Rezensions-Blog 33: Der nackte Gott (6)

Posted November 11th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

man könnte als argloser, prüder Leser nun meinen, auf einmal ginge es um einen mythologischen Porno, aber da läge er vollkommen falsch. Nein, Peter F. Hamilton hatte hier keine Midlife-Crisis sexueller Natur, als er diesen Roman schrieb, sondern etwas völlig anderes im Sinn, und das kam dann schließlich auch dabei heraus. Das titelgebende Etwas ist weder ein Mensch noch recht ei­gentlich spirituell… aber es ist essentiell für den Schluss von Hamiltons „Arma­geddon-Zyklus“, der mit diesem Band (fast) abgerundet wird.

Wieso fast? Nun, weil es bald darauf noch einen siebten Band gab, auf den ich noch zu sprechen kommen werde, in drei Wochen, um exakt zu sein. Kenner der Geschichte wissen natürlich, wovon ich rede. Aber alle Neuankömmlinge auf dieser Seite oder in Hamiltons Geschichtenkosmos erwartet eine inter­essante Überraschung.

Doch schauen wir uns zunächst an, wie sich Joshua Calvert im verzweifelten Ringen mit den übermächtigen „Besessenen“ schlägt. Das wollt ihr doch sowie­so alle längst wissen, wenn ihr die vorherigen Bände verschlungen habt. Nun, hier folgt also die Auflösung:

Der nackte Gott

(OT: The Naked God, Part II)

Armageddon-Zyklus, 6. und letzter Roman

von Peter F. Hamilton

Bastei 23234

1024 Seiten, TB

März 2001, 9.90 Euro

Übersetzt von Axel Merz

Es wird eng.

Ja, es wird eng für die Menschheit und für alle Wesen, die sich einstmals als zur Menschheit gehörig betrachteten und nun unwiderruflich in den Strudel hinein­gezogen werden, den sie selbst mit schaffen halfen – die Besessenen unter­schiedlichster Couleur, überall im irdischen Sternenreich. Letzteres ist ja nur eine Konföderation, also ein Zusammenschluss auf wirtschaftlicher und politi­scher Ebene, wobei die individuellen planetaren Ökonomien höchst unter­schiedlich gewichtet sind.

Während nun der Abenteurer Joshua Calvert und die Voidhawk-Kommandantin Syrinx als Duo mit zwei Raumschiffen in die Tiefen der Milchstraße vorstoßen, um das Geheimnis des „Schlafenden Gottes“ der Tyrathca zu lösen, beginnt die Konföderation zu wanken.

Wohl gelingt es den Regierenden, auf Ombey allmählich die Krise der Halbinsel Mortonridge unter Kontrolle zu bekommen, wohl entschließt sich die Konföde­rierte Navy, endlich massiv gegen Al Capones Organisation auf New California zuzuschlagen, doch allen wird schnell klar, dass dies die Kräfte der Konföderati­on bei weitem überschreitet. Mortonridge lässt sich nicht wiederholen, weder finanziell noch humanitär. Der Schaden für die Demokratie ist gewaltig.

Und das ist nicht einmal das Schlimmste: was Louise Kavanagh schon lange ge­fürchtet hat, ist Realität geworden – der sinistre Quinn Dexter ist auf der Erde eingetroffen, und jeder Versuch, seiner habhaft zu werden, endet in einem un­beschreiblichen Blutbad. Doch er ist wie ein Geist, unfassbar, diabolisch und ge­wissenlos. Die Erde selbst wird zum Schlachtfeld der Besessenen, und eine Ar­kologie nach der nächsten gerät an den Rand des Abgrunds. Zum Schluss ver­fügt Quinn sogar noch über die ultimate Waffe, um seine Herrschaft zu vervoll­kommnen, und in Louises Gegenwart ruft er seinen finsteren Herrn, den Licht­bringer Luzifer selbst…

In den Tiefen der Galaxis stoßen unterdessen Joshua Calvert, Alkad Mzu, Syrinx und ihre Gefährten auf das Ursprungssystem der Tyrathca, das längst zerstört ist… aber entgegen ihren Vorstellungen ist hier keineswegs alles Leben erlo­schen, sondern vielmehr kommen sie alle in Kontakt mit einer weiteren Spezies, den Mosdva. Doch die Verhandlungen entpuppen sich als außerordentlich schwierig – und sie werden noch mehr erschwert, als ein Hellhawk auftaucht und die Verhandlungen unbedingt torpedieren will…

Einen Roman von fast 2000 Seiten mit einem Titel zu belegen, der lediglich auf die letzten hundert Seiten zutrifft, könnte man als einen Versuch gezielter Irre­führung bezeichnen. Gut für Hamilton ist, dass er auch jenseits des Titelbezugs eine Menge interessanter, wichtiger, spannender und lebendiger Dinge zu er­zählen weiß und in diesem Roman nun endlich die Handlungsfäden wieder zu­sammenführt, nachdem sie sich über Hunderte und Tausende von Seiten so weit voneinander entfernt hatten, dass man sie als reine Nebenhandlungen ab­zuqualifizieren bereit war.

Wer so gedacht hat – dass es sich um Nebenhandlungen handelte – , der wird überrascht werden. Wer Hamiltons Denken schon ein wenig kennenlernte, dem bereitet das keine Verblüffung.

Wie war das also mit der frustriert von Zuhause flüchtenden Marie Skibbow auf Lalonde? Wie war das mit dem schrecklich zu Tode gemarterten Gefangenen­aufseher Powell Manani ebendort? Warum wohl mag es von Bedeutung gewe­sen sein, dass Marie Skibbows Vater Gerald, inzwischen psychisch völlig am Ende, von seiner Besessenheit befreit und dafür psychisch völlig zerrüttet wur­de? Was ist die letztendliche Quintessenz, warum der Valisk-Handlungsstrang und Dariats Persönlichkeit (von Tolton ganz zu schweigen) wirklich bedeutsam war? Und denkt auch an Jezzibella und Al Capone und ihre ganz besondere Be­ziehung zueinander, denkt an die kinderrettenden Besessenen um Stephanie Ash…

Alles wichtige Bausteine für den Schluss des Zyklus. Geschickt komponiert und beinahe gut gemacht. Beinahe. Tja, denn es gibt Wermutstropfen zum Schluss der ganzen Geschichte. Sie hängen mit einer Tatsache zusammen, die Hamilton nicht leugnen kann und ihn im Grunde genommen sympathisch macht: Peter F. Hamilton ist ein unverbesserlicher Romantiker mit einer unausweichlichen Be­strebung, ein Happy End zu finden. Dafür tut er alles, und das muss man hier wirklich wörtlich verstehen. Das ist der Grund, warum mir der Schluss des Zy­klus beinahe den Magen verdarb. Hat jemand ein Tonic Water da, um diese Süßlichkeit zu verscheuchen? Ah, danke!

Also, eine kleine Andeutung vor dem Lesen sei mir gestattet, um euch nicht die Freude völlig zu verderben: so sehr ich es gemocht habe, dass Josh und seine junge Geliebte zusammenfinden – was eigentlich von Anfang an abzusehen war – , so sehr sträube ich mich gegen die letztendliche Lösung des gesamten Pro­blems. Ich könnte es mir leicht machen und behaupten, das sei „Science Ficti­on“, aber das ist es ja sowieso, und diesmal heißt die Antwort deshalb, es ist nicht SF, es ist „Fantasy, gepaart mit Wunschdenken“. Die Mischung ist unge­nießbar.

Mir ist klar, weshalb er das gemacht hat – weil er verbrannte Erde zurücklassen möchte, einen Zyklus, dessen Potential so ausgereizt ist, dass es keinen Anreiz mehr gibt, dorthin zurückzukehren. Auf der einen Seite intelligent. Auf der an­deren Seite… öde. Eine Welt so in Ordnung zu bringen, dass es darin keine Ecken und Kanten mehr gibt, das ist langweilig. Und so schön das Träumen und das Abenteuern mit Peter F. Hamiltons dicken Armageddon-Schmökern auch gewesen ist – mir hätte es mehr gefallen, hätte er am Ende ein paar Ecken und Kanten übriggelassen. So bleibt nur zu sagen, dass er den Schluss vermutlich auch aus dem Bestreben heraus, endlich „fertig“ zu sein, letztlich in den Sand gesetzt hat.

Schade.

© by Uwe Lammers, 2005

Tja, und wieso bitte behaupte ich dann – siehe oben in der Einleitung, es gäbe doch noch einen SIEBTEN Teil? Weil das eine Tatsache ist. Und nein, es ist durchaus KEIN Widerspruch. Am 2. Dezember werdet ihr das verstehen.

In der kommenden Woche entführe ich euch an dieser Stelle in die Karibik und in ein weiteres Abenteuer, das Clive Cussler verfasst hat. Da wird’s dann wieder richtig abenteuerlich, verlasst euch drauf!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 140: Der OSM im Bild, Teil 10

Posted November 8th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

und wieder sind sieben Wochen verstrichen, seit wir in dieser Unterartikelreihe voneinander gehört haben. Wir befinden uns weiterhin in der Illustrationsriege des KONFLIKTS 14, also der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC), und auch in diesem Beitrag geht es um die Illustrationen, die vor knapp 30 Jah­ren – man mag es wirklich kaum glauben – mein heutiger Coverlayouter Lars Vollbrecht geschaffen hat.

Ich war damals bis Band 21 der Serie gekommen, also bis „Dämonische Pläne“. Mit dem Folgecover für Band 22 „Chaos auf Senaax“, auch dies eng an meine eigene illustrative Vorlage angelehnt, die Lars damals als Kopie vorgelegen ha­ben muss, wechselte er dramatisch den Stil.

Herrschten bisher zumeist breite Striche, starke und differenzierte Schraffuren vor, so ist das Cover von Band 22 nahezu völlig weiß, und allein die Umrisse der Objekte sind skizzenhaft angedeutet. Kurz zur Erläuterung ein wenig über den Inhalt der Episode, damit die Beschreibung verständlich wird:

Die Serienepisode blendet von TOTAM um ins Reich der halbaquatischen Soog­rer im Zentrum der Galaxis Hun’arc. Wie erinnerlich hatte sich der Helfer des Lichts Klivies Kleines mit der Lichtfestung OREOC aufgemacht, dort die Macht von TOTAMS Dämonenwaffe Rookax zu schwächen, indem er die Dienervölker des Rookax von der Macht der kristallenen Dämonenwaffe befreite. Auf diese Weise war schon jede Menge Chaos angerichtet worden.

Kleines geriet im Strudel dieser Ereignisse über einen physischen Verschmel­zungstransfer mit der Dämonenwaffe vom untergehenden Planeten Düsterwelt zur Aquawelt Senaax, dem Zentrum der soogrerischen Zivilisation (vgl. dazu Bd. 18 der Serie). Hier gelang es ihm, seinen physischen Leib aus einer Kristallstele zu befreien, doch die Kuppelstation, in der sich Kleines nun befand, lag unter Wasser. Und, um die Lage noch schlimmer zu machen, hatte die Lichtfestung OREOC beschlossen, die Rookax-Stelen zu zerstören, um Rookax´ Macht ein für allemal zu brechen.

Parallel dazu hatte TOTAM einen Dämon ausgesandt, um Rookax ebenfalls zu eliminieren, dessen Brauchbarkeit nun nach Materialisierung der Welt des Bö­sen erschöpft war.

In Band 22 erreicht der Dämon Ormun Senaax, annähernd zeitgleich mit OREOCS primärenergetisch aufgeladenen Lichtrobotern. Es kommt nun zu ei­nem verheerenden Zusammentreffen, bei dem Ormun nahezu zerstört wird, die Rookax-Stele, aus der sich Kleines befreien konnte, ebenfalls. Und ebenfalls zur gleichen Zeit landet ein soogrerisches Kleinschiff, das Kleines´ Freunde an Bord hat, auf Senaax. So gelingt Kleines schließlich die Flucht von der Aquawelt.

Das Bild zeigt nun in der unteren Hälfte die Unterwasserlandschaft mit ange­deuteten Kuppelbauten, Türmen und Vegetation. Sich nach oben schlängelnde Luftblasenschwärme deuten klar den Unterwassercharakter an. Im Bildvorder­grund zerbirst gerade eine der Kuppeln – unzweideutig jene, in der sich Kleines aufgehalten hat – , und eine Art aufwärts strebender Komet steigt daraus em­por. Damit wollte Lars wohl die nach TOTAM heimkehrende Seele des Dämons Ormun charakterisieren, anders lässt sich die angedeutete Richtung des Objekts nicht erklären. Weiter im Hintergrund und entsprechend kleiner dargestellt, sieht man ein landendes Tropfenschiff der Soogrer, in dem Kleines´ Gefährten erscheinen.

