Liebe Freunde des OSM,

wie ich euch das vor elf Wochen versprochen habe, kommen wir heute im Teil 7 der kleinen Artikelreihe zu der Werkreihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“ zum Jahr 1991. Damals, ich war gerade frisch aus dem Zivildienst heraus, absolvierte mein Jahr Fachoberschule Wirtschaft und machte sodann den Sprung ins Kol­leg, um in drei weiteren Schuljahren mein Abitur nachzuholen, war eine turbu­lente Zeit. Ich lernte viele neue Menschen kennen, mit denen ich z. T. viele Jah­re lang befreundet war, kam in der Gegend herum, machte Reisen und er­schloss mir beispielsweise das Themenfeld der Philosophie völlig neu.

Ihr könnt euch denken, dass das nicht ohne Einfluss auf meine Geschichten blieb, und wer so denkt, hat damit vollkommen Recht. Im kreativen Bereich be­gann eine neue Ära des Schreibens, schon punktgenau am 1. Januar 1991, als ich die nächste OSM-Serie „Oki Stanwer – Der Missionar“ aus dem Boden stampfte. Darüber habt ihr in der Artikelreihe „Was ist eigentlich der OSM?“ schon Näheres erfahren. Darum soll es heute nicht gehen.

Am 17. Februar wurde das erste Annalen-Werk dieses Jahres fertig gestellt, und das verdient dann thematisch mehr Aufmerksamkeit: „Die magische Waffe“ hört sich auf den ersten Blick vom Titel her an wie eine Fantasystory, aber ich versichere euch, wer das glaubt, könnte nicht falscher liegen. Ich reiste mit die­ser Story zurück ins Schreibjahr 1985 und in einen beendeten KONFLIKT, um eine logische Handlungslücke zu schließen. Das resultierte aus der Tatsache, dass ich ja nach wie vor dabei war, die Romanfassung des KONFLIKTS 13 „Oki Stanwer Horror“ (OSH) (1982-1985) zu schreiben.

Doch „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ (CK), wie dieses mehrere tausend Manu­skriptseiten starke Überarbeitungswerk heißt, dümpelte mühsam vor sich hin und wurde, je länger es sich dehnte, umso langsamer. Ein bisschen vergleichbar mit einem Supertanker, der schwache Maschinen hat und zudem leckge­schlagen ist. Keine gute Vorstellung. Und da gab es während der Überarbeitung inhaltliche Lücken, die ich schließen musste. „Die magische Waffe“ war die ers­te solcher Lücken, die ich erfolgreich schließen konnte.

Wir befinden uns in dieser Geschichte in einer Alptraumwelt wieder: man schreibt das Jahr 2123 irdischer Zeitrechnung. Die Menschheit hat durch eine für die meisten Zeitgenossen völlig unbegreifliche Katastrophe magischer Natur Irland eingebüßt. Einige Jahre zuvor ist „irgendetwas“ über Irland explodiert und hat die grüne Insel in eine von untoten Kreaturen und monströs entarteter Vegetation besiedelte Region des Schreckens verwandelt. Allein Oki Stanwer und die engsten Mitarbeiter des so genannten Stanwer-Teams, einer Abteilung des New Scotland Yard, sind inzwischen darüber informiert, was damals gesch­ah und was sie nicht abwenden konnten.

Eine dämonische Macht namens CLOGGATH unternahm offensichtlich mit ei­nem Vehikel, das man später als FRAS-ZONE (kein Schreibfehler!) bezeichnen wird, einen Landeversuch auf Irland, der fehlschlug.

Doch genau in diese Schreckenslandschaft führt nun ein Geheimauftrag eine Gruppe von Söldnern, die ein Relikt bergen sollen, das sich dort befindet – eine so genannte Dämonenwaffe von TOTAM. Und es ist eine Reise in die Hölle…

Nach dieser Geschichte tauchte dann im Bereich des Non-OSM wie ein Geist aus der Flasche eine komplette phantastische Romanserie namens „Barry Car­son“ auf, zu der ich mehrere Romane schrieb, was mich ein paar Monate lang gründlich in Atem hielt – neben dem Schreiben zahlreicher OSM-Episoden und dergleichen. Am 6. Juni stellte ich dann aber die nächste Annalen-Geschichte fertig.

Der Matrixschatten“, so der Titel dieser Novelle, ist ebenfalls von meinen Ar­beiten am CLOGGATH-KONFLIKT inspiriert, das merkt man ganz eindeutig. Und doch ist diese Geschichte nicht Teil von KONFLIKT 13, sondern in einer bizarren Form von… ja, nennen wir es Parallelwelt angesiedelt. Es ist ein wenig schade, dass ich euch eine wesentliche Voraussetzung dieser Geschichte nicht erzählen kann, um die Neugierde auf KONFLIKT 13 zu erhalten. Aber auch so, will mir scheinen, kann ich erläutern, worum es in dieser Geschichte geht.

Der Schauplatz ist einmal mehr das durch den CLOGGATH-Krieg gründlich ver­wüstete englische Königreich, diesmal die in Trümmern liegende Themsemetro­pole London. Hier hat sich ein Statthalter der Dämonenwaffe GOLEM zum Herr­scher aufgeschwungen. Ungeheuerliche Lebensformen bevölkern die Ruinen­stadt, und eine Gruppe zerlumpter Flüchtlinge aus dem Umland, die hierher ge­langt ist, stellt mit Bestürzung fest, dass die Hauptstadt der Insel keine Sicher­heit bietet.

Während eines Erkundungsganges stoßen diese Überlebenden des Infernos auf einen dunkelhäutigen Mann in einem atemberaubend makellosen Anzug, er sieht aus, als sei er von den Sternen herabgestiegen. Das ist nicht völlig ver­kehrt. Nuara Nkimbo, so der Name dieses Mannes (dem Leser des KONFLIKTS 13 durchaus vertraut, allerdings ist er in der Serie gestorben), ist ein Gesandter der legendären Fürstin der Matrix – und ehe er versteht, was geschieht, wird ihm eine Kugel in den Rücken geschossen… und was dann geschieht, übertrifft die schlimmsten Befürchtungen bei weitem.

Einen Monat später, am 8. Juli 1991, fügte ich dann mit „Brennpunkt OKISTAN“ den nächsten Teil der Romanüberarbeitung des KONFLIKTS 15 „Oki Stanwer“ (1981-1984) meinem Oeuvre hinzu, Band 8 der Serie, sollte ich dazu ergänzen. In diesem Roman blendete ich weg von der terranischen Siedlerwelt Beteigeuze IV und von der Zentralwelt, wo ich noch im vorherigen Jahr geweilt hatte. Prot­agonist wurde nun wieder Oki Stanwer.

Er hatte inzwischen in mentaler Form das grässliche Paralleluniversum verlas­sen, in dem TOTAM den KONFLIKT gewonnen hatte (so geschildert im Roman „Kosmos des Terrors“, 1987), und seine treibende Seele reiste nun zurück in die Galaxis Milchstraße des aktuellen KONFLIKT-Universums. Hier landete sie auf der verfallenen Medowelt des okischen Imperiums, auf OKISTAN, und sie über­nahm wie schon einmal einen der wenigen noch vorhandenen Klonkörper Oki Stanwers in dem Komplex Eisgruft.

Natürlich gab es Probleme – denn OKISTAN war zwischenzeitlich von Truppen TOTAMS besetzt worden. Und dann war da noch die gruselige Erkenntnis, dass es Oki Stanwer auf einmal doppelt gab… einmal die Seele des Kaisers der Okis, und dann die Seele jenes Oki-Stanwer-Androiden, die er bei seiner Wiederge­burt vor Monaten aus dem Klonkörper der zoranischen Menschheit vertrieben hatte (so geschehen in Band 1 der Überarbeitung, d. h. dem Roman „Oki Stan­wers Rückkehr“, 1986).

Stress? Das ist noch gar kein Ausdruck dafür. Denn der Android hatte nur ein einziges Ziel: Oki Stanwers Vernichtung!

Anschließend wurde ich für Monate mit der Fertigstellung von Teil 1 des Ro­mans „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ absorbiert (Der Titel lautet „Rein“ im Sinne von schuldlos und umfasste 991 Seiten Manuskript).

Am 17. November brauchte ich dann offensichtlich eine gründliche Auszeit – nicht vom OSM, aber von allem, was den CK anging. Und so unternahm ich die Abenteuerreise, fast bis ganz zum Anfang des Oki Stanwer Mythos zurückzurei­sen. Wohin? In den bislang völlig unerforschten KONFLIKT 1.

Um es kurz zu machen – der Raum ist begrenzt heute, und zu viel vorwegneh­men will ich auch nicht – , es wurde ein regelrechter Crashkurs für mich. In nur drei Wochen (der Roman „Der Zathuray-Konflikt“ wurde bereits am 7. Dezem­ber 1991 beendet) schoss ich gleich einem Meteor mit ähnlicher Vernichtungs­wucht durch dieses beschauliche kleine Universum und brachte zahlreiche Din­ge zu einer jähen Blüte.

Was beispielsweise? Ach, die Zivilisation des Planeten Zathuran, wo das kleine humanoide Volk der Desiner gerade dabei ist, bescheidene Raumfahrtziele zu entwickeln und Weltraumteleskope besitzt wie auch eine kleine Raumstation, vergleichbar mit unserer ISS. Ein Sonnensystem, das offensichtlich völlig allein im Kosmos ist. Ein Bauprojekt der Baumeister… und auf einmal von etwas Un­geheuerlichem bedroht, das sich unaufhaltsam nähert – einer Art von schwar­zem Tastfühler, der direkt von einem totgeglaubten Feind kommt: von TOTAM!

Wer hier jetzt Parallelen mit dem Annalen-Roman „In der Hölle“ zieht, liegt so falsch nicht. Nun, die Lichtmächte entscheiden jedenfalls, dass eingegriffen werden muss, und sie senden erstmals ihren Paladin des Lichts, Oki Stanwer, in den Einsatz. Und das Auftauchen und Aufeinanderprallen der Antagonisten löst eine beispiellose Katastrophe aus…

Ein Roman wie ein Fieberalptraum, kann ich euch sagen. Und ich arbeite derzeit daran, ihn abzuschreiben und für euch aufzubereiten. Das wird in diesem Jahr 2015 noch nichts werden, aber höchstwahrscheinlich anno 2016. Auch deshalb wäre es wenig klug, hierüber mehr zu berichten. Zumal ich außerdem noch auf der Suche nach einem Illustrator für ein passendes Titelbild bin… das ist ein zentraler Punkt, warum ich euch viele Geschichten noch nicht zugänglich ma­chen kann. Da ist ein Titelbild in meinem Kopf, aber niemand, der es zeichnen könnte oder wollte… vielleicht finden sich ja beizeiten neugierige kreative Ta­lente, die mich in dieser Hinsicht unterstützen wollen, um dem OSM und ihrem eigenen Wirken so zu mehr Breitenwirkung zu verhelfen. Zu wünschen wäre es unbedingt, und es wäre für beide Seiten von Nutzen.

Soviel sei also zum Kreativjahr 1991 vom Standpunkt der „Annalen der Ewig­keit“ zu berichten. Beim nächsten Mal kümmern wir uns um 1992 und 1993, vielleicht komme ich sogar bis anno 1994. In diesen gesamten drei Jahren ka­men die „Annalen“ nämlich lediglich um 4 Werke voran.

In der kommenden Woche an dieser Stelle erfahrt ihr, auf was für OSM-relevan­ten Themenfeldern ich kreativ im Mai 2015 unterwegs gewesen bin. Bleibt neu­gierig, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 21: Fehlfunktion (2)

Posted August 19th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wie versprochen kehren wir in den Kosmos von Peter F. Hamilton heute zurück. Sein Roman „The Reality Dysfunction“ wurde damals vom Verlag Bastei-Lübbe in zwei Teile gespalten, was zweifellos nicht nur dem dicken Ursprungsmanu­skript, sondern auch Axel Merz´ wortreicher Übersetzung geschuldet war. Und wie das in diesem Zyklus so üblich war, bekam dann jeweils nur ein Teilband den Titel des Originals ab, hier also der vorliegende Band.

Nun, ich verschlang die vorliegenden 840 Seiten im ersten Anlauf in vier Tagen… ich glaube, das sagt alles über die Lesbarkeit aus, nicht wahr? Und worum es genau ging, das erfahrt ihr nun:

Fehlfunktion

(The Reality Dysfunction, Part II)

Armageddon-Zyklus, 2. Roman

von Peter F. Hamilton

Bastei 23222

864 Seiten, TB

März 2000, 9.90 Euro

Übersetzt von Axel Merz

Nahtlos geht die Handlung aus dem ersten Roman (vgl. Rezension „Die unbe­kannte Macht“) weiter, da dieser Band eigentlich nur den zweiten Teil des volu­minösen ersten Werkes der Trilogie darstellt, die Hamilton verfasst hat.

Am Ende des ersten Teils verfolgte der Leser teilweise atemlos die schleichende, bösartige Ausbreitung der unheimlichen Gefahr vom Dschungelplaneten Lalon­de, die ausgerechnet an Bord der Lady Macbeth des jungen Raumfahrtunter­nehmers Joshua Calvert zum Planeten Norfolk übersprang – unbemerkt. Von dort aus verbreiteten sich weitere Infizierte (nennen wir sie vorab schon „Be­sessene“, wenngleich dieser Terminus erst in diesem Band auftaucht) über wei­tere Welten.

