heimat wieder … und de­sertiert. Er hat sich in den Kopf gesetzt, die lebenden Bewohner der Horrorwelt vor TOETAARS Invasion zu warnen.

Okay, denkt man sich, das ist schon mal ziemlich crazy. Nicht nur, dass man ei­ner Mumie eigentlich nur bedingt autonomes Handeln zugestehen würde, hat er auch noch spürbar altruistische Impulse und Mitgefühl für die Lebenden. Das ist ungewöhnlich.

Mapun gelingt es, seiner Skelett-Begleiteskorte zu entkommen, indem er sich mit dem Vampir-Graf Corian vom Schattenstein verbündet. Verrückt genug, auch dieser vor rund hundert Jahren verfluchte Adelige bekennt sich zu Mapuns Zielen, und sie wandern nun gen Süden, um die Warnung weiterzutragen.

Dumm gelaufen: das nächste Etappenziel ist der Hexenwald, der unter der Kon­trolle des Hexendämons TOOWATAER steht. Und diese Hexen kann man durch­aus als Nymphomaninnen verstehen. Ehe Corian versteht, wie ihm geschieht, wird er von einer von ihnen umgarnt – und in seinem unkontrollierten Blut­rausch tötet er sie und muss daraufhin flüchten.

Mapun dagegen wird ebenfalls mit einer Hexe konfrontiert, die ihn mit Hilfe ei­nes Trankes temporär in einen lebendigen Menschen zurückverwandelt (was man als Leser auch nicht wirklich erwartet). Und anschließend vernascht sie ihn munter. Kurz darauf wird Mapun mit TOOWATAER konfrontiert und mit einer Bestrafungsaktion, die ein Verdikt über eine schöne, junge Hexe namens Noola verhängt. Ihr helles Haar wird dadurch nachtschwarz, und sie wird Mapun kur­zerhand als eine Leibsklavin mitgegeben und soll für ihre (nie im Detail genann­ten) Sünden büßen.

Mapun reist weiter südwärts, immer noch in seiner temporären Menschenge­stalt, und mit Noola kommt er ins so genannte Nebelmoor, in dem es von Irr­lichtern wimmelt und von Vampirjägern. Außerdem sind ihnen Verfolger auf der Spur – zum einen die Reste der Skeletteskorte, die Mapun zur Erkundung mitgegeben wurde, zum anderen ein Eiserner Krieger namens ULKORAW, der mit einem magischen Kampfgefährt, einer so genannten WOLKE, nach Mapun fahndet. Der verliert derweil im Kampf gegen den Clan der Pfähler seine menschliche Gestalt und schrumpft wieder zu einer Mumie wie ganz zum Anfang. Noola gerät in Gefangenschaft.

ULKORAW gelingt es, die Kontrolle über die Skeletteskorte zurückzugewinnen, hetzt wieder auferstandene Vampire auf die Sumpfbewohner, und dann treffen die Gefährten auf einer Insel im Sumpf wieder zusammen und kämpfen Seite an Seite.

Klassische Queste? Mit einem Vampir, einer sich zeitweise verwandelnden Mu­mie mit menschlichen Gefühlen und einer verfluchten Hexe? Das ist zumindest etwas schräg.

Es wird noch schräger.

Jenseits des Nebelmoors liegt eine Heidelandschaft mit megalithischen Monu­menten, die von einer alten Zivilisation zeugen, über die eine Gemeinschaft von Druiden aus dem nahe gelegenen Druidenwald wacht. Hier wird Mapun zu­nächst damit konfrontiert, dass TOETAAR eine junge Hexenadeptin namens Sil­va, die dem Baumdämon NANERAEK, dem Patron der Druiden, geweiht werden soll, kurzerhand verführt. Mapun kann den Anschlag auf den magisch belebten Kultbaum vereiteln und Silva vertreiben – mit der Konsequenz, dass die Druiden nun Ersatz für das Mädchen suchen und ihren Blick auf Noola geworfen habe.

Ein Plan, den der Hexendämon TOOWATAER sofort vereitelt. Und dann entgleist die Handlung vollständig, weil Noola von einem Kindheitsfluch eingeholt wird, der sie in eine weiße Werwölfin verwandelt. Mit der Folgekonsequenz, dass Mapun es mit Werwölfen zu tun bekommt und alsbald dann, in der Ruine einer verfluchten Burg, unter der die Werwölfe leben, mit einem ebenfalls verdamm­ten Grafen, der zu einer lebenden Steinstatue gemacht wurde: Rinterson.

Während der sich hier entwickelnden Konflikte gelingen mehrere Lösungen für existente Probleme: Rinterson wird von TOOWATAER, der sich einmischt, wie­der in einen lebenden Menschen zurückverwandelt. Noola findet in den Ruinen ein Kleidungsstück, das ihren Kindheitsfluch unterdrückt, und Graf Corian ent­deckt einen Blutbrunnen, der ihn ebenfalls in einen normalen Menschen zu­rückverwandelt.

Nur Mapun ist nach wie vor eine Mumie. Der stets in der Gestalt einer berü­ckenden Frau erscheinende TOOWATER erklärt, er sei noch nicht soweit geläu­tert – ebenso wie Noola – , um dauerhaft wieder ein normaler Mensch zu wer­den. So müssen die Freunde weiterziehen gen Süden, um die Warnung vor TOE­TAARS anstehender Invasion weiter zu verbreiten. Während sie das tun, gelingt es ihnen auch überraschend, die WOLKE mit dem Vollstrecker ULKORAW durch einen Verteidigungsfluch so weit wegzuschleudern, dass er sie nicht mehr wie­der finden kann.

Mapun hat unterdessen eine rätselhafte Stimme gehört, die ihm aufträgt, das „Orakel“ zu suchen, das im Süden in den so genannten „Teufelsbergen“ zu fin­den sein soll. Während Rinterson mit TOOWATAER verschwunden ist, stößt nun die Waldhexe Rena zu der kleinen Freundesgruppe, jene Hexe, die Mapun seine menschliche Gestalt zurückgab. Sie erklärt, sie habe sich in ihn verliebt und bringt das Serum mit, das Mapun wieder zu seiner normalen Menschengestalt verhilft. Die beiden werden ein Liebespaar. Und Corian liebäugelt insgeheim mit der attraktiven Noola.

Horrorwelt wird zur Lovestory? Nein, wieder falsch gedacht, Freunde.

Sie erreichen die Teufelsberge und stellen nun fest, dass sie von rätselhaften schwarzen Reitern verfolgt werden, die offensichtlich ebenfalls in TOETAARS Diensten stehen. Als sie die Höhle des Orakels finden, haben sie nur wenig Vor­sprung. Im Innern werden sie mit einem weiteren Dämon konfrontiert: ONOGA­ER, der der wesentliche Anführer des ersten Dämonensturms vor über hundert Jahren war und sich hier nun verborgen hat. Im Gegensatz zu den meisten an­deren Dämonen ist er aber höchst eigenartig vom Erscheinen her – es handelt sich bei ihm um eine aufrecht gehende Echse (einem Alli aus dem OSM nicht unähnlich). Er bezeichnet sich als „Fremddämon“. Das hat seine guten Gründe – denn er stammt weder aus den Jenseitigen Dimensionen noch von der Horror­welt.

ONOGAERS Heimat – und die seines Artgenossen namens Kurtes, der inzwi­schen TOETAARS Berater in der RESIDENZ ist – ist eine Welt namens Sslanckort, die jenseits eines einmaligen magischen Tores liegt. Dieses Portal befindet sich in der Nordpolarregion der Horrorwelt. Aber da ONOGAER formell als tot gilt, spielt Kurtes auf Zeit. Er weiß, dass TOETAARS Ehrgeiz sich auch auf die Welt jenseits des Portals ausdehnt, aber es ist nicht möglich, es ohne die Hilfe der Fremddämonen zu öffnen.

Einerlei – erst einmal hat er ohnehin vor, die Horrorwelt zu unterwerfen.

Und TOETAAR zieht nicht alleine seine Truppen zusammen. Der Hexendämon TOOWATAER tut dasselbe im Bereich der Namenlosen Burg, in der Mapun an­fangs materialisiert war. Ein gewaltiges Hexenheer mit Tausenden von Krieger-Hexen wird dort von TOOWATAER und ihrem Geliebten Rinterson zusammenge­zogen. Ein kleines Kontingent besonders schamloser Hexen stammt von der öst­lich neben dem Kontinent gelegenen Insel Ankiay, die von der Form her ein we­nig an Japan erinnert. Dort regiert eine rigide Schicht von Matriarchinnen, und die Insel schottet sich üblicherweise sehr stark nach außen ab.

