Liebe Freunde des Oki Stanwer Mythos,

das war schon ein wenig erschreckend, mitzuerleben, wie die armen fünf auf der verwilderten Welt Nylviidin gestrandeten Yantihni unvermittelt wie Tiere eingefangen worden sind – just von jenen Wesen, die sie eigentlich für ausge­storben hielten.

Zu dumm aber auch, dass unsere Freunde nun vor einem ganz besonderen Pro­blem stehen: wie erklärt man Wesen, die fest davon überzeugt sind, exotische Zootiere eingefangen zu haben, dass man selbst in Wahrheit Angehöriger einer intelligenten Spezies ist? Schlimmer noch: als die Yantihni in den Experimental­kammern der BHAYLIID erwachen, ist ihnen bewusst, dass die arachniden Zhonc sie akustisch wohl kaum werden verstehen können – völlig andere Lautfrequen­zen, nicht wahr?

Ja, und dann versteht die Soziologin Yasaari auf einmal dennoch die Gespräche der Experimentatoren.

Gruselige Enthüllungen deuten sich an…

Seid dabei, Freunde, wenn die Yantihni darum ringen, einen höchst komplizier­ten Erstkontakt herzustellen, von dem alles abhängt – nicht zuletzt ihr Leben.

Alles Weitere erfahrt ihr im neuen E-Book TI 22 „Welt der Wunder“, mit dem die Erlebnisse der Hushhin-Forscher auf Nylviidin fortgesetzt werden.

Das aktuelle E-Book „Welt der Wunder“ ist ab heute zum Preis von 1,49 Euro auf Amazon-KDP erhältlich.

Der einmalige Gratisdownload ist am 16. November 2015 möglich.

Ich wünsche euch eine angenehme Lektüre.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 32: Wer war Jack the Ripper?

Posted November 4th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ja, das ist eine gute Frage, nicht wahr? Eine, die bis heute wahlweise kontrovers diskutiert wird oder als Paradoxie einfach im Raum steht. Doch wenn man sich vergegenwärtigt, wie oft gerade kreative Geister wie Schriftsteller sich an dem Phänomen dieses Serienkillers gerieben haben und bis heute reiben – seien es Phantasten, seien es Krimiautoren, seien es Journalisten, Historiker oder sonst irgendwelche Verfasser, die Geschichten fürs Fernsehen bzw. für den Film adap­tierten – , es ist in jeder Hinsicht eine historische Person, die die Menschen mit reger Phantasie nicht in Ruhe lässt.

Die Fakten sprechen aber durchaus auch Verschwörungstheorien oder überna­türliche Ursprünge an: ein gesichtsloser Killer, der ein einziges erklärtes Mord­ziel hat – englische Prostituierte der Unterschicht im Londoner East End – , ein Monster, das wie ein Phantom aus dem Nichts erscheint und ebenso ungeklärt dorthin wieder verschwindet, nachdem es eine Blutspur ohnegleichen hinter­lassen und die Polizeibehörden verhöhnt hat…

Unklare Faktenlage, brausendes Gerüchtechaos in den Zeitungen und den Stra­ßen von London. Inkompetenz bei den Ermittlungsbehörden. Und der Fall wird nie geklärt… so scheint es. Doch Patricia Cornwell war da anderer Ansicht, und sie nahm in den Titel ihres akribisch recherchierten Sachbuches den Passus „Case Closed“, d. h. „Fall abgeschlossen“ auf.

Hat sie also den Stein der Weisen gefunden, den gesichtslosen Mörder entlarvt, über ein Jahrhundert nach der Mordserie? Lassen wir uns auf das Abenteuer ein, das sie uns, in dieser Funktion ganz Kriminalschriftstellerin, präsentiert. Zu­nächst gilt es, wie in jedem guten Krimi, das Umfeld zu skizzieren, den Schau­platz darzustellen. Die handelnden Personen zu charakterisieren, so gut es eben möglich ist. Und dann geht es um das Verbrechen selbst.

Um ein Monster. Vielleicht.

Wahrscheinlicher aber… um einen Menschen aus Fleisch und Blut mit zutiefst blutigen Begierden…

Wer war Jack the Ripper?

(OT: Portrait of a Killer. Jack the Ripper. Case Closed)

von Patricia Cornwell

Hoffmann und Campe, 2002

460 Seiten, geb.

Aus dem Amerikanischen von Hainer Kober

ISBN 3-455-09365-5

Er ist auch heute noch ein Phantom, rund 120 Jahre, nachdem er seine Morde im Londoner East End begangen hat – Jack the Ripper. Eine Person, die so un­fassbar ist, dass moderne Lexika ihn oftmals nicht einmal im Stichwortregister aufnehmen.1 Die Briten sind da – glücklicherweise – entschieden ehrlicher und gründlicher. Sie rubrizieren Jack the Ripper durchaus in Nachschlagewerken, wo dann etwa folgendes steht:

Jack the Ripper. 19th century. Unidentified murderer. Between August and No­vember 1888, six prostitutes were found murdered and mutilated in the East End of London. The murderer was never discovered. The affair roused much pu­blic alarm, provoking a violent press campaign against the CID and the Home Secretary, and resulting in some reform of police methods. He has been the sub­ject of many novels and films, and speculations about his identity continous.“2

Doch stimmt das tatsächlich? Kann ein Mann, der sechs (vermutlich sieben) Frauen3 kurz nacheinander auf teilweise bestialische Weise hingeschlachtet hat, so völlig unerkannt bleiben, besonders dann, wenn man ihm so intensiv auf den Spuren war wie die Londoner Polizei unter Inspektor Frederick George Abberli­ne im Jahre 1888? Solche Fragen induzieren natürlich fast automatisch Ver­schwörungstheorien. Sie fußen jedoch meist, das sollte man sich vorab klarma­chen, auf falschen Vorstellungen. Vorstellungen, mit denen die Autorin des vor­liegenden Buches gründlich aufräumt.

Patricia Cornwell, einstmals Polizeireporterin und forensische Anthropologin so­wie – heute – Bestsellerautorin („Kay Scarpetta“-Romane), hat sich des Falles erneut angenommen und dabei gründliche Einblicke nehmen können in jene geheimnisvollen Akten und Materialien über Jack the Ripper, die bei Scotland Yard seit über hundert Jahren unter Verschluss lagen. Herausgekommen ist auf diese Weise eine ungemein dichte Darstellung der Zeit, Welt und Gedanken­sphäre des viktorianischen England und der Mentalität Jack the Rippers, wie es vielleicht kein Buch zuvor geschafft hat. Das liegt insbesondere an ihrer Profes­sion und Kenntnis der Materie – der kriminalistischen Ermittlung nach mod­ernsten Methoden.

Natürlich hat sie einen Verdächtigen. Sie nennt ihn den Täter und bemüht sich, ihn zu überführen. Doch bevor wir zu ihm kommen, sollten wir in die Welt des London des Jahres 1888 eintauchen und uns mit ihr vertraut machen, sodann die armen Opfer und den Ablauf der Verbrechen betrachten, um schließlich Pa­tricia Cornwell auf ihrer Verbrecherjagd zu folgen…

Der Himmel (über London) war trüb und fleckig, die Straßen waren mit Ruß bedeckt, die Sandsteingebäude und Eisenkonstruktionen angefressen. Der ver­schmutzte und dicke Nebel (gespeist von rund 360.000 Schornsteinen, die zu rund 40.000 Haushalten gehörten) hielt sich länger und wurde dichter, und der schmutzige Dampf hatte eine andere Farbe als früher. Kanäle, die seit römi­schen Zeiten bestanden, wurden so dreckig, dass man sie zuschüttete. In einem Gesundheitsbericht aus dem Jahre 1889 hieß es, wenn London die Verschmut­zung im bisherigen Tempo fortsetze, sei man bald gezwungen, die Themse zuzu­schütten, weil sie jedes Mal, wenn die Flut käme, mit den Exkrementen von Mil­lionen Einwohnern verpestet wurde. Man tat gut daran, dunkle Kleidung zu tra­gen, und an manchen Tagen war die schweflige, rauchige Luft so aggressiv und der Gestank der ungeklärten Abwässer so unerträglich, dass die Londoner mit brennenden Augen und Lungen umhergingen und sich Taschentücher vors Ge­sicht hielten.“4

Nicht eben anheimelnde Lebensbedingungen, das wird jeder zugeben müssen. Doch dies war natürlich nur die Spitze des Eisbergs:

Nach dem Bericht der Heilsarmee gab es unter den rund 5,6 Millionen Einwoh­nern der Großen Metropole 30.000 Prostituierte und 32.000 Männer, Frauen und Jugendliche, die in Gefängnissen einsaßen. Ein Jahr zuvor, 1889, waren 160.000 Personen wegen Trunkenheit verurteilt worden, 2297 hatten Selbst­mord begangen, und 2157 waren tot aufgefunden worden. In der Großen Me­tropole war knapp ein Fünftel der Bevölkerung obdachlos, befand sich in Ar­beits- oder Armenhäusern, in Krankenhäusern oder lebte in äußerster Armut und war dem Verhungern nahe. Diese ‚tobende See‘ der Not, wie sie General William Booth, der Gründer der Heilsarmee nannte, brandete größtenteils im East End. Dort die betrunkenen, obdachlosen Prostituierten abzuschlachten, war für ein raffiniertes Raubtier wie Jack the Ripper ein Kinderspiel…“5

Dies macht dem Leser dieses Buches ein wenig schaudernd klarer, warum die Bedingungen der britischen Hauptstadt für den blutrünstigen, geheimnisumwit­terten Mörder so ideal waren. Aber es gilt noch einen anderen Faktor einzube­ziehen, und der liegt, wie Cornwell klar herausarbeitet, in dem Ruf, den die überaus schlechte Polizei genoss. Schweigen wir von der schwelenden Rivalität zwischen der Metropolitan Police des District of London und der des Groß­raums London (ja, zwei unterschiedliche, sich beharkende und ständig gegen­seitig im Weg stehende Polizeiorganisationen).

Die Spurensicherung im späten 19. Jahrhundert war, wie Cornwell sehr bedau­ernd ausdrückt, noch nicht allzu weit gediehen, und einen kleinen, oft sarkasti­schen Anklang daran kann man den Sherlock-Holmes-Geschichten von Arthur Conan Doyle entnehmen, der an der Londoner Polizei und ihrer Arbeit nur we­nig gute Haare lässt. Er hat gute Gründe dafür. Die Autorin spitzt die Lage dras­tisch zu und schreibt zu den königlichen Ermittlungsbeamten, den Coronern, folgendes:

Ein Coroner dieser Zeit würde heutzutage einem Rechtsmediziner ohne medizi­nische Ausbildung entsprechen, der mit einem Leichenwagen an den Tatort fährt, sich die Leiche ansieht, Zeugen verhört, abschätzt, wie groß das Vermö­gen des Toten ist, befindet, dass ein plötzlicher Todesfall infolge eines Bienen­stichs Mord durch Vergiften ist, die Unschuld der Ehefrau überprüft, indem er ihr den Kopf unter Wasser drückt, und entscheidet, dass sie unschuldig ist, wenn sie nach fünf oder zehn Minuten noch nicht ertrunken ist. Ist sie dagegen er­trunken, wird sie schuldig gesprochen, und ihr Vermögen fällt an Queen Elizabeth oder den Präsidenten der Vereinigten Staaten, je nachdem, wo das Ver­brechen geschehen ist. In dem Coroner-System jener fernen Vergangenheit konnte man die Geschworenen bestechen. Die Coroner konnten ihr Vermögen vermehren. Unschuldige konnten alles verlieren, was sie besaßen, oder gehängt werden. Es war besser, nach Möglichkeit keines plötzlichen Todes zu sterben…“6

Der Leser versteht nun, schaudernd und ungläubig blinzelnd, wohl erheblich besser, warum die Durchschnittsbürger Londons den britischen Polizeibeamten keine große Sympathie und erst recht kein Vertrauen entgegenbrachten. Neben den oben schon genannten Schwächen, mögen sie auch vielleicht überzeichnet sein, musste man immer noch Inkompetenz, Überarbeitung, Alkoholismus, Rauschgiftabhängigkeit, Vorurteile oder Parteilichkeit berücksichtigen. Von Ge­rechtigkeit gab es mithin kaum eine Spur.

Es ist wichtig, dies zu wissen, um die Person besser zu verstehen, die die Ermitt­lungen im Fall Jack the Ripper leitete: Inspector Frederick George Abberline.7 Er war im Gegensatz zu seinen vielen Kollegen ehemals tätig als Uhrhandwerker, bevor er schließlich 1863 in den Dienst der Metropolitan Police eintrat. Hier zeichnete er sich durch Umsicht, Bescheidenheit, Höflichkeit und hohe morali­sche Ansprüche aus, ebenfalls durch Zuverlässigkeit und Methodik. Im Privaten gehörte seine ganze Liebe der Gärtnerei und den Uhren. Zwar blieben seine Er­mittlungen gegenüber den East-End-Morden Jack the Rippers erfolglos, doch schreibt dies die Autorin Cornwell nicht seiner Unfähigkeit zu, sondern dem Raffinement des Feindes, mit dem er es zu tun hatte. Bis zu seinem Tode im Jahre 19298 hatte Abberline offensichtlich keine Ahnung, wer Jack the Ripper gewesen war.

Die Situation war ohnehin verfahren, als die Mordserie begann. Whitechapel galt, wie gesagt, als eine Art Slum, als unkontrollierbar, noch unkontrollierbarer als die Beamten der Metropolitan Police, die, schlecht ausgebildet und schlecht bezahlt, bestechlich und oftmals völlig überarbeitet, fast schon im Akkord Strei­tigkeiten schlichten, Betrunkene einsammeln und schlimmere Arbeiten erledi­gen mussten. Und nun auch noch dies:

Am 3. April wurde die Leiche von Emma Elizabeth Smith, 459, nahe der Osborn-Street, entdeckt. Ein Mord von vielen, mochten die Menschen damals denken. Die Zeit der Angst begann erst mit dem Mord an Martha Tabran, 35, am 7. Au­gust desselben Jahres in Spitalfields, getötet und verstümmelt durch nicht weni­ger als 39 Messerstiche.

Selbst für das finstere Whitechapel war das beispiellos. Und doch erst der Auf­takt zu Schlimmerem:

Am 31. August fiel Mary Anne Nicholls, 42, in der Buck’s Row dem Mörder zum Opfer, der ihr brutal die Kehle durchschnitt und ihren Körper verstümmelte, wo­bei er ihren Unterleib aufschlitzte und Innereien entfernte, aber offenbar wurde er bei seiner Metzgerarbeit gestört und suchte das Weite.

Nur vier Tage später starb Annie Chapman, 47 Jahre alt, in der Hanbury-Street in Spitalfields, dann legte sich wieder gefährliche Stille über den finsteren Stadt­teil Londons – zwischendurch allerdings auf boshafte Weise zerhackt durch ein Stakkato von beleidigenden Briefen, teilweise in gewählt vornehmer, manchmal slangbehafteter Schreibweise, stets gerichtet entweder an den Inspector Ab­berline oder seinen Vorgesetzten, den „dear boss“ Sir Charles Warren. Der Mör­der, der höhnisch Verstecken mit der Polizei spielte und davon faselte, sie wür­den ihn nie fassen, und er wünsche sich doch gerne „mehr Blut“ beim nächsten Mal, nannte sich „saucy Jack“ (also der „freche“ oder manchmal auch „saftige“ Jack) oder „Jack the Ripper“, mit dessen Namen er in die Annalen der Geschich­te einging.