Während auf dem Habitat Tranquility weiterhin der Datenträger der unterge­gangenen Rasse der Laymil ausgewertet wird und spektakuläre Entdeckungen gelingen, versucht die heimatlose Dr. Alkad Mzu, die Architektin des monströ­sen Alchimisten, noch immer aus dem Habitat zu entkommen und spricht wei­terhin Raumfahrtkapitäne an. Niemand ahnt, was sie wirklich im Schilde führt. Ein Geheimdienst beginnt sogar schon Pläne auszuarbeiten, um die Physikerin zu liquidieren.

Das alles ist eine Langzeitgeschichte. Weitaus kurzweiliger ist die Entwicklung im System des Kolonialplaneten Lalonde. Die Verwaltung in der Metropole Dur­ringham wird endlich darauf aufmerksam, dass im Hinterland, zu dem die neuesten Kolonisten unterwegs sind, schreckliche Dinge passieren. Die Satelli­ten zeigen ausgebrannte Häuser in Siedlungen, die Berichte der Sheriffs wider­sprechen den optischen Angaben, und so werden Soldaten in Marsch gesetzt, die unverzüglich mit bizarren Phänomenen konfrontiert werden: mit in Quell­wasser badenden, erotischen Nymphen, die sich in menschenverschlingende Ungeheuer verwandeln; mit steinernen Gebäuden, die aus jahrhundertealten Filmaufnahmen stammen könnten; mit Schaufelraddampfern des irdischen 19. Jahrhunderts, schließlich mit ganzen Ritterarmeen. Und bald fällt ein Distrikt nach dem nächsten in dumpfes Schweigen. Der unheimliche Feind okkupiert La­londe mit gespenstischer Geschwindigkeit.

Da auf die konföderierte Navy kein Verlass ist, beschließt die Verwaltung von Durringham, zum Schutz der Siedler in Eigenregie zu handeln. Die Kolonialge­sellschaft LEG organisiert auf Tranquility eine umfangreiche Söldnerarmee, die die „Aufstände“ gewaltsam niederschlagen soll.

Inzwischen aber ist eine Aufzeichnung in die Konföderation gelangt, auf der ein Reporter den berüchtigten edenitischen Verbrecher Laton gefilmt hat, der La­londe verlässt. Die Konföderation gerät daraufhin prompt in Hysterie, hat doch Laton schließlich vor mehr als 20 Jahren bei seiner Flucht aus dem edenitischen Herrschaftsbereich ein ganzes Habitat als „Ablenkungsmanöver“ mitsamt sei­nen Bewohnern zerstört. Nun also wird die Navy aktiv und beschließt, sowohl Lalonde abzuschotten als auch zu verhindern, dass die Söldner landen. Das aber kann nicht mehr ganz verhindert werden, und erst recht nicht, dass Besessene zu den Orbitalschiffen zurückkehren. Die Folge ist eine schreckliche Raumschlacht im Lalonde-System. Und das alles ist nur der Beginn…

Im zweiten Band von Hamiltons packendem SF-Zyklus kommt der Leser eigent­lich gar nicht mehr zur Ruhe. Man fiebert unwillkürlich so sehr mit, dass man sich zwingen muss, die Seiten langsam und nacheinander zu lesen.

Es gibt ein schönes Wiedersehen mit der zunehmend charismatischer werden­den Ione Saldana, der Herrin von Tranquility, man trifft von neuem die sehr sympathische edenitische Voidhawk-Pilotin Syrinx, der unheimliche Laton er­hält neue, Furcht erregende Züge, und der Leser wirft einen Blick auf die ent­setzliche Leere, aus der die gepeinigten Seelen der Besessenen kommen. End­lich wird dieser so unbegreifliche Feind ein wenig klarer erkennbar. Was nur heißt, dass es insgesamt noch monströser wird. Horror trifft hier recht handfest auf Science Fiction, eine Mischung, die nicht unbedingt negativ zu beurteilen ist. Und es werden langfristige Perspektiven angelegt, etwa mit dem Kult des „Schlafenden Gottes“ oder mit dem, was als „Realitäts-Fehlfunktion“ titelge­bend war.

Natürlich ist nach wie vor nicht ganz klar, was dort geschieht, noch viel weniger aber, wie man diese Lawine aufhalten kann, die sich scheinbar unaufhaltsam durch die Konföderation zu wälzen beginnt. Lalonde hat vermutlich nach die­sem Roman als Handlungsschauplatz weitgehend ausgedient, aber es gibt noch eine Reihe anderer. Und, das ist vielleicht das Spannendste, Hamilton beginnt die „dunkle Seite“ zu diversifizieren. Individuen werden nach und nach erkenn­bar, und einige haben einen faszinierenden Charakter.

Alles in allem enthält dieser Roman viele Anlagen für künftige Schrecken, doch man kann sich ebenso sicher sein, dass der dritte Band des Zyklus uns wieder neue Schauplätze bringen wird und alte in neuem Licht erstrahlen, meist in ziemlich düsterem. Ich sage nur: Norfolk und Omuta.

Vier Tage Lesezeit für 864 Seiten, das ist, glaube ich, seit Gabaldon nur selten da gewesen bei mir. Guter Stoff. Und es steht zu befürchten, dass mich auch der dritte Teil mit über 900 Seiten nicht viel länger beschäftigen wird. Dafür ist die Sache einfach zu gut gemacht…

© by Uwe Lammers, 2004

Ja, ja, wer mit dem Band 1 der Saga Feuer gefangen hat, der hat hier die erst­klassige Chance, einfach zum Seitenverschlinger zu mutieren und sich die Tage und Nächte um die Ohren zu schlagen, um ganz in Hamiltons Kosmos aufzuge­hen. Auch mit einer Distanz von mehr als 10 Lesejahren kann ich nach wie vor konstatieren: gutes Lesefutter, höchst unterhaltsam geschrieben und übersetzt.

Stürzt euch ins Vergnügen, Freunde! In der kommenden Woche marschieren wir direkt hinüber ins Reich der Philosophie und Psychologie. Wie das aus­schauen soll? Na, da lasst euch mal brav überraschen und schaut wieder rein am 26. August.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 128: Logbuch des Autors 14: Scheverlays Schicksal

Posted August 16th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es gibt grässliche Lebensläufe im Oki Stanwer Mythos, von denen ihr bislang noch nicht sehr viel mitbekommen habt, weil noch so wenig vom Gesamtwerk erschienen ist. Aktuell lernt ihr gerade das unglaubliche Leben der yantihni­schen Linguistin Vaniyaa kennen, wenn ihr meiner Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) folgt. Ihr habt auch schon in Annalen 1: „In der Hölle“ anno 2013 den armen Techno-Feinmechaniker Hanamanjin verfolgen können.

Das ist freilich nichts gegen das Schicksal, das ich gerade hautnah miterlebe, während ich den OSM-Band 1750 seiner Vollendung näher bringe (ist nicht mehr viel Stoff, die Geschichte ist fast vollendet). Heute möchte ich euch also ein wenig von der Welt berichten, in der ich mich gerade aufhalte, einem Plane­ten namens Tornolaan, und von einem Mann, der dort lebt und… ja, vom Schicksal geschlagen ist. Ich glaube, das trifft es ganz gut.

Alles ging im Mai 2015 eigentlich los.

Anfang Mai starb meine Mutter recht unerwartet im Alter von 75 Jahren, was angesichts ihres schlimmen Gesundheitszustandes zweifellos eine Erlösung für sie gewesen ist… mich stürzte dieser familiäre Trauerfall in eine kreative Turbu­lenz. Mein vorheriger Plan, die OSM-Episode „Tödliche Entscheidung“ in KON­FLIKT 24, d. h. der Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK) zum Band 1750 zu machen, erlitt einen schweren Rückschlag.

Wochenlang machte ich alles mögliche andere, aber ich beschäftigte mich kaum mit dem OSM… und als es dann endlich wieder soweit war, stolperte ich in Band 33 der Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) hinein, in „Traum-Ex­perimente“.

Moment, mögt ihr jetzt sagen, wenn ihr eure Detailkenntnis aus den Blogarti­keln über den Aufbau des OSM – speziell aus dem Blogartikel 100 – noch prä­sent habt, Moment, Uwe, das ist doch KONFLIKT 4, der liegt rund 100 Milliarden Handlungsjahre früher als KONFLIKT 24…

Ja, das stimmt. Aber die Handlung ließ sich nicht aufhalten. Ich rauschte durch diesen Band 33 – Teil 1 einer Trilogie – hindurch wie ein heißes Messer durch ein Stück Butter, es war einfach phantastisch. Und noch schöner: während ich schrieb, tauchten die bislang unbekannten Titel der Bände 34 und 35 auch auf. Band 34 „Flug zur Museumswelt“ wurde dann recht unvermittelt zum OSM-Band 1749. Und der nächste Band, Nr. 35 mit dem Titel „Projekt Vergangen­heit“, bedrängte mich.

Also änderte ich meinen Entschluss und begann, diesen Band in die Nr. 1750 zu verwandeln – ein Entschluss, den ich nicht bereue, wie ich sagen muss. Inzwi­schen hat dieses Werk schon 52 einzeilige Seiten, ich schätze, es könnte noch fünfzehn bis zwanzig weitere bekommen. Und das ist dann der Schauplatz mei­nes aktuellen Schreibprozesses:

Wir schreiben im INSEL-Imperium Oki Stanwers und der Baumeister das Jahr 2562, und die Baumeister warten seit zweieinhalb Jahrtausenden auf die be­drohliche Attacke der Macht TOTAM, die irgendwo unlokalisierbar außerhalb der INSEL-Grenzen lauert. Als plötzlich Gebäude und Technos spurlos ver­schwinden – vgl. Annalen 1! – , da ist es ein einzelner Baumeister namens Naam, der diese Vorkommnisse beachtenswert findet.

Naam ist aber ohnehin schon eine schrullige Persönlichkeit gewesen, von sei­nen Artgenossen skeptisch beäugt, weil er sich mit so kuriosen Randerscheinungen wie „Matrixfehlern“ abgibt. Doch Naam ist auf einer heißen Spur, die sengend heiß wird, als er auf den Techno-Träumer Torkeron von Tushwannet stößt und auf seine Gefährtin Rilaan.

Torkeron besitzt eine unheimliche Gabe. Er scheint wie ein parapsychisches Ra­dar Spuren TOTAMS ausfindig zu machen, und Naam lässt ihn und Rilaan auf den ZYNEEGHAR 98.199 am Rand der INSEL bringen, um Näheres herauszufin­den.

Hier hat Torkeron eine grässliche neue Vision, die von der vollständigen Zerstö­rung eben dieses ZYNEEGHARS handelt, auf dem sie sich befinden… und zwar in der nächsten Zukunft. Einzige Chance, diesem Verhängnis zu entgehen, so geht es aus seinen Träumen hervor, ist der „Sektor 977“.

Dieser Sektor 977 ist eine Einteilung der alten Techno-Astronomie, und in die­sem Sektor liegt nur ein einziges von Technos besiedeltes System, nämlich das Valuusch-System mit elf Planeten, deren fünfter den Namen Tornolaan trägt.

Tornolaan ist eine seltsame Welt, von der Zeit fast vergessen… manche nennen diesen Planeten auch „Museumswelt“, und das hat seine Gründe. Ich stellte das schnell fest, als ich in Blitzgeschwindigkeit Band 34 der IR-Serie schrieb. Parallel dazu entstand schlagartig der Anfang der Geschichte „Besuch in der Heimat“, die zu erheblichen Teilen auf Tornolaan spielen wird, einer wirklich beeindru­ckenden, phantastischen und durch und durch melancholischen Welt mit selt­samen Regeln.

Tornolaan wurde einige Jahrzehnte vor Gründung der INSEL besiedelt, und die Familie der Sanjaahel-Technos ergriff hier die Macht und baute sie im „Rat der Sekretäre“ immer weiter aus, bis sie schließlich eine Art von Erb-Monarchie darstellten. Das wäre unproblematisch gewesen, weil die Baumeister solchen Gesellschaftsformen aufgeschlossen gegenüberstanden… aber die Sanjaahel entwickelten von Anfang an eine ausgesprochene Paranoia gegen­über den Baumeistern und schlossen mit Oki Stanwers Bündnispartnern einen Pakt von weitreichender Konsequenz.

Wie der aussah? Nun, während auf Technoros, der Techno-Zentralwelt und zahllosen anderen Kolonialwelten des Techno-Imperiums recht schnell durch die Baumeister-Hightech eine dramatische Revolutionierung und Potenzierung der wirtschaftlichen Möglichkeiten eintrat, während dort durch die Errichtung von Baumeister-Portalen und der Etablierung der Kugelmaschinen-Technologie alle Energieversorgungsprobleme und Reisekomplikationen der Vergangenheit angehörten, verboten die Sanjaahel jedweden derartigen Technologietransfer ins Valuusch-System.

Keine Transmitter.

Keine Kugelmaschinen.

Keine Besuche von Baumeistern. Nie.

Und zwar solange, wie der Sanjaahel-Clan an der Macht blieb.

Die Baumeister waren der Auffassung, es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Sanjaahel oder andere Technos im Valuusch-System Vernunft annähmen. Doch sie irrten sich. Die Sanjaahel klammerten sich an die Macht und schalteten nach und nach jedwede Opposition aus. Zumeist wurden Oppositionelle auf Lebens­zeit in die INSEL verbannt. Auch in der Gegenwart sind die in zahlreiche Unter­familien zersplitterten Sanjaahel auf Tornolaan nach wie vor an der Macht, das Abkommen ist also in Geltung.

Und dann wurde im Jahre 2500 INSEL-Zeitrechnung der Techno Scheverlay von der Linie der Yildar-Sanjaahel auf der Nordhalbkugel von Tornolaan geboren. Sein Name tauchte in mir wirklich blitzartig am 26. Mai auf, und binnen Stun­denfrist tauchten so viele Details in mir auf, dass ich ihm im Band 35 der IR-Serie breiten Raum einräumte.

