Rezensions-Blog 543: Verbotenes Spiel (3/E)

Posted Januar 14th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

leider gibt es Romane, die als klare Verlegenheitslösung schon in dem Moment erkennbar werden, wenn man die Personenrie­ge entdeckt. Das ist hier der Fall. Die Autorin Kitty French, die ich schon in dem zweiten Band dieser scheinbaren Trilogie kriti­sierte, weil sie den Romanstoff nicht gescheit auf drei Romane verteilen konnte, sondern ihr Pulver bereits nach Band 2 ver­schossen hatte, beweist hiermit einmal mehr, dass diese Ein­schätzung auf Fakten beruht.

Hier baut sie eine bisherige Nebenperson eher halbherzig zu ei­ner neuen tragenden Hauptfigur auf … und es funktioniert wirk­lich so gar nicht. Schaut es euch am besten mal an, Freunde, aber seid nicht überrascht, wenn diese Buchvorstellung nahe am Abgrund entlangschrammt und nicht wirklich allzu viel Lese­freude ausstrahlt:

Verbotenes Spiel

(OT: Knight & Day)

Von Kitty French

Lyx (keine Verlagsnummer!), März 2015

320 Seiten, TB

ISBN 978-3-8025-9567-7

Aus dem Englischen von Nele Quegwer

Kara Brookes ist die beste Freundin von Sophie Black, der weib­lichen Protagonistin der ersten beiden Romane der Trilogie von Kitty French, und sie hat bislang nur eine Nebenrolle in der Ge­schichte gespielt. Das ändert sich nun grundlegend, als sie ins Zentrum der Darstellung rückt.

Privat ist ihr Leben als gescheitert anzusehen – auf so desaströ­se Weise gescheitert, dass sie sich massiv ins Geschäftsleben geflüchtet hat. Ihr Vater ist ein notorischer Lügner gewesen, mit dem sie gebrochen hat, und die letzte Niederlage war ihre ver­heerend gescheiterte Hochzeit, wo sie von ihrem Verlobten kur­zerhand vor dem Traualtar allein stehen gelassen wurde. Nein, von Männern, von Lügnern noch dazu, hat Kara wirklich mehr als genug. Männer existieren in ihrem Leben von jetzt an nicht mehr, so ihr fester Vorsatz!

Das ist natürlich schwierig – schließlich hat sie zusammen mit Sophie Black, die seit Jahren mit ihrem Geliebten Lucien Knight zusammen ist und mit ihm eine kleine Tochter hat, geschäftlich interagiert. Gemeinsam haben sie in Luciens „Gateway“-Clubs für Erwachsene (eine nur leicht bemäntelte Bezeichnung für lu­xuriöse Sexclubs) eine Boutiquenreihe geschaffen, in der edle Lingerie und Liebeszubehör verkauft wird. Somit ist Kara auto­matisch mit genau den Dingen konfrontiert, die sie selbst aus ihrem Leben kategorisch ausgeschlossen hat: Männern und Sex.

Als der neueste „Gateway“-Club auf Ibiza eröffnet werden soll, reist Kara Brookes darum hier an, um Sophie bei dem Aufbau des Shops ihrer Kette darin zu helfen. Womit sie eher nicht rech­net, ist der charismatische, faszinierende Geschäftsführer, den Lucien dort als oberste Instanz eingesetzt hat: Dylan Day.

Der Amerikaner, der nie viel über seine Vergangenheit spricht, ist von der stolzen, hoch gewachsenen Britin in Cowboystiefeln sofort wie magnetisiert. Zwar ist auch er auf dem Pfad unter­wegs, auf dem er mit dem anderen Geschlecht möglichst nichts mehr zu tun haben will, ja, er will sein gesamtes Leben neu or­ganisieren und alles Vorherige hinter sich lassen … aber er kann Kara einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen, und ihr geht es sehr schnell ebenso.

Sie treffen ein bizarres Agreement, von dem der Leser sofort ahnt, dass das langfristig nicht funktionieren wird: Kara betont, ihr Leben finde familiär hauptsächlich in London statt, und sie sei nur ein paar Monate auf Ibiza. Dann sei sie eben wieder weg. Was auf Ibiza geschieht, bleibe auf Ibiza, und Sex müsse ja nicht unbedingt mehr sein als netter Zeitvertreib. Dylan sieht das recht ähnlich, und so landen die beiden auf Dylans gemiete­tem Hippie-Boot recht schnell in der Kiste und verstricken sich äußerst rasch in eine unglaublich heiße sinnliche Affäre.

Aber sie belügen sich beide konsequent. Denn ihre Herzen ha­ben längst Feuer gefangen. Grundsätzlich müsste das nicht zur Katastrophe führen, aber genau dazu kommt es aus verschiede­nen Gründen: Kara möchte nie wieder etwas mit Lügen zu tun haben und baut zunehmend ein idealistisches, romantisches Bild von Dylan Day auf. Dylan wiederum, der nicht einmal Dylan Day heißt, sondern ganz anders, merkt jede Minute am Tag, dass er Kara, weil er unfähig ist, die Wahrheit zu sagen, mehr und mehr seelisch verwundet und leidet darunter selbst wie ein Tier. Ganz zu schweigen davon, dass er sich selbst über seine tiefen Gefühle ihr gegenüber krass belügt.

Und dann kommt der Tag, als Dylan von seiner Vergangenheit eingeholt wird, und der phantastische Traum zerbirst ebenso wie sein neues Leben und lässt nichts als Tränen und Scherben zurück …

Ich sagte es schon in der Rezension zum zweiten Band der Trilo­gie: Die Autorin hat es nicht verstanden, den Handlungsbogen der Trilogie vom ersten bis zum letzten Band konsequent zu füh­ren, sondern beendete ihn vorzeitig schon nach dem zweiten Band. Folgerichtig ist dieser hier als Ergänzung zwar nett ge­schrieben, inhaltlich aber klar improvisiert. Ja, man bekommt eine Menge über Kara Brookes und ihren Geliebten Dylan Day zu lesen (wie er wirklich heißt und warum er aus seiner Vergan­genheit solch ein Geheimnis macht, sollte man nachlesen – sehr große Überraschungen sind da aber dennoch nicht zu erwarten, die Erwartungen sollten also nicht zu hoch geschraubt werden). Aber dass das improvisiert ist, merkt man schon daran, dass über Kara in den ersten beiden Romanen nicht mal deren Nach­name thematisiert wurde, von der Familie ganz zu schweigen.

Meine Schlussfolgerung hieraus: Kitty French hatte nicht vor, Kara zu mehr als einer schlichten Nebenfigur zu machen. Sie musste aber mit einer neuen Hauptperson improvisieren, als ihr der Stoff für Band 3 fehlte. Statt die drei Bände also zu einer harmonischen Einheit zu verbinden, steht dieser Roman etwas abseits. Ja, natürlich trifft man Lucien wieder und Sophie und lernt ihre kleine Tochter kennen. Und ja, selbstverständlich gibt es auch dort das eine oder andere erotische Intermezzo. Aber das ist mehr Geplänkel. Man erwartet eigentlich mehr. Dabei müsste schon das extrem eingeschränkte Personensetting zei­gen, dass wir es hier mit einer ausgesprochenen Schmalspur­veranstaltung zu tun haben. Weder Sophies noch Karas Eltern spielen etwa jemals irgendeine Rolle (und Namen bekommen sie schon gar nicht!). Dass in Sophies Bekanntenkreis außer Kara noch irgendeine Person existiert, wird nirgendwo gesagt, und das für sich ist schon eher soziopathisch.

Gewiss, es vereinfacht natürlich schriftstellerisch die Situation, wenn man nur mit wenigen Personen zu tun hat. Aber das hat dann, genau genommen, mit menschlicher Gesellschaft und realistischer Darstellung nichts mehr zu tun. Ein wenig mehr Personal hätte der Geschichte zweifellos nicht geschadet, das gilt für alle drei Romane. Und etwas weniger schematische In­strumentalisierung natürlich auch nicht.

Denn was die Handlung angeht, so gibt es dummerweise auch zwischen Kara und Dylan im Wesentlichen erotische Intermezzi ohne mehr Tiefgang. So etwas wie ernsthafte Spannung kommt allein auf, als sein Bruder Justin unerwartet auf der Bühne er­scheint und schließlich diese zweite Frau, zu der ich nichts wei­ter verraten möchte. Sonstige dramatische Handlungsbögen gibt es nicht, und am Ende geht es sehr voraussagbar aus.

Quintessenz: Für Leute, die gern noch mehr über Sophie Black und Lucien Knight lesen möchten, sind das ein paar hundert Seiten neues Lesefutter, aber da hört dann die Empfehlung lei­der schon auf. Jeder, der mehr als ein wenig Sex und kriselnde Romantik, die in ein Happy End mündet, haben möchte, wird hier konsequent enttäuscht. Schade. Davon hatte ich mir defini­tiv mehr erwartet …

© 2019 by Uwe Lammers

Tja, das war nun wahrlich kein Ruhmesblatt, muss man sagen. Und ich vermute, es überrascht keinen von euch, dass ich Kitty French von der Liste favorisierter Autoren gestrichen habe, nachdem ich dieses Buch fertig rezensiert hatte.

Die Buchwelt da draußen ist wirklich voll von interessanten und guten alten wie frischen Autoren. Und natürlich auch voll von echt faszinierenden Büchern, die sehr viel mehr Lesefreude wecken als das obige. Ein solches Buch stelle ich euch in der kommenden Woche vor.

Bleibt gespannt, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

und wieder einmal begeben wir uns auf die launige Suche nach Passagen, in denen mich während des Schreibens am Oki Stan­wer Mythos Wortgeschick, Handlungslogik und Ähnliches hän­gen ließen und ich schlicht und ergreifend Stuss schrieb. Im Jah­re 2013, als ich die nämlichen Episoden des KONFLIKTS 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ digitalisierte und kommentierte, schuf das an vielen Stellen gefrustete Kom­mentarformulierungen, die ich jetzt nach und nach wieder aus­grabe und euch präsentiere.

Starten wir einfach mal mit Band 34 der Serie, der den verhei­ßungsvollen Titel „LORDS OF TOTAM“ trägt. Ein Helfer des Lichts ist ziemlich schockiert, als er diesen Nachtclub in Soho entdeckt, und mit Recht nimmt er an, dass das ein Fall für das Stanwer-Team ist, das gerade gegründet wurde.

Worum sich das Team nicht kümmert, sind die Stilblüten, die in diesem Band munter wuchern. Da wäre beispielsweise Fußnote 4086. Es geht dabei kursorisch darum, dass in Soho immer wie­der Menschen verschwinden. Ich kommentierte ein wenig ver­stimmt: „Gerade WENN viele Menschen in Soho verschwinden und Opfer des Verbrechens werden, müsste die Kontrolle durch Scotland Yard extrem verschärft worden sein und die Ereignis­se, die in der Folge eintreten, dürften mit Sicherheit nicht völlig unbemerkt bleiben. Überhaupt fällt mir sowieso auf, dass die ‚Bevölkerung‘ der Straßen im angeblich so belebten Soho nicht vorhanden ist. Ich konnte mit Menschenmengen nichts anfan­gen, und selbst wenn ich sie in den Sätzen ausdrücklich postu­lierte, tauchten sie nicht auf … hm … Unsichtbare in Soho…?“

Dann bekommt ein Ladenbesitzer in Soho auf derselben Seite noch ungebetenen Besuch. Im Haupttext schreibe ich: „Aber die Käufer, die eben bei ihm gewesen waren, hätte er sich nie ge­wünscht …“

Was zur Fußnote 4088 führt, in der ich präzisiere: „Problem: sie HABEN nichts gekauft. Falsche Formulierung. Sie haben ihn ER­PRESST, das ist irgendwie was anderes …“

Zwei Seiten weiter besucht dann der erwähnte Helfer des Lichts namens Themistokles Thuronis Soho und findet den Club „LORDS OF TOTAM“. Im Text selbst heißt es: „Schweiß bildete sich auf seiner Stirn, denn er war allein.“

Mein Kommentar an dieser Stelle, der in gewisser Weise den obigen Gedanken fortführt und noch verstärkt: „Nicht nur das. Er ist sogar im dicht bevölkerten, besucherreichen Stadtteil Soho offensichtlich AUCH völlig allein! Hat den jemand evaku­iert? Them trifft ja auf überhaupt NIEMANDEN! Das ist absurd und kann so natürlich nicht bleiben.“

Springen wir noch einmal zwei Seiten weiter. Hier geht es um die Eröffnung des Clubs „LORDS OF TOTAM“, Protagonisten sind der Gangsterfürst Lino Getano und zwei knorrige Bodyguards. Im Haupttext lesen wir: „Allein, nur begleitet von zwei Leib­wächtern, stand der grauhaarige Sizilianer nun vor dem Club, der ehemals BLUE HELL und nun LORDS OF TOTAM hieß.“

Wohlgemerkt: Eröffnungsabend!

Meine launige Kommentierung in Fußnote 4113 war ja wohl un­vermeidlich: „Na, für eine Eröffnung ist aber auch wirklich viel los, nämlich gar nichts. Keine Mädel, die Gäste begrüßen? Keine livrierten Bediensteten? Keine Presse? Keine Berühmtheiten? Keine Schaulustigen? Total irreal und unrealistisch.“

Schließlich entschließt sich Themistokles Thuronis zu einem Al­leingang und schleicht sich in den Club ein. Dabei registriert er zu seiner Verwirrung ein rotes Mal an seinem Arm. Er konstatiert – für mich allerdings viel zu kurzsichtig – Folgendes: „Es musste sich um eine Art Allergie gegen Magie handeln, vermutete er.“

Das liest sich nicht nur einigermaßen absurd, das ist es auch. Thuronis trug – soviel darf ich spoilern – Verletzungen in einem früheren Fall davon, die ihn fast das Leben kosteten. Nach der Genesung hatte er mit Oki Stanwer ein Abenteuer in Grönland zu bestehen, wo sie ebenfalls massiv mit Magie konfrontiert wurden. Und nun schaut euch mal meinen auf diesen Erkennt­nissen und dem obigen Zitat fußenden Kommentar an:

Na ja, allergisch gegen Magie? Und warum hat er dann, bitte schön, als er mit Oki in Grönland war und im Dunstkreis der SIE­BEN SIEGEL VON TOTAM agierte, davon nix gemerkt? Das ist doch offensichtlich dummes Zeug, auch wenn der Effekt an sich beeindruckend herüberkommt. Aber eine auch nur halbwegs plausible Begründung fehlt leider ganz und gar.“

Man merkt: Ad hoc-Erfindungen wie diese gehen gar zu leicht nach hinten los, wenn sie nicht wirklich gescheit in das Ge­schichten-Kontinuum eingebettet wurden.

Aber es wird noch kurioser und zeigt, wie ahnungslos ich 1986 wirklich war. Thuronis dringt durch eine Feuertür ein, und so geht es dann weiter: „Sie war, wie erwartet, verschlossen. Aber der Laser brannte das Vorhängeschloss auseinander und ließ die Tür knarrend aufschwingen.“

Stöhnt da noch jemand gleich mir? Gut. Wenigstens hatte ich anno 2013 bei der Kommentierung gemerkt, was daran fundamental falsch war: „Ich hatte ja wirklich überhaupt keine Ahnung! Man kann doch wohl nicht eine FEUERTÜR, die in Brandfällen von innen zu öffnen sein muss, von AUSSEN mit einem Vorhängeschloss verschlie­ßen! Sind die Leute alle Selbstmörder? Die erste amtliche Kon­trollabnahme schließt den Laden bei Entdeckung dieses Schlos­ses sofort.“

Auf der nächsten Seite wird es dann wirklich ernst. Ich zitiere aus dem Haupttext: „Thuronis spürte auch einen leichten Druck auf seinen Geist, und der Verstand schrie Alarm: DÄMONISCHE BEEINFLUSSUNG!“

Da fühlte ich mich an etwas erinnert und ließ es in die Fußnote 4167 einfließen, die diese Stelle kommentierte: „Äh, klar … Ver­stand an Geist, Verstand an Geist: Dämonen beeinflussen mich. Melde weiter an Magen und Füße und Haarwurzeln, damit alles abwehrbereit ist … also, bitte, sind wir hier bei Otto Waalkes, oder wo? Das habe ich ja wohl jetzt nicht wirklich ernsthaft ge­meint, oder? Tja, sieht wohl doch so aus. Au Backe …!“

Damit verlassen wir mal diese Episode und wenden uns Band 37 zu, die diesbezüglich etwas pflegeleichter war. Wir befinden uns mitten in einer Trilogie, in der ich unbedingt den Großen Brand von London anno 1666 nachvollziehen wollte, diesmal im November 2034, und unter massiver Einflussnahme der Dämo­nen von TOTAM.

