Rezensions-Blog 51: Das Wing-4-Syndrom

Posted März 16th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vor sechs Wochen machte ich euch auf eine der beunruhigendsten Dystopien der Science Fiction aufmerksam, die meiner Meinung nach zu Unrecht in den Dämmer des weit gehenden Vergessens gerückt wurde. Mit „Wing 4“ schrieb Jack Williamson einen bestürzenden Roman über den Kampf zwischen roboti­scher Perfektion und menschlicher Unvollkommenheit.

Wer den Roman inzwischen gelesen hat – eine äußerst lohnende Lektüre, lasst euch das noch einmal ins Stammbuch schreiben – , der wird sich vielleicht fra­gen: Wie ist es auch nur denkbar, dass es davon eine Fortsetzung geben kann?

Das habe ich mich ebenfalls gefragt, als ich das vorliegende Buch entdeckte. Aber ihr werdet, wenn ihr euch dieses ebenfalls recht dünnleibige Werk einver­leibt (dünnleibig, gemessen an den dicken Täuscher-Schwarten, die heutzutage den Buchhandel dominieren), schnell entdecken können, dass dünnleibig nicht mit gehaltlos gleichgesetzt werden kann. Das Gegenteil ist der Fall. Mit den Welten Malili und Kai im Sonnensystem der „Katze“ lernt ihr zwei Welten wie Tag und Nacht kennen, aufregende Protagonisten – und, ja, eine alte, Furcht er­regende Bedrohung.

Die Humanoiden von Wing 4. Die Herrscher der Galaxis.

Und wie die Konfrontation ausgeht, möchte ich nicht vorwegnehmen. Schnup­pert erst mal ins Thema rein:

Das Wing-4-Syndrom

(The Humanoid Touch)

von Jack Williamson

Moewig Science Fiction 3617

240 Seiten, TB (1983)

Übersetzt von Heinz Nagel

Sie sind doch nur eine Legende. Ein Kinderschreck. Etwas, womit sich der Schutztrupp wichtig machen möchte, um die alte Macht zurückzuerlangen, nicht wahr? Wer auf den Schiffsdecks von Kai glaubt denn noch an diese uralten Mythen von den schrecklichen Humanoiden?

Das ist die Hypothek, mit der der junge Keth Kyrone aufwächst, das einzige Kind des Schutztruppführers Kyrone, der zusammen mit seiner zweiten Frau Cyra Sair der letzte ist, der die einstmals machtvolle Organisation des Schutztrupps darstellt, der einst gegründet wurde, um die Menschen des Planeten Kai vor je­ner unermesslichen Gefahr zu warnen, die in den Tiefen des Kosmos drohte: vor den Humanoiden des Planeten Wing 4. Aber tausend Jahre sind eine lange Zeit, und das Gedächtnis der Menschen ist so schrecklich kurz…

Wir erinnern uns: in der fernen Zukunft der Menschheit, in der die Erde längst der Vergessenheit anheim gefallen war, stiegen neue Sternenreiche zu beschei­dener Blüte auf, zerfressen vom Gift der Rivalität und der ewig alten Geißel des Krieges. Ein genialer Wissenschaftler namens Warren Mansfield entwickelte in jenen Tagen voller Verzweiflung einen perfekten Roboter, den so genannten Humanoiden, auf dem Planeten Wing 4, wo ein rhodomagnetisches Gehirn mit überlichtschnellen Impulsen die Maschinen fernsteuerte. Sein erstes Gesetz be­sagte, dass die Humanoiden die Menschen vor Gefahren und Selbstzerstörung schützen und ihnen Glück bringen sollten. Sie sollten vor allen Dingen das menschliche Unglück und Leiden auslöschen. Später taten sie das mit einer Dro­ge namens Euphorid. Doch die Maschinen waren zu perfekt, und ihre unbarm­herzige Fürsorge entpuppte sich als entsetzliche Diktatur, die jede Freiheit er­stickte. Mansfields eigener Versuch, die Roboter aufzuhalten, war zum Schei­tern verurteilt.

Schließlich erreichten die Humanoiden auch jene Welt, auf der der unglückliche Wissenschaftler Clay Forester lebte, der selbst den Rhodomagnetismus ent­deckt hatte und dicht davor stand, Wing 4 mit rhodomagnetischen Geschossen zu zerstören. Auch er scheiterte, das maschinelle Friedensimperium der Huma­noiden dehnte sich nach seiner Niederlage immerzu weiter aus und erreichte sogar schon die Nachbargalaxis Andromeda.1

Doch die Sklaverei, die letzten Endes sogar imstande war, menschliche Mutan­tengehirne fernzusteuern, hatte offensichtlich Lücken. Denn lange nach dem ersten Erscheinen der Roboter gelang es Lance Mansfield, dem Enkel des unse­ligen Warren Mansfield, der unter der Obhut der Humanoiden leben musste, sein Schiff „Deliverance“ zu bauen und zu flüchten. Die Menschen der „Deliver­ance“ strandeten im Doppelsonnensystem der „Katze“, wo der Planet Malili von dem kleineren und kälteren Kai umlaufen wird. Doch während Malili zwar para­diesisch, aber wegen des Virus der Blutfäule unbewohnbar war, mussten sich die Raumfahrer auf Kai einrichten, wo sie große, bunkerartige Städte errichte­ten, deren interne Gliederung nach den Schiffsdecks vorgenommen wurde. Führende Organisation war der Schutztrupp, denn es war allen klar, dass die fürsorglichen Humanoiden irgendwann ihre Spur finden würden, dann musste man bereit sein.

Jahrhunderte vergingen.

Die Städte zerstritten sich, nukleare Kriege wurden geführt, Hunger, Armut und Degeneration breiteten sich aus. Schließlich gingen die Ressourcen zur Neige, und voller Verzweiflung griffen die Bewohner von Kai nach Malili aus, sterilisier­ten mit Neutronenwaffen Teile der Planetenoberfläche und versuchten hier, un­ter Lebensgefahr, Rohstoffe abzubauen. Dabei war es ihnen völlig gleichgültig, dass sie damit den Lebensraum einer anderen humanoiden Rasse zu zerstören begannen – der wilden, nackten Leleyo, die von einem ganzen Netz kryptischer Geheimnissen umwittert waren.

Und fern im All lauerten und lauschten die Humanoiden. Sie fingen die Emissio­nen der Neutronenexplosionen auf und sandten schließlich ihre gebirgshohen Schlachtschiffe aus, um den kriegerischen Menschen ihren Segen des ultimaten Friedens zu bringen. Doch als sie erschienen, gab es, wie gesagt, nur noch weni­ge, die überhaupt daran glaubten, dass sie mehr als ein ferner Schatten der Le­gende waren. Und die Schutztrupp-Angehörigen befanden sich auf der Flucht, des Mordes bezichtigt.

Denn es waren über tausend Jahre vergangen. Und die Humanoiden hatten ge­lernt. Unter anderem gelernt, dass Lüge nicht im Widerstreit mit dem Ersten Gesetz stand…

Mit „The Humanoid Touch“ – sehr unglücklich, wenn auch sehr durchsichtig mit „Das Wing-4-Syndrom“ übersetzt – kehrt Jack Williamson auf spektakuläre Wei­se zurück in jenes Universum seines monströsen Robotersterns Wing 4. Wenn­gleich das auch nicht nach „30 Jahren“ geschieht, wie der Klappentext groß­sprecherisch behauptet, sondern nach 18 (der Roman wurde 1980 geschrieben, der Ursprung war, wie gesagt, 1962). Leider ist die Übersetzung auch reichlich mit Druckfehlern gesättigt, darüber hilft auch das – zu viel verratende – Nach­wort von Hans-Joachim Alpers nicht hinweg. Das schmälert dann den Lesege­nuss durchaus.

Da die Roboter erst recht spät im Roman auftauchen, konzentriert sich die Schilderung der Handlung zunächst auf die miteinander verflochtenen Völker der Menschen von Kai und der Leleyo von Malili (unübertroffen sanft und ero­tisch die Schilderung der Leleyo Nera Nyin!). Und hier gibt es vieles zu entde­cken.

Wenn man den leider sehr kurzen Roman langsam und behaglich liest, wie es sich gehört – er ist einfach zu gut, um ihn rasch zu verschlingen, dabei gingen viele Anspielungen schlicht verloren – , dann stellt man faszinierende Dinge fest. Die fest gefügte, hierarchische Gesellschaft von Kai, die sehr von militaristi­schen Traditionen und Militärhochschulen geprägt ist, kommt ausgesprochen schlecht weg. Parallelen zu Militärakademien wie West Point in den USA sind hier so deutlich, dass man Williamson wegen der Tiefgründigkeit seiner Gedan­ken wirklich bewundern muss. Noch heute führt solche Glorifizierung von solda­tischer Ehre dazu, dass junge Menschen dermaßen verbogen und ihre Möglich­keiten beschnitten werden, bis aus ihnen mörderische Soldaten und, im schlimmsten Fall, Kriegsverbrecher werden. Gesellschaften, die so geprägt sind, das strahlt der Roman überdeutlich aus, sind in sich krank und ungesund.

Das Gegenbild ist die krass „natürliche“ Gesellschaft von Malili, jene Gesell­schaft, die die Menschen von Kai gerade zu vernichten im Begriff sind. Hier übertreibt Williamson zwar ein wenig, aber gleichzeitig thematisiert er sowohl Erstkontakt als auch die Vernichtung indigener Kulturen und der Natur an sich, wie sie auf unserer Welt im Spannungsfeld von „Erster Welt“ und „Dritter Welt“ nach wie vor auf der Suche nach Ressourcen unablässig vorkommen. Auch hier ist Williamson extrem zeitgemäß und kritisch, und selbst nach 20 Jahren, die seit dem Erscheinen dieses Buches inzwischen verstrichen sind, hat die reale Menschheit nicht gelernt, dieser Selbstdestruktion vorzubauen. Bedauerlich genug.

Und dann die Humanoiden.

Mein Gott, die Humanoiden.

Als zum ersten Mal die schnurrenden Maschinenstimmen sagen: „Zu Ihren Diensten“, da läuft es dem wissenden Leser eisig den Rücken herunter, und er spürt den erbarmungslos-freundlichen Griff dieser schwarzmetallenen Amei­sen, die allgegenwärtig sind, nie schlafen müssen und nie in ihrer Aufmerksam­keit nachlassen. Durch einen Humanoiden verhört zu werden, dessen starre Miene man nie durchschauen kann, ist einer der größten Alpträume, die Wil­liamson je erdacht hat, und man kann ihn in diesem Roman erleben.

Am Schluss, als sich alles auf die Frage zuspitzt, ob die Humanoiden alles Leben im System der Katze unterwerfen werden, da muss man sich ernstlich fragen, ob das alles so schrecklich ist, wie es scheint. Denn die Menschen von Kai sind so offensichtlich wahnsinnig, dass eine Nervenheilanstalt der richtige Ort für sie ist.

Nur muss er dann von schwarzen Robotern geführt werden?

Der Schauder bleibt bestehen. Und der Leser denkt sich: Manche Alpträume enden wahrhaft nie.

Dennoch ist der Roman eine der wichtigsten Dystopien der SF, ebenso wie sein Vorgänger, und es ist schade, dass er heute allgemein so sehr vergessen ist. Er ist vielleicht aktueller, als man glauben mag…

© by Uwe Lammers, 2005

Ja, es ist in der Tat inzwischen mehr als ein Jahrzehnt her, dass ich diesen Ro­man rezensiert habe – und dennoch empfinde ich ihn nach wie vor als ein fun­kelndes Schmuckstück in meiner umfangreichen Buchsammlung. Sehr lesens­wert und nachdenklich stimmend, nicht zuletzt in Zeiten eines scheinbar un­endlichen „Krieges gegen den Terror“ und des Hasses gegen alles Andersartige, wie wir es vielerorts in unseren Tagen erleben können.

In der kommenden Woche kümmern wir uns um einen Alptraum völlig anderer Art. Dort gehen Zeitgeschichte, fiktive Personen aus Detektivromanen und rein phantastische Zutaten eine mehrhundertseitige Symbiose ein, die mich in ihren Bann zog, auch wenn ich das Zentralthema normalerweise gar nicht schätze… Vampire...

Mehr dazu in einer Woche an dieser Stelle.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Dies ist Thema des ersten Romans „Wing 4“, erschienen im Jahre 1962. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 45 vom 3. Februar 2016.