Er brauchte ihn, weil er die letzte große Person dieser Serie sein wird. Gewisser­maßen ihr Schlussstein. Eine tragische Gestalt, wenn man so will.

Scheverlay Yildar-Sanjaahel ist ein für Techno-Maßstäbe erstaunlich großer Mann, und er wächst ganz so auf, wie die Sanjaahel-Sprösslinge auf Tornolaan das eben so tun – er wird von Robotlehrern unterrichtet, hat Klone als Freunde, und sein Sinnen und Trachten ist ganz auf die landwirtschaftlichen Besitzungen seines Clans ausgerichtet… jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, da ihn am 5. Zuntu­ur 2530 INSEL-Zeitrechnung eine seltsame, fiebrige Erkrankung für 24 Tage in ein unerklärliches Koma wirft.

Selbst die hoch entwickelte Biotechnologie von Tornolaan ist ratlos, was diesen Zustand und seine Ursache angeht. Als Scheverlay nach diesen 24 Tagen wieder erwacht, ist er gründlich verwandelt.

Auf einmal interessiert ihn seine bisherige familiäre Bestimmung kein bisschen mehr. Er entwickelt eine bizarre, unglaubliche Leidenschaft für Raumfahrttech­nik und Astronomie – und schließlich lässt er sich in der fast völlig verlassenen Metropole Oplareen am Jaasis-Ozean von dem greisen Technik-Archivar Lhaigu­ur ebenfalls zum Technik-Archivar ausbilden.

Das Herzstück des großen Technikmuseums von Oplareen ist ein mächtiges, ur­altes Raumschiff der Technos, die RASLOORED – ein Nachbau jenes ursprüngli­chen Siedlungsschiffes, mit dem vor mehr als zweieinhalb Jahrtausenden die Siedler hier nach Tornolaan gekommen sind.

Was niemand weiß, ist, was Scheverlay in seiner komatösen Zeit erlebt hat – er hat, und das ist dann eine beängstigende Entdeckung für die Zukunft, eine Art von Vision erlebt.

Wenn man das Vision nennen kann: Er sah sich an der Seite des Archivars Lhai­guur, den er noch nie gesehen hatte, im Technikmuseum von Oplareen, das ihm ebenfalls unbekannt war… und schließlich entdeckte er sich selbst, in der Zen­trale der RASLOORED stehend, umringt von ihm unbekannten Technos… und dies alles, während sie mit dem Schiff durch den Weltraum flogen und ein fer­nes, bizarres Fahrtziel ansteuerten: eine unheimliche schwarze Welt unter dem glühenden Schein einer grünen, doch gleichwohl unsichtbaren Sonne.

Wer hier „TOTAM?“ und „Granat?“ wispert und sich an „In der Hölle“ erinnert, ist absolut auf dem richtigen Dampfer unterwegs.

All diese ungeheuerlichen Dinge, wie Scheverlay fand, würden an dem Tag be­ginnen, da ein Pfeilraumschiff der Baumeister in den Orbit um Tornolaan ein­schwenkte und ein leibhaftiger Baumeister namens Naam die Landeerlaubnis auf Tornolaan erbitte.

Für diesen unglaublichen Tag müsse Scheverlay vorbereitet sein. Und da er wie­der und immer wieder in den folgenden 32 Jahren all diese Dinge träumt, teil­weise wortgetreu immer von neuem, und da sich, je älter er wird, immer mehr von diesen Ereignissen in der Wirklichkeit abbildet, hat er bald das Gefühl, es handele sich um Schicksal.

Um eine göttliche Fügung oder dergleichen, jedenfalls um etwas, dem man viel­leicht nur entgehen könne, indem man sich umbrächte. Doch das ist Schever­lays Sache nicht – vielmehr nimmt er diese Verpflichtung und Bürde, wie er sie versteht, an. Und erleichtert wird ihm das durch zwei Details seines präkognos­tischen Traumes (oder was immer es sein mag).

Zum einen sieht er in seinem Traum immerzu einen unglücklichen jungen Tech­no, von dem er recht bald weiß, dass sein Name Torkeron ist. Torkeron, so wird ihm klar, spielt eine bedeutende Rolle in den ganzen Ereignissen, in die sie bei­de eingeflochten sind. Und ihre Gaben sind von durchaus ähnlicher Form. Sie werden einander durch die bloße Gegenwart des Anderen zu trösten verstehen.

Und zum zweiten ist Scheverlay ebenfalls schnell bewusst, dass sein „Projekt Vergangenheit“, das er heimlich initiiert, die einzige Chance ist, um die INSEL vielleicht noch zu retten. Und mit der INSEL seine eigene Heimat und das Volk der Technos.

Wenn sie versagen, das wird ihm klar, ist alles verloren.

Er DARF sich also nicht kurzerhand umbringen, sonst würde er alle Intelligenzen in einem Umkreis von Tausenden von Lichtjahren zum sicheren Tod verurteilen.

Und schließlich, am 28. Naaled 2562 INSEL-Zeitrechnung, materialisiert tatsäch­lich nach vielen Jahrhunderten vollkommener Vernachlässigung durch die Herr­scher der INSEL ein Raumschiff der Baumeister im Orbit um Tornolaan. An Bord: ein Baumeister namens Naam.

Scheverlay weiß, dass seine Stunde gekommen ist.

Projekt Vergangenheit“ beginnt zu leben…

Ich sage euch, Freunde, diese Geschichte schreibt sich wie von selbst, es ist ein­fach phantastisch. Und ich schreibe sie ständig mit einem lachenden und einem weinenden Auge… lachend deshalb, weil es mich so glücklich stimmt, dass dies alles so flink von der Hand geht, dass es eine reine Wonne ist. Und weinend deswegen, weil mir klar ist: dies ist tatsächlich der Anfang vom Ende der INSEL. Unermessliches Grauen kündigt sich an, unaufhaltsam wie eine mörderische La­wine.

Nichts kann das jetzt mehr aufhalten.

Ein wenig fühle ich mich wie einst im Jahre 1997, als mein Großvater starb und ich in einem furiosen Sturmlauf, der keine Ablenkung mehr zuließ, wie rasend die Schlussbände im KONFLIKT 20 „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“ (OuC) schrieb.

Gott stehe den armen Technos bei, sie haben mein volles Mitgefühl.

Ihr werdet es erleben, was da passiert, und zwar sehr bald auf diesen Seiten in meinem Blog. Es ist nicht anzunehmen, dass der Finalzyklus des KONFLIKTS 4 noch sehr lange auf sich warten lässt.

In der kommenden Woche wartet aber dann etwas leichtere Kost auf euch. Da werde ich euch wieder in die Reihe „Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu“ entführen und etwas über das diesbezügliche Kreativjahr 1991 erzählen. Ich denke, das ist eine interessante Lektüre und freue mich drauf, euch wieder als neugierige Leser an dieser Stelle begrüßen zu können.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde meiner E-Books,

mit dem vorliegenden Band rundet sich ein Handlungsabschnitt der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) ab. Band 10 ist der (vorläufige) Ab­schluss der Abenteuer der wagemutigen – manche Leute würden vielleicht auch sagen: lebensmüden – Forscher von der RHONSHAAR, aber natürlich noch lan­ge nicht das Ende der Spur, die ich mit diesen Episoden gelegt habe.

In den Bänden 8 und 9 der Serie stießen die RHONSHAAR-Yantihni zur „Be­bengrenze“ vor und trafen im Sonnensystem der schlangenarmigen Tassaier auf den monströsen Zerstörer der tassaiischen Kultur – auf den „Sternenhammer“. Und nun befinden sich beide Gruppen der Raumfahrer von der RHON-2 im In­nern des „Maschinenmondes“ und entdecken hier Schrecken und atemberauben­de Wunder zugleich.

Ja, und dann ist da dieses geheimnisvolle, fremdartige Volk, auf das sie prallen: die Shonta. Mysteriöse, undurchsichtige Zwergenwesen, die sich selbst auch als „Maschinenvolk“ verstehen.

Der erste Kontakt gelingt… aber dann laufen die Dinge aus dem Ruder.

Was genau geschieht, lest ihr besser ab sofort in diesem dramatischen Band der TI-Serie nach, der heute bei www.beam-ebooks.de zum Preis von 1,49 Euro so­wohl im MOBI- wie EPUB-Format erschienen ist. Ich denke, es besteht einiger Grund, mit den herumirrenden Raumfahrern mitzuzittern. Und den Namen der kleinwüchsigen Linguistin Vaniyaa solltet ihr euch in diesem Zusammenhang besonders gut merken…

Viel Lesespaß wünscht euch, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 20: Hände aus Samt

Posted August 12th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

na, ihr erinnert euch noch an den Blogeintrag vom 13. Mai 2015, nicht wahr? Heute kehren wir in dieses Terrain zurück, zu den erotischen Romanen. Emma Holly, über deren Werk ich heute eine Rezension allgemein zugänglich mache, hat sich auf diesem Gebiet ebenfalls ausgiebig ausgebreitet. Herausgekommen ist ein aufregendes Werk mit gewissen Ecken und Kanten, insofern ist die Re­zension unten nicht ausschließlich positiv, sondern mit ein paar Eintrübungen versehen worden. Aber ihr seid ja nicht hier, um reine Lobeshymnen zu lesen, nicht wahr? Ihr seid ihr, weil ihr kritische, neugierige Leser seid, die gern mal über den Tellerrand schauen.

Und so schauen wir jetzt mal in die Tiefen der menschlichen Psyche:

Hände aus Samt

(OT: Velvet Glove)

von Emma Holly

Heyne-TB 13910

352 Seiten

Dezember 2003, 6.95 Euro

Übersetzt von Joachim Pente

Euer Rezensent ist ja einiges gewohnt, was erotische Romane angeht, das ist wohl allgemein bekannt, allerspätestens seit dem Artikel „Die natürlichste Sa­che der Welt“.1 Dennoch ist er es gewohnt, dass Romane eher beschaulich an­fangen – so etwa in dem kürzlich beendeten Buch „Die Vermieterin“ von Pat O’Brien.2 Doch wie geht es HIER los? Folgendermaßen:

Die Ketten schabten mit leisem Rasseln über die Stuckwand, als Audrey die Arme streckte. Es musste Stunden her sein, seit Sterling sie nackt ausgezogen und unter dem Säulengang angekettet hatte…“

Man denkt, man ist im falschen Film, insbesondere eingedenk des – völlig irre­führenden! – Titels. Samthände sollte hier wirklich niemand erwarten. Rasch lässt die Autorin den Leser spüren, dass man in eine sinistre Halbwelt abtaucht, in der derlei Dinge zur Tagesordnung gehören. Doch vielleicht sollte ich vorne anfangen und nicht schon in die Interpretation springen.

Audrey Popkin ist ein 22 Jahre junges, bildhübsches Mädchen, das sich von den Eltern gelöst hat und mit wenigen Freunden in Washington zusammen gelebt hat. Sie hat es bereits weit gebracht und ist trotz ihrer Jugend bereits Geschäftsführerin in einer Boutique für Trendkleidung gewesen. Bis zu jener verhängnisvollen Reise…

Ihr bester Freund Tommy, der erkennbar mehr sein möchte als nur ein Freund, macht mit ihr eine Reise nach Florida. Doch bevor sich die Dinge zwischen ih­nen weiter entwickeln können, taucht der charismatische Bankier Sterling Fos­ter auf und wickelt Audrey regelrecht um den Finger, anders kann man es nicht nennen.

Ehe sie begreift, was passiert, reist Tommy wütend zurück gen Norden und sie landet in Fosters Bett – allerdings gefesselt und mit Hieben traktiert, die in Au­drey eine unbegreifliche, nie erlebte Lust wecken. Tief in ihr schlummerte ein Charakterzug, den Foster sofort erkannte, eine Haltung, die Audrey als „Sub“ charakterisiert, als die geborene Dienerin. Und Sterling Foster ist ein überaus erniedrigender, grausamer Herr, ein Dom.

Nach Wochen dieser unglaublich wonnevollen, aber auch von tiefer Verzweif­lung erfüllten Unterwerfung gelingt es Audrey schließlich mit letzter Kraft, vor ihm zu flüchten. Doch sie ahnt nicht, dass Foster mit dieser Entwicklung gerech­net hat – er hält sie nach wie vor an der langen Leine und engagiert einen Pri­vatdetektiv, der ihr weiterhin nachspäht. Wenn sie sich von ihm zu sehr frei­macht, so überlegt sich Audreys „Herr“, dann wird er ihr zeigen, wie kurz die Leine ist, an der sie läuft. Aber er ist davon überzeugt, dass sie ohnehin zu ihm zurückkehren wird, durstig nach der dominanten Macht ihres Beherrschers. Und er hat nicht völlig unrecht.

Die ganz verunsicherte, verstörte Audrey, deren Berufsleben nun in Scherben liegt, ist entwurzelt und kehrt nach Washington zurück, zu ihrem Freund Tom­my. Dieser hat zwischenzeitlich zwar etwas mit der Cliquenfreundin Cynthia an­gefangen, aber am meisten entflammt er nach wie vor für Audrey. Natürlich stürzt er in den Keller des Unglaubens und Entsetzens, als sie ihm gesteht, die Schläge und Peitschenhiebe, die Sterling ihr hat angedeihen lassen, durchaus auch genossen zu haben.