Während das geschieht, kommt es zu einer Konfrontation zweier Dämonen. Der eine, Zomar, ist in diesem Universum zu einem Helfer des Lichts geworden und arbeitet für das Stanwer-Team und gegen TOTAM. Aber als er versucht, ein erbeutetes Dämo­nenzepter zu sichern, erliegt er seinem Zauber auf ähnlich fata­le Weise wie Frodo im „Herrn der Ringe“ vom Einen Ring ver­sucht wird.

Dagegen ist grundsätzlich gar nichts zu sagen, weil das eine in der Tat veritable Gefahrenquelle darstellt, für alle Lebensformen im OSM. Dummerweise vergriff ich mich hier auf so abstruse Weise in der Formulierung, dass ich beim Kommentieren fast Tränen lachte. Ich zitiere mal den Grund meines Amüsements und dann, was ich dazu kommentierte:

Der Dämon war über alle Maßen fasziniert. Und dann griff er zu. Es war, als wäre er ein materielles Wesen. Das Zepter schmiegte sich in seine imaginäre Faust und glühte darin wei­ter. Seine Gestalt erstrahlte ebenfalls in Blau.

Und er fühlte die Macht, die ihn durchrieselte.

Nun wimmert‘, knurrte der Dämon hart. ‚Ich, Zomar, der Ver­nichter, werde euch hinwegfegen …!‘“

Die Fußnotenziffer 4481 steht am Wort „hart“, das ist wichtig zu wissen. Ich notierte in diese Fußnote:

Owei, Zomar, der ‚Harte‘. Da ist man als Leser am Lachen und fragt sich, ob das Zepter wohl ein adäquater Ersatz für dämoni­sches Viagra ist … ich fand diese Beschreibung damals aber wohl klasse. Heute sollte ich mir hier formulierungsmäßig sehr viel mehr Gedanken machen.“

Ich denke, für heute mag das genügen an kuriosen Stellen aus semantisch missglückten OSM-Episoden. Mehr zu all den Kon­texten aus diesen Bänden, die ich euch hier und heute noch schuldig bleiben musste, erfahrt ihr in der nahen Zukunft, wenn die Artikelserie „Close Up“ sich mit dem KONFLIKT 17 beschäf­tigt. Das ist erstaunlicherweise näher, als ihr denkt.

In der nächsten Woche erzähle ich euch Näheres über mein fünftes unveröffentlichtes Romanskript, meinen letzten Gehver­such im Bereich der Horror-Heftromane (der natürlich auch ab­gelehnt wurde).

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 542: Weihnachten mit Sherlock Holmes

Posted Januar 7th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist immer wieder entzückend für mich, wenn ich durch Zufall – oder weil liebe Freunde, die von meiner Leidenschaft für den fiktiven beratenden Detektiv aus der Baker Street 221B wissen, mich mit Lesestoff in der Richtung beschenken – jenseits des Kanons bekannter Geschichten und Romane aus Sir Arthur Co­nan Doyles Feder auf mehr oder minder frische Sherlock Hol­mes-Werke stoße. Bekanntlich hat Doyle ja zahlreiche Andeu­tungen zu möglichen untersuchten Fällen des Detektivs hinter­lassen, außerdem geistert immer wieder eine Kiste mit Dr. Wat­sons unveröffentlichten Notizen durch die Literaturgeschichte … gerade das finde ich reizvoll als ein Historiker und tätiger Phan­tast, weil ich ja seit ein paar Jahren versuche, ein Autoren-Nach­lassarchiv ins Leben zu rufen. Dies könnte man darum Dr. John Watsons persönliche schriftstellerischen Nachlass nennen, auch wenn er, wie der gute Doktor und sein bester Freund Sherlock Holmes, naturgemäß fiktiv sind.

Dessen ungeachtet kommen immer wieder Storysammlungen ans Tageslicht, die meinem suchenden Auge entgehen. Dies hier war eine solche, die ich dann aber mit Genuss und gewis­sermaßen „antizyklisch“ (weil gerade nicht in der Weihnachts­zeit goutiert) recht schnell weggeschmökert habe. In gewisser Weise habe ich übrigens mit dem heutigen Veröffentlichungster­min (7. Januar 2026) dem Sujet Rechnung getragen. Ihr seid derzeit wohl noch in wohliger Nach-Weihnachtsstimmung …

Es empfiehlt sich übrigens sehr, das Lesevergnügen zu strecken und maximal zwei Geschichten pro Tag zu schmökern. Ich für meinen Teil denke wenigstens, dass sie dann besser wirken.

Aber ihr seid natürlich Herren und Damen über euer eigenes Le­setempo, vielleicht steht ihr ja mehr auf „Binge-Reading“? Schaut auf alle Fälle mal weiter, wenn ihr Holmes-affin seid:

Weihnachten mit Sherlock Holmes

Von Aleksia Sidney (Hg.)

Oktopus Verlag, Zürich

288 Seiten, TB, 2023

ISBN 978-3-311-30058-8

Wenn man Mr. Sherlock Holmes, seines Zeichens einziger bera­tender Detektiv der Welt am Ende des 19. Jahrhunderts, eins gewiss nicht nachsagen kann, dann dies: dass er sentimental ist und in der Weihnachtszeit Sehnsucht nach Weihnachtsliedern, Gottesdiensten, Geschenken und Weihnachtsbraten entwickelt. Folglich war ich einigermaßen verdutzt, als mir eine gute Freun­din dieses Buch schenkte, schien es sich doch um eine materia­lisierte Paradoxie zu handeln: Sherlock Holmes meets Weih­nachten.

Eine originelle Paradoxie, muss ich nach Abschluss der sehr kurzweiligen Lektüre zugeben. Der Band enthält neun Fallge­schichten des Meisterdetektivs, von der ich nur die letzte kann­te – die vergnügliche Geschichte um den blauen Karfunkel von Arthur Conan Doyle selbst. Ich lasse sie hier aus, da ich zuver­sichtlich annehme, dass jeder, der den Geschichtenkanon Doy­les kennt, hinreichend über ihren Inhalt orientiert sein dürfte. Für den Rest der Geschichten gilt das vermutlich nicht, darum seien sie hier kurz skizziert, um den Lesehunger zu stimulieren:

Anthony Horowitz verfolgt in „Sherlock Holmes und die tödli­chen Weihnachtskarten“ die Fährte eines Weihnachtskartenma­lers, der ausgesprochen schaurige Motive verewigt. Inwiefern dies dann zu einem Verbrechen führt, sei an dieser Stelle besser nicht vorweggenommen.

Anne Perrys Geschichte mit dem schlichten Titel „Das Weih­nachtsgeschenk“ beginnt mit einem gemeinschaftlichen Besuch des Detektivs mit seinem Adlatus bei einem Violinkonzert des Violinisten Vassily Gorkov … doch wird das Konzert jäh vor Be­ginn abgesagt, und kurze Zeit später treffen die beiden Freunde den Violinisten als verzweifelten Klienten bei sich in der Baker Street. Seine Stradivari ist gestohlen worden, und er weiß sogar, wie es geschah … aber das hilft ihm nichts, denn gemäß einem Erpresserbrief soll er ein Verbrechen begehen, um sie wieder zu bekommen …

Gillian Linscotts Geschichte „Ein Skandal im Winter“ lässt schon beim Titel eine gewisse Ahnung bei versierten Holmsianern auf­kommen … und doch ist man dann verdutzt, sich in der Schweiz wieder zu finden und alles Geschehen durch die Augen eines jungen Mädchens zu beobachten. Es geht um einen Todesfall in dem Hotel, in dem es sich mit seiner Familie aufhält, und um den Ruf einer Frau … einer für Kenner durchaus vertrauten Frau.

Edward D. Hoch beschert Holmes den „Weihnachtsklienten“, ebenfalls einen recht prominenten dazu. Sein Name? Charles Lutwidge Dodson, Künstlername Lewis Carroll. Und er wird er­presst von einem Professor … als sein Name fällt, ist es Ehren­sache, dass Holmes die Sache persönlich nimmt. Immerhin geht es gegen seinen Intimfeind Professor James Moriarty …

Laurie R. Kings Geschichte „Marys Weihnachten“ ist in meinen Augen die sonderbarste der Storysammlung. Das liegt vermut­lich daran, dass ich mit dem Geschichtenkosmos von Laurie King nicht vertraut bin und dementsprechend mit Mary Russell nichts anzufangen wusste, um deren seltsame Familienge­schichte sich alles dreht. Dr. Watson suchen wir vergebens, und Holmes ist allein ein betagter Zuhörer in dieser Story. Gleich­wohl ist auch sie nicht ohne Reiz.

Reginald Hill macht uns vertraut mit dem Grafen Montesecco, dem „italienischen Sherlock Holmes“, der den Detektiv und sei­nen Adlatus nach Italien einlädt. Er hat nach eigenem Bekunden den Mord an seinem Onkel mit Hilfe von Holmes´ deduktiver Methode aufgeklärt, und auch die Guillotine steht schon vor dem Palazzo bereit, um den Mörder hinzurichten. Aber Holmes ist ein scharfer Beobachter, und ihm fallen gewisse Ungereimt­heiten in der Schlussfolgerung des Grafen auf …

Peter Loveseys Geschichte „Die vier Weisen aus dem Morgen­land“ (!) ist wirklich sehr vergnüglich, fand ich, und sie las sich heute im Handumdrehen flüssig weg. Watson wird über die Weihnachtstage von einem alten Regimentskommandeur einge­laden (man sollte vielleicht eher sagen: herbefohlen), um bei ei­ner Gottesdienstprozession in führender Rolle teilzunehmen. Und es ist in der Tat eine sehr bewegende Prozession … zumin­dest bis Holmes aus der Rolle fällt und sich ein Diebstahl ereig­net …

Anne Perry führt uns in „Die Mitternachtsglocke“ ein wenig zu direkt zum eigentlichen Ziel, wie ich fand. Die junge, schöne Mil­licent Bayliss sucht Holmes auf, weil sie in Sorge um ihren Vater ist, auch einen altgedienten Soldaten höheren Semesters. Laut ihren Worten hat sich ihre Schwester Alyson in den falschen, verschwenderischen Kerl verguckt und plant nun einen kaltblüti­gen Mord an ihrem Vater, um an das Erbe zu gelangen. Und tat­sächlich gelingt dieser Anschlag beinahe … doch die eigentliche Krönung folgt erst danach.

Ich muss sagen, so eingeschränkt auch das Sujet zwangsläufig bei dieser Storysammlung ist, kann man doch festhalten, dass das goldige Spiel mit der raffinierten Deduktion in allen diesen Werken – Laurie Kings Geschichte ausgenommen, weil Holmes da ja nur eine Statistenrolle spielt – hervorragend funktioniert und den Leser automatisch zum Mitknobeln animiert. Das ist nicht zuletzt ein großer Reiz dieser Art von Epigonengeschich­ten.

Es seien zwei kleine Eintrübungen aber an dieser Stelle nicht verschwiegen. Zum einen kommt es gelegentlich zu der närri­schen Stilblüte „leises Lächeln“, der Übersetzern aus unerklärli­chen Gründen immer wieder unterläuft („leises Lächeln“ macht nur Sinn, wenn es auch das Gegenteil gibt; da das nicht der Fall ist, kann mal zwar von „feinem Lächeln“, „verschmitztem Lä­cheln“ usw. sprechen, aber „leises Lächeln“ ist einfach Blöd­sinn). Da mir so etwas immer wieder begegnet, etwa wie auch die notorischen Falschverwendung des Wortes „Quanten­sprung“, das die Benutzenden offenbar geradezu hypnotisiert und das klare Denken ausschaltet, sei das hier nur so kursorisch angemerkt. Die meisten Leser werden das vermutlich gar nicht registrieren.

Ärgerlicher fand ich etwas anderes: Seit einer ganzen Reihe von Jahren bürgert es sich bei immer mehr Verlagen ein (inzwischen sind auch Heyne und Blanvalet damit infiziert, wie ich das mal nennen möchte), dass sie keine Reihenziffern mehr auf die Buchrücken aufdrucken. Zweifellos geht das auf Kostenerspar­nis zurück, weil so wohl ein Arbeitsschritt in der Produktion ein­gespart wird … aber zugleich macht es dies für jemanden, der Bücher gern in der Reihenfolge des Erscheinens in seine Bü­cherregale einsortieren möchte, zunehmend schwierig, sie ge­scheit zu ordnen. Außerdem finde ich – persönlicher Standpunkt – , dass so etwas zu einer gewissen Nachlässigkeit und Beliebig­keit im Buchprogramm animiert.

Nennt es einen puristischen Standpunkt oder nennt es altmo­disch … ich finde, das ist für den Buchhandel klar ein Schritt in die falsche Richtung. Offenbar ist es für die Verlage heutzutage wichtiger, modischen Schnickschnack wie Farbschnitt zu de­monstrieren (den man, wenn man die Bücher ins Regal stellt, doch nicht sieht, was überdeutlich klar macht, wie überflüssig solche Verschönerungen sind; im Gegensatz zu Reihenziffern übrigens), als sich an jahrzehntelange Praxis zu halten, die sich bewährt hat.

Aber ansonsten halte ich dieses Buch für eine nette kleine An­thologie, die ich Holmes-Fans gern empfehlen kann. Eine Einlei­tung oder ein paar Informationen zu Herausgeber und Autoren hätten freilich nicht geschadet, aber das kann man bei dieser Anthologie, die mit der heißen Nadel zusammengestrickt wurde (woraus ich das schließe? Man schaue sich mal den Nachweis an, woher die Geschichten stammen; es wurde mir nicht um­sonst in der Vorweihnachtszeit geschenkt), wohl nicht erwarten …

© 2025 by Uwe Lammers

In der nächsten Woche schließe ich die Rezensionsreihe der Tri­logie von Kitty Frenchs Büchern ab. Da wird es dann also wieder recht intensiv menscheln, und eine sehr komplexe Geschichte braucht man dort nicht zu gewärtigen. Vielleicht ist das eine passende Abwechslung zu der obigen Storysammlung, wo man ja doch im Gegenteil zu recht intensiver Gedanken-Mitarbeit animiert wurde.

Alles in allem sei noch mal an dieser Stelle daran erinnert, dass wir uns ja hier in einer literarisch-rezensierenden Achterbahn­fahrt befinden. Ob Phantastik, Sachbuch, Historie oder Erotik und Krimiliteratur … da ist quasi für jeden was dabei, und eben­so, wie ich wirklich ultraspannende Werke vorstelle, kommt es vor, dass ich auch mal schwächere Bücher bespreche.

Ich hoffe gleichwohl, dass euch die Auswahl auch weiterhin zu­sagt. Aktuell ist die Planung bei Blogartikel 553 angelangt, und es kann als sicher gelten, dass das noch sehr lange Zeit nicht das Ende der Fahnenstange ist.