Liebe Freunde des Oki Stanwer Mythos,

wer von euch der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) langfristig geduldig gefolgt ist, der wird vielleicht allmählich nervös geworden sein ange­sichts dessen, was gegen Ende von Band 15 „Die Macht der Liebe“ angedeutet wurde. Ich möchte das noch mal kurz resümieren, weil dieser Band ja nicht ge­rade gestern erschienen ist:

Die yantihnischen Raumfahrer der GHANTUURON-Mission, gerettet aus dem Hexenkessel des Sonnensystems „Sianlees Rast“, fanden sich auf der Dschungel­welt Shookash wieder, in der „Obhut“ der reptiloiden Allis. Und diese „rätsel­haften Retter“ wiederum handelten auf höheren Befehl – sie selbst stammten nicht einmal aus der Galaxis Twennar, sondern waren Angehörige einer interga­laktischen Streitmacht, die sich als Interventionstruppe verstand und den Vor­marsch eben jenes Feindes aufhalten sollte, mit dessen Vernichtungsmaschinen die Yantihni von der GHANTUURON schon konfrontiert worden waren.

Und der Verkünder Jodaarin signalisierte, dass die Yantihni bald Besuch von ei­nem so genannten „Baumeister“ bekommen würden, der ihnen Näheres erläu­tern würde.

Kommandant Ghaynor und seine Begleiter kannten keine Baumeister, und sie reagierten naturgemäß völlig falsch. Ihr seid inzwischen durch die Kenntnis von solchen Geschichten wie „Die Intervention“ schon deutlich klüger und habt vielleicht ob dieser Frechheit, mit der Ghaynor über diese Ankündigung hinweg­ging, nach Luft geschnappt, so ähnlich wie die Allis.

Ein Baumeister… das ist nicht einfach irgendwer.

Und dieser Baumeister, der nun den Planeten Shookash besucht und sich den Yantihni offenbart, das ist erst recht nicht irgendjemand.

Sein Name ist Nogon, und er hat einen Schock für die weit gereisten Raumfah­rer im Gepäck, den sie beim besten Willen nicht erwarten. Und erst recht kön­nen sie sich nicht vorstellen, dass sie nun an der Schwelle zu einem neuen Zeit­alter stehen.

Die neue Zeit beginnt in TI 24 „Gelüftete Schleier“, dem ersten Band einer neu­en Trilogie. Und es ist kaum übertrieben, zu sagen, dass binnen dieser drei Bän­de die Welt der Yantihni gründlich auf den Kopf gestellt wird.

Zum Guten hin? Zum Schlechten? Das könnt ihr ab sofort zu ergründen begin­nen. Heute ist der neue Band der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ erschienen, „Gelüftete Schleier“. Er ist zum Preis von 1,49 Euro wie üblich auf Amazon-KDP erhältlich. Der einmalige Gratisdownload ist am 22. März 2016 möglich.

Ich wünsche euch angenehmes Lesevergnügen.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde meiner Geschichten,

ich glaube, ich zähle auch nach drei Jahren des konstanten Publizierens von phantastischen E-Books nach wie vor nicht zu denjenigen Menschen, die son­derlich abgebrüht sind und kaltblütig auf jeden neuen Event losgehen, in der un­erschütterlichen Erwartung: kenne ich alles schon, da kann nix schief gehen.

Nein, so sieht das bei mir nicht aus. Vielmehr bin ich stets besorgt, dass irgend­was nicht klappen könnte, und möglicherweise verkrampfe ich mich dann ein wenig zu sehr und organisiere besonders akribisch.

So ging das also auch mit meiner inzwischen vierten Lesung – und der dritten, die ich im Restaurant „Lord Helmchen“ in Braunschweig plante. Eigentlich, so waren mein vormaliger Mitorganisator und Mit-Vortragender Tobias Tantius von der Literaturwerkstatt Gifhorn verblieben, wollten wir als nächstes wieder eine thematische Lesung machen. Ich schlug vor, jahreszeitlich bedingt: Machen wir doch „Unheimliches“.

Tja, und da fing es dann im Laufe der folgenden Monate schon an, schwierig zu werden – denn mir wurde signalisiert, dass da auf der Gegenseite kein passendes Lesematerial vorläge. Ich müsse den Event also alleine stemmen.

Okay, da musste ich schon mal schlucken.

Aber Herausforderungen sind dazu da, angenommen und bewältigt zu werden. Und von einer weiteren Lesung wollte ich wirklich nicht aus diesem Grund Ab­stand nehmen. Ich blieb also hartnäckig. Okay, dann also eine Solo-Lesung. Why not?

Nächste Klippe: Tobias hatte bislang die Plakate für die Veranstaltungen reali­siert, ich hatte und habe grafisch nicht viel drauf. Also suchte ich Ersatz und fand ihn in meiner versierten Brieffreundin Angelika, die mit Hilfe von mir ge­lieferter Bildvorlagen eine tolle Plakatversion lieferte.

Es konnte also losgehen: Kopien des Plakats machen, in der Stadt verteilen, in­teressierte Leute ansprechen und dergleichen… wie sich das halt so für eine zünftige Lesung gehört. Der Verfasser hat da immer etwas Mehrarbeit auf den Schultern, doch hey, es ist Marketing in eigener Sache, da sollte so etwas höchst bereitwillig gemacht werden. Und so lief das dann auch.

Meine Planung für den Abend sah folgendermaßen aus: Nach einem kurzen bio­grafischen Einstieg plante ich, das Prosagedicht „Ode an die Toten“ zu bringen, in dem ich ein reales Ereignis des Jahres 2003 thematisierte – und die hier „be­sungenen“ Toten waren rücksichtslos gefällte Eschen im Hinterhof meines Hau­ses gewesen.

Sodann sollte die unheimliche Story „Erlösung“ folgen, die in Form eines ein­seitigen Telefonats eine schaurige Geschichte darbot, in der ein Geistersucher eine ganz spezielle Begegnung mit dem Tod hatte.

Im Anschluss plante ich dann eine kurze Pause, ehe ich weiter voranzuschreiten gedachte – aber von diesem Plan kam ich dann wirkungsvoll in der Ausführung ab und schloss gleich das zweite Prosagedicht „Wunschtraum“ an. Zuvor ent­zündete ich allerdings ein Teelicht auf einem Kristallglasuntersetzer und stellte das alte Foto meines 2013 verstorbenen Vaters Johannes Lammers auf.

Warum dies? Weil er in dem zweiten Prosagedicht die zentrale Rolle spielte.

Danach war geplant, den Einstieg in den OSM zu realisieren und hier 4 Auszüge aus dem E-Book „In der Hölle“ zu lesen. Hiernach wäre eine Pause nun zwei­fellos angebrachter, ehe ich mit dann mit der Lesebegegnung mit William Taylor junior in den zwei Auszügen des geplanten sechsten Annalen-Bandes „Mein Freund, der Totenkopf“ die Lesung zu schließen gedachte.

Für weiteres Hörerinteresse hatte ich mich mit zwei weiteren Abschnitten von „Mein Freund, der Totenkopf“… ja, man könnte sagen, „munitioniert“, für alle Fälle. Aber Lesungen sind eben immer etwas Spontanes, und die beste Pla­nung kann Kursänderungen nicht beeinflussen. In diesem Fall machten a) die Gegebenheiten und b) ich selbst mir dicke Striche durch die Rechnung.

Ich war dann am 12. März zwar wieder zeitig vor Ort (ca. 18.20 Uhr) und konn­te mit tatkräftiger Unterstützung den Raum für die Lesung einrichten, doch da­nach wurde es dann erst richtig interessant. Als erste traf eine befreundete Lite­ratin ein, die am Tag zuvor noch ihre Zusage bekundet hatte. Wenig später tru­delte ein guter Freund von mir ein, und später noch ein paar weitere Gäste. Vie­le, die mir ihr Kommen zugesagt hatten, tauchten leider nicht auf… und so be­gann die Lesung schon mal mit einer etwas getrübten Stimmung meinerseits. Werbung machen ist schön, mehr Werbung machen (wie in diesem Fall) heißt dann leider im Umkehrschluss eher nicht, dass mehr Besucher kommen. Das be­trübt dann durchaus.

Nun, ich ließ mich nicht verdrießen, stellte mich vor, wie es sich gehört und wies dann, indem ich das Teelicht anzündete, schon zeitnah darauf hin, dass ich noch einen speziellen Gast erwarten würde. Dass es sich um meinen verstorbe­nen Vater handelte, durchaus passend zum Thema „Unheimliches“, thematisierte ich nicht.

Plangemäß begann ich mit der „Ode an die Toten“, die überraschenderweise für mich dezenten Applaus hervorrief. Anschließend ging ich über zu der Story „Erlösung“, die später mehrfach als „einfach brillant“ bezeichnet wurde. Hier legte mir später eine Zuhörerin ausdrücklich den Plan nahe, diese Geschichte doch mal einsprechen und dann auf CD brennen zu lassen. Das ist tatsächlich ein Plan, den ich in naher Zukunft verfolgen werde.

Da wir sehr gut im Zeitplan lagen, schloss sich das zweite Prosagedicht an, wo­bei ich im Vorfeld das alte Foto meines Vaters aus dem Nachlass meiner verstor­benen Mutter aufstellte und halt erklärte, dass er im Dezember 2013 verstorben war und ich rund anderthalb Jahre später dann beim morgendlichen Aufwachen das bizarre Halbtraumerlebnis gehabt hatte, das zum Kondensationskeim von „Wunschtraum“ wurde.

Auch dieses Prosagedicht kam sehr gut an.

Meine eingestreute Bemerkung, daraufhin eine kurze Pause zu machen, wurde abgewiesen, so dass ich dann mit „In der Hölle“ weiter fortfuhr. Allerdings erst, nachdem ich ein paar Basics über den Oki Stanwer Mythos und den KONFLIKT 4 im Speziellen gemacht hatte.

Hier zeigte sich nun bald der zweite Pferdefuß, und daran war nicht die geringe Teilnehmerzahl Schuld, sondern mein eigenes mangelndes Einfühlungsvermö­gen in die Zuhörerschar – die ausgewählten Passagen waren nämlich samt und sonders zu lang. Wiewohl ich ein Prinzip anwandte, das ich auf dem Autorentag am Tankumsee anno 2015 kennen gelernt hatte, nämlich das Paraphrasieren von Romanpassagen zwischen den zu lesenden Etappen, hätte ich daran noch deut­lich feilen müssen. So erzeugte ich mutmaßlich Überforderung und Verdruss, und zwei Zuhörer verabschiedeten sich, ehe ich den dritten Abschnitt von „In der Hölle“ erreicht hatte.

Dann kam tatsächlich die Pause, die aber nur recht kurz ausfiel. Das Hörerfeed­back, das nun reichlich kam, deutete unzweifelhaft in Richtung auf: Eigentlich können wir nichts mehr aufnehmen… was ich sehr bedauerlich fand. Da ich un­bedingt noch ein kleines Stück von „Mein Freund, der Totenkopf“ präsentie­ren wollte, bat ich noch um ein paar Minuten Aufmerksamkeit, die ich dann freundlicherweise auch bekam. Die wirklich schönen Stellen konnte ich dann al­lerdings – der fortgeschrittenen Zeit und Williams ausuferndem, unsortiertem Redestil geschuldet – nicht mehr vortragen. Insgesamt kam ich bis Seite 33 des Manuskripts.

Nun, gleichwohl war ich sehr dankbar über das konstruktive Feedback, das mir an diesem Abend dann noch zuteil wurde, der gegen 21.30 Uhr endete. Ich habe eine Menge gelernt und festgestellt, dass es kurze Geschichten besonders gut an­kommen, präzise und nicht zu schnell vorgetragen (später bin ich dann speziell bei den dramatischeren Passagen von „In der Hölle“ darin verfallen, zu zügig zu sprechen), und auch die Prosagedichte kamen bemerkenswert gut an. Mir wurde sogar explizit nach der Lesung der Vorschlag gemacht, doch mal separate Lesungen zu inszenieren – eine für Prosagedichte und Non-OSM-Geschichten kürzeren und kürzesten Zuschnitts sowie eine speziell für OSM-Texte, dort frei­lich mit sehr viel kürzeren Textausschnitten.

Das werde ich mir durch den Kopf gehen lassen.

Im Anschluss an die Lesung konnte ich dann gemeinsam mit einer Zuhörerin auch noch eine schmackhafte Currywurst essen und eine angeregte fachliche Diskussion führen, die erst deutlich nach 22 Uhr endete. Ich werde auf jeden Fall aus diesem Event lernen und schauen, dass ich meine nächste konstruktiv vorbereite und die Probleme dieser Lesung vermeide.

Schaut so aus, als wenn die nächste Veranstaltung in ein paar Monaten in Wolfs­burg stattfinden wird. Mal sehen, ob das so klappt, wie wir uns das alle vorstel­len… ich halte euch auf dem Laufenden, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 158: Der OSM im Bild, Teil 12

Posted März 13th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

und schon wieder sind zehn Wochen verflogen… man glaubt gar nicht, wie fix das geht, Freunde. Heute geht es in dieser Rubrik „Der OSM im Bild“ in den Endspurt, was die zahlreichen Titelbilder angeht, die mein heutiger Grafikdesi­gner Lars Vollbrecht zu Zeiten in den späten 80er Jahren beisteuerte, als er „nur“ freischaffender Künstler war, ein Fan ganz wie ich selbst auch. Da war es ein­fach selbstverständlich, dass man sich gegenseitig gewissermaßen auf Augenhö­he half.