Das hat auch gute Gründe, denn die Region, die auf dem Kontinent direkt ge­genüber liegt, ist das Königreich Sonofal, in dem der Dämon YTHOKAAN herrscht, ein monströses Ungeheuer, halb steinerne Schlange, halb Stierwesen, das über einen versteinernden schwarzen Atem verfügt. Hier befindet sich ei­nes der vielen Dämonentore in die Jenseitigen Dimensionen, und YTHOKAAN hat sich mit TOETAAR zusammengetan und verwandelt Sonofal in eine einzige Festung.

Während das Hexenheer TOOWATAERS sich im Norden heftige Kämpfe mit den ersten Truppen TOETAARS liefert, kann ONOGAER sich mit Mapun und seinen Gefährten verbünden – aber bei der Auseinandersetzung mit den unheimlichen Reitern werden die Freunde getrennt. Mapun und ONOGAER bleiben beisam­men, die Hexen Noola, Rena und der vormalige Vampir Corian auf der anderen Seite. Als die drei Freunde von den schwarzen Reitern wieder entdeckt werden, mischt sich zudem eine dritte Partei ein – bizarre hölzerne Puppenkrieger in Menschengröße, die offenbar eine menschliche Seele besitzen. Sie unterstehen einem weiteren Dämon, der sich auf der Horrorwelt niedergelassen hat, einem Wesen namens KOOMAEG.

Während sich der Kampf zwischen diesen Fraktionen entspinnt, kann Corian flüchten und verschwindet, wenn auch mit klarem Vorsatz, Noola und Rena zu retten, in einem Wald, wo er seinerseits in die Gefangenschaft von Waldhexen gerät. Und hier ist es auch, dass er einen alten Bekannten wieder trifft, der das Gedächtnis verloren hat – ein attraktiver Mann, dem die Hexen mit ihren Fähig­keiten zumindest den Namen entlocken: COORAET.

Dem Namen nach ist er also eindeutig ein Dämon. Aber erst Corians Anblick bringt seine Erinnerung zurück – COORAET war Graf Corians Heeresdämon während des Dämonensturms vor über hundert Jahren. Aber während Corian von der intriganten Hexe Phyllis verflucht und in einen Vampir verwandelt wur­de, die seither in Wertan auf Corians Burg Schattenstein lebt, ist COORAET ein­fach spurlos verschwunden.

Nun sind die Freunde wieder beisammen – und es wird auch höchste Zeit, denn KOOMAEGS Puppenkrieger versuchen, Corian im Wald zu fangen. Da wird auch den Hexen klar, dass die Zeiten unsicher geworden sind. Gemeinsam beschlie­ßen sie, dem Grafen und COORAET eine Reihe von Ewigkeits-Baumsamen mit­zugeben, damit sich der Hexenwald von Wertan, in dem sie sich befinden, an ei­nem sicheren Ort fortpflanzen kann. Möglicherweise bei Burg Schattenstein, das Corians Ziel ist.

Noola und Rena sind leider seinem Einflussbereich entglitten. Sie wurden von KOOMAEGS Puppenkriegern gefangengenommen und mit nach Sonofal ge­schleift, wo Noola gegen ihren Willen von KOOMAEG die Seele vom Körper ge­trennt und in einen schwebenden grünen Kristalltetraeder gesperrt wird. Mit Hilfe dieser magischen Zwischenstufe kann KOOMAEG seine Puppenkrieger be­leben. Rena entgeht der Entkörperung, indem sie sich dem Dämon als Helferin andient und verspricht, Sonofals Herrscher YTHOKAAN mit stürzen zu helfen – was KOOMAEGS Ziel ist.

Mapun und ONOGAER sind derweil in der Königsstadt, dem Zentrum von Sono­fal angelangt. Aber hier erweist sich, dass ONOGAER ein falsches Spiel spielt. Anstatt YTHOKAAN zu stürzen, paktiert er umgehend mit ihm. Mapun gerät so in die Gefangenschaft von TOETAARS Schergen und soll in die Jenseitigen Dimensionen deportiert werden. Zwar wird er durch das Dämonentor dorthin ge-sandt, kommt aber nicht in der RESIDENZ an.

Während das passiert, erfährt TOETAAR von ONOGAER und davon, dass er noch lebt. Daraufhin ist Kurtes entbehrlich und wird liquidiert. ONOGAER hingegen steigt zu TOETAARS Heerführer auf. Und in Sonofal werden die Truppen durch TOETAARS neuen Vollstrecker, einen Eisernen Krieger namens SURTONOW, ver­stärkt.

KOOMAEGS Putschversuch in Sonofal endet in einem Desaster. YTHOKAAN er­weist sich als zu stark, und er kann den Puppendämon KOOMAEG vernichten … mit dem verblüffenden Resultat, dass das Zentrum seines Körpers eine kristalle­ne Tetraederpyramide ist! Es ist offenkundig also so, dass er selbst nur eine Ma­rionette eines weiteren Wesens im Dunkeln ist. Die Waldhexe Rena, Mapuns vormalige Geliebte, gerät in TOETAARS Gefangenschaft und wird in die SCHAT­TENRESIDENZ verschleppt, wo der Dämon der Gewalt damit begonnen hat, He­xen zu sammeln und durch Folter und Nacktheit zu demütigen.

Eine dieser Hexen ist die junge Druidenhexe Silva, die mit schrecklichen Alp­traumvisionen gemartert wird und allmählich ihre TOETAAR-Hörigkeit verliert. Während der Gewaltdämon sich auf der Horrorwelt dem Kampf mit dem He­xenheer stellt, gelingt es ihr, mit Hilfe eines verhutzelten Mannes namens Jiogre und eines blauen, stark magischen Kristalls, durch ein Dämonentor zur Horrorwelt zu entkommen … und zwar zum legendären Südkontinent Sin’ol’ghe, von dem Jiogre stammt.

Derweil holt TOETAAR zum vernichtenden Schlag aus. Mit Hilfe des so genann­ten „Höllen-Blitzes“ vernichtet er nahezu das gesamte Hexenheer TOOWATAERS und wirft den Hexendämon selbst nieder, um ihn in die Jenseitigen Dimensio­nen zu verschleppen. Rinterson und einige wenige Hexen können mit Müh und Not dem Vernichtungsschlag entgehen. Sie versuchen nun, sich nach Ankiay durchzuschlagen, wo vielleicht noch Hoffnung besteht, eine zweite Front aufzu­bauen.

Corian und die Gruppe der Hexen um ihn, der sich auch die Junghexe Firona an­geschlossen hat, gerät derweil auf dem Weg zur Burg Schattenstein in die Ge­walt von Sklavenhändlern, die sie in einem Bergwerk zur Zwangsarbeit heran­ziehen und die Frauen sexuell ausbeuten.

Nach dem Zerschlagen des Hexenheeres beginnt TOETAAR, die Horrorwelt zu erobern. Er brennt den Hexenwald nieder und verschleppt die Bewohnerinnen in die Sklaverei. Ähnliches tut er mit den Waldhexen, während er die Druiden auslöscht. Dem Walddämon NANERAEK, der merkt, wie sein Baumkörper aus­gelöscht wird, gelingt es in letzter Minute, seine Vitalenergie in die junge Hexe Franca zu transferieren und sie selbst in die Jenseitigen Dimensionen zu senden. Dort soll sie seinen wahren Körper finden, wie auch immer.

Das Reich Sonofal wird immer stärker zum Heerlager TOETAARS, und die Graf­schaften Wertans, die um den südlichen Küstensaum des Kontinents gruppiert sind, fallen dem menschlichen Usurpator Celtor von Ogis zum Opfer, der sich an die Macht putscht und dann mit TOETAAR paktiert.

Und dann greift der Gewaltdämon auch nach dem Süden der Welt, nach dem fernen Südkontinent Sin’ol’ghe, wo er eine Stätte weiß, die man die „Höhle der Tausend Steine“ nennt. Sie scheint die einzige akute Bedrohung für seine Machtbasis zu sein, aber Genaueres weiß niemand.

Doch wo um alles in der Welt ist Mapun geblieben? In den Jenseitigen Dimensionen ist er jedenfalls nicht angekommen – stattdessen materialisiert er zu seiner eigenen Überraschung im Nordpolargebiet, seiner alten Heimat. Hier wird er von zwei jungen Zwillingsfrauen namens Gera und Gesa gefunden und gerettet, die sich auf nachgerade märchenhafte Weise sofort in ihn vergucken. Ehe er sich versieht, schlafen sie mit ihm und binden sich so ehelich an ihn.