Und dann tritt jener Mann in Audreys Leben, der von Sterling auf Umwegen an­geworben worden ist, um sie weiter zu domestizieren: der Barbesitzer Patrick, der sich ihr Vertrauen erschleicht und zugleich von neuem zu beherrschen ver­sucht.

Aber die Sache gerät außer Kontrolle…

Ich gestehe, nach dem ersten Kapitel brauchte ich erst mal ein paar Tage Ruhe, um den wirren Kopf wieder zu klären. Das lag durchaus nicht an dem Durchein­ander in jenen Seiten, denn dort gab es kein Durcheinander. Nein, es war mehr diese wahnwitzige, surreale Stimmung, diese jähe, unvermutete Existenz einer Halbwelt direkt neben der normalen, in der Dinge normal sind, für die wir sonst eigentlich nur Alpträume reservieren, aus denen wir dankbar aufwachen kön­nen.

Hieraus kann man nicht aufwachen.

Neugierig, wie sich die Sache weiterentwickeln würde, drang ich tiefer und tiefer in den Roman vor, einem Mineur nicht unähnlich, der sich auf der Spur edlen Minerals befindet. Und das Mineral ist, wenn man so will, Audreys Herz und ihre Charakterwandlung, die mit grundlegenden Veränderungen anderer Charaktere der Geschichte einhergeht.

Auf sehr spannende Weise wird hier die Charakterhaltung einer Frau geschil­dert, die sich von dominanten Männern angezogen fühlt und, wenn man die richtigen Signale gibt, gleich einem gut dressierten Tier Dinge tut und ihre Ein­willigung für Handlungen gibt, die dem unvoreingenommenen Leser wenigstens wahnwitzig vorkommen. Es ist aber nicht zu bestreiten, dass diese Handlungen erregend sind. Zwar scheut sich Emma Holly nicht, wortreich sexuelle Taten in zahlreichen Details zu schildern, aber es gelingt ihr stets so, dass es nicht origi­när obszön wirkt.

Diese unheimliche Existenz einer Geheimwelt innerhalb der unsrigen, wo Men­schen ein Doppelleben führen und auf der einen Seite Geschäftsführerin sein können, um nächtens dann ihrer Existenz als Stripperin nachzugehen (um nur eine Rolle von vielen zu nennen), diese Welt ist geeignet, als Fokus zu wirken. Ein Fokus etwa auf die Rolle von amerikanischer Doppelmoral, die hier ebenfalls schön aufs Korn genommen wird, namentlich in der Rolle von Tommy und Cyn­thia, die zwar beide so gerne volle sexuelle Wonnen möchten, ihren Orgasmus erleben wollen usw., sich aber einfach nicht trauen oder zu sehr auf die Gefühle des anderen Rücksicht nehmen, um das zu erreichen, was sie begehren. In die­ser Rolle bedarf es dann – im Roman – einer schamlosen Person, die sich kess über Zaudern und Zögern hinwegsetzt und einfach mit vulkanischer Gewalt die Lust entfesselt. Man kann den Roman also streckenweise auch als ironische Kritik an der üblichen Doppelmoral und Heuchelei lesen, was ihn sehr vergnüg­lich macht. So ein wenig findet man sogar den durchaus amerikanischen Drang zur Psychoanalyse wieder („Komm, lass uns doch drüber reden. Was hast du denn für Probleme im Bett?“ Zum Schreien.).

Bei der Glaubwürdigkeit der Charaktere mutet die Autorin dem Leser, der ein bisschen tiefer sieht als der Leserdurchschnitt, der nur gut unterhalten werden möchte (der ist hier genau richtig), jedoch einiges zu. Weshalb? Nun, schauen wir uns mal die Hauptpersonen näher an:

Audrey, beispielsweise, fällt nachgerade aus dem Nichts. Die Eltern kommen nicht ein einziges Mal zu Wort, ihre Vorgeschichte, die sie ja gerade geprägt ha­ben sollte, wird eigentlich nicht thematisiert, m. E. ein kapitaler Fehler. Wahr­scheinlich wirkt es deshalb auch später so aufgesetzt, als genau das bei Patrick versucht wird.

Eine gute Freundin, die etwa im gleichen Alter von Audrey war, als ich diese Re­zension verfasste, wird wohl bestätigen können, dass es nicht sonderlich realis­tisch ist, mit 22 Jahren schon fernab der provinziellen Eltern zu wohnen, keiner­lei Kontakt mit ihnen zu haben und absolut auf eigenen Füßen zu stehen, erst recht nicht in den allgemein so familienfreundlichen USA. Fernerhin: weshalb flüchtet Audrey nicht zu ihren Eltern zurück, sondern zu Tommy, mit dem sie sich ohnehin verkracht hat? Hier fehlt dem Roman einiges an plausiblen Boden, an kritischen Reflexionen Audreys, die ihre Entscheidungsfindung transparenter machen. Das hat zur Folge, dass Audreys weiteres geschildertes Leben in Wa­shington wie durch einen Tunnelblick wahrgenommen wird. Das ist zwar un­strittig spannungssteigernd, aber sehr unrealistisch.

Über den etwas wackelig dargestellten Homosexuellen Basil, bei dem sich die Autorin offensichtlich bis zum Schluss nicht recht entscheiden kann, ob er nun homo oder hetero sein soll, wird auch nicht allzu viel klar. Ich empfand ihn eher als eine Belastung, aber mir ist bekannt, dass viele Leserinnen von männlicher Homosexualität angezogen werden. Möglicherweise war das also als auflagen­steigernde Ingredienz eingeplant.

Patrick Dugan, der Barbesitzer, macht zwar gleichfalls im Laufe des Buches eine Charakterwandlung durch, aber die Begründung dafür und für sein allgemeines Verhalten stellte mich dann schlussendlich doch überhaupt nicht zufrieden. Hier arbeitete gewissermaßen der große Weichzeichner.

Dasselbe gilt für den „monströsen“ Sterling. Das fand ich wirklich sehr bedauer­lich, weil Emma Holly hier massiv dramatisches Potential verschenkte. Das war unzweifelhaft Absicht, aber es zeigte mir auch, dass sie definitiv davor zurück­schreckte, brutale Gewalt in Szene zu setzen.

Wen jedoch diese Details nicht interessieren und wer eine faszinierende, teil­weise erschreckende erotische Geschichte im Dunstkreis der S&M-Szene lesen möchte, die, was die erotische Anregung angeht, sehr wirksam ist, der ist hier ausgezeichnet aufgehoben. Die Sprache ist gelungen, die Handlung weist keine signifikanten Brüche oder Lücken auf, sie bleibt durchgängig plausibel und hält immer wieder prickelnde Überraschungen bereit. Wenn ich da alleine an die beiden Jadekugeln denke… oh, oh, oh!

© by Uwe Lammers, 2004

Wer neugierig auf das Werk geworden sein sollte, kann es sich bestimmt noch antiquarisch besorgen. Ich denke, da ich es selbst vor mehr als zehn Jahren nur noch auf dem Wühltisch fand, ist es aus dem Verzeichnis lieferbarer Bücher längst entschwunden.

In der nächsten Woche an dieser Stelle kehren wir zurück in Peter F. Hamiltons „Armageddon-Zyklus“. Und ich denke, das solltet ihr nicht versäumen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Nachzulesen in BWA 242, November 2003. Es handelt sich um einen Sammelartikel über erotische Literatur.

2 Vgl. bei Interesse: Pat O’Brien: Die Vermieterin, Bastei 14770. Die erste Hälfte ist ganz neckisch, der Rest so la la.

Liebe Freunde des OSM,

vor fünf Wochen verließ ich euch an dieser Stelle mit dem Versprechen, heute etwas zum Rest des reichlich chaotischen Schreibjahrs 2005 zu erzählen und dann ins Jahr 2006 überzuleiten. Wie ich damals sagte, war ich gegen Ende des Jahres 2005 stark damit befasst, Comicrezensionen zu Publikationen des Ver­lages CrossGen zu schreiben.

Das waren nicht die einzigen Rezensionen von Belang, weitere verfasste ich zu den Harry Potter-Romanen, die ich zeitgleich las, und durchaus mit Genuss. Wir befinden uns damit gegen Anfang September. Bezogen auf den OSM arbeitete ich dort auch schon an einem Werk, von dem ich auch noch nicht genau wusste, wohin es führen würde, und der Einfluss, es anzufangen, kommt unzweideutig aus dem CrossGenUniverse.

Die Rede ist von „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“. Dazu muss ich Näheres erläutern, denn diese Geschichte ist inzwischen fertig und einer der umfang­reichsten OSM-Romane der jüngeren Geschichte (beendet im Oktober 2010, so dass ich, wenn ich auf das Kreativjahr 2010 komme, hierauf rekurrieren werde).

Ich wirbelte anno 2005 durch das wirklich ziemlich chaotische Universum des KONFLIKTS 21, niedergeschrieben in der Serie „Oki Stanwer – Fürst von Leu­cienne“ (FvL). Und während ich daran arbeitete, fragte ich mich, was wohl eine arme Seele erleben mochte, die in diesem KONFLIKT direkt nach TOTAM ver­schlagen werden würde. Bekanntlich erringen die Totenköpfe dort weitgehende Autonomie. Wäre es nicht absolut faszinierend, durch die „Augen“ eines sol­chen Totenkopfes die Geheimnisse des Dämonenplaneten TOTAM genauer in Augenschein zu nehmen?

Dachte es und führte es in dem Sequel zu KONFLIKT 21, das ich pragmatisch „Die Totenköpfe“ nannte, in Textform der Realisierung zu. Dass diese Geschich­te des armen Oheetir-Mönchs Shylviin dann über 200 Textseiten bekommen sollte, ahnte ich noch nicht… ihr seht diese Geschichte beizeiten in der Reihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“, versprochen…

Im September 2005 kehrte ich außerdem mit der Episode „Aufbruch in die Milchstraße“ in den KONFLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM) zu­rück, worin ich beschrieb, wie Oki Stanwer mit den Shonta und seinen Getreuen von der MISSOURI den Ausbruch aus der geheimnisvollen NISCHE umsetzte.

Mit dem Fragment „Sherlock Holmes und der Tunguska-Fall“ entstand im Oktober ein Werk, an dem ich nach wie vor feile und in dem der legendäre De­tektiv doch tatsächlich einen Auftritt im Oki Stanwer Mythos hat (das Fragment ist bislang nur wenigen Leuten bekannt, und ich kann noch nicht sagen, wann es vollendet wird… da müsst ihr euch wirklich noch gedulden, das wird kein Schnellschuss).

Im Oktober/November 2005 wurde ich etwas überraschend vom damals noch aktiven Fan Dieter Steinseifer dazu überredet, bei Futurian Amateur News (FAN) mitzumachen, womit ich eigentlich wieder in einem Bereich landete, den ich seit gut zehn Jahren hinter mir gelassen glaubte, nämlich formell dem der Egozines. Auslöser war ein langer Leserbrief zu FAN-Ausgaben, die mir Dieter damals zugänglich machte, der seines Zeichens auch Mitglied im Science Fic­tion-Club Baden-Württemberg (SFCBW) war, in dem er mich seit Jahren als re­gen Rezensenten und Leserbriefschreiber kannte.

Okay, dachte ich, dann zeige ich den FAN-Mitgliedern eben mal ein wenig die Tiefen meiner Kreativität. Sprach’s und entwarf im November meinen ersten FAN-Beitrag mit dem Titel „OSM-Newsletter #1“, dem in den nächsten Jahren noch zahlreiche weitere folgen sollten. Das war gewissermaßen, für Leute, die es gern historisch-analytisch aufarbeiten möchten, der Vorläufer dessen, was heute in meinem Wochen-Blog die Rubrik „Work in Progress“ ist.

Während ich im November 2005 quasi nur zwischen verschiedenen Rezensio­nen und Projekten in Arbeit hin- und herjettete, kam ich erst Anfang Dezember wieder in die Realisierungsphase. In schneller Folge wurden hier Werke des OSM abgeschlossen, die unterschiedlichsten Universen entstammten. Dazu ge­hörte „Tod auf Tyncolaar“ (Band 44 des KONFLIKTS 19), „Tücken der an­deren Seite“ (Band 31 des KONFLIKTS 21) und „Sturz ins Stahlherz“ (Band 33 des KONFLIKTS 2).

Ferner arbeitete ich an „Oki Stanwers Auferstehung“ (Band 50 des KON­FLIKTS 22), an der OSM-Story „Parasiten aus dem Kosmos“ und einer Ge­schichte, die ich „Matrixpest“ nannte und die in KONFLIKT 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ (DSj) spielte. Inzwischen ist der Inhalt dieser Geschichte in den gleichnamigen Band 50 dieser Serie überführt worden. Manchmal entwickeln sich die Dinge eben nicht so, wie sie anfänglich sollten.

In den Tagen um Silvester gelang es mir dann noch, die dramatischen Ereignisse in der Galaxis Leucienne um den verbrecherischen Sinarer Shishoy, die un­durchsichtigen Schaltmeister des Yalidaan-Systems, die Veskoy (!), und die Ge­sandten von Oki Stanwers TAA PHESKOO zum vorläufigen Abschluss zu brin­gen, in einem dramatischen Vierteiler, der mit einem ganz üblen Schluss aufhör­te.

Zwar gelingt es, den Angriff TOTAMS auf das Yalidaan-System im Innern der Galaxis Leucienne im letzten Moment abzuwehren, doch die Überläufer des Bö­sen, zwergenhafte Berinnyer aus Bytharg, haben noch eine finstere Information für die erschöpften Verteidiger parat: Oki Stanwers Korrelatorschleuse, mit der er seine Truppen der TAA PHESKOO nach Leucienne evakuieren will, ist intakt geblieben… aber TOTAM hat auch eine Korrelatorschleuse. Und es ist jetzt ein Wettlauf mit der Zeit, den die TAA PHESKOO-Angehörigen nur noch verlieren können, wenn sie nicht die Schleuse finden.