So gewöhnungsbedürftig auch zunächst dieser Zeichenstil ist, den Lars unten rechts mit „LaVo’88“ signierte, so originell und interessant wirkt er doch aus der zeitlichen Distanz auf den Betrachter. Zu schade, dass das Bild nie in den Einsatz kam.

Band 23 „DIE STELE DER EWIGKEIT“ führt uns als Leser wieder zu anderen Ufern, nämlich zum Rand der Galaxis Hun’arc, wo eine Cranyaa-Patrouille, die in der Nähe einer Raumstation des Volkes der Tekras aktiv ist, auf ein rätselhaftes Raumobjekt aufmerksam wird, auf einen mehr als 100 Kilometer langen, offen­sichtlich aus weißem Kristall bestehenden Monolithen, der sich wie ein Raum­schiff verhält.

Als die Tekras die Cranyaa auf dieses Objekt aufmerksam machen, ist es bereits dabei, seltsame Strahlen auszusenden, die dazu führen, dass die getroffenen Objekte in der näheren Umgebung kristallisieren. Heutzutage ist mir dieser Ef­fekt klar, der damals mehrheitlich dramaturgisch beschrieben wurde. Es handelt sich um eine Transmutation derselben Art, wie sie auch in der umgekehrten Form bei TOTAM-Einfluss auf organische Materie wirksam wird. Während aber dort die Substanz durch TASSYJAAR-Ballungen ausgetauscht und somit in TOTAM-Materie transmutiert wird, ist es hier so, dass die STELE DER EWIGKEIT – der genannte kristallene Monolith – durch starke Primärenergieaufladung eine Mutation in Goldkristall herbeiführt. Das tötet zugleich alle Lebensformen wirkungsvoll ab.

In diesem Fall ist die Entladungsform eine Art von Unfall, und Lars verstand es gut, diesen Kristallisationseffekt darzustellen. Sowohl die von links unten wie ein gereckter Finger ins Bild ragende STELE als auch die kristallisierten Asteroi­den im Umfeld sind wie große Juwelen geformt und von funkelnden Auren um­geben. Weitere Asteroiden ringsum sind mit der gewohnten Schraffurtechnik stärker und dunkler konturiert. Der Raum zwischen diesen Objekten wurde von Lars weiß belassen, während am Rand starke, zunehmende Schwärze residiert, was den Gesamteindruck deutlich verstärkt. Von oben links fliegt ein seltsames Gefährt an, das wohl Teil eines Cranyaa-Raumschiffs sein soll und eine gewisse Ähnlichkeit mit dem wracken Cranyaa-Schiff auf dem Titelbild von FdC 11 „Tod auf Vo’hoccl“ hat.

Meine einzige Kritik an dem Titelbild hat mit der Gestalt der STELE zu tun. Zum einen ist ihre Gesamtgröße natürlich nicht vermittelbar und wirkt hier insge­samt viel zu klein. Ein Gebilde, das mehr als 100 Kilometer lang ist, müsste deutlich größer dimensioniert sein. Auch kommt der Stelen-Charakter durchaus nicht zum Vorschein. Man muss sich die STELE eher wie eine Art Grabplatte vor­stellen, nur schmaler und länger dimensioniert (und natürlich sehr viel größer).

Als letztes nehmen wir uns heute noch Lars´ Titelbild für FdC 24 „Rookax´ Kriegsflotte“ vor. Der Handlungshintergrund ist schnell berichtet:

Während OREOC und seine Lichtroboter im Reich der Dämonenwaffe wüten, nutzt Rookax diesen Angriff seinerseits für einen Vernichtungsschlag. Er zieht Tausende von Raumschiffen zusammen und lenkt sie direkt in Richtung auf die Cranyaa-Zentralwelt Wislyon.

Direkt über der Atmosphäre von Wislyon trifft Rookax mitsamt Flotte mit einer anderen Raumschiffstreitmacht zusammen, die aus Troohn-Schiffen des so ge­nannten „Schwarzen Heeres“ besteht. TOTAM hat zwischenzeitlich entschieden, dass Wislyon noch nicht der Vernichtung anheimfallen soll, und die Flotte ist dazu da, Rookax abzufangen und zu neutralisieren, was in dieser Episode geschieht.

Die Illustration zeigt oben links den Planeten Wislyon, während der restliche Raum nahezu durchgängig schwarz ist, mit eingestreuten, eindeutig zu großen umgebenden Sonnen. Von rechts oben fliegen drei Kastenschiffe der Troohns an, die Lars sehr genau nach meinen grafischen Vorgaben gestaltete, während von unten links ein Schwarm von Tropfenschiffen der Soogrer anfliegt, auf ziem­lich eindeutigem Konfrontationskurs.

Die Schiffe der Soogrer sind dabei allerdings von einem hellen Feld umhüllt, das zum umgebenden Weltraum eine stärker werdende Front aufbaut, und das ent­spricht durchaus der Episodendarstellung, wo TOTAM Rookax´ Flotte durch ein dimensionales Feld einsperrt und so mattsetzt.

Was bei diesem Bild dann leider nicht so gut gelungen ist, ist die dimensionale Wiedergabe der Größenverhältnisse. Die Soogrer-Schiffe sind üblicherweise mehrere hundert Meter lange Giganten, während die kleinen Kastenschiffe der Troohns tatsächlich sehr klein sind, so dass man deren Kampfstärke sehr leicht fatal unterschätzt (deutlich merkt man das in KONFLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM)), wo ich einen solch ungleichen Kampf einmal vor Jahren dar­gestellt habe, der auf völlig desaströse Weise endet. Auf dem Cover von FdC 24 sehen beide Schiffstypen annähernd gleich groß aus.

Soviel erst einmal für die Titelbildschau für dieses Mal. In ein paar Wochen folgt die Fortsetzung. In der nächsten Woche entführe ich euch in der Rubrik „Log­buch des Autors“ in das Jahr 2113 auf den Planeten Erde des KONFLIKTS 13. Ich denke, das dürfte für euch eine durchweg packende Lektüre werden. Also nicht versäumen…!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des Oki Stanwer Mythos,

das war schon ein wenig erschreckend, mitzuerleben, wie die armen fünf auf der verwilderten Welt Nylviidin gestrandeten Yantihni unvermittelt wie Tiere eingefangen worden sind – just von jenen Wesen, die sie eigentlich für ausge­storben hielten.

Zu dumm aber auch, dass unsere Freunde nun vor einem ganz besonderen Pro­blem stehen: wie erklärt man Wesen, die fest davon überzeugt sind, exotische Zootiere eingefangen zu haben, dass man selbst in Wahrheit Angehöriger einer intelligenten Spezies ist? Schlimmer noch: als die Yantihni in den Experimental­kammern der BHAYLIID erwachen, ist ihnen bewusst, dass die arachniden Zhonc sie akustisch wohl kaum werden verstehen können – völlig andere Lautfrequen­zen, nicht wahr?

Ja, und dann versteht die Soziologin Yasaari auf einmal dennoch die Gespräche der Experimentatoren.

Gruselige Enthüllungen deuten sich an…

Seid dabei, Freunde, wenn die Yantihni darum ringen, einen höchst komplizier­ten Erstkontakt herzustellen, von dem alles abhängt – nicht zuletzt ihr Leben.

Alles Weitere erfahrt ihr im neuen E-Book TI 22 „Welt der Wunder“, mit dem die Erlebnisse der Hushhin-Forscher auf Nylviidin fortgesetzt werden.

Das aktuelle E-Book „Welt der Wunder“ ist ab heute zum Preis von 1,49 Euro auf Amazon-KDP erhältlich.

Der einmalige Gratisdownload ist am 16. November 2015 möglich.

Ich wünsche euch eine angenehme Lektüre.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 32: Wer war Jack the Ripper?

Posted November 4th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ja, das ist eine gute Frage, nicht wahr? Eine, die bis heute wahlweise kontrovers diskutiert wird oder als Paradoxie einfach im Raum steht. Doch wenn man sich vergegenwärtigt, wie oft gerade kreative Geister wie Schriftsteller sich an dem Phänomen dieses Serienkillers gerieben haben und bis heute reiben – seien es Phantasten, seien es Krimiautoren, seien es Journalisten, Historiker oder sonst irgendwelche Verfasser, die Geschichten fürs Fernsehen bzw. für den Film adap­tierten – , es ist in jeder Hinsicht eine historische Person, die die Menschen mit reger Phantasie nicht in Ruhe lässt.

Die Fakten sprechen aber durchaus auch Verschwörungstheorien oder überna­türliche Ursprünge an: ein gesichtsloser Killer, der ein einziges erklärtes Mord­ziel hat – englische Prostituierte der Unterschicht im Londoner East End – , ein Monster, das wie ein Phantom aus dem Nichts erscheint und ebenso ungeklärt dorthin wieder verschwindet, nachdem es eine Blutspur ohnegleichen hinter­lassen und die Polizeibehörden verhöhnt hat…

Unklare Faktenlage, brausendes Gerüchtechaos in den Zeitungen und den Stra­ßen von London. Inkompetenz bei den Ermittlungsbehörden. Und der Fall wird nie geklärt… so scheint es. Doch Patricia Cornwell war da anderer Ansicht, und sie nahm in den Titel ihres akribisch recherchierten Sachbuches den Passus „Case Closed“, d. h. „Fall abgeschlossen“ auf.

Hat sie also den Stein der Weisen gefunden, den gesichtslosen Mörder entlarvt, über ein Jahrhundert nach der Mordserie? Lassen wir uns auf das Abenteuer ein, das sie uns, in dieser Funktion ganz Kriminalschriftstellerin, präsentiert. Zu­nächst gilt es, wie in jedem guten Krimi, das Umfeld zu skizzieren, den Schau­platz darzustellen. Die handelnden Personen zu charakterisieren, so gut es eben möglich ist. Und dann geht es um das Verbrechen selbst.

Um ein Monster. Vielleicht.

Wahrscheinlicher aber… um einen Menschen aus Fleisch und Blut mit zutiefst blutigen Begierden…

Wer war Jack the Ripper?

(OT: Portrait of a Killer. Jack the Ripper. Case Closed)

von Patricia Cornwell

Hoffmann und Campe, 2002

460 Seiten, geb.

Aus dem Amerikanischen von Hainer Kober

ISBN 3-455-09365-5

Er ist auch heute noch ein Phantom, rund 120 Jahre, nachdem er seine Morde im Londoner East End begangen hat – Jack the Ripper. Eine Person, die so un­fassbar ist, dass moderne Lexika ihn oftmals nicht einmal im Stichwortregister aufnehmen.1 Die Briten sind da – glücklicherweise – entschieden ehrlicher und gründlicher. Sie rubrizieren Jack the Ripper durchaus in Nachschlagewerken, wo dann etwa folgendes steht:

Jack the Ripper. 19th century. Unidentified murderer. Between August and No­vember 1888, six prostitutes were found murdered and mutilated in the East End of London. The murderer was never discovered. The affair roused much pu­blic alarm, provoking a violent press campaign against the CID and the Home Secretary, and resulting in some reform of police methods. He has been the sub­ject of many novels and films, and speculations about his identity continous.“2

Doch stimmt das tatsächlich? Kann ein Mann, der sechs (vermutlich sieben) Frauen3 kurz nacheinander auf teilweise bestialische Weise hingeschlachtet hat, so völlig unerkannt bleiben, besonders dann, wenn man ihm so intensiv auf den Spuren war wie die Londoner Polizei unter Inspektor Frederick George Abberli­ne im Jahre 1888? Solche Fragen induzieren natürlich fast automatisch Ver­schwörungstheorien. Sie fußen jedoch meist, das sollte man sich vorab klarma­chen, auf falschen Vorstellungen. Vorstellungen, mit denen die Autorin des vor­liegenden Buches gründlich aufräumt.

Patricia Cornwell, einstmals Polizeireporterin und forensische Anthropologin so­wie – heute – Bestsellerautorin („Kay Scarpetta“-Romane), hat sich des Falles erneut angenommen und dabei gründliche Einblicke nehmen können in jene geheimnisvollen Akten und Materialien über Jack the Ripper, die bei Scotland Yard seit über hundert Jahren unter Verschluss lagen. Herausgekommen ist auf diese Weise eine ungemein dichte Darstellung der Zeit, Welt und Gedanken­sphäre des viktorianischen England und der Mentalität Jack the Rippers, wie es vielleicht kein Buch zuvor geschafft hat. Das liegt insbesondere an ihrer Profes­sion und Kenntnis der Materie – der kriminalistischen Ermittlung nach mod­ernsten Methoden.