Die Polizei verstärkte ihre Streifentätigkeit, doch sie konnte das nächste Verbre­chen nicht vereiteln, das auch seinesgleichen nicht hatte: Am 30. September 1888 ereignete sich der furchtbare Doppelmord an Elizabeth Stride in der Berner-Street, und, nur kurze Zeit darauf, an einer Frau namens Catherine Eddows am Mitre-Square, die jedoch so verstümmelt war, dass der Daily Telegraph bis zum 10. November nicht sicher war, ob sie wirklich die Person war, die auf so bestialische Weise den Tod gefunden hatte.

Der Doppelmord löste Panik in Whitechapel aus. Niemand hatte einen Mann mit blutigen Kleidern durch die Straßen laufen sehen, und das war doch eigent­lich unmöglich angesichts der Bluttat. Ein Missionar aus dem East End brachte die Stimmung auf den Punkt, indem er erklärte: „Allgemeine Panik griff um sich, und viele Menschen von leicht erregbarem Temperament erklärten, der Böse sei auf die Erde zurückgekehrt.“

Man konnte es ihnen wahrlich nicht verdenken. Hysterische Anschuldigungen machten die Runde. Einige hielten den Ripper für einen Arzt, der wahnsinnig geworden sei. Andere dachten eher an einen Metzger. Wieder andere speku­lierten, ob ein Angehöriger des Königshauses – etwa der Duke of Clarence, der eine Neigung zu leichten Frauen hatte – in die Taten involviert sein mochte, was vielleicht erklärt hätte, warum die Polizei keine Erfolge verzeichnen konnte. Das Königshaus wurde natürlich geschützt, es galt den guten Ruf zu wahren. Man­che Leute zogen ihre Schlüsse daraus, dass der Ripper offensichtlich nur „leichte Mädchen“ als Zielgruppe auswählte, und es galt als ausgemacht, dass er ein Mann von großer Statur sein müsse, der über gewisse Kenntnisse in Anatomie verfügte. Und es fiel auf, wie er von Mord zu Mord „dazulernte“ und exzessiver wurde.

Nach dem Doppelmord an Stride und Eddows fürchteten die Leute, dass es noch schlimmer kommen könnte, ohne sich freilich vorstellen zu können, wie das wohl aussehen mochte. Sie sollten sich noch den ganzen Oktober hindurch ängstigen, denn abgesehen von weiteren Ripper-Briefen geschah nichts.

Am 9. November ermordete Jack the Ripper sein (vermutlich) letztes Opfer: die junge Mary Jane Kelly (24), die zugleich die einzige Person war, die in einem ge­schlossenen Raum getötet und entsetzlich verstümmelt wurde. Unter anderem wurde ihr Gesicht vollständig zerstört, der Leib aufgeschnitten und das Herz und die Geschlechtsteile entfernt.

Danach, und das ist das eigentlich Mysteriöse, setzte vollkommenes Schweigen ein. Zumindest nach außen hin. Viele Beobachter gingen deshalb davon aus, der Ripper sei nach seiner letzten Bluttat wahnsinnig geworden und habe sich umgebracht, etwa, indem er sich in die Themse stürzte. Niemand konnte das beweisen. Schlimmer noch – wenn man Cornwell folgt, die die rund 250 erhal­tenen Ripper-Briefe im Public Record Office akribisch untersucht hat, dann ka­men bis 1896 (!) weitere Briefe an. Die Forschung hat die meisten davon für Fäl­schungen gehalten. Doch vielleicht irrte man sich.

Die Bluttaten und die Erfolglosigkeit setzten der Karriere des Chefs der Metro­politan Police, Sir Charles Warren, ein Ende. Am 8. November 1888 (!) musste er seinen Hut nehmen.10 Weitere Morde ereignen sich aber nicht. Whitechapel beruhigt sich wieder, Jack the Ripper verdämmert im Laufe der Jahrzehnte zu einer düsteren, unerklärlichen Legende, die immer wieder die Phantasie von Autoren befeuerte. Doch da die Archive von Scotland Yard geschlossen blieben, ist erst Ende des 20. Jahrhunderts die Chance da, die akribische Spurensuche zu betreiben. Manche Forscher folgten dabei falschen Fährten und verkündeten beispielsweise voreilig die Entdeckung eines „Tagebuchs von Jack the Ripper“, das heute leider als – wenn auch sehr intelligente – Fälschung entlarvt ist.11

Als Patricia Cornwell im Mai 2000 zu Besuch in London war, konnte sie in Beglei­tung des stellvertretenden Polizeipräsidenten von Scotland Yard, John Grieve, eine Begehung der Ripper-Schauplätze in Whitechapel machen und dabei die Frage stellen, ob jemals jemand mit modernen forensischen Methoden ver­sucht habe, diese Morde zu entschleiern.

Nein, lautete die ehrliche Antwort, aber wenn sie das selbst vorhabe (und sie ist bekanntlich Polizeijournalistin mit exzellenten forensischen Kenntnissen), dann gebe es jemanden, den sie als wichtigen Verdächtigen genauer ins Visier neh­men solle – einen berühmten Maler namens Walter Sickert, der schon verschie­dentlich früher in den Verdacht geriet, Jack the Ripper zu sein. Sickert-Fans hal­ten das freilich bis heute für absurd.

Cornwell begann sich in die Biografie des am 31. Mai 1860 in München gebore­nen Walter Richard Sickert einzuarbeiten, der 1942 in hohem Alter als angese­hener Maler verstarb. Und fand sehr interessante Dinge. Nicht nur ein Bildnis, das den Titel „Jack the Ripper’s Bedroom“ trägt. Nicht nur eine innige Beziehung Sickerts zum Stadtteil Whitechapel, wo er in den 80er Jahren des 19. Jahrhun­derts eine Reihe geheimer Absteigen besaß, vorgeblich, um zu malen. Sickert neigte auch zu exzessiver nächtlicher Aktivität, war manchmal tagelang ver­schwunden, ohne irgendwem mitzuteilen, warum oder wohin. Und speziell in der Zeit der Ripper-Morde und danach legte er ein Verhalten an den Tag, das dem eines Gejagten verblüffend nahe kam.

Cornwell untersuchte den Nachlass des Malers, soweit das möglich war, und sie stieß auf weitere interessante Details – auf ähnliche Schriftzüge wie in den Rip­per-Briefen, auf identisches Briefpapier und dergleichen. Und so festigte sich ihre Überzeugung: Walter Sickert war Jack the Ripper. Und er hörte NICHT 1888 mit dem Morden auf, sondern fuhr damit fort, wenigstens bis 1907…

Selbst wenn man manchen Schlussfolgerungen der Autorin nicht zu folgen be­reit sein sollte – etwa hinsichtlich so genannter „Trittbrettfahrer“ bei den Ripper-Briefen und vielleicht sogar bei den Ripper-Morden oder gewissen sexuellen Problemen, die Walter Sickert gehabt haben soll/könnte – , bleibt vollkommen unbestritten, dass Cornwell sich tief in das vorhandene Material eingearbeitet hat und mit modernsten wissenschaftlich-kriminalistischen Methoden ihr Bes­tes getan hat, um einen der rätselhaftesten Kriminalfälle der jüngeren Mensch­heitsgeschichte aufzuklären.

Die Studie, die daraus entstand, ist dermaßen packend und mitreißend, dass es den Leser gruseln kann, und die zusammengetragene Indizienkette ist wirklich sehr beeindruckend. Wer immer sich diesem Phänomen Jack the Ripper fortan nähern möchte, sollte auf keinen Fall hinter den Erkenntnisstand und die akribi­sche, bisweilen schon scheußlich genaue Durchleuchtung dieser Studie zurück­fallen.

Es mag sich natürlich herausstellen, dass Cornwell den „falschen“ Kandidaten durchleuchtet hat, aber die Technik, mit der sie das tut, ist in weiten Teilen völ­lig unbestreitbar und unglaublich perfektioniert. Sie hat das Buch ihrem Kolle­gen John Grieve von Scotland Yard gewidmet, der sie erst darauf brachte, Wal­ter Sickert genauer zu betrachten. Und ich stimme ihrer Widmung zu: „Sie hät­ten ihn geschnappt.“

Hätte die Metropolitan Police 1888 bereits über derartige Methoden verfügt, wäre Jack the Ripper seinem wohl verdienten Schicksal wahrscheinlich nicht entgangen. Was tatsächlich aus ihm geworden ist, bleibt jedoch – falls wir es nicht mit Sickert zu tun hatten – ein Geheimnis.

© by Uwe Lammers, 2007/2008

Ob das Geheimnis hiermit endgültig gelöst ist, möchte ich, wie oben schon an­gedeutet, nicht beschwören. Aber ein solch packendes, sehr gut geschriebenes und ebenso exzellent recherchiertes Buch inspiriert, da bin ich ganz sicher, die intelligenten Leser und vielleicht auch Leser mit literarischen Fertigkeiten da­hingehend, daraus Anleihen für eigene Geschichten zu entnehmen. Und für den Rest der Leserschaft, nicht nur für passionierte Cornwall-Fans, ist die Lektüre selbst schon mitreißend genug und gute Unterhaltung.

Nächste Woche kehren wir hingegen in die Zukunft zurück, in Peter F. Hamiltons „Armageddon“-Universum, und dann werdet ihr mitbekommen, wie er das Dra­ma mit den monströsen „Besessenen“ löst. Wenn ihr den Zyklus noch nicht kennt – lasst euch überraschen.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. beispielhaft DIE ZEIT Welt- und Kulturgeschichte, Bd. 20, 2006.

2 Vgl. Una McGovern (Hg.): Chambers Biographical Dictionary, Edinburgh 2005, S. 786.

3 Ob die am 3. April 1888 in Whitechapel ermordete Emma Elizabeth Smith als Opfer des Rippers anzusehen ist, ist bis heute umstritten. Wie die Autorin herausstellt, ist sie davon überzeugt, dass es noch weitaus mehr Ripper-Opfer gegeben hat. Einige vermeintliche macht sie namhaft.

4 Vgl. Cornwell, S. 89.

5 Vgl. Cornwell, S. 90.

6 Vgl. Cornwell, S. 162.

7 In einem Fernsehzweiteiler vor vielen Jahren genial mit dem charismatischen Schauspieler Michael Caine besetzt, der geradezu gespenstisch gut war.

8 Und es ist schon wirklich bedauerlich, wenn man feststellen muss, dass trotz des Vorliegens dieses beein­druckenden, faktenreichen Buches zumindest ein deutscher Schriftsteller der jüngeren Zeit vom Leben Ab­berlines so wenig weiß, dass er ihn über 30 Jahre zu früh sterben lässt. Christoph Marzi rekurriert in seinem Buch „Lycidas“ ebenfalls auf die Jack-the-Ripper-Morde und schreibt hier zum Jahre 1888: „Maurice Mickle­white wirkte erschöpft: ‚Abberline starb in meinen Armen.‘“ (Seite 378) Was natürlich absoluter Unfug ist. Jeder, der Cornwells Buch gelesen hat, kann über derartige Ignoranz nur den Kopf schütteln. Dramaturgie sollte an der Realität ihre Begrenzung finden.

9 Die Altersangaben und Ortsnennungen stammen, soweit nicht durch Lektüre korrigiert, dem Abdruck der Übersichtskarte der Ripper-Morde aus dem Daily Telegraph vom Samstag, den 10.November 1888, abge­druckt in: Cornwell.

10 Man beachte: einen Tag vor dem letzten bestialischen Ripper-Mord. Vielleicht bin ich nicht der einzige, der hier einen makabren Zusammenhang ahnt. Patricia Cornwell, auf einen anderen Täter festgelegt, folgt die­sem Gedanken leider nicht. Es könnte sehr interessant sein, Warrens Alibis zu prüfen.

11 Vgl. Shirley Harrison: „Das Tagebuch von Jack the Ripper“, Bastei 13980, Bergisch-Gladbach 1998, im Origi­nal 1993. Hier konnten die Aufzeichnungen des Public Record Office noch nicht verwendet werden. Die Ak­ten im Fall Jack the Ripper wurden 1891 geschlossen.

Liebe Freunde des OSM,

schon wieder sieben Wochen verstrichen… also wirklich, die Zeit rennt unglaub­lich, man fasst es kaum. Während ich diese Zeilen schreibe, glüht die August­sonne über Braunschweig, ihr werdet dies alles allerdings erst Anfang Novem­ber zu Gesicht bekommen. Bei regelmäßigen Blogs ist es einfach zwingend von­nöten, gründlich voranzuschreiben, um in Zeiten, in denen man durch dringen­dere Schreibarbeiten oder andere Vorkommnisse abgelenkt ist und nicht zum Abfassen kommt, einen gewissen Puffer zu besitzen.

Gut, dass das bislang alles noch so klappt.

Kommen wir zum Thema zurück: Ich war mit meiner historischen Erörterung über die Genese des OSM stehengeblieben im Juni des Jahres 2006 und hatte kurz davon gesprochen, dass ich im Rahmen der Schreibarbeiten des KONFLIKTS 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ (DSj) das rätselhafte Wesen namens „Mega­taktherz“ (so auch der Titel von Band 45 der Serie) kennen gelernt hatte. Ich füge noch ergänzend an, dass es sich dabei um einen leibhaftigen TUURINGER handelt, von denen verschiedentlich in meinen Blogartikeln schon die Rede war.

Im Juli 2006 blieb ich der Serie treu und schrieb mit Band 46, „Altains Mission“, den ersten Band eines Zweiteilers, den ich heute immer noch sehr gern mag… ja, das hat natürlich mit dem Mädchen zu tun, das darin einen wunderschönen Auftritt hat – eine junge Hexe namens Rebecca McCall, befreundet mit einer Gruppe von leibhaftigen Nixen in einem schottischen Loch, also einem dortigen See. Und die sind verärgert über einen Hubschrauber, der in ihrem See versenkt wurde.

Gruseliger ist dann schon, als Rebecca dem Helfer des Lichts Altain und seinen Gefährten von der LEGION CRUX sagt: „…ich habe ihnen gesagt, sie sollen sich nicht so sehr grämen, in einigen Wochen ist das sowieso alles unwichtig, aber sie wollten nichts davon hören…“

Dummerweise fragt Altains Begleiter Victor Reelborne dann nach, wie sie das meint, und er erhält eine Antwort, die ihm fast die Schuhe auszieht und die er zweifellos nie erwartet hätte: „Ach, das kannst du noch gar nicht wissen, stimmt ja. Ich denke immer, alle wüssten Bescheid. Aber die meisten haben na­türlich Angst deswegen… Es geht um den 4. Oktober. Den solltest du dir merken, denn es ist der Tag, an dem die Welt untergeht. Alles wird dann dahinschwin­den, dahinwelken wie die Blumen im Herbst.“

Und etwas abwesend ergänzt sie, aber weiterhin völlig ruhig: „Die Geisterfinger streichen dann über die Erde und entlauben die Wälder, schicken die Fische in den ewigen Schlaf… einfach alles. Und sie werden die Kristallnadeln und den weißen Jenseitsschaum bringen, der ihre Stelle einnimmt.

Alles hat einmal ein Ende, das ist doch klar, oder? Und unseres kommt eben am 4. Oktober…“

Die zwei Probleme mit dieser Prophezeiung sind folgende: Rebecca McCall irrt sich nie in ihren Prognosen. Und man schreibt außerdem aktuell, während all dies geschieht, den 21. September 1999!

Rebecca McCall sieht den RAND kommen, jenes grässliche Phänomen, das den KONFLIKT 28 in zwei disparate Hälften zersägt und nahezu alles auslöschen wird, was existiert.

Ich konnte den Folgeband in diesem Monat noch nicht schreiben, es schnürte mir schier die Kehle zu, wie ihr euch denken könnt.