Wie ihr seht, war das eine äußerst fruchtbare Zusammenarbeit, selbst wenn man berücksichtigt, dass ich ihm zumeist die eigenen Titelbilder motivisch vorgab. Was Lars daraus gemacht hat, war in den allermeisten Fällen innovativ und stets besser als meine bescheidene Vorlage.

Drei Bilder verbleiben noch, um die wir uns zu kümmern haben. Zuletzt hatte ich über den Band 27 des KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC) gesprochen, also die Episode „Die Ruinenwelt“, zu der Lars ja zwei Bildentwürfe kreierte.

Der letzte Band in Reihenfolge war das Cover zu Band 28 der Serie, „Landung auf Runix“. Das ist ein Bild, das man ohne meine Erläuterungen kaum verste­hen würde. Wir sehen folgendes:

Unter dem von Lars entworfenen Schriftzug „Der Oki Stanwer Mythos“ (damals allerdings noch recht schlicht mit schwarzer Tinte entworfen und durchaus nicht vergleichbar mit dem neuen golden-digitalen, der allerdings, soweit trägt die Analogie dann doch wieder, ebenfalls von Lars Vollbrecht geschaffen wurde) befindet sich ein großer rechteckiger Kasten, den ihr euch etwa so vorstellen dürft wie den aktuellen Titelbildrahmen der Zeitschrift GEO nach ihrem Re­launch im Jahre 2015.

Unterhalb des Schriftzuges ist ein schmaler Kasten abgesetzt, in dem etwas von Lars gestrichen wurde (no idea, what), dahinter steht „Band“ und, in einer Art von Stern-Button, die Nummer 28 der Episode. Der Serientitel wurde freilich leider vergessen, was ein ziemliches Manko darstellt.

Der Titelschriftzug selbst ist comiclike in Weiß mit schwarzer Umrandung, kom­plett in Großbuchstaben oben rechts im Bild zu sehen. Am unteren Rahmenrand gibt es noch einen kleinen eingefügten rechteckigen Kasten, in dem „von Uwe Lammers“ geschrieben steht.

So weit, so formal.

Das Bild selbst ist dann verwirrend. Im Bildvordergrund erkennt man eine nach links blickende Gestalt mit zwei Köpfen und einem sehr klobigen Körper, der nur bis zur Brust zu erkennen ist. Die beiden Köpfe wirken mit ihren Hörnern und der gedrungenen Silhouette eher wie Nashörner denn – wie sie eigentlich aussehen sollten – wie Echsenwesen. Es handelt sich um ein Individuum des Volkes der Calnarer, das nahe dem Zentrum der Galaxis Hun’arc siedelt und ein Volk von genialen Raumschiffstechnikern darstellt. Mit dem prekären Schwach­punkt, dass sie wegen der Zweiköpfigkeit samt und sonders schizophren sind.

Man bekommt als Betrachter des Titelbildes aber nicht nur das komische Ge­fühl, dieser Calnarer besäße keine Arme (was falsch ist), sondern wegen des Halsreifes und dreier von dort nach rechts aus dem Bild führender Rohrgestänge (!) auch das Gefühl, er sei irgendwo festgeschweißt worden (was auch falsch ist).

Im fast komplett schwarzweißen Hintergrund zuckt von der Bandnummer aus nach links unten ein weißes Gebilde, das man, wenn es denn auffällt, für einen Meteor oder Kometen halten könnte. Es ist aber nichts von beidem, sondern die Lichtfestung OREOC, die sich anschickt, auf dem Zentralplaneten Runix zu lan­den.

Darum auch der Titel.

Alles in allem ein nicht wirklich optimales Werk, das eine Menge Gehirn­schmalz seitens des Betrachters wie auch des Lesers erfordert. Das Bild entstand bereits im Frühjahr 1989, also unmittelbar vor Beginn meines Zivildienstes, der dann leider auch das unwiderrufliche Ende sowohl meiner Brieffreundschaft mit René Mostard mit sich brachte, mit dem zusammen ich ja die alte FdC-Serie – plus Lars´ Titelbilder – an die Öffentlichkeit zu bringen trachtete. Außerdem dünnte sich der Briefkontakt zu Lars immer mehr aus, und damit hörte dann un­sere Zusammenarbeit auf.

Aber wenn ihr jetzt rätselt: Wieso hat denn der Uwe eben noch von DREI Titel­bildern gesprochen, wo er jetzt nur EINS besprochen hat?, nun, dann habt ihr gut aufgepasst, Freunde. Die Auflösung erfolgt nun:

Lars hatte nämlich in den Jahren 1987 und 1988 noch zwei weitere Titelbilder gestaltet. Ich kann nicht mehr rekonstruieren, warum gerade diese, aber so ver­hält es sich. Und weil sich mit dem letzten eine etwas komplizierte Geschichte verbindet, fange ich zunächst mit der – episodenmäßig – spätesten Bildgestal­tung an.

Es handelt sich dabei um das Cover von FdC-Band 96 (!): „Götze der Cranyaa“, die ich auch 1987 schrieb. Möglicherweise habe ich ihm damals mein ak­tuelles Episodencover geschickt, und er fühlte sich spontan inspiriert… nein, ich habe gerade noch mal nachgesehen, das kann nicht sein.

Folgendes ist auf dem Titelbild zu erkennen: Das ohne Schriftzüge gestaltete Cover ist nahezu vollständig weiß und arbeitet mit minimalistischen Umriss­strukturen und punktierten Clustern anstelle von Schraffuren. Oben links sieht man eine große Sonne, rechts daneben ein kleines Raumschiff, das ganz eindeu­tig Oki Stanwers Raumschiff „Sieg des Lichts“ darstellt.

Die „Sieg des Lichts“ ist eine Raumschiffskonstruktion, die ihr euch als drei Ku­geln vorstellen könnt, die im Dreieck angeordnet und durch jeweils eine Röhre verbunden sind. Der Triebwerksfokus befindet sich im Brennpunkt der drei Röh­ren im freien Zentrum.

Mit der „Sieg des Lichts“ gelingt Oki Stanwer der Ausbruch aus dem so genann­ten „Zeituniversum“, in das er geschleudert worden war, also in eine dystopische Vergangenheit, fast 600.000 Jahre im Abgrund der Zeit. Über mehrere Zeittrans­mitterstationen der Dämonen von TOTAM näherte er sich immer mehr der Ge­genwart und der Galaxis Hun’arc.

Hier legte er dann aber Jahrtausende vor der Gegenwart Zwischenstopps ein, und einer davon führte ihn auch direkt zur Cranyaa-Heimatwelt Wislyon, wo sich ein Dämon von TOTAM namens Craathava eingenistet hatte. Craathava war dabei, das Volk der Cranyaa auf TOTAMS Seite zu ziehen und somit Oki Stanwers künftige Bündnispartner auszuschalten. Dafür hatte er den Gastkörper eines „besessenen“ Cranyaa gewählt.

Das Cover zeigt nun die gespenstische Metamorphose, wie aus dem Körper ei­nes dreigliedrigen Cranyaa der Schattenleib eines Dämons nach oben heraus­wächst. Der Kopf ist also schon der eines Kapuzinermönchs, ebenfalls die Schultern und Teile der Arme, während der Unterleib noch insektoid ist. Das Metamorphosewesen wächst dabei aus einem Kreis von sieben Kristallen her­aus, die am Boden liegen – die damals klassische Darstellungsform eines TO­TAM-Transmitters. Geschickt und beeindruckend gemacht, muss ich sagen. Es blieb sogar noch genug Raum für eventuelle Schriftzüge.

Ja, und dann ist da noch ein weiteres Bild von Lars… oder eigentlich eine Nach­zeichnung, und zwar nicht nach meinem Vorbild wie so oft, sondern… aber dazu gleich noch etwas. Erst mal sollt ihr wissen, was man sehen kann.

Es handelt sich um das 1988 entstandene Titelbild für die OSM-Episode 93: „Srakkonar Eins“, entstanden 1987. Srakkonar ist eine Galaxis im Oki Stanwer Mythos, die hier erstmals auftaucht. Durch die Zeitsprünge im „Zeituniversum“ überspringt Oki Stanwer hier mehrere Jahrtausende und stößt in dieser Zeitepo­che auf eine stark armierte Festung eines Dämons von TOTAM, eben „Srakko­nar Eins“, die er mit der „Sieg des Lichts“ attackiert, um den Durchbruch in die nächste Zukunftszeitphase zu schaffen.

Man sieht hier also die eben schon beschriebene „Sieg des Lichts“ von schräg hinten, mit aktiviertem Antriebszentralfeld unten rechts im Bild. Links in der Bildmitte ist noch die Rundung jenes Planeten zu erkennen, in dessen Orbit die große, annäherungsweise pyramidenförmige Station Srakkonar Eins schwebt. Im Hintergrund erkennt man einige bizarr nahe Planeten und fern eine Reihe von Pyramidenraumschiffen, die sich nähern.

Der Bildvordergrund ist ganz schwarz gehalten, ebenso Teile des oberen Randes, dazwischen ist alles nahezu ganz weiß. Grundsätzlich ein faszinierendes Bild, das aber ein paar Schwierigkeiten aufweist.

Zum einen ist es vollständig statisch. Bei den bisherigen Bildern fiel das nicht so auf, aber hier gibt es dummerweise eine Vorlage, und der Vergleich fällt leider zu Lars´ Ungunsten aus.

Zum zweiten störten mich damals wie heute diese unmotivierten nahen Plane­ten, die hier einfach nicht hingehören und bei denen man deutlich merkt: da wollte der Zeichner nur leeren Raum füllen.Und die große weiße Fläche ist ei­gentlich auch nicht soo optimal gelungen. Man merkt hier schon relativ starken Schematismus und nachlassende Begeisterung.

Kurz zuvor hatte nämlich ein anderer Brieffreund von mir, dessen Spuren sich leider auch vollständig verloren haben, an eben dieses Titelbild gemacht. Da ich das heute nicht mehr nachvollziehen kann, ohne gründlich meine alten Brieford­ner zu konsultieren, versuche ich das mal aus dem vagen Erinnerungsvermögen zu rekonstruieren.

Dieser Brieffreund hieß Norbert Wiesneth, und ich fand diese einzige Bildpro­be, die er mir lieferte, sehr faszinierend. Sie zeigt, ebenfalls 1988 entstanden, ge­nau dasselbe Motiv, das Lars nachher – wohl nach Vorlage der Wiesneth-Kopie – anfertigte und von der ich oben schrieb. Man sieht die „Sieg des Lichts“ im Anflug auf den Orbit der Zeitfestung Srakkonar Eins.

Der Winkel ist fast derselbe, allerdings ist man hier als Betrachter deutlich dich­ter am Heck der „Sieg des Lichts“ dran, die Schraffuren sind hier mit sehr viel mehr Akkuratesse und Liebe zum Detail angefertigt, und der hyperenergetische Antriebstrichter im Zentrum des Dreieckschiffes ist ein wirbelnder, lebhafter Mahlstrom an Kräften. Auch sieht man deutlich eine Art von „Bugwelle“ um das Dreikugelschiff, was einen ungemein dynamischen Eindruck erzeugt.

Links erkennt man um den Planeten sehr deutlich die Atmosphäre, zusammen mit Wolkenmassiven und Wolkenschatten (!), um die Zeitfestung ist deutlich ein fahler, runder Energieschild zu erkennen. Die Pyramidenschiffe, die im Hinter­grund im Anflug sind, haben lodernde Antriebsflammen, und da die „Sieg des Lichts“ auf ein Feindschiff rechts voraus feuert, sieht man eine sehr schön aus­gearbeitete Explosionswolke.

Nachteil an dieser Zeichnung und wahrscheinlich der Anlass, warum ich Lars dann um Nachzeichnung bat, ist darin zu sehen, dass der Bildhintergrund vor Planeten nur so wimmelt. Spontan würde ich sagen, es sind wenigstens zwan­zig… ein völlig absurder Anblick für ein Sonnensystem. Das war zwar sehr schön von Norbert gemeint, und das Bild strahlt wunderbar verhaltene Kraft und Dynamik aus… aber mit der deutlich nüchterneren Realität hat das kaum etwas zu tun.

Viel Phantasie, leider viel zu wenig Realitätssinn.