Natürlich hat sie einen Verdächtigen. Sie nennt ihn den Täter und bemüht sich, ihn zu überführen. Doch bevor wir zu ihm kommen, sollten wir in die Welt des London des Jahres 1888 eintauchen und uns mit ihr vertraut machen, sodann die armen Opfer und den Ablauf der Verbrechen betrachten, um schließlich Pa­tricia Cornwell auf ihrer Verbrecherjagd zu folgen…

Der Himmel (über London) war trüb und fleckig, die Straßen waren mit Ruß bedeckt, die Sandsteingebäude und Eisenkonstruktionen angefressen. Der ver­schmutzte und dicke Nebel (gespeist von rund 360.000 Schornsteinen, die zu rund 40.000 Haushalten gehörten) hielt sich länger und wurde dichter, und der schmutzige Dampf hatte eine andere Farbe als früher. Kanäle, die seit römi­schen Zeiten bestanden, wurden so dreckig, dass man sie zuschüttete. In einem Gesundheitsbericht aus dem Jahre 1889 hieß es, wenn London die Verschmut­zung im bisherigen Tempo fortsetze, sei man bald gezwungen, die Themse zuzu­schütten, weil sie jedes Mal, wenn die Flut käme, mit den Exkrementen von Mil­lionen Einwohnern verpestet wurde. Man tat gut daran, dunkle Kleidung zu tra­gen, und an manchen Tagen war die schweflige, rauchige Luft so aggressiv und der Gestank der ungeklärten Abwässer so unerträglich, dass die Londoner mit brennenden Augen und Lungen umhergingen und sich Taschentücher vors Ge­sicht hielten.“4

Nicht eben anheimelnde Lebensbedingungen, das wird jeder zugeben müssen. Doch dies war natürlich nur die Spitze des Eisbergs:

Nach dem Bericht der Heilsarmee gab es unter den rund 5,6 Millionen Einwoh­nern der Großen Metropole 30.000 Prostituierte und 32.000 Männer, Frauen und Jugendliche, die in Gefängnissen einsaßen. Ein Jahr zuvor, 1889, waren 160.000 Personen wegen Trunkenheit verurteilt worden, 2297 hatten Selbst­mord begangen, und 2157 waren tot aufgefunden worden. In der Großen Me­tropole war knapp ein Fünftel der Bevölkerung obdachlos, befand sich in Ar­beits- oder Armenhäusern, in Krankenhäusern oder lebte in äußerster Armut und war dem Verhungern nahe. Diese ‚tobende See‘ der Not, wie sie General William Booth, der Gründer der Heilsarmee nannte, brandete größtenteils im East End. Dort die betrunkenen, obdachlosen Prostituierten abzuschlachten, war für ein raffiniertes Raubtier wie Jack the Ripper ein Kinderspiel…“5

Dies macht dem Leser dieses Buches ein wenig schaudernd klarer, warum die Bedingungen der britischen Hauptstadt für den blutrünstigen, geheimnisumwit­terten Mörder so ideal waren. Aber es gilt noch einen anderen Faktor einzube­ziehen, und der liegt, wie Cornwell klar herausarbeitet, in dem Ruf, den die überaus schlechte Polizei genoss. Schweigen wir von der schwelenden Rivalität zwischen der Metropolitan Police des District of London und der des Groß­raums London (ja, zwei unterschiedliche, sich beharkende und ständig gegen­seitig im Weg stehende Polizeiorganisationen).

Die Spurensicherung im späten 19. Jahrhundert war, wie Cornwell sehr bedau­ernd ausdrückt, noch nicht allzu weit gediehen, und einen kleinen, oft sarkasti­schen Anklang daran kann man den Sherlock-Holmes-Geschichten von Arthur Conan Doyle entnehmen, der an der Londoner Polizei und ihrer Arbeit nur we­nig gute Haare lässt. Er hat gute Gründe dafür. Die Autorin spitzt die Lage dras­tisch zu und schreibt zu den königlichen Ermittlungsbeamten, den Coronern, folgendes:

Ein Coroner dieser Zeit würde heutzutage einem Rechtsmediziner ohne medizi­nische Ausbildung entsprechen, der mit einem Leichenwagen an den Tatort fährt, sich die Leiche ansieht, Zeugen verhört, abschätzt, wie groß das Vermö­gen des Toten ist, befindet, dass ein plötzlicher Todesfall infolge eines Bienen­stichs Mord durch Vergiften ist, die Unschuld der Ehefrau überprüft, indem er ihr den Kopf unter Wasser drückt, und entscheidet, dass sie unschuldig ist, wenn sie nach fünf oder zehn Minuten noch nicht ertrunken ist. Ist sie dagegen er­trunken, wird sie schuldig gesprochen, und ihr Vermögen fällt an Queen Elizabeth oder den Präsidenten der Vereinigten Staaten, je nachdem, wo das Ver­brechen geschehen ist. In dem Coroner-System jener fernen Vergangenheit konnte man die Geschworenen bestechen. Die Coroner konnten ihr Vermögen vermehren. Unschuldige konnten alles verlieren, was sie besaßen, oder gehängt werden. Es war besser, nach Möglichkeit keines plötzlichen Todes zu sterben…“6

Der Leser versteht nun, schaudernd und ungläubig blinzelnd, wohl erheblich besser, warum die Durchschnittsbürger Londons den britischen Polizeibeamten keine große Sympathie und erst recht kein Vertrauen entgegenbrachten. Neben den oben schon genannten Schwächen, mögen sie auch vielleicht überzeichnet sein, musste man immer noch Inkompetenz, Überarbeitung, Alkoholismus, Rauschgiftabhängigkeit, Vorurteile oder Parteilichkeit berücksichtigen. Von Ge­rechtigkeit gab es mithin kaum eine Spur.

Es ist wichtig, dies zu wissen, um die Person besser zu verstehen, die die Ermitt­lungen im Fall Jack the Ripper leitete: Inspector Frederick George Abberline.7 Er war im Gegensatz zu seinen vielen Kollegen ehemals tätig als Uhrhandwerker, bevor er schließlich 1863 in den Dienst der Metropolitan Police eintrat. Hier zeichnete er sich durch Umsicht, Bescheidenheit, Höflichkeit und hohe morali­sche Ansprüche aus, ebenfalls durch Zuverlässigkeit und Methodik. Im Privaten gehörte seine ganze Liebe der Gärtnerei und den Uhren. Zwar blieben seine Er­mittlungen gegenüber den East-End-Morden Jack the Rippers erfolglos, doch schreibt dies die Autorin Cornwell nicht seiner Unfähigkeit zu, sondern dem Raffinement des Feindes, mit dem er es zu tun hatte. Bis zu seinem Tode im Jahre 19298 hatte Abberline offensichtlich keine Ahnung, wer Jack the Ripper gewesen war.

Die Situation war ohnehin verfahren, als die Mordserie begann. Whitechapel galt, wie gesagt, als eine Art Slum, als unkontrollierbar, noch unkontrollierbarer als die Beamten der Metropolitan Police, die, schlecht ausgebildet und schlecht bezahlt, bestechlich und oftmals völlig überarbeitet, fast schon im Akkord Strei­tigkeiten schlichten, Betrunkene einsammeln und schlimmere Arbeiten erledi­gen mussten. Und nun auch noch dies:

Am 3. April wurde die Leiche von Emma Elizabeth Smith, 459, nahe der Osborn-Street, entdeckt. Ein Mord von vielen, mochten die Menschen damals denken. Die Zeit der Angst begann erst mit dem Mord an Martha Tabran, 35, am 7. Au­gust desselben Jahres in Spitalfields, getötet und verstümmelt durch nicht weni­ger als 39 Messerstiche.

Selbst für das finstere Whitechapel war das beispiellos. Und doch erst der Auf­takt zu Schlimmerem:

Am 31. August fiel Mary Anne Nicholls, 42, in der Buck’s Row dem Mörder zum Opfer, der ihr brutal die Kehle durchschnitt und ihren Körper verstümmelte, wo­bei er ihren Unterleib aufschlitzte und Innereien entfernte, aber offenbar wurde er bei seiner Metzgerarbeit gestört und suchte das Weite.

Nur vier Tage später starb Annie Chapman, 47 Jahre alt, in der Hanbury-Street in Spitalfields, dann legte sich wieder gefährliche Stille über den finsteren Stadt­teil Londons – zwischendurch allerdings auf boshafte Weise zerhackt durch ein Stakkato von beleidigenden Briefen, teilweise in gewählt vornehmer, manchmal slangbehafteter Schreibweise, stets gerichtet entweder an den Inspector Ab­berline oder seinen Vorgesetzten, den „dear boss“ Sir Charles Warren. Der Mör­der, der höhnisch Verstecken mit der Polizei spielte und davon faselte, sie wür­den ihn nie fassen, und er wünsche sich doch gerne „mehr Blut“ beim nächsten Mal, nannte sich „saucy Jack“ (also der „freche“ oder manchmal auch „saftige“ Jack) oder „Jack the Ripper“, mit dessen Namen er in die Annalen der Geschich­te einging.

Die Polizei verstärkte ihre Streifentätigkeit, doch sie konnte das nächste Verbre­chen nicht vereiteln, das auch seinesgleichen nicht hatte: Am 30. September 1888 ereignete sich der furchtbare Doppelmord an Elizabeth Stride in der Berner-Street, und, nur kurze Zeit darauf, an einer Frau namens Catherine Eddows am Mitre-Square, die jedoch so verstümmelt war, dass der Daily Telegraph bis zum 10. November nicht sicher war, ob sie wirklich die Person war, die auf so bestialische Weise den Tod gefunden hatte.

Der Doppelmord löste Panik in Whitechapel aus. Niemand hatte einen Mann mit blutigen Kleidern durch die Straßen laufen sehen, und das war doch eigent­lich unmöglich angesichts der Bluttat. Ein Missionar aus dem East End brachte die Stimmung auf den Punkt, indem er erklärte: „Allgemeine Panik griff um sich, und viele Menschen von leicht erregbarem Temperament erklärten, der Böse sei auf die Erde zurückgekehrt.“

Man konnte es ihnen wahrlich nicht verdenken. Hysterische Anschuldigungen machten die Runde. Einige hielten den Ripper für einen Arzt, der wahnsinnig geworden sei. Andere dachten eher an einen Metzger. Wieder andere speku­lierten, ob ein Angehöriger des Königshauses – etwa der Duke of Clarence, der eine Neigung zu leichten Frauen hatte – in die Taten involviert sein mochte, was vielleicht erklärt hätte, warum die Polizei keine Erfolge verzeichnen konnte. Das Königshaus wurde natürlich geschützt, es galt den guten Ruf zu wahren. Man­che Leute zogen ihre Schlüsse daraus, dass der Ripper offensichtlich nur „leichte Mädchen“ als Zielgruppe auswählte, und es galt als ausgemacht, dass er ein Mann von großer Statur sein müsse, der über gewisse Kenntnisse in Anatomie verfügte. Und es fiel auf, wie er von Mord zu Mord „dazulernte“ und exzessiver wurde.

Nach dem Doppelmord an Stride und Eddows fürchteten die Leute, dass es noch schlimmer kommen könnte, ohne sich freilich vorstellen zu können, wie das wohl aussehen mochte. Sie sollten sich noch den ganzen Oktober hindurch ängstigen, denn abgesehen von weiteren Ripper-Briefen geschah nichts.

Am 9. November ermordete Jack the Ripper sein (vermutlich) letztes Opfer: die junge Mary Jane Kelly (24), die zugleich die einzige Person war, die in einem ge­schlossenen Raum getötet und entsetzlich verstümmelt wurde. Unter anderem wurde ihr Gesicht vollständig zerstört, der Leib aufgeschnitten und das Herz und die Geschlechtsteile entfernt.

Danach, und das ist das eigentlich Mysteriöse, setzte vollkommenes Schweigen ein. Zumindest nach außen hin. Viele Beobachter gingen deshalb davon aus, der Ripper sei nach seiner letzten Bluttat wahnsinnig geworden und habe sich umgebracht, etwa, indem er sich in die Themse stürzte. Niemand konnte das beweisen. Schlimmer noch – wenn man Cornwell folgt, die die rund 250 erhal­tenen Ripper-Briefe im Public Record Office akribisch untersucht hat, dann ka­men bis 1896 (!) weitere Briefe an. Die Forschung hat die meisten davon für Fäl­schungen gehalten. Doch vielleicht irrte man sich.

Die Bluttaten und die Erfolglosigkeit setzten der Karriere des Chefs der Metro­politan Police, Sir Charles Warren, ein Ende. Am 8. November 1888 (!) musste er seinen Hut nehmen.10 Weitere Morde ereignen sich aber nicht. Whitechapel beruhigt sich wieder, Jack the Ripper verdämmert im Laufe der Jahrzehnte zu einer düsteren, unerklärlichen Legende, die immer wieder die Phantasie von Autoren befeuerte. Doch da die Archive von Scotland Yard geschlossen blieben, ist erst Ende des 20. Jahrhunderts die Chance da, die akribische Spurensuche zu betreiben. Manche Forscher folgten dabei falschen Fährten und verkündeten beispielsweise voreilig die Entdeckung eines „Tagebuchs von Jack the Ripper“, das heute leider als – wenn auch sehr intelligente – Fälschung entlarvt ist.11

Als Patricia Cornwell im Mai 2000 zu Besuch in London war, konnte sie in Beglei­tung des stellvertretenden Polizeipräsidenten von Scotland Yard, John Grieve, eine Begehung der Ripper-Schauplätze in Whitechapel machen und dabei die Frage stellen, ob jemals jemand mit modernen forensischen Methoden ver­sucht habe, diese Morde zu entschleiern.