Ich war stattdessen so neben der Spur, dass ich außer Rezensionen und man­cherlei Weiterarbeiten an anderen Projekten nichts im OSM in diesem Monat mehr auf die Reihe bekam… andererseits kam ich aus diesem KONFLIKT aber auch nicht los. Ich fühlte mich ein wenig wie eine verzweifelte Fliege an einem klebrigen Band, das von der Decke hängt. Grässliche Lage, und ich kam nicht raus.

Also kopfüber hinein!

So entstand dann der Band 47 der DSj-Serie: „Das Friedhofs-Inferno“, in dem es um die chaotische Konklusion dieses Handlungsstranges ging. Band 46 hatte schon ungewöhnliche 49 Seiten Umfang gehabt, der erwähnte Band 47 kam dann auf satte 79! Er wollte einfach nicht aufhören… und es gab so vieles zu er­zählen.

Was zum Beispiel?

Ach, das Schicksal des Bascia-Clans, das Geheimnis des Schädelfriedhofs von Oban, Klivies Kleines´ Rückkehr als MASKE, das Auftauchen der Autolyse-Enzy­me TOTAMS und vieles mehr. Mord und Totschlag, und nur die Hälfte von alle­dem vermochte ich zu verstehen. Zu sehen vermochte ich alles, aber wie ich schon verschiedentlich sagte – es sehen und niederschreiben zu können, heißt absolut nicht, dass ich auch tatsächlich BEGREIFE, was ich da tue. Das Verstehen kommt manchmal erst Jahre später.

Als ich am 19. August 2006 endlich mit dieser Episode fertig war, war ich wahr­scheinlich in Schweiß gebadet. Eine schwere Story-Geburt, fürwahr. Ein Alp­traum, aber ich wusste auch, dass ich nun ein ganz entscheidendes Stück weiter war. Und vor dem nächsten Schrecken stand: vor der MATRIXPEST und dem RAND.

Ich bekam keine Zeit zur Besinnung, denn ein Einbruch aus der Realität schleu­derte mich in eine ganz andere Ecke der Wirklichkeit: der Science Fiction-Club Baden-Württemberg war in die Krise geraten. Unsere Chefredakteurin ließ uns bedauerlicherweise im Stich, und ich wurde gefragt, ob ich hier nicht interims­mäßig die Chefredaktion unseres Clubmagazins „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) übernehmen würde.

Im August 2006 sollte die Ausgabe 275 erscheinen, und ich entschied mich da­für, dies zu einer besonders gelungenen Ausgabe zu machen. Das gelang auch deshalb, weil ich kurz zuvor L. Frank Baums phantastischen Klassiker „The Wi­zard of Oz“ gelesen hatte, der mir in einer schön illustrierten Ausgabe vorlag. Und ich machte prompt dieses Buch zum zentralen, auch grafischen, Thema dieser BWA-Ausgabe, die so einen tollen redaktionellen Neustart darstellte.

Ich dachte freilich in diesem Moment noch, dies sei nur so eine Art Übergangs­lösung. Clubvorstandsneuwahlen standen im Frühjahr 2007 an, dann würden sich die Dinge wahrscheinlich ändern und ich den Posten wieder abgeben kön­nen.

Tja, die Dinge haben sich aber anders entwickelt. Ich mache offensichtlich einen so guten Job, dass ich seit August 2006, also seit bald 10 Jahren, als Chefredak­teur wiedergewählt werde… aber ich gestehe auch: die Redaktion macht mir einen Heidenspaß. Es ist also nicht so, dass ich hier eine Art von Frondienst er­füllen müsste.

Gleichwohl, um zum Jahr 2006 zurückzukehren, band diese Redaktion Zeit und Energie. Und da ich vom 1. August an einen ersten Vollzeitjob an dem Landes­kirchlichen Archiv in Wolfenbüttel im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaß­nahme hatte, wurde meine freie Zeit weiter geschrumpft. Im August kam ich auf kein weiteres OSM-Werk mehr. In gewisser Weise konnte ich mich so von dem Stress mit KONFLIKT 28 etwas erholen und völlig in andere Welten abdrif­ten.

Anfang September gingen die Abschreibarbeiten an KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“ weiter, wo ich mit Band 15 aber immer noch ganz am Anfang stand. Ich schrieb am „OSM-Newsletter #2“, an „Der Feuerhort“ (einem Roman um den Feuerspürer Shorex’uss), an „Schluchtenkenners Entdeckung“ und an „Un­ternehmen STURMHERZ“, hinzu kamen mit „Theamins Wissbegierde“ (Band 2 der HdH-Serie, also KONFLIKT 7), „ZYNEEGHAR-Psychose“ in KONFLIKT 4 und dem Anfang der Story „Ein zukunftsweisendes Verbrechen“ weitere Geschich­tenkeime, die aber nicht zur vollen Entwicklung gelangten. Jedenfalls nicht in diesem Monat.

Anfang Oktober gelang mir aber der Durchbruch in einem weiteren Katastro­phenkosmos, nämlich dem KONFLIKT 21 „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“ (FvL). Ich konnte endlich Band 35 „Syndrom: Heimweh“ vollenden und mar­schierte gleich weiter in den kommenden Band 36 „Angriffsziel Mesaron“, wo sich TOTAMS Dämonen dann wirklich anschickten, in Leucienne einen kosmi­schen Krieg vom Zaun zu brechen.

Aber sehr weit voran kam ich in Anbetracht meiner kargen Zeit nicht. Es ent­stand wieder ein weiterer Keim, nämlich „Rätsel von Arc“, wobei ich mir bis heute nicht völlig schlüssig darüber bin, ob es sich dabei letztlich um einen Ro­man oder einen Serienkeim handeln mag.

Ein wenig kam ich auch vorwärts in der Schreibarbeit des Romans „DER CLOG­GATH-KONFLIKT“, aber wirklich nur minimal. Und um die Schleuderpartie voll­ständig zu machen, rutschte ich auch noch kurze Zeit in KONFLIKT 19 des OSM ab, also in die Serie „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM), wo ich an Band 48 feil­te, an „Kybernetische Vernichtungspläne“.

Noch so ein Alptraum: Klivies Kleines gefangen in einer Fangkugel der Baumeis­ter, einer gigantischen Hohlwelt, an seiner Seite terranische Siedler von Daw­son, renitente Berinnyer, bizarre Froschwesen aus dem Volk der Casaier, und auf der Gegenseite: ein durchgedrehter Troohn in voller Kampfrüstung und ein Ritter vom Goldkristall – eigentlich ein Verbündeter – , der Klivies Kleines für einen Abtrünnigen hält und dringend liquidieren will. Und im Hintergrund eine kybernetische, intrigante Wesenheit, die munter alle Fäden so dirigiert, dass alle genannten Personen sich gegenseitig umbringen sollen.

Klasse!

Kommen sie alle um? Nein. Aber Ende Oktober 2006 war mir durchaus unklar, wie aus diesem Schlamassel jemals etwas Gescheites werden sollte. Die Lösung dieser Geschehnisse sollte mich noch bis zum November 2008 in Atem halten… manche Dinge im OSM, besonders die komplizierten, brauchen eben deutlich mehr Zeit, als man zunächst denkt…

Im November 2006 wurden die Dinge dann deutlich einfacher, aus zwei schö­nen, völlig unterschiedlichen Gründen: erstens hatte ich mich endlich gründlich in die Archivarbeit eingefuchst und kam mit deutlich weniger Aufwand an Zeit klar… und zum anderen konnte ich endlich den nächsten Zyklus von Peter F. Ha­milton lesen, den „Commonwealth-Zyklus“, dessen erste drei Bände ich auch prompt gleich rezensierte (Band 4 erschien erst im Frühjahr 2007, und ich las dann den Zyklus gleich noch einmal ganz von neuem)… das wirkte sich schön auf meine kreative Stimulation aus.

So konnte ich im November 2006 gleich FvL 36 vollenden, begann mit dem Band 45 dieser Serie, „Mission auf Höolyt“, wagte mich von neuem in die Hölle des KONFLIKTS 28, indem ich Band 48 „Das Sirianer-Problem“ zu schreiben be­gann. Auch in KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ konnte ich mit Band 9 „Gefangen im Vierersystem“ eine rätselhafte Lücke teilweise füllen. Und ich schrieb spontan ein Stück am KONFLIKT 28 weiter, indem ich in den Band 56 sprang und „Die Mauern der Offenbarung“ zu beschreiben begann, von denen ich euch heute aber noch nichts weiter sagen möchte.

Gegen Ende des Monats gelang es mir sogar, endlich wieder in den Handlungs­strom des KONFLIKTS 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) zurückzukeh­ren und mit Band 41 anzufangen, der den interessanten Titel „Entdeckungen im Purpursaum“ trägt.

Wie das Jahr 2006 dann im Dezember endete und was im darauf folgenden Jahr 2007 geschah – meine ABM im Landeskirchlichen Archiv endete mit dem De­zember 2006, danach war ich einmal mehr ohne Beschäftigung – , davon erzäh­le ich euch in dem nächsten Teil dieser Rubrik. Da müsst ihr euch also noch ein Weilchen gedulden.

In der kommenden Woche reisen wir wieder zur virtuellen Bildergalerie des Oki Stanwer Mythos, d. h. zu Lars Vollbrechts Illustrationen des KONFLIKTS 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC).

Bis dann, meine Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 31: Virtuelle Antike

Posted Oktober 28th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

da habe ich mich in der vergangenen Woche doch tatsächlich verheddert, teil­weise zumindest, indem ich behauptete, wir würden uns heute primär Alexan­der Demandt zuwenden… er kommt in dem vorliegenden Aufsatzband zwar zu Wort, aber ich verwechselte sein Werk über die „ungeschehene Geschichte“ prompt mit diesem hier.

Hier haben wir es einmal mehr mit so genannter „kontrafaktischer Geschichte“ zu tun, worum wir uns teilweise schon vor einem guten halben Jahr im zweiten Blogartikel dieser Reihe kümmerten, als sich „Die Gehäuse der Zeit“ mit dem Fo­kus auf Zeitreise beschäftigte. Auch in „Fleisch und Blut“ (Blogartikel 10 vom 3. Juni 2015) kam das schon zur Sprache, doch auch hier von Phantastenseite.

Es wurde nun Zeit, auch mal die arrivierten Historiker zu Wort kommen zu las­sen. Wer Geschichte als Schulfach gehasst hat, mag hier auf den ersten Blick fehl am Platze sein… dennoch lohnt es sich, zu verweilen und sich ein bisschen auf die Gedankengänge der Geschichtswissenschaftler einzulassen. Ihr werdet sehen, Alternativwelten, Parallelwelten, Zeitreisen und „virtuelle Antike“ liegen durchaus nicht so weit auseinander, wie der erste Anschein vermuten lässt.

Taucht ein und lasst euch überraschen:

Virtuelle Antike

von Kai Brodersen

Primus-Verlag, Darmstadt 2000

176 Seiten, TB

ISBN 3-896-78221-5

Was Geschichte ist, meinen wir Menschen zu wissen. Geschichte stellt den Rah­men von Geschehnissen dar, die wir anhand von Unterlagen über die vergange­nen Generationen einsehen, nachvollziehen und dokumentieren können. In Ge­schichte drückt sich aus, wie sich die Entwicklung der Menschheit vollzogen hat. Geschichte ist, der Name drückt es gewissermaßen aus, das, was eben geschehen ist.

Und „virtuelle Geschichte“?

Etwas Virtuelles ist ein flüchtiges Ding, etwas Ungreifbares, Mögliches, nicht Gewisses. Und dieser Begriff, angewandt auf Geschichte? Was mag das sein? Wie sieht das aus? Und – ist es nicht ein Widerspruch in sich?

Geschichte, die virtuell ist, stellt ein Spektrum an Alternativen zu dem dar, was geschehen ist. Es handelt sich um das, was ich in anderem Zusammenhang als „kontrafaktische Geschichte“ bezeichnete.1 Ungeschehene Geschichte eben, wie es einmal Alexander Demandt nannte.

In diesem Aufsatzband unternimmt der Althistoriker Kai Brodersen (Jahrgang 1958), der in Mannheim ordentlicher Professor für Alte Geschichte ist, den Ver­such, zu analysieren, inwiefern die virtuelle Geschichte fruchtbar sein kann für die Untersuchung der tiefen Vergangenheit.

Als Alte Geschichte oder Antike wird üblicherweise ein Zeitrahmen definiert, der von 500 vor Christus bis etwa 500 nach Christus reicht. Darin fallen also im we­sentlichen die Kulturen der griechischen Stadtstaaten in Griechenland selbst so­wie deren sogenannte Pflanzstädte im westlichen Mittelmeer und rings entlang der Mittelmeerküste. Ebenfalls in diesen Zeitradius fällt der Aufstieg des Römi­schen Imperiums und der Zerfall der karthagischen Seemacht, das allmähliche Versinken der Phönizier und, natürlich nicht zu vergessen, die gewaltigen Hee­reszüge Alexanders des Großen, die am Ende der klassischen Epoche Griechen­lands das Makedonenreich auf nie dagewesene Größe anschwellen ließen.

Der räumliche Rahmen reicht von den phönizischen Stützpunkten in Spanien und Britannien bis ins Industal, an die Schwarzmeerküste und ins Innere Ger­maniens sowie, im Süden, bis an den Nordrand der Sahara. Das ist jedenfalls der traditionelle Radius.

In der virtuellen Antike wird einiges anders, oder zumindest wird es angedacht: was etwa hätte passieren können, spekuliert der antike Autor Titus Livius, wenn Alexander der Große sich nicht dem Osten zugewandt, sondern stattdessen den Entschluss gefällt hätte, gegen Rom zu marschieren? Wäre die Geschichte an­ders verlaufen? Auch wenn Alexander der Große nicht im Jahre 323 vor Christus in Babylon an den Folgen einer fiebrigen Entkräftung gestorben wäre, hätte sich so einiges verändert, spekuliert Arnold Toynbee in seinem vom Herausgeber neu übersetzten und sehr lesenswerten Essay über das neue Weltreich Alexan­ders des Großen, das er bis in die – griechisch beherrschte – Gegenwart fort­spinnt. Hier verliert er freilich den Boden unter den Füßen.

Holger Sonnabend analysiert stichhaltig eine lebensbedrohliche Krise des römi­schen Kaisers Augustus (Tatsache) und was hätte geschehen können, wenn er jung gestorben wäre. Auf diese Weise erhält man faszinierende Einblicke in das Funktionieren des Machtgefüges des frühen Kaiserreichs. Heinrich Heine spot­tet ein wenig, wenn er Quinctilius Varus im Teutoburger Wald über die Germa­nen siegen lässt. Es hätte unter anderem den frühen Vormarsch der Fußboden­heizungen gebracht…

Wenn Pontius Pilatus Jesus begnadigt hätte, wäre das von Bedeutung für das Christentum gewesen? Natürlich, argumentiert Alexander Demandt und führt das in seinem Essay weiter aus. Die Historikerin Karen Piepenbrink schließt die Fallbeispiele mit einer Untersuchung über den ersten christlichen römischen Kaiser Konstantin den Großen und kommt hier zu sehr ernüchternden Erkennt­nissen.

Äußerst faszinierend ist die in den begleitenden Essays herausgearbeitete Fest­stellung, dass Althistoriker per definitionem virtuelle Historiker sind. Denn die Quellenarmut ihres Untersuchungsgegenstandes, der Mangel an Zeitzeugen und glaubwürdigen Zeugnissen macht es zwingend notwendig, zu spekulieren, zu vergleichen und Geschichtsverläufe gewissermaßen zu modellieren, für die es kaum bis keine Nachweise gibt.