Die Berinnyer lassen auch keine Hoffnung zu:

…aber soweit unsere Informationen reichen, schleust TOTAM von den EWIG­KEIT-Stationen Truppen herüber.“

Was für Truppen? Berinnyer mit Ayk-Kontrolle?“

Nein… sie wären zu rebellisch. Diesmal wird TOTAM seine loyalsten Truppen nehmen.“

Saavorid wurde aschfahl.

‚Gütiger Oki Stanwer! Bitte nicht auch DAS noch!‘, dachte er benommen. Und sein Mund formte das furchtbare Wort, auch wenn er mit so dünner Stimme, dass man ihn kaum verstehen konnte: „Totenköpfe.“

Ja, Totenköpfe. Wahrscheinlich mehrere Millionen auf einmal… ich würde euch wirklich empfehlen, die Schleuse zu finden und restlos zu zerstören – sonst habt ihr verloren.“

Tja, und mit diesem finsteren Ausblick endete der 31. Dezember 2005.

Mann, ich kann euch sagen, ich war vielleicht geplättet. Solch einen Jahresaus­blick wünscht man seinem übelsten Feind nicht!

Nun, wer aber geglaubt hat, ich hätte da sofort weiterschreiben müssen, der hat eins übersehen – ich bin ein intuitiver Schriftsteller, und der Bilderfluss in mei­ner Seele dirigiert das, was ich schreibe. Anstatt also nun rasant im Januar 2006 in der Galaxis Leucienne weiterzuschreiben, wozu ja jeder Grund bestanden hät­te, fand ich mich wo wieder?

In KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK). Dort begann ich vermutlich mit der folgenschwersten Komplikation des modernen OSM. Ziem­lich genau 15 Milliarden Jahre nach dem Yalidaan-Desaster wurde ich nun in der Galaxis Bool Zeuge des monströsen Aufmarsches der Lichtmachttruppen unter dem AUREUS. Ziel: Zerstörung des entarteten Baumeister-EXILS HANKS­TEYN an der Peripherie der Galaxis.

Wie ich schnell entdecken sollte, gab es dabei Probleme. Ich komme darauf in den folgenden Jahresberichten noch zu sprechen, denn bekanntlich befinde ich mich aktuell im Schlussband dieses Zyklus, „Tödliche Entscheidung“, der wohl bis zur Publikation dieses Blogartikels realisiert sein dürfte. Nur soviel für den Moment:

In der Galaxis Bool hatten die Truppen des AUREUS vor mehr als zehntausend Jahren einen Kampf gegen ein Gestaltwandlervolk, die so genannten LECHE­SICC, geführt und gewonnen. Die LECHESICC gelten seither als ausgelöscht. Doch wie der in diesem Monat Januar entstehende NK-Band 48: „Spion der LECHESICC“ schlagend demonstriert, gibt es sie nach wie vor, und sie infil­trieren das „Unternehmen STURMHERZ“, also das Kommandounternehmen gegen das EXIL HANKSTEYN mit der Absicht, dem AUREUS und den Licht­mächten zu schaden…

Bald darauf schlitterte ich, immer noch im Januar 2006 verharrend, wieder tief in die Vergangenheit, überraschenderweise zurück zur INSEL und zu dem Tech­no-Träumer Torkeron. Mit den Episoden „Schrecken auf Talascantor“ und „Die Friedhofsdiebe“ entstand ein bizarrer Zweiteiler… ja, und DIESMAL WAR ich mir sicher – dies IST TOTAMS Intervention in der INSEL der Galaxis Mysorstos. Dummerweise… tja, dummerweise erkannte das niemand, nicht mal die Baumeister.

So ein Pech aber auch!

Aber die Serie war ja auch noch jung, es lag gerade Band 13 vor. Viel Zeit also, diese Sache entspannt anzugehen. Dachte ich. Dummerweise ein Irrtum. Aber bis ich das herausbekam, sollten – ohne Witz – noch Jahre vergehen.

Der Februar war dann weitgehend durch OSM-Ebbe gekennzeichnet, Ähnliches galt für den Monat März. Der Grund dafür lag in den anstrengenden und zeitrau­benden Endredaktionsarbeiten für die Moses-Mendelssohn-Gesamtausgabe. Mein zeitlich befristeter Kontrakt mit der Herzog August Bibliothek in Wolfen­büttel endete Ende März 2006 und damit eine schöne, sowohl wissenschaftlich wie wirtschaftlich phantastische Zeit. Danach begann dann für eine Weile das übliche Spiel: Arbeitslosigkeit, ökonomische Unsicherheit… aber eben auch ab April 2006 Freiraum für weitere kreative Entfaltung.

Und wie das meist so war, wenn ich freie Kapazitäten entwickelte, so lernte ich auch im April 2006 eine neue Welt des Oki Stanwer Mythos kennen, sogar ein völlig neues Universum – KONFLIKT 7 und damit die phantastische Hohlwelt Hyoronghilaar.

Doch davon erzähle ich euch im nächsten Teil dieser Reihe Näheres. In der kommenden Woche berichte ich wieder aus der aktuellen Gegenwart in der Rei­he „Logbuch des Autors“. Wohin genau es euch dann verschlagen wird, sei noch nicht verraten.

Einfach wieder reinschauen, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 19: Der Erste Weltkrieg (Hamann)

Posted August 5th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

das musste ja kommen, meint ihr nun? Ein Historiker und Phantast, der zugibt, dass seine persönliche Neigung sehr in Richtung auf den Ersten Weltkrieg zielt, dessen Schlachten sich im aktuellen Jahr zum 100. Male jähren, MUSS unwei­gerlich mal ein Buch zum Ersten Weltkrieg rezensieren? Nicht verkehrt, Freun­de. Und ich verrate euch noch ein weiteres Geheimnis – es wird noch mehr sol­che Rezensionen geben.

Der Grund ist weniger in manischer Besessenheit zu suchen als vielmehr darin, dass das Phänomen des Ersten Weltkrieges das 20. Jahrhundert und auch alles, was wir bislang vom 21. Jahrhundert gesehen haben, grundlegend strukturiert hat. Wer hier nur kurzsichtig an den 11. September 2001 denkt und an den „Krieg gegen den Terror“, der schaut einfach nicht tief genug auf den Grund der Dinge.

Wer indes imstande ist, so etwas wie die deutsch-französische „Erbfeindschaft“, die glücklicherweise der Vergangenheit angehört, mit der Entstehung solcher Staaten wie Polen, dem modernen Österreich, der modernen Türkei, Syrien, den Golfstaaten, der Staatengrenzziehung im Nahen Osten, dem Staat Israel und vielen anderen aktuellen Ereignissen in Verbindung zu setzen, der landet ganz automatisch beim Ersten Weltkrieg und seinen Konsequenzen.

Das glaubt ihr nicht? Nun, dann lasst euch eines Besseren belehren, liebe Leser. Und damit auch das Auge nicht zu kurz kommt, fange ich mit Brigitte Hamanns Buch zum Ersten Weltkrieg einfach mal an, euch langsam an dieses Thema her­anzuführen, das eine intensivere Betrachtung verdient hat, als wir sie üblicher­weise im Schulunterricht mitbekommen.

Ich wünschte, ich könnte mit Fug und Recht behaupten, wir hätten aus dem Chaos und Schrecken des Ersten Weltkriegs hinreichend gelernt, um uns nicht mehr in solche verrückten Abenteuer zu stürzen… doch wenn wir heutzutage unsere Nachrichtensendungen anhören und anschauen, dann kommen wohl nicht nur mir alleine gewisse nagende Zweifel daran.

Darum sind solche Bücher wichtiger denn je:

Der Erste Weltkrieg

Wahrheit und Lüge in Bildern und Texten

Von Brigitte Hamann

Serie Piper 5285

368 Seiten, TB

München 2008 (erweiterte Neuauflage)

ISBN 978-3-492-25285-0

Ist es ein Massenwahnsinn gewesen? Und wann und wie wird das Aufwachen sein?“ Das fragt Käthe Kollwitz in einer Notiz vom 10. Oktober 1916, als das Morden noch mitten im Gange ist, als das Erwachen aus dem Alptraum noch nicht erfolgt ist – oder aus dem Massenwahnsinn, den aus der Distanz von fast hundert Jahren jenes unbeschreibliche Gemetzel darstellt, das man beinahe schon euphemistisch den „Ersten Weltkrieg“ genannt hat.

In der Tat, wenn man die Hintergründe durchleuchtet, hat es an vielen Stellen etwas Wahnhaftes an sich, über dieses Phänomen nachzudenken. Der „Welt­krieg“, wie er vor 1939 genannt wurde, hat pathologische, regelwidrige Züge, und man fühlt sich an eine Form von irrationalem Blutrausch erinnert, der sich einfach nicht mehr kanalisieren lässt. Eine Form von gewalttätiger Psychose, die, einmal entfesselt, nicht mehr in die Büchse der Pandora zurückgestopft werden kann, sondern sich austoben muss, gleich einem tropischen Wirbel­sturm, den man auch nicht bekämpfen kann, sondern dem man einfach wehrlos ausgeliefert ist. Eine Art von Naturgewalt grässlichster Art, wie sie vor 1914 ei­gentlich unvorstellbar schien. Danach, das muss man als Historiker des 21. Jahr­hunderts konstatieren, gehörten solche Exzesse leider zu den häufiger anzutref­fenden Erscheinungen der Zeitläufte.

Wenn man den Ersten Weltkrieg folgerichtig als die Entgrenzung bislang relativ klar beschränkter Konflikte begreift, als eine Art von Tür, die aufgestoßen wurde und sich seither nicht mehr schließen ließ, dann wird man wahrscheinlich auch verstehen, dass die Analyse des 20. Jahrhunderts und aller Jahrzehnte und (viel­leicht) Jahrhunderte, die noch folgen mögen, mit diesem Phänomen anzufan­gen hat. Wer den Ersten Weltkrieg nicht begreift, dem bleiben solche Dinge wie die Inflationszeit, der Aufstieg der Nazibewegung, nationale Minderheitenkonflikte, die bis heute teilweise anhalten (man sehe nur nach Ex-Jugoslawien, in die ehemalige Sowjetunion, in die Türkei, in den Nahen Osten…), die Entwicklung der Nuklearwaffen, der Kalte Krieg und die Nachkriegszeit einfach schleierhaft.

Fangen wir also an mit dem Ersten Weltkrieg, und fangen wir an mit Brigitte Ha­manns Buch, das einen leichten, eingängigen Einstieg bildet.

Brigitte Hamann, in Essen geborene Neuzeithistorikerin, die in Wien lebt und besonders zur österreichischen Geschichte und zur Frauengeschichte Werke pu­bliziert hat, wählt mit diesem Buch, wie sie selbst sagt, einen persönlicheren Zu­gang zu dem Thema. Denn wie korrekt bemerkt wird: militärhistorische Werke zum Ersten Weltkrieg gibt es massenhaft, und zwar auf allen Seiten. Allein die deutsche Publikationsflut, die schon während, besonders aber nach dem Krieg einsetzte und bis in die NS-Zeit hinein anhielt (nicht zuletzt zur Rechtfertigung des neuen Weltkrieges, der auch mit dem Ziel geführt wurde, die Schmach der Niederlage des Ersten Weltkrieges zu tilgen und jene damals nicht erreichte Zie­le nun zu realisieren), ist unüberschaubar. Sie ist aber oftmals zu trocken und zu pathetisch, um wirklich breitere Leserschichten zu erreichen. Ihr Zielkreis sind die einstigen Weltkriegsteilnehmer, das ist ziemlich offenkundig.

Hamann kam zu dem Thema des Ersten Weltkrieges durch Sichtung des Famili­ennachlasses, besonders des Vaters ihres verstorbenen Mannes. Dieser Vater, Dipl.-Ing. Walther Hamann (1889-1961) war in der österreichisch-ungarischen Armee von 1914-1918 als Eisenbahnspezialist tätig und hielt seine Erlebnisse in einem Kriegstagebuch fest. Weiteres Material, zum erheblichen Teil aus Brigitte Hamanns eigenen Sammlungsbeständen, kamen hinzu, außerdem vielfältige publizierte und unpublizierte Feldpostbriefe und veröffentlichte Kriegstagebü­cher und weitere Zeugnisse.

Präzise betont die Verfasserin, die sich in dieser Publikation mit voller Absicht nicht auf die militärgeschichtliche Ebene begeben hat, sondern den Alltag der Menschen im Krieg in den unterschiedlichsten Regionen und Stadien des Kon­flikts durch die Zeugnisse transparent machen will, dass man das 20. Jahrhun­dert mit all seinen politischen, wirtschaftlichen, territorialen und ethnischen Verwerfungen nicht begreifen kann, wenn man nicht den Ersten Weltkrieg als den Ausgangspunkt heranzieht.

Der Rezensent kommt nicht umhin, ihr auch darin beizupflichten, dass eine Dar­stellung des Ersten Weltkriegs, wie umfangreich sie auch immer sein mag, nur Stückwerk bleiben wird, und dass der Leser gut daran tut, nicht die eine, end­gültige, allumfassende Darstellung zu erwarten. Es wird und kann sie vermutlich nicht geben. Das liegt zum einen an der schieren Dimension des Konflikts, an seiner weltweiten Ausdehnung, zum anderen aber auch an den Myriaden von Blickwinkeln und einer unüberschaubaren Fülle an Details, die man gar nicht überblicken kann.