Aber der Deserteur des Bösen findet keine Ruhe. Er weiß darum, dass TOE­TAARS Macht von Tag zu Tag wächst, und er muss dringend mit seiner Warnmis­sion fortfahren – die im Norden aber offenkundig keinerlei Sinn mehr macht, weil hier alles schon niedergewalzt wird. Er macht sich also durch den magi­schen Transmitter auf der „Insel der tödlichen Prüfungen“ auf den Weg, den le­gendären Südkontinent Sin’ol’ghe zu erreichen. Und er ahnt nicht, dass TOE­TAARS Armeen auch dort schon Fuß gefasst haben und dabei sind, das Unterste zuoberst zu kehren.

Er bricht geradewegs in ein tödliches Inferno auf und hat keine Ahnung, was ihn erwartet …

Ihr meint, das ist aber ganz schön viel Handlung gewesen? Well, das kann ich nicht leugnen. Ich habe damit die Handlung der ersten 50 Episoden der Serie zusammengefasst, die jeweils 5-6 Textseiten lang waren und sich dementspre­chend von Winter 1983 bis Spätsommer 1984 schnell entwickelten. Was sich in­teressanterweise an diesen Episoden aber ebenfalls ablesen lässt, ist meine fas­zinierende Weiterentwicklung. Nicht was die Charakterisierung der Personen angeht, die ist hier so rudimentär wie in den frühen OSM-Episoden. Aber zu Be­ginn der Serie gibt es etwa nach Satzzeichen keine Leerschritte, im Laufe des Jahres 1984 ändert sich das grundlegend. Ebenso wechselt die Schreibbreite von einzeilig auf anderthalbzeilig, das Papier wird von weißem, einseitig be­schriftetem Papier zu braunem, ebenfalls einseitig beschriftetem Recyclingpa­pier, das mein Vater damals reichlich von der Arbeit als Abfallprodukt mitbrach­te.

Was aber, wie ich finde, durchaus auffällt, ist die zunehmende Komplexität der Handlung. Statt eine lineare Handlungsform zu wählen, wie das in meinen da­maligen Kurzgeschichten üblich war, entwickelt sich hier eine verschlungene, verwirrende Handlungsvielfalt mitsamt Intriganten, Rätseln der Vergangenheit, Liebesgeschichten, Betrug und zunehmend vielfältigeren Gliederungen des Handlungsraumes Nordkontinent. Ich habe damals sogar eine Karte dafür ge­zeichnet, um die Übersicht zu bewahren (eine entsprechende Karte entstand dann auch für Sin’ol’ghe).

In der zweiten Folge dieser Reihe, in ein paar Wochen, werde ich mehr davon erzählen, wie die Handlungsströme weiterlaufen. Gelingt es Corian, sich zu be­freien und die Burg Schattenstein zu erreichen? Kann Mapun auf Sin’ol’ghe sei­ne Warnung anbringen? Wie sieht es dort überhaupt aus? Was für ein Ziel ver­folgt TOETAAR mit den entführten Tausenden von Hexen? Können Silva und Jiogre im tiefen Süden irgendetwas ausrichten? Und was um alles in der Welt hat es mit der „Höhle der Tausend Steine“ auf sich?

Mehr dazu in der zweiten Folge dieser Artikelreihe.

Bis nächste Woche, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 268: Die verlorene Stadt

Posted Mai 12th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute muss ich leider mal wieder, auch wenn ich den Hauptautor wirklich sehr gerne mag, eine Warnung vor dem folgenden Roman aussprechen. Nehmt es als freundlichen Ratschlag oder als Verriss, je nachdem, wie ihr die weiter unten kommenden Worte der Rezension versteht. Ich habe das Buch eher aus Pflicht­bewusstsein denn aus Begeisterung rezensiert. Begeisternd ist daran echt nicht viel und da bedurfte es nicht der kritischen Bemerkung eines lieben Brieffreun­des, dass man doch auf Inseln wohl eher statt Riesenwuchs Zwergenwuchs vor­findet (womit er völlig im Recht ist, Flores, Zypern und diverse andere Inseln be­legen das schlagend). Aber leider wird im unten dargestellten Roman dann von „5 Meter großen Menschen“ gefaselt, und das ist – neben vielem anderen, was mir missfiel – nun wirklich dummes Zeug.

Dennoch hätte dieser eine Ausrutscher noch akzeptabel sein können. Fehler kommen bei den schönsten Werken vor, manche, die gelungen sind, lassen sich auch davon nicht entstellen. Aber wenn sonst noch vieles im Argen liegt, wenn die deutschen Klappentexter den Inhalt des Romans weiter grotesk verunstal­ten und den Leser total auf die falsche Fährte locken, dann erstirbt einem der zuckende Mundwinkel recht rasch.

Also, machen wir uns auf in den Pazifik nach Guadalcanal, d. h. den Salomonen (die nichts mit König Salomo zu tun haben, wie ich unten nachweise und damit den stumpfsinnigen Klappentext knapp ad absurdum führe). Vielleicht findet der eine oder andere von euch ja doch, dass man über die grundlegenden Schwächen des Buches hinwegsehen und darin etwas Lesenswertes finden kann.

Schaut am besten einfach selbst:

Die verlorene Stadt

(OT: The Solomon Curse)

Von Clive Cussler & Russell Blake

Blanvalet 0363; 2016, 9.99 Euro

544 Seiten, TB

Übersetzt von Michael Kubiak

ISBN 978-3-7341-0363-6

Man nimmt an, im 21. Jahrhundert sei es ein Leichtes, versunkene Stätten der Antike zu finden, in Zeiten von Google Maps, dem Internet und hochmoderner Technologie. Aber bisweilen gibt es noch echte Überraschungen, das müssen auch Sam und Remi Fargo entdecken, als sie sich zu den Salomonen im Pazifik aufmachen, genauer: nach Guadalcanal, einer im Zweiten Weltkrieg heftig um­kämpften gebirgigen Insel, die heutzutage mehrheitlich von der Öffentlichkeit vergessen ist. Wenn man sich an Guadalcanal überhaupt noch erinnert, dann eben als Schlachtfeld des Zweiten Weltkriegs zwischen den USA und den japani­schen Besatzern.

Leonid Vasjew ist ein etwas bärbeißiger, knurriger Stipendiat der Fargo Founda­tion, der einem Tipp einer australischen Touristin nach Guadalcanal folgt und hier anstelle eines vermeintlichen Schiffswracks etwas völlig anderes entdeckt – und er alarmiert die Fargos, nicht zuletzt deswegen, weil er nicht tauchen kann.

In einer völlig abgelegenen Bucht stoßen Leonid und das Schatzsucher-Ehepaar unerwartet auf eine im Meer versunkene Tempelanlage eines hoch zivilisierten Volkes. Aber ihre Recherchen an Land sind äußerst kärglich – niemand scheint jemals von einer solchen Stadt gehört zu haben, weitere zivilisatorische Fährten gibt es keine.

Nun, Guadalcanal hat auch völlig andere Sorgen. Massive Arbeitslosigkeit, ge­schlossene Firmen und Bergwerke, eine blutrünstige Rebellengruppe, die Ent­wicklungshelfer tötet und die Industrien verstaatlichen möchte. Und es gibt eine sehr engagierte Ärztin, Carol Vanya, die davon träumt, ein flächendecken­des medizinisches Netzwerk auf der Insel zu etablieren, wo es auch medizinisch am Notwendigsten fehlt. Ein Plan, so entscheiden die Fargos, der durchaus da­nach ruft, durch ihre Stiftung unterstützt zu werden.

Aber die Geschehnisse auf Guadalcanal sind noch um einiges unheimlicher und rätselhafter: Kinder verschwinden seit geraumer Zeit spurlos im Urwald. Das Ehepaar wird bei einem Ausflug von der Straße gedrängt und beschossen, man bricht in ihr Hotelzimmer ein. Die Zeichen der Zeit drängen offensichtlich immer mehr in Richtung Aufstand, und Touristen verlassen fluchtartig die Insel.

Keine guten Karten für eine Schatzsuche, offensichtlich. Und einen Schatz hat es einwandfrei in der versunkenen Metropole gegeben … aber er wurde offenkun­dig schon vor Jahrzehnten geborgen, und zwar von japanischen Besatzungssol­daten.