Nun kommt keine Geschichtsschreibung ohne Modelle und Theorien aus, aber es ist höchst plausibel, dass diese Theorielastigkeit dann besonders stark ausge­prägt ist, wenn man wenig Fakten hat, auf die man sich stützen kann. Das ist etwa wie bei einer Hängebrücke, bei der viele Sprossen fehlen. Will man hin­über, muss man springen, man muss abschätzen, wie weit man springen kann, wie tragfähig die Konstruktion ist, man geht also Risiken ein.

Schlagend bewiesen wird diese zittrige Unterlage der Antike durch die Analyse der Biografie des griechischen Politikers Perikles, der schon früh am Beginn des Peloponnesischen Krieges Opfer der Pest wird. Der griechische Historiker Thu­kydides zeichnet seine Biografie erst nach dem Ende des Konfliktes auf und stili­siert Perikles zu einer heldenhaften, visionären Persönlichkeit. Jahrhunderte­lang stützten sich Historiker, wenn sie Perikles darstellen wollten, auf Thukydi­des´ Angaben. Wolfgang Will weist in seinem Aufsatz ausdrücklich nach, dass vieles von dem, was dieser über Perikles schreibt, in hohem Maße verzerrt und geschönt ist. Auf diese Weise wird Thukydides als einer der ersten virtuellen Historiker entlarvt, die mehr den Mythos förderten statt eine ehrliche und klare Aussage über die Vergangenheit zu treffen.

Wer immer sich also für kontrafaktische Geschichte, virtuelle Geschichte und wie immer man sie noch nennen möchte, interessiert, und wer überdies einiges darüber erfahren möchte, wie Historiker ihren Gegenstand, in diesem Fall die Antike, sehen, der ist hier gut aufgehoben. Er wird zugleich Zeuge von Disputen, Kritiken der Autoren untereinander und kann dadurch erkennen, dass beispiels­weise Alexander Demandts sehr positives Diktum der Behandlung kontrafakti­scher Geschichte von vielen Kollegen keineswegs geteilt wird.

Spannender Stoff, nicht nur für Historiker. Und eine Quelle der Anregungen für Phantasten, denen die Ideen ausgegangen sind.

© by Uwe Lammers, 2004

Wie man an dieser über zehn Jahre alten Rezension erkennt, war sie ursprüng­lich ganz darauf zugeschnitten, im Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA) des Science Fiction-Clubs Baden-Württemberg publiziert zu werden, wo sie dann auch erschien. Einige der in der obigen Fußnote erwähnten eigenen Wer­ke werden wohl in absehbarer Zeit auch hier ihren Platz finden, denke ich, dann sicherlich aber in etwas aktualisierter Form.

Die Fanzines selbst, die in einer sehr geringen Auflage erschienen sind, werden kaum mehr zugänglich sein. Obwohl eine Anfrage beim Webmaster des SFCBW sicherlich nützlich sein könnte, sitzt er doch auf einer Vielzahl älterer noch nicht verkaufter BWA-Exemplare… eine Anfrage lohnt sich da bestimmt. Über die Website www.sfcbw-online.de kommt man hier weiter.

In der kommenden Woche möchte ich euch auf einen kleinen Ausflug in die Kri­minalistik der nahen Vergangenheit mitnehmen. Die Bestsellerautorin Patricia Cornwell nahm sich vor Jahren einer prominenten Mordserie an und behaupte­te schließlich vollmundig „Case closed“ – jedenfalls, wenn die damaligen Ermitt­lungsbehörden ihre heute gängigen forensischen Methoden angewandt hätten.

Um welchen Fall es sich handelt? Lasst euch überraschen und seid nächste Wo­che wieder auf dem Posten, wenn der Rezensions-Blog 32 online geht. Bis dann, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. hierzu etwa meine philosophische Hausarbeit „Alternative Weltentwürfe in der Science Fiction“ in BWA 220 (Januar 2002) oder die Rezensionen der Bücher „Alexanders langes Leben, Stalins früher Tod“ in BWA 211 (April 2001), „Ungeschehene Geschichte“ in BWA 217 (Oktober 2001), „Der 21. Juli“ auf der Homepage des Geschichts-Vereins „Geschichte in Braunschweig“ (www.gibs.info) oder auch meine Worte zu dem Buch „Was wäre gewesen, wenn“ in BWA 254 (November 2004).

Liebe Freunde des OSM,

diese Rubrik macht, je öfter ich sie aufsuche und schreiben kann, mehr und mehr Spaß. Das liegt einfach daran, dass ich hier ebenso wie ihr klar sehen kann, wie das Gesamtwerk des Oki Stanwer Mythos sukzessive voranschreitet. Mal langsam, mal rascher, je nachdem, wie stark die sonstigen Turbulenzen meines Lebens sind und was für Impulse mich beleben oder stören.

Aktuell fühle ich mich, ungeachtet der Komplikationen, die die nach wie vor schwelende Erbschaftsangelegenheit meiner verstorbenen, seligen Mutter mit sich bringt, in großartiger Schreibstimmung. Das hat zweifellos damit zu tun, dass ich viele positive Impulse von allen möglichen Seiten erhalte. Ein paar sei­en hier kursorisch erwähnt: die phantastische Zusammenarbeit mit dem Lekto­rat von Thrillkult-Media (www.thrillkult-media.de), die jüngste Bemerkung mei­ner Autorenfreundin, ich würde rege auf ihrer Website verlinkt werden (die ist übrigens sehr besuchenswert, und da solltet ihr mal hinschauen: www.jottfuchs.de), die Tatsache, dass ich mit einem Autorenkollegen derzeit in einem tollen Projekt zusammenarbeite, über das ich (seufz) leider noch voll­kommenes Stillschweigen bewahren muss.

Dann ist da mein E-Book-Programm, wo just heute, wo ich diese Zeilen verfasse (1. August 2015), mein 30. (!) E-Book veröffentliche: „Reinkarnation und ande­re phantastische Geschichten“. Oder die Zusammenarbeit mit XinXii, wo ich ak­tuell schon sechs E-Books veröffentlicht habe. Bis ihr diesen Artikel zu sehen be­kommt, werden es vermutlich 15 sein.

Tja, und last but not least habe ich gestern allein an einem Tag unfassliche 5.605 Besucher auf meiner Website gehabt und damit mühelos für den Monat Juli die Marke von 10.000 Klicks gesprengt, was ich im Traum nicht für möglich hielt.

Also, ihr seht – tolle Stimuli für meine Kreativität. Von einem weiteren erzähle ich euch in drei Wochen, wo ich euch in die Welt des Jahres 2113 mitnehme.

Was aber, um zum Thema des heutigen Beitrags zu kommen, habe ich im Mo­nat Juli 2015 an kreativen, auf den OSM bezogenen Projekten schreiben können oder weiterschreiben können? Dies hier:

Glossar der Story „Der Platz der Steine“

(OSM-Wiki)

(Aus den Annalen der Ewigkeit 5: Jaleenas zweites Leben)

14Neu 27: Die Ruinenwelt

(E-Book 28: Hinter der Raumzeitwand)

14Neu 28: Landung auf Runix

(14Neu 29: DER TITAN)

Erläuterung: Als ich diese Episode im Jahre 1984 schrieb, hatte ich die kuriose Vorstellung, ich bräuchte ein Ausrufezeichen dahinter. Bei der Neufassung wur­de das natürlich eingespart. Sieht aber auch wirklich zu affig aus.

Blogartikel 134: Work in Progress, Part 31

(12Neu 31: Treffpunkt Calnier)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“)

(14Neu 30: TRAUMKRIEGER)

E-Book 27: Auf Götterpfaden

(Ungleiche Freunde – OSM-Story)

18Neu 69: Hinab ins Flammenlabyrinth

(18Neu 71: Weißwelt-Rebellen)

Erläuterung: Wer sich ein wenig mit den Bildern von Salvador Dalí auskennt, wird sich diese Welt besser vorstellen können, wenn ich euch irgendwann mal hierhin schicke. Momentan ist das alles ja nur die Abschrift der Episoden von 1987, und die Überarbeitung folgt dann deutlich später. Nur soviel: dies ist eine der so genannten Dämonenwelten des KONFLIKTS 18. Sie liegt im direkten Dunstkreis TOTAMS im Vorhof der Knochendimension, und diese Welt, bedeckt zu einem erheblichen Teil von grauweißen Schleimozeanen, ist der Herrschafts­ort der Dämonenwaffe Glusem.

Das Problem in dieser Handlungszeit ist nur: Glusem ist in seinem Dämonenwaf­fensarg eingeschlossen und quasi „schlafend“. Das gilt jedoch nicht für die Be­wohner seiner Welt. Und die proben den Aufstand, allen voran eine Person, de­ren Namen ihr euch merken solltet: Gordon Barring.

(Besuch in der Heimat – OSM-Story)

(E-Book 29: Welt der Wunder)

(E-Book 34: Als Tiyaani noch ein Kind war… – Phantastische Geschichten)

Erläuterung: Es ist richtig, dass es sich hierbei um eine Storysammlung (Nr. 4) handelt, die nicht originär OSM-charakteristisch ist. Ich dachte dennoch, ich er­wähne die Arbeit an diesem Werk, weil hierin die OSM-Story „Der Platz der Stei­ne“ veröffentlicht werden wird, die ich jüngst fertigstellte.

(Beas Freund – OSM-Story)

18Neu 70: Der kretische Fluch

(DM 54: Der Vernichtungskonvoi)

(DSf 54: Der Biopsi-Kontakt)

(Kämpfer gegen den Tod – OSM-Roman (Abschrift))

(BURTSONS Feuerprobe – OSM-Hintergrundtext)

Wochen-Blog 149: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (IX)

(IR 30: Der letzte Flug der STERN VON ALLKOOM)

(18Neu 72: Fürst der Weißwelt)

(DER CLOGGATH-KONFLIKT – OSM-BUCH)

Erläuterung: Was es genau mit dem letzten Eintrag auf sich hat, erzähle ich euch dann in drei Wochen detaillierter.

Wie ihr sehen könnt, bin ich in diesen Wochen ziemlich weit im OSM herumge­kommen, und das ist auch verdammt gut so. Die Arbeiten sowohl an der TI-Se­rie als auch an KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) streben unver­meidlich gewissen Höhepunkten zu. Für TI kann ich euch da schon mal den Mund ein wenig wässrig machen für das Frühjahr 2016, wo ihr die erste leibhaf­tige Begegnung mit einem Baumeister haben werdet, der für den Fortgang der Serie absolut zentral sein wird. Und wer den OSM später weiter verfolgt, wird von diesem Wesen noch einiges hören.

Und bei IR, nun, da stehen apokalyptische Tage bevor, vor denen es mich graust, denen ich aber nun beim besten Willen nicht mehr ausweichen kann… auch wenn der CK vielleicht eine gewisse Ablenkung auf Zeit darstellen mag. Wir werden sehen.

In der kommenden Woche nehme ich euch mit ins Jahr 2006 in meine kreative Vita. Eine abenteuerliche Zeit, wie ihr entdecken werdet. Ich freue mich auf eu­ren Besuch!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 30: Die Besessenen (5)

Posted Oktober 21st, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

einmal mehr kehren wir mit der unten abgedruckten Rezension in den Kosmos von Peter F. Hamiltons Armageddon-Universum zurück, in dem die monströsen „Besessenen“ ihr Unwesen treiben und sich immer weiter ausbreiten. In diesem ersten von zwei Teilen, in die der Bastei-Verlag damals bei der deutschen Veröf­fentlichung den Schlussband der Trilogie aufgespalten hat, beginnen sich nicht nur die Handlungsrätsel zu klären, sondern es treten auch zunehmend Schwä­chen in der Argumentation auf, was mir dann allmählich die Lesefreude trübte.

Ich meine, das muss ja nicht jedem so gehen, vielleicht bin ich nur ein beson­ders kritischer Leser oder auch Filmzuschauer. Aber es geht mir ein wenig auf die Nerven, wenn man gegen Ende des Lese- oder Kinovergnügens allmählich merkt, dass Autor oder Regisseur die Story nicht richtig durchdacht hatten und sie am Ende noch mit ein paar Holzlatten zu vernageln suchten, in der bangen Hoffnung, das fiele niemandem auf. So etwas ist dann weniger witzig, man fühlt sich veräppelt, und das mögt ihr sicherlich auch nicht.

Deshalb wundert euch also nicht, wenn sich in diese und in die nächste Hamil­ton-Rezension zunehmend kritische Töne einschleichen. Ich sagte schon an an­derer Stelle, ich halte nichts von Mogelpackungen. Grundsätzlich ist dieser Ha­milton-Zyklus immer noch ein grandioses Lesevergnügen, aber zum Schluss eben mit einigen Missklängen. Wer nicht musikalisch ist, kann da ja einfach weghören…

Also, hier geht’s weiter:

Die Besessenen

(The Naked God, Part I)

Armageddon-Zyklus, 5. Roman

von Peter F. Hamilton

Bastei 23233

992 Seiten, TB

Februar 2001, 9.90 Euro

Übersetzt von Axel Merz

Die Besessenen…

Sie kommen aus dem Jenseits, und es gibt eigentlich nur drei Dinge, die sie un­endlich fürchten: zum einen, ihre Wirtskörper wieder zu verlieren und in das grauenerregende Jenseits zurückgetrieben zu werden, in dem sie z. T. seit Jahr­hunderten gelitten haben. Zum zweiten, die unablässigen Klagen, flehenden Stimmen, Flüche und Schmeicheleien aus dem Jenseits zu ertragen, die Teil ih­rer tagtäglichen Existenz sind. Und, drittens, den schwarzen Himmel des Univer­sums direkt über ihnen, wenn sie einen Planeten der Konföderation betreten und mehr oder weniger unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Um sich einen Schutzschild zu schaffen, erzeugen die Besessenen eine rote Wolke, die offensichtlich „nur“ aus Wasserdampf besteht. Die dafür aufge­wendeten Energien, das Wetter auf diese Weise zu manipulieren, sind kaum vorstellbar und nicht anzumessen. Wenn die Wolke groß genug ist, reicht sie aus, um mit einer mächtigen energistischen Anstrengung Asteroiden, Habitate und ganze Planeten aus dem Hier und Jetzt herauszuhebeln und in ein fremdes Kontinuum zu versetzen, in dem die Stimmen der Verlorenen Seelen verstummt sind und die Konföderation ihnen nicht mehr folgen kann.

Das heißt indes nicht, dass die Probleme beendet sind. Sie verwandeln sich nur.

Das Schicksal der Transformation trifft so unterschiedliche Orte wie den Plane­ten Norfolk und das Habitat Valisk. Auf ersterem machen die Besessenen die verwirrende Erfahrung, dass die nicht-besessenen Menschen plötzlich ebenfalls über energistische Fähigkeiten verfügen und ihnen somit kräftemäßig gleichge­stellt sind. Und das ist nicht mal das wichtigste Problem. Valisk hingegen schlit­tert geradewegs in ein unbegreifliches Inferno.

Als Valisk die Grenze zum „Paradies der Besessenen“ überschreitet, finden sich der Erbe des Habitatgründers Rubra, Dariat, unvermittelt als Geist wieder. Und alle anderen Verlorenen Seelen wurden gleichfalls aus ihren Körpern vertrieben – sie irren als hasserfüllte Schemen durch das Habitat. Schlimmer noch: die Gastkörper, nun wieder bei Sinnen und frei (aber ausnahmslos schrecklich trau­matisiert), sind zum großen Teil mit Metastasen bedeckt. Der Krebs, eigentlich eine ausgerottete Krankheit, kehrt massiv zurück, und die medizinischen Syste­me Valisks versagen. Der umliegende, fremdartige Kosmos entzieht ihnen im­mer schneller Energie. Und dummerweise ist dieser Kosmos nicht einmal unbe­völkert

Im realen Universum beginnt der Feldzug gegen die Besessenen auf Ombey, auf der Halbinsel Mortonridge. Unter der Leitung der fanatischen Annette Eklund organisieren die Invasoren ihre Abwehrkräfte und wollen eine furchtbare Schlacht entfesseln. Stattdessen geraten sie in eine beispiellose Umweltkata­strophe, gegen die die Flutwelle vor Indonesien im Dezember 2004 beinahe harmlos anmutet.