Bis nächste Woche, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 648: Das Autoren-Nachlassarchiv-Projekt, Teil 17

Posted Januar 3rd, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ja, es ist eine ganze Weile her, dass ich diese Rubrik wieder be­spielen konnte, das tut mir insbesondere deshalb leid, weil die Weltgeschichte nun einmal nicht stillsteht. Besonders deutlich und schmerzlich habe ich das gestern gemerkt (vielleicht sollte ich dazu sagen, dass ich diesen Beitrag am 4. Oktober 2025 schreibe, damit ihr das zeitlich genau einordnen könnt).

Was passierte da? Ich bekam eine Mail, in der von dem Ableben eines Braunschweiger Autors berichtet wurde, der Ende Sep­tember einem Krebsleiden erlegen ist. Er war nach meiner Kenntnis erst 63 Jahre alt. Ich kannte ihn persönlich von zahlrei­chen Veranstaltungen und hatte auch mit ihm schon einmal über das Autoren-Nachlassarchiv-Projekt gesprochen. Notwen­dig, würde ich sagen, denn ich stufte ihn thematisch als Autor eben als ein Mitglied des Personenkreises ein, für den diese In­stitution geschaffen werden soll.

Gut, es ist natürlich zu konstatieren, dass er dem Projekt distan­ziert gegenüberstand. Seine Ansicht war, sinngemäß zusam­mengefasst, diese: „Was ich schreibe, das veröffentliche ich. Was ich nicht mehr veröffentlichen kann, das kann dann weg.“

Ihr wisst, dass das meine Ansicht nicht ist (zu einem interessan­ten ergänzenden Gedanken, von dem ich kürzlich las, erzähle ich im nächsten Beitrag zu dieser Artikelreihe Näheres, das wür­de heute zu weit vom eigentlichen Gedanken der aktuellen Aus­führungen wegführen). Aber es war eben seine Meinung, und ich akzeptierte sie. Jeder Autor hat selbstverständlich das Recht, seine Nachlassfrage so zu regeln, wie es ihm selbst am sinn­vollsten erscheint. Eine Art posthume „Enteignung“ schwebt mir da auch in diesem Fall gewiss nicht vor. Dessen ungeachtet empfinde ich es als Kulturgutverlust, dass seine noch unvollen­deten Werke nun vermutlich für immer verloren sein könnten.

Wie ich schon eingangs sagte: Die Weltgeschichte bleibt nicht stehen, auch wenn ich ein paar Monate an dieser Kolumnenrei­he nicht weiterschreibe. Todesfälle wie der Obige fragen danach nicht, sie passieren eben einfach. Und ich finde es im – wenn der Beitrag erscheint – Alter von 59 Lenzen zunehmend als be­unruhigend, wenn ich merke, wie sinnbildlich „die Einschläge näher kommen“.

Die Dringlichkeit der Realisierung des Projekts bleibt konstant auf der Agenda.

Ich erwähnte beim letzten Mal, das für euch lesend 19 Wochen zurückliegt, dass ich einen interessanten Gedanken mit euch teilen wollte, der mir im August von einer befreundeten Autorin angetragen wurde. Wir diskutieren immer wieder mal über das Projektthema, und dieses mal meinte sie in dem Brief, den ich am 15. August 2025 erhielt, unter anderem Folgendes:

Ich habe mir Gedanken über unser Nachlassprojekt gemacht, und mir ist ein Problem aufgefallen: Wir gehen ja davon aus, dass das Archiv in der Form genutzt wird, dass interessierte Au­torInnen kommen, sich den ‚Bestand‘ durchsehen und dann quasi das Exposé/die Idee, die sie sich ausgesucht haben, kau­fen = gegen Gebühr nutzen (dürfen).

Nun das Problem: Wir haben keine Möglichkeit zu kontrollieren, dass sich die Leute auch daran halten und nicht hingehen, die Ideen ‚mitnehmen‘ (= im Kopf), uns gegenüber behaupten, nichts Passendes gefunden zu haben, und dann die ‚geklauten‘ Ideen unter selbstverständlichen eigenen Titeln zu vermark­ten.“

Ich denke, ihr seht, dass dieser Gedanke durchaus nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Diese Möglichkeit ist definitiv realis­tisch. Sie ging noch etwas weiter in die Einzelheiten und zeigte damit, dass sie sich darüber intensive Gedanken gemacht hat­te:

Und um jede Neuerscheinung (jeden Monat Tausende) danach zu überprüfen, ob sie eine von unseren Ideen enthält, ist nicht nur vom Machbaren her unmöglich, die ‚Diebe‘ könnten sich im­mer darauf herausreden, ihre Idee nicht von uns zu haben. Das Gegenteil kann man ihnen nicht beweisen, wenn sie behaupten, gar nicht alle vorhandenen Exposés gelesen zu haben und dass gerade ‚ihre‘ Idee dann nur rein zufällig einer von den unseren ‚ähnelt‘.

Das Problem ist natürlich auch allen ‚Nachlassenden‘ bewusst. Das heißt, dass sie ihren literarischen Ideen-Nachlass uns des­halb gar nicht anvertrauen, wenn sie nicht wollen, dass ihre Ide­en ‚post mortem‘ geklaut werden (können). Darüber sollten wir mal nachdenken und überlegen, ob es eine Strategie gibt, den ‚Diebstahl‘ zu verhindern.“

Ich habe das bislang noch nicht bilateral beantwortet, weil ich mir dachte, dass es ein zu grundsätzlicher Gedanke ist, um ihn hier nicht zu diskutieren. Also nehme ich mal stellvertretend hier die Antwort vor, wie ich sie mir zurzeit denke.

Nehmen wir zunächst ein wenig Druck aus dem Kessel.

Erstens einmal sehe ich die Notwendigkeit, dieses Thema zu überdenken, durchaus ein. Das habe ich ja oben schon ange­deutet. Aber ich bin der Ansicht, dass das Problem aus mehre­ren Gründen viel zu sehr hyperkritisch gesehen wird, als es die Sachlage wirklich erfordert. Ich komme dazu gleich.

Zweitens müssen wir uns klarmachen, dass zurzeit noch nicht einmal die Institution, über die wir reden, existiert. Mithin reden wir über ein Folgeproblem der Institutionseinrichtung, das jetzt noch gar nicht auf der Agenda steht. Das Archiv hat noch kei­nen Namen, augenscheinlich auch noch keine Satzung – in der dann derlei Dinge natürlich zu regeln wären – , mithin ist es ein­fach noch nicht an der Zeit, solche Grundsatzfragen zu klären. Das wäre etwa so, als versuchte man, sich über die Frage der Dachschindeln eines Gebäudes zu einigen, ehe man auch nur den Grundstein gelegt hat. Jeder Architekt würde diese Frage erst mal vertagen, denke ich.

Das bedeutet deswegen nicht, dass wir uns jetzt nicht schon ein paar Gedanken machen könnten, und das soll in der Folge pas­sieren.

Das von meiner befreundeten Kollegin aufgeworfene Thema wird m. E. zu stark und zu einseitig problematisiert. Das ist nicht wirklich zielführend, weil es insbesondere dazu führt, Nutzern des künftigen Archivs summarisch Diebstahlgedanken zu unter­stellen … von solch einer Einstellung bin ich weit entfernt. Das sollten wir uns nicht zu eigen machen.

Natürlich ist es möglich, dass NutzerInnen in Zukunft sich von unseren gelagerten Nachlassmaterialien inspirieren lassen und diese dann für eigene Werke ausnutzen, ohne uns explizit davon Kenntnis zu geben. Das halte ich aber für einen worst case, der in der Realität wohl eher selten eintritt. Es gibt übri­gens ansonsten einen ganz simplen Weg, eine gewisse Grundsi­cherheit herzustellen.

Ich kenne das aus meiner historischen Forschung: Wenn ein His­toriker oder Sachbuchautor in Bibliotheken oder Archiven For­schungen betreibt, trägt man sich dort in der Regel in Benutzer­verzeichnisse ein und ist demzufolge namhaft. Außerdem ak­zeptiert man damit die Benutzungsordnung. Gerade in Archiven ist da üblicherweise vorgeschrieben, dass von Publikationen, die mittels Nutzung der Archivmaterialien entstehen, Pflichtexem­plare bei der Archivinstitution abzugeben sind. So war das auch, als ich meine Magisterarbeit schrieb. Das ist gute wissenschaft­liche Praxis auf Treu und Glauben. Ich denke, so ähnlich sollten wir einen Passus in unsere Archivnutzungsbedingungen ein­schreiben. Auf diese Weise können wir in den meisten Fällen si­cher sein, dass wir Exemplare von Werken erhalten, die auf Fragmenten oder Ideen fußen, die die jeweiligen VerfasserInnen in unserem Archiv eingesehen haben.

Kann das Missbrauch verhindern? Nein, offensichtlich nicht. Missbrauch, darüber sollten wir uns stets klar sein, kann immer und überall vorkommen. Auch Besucher in der Gastronomie können das Essen verzehren und sich dann davonmachen, ehe sie zu bezahlen haben. Führt das automatisch dazu, dass jeder Gastronom jeden Kunden unter Generalverdacht stellt? Nein. Und von solch einem in den obigen Zitaten erkennbaren Gene­ralverdacht sollten wir uns auch nicht leiten lassen.

Ich stimme meiner Kollegin absolut darin zu, dass es unmöglich wäre, den Buchmarkt nach entsprechenden Publikationen zu scannen und zudem juristisch sicherlich äußerst schwierig, eventuellen „säumigen“ Kunden nachzuweisen, dass sie aus un­seren Unterlagen egoistischen Profit gezogen haben und uns gewissermaßen „ausbooten“ wollen. Aber noch einmal, deshalb einen Generalverdacht auszusprechen bzw. zu unterstellen, ist ein kontraproduktiver Gedanken, den ich nicht als zielführend ansehe.

Mit der obigen von mir skizzierten Regelung würden wir dage­gen mehrerlei Ziele gleichzeitig erreichen:

Erstens schaffen wir für die Institution Rechtssicherheit.

Zweitens sagen wir den NutzerInnen damit vorab, was wir von ihnen erwarten. Üblicherweise gehe ich davon aus, werden sie diese Anordnung akzeptieren, weil sie gängige Praxis ist, bei­spielsweise in analogen Archiven.

Drittens, und damit ziele ich dann auf den Schlusspassus des Zi­tats, schaffen wir damit außerdem eine gewisse Basissicherheit für all jene LiteratInnen, die uns ihre Schriften anvertrauen wol­len. So zeigen wir unmissverständlich, dass wir uns der Proble­matik grundlegend bewusst sind, aber zugleich nicht einem übertriebenen Sicherheitsfetischismus huldigen, der die poten­ziellen NutzerInnen kriminalisiert.

Wird diese Tatsache künftige NachlassgeberInnen davon abhal­ten, uns ihre Materialien zur Aufbewahrung und möglichen Nachverwertung zu überlassen? Das ist eine Frage, die wir zu gegebener Zeit klären müssen. Sie jetzt schon zu diskutieren, ehe auch nur ein Wort der Satzung geschrieben ist, scheint mir definitiv verfrüht.

Ich gebe aber noch einen ergänzenden Gedanken zu Protokoll. Zwar weiß ich nicht mehr, wo ich ihn gelesen habe, aber sinnge­mäß sah er folgendermaßen aus: Es ging in dem Text, den ich gelesen habe, um die Frage von Raubdrucken und was der je­weilige Verfasser dazu sagte. Meiner Erinnerung nach war es ein ziemlich prominenter Autor, der dazu eine äußerst ent­spannte Haltung einnahm. Sinngemäß meinte er nämlich, es sei doch im Grunde genommen eine Form von Kompliment, wenn es zahlreiche Menschen gäbe, die soviel Aufwand betrieben, um seine Werke zu lesen – auch jenseits der Veröffentlichung auf dem Buchmarkt.

Ich weiß natürlich, dass das eine kritische Bemerkung ist und dass vermutlich jeder Jurist, der für Verlage tätig ist, anderer Ansicht sein dürfte. Immerhin leben wir bekanntlich im Kapitalis­mus, und es geht den Verlagen zentral darum, investierte Gel­der in Publikationen wieder zu amortisieren. Naturgemäß müs­sen sie also gegen Raubdrucke und Ähnliches sein. Das ist sehr begreiflich.

Aber denken wir das mal sehr global: Die Ideen, die das Auto­ren-Nachlassarchiv horten soll, um sie für die Zukunft zu bewah­ren und wieder für die Allgemeinheit zugänglich zu machen, sind gerade von der Art, dass ihnen weite Verbreitung im Grun­de gelegen kommen muss. Idealerweise soll auch das Archiv daraus einen gewissen Nutzen ziehen, ganz klar. Aber gegen die Verbreitung der gehorteten Ideen insgesamt kann man wohl nur schwerlich etwas sagen. Denn die Alternativen wären wahlweise Kulturgutverlust oder eine Art von „Giftschrank“, und mit bei­dem kann ich nicht gut leben.

Gleichwohl ist dies nur ein erster Gedankenansatz in diese Rich­tung, und Diskussionen darüber sind selbstverständlich ebenso erlaubt wie abweichende Meinungen. Das ist hier nur die meine, die ich gern zur Diskussion stelle.

Damit verlasse ich für heute mal den ernsten Boden der Ge­spräche und wende mich in der kommenden Woche einem ab­solut unernsten Thema zu – den Fehlerlese-Stellen in meinem Oki Stanwer Mythos. Ich denke, das wird recht vergnüglich.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Silvesterblog 2025

Posted Dezember 31st, 2025 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

herzlich willkommen zu meinem Schlussakkord auf dieser Web­seite, die sich seit dem vergangenen Silvester stetig weiter mit Werken gefüllt hat. Ich schätze einfach einmal, wenn ihr meinen Blogartikeln schon eine ganze Weile folgt, dass eins ersichtlich ist: Es herrscht wahrhaftig kein Mangel an Themen für meinen Sonntagsblog. Und dasselbe gilt auch für den Rezensions-Blog. Da ich allein jetzt im Monat Dezember einen vierbändigen Ro­manzyklus verschlungen habe und dabei bin, den Schlussband einer Trilogie zu schmökern, um die dazu entstandenen Rezensionen beizeiten im Rahmen der Blogartikel euch vorzustellen, kann ich euch versichern, die Stoffe werden mir wahrhaftig nicht ausgehen.

Auch ansonsten ist in diesem Jahr erstaunlich viel passiert, dar­unter einiges, mit dem ich beim besten Willen nicht rechnen konnte. Nur die wirklich herausragenden Dinge werde ich in der Folge auflisten, und ich denke, das könnte sich für euch auch als eine interessante kursorische, vielfältige Reise durch meine Vita erweisen. Vielleicht mehr denn je wird dabei zutage treten, schätze ich, dass diese Blogartikel zu einem guten Teil auch au­tobiografischen Charakter haben.

Fangen wir am besten mit den Dingen an, die gleich geblieben sind: So wurden die Aktivitäten fortgesetzt, mit denen ich zum Teil wirklich schon viele Jahre, nahezu Jahrzehnte beschäftigt bin. Zu nennen wäre da das Engagement für meine Blogartikel­reihen, meine Zuträgerdienste für ANDROMEDA NACHRICHTEN, Baden-Württemberg Aktuell (BWA), EXTERRA, PARADISE oder World of Cosmos. Bezüglich des E-Book-Programms kann ich da­gegen noch nichts Positives vermelden, doch das wird, wie ich hoffe, anno 2026 vielleicht wieder etwas aktiver werden. Es gibt Gründe zu dieser Annahme, die ich hier aber nicht ausbreiten will.