Nein, lautete die ehrliche Antwort, aber wenn sie das selbst vorhabe (und sie ist bekanntlich Polizeijournalistin mit exzellenten forensischen Kenntnissen), dann gebe es jemanden, den sie als wichtigen Verdächtigen genauer ins Visier neh­men solle – einen berühmten Maler namens Walter Sickert, der schon verschie­dentlich früher in den Verdacht geriet, Jack the Ripper zu sein. Sickert-Fans hal­ten das freilich bis heute für absurd.

Cornwell begann sich in die Biografie des am 31. Mai 1860 in München gebore­nen Walter Richard Sickert einzuarbeiten, der 1942 in hohem Alter als angese­hener Maler verstarb. Und fand sehr interessante Dinge. Nicht nur ein Bildnis, das den Titel „Jack the Ripper’s Bedroom“ trägt. Nicht nur eine innige Beziehung Sickerts zum Stadtteil Whitechapel, wo er in den 80er Jahren des 19. Jahrhun­derts eine Reihe geheimer Absteigen besaß, vorgeblich, um zu malen. Sickert neigte auch zu exzessiver nächtlicher Aktivität, war manchmal tagelang ver­schwunden, ohne irgendwem mitzuteilen, warum oder wohin. Und speziell in der Zeit der Ripper-Morde und danach legte er ein Verhalten an den Tag, das dem eines Gejagten verblüffend nahe kam.

Cornwell untersuchte den Nachlass des Malers, soweit das möglich war, und sie stieß auf weitere interessante Details – auf ähnliche Schriftzüge wie in den Rip­per-Briefen, auf identisches Briefpapier und dergleichen. Und so festigte sich ihre Überzeugung: Walter Sickert war Jack the Ripper. Und er hörte NICHT 1888 mit dem Morden auf, sondern fuhr damit fort, wenigstens bis 1907…

Selbst wenn man manchen Schlussfolgerungen der Autorin nicht zu folgen be­reit sein sollte – etwa hinsichtlich so genannter „Trittbrettfahrer“ bei den Ripper-Briefen und vielleicht sogar bei den Ripper-Morden oder gewissen sexuellen Problemen, die Walter Sickert gehabt haben soll/könnte – , bleibt vollkommen unbestritten, dass Cornwell sich tief in das vorhandene Material eingearbeitet hat und mit modernsten wissenschaftlich-kriminalistischen Methoden ihr Bes­tes getan hat, um einen der rätselhaftesten Kriminalfälle der jüngeren Mensch­heitsgeschichte aufzuklären.

Die Studie, die daraus entstand, ist dermaßen packend und mitreißend, dass es den Leser gruseln kann, und die zusammengetragene Indizienkette ist wirklich sehr beeindruckend. Wer immer sich diesem Phänomen Jack the Ripper fortan nähern möchte, sollte auf keinen Fall hinter den Erkenntnisstand und die akribi­sche, bisweilen schon scheußlich genaue Durchleuchtung dieser Studie zurück­fallen.

Es mag sich natürlich herausstellen, dass Cornwell den „falschen“ Kandidaten durchleuchtet hat, aber die Technik, mit der sie das tut, ist in weiten Teilen völ­lig unbestreitbar und unglaublich perfektioniert. Sie hat das Buch ihrem Kolle­gen John Grieve von Scotland Yard gewidmet, der sie erst darauf brachte, Wal­ter Sickert genauer zu betrachten. Und ich stimme ihrer Widmung zu: „Sie hät­ten ihn geschnappt.“

Hätte die Metropolitan Police 1888 bereits über derartige Methoden verfügt, wäre Jack the Ripper seinem wohl verdienten Schicksal wahrscheinlich nicht entgangen. Was tatsächlich aus ihm geworden ist, bleibt jedoch – falls wir es nicht mit Sickert zu tun hatten – ein Geheimnis.

© by Uwe Lammers, 2007/2008

Ob das Geheimnis hiermit endgültig gelöst ist, möchte ich, wie oben schon an­gedeutet, nicht beschwören. Aber ein solch packendes, sehr gut geschriebenes und ebenso exzellent recherchiertes Buch inspiriert, da bin ich ganz sicher, die intelligenten Leser und vielleicht auch Leser mit literarischen Fertigkeiten da­hingehend, daraus Anleihen für eigene Geschichten zu entnehmen. Und für den Rest der Leserschaft, nicht nur für passionierte Cornwall-Fans, ist die Lektüre selbst schon mitreißend genug und gute Unterhaltung.

Nächste Woche kehren wir hingegen in die Zukunft zurück, in Peter F. Hamiltons „Armageddon“-Universum, und dann werdet ihr mitbekommen, wie er das Dra­ma mit den monströsen „Besessenen“ löst. Wenn ihr den Zyklus noch nicht kennt – lasst euch überraschen.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. beispielhaft DIE ZEIT Welt- und Kulturgeschichte, Bd. 20, 2006.

2 Vgl. Una McGovern (Hg.): Chambers Biographical Dictionary, Edinburgh 2005, S. 786.

3 Ob die am 3. April 1888 in Whitechapel ermordete Emma Elizabeth Smith als Opfer des Rippers anzusehen ist, ist bis heute umstritten. Wie die Autorin herausstellt, ist sie davon überzeugt, dass es noch weitaus mehr Ripper-Opfer gegeben hat. Einige vermeintliche macht sie namhaft.

4 Vgl. Cornwell, S. 89.

5 Vgl. Cornwell, S. 90.

6 Vgl. Cornwell, S. 162.

7 In einem Fernsehzweiteiler vor vielen Jahren genial mit dem charismatischen Schauspieler Michael Caine besetzt, der geradezu gespenstisch gut war.

8 Und es ist schon wirklich bedauerlich, wenn man feststellen muss, dass trotz des Vorliegens dieses beein­druckenden, faktenreichen Buches zumindest ein deutscher Schriftsteller der jüngeren Zeit vom Leben Ab­berlines so wenig weiß, dass er ihn über 30 Jahre zu früh sterben lässt. Christoph Marzi rekurriert in seinem Buch „Lycidas“ ebenfalls auf die Jack-the-Ripper-Morde und schreibt hier zum Jahre 1888: „Maurice Mickle­white wirkte erschöpft: ‚Abberline starb in meinen Armen.‘“ (Seite 378) Was natürlich absoluter Unfug ist. Jeder, der Cornwells Buch gelesen hat, kann über derartige Ignoranz nur den Kopf schütteln. Dramaturgie sollte an der Realität ihre Begrenzung finden.

9 Die Altersangaben und Ortsnennungen stammen, soweit nicht durch Lektüre korrigiert, dem Abdruck der Übersichtskarte der Ripper-Morde aus dem Daily Telegraph vom Samstag, den 10.November 1888, abge­druckt in: Cornwell.

10 Man beachte: einen Tag vor dem letzten bestialischen Ripper-Mord. Vielleicht bin ich nicht der einzige, der hier einen makabren Zusammenhang ahnt. Patricia Cornwell, auf einen anderen Täter festgelegt, folgt die­sem Gedanken leider nicht. Es könnte sehr interessant sein, Warrens Alibis zu prüfen.

11 Vgl. Shirley Harrison: „Das Tagebuch von Jack the Ripper“, Bastei 13980, Bergisch-Gladbach 1998, im Origi­nal 1993. Hier konnten die Aufzeichnungen des Public Record Office noch nicht verwendet werden. Die Ak­ten im Fall Jack the Ripper wurden 1891 geschlossen.

Liebe Freunde des OSM,

schon wieder sieben Wochen verstrichen… also wirklich, die Zeit rennt unglaub­lich, man fasst es kaum. Während ich diese Zeilen schreibe, glüht die August­sonne über Braunschweig, ihr werdet dies alles allerdings erst Anfang Novem­ber zu Gesicht bekommen. Bei regelmäßigen Blogs ist es einfach zwingend von­nöten, gründlich voranzuschreiben, um in Zeiten, in denen man durch dringen­dere Schreibarbeiten oder andere Vorkommnisse abgelenkt ist und nicht zum Abfassen kommt, einen gewissen Puffer zu besitzen.

Gut, dass das bislang alles noch so klappt.

Kommen wir zum Thema zurück: Ich war mit meiner historischen Erörterung über die Genese des OSM stehengeblieben im Juni des Jahres 2006 und hatte kurz davon gesprochen, dass ich im Rahmen der Schreibarbeiten des KONFLIKTS 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ (DSj) das rätselhafte Wesen namens „Mega­taktherz“ (so auch der Titel von Band 45 der Serie) kennen gelernt hatte. Ich füge noch ergänzend an, dass es sich dabei um einen leibhaftigen TUURINGER handelt, von denen verschiedentlich in meinen Blogartikeln schon die Rede war.

Im Juli 2006 blieb ich der Serie treu und schrieb mit Band 46, „Altains Mission“, den ersten Band eines Zweiteilers, den ich heute immer noch sehr gern mag… ja, das hat natürlich mit dem Mädchen zu tun, das darin einen wunderschönen Auftritt hat – eine junge Hexe namens Rebecca McCall, befreundet mit einer Gruppe von leibhaftigen Nixen in einem schottischen Loch, also einem dortigen See. Und die sind verärgert über einen Hubschrauber, der in ihrem See versenkt wurde.

Gruseliger ist dann schon, als Rebecca dem Helfer des Lichts Altain und seinen Gefährten von der LEGION CRUX sagt: „…ich habe ihnen gesagt, sie sollen sich nicht so sehr grämen, in einigen Wochen ist das sowieso alles unwichtig, aber sie wollten nichts davon hören…“

Dummerweise fragt Altains Begleiter Victor Reelborne dann nach, wie sie das meint, und er erhält eine Antwort, die ihm fast die Schuhe auszieht und die er zweifellos nie erwartet hätte: „Ach, das kannst du noch gar nicht wissen, stimmt ja. Ich denke immer, alle wüssten Bescheid. Aber die meisten haben na­türlich Angst deswegen… Es geht um den 4. Oktober. Den solltest du dir merken, denn es ist der Tag, an dem die Welt untergeht. Alles wird dann dahinschwin­den, dahinwelken wie die Blumen im Herbst.“

Und etwas abwesend ergänzt sie, aber weiterhin völlig ruhig: „Die Geisterfinger streichen dann über die Erde und entlauben die Wälder, schicken die Fische in den ewigen Schlaf… einfach alles. Und sie werden die Kristallnadeln und den weißen Jenseitsschaum bringen, der ihre Stelle einnimmt.

Alles hat einmal ein Ende, das ist doch klar, oder? Und unseres kommt eben am 4. Oktober…“

Die zwei Probleme mit dieser Prophezeiung sind folgende: Rebecca McCall irrt sich nie in ihren Prognosen. Und man schreibt außerdem aktuell, während all dies geschieht, den 21. September 1999!

Rebecca McCall sieht den RAND kommen, jenes grässliche Phänomen, das den KONFLIKT 28 in zwei disparate Hälften zersägt und nahezu alles auslöschen wird, was existiert.

Ich konnte den Folgeband in diesem Monat noch nicht schreiben, es schnürte mir schier die Kehle zu, wie ihr euch denken könnt.

Ich war stattdessen so neben der Spur, dass ich außer Rezensionen und man­cherlei Weiterarbeiten an anderen Projekten nichts im OSM in diesem Monat mehr auf die Reihe bekam… andererseits kam ich aus diesem KONFLIKT aber auch nicht los. Ich fühlte mich ein wenig wie eine verzweifelte Fliege an einem klebrigen Band, das von der Decke hängt. Grässliche Lage, und ich kam nicht raus.

Also kopfüber hinein!

So entstand dann der Band 47 der DSj-Serie: „Das Friedhofs-Inferno“, in dem es um die chaotische Konklusion dieses Handlungsstranges ging. Band 46 hatte schon ungewöhnliche 49 Seiten Umfang gehabt, der erwähnte Band 47 kam dann auf satte 79! Er wollte einfach nicht aufhören… und es gab so vieles zu er­zählen.

Was zum Beispiel?

Ach, das Schicksal des Bascia-Clans, das Geheimnis des Schädelfriedhofs von Oban, Klivies Kleines´ Rückkehr als MASKE, das Auftauchen der Autolyse-Enzy­me TOTAMS und vieles mehr. Mord und Totschlag, und nur die Hälfte von alle­dem vermochte ich zu verstehen. Zu sehen vermochte ich alles, aber wie ich schon verschiedentlich sagte – es sehen und niederschreiben zu können, heißt absolut nicht, dass ich auch tatsächlich BEGREIFE, was ich da tue. Das Verstehen kommt manchmal erst Jahre später.