Ich könnte mir vorstellen, dass eine so ähnlich geäußerte Kritik ihn damals nachhaltig davon abbrachte, mir weiterhin helfen zu wollen… und ich muss zer­knirscht eingestehen, dass ich damals wirklich wenig semantisches Feingefühl besaß.

Heute würde ich schon gern wissen, was aus Norbert geworden ist und was er wohl heute so macht – also, alter Freund, falls du diese Zeilen lesen solltest oder jemand, der dich kennt, so wäre es klasse, wenn ich wieder von dir hören könn­te.

Mit diesen Bildern also war dann Lars Vollbrechts Engagement der 80er Jahre für den Oki Stanwer Mythos beendet. Aber das heißt jetzt nicht, dass es gar kei­ne weiteren Cover oder Illustrationen zum OSM mehr gab. Was das konkret heißt, erfahrt ihr in der nächsten Folge dieser Artikelreihe.

In der nächsten Woche springen wir in der nächsten Folge der Reihe „Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu“ ins Jahr 1997 zurück. Da kann ich euch dann erzählen, wie der Schatten des Archipels auf mich fiel und der OSM fast verkümmerte…

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde meiner E-Books,

auf in den Dschungel, könnte man sagen, wenn man die Ereignisse des letzten E-Books der Reihe „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) verfolgt hat – der tollkühne Aktionismus der gefangenen Raumfahrer des yantihnischen Missi­onsschiffes GHANTUURON hat zu einem unschönen Ergebnis geführt. In der Serviceebene unterhalb ihres Gefangenenlagers wurden sie von den raffinierten Echsenkriegern der Allis in einen Hinterhalt gelockt und überwältigt.

Nun, aber zwei Mitglieder des Stoßtrupps sind der Falle entkommen… hinaus in den supermetabolischen Urwald der Dschungelwelt Shookash. Natürlich ma­chen sich die im Lager zurückgebliebenen Raumfahrer daraufhin berechtigte Sorgen, was Vanshcor und seiner Geliebten Rayani dort draußen wohl zustoßen mag. Und das ist ja auch ganz deren eigene Sorge.

Aber es gibt eine Macht in den Tiefen des Urwaldes, denen die beiden Yantihni auffallen. Und dann gibt es da auf einmal diese verwitterte Ruinenstadt…

Ich glaube, ihr werdet faszinierende Entdeckungen in den dichten Urwäldern von Shookash machen, wenn ihr mir in den Abschlussband der neuen Trilogie der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ folgt. Ab sofort liegt bei www.beam-ebooks.de Band 15 der TI-Serie, „Die Macht der Liebe“, im EPUB-Format vor, damit ihr den Schluss dieses Abenteuers lesen könnt. Den Schluss, der zugleich Auftakt zu dem nächsten Schritt in der Serie ist, der euch dann endgültig mit den großen kosmischen Mysterien des Oki Stanwer Mythos in Kontakt bringt.

Wie üblich ist auch „Die Macht der Liebe“ zum Preis von 1,49 Euro erhältlich.

Ich wünsche euch angenehmes Lesevergnügen!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 50: Feuer und Stein (1)

Posted März 9th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ihr könnt es euch vorstellen, nicht wahr, dass ich für die kleinen und großen „Ju­biläen“ der Blogartikelreihe immer besondere Leckerbissen aus meiner Lektüre auswähle. Das war neulich schon so beim Blogartikel 25, das wird beim Blogarti­kel 75 und 100 ebenso der Fall sein, da lasst euch beizeiten mal überraschen.

Heute kommt ein Roman, den man zu den „Favorites“ zählen könnte, die meine Bücherregale bevölkern. Ein Buch, das ich immer wieder gern zur Hand nehme und zig Male gelesen habe. Seit einer Weile gibt es hierzu sogar ein faszinieren­des mediales Phänomen, auf das ich erst mit Verspätung gestoßen bin: die Ver­filmung in Form der Fernsehserie „Outlander“. Bisher habe ich davon nur die ersten drei Episoden (von 16) gesehen, aber bis dieser Artikel erscheint, könnte es gut sein, dass ich sie alle angeschaut habe.

Da diese erste Staffel der Serie sich ausschließlich mit dem Inhalt des vorliegen­den Romans befasst und ich ihn wahrlich oft genug „inhaliert“ habe, haften die Details dieses Werkes immer noch recht gut, und so war ich imstande, necki­sche Abgleiche zwischen Romantext und filmischer Adaption anzustellen.

Die Serie, um dies einleitend vor der Rezension selbst zu sagen, gefällt mir aus­nehmend gut. Es gibt zwar eine ganze Reihe von dramaturgischen Anpassungen – so ist die Hauptperson Claire Randall im Roman nicht vor dem Zeitsprung in der Ruine von Castle Leoch gewesen, und den Steinkreis hat sie zunächst allein erkundet, auch fehlt in der Verfilmung der Gegenwartsszenerie ein Kind, das später zu einem tragenden Charakter späterer Romane werden wird (Kenner wissen, dass ich von Roger Wakefield rede), aber ansonsten ist die Umsetzung des Romanstoffes beeindruckend gut gelungen. Nun, die Fans haben auch weit mehr als zehn Jahre darauf warten müssen. Solche Planungszeit sollte sich ir­gendwann in der Qualität der Umsetzung niederschlagen.

Phantastikfans, die die mediale Umsetzung ihrer Lieblingsromane kritisch ver­folgen, werden an dieser Stelle wahrscheinlich auch an George R. R. Martins Westeros-Romane denken, besser bekannt unter dem Titel „Game of Thrones“, doch da ich dort nicht sattelfest bin, schweige ich davon. Ich habe jedoch ver­schiedentlich begeisterte Kommentare über die Adaption dort gehört und gehe davon aus, dass sie ähnlich gut wie bei „Outlander“ gelungen sein dürfte.

Ehe ich in die Rezension überleite, noch eine kurze Vorbemerkung zur Publikati­on der Gabaldon-Rezensionen in diesem Blog: Wie ihr an den eingeklammerten Ziffern seht, handelt es sich – wie etwa auch bei Peter F. Hamiltons „Armaged­don-Zyklus“ um ein mehrbändiges Werk. Da ich den Zyklus aber noch nicht rest­los gelesen habe und die Romane in deutlich größerem zeitlichem Abstand zu­einander erschienen sind, ziehe ich infolgedessen auch die Einzelrezensionen etwas auseinander. Die ersten drei folgen vergleichsweise dicht aufeinander, die späteren deutlich danach.

Ich schaue, dass ich dann immer einleitend auf die vormaligen Teile hinweise, damit ihr lesend das Kontinuum mühelos wieder herstellen könnt und nicht lan­ge zu suchen habt… aber wenn ihr sowieso gleich Feuer und Flamme seid nach der Lektüre des ersten Bandes, dann werdet ihr sowieso sehr viel geschwinder sein als ich bei meinen veröffentlichten Rezensionen.

Denn Tatsache ist: der vorliegende Roman ist hoher Suchtstoff, und ihr werdet meine Begeisterung durch manche dieser Rezensionen hindurchlodern spüren können. Machen wir also heute mal eine abenteuerliche doppelte Zeitreise. Erst auf ins Jahr 1945 und sodann weiter über eine magische Verbindung in die Mitte des 18. Jahrhunderts.

Bon voyage!

Feuer und Stein

(am. OT: Outlander, engl. OT: Cross-Stitch)

von Diana Gabaldon

Blanvalet

800 Seiten

Gebundene Neuausgabe 20021

Übersetzt von Elfriede Fuchs und Gabriele Kuby

Wenn eine Wissenschaftlerin sich gänzlich aus ihrem Themengebiet entfernt und in das Abenteuer stürzt, etwas vollkommen anderes zu erproben, kommen dabei nicht selten Katastrophen heraus, möchte man meinen. So hätte es auch sein können, als die Honorarprofessorin für Tiefseeökologie und Computerspe­zialistin Diana Gabaldon den Entschluss fasste, sich einmal an einem histori­schen Roman zu versuchen. Was kam dabei heraus? Nun, ein Bestseller, und zwar dieser:

Man schreibt in England das Frühjahr 1945, als die Wirrnisse des Zweiten Welt­krieges Claire Beauchamp Randall und ihren Mann Frank endlich wieder loslas­sen und von neuem zueinander führen. Während er im diplomatischen Dienst tätig war (was er erlebt hat, verrät er nie), arbeitete Claire als Krankenschwester in einem Kriegshospital und folgte damit ihrer beruflichen Laufbahn. Jetzt ist sie knapp dreißig und hat eigentlich nur den sehnlichen Wunsch, die Flitterwochen nachzuholen und ein Kind zu empfangen.

Frank, von Beruf Historiker, folgt zunächst den Pfaden seiner Ahnen und schleift die reichlich desinteressierte Ehefrau mit sich nach Inverness, wo sich Doku­mente aus der Zeit der Jakobitenkriege erhalten haben. In dieser Zeit spielte Franks Ahne Jonathan Randall, der aus unbekannten Gründen „Black Jack Ran­dall“ genannt wurde, eine entscheidende Rolle. Er vertieft sich mit dem Reve­rend Wakefield in diese Unterlagen, die Claire despektierlich als „Haufen schmutziger Papiere“ bezeichnet.

Während Claire bald selbsttätig loszieht, um Kräuter zu sammeln, stößt sie auf einen seltsamen Hügel mit einem uralten Steinkreis darauf. Das ist eher etwas für Frank, denkt sie und kehrt zurück nach Inverness. Als sie jedoch wenig spä­ter auf der Suche nach seltenen Pflanzen diesem Steinkreis einen erneuten Be­such abstattet, verschwindet sie spurlos.

Jedenfalls für ihren Mann und alle ihre Zeitgenossen.

Was ihr widerfährt, ist Claire selbst nicht klar: eben noch ist sie im Steinkreis und sucht Pflanzen, im nächsten befindet sie sich in einem kreischenden, un­vorstellbaren Malstrom, der sie schier zu Tode ängstigt und am Ende ohnmäch­tig werden lässt – als sie wieder erwacht, befindet sie sich am Fuße des Berges und in einem Alptraum.

Wenn es einer wäre.

Der Alptraum ist eine wilde Verfolgungsjagd von Kilt tragenden, brüllenden Schotten und englischen Soldaten in den Uniformen König Georges. Zunächst hält die Krankenschwester das für eine bizarre Art von Film, aber recht schnell und drastisch muss sie, von den Schotten kurzerhand niedergeschlagen und dann entführt, realisieren, dass es sich um viel Schlimmeres handelt: Allen Indi­zien zufolge befindet sie sich im Jahre 1743 und mitten in den beginnenden Wirren des zweiten Jakobitenkrieges.

Sie ist eine Engländerin, eine „Sassenach“, wird von den Schotten misstrauisch beäugt, nicht zuletzt wegen ihres französischen Nachnamens (denn den Ehena­men hat sie sicherheitshalber abgelegt – nachdem sie dem sadistischen Ahnen ihres Mannes Frank, Jonathan Randall, in den Wäldern erheblich näher gekom­men ist, als ihr eigentlich lieb war!), zugleich aber auch von den Briten gesucht, und beide Seiten sehen in ihr eine Spionin, nur weiß eben niemand, für welche Seite. Und Claire selbst… nun, sie will nichts dringlicher, als zurück zum entsetz­lichen Steinkreis und verschwinden. Stattdessen wird sie nur weiter nach Nor­den verschleppt, mitten hinein in den Filz der Clanwirren.

Und, um die Sache noch schlimmer zu machen, sie trifft den jungen Jamie Mc­Tavish, der nicht McTavish heißt, einen von Auspeitschungen schrecklich zer­furchten Rücken besitzt, und ehe Claire eigentlich richtig klar wird, was los ist, steht sie mit ihm vor dem Traualtar.

Nun könnte man meinen, sie könne sich all dem natürlich schleunigst entzie­hen, indem sie unter welchen Umständen auch immer die Flucht ergreift, den Steinkreis aufsucht und durch die Zeiten in die Gegenwart flüchtet… aber das ist jetzt nicht mehr so einfach, denn der festeste aller Anker hält sie im Gestern – der Anker der Liebe, gegen den selbst das metallene, goldene Versprechen an ihrem Finger, das sie tagtäglich an Frank Randall erinnert, ihren ersten, gegen­wärtig noch nicht mal geborenen Ehemann, nicht ankommt.

So wird Claire Beauchamp Randall Fraser, wie sie nun heißt, geradezu zerrissen zwischen den disparaten Wünschen ihres Herzens. Es geht nicht mehr nur um sie, es geht auch um Jamie, seine Verwandten und vieles andere mehr. Am schlimmsten jedoch brennt jene Sorge in ihr, die vom Wissen um die Zukunft genährt wird: sie weiß, in wenigen Jahren wird all das, was sie hier liebt, unter­gehen und vernichtet werden – wenn der Thronprätendent Charles Edward Stuart, „Bonnie Prince Charlie“, wie man ihn noch im 20. und 21. Jahrhundert nennt, seine Landsleute zum Aufstand aufruft und das Land im Blut ertrinken wird.