Bei meinen Digitalisierungsprojekten – ihr wisst, es sind aktuell nur noch zwei OSM-Serien davon betroffen, einmal KONFLIKT 20 „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“ (OuC) und KONFLIKT 23 „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ (DDj) – sind enorme Fort­schritte zu verzeichnen. OuC hat inzwischen Band 50 erreicht und damit nahezu Halbzeit der Serie. DDj ist bereits über Band 100 hinausgelangt und damit zu mehr als zwei Dritteln erfasst. Was ich hierzu im vergangenen Silvesterblog erzählt habe, hat sich auf sehr stürmische Weise voll inhaltlich bewahrheitet: Es ist ein verdammtes Vergnügen, diese Serie zu digitalisieren und zu kommentieren!

Warum geht das in dieser Serie so viel schneller als in KONFLIKT 20? Die dortigen Episoden (OuC) sind tatsächlich kürzer … aber bis Band 50 sind sie wegen der damals verwendeten Schreib­maschinen so fehlergesättigt, dass es – ohne Witz – in der Regel 300-400 Fehler pro 15 Textseiten zu kommentieren gibt. Und das verlangsamt den Digitalisierungsprozess wirklich enorm. Hinzu kommt bei den OuC-Episoden, die ich derzeit erfasse, dass sie 1990 entstanden, also zu einer Zeit, als ich im Zivil­dienst war bzw. danach wieder die Schulbank drückte … und das führte zu langen Schreibpausen sowie in der Folge zu zahl­reichen Irrtümern in den Episoden, falschen personalen Zuord­nungen, logischen Kurzschlüssen und dergleichen.

Ich glaube, ihr merkt: Das ist anstrengende, harte Arbeit. Aber ich bin guter Dinge, für das kommende Jahr 2026 deutlich wei­ter voranzukommen und höchstwahrscheinlich KONFLIKT 23 ab­schließend zu digitalisieren. Da halte ich euch auf dem Laufen­den.

Worin ich ebenfalls viel Energie in diesem Jahr 2025 investierte, das waren die OSM-Serienglossare, was auch verdammt gut so war. Im Januar arbeitete ich das Serienglossar von KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ in das Hauptglossar, Version 4 ein, das am 30. Ja­nuar damit einen Umfang von 1189 Seiten erreichte. Das kam mir damals schon enorm viel vor … ach, ich hatte wirklich keine Vorstellung, was das Jahr diesbezüglich noch zeigen sollte.

Im Juni schloss ich mit dem Glossar der Proto-OSM-9-Ebene „Der Kaiser der Okis“ das nächste Serienglossar ein und arbei­tete es in das Hauptglossar ein.

Am 22. September folgte dann das sehr voluminöse Glossar für KONFLIKT 16 „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“, das ei­nige hundert Seiten Umfang besaß. Als ich in der Folge dazu überging, dieses Glossar in das Hauptglossar einzuarbeiten, er­gab sich die Notwendigkeit, dieses – das ich Anfang des Jahres gerade aufgeteilt hatte – noch weiter aufzuteilen, damit es sich einigermaßen bearbeiten ließ. Wenn Dateien die Länge von 300 Seiten überschreiten, hängt sich meine IT gerne mal auf und schließt die Datei unerwartet, das ist doch ziemlich lästig … also war im September der Zeitpunkt gekommen, das neue OSM-Hauptglossar, Version 5, auf 8 Dateien zu verteilen – ich meine, schaut euch mal die neue Gesamtlänge an: 2002 Textseiten!

Seither arbeite ich parallel daran, die Glossare für KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“, 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ sowie für KONFLIKT 20 und 23 zu bearbeiten. Das schlägt sich kaum in der Kreativstatistik nieder, frisst aber auf der anderen Seite jede Menge (gut investierte) Zeit.

Es ist also sehr zu erwarten, dass im kommenden Jahr 2026 wei­tere Serienglossare fertig werden (KONFLIKT 17 und 18 sind hei­ße Aspiranten), damit wird wohl bis Ende 2026 das OSM-Haupt­glossar unweigerlich in Richtung Seite 3000 marschieren.

Im Rahmen der Close Up-Beiträge habt ihr inzwischen den KON­FLIKT 17 „Drohung aus dem All“ erreicht, der ja nur 71 Episoden Umfang hat. Ihr könnt also erwarten, dass ihr gegen Ende 2026 in den sehr viel bodenständigeren KONFLIKT 18 aufbrechen wer­det, aus dem ich euch ja schon verschiedentlich die originellen Fehlerlese-Blogbeiträge zukommen ließ. Ihr seht mich da jetzt schon schmunzeln.

Alles in allem hat besonders wegen der Digitalisate der OSM derzeit sehr zugelegt. Am 21. April erreichte ich, wie erinnerlich, OSM-Band 2400. Inzwischen ist Band 2461 abgeschlossen, und wenn das Wachstum – wie vermutet – so weiter anhält, werde ich irgendwann gegen Sommer 2026 den Band 2500 erreichen … und nein, ich habe aktuell noch keine Vorstellung, welcher Serie er entstammt. Ich bin dafür aktuell einfach auf zu vielen kreativen Schreib-Hochzeiten parallel unterwegs. Lasst euch auch hiervon einmal überraschen.

Schauen wir uns als nächstes mal kurz an, woran ich in diesem scheidenden Jahr 2025 weiter gearbeitet habe, ohne dass ich bei diesen Projekten schon den Schlussstrich ziehen konnte. Wiederholungen aus dem letzten Jahr sind dabei unvermeidlich:

– Die Weiterarbeit am OSM-Roman „Quisiins letzter Fall“

– Die Weiterarbeit an KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Re­gent“

– Die Weiterarbeit am OSM-Roman „Licht und Schatten auf Dawson“

– Die Weiterarbeit an der Serie „Horrorwelt“ über Band 200 hinaus

– Die Weiterarbeit am Erotic Empire-Roman „Die Kolonie Sai­gon II“

– Die Weiterarbeit an der Novelle „Rilaans Geschichte“

– Weitere Abschrift des Romans „Der stählerne Tod“

– Weiterarbeit am E-Book „BdC 2: Gestrandet in Bytharg“

– Weiterarbeit am Roman „DER CLOGGATH-KONFLIKT“

– Weiterarbeit am E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 2: Monstererwachen“

– Weiterarbeit an der Novelle „Wendy und die Räuber“

– Weiterarbeit an der Story „Die Sorgen des Kommandan­ten“

– Weiterarbeit an dem OSM-Roman „Die Totenköpfe 2: Durch die Ruinenwelten“

– Weiterarbeit am Roman „Rhondas Aufstieg“

Ich denke, ihr seht, dass es wahrhaftig nicht eben wenige Bau­stellen gibt, an denen ich mal mit mehr, mal mit weniger zeitli­chem Abstand feile. Meine Hoffnung ist aber, vielleicht ein paar dieser Projekte 2026 fertig stellen zu können. Daumendrücken eurerseits kann nicht schaden.

Im Dezember sollte ich vielleicht noch ergänzen, dass ich gera­de in diesem Monat in der zweiten Hälfte sehr schön an einem meiner Langzeitprojekte vorangekommen bin, an dem Archipel-Roman „Die Suyenka“, der schon eifrig auf Seite 250 zusteu­ert.

Zur momentanen Weltpolitik allzu viel zu sagen, scheint mir an dieser Stelle weniger angebracht zu sein. Es sieht bedauerli­cherweise ziemlich trostlos aus. Es reichen wohl schon ein paar Schlagworte, um das deutlich zu machen:

Ukraine-Krieg – leider immer noch akut.

Israel-Palästina-Konflikt – trotz vermeintlicher (ständig gebro­chener) Waffenruhe ein desolates Katastrophenszenario, in dem weiterhin Chaos, Hunger, Krankheiten und Aussichtslosigkeit dominieren.

USA – Ein chaotisches, zerrissenes Land, beherrscht von einem manischen Autokraten, der offenbar am liebsten die Demokratie abschaffen und sich selbst ein Denkmal setzen will … daran mag man gar nicht denken. Da wird unverdrossen ein Krisenfass nach dem nächsten aufgemacht: Buchzensur, Shutdown, Wirt­schaftskrise, innere Spaltung der Gesellschaft, jetzt militäri­sches Einschreiten in Südamerika und Afrika … als hätte die Welt nicht genug Probleme.

Europa – ein Staatenbund, in dem ebenfalls Extremisten und Demokratiefeinde immer mehr die Oberhand gewinnen und Wahlen desolat ausfallen.

Klimaschutz? Weltfrieden? Gerechte Verteilung von Jobs, Ein­kommen und Ressourcen? Das klingt für manch einen schon nach einer „linken Agenda“, als wenn solche plumpen politi­schen und letztlich stumpfsinnigen Richtungsurteile irgendet­was bringen oder ändern würden. Statt Abkehr von klimaschäd­lichem Verhalten wird auf Teufel komm raus in das Gegenteil in­vestiert und zudem munter und eifrig die Waffenindustrie ange­kurbelt.

Man fühlt sich wie im Kalten Krieg des 20. Jahrhunderts und fast so, als rutschte die Weltgeschichte rückwärts in die Zeit des Fa­schismus ab. Glorreiche Zukunft. Auch filmisch dominieren im­mer öfter Dystopien von verwüsteten, pandemisch entvölkerten Welten … was nicht zuletzt ein Grund dafür ist, dass ich zurzeit kein großes Interesse an Filmen habe.

Wenn man sich die Weltlage so anschaut und sieht, wie viele Menschen miteinander umgehen, dann denke ich gelegentlich ein wenig sarkastisch: Tja, wenn uns Aliens dabei beobachten, dann haben sie heute weniger denn je Lust oder Motivation, mit uns Kontakt aufzunehmen. Wir benehmen uns ja mehrheitlich wie Leute, die dem Irrenhaus entwichen sind, und die besucht man ja auch nicht unbedingt bereitwillig …

Erfreulicher sieht es dagegen in meinem eigenen Umfeld aus. Gut, ich gebe zu, ich bin nach wie vor auf Arbeitssuche und habe gerade eine Absage kassiert. Aber das demotiviert mich nicht, eine weitere ist schon auf dem Weg. Eine weitere Ent­wicklung hat mich, zugegeben, ziemlich überrascht (fast so überraschend wie Weihnachten, echt jetzt!): Im Dezember gab es eine weitere jährliche Mitgliederversammlung beim Verein KreativRegion e.V. Und wie stets stand die Wahl eines Juniorprä­sidenten des dreiköpfigen Vorstandes an.

Tja, was soll ich sagen? Alle im aktuellen Vorstand waren felsen­fest überzeugt davon, ich solle dafür kandidieren. Dabei wissen eigentlich sehr viele Leute, dass ich höchst ungern in vorderster Frontlinie stehe und sehr viel besser aus der zweiten Reihe agie­re. Ich bin weiß Gott nicht karrieregeil, geltungssüchtig oder was manche Menschen mir sonst für verrückte Zuschreibungen andichten. Aber ich mag den Verein einfach gern und will ihn nun wahrhaftig nicht gegen die Wand fahren. Also ließ mich breitschlagen, und so darf ich mich formell seit dem 8. Dezem­ber 2025 als Juniorpräsident der KreativRegion e.V. bezeichnen. Ein wenig unheimlich fühlt sich das schon an, muss ich zuge­ben. Mal sehen, wie sich das anno 2026 weiter entwickelt.

Ebenfalls eine schöne Entwicklung ergab sich aus der kürzlich beendeten Gründungswoche, wo ich einen jungen Bankmitar­beiter von meinem Gedanken eines Autoren-Nachlassarchiv-Projekts überzeugen konnte. Auch hier kommt, so hoffe ich, im Laufe der nächsten Monate etwas Schwung in diese Planung. Ebenfalls in diesen Kontext hinein gehört meine Mithilfe im Ver­ein 0rplid e.V., mit dem dieser Projektidee ein bescheidener rechtlicher Rahmen gesetzt werden soll. Das alles sind natürlich mittel- bis langfristige Planungen, die keine raschen Fortschritte mit sich bringen werden, und von einer dadurch eintretenden fi­nanziellen Verbesserung meiner Lage kann keine Rede sein … aber sonst bin ich schon zuversichtlich, vielleicht im Maiblog 2026, spätestens aber im Silvesterblog im Dezember 2026 mehr dazu sagen zu können. Bleibt gespannt, Freunde!

Sehen wir uns jetzt mal an, worin ich tatsächlich 2025 gut vor­ankam und was ich abschließen konnte. Das kann sich, da es sich fast um 300 frische Werke handelt, definitiv sehen lassen:

Januar: Die Mahnung“ (Abschrift) und OSMHintergrundtext „Traumnebel und TASSYJAARE“.

Februar: Wilcox 224“ (Abschrift).

März: Verderben auf Tuwihryin drei Teile aufgespalten für das Fanzine „World of Cosmos“ (im Dezember ist der Schlussteil in WoC 125 erschienen), außerdem „Neelis Tränen 2025“ für BAWUEMANIA, wo die Story aber nicht publiziert wurde.

April: Nachbearbeitung des Artikels „The Wonderful Wizard of Oz 2025“ für BAWUEMANIA (publiziert).

Mai: Irrfahrt 2025“ (Abschrift) undKein Tag wie jeder andere. Letztere war eine frische neue OSM-Novelle aus KON­FLIKT 23 „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ und füllte dort eine Handlungslücke. Außerdem erfolgte mit „Die Mahnung 2025“ eine gründliche Überarbeitung der alten Star Trek-Geschichte, die daraufhin im BWA und in „World of Cosmos“ publiziert wur­de.

Juni: nichts

Juli: Gesichterfluch 2025“ (Abschrift).

August: nichts

September: Horrorwelt-Band 200“.

Oktober: nichts

November: Lady Tamaras Botschaft“ – eine neue Archipel-Novelle nach langer Zeit mal wieder, außerdem der OSM-Hinter­grundtext „Schlaglichter aus KONFLIKT 24“.

Dezember: Ullikummi II

Ebenfalls wie im vergangenen Jahr ergänze ich hier die Projekte, die ich sonst noch vollenden konnte, die keine klar definierten Geschichten waren:

26. Januar: Glossar der Serie „Oki Stanwer“ fertig

26. Januar: Lexikon der Serie „Oki Stanwer“ fertig

21. April: Band 2400 des OSM fertig gestellt

23. April: BWA 500 fertig

15. Mai: Glossar der Novelle „Kein Tag wie jeder andere“ fertig

7. Juni: Glossar der Serie „Der Kaiser der Okis“ fertig

7. Juni: Lexikon der Serie „Der Kaiser der Okis“ fertig

22. September: Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ fertig

22. September: Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ fertig

6. November: Glossar der Story „Lady Tamaras Botschaft“ fertig

Ergänzend ist das gleichbleibend hohe Kommunikationslevel zu erwähnen. Da ich ja mehrere Ehrenämter ausübe und in mehre­ren Gruppen vor Ort aktiv bin, haben sich bis zum aktuellen Tag (26. Dezember 2025) schon wieder mehr als 2130 Mails, Briefe und Karten bei mir für dieses Jahr eingefunden, von denen der größte Teil gottlob schon beantwortet ist. Dennoch werde ich wohl viel an Korrespondenz mit hinüber ins neue Jahr nehmen, da jetzt nächstens auch noch die Flut an Weihnachtsmails an­steht, die ich mich zu schreiben verpflichtet fühle. Die 28 Karten sind schon fertig und müssen nur noch eingeworfen werden, aber die rund hundert Grußmails … nun, das kann ich erst kurz vor dem Fest erledigen, wie ihr sicherlich ahnt.

Nachtrag vom 26. Dezember: Die Karten sind raus, die Weih­nachtsmails wurden am 23. Dezember versandt … immerhin „nur“ gut 70 an der Zahl. Ich kenne halt ein paar Leutchen, und es gehört für mich zum guten Ton, zu Weihnachten an sie zu denken und Grüße zu versenden.