Brigitte Hamann macht noch eine sehr wichtige Vorbemerkung, die für die un­vorbereiteten Leser bedeutsam ist: man darf den Aspekt der Propaganda nicht unterschätzen, der insbesondere aus den bildlichen Zeugnissen spricht. Ob es sich dabei um Postkarten – gezeichnete wie fotografierte – handeln mag, um Presseverlautbarungen, Anzeigen, Kartenmaterial oder was auch immer: der Erste Weltkrieg ist der erste wirkliche Propagandakrieg der Weltgeschichte, der mit modernster Drucktechnik und Massenauflagen geführt wird und dazu dient, das Bild des „größten und grausamsten aller Kriege“ (Hamann) zu verharmlo­sen, eigene Verbrechen zu vertuschen, sie anderen in die Schuhe zu schieben, Verluste klein zu reden, bescheidene oder nicht existente Erfolge zu suggerieren und zu übersteigern. Die Propaganda darf besonders in diesem Krieg nicht un­terschätzt werden.

Hamann macht auch mit Recht darauf aufmerksam, dass ein wesentlicher Teil der Illusionen, die sich die Zivilbevölkerung der so genannten „Mittelmächte“ (d. h. Deutschlands und Österreich-Ungarns) machten, auf diese propagandisti­sche Verzerrung zurückzuführen ist. Ein weiterer Faktor, der hier ebenfalls nicht ausgeblendet wird, ist die geflissentliche Selbstgleichschaltung der Medien, die zu Beginn des Krieges und zum Teil bis zu dessen Ende hervorragend funktio­niert und beispielsweise die Mär befördert, das deutsche Heer sei bis 1918 „im Felde unbesiegt“ gewesen. Spätere Politiker machen daraus, wieder aus propa­gandistischen Zwecken, den bequemen, verlogenen Mythos der „Dolchstoßle­gende“.

Das Buch folgt dem chronologischen Ablauf. Das heißt, auf die so genannte „Ju­likrise“, die sich an dem Attentat auf das österreichisch-ungarische Thronfolger­paar in Sarajewo entzündet, ist der Ausgangspunkt. Diese Krise führt zu allge­meiner Mobilmachung, als klar wird, dass die Österreicher gegen Serbien mobil machen, womit das internationale Paktsystem greift. Russland tritt an Serbiens Seite, Russland ist mit Frankreich verbündet. Da das Deutsche Reich den Österreichern Bündnistreue zusichert („Nibelungentreue“) und die dortigen Militärs die lange ersehnte Gelegenheit sehen, den früher oder später für unvermeidlich gehaltenen Waffengang mit Frankreich jetzt zu realisieren, beginnt der Weg in den Abgrund.

Die Deutschen setzen den alten „Schlieffenplan“ um und führen einen Heeres­angriff durch das neutrale Belgien, dessen Neutralität sie selbst in internationa­len Verträgen anerkannt haben. Sie verletzen diese Verträge, weil die französi­schen Festungsanlagen einen Direktangriff unmöglich machen. Ziel des Plans ist es, direkt auf Paris vorzustoßen und, in einer Wiederholung der Ereignisse von 1870/71, die Hauptstadt einzunehmen und das französische Heer auszumanö­vrieren. Diesem Plan zufolge wird der Feldzug in spätestens 6-8 Wochen been­det, Frankreich aus dem Konflikt ausgeschieden und zum Frieden gezwungen worden sein. Daraufhin sollen die Truppen an die ostpreußische Front geworfen werden, um die Russen zu schlagen, die natürlich – mit Frankreich verbündet – dort gegen Deutschland mobil machen.

Die Planungen enthalten zahlreiche Schönheitsfehler. Zum einen leisten die Bel­gier Widerstand und halten den deutschen Vormarsch auf. Zum zweiten erklärt nun Belgiens nächste Schutzmacht, Großbritannien, Deutschland ebenfalls den Krieg. Zum dritten sind die Russen sehr viel schneller mit ihrer Mobilmachung und fallen vor dem erwarteten Zeitpunkt in Ostpreußen ein, wo nur schwache Abwehrverbände stehen. Und, um die Dinge vollends zu verkomplizieren, ha­ben auch die Österreicher mit der Strafaktion gegen Serbien nicht den ge­wünschten Erfolg.

Am schlimmsten aber ist die Entdeckung, dass der Vormarsch auf Paris an dem Flüsschen Marne zum Stillstand kommt („Wunder an der Marne“) und sich die gegnerischen Heere hier eingraben müssen, um der jeweils gegnerischen Artil­lerie zu entgehen. So wird aus dem Bewegungskrieg der Stellungskrieg, und vier Jahre lang wird sich daran nichts Grundlegendes ändern. Im Grunde genommen ist der Krieg bereits im Herbst 1914 verloren, alle bisherigen Pläne Makulatur… doch wie in allen Kriegen sind Politiker und Militärs aller Seiten – der Blutzoll ist bereits entsetzlich hoch gewesen – bis heute der festen Überzeugung, sie müss­ten jetzt erst recht weitermachen, anderenfalls seien ja „die Opfer vergebens gewesen“. Was sie sowieso sind. Denn die Toten kann man nicht mehr wieder lebendig machen, und besonders in diesem Krieg sterben die meisten Soldaten buchstäblich für nichts.

Brigitte Hamann geht in ihrem Buch durch all diese Details, sie begutachtet für 1914/15 die Propaganda zu Kriegsausbruch, verfolgt dann die anfängliche Eu­phorie der Soldaten, die Auswüchse des Patriotismus – denn auch die deut­schen Soldaten werden in dem Glauben gewogen, ihr Land sei angegriffen wor­den, was definitiv falsch ist – , es wird der Mythos von Langemarck und Tannen­berg dargestellt, Kriegsweihnacht, die Schützengrabensituation, die Karpaten­schlachten, es geht um Kriegsanleihen, Schiffsversenkungen, Brotrationierun­gen, Frauenarbeit, um Verwundete und Kriegsgefangene.

Für das Jahr 1916 spielt besonders die grässliche Massenschlacht von Verdun eine Rolle, mit der der deutsche Oberkommandierende Erich von Falkenhayn die französische Armee „ausbluten“ lassen wollte (ein Plan, der fehlschlägt, aber Hunderttausende Soldaten auf beiden Seiten das Leben kostet und später propagandistisch ausgeschlachtet wird, weil er geeignet scheint, Falkenhayn als gefühllosen „Spieler“ zu charakterisieren). Die nächste Massenschlacht an der Somme, bei der besonders das englische Expeditionskorps furchtbare Verluste erleidet, die Fliegerkarrieren und die so genannte „Strafexpedition gegen Itali­en“ werden thematisiert. Strafexpedition deshalb, weil Italien sich aus dem neutralen Status auf die Seite der Alliierten schlägt und damit für Österreich-Ungarn eine neue Front bildet. Ebenfalls im Jahre 1916 stirbt der greise Kaiser Franz-Joseph in Österreich.

1917 treten die bislang isolationistischen USA in den Krieg ein, während Deutschlands Plan, durch das Einschleusen des Revolutionärs Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin) nach Russland das Zarenreich zum Wanken zu bringen, von par­tiellem Erfolg gekrönt wird. Er führt ebenfalls dazu, dass die russische Zarenfa­milie ermordet wird. Neue Waffensysteme wie Giftgas oder Panzer („Tanks“) kommen zum Einsatz, und immer mehr macht sich auf allen Seiten Kriegsmü­digkeit, Not und Hunger breit, von der Verbitterung aufgrund der zahllosen To­ten einmal ganz zu schweigen.

1918 beginnt dann mit Streikwellen. Während die Meutereitendenzen im fran­zösischen Heer 1917 noch in den Griff bekommen werden konnten, ist das nun nicht mehr möglich. Immer mehr zerfällt die so genannte „Heimatfront“ unter den zermürbenden Belastungen, insbesondere in Deutschland und Österreich-Ungarn. Zwar kann mit den Russen nun Frieden geschlossen werden, doch die nachrückenden, gut ernährten amerikanischen Truppen auf der Gegnerseite machen diesen Verlust mehr als wett.

Schlussendlich gibt selbst die deutsche Militärführung unter Hindenburg und Ludendorff den Kampf verloren und delegiert die Verantwortung an die demo­kratischen Reichstagspolitiker. Der Kaiser flieht zu Verwandten nach Holland, der wütende Ruf der Alliierten („Hang the Kaiser!“) wird nie realisiert. Der Krieg ist verloren, die Soldaten werden demobilisiert und heimgeschickt… und sinn­vollerweise endet Brigitte Hamanns sehr beeindruckendes Buch denn auch mit Gräbern. Dem eben, was am Ende des grauenhaften Ringens nach Weltgeltung gestanden hat.

Zehn Millionen Tote kostete dieser Krieg die Welt. Vermeintlich wenig im Ver­gleich zu den Opferzahlen des Zweiten Weltkriegs. Numerisch mag das stim­men. Doch verloren die Zeitgenossen des Jahres 1914 noch sehr viel mehr:

Sie verloren etwa in vielen Ländern ihre angestammte, auf Dauer angelegte Re­gierungsform, um ein Beispiel zu nennen. Fast alle Monarchien in Europa stürz­ten von ihren Thronen und kehrten nicht mehr wieder zurück. Große Regionen des Kontinents waren schrecklich verwüstet worden, ganze Städte vom Antlitz der Erde getilgt. Die Zahl der Flüchtlinge und Heimatlosen ging in die Millionen. Nahezu jede Familie hatte Angehörige in diesem Konflikt verloren, von vielen fehlt bis heute jede Spur, weil sie etwa im Granatenhagel der Front zu Knochen­mehl zermalmt wurden oder mit Schiffen in den unergründlichen Tiefen der Meere untergingen.

Staatensysteme brachen auseinander, etwa Österreich-Ungarn und das Osmani­sche Reich, der „kranke Mann am Bosporus“. Neue Staaten entstanden an ihrer Stelle, häufig mit willkürlich gezogenen Grenzverläufen. Diese Staaten – Polen etwa oder die Türkei, Jugoslawien oder Ungarn – hatten auf einmal mit Minder­heitenproblemen zu kämpfen (die Kurdenfrage der heutigen Zeit ist eine direkte Folge jener Tage, das sollte man sich vergegenwärtigen), die früher unbekannt gewesen waren.

Politische Attentate, früher Ausnahmeerscheinungen, nahmen in bestürzendem Ausmaß zu. Inflation, Massenarbeitslosigkeit, verstärkte Auswanderung, Kriegs­versehrte, politische Radikalisierung… die Menge an neuen Problemen, die das junge 20. Jahrhundert bis an sein Ende und darüber hinaus belasten sollten, waren zahllos.

Der Zweite Weltkrieg verschärfte viele davon, soviel ist richtig. Aber die Wur­zeln für die meisten dieser Probleme liegen genau hier, im Ersten Weltkrieg. Und wiewohl Brigitte Hamann nicht angetreten ist, eine allumfassende Darstel­lung des Krieges zu liefern – was vermutlich sowieso unmöglich ist – , bringt sie doch soviel an Fakten und vor allen Dingen an phantastischem Bildmaterial, dass jeder, der sich einen ersten Eindruck von diesem Konflikt machen will, einen wirklich plastischen (und manchmal auch durchaus alptraumhaften) Ein­druck davon verschaffen kann.

Außerdem hat die Verfasserin völlig Recht, wenn sie betont, dass man einen persönlichen Bezugspunkt zu dem Thema braucht. Ob dies die Hinterlassen­schaften eines persönlichen Verwandten sind, der im Krieg gewesen oder dort gefallen ist, ob es ein Dozent ist, der das Thema mit Leidenschaft kommunizie­ren kann – dieser Bezugspunkt ist bei diesem Buch auf beeindruckende Weise realisiert. Am Ende des Buches stellt man sich tatsächlich dann die Fragen von Käthe Kollwitz, die eingangs zitiert wurden: „Ist es ein Massenwahnsinn gewe­sen? Und wann und wie wird das Aufwachen sein?“

Und wie lautet die Antwort darauf? Wir wissen es nicht genau.

Vielleicht schlafen wir noch heute den Schlaf des Schreckens und warten auf das Erwachen…

© by Uwe Lammers, 2013

Wahrhaftig, Freunde, ihr solltet euch mit dem Thema einmal befassen, es lohnt sich sehr und ist vermutlich ein äußerst tauglicher Grundpfeiler einer interes­sierten politischen Bildung der Gegenwart. Letztere krankt nur zu oft daran, dass die mediale Aufmerksamkeit viel zu punktuell ist, um mehr als Ratlosigkeit, Frustration und Verzweiflung in die Herzen und Seelen der Zeitgenossen zu säen. Verständnis und Lösungsansätze kann man für gegenwärtige Probleme aber nur finden, wenn man ein wenig Breitenwissen erlangt, Verknüpfungen zwischen dem Einst und dem Heute herstellt. Und hierzu bietet der Erste Welt­krieg mit seinen vielfältigen Bezügen zur Gegenwart eine ideale Ausgangsbasis.

Lest Hamanns Buch und folgt dann den Schwerpunkten, die euch darin beson­ders interessieren. Zu jedem der dort knapp angerissenen Themen gibt es gan­ze Regale voll Literatur, die die Lektüre lohnt.

Das Studium des Ersten Weltkriegs hat gerade erst begonnen.