Im Sonnensystem New California verschärft sich der Gegensatz zwischen der über die Hellhawks gebietende Kiera Salter und Al Capone. Außerdem muss Ca­pone ständig gegen die separatistischen Kräfte seiner Untergebenen kämpfen und hat überdies Schwierigkeiten mit der Konsolidierung seiner allgemeinen Er­werbungen. Das wird noch schlimmer, als er jene illegale Station verliert, in der Antimaterie hergestellt wird.

In der Zwischenzeit gelingt es zwar dem Raumkapitän Joshua Calvert, die Ge­fahr des Neutronium-Alchimisten zu entschärfen, aber das ist kein Grund zur Beruhigung. Von einer weitgehend friedlichen Lösung des Problems der Beses­senen sind sie alle noch weit entfernt… doch es gibt einen hauchzarten Ansatz dazu. Er kommt ausgerechnet von einer der beiden Xeno-Rassen, die sich nicht sonderlich kooperativ gezeigt haben – von den Kiint.

Sie entwickeln eine enorme, schwer begreifliche Neugierde auf jene Aufzeich­nungen, die die Journalistin Kelly Tirrell auf dem Dschungelplaneten Lalonde gemacht hat. Die ungeschnittenen, vollständigen Aufzeichnungen. Der Grund dafür ist offensichtlich die Erwähnung des Schlafenden Gottes der Tyrathca. Ir­gendetwas daran macht die Kiint unglaublich nervös. Doch die einzigen, die dazu etwas sagen können, sind die Tyrathca selbst. Und sie stufen die Men­schen inzwischen als Bedrohung ein und lassen nun ihrerseits die Maske fallen, die die Menschheit jahrhundertelang getäuscht hat…

Im vorletzten Band des Zyklus dreht Hamilton an allen Handlungsfronten massiv auf. Das tut der Geschichte nicht nur gut, denn es treten logische Probleme auf. Manche Handlungsstränge werden ziemlich brüsk entsorgt, andere so gedehnt, dass man sich ernstlich fragen muss, warum er nicht auf den Punkt kam. Solch eine Stelle ist die Handlung auf der Erde, wo Louise Kavanagh in der Tat „myste­riöse und starke Verbündete“ findet, „deren Ziele jedoch nicht ganz mit den ih­ren übereinstimmen“. Wenn man das freilich als Verbündete bezeichnet, ziehe ich es allerdings vor, nur noch Feinde zu haben. Der Leser wird das rasch verste­hen.

Unangenehm berührt wurde ich schließlich von einem Logikschnitzer, der ge­eignet ist, Hamiltons ganzes Handlungsgerüst in sich zusammenstürzen zu las­sen: in früheren Bänden legte er sehr überzeugend dar, dass sich Besessene aufgrund ihrer energistischen Fähigkeiten, die elektronische Felder beeinflus­sen, nicht in Raumschiffen aufhalten können, die Antimaterie an Bord haben. Das war alles sehr schön und gut, nur hier erzählt er uns das Gegenteil, und dann noch, ohne es plausibel zu untermauern: an Bord der Antimateriestation Al Capones befindet sich gleich eine ganze Gruppe von Besessenen, wo einer ausreichte, durch bloße Annäherung alles in die Luft zu jagen. Und später mutet Hamilton dem Leser sogar antimateriebestückte Hellhawks zu… also wirklich, das passt nicht.

Auch die Vorstellung, dass eine von den Tyrathca seit 1300 (!!) Jahren aufgege­bene Weltraumarche sich ihre intakte Elektronik bewahrt hat, die zudem noch von Menschen problemlos benutzt werden kann, mutet dem Leser doch einiges zu (hier hatte er eine Menge wirklich knifflige Probleme in kurzer Zeit zu lösen, aber er hat seine Möglichkeiten m. E. ziemlich überstrapaziert).

Faszinierend beschrieben ist die monströs vergewaltigte Erd-Ökosphäre, die Stratosphärenlifts, die summende und brummende Datensphäre der Erde und der Wandel von Louise Kavanagh und ihrer kleinen Schwester, die hier auf be­stürzende Weise als Köder für Quinn Dexter eingesetzt werden.

Alle Handlungsfäden bleiben nach wie vor offen und problematisch, Verände­rungen zeichnen sich nur langsam ab, Lösungen derzeit gar keine. Aber Hamil­ton hat auch noch 1000 Seiten Platz, um auf den sprichwörtlichen Punkt zu kommen. Der letzte Band verspricht einiges an furiosem Showdown und lässt gewiss kein Auge trocken.

Bald in diesem Kino.

© by Uwe Lammers, 2005

Doch noch neugierig geblieben? Gut so. Ungeachtet der Schrammen auf dem Hintergrund des Handlungskonzepts bleibt die Story auch tatsächlich sehr span­nend, und der Schlussteil lohnt sich ebenfalls, wie ich noch ausführen werde, in ein paar Wochen.

In der nächsten Woche begeben wir uns wieder in die Vergangenheit… oder eher: in die Vergangenheit, die es nicht gab. Wie das jetzt gemeint ist? Da soll­tet ihr mal genauer hinschauen und meiner Rezension folgen, die in die Gedan­kenwelt des Historikers Alexander Demandt eindringt.

Und zwischendurch könnt ihr natürlich gern noch am Sonntag einen Blick in meinen OSM-zentrierten Wochen-Blog werfen. Ich freue mich drauf.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

manche Menschen sagen, es sei die beste Möglichkeit, wenn man ein kreativer Kopf ist, sich von persönlicher Trauer dadurch zu beruhigen, indem man sich in die Arbeit stürzt und gar nicht erst zulässt, dass die Seelenfinsternis die Ober­hand gewinnt. Ich neige ebenfalls zu dieser Ansicht, und das hat mit meiner grundlegend positiven Einstellung zum Thema des Todes zu tun. Wer diesem Blog länger gefolgt ist, weiß darüber längst Bescheid.

Der Tod ist für mich nun wirklich eine Art von altem Freund, und dass er zum Leben dazu gehört, ist eine Binsenweisheit. Auch das Leben sei nicht umsonst, heißt es, „es kostet das Leben“, und das ist so elementar wie wahr. Ich denke zudem, dass nur unser Körper dahinwelkt, das Elementare jedoch, die Seele, das also, was das Wesen des geliebten Menschen ausmacht, fortdauert. Ob das so geschieht, wie ich es im Oki Stanwer Mythos beschreibe oder in anderer Form, das sei dahingestellt. Wir bekommen darüber im Hier und Jetzt diesseits des Schleiers keine Aufklärung.

Während ich diese Worte formuliere, die ihr erst am 18. Oktober 2015, einen Tag nach meinem 49. Geburtstag, zu lesen bekommen werdet, schreiben wir den 12. Mai, und der recht unvermittelte Tod meiner lieben Mutter liegt damit gerade einmal eine Woche zurück. Der Schmerz ist darum noch frisch, und wundert euch nicht, wenn ich in der Folge vielleicht ein wenig fahrig sein sollte… ich mühe mich, eine konsequente Gedankenführung einzuhalten. Wo­chenlang Trübsal zu blasen oder in Seelenfinsternis zu verfallen, halte ich für wenig nützlich.

Also, Rolle rückwärts – wo waren wir stehen geblieben?

Vor acht Wochen verließ ich euch mit der Ankündigung, wir würden im nächs­ten Teil dieser Subartikelserie – also heute – auf die Jahre 1992 und 1993 zu sprechen kommen, soweit in ihnen Werke der Reihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“ entstanden. Das Versprechen lässt sich einhalten.

1992 und 1993 waren zwei recht ergebnisarme Jahre, was das Schreiben an­geht. Mit gerade mal gut 70 Werken jeweils waren sie eher dürftig, und das lag natürlich daran, dass ich zu jener Zeit das Wolfsburg-Kolleg besuchte und reichlich schulisch eingespannt war. Für den OSM bedeutete das ebenfalls Hungerzeit und auch einige eigenartige Veränderungen.

Mit „Ein Wunder in der Wüste“ entstand am 29. Juni in einem Guss die kürzes­te OSM-Geschichte, die ich jemals geschrieben hatte, und wohl auch eine der eigentümlichsten – denn es war eigentlich eine Fantasy-Story. Der Sohn des Pharaos wird von Räubern entführt und von göttlichen Boten wieder befreit… inwiefern hat das etwas mit dem OSM zu tun? Das fragt man sich an dieser Stel­le wohl zu Recht.

Wer aber irgendwann mal die Gelegenheit findet, die Serie „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ (DDj) zu lesen, die in den Jahren 1988-1994 entstand (d.h. KONFLIKT 23), wird sowohl auf den Pharaonensohn Ti wieder stoßen als auch auf den ägyptischen Gott Horus… allerdings ist es weniger ein Gott als ein wahnsinniger Baumeister, der die bizarre Kulisse der so genannten „Pharaonen­welt“ geschaffen hat als Szenerie für seine wahnsinnigen Pläne.

Und damit, da stimmt ihr mir sicher zu, sind wir vollständig zurück im Oki Stan­wer Mythos. Nun, bis ihr diese Story zu lesen bekommt, die jenseits dieses Kon­textes wenig Sinn ergibt, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern.

Am 28. Juli 1992 wurde dann ein gescheites Stück OSM fertig, nämlich der Ro­man „Die Weisen von Arc“. Es handelt sich dabei um den vierten Band der Ed­ward-Norden-Saga, die in der Baumeistergalaxis Arc während des so genannten KONFLIKTS 20 – Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“ (OuC), geschrieben von 1984-1997 – spielt. Wie erinnerlich verließ ich die Galaxis Arc im Frühjahr 1988, nachdem ich den Roman „Die Geheimnisse von Arc“ abgeschlossen hat­te. Mir war damals jedoch schon klar, dass mit der Rettung des Protagonisten Edward Norden die Geschichte nicht abgeschlossen sein konnte. Es gab zu viele offene Handlungsstränge.

Und so fand sich Edaad, wie die Bewohner von Arc inklusive seiner eigenen Tochter Ylana und seiner Frau Jyseewa Edward Norden nannten, in der wohl­meinenden Gefangenschaft der legendären „Weisen von Zhanyor“ wieder. Er hatte seine Pläne aber nicht aufgegeben: Sturz des Dämonenherrschers Holka­xoon von TOTAM und besonders auch Rettung seiner Tochter Ylana.

Die Weisen von Arc“ stellt zugleich das Eintrittstor in die zweite Edward-Nor­den-Trilogie dar, an der ich bis 1994 arbeiten sollte. Beizeiten, ich erwähnte es schon, werden diese Romane in der Reihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“ im E-Book-Format veröffentlicht werden.

Im Jahr 1992 wurde weiter nichts für diese Reihe fertig. Und auch das Jahr 1993 sah in der Hinsicht sehr trübe aus. Es entstanden jede Menge andere Geschich­ten, unzählige Rezensionen und Episoden, aber erst am 5. November 1993 konnte ich mit „Maskerade“ einen weiteren Roman aus dem Oki Stanwer My­thos abschließen.

Maskerade“ ist der neunte Roman der Überarbeitung des KONFLIKTS 15 „Oki Stanwer“, mit dem um 1981 die Niederschrift des OSM überhaupt begann. In dieser Geschichte geht es darum, dass Oki Stanwer, der im 75. Jahrhundert in der Galaxis Milchstraße, von Matrixfehlern verseucht, wie man aus heutiger Perspektive sagen muss, darum ringt, eine Streitmacht zu sammeln, die imstan­de ist, dem erwarteten Angriff TOTAMS Paroli zu bieten. Doch jenes Volk, auf das er sich eigentlich stützen soll, die Terraner, bieten kein einheitliches Bild mehr. Vor fast zweitausend Jahren ist das terranische Reich durch den Angriff der Voorks in zahllose kleine Sternenreiche zersplittert, die sich seither munter befehden und belauern.

Es ist also vonnöten, inkognito in diese Gesellschaft einzudringen und sie von innen her zu unterwandern. Das beginnt in diesem Roman. Das Auffinden der Raumyacht FRATERNITÉ des verschollenen Milliardärs Eon Seggar erleichtert die Sache, und in dieser Maske tritt Oki Stanwer nun auf, um Seggars Erbe anzutre­ten. Eine Rolle, die einige Komplikationen mit sich bringt…

Weihnachten 1993 gelang es mir dann außerdem noch, eine ziemlich bizarre Story zu vollenden, die recht schnell heranreifte und am 24. Dezember abge­schlossen wurde. „Der Herr der Schwarzen Berge“ ist für einen reisenden His­toriker aus dem nonhumanoiden Volk der Toccer eigentlich nur eine von vielen rätselhaften Legenden der Vorzeit, und selbst die Schwarzen Berge tragen ihren Namen offensichtlich nicht mehr zu Recht. Das findet er heraus, als er sie nach einer entbehrungsreichen Reise endlich erreicht.

Was er ebenfalls auffindet, ist das Skelett eines unbekannten Wesens, das scheinbar an einem umfassenden, rätselhaften Rekonstruktionsprojekt gearbei­tet hat. Aber hier scheint der arme Toccer zu spät gekommen zu sein. Er meint, hier sei nichts mehr zu erfahren.

Wie groß ist jedoch sein Entsetzen, als das menschliche Skelett mit schwarzem Brustpanzer auf einmal grässlich lebendig wird und sogar noch mit ihm zu spre­chen beginnt? Unerwartet ist der Forscher hier auf eine Kreatur aus den Legen­den der Vorzeit gestoßen – auf ein Wesen, das sich TK 40112 nennt. Es ist ein so genannter Totenkopf, ein Angehöriger von TOTAMS unheimlicher, ewiger Ar­mee, der LEGION. Andere Wesen kennen ihn unter der Bezeichnung „Toten­kopf-Prophet“, und obwohl er Milliarden von Jahren alt ist, hat er nur wenig von seiner Macht und noch sehr viel weniger von seinen Machtambitionen ein­gebüßt…

Diese Geschichte ist, natürlich völlig aus dem Kontext des späten OSM heraus­gelöst, relativ bald danach im Juli 1994 in dem Fanzine „Storytip 5“ veröffent­licht worden. Wer weiß, vielleicht findet ihr das irgendwann mal antiquarisch. Die Story selbst werde ich beizeiten ebenfalls abschreiben, überarbeiten und veröffentlichen – vermutlich allerdings nicht als autonome Geschichte, sondern als Teil einer meiner Storysammlungen. Haltet da einfach mal die Augen offen, Freunde, die Geschichte hat einiges an Informationen zu bieten.

Soweit möchte ich für heute gehen. In der nächsten Ausgabe dieser Artikelreihe werde ich entweder auf das Jahr 1994 eingehen oder mich um die nächste Ver­öffentlichung aus dieser Reihe kümmern, nämlich „Annalen 5: Jaleenas zweites Leben“. Lasst euch mal überraschen.

In der nächsten Woche berichte ich an dieser Stelle, wie sich meine Kreativität, bezogen auf den OSM, im Juli 2015 entwickelt hat. Nicht verpassen, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde meiner E-Books,

nachdem eine Weile Pause war mit der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimpe­rium“ (TI), weil ich euch im vergangenen Monat den zweiten Band der Reihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“ im EPUB-Format zugänglich machen wollte, folgt heute also Band 11 der Serie.