Werfen wir nun mal einen Blick zu den Blogartikeln. Über die ak­tuellen Veröffentlichungen informiert nach wie vor der Newslet­ter der Perry Rhodan-Fanzentrale (PRFZ). Mit Datum von heute ist der Blogartikel 645 publiziert worden, der äußerste Rand der schon vorgeschriebenen Beiträge datiert (Erscheinungsdatum!) auf dem 9. August 2026 (Blogartikel 679).

Sehr ähnlich schaut es bei den Rezensions-Blogartikeln aus. Der aktuell erschienene (10. Dezember) ist Nummer 538. Der äu­ßerste schon geschriebene Beitrag ist Nr. 571, der erst am 29. Juli 2026 veröffentlicht werden wird.

Sehen wir uns als nächstes die Besucherfrequenz meiner Web­seite www.oki-stanwer.de an. Da kann ich wie stets nur einen vorläufigen Stand geben, aber ich denke, er ist sehr aussage­kräftig. Heute (26. Dezember, der Stand ist also der vom 25. Dezember) kann ich einen Stand von 604.921 Klicks vermel­den, was einer monatlichen Durchschnittsfrequenz von genau 50.410 Zugriffen entspricht. Das ist schon jetzt ganz erheblich mehr als im Vorjahr. Ich staune da wirklich jedes Jahr von neu­em, Freunde! Vielen Dank für das solcherart gezeigte Interesse an meinen Texten!

Zum Ende dieses Beitrags hin möchte ich wie stets meinen Freunden vom Förderverein Phantastika Raum & Zeit e.V. dan­ken, die in diesem Jahr weiter dafür gesorgt haben, dass die Webseite gescheite Programmupdates erhalten hat. Das hätte ich allein wohl nicht geschafft!

Damit möchte ich für heute zum Schluss kommen und euch al­len einen guten Rutsch ins Jahr 2026 wünschen, in dem ihr hof­fentlich weiterhin gesund und erfolgreich in eurem jeweiligen Job bleibt. Wer angeschlagen ist, möge wieder auf die Beine kommen! Außerdem danke ich euch dafür, dass ihr mir auf meiner Webseite folgt und reges Interesse an dem bekundet, was ich schreibe und rezensiere.

Danke, dass es euch gibt und ihr an mich glaubt!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 541: Mission Dragonfly

Posted Dezember 29th, 2025 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ja, da war dann schon wieder ein Clive Cussler-Roman … zwar geht mir allmählich der Nachschub aus, aber die Schreibfabrik des verstorbenen Amerikaners ist nach wie vor rege. Es gibt zahlreiche Werke, die für 2026 und 2027 bereits angekündigt sind und es noch nicht als Übersetzung auf den deutschen Markt geschafft haben. Bedauerlicherweise ist das hier anders als im Fall von Jodi Taylor, deren Maxwell-Serie mit Band 8 brüsk abgewürgt wurde … im angelsächsischen Bereich erscheinen weiter munter Werke der Serie, aber der Verlag scheint das In­teresse an den humorvollen, turbulenten Zeitreiseabenteuern leider verloren zu haben. Beizeiten werdet ihr die von mir ver­fassten Rezensionen hierzu auch im Rezensions-Blog finden, versprochen.

Mit dem vorliegenden Roman tauchen wir ein in den tibetisch-chinesischen Kulturraum. Tatsächlich ist der regionale Fokus vergleichsweise eng, aber das merkt man erst mit etwas Di­stanz zur Lektüre. Die Abenteuer konzentrieren sich wesentlich auf den Seeraum um Taiwan und um Hinterindien und den Hi­malaya.

Bedeutet das, dass es langweilig ist? Weiß Gott nicht. Dass es ein schematisches Abenteuer ist? Würde ich so nicht sagen. Man kann natürlich mäkeln, dass die Chinesen sicherlich einem eigenen Projekt keinen amerikanischen Namen geben würden (abgesehen davon: Wer würde eine Hyperschallrakete schon Li­belle nennen?). Und man mag auch kritteln, dass die nahezu durchgängige Schreibweise „Dalai-Lama“ ziemlich sicher falsch ist … aber das sind Kleinigkeiten.

Ich bin überzeugt davon, dass der Rest der Geschichte euch ein­fach mitreißt, wenn ihr ein gewisses Faible für das NUMA-Team um Dirk Pitt habt. Und man kann auch sagen, dass dieses Aben­teuer gerade die Pitt-Kinder schön in Szene setzt.

Also, Vorhang auf, ab in den Winter des Jahres 1959. Schau­platz: Lhasa …

Mission Dragonfly

(OT: The Devil’s Sea)

Von Dirk Cussler

Blanvalet

484 Seiten, 2023

ISBN 978-3-7645-0812-8

Aus dem Amerikanischen von Michael Kubiak

Kann man vor Spannung einfach nicht aus der Hand legen – der 26. Dirk-Pitt-Roman erstmals auf Deutsch!“, so heißt es auf dem Umschlag dieses Buches. Wer mich kennt und meinen Re­zensionen schon länger gefolgt ist, der weiß, dass mich solche theatralischen Ankündigungen regelmäßig misstrauisch ma­chen. Auf der einen Seite ist das oftmals sehr angebracht. Aber vertraut mir – in diesem Fall ist das tatsächlich die Wahrheit. Ich musste echt sehr an mich halten, dieses Buch nicht binnen von zwei Tagen geradewegs zu verschlingen. So wurden, sagen wir, 2,3 Tage daraus.

Worum geht es in diesem Roman, auf dem nur pro forma noch der Name des im Jahre 2020 gestorbenen Clive Cussler steht? Der Verfasser ist ausschließlich sein Sohn Dirk, der schon or­dentlich gelernt hat, sich von den unbeholfenen Anfangstagen zu emanzipieren und die gealterten Helden Dirk Pitt senior und seinen treuen Adlatus Albert Giordino sowie Pitts Kinder Dirk Pitt junior und Summer Pitt in nervenaufreibende neue Abenteuer zu schicken.

Anfangs machen wir eine Zeitreise in den Winter des Jahres 1959: Die Chinesen haben Tibet überfallen und besetzt, und nun droht die Gefahr, dass der Dalai Lama entführt und als Ma­rionette instrumentalisiert werden soll. In diesem Jahr wird dar­um von den Tibetern seine Flucht inszeniert. Außerdem landet aber ein US-Flugzeug in Lhasa, das außerdem das so genannte Nechung-Orakel und religiöse Schätze in Sicherheit bringen soll. Zwar gelingt der erste Teil des Planes, aber als das Flugzeug wieder abhebt, ist es schwer beschädigt und verschwindet spur­los im Himalaya.

In der Gegenwart – im Oktober 2022 – erproben chinesische In­genieure einen neuen Marschflugkörper auf der Insel Hainan, der kurzfristig spektakuläre Mach 25 erreicht und damit einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellt. Allerdings ist der Tri­umph von kurzer Dauer, denn die erreichte Geschwindigkeit überfordert wegen der Reibungshitze das Gefährt, das abstürzt und im Meer versinkt. Der Flugkörper trägt den Decknamen „Dragonfly“ (also: Libelle), was ich eigentlich in jederlei Weise abwegig fand. Aber das ist ein Faktum, das man einfach akzep­tieren muss und von dem man sich nicht ablenken lassen sollte.

Tatsache ist nun, dass die Reste der „Dragonfly“, die kurz vor Taiwan ins Meer gestürzt sind, bergen muss. Was die Chinesen in diesem Moment nicht wissen: Die amerikanischen Überwa­chungsinstrumente haben den kurzen Flug des Marschflugkör­pers angemessen, und sie sind wegen seiner Fähigkeiten so alarmiert, dass sie sofort entschließen, die Suche ebenfalls auf­zunehmen. Dabei kommt ihnen das Glück zu Hilfe – nahe Taiwan ist nämlich ein Expeditionsschiff der NUMA dabei, die Versaue­rung des Meerwassers zu untersuchen. An Bord des Schiffes be­finden sich unsere wackeren Recken Dirk Pitt senior und Al Gior­dino sowie die Pitt-Kinder. Direkt in der Nähe ist außerdem ein kleines Boot australischer Meeresgeologen an der Arbeit.

Als wie aus dem Nichts eine Monsterwelle auftaucht, die das NUMA-Schiff CALEDONIA fast zum Kentern bringt – in dieser Hin­sicht ist das Titelbild wirklich absolut passend – , da geraten die Australier in Seenot, und Pitt und Giordino können sie gerade noch aus ihrem sinkenden Schiff retten. So kommt die Meeres­geologin Margot Thornton in die Handlung.

Wenig später ergeht der Auftrag an die CALEDONIA-Crew, die Suche nach den Trümmern der Dragonfly aufzunehmen. Pitt bringt Margot zu ihrem Mutterschiff, der MELBOURNE, dann macht er sich auf die Suche. Was er nicht weiß: er hat sie direkt in Gefahr gebracht – denn ein chinesisches Einsatzkommando hat inzwischen die MELBOURNE geentert und die Besatzung in ihrer Gewalt. So ist nun auch Margot Thornton eine Gefangene. Und die Chinesen unter ihren Anführern Zheng und dem sadisti­schen Ning folgen dem Auftrag ihrer Regierung, nun ebenfalls das Zielgebiet anzusteuern, in dem die NUMA nach den Trüm­mern der abgestürzten Rakete sucht.

Summer Pitt und Dirk Pitt junior, die sich vor dem Auftauchen der Monsterwelle auf Tauchmission befanden und dabei ein ja­panisches Wrack entdeckten, wurden von einer Unterwasser­strömung bis kurz vor eine nahe Küste verdriftet. Nachdem sie wieder aufgetaucht sind, wird beschlossen, dass sie mit einem Hubschrauber zur Küste fliegen sollen, um dort zu schauen, wel­che Schäden die Flutwelle angerichtet hat. Das ist auch absolut nötig, denn es hat einige Verwüstung gegeben – und interessan­terweise wurde ein Flugzeugwrack aus der Tiefsee hochgespült, das nun gestrandet da liegt. An Bord entdecken die Geschwister einen noch intakten Koffer, in dem sich seltsame rituelle Arte­fakte aus einem unbekannten Material befinden. Und ein Schrei­ben, das darauf hindeutet, dass die Artefakte aus einem taiwa­nesischen Museum stammen. Kurzerhand entschließen sie sich dazu, sie dorthin zurückzugeben.

Damit beginnt die zweite Fährte der Handlung, die sich nun ga­belt. Denn die Pitt-Kinder müssen rasch realisieren, dass die Dinge deutlich anders sind als vermutet. Die Artefakte stammen aus Tibet und sollten eigentlich vom Kurator des Museums der tibetischen Exilregierung in Dharamsala in Indien zurückgege­ben werden (an einer Stelle des Buches witzigerweise falsch als „thailändische Exilregierung“ bezeichnet). Das Flugzeug kam aber nie an, sondern stürzte nahe Taiwan ins Meer.

Schon auf Taiwan müssen die Pitts entdecken, dass jemand aus nebulösen Gründen sehr daran interessiert ist, Gegenstände aus der meteoritischen Substanz „thokcha“ in seine Gewalt zu bringen. Das beginnt auf Taiwan, wo Dirk junior einen Diebstahl im Museum vereiteln kann, und das setzt sich in Indien, wohin sie nun fliegen, nahtlos fort und hat eine ganze Reihe turbulen­ter und ausgedehnter Actionszenen zur Folge.

Am Ende mündet dieser Teil des Abenteuers in einer lebensge­fährlichen Hochgebirgsexpedition, bei der das Wrack des im Hi­malaya abgestürzten Flugzeugs aus dem Prolog gefunden wer­den soll … eine Suche wie nach der Nadel im Heuhaufen.

In der Zwischenzeit hat sich die Lage nahe Taiwan dramatisch verschärft. Die chinesischen Agenten auf der MELBOURNE ha­ben die CALEDONIA schwer beschädigt, und ein Sturm zieht auf. Zwar finden Pitt senior und Giordino auf dem Meeresgrund die Trümmer der Dragonfly, aber eine untermeerische Strömung reißt sie weg, der Kontakt zur Außenwelt erlischt. Zudem nähert sich ein Taifun, der jede weitere Operation unmöglich macht, auch eine Rettung des Tauchboots.

Das schlimmste Geheimnis von allen aber ist dasjenige, das die MELBOURNE beherbergt. Während an allen Fronten des Romans Menschen ums Überleben kämpfen, finden Zheng und sein On­kel, Oberst Yan Xiaoming, dieses Geheimnis heraus. Sie be­schließen daraufhin eigenmächtig, einen Massenmord zu insze­nieren, der Millionen Menschen das Leben kosten kann – und es scheint nichts mehr zu geben, was das aufhalten kann …

Also wirklich, den Roman dramatisch zu nennen, wäre eine glat­te Untertreibung. Er ist eigentlich mehr eine Nonstop-Achter­bahnfahrt. Während zwar relativ schnell für den Leser klar wird, was die chinesischen Agenten antreibt (das ist nun wirklich recht durchsichtig), tappen unsere wackeren Helden wirklich sehr, sehr lange völlig im Dunkeln und sind auf situative Reakti­on angewiesen, um ihre gerissenen und hartnäckigen Gegner auszumanövrieren. Dabei kommt ihnen bei vielen Gelegenhei­ten zugute, dass sie zum einen stress- und abenteuererprobt sind, zum anderen gut improvisieren können und drittens von der Gegenseite notorisch unterschätzt werden. Von der Villain-Seite her werden sie aber mit Gnadenlosigkeit, Sadismus und einer unermüdlichen Beharrlichkeit verfolgt und zu töten ver­sucht, dass man an vielen Stellen des Buches um das Leben der wichtigen Personen bangen muss, die auch ordentlich einste­cken müssen. Und ja, es kommen durchaus zahlreiche Personen auf der guten Seite zu Schaden und auch ums Leben.

Naturgemäß gibt es zahlreiche Situationen, in denen der ver­sierte Leser sich denkt: Das kommt mir doch irgendwoher be­kannt vor … aber wenn man berücksichtigt, dass es inzwischen mehr als 75 Cussler-Romane gibt, kann es wohl kaum verblüf­fen, dass es gewisse Wiederholungsszenarien gibt. Das ist bei James Bond oder etwa „Mission: Impossible“ schließlich auch unvermeidlich.

Es gibt allerdings auch ein paar sehr bemerkenswerte Neuerun­gen. Ich deute da nur mal das „Projekt Wasserfall“ an, das hier völlig unvermittelt auf der Bühne des Geschehens auftaucht und sowohl die NUMA-Leute als auch die Chinesen arg über­rascht. Und nein, dazu verrate ich nichts Näheres, das muss man dann schon selbst lesen.

Alles in allem ist es zwar ein durchaus voluminöses Buch, aber wie einleitend schon angedeutet: Man merkt die Lesezeit nicht wirklich, weil das Buch einen so mitreißt. Da ich nach einer gan­zen Reihe von Sachbüchern zuvor mal wieder richtige Entspan­nung beim Lesen brauchte, war das hier der ideale Kandidat.

Da gibt es von meiner Seite eine klare Leseempfehlung!

© 2025 by Uwe Lammers

In der nächsten Woche werden wir mal ein kleines bisschen un­zeitgemäß – immerhin geht es in diesem Kurzgeschichten-Sam­melband um Weihnachten, und das ist ja bekanntlich gerade erst verstrichen, wenn der Rezensions-Blog 542 erscheint.

Noch goldiger ist in dem Fall der kommenden Woche natürlich, dass es sich um Weihnachtsgeschichten mit Sherlock Holmes in der zentralen Position handelt. Das ist vermutlich doppelt kurios zu nennen, aber genau aus diesem Grund machte mir die Lek­türe dieses Bandes soviel Vergnügen, dass ich ihn umgehend rezensieren musste.

Was das im Detail heißt, lest ihr hier in der nächsten Woche. Jetzt wünsche ich euch erst einmal einen guten Start ins neue Jahr 2026 – also, für den Fall, dass ihr nicht morgen noch mal vorbeischauen möchtet, wenn ich meinen Silvesterblog 2025 publiziere.