Als die Fargos dieser Fährte folgen, geraten sie jählings in akute Lebensgefahr, zusammen mit ihren Freunden Lazlo Kemp und Leonid Vasjew …

Das zweite Fargo-Abenteuer von Russell Blake (Nr. 7 insgesamt) fällt leider im Vergleich zum Einstiegsband „Der Schwur der Wikinger“ doch deutlich ab. Hob ich in der vergangenen Rezension noch die solide Charakterisierung der „Villains“ hervor, also der Bösewichter, so hatte ich in diesem Werk das dumme Gefühl, permanent auf der Stelle zu treten. Und seien wir ehrlich: wenn es die­se Pseudo-Revolution nicht gegeben hätte, wäre der Roman noch sehr viel spannungsärmer ausgefallen. Er ist zwar umfangreicher als der Vorgänger, aber wenn man ehrlich sein soll, passiert sehr viel weniger darin. Die weitaus meiste Zeit verbringen Sam und Remi eher halbherzig damit, Fährten ins Nirgendwo zu folgen (manche verschwinden tatsächlich im Nirgendwo, etwa die um den japa­nischen Zerstörer). Und immer dann, wenn man glaubt, jetzt würden sich mal ernsthafte Probleme auftürmen, wird man prompt enttäuscht.

Beispiele dafür gefällig? Nun schön: Es gibt etwa die Fährte, die über das Tage­buch eines japanischen Offiziers direkt nach Japan führt und zu einer geheimen Armee-Einheit, die während des Krieges biologische Experimente gemacht hat. Da man ja als zeithistorisch Bewanderter ziemlich gut weiß, wie heikel die krie­gerische Vergangenheit Japans heutzutage noch ist (ich sage nur: Verehrung von Kriegsverbrechern im Yasukuni-Schrein in Japan in der Gegenwart; Leug­nung der „Trostfrauen“-Verbrechen in Korea usw.), wäre es doch höchst plausi­bel gewesen, wenn das Nachforschen des amerikanischen (!) Ehepaars Fargo in Japan auf massiven Widerstand gestoßen wäre. Stattdessen: gar nichts.

Oder nehmen wir die titelgebende versunkene Stadt (von der man eigentlich nahezu überhaupt gar nichts erfährt und die nur eine ziemlich kleine Rolle in der Geschichte spielt): hier wäre es wirklich schön gewesen, Näheres zu erfah­ren. Ein wenig mehr räumliches Denken, vielleicht hätte man ja auch mal die In­nenräume fotografieren können, um die Glyphen an den Wänden semantisch auszudeuten, wo man doch Lazlo Kemp hat, der sich nach Herausforderungen dieser Art sehnt … aber nichts dergleichen passiert.

Diebstähle, die nicht verfolgt werden. Rätselhaft abweisende Ordnungshüter, die sich als zahnlose Tiger entpuppen. Ein australischer Magnat, der nur die Börse manipuliert und auf unklare Weise mit einer unbekannten Person auf den Salomonen in Kontakt gekommen ist (über diese Kontaktanbahnung erfährt man rein gar nichts), als einer der Strippenzieher im Hintergrund.

Damit will ich nicht grundsätzlich sagen, dass der Roman langweilig und öde ist, er hat schon gewisse interessante Aspekte. Aber das meiste ist doch sehr halb­herzig ausgeführt und kommt in keiner Weise an den Erstling heran, von den früheren Autoren Grant Blackwood oder Thomas Perry mal ganz zu schweigen. Der Roman kommt leider mehr als eine Pflichtübung daher, bei der der Verfas­ser wenig zu erzählen wusste. Und am Ende trudelt die Geschichte sogar gänz­lich in den Bereich der Fantasy ab, als von „5 Meter großen Riesen“ erzählt wird, deren Leichname man sogar noch findet. Also bitte, fünf Meter große Men­schen… biologisch vollkommener Nonsens! Hätten 2,50 Meter nicht völlig aus­gereicht, um für die kleinwüchsigen Insulaner als „Riesen“ zu gelten? Das hier war nun echt grotesk überzogen. Ganz zu schweigen davon, dass die vermeintli­chen „kannibalischen Riesen“, vor denen ständig gewarnt wird (die realen sind seit Jahrtausenden ausgestorben!), völlig unmotiviert als Schreckgespenst an die Wand gemalt werden. Wenn man mal logisch daran geht, macht das keinen Sinn: wenn man schon die historischen Vorbilder nicht kennt, wie will man dann „moderne“ Riesen zusammenphantasieren …?

Ach ja, und schweigen wir mal ganz davon, dass das prinzipiell interessante Co­ver leider mit dem Inhalt nichts zu tun hat und es natürlich auch NICHT um den „Schatz des Königs Salomo“ geht. Bekanntlich haben die Salomonen auch nichts mit König Salomo zu tun, ebenso wenig, wie die Westindischen Inseln vor Indi­en liegen, gell? Das alles hat der Klappentexter frei erfunden. Ebenso frei erfun­den übrigens wie der im Originaltitel vorkommende „Fluch“ der Salomonen. Den gibt es nämlich ebenso wenig wie den „Fluch des Pharaos“, damit das mal klar ist. Wer so etwas erwartet, kann hier lange warten.

Und ebenfalls allmählich so richtig nervig ist die unglaubliche Prüderie, die die­sen Roman durchzieht – Sam und Remi sind seit Jahren verheiratet, und eigent­lich sollte man doch annehmen, dass sie einander ihre Liebe durchaus handfes­ter beweisen als durch neckende Wortkabbeleien. Aber auf erotische Szenen braucht man bei diesem Autor wirklich überhaupt nicht zu hoffen. Er beschreibt die Fargos wie absolut platonische Freunde, das geht so überhaupt nicht.

Schade eigentlich, ich beginne nach diesem zweiten Roman von Blake zu verste­hen, warum er alsbald ebenfalls als Fargo-Autor ausgewechselt wurde. Diese Vorstellung hier war echt nicht berauschend. Launige Dialoge und sympathische Heldenfiguren sind eben nicht wirklich alles, da muss schon ein bisschen mehr geboten werden, soviel ist sicher.

Leider nur eine sehr eingeschränkte Leseempfehlung für ausdrückliche Fans …

© 2018 by Uwe Lammers

Nach dieser Schlaftablette, dachte ich, sollte ich euch mal wieder etwas aufwe­cken. Und ich nahm als nächstes Buch in der Reihe eine interessante Biografie auf, also mal wieder das totale Kontrastprogramm. Einer der mit Abstand wich­tigsten Menschen des 20. Jahrhunderts wird von mir in der kommenden Woche vorgestellt. Wer genau? Lasst euch überraschen!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 375: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 16

Posted Mai 10th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

nachdem ich in der vergangenen Ausgabe dieser Rubrik kom­plett im Zeituniversum verweilte, verteilt sich die heutige Auf­merksamkeit ein wenig besser sowohl auf die Vergangenheits­ebene der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ als auch auf die Handlungsgegenwart, in der die Macht TOTAM mit ihren Vasallen das Reich der Neuen Cranyaa immer stärker in Bedrängnis bringt. Zugleich tauchen alte und neue Protagonisten in der Handlung auf, neue Bündnisse entstehen, die noch Konsequenzen zeitigen werden.

Rückblick: Oki Stanwer und seine Freunde – die, die es bislang noch geschafft haben, am Leben zu bleiben – sind mit der STE­LE DER EWIGKEIT in der tiefen Vergangenheit vor rund 600.000 Jahren gefangen, im so genannten „Zeituniversum“. Dorthin de­legierte Dämonen von TOTAM und verführte Hilfsvölker wie die DIGANTEN und die Oheetirs erschweren die Rückkehr.

Den Helfer des Lichts Glusem hat es in Form einer bloßen pri­märenergetischen Helferseele in einen anderen Abschnitt der Vergangenheit verschlagen, wo er Zeuge des Entstehens der aquatischen Rasse der Plegg‘re wurde, die im Galaxiencluster um Hun‘arc so wirkungsmächtig werden sollen.