Es wird die Handlungsschiene der TI-Bände 4 und 5 fortgesetzt. Auf dem Plane­ten Hushhin ist der Extrayantihni Gwensh abgestürzt und hat vor seinem jähen Tod noch die schreckliche Geschichte seines Volkes preisgegeben. Während, wie ihr in den letzten Bänden nachlesen konntet, daraufhin die RHONSHAAR-Ex­pedition aufbricht, bleibt die Zeit auf Hushhin natürlich auch nicht stehen.

Wissenschaftler von der Welt Shoylon kommen zu Besuch, um die Artefakte zu untersuchen, die Gwensh hinterlassen hat… und sie bringen einen Quälgeist ganz besonderer Art mit, der noch einige Komplikationen in die Serie bringen wird: den exzentrischen Wissenschaftler Noshtoy. Und er wird in diesem Band mit je­nem Geheimnis konfrontiert, das die Archäologen von Hushhin bislang nicht verraten haben…

Das E-Book „Das Archiv der Hushhiner“ steht ab sofort auf www.beam-ebooks.de im MOBI- und EPUB-Format zum Download für den Preis von 1,49 Euro bereit… und ich hoffe sehr, dass es in Bälde von euch erworben werden kann. Das könnte freilich derzeit einige Schwierigkeiten machen, für die ich in­des nicht verantwortlich bin.

Ich sagte schon den Verantwortlichen bei der Beam AG, dass ich die heutige Ge­legenheit gern nutzen würde, diesbezüglich ein paar Worte zu machen, und das möchte ich auch einhalten.

Es ist bedauerlicherweise ja so, dass in den letzten Monaten einige Komplikatio­nen aufgetreten sind, die im Netz seitens der regelmäßigen Käufer von Beam-E-Books längst bekannt sind. Da ging es insbesondere darum, dass es nahezu un­möglich wäre, E-Books kostenpflichtig von der Beam-Seite downzuloaden und dergleichen… der Klagen gab es jede Menge. Ich habe das, zugegeben, geraume Zeit gar nicht bemerkt, weil ich eben als Autor tätig bin und nicht als Käufer von E-Books.

Mir fiel allerdings auch unschön auf, dass sich seit Anfang September absolut überhaupt kein E-Book bei Beam von den von mir eingestellten Werken ver­kaufte, und das fand ich einigermaßen eigenartig.

Ich fragte also nach – und machte die nächste ernüchternde Feststellung, dass auch die Kommunikation etwa so funktionierte wie in Treibsand: Wenn Antwort kam, dann erst nach mehrmaligem Nachfassen… und das beunruhigte mich dann schließlich so sehr, dass ich intensiver nachfasste.

Daraufhin erhielt ich folgende Zeilen zur Antwort, die vielleicht von allgemei­nem Interesse sind: „Zu den technischen Turbulenzen der jüngeren Vergangen­heit möchte ich noch einige Worte verlieren. Die Server, die den beam Shop [sic!] lange Zeit gehostet haben, kamen leider an ihre Grenzen, so dass ein Ser­ver-Umzug durchgeführt werden musste. Dieser Umzug erwies sich als sehr viel komplizierter, als wir und auch die durchzuführende Agentur erwartet hatten. Der Großteil dieser Probleme ist nun jedoch behoben.“

Dies ist der Stand vom 5. Oktober 2015, möchte ich ergänzen. Und da ich als Vorstandsmitglied des Fördervereins Phantastika Raum & Zeit e. V. in Braun­schweig von unserer eigenen Vereinswebsite www.sciencefiction.de diese Schwierigkeiten durchaus kenne, die ein Serverumzug nach sich ziehen kann – wir haben dieses Jahr selbst einen durchgeführt, und das erwies sich ebenfalls als nicht unkompliziert… wir sind aktuell immer noch nicht wieder ganz „restau­riert“, wenn ich das mal so nennen darf – , da war ich doch einigermaßen er­leichtert, die obige Mitteilung zu erhalten.

Ein weiteres Zeichen der Besserung kann ich ebenfalls vermelden: Die Tantie­menzahlung funktioniert augenscheinlich wieder, ich habe heute meine Tantie­men von Beam erhalten. Zwar haben sich die Downloadzahlen meiner hiesigen E-Books noch nicht wieder normalisiert, aber ich würde jedem Leser meines Blogs, der sich in den letzten Wochen und Monaten vergebens bemühte, über Beam meine E-Books zu besorgen, einfach vorschlagen: Noch einmal probie­ren! Und falls es nicht sofort klappt – gebt den Beam-Leuten noch ein bisschen Zeit, die Technik und den Support wieder zu optimieren.

Ich werde jedenfalls auch weiterhin mit der Frequenz von einem E-Book pro Monat bei Beam publizieren und mich über aktuelle Zugangs- und Kaufengpäs­se mit dem Gedanken hinwegtrösten, dass die Werke ja langfristig auf jeden Fall dort erhältlich sind.

In der Hoffnung, dass diese Informationen sowohl für die Macher von Beam wie auch für meine Leser hilfreich gewesen sind, möchte ich für heute schließen und nur noch darauf hinweisen, dass ihr euch natürlich auch weiterhin – und ohne Zugangsprobleme – mittels meines Blogs auf der Website www.oki-stanwer.de am Sonntag und am Mittwoch über die Hintergründe meines Werkes und über die Bücher, die ich gern lese und dann für euch rezensiere, informieren könnt. Ihr seid in beiden Blogs gern gesehene Gäste.

Ich wünsche euch angenehmes Lesevergnügen und freue mich, von euch zu hö­ren!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 29: Das Geheimnis des Geigers

Posted Oktober 14th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wie ich jüngst schon versprochen habe, kehren wir heute zurück zum legen­dären Detektiv aus der Baker Street 226B und seinen Epigonen, von denen es bekanntlich unzählige gibt… mal mehr, mal weniger geschickte, mal mit intelli­genten Einfällen, dann leider auch wieder mit eher mäßig interessanten bis misslungenen Adaptionen.

Das, was ich hier vor mir hatte, als ich mir das Buch im Jahre 2010 schenken ließ, konnte ich nicht vorhersehen – auf alle Fälle eine Anthologie mit einem ganzen Korb voll neuer und unbekannter Holmes-Fälle. Teilweise ein recht span­nendes Vergnügen, teilweise eine arge Zumutung… aber wie meine Freunde wissen, habe ich schon gewisse Qualitätsansprüche an Werke, die dem Holmes-Kanon gerecht werden sollen. Das muss ja nicht jedermanns Messlatte sein. Al­les in allem ist dieses Buch jedenfalls eine schöne Überraschung, und sie macht uns mit einer Reihe interessanter Nachwuchstalente vertraut, deren Namen man sich merken sollte.

Und um diese Fälle geht es dann im Speziellen:

Das Geheimnis des Geigers

von Alisha Bionda (Hg.)

Blitz-Verlag, o. O. 2006

304 Seiten, Paperback

Sherlock Holmes Criminal Bibliothek 4

ISBN 3-89840-214-2

Sechzehn Autoren hauchen dem legendären Detektiv aus der Baker Street 221B in London neues Leben ein, und so etwas ist natürlich ein Ereignis, das ich mir als alter Holmes-Freund nicht entgehen ließ. Es war darum völlig selbstver­ständlich, dass ich, als ich zu meinem Geburtstag 2010 dieses Buch auf dem Ge­schenktisch vorfand, es umgehend zu lesen begann.

Die Lektüre ist, wie kaum anders zu erwarten, durchwachsen. Manche der Ver­fasser waren mir schon vom Namen oder anderweitigen Textproben her be­kannt, andere präsentierten hier erstmals ihre Fähigkeiten, sich in die Welt des 19. Jahrhunderts und in die Psychologie des Sherlock Holmes einzudenken. Und jeder, der sich schon einmal selbst an einer Holmes-Geschichte versucht hat, wird begreifen, dass das nicht einfach nur so dahinplätschernd geschrieben, sondern sehr scharfsinnig durchdacht sein will. Manche Verfasser sind darum im vorliegenden Band auch an dieser Herausforderung leider gescheitert, je­denfalls nach meiner Ansicht. Doch schauen wir uns die Geschichten einfach mal im Detail an, das lohnt sich.

Den Auftakt macht der in Phantastik-Kreisen nicht unbekannte Christian von Aster mit seiner Story „Das Renardi-Komplott“. Dr. Watson versucht, seinem Freund Sherlock Holmes eine Geburtstagsüberraschung zu bereiten, ohne dass dieser es merkt – wie man sich vorstellen kann, eine nicht unknifflige Sache bei Holmes´ Fähigkeiten. Dass die Geschichte wegen Albernheit des Autors in völli­ger Lächerlichkeit verendet, ist umso bedauerlicher. Daraus hätte man mehr machen können.

Der Henker“ von Christian Endres, der schon als Herausgeber von Holmes-An­thologien einschlägig in Erscheinung getreten ist, spricht hingegen eine völlig andere, faszinierende Sprache: ein Mordfall im Londoner Hafen ruft Sherlock Holmes auf den Plan. Unter dem Dach eines leeren Lagerhauses baumelt eine vermummte Leiche. Und Holmes´ Deduktion tritt in Aktion… sehr prägnant.

Andreas Gruber war mit seiner Story „Glauben Sie mir, mein Name ist Dr. Wat­son!“ (präziser wäre natürlich „Dr. John Watson!“, doch man vergebe mir meine Besserwisserei) mit dem Deutschen Phantastik Preis 2006 ausgezeichnet wor­den, und das geschah durchaus mit Recht. Es handelt sich nämlich nicht nur um eine Holmes-Geschichte, sondern um eine Phantastik-Story reinsten Wassers, in der Holmes und Watson an die Grenzen ihrer Wissenschaft geraten und Watson gewissermaßen in eine andere Welt abrutscht. Rätselhafte, flehentliche Briefe von Personen, die für andere gehalten werden, erreichen den Detektiv in der Baker Street, nachdem er an der Vorführung eines Apparates des Dr. Allan Wale im November 1916 teilgenommen hat, der eigentlich einen Übergang in eine andere Dimension demonstrieren sollte… was nicht völlig fehlschlägt. Aber die Ergebnisse sind, um es vorsichtig zu sagen, haarsträubend.

Grubers enorme Belesenheit hält sogar biografischen Nachrecherchen stand, und so etwas imponiert mir stets. Ob es um Jack London oder Arthur Conan Doyle geht, Literaturanspielungen oder zeitgeschichtliche Details – Grubers Ge­schichte ist reich daran und sehr lesenswert. Vermutlich erschließt eine Zweit­lektüre noch mehr Einzelheiten. Zweifellos eines der Highlights dieser Samm­lung.

Hermann Agis steuert mit „Der Vorfall“ die nächste Geschichte bei und bewegt sich dabei auf ähnlichem Terrain wie später Dominik Irtenkauf – auf dem vom Rezensenten eher nicht geliebten Terrain der Destruktion des Holmes-Mythos. Hier wirft er die Themen Holmes und Frauen sowie Jack the Ripper zusammen und braut sie in einer eher unappetitlichen Mischung zu einem Gericht, das ich nicht recht zu goutieren wusste. Und im Detail beweist er zu wenig Sachkennt­nis, wenn er Holmes´ Wohnung ins Erdgeschoss verlegt, was für seinen Plot es­sentiell wichtig ist. Schade, dass das so nicht geht.

Der schwarze Joe“ von Linda Budinger – die als Holmes-Übersetzerin, und zwar eine ausgezeichnete, gut bekannt ist – ist ein Mitglied der Baker-Street-Bande, das eines Tages wie vom Erdboden verschwindet. Naturgemäß machen sich die anderen Bandenmitglieder so ihre Gedanken, kommen aber nicht recht damit vorwärts. So behelligen sie also Sherlock Holmes, der das wirklich süße Rätsel relativ schnell auflöst, ohne freilich den verschwundenen Joe wieder her­beizaubern zu können… warum das? Nun, das muss man nachlesen. Sehr reiz­voll.

Die Titelstory „Das Geheimnis des Geigers“ stammt von dem mir unbekannten Matthias Heyen und ist mit gerade mal 12 Seiten eher knapp. Aber es lohnt sich. Der russische Pianist Leinad Alexandrow gastiert unerwartet in London, und Watson, der Holmes´ Musikleidenschaft kennt, ergattert Karten für die Auf­führung, die indes zum Desaster gerät – der Musiker erleidet auf der Bühne einen nervösen Zusammenbruch. Aber während Watson ausschließlich die ärzt­liche Seite der Angelegenheit sieht, sagt Holmes anschließend: „Wenn mich nicht alles täuscht, haben wir ein Verbrechen aufzuklären!“ Womit er auf grausi­ge Weise Recht behält. Aber der deduktionistische Weg dorthin ist faszinierend und wasserdicht. Von Heyen hätte ich gern mehr gelesen.

Der Tote von Belgrave Manor“ von Stefani Hübner-Raddatz präsentiert das, was man eine klassische Holmes-Geschichte nennen kann. Der Erzähler ist einer der Söhne der Belgrave-Familie, der zusammen mit Watson in Indien gedient hat (was unpräzise ist, denn Watson diente bekanntlich in Afghanistan!), und er ist unter Mordverdacht wegen seines Bruders George geraten. Außerdem ist ihre verlobte Cousine Lizzy in die Angelegenheit verstrickt. Doch jenseits dieses Handlungsstrangs sind es die kleinen Details, für die die Verfasserin ein glückli­ches Händchen hat, die die Geschichte lebendig machen: Holmes meisterhafte Deduktion, die gut getroffen wird und die wissenschaftliche Demonstration zur Sichtbarmachung von Fingerabdrücken. Eine hübsche Geschichte. Allerdings bleibt es wohl ein Rätsel der Autorin oder des Lektorats, warum Holmes im letz­ten Absatz der Geschichte anfängt, Watson ganz überraschend zu siezen…!

Holmes und das Abenteuer um den Tintenklecks“ von Dominik Irtenkauf ist dann wieder so ein Tiefschlag in der Anthologie, dass ich mich echt fragte, warum man solch eine Story in die Sammlung aufnimmt. Irtenkauf, der mir noch von seinem späteren Roman „Holmes und das Elfenfoto“ in höchst un­rühmlicher Erinnerung war, erfüllte alle finsteren Erwartungen wirklich aufs Beste: sein Holmes ist ein mittelmäßiger, nervöser und deprimierter Gesell, der von Watson auf dem Papier zu einem Genie aufgewertet wird. In der Realität zerbricht er an dem Anspruch und möchte am liebsten den Holmes-Mythos zer­stören. Das mag ja psychologisch ganz nett sein, kommt aber – wie sein Roman – dermaßen aufdringlich psychologisierend herüber, dass jedem wirklichen Hol­mes-Freund die Lust an der Lektüre vergeht. Tut mir leid, Herr Irtenkauf, Sie wä­ren gut beraten, eine eigene Detektivfigur zu entwerfen, die derlei Identitäts­probleme hat. Aber wenn dann niemand diese Geschichten lesen möchte, soll­te man nicht verblüfft sein.