Also entweder bis morgen oder bis zum 7. Januar!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

dieser Monat war voll von Lektüre … auf der einen Seite. Das schuf eine ganze Menge frische Rezensionen, die ich beizeiten in diversen Fanzines und später auch im Rezensions-Blog für euch zur Verfügung stellen werde. Auf diese Weise kam ich zwar im Monat April 2025 auf insgesamt 27 vollendete Werke, aber nur die wenigsten werden sich hier heute abbilden. Das sollte vorweg gesagt werden, ehe ihr vielleicht meint, es sei auch in diesen vier Wochen nichts Relevantes entstanden. Das ist glück­licherweise ein Trugschluss, der von der Realität nicht bestätigt wird.

Schauen wir uns die Monatsausbeute mal im Detail an:

Blogartikel 643: Work in Progress, Part 148

(20Neu 37: Die Zeit-Schleuder)

23Neu 58: Der Todesstoß

23Neu 59: Das Ende der Schildwelt

(20Neu 38: Das Totenheer)

(Glossar der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Scher­gen“)

Anmerkung: Ich denke, ich sage nichts Überraschendes, wenn ich an dieser Stelle betone, dass mich Glossararbeit und lexika­lische Verzeichnung immer viel Zeit kosten. Das ist aber auf der anderen Seite auch etwas, was dringend erforderlich ist, gerade bei Serien wie dieser, die schon relativ lange als Digitalisat vor­liegen, aber immer noch nicht vollständig glossarisch erschlos­sen sind.

Da ich in diesem Monat an zahlreichen Serien auf diese Weise weiterarbeitete und gut vorankam, hat das natürlich – im Verein mit viel Lektüre und neuen Rezensionen – viel Zeit geraubt, die mir für das Verfassen neuer OSM-Episoden fehlte … aber der Zeitpunkt war sehr günstig dafür. Ich stand kurz vor Band 2400 des OSM, von dem ich euch ja vor 8 Wochen ausführlicher be­richtete. Das Arbeiten an dieser Episode hat mich wochenlang auf der Stelle treten lassen, was frische Episoden anging. Denn ihr kennt meine Regel: Als „100“ kommt kein Digitalisat in Fra­ge, sondern nur neue Episoden. Und dieser Band hier zog sich auf faszinierende Weise hin.

Dass ich anderen Episoden durchaus vorankam, seht ihr an den eingeklammerten Zeilen.

(23Neu 61: Kleines im Dritten Reich)

Anmerkung: Tja, das war dann etwas, was mich selbst über­raschte, als ich das 1990 schrieb. Auf einmal befand ich mich, inspiriert durch entsprechende Lektüre, in einem alternativen Nazireich des Jahres 1954 und schickte meinen Helfer des Lichts Klivies Kleines mitten hinein … aber das war ja erst der zarte Anfang. Totenkopf-SS, die aus leibhaftigen Totenköpfen besteht, war noch das Harmloseste, dem Kleines hier begegne­te …

(Lexikon der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Scher­gen“)

(Die Kolonie Saigon II – Erotic Empire-Roman)

(Glossar des Romans „Die Kolonie Saigon II“)

(Glossar der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“)

(Lexikon der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“)

(OSM-Wiki)

NK 65: Reise nach Westai

Anmerkung: Tja, und das hier war dann der Sperrriegel, der mich viel, viel Zeit in diesem Monat kostete … und ich genoss jede Minute davon, ungelogen. Aber es war anspruchsvoll, hier Handlungsbögen zu schließen, die zum Teil wirklich aus dem Serienanfang (1994, kein Scherz!) bis hierher reichten und dann dazu noch Crossover-Informationen einzuarbeiten, die ins Jahr 1990 und den damals hochaktiven KONFLIKT 23 betrafen … an dessen Digitalisat ich ja gerade sitze! Ihr könnt euch den­ken, wie ausweitend sich das auf mein Skript auswirkte, das am Ende die Grenze von 90 einseitigen Seiten munter sprengte.

Fürwahr, NK 65 ist ein mehr als würdiger Hunderter-Band des OSM. Und nun bin ich auf Zielkurs OSM-Band 2500. No idea, welcher Serie dieser Band entstammen wird. Aber ich denke, darum muss ich mir frühestens in einem bis anderthalb Jahren Gedanken machen. Zurzeit ist gerade mal Band 2403 erreicht …

(23Neu 60: Das Dorf zwischen den Welten)

23Neu 57: Projekt Transmittersturm

Maiblog 2025

(23Neu 62: Die Berlin-Mission)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“)

(NK 66: Unterwegs in kosmischer Mission)

(Kein Tag wie jeder andere – OSM-Story)

Anmerkung: Das war dann gegen Monatsende ein anderer schöner Zeitfresser, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte. Ja, es handelt sich um eine neue OSM-Story, und sie hat binnen weniger Tage schon 36 Textseiten Rohumfang erhalten. Das wird noch deutlich mehr werden an Seitenzahl, das ist offen­sichtlich.

Worum es geht … oh, ob ich das schon verraten darf …? Ah, klar doch. Für euch ist das schließlich eine Art Weihnachtsüber­raschung, auch wenn ich diesen Blogartikel am sonnigen 1. Mai verfasse.

Also, es geht um ein ausgelassenes Handlungsstück aus KON­FLIKT 23 „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“. Dort aktiviert Okis Tochter Sarai Helferschatten auf verschiedenen Welten des Mul­tiwelten-KONFLIKTS. Bei zweien davon habe ich aber nie expli­zit beschrieben, wie das vonstatten ging … gerade bei dem Ka­nadier Colin Gablon fand ich das wichtig, weil er ungewöhnli­cherweise den KONFLIKT 23 überlebt und für die Basis der Neu­tralen in der NK-Serie im Folge-KONFLIKT tätig ist. Hier beschrei­be ich, wie sein Leben vor der Aktivierung durch Sarai aussah … und was dann geschah. Aber Colin ist nicht die einzige Person, die Sarai hier rekrutiert, da gibt es auch noch eine weitere Per­son, und die hat ein sehr viel haarsträubenderes Schicksal … ah, vielleicht wird diese Geschichte sogar schon veröffentlicht sein, bis ihr das lest. Mal schauen.

Faktum ist jedenfalls, dass das Schreiben einen Mordsspaß macht. Allein heute früh habe ich schon wieder sieben Seiten daran gearbeitet und schätze, dass allenfalls noch zwei Kapitel übrig sind … wahrhaftig, das ist „kein Tag wie jeder andere“ …

(23Neu 63: Operation Peenemünde)

20Neu 34: In den Kerkern der TOTANOR

20Neu 35: Auf dem Weg in den Tod

Tja, und damit sind wir schon am Schluss dieses Monats ange­langt … wie ich euch sagte, entfiel hier dieses Mal die Majorität an Beiträgen auf Rezensionen bzw. Rezensions-Blogartikel. Ich bin mal sehr gespannt, wie sich der Monat Mai entwickeln wird. Darüber halte ich euch auf dem Laufenden.

In der nächsten Woche berichte ich wieder vom Autoren-Nach­lassarchiv-Projekt.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 540: How to change everything

Posted Dezember 24th, 2025 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ja, ich gebe zu, ich war ziemlich baff und völlig überrumpelt, als ich dieses Buch ausgelesen hatte … und sofort überzeugt davon, es einerseits rezensieren zu müssen als auch davon mei­nen engeren Freunden und Bekannten zu erzählen. Das Buch hatte mich an einem sehr sensiblen Druckpunkt erwischt, viele meiner lange gehegten Sorgen bestätigt und klar und präzise verbalisiert.

Ihr kennt so etwas vermutlich, wenn ihr euch an Bücher erin­nert, in denen die AutorInnen euch auf einmal geradewegs aus der Seele zu sprechen scheinen und euch umstandslos für das Thema begeistern, über das sie schreiben. Das kennt man auch aus der Fankultur, wenn Bücher, Filme oder Spiele auf einmal al­les andere ganz gegenstandslos erscheinen lassen.

Hier ist es ein wenig anders, denn hierbei handelt es sich um eine explizite Kampfschrift engagierter politischer Kolumnistin­nen … und so konnte es mich auch nicht wirklich verblüffen, als ich aus meinem Freundeskreis auch skeptische und ablehnende Stimmen dazu vernahm.

Grundsätzlich ficht mich das aber nicht an. Ich finde, das Thema an sich ist strukturell so kontrovers und trifft bei vielen Men­schen dermaßen empfindliche Nervenpunkte, dass differierende Meinungen gewissermaßen programmiert sind. Denn seien wir aufrichtig: Wir insbesondere in Deutschland und Europa leben nach wie vor in einer Lage des überwiegenden Luxus. Wollten wir unsere Verhältnisse mit denen, sagen wir, in Burkina Faso oder dem Sudan vergleichen, vielleicht auch in Tibet, Kaschmir oder dem brasilianischen Hinterland, dann würden die dort Le­benden uns vermutlich mit Recht vorhalten, wir jammerten auf hohem Niveau, wenn wir die Botschaft dieses Buches rundweg ablehnten, weil die Kosten der hierin skizzierten Veränderung der globalen Wirtschaft und der Gesellschaft unfinanzierbar sei­en.

Recht hätten diese Leute, in der Tat. Wir sind derzeit noch sehr privilegiert, aber es ist aktuell schon deutlich zu spüren, dass das ein sehr fragiles Privileg ist, das immer stärker ins Wanken gerät.

Gewiss, momentan lamentiert die deutsche Politik über solche Dinge wie politischen Extremismus, Parteienverbot der AfD (Mai 2025 in der Diskussion, also während ich diesen Blogartikel ver­fasse), es geht um grassierende Fremdenfeindlichkeit, um Ab­schottung von Grenzen, Massenausweisungen, von denen die Radikalen wunschträumen, um Ausweitung des russischen An­griffskrieges in der Ukraine und den wankelmütigen Präsidenten der USA, der sich wahlweise als Putin-Agent gibt oder wie je­mand verhält, der tags zuvor zu viel Hasch geraucht hat und seine Stimme und Finger nicht mehr kontrollieren kann … aber das wirklich wichtige Thema gerät dabei zunehmend in Verges­senheit.

Das Thema, um das es in diesem Buch geht.

Reden wir über den globalen Klimawandel und die Welt der Zu­kunft, die zu entstehen droht, wenn wir nichts dagegen unter­nehmen. Wir müssen die Welt und wie wir darin handeln, verän­dern. Und dieses Buch zeigt uns einen Weg auf.

Vorhang auf für ein in meinen Augen wichtiges Buch:

 

How to change everything

Wie wir alles ändern können und die Zukunft retten

(OT: How to Change Everything. The Young Human’s Guide to Protecting the Planet and Each Other)

Von Naomi Klein und Rebecca Stefoff

Hoffmann und Campe

256 Seiten, TB, 2021

Aus dem Englischen von Gabriele Gockel und Barbara Steckhan

ISBN 978-3-445-01251-4

Fangen wir mal sanft am Beginn des Buches an und sparen uns die Schocks für etwas später auf: „In meiner Kindheit verbrach­te ich viel Zeit unter Wasser. Als ich sechs oder sieben war, lern­te ich bei meinem Vater das Schnorcheln, und die Erinnerungen daran gehören zu den glücklichsten meines Lebens. Ich war ein schüchternes Mädchen und oft unsicher. Aber es gab einen Ort, an dem das alles von mir abfiel, wo ich mich stets frei fühlte: das Meer. Den darin lebenden Geschöpfen ganz nahe zu kom­men, hat mich immer fasziniert.

Wenn man auf ein Korallenriff zuschwimmt, ergreifen die Fische für gewöhnlich sofort die Flucht. Doch wenn man sich ein paar Minuten still verhält und ruhig durch das Luftrohr atmet, wird man für sie zu einem Teil der Meereslandschaft. Dann schwim­men sie direkt auf die Maske zu oder knabbern sanft an der Haut deines Arms. Solche Augenblicke kamen mir immer vor wie im Traum. Alles war so friedlich …“

So beginnt die hartnäckige und wortgewaltige Kapitalismuskriti­kerin Naomi Klein dieses Buch, und an diesen Zeilen ahnt man noch nicht, dass sie über nichts Geringeres als die weitflächige, andauernde Zerstörung der Welt durch menschliche Aktivitäten schreiben wird. Über Katastrophen ohne Zahl. Über rohstoffgie­rige Industrien, betrügerische und korrupte Politiker, verwüstete Paradiese, Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten, Raubbau an der Natur und über ein immer noch heiß diskutiertes Thema, das – leider, wie ich sagen muss – von zahlreichen hartleibigen und uneinsichtigen Menschen, die konsequent die Augen vor den Fakten verschließen, nach wie vor geleugnet wird: den glo­balen Klimawandel.

Darüber aufzuklären und dieses komplexe Thema besonders ei­ner jüngeren Generation nahe zu bringen, das ist das Ziel die­ses beeindruckenden und leidenschaftlichen Plädoyers.

Zugleich muss jedem, der nach diesem Buch greift, natürlich auch klar sein, was mir von vornherein bewusst war: Dieses Werk ist eine Kampfschrift. Naomi Klein und ihre Coautorin Re­becca Stefoff, die wissenschaftliche Themen für die junge Leser­schaft verständlich aufbereitet, vertreten einen klaren Stand­punkt und ergreifen Partei. Das fand ich deshalb sinnvoll, konse­quent und vernünftig, weil ich in weiten Teilen ganz ihrer An­sicht bin.

Es gibt den von Menschen verursachten Klimawandel.

Es ist zwingend erforderlich, dass insbesondere die Menschen in den Industrienationen, die bis heute den größten Teil dieses Wandels durch ihren Lebensstil forcieren, das Steuer radikal herumwerfen und energische Anstrengungen machen, gegenzu­steuern.

Und leider ist meiner Ansicht nach den Autorinnen beizupflich­ten, wenn sie schreiben, dass es nicht hinreichend ist, sich da­bei allein auf die Versprechungen der Industrie und Politik zu verlassen, dass schon genügend getan werde … wir sehen gera­de in Zeiten der Corona-Pandemie oder des Ukraine-Konflikts, wie jählings völlig andere Themen auf einmal auf der politischen Agenda an die oberste Stelle rücken und der Klimawandel auf die hinteren Feuilleton-Seiten verdrängt, kleingeredet oder so­gar Maßnahmen zu seiner Bekämpfung als wirtschaftsschädi­gend dargestellt werden (Stichwort: Energiewende!).

Im Gegensatz zum sehr behäbigen Klima, das rund 200 Jahre brauchte, um auf die vom Menschen verursachten Veränderun­gen zu reagieren, sind wir Menschen eben Eintagsfliegen mit ei­nem ebenso kurzen Gedächtnis, mehrheitlich mit Kurzsichtigkeit geschlagen – was sich nicht sofort sichtbar auswirkt, das begrei­fen wir in seiner Wirksamkeit und Komplexität einfach nicht. Was es umso einfacher macht, solche schleichenden Verände­rungen kategorisch zu leugnen.

Deshalb und aufgrund der Tatsache, dass nicht die Menschen im Alter 50+ (wie ich etwa), sondern gerade die Kinder und Ju­gendlichen von heute für die immer noch angerichteten Schä­den an Natur und Weltklima haften müssen, ist der Appell, den die Autorinnen an die junge Generation richten, so wichtig. Es ist darum auch kein Wunder, wie ich fand, wenn Aktivistinnen wie Greta Thunberg engagiert für dieses Buch werben. Oder wenn sich Werke von Klima-Aktivistinnen wie Luisa Neubauer im Literaturanhang zum Buch finden.