Als ich am 19. August 2006 endlich mit dieser Episode fertig war, war ich wahr­scheinlich in Schweiß gebadet. Eine schwere Story-Geburt, fürwahr. Ein Alp­traum, aber ich wusste auch, dass ich nun ein ganz entscheidendes Stück weiter war. Und vor dem nächsten Schrecken stand: vor der MATRIXPEST und dem RAND.

Ich bekam keine Zeit zur Besinnung, denn ein Einbruch aus der Realität schleu­derte mich in eine ganz andere Ecke der Wirklichkeit: der Science Fiction-Club Baden-Württemberg war in die Krise geraten. Unsere Chefredakteurin ließ uns bedauerlicherweise im Stich, und ich wurde gefragt, ob ich hier nicht interims­mäßig die Chefredaktion unseres Clubmagazins „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) übernehmen würde.

Im August 2006 sollte die Ausgabe 275 erscheinen, und ich entschied mich da­für, dies zu einer besonders gelungenen Ausgabe zu machen. Das gelang auch deshalb, weil ich kurz zuvor L. Frank Baums phantastischen Klassiker „The Wi­zard of Oz“ gelesen hatte, der mir in einer schön illustrierten Ausgabe vorlag. Und ich machte prompt dieses Buch zum zentralen, auch grafischen, Thema dieser BWA-Ausgabe, die so einen tollen redaktionellen Neustart darstellte.

Ich dachte freilich in diesem Moment noch, dies sei nur so eine Art Übergangs­lösung. Clubvorstandsneuwahlen standen im Frühjahr 2007 an, dann würden sich die Dinge wahrscheinlich ändern und ich den Posten wieder abgeben kön­nen.

Tja, die Dinge haben sich aber anders entwickelt. Ich mache offensichtlich einen so guten Job, dass ich seit August 2006, also seit bald 10 Jahren, als Chefredak­teur wiedergewählt werde… aber ich gestehe auch: die Redaktion macht mir einen Heidenspaß. Es ist also nicht so, dass ich hier eine Art von Frondienst er­füllen müsste.

Gleichwohl, um zum Jahr 2006 zurückzukehren, band diese Redaktion Zeit und Energie. Und da ich vom 1. August an einen ersten Vollzeitjob an dem Landes­kirchlichen Archiv in Wolfenbüttel im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaß­nahme hatte, wurde meine freie Zeit weiter geschrumpft. Im August kam ich auf kein weiteres OSM-Werk mehr. In gewisser Weise konnte ich mich so von dem Stress mit KONFLIKT 28 etwas erholen und völlig in andere Welten abdrif­ten.

Anfang September gingen die Abschreibarbeiten an KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“ weiter, wo ich mit Band 15 aber immer noch ganz am Anfang stand. Ich schrieb am „OSM-Newsletter #2“, an „Der Feuerhort“ (einem Roman um den Feuerspürer Shorex’uss), an „Schluchtenkenners Entdeckung“ und an „Un­ternehmen STURMHERZ“, hinzu kamen mit „Theamins Wissbegierde“ (Band 2 der HdH-Serie, also KONFLIKT 7), „ZYNEEGHAR-Psychose“ in KONFLIKT 4 und dem Anfang der Story „Ein zukunftsweisendes Verbrechen“ weitere Geschich­tenkeime, die aber nicht zur vollen Entwicklung gelangten. Jedenfalls nicht in diesem Monat.

Anfang Oktober gelang mir aber der Durchbruch in einem weiteren Katastro­phenkosmos, nämlich dem KONFLIKT 21 „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“ (FvL). Ich konnte endlich Band 35 „Syndrom: Heimweh“ vollenden und mar­schierte gleich weiter in den kommenden Band 36 „Angriffsziel Mesaron“, wo sich TOTAMS Dämonen dann wirklich anschickten, in Leucienne einen kosmi­schen Krieg vom Zaun zu brechen.

Aber sehr weit voran kam ich in Anbetracht meiner kargen Zeit nicht. Es ent­stand wieder ein weiterer Keim, nämlich „Rätsel von Arc“, wobei ich mir bis heute nicht völlig schlüssig darüber bin, ob es sich dabei letztlich um einen Ro­man oder einen Serienkeim handeln mag.

Ein wenig kam ich auch vorwärts in der Schreibarbeit des Romans „DER CLOG­GATH-KONFLIKT“, aber wirklich nur minimal. Und um die Schleuderpartie voll­ständig zu machen, rutschte ich auch noch kurze Zeit in KONFLIKT 19 des OSM ab, also in die Serie „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM), wo ich an Band 48 feil­te, an „Kybernetische Vernichtungspläne“.

Noch so ein Alptraum: Klivies Kleines gefangen in einer Fangkugel der Baumeis­ter, einer gigantischen Hohlwelt, an seiner Seite terranische Siedler von Daw­son, renitente Berinnyer, bizarre Froschwesen aus dem Volk der Casaier, und auf der Gegenseite: ein durchgedrehter Troohn in voller Kampfrüstung und ein Ritter vom Goldkristall – eigentlich ein Verbündeter – , der Klivies Kleines für einen Abtrünnigen hält und dringend liquidieren will. Und im Hintergrund eine kybernetische, intrigante Wesenheit, die munter alle Fäden so dirigiert, dass alle genannten Personen sich gegenseitig umbringen sollen.

Klasse!

Kommen sie alle um? Nein. Aber Ende Oktober 2006 war mir durchaus unklar, wie aus diesem Schlamassel jemals etwas Gescheites werden sollte. Die Lösung dieser Geschehnisse sollte mich noch bis zum November 2008 in Atem halten… manche Dinge im OSM, besonders die komplizierten, brauchen eben deutlich mehr Zeit, als man zunächst denkt…

Im November 2006 wurden die Dinge dann deutlich einfacher, aus zwei schö­nen, völlig unterschiedlichen Gründen: erstens hatte ich mich endlich gründlich in die Archivarbeit eingefuchst und kam mit deutlich weniger Aufwand an Zeit klar… und zum anderen konnte ich endlich den nächsten Zyklus von Peter F. Ha­milton lesen, den „Commonwealth-Zyklus“, dessen erste drei Bände ich auch prompt gleich rezensierte (Band 4 erschien erst im Frühjahr 2007, und ich las dann den Zyklus gleich noch einmal ganz von neuem)… das wirkte sich schön auf meine kreative Stimulation aus.

So konnte ich im November 2006 gleich FvL 36 vollenden, begann mit dem Band 45 dieser Serie, „Mission auf Höolyt“, wagte mich von neuem in die Hölle des KONFLIKTS 28, indem ich Band 48 „Das Sirianer-Problem“ zu schreiben be­gann. Auch in KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ konnte ich mit Band 9 „Gefangen im Vierersystem“ eine rätselhafte Lücke teilweise füllen. Und ich schrieb spontan ein Stück am KONFLIKT 28 weiter, indem ich in den Band 56 sprang und „Die Mauern der Offenbarung“ zu beschreiben begann, von denen ich euch heute aber noch nichts weiter sagen möchte.

Gegen Ende des Monats gelang es mir sogar, endlich wieder in den Handlungs­strom des KONFLIKTS 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) zurückzukeh­ren und mit Band 41 anzufangen, der den interessanten Titel „Entdeckungen im Purpursaum“ trägt.

Wie das Jahr 2006 dann im Dezember endete und was im darauf folgenden Jahr 2007 geschah – meine ABM im Landeskirchlichen Archiv endete mit dem De­zember 2006, danach war ich einmal mehr ohne Beschäftigung – , davon erzäh­le ich euch in dem nächsten Teil dieser Rubrik. Da müsst ihr euch also noch ein Weilchen gedulden.

In der kommenden Woche reisen wir wieder zur virtuellen Bildergalerie des Oki Stanwer Mythos, d. h. zu Lars Vollbrechts Illustrationen des KONFLIKTS 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC).

Bis dann, meine Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 31: Virtuelle Antike

Posted Oktober 28th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

da habe ich mich in der vergangenen Woche doch tatsächlich verheddert, teil­weise zumindest, indem ich behauptete, wir würden uns heute primär Alexan­der Demandt zuwenden… er kommt in dem vorliegenden Aufsatzband zwar zu Wort, aber ich verwechselte sein Werk über die „ungeschehene Geschichte“ prompt mit diesem hier.

Hier haben wir es einmal mehr mit so genannter „kontrafaktischer Geschichte“ zu tun, worum wir uns teilweise schon vor einem guten halben Jahr im zweiten Blogartikel dieser Reihe kümmerten, als sich „Die Gehäuse der Zeit“ mit dem Fo­kus auf Zeitreise beschäftigte. Auch in „Fleisch und Blut“ (Blogartikel 10 vom 3. Juni 2015) kam das schon zur Sprache, doch auch hier von Phantastenseite.

Es wurde nun Zeit, auch mal die arrivierten Historiker zu Wort kommen zu las­sen. Wer Geschichte als Schulfach gehasst hat, mag hier auf den ersten Blick fehl am Platze sein… dennoch lohnt es sich, zu verweilen und sich ein bisschen auf die Gedankengänge der Geschichtswissenschaftler einzulassen. Ihr werdet sehen, Alternativwelten, Parallelwelten, Zeitreisen und „virtuelle Antike“ liegen durchaus nicht so weit auseinander, wie der erste Anschein vermuten lässt.

Taucht ein und lasst euch überraschen:

Virtuelle Antike

von Kai Brodersen

Primus-Verlag, Darmstadt 2000

176 Seiten, TB

ISBN 3-896-78221-5

Was Geschichte ist, meinen wir Menschen zu wissen. Geschichte stellt den Rah­men von Geschehnissen dar, die wir anhand von Unterlagen über die vergange­nen Generationen einsehen, nachvollziehen und dokumentieren können. In Ge­schichte drückt sich aus, wie sich die Entwicklung der Menschheit vollzogen hat. Geschichte ist, der Name drückt es gewissermaßen aus, das, was eben geschehen ist.

Und „virtuelle Geschichte“?

Etwas Virtuelles ist ein flüchtiges Ding, etwas Ungreifbares, Mögliches, nicht Gewisses. Und dieser Begriff, angewandt auf Geschichte? Was mag das sein? Wie sieht das aus? Und – ist es nicht ein Widerspruch in sich?

Geschichte, die virtuell ist, stellt ein Spektrum an Alternativen zu dem dar, was geschehen ist. Es handelt sich um das, was ich in anderem Zusammenhang als „kontrafaktische Geschichte“ bezeichnete.1 Ungeschehene Geschichte eben, wie es einmal Alexander Demandt nannte.

In diesem Aufsatzband unternimmt der Althistoriker Kai Brodersen (Jahrgang 1958), der in Mannheim ordentlicher Professor für Alte Geschichte ist, den Ver­such, zu analysieren, inwiefern die virtuelle Geschichte fruchtbar sein kann für die Untersuchung der tiefen Vergangenheit.

Als Alte Geschichte oder Antike wird üblicherweise ein Zeitrahmen definiert, der von 500 vor Christus bis etwa 500 nach Christus reicht. Darin fallen also im we­sentlichen die Kulturen der griechischen Stadtstaaten in Griechenland selbst so­wie deren sogenannte Pflanzstädte im westlichen Mittelmeer und rings entlang der Mittelmeerküste. Ebenfalls in diesen Zeitradius fällt der Aufstieg des Römi­schen Imperiums und der Zerfall der karthagischen Seemacht, das allmähliche Versinken der Phönizier und, natürlich nicht zu vergessen, die gewaltigen Hee­reszüge Alexanders des Großen, die am Ende der klassischen Epoche Griechen­lands das Makedonenreich auf nie dagewesene Größe anschwellen ließen.

Der räumliche Rahmen reicht von den phönizischen Stützpunkten in Spanien und Britannien bis ins Industal, an die Schwarzmeerküste und ins Innere Ger­maniens sowie, im Süden, bis an den Nordrand der Sahara. Das ist jedenfalls der traditionelle Radius.

In der virtuellen Antike wird einiges anders, oder zumindest wird es angedacht: was etwa hätte passieren können, spekuliert der antike Autor Titus Livius, wenn Alexander der Große sich nicht dem Osten zugewandt, sondern stattdessen den Entschluss gefällt hätte, gegen Rom zu marschieren? Wäre die Geschichte an­ders verlaufen? Auch wenn Alexander der Große nicht im Jahre 323 vor Christus in Babylon an den Folgen einer fiebrigen Entkräftung gestorben wäre, hätte sich so einiges verändert, spekuliert Arnold Toynbee in seinem vom Herausgeber neu übersetzten und sehr lesenswerten Essay über das neue Weltreich Alexan­ders des Großen, das er bis in die – griechisch beherrschte – Gegenwart fort­spinnt. Hier verliert er freilich den Boden unter den Füßen.