Markus Kastenholz führte Sherlock Holmes dann in seiner Geschichte „Die brennende Leiche“ auf ein wissenschaftliches Mysterium, das meines Wissens bis heute weitgehend ungeklärt ist: die SHC, die „Spontaneous Human Combus­tion“, also die menschliche Selbstentzündung. Es handelt sich dabei um ein, wie Holmes richtig sagt, seit Jahrhunderten nachgewiesenes reales Phänomen, bei dem der menschliche Körper offensichtlich aus sich selbst heraus extrem jäh und kurzzeitig so extrem hohe Temperaturen entwickelt, dass er in weiten Tei­len selbst verbrennt, allerdings nicht vollständig (meist bleiben Gliedmaßen üb­rig, unverbrannt!), und interessanterweise wird die Umgebung damit nicht in Mitleidenschaft gezogen. Notwendigerweise gerät Holmes hier an die Grenzen seiner Ermittlerfähigkeit.1

Stephan Peters war mir seit Jahren vom Namen her durchaus bekannt, aller­dings eher aus dem Horrorbereich, und so verblüffte es mich auch nicht, festzu­stellen, dass seine Story „Ein Fall von Nekrophilie“ genau in diesem Bereich an­gesiedelt ist. Wieder bekommen Holmes und Watson (anno 1904! Wenn man mir die Bemerkung gestattet, leben die beiden zu dem Zeitpunkt sicherlich nicht mehr zusammen in der Baker Street! Watson ist schließlich verheiratet) Besuch von einem Klienten, der Holmes mit der ungeheuerlichen Geschichte konfrontiert, er habe derzeit eine Affäre mit einer lebenden Toten. Interessant ist jedoch, wie verstört der Detektiv darauf reagiert, und noch schlimmer ist, was er anschließend unternimmt – dies ist ein durchaus phantastischer Ver­such, Holmes´ notorische Frauenfeindlichkeit zu erklären.

Die Anmerkung am Schluss führt freilich etwas in die Irre. Peters bedankt sich hier für die Inspiration bei einem gewissen „Zeus Weinstein“. Das ist deshalb ir­reführend, weil „Zeus Weinstein“ ein Pseudonym ist. Dies wird aus dem Impressum des exzellenten Holmes-Romans „Die Wahrheit über Ludwig II.“ klar, in dem das Pseudonym gelüftet wird. Weinstein ist bürgerlich Peter Neugebau­er. Es wäre elegant von Peters gewesen, das hier gescheit aufzuklären.

Ein faszinierendes Stück Holmes-Epigonen-Literatur liefert auch der mir unbe­kannte Martin Barkawitz mit „Der ägyptische Gnom“ ab. Es zeigt sich beson­ders an dieser Story, dass kurze Holmes-Geschichten durchweg nicht übel sein müssen, wenn sie in allen Details wohl durchdacht sind. Und das ist sie hier: wir finden nacheinander Holmes´ nervtötende Schießübungen in der Wohnung, Holmes´ messerscharfe Deduktion, zunächst auf den Besucher Goodfellow Car­ruthers und sodann auf den Droschkenkutscher angewandt, der sie zum Briti­schen Museum bringt. Der Leser kommt auf den ersten Seiten aus dem stau­nenden Blinzeln gar nicht mehr heraus. Und das geht noch weiter, als er den Tatort besichtigt, wo Dr. Kenneth Winterbottom sich offensichtlich in einem von innen abgeschlossenen Zimmer selbst erschossen hat. Holmes meint indessen, er sei im Zimmer ertrunken! Und das Verblüffende daran ist – er hat Recht! Aber wie genau das stimmt, muss man nachlesen. Eine köstliche, raffinierte Geschichte, unbestreitbar eine der besten der Storysammlung. Auch von Barkawitz würde ich gern mehr in der Richtung lesen. Er hat es drauf, unbestreitbar.

Der Fall, den S. H. nicht lösen konnte“ von Christian Schönwetter (auch ein mir Unbekannter) stellt den jungen Dylan McHale in den Vordergrund, ein Mit­glied der Baker-Street-Bande, das in diesem Fall einen mysteriösen Fall quasi im Alleingang löst, über den ich nicht viel andeuten möchte. Die Geschichte eignet sich eigentlich mehr für eine Anthologie von Jugendbuchgeschichten und wirkt hier ein wenig deplatziert.

Der Tote vom Sewer“ von Klaus-Peter Walter, der später auch für den Blitz-Verlag einen Holmes-Roman verfasst hat, spielt 1897, und Inspektor Lestrade vom Scotland Yard, der Holmes aufsucht, um ihn in einer Mordsache zu konsul­tieren, denkt – ebenso wie Dr. Watson – in reichlich abergläubischen Bahnen. Das liegt nahe, denn der Roman „Dracula“ von Bram Stoker ist gerade erschie­nen, und Holmes weist nach, dass das Opfer des Verbrechens vor dem Versuch, es zu verbrennen, offensichtlich blutleer war. Leider kommt die gründliche De­duktion dieser ansonsten exzellenten Geschichte ausschließlich bis zu diesem Punkt und lässt den Leser dann äußerst konsterniert zurück, weil Walter durch Holmes am Schluss sagen lässt: „Wir werden uns ein anderes Mal um dieses Un­getüm kümmern. Heute nicht mehr, denn man hat uns für die Lösung des klei­nen Rätsels um den toten Mann von Sewer lediglich fünfzehn Manuskriptseiten zugestanden. Und die sind genau jetzt gefüllt. Etwas Musik gefällig?“

Das ist, um es vorsichtig auszudrücken, eine Unverschämtheit – seitens des Lek­torats!2 Manche Geschichten im Band sind fünfzig (!) Seiten lang, und diese hier, die so ausgezeichnet begann, bricht wegen Lektoratsvorgaben mitten in der Ermittlung zusammen? Das ist wirklich außerordentlich dreist und tut rich­tig weh. Dann wäre es besser gewesen, diese Geschichte in der vollständigen Form lieber in einer anderen Anthologie unterzubringen… oder die fragwürdige Irtenkauf-Geschichte einzusparen und die dortigen Seiten für die Verlängerung und Lösung (!) von Herrn Walters Geschichte zu verwenden.

Der mir unbekannte Kurt Mühle steuert mit „Kandelaber-Dessous“ eine so pri­mitive Geschichte bei, dass ich mir den Namen des Verfassers wirklich nicht merken muss. Ein paar Details mögen das verdeutlichen: Holmes und Watson finden sich am Schauplatz eines Todesfalls ein. Der Tote liegt in einer Villa unter einem Kronleuchter (Kandelaber sind eigentlich mehrarmige Kerzenleuchter, in­sofern ist auch der Titel irreführend), ist offenbar durch den Sturz auf dem glat­ten Boden umgekommen, und am Kronleuchter hängt weibliche Unterwäsche. Verdächtigt wird das Dienstmädchen, die trauernde Witwe ist offensichtlich fest überzeugt von der Schuld… und dann gibt es noch den Geschäftspartner Booth, der mit dem Toten verabredet war.

Nun, um es kurz zu machen: die Story krankt an vielen Details, schon am ersten Satz, wo der „Immobilienmakler“ (!) Barrow – der Tote – erwähnt wird, erkennt man deutlich, wo der Hase entlang läuft. Der Autor hat, vielleicht aus Zeitgrün­den, vielleicht aus Einfallslosigkeit, eine x-beliebige Kriminalgeschichte, die ur­sprünglich in der Gegenwart angesiedelt war, hergenommen, kurzerhand Hol­mes und Watson in die Szene montiert, und was herauskam, ist Blödsinn.

Den Beruf des „Immobilienmaklers“ gab es mit der Bezeichnung im 19. Jahrhun­dert sicherlich nicht. Dass die Ehefrau, wie angegeben „im Kino“ war, als die Tat passierte, ist ebenfalls eine klare 20. Jahrhundert-Antwort, die in einer Holmes-Geschichte keinen Sinn macht, weil das Kino noch nicht erfunden war. Und dass der „Geschäftspartner“ Booth für die Villa seines Kollegen einen Hausschlüssel besitzt, kommt vielleicht im 20. Jahrhundert vor, aber im 19.? Da gibt man doch niemandem den Hausschlüssel! Dafür hat man Dienstboten, die die Gäste empfangen und die Tür aufmachen! Ganz zu schweigen von Holmes lächerlicher Überraschung am Schluss, weil Watson eine Waffe zückt! Watson hat regelmäßig eine Waffe dabei, und natürlich WEISS Holmes das! Wer es nicht weiß, ist der dumme Verfasser. Bitte, das ist alles Schrott! Auch diese Geschichte sollte man schnell vergessen. Sowohl das Lektorat als auch der Verfasser haben sich hiermit keinen Gefallen getan. Vergessen wir Kurt Mühle, und zwar schnellstens!

Arthur Gordon Wolf (dem ich irgendwie den Namen nicht recht abzunehmen vermag, klingt er doch zu sehr nach Arthur Gordon Pym, Edgar Allan Poe lässt grüßen!) fügt mit der langen, komplexen Geschichte „Die blaue Taube“ ein fas­zinierendes Stück Holmes-Geschichte ein. Es geht, streng genommen, nicht um ein Tier, sondern um ein verfluchtes Haus… jedenfalls sieht es so aus. Am Russel Square in London soll ein Haus von der Malerfirma des Mr. Joseph Duxberry ge­strichen werden, aber während der Streicherarbeiten verschwindet einer der Arbeiter spurlos, und daraufhin kann Duxberry offensichtlich keine Arbeiter mehr finden, die für die Arbeit bereit sind, und der Termin droht zu platzen. Aber das ist nicht einmal das größte Problem, wie Sherlock Holmes bald schwant. Die haben vielmehr etwas mit dem Bleidach des Gebäudes und rätsel­haften Inschriften zu tun. Aber wie das alles zusammengehört und was das aus­gerechnet mit Dr. John Watson (!) zu tun hat… das sollte man wirklich gelesen haben. Der Leser wird wunderbar auf spekulierende, falsche Fährten gelockt. Hat mir sehr gefallen!

In der Abschlussgeschichte der Anthologie, die Bernd Rieger mit „Der Dolch“ bestreitet, machen wir den glücklicherweise letzten Ausflug ins Kuriositätenka­binett derjenigen Epigonen, die der Ansicht sind, der traditionelle Holmes-Ka­non sei noch nicht reizvoll genug. Diesmal haben wir es mit einem höchst lang­weiligen, durchsichtigen Manöver zu tun, und schon der Untertitel der Ge­schichte zeigt dem Kenner, wohin der Weg weist: „Der unvergleichliche Voodoo Holmes, Master Detective“. Wir machen die Bekanntschaft mit Voodoo Holmes, dem unbeachteteren weiteren Bruder von Sherlock Holmes (der bekanntlich nur einen Bruder hatte, nämlich Mycroft, aber in dieser Geschichte hat ja sogar John Watson einen Bruder, der in diesem Fall Voodoo Holmes hilft und vor aufgeblasenem Ego geradezu platzt), und es geht um den Fall einer Voodoo-Übertragung. In Österreich stirbt die Kaiserin Sisi überraschend an den Folgen eines Attentats, und zeitgleich wird in London im Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud ein Anschlag mit einem Dolch auf die Wachsfigur der Kaisern verübt… ersparen wir uns den Rest, der eigentlich nur noch Geblubber ist. Man sollte eben in einer Story nicht die Lösung des Rätsels bereits in der zweiten Zeile vorab verraten. Auch diese Geschichte gehört zu jenen, die man leicht hätte einsparen können.

Alles in allem macht die Anthologie einen sehr heterogenen Eindruck. Der Wechsel zwischen faszinierenden, bisweilen brillanten Vignetten, die sich kon­genial auf die Wellenlänge der Stories aus dem Kanon einschwingen und die Fi­guren wieder zum Leben erwecken können, und plumpen Übungen, in denen dagegen versucht wird, Holmes munter zu demontieren oder seine Einzigartig­keit krass in Frage zu stellen (wobei man sich dann fragt, warum die Autoren Sherlock Holmes als Medium benutzten für ihre schriftstellerischen Ergüsse, und der Gedanke nahe liegt, dass man sie eigentlich als Trittbrettfahrer verste­hen muss, die sich ins Rampenlicht der Öffentlichkeit katapultieren wollten, ohne Holmes zu mögen oder viel von ihm zu verstehen), ist manchmal schon recht dramatisch.

Da werden dann in den letzteren Werken bisweilen Dilettantenfehler begangen, die den Leser die Stirn krausen lassen. Etwa wenn Watson in einer Story kurzer­hand Irene Adler und Professor Moriarty (!) anschreibt (!), damit sie bei einer Geburtstagsüberraschung für Sherlock Holmes helfen (!). Als wenn diese Da­men und Herren postalisch so leicht zu erreichen wären, um es vorsichtig aus­zudrücken. Da werden Berufe munter durch die Jahrhunderte in die Vergangen­heit transportiert, es mangelt an Einfühlungsvermögen für die Zeit und den Stil…

Der Rezensent kann daher nicht umhin, diese Anthologie als eine Art von Ge­mischtwarenladen zu begreifen. Ehrenwert, dass sie zusammengestellt wurde, ist es schon. Aber Klaus-Peter Walters (!) Einleitung macht die Art der Zusam­menstellung und ihre höchst heterogene Qualität nun wirklich nicht durchsich­tig. Hier hätte ich mir eine solidere Auswahl gewünscht – ganz zu schweigen von einem besseren Lektorat. So gehen gelegentlich die „Moriatys“ (sic!) durch, es fehlen gelegentlich Silben, „Der Hund der Baskervilles“ wird – unzutreffend – „Der Hund von Baskerville“ genannt (als wenn Baskerville ein Ort wäre!), Watson grüßt auch schon mal mit „Grüß Gott!“, als wäre er Bayer, der Londoner Stadtteil Whitechapel macht ernste Schwierigkeiten und wird mal als „White Chapell“, mal als „Whitechappel“ geschrieben. Dann gibt es das „Bakers-Sreet-Freikorps“ (sic!) (das haben wohl die Polen übersehen, das Manuskript wurde ja aus Kostengründen in Polen gedruckt), manchmal ist etwas auch „von Flecken übersäht“ (sic!)… also, da ist durchaus noch Luft nach oben zum Verbessern, wenn man mich fragt.

Abgesehen von diesen Kritikpunkten ist die Anthologie aber durchaus lesens­wert und eignet sich für einen schönen, rund 14 Tage dauernden Abstecher in die Welt des Sherlock Holmes. Es empfiehlt sich, jeden Tag höchstens eine Ge­schichte zu lesen, um das Vergnügen andauern zu lassen (na schön, wenn eine gründlich missraten ist, vielleicht zwei, um es auszugleichen). Man darf auf wei­tere Anthologien dieser Art gespannt sein.

© by Uwe Lammers, 2011

Ihr merkt es, Freunde – selbst wenn man Holmes-Fan ist und die Literatur sehr schätzt, heißt das noch lange nicht, dass man sich schlichtweg alles bieten las­sen muss, was hier unter dem Label „Holmes“ verkauft wird (und manchmal zu einem wirklich gesalzenen Preis, wie jeder festzustellen imstande ist, der die neueren Holmes-Publikationen verfolgt, da wird zum Teil echte Beutelschneide­rei vorgenommen!).

Ich halte es aber an dieser Stelle dann auch für ein Zeichen von gutem Stil, wenn ich solche Anthologien bespreche und euch auf die Perlen und auch auf die Rohrkrepierer hinweise, die sich oftmals in bunter Mischung in ein und demselben Buch finden.

Soviel also für den Moment zu Mr. Holmes. In der kommenden Woche kehren wir ins eskalierende Armageddon-Universum des Mr. Hamilton zurück, und ich denke, darauf können wir uns wirklich freuen.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vor vielen Jahren habe ich mal einen SF-Roman gelesen, der das Thema ebenfalls aufgriff. Leider habe ich ihn aktuell nicht griffbereit und kann mit den bibliografischen Fakten nicht dienen. Es handelt sich um Bob Shaws Roman „Brandmuster“, in dem Shaw diese Selbstentzündungsphänomene als außerirdischen Invasi­onsversuch von einer höchst lebensfeindlichen Welt darstellt. Eine höchst originelle Deutung.

