Rezensions-Blog 13: Gegenschlag

Posted Juni 24th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute gehen wir mal mit diesem Roman durch die Hölle, die unserer Welt glücklicherweise erspart geblieben ist. Gerade deshalb aber bin ich der Auffas­sung, hieran eine Besonderheit von phantastischer Literatur – dieser Roman ist nicht als solche etikettiert, gehört aber, wie ihr schnell erkennen werdet, den­noch in dieses Genre – herausarbeiten zu können. Wie ich kürzlich schon er­wähnt habe, ist phantastische Literatur manchmal geeignet, Dinge darzustellen oder politisch-wissenschaftliche Theorien zu durchdenken, die man in realiter manchmal weder aussprechen noch handfest erproben kann.

Wie probt man beispielsweise einen nuklearen Dritten Weltkrieg, der die Welt in Schutt und Asche legt? Es empfiehlt sich nicht, das in der Wirklichkeit auszu­probieren. Auf dem Papier funktioniert das mitunter durchaus, selbst wenn na­türlich alles Spekulation bleibt. Die Warnfunktion ist dabei weiterhin intakt und vermag nicht nur politische Signale in die Friedensbewegung zu senden, son­dern gegebenenfalls auch in politisch verantwortliche Kreise.

Dummerweise hat gerade dieses Buch eine Achillesferse, weswegen ich eine Le­seeinschränkung aussprechen musste. Aber schaut euch das besser selbst an:

Gegenschlag

(OT: Arc Light)

von Eric L. Harry

Heyne 13441

736 Seiten, TB

Januar 2002, 9.95 Euro

Übersetzt von Heiner Friedlich

Das zwanzigste Jahrhundert ist ja nun wahrlich an Alpträumen, die Wirklichkeit wurden, nicht gerade arm, und häufig nahmen diese Alpträume die Gestalt von Kriegen an. Wenn nun jemand Anwalt ist und Experte für Militärfragen, zudem auch, wie der Autor des vorliegenden Buches, mit einer aus Moskau stammen­den Russin verheiratet ist und dort zum Teil studiert hat, und wenn dieser Autor sich vornimmt, unter die Schriftsteller zu gehen, was liegt dann nahe? Über einen Krieg zu schreiben, den es nie gegeben hat: den Dritten Weltkrieg, in dem Russland und Amerika in ein nukleares Desaster verstrickt werden.

Und schon sind wir mitten in der Phantastik.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts (der Roman wurde 1994 in den Staaten veröf­fentlicht) befinden sich Russland und China im Krieg. Die beiden Staaten sind in Fernost ineinander verkeilt, die Lage ist prekär, aber scheinbar stabil. Diese An­sicht täuscht.

Als chinesische Armeen überraschend damit beginnen, Korea zu überrollen, entschließt sich die russische Führung unter General Rasow dazu, Peking mit ei­nem nuklearen Schlagabtausch in Fernost vor vollendete Tatsachen zu stellen und informiert davon vorab die amerikanische Regierung. Doch wie General Thomas in Washington Rasow richtig sagt, geht dabei etwas schief. Er ahnt frei­lich nicht, dass das Sicherheitsleck der eigene Präsident ist.

Präsident Livingstone, zutiefst friedfertig, ist entsetzt von der Vorstellung, dass womöglich Millionen von arglos scheinenden Chinesen der nuklearen Vernich­tung ausgesetzt sind – er lässt Peking vom bevorstehenden russischen Angriff in Kenntnis setzen und löst damit eine Kaskade schrecklicher Ereignisse aus.

Denn in Russlands fernem Osten gibt es den russischen Befehlshaber Zorin, der einen tiefen Hass gegen Amerika hegt. Als er sehen muss, wie seine Untergebe­nen im chinesischen Konterschlag zugrunde gehen, putscht er sich an die Macht und befiehlt das Abfeuern einer Salve nuklearer Missiles auf die amerikanische Landmasse. Millionen Menschen finden den Tod, das Chaos regiert.

Zwar kann in der Folge General Rasow wieder die Gewalt in Moskau überneh­men und Zorin inhaftieren, aber der Schaden ist angerichtet, und die Folgen sind unermesslich: die ganze amerikanische Nation brennt voller Hass, die Medien schreien nach russischem Blut, der Senat will den Kopf von Präsident Li­vingstone, und ehe sie alle verstehen, was geschieht, marschieren Zehntausen­de von amerikanischen GIs in die osteuropäischen und fernöstlichen Gebiete des einstigen sowjetischen Reiches ein. Das erklärte Ziel: Rache an den Moskau­er Befehlshabern, Kampf bis zur bedingungslosen Kapitulation.

Wenn da nicht nur noch die Unterseeboote wären, in deren Silos der millionen­fache Tod lauert. Es ist nur ein einziger Schritt bis zur Apokalypse, und der Fuß schwebt bereits in der Luft…

Man kann über diesen Roman sagen, was man möchte, Eric L. Harry hat es ge­schafft, das Szenario eines potentiellen Dritten Weltkrieges auf sehr interessan­te Weise darzustellen, selbst wenn ich gestehen muss, dass mich das militäri­sche Gebabbel auf den letzten zweihundertfünfzig Seiten doch zum Teil sehr ge­nervt hat. Indem er geschickt Haupthandlungsträger (auf der amerikanischen Seite) auswählt, schafft er es, sowohl die präsidiale Ebene zu präsentieren (über Präsident Livingstone und seinen Berater Greg Lambert) als auch die der einfa­chen Soldaten (über den eigentlich untalentierten David Chandler, der unver­mittelt an die Spitze der militärischen Kolonne auf dem Marsch nach Moskau katapultiert wird und das Grauen des Krieges hautnah miterlebt) und der einfa­chen Zivilisten (anhand von Chandlers Frau Melissa, die unmittelbar in der Kata­strophe ihr Baby zur Welt bringt). Man erhält also weitaus mehr als den übli­chen „Militärroman“ um die letzte aller Schlachten.