In der Handlungsgegenwart wird die Situation für die Cranyaa immer unhaltbarer. Der WÄCHTER gilt als tot, Klivies Kleines ist desertiert, und sowohl TOTAMS Vasallenvölker wie die Yozinther als auch innenpolitische Intrigen durch das Kommando Erste Stunde (KES) destabilisieren die politische Ordnung zunehmend …

Episode 76: Gott der Plegg‘re

(5. Juli 1986, digitalisiert 2019)

Rund 25.000 Jahre näher an der Gegenwart als Oki Stanwer, aber immer noch tief von der Realgegenwart entfernt, hat der Helfer des Lichts Glusem als Geistwesen das allmähliche Heran­reifen des froschgestaltigen Volkes der Plegg‘re verfolgt, durch zahllose Krisen, Kriege und andere Rückschläge, die bis zur Bei­nahe-Auslöschung der Spezies führten.

Inzwischen haben die Plegg‘re alle drei Welten ihres Heimatsys­tems besiedelt und sich an die unterschiedlichen planetaren Bedingungen angepasst. Einem Wissenschaftler gelingt es nun, paramental von Glusems Helferseele beeinflusst, eine gallertar­tige Substanz zu erschaffen, die temporär als Wirtskörper für Glusem taugt.

Durch diese Wirkung steigt Glusem nach und nach zu einer Art von Gottheit für gläubige Abweichler-Plegg‘re auf. Dies führt langfristig zur Spaltung der Gesellschaft im Sternenreich der Plegg‘re und letztlich zu einem stellaren Bürgerkrieg, den er schlussendlich mit seinen Getreuen gewinnen kann.

Glusem macht zwei wichtige Prophezeiungen: Erstens müssen die Plegg‘re damit beginnen, den Transmittermond zu erschaffen, an dessen Existenz er sich erinnern kann. Nun wird diese Zeitschleife verständlich.

Die zweite Zeitschleife versucht er durch die zweite Prophezei­ung zu vereiteln: In der Zukunft, prognostiziert er, ist das System Plegg‘gon eine entvölkerte Ruinenwüste, in der nur noch automatische Abwehrsysteme funktionieren (vgl. Bd. 27!). Also werden Parteigänger TOTAMS das Volk der Plegg‘re auslöschen, er weiß aber nicht, wann es geschehen wird. Aber Glusem hat eine unbehagliche Vorstellung, wer das tun wird – ein humanoides Volk, das man die Waaklors nennt …

Episode 77: Das verdammte Heer

(24. August 1986, digitalisiert 2019)

Blende in die tiefere Vergangenheit zu Oki Stanwer und der STE­LE DER EWIGKEIT: Die auf 50 Kilometer Länge reduzierte STELE hat viele Funktionen der früheren Zeit verloren und ist auch be­züglich ihrer Flugreichweite massiv eingeschränkt. Sie wurde von dem Dämon Craathava in die Sterneninsel Srakkonar ent­führt, wobei Oki Stanwer auf rätselhafte Weise von Bord ver­schwand (vgl. Bd. 73).

Während die Besatzung der STELE, bestehend aus UCHULON und Doppelporter, nach Oki sucht, findet der Feldherr der Cranyaa heraus, was wirklich geschehen ist – auf dem Planeten, auf dem er sich nun befindet, trifft er auf eine Spezies von schwebenden Pyramidenwesen, den Zoombys, die das domi­nante Sternenvolk von Srakkonar darstellen … und zugleich vom Dämon Craathava seit Jahrhunderten gegängelt worden sind.

Bei den paramental begabten Zoombys gibt es die Legende von den „Positivfaktoren“, die einst kommen werden, um den Dä­mon zu stürzen und die Galaxis zu befreien. Der wichtigste von ihnen ist Oki Stanwer selbst – und als Oki sich dem Zoomby-Wi­derstand anschließt, stößt er auf Messeg, einen Ritter vom Goldkristall, der explizit hierher gesandt wurde, um ihm im Chaos des Zeituniversums zu helfen.

Er ist es allerdings auch, der ihm die traurige Nachricht von der Zerstörung der Lichtfestung OREOC und von der Auslöschung des Transmittermondes mit allen Besatzungsmitgliedern über­bringen muss (vgl. dazu die Bde. 63/64 und 74).

Als sie versuchen, einem auf rätselhafte Weise in Bedrängnis geratenen Zoomby-Konvoi zu Hilfe zu kommen, stoßen sie völlig unvermittelt auf eine gigantische Kampfflotte, die geradewegs aus dem Nichts erscheint.

Es handelt sich um Rookax‘ Kriegsflotte (vgl. Bd. 24), die TOTAM nun im Zeituniversum einzusetzen gedenkt …

Episode 78: Gegenschlag Ghoyyol

(Januar 1987, digitalisiert 2019)

Blende in die Realgegenwart ins Reich der Neuen Cranyaa: Die Dinge stehen bekanntlich schlecht für die Cranyaa, und die Lichtblicke sind außerordentlich rar – so sieht es aus, bis eine Sonde überraschend den Standort der Dunkelwelt Ghoyyol aus­findig macht. Das ist TOTAMS geheime Waffenbasis, die unter der Kontrolle des Troohns Tronlekk steht.

In dem Bestreben, endlich einmal einen sichtbaren Erfolg zu verzeichnen, nachdem die letzten Monate angefüllt waren mit grässlichen Fehlschlägen, befiehlt sie der Admiralin Then-Ad, mit einem Geschwader Kampfschiffe die Dunkelwelt anzugreifen und auszulöschen.

Sini-Ag hat nicht den Hauch einer Ahnung, dass zeitgleich auf dem Kristallplaneten TOTAM der Untergang des Cranyaa-Rei­ches beschlossene Sache ist: ein mörderisches Unternehmen steht dort in den Startlöchern, das „Unternehmen Cranyaatod“ …

Episode 79: Pesthauch über Kareton

(22. Januar 1987, digitalisiert 2019)

Die Überraschung gelingt perfekt!

Die Cranyaa-Kampfschiffe unter Admiralin Then-Ad tauchen wie rächende Furien aus dem Hyperraum, direkt über der Waffenba­sis Ghoyyol, die auf solch eine Attacke nicht vorbereitet ist. Tronlekk, der sonst nicht so leicht die Contenance verliert, muss ungläubig feststellen, dass TOTAM seine Notrufe ignoriert, wäh­rend die Cranyaa seine Anlagen in Grund und Boden bomben.

Im letzten Moment gelingt ihm die Flucht per Transmitter – aber er kommt entgegen seiner Vorstellung nicht auf TOTAM heraus, sondern an einem Ort, mit dem er wirklich im Traum nicht ge­rechnet hat … und dort wartet ein Wesen namens SOFFROL auf ihn!

Zeitgleich beginnt TOTAM das „Unternehmen Cranyaatod“ und überzieht Kareton mit einem schwarzen Todeshauch, der Stadt um Stadt auffrisst und sich schließlich auch in die Gemächer der Kaiserin schleicht, um sie zu vergiften.

Alles scheint restlos verloren zu sein …

Als die Admiralin Then-Ad von der sterbenden Welt Ghoyyol zu­rück ins Kaiserreich der Cranyaa fliegen möchte, taucht ein win­ziges, rätselhaftes Schiff auf, das wie ein Pfeil mit einer zentra­len Kugel ausschaut – einer der legendären Baumeister, der machtvollen Bediensteten der Lichtmächte, ist in Hun‘arc er­schienen. Er engagiert nun die Cranyaa, damit sie für das Licht eine Basis TOTAMS sabotieren, die in der Vergangenheit liegt – einen Ort namens Xyriac-Nehm. Danach, verspricht er, wird er sie mit Oki Stanwer zusammenbringen.

Die Admiralin nimmt den Auftrag an.

Episode 80: STÜTZPUNKT VIER

(30. Januar 1987, digitalisiert 2019)

Szenenblende ins Zeituniversum.

Oki Stanwer, Messeg und die Zoomby-Rebellen sind mit dem mehr als neuntausend Kampfschiffe umfassenden Riesenheer der Dämonenwaffe Rookax zusammengetroffen, die das Wesen TOTAM ins Zeituniversum gesandt hat, um hier als entscheiden­der Trumpf zu dienen.

Dummerweise wird nun auch der Dämon Craathava auf Rookax und Oki Stanwer aufmerksam. Und weil es rund 25.000 Jahre in der Zukunft – beim zweiten Zeitportalstützpunkt in Srakkonar, das „Srakkonar Eins“ heißt, eindeutige Zerstörungen aus der Jetztzeit gibt und zudem die Überlieferung eines Kampfes, den Craathava einst, also JETZT, verloren haben soll, ist er sehr dar­auf erpicht, genau dieses Verhängnis auszubremsen. Mit Hilfe des „Zeitschwalls“ will er Oki Stanwer über Tausende von Jahren weit aus der Realzeit von Srakkonar entfernen … aber sein Schwall trifft knapp daneben und versetzt stattdessen die Kriegsflotte des Rookax!