Holger Sonnabend analysiert stichhaltig eine lebensbedrohliche Krise des römi­schen Kaisers Augustus (Tatsache) und was hätte geschehen können, wenn er jung gestorben wäre. Auf diese Weise erhält man faszinierende Einblicke in das Funktionieren des Machtgefüges des frühen Kaiserreichs. Heinrich Heine spot­tet ein wenig, wenn er Quinctilius Varus im Teutoburger Wald über die Germa­nen siegen lässt. Es hätte unter anderem den frühen Vormarsch der Fußboden­heizungen gebracht…

Wenn Pontius Pilatus Jesus begnadigt hätte, wäre das von Bedeutung für das Christentum gewesen? Natürlich, argumentiert Alexander Demandt und führt das in seinem Essay weiter aus. Die Historikerin Karen Piepenbrink schließt die Fallbeispiele mit einer Untersuchung über den ersten christlichen römischen Kaiser Konstantin den Großen und kommt hier zu sehr ernüchternden Erkennt­nissen.

Äußerst faszinierend ist die in den begleitenden Essays herausgearbeitete Fest­stellung, dass Althistoriker per definitionem virtuelle Historiker sind. Denn die Quellenarmut ihres Untersuchungsgegenstandes, der Mangel an Zeitzeugen und glaubwürdigen Zeugnissen macht es zwingend notwendig, zu spekulieren, zu vergleichen und Geschichtsverläufe gewissermaßen zu modellieren, für die es kaum bis keine Nachweise gibt.

Nun kommt keine Geschichtsschreibung ohne Modelle und Theorien aus, aber es ist höchst plausibel, dass diese Theorielastigkeit dann besonders stark ausge­prägt ist, wenn man wenig Fakten hat, auf die man sich stützen kann. Das ist etwa wie bei einer Hängebrücke, bei der viele Sprossen fehlen. Will man hin­über, muss man springen, man muss abschätzen, wie weit man springen kann, wie tragfähig die Konstruktion ist, man geht also Risiken ein.

Schlagend bewiesen wird diese zittrige Unterlage der Antike durch die Analyse der Biografie des griechischen Politikers Perikles, der schon früh am Beginn des Peloponnesischen Krieges Opfer der Pest wird. Der griechische Historiker Thu­kydides zeichnet seine Biografie erst nach dem Ende des Konfliktes auf und stili­siert Perikles zu einer heldenhaften, visionären Persönlichkeit. Jahrhunderte­lang stützten sich Historiker, wenn sie Perikles darstellen wollten, auf Thukydi­des´ Angaben. Wolfgang Will weist in seinem Aufsatz ausdrücklich nach, dass vieles von dem, was dieser über Perikles schreibt, in hohem Maße verzerrt und geschönt ist. Auf diese Weise wird Thukydides als einer der ersten virtuellen Historiker entlarvt, die mehr den Mythos förderten statt eine ehrliche und klare Aussage über die Vergangenheit zu treffen.

Wer immer sich also für kontrafaktische Geschichte, virtuelle Geschichte und wie immer man sie noch nennen möchte, interessiert, und wer überdies einiges darüber erfahren möchte, wie Historiker ihren Gegenstand, in diesem Fall die Antike, sehen, der ist hier gut aufgehoben. Er wird zugleich Zeuge von Disputen, Kritiken der Autoren untereinander und kann dadurch erkennen, dass beispiels­weise Alexander Demandts sehr positives Diktum der Behandlung kontrafakti­scher Geschichte von vielen Kollegen keineswegs geteilt wird.

Spannender Stoff, nicht nur für Historiker. Und eine Quelle der Anregungen für Phantasten, denen die Ideen ausgegangen sind.

© by Uwe Lammers, 2004

Wie man an dieser über zehn Jahre alten Rezension erkennt, war sie ursprüng­lich ganz darauf zugeschnitten, im Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA) des Science Fiction-Clubs Baden-Württemberg publiziert zu werden, wo sie dann auch erschien. Einige der in der obigen Fußnote erwähnten eigenen Wer­ke werden wohl in absehbarer Zeit auch hier ihren Platz finden, denke ich, dann sicherlich aber in etwas aktualisierter Form.

Die Fanzines selbst, die in einer sehr geringen Auflage erschienen sind, werden kaum mehr zugänglich sein. Obwohl eine Anfrage beim Webmaster des SFCBW sicherlich nützlich sein könnte, sitzt er doch auf einer Vielzahl älterer noch nicht verkaufter BWA-Exemplare… eine Anfrage lohnt sich da bestimmt. Über die Website www.sfcbw-online.de kommt man hier weiter.

In der kommenden Woche möchte ich euch auf einen kleinen Ausflug in die Kri­minalistik der nahen Vergangenheit mitnehmen. Die Bestsellerautorin Patricia Cornwell nahm sich vor Jahren einer prominenten Mordserie an und behaupte­te schließlich vollmundig „Case closed“ – jedenfalls, wenn die damaligen Ermitt­lungsbehörden ihre heute gängigen forensischen Methoden angewandt hätten.

Um welchen Fall es sich handelt? Lasst euch überraschen und seid nächste Wo­che wieder auf dem Posten, wenn der Rezensions-Blog 32 online geht. Bis dann, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. hierzu etwa meine philosophische Hausarbeit „Alternative Weltentwürfe in der Science Fiction“ in BWA 220 (Januar 2002) oder die Rezensionen der Bücher „Alexanders langes Leben, Stalins früher Tod“ in BWA 211 (April 2001), „Ungeschehene Geschichte“ in BWA 217 (Oktober 2001), „Der 21. Juli“ auf der Homepage des Geschichts-Vereins „Geschichte in Braunschweig“ (www.gibs.info) oder auch meine Worte zu dem Buch „Was wäre gewesen, wenn“ in BWA 254 (November 2004).

Liebe Freunde des OSM,

diese Rubrik macht, je öfter ich sie aufsuche und schreiben kann, mehr und mehr Spaß. Das liegt einfach daran, dass ich hier ebenso wie ihr klar sehen kann, wie das Gesamtwerk des Oki Stanwer Mythos sukzessive voranschreitet. Mal langsam, mal rascher, je nachdem, wie stark die sonstigen Turbulenzen meines Lebens sind und was für Impulse mich beleben oder stören.

Aktuell fühle ich mich, ungeachtet der Komplikationen, die die nach wie vor schwelende Erbschaftsangelegenheit meiner verstorbenen, seligen Mutter mit sich bringt, in großartiger Schreibstimmung. Das hat zweifellos damit zu tun, dass ich viele positive Impulse von allen möglichen Seiten erhalte. Ein paar sei­en hier kursorisch erwähnt: die phantastische Zusammenarbeit mit dem Lekto­rat von Thrillkult-Media (www.thrillkult-media.de), die jüngste Bemerkung mei­ner Autorenfreundin, ich würde rege auf ihrer Website verlinkt werden (die ist übrigens sehr besuchenswert, und da solltet ihr mal hinschauen: www.jottfuchs.de), die Tatsache, dass ich mit einem Autorenkollegen derzeit in einem tollen Projekt zusammenarbeite, über das ich (seufz) leider noch voll­kommenes Stillschweigen bewahren muss.

Dann ist da mein E-Book-Programm, wo just heute, wo ich diese Zeilen verfasse (1. August 2015), mein 30. (!) E-Book veröffentliche: „Reinkarnation und ande­re phantastische Geschichten“. Oder die Zusammenarbeit mit XinXii, wo ich ak­tuell schon sechs E-Books veröffentlicht habe. Bis ihr diesen Artikel zu sehen be­kommt, werden es vermutlich 15 sein.

Tja, und last but not least habe ich gestern allein an einem Tag unfassliche 5.605 Besucher auf meiner Website gehabt und damit mühelos für den Monat Juli die Marke von 10.000 Klicks gesprengt, was ich im Traum nicht für möglich hielt.

Also, ihr seht – tolle Stimuli für meine Kreativität. Von einem weiteren erzähle ich euch in drei Wochen, wo ich euch in die Welt des Jahres 2113 mitnehme.

Was aber, um zum Thema des heutigen Beitrags zu kommen, habe ich im Mo­nat Juli 2015 an kreativen, auf den OSM bezogenen Projekten schreiben können oder weiterschreiben können? Dies hier:

Glossar der Story „Der Platz der Steine“

(OSM-Wiki)

(Aus den Annalen der Ewigkeit 5: Jaleenas zweites Leben)

14Neu 27: Die Ruinenwelt

(E-Book 28: Hinter der Raumzeitwand)

14Neu 28: Landung auf Runix

(14Neu 29: DER TITAN)

Erläuterung: Als ich diese Episode im Jahre 1984 schrieb, hatte ich die kuriose Vorstellung, ich bräuchte ein Ausrufezeichen dahinter. Bei der Neufassung wur­de das natürlich eingespart. Sieht aber auch wirklich zu affig aus.

Blogartikel 134: Work in Progress, Part 31

(12Neu 31: Treffpunkt Calnier)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“)

(14Neu 30: TRAUMKRIEGER)

E-Book 27: Auf Götterpfaden

(Ungleiche Freunde – OSM-Story)

18Neu 69: Hinab ins Flammenlabyrinth

(18Neu 71: Weißwelt-Rebellen)

Erläuterung: Wer sich ein wenig mit den Bildern von Salvador Dalí auskennt, wird sich diese Welt besser vorstellen können, wenn ich euch irgendwann mal hierhin schicke. Momentan ist das alles ja nur die Abschrift der Episoden von 1987, und die Überarbeitung folgt dann deutlich später. Nur soviel: dies ist eine der so genannten Dämonenwelten des KONFLIKTS 18. Sie liegt im direkten Dunstkreis TOTAMS im Vorhof der Knochendimension, und diese Welt, bedeckt zu einem erheblichen Teil von grauweißen Schleimozeanen, ist der Herrschafts­ort der Dämonenwaffe Glusem.

Das Problem in dieser Handlungszeit ist nur: Glusem ist in seinem Dämonenwaf­fensarg eingeschlossen und quasi „schlafend“. Das gilt jedoch nicht für die Be­wohner seiner Welt. Und die proben den Aufstand, allen voran eine Person, de­ren Namen ihr euch merken solltet: Gordon Barring.

(Besuch in der Heimat – OSM-Story)

(E-Book 29: Welt der Wunder)

(E-Book 34: Als Tiyaani noch ein Kind war… – Phantastische Geschichten)

Erläuterung: Es ist richtig, dass es sich hierbei um eine Storysammlung (Nr. 4) handelt, die nicht originär OSM-charakteristisch ist. Ich dachte dennoch, ich er­wähne die Arbeit an diesem Werk, weil hierin die OSM-Story „Der Platz der Stei­ne“ veröffentlicht werden wird, die ich jüngst fertigstellte.

(Beas Freund – OSM-Story)

18Neu 70: Der kretische Fluch

(DM 54: Der Vernichtungskonvoi)

(DSf 54: Der Biopsi-Kontakt)

(Kämpfer gegen den Tod – OSM-Roman (Abschrift))

(BURTSONS Feuerprobe – OSM-Hintergrundtext)

Wochen-Blog 149: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (IX)

(IR 30: Der letzte Flug der STERN VON ALLKOOM)

(18Neu 72: Fürst der Weißwelt)

(DER CLOGGATH-KONFLIKT – OSM-BUCH)

Erläuterung: Was es genau mit dem letzten Eintrag auf sich hat, erzähle ich euch dann in drei Wochen detaillierter.

Wie ihr sehen könnt, bin ich in diesen Wochen ziemlich weit im OSM herumge­kommen, und das ist auch verdammt gut so. Die Arbeiten sowohl an der TI-Se­rie als auch an KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) streben unver­meidlich gewissen Höhepunkten zu. Für TI kann ich euch da schon mal den Mund ein wenig wässrig machen für das Frühjahr 2016, wo ihr die erste leibhaf­tige Begegnung mit einem Baumeister haben werdet, der für den Fortgang der Serie absolut zentral sein wird. Und wer den OSM später weiter verfolgt, wird von diesem Wesen noch einiges hören.

Und bei IR, nun, da stehen apokalyptische Tage bevor, vor denen es mich graust, denen ich aber nun beim besten Willen nicht mehr ausweichen kann… auch wenn der CK vielleicht eine gewisse Ablenkung auf Zeit darstellen mag. Wir werden sehen.

In der kommenden Woche nehme ich euch mit ins Jahr 2006 in meine kreative Vita. Eine abenteuerliche Zeit, wie ihr entdecken werdet. Ich freue mich auf eu­ren Besuch!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 30: Die Besessenen (5)

Posted Oktober 21st, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

einmal mehr kehren wir mit der unten abgedruckten Rezension in den Kosmos von Peter F. Hamiltons Armageddon-Universum zurück, in dem die monströsen „Besessenen“ ihr Unwesen treiben und sich immer weiter ausbreiten. In diesem ersten von zwei Teilen, in die der Bastei-Verlag damals bei der deutschen Veröf­fentlichung den Schlussband der Trilogie aufgespalten hat, beginnen sich nicht nur die Handlungsrätsel zu klären, sondern es treten auch zunehmend Schwä­chen in der Argumentation auf, was mir dann allmählich die Lesefreude trübte.