Claire könnte fliehen… aber dazu müsste sie auch alles im Stich lassen, inklusive die Liebe ihres Lebens…

Diana Gabaldons Romanerstling ist ein Buch, das man spätestens in dem Mo­ment rauschhaft zu verschlingen imstande ist, wenn man sich an die Ich-Erzäh­lerin und ihren sagenhaft trockenen, lakonischen Humor gewöhnt hat. Das geht sehr schnell, und ehe man sich versieht, verdunsten gleichsam Dutzende und Hunderte von Seiten pro Tag, bis man schließlich verdutzt blinzelnd das Buch schließt, sich wundert, warum das Vergnügen schon vorbei ist und nach mehr ruft.

Denn natürlich kann sie den langen Handlungsbogen, der sich bis zur Schlacht von Culloden im Jahre 1745 spannt, nicht in diesem Buch beenden. Das war ihr schon klar, als der Roman zum Endspurt auf die letzten 150 Seiten ansetzt. Fol­gerichtig gibt es einen zweiten Band.2

Wenn wir von der Seite des Historikers an diesen Stoff herangehen, fällt auf, wie erfreulich eng sich Gabaldon an die historischen Fakten gehalten hat. Ignorieren wir fürs erste einmal den obskuren Steinkreis, der 200-Jahres-Reisen in die Ver­gangenheit und Zukunft ermöglicht und geradewegs aus dem Herzen der Fanta­sy stammt. Von sonstigen „Fantasy“-Zutaten macht sie in dem Buch keinen Ge­brauch, was schließlich dazu führt, dass man bis auf dieses Vehikel einen rein­rassigen historischen Roman vorliegen hat, der zur Zeit der Jakobitenkriege spielt. Bis auf Claires Ursprung, natürlich. Diese mentale Verwerfungslinie einer in die Vergangenheit verschlagenen Frau macht die Geschichte zusätzlich kniff­lig und verleiht ihr eine eigene, zusätzliche Würze.

Gabaldon erfindet fiktive Orte wie das Dorf Cranesmuir und Lallybroch, auch hat sie – wie sie später verlegen gestehen wird – echte Probleme mit schotti­schen „Zitaten“, die sie notorisch falsch einsetzt (und übersetzt), und zudem er­kennt man noch deutlich die Unbedarftheit, mit der sie geradezu spielerisch mit der Vergangenheit umgeht… doch was die Alltagsbeschreibungen angeht, Klei­dung, Sitten und insbesondere die Details der medizinischen Versorgung – wenn man das so nennen möchte – , so bemüht sie sich sehr, akkurat zu sein und das Element des Zufalls nicht zu sehr überzustrapazieren, wie es Neulinge in der Branche des Schriftstellertums gerne machen. Insofern hat sie ihre Haus­aufgaben gut erledigt und kann des anerkennenden Nickens sicher sein.

Die Geschichte selbst ist ein interessantes, vielfältig facettiertes und mäandern­des Band von verschiedenen Handlungssträngen, die nur langsam zu einem Ganzen gefügt werden. Bis zum Schluss bleiben Fragen offen, ganz wie im nor­malen Leben auch. Und wenn es sich oben so las, als würde Claire sich sehr rasch Hals über Kopf in Jamie verlieben, so entspricht das absolut nicht der Rea­lität – und selbst, ALS das passiert, bleibt diese Beziehung alles andere als stö­rungsfrei. Die sich daraus ergebenden Komplikationen, die eng in Zusammen­hang stehen mit köstlichen, wütenden Disputen, seltsam abgleitenden und bald von unbändigem Kichern erfüllten Erzählungen sowie zahlreichen Handlungen, die interessante moralische Differenzen zwischen einer Protagonistin des 20. Jahrhunderts und einem jungen Mann des 18. Jahrhunderts zur Folge haben, lassen wahrhaftig keine Langeweile aufkommen.

Der Titel des Buches mag zwar äußerst irreführend gewählt sein; die Übersetze­rinnen mögen an manchen Stellen des Buches zu drastischen Reduktionen des Textes geneigt haben und zu ziemlich abenteuerlichen Fehlübersetzungen (so wird beispielsweise Claires erstaunliche Körpergröße, die umgerechnet etwa einen Meter achtzig beträgt, hastig nach unten verringert, wie Leser der ameri­kanischen Originalausgabe feststellen können), doch alles in allem ist das Buch eine äußerst solide, sehr unterhaltsame Leistung.

Nicht nur Leute, die abenteuerliche Liebesgeschichten in historischem Ambien­te mögen und erst recht nicht nur Leser, die sich unsterblich in schottische Ge­schichte verliebt haben, kommen hier voll auf ihre Kosten, wenngleich das das Vergnügen natürlich erheblich steigern wird. Auch derjenige, der sich für beein­druckend lebendige Charakterzeichnung interessiert, wird das Buch mit Genuss lesen und danach das Fazit der Berliner Zeitung bestätigen können: „…absolut süchtig machend.“

Das sagt jemand, der das Buch innerhalb von fünf Jahren viermal in der Über­setzung und einmal im Original gelesen hat…

© by Uwe Lammers, 2006

Hallo, Freunde… aufgewacht! Die Rezension ist vorbei! Wer Feuer gefangen hat, der sause in die Buchhandlung oder Bücherei und lese das Buch… oder wer es schon besitzt und denkt: Ja, das könnte ich endlich mal wieder herauskramen und neu lesen – nur zu!

In der nächsten Woche hüpfen wir in die ferne Zukunft zurück und treffen in ei­nem von Menschen besiedelten Universum eine Spezies von sanftmütigen, doch unerbittlichen schwarzen Robotern wieder, gegen die Widerstand zweck­los scheint. Wer sich fünf Wochen zurück erinnert, hat Teil 1 dieses Alptraums mitbekommen. Nächste Woche erlebt ihr den zweiten Teil davon. Nicht verpas­sen!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Der Roman kam zunächst 1991 in Amerika heraus, die deutsche Erstauflage, der zahllose Neuauflagen im Taschenbuch folgten, erschien 1995. Die Taschenbücher kosten 10 Euro, diese Edition hier 13 Euro.

2 Diana Gabaldon: „Die geliehene Zeit“. Auch dieser Roman ist für den Rezensions-Blog in Vorbereitung.

Wochen-Blog 157: Der OSM – ein Wolkenschloss? Nein!

Posted März 5th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

manchmal überrasche ich meine Bekannten und Freunde in Diskussionen, weil sie dann feststellen müssen, dass unter der unscheinbaren Oberfläche des Uwe Lammers doch erstaunliche mentale Abgründe schlummern, die sie so nicht er­wartet haben. Jüngst kam es wieder einmal zu einem solchen Aha-Moment in einem Gespräch, und vielleicht ist es von allgemeinem Interesse, darüber zu er­zählen, weil der angesprochene Punkt uns noch sehr lange innerhalb des Blogs, aber auch innerhalb des Oki Stanwer Mythos an sich verfolgen wird.

Ich bin üblicherweise nicht jemand, der sich mit seinen kreativen Aktivitäten je­mandem aufdrängt, der davon nichts wissen möchte. Dass daraus dann umge­kehrt eine schiefe Wahrnehmung meiner Person resultiert, ist vermutlich ein unvermeidlicher Effekt. Wenn dann aber andererseits ausdrücklich Nachfragen gestellt werden – in diesem Fall zum aktuellen Verlauf der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI), dann stehe ich durchaus gern Rede und Antwort und plaudere aus dem Nähkästchen.

Wie es sich halt für einen Literaten gehört.

Ich berichtete nun also, derzeit in der Schreibarbeit von TI-Band 25 „Audienz bei Quin“ steckend, über die problematische Entwicklung, die sich daraus für die Serie und die Spiritualität der Yantihni ergab. Und ohne inhaltlich hier vor­greifen zu wollen, weil euch dieses E-Book ja noch nicht vorliegt, wenn dieser Blogartikel veröffentlicht wird, möchte ich hier nur die überraschte Reaktion wiedergeben.

Meine Gesprächspartnerin war nämlich einigermaßen verblüfft und meinte sinngemäß: „Herr Lammers, das ist ja richtig politisch!“

Ja, gab ich zu, selbstverständlich. Und damit widerlegte ich wenigstens in die­sem Gespräch die bisher vorherrschende Vermutung, der Oki Stanwer Mythos sei so etwas wie Eskapismus, „Flucht in eine bessere Welt“, um die Gegenwart auszublenden. Eine Gegenwart, die, wie wir alle wissen, sich derzeit nicht eben zum Positiven hin zu entwickeln scheint.

Ich war und bin selbst immer wieder verdutzt, wenn Leute, die relativ wenig von meiner kreativen Arbeit verstehen, zu der Auffassung gelangen und sie dann expressis verbis mir gegenüber zum Ausdruck bringen, das, was ich schrie­be, habe a) nicht sonderlich viel mit der Welt um uns herum zu tun und b) mei­ne Betätigung als eine Form von Wirklichkeitsflucht interpretieren.

Beide Ansätze halte ich für grundfalsch, und hier ist der Ort, dies einmal an eini­gen ausgewählten Beispielen zu demonstrieren. Ihr mögt mir verzeihen, wenn ich hier zugleich ein wenig an euer Vertrauen appellieren muss – denn diese Beispiele entstammen bis auf eins alle dem Bereich der OSM-Werke, die ihr noch nicht zu sehen bekommen habt.

Es geht eigentlich um zwei Komplexe in diesem Zusammenhang, die themati­siert werden sollten. Erstens die Frage, ob der OSM eine Art von „unpolitischem Wolkenschloss“ sei. Und zweitens die Frage, ob der OSM mit seiner Darstellung von Wirklichkeitsentwurf tatsächlich als Zielbestimmungsort für Eskapismus taugt.

Zum ersten Punkt: Nein, unpolitisch ist der OSM durchaus nicht. Ich bin Teil un­serer Welt und nehme als politisch zwar nicht organisierter Mitbürger, doch als jemand, der durchaus die Nachrichten verfolgt und merkt, was in unserer Welt auf beklagenswerte Weise schief läuft, Anteil daran. Meine langjährigen Brief­freunde können ein paar Arien davon singen, wie oft ich dort in ausführlichen Briefen mit ihnen politische Themen diskutiere…

Natürlich gibt es infolgedessen auch Rückwirkungen auf meine Kreativität, nicht nur im Bereich der OSM-unabhängigen Geschichten, sondern auch im OSM selbst.

Nehmen wir nur mal als ein Beispiel die Frage von Diktatur und Demokratie.

Als im Rahmen des KONFLIKTS 18 in der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (KGTDUS) eine Zeitreise ins 18. Jahrhundert vor Christus stattfin­det – Oki Stanwer trifft hier im antiken Babylon den so genannten „Dämonen­schmied von Babylon“ und strandet in der Vergangenheit – , da führt das Zeit­experiment ungeplant zu einer Veränderung der Zukunft.

Als er mit seinem Sohn Marconius in die Gegenwart zurückkehrt, erweist sie sich als ein Alptraumszenario, beherrscht von den Dämonenwaffen von TOTAM, die unerbittlich Jagd auf die Zeitreisenden machen.

Statt hier nun den Kopf in den Sand zu stecken, nimmt Oki Stanwer Kontakt mit einer kleinen noch existierenden Widerstandsgruppe auf und realisiert einen weiteren Zeitsprung, in dem die monströse Zukunft ungeschehen gemacht wird. Phantastisch? Ja. Unpolitisch? Darüber ließe sich zumindest streiten.

Nehmen wir ein weiteres Beispiel:

Im KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC) führt eine Invasion im Reich der reptiloiden Tasvaner zu einer Diktatur der Aliens. Die einzigen, die wirkungsvolle Gegenwehr leisten können, sind Anhänger einer abgesetzten Vor­gängerregierung… allerdings sind diese so genannten „Osvehler“ inzwischen staatlich gesuchte Terroristen.

Der neue tasvanische Staat, der nach der Abwehr der Invasion entsteht, ist also prinzipiell einer, der von Terroristen geleitet wird, wenn auch mit besten Ab­sichten.

Unpolitisch? Das ist doch eine abwegige Vorstellung.

Drittes Beispiel:

Im KONFLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM) existiert in der Galaxis Milchstraße das Imperium des Alienvolkes der Zoombys. Diese Wesen besitzen parapsychische Fähigkeiten, und als sie zu ihrer Verwirrung auf raumzeitliche Mauern stoßen, die ihren stellaren Expansionsdrang begrenzen, fahnden sie nach den Ursachen. Sie finden das so genannte SCANNER-System, von dem aus die „spezialstrukturierte“ Galaxis Milchstraße verwaltet wird. Im Auftrag der Baumeister, sollte ich dazu sagen, also im Auftrag der positiven Mächte des Kosmos.