Kommen wir zum Anfang zurück und lassen wir noch mal Naomi Klein aus dem Vorwort zu Wort kommen. Viele Jahre nach den begeisternden ersten Ausflügen unter Wasser reist sie mit ihrem vierjährigen Sohn Toma nach Australien zum Great Barrier Reef. Und dort erwartet sie ein zutiefst ernüchterndes Erlebnis, als sie ihrem Sohn dasselbe Erlebnis bescheren möchte, wie es ihr Va­ter einst ihr zugänglich machte: „Für mich war das Great Barrier Reef das aufregendste Naturschauspiel, das ich je erlebt hatte – die Farbenpracht der Korallen, die Meeresschildkröten, die exo­tischen Fische überall. Zugleich aber war das Riff auch das Er­schreckendste, was mir je unter die Augen gekommen war, weil große Abschnitte – Abschnitte, die ich Toma nicht zeigte – tot waren oder im Sterben lagen.

Diese Riff-Abschnitte kamen mir vor wie Friedhöfe. Da ich mich als Journalistin mit dem Thema Umweltzerstörung und Klima­wandel beschäftigt hatte, wollte ich über das Riff schreiben. Mir war bekannt, was hier vor sich ging …“

Das erste Thema, über das sie also folgerichtig schreibt, ist die dramatische Korallenbleiche, ein weltweites Phänomen, das sehr viel mit der Meereserwärmung, der globalen Klimaerwär­mung und Versauerung der Meere zu tun hat. Doch in logischer wissenschaftlicher Manier springt sie nicht gleich mitten ins Thema, sondern tangiert es nur, um darauf hinzuweisen, dass es ein Effekt eines sehr komplexen Gesamtproblems ist. Und dann setzt sie behutsam und energisch einen Baustein des Pro­blems auf den nächsten, um das Gesamtmuster klar zu begrün­den, Vor- und Nachteile des Weiter-So aufzuführen und zu zei­gen, dass ein Gegensteuern nicht nur möglich ist, sondern viel­fach schon begonnen hat.

Dann geht es zunächst um die frühen Jugendproteste gegen den Klimawandel, angestoßen unter anderem von Greta Thun­berg und der Fridays for Future-Bewegung. Im zweiten Kapitel erläutert sie auf schlichte, aber eindringliche und sachlich kor­rekte Weise die klimatischen Zusammenhänge – warum es so etwas wie ein Klima gibt, wie es als Kreislauf im globalen Kon­text funktioniert und inwieweit menschlicher Einfluss sich daran zunehmend bestimmend zu schaffen macht (was üblicherweise gern geleugnet wird, während Skeptiker abwiegelnd von „klima­tischen Schwankungen“ sprechen, die es – was durchaus richtig ist – immer schon gegeben habe).

Was die naiven Klimaleugner indes herunterspielen oder ganz zu erwähnen vergessen, ist das rasante Tempo, mit dem diese Veränderungen in den letzten zweihundert Jahren zugenommen haben – was auf sehr interessante Weise mit der Entwicklung der Industriellen Revolution der Menschheit korreliert. Diesen Zusammenhang nicht sehen zu wollen, weil man ihn nicht se­hen möchte, ist kein Indiz für Intelligenz, sondern für augen­scheinliche Dummheit.

Im Kapitel 3 des ersten Buchteils weitet Klein das Thema aus und spricht über den ebenfalls gern kleingeredeten Zusammen­hang zwischen Klima und Gerechtigkeit. Womit rasch deutlich wird: Wer sich für eine Stabilisierung des Weltklimas stark macht, engagiert sich gleichzeitig für soziale Gerechtigkeit und etwa gegen ungleiche Verteilung von Einkommen, Besitz und politischer Partizipation.

Der darauf folgende zweite Teil des Buches, der ebenfalls drei Kapitel umfasst, steht unter dem Titel „Wie alles begann“ und ist im Kern historisch orientiert, führt aber vom Beginn der In­dustriellen Revolution bis zum Erwachen des ökologischen Be­wusstseins und hin zu ersten Erfolgen der Streiter für politische Gleichberechtigung und ökologischere Lebensweisen. Die we­sentlich von Rebecca Stefoff angefertigten Kastentexte zeigen dabei in vielfacher Weise positive Beispiele von allen Kontinen­ten auf, die demonstrativ belegen, dass Umdenken möglich ist, dass Proteste zwar meist mit starken politischen und wirtschaft­lich motivierten Widerständen zu kämpfen haben, aber in vielen Fällen zu einem Umdenken geführt haben.

In diesem Teil 2 merkt man sehr stark den kapitalismuskriti­schen Impetus der Hauptautorin, und zahlreiche Beispiele, die sie akribisch belegt, sind einfach nur empörend und machen schlicht wütend – wenn es etwa um externe Energie- und Nah­rungsmittelabhängigkeit in Costa Rica geht oder um den Bau von Ölpipelines in den USA, wiewohl deren Gefahren, was Leckagen angeht, klar belegt sind und sich die indigenen An­wohner vielfach strikt gegen solchen Bau aussprechen.

Im Teil 3 „Die nächsten Schritte“ geht es noch konkreter um ak­tuelle Möglichkeiten, die Zukunft anders zu gestalten, als es in der jüngeren Vergangenheit geschah. Es geht um das Lernen aus Fehlern der Vergangenheit, und es tauchen Parallelen auf – etwa wenn es um den „Green New Deal“ geht – mit der jünge­ren Vergangenheit der USA in den 30er Jahren, als Präsident Roosevelt seinen wirtschaftlichen „New Deal“ ins Leben rief, um die Depression der Wirtschaft zu überwinden.

Das Nachwort geht dann auch noch sinnigerweise auf die Coro­na-Pandemie ein und auf das, was wir daraus für die Maßnah­memöglichkeiten lernen können, global vor allen Dingen ökono­misch und ökologisch umzusteuern. Mit Recht weist Naomi Klein darauf hin, dass in der Zeit der Corona-Pandemie, die die Ge­sellschaft weltweit ziemlich abrupt vor die Wand fuhr, atembe­raubende Finanzmittel freigemacht wurden, die es vorher scheinbar so überhaupt nicht zu geben schien … mit einem Mal war das alles denkbar, machbar, finanzierbar.

Ich bin darum ganz auf ihrer Seite, wenn sie sagt, dass – wie zu Zeiten des New Deal oder eben auch in der Corona-Zeit – mit dem entsprechenden Anstoß die Finanzmittel für eine weltweite Umgestaltung unserer globalen Kultur die Maßnahmen, die sie empfiehlt, durchaus nicht sofort als „unfinanzierbar“, „utopisch“ usw. zurückzuweisen sind. Die jüngste Geschichte zeigt uns, dass solche Argumente in Wahrheit Scheinargumente sind und einer genauen kritischen Betrachtung nicht standhalten können.

Die Kräfte des Beharrens sind indes leider erstaunlich hartnä­ckig. Manche Schein-Utopien wie der vermeintliche Segen des „billigen“ Atomstroms sind immer noch en vogue und setzen sich wegen eines einmal eingeschlagenen technologischen Pfa­des auch gegen die menschliche Vernunft weiter durch. Man muss sich nur mal in diesem Punkt etwa klarmachen, dass in die Kosten für Atomstrom überhaupt nicht einfließt, wo und wie langfristig (für ein paar hunderttausend Jahre Minimum) die nu­klearen Abfälle sicher gelagert werden sollen. Die Frage ist bis heute ungeklärt. Dass bei weiterer Nutzung der Kernkraft die Gefahr der Proliferation von Nuklearmaterial für Waffenbau fort­besteht, gehört ebenfalls zu den diesbezüglichen Risiken, die kleingeredet werden.

Und ebenso ist ein Störfall in einem Solarkraftwerk oder einem Kohlekraftwerk in keiner Weise zu vergleichen mit einem Störfall in einem Atomreaktor … wer sich die Folgen davon anschauen möchte, sollte mal nach Pripjet in der Ukraine reisen, wo seit 1986, also seit dem Tschernobyl-Unglück, kein Mensch, der noch seinen gesunden Menschenverstand beisammen hat, leben möchte.

Würde man solche Kosten als versicherungstechnische Risiken in den Atomstrom einrechnen, wäre diese Energieart sofort für alle Zeiten als unrentabel abgeschrieben. Wer darüber nicht nachdenkt, blockiert seinen klaren Sachverstand aus reiner Be­quemlichkeit. Ähnlich könnte man beispielsweise mal über das Thema Besteuerung von Flugbenzin nachdenken … die meisten Airlines wären sofort bankrott, wenn man dies so täte, wie es notwendig wäre. Auch hier: ein eingeschlagener technologi­scher Pfad wird stur beibehalten, obwohl viele Menschen längst wissen, dass er Selbstbetrug ist, der zudem der Umwelt scha­det.

Auch ansonsten spricht das Buch jede Menge Themen an, die zum langfristigen Nachdenken anregen. Ob wir hier über Um­weltverseuchungen durch Fracking sprechen, ob wir an die Überfischung der Meere denken, uns die wild wuchernde Menschheit mit ihren inzwischen schon gut 8 Milliarden Seelen auf unserem begrenzten Globus anschauen, ob es sich um die Versteppung von fruchtbarem Ackerland oder um Extremwette­rereignisse dreht … an sehr vielen Stellen dieses nachdenkli­chen und an vielen Stellen mit Recht zornig geschriebenen Bu­ches kann man erkennen, dass das zentrale Thema nicht eine spinnerte Hirngeburt ist. Man macht es sich zu einfach, junge Klimaaktivisten – wie es gegenwärtig häufig geschieht – mit ge­wöhnlichen Kriminellen in einen Topf zu werfen.

Darüber kann man eigentlich nur betrübt den Kopf schütteln.

Wer sich zudem aus anderen Quellen informiert, etwa dem Ma­gazin GEO oder aus NATIONAL GEOGRAPHIC, der bekommt eine Menge mit über dramatische Gletscherschmelze, der sieht die Folgen von Artenverlust, gerade etwa bei Insekten, erfährt von Gebirgsstürzen, weil der Permafrost dort auftaut. Der runzelt nicht mehr verwirrt die Stirn, wenn er von Flutregen in Oberitali­en liest oder davon, dass Schweizer Seen Pegelniedrigstände zeigen. Dass in Kanada, Russland, Australien und den USA gi­gantische Flächenbrände Hunderttausende von Hektar Wald zerstören. Auf einmal erscheint das alles furchtbar folgerichtig, wenn man mal die komplexen Hintergründe des Klimawandels verstanden hat – und diese transparent für junge Leser zu ma­chen, ist das zentrale Anliegen dieses Werkes.

Ich denke, wer dieses Buch liest und sich ein wenig weiterge­hend aus anderen Medien informiert, dem wird schnell klar wer­den, dass die Autorinnen mit jedem erdenklichen Recht die jün­gere Generation zu mobilisieren suchen, damit der exzessive Lebensstil der Wohlstandsnationen unserer Gegenwart nicht die Katastrophenwelt von morgen für die Kinder von heute erzeugt, die uns bei dem „Weiter so“ folgerichtig droht.

Es ist ein wichtiges Buch, das Klartext redet über die Herkunft der gegenwärtigen Krisenlage, das den Status Quo aufzeigt, die Blockaden aufweist und zugleich Hoffnung macht, weil es welt­weit überall Gegenbeispiele gibt. Gegenbeispiele, die zeigen, dass junge Menschen und jeder von uns eben nicht hilflos einer „verrückt spielenden Natur“ ausgeliefert ist, gegen die man nur mit noch mehr Staumauern, noch mehr Technik, noch mehr Ab­schottung ankommt. Sondern das zeigt, dass diese Strategien solche von gestern sind, dass es neue Wege braucht und diese Wege schon vorhanden sind, Wege zudem, die schon Erfolge im Kleinen errungen haben und auf dem konsequenten Vormarsch sind.

Natürlich macht Naomi Klein auch deutlich, dass es ein mitunter harter, langwieriger und Nerven zehrender Weg ist. Aber das Ziel besteht darin, die Welt vor noch größerem Schaden zu be­wahren und die Zukunft der Menschheit zu gewährleisten.

Ich denke, das ist den Kampf wert.

Lest dieses Buch – es lohnt sich!

© 2023 by Uwe Lammers

Auch das Buch der kommenden Woche ist jüngeren Datums. Diesmal reisen wir einmal mehr in die Parallelwelt der Akteure von Clive Cussler.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

willkommen mal wieder im Reich der semantischen Fallstricke, die ich ahnungsloser Autor vor Jahrzehnten in Episoden des OSM einbaute und dann, als ich die nämlichen Episoden anno 2013 abschrieb, in mitunter grimmiger Kommentarlaune mit Be­merkungen versah.

Die meisten Bemerkungen, die ich zu alten Episoden mache, haben durchaus ihren Sinn. Ich vermerke da verquere oder un­vollständige Sätze, bessere die damals noch ungenügende Zei­chensetzung aus. Mitunter korrigiere ich auch im Lichte der mo­dernen OSM-Physik viele naive Schlussfolgerungen oder offerie­re Begründungen für Dinge, die ich damals einfach nicht recht verstanden habe.

Das betrifft beispielsweise im KONFLIKT 18 „Kampf gegen TO­TAMS Dämonen und Schergen“ (KGTDUS) den Bereich der „Magie“. Wir wissen heutzutage, gestählt durch inzwischen 2405 OSM-Werke, dass „Magie“ im Grunde genommen nur ein Ausdruck ist für physikalische Prozesse, die in der Regel ihren Ausgangspunkt in TOTAMS schwarzer Matrix haben. Da ich die aber bekanntlich erst im Jahre 1994 entdeckte, während ich den Finalzyklus des KONFLIKTS 23 „Oki Stanwer – Der Dämonenjä­ger“ verfasste, hat sich hier in früher geschriebenen Episoden ziemlich viel wirres Zeug angesammelt.

Und dann gibt es so semantisches Treibgut aus den völlig un­durchdachten Untiefen meines Schreibprozesses. Ein paar davon möchte ich euch heute mal wieder präsentieren.

Wir befinden uns im KGTDUS-Band 33 „Die Gründung des Stanwer-Teams“, und wie man schon am Titel erkennt, ist das eine herausragende, wichtige Episode, die deshalb auch konse­quent Mehrumfang erhielt. Man sollte doch annehmen, dass ich da meine Finger und meine Formulierungsfähigkeit arg unter Kontrolle hatte … aber die Realität sieht leider anders aus.

TOTAM versucht, natürlich, ist man versucht zu ergänzen, die Gründung des Teams zu vereiteln. Und dann kommt es zu die­sem denkwürdigen Satz:

TOTAM wusste, dass dieser Plan unfehlbar war. Wenn nicht et­was vollkommen Unberechenbares geschah …“

Ihr ahnt schon, warum ich mir da bei Abschrift und Kommentie­rung schier die Haare raufte. Schaut euch mal meinen Kommen­tar in Fußnote 3965 dazu an:

Das ist nun wirklich wieder ausgesprochen dämliches Zeug. Ein ‚unfehlbarer Plan‘, der natürlich unfehlbar ist, ‚wenn nicht etwas Unvorhersehbares geschah …‘ au Backe. Ein häufig zu findender Lapsus. Erst wird eine absolute Position aufgebaut, um sie dann im nächsten Satz gleich wieder gründlich zu de­montieren. Das ist natürlich eine Strategie, die den Autor im Auge des Lesers zu einem unüberlegten Schwafler degradiert … durchaus mit Recht.“

Wenige Zeilen darunter begrüßt der WEOP-Chef Carl Benson den ägyptischen Helfer des Lichts Altain am Londoner Flughafen Hea­throw. Und zwar mit folgenden Worten (die sind an sich nicht das Problem, das folgt direkt darauf):

„‚Willkommen in good old England, Altain‘, grüßte ihn der Ok­kultist.“

Ich kommentierte, not amused: „Na ja, Benson ist natürlich kein ‚Okkultist‘, sondern mehr eine Art von Verwaltungschef. Die Be­zeichnung ist völlig irreführend. Man denkt sonst, er empfängt Altain in schwarzer Robe mit Zauberstab und Kalesche am Flug­hafen … abstruser Eindruck.“

Denn wir sind hier ja nun einmal nicht bei „Harry Potter“ oder im Land Oz, nicht wahr?