Bis zur nächsten Woche, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 126: Der OSM im Bild, Teil 8

Posted August 2nd, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

na, ich denke, sieben Wochen Distanz zwischen dem letzten Artikel dieser Reihe und diesem hier lassen sich aushalten… und es hat witzigerweise jüngst auch schon ein alter Bekannter, der sich damals zur Riege meiner Brieffreunde zählen durfte, die den Oki Stanwer Mythos in Episodenform sukzessive zu lesen beka­men, tatsächlich zu dieser Reihe zu Wort gemeldet, und zwar zum Teil 4 der Rei­he, wo ich doch auf so ein witziges Titelbild einging, das damals zur Episode „Saurier-Angriff“ (KONFLIKT 13 „Oki Stanwer Horror“, Band 12) gezeichnet wur­de.

Mein alter Freund Michael Breuer schrieb mir Ende März 2015: „Ach herrje, an den Saurier-Angriff kann ich mich noch erinnern, als wärs gestern gewesen.“ Da sieht man mal, wie sich gewisse Dinge im Guten wie im Schlechten einprägen. Mike las die Geschichte immerhin entweder 1987 oder spätestens 1988. Das nennt man Langzeitwirkung… wer weiß, vielleicht wecke ich ja noch mehr sol­che Langzeiterinnerungen bei früheren OSM-Lesern und Brieffreunden.

Heute möchte ich weiter voranschreiten bei der Beschreibung der Titelbilder, die Lars Vollbrecht annähernd zur gleichen Zeit zum KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ schuf. Ich war vor sieben Wochen bis inklusive Band 14 gekommen, also bis zur Episode „Die Geburt der Todeswelt“.

Wie erwähnt schwenkte dann die Handlung wieder um zur Lichtfestung OREOC, mit der die drei Cranyaa Kama-Ke, Olom-Ra und Lasa-On unterwegs waren, um im Herzen der Galaxis Hun’arc dafür zu sorgen, dass die Macht des Vasallen Rookax geschwächt wurde, der mit seinen Bündnisvölkern dafür sorgte, dass derzeit die spätere Operationsbasis Oki Stanwers erodierte, also das Volk der Cranyaa.

Die Dinge standen nicht allzu gut: Rookax hatte bereits das Bündnisvolk der Mo­golker ausgerottet und sich so den Zorn des zweiten Helfers des Lichts, Klivies Kleines, zugezogen, der nach einer Racheaktion auf dem Planeten Vo’hoccl die nächste wichtige Welt von Rookax´ geheimem Imperium ansteuerte, nämlich die „Düsterwelt“. Hier gelang es, einen der Genforscher vom Volk der Soogrer, aus Rookax´ Bann zu lösen, unmittelbar darauf konnte OREOC den Planeten selbst zerstören. Tragischerweise gelang es Kleines nicht mehr, zurück an Bord zu kommen, und es sah ganz danach aus, als sei er umgekommen.

Schlimmer noch: das von Rookax aufgestachelte Volk der Soogrer begann nun mit einem massierten Angriff auf die Lichtfestung.

Genau mit dieser Szene setzt das Titelbild von Band 15 der Serie ein, der sinni­gerweise „Angriff der Soogrer“ heißt. Wir sehen hier den zentralen Kristallsaal, gewissermaßen die Zentrale OREOCS, aus der Innenperspektive. Links ist eine kleine runde Empore zu sehen, dahinter eine Art von geschwungenem Side­board, das sich von links nach rechts durchs Bild zieht. Direkt darüber erkennt der Betrachter drei elliptische Bildschirme, deren Spitzen nach oben und unten weisen. Auf den Bildausschnitten werden Aspekte der tobenden Raumschlacht schön inszeniert.

Besonders schön an dem Bild gefällt mir aber nach wie vor das Zentrum. Dort sind die drei Cranyaa zu erkennen – knuffig und in den Gliedmaßen ein wenig schlicht dargestellt – , die den tropfenförmigen Soogrer Goonex umringen. Der Eindruck, der auf den Betrachter wirkt, suggeriert Zorn und Empörung seitens der Cranyaa gegenüber Goonex, was völlig angebracht wäre, da er ja scheinbar verantwortlich für Kleines´ Tod ist.

Schön fällt ebenfalls die Schattenführung des Bildes auf, das komplett mit schwarzem Filzstift unterschiedlicher Stärken gestaltet worden ist. Indem mit dünnerem Stift senkrechte Schraffurandeutungen auf dem hellen Boden zu se­hen sind, wird der zutreffende Eindruck von Glas- oder Kristallboden erweckt. Zeichnerisch immer noch ein sehr gelungenes Werk, wie ich finde.

Das Bild weist außerdem eine Doppelsignatur auf. Links unten steht „De Loup“, weiter rechts das „LaVo ’88“ für Lars Vollbrecht und das Jahr. Man könnte nun spekulieren, dass es sich hierbei um eine Coproduktion handelt. Aber soweit ich mich erinnere, war „De Loup“ damals ein Zeichnerpseudonym für Lars.

Das Titelbild für Band 16 „Stoßtrupp nach Suriloom“ ist dann sehr viel schlich­ter gehalten. Die Handlung sei kurz referiert: Nachdem OREOC mit seinen vier Besatzungsmitgliedern sich kurzzeitig dem Zugriff der Soogrer entziehen konn­te, wird nun eine Spähmission zum Planeten Suriloom im soogrerischen Reich gestartet. Außerdem spürt OREOC Klivies Kleines´ Lebenszeichen auf… doch scheinen sie aus unterschiedlichen Sonnensystem zugleich zu kommen.

Das Cover selbst zeigt aber nicht den Planeten Suriloom, sondern die Oberflä­che der Vulkanwelt Onotaak, wo sich OREOC verbirgt und von den Späheinhei­ten der Soogrer gesucht wird, während der Stoßtrupp unterwegs ist. Man er­kennt auf dem Cover unten eine durchweg vulkanisch geprägte Oberfläche mit Schloten und Rauchfahnen, darüber eine gigantische, finstere Wolkenkulisse, die drei Viertel des Bildes einnimmt. Mitten zwischen diesen Wolkenformatio­nen kann man mühsam drei dunkle Späheinheiten der Soogrer ausmachen, die schwerelos von links nach rechts dahingleiten.

Das Cover von Band 17 „Die genetische Armee“ greift dann die Mission der Cranyaa und des Soogrers Goonex auf und ist wieder deutlich detaillierter. Suri­loom, was hier präsentiert wird, ist eine Dschungelwelt, in der diverse Indus­trie- und Genforschungskomplexe der Soogrer eingebettet sind. Dabei existiert hier auch eine Reihe von offenen Käfiggehegen, in denen eine weitere Entwick­lung der Soogrer unter Verschluss gehalten wird, nämlich die so genannte „ge­netische Armee“. Gleich den Tsoffags und den Nuusen war sie einst gedacht, im Kampf gegen die von der Dämonenwaffe Rookax so apostrophierte „Inkarnation des Bösen namens Oki Stanwer“ eingesetzt zu werden.

Dummerweise haben die Krieger der genetischen Armee nie richtig funktio­niert. Optisch sahen sie etwa aus wie recht blutrünstige, horntragende Nean­dertaler mit ausgeprägten Mordgelüsten, aber eben nicht mit sondern starker Disziplin. Was niemand ahnte: in einen der Hordenführer fuhr zwischenzeitlich die wandernde Seele des dritten Helfers des Lichts, eines Wesens namens Gruhl. Er organisierte einen Ausbruch just zu dem Zeitpunkt, da die Cranyaa mit Goonex hier eintrafen. Das führte unter anderem zum Tod eines Cranyaas und zu völligem Chaos auf Suriloom.

Auf dem Titelbild sieht man darum aus dem Käfig der genetischen Armee hin­aus in ein tiefer gelegenes Waldland. Links sind weiter hinten ein paar Gebäude im Wald zu erkennen, in der Bildmitte ein Landeplatz für Raumschiffe der Soog­rer. Eins davon ist dort gelandet, ein weiteres startet gerade. Rechts im Bildvor­dergrund kann man einen der Moogs (so der Artname des Kunstvolkes) erken­nen, in einer Art schwarzer Wolke über seinem Kopf erscheint ein humanoides, männliches Gesicht, das soll die Helferseele von Gruhl sein. Am oberen Bildrand ist das Dach des Käfigareals mit dort verlaufenden Rohren zu sehen. Alles in allem ein schön zum Inhalt passendes Titelbild, unten rechts mit „De Loup & LaVo ’87“ signiert.

Das Cover des sich anschließenden Bandes 18 der Serie, „Kleines´ schwarzes Gefängnis“ ist eine heute immer noch höchst beeindruckende Studie in Schat­tierung und Perspektive, wie ich das niemals hinbekommen hätte. Der Betrach­ter schaut hier von schräg oben in einen runden Saal hinab, dessen Zentrum ein großer, schwarzer Kristallblock quadratischer Natur ist, deutlich höher in der Vertikalen als in der Horizontalen. Eine Feuerschale am oberen Bildrand nahe der Mitte bietet die Lichtquelle, von wo aus der Schattenwurf ausgeht.

Die Kristallsäule steht im Schnittpunkt von zwei Pfaden, die jeweils an runden Portalen enden (man sieht aber nur oben rechts eines dieser Portale, die ande­ren liegen jenseits des Bildrandes). Der Schatten, der nach unten zur Mitte hin durch feine Schraffuren immer mehr verdichtet wird, wird jäh durch einen brei­ten, helleren Kristallarm aufgebrochen, der aus der rechten Seite der Kristallste­le herausbricht.

Der Hintergrund für dieses schöne Bild ist folgendes: Klivies Kleines ist bekannt­lich in Band 13 der Serie (vgl. dazu Wochen-Blog 119) auf der Düsterwelt zu­rückgeblieben und wurde mit dem sicheren Tod konfrontiert. Ehe es aber dazu kam, gelang es dem Helfer des Lichts, der wie Rookax in diesem KONFLIKT kris­talline Gestalt besitzt, in eine Rookax-Stele einzudringen. Da diese Stelen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur ermöglichen, dass die mentale Präsenz des Rookax von einer Welt zur anderen verschoben werden kann, sondern auch ge­wisse physische Transfers ermöglicht werden, konnte Kleines diese Zerstörung des Planeten überstehen, indem er sich in eine andere Rookax-Stele transferier­te.

Nun ist er in einer solchen Stele auf dem Soogrer-Zentralplaneten Senaax ge­fangen. Kleines registriert aber, dass OREOC eine Vernichtungswaffe auf alle Rookax-Stelen in weitem Umkreis angesetzt hat, und er muss nun unter Aufbie­tung aller Kraft versuchen, aus diesem Gefängnis zu flüchten.

Das gelingt auch, aber dummerweise ist er danach völlig entkräftet und kann sich nicht mehr weiter bewegen. Und die auf völlige Zerstörung programmier­ten Lichtroboter kommen näher… und immer näher…

Tja, übler Cliff-hanger, Freunde? Richtig. Denn dann schwenkte ich wieder um in der Serienhandlung, und zwar hinüber zum Dämonenplaneten TOTAM, wo­hin sich nun leichtsinnigerweise eine Cranyaa-Expedition auf den Weg begeben hatte… was das zur grässlichen Folge hatte, davon erzähle ich euch im nächsten Teil dieser Artikelreihe.

In der kommenden Woche an dieser Stelle machen wir wieder eine biografisch-historische Zeitreise zurück in meine kreative Vita mit dem Teil 29 der Reihe „Was ist eigentlich der OSM?“ Das solltet ihr nicht versäumen.

Bis nächste Woche also, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde meiner E-Books,

heute ist wirklich ein ganz besonderer Tag. Nicht nur ist das Wetter toll, das ist sozusagen das Sahnehäubchen darauf, sondern der 1. August 2015 ist der Tag, an dem meine dritte phantastische Kurzgeschichtensammlung das Licht der Öf­fentlichkeit erblickt – „Reinkarnation und andere phantastische Geschichten“. Es handelt sich nämlich darüber hinaus noch um das 30. E-Book, das ich seit An­fang 2013 veröffentlicht habe. Ich halte das schon für eine stolze Zahl und freue mich sehr über dieses solide Teamworkprodukt. Während ich die Geschichten beigesteuert habe, stammt das Lektorat vom Verlag Thrillkult-Media (www.thrillkult-media.de), die Covermontage erfolgte durch die sehr talentierte Angelika Herzog (www.jottfuchs.de).

Die mehr als 200 Seiten des fertigen E-Books enthalten folgende sechs Ge­schichten:

Reinkarnation“ – Die Geschichte des nordischen Kriegers, dessen Aufstieg nach Walhall sich auf seltsame Weise verzögerte…

Shareena und das Mädchen mit dem Zauberhaar“ – Die Geschichte von Jala und der schrecklichen Konsequenz ihrer göttlichen Liebe…

Die Intervention“ – Die Geschichte der chinesischen Taikonauten, die auf dem Mond beinahe ihr Leben verloren und einem Gott begegneten…

Alles Lüge!“ – Die Geschichte des Einsiedlers Barbarossa, für den die Welt nur Täuschung parat hatte…

Ein Traum namens Frafra“ – Die Geschichte von dem Mädchen, das von den Göttern vergessen wurde… vielleicht jedenfalls.

Philosophenalltag“ – Die Geschichte von den tierischen Philosophen, die sich Gedanken über die Zukunft der Menschheit machten…

Hinzu kommen mehrere Prosagedichte und ein Glossar zur Story „Die Interven­tion“, die als Teil der „Annalen der Ewigkeit“ dem Oki Stanwer Mythos (OSM) entstammt.

Das E-Book „Reinkarnation und andere phantastische Geschichten“ ist ab so­fort im EPUB-Format auf Amazon-KDP zum Preis von 2,99 Euro erhältlich.