Die Zoomby-Verantwortlichen erklären daraufhin dem SCANNER-System den Krieg… und werden gewissermaßen durch einen Dolchstoß aus den eigenen Reihen zu Fall gebracht – der Zoomby-Orden der Nosh-Mönche informiert die Truppen des SCANNER-Systems über den bevorstehenden Angriff, und Licht­machttruppen schlagen den Aufmarsch nieder. Es gibt Millionen Todesopfer.

Schlimmer noch: die Nosh, die nun in ihrem eigenen Volk natürlich als Kollabo­rateure verhasst sind, werden von den Herrschern des SCANNER-Systems als Regierung installiert… und sie beginnen damit, eine theokratische Diktatur zu installieren, die Universitäten abschafft, Raumhäfen schließt und nahezu alle hochtechnisierte Infrastruktur zurückbaut.

Ist das eine unpolitische Vorstellung? Eine rückwärtsgewandte Theokratie, die im Grunde genommen eine ganze Zivilisation in den Rückwärtsgang drängt? Ich würde sagen: eher nicht.

Hierzu gäbe es noch jede Menge mehr zu erzählen, doch ist der Platz begrenzt, wie ihr wisst. Ich komme also zum zweiten Punkt.

Taugt der OSM als Eskapistenziel?

Ich bin der Ansicht, dass man hier vorsichtig sein muss. Hier möchte ich aus Platzgründen nur einen einzigen Aspekt hervorheben, der zu denken geben sollte:

Ihr wisst als Leser meiner E-Books wie meines Blogs inzwischen zur Genüge von dem Antagonismus zwischen der Macht TOTAM und den Mächten des Lichts, deren prägnanteste Exponenten die Baumeister sind. Was euch in den kom­menden Lesejahren zur festen Gewissheit werden wird, ist folgender Aspekt – nämlich die nachgerade hysterische Angst der Baumeister vor TOTAM und al­lem, was mit TOTAM in Verbindung steht.

Dieses Gefühl der Angst durchdringt jeden kosmologischen Kontext des Oki Stanwer Mythos, und es führt leider sehr oft zu geradezu paranoiden, psychoti­schen Affektreaktionen, die mit rationalem Handeln nur noch bedingt etwas zu tun haben.

Will heißen: TOTAM ist ein amorpher Gegner, rätselhaft, unverständlich in sei­nen Zielen, in seiner Form und seiner Entstehungsgeschichte. Im Laufe der KONFLIKTE gerinnt die Vorstellung TOTAMS in den Geistern seiner Gegner zu ei­ner Art von fixer Idee, ein Nachtmahr, wenn man so will. Ein Gespenst, das um seiner selbst willen bekämpft wird.

Mehr noch: ein Gespenst, dem einzig vollständiger Vernichtungswille unterstellt wird. Ein Gegner, mit dem es keine Diskussionen mehr gibt, keinen Wunsch nach Verständnis. TOTAM wird zu einem Feind ad infinitum erklärt, zu einem Gegner, mit dem es nur den Kampf bis aufs Messer gibt. Jeder, der in späteren Zeiten versucht, TOTAM gescheit zu ergründen, gar Kontakt aufzunehmen, gilt als Hochverräter und wird verfolgt, schlimmstenfalls ausgemerzt.

Ob dies eine erstrebenswerte Welt ist, in der solch eine Denkvorstellung beherrschend ist, darf man mit Fug und Recht bezweifeln. Ein Paradies ist dies durchaus nicht. Ich würde sogar sagen, es ist davon sehr weit entfernt.

Das Paradies der Baumeister lernt ihr beizeiten in KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) kennen: ein Reich der vollständigen Überwachung und perfekten Technisierung… bis der Alptraum namens TOTAM einbricht. Erste An­sätze dazu findet ihr im ersten Band der Annalen, im Roman „In der Hölle“ (2013).

Als nach dem Jahr 2001 in unserer Welt vom damaligen Präsidenten der USA der so genannte „Krieg gegen den Terrorismus“ ausgerufen wurde – ein „Krieg“, der bis heute mit immer desaströseren Auswüchsen tobt – , da fühlte ich mich grausend an Denkstrukturen erinnert, die im Oki Stanwer Mythos schon seit Jahrzehnten unter der Oberfläche brodeln.

Ein amorpher Gegner.

Ein Feind, der angeblich nur Zerstörung kennt.

Ein Feind, den man nur mit Vernichtung und Auslöschung bekämpfen kann.

Ein Feind, der als so ultimativ gesetzt wird, dass jedermann, der das Begreifen und Verstehen des Gegners sucht, sofort in Generalverdacht gerät, Sympathi­sant des Feindes zu sein.

Ach, wie grässlich vertraut war mir diese Argumentation.

Setzt man statt „internationalem Terrorismus“ TOTAM ein, hat man quasi die Blaupause des Oki Stanwer Mythos.

Würde nun noch jemand sagen, der OSM sei ein unpolitisches Wolkenschloss? Wirklichkeitsfremder Eskapismus?

Nun, ich bin da, wie erwähnt, ganz anderer Ansicht. Und vielleicht regt ja diese Parallelisierung der zeitgenössischen politischen Gegenwartsgeschichte mit den langfristigen Denkstrukturen des Oki Stanwer Mythos neugierige Leser unter euch an, ein wenig tiefer in mein Werk eindringen zu wollen. Das würde ich mir jedenfalls sehr wünschen.

Denn während die politische Gegenwart flächendeckend von Denkverboten re­giert wird und wir hier kaum jemals zu einer Klärung der essentiellen Fragen kommen können, sondern in einer scheinbar immer engeren Spirale der gegen­seitigen Gewalt feststecken, besitzt der OSM einen wesentlichen Vorteil, der die Schriftstellerei immer schon ausgezeichnet hat: hier ist der Denkraum, in dem man das Ungeheuerliche aussprechen, durchdenken kann. Hier kann man ex­emplarisch sehen, wohin der Weg unserer Gegenwartspolitik führen könnte, wenn wir nicht endlich lernen, die zentrale Grundlage zu begreifen:

Wenn man schon einen Konflikt führen muss, ist es unabdingbar, den Gegner in seinen Motiven zu begreifen. Ihn aus dem Fokus des namenlosen Monsters her­auszuholen. So etwas wie der internationale Terrorismus besteht nicht nur aus „dem IS“ oder „dem Terror“, sondern aus Menschen, die aus irgendwelchen Gründen die Entscheidung getroffen haben, sich dieser Denkströmung anzu­schließen. Es gibt Gründe, warum diese (bislang meist namenlosen) Personen scheinbar wahllos Menschen in großer Zahl umbringen, warum sie Angst und Schrecken säen. Den Dämonismus zu bekämpfen, ist unumgänglich, wenn man ihn erfolgreich bekämpfen möchte.

Das ist auch das Anliegen vieler Protagonisten im Oki Stanwer Mythos.

Die eherne Mauer der ideologischen Vorurteile zu zertrümmern und zu der ver­borgenen Wahrheit dahinter vorzustoßen. Die Ideologen zu entlarven, den Krieg zu beenden. Ein hehres Ziel, vielleicht unerreichbar… aber es ist jeden Aufwand wert, es zu versuchen.

Sonst haben wir den Krieg sowieso schon verloren, im OSM und in der Wirklich­keit.

Soviel für heute in dieser Angelegenheit – in der kommenden Woche kehren wir in die Rubrik „Der OSM im Bild“ zurück.

Bis dann, mit Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 49: Zeitlabyrinth

Posted März 1st, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute gibt es mal ein vergnügliches Abenteuer der ganz besonderen Art zu le­sen, die mich immer wieder zum Schmunzeln bringt, wenn ich das Buch zur Hand nehme… und da ich den Roman wahrhaftig seit über 30 Jahren kenne, hat das einiges zu sagen. Auch, dass ich ihn bereits mehrere Male, jedes einzelne davon mit enormem Vergnügen, gelesen habe, spricht wohl für sich.

Bevor wir zum Roman selbst kommen und zu seinem Inhalt, sollte ich noch ein wenig vorab erzählen, was vielleicht nicht jedem meiner Freunde bzw. auch Le­sern dieses Blogs bekannt ist: Ich habe diesen Roman zweimal rezensiert, und die erste Rezension erschien im September 1985 in dem Fanzine ROMAN-POST 17 von Rudolf Wildner. Manch einer, der diesen Blog liest, wird hierdurch viel­leicht an alte Zeiten erinnert werden.

Zeitlabyrinth“ erschien in arg verkürzter Form damals als ein TERRA ASTRA-Roman, aber er wusste schon in der Form zu gefallen. Später, als ich dann die vorliegende Langfassung las (die eventuell immer noch gekürzt ist, da in der Fi­scher Orbit-Reihe stabile Seitenzahlen vorherrschten, was diesen Eindruck wohl unvermeidlich macht), steigerte sich mein Lesevergnügen durchaus noch. Und Keith Laumer stieg ganz unvermeidlich zu einem meiner damaligen Lieblingsau­toren auf, neben Marion Zimmer-Bradley, Robert E. Howard, Howard Phillips Lovecraft und Clark Ashton Smith, um nur mal die Phantasten darunter zu nen­nen.

Und ja, der Titel ist im Englischen ebenso passend wie im Deutschen. Ein ver­gnügliches, verwirrendes Garn voller unglaublicher Dialoge, bizarrer Zufälle und amüsanter Verwechslungen. Schaut einfach mal rein:

Zeitlabyrinth

(OT: Time Trap)

von Keith Laumer

Fischer Orbit 4

128 Seiten, TB

Februar 1972

Übersetzt von Birgit Reß-Bohusch

Roger Tyson ist wirklich nicht zu beneiden: erst bleibt der junge, erfolglose Prot­agonist dieses Romans mit seinem klapprigen Auto in einer sturm- und regen­durchpeitschten Nacht auf der Landstraße liegen, dann versucht er eine Motor­radfahrerin anzuhalten und verursacht einen tödlichen Unfall, und als ob das noch nicht genug wäre, beginnt er auf einmal die Stimme der Toten – einer bild­hübschen Agentin namens Q’nell – in seinem Ohr zu hören. Tja, und schließlich verursacht er den nächsten Unfall und ist verantwortlich für den Tod einer Mo­torrad fahrenden roten Riesenrübe…

Daraufhin glaubt sich nicht nur Roger Tyson im falschen Film, sondern zeitweise der Leser auch. Aber er bekommt überhaupt keine Chance zum Luftholen, denn all das ist erst der Beginn. Tyson, geleitet von der Stimme der Toten und verfolgt von intelligenten roten Riesenrüben, muss zu seinem großen Schrecken feststel­len, dass die Welt, wie er sie sich eigentlich vorstellte, dabei ist, auseinanderzu­fallen – in eine schier endlose Kette von Raumzeitkreisen, in denen sich alles kurz nach Mitternacht wieder in den Anfangszustand zurückbewegt und die Tage mithin niemals enden. Kühlschränke füllen sich wieder auf (mit immer denselben Nahrungsmitteln), abgeschnittene Blumenstängel und umgeschlage­ne Bäume kehren an ihren Ausgangspunkt zurück, und selbst Tote wachen am nächsten Morgen quicklebendig – und mit voller Erinnerung an den Tod – auf.

Dabei ist es offenkundig, dass der Zeitpunkt der Raumzeitkreise keine Rolle spielt. Roger wandert dabei genauso durch das Devonzeitalter wie durch das 19. Jahrhundert und die Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Und seine Ver­zweiflung wächst. Eigentlich wollte er doch nur einen neuen Job, und nun wird er unablässig verfolgt, von haarigen Affenmenschen verprügelt, beinahe er­schossen und von Granaten zerrissen – und überall folgt ihm diese unheimliche Runkelrübe.

Bis er versteht, dass dieses Zeitlabyrinth ein offenbar etwas aus dem Gleichge­wicht geratenes Museum der menschlichen Rasse ist, dauert es außerordent­lich lange. Doch das ist noch keine Lösung, die findet sich erst am Ende des Tun­nels und hat noch einige Schrecken für ihn parat…

Zeitlabyrinth ist ein Strudel von einem Roman. Wenn man einmal angefangen hat und neugierig geworden ist, saugt Laumer den Leser in die Geschichte hin­ein, die zwar manchmal oberflächlich und zum Ende hin etwas überdreht wird, aber stets durch enormen dialogischen Wortwitz besticht. Alleine die raschen Szenenblenden und ständigen Cliffhanger, die Tatsache, dass man nicht erken­nen kann, wohin er das nächste Mal springt, macht den Roman überaus reizvoll. Vergnügliches, köstliches Lesefutter für zwei oder drei Stunden (aber so lang braucht man dafür eigentlich nicht). Und wenn man nach fünfzehn Jahren – wie ich – den Roman das zweite Mal liest, ist er nach wie vor ein spritziges Vergnü­gen, hinter dem man die Welt wohlig versinken lassen kann, wenn man gefrus­tet ist.