Nun ist der Weg frei für die Zoomby-Rebellen, das Zentralsys­tem um den Planeten Hollyr zu attackieren und Craathava zu vertreiben, wie es die Legende behauptet, die aus späteren Jahrtausenden berichten wird.

Während des Kampfes um Hollyr wird der Zoomby-Administrator Yoghrythekl an Bord der STELE geholt, derweil Messeg von Bord geht. Und als dort temporale Transmissionen angemessen wer­den, ist für Oki Stanwer die Sache klar: „Craathava zieht Leine!“

Er will ihn verfolgen und durch den auf Hollyr existenten Zeit­transmitter in die Zukunft hinterherreisen. Aber in der Zielzeit hat Craathava eine Falle etabliert, die wenige Sekunden später zuschlagen soll …

Mit diesem Band enden Oki Stanwers Abenteuer im „tiefen“ Zeituniversum und werden dann mit Band 84 fortgesetzt wer­den. Auf der „Sohle“ des Zeituniversums gibt es nun nur noch ANTI-TOTAM als Bastion des Guten – aber der ernsthafte Angriff eines Dämonen-Triumvirats steht unmittelbar bevor.

Und dann ist da natürlich noch die Realgegenwart, in der TO­TAM nun damit beginnt, eine neue Waffe nach Hun‘arc zu holen, um die finale Entscheidung herbeizuzwingen. Die Frage, ob die Neuen Cranyaa nun tatsächlich Geschichte sind oder ob es noch weitere gibt, ist nach wie vor offen. Was genau ist mit dem WÄCHTER geschehen? Was mit Admiralin Then-Ad und Kaiserin Sini-Ag?

Mehr dazu in Bälde. Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 267: Shades of Grey 3/E – Befreite Lust

Posted Mai 6th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wie in der letzten Woche erwähnt – diesen Romanzyklus kann man offenbar entweder nur begeistert begrüßen oder schlicht verabscheuen und verdam­men. Wie ihr wisst, wenn ihr meine Rezensionen zu den ersten beiden Bänden gelesen habt, gehöre ich eher zu der ersteren Fraktion.

Mir ist dabei natürlich klar, dass es sich um eine relativ schlichte Liebesge­schichte handelt und von Klischees nur so wimmelt, und dass die Darstellung weit davon entfernt ist, realistische Personen im BDSM-Milieu darzustellen. Deshalb habe ich mich aber auch, als ich die Romane las, nicht primär um diese Elemente gekümmert, die zwar konstitutives Element der Geschichte sind, aber genau genommen nur überformendes Beiwerk darstellen. Ich fand den emotio­nalen Tanz der beiden sehr unterschiedlichen Protagonisten einfach sympa­thisch, die Mails von Anastasia und Christian zum Teil wirklich urkomisch … und ja, gegen die sexuellen Zwischenspiele hatte ich auch nichts einzuwenden. Ich gehöre nicht zu der Kategorie von prüde-entsetzten Leuten, die in einen katato­nischen Schockzustand verfallen, wenn sie eine entblößte weibliche Brust se­hen oder von expliziten Beischlaf-Szenen lesen.

Ich meine immer noch, dass ausgelebte Sexualität, in jeweils vollkommener Übereinstimmung der Partner ausgeübt, der menschlichen Normalität ent­spricht. Und es ist definitiv eine Tatsache, dass es da unterschiedlichste Facet­ten gibt, von denen nicht wenige tabuisiert sind. Und manche davon taugen dann natürlich dazu, Vorurteile zu befeuern und Bücher in Bausch und Bogen zu verdammen (gerne, wenn man die Werke nur dem Hörensagen nach kennt und keine genauere Kenntnis hat). Ich habe damals gesagt: diesem Verdammungs­quatsch schließe ich mich nicht an. Ich möchte schon gern wissen, was diesen Hype international ausgelöst hat, und ja, ich habe die Geschichte durchaus un­terhaltsam gefunden.

Sehr tiefsinnig ist „Shades of Grey“ natürlich nicht, das hat die Trilogie mit zahl­losen Epigonengeschichten gemein. Aber ich mag die Hauptpersonen nach wie vor und werde sicherlich beizeiten den Zyklus mal wieder aus dem Regal ziehen, wenn es Mangel an anderweitig interessanten Büchern gibt.

Hier kommt also meine damalige Abschlussrezension zu E. L. James´ Romanzy­klus, und wer mag, der lese weiter:

Shades of Grey 3: Befreite Lust

(OT: Fifty Shades Freed)

Von E. L. James

Goldmann 47897

672 Seiten, TB (2012)

ISBN 978-3-442-47897-2

Aus dem Amerikanischen von Andrea Brandl und Sonja Hauser

Das Undenkbare ist passiert: Seattles begehrtester Junggeselle, der erfolgreiche Unternehmer Christian Grey, Eigentümer von Grey Enterprises, hat im Alter von nur 27 Jahren die unscheinbar wirkende Anastasia Steele, eine gerade mal 21 Jahre alte und völlig unvermögende Literaturstudentin aus Vancouver geheira­tet.

Er, der im Kreise seiner Familie hinter vorgehaltener Hand immer für problema­tisch im Umgang mit Frauen gehalten wurde, vielleicht gar für schwul, weil man ihn niemals in weiblicher Begleitung sah, ist mental vollkommen umge­schwenkt. Seine Adoptivmutter Grace, sein Adoptivvater Carrick und seine Ge­schwister Mia und Elliott hat diese Wandlung sehr überrascht. Dabei ahnen sie überhaupt nicht, wie sehr Anastasia ihren attraktiven Sohn verändert hat. Denn Christian hat aus seinen ursprünglichen Neigungen immer ein Geheimnis ge­macht.

Es hätte auch wirklich seltsam ausgesehen, wenn er ihnen gestanden hätte: Ich liebe es, attraktive brünette Damen mit einem Besitzvertrag und einer Ver­schwiegenheitserklärung zu meinem sexuellen Eigentum zu erklären und in mei­nem Spielzimmer zu unterwerfen, sie auszupeitschen und ihnen Leiden zuzufü­gen, was mich erregt. Schuld an diesen Neigungen ist zum einen Christians komplizierte, von dunklen Schleiern verhüllte Vergangenheit, zum anderen sei­ne erste „Geliebte“, Elena Lincoln, die Anastasia abfällig und voller tiefer Abnei­gung „Mrs. Robinson“ nennt.

Doch das alles scheint nun weit hinter ihnen zu liegen.

Sie machen, befördert von Christians Reichtum, phantastische Flitterwochen in Europa, die die frisch Verliebten unglaublich genießen. Es gibt da natürlich eini­ge Eintrübungen, die aus Anas Eigensinnigkeit, Christians unglaublicher Eifer­sucht und seinem Besitzdenken resultieren … aber ja, im Grunde genommen amüsieren sie sich hervorragend.

Die Schwierigkeiten fangen an, als sie zurückkehren müssen. Denn in der Zwi­schenzeit ist ein Brandanschlag auf Christians Büro verübt worden, und das ist erst der Beginn. Während Anastasia sich mit ihrem durchweg launenhaften Gat­ten zu arrangieren hat, dessen liebste Methode, sich von einem Streit zwischen ihnen zu erholen, immer noch in köstlichem Sex besteht – und davon kann die junge Gattin ebenso wie er nie genug bekommen – , versucht sie, das verschlos­sene Herz ihres Mannes zu erreichen. Seine Vergangenheit auszuleuchten. Eine schwierige Sache, um es behutsam zu formulieren, denn da ist er verschlossen wie eine Auster … und sehr verletzlich obendrein. Anastasia entdeckt mit man­cherlei Schrecken Gründe für sein so Besitz ergreifendes Verhalten ihr gegen­über und muss schließlich feststellen, dass in Wahrheit nicht er, sondern sie der starke Teil ihrer Ehe ist. Was neue Schwierigkeiten mit sich bringt.

Christian hingegen verbirgt so mancherlei vor ihr, und er tut das nicht einmal aus bösen Absichten. Er will sie in Sicherheit wiegen, will sie nicht verlieren und jede Gefahr von ihr fernhalten. Dabei spürt er offenbar nicht, wie sehr er ihr den Atem zum Leben abschnürt. Dies wiederum fördert Anastasias Eigensinnig­keit und führt zu immer neuen Streitigkeiten zwischen ihnen und letztlich auch zu Gefahren.