Es geht munter weiter mit den wirren Bemerkungen. Kurz dar­auf treffen sich der Dämon und Helfer des Lichts Zomar mit ei­nem hochrangigen WEOP-Mitstreiter Oki Stanwers, Owen Mc­Clark, im Labor in London, und Zomar hat nach eigenem Bekun­den eine magische Emission angemessen.

McClark argwöhnt, es könne sich um einen Versuch TOTAMS handeln, die Gründung des Stanwer-Teams zu vereiteln. Darauf­hin beruhigt Zomar wie folgt:

Ich kann dich beruhigen. Es ist keine rein dämonische Energie, und sie ist auch nicht offensiv, sondern defensiv.“

Mein Kommentar dazu ist kurz und bündig: „Aua. Was ist denn das für ein Schwachsinn? Zomar!!!“

Warum echauffierte ich mich so? Weil es einfach Nonsens ist. Zomar ist ein Dämon von TOTAM, der qua seiner Natur erken­nen müsste, was das für eine Energieform ist („nicht rein dämo­nisch“ ist sowieso Käse), ob nun also baryonischer Natur, womit sie auch mit normalen Messgeräten zu erfassen wäre, oder eben nicht-baryonischer Natur. In diesem Fall stammt sie direkt von TOTAM, und da TOTAM nun mal der Feind ist, ist TOTAM-Energie, die von Zomar angemessen wird, immer ein Grund, höchst alarmiert zu sein. Stattdessen blubbere ich hier orientie­rungslos herum.

Kein Ruhmesblatt, vorsichtig formuliert.

Die semantischen Fehlgriffe in der Episode gehen auch sonst munter weiter. Kurz danach tritt Oki Stanwer auf und betritt den Bungalow, in dem die Gründung des Teams vonstatten gehen soll. Er trifft auf zwei Personen, die schon warten. Wie formulie­re ich das? So:

Der Bungalow war schon von zwei Menschen besetzt.“

Mein gespielt alarmistischer Kommentar: „Hausbesetzer! Ganz schlimm! Gleich die Polizei rufen … ach so, es sind nur Benson und Altain … na denn …“

Als dann der Gründungsprozess in die heiße Phase tritt, scheint es eine Explosion zu geben. Im Text heißt es dazu:

Plötzlich schien die Welt unterzugehen! Das gesamte Wohn­zimmer wurde zu einem Ball aus greller, lodernder Glut, die so gewaltig war, dass ich nichts mehr sehen konnte. Alles ver­schwand lautlos hinter einem Teppich aus weißem Licht, der mich auf der Stelle blendete.

TOTAMS RACHE!, das war alles, was ich denken konnte, bevor ich die Besinnung verlor …“

Dramatisch, ohne Frage. Aber für mich aus einem anderen Grund, wie ich 2013 kritisch kommentierte: „Weißes Licht – TO­TAMS Rache? Oki, du freundlicher Hammel, da denkst du aber wirklich so gar nicht nach!“

Denn bekanntlich gebietet TOTAM über die SCHWARZE Matrix, und die TASSYJAAR-Blitze, die die Dämonen abfeuern, sind ebenfalls schwarz … und auf einmal soll alles WEISS sein? Und trotzdem von TOTAM stammen? Ist das der groteske Versuch ei­ner Friedenskampagne? Nach dem Motto: Ich gleiche mich schon mal farblich den Lichtmächten an und mache gut Wetter …?

Ihr versteht, warum das bis heute ganz und gar abwegig klingt. Weil es genau das IST.

Ich hatte wirklich nur einen Vorteil: KGTDUS-Band 33 war zu Ende, und es konnte hier keine weiteren Schreibpannen geben. Für heute möchte ich es bei dieser neuen Fehlerlese belassen … demnächst gibt es Nachschub. In der nächsten Woche schauen wir uns mal an, wie weit ich im Monat April 2025 kreativ voran­gekommen bin.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 539: Verbotene Erfüllung (2)

Posted Dezember 17th, 2025 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

manchmal erweisen sich vermeintlich interessante Lektüren, die sich von Anfang an auf drei Bände beschränken, als unschöne Überraschungen. Bei Kitty Frenchs Trilogie haben wir solch ei­nen Fall vorliegen, bei dem mit fortschreitender Lektüre immer mehr Schwächen der Konstruktion zutage traten. Vorsichtig ge­sprochen: Da hat sich jemand nicht wirklich einen langfristigen Masterplan gemacht, um eine Trilogie zu schreiben. Mit der Kon­sequenz, dass schon nach dem zweiten Roman im Grunde ge­nommen alles Relevante gesagt ist und viele, viele Seiten ge­schunden wurden.

Gelegentlich unterhaltsam, das ist nicht zu bestreiten, aber eben nicht so konsequent durchgeplant, dass man hier von ei­ner gut strukturierten Geschichte sprechen könnte. Die Hand­lungsführung ist vielfach unrealistisch verengt, Handlungsoptio­nen werden nicht weiter verfolgt, künstliche Hürden aufgebaut und umgehend wieder zurückgebaut … wirklich, gegen Ende des Romans war ich arg genervt.

Wem das nach einem ziemlichen Verriss klingt, der sollte sich vielleicht selbst mal ein Bild machen. Möglicherweise gehe ich mit der Autorin ja zu harsch ins Gericht, das ist nicht undenkbar. Aber ich bleibe durchaus bei meiner Ansicht, dass dies eine Lek­türe ist, die ich im Rückblick nicht als angenehm und „rund“ in Erinnerung habe …

Verbotene Erfüllung

(OT: Knight & Stay)

Von Kitty French

Lyx (keine Verlagsnummer!), Januar 2015

304 Seiten, TB

ISBN 978-3-8025-9540-0

Aus dem Englischen von Nele Quegwer

Eine Frau zwischen zwei Männern … eine altbekannte Geschich­te, deren Variationsbreite recht gut dokumentiert ist. Der eine Mann ist Sophie Blacks Ehemann, der andere ihr neuer Chef und zugleich ein unverschämt gut aussehender norwegischer Unternehmer, der in London lebt und ihr Blut zum Sieden bringt. Als Sophie merkt, dass ihr Ehemann Daniel sie seit Jahren mit einer anderen Frau betrügt und ihre Ehe immer mehr in Routine und Gleichgültigkeit zu erstarren beginnt, öffnet sie sich mutig, wenn auch im Herzen immer noch zaudernd, den Avancen von Lucien Knight, dem erfolgreichen Unternehmer, der in Europa eine Vielzahl von erotischen Nachtclubs betreibt und zudem eine breite Palette immer stärker nachgefragten Liebesspiel­zeugs anbietet.

Lucien entführt sie nach Norwegen auf ein mondänes Anwesen und erweist sich als phantastischer Liebhaber, der ihre schlum­mernde Libido zu heller Glut entfacht und ihren Körper zu neu­em Leben erweckt. Noch nie hat sie sich so lebendig gefühlt und zugleich so zerrissen. Als Lucien sie zudem noch mit hand­festen fotografischen Beweisen für die Untreue ihres Gatten konfrontiert, überspannt er aber den Bogen. Er, der niemals mehr als unverbindliche Sexabenteuer will und Sophie keinerlei Versprechungen machen will, hat im Sinn, dass dieses Wechsel­bad aus Emotionen und Zorn, das er in ihr entfacht, sie stählen soll für die – in seinen Augen notwendige – Auseinandersetzung mit ihrem untreuen Ehemann nach ihrer Rückkehr nach Eng­land. Stattdessen sorgt er quasi für Sophies emotionale Vernich­tung.

Tatsächlich geschieht die Begegnung auf den letzten Seiten des ersten Romans „Verbotene Versuchung“, doch die wirkliche Konfrontation findet dann erst auf den ersten Seiten dieses Nachfolgeromans „Verbotene Erfüllung“ statt, wo die beiden Männer aufeinanderprallen und Sophie Daniel des Hauses ver­weist … und Lucien desselben! Statt sich nun für eine Weiterbe­schäftigung in seinem Unternehmen zu entscheiden, lässt ihr verwundetes Herz das nicht zu, und sie kehrt desillusioniert und nach einer Zeit finsterer Verletzung in ihre alte Firma zurück. Hier wird prompt ihr vormals schon übergriffiger Chef noch un­verschämter und fördert Sophie Blacks Entschluss, sofort auch hier wieder zu flüchten.

Was also nun?

Ihr Mann ist des Hauses verwiesen, zurück zu seiner Geliebten Maria, der er ja im Geheimen schon drei Jahre die Treue gehal­ten hat. Und der Mann, dessen erotische Finessen Sophie lieben gelernt hat, Lucien Knight, erweist sich als eine stete Anfech­tung, doch er kann und will ihr keine Zukunft versprechen.

Als sie also nun in Luciens Firma zurückkehrt (als gäbe es in England nur zwei Firmen, in denen sie tätig werden kann! Diese Einschränkung ist höchst künstlich, wird aber nirgendwo auch nur eine Sekunde lang hinterfragt!), macht sie kategorisch klar, dass eine „Freundschaft mit gewissen Extras“ nicht mehr zur Diskussion steht. Kein Flirten mehr, keine Berührungen, nichts dergleichen. Nur unter diesen Bedingungen will sie weiter mit ihm arbeiten.

Es erweist sich für beide Seiten als Qual. Lucien, der sogar aktiv versucht, sich nicht von seiner Erinnerung blenden zu lassen, die ihn mit Sophie verbindet, sondern tatsächlich anderen Frau­en zuzuwenden bemüht, stellt frustriert fest, dass es ihn, der sonst immer so promiskuitiv war, beim besten Willen nicht er­regt, mit irgendeiner anderen Gespielin zusammen zu sein – weil er immer nur an sie denken kann. Und Sophie, die sich dem Kontakt verweigert, spürt doch, wie die Anziehung Luciens im­mer stärker an ihr zerrt. Das ist umso peinigender, als Daniel zwischendurch Anstrengungen macht, zu ihr zurückzukehren – und über die vergangenen drei Jahre der Untreue einfach so hin­weggehen möchte, als hätte es sie nie gegeben.

Das ist nun die völlig falsche Strategie, und das muss er alsbald auch entdecken.

Sophie dagegen beschließt schlussendlich, bewegt von ihrer besten Freundin Kara Brookes (deren Nachnamen man übrigens ärgerli­cherweise erst im dritten Band erfährt!), als eine gemeinsame Dienstreise mit Lucien ansteht, doch noch eine letzte erotische Achterbahnfahrt mit ihrem Chef in Paris zu wagen. Was in Paris geschieht, bleibt in Paris, glaubt sie. Sie hat sich aber noch nie in ihrem Leben so geirrt …

Der zweite Band der Trilogie um Sophie Black und Lucien Knight, den Kitty French geschrieben hat, liest sich zwar eben­falls sehr rasant, aber er enttäuscht doch in vielerlei Hinsicht. Es zeigt sich, dass die Autorin zwar einige Raffinesse im Beschrei­ben opulenter Liebesszenen besitzt und unbestreitbar schön va­riierende Phantasie in dieser Beziehung, dass darüber hinaus die Handlung aber kategorisch vernachlässigt wird. Das spürt man sehr bald unschön.

Die Geliebte Daniel Blacks etwa, Maria, bleibt die ganze Zeit über beide Romane ein nachnamenloser, blasser Schatten ohne eigene Person am Rande der Wahrnehmung, eine reine Statis­tin. Daniel selbst, der untreue Ehemann, ist ebenfalls eher eine Abziehfigur, die vom blanken Klischee nicht weit entfernt ist und quasi kaum eine Rolle spielt. Zudem hat man gerade bei ihm das Gefühl, dass die Autorin im zweiten Band ab der Hälfte des Romans plötzlich brüsk die Handlungsführung geändert hat.

Warum? Weil Daniel ankündigt, er werde um Sophie kämpfen und auch den Kampf gegen Lucien persönlich aufnehmen … na endlich, denkt man, endlich kommt ein wenig Konflikt in die Ge­schichte! Aber es bleibt vollständig bei dieser vollmundigen Er­klärung. Danach taucht der Ehemann überhaupt nicht mehr auf! Stattdessen überrascht das Ende des Romans den Leser mit ei­ner Ehegemeinschaft zwischen Lucien und Sophie und einer kleinen gemeinsamen Tochter.

Hallo?, dachte ich doch einigermaßen überrumpelt. Ich denke, wir sind im zweiten Teil einer Trilogie! Wo ist denn der dramati­sche Übergang zum dritten Teil? Könnt ihr vergessen, es gibt ihn nicht. Konflikte in diesem Roman, die über die rein emotionale Ebene hinausgehen? Fehlanzeige. Das „Dramatischste“ ist noch die Sache mit Luciens Vater, aber auch dieses „finstere Geheim­nis“, das angeblich ihre (vermeintlich gar nicht existierende) Be­ziehung bedrohen könnte, auch dieses Geheimnis löst sich qua­si in heiße Luft auf wie so vieles, was an Lucien bisher so rätsel­haft war und wo er kategorisch bei Nachfragen mauerte.

Eigentlich zeigt das alles aber nur, dass die Verfasserin der Ro­mane mit wirklich dramatischen Geheimnissen oder ernsten Komplikationen nicht umgehen kann und sie auch nicht darstel­len mag. So bleiben zwar sehr erotisch explizite Romane zurück, die sich durchaus anregend lesen lassen. Aber Tiefgang braucht man nicht zu erwarten, über seichte Liebesromane gehen sie nicht wirklich hinaus.

Der Autorin geht also tatsächlich bereits nach dem zweiten Band der Trilogie die Luft aus, was man nicht zuletzt auch am deutlich geringeren Umfang dieses Romans spürt. Und um was geht es dann im dritten Band, wenn hier schon alles gesagt ist? Nun, um Sophies beste Freundin Kara, die bislang eine reine (nachnamenlose!) Nebenperson war und die dann biografisch und erotisch-emotional natürlich auch noch zum Happy End ge­bracht werden soll. Weil es sonst ja nichts mehr zu erzählen gibt. Seufz!

Ernsthaft, vom vorliegenden Roman war ich dann doch reichlich enttäuscht. Die Verfasserin versteht es wirklich nicht, dramati­sche Handlungsstrukturen aufzubauen und sie so über drei Ro­mane zu verteilen, dass sie sich stetig steigern. Alles ist letztlich sehr, sehr durchsichtig und romantisch-optimierend angelegt. Wer im Sommerurlaub also Langeweile haben sollte und sich nichts Besseres als leicht erregende Lektüre vorstellen kann, um total von der Normalität abzuschalten und sich in rosarote Träume zu versenken, der kann zu dem Buch greifen. Allen an­deren würde ich davon dann doch (leider) eher abraten. Es gibt wirklich auch intelligentere erotische Romane.

Eher aus Pflichtbewusstsein werde ich mir den dritten Teil auch noch antun, aber ich gebe freimütig zu, dass ich davon keine fundamental neuen oder revolutionären Erkenntnisse erhoffe. Vielleicht werde ich ja positiv überrascht, auch wenn ich da deutliche Skepsis anmelde …

© 2019 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche kommen wir dann zu etwas vollkom­men anderem, nämlich zu einem kritischen Sachbuch jüngeren Datums, das sich mit Gegenwartspolitik und der Zukunft der Welt befasst. Und ich merke schon mal an, dass ich, als ich die­ses Buch im Freundeskreis positiv hervorhob, doch einigen Ge­genwind erhielt … ich denke, das macht schon mal neugierig auf das, was ich euch nächstens vorstellen werde.

Bis nächste Woche, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.