Kleinere Schnitzer bei der im übrigen ausgezeichneten Übersetzung schaden gar nicht. Es verstärkt sogar das Schmunzeln im Leser, wenn man registriert, dass Birgit Reß-Bohusch so in Action war, dass sie den New Yorker Central-Park als „Zentralpark“ übersetzte. Wen kümmert’s? Auch das völlig unpassende Titel­bild, das wohl nur den SF-Charakter des Buches illustrieren sollte, kann man ge­trost ignorieren. Übrigens: es gab mal eine gräulich gekürzte Ausgabe dieses Romans (gleicher Titel) bei TERRA ASTRA. Das Cover, ebenfalls von Eddy Jones, war indes auf den Inhalt bezogen. Sehr frei zwar, aber zumindest zutreffender. Dieser Heftroman war meine allererste Begegnung mit Laumer, die zweite kam dann 1988 und wurde zu einer heißen, innigen Liebe zu den wahnwitzigen Ro­manen dieses leider schon verstorbenen Schriftstellers.

Wenn ihr also einfach mal ablachen möchtet, Freunde, sucht das Buch, lest es – und liebt Laumer. Er lohnt ernsthaft eine Wiederentdeckung.

© by Uwe Lammers, 2003

Allerdings – eine Wiederentdeckung lohnt Keith Laumer unbedingt (das sagte ich schon im Wochen-Blog 4, wo ich „Diplomat der Grenzwelten“ vorstellte). Eben, als ich das Buch noch mal zur Hand nahm, um den noch fehlenden Origi­naltitel nachzuschlagen, den ich 2003 bei der Rezension einzufügen vergaß, da juckte es mich schon wieder in den Fingern.

Inwiefern? Insofern: den Roman nach 12 Jahren endlich mal wieder zu lesen. Aber ich schiebe das Vergnügen noch ein paar Wochen auf. Ihr könnt allerdings völlig überzeugt sein, dass ich in der näheren Zukunft noch den einen oder an­deren Laumer-Roman für euch rezensieren werde, auf dass ihr noch ein paar solche amüsanten Leckerbissen vorfindet. Es kann ja nicht immer nur gehalts­schwere Kost geben, nicht wahr?

In der nächsten Woche, sozusagen zum Jubiläum des 50. Blogartikels, stelle ich euch dann eine weitere gute Freundin vor, deren Romane ich mit Begeisterung verschlinge und die inzwischen sogar höchst erfolgreich verfilmt wird. Nein, nein, nicht George R. R. Martin… achtet doch mal auf das Geschlecht, meine lie­ben Freunde! Ich gebe euch einfach mal einen kleinen Tipp zum Neugierig wer­den: schon mal den Namen Claire Beauchamp Randall Fraser vernommen?

Na, wer jetzt aufhorcht, ist nächste Woche gewiss dabei. Wer ratlos schaut, soll­te den nächsten Rezensions-Blog dennoch nicht versäumen. Er bzw. sie könnte da ein sehr packendes Buch und eine spannende Autorin verpassen…

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

wie schon vor vier Wochen vorhergeahnt, entwickelte sich der Monat November ähnlich durchwachsen weiter wie die zurückliegenden… das bedeutete primär, dass ich vielfach gründlich vom kreativen Arbeiten abgelenkt wurde und ent­sprechend wenig schaffte.

Natürlich, nach meiner heutigen Berechnung der kreativen Seiten im Monat No­vember komme ich auf 1.673 kreative Seiten… aber vieles davon kann man nicht originär als kreativ ansehen. Darin einbezogen sind auch solche dringend erfor­derlichen Arbeiten wie das Aktualisieren von Listen, die z. T. seit anderthalb Jahren nicht mehr auf den neuesten Stand gebracht wurden. Darin stecken fer­nerhin „fremdbestimmte“ Seiten, wie ich das mal nennen möchte… denn ich er­wähnte gelegentlich bereits kursorisch, dass ich mit einem befreundeten Autor an einem Projekt arbeite, und die hier entstehenden Seiten bezeichne ich eben aus gutem Grund als „fremdbestimmt“, sie finden darum hier keine Berücksich­tigung.

Und dann gab es eben zwei Fälle von dezidierten OSM-Projekten, auf die ich weiter unten noch detaillierter zu sprechen komme. Auch hier kann ich nicht von originär kreativen Seiten im Sinne einer Eigenleistung sprechen. Das klingt ko­misch? Ja, für den Moment. Zur Aufhellung lest einfach weiter.

Was konkret HABE ich denn nun im Monat November geschrieben, was hier Erwähnung finden soll? Nun, dies:

(OSM-Wiki)

E-Book 31: Gelüftete Schleier

Erläuterung: Wie ich schon vermutet hatte, als ich mit dem Schreiben anfing – es ging mir wunderbar von der Hand, und es juckt mich verdammt noch mal sehr, hieran gleich den Folgeband weiterzuschreiben. Aber die Zeitplanung im November hat das gründlich vereitelt. Dennoch, das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen, selbst wenn dieses E-Book 32 dann erst im April für euch allgemein zugänglich sein wird. Ich kann nur sagen: das Warten lohnt sich!

(DER CLOGGATH-KONFLIKT – OSM-Roman (Abschrift))

Blogartikel 152: Work in Progress, Part 35

18Neu 71: Weißwelt-Rebellen

Blogartikel 162: OSM-Kosmologie, Lektion 8: Religion und Kosmologie a la OSM

Blogartikel 166: OSM-Kosmologie, Lektion 9: „Die Baumeister sind an al­lem schuld!“

Erläuterung: Bei dem letzten Titel muss ich immer lachen – weil ich die Situati­on, in der dieser Ausspruch entstanden ist, so grotesk und großartig finde. Und zugleich gibt es hier natürlich etwas zu erklären. Mehrerlei eigentlich.

Zum einen folgen diese Kosmologie-Lektionen erstaunlich dicht aufeinander. Das ist notwendig, denn sie referieren auf aktuelle E-Book-Bezüge. Der erste Artikel erscheint Anfang April, der andere Anfang Mai… und da leider zwi­schenzeitlich eine Veränderung in der Veröffentlichungsplanung eintrat,wie ihr ja aus dem Silvesterblog 2015 ersehen habt, kann der Bezug zum TI-Band 25 für den Blogartikel 162 gerade noch funktionieren. Der Blogartikel 166 bezieht sich aber auf die OSM-Story „Heimweh“, die in der nächsten Storysammlung er­scheinen wird. Und die kommt nach aktueller Rechnung leider noch nicht An­fang Mai heraus, sondern dummerweise erst im Juni. Versteht darum die An­spielungen in diesem Blogartikel als Bezug auf die nahe Veröffentlichungszu­kunft. Geht leider nicht anders.

Das ist halt das Problem, wenn man weit vorausplant mit den Blogartikeln. Und da mein E-Book-Programm ein Teamwork von verschiedensten „Teamplayern“ ist, kann es dann eben auch zu unerwarteten Rückwirkungen kommen. Ich hoffe, ihr seht das gelassen.

(E-Book 34: Als Tiyaani noch ein Kind war…)

Erläuterung: Eigentlich, sagte ich schon einmal, eigentlich war diese Story­sammlung ja soweit fertig geplant und zusammengestellt… aber dann kam vor einigen Wochen – bis ihr diesen Blogartikel lest, muss man sagen: vor einigen Monaten – die Komplikation, den Umfang meiner E-Books zur Erleichterung des Lektorats etwas zu verschlanken… was dann natürlich auch am E-Book 34 Nacharbeiten erforderlich machte.

Doch wie ihr inzwischen ebenfalls wisst, nämlich aus dem Silvesterblog, habe ich diese unerwartete Komplikation dadurch abgefedert, dass ich Bonusge­schichten einführte. Die Geschichten, die also in der nächsten Storysammlung „fehlen“, bekommt ihr anderweitig mit den restlichen „kurzen“ E-Books gelie­fert.

No reason to be worry, folks.

E-Book A05: Jaleenas zweites Leben (1)

E-Book A05: Jaleenas zweites Leben (2/E)

Erläuterung: Das war dann das erste der beiden oben erwähnten OSM-Projek­te. Auch dies hing natürlich mit der Umfangreduktion zusammen, von der ich eben schrieb. So viel Grips es bedarf, einen ausführlichen Roman in zwei ge­schickte Teilbände aufzuspalten, so wenig innovatives Schreibpotential beinhal­tet diese Aktion. Deutlich anspruchsvoller fiel dann die Herausforderung für meinen Grafiker Lars Vollbrecht aus, aus einem Titelbild zwei zu machen… doch wie ihr inzwischen ja wisst, weil die Bände vorliegen, hat er das raffiniert hin­bekommen.

(18Neu 73: Der Horror-Pakt)

(18Neu 72: Fürst der Weißwelt)

(Besuch in der Heimat – OSM-Story)

(Ein Alptraum namens Koloron – OSM-Story)

Erläuterung: Witzigerweise gibt es auch hierzu etwas zu berichten. Geht euch das manchmal auch so, dass euch direkt, nachdem ihr euch zum Schlafen hinge­legt habt, etwas einfällt, was ihr spontan noch mal aufschreiben müsst, damit es in den Nachtstunden nicht verloren geht? Mir wenigstens widerfährt das ziem­lich häufig.

In diesem Fall passierte mir das in der Nacht vom 9. auf den 10. November 2015 direkt nach Mitternacht. Ich lag im Bett, und dann tauchte auf einmal der Name von Captain Manuel Delbarre in mir auf… nein, den muss jetzt niemand kennen. Es handelt sich bei ihm um den Kapitän des Stratosphärenliners „Si­mon Bolivar“, der in die Karibik unterwegs ist und hierbei mitsamt Flugzeug und Passagieren durch eine Art Wurmlochphänomen in ein anderes Sonnensys­tem entführt wird. Und just dies ist dann in der obigen Story der Fall… vielleicht wird das auch ein Roman, das ist aktuell schwer zu sagen.

Aber witzig war, dass ich WUSSTE, wer es ist und dass er so und nicht anders heißen MUSSTE. Und natürlich stand ich auf und notierte es mir. Sonst wäre es am anderen Morgen weg gewesen…

(DSf 54: Der Biopsi-Kontakt)

Erläuterung: Das ist eine Geschichte, die ich lange schon schreiben wollte, und es drängt mich alles dahin, diesen Band und den zweiten Teil der dazu gehört, zu schreiben… aber glaubt ihr, ich komme dazu? Tagtäglich werde ich aus dem kreativen Prozess rausgeworfen, meist durch Telefonate. Und mitunter schalte ich dann auch einfach auf Stur, ignoriere die Anrufe und BIN halt kreativ tätig. Das ist reiner Selbstschutz, sonst komme ich ja hier zu gar nichts mehr, und das kann dann weder in eurem noch in meinem Interesse sein.

Was hingegen die obige Story angeht… ja, gut, Episode im OSM-Jargon, das ist der korrekte Ausdruck… nun, die wird hoffentlich im Dezember entstehen. Ihr erfahrt davon in Bälde. Und meiner Vermutung nach dürfte der zweite Teil die­ses Zweiteilers dann der Band 1775 des OSM sein. Ob der aber auch noch anno 2015 realisiert werden kann, das möchte ich nicht beschwören.

(14Neu 31: Schwarze Raumer greifen an!)

(E-Book 32: Audienz bei Quin)

Erläuterung: Während ich an diesem Blogartikel schreibe, also am 1. Dezember 2015, ist die Realisierung des obigen Jubiläumsbandes der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ natürlich noch nicht abgeschlossen, nicht mal nähe­rungsweise. Ihr hingegen werdet, wenn dieser Blogartikel erscheint, schon rela­tiv dicht an dem genannten E-Book dran sein.

Wenn ich zudem überlege, dass ich die ursprüngliche Episode, am 26. Septem­ber 2004 vollendete und damit den ersten (!) TI-Ordner (von inzwischen vier) abschloss, dann könnt ihr euch vorstellen, dass es nicht nur euch lange gedauert hat, ehe das alles das Licht der Öffentlichkeit erblickte, sondern eben auch für mich. Und ehrlich, Freunde, ich brauche hier diese wahre Engelsgeduld. Was meint ihr, wie viele Geschichten ich euch gern viel zeitiger zugänglich machen wollte… ich glaube, die Zahl ist Legion.