Denn da draußen lauert irgendjemand, der ihnen schaden möchte. Sehr scha­den. Jemand, der schon Christians Helikopter sabotiert und zum Absturz ge­bracht hat (Band 2), der sie nun nächtens zu einer schweißtreibenden Verfol­gungsjagd zwingt … und dann, eines Tages, steht auf einmal eine zierliche, blas­se Brünette in Anastasias Büro bei SIP Publishing: Leila Williams, die sie in Band 2 mit vorgehaltener Waffe bedroht hat.

Und dann ist da auch noch Jack Hyde, Anastasias vormaliger, sexuell übergriffi­ger Chef bei SIP, der sich zu einem immer größeren Problem auswächst und mit der Grey-Familie inniger verbunden ist, als man anfangs ahnen konnte. Doch wirklich dramatisch wird die Geschichte, als der Feind tatsächlich von innen heraus kommt … als Anastasia von der Tatsache überrumpelt wird, schwanger von ihrem geliebten Mann zu sein …

Der dritte Band der „Shades of Grey“-Reihe ist zwar ein ziemlicher Klotz von Ro­man, aber ich brauche vermutlich nur zu sagen, dass ich die Hälfte des Buches an einem Tag verschlungen habe, um eines unwiderruflich deutlich zu machen: es ist durchweg ein Lesevergnügen – wenigstens dann, möchte ich sagen, wenn man die Protagonisten Christian Grey und Anastasia Steele-Grey lieb gewonnen hat und gerne ihrem komplizierten Lebensweg folgt. Ganz so, wie ich mir das üblicherweise vorstelle – und im Gegensatz etwa zu dem Zyklus von Suzanne Frank um Chloe Kingsley und ihren Geliebten Cheftu – ist dieser Abschlussband deutlich länger als die bisherigen ersten beiden Bände. Fäden werden zusam­mengeführt, Geheimnisse gelüftet, Wirrungen enträtselt. Das ist das unbestreit­bar Positive am Roman, das zu Beginn unbedingt genannt werden soll.

Auf dieselbe Liste gehört das, was ich den „Verdächtigenkanon“ nennen möch­te. Mit Gia Matteo, der höchst attraktiven Architektin, die Christian Grey schö­ne Augen macht, erscheint eine weitere Person auf der Bildfläche, die über Hunderte von Seiten im Roman eingeschätzt zu werden versucht. Elliott Grey, Christians jüngerer Bruder, erhält neue, lange rätselhafte Facetten. Elena Lin­coln als Schatten aus seiner Vergangenheit lauert nach wie vor. Und über das Wachpersonal, das Christian zum Schutz seiner Person und seiner frischgeba­ckenen Gattin abgestellt hat, fällt auch ein Schatten des Verdachts – denn of­fensichtlich gibt es jemanden im innersten Kreis der Bekannten oder Verwand­ten, der dem jungen Glück alles erdenkliche Pech wünscht und sogar Anastasias Entführung plant. Es dauert durchaus lange, bis sich diese Dinge aufklären, und Verdachtsmomente und dramatische Augenblicke gibt es reichlich in diesem Buch.

Dies sind die positiven Aspekte, wie ich finde, neben der wunderbaren Schilde­rung der emotionalen Wandlungen, die die Hauptpersonen durchmachen und die doch sehr die Verhältnisse normalisieren.

Schwieriger ist es dann, wenn man den Gesamtroman betrachtet, dass er doch deutliche Längen aufweist. Man spürt geradezu, wie ungern E. L. James ihre Protagonisten ziehen lassen, die Geschichte abschließen möchte. Ungeachtet der emotionalen Achterbahnfahrt, die das Buch darstellt, kommt man doch nicht umhin, zu konstatieren, dass manche Aspekte völlig unterbelichtet sind, während andere krass überbelichtet erscheinen. Die Presse, beispielsweise, die sich hier aufdringlich an vielen Stellen bemerkbar macht, aber stets völlig amorph und entpersonalisiert bleibt. Der starke Fokus auf einige wenige „Hauptgegner“, möchte ich mal sagen. Das starke Harmoniebedürfnis, bei dem am Ende Mia Greys Schicksal vollkommen untergebuttert wird (hier hätte ich mir eine Auflösung schon gewünscht).

Zurück bleibt darum ein gemischter Eindruck des Romans. Speziell in den letz­ten hundert Seiten hat man das Gefühl, die Autorin wollte sich nur nicht von den Protagonisten trennen und mache mehr Worte als unbedingt erforderlich. Das ist süß, ohne Frage, aber es trägt nicht signifikant zur Handlung bei. Sie hat damit den Schluss leider etwas verwässert.

Die beiden Anhänge des Romans zeigen ebenfalls deutlich, dass sie sich nicht lösen konnte. Besonders den zweiten möchte ich noch kurz hervorheben, weil der dann wirklich eine neckische Offerte enthielt: er spielt am 9. Mai 2011, dem Tag, an dem Christian Grey von Anastasia für das Studentenmagazin des WSU Vancouver College of Liberal Arts interviewt wurde … diesmal wird diese schick­salhafte Begegnung aus Christians Sicht dargestellt. Und das ist wirklich pikant zu lesen, wie Anastasia in seinen Augen wirkte und was er sich dabei durchweg Unzüchtiges gedacht hat, während sie ihm stotternd ihre Interviewfragen stell­te, während er nach und nach ihren Reizen erliegt und seine stillschweigende Meinung von ihr grundlegend ändert.

Genau genommen ist diese Darstellung natürlich ein raffinierter Trick, der sich in zweierlei Richtungen lesen lässt. Entweder signalisiert er den Ursprungsge­danken der Autorin, sie hätte die Geschichte auch aus Christian Greys Sicht schreiben können (was ich für ziemlich ausgeschlossen halte, wenn auch ohne Frage reizvoll, diese wenige Seiten umfassende Studie zeigt, dass das ein durch­aus interessantes Vorgehen gewesen wäre), oder es ist als klare Aufforderung zu verstehen, die Trilogie nun noch einmal zu lesen, mit den Auftaktgedanken Christian Greys im Hinterkopf. Ich bin überzeugt, damit liest sich der Romanzyklus noch einmal deutlich prickelnder.

Schlussendlich ist natürlich noch auf einen vierten Band hinzuweisen, der den schlichten Namen „Grey“ trägt. Hierin hat E. L. James den Gedanken umgesetzt, Christian Greys Leben aus seiner Sicht darzustellen … ab wann das beginnt und wie weit es geht, muss ich beizeiten noch ausloten.

Für den Moment gilt es festzuhalten, dass zu meiner nicht geringen Überra­schung der dritte Teil der Trilogie ein wenig gegenüber den ersten beiden Bän­den abfällt und schlussendlich ein wenig banal wird – vieles darin ist zweifellos der Tatsache geschuldet, dass James während des Schreibens selbst Mutter wurde und heiratete, und zahlreiche Szenen spiegeln ohne Frage ihr eigenes frühes häusliches Glück wider. Weniger ein Traum als ein realisierter Traum … was nicht schlechter sein muss, hier aber einen deutlichen Einfluss auf Protago­nisten und Text ausübt. Zugleich ein Schimmer Licht: selbst problematische Be­ziehungen können erfolgreich sein, wenn sich Ehrlichkeit, Mut und unerschüt­terliche Liebe durchsetzen.

Ein schönes Signal für einen Zyklus, der so finster mit einem scheinbar sadisti­schen Liebhaber und einer (scheinbar) devoten Gespielin begonnen hat. Viel­leicht keine hohe Literatur, aber allemal anregende, aufregende und sehr er­folgreiche. Sie lohnt einen Blick oder auch deutlich mehr – aber, Leute, nehmt euch eine Menge Zeit, wenn ihr eintauchen wollt. Ihr werdet sie brauchen, wenn euch die Story mitreißt, ich weiß es aus eigener Erfahrung!

© 2017 by Uwe Lammers

Ja, ich war 2017 noch ziemlich tief eingetaucht in die Geschichte, man spürt es. Das empfinde ich aber nur bedingt als Nachteil – trefft einfach eure eigene Le­seentscheidung aufgrund der obigen Zeilen.