Ich meine, das muss ja nicht jedem so gehen, vielleicht bin ich nur ein beson­ders kritischer Leser oder auch Filmzuschauer. Aber es geht mir ein wenig auf die Nerven, wenn man gegen Ende des Lese- oder Kinovergnügens allmählich merkt, dass Autor oder Regisseur die Story nicht richtig durchdacht hatten und sie am Ende noch mit ein paar Holzlatten zu vernageln suchten, in der bangen Hoffnung, das fiele niemandem auf. So etwas ist dann weniger witzig, man fühlt sich veräppelt, und das mögt ihr sicherlich auch nicht.

Deshalb wundert euch also nicht, wenn sich in diese und in die nächste Hamil­ton-Rezension zunehmend kritische Töne einschleichen. Ich sagte schon an an­derer Stelle, ich halte nichts von Mogelpackungen. Grundsätzlich ist dieser Ha­milton-Zyklus immer noch ein grandioses Lesevergnügen, aber zum Schluss eben mit einigen Missklängen. Wer nicht musikalisch ist, kann da ja einfach weghören…

Also, hier geht’s weiter:

Die Besessenen

(The Naked God, Part I)

Armageddon-Zyklus, 5. Roman

von Peter F. Hamilton

Bastei 23233

992 Seiten, TB

Februar 2001, 9.90 Euro

Übersetzt von Axel Merz

Die Besessenen…

Sie kommen aus dem Jenseits, und es gibt eigentlich nur drei Dinge, die sie un­endlich fürchten: zum einen, ihre Wirtskörper wieder zu verlieren und in das grauenerregende Jenseits zurückgetrieben zu werden, in dem sie z. T. seit Jahr­hunderten gelitten haben. Zum zweiten, die unablässigen Klagen, flehenden Stimmen, Flüche und Schmeicheleien aus dem Jenseits zu ertragen, die Teil ih­rer tagtäglichen Existenz sind. Und, drittens, den schwarzen Himmel des Univer­sums direkt über ihnen, wenn sie einen Planeten der Konföderation betreten und mehr oder weniger unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Um sich einen Schutzschild zu schaffen, erzeugen die Besessenen eine rote Wolke, die offensichtlich „nur“ aus Wasserdampf besteht. Die dafür aufge­wendeten Energien, das Wetter auf diese Weise zu manipulieren, sind kaum vorstellbar und nicht anzumessen. Wenn die Wolke groß genug ist, reicht sie aus, um mit einer mächtigen energistischen Anstrengung Asteroiden, Habitate und ganze Planeten aus dem Hier und Jetzt herauszuhebeln und in ein fremdes Kontinuum zu versetzen, in dem die Stimmen der Verlorenen Seelen verstummt sind und die Konföderation ihnen nicht mehr folgen kann.

Das heißt indes nicht, dass die Probleme beendet sind. Sie verwandeln sich nur.

Das Schicksal der Transformation trifft so unterschiedliche Orte wie den Plane­ten Norfolk und das Habitat Valisk. Auf ersterem machen die Besessenen die verwirrende Erfahrung, dass die nicht-besessenen Menschen plötzlich ebenfalls über energistische Fähigkeiten verfügen und ihnen somit kräftemäßig gleichge­stellt sind. Und das ist nicht mal das wichtigste Problem. Valisk hingegen schlit­tert geradewegs in ein unbegreifliches Inferno.

Als Valisk die Grenze zum „Paradies der Besessenen“ überschreitet, finden sich der Erbe des Habitatgründers Rubra, Dariat, unvermittelt als Geist wieder. Und alle anderen Verlorenen Seelen wurden gleichfalls aus ihren Körpern vertrieben – sie irren als hasserfüllte Schemen durch das Habitat. Schlimmer noch: die Gastkörper, nun wieder bei Sinnen und frei (aber ausnahmslos schrecklich trau­matisiert), sind zum großen Teil mit Metastasen bedeckt. Der Krebs, eigentlich eine ausgerottete Krankheit, kehrt massiv zurück, und die medizinischen Syste­me Valisks versagen. Der umliegende, fremdartige Kosmos entzieht ihnen im­mer schneller Energie. Und dummerweise ist dieser Kosmos nicht einmal unbe­völkert

Im realen Universum beginnt der Feldzug gegen die Besessenen auf Ombey, auf der Halbinsel Mortonridge. Unter der Leitung der fanatischen Annette Eklund organisieren die Invasoren ihre Abwehrkräfte und wollen eine furchtbare Schlacht entfesseln. Stattdessen geraten sie in eine beispiellose Umweltkata­strophe, gegen die die Flutwelle vor Indonesien im Dezember 2004 beinahe harmlos anmutet.

Im Sonnensystem New California verschärft sich der Gegensatz zwischen der über die Hellhawks gebietende Kiera Salter und Al Capone. Außerdem muss Ca­pone ständig gegen die separatistischen Kräfte seiner Untergebenen kämpfen und hat überdies Schwierigkeiten mit der Konsolidierung seiner allgemeinen Er­werbungen. Das wird noch schlimmer, als er jene illegale Station verliert, in der Antimaterie hergestellt wird.

In der Zwischenzeit gelingt es zwar dem Raumkapitän Joshua Calvert, die Ge­fahr des Neutronium-Alchimisten zu entschärfen, aber das ist kein Grund zur Beruhigung. Von einer weitgehend friedlichen Lösung des Problems der Beses­senen sind sie alle noch weit entfernt… doch es gibt einen hauchzarten Ansatz dazu. Er kommt ausgerechnet von einer der beiden Xeno-Rassen, die sich nicht sonderlich kooperativ gezeigt haben – von den Kiint.

Sie entwickeln eine enorme, schwer begreifliche Neugierde auf jene Aufzeich­nungen, die die Journalistin Kelly Tirrell auf dem Dschungelplaneten Lalonde gemacht hat. Die ungeschnittenen, vollständigen Aufzeichnungen. Der Grund dafür ist offensichtlich die Erwähnung des Schlafenden Gottes der Tyrathca. Ir­gendetwas daran macht die Kiint unglaublich nervös. Doch die einzigen, die dazu etwas sagen können, sind die Tyrathca selbst. Und sie stufen die Men­schen inzwischen als Bedrohung ein und lassen nun ihrerseits die Maske fallen, die die Menschheit jahrhundertelang getäuscht hat…

Im vorletzten Band des Zyklus dreht Hamilton an allen Handlungsfronten massiv auf. Das tut der Geschichte nicht nur gut, denn es treten logische Probleme auf. Manche Handlungsstränge werden ziemlich brüsk entsorgt, andere so gedehnt, dass man sich ernstlich fragen muss, warum er nicht auf den Punkt kam. Solch eine Stelle ist die Handlung auf der Erde, wo Louise Kavanagh in der Tat „myste­riöse und starke Verbündete“ findet, „deren Ziele jedoch nicht ganz mit den ih­ren übereinstimmen“. Wenn man das freilich als Verbündete bezeichnet, ziehe ich es allerdings vor, nur noch Feinde zu haben. Der Leser wird das rasch verste­hen.

Unangenehm berührt wurde ich schließlich von einem Logikschnitzer, der ge­eignet ist, Hamiltons ganzes Handlungsgerüst in sich zusammenstürzen zu las­sen: in früheren Bänden legte er sehr überzeugend dar, dass sich Besessene aufgrund ihrer energistischen Fähigkeiten, die elektronische Felder beeinflus­sen, nicht in Raumschiffen aufhalten können, die Antimaterie an Bord haben. Das war alles sehr schön und gut, nur hier erzählt er uns das Gegenteil, und dann noch, ohne es plausibel zu untermauern: an Bord der Antimateriestation Al Capones befindet sich gleich eine ganze Gruppe von Besessenen, wo einer ausreichte, durch bloße Annäherung alles in die Luft zu jagen. Und später mutet Hamilton dem Leser sogar antimateriebestückte Hellhawks zu… also wirklich, das passt nicht.

Auch die Vorstellung, dass eine von den Tyrathca seit 1300 (!!) Jahren aufgege­bene Weltraumarche sich ihre intakte Elektronik bewahrt hat, die zudem noch von Menschen problemlos benutzt werden kann, mutet dem Leser doch einiges zu (hier hatte er eine Menge wirklich knifflige Probleme in kurzer Zeit zu lösen, aber er hat seine Möglichkeiten m. E. ziemlich überstrapaziert).

Faszinierend beschrieben ist die monströs vergewaltigte Erd-Ökosphäre, die Stratosphärenlifts, die summende und brummende Datensphäre der Erde und der Wandel von Louise Kavanagh und ihrer kleinen Schwester, die hier auf be­stürzende Weise als Köder für Quinn Dexter eingesetzt werden.

Alle Handlungsfäden bleiben nach wie vor offen und problematisch, Verände­rungen zeichnen sich nur langsam ab, Lösungen derzeit gar keine. Aber Hamil­ton hat auch noch 1000 Seiten Platz, um auf den sprichwörtlichen Punkt zu kommen. Der letzte Band verspricht einiges an furiosem Showdown und lässt gewiss kein Auge trocken.

Bald in diesem Kino.

© by Uwe Lammers, 2005

Doch noch neugierig geblieben? Gut so. Ungeachtet der Schrammen auf dem Hintergrund des Handlungskonzepts bleibt die Story auch tatsächlich sehr span­nend, und der Schlussteil lohnt sich ebenfalls, wie ich noch ausführen werde, in ein paar Wochen.

In der nächsten Woche begeben wir uns wieder in die Vergangenheit… oder eher: in die Vergangenheit, die es nicht gab. Wie das jetzt gemeint ist? Da soll­tet ihr mal genauer hinschauen und meiner Rezension folgen, die in die Gedan­kenwelt des Historikers Alexander Demandt eindringt.

Und zwischendurch könnt ihr natürlich gern noch am Sonntag einen Blick in meinen OSM-zentrierten Wochen-Blog werfen. Ich freue mich drauf.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

manche Menschen sagen, es sei die beste Möglichkeit, wenn man ein kreativer Kopf ist, sich von persönlicher Trauer dadurch zu beruhigen, indem man sich in die Arbeit stürzt und gar nicht erst zulässt, dass die Seelenfinsternis die Ober­hand gewinnt. Ich neige ebenfalls zu dieser Ansicht, und das hat mit meiner grundlegend positiven Einstellung zum Thema des Todes zu tun. Wer diesem Blog länger gefolgt ist, weiß darüber längst Bescheid.

Der Tod ist für mich nun wirklich eine Art von altem Freund, und dass er zum Leben dazu gehört, ist eine Binsenweisheit. Auch das Leben sei nicht umsonst, heißt es, „es kostet das Leben“, und das ist so elementar wie wahr. Ich denke zudem, dass nur unser Körper dahinwelkt, das Elementare jedoch, die Seele, das also, was das Wesen des geliebten Menschen ausmacht, fortdauert. Ob das so geschieht, wie ich es im Oki Stanwer Mythos beschreibe oder in anderer Form, das sei dahingestellt. Wir bekommen darüber im Hier und Jetzt diesseits des Schleiers keine Aufklärung.

Während ich diese Worte formuliere, die ihr erst am 18. Oktober 2015, einen Tag nach meinem 49. Geburtstag, zu lesen bekommen werdet, schreiben wir den 12. Mai, und der recht unvermittelte Tod meiner lieben Mutter liegt damit gerade einmal eine Woche zurück. Der Schmerz ist darum noch frisch, und wundert euch nicht, wenn ich in der Folge vielleicht ein wenig fahrig sein sollte… ich mühe mich, eine konsequente Gedankenführung einzuhalten. Wo­chenlang Trübsal zu blasen oder in Seelenfinsternis zu verfallen, halte ich für wenig nützlich.

Also, Rolle rückwärts – wo waren wir stehen geblieben?

Vor acht Wochen verließ ich euch mit der Ankündigung, wir würden im nächs­ten Teil dieser Subartikelserie – also heute – auf die Jahre 1992 und 1993 zu sprechen kommen, soweit in ihnen Werke der Reihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“ entstanden. Das Versprechen lässt sich einhalten.

1992 und 1993 waren zwei recht ergebnisarme Jahre, was das Schreiben an­geht. Mit gerade mal gut 70 Werken jeweils waren sie eher dürftig, und das lag natürlich daran, dass ich zu jener Zeit das Wolfsburg-Kolleg besuchte und reichlich schulisch eingespannt war. Für den OSM bedeutete das ebenfalls Hungerzeit und auch einige eigenartige Veränderungen.