Davor steht dann das schier unüberwindliche Nadelöhr: Zeit und Geld. Seufz…

(BdC 1: Im Feuerglanz der Grünen Galaxis)

Erläuterung: Tja, und das ist dann das zweite Projekt, das ich eingangs andeu­tete. Ihr erinnert euch an meine Worte aus dem Silvesterblog 2014 und jetzt aus dem Silvesterblog 2015, dass eigentlich gedacht war, dieses Werk als volumi­nösen Roman parallel zum üblichen E-Book-Programm aufzulegen und heraus­zubringen.

Ließ sich so leider nicht realisieren. Also nahm ich aus dem schon vorhandenen Textkonvolut die ersten drei Episoden der Serie heraus und packte sie hierein. Nach meiner Planung könnte dieser Roman im Januar 2017 vorliegen.

Lange Leitung? Aber ja. Doch wie ich oben schon in anderem Kontext schrieb, liegt das eben nicht allein an mir. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass die zusätz­liche Reifezeit dem Projekt an sich gut tun wird. Ich halte euch darüber auf dem Laufenden!

(Der Zathuray-Konflikt – OSM-Roman (Abschrift))

Tja, und damit haben wir dann das Ende des Monats November erreicht. Enttäu­schend wenige „freie“ OSM-Werke jenseits des E-Book-Programms, ja. Auch nicht wirklich viele kommentierte Episoden, an denen ich vorankam. Das Jahr 2015 ist, wie ich jüngst einer befreundeten Professorin in anderem Zusammen­hang sagte, doch ein durchweg chaotisches und unruhiges. Hoffen wir, dass 2016 deutlich besser wird. In vier Wochen erfahrt ihr, wie der Januar 2016 ver­laufen ist.

Wohin verirren wir uns in der nächsten Woche? Da lasst euch mal überraschen.

Soviel für heute der Worte. Danke für eure Geduld.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 48: Hinter dem Spiegel

Posted Februar 24th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wie ich neulich sagte, werfen wir heute mal eine Art von Blick in die Psyche von Menschen der Gegenwart und machen eine Reise ganz besonderer Art, die auch vom Standpunkt der individuellen politischen Willensbildung zweifellos in­teressant sein dürfte. Während André Leysen, der Verfasser des vorliegenden Buches, den meisten meiner Leser, die vielleicht mehr auf Phantastik abonniert sind, kaum viel sagen wird, spreche ich in der Rezension ein paar wichtige Punk­te an, die vielleicht beinahe von zeitlosem Charakter sind.

Mir scheint insbesondere der Gedanke der mentalen Verführbarkeit in unseren gegenwärtigen Tagen wieder sehr wichtig, und einen Blick „hinter den Spiegel“ zu werfen, also die Seele solch verführter und gewissermaßen später „geläuter­ter“ Menschen zu betrachten, das kann niemals verkehrt sein. André Leysen ist solch eine Person, und was er uns zu erzählen hat, ist – mit den unten gemach­ten Abstrichen – absolut lesenswert.

Wenn ihr neugierig seid, lest weiter:

Hinter dem Spiegel

von André Leysen

Goldmann 12709

256 Seiten, TB

Juni 1996, damals 14.90 DM

Aus dem Niederländischen von Dr. Helga Ahlers

In Zeiten, in denen Verwirrung in der politischen Arena herrscht, Perspektivlo­sigkeit die Menschen verstört und etablierte Parteien keine Patentrezepte wis­sen, breitet sich unweigerlich ein Virus aus, den man gerne totschweigt oder tot glaubt: Extremismus aller Farben und Inhalte. Rassisten tauchen aus dem Dun­kel auf, rechtsradikale Schlägertrupps, linksgerichtete Gegendemonstranten (wie man sie gerne nennt), Bombenleger und ähnliches. Besonders anfällig sind dann stets die jungen Menschen, deren Wissen noch nicht allzu weit reicht, die den Einflüsterungen leicht erliegen.

In einer solchen Zeit ist es hilfreich, wenn ein Betroffener aus eigenem Erleben aus seiner Kindheit erzählt und davon, wie er sich vom Saulus zum Paulus wan­delte. Eine solche Person ist André Leysen, der heute Ehrendoktor der Universi­tät Löwen ist und in zahlreichen Aufsichtsräten sowie im Verwaltungsrat der Treuhand-Gesellschaft saß, als es um die Umgestaltung der neuen Bundeslän­der nach der deutschen Wiedervereinigung 1990/91 ging. Das ist das Gesicht, was er heute zeigt, das, was man von André Leysen heute kennt – bevor er die­ses Buch schrieb.

Leysen ist im Jahre 1927 in Flandern geboren, lediglich neun Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und nur zwölf weitere vom nächsten Weltkrieg entfernt, in einer Zeit also, in der die Verhältnisse in jeder nur erdenklichen Weise zerrüttet waren. Seine Heimat war im „grande guerre“ verwüstet wor­den, und viele deutschfreundliche Flamen hatten damals unter Repressalien ge­litten, als sie nach dem Krieg enteignet und in die Flucht (meist nach Deutsch­land) getrieben wurden.1

Auch André Leysens Eltern waren deutschfreundlich, blieben aber von Enteig­nung und Vertreibung verschont. Als sich über das kleine Land innerhalb der belgischen Grenzen erneut das Gespenst jenes Alptraums nahenden Krieges legte, da wünschten sich die Leysens sehnlichst, dass Adolf Hitler und die Deut­schen dieses Mal mehr Glück hätten als zwischen 1914 und 1918. Anfangs ging ihr Wunsch in Erfüllung.

Der junge André zeichnete Militärkarten und trug ständig die Geländegewinne ab, dies war für ihn gleichsam wie ein großes Spiel. Den Ernst der Lage erkannte er lange nicht, auch dann nicht, als er bereits begeistertes Mitglied der flämi­schen Hitlerjugend war. Auch dann nicht, als er in den 40er Jahren nach Deutschland gebracht wurde, zunächst für Schulungskurse, später zur Evakuie­rung und letztlich als jüngstes Mitglied einer flämischen, deutschfreundlichen Exilregierung in Berlin.

Heutzutage stellt sich Leysen kritisch selbst die Frage, wie er so lange derartig blind für die Ausweglosigkeit der Lage sein, ja, wie er so innig an das „Genie“ des Führers glauben und sich von Tag zu Tag selbst betrügen konnte.

Schließlich, als die Vorhänge der Lüge und Täuschung zerreißen, gelingt es Ley­sen mit einem der letzten Züge gen Süden, die eingekesselte und unablässig bombardierte „Festung Berlin“ zu verlassen und auf einer abenteuerlichen Odyssee dorthin zurückzukehren, wo alles begann – nach Flandern. Und doch ist dies nicht das Ende. Denn schließlich stand er auf der falschen Seite, und wo­hin er geht, herrschen nun die Sieger…

André Leysens Buch besticht durch die ungemein glatte, geschmeidige und elo­quente Sprache, durch die es mühelos gelingt, es rasch und zügig zu lesen. Man erfährt sehr viel mehr als allgemein üblich (und weitaus lebendiger als in regu­lären Geschichtsdarstellungen) über das kleine, manchmal rätselhafte Land Flandern im Herzen Europas und die wechselvolle Geschichte der dort leben­den Bevölkerung, weil Leysen oftmals weit in die Geschichte ausholt. Er bemüht sich, nach Möglichkeit den Abgrund von – damals – 50-70 Jahren zu über­brücken und sich in sein kindliches alter Ego zu versetzen, um zu zeigen, wie sehr Selbstgenügsamkeit und engstirniges Denken, Verlockung durch Oberfläch­lichkeiten und auch dogmatische Erziehung seitens der Eltern dazu führen kön­nen, dass man als Kind und Jugendlicher einer menschenverachtenden Ideolo­gie anheimfällt.

Nachteilig ist an dem Buch indes die zeitliche Gebrochenheit. Das heißt, es gibt keinen konstant durchgehaltenen Erzählfluss. Immer wieder kommen Absätze, manchmal ganze Kapitel vor, die einfach ganz andere Dinge erzählen: beispiels­weise von der psychologischen Genese von Hitlers Rassenwahn, vom Aufstieg des Kommunismus, von der Entwicklung der Demokratie und den Lehren, die man von den Märtyrern des NS-Regimes (das Buch etwa ist der ermordeten Cato Bontjes gewidmet) lernen kann.

Diese Kapitel hinterlassen dann einen zwiespältigen, manchmal moralinge­tränkten Eindruck. Zwar ist dem, was André Leysen hierin sagt, fast ausnahms­los zuzustimmen… aber es wäre manchmal besser gewesen, wenn er solche Re­sümees und Fazits erstens nicht mitten im Text gebracht hätte und wenn er sie, zweitens, gelegentlich sogar dem Leser selbst überließe. So kommt man sich als geschichtsinteressierter, wissender Leser gelegentlich bevormundet vor, als wäre man ein kleines Kind. Man fühlt sich ein wenig wie in der Schule vor einem „allwissenden“ Geschichtslehrer mit seinem erhobenen Zeigefinger.

Unangenehm.

Zudem ist an manchen Stellen festzuhalten, dass der Forschungsstand, auf dem Leysen damals fußte, heute überholt ist. So bezeichnet er etwa Albert Speer mehr oder weniger unverblümt als eine Art Mitläufer, der vom Holocaust kaum Ahnung besaß… wie wir wissen, ist das eine Legende, die Speer nach dem Krieg selbst in die Welt setzte und der sogar der Historiker Joachim Fest auf den Leim ging.

Vergleicht man dieses Buch etwa mit den erschütternden Aufzeichnungen der Opfer Janusz Bardach2 (für die sowjetische Seite) und Rena Kornreich Gelissen3 (für die jüdische Seite), so erhält Leysens Porträt seiner Vergangenheit doch et­was fast schrullig Harmloses. Nichts, was man leichthin lesen kann, wiewohl der Stil dazu einlädt, aber doch nicht so gründlich reflektiert, wie es vielleicht gut­getan hätte. Leysen ist einfach kein Historiker.

Dennoch ist dies keine Anti-Rezension, denn das Buch verdient es, gelesen zu werden. Und sei es auch nur, um einen Blick ins Innere eines Menschen zu wer­fen, der in einem Land aufwuchs, in dem einem Volksstamm das Gefühl gege­ben werden sollte, kein eigenes Volk zu sein und das sich, in verwirrenden, zer­rüttenden Zeiten, eine Ersatz-Identität suchte, sich auf den Weg machte, ohne jemals anzukommen.

Und manchmal, wenn ich heute Nachrichten aus Flandern höre, dem flämi­schen Belgien, dann glaube ich, dass sie noch immer nicht angekommen sind. Menschen aber, die unterwegs sind, bedürfen stets der Aufmerksamkeit. Denn man weiß nie, welche Wege sie noch einschlagen werden…

© by Uwe Lammers, 2005

Ich bin der Überzeugung, dass auch zehn Jahre nach Abfassung dieser Rezensi­on die wesentlichen Kernpunkte darin noch immer stimmen – gerade in Zeiten wie heute, wo mehrere gute und sehr belesene Bekannte von mir, die z. T. die Nazizeit noch selbst als Kinder erlebt haben, angesichts der Nachrichten der Jetztzeit das Erstarken faschistischen Gedankenguts fürchten, hat diese Rezensi­on und damit dieses Buch ihre Bedeutung zurückgewonnen.

Wenn ich mir so ansehe, was derzeit an Flüchtlingselend und, häufig damit ver­bunden, an Fremdenfeindlichkeit und mitunter unverhohlenem Rassismus an der Tagesordnung ist, dann wird mir schon ziemlich anders. Da kann ein Blick in ein solches Werk von Nutzen sein. Wer sich hiervon angesprochen fühlt und neugierig geworden ist, sollte sich auf die Suche nach dem Buch machen.

In der kommenden Woche gleiten wir dann wieder vollends in phantastische Fahrwasser ab und begleiten einen glücklosen Protagonisten bei einer wilden Odyssee durch Zeit und Raum, inklusive Körperwechsel und Motorrad fahren­den Runkelrüben… wer das jetzt nicht versteht, sollte nächsten Mittwoch rein­schauen und Näheres in Erfahrung bringen.

Ich verspreche euch – das Vergnügen lohnt sich wirklich!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Das widerfuhr etwa dem Flamen Anton Moortgat-Pick. Vgl. mein biografiegeschichtlicher Aufsatz „Julius de Lattin – Ein Professor auf Abwegen“. Er findet sich in dem „Heimatbuch 2005 des Landkreises Wolfenbüttel“ und wurde im Dezember 2004 publiziert.

2 Vgl. meine Rezension zu Janusz Bardach & Kathleen Gleeson: „Der Mensch ist des Men­schen Wolf“. Diese Rezension ist für den Rezensions-Blog in Vorbereitung.

3 Vgl. meine Rezension zu Rena Kornreich Gelissen: „Renas Versprechen“. Diese Rezension ist für den Rezensions-Blog in Vorbereitung.