Ich denke, da ist so ziemlich für jeden was dabei, und ich bin schon neugierig, wie euch dieses Werk gefallen wird und wie ihr es wohl kommentieren mögt. Für die unter euch, die nicht so gut betucht sind, ist auch der einmalige Gratis­download möglich – da solltet ihr am 10. August 2015 gut aufpassen.

Wir lesen morgen wieder voneinander an dieser Stelle in meinem regulären Wochen-Blog.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 18: Die unbekannte Macht (1)

Posted Juli 29th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute mache ich euch mal mit einem echten Abenteuer vertraut, das mir eine liebe Brieffreundin vor über zehn Jahren zugänglich machte… nicht, dass ich diese Romane nicht gekannt hätte. Das hatte ich schon, aber Peter F. Hamilton war mir, als die Bücher herauskamen, eben einfach kein Begriff, und da ich noch reichlich Lesestoff besaß, sah ich keine Veranlassung, mir einen neuen Autor „ans Bein zu binden“, wie ich das damals dachte, der offensichtlich ausschließ­lich Bücher im Umfang von 600-800 Seiten aufwärts schreiben konnte.

Ach, was habe ich doch versäumt. Wer meinen Rezensions-Blog 15 gelesen hat, wird ein damaliges Vorurteil schon entdeckt haben. Spätestens dann, als meine liebe Freundin mir einen Band nach dem nächsten vom „Armageddon-Zyklus“ zu schenken begann und ich mich in ihn regelrecht hineinverbiss, wurde mir klar, dass ich hier eine Menge spannende Unterhaltung verschenkt hatte – et­was, was ich in den folgenden Jahren bis zur Gegenwart dann schleunigst auf­holte. Inzwischen habe ich nahezu alles, was Hamilton geschrieben hat, ver­schlungen und rezensiert… und ich bin schon schrecklich neugierig auf den Herbst 2015, wenn der neue Hamilton-Roman herauskommt, diesmal bei Piper, unter dem schönen Titel „Der Abgrund jenseits der Träume“ (womit der Origi­naltitel „The Abyss beyond dreams“ hervorragend 1:1 übersetzt wird, womit ich im Traum nicht rechnete.

Aber schaut heute erst mal in den Lesestoff dieser Rezensionsrunde. Auf ins 26. Jahrhundert der Menschheit und in ein spektakuläres Abenteuer, das wirklich apokalyptische Ausmaße annimmt, selbst wenn das anfangs noch nicht zu se­hen ist. Hamilton gilt seit diesem Romanzyklus – eigentlich eine Trilogie, wenn man genau ist – als einer der Erneuerer der Space Opera. Ich würde sagen: ab­solut mit Recht.

Auf ins Abenteuer:

Die unbekannte Macht

(The Reality Dysfunction, Part I)

Armageddon-Zyklus, 1. Roman

von Peter F. Hamilton

Bastei 23221

864 Seiten, TB

Februar 2000, 9.90 Euro

Übersetzt von Axel Merz

Wo fängt man in diesem Fall wohl am besten an? Bei der Romanhandlung? Bei der Vorgeschichte? Mit einer umfangreichen Einleitung in das komplexe Univer­sum, das Hamilton hier ersonnen und konstruiert hat? Schwer zu sagen. Versu­chen wir es mal so:

Das späte 26. Jahrhundert irdischer Zeitrechnung ist ein Ort divergierender, ri­valisierender menschlicher Gemeinschaften, die auf Kolonialwelten und speziell für diesen Zweck geschaffenen („germinierten“) Habitaten den Weltraum besie­delt haben. Wie das so oft der Fall war, wenn sich eine Nation aufspaltete und neue Länder besiedelte, hat es auch hier die üblichen Diversifikationsprozesse gegeben. Im wesentlichen aber spaltet sich die Menschheit in zwei große, in­nerlich sehr heterogen gestaltete Gemeinschaften auf.

Da stehen auf der einen Seite die sogenannten Adamisten. Ihre endgültige Prä­gung erhielten sie etwa im Jahre 2090, als die Päpstin Eleanor alle Christen mit dem so genannten Affinitätsgen exkommunizierte. Vorangegangen war die Gründung des BiTek-Habitats (also biotechnisch geschaffenen Habitats) Eden im Orbit um den Jupiter.

Die aus diesem Habitat hervorgehenden, genetisch stark modifizierten Men­schen nannten sich fortan Edeniten – die zweite Menschenfraktion, von der die Rede war – und begannen eigene Welten zu besiedeln. Sie entwickelten auch eigene biologische, hochintelligente Raumschiffe, die sogenannten Voidhawks, mit denen sie eine enge, lebenslange Symbiose eingingen. Außerdem entstand im Rahmen der Symbiose der Edeniten mit ihren germinierten BiTek-Habitaten ein Nachleben nach dem Tode, indem die Seelen sterbender Edeniten in deren Neuralnetzen gespeichert wurde, was die ohnehin langlebigen Edeniten einer Form der Quasi-Unsterblichkeit nahe brachte.

Beide Menschengruppen, sowohl die Adamisten wie auch die Edeniten, koope­rieren inzwischen recht gut miteinander, u. a. in der Konföderierten Navy, ob­wohl es auf beiden Seiten natürlich Extremisten gibt. Die irdische Menschheit, die nach wie vor auf Technik setzt, führt immer noch ehrgeizige Kolonisations­programme durch, unter anderem – seit 2582 – auf der Dschungelwelt Lalonde.

Und was ist mit außerirdischen Rassen, mag man sich fragen? Wie kann die Menschheit Hunderte von Lichtjahren in die Galaxis vordringen, ohne „Xenos“ zu treffen, wie sie hier genannt werden? Oh, sie wurden schon gefunden, aber sehr wenige, meist harmlose Völker wie die Tyrathca oder die friedfertigen, rie­senhaften Kiint.

Und dann sind da die Laymil. Nun, man muss sagen: da waren die Laymil.

Im Jahre 2420 entdeckt ein Raumschiff des edenitischen Königreichs Kulu den Ruinenring, ein siebzig Kilometer breites Band aus technischen Artefakten, das in stabilem Orbit einen Planeten am Rande der menschlichen Einflusssphäre umkreist. Siebzigtausend außerirdische Habitate, durchaus edenitischen Habita­ten nicht unähnlich, allesamt seit Jahrhunderten zerstört. Sie sind das große Rätsel der Menschheit, und das Habitat Tranquility wurde eigens geschaffen, um diesen Ring zu erforschen.

In diesem von Menschen dominierten Sternenreich gibt es ständig irgendwel­che Reibereien, viele von ihnen wirtschaftlich initiiert. Ein solcher Konflikt bricht eines Tages zwischen den Sonnensystemen Omuta und Garissa aus. Als schließ­lich die garissanische Physikerin Alkad Mzu eine spektakuläre Entdeckung macht, die man leider auch als furchtbare Waffe gebrauchen kann, entschließen sich die Omutaner im Jahre 2581 dazu, das Problem endgültig zu bereinigen. Sie bombardieren Garissa mit den verbotenen Antimateriebomben und bringen 95 Millionen Menschen um. Dafür wird eine dreißigjährige Quarantäne über das omutanische System verhängt, nachdem die Staatsführung durch die Militärs der Konföderation exekutiert wurde. Dr. Alkad Mzu und ihre Waffe, der „Alchi­mist“, verschwinden spurlos.

So wenigstens scheint es.

Vor diesem Hintergrund setzt die Handlung des Zyklus ein.

Im Ruinenring macht der junge, aufstrebende Raumpilot Joshua Calvert, dessen Potenz wirklich sagenhaft ist, den Fund seines Lebens: einen Datenspeicher der Laymil, der nach wie vor erhalten ist und Aufklärung über den rätselhaften Tod der extraterrestrischen Rasse verspricht. Durch dieses Ereignis plötzlich reich geworden, gewinnt er das Herz der rätselhaften Ione, die sich als Lady Ruin her­ausstellt, die heimliche Regentin des Habitats Tranquility.

Und auf einmal tritt auch eine unscheinbare Schwarze auf ihn zu, die ihn fragt, ob Joshuas Raumschiff, die Lady Macbeth zu chartern sei. Ihr Name, so erklärt sie, sei Dr. Alkad Mzu. Und sie weilt seit 26 Jahren auf Tranquility, beschattet von jedem namhaften Geheimdienst, den man sich vorstellen kann. Sie arbeitet an Tranquilitys Laymil-Projekt mit.

Während Joshuas Karriere als freier Raumpilot beginnt, die ihn schnell in Schwierigkeiten bringt, verfolgt Hamilton in anderen Kapiteln die zahlreichen Lebensstränge einer Kolonistengruppe auf der Dschungelwelt Lalonde, wo sich seltsame Dinge abzuspielen scheinen. Der Kolonistengruppe Sieben, die hier flussaufwärts in die Region des Schuster County gesandt wird, wird eine Gruppe sogenannter Zettdees zugeteilt, „Zwangsdeportierte“, die 10 Jahre lang Zwangs­arbeit verrichten sollen, bevor sie die Erde wiedersehen können. Das ist schon schwierig genug, aber schlimm wird die Lage, weil die herausragende Person unter den Zettdees von Gruppe Sieben Quinn Dexter ist.

Der junge, absolut gewissenlose Dexter ist ein Mann ohne Moral und Skrupel, und er fiel auf der Erde auf, weil er in einem satanistisch orientierten Geheim­bund tätig war. Sein Hauptziel besteht darin, zur Erde zurückzukehren und sich an seiner dortigen Herrin des Geheimbundes zu rächen. Dafür ist ihm jedes Mittel recht. Folter, Mord und Vertuschung sind nur einige der Dinge, die er im Repertoire hat, und als die Gruppe Schuster County erreicht, wird alles nur noch schlimmer.

Dennoch – Quinn Dexter ist eigentlich die kleinere Gefahr. Im Urwald von La­londe lauert etwas, das lange auf Entfesselung gewartet hat. Und als die Siedler in seine Nähe gelangen und eine Welle der Gewalt eskaliert, kommen mehrere begünstigende Umstände hinzu, Umstände, die eine Woge purer Fremdheit es­kalieren lassen, die sich schnell und immer schneller über die Siedlerwelt auszu­breiten beginnt…

Es mag Leser geben, die 13 Seiten Personenregister und 5 Seiten Chronologie am Ende des Bandes abschreckend finden, weil sie meinen, den Überblick rasch zu verlieren.

Lasst euch beruhigen, meine Freunde, ich glaubte das anfangs auch ein wenig und zauderte, doch wenn man erst einmal in der Handlung steckt (und das ist spätestens im dritten Kapitel der Fall), dann gräbt man sich mit wahrer Wonne durch die Seiten dieses dicken, aber – natürlich – zu kurzen Buches, mitunter dreihundert Seiten am Tag. Die meisten Personen des Registers kommen übri­gens auch in diesem Buch noch gar nicht vor, sondern sind für den zweiten Band gedacht, der die abschließenden zwölf Kapitel des voluminösen Romans enthält. Außerdem hat man ja als Leser Finger und kann immer geschwind bei den schön nach Handlungsorten aufgeschlüsselten Personen nachblättern, wer nun eigentlich wer ist, falls man doch mal durcheinanderkommt (zugegeben, bei Joshua Calverts ehemaligen Gespielinnen, seiner Geliebten und seinen ge­genwärtigen Gespielinnen kann man schon mal ins Schleudern kommen…).

Doch wenn man sich erst einmal an die Termini gewöhnt hat und an die grobe Skizzierung der Geschichte, dann taucht man mit Wonne ein in ein farbenpräch­tiges Universum, in dem wirklich jeder Handlungsschauplatz mit Liebe zur Akri­bie geschildert wird, was zum Teil bis zu den Moosen an den Wänden und der Form der Fenster und Türen geht, der Maserung der Baumaterialien und den di­versen Vor- und Nachteilen einzelner Planeten.

Es ist ein wenig schade, dass der Roman so schnell endet, gewissermaßen mit­ten auf dem wirklich üblen Höhepunkt des Geschehens. Die Fragen, die auf dem Rücken des zweiten Bandes stehen, sind außerordentlich sinnvoll, denn das sind wirklich die, die dem Leser auf der Zunge liegen, wenn er diesen ersten Band des Armageddon-Zyklus schließt.

Wer also spannendes, farbenprächtiges Garn und einfach gut, abwechslungs­reich, meist humorvoll und mit viel Liebe zum Detail dargestellte Welten und Personen schätzen lernt und bei Stephen Baxter nun wirklich meint, im Eisfach gelandet zu sein, der kann hier wieder auftauen, wie ich es gerade tue. Und um die Protagonisten bangen, denen vermutlich noch ziemlich üble Sachen bevor­stehen.

Oftmals sind dicke Bücher ja Geschwafel, aber ich kann versichern, kürzer hätte Hamilton sich nicht fassen können. Genießt das Buch und greift nach dem nächsten. Denn nach dem ersten Band könnt ihr nicht mehr aufhören…

© by Uwe Lammers, 2004

Neugierig geworden? Oder vielleicht dazu inspiriert, die dicken Hamilton-Bü­cher mal wieder aus dem Regel zu ziehen und von neuem durchzuknabbern, falls draußen nicht Sonnenschein angesagt ist, sondern überraschend finstere Regenwolken aufziehen? Nun, es könnte schlimmer kommen. Und übrigens: ich habe den Zyklus im Abstand von vier Jahren auch zweimal gelesen… und wer weiß, in der nahen Zukunft greife ich vielleicht ein weiteres Mal dazu.

Klare Leseempfehlung!

Macht es gut bis zur nächsten Woche, dann werden wir uns wieder einem his­torischen Buch zuwenden. Welchem? Nun, schaut einfach rein…

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.