In dieselbe Kerle schlägt übrigens die beeindruckende Story „Das Rätsel des Warwickshire-Wirbels“ von F. Gwynplaine MacIntyre in der Anthologie von Mike Ashley (Hg.): „Sherlock Holmes und der Fluch von Addle­ton“, Bergisch-Gladbach 2003. Hier dient er aber als Verschleierung eines Verbrechens, weniger als Thema an sich. Die Strukturen sind aber sehr klar identisch. Doch dort, wo Kastenholz eher kursorisch ist, geht Ma­cIntyre erheblich tiefer.

2 Wenn man dann bedenkt, dass Walter die Einleitung geschrieben hat, gerät man noch mehr ins Grübeln und zieht zwei Alternativen in Betracht. Alternative 1 sieht so aus, dass Herausgeberin Bionda ihm tatsäch­lich nur 15 Seiten zugestand und Walter den Plot auf diesen Seiten nicht entwickeln konnte (die Ausführlich­keit der Geschichte legt tatsächlich nahe, dass er wenigstens noch 15 Seiten gebraucht hätte). Das ist, wie oben erwähnt, äußerst unsympathisch. Alternative 2 ist noch unangenehmer: sie geht davon aus, dass der Verfasser durchaus mehr Platz hätte bekommen können… wenn er denn für die Story schon eine Auflösung gehabt hätte! In diesem Fall wäre die schnippische Schlussfloskel eine unverschämte Form von Ausrede für eine nicht vollständig vorliegende Fallgeschichte aus dem Sherlock-Holmes-Kosmos. In Anbetracht der vor­liegenden Fakten kann aber nicht gesagt werden, welche Deutung zutrifft oder ob es weitere Möglichkeiten gibt. Die vorliegende Version ist jedenfalls ungenügend.

Wochen-Blog 136: Schreibtraining

Posted Oktober 11th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

der Beruf eines Schriftstellers ist doch für jemanden, der mehrheitlich „nur“ Le­ser ist – dies ist keine Herabstufung, sondern lediglich eine Einschränkung, die mir aktuell die Gedankensortierung erleichtert – , vermutlich ein sehr fremdes Phänomen. Wie leicht denkt man als Leser wohl, dass die Majorität der Schrift­steller die Anstrengung des Schreibens auf sich nimmt, um… ja, was zu errei­chen? Reich zu werden? Berühmt zu sein? Ewigen Ruhm zu erwerben?

Vielleicht, solche Schriftsteller gibt es zweifelsohne.

Nun, zu dieser Sorte Literat zähle ich mich nicht. Ich komme gewissermaßen vom anderen Ufer, von den Gestaden der Idealisten. Und diese Leute sind noch seltsamer, noch unbegreiflicher als die obigen, die man wenigstens nachvollzie­hen kann. Die obigen Literaten schreiben, um ihre Rechnungen zu bezahlen, ihre Recherchereisen für die nächsten Romane, um ihr Bankkonto zu füllen.

Begreiflich, wie gesagt.

Wie verhält es sich mit den Idealisten wie mir? Natürlich wäre es mir auch lieb, wenn ich mit dem Schreiben hinreichend Geld verdiente, um davon mein Leben zu bestreiten. Danach sieht es allerdings gegenwärtig noch nicht aus. Leute, die der obigen Lebensanschauung zuneigten, würden vielleicht jetzt die Flinte ins Korn werfen und sagen: Okay, ich kann zwar schreiben, aber wohl nicht allzu gut, also lasse ich’s bleiben und suche mir einen anständigen Job, vielleicht an der Bandstraße der Automobilproduktion, wo ich mit stumpfsinniger Arbeit we­nigstens hinreichend Geld scheffeln kann. Oder such mir einen anderen Job, sa­gen wir, hinter einer Supermarktkasse oder beim Zeitungsaustragen oder als Ta­xifahrer…

Es gibt wahrlich genug Wahlmöglichkeiten, nicht wahr?

Tja, aber dem steht etwas wie ein sperriger Steinklotz im Weg, und das ist der idealistische Grundimpuls jener Art, der mich umtreibt. Für Idealisten wie mich ist das Schreiben nicht nur ein Weg, Geld zu machen, bekannt zu werden, be­rühmt womöglich… für mich ist das ein Grundbedürfnis, das es zu befriedigen gilt wie Essen, Trinken, Schlafen und Lesen. Am besten hat das ein alter Seelenverwandter von mir ausgedrückt, über den ich in meinem allerersten Rezensions-Blog am 1. April 2015 geschrieben habe, den ich immer noch zur Lektüre empfehlen kann: Ray Bradbury. Lassen wir ihn zu Wort kommen:

Ich habe auf Reisen die Erfahrung gemacht, dass ich mich unwohl fühle, wenn ich einen Tag vergehen lasse, ohne zu schreiben. Nach zwei Tagen beginne ich zu zittern. Drei, und ich vermute Wahnsinn. Vier, und ich könnte ebenso gut ein Wildschwein sein, das sich im Schlamm suhlt. Eine Stunde Schreiben wirkt stär­kend wie ein Kräftigungsmittel. Ich bin auf den Füßen, laufe im Kreis umher und brülle nach einem sauberen Paar Socken…“

Er beschreibt das Schreiben als eine Form von Rausch, und er sagt weiter: „Blei­ben Sie berauscht vom Schreiben, damit die Realität Sie nicht vernichten kann. Denn das Schreiben liefert Ihnen die richtigen Rezepte für die Wahrheit, für das Leben, die Wirklichkeit – so natürlich, wie Sie essen, trinken und verdauen, ohne dabei in Ihrem Bett nach Luft zu schnappen und wie ein Fisch auf dem Tro­ckenen herumzuzappeln…“

Selbst wenn wir davon ausgehen, dass Bradbury an dieser Stelle ein wenig iro­nisch übertreibt – es steckt mehr als nur ein Gran Wahrheit in diesen Zeilen. Ich weiß es aus eigenem Erleben. Und wenn er die Geschichte vom Pianisten an­bringt, so steckt auch darin eine wichtige Erkenntnis:

Wenn ich einen Tag nicht übe, merke ich es, wenn ich zwei Tage nicht übe, mer­ken meine Kritiker es, und wenn ich drei Tage nicht übe, merkt mein Publikum es.“

Etwas zu drastisch? Vielleicht. Aber die Übertreibung geht nicht sehr weit, finde ich. Ich merke es aktuell gerade auf wunderbare, ja, berauschende Weise (De­tails dazu in fünf Wochen im Wochen-Blog 141).

Es ist schon seit Jahrzehnten ein tief verwurzeltes Gefühl in mir, dass ein Tag, an dem ich nichts schreiben konnte, weil ich anderweitig abgelenkt war, ein verlo­rener Tag für meine Kreativität ist. Lange bevor ich im August 2012 Ray Bradbu­rys Buch „Zen in der Kunst des Schreibens“, aus dem ich eben zitierte, erwarb und binnen kürzester Zeit verschlang, lange zuvor schon war es meine feste Überzeugung, dass stetes Training die beste Methode sein würde, um mein Ge­spür für die Sprache, für die Wortmelodien, für die tieferen Verflechtungen von Satzzeichen, Formulierungen und Absätzen zu schärfen.

Man verstehe dieses Schreibtraining jetzt jedoch nicht so, wie es Dichter tun, das wäre ein Missverständnis, und hier möchte ich an dieser Stelle differenzie­ren: Dichter sind Menschen mit einem eher musikalischen Verständnis der menschlichen Sprache, für sie haben Texte eine gewisse Melodie, eine innere Harmonie und Symmetrie, die gebieterisch fordert, dass gewisse Etiketten und Grenzen eingehalten werden. Man merkt das beispielsweise bei den asiatischen Haikus, in denen strenger Formalismus und die Beschränkung auf sehr wenige Zeilen, sehr wenige, präzise gesetzte Worte Wert gelegt wird.

Während Dichter also eher Juweliere der Worte sind, würde ich die Romanciers und die Autoren, die mehr der Langform zuneigen – also Leute wie ich – als leb­haft sprudelnde und dahinschießende Wildbäche verstehen wollen, voller Ener­gie, Elan, unbändig strudelnd und mäandernd im weiten Feld der Worte. Wo die Dichter sich auf einen schmalen, edlen Pfad beschränken und strikteste Dis­ziplin walten lassen, wo sie gleich Bonsaigärtnern jeden Wildwuchs beschnei­den, um schließlich die reine, konzentrierte Essenz zurückzulassen, da neige ich eher dazu, mehr Worte zu machen.

Mein Schreibtraining, das ich mir tagtäglich angedeihen lasse, ist weniger ein Stutzen, ein Ringen nach erlesenen, exquisiten Formulierungen, es ähnelt viel­mehr dem, was Ray Bradbury einstmals tat – umfangreiche Wortlisten anlegen, aus dem Brunnen der Gedanken Worte schöpfen und sie in ständig wechselnde Formen unterschiedlichster Größe und Tiefe gießend.

Wer dies nur als Arbeit begreift, hat mich nicht verstanden.

Fragt doch einen Bildhauer, ob es ausschließlich Arbeit ist, eine Idee aus einem Marmorblock zu modellieren, bis er ein Kunstwerk vor sich hat, wie es die Welt noch nicht sah.

Fragt doch einen Musiker, der unablässig Noten aneinanderreiht, bis die Melo­die, die in seinem Verstand verführerisch säuselt und ihn nicht zum Schlaf kom­men lässt, endlich jene Gestalt gefunden hat, mit der er die Welt bezaubern kann.

Nein, das ist nicht nur harte Arbeit, das ist sehr viel mehr Erfüllung.

Und das stete Schreibtraining eines Literaten wie mir ist ganz dasselbe. Es ist tatsächlich für mich so, wie Ray Bradbury es geschrieben hat: „Wenn Sie ohne Leidenschaft, ohne Gusto, ohne Liebe, ohne Freude schreiben, sind Sie kein ech­ter Schriftsteller. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, ein Auge auf den kommerzi­ellen Markt zu werfen oder ein Ohr für erlesene Zirkel der Avantgarde zu haben, dass Sie nicht wirklich Sie selbst sind. Dass Sie sich selber gar nicht kennen. Denn was ein Autor zuallererst sein sollte, ist – erregt! Aus Fieber und Enthusi­asmus sollte er bestehen. Ohne solche Energie kann er eben so gut Pfirsiche pflücken oder Spargel stechen; Gott weiß, es wäre besser für seine Gesundheit…“

Ich denke, dies ist es wesentlich, was mich von den eingangs erwähnten Litera­ten unterscheidet, die tatsächlich mit der Intention schreiben, viel Geld zu ver­dienen oder berühmt zu werden. Der Elan. Die Tatsache, dass ich das Schreiben mit Liebe und Leidenschaft betreibe.

Nach wie vor fliegen mir die Ideen zu, umkreisen mich in mal nahen, mal fernen Orbits, und ich muss nur die Hand danach ausstrecken, um die glühenden Fun­ken neuer Geschichten zu erhaschen, Geschichten ohne Zahl… angefüllt mit le­bendigen, humorvollen, Furcht einflößenden Protagonisten, die mich auf Wel­ten oder in Zeiten und Dimensionen entführen, die ich niemals zuvor gesehen habe.

Schreiben ist Abenteuer.

Schreiben ist Leben schlechthin für den Idealisten.

Schreiben wie im Fieber, wie auf Bradburys Buch steht, ist für mich nicht nur eine leere Worthülse, sondern tagtägliche Realität, und es macht ein Mordsver­gnügen.

Das ist der Nebeneffekt des Schreibtrainings, wenn man es richtig macht und wenn man tatsächlich die richtige Person dafür ist – es ist in gewisser Weise wie eine Droge, die am Schreibtisch festhält, bis das Tageslicht draußen verblichen ist und man die Lampe anschalten muss, um überhaupt noch etwas zu erken­nen. Eine Droge wunderbarster Art, die selbst den Lockruf des Bettes übertönt, wenn die Bilder im Verstand aufblühen gleich exotischen Pflanzen, wenn man auf einmal wissen möchte, was hinter der nächsten Ecke lauert, um die noch nie ein Mensch zuvor geschaut hat.

Dies zu erschließen, dies niederzuschreiben und später moderat nachzuschlei­fen… und letztlich diese Werke auf euch, meine Leser, loszulassen… das ist der wahre Genuss des idealistischen, intuitiven Schriftstellers.

Es mag sein, dass damit nicht viel Geld verdient wird, vielleicht gar keins.

Das spielt nicht die entscheidende Rolle.

Wichtig ist es, zu wissen, dass diese Arbeit, die man gerne tut, getan wird. Dass die Werke entstehen, die man aus den Bergwerken seines Verstandes gleich ei­nem pfiffigen, findigen Mineur ans Tageslicht befördert, veredelt und dann letztlich als geschliffenes Schmuckstück präsentiert.

Nein, die Arbeit, die darin steckt, die seht ihr nur in den allerwenigsten Fällen. Und vielleicht gibt es Autoren, die müheloser und geschickter mit Worten um­gehen können… einerlei. Sie würden nicht die Worte finden, die ich finde. Sie sind nicht an meiner Stelle, haben nicht meine physischen, nicht meine meta­physischen Augen.

Diese Welten sehen kann nur ich selbst.

Und ich kann sie nur dann beschreiben, wenn ich regelmäßig mein Schreibtrai­ning fortsetze, sei es in diesen Blogartikeln, in Rezensionen, in Editorials oder Artikeln für Fanzines, sei es in E-Books oder Kurzgeschichten und Romanen, die ihr heute noch nicht zu sehen vermögt.

Vieles von dem, was im Rahmen solcher täglichen Schreibaktionen entsteht, werdet ihr vermutlich nie zu Gesicht bekommen – beispielsweise die zahllosen Privatbriefe, die ich schreibe und die eben genau dies sind: privat – , oder auch sehr lange Werke, für die ich gegenwärtig noch keine probate Möglichkeit der Veröffentlichung gefunden habe. Oder kommentierte Episoden des Oki Stanwer Mythos (OSM), die als Vorstufen für die spätere Ausarbeitung dienen. Einerlei… all dies zählt zu meinen tagtäglichen Schreibübungen.

All dies sorgt dafür, dass ich nicht einroste.

Und vor allen Dingen: ich tue das alles unendlich gern, es ist mir nicht Pflicht und Fron, sondern von Herzen angenehm. Wenn die Worte strömen, wie jetzt etwa, unter dem Einfluss inspirierender Musik (derzeit: Mike Oldfield – Music of the Spheres), dann genieße ich das Schreiben, ganz gleich, welcher Art.

Und dann sagen mir die inneren Bilder ganz von selbst, wie lang sie sich auf dem Papier respektive Bildschirm ausdehnen wollen. Wenn ich also hin und wieder betone, dass meine Geschichten so lang werden, wie sie es wollen, dann ist das kein Kokettieren, kein böswilliger Scherz auf eure Kosten, sondern die lautere Wahrheit.

Nun, und heute und an dieser Stelle war es mir ein Herzensbedürfnis, mal ein wenig über das Thema des Schreibens an sich zu philosophieren. Solche Launen überkommen mich bestimmt wieder, ich kann aber nicht sagen, wann… lasst euch davon einfach mal überraschen.

In der kommenden Woche reisen wir im Rahmen unserer Erörterungen zu den „Annalen der Ewigkeit“ zurück ins Jahr 1992 und direkt in eine Wüste. Was das genau bedeutet? Schaut einfach nach am 18. Oktober.

Bis dann, meine Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.