Mit „Ein Wunder in der Wüste“ entstand am 29. Juni in einem Guss die kürzes­te OSM-Geschichte, die ich jemals geschrieben hatte, und wohl auch eine der eigentümlichsten – denn es war eigentlich eine Fantasy-Story. Der Sohn des Pharaos wird von Räubern entführt und von göttlichen Boten wieder befreit… inwiefern hat das etwas mit dem OSM zu tun? Das fragt man sich an dieser Stel­le wohl zu Recht.

Wer aber irgendwann mal die Gelegenheit findet, die Serie „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ (DDj) zu lesen, die in den Jahren 1988-1994 entstand (d.h. KONFLIKT 23), wird sowohl auf den Pharaonensohn Ti wieder stoßen als auch auf den ägyptischen Gott Horus… allerdings ist es weniger ein Gott als ein wahnsinniger Baumeister, der die bizarre Kulisse der so genannten „Pharaonen­welt“ geschaffen hat als Szenerie für seine wahnsinnigen Pläne.

Und damit, da stimmt ihr mir sicher zu, sind wir vollständig zurück im Oki Stan­wer Mythos. Nun, bis ihr diese Story zu lesen bekommt, die jenseits dieses Kon­textes wenig Sinn ergibt, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern.

Am 28. Juli 1992 wurde dann ein gescheites Stück OSM fertig, nämlich der Ro­man „Die Weisen von Arc“. Es handelt sich dabei um den vierten Band der Ed­ward-Norden-Saga, die in der Baumeistergalaxis Arc während des so genannten KONFLIKTS 20 – Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“ (OuC), geschrieben von 1984-1997 – spielt. Wie erinnerlich verließ ich die Galaxis Arc im Frühjahr 1988, nachdem ich den Roman „Die Geheimnisse von Arc“ abgeschlossen hat­te. Mir war damals jedoch schon klar, dass mit der Rettung des Protagonisten Edward Norden die Geschichte nicht abgeschlossen sein konnte. Es gab zu viele offene Handlungsstränge.

Und so fand sich Edaad, wie die Bewohner von Arc inklusive seiner eigenen Tochter Ylana und seiner Frau Jyseewa Edward Norden nannten, in der wohl­meinenden Gefangenschaft der legendären „Weisen von Zhanyor“ wieder. Er hatte seine Pläne aber nicht aufgegeben: Sturz des Dämonenherrschers Holka­xoon von TOTAM und besonders auch Rettung seiner Tochter Ylana.

Die Weisen von Arc“ stellt zugleich das Eintrittstor in die zweite Edward-Nor­den-Trilogie dar, an der ich bis 1994 arbeiten sollte. Beizeiten, ich erwähnte es schon, werden diese Romane in der Reihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“ im E-Book-Format veröffentlicht werden.

Im Jahr 1992 wurde weiter nichts für diese Reihe fertig. Und auch das Jahr 1993 sah in der Hinsicht sehr trübe aus. Es entstanden jede Menge andere Geschich­ten, unzählige Rezensionen und Episoden, aber erst am 5. November 1993 konnte ich mit „Maskerade“ einen weiteren Roman aus dem Oki Stanwer My­thos abschließen.

Maskerade“ ist der neunte Roman der Überarbeitung des KONFLIKTS 15 „Oki Stanwer“, mit dem um 1981 die Niederschrift des OSM überhaupt begann. In dieser Geschichte geht es darum, dass Oki Stanwer, der im 75. Jahrhundert in der Galaxis Milchstraße, von Matrixfehlern verseucht, wie man aus heutiger Perspektive sagen muss, darum ringt, eine Streitmacht zu sammeln, die imstan­de ist, dem erwarteten Angriff TOTAMS Paroli zu bieten. Doch jenes Volk, auf das er sich eigentlich stützen soll, die Terraner, bieten kein einheitliches Bild mehr. Vor fast zweitausend Jahren ist das terranische Reich durch den Angriff der Voorks in zahllose kleine Sternenreiche zersplittert, die sich seither munter befehden und belauern.

Es ist also vonnöten, inkognito in diese Gesellschaft einzudringen und sie von innen her zu unterwandern. Das beginnt in diesem Roman. Das Auffinden der Raumyacht FRATERNITÉ des verschollenen Milliardärs Eon Seggar erleichtert die Sache, und in dieser Maske tritt Oki Stanwer nun auf, um Seggars Erbe anzutre­ten. Eine Rolle, die einige Komplikationen mit sich bringt…

Weihnachten 1993 gelang es mir dann außerdem noch, eine ziemlich bizarre Story zu vollenden, die recht schnell heranreifte und am 24. Dezember abge­schlossen wurde. „Der Herr der Schwarzen Berge“ ist für einen reisenden His­toriker aus dem nonhumanoiden Volk der Toccer eigentlich nur eine von vielen rätselhaften Legenden der Vorzeit, und selbst die Schwarzen Berge tragen ihren Namen offensichtlich nicht mehr zu Recht. Das findet er heraus, als er sie nach einer entbehrungsreichen Reise endlich erreicht.

Was er ebenfalls auffindet, ist das Skelett eines unbekannten Wesens, das scheinbar an einem umfassenden, rätselhaften Rekonstruktionsprojekt gearbei­tet hat. Aber hier scheint der arme Toccer zu spät gekommen zu sein. Er meint, hier sei nichts mehr zu erfahren.

Wie groß ist jedoch sein Entsetzen, als das menschliche Skelett mit schwarzem Brustpanzer auf einmal grässlich lebendig wird und sogar noch mit ihm zu spre­chen beginnt? Unerwartet ist der Forscher hier auf eine Kreatur aus den Legen­den der Vorzeit gestoßen – auf ein Wesen, das sich TK 40112 nennt. Es ist ein so genannter Totenkopf, ein Angehöriger von TOTAMS unheimlicher, ewiger Ar­mee, der LEGION. Andere Wesen kennen ihn unter der Bezeichnung „Toten­kopf-Prophet“, und obwohl er Milliarden von Jahren alt ist, hat er nur wenig von seiner Macht und noch sehr viel weniger von seinen Machtambitionen ein­gebüßt…

Diese Geschichte ist, natürlich völlig aus dem Kontext des späten OSM heraus­gelöst, relativ bald danach im Juli 1994 in dem Fanzine „Storytip 5“ veröffent­licht worden. Wer weiß, vielleicht findet ihr das irgendwann mal antiquarisch. Die Story selbst werde ich beizeiten ebenfalls abschreiben, überarbeiten und veröffentlichen – vermutlich allerdings nicht als autonome Geschichte, sondern als Teil einer meiner Storysammlungen. Haltet da einfach mal die Augen offen, Freunde, die Geschichte hat einiges an Informationen zu bieten.

Soweit möchte ich für heute gehen. In der nächsten Ausgabe dieser Artikelreihe werde ich entweder auf das Jahr 1994 eingehen oder mich um die nächste Ver­öffentlichung aus dieser Reihe kümmern, nämlich „Annalen 5: Jaleenas zweites Leben“. Lasst euch mal überraschen.

In der nächsten Woche berichte ich an dieser Stelle, wie sich meine Kreativität, bezogen auf den OSM, im Juli 2015 entwickelt hat. Nicht verpassen, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde meiner E-Books,

nachdem eine Weile Pause war mit der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimpe­rium“ (TI), weil ich euch im vergangenen Monat den zweiten Band der Reihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“ im EPUB-Format zugänglich machen wollte, folgt heute also Band 11 der Serie.

Es wird die Handlungsschiene der TI-Bände 4 und 5 fortgesetzt. Auf dem Plane­ten Hushhin ist der Extrayantihni Gwensh abgestürzt und hat vor seinem jähen Tod noch die schreckliche Geschichte seines Volkes preisgegeben. Während, wie ihr in den letzten Bänden nachlesen konntet, daraufhin die RHONSHAAR-Ex­pedition aufbricht, bleibt die Zeit auf Hushhin natürlich auch nicht stehen.

Wissenschaftler von der Welt Shoylon kommen zu Besuch, um die Artefakte zu untersuchen, die Gwensh hinterlassen hat… und sie bringen einen Quälgeist ganz besonderer Art mit, der noch einige Komplikationen in die Serie bringen wird: den exzentrischen Wissenschaftler Noshtoy. Und er wird in diesem Band mit je­nem Geheimnis konfrontiert, das die Archäologen von Hushhin bislang nicht verraten haben…

Das E-Book „Das Archiv der Hushhiner“ steht ab sofort auf www.beam-ebooks.de im MOBI- und EPUB-Format zum Download für den Preis von 1,49 Euro bereit… und ich hoffe sehr, dass es in Bälde von euch erworben werden kann. Das könnte freilich derzeit einige Schwierigkeiten machen, für die ich in­des nicht verantwortlich bin.

Ich sagte schon den Verantwortlichen bei der Beam AG, dass ich die heutige Ge­legenheit gern nutzen würde, diesbezüglich ein paar Worte zu machen, und das möchte ich auch einhalten.

Es ist bedauerlicherweise ja so, dass in den letzten Monaten einige Komplikatio­nen aufgetreten sind, die im Netz seitens der regelmäßigen Käufer von Beam-E-Books längst bekannt sind. Da ging es insbesondere darum, dass es nahezu un­möglich wäre, E-Books kostenpflichtig von der Beam-Seite downzuloaden und dergleichen… der Klagen gab es jede Menge. Ich habe das, zugegeben, geraume Zeit gar nicht bemerkt, weil ich eben als Autor tätig bin und nicht als Käufer von E-Books.

Mir fiel allerdings auch unschön auf, dass sich seit Anfang September absolut überhaupt kein E-Book bei Beam von den von mir eingestellten Werken ver­kaufte, und das fand ich einigermaßen eigenartig.

Ich fragte also nach – und machte die nächste ernüchternde Feststellung, dass auch die Kommunikation etwa so funktionierte wie in Treibsand: Wenn Antwort kam, dann erst nach mehrmaligem Nachfassen… und das beunruhigte mich dann schließlich so sehr, dass ich intensiver nachfasste.

Daraufhin erhielt ich folgende Zeilen zur Antwort, die vielleicht von allgemei­nem Interesse sind: „Zu den technischen Turbulenzen der jüngeren Vergangen­heit möchte ich noch einige Worte verlieren. Die Server, die den beam Shop [sic!] lange Zeit gehostet haben, kamen leider an ihre Grenzen, so dass ein Ser­ver-Umzug durchgeführt werden musste. Dieser Umzug erwies sich als sehr viel komplizierter, als wir und auch die durchzuführende Agentur erwartet hatten. Der Großteil dieser Probleme ist nun jedoch behoben.“

Dies ist der Stand vom 5. Oktober 2015, möchte ich ergänzen. Und da ich als Vorstandsmitglied des Fördervereins Phantastika Raum & Zeit e. V. in Braun­schweig von unserer eigenen Vereinswebsite www.sciencefiction.de diese Schwierigkeiten durchaus kenne, die ein Serverumzug nach sich ziehen kann – wir haben dieses Jahr selbst einen durchgeführt, und das erwies sich ebenfalls als nicht unkompliziert… wir sind aktuell immer noch nicht wieder ganz „restau­riert“, wenn ich das mal so nennen darf – , da war ich doch einigermaßen er­leichtert, die obige Mitteilung zu erhalten.

Ein weiteres Zeichen der Besserung kann ich ebenfalls vermelden: Die Tantie­menzahlung funktioniert augenscheinlich wieder, ich habe heute meine Tantie­men von Beam erhalten. Zwar haben sich die Downloadzahlen meiner hiesigen E-Books noch nicht wieder normalisiert, aber ich würde jedem Leser meines Blogs, der sich in den letzten Wochen und Monaten vergebens bemühte, über Beam meine E-Books zu besorgen, einfach vorschlagen: Noch einmal probie­ren! Und falls es nicht sofort klappt – gebt den Beam-Leuten noch ein bisschen Zeit, die Technik und den Support wieder zu optimieren.

Ich werde jedenfalls auch weiterhin mit der Frequenz von einem E-Book pro Monat bei Beam publizieren und mich über aktuelle Zugangs- und Kaufengpäs­se mit dem Gedanken hinwegtrösten, dass die Werke ja langfristig auf jeden Fall dort erhältlich sind.

In der Hoffnung, dass diese Informationen sowohl für die Macher von Beam wie auch für meine Leser hilfreich gewesen sind, möchte ich für heute schließen und nur noch darauf hinweisen, dass ihr euch natürlich auch weiterhin – und ohne Zugangsprobleme – mittels meines Blogs auf der Website www.oki-stanwer.de am Sonntag und am Mittwoch über die Hintergründe meines Werkes und über die Bücher, die ich gern lese und dann für euch rezensiere, informieren könnt. Ihr seid in beiden Blogs gern gesehene Gäste.

Ich wünsche euch angenehmes Lesevergnügen und freue mich, von euch zu hö­ren!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.