Hinsichtlich der Bücher aus Christian Greys Sicht sind wir heutzutage natürlich schlauer (auch wenn es nur zwei der eigentlich drei Bücher gab, soweit ich es mitbekommen habe). Und die Verfilmungen, die sich z. T. fundamental von den Romanen unterscheiden, sind vermutlich noch etwas weichgespülter und hand­lungsärmer ausgefallen als die Bücher (zumal bei der Verfilmung des Abschluss­bandes wurde doch sehr viel fortgelassen, was den Film sicherlich noch etwas dramatisiert hätte). Aber das ist ja bei vielen Buchverfilmungen so.

In der nächsten Woche reisen wir in den Pazifik zu einer untergegangenen Kul­tur. Mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

vor sieben Wochen schloss ich an dieser Stelle die Übersicht über meine kreativen Aktivitäten im Jahr 2014 ab, heute widme ich mich dem Frühjahr 2015, soweit es für die „Annalen“ Rele­vanz besitzt.

Der Januar stand stark im Fokus der Überarbeitung meiner Magisterarbeit von 2002, insofern blieb ich OSM-kreativ deutlich zurück. Es gab zwar Ansätze, den Roman „Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“ voranzutreiben, aber wie ihr wisst, ist daraus dann erst Jahre später etwas geworden. Wiewohl ich am E-Book „Zurück zu den Sargkolonnen“ schrieb, kam ich auch hier nicht wirklich vom Fleck. Bezogen auf den Denkhorizont der „Annalen der Ewigkeit“ ist über Januar 2015 also nicht sonder­lich Bewegendes zu erzählen.

Im Februar hieb mich ein neuer Todesfall – der meines alten Kol­legfreundes Peter – nieder und hemmte meine Kreativität nach­haltig. Es entstanden zwar zahlreiche Blogartikel, aber kein E-Book (wiewohl ich u. a. An „Reinkarnation und andere phantastische Geschichten“ und an „Vaniyaa und die Shonta“ arbeitete. Mit nur 15 fertigen Werken fiel das Schreib­fazit dieses Monats noch deutlich mäßiger aus als im Januar.

Man kann also sagen: Das Jahr 2015 fing nicht gut an. Es sollte auch nicht wirklich gut weitergehen.

Der März ließ das allerdings noch nicht erwarten, denn hier ver­doppelte ich den Schreibertrag des Monats Februar glatt. Dar­unter fanden sich gleich drei E-Book-Skripte, nämlich „Zurück zu den Sargkolonnen“, „Vaniyaa und die Shonta“ und „TRANCRAN-4462“.

Ebenfalls in diesem Monat entwickelte ich zwei Texte zum OSM-E-Book-Programm für Conbücher, zum einen „Abenteuer im Oki Stanwer Mythos (OSM)“ für das Garching-Conbuch 2015, zum anderen dann „Der Oki Stanwer Mythos: Ein ambitio­niertes E-Book-Projekt“ für das Conbuch der 1. Perry Rho­dan-Tage Osnabrück.

Das inspirierte mich spürbar auch, an Fragmenten des OSM wei­ter zu arbeiten und Abschriften fertiger Annalen-Werke voranzu­bringen. Zu nennen sind hier die Werke „Ziel – Liquidation“ (bis heute leider ein Fragment) und „Kämpfer gegen den Tod“. Außerdem arbeitete ich an den E-Books „Auf Götterpfa­den“ und „Hinter der Raumzeitwand“. Inzwischen sind die beiden letzten Werke längst veröffentlicht.

Der Monat April überraschte mich selbst mit dem eigentlich ziemlich sinnigen Einfall, doch zu meinem regulären sonntägli­chen Blog einen Rezensions-Blog zu installieren, den ich auf den Mittwoch verlegte. Die ersten derartigen Artikel entstanden jetzt im April 2015, und auf diese Weise bin ich bis heute dabei, alte und neue Rezensionen einer breiten Öffentlichkeit vorzu­stellen. Das schlug sich ab da natürlich auch in einer verstärk­ten Zahl fertiger Werke und auch zahlreichen weiteren Veröf­fentlichungen nieder. Wie sehr mich das in diesem Monat im Bann hielt, sieht man daran, dass ich nicht weniger als 17 (!) Blogartikel für den Rezensions-Blog in diesem Monat schrieb.

Überrascht es, dass dagegen andere Themenfelder deutlich ein­brachen? Vermutlich nicht. Ich kümmerte mich also im April um das stiefmütterlich behandelte E-Book-Glossar (das immer noch stiefmütterlich ist … eine der zahllosen Baustellen des OSM, von denen ich ja so häufig erzählt habe). Ich kam voran mit der Digitalisierung des Romans „Der Zathuray-Konflikt“, mit „Feuerglanz“ und „Ani und das Wolkenmädchen“. Fer­tig wurde davon allerdings nichts.

Und dann kam der Monat Mai … ja … ein schwieriger Monat.

Auf den ersten Blick könnte man sagen: Wie, du hast 32 fertige Werke vorzuweisen, wo ist da dein Problem? Das sieht doch gut aus. Ja, aber der Eindruck täuscht.

Am 5. Mai starb meine Mutter nach langer Krankheit, und wer weiß, wie innig ich mit meiner Mutter verbunden war und immer noch bin, der kann sich bestimmt vorstellen, dass das, bezogen auf meine Kreativität, ein heftiger Schlag ins Kontor war. Und das ist noch sehr zahm ausgedrückt.

Ein wenig von der unfokussierten, heftigen Emotion, die mich heimsuchte, projizierte ich in das schreckliche OSM-Fragment „Himmelfahrtskommando“. Und es ist sicherlich auch kein Zufall, dass ich in diesem Monat nur an einem einzigen OSM-Werk weiterarbeitete, nämlich an „Kämpfer gegen den Tod“, dessen Protagonist nicht umsonst von Seite 1 an tot ist.

Der Tod überschattete diesen Monat wirklich vollständig. Als Ge­gengewicht hielt ich mich dafür sehr häufig im Archipel in diver­sen Fragmenten auf und schrieb reichlich Blogs und Rezensio­nen. Aber sonst war mit mir wirklich nicht sehr viel anzufangen.

Ich fühlte mich nicht nur entwurzelt, ich WAR es. Und das im buchstäblichen Sinne. Das sollte in den Folgemonaten noch sehr viel übler werden. Nicht nur, dass das Jobcenter, auf das ich zu der Zeit angewiesen war, auf die absurde Idee kam, ich hätte „geerbt“ und mir kurzerhand die staatlichen Zuwendun­gen abdrehte (ich war dann auf ein Darlehen meines Bruders angewiesen, bis ich diese Geschichte richtiggestellt hatte). Nun kam auch die Frage auf, was denn mit unserem Elternhaus pas­sieren solle, was mit all den Sachen geschehen werde, die sich darin noch befanden.

Das sollte mich letzten Endes meine gesamte gesammelte Heft­roman- und Buchsammlung kosten, die noch in Gifhorn weilte (gut 3000 Romane, eher noch mehr). Glücklicherweise konnte ich die Option meiner lieben Schwester („Papiercontainer!“) ver­meiden und die Werke stattdessen einem Antiquariat verma­chen. Aber glaubt nicht, dass mir das leicht fiel.

Nichts in diesem Monat und den Folgemonaten fiel mir leicht, und ich behaupte nicht irgendwelches dumme Zeug, wenn ich betone, dass sich so etwas wie Normalität bis heute nicht wirk­lich wieder eingestellt hat.

Ich merke das ganz besonders immer zu Weihnachten – Weih­nachten war bei mir seit Jahrzehnten an unser Elternhaus in der Schmiedestraße 6 in Gifhorn gekoppelt. Nach dem Tod unseres Vaters im Dezember 2013 fühlte sich das schon komisch an, aber nach dem Tod unserer Mutter im Mai 2015 war es dann völlig vorbei, und nach dem Verkauf des Elternhauses anno 2016 hörte dieser Fokus in Gifhorn gänzlich auf zu existieren.

Orientiere dich doch einfach um, pflegen arglose Zeitgenossen vielleicht zu sagen. Menschen, die mich nicht gut genug kennen und nicht wissen, dass ich eine Art von Traditionswesen bin. Je älter ich werde, desto schwerer scheint es mir zu fallen, grund­legende Änderungen im Leben umzusetzen. Ich bin einfach ein standorttreuer Mensch und schätze das Bekannte und Vertrau­te.

Davon konnte nun keine Rede mehr sein.

Und ihr braucht euch nicht zu wundern, dass das natürlich auch Auswirkungen auf die Arbeit an den Annalen-Projekten hatte. Ich werde davon noch berichten.

Soviel für heute, meine Freunde. Macht es gut und bis zur nächsten Woche an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.