Der interessierte Leser erhält einen manchmal wirklich quälenden Einblick dar­in, wie sehr die unvermittelte Lage eines Krieges das gesamte zivile und politi­sche Leben erst zum Stillstand zwingt und dann in ein völlig anderes Fahrwasser als bisher drängt, wie Stress, Vorahnungen, nicht deckungsgleiche Prognosen und Hysterie tödliche Fehlentscheidungen zur Folge haben können. Das alles bringt Harry insbesondere in den spannungsgeladenen Krisensituationen äu­ßerst plausibel herüber, worin die unbestreitbare Stärke des Romans liegt. Man nimmt ihm die Handlungsweise der Personen in den meisten Fällen ab.

Leider hat dieses Werk auch erkennbare Mängel.

Während die amerikanische Seite zum Teil ausgesprochen gut dargestellt wird, wie erwähnt, fällt bedrückend auf, wie amorph die Gegenseite bleibt. Beson­ders schlimm ist es bei der Landung der amerikanischen Truppen auf der Halb­insel Kamtschatka im Fernen Osten, wo bisweilen jeder einzelne Angehörige ei­nes Platoon-Trupps mit persönlichen Eigenheiten beschrieben wird, man mithin auch jeden einzelnen Verlust schmerzhaft deutlich zu spüren bekommt. Auf der Gegenseite hat man dagegen nur amorphe, namenlose, nur gelegentlich durch flackernde Bilder („junge, blonde Russen, die mit Angst in den Augen voran­stürmten“) erhellte Menschenmengen, die unterschiedslos in die Luft gesprengt oder durch Maschinengewehrfeuer niedergemetzelt werden. Hier darf dem Leser elend werden.

Wenn man als kritischer Leser jedoch ehrlich ist, muss man konstatieren, dass man außer der russischen obersten Militärführung nahezu überhaupt nieman­den mit Namen kennenlernt und dass ein paralleler Blick aus dem russischen Blickwinkel völlig unterbleibt. Das erzeugt gegen Ende des Buches eine wirklich unangenehme Atmosphäre der Voreingenommenheit, ja, der Künstlichkeit. Der Autor ist Amerikaner, gut. Er beschreibt die amerikanische Sichtweise. Gut. Aber dem kritischen Leser ist das erkennbar nicht genug, weil er spürt, dass das russische Volk sehr deutlich unter dem Krieg mindestens ebenso schlimm leidet wie das amerikanische. Und diese Parteilichkeit muss man dem sonst so elo­quenten Harry übel nehmen.

Zugegeben, der Roman ist lesbar. Ebenso zugegeben, die Wahl der Personen ist nützlich und hilfreich, eine breite Schicht von Betroffenen darzustellen. Zugleich aber ist der oben genannte Mangel nicht durch eine Auswahl ähnlicher russi­scher Protagonisten ergänzt worden (die Frau des Diplomaten Pawel Filipow, die in Amerika zurückbleibt und Opfer radioaktiven Fallouts wird, zählt hier wirklich nicht). Das Volk Russlands erhält keine Stimme und wird, wie so oft, auf die Rolle des stumm Leidenden zurückgeworfen. Das ist für das Buch wirklich ein großer Verlust.

Deshalb – und weil meines Erachtens grob fahrlässig mit den Gefahren der Ra­dioaktivität umgegangen wird – würde ich das Buch nur mit starken Ein­schränkungen empfehlen wollen.

© by Uwe Lammers, 2005

Das Schöne an gelesenen Romanen, deren Schwachstellen man erkannt hat, besteht darin, dass eine derartige Rezension eine Steilvorlage für bessere Nach­folgeromane darstellt. Das ist wie im realen Leben: wenn man einen Fehler er­kannt hat, auch solch einer, den andere begangen haben, dann kann man das beim nächsten Mal ändern. Ich selbst trage mich zwar nicht mit dem Gedanken, einen Roman über den Dritten Weltkrieg zu schreiben, aber ich gebe zu, es gibt im Oki Stanwer Mythos (OSM) durchaus gewisse Welten und Ereignislinien, die ähnliche Desaster beschreiben. Darum empfinde ich es ja auch, wiewohl ich Krieg als Mittel politischer Auseinandersetzungen strikt ablehne, als durchaus nützlich, manchmal auch solche furchtbaren Werke zu lesen. Man lernt daraus. Lieben muss man sie nicht.

In der kommenden Woche gehen wir es wieder behaglicher an und verfolgen die dritte Suche des Schatzsucher-Ehepaars Sam und Remi Fargo. Seid doch ein­fach wieder mit an Bord, Freunde.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des Oki Stanwer Mythos,

ich fürchte, im Verlauf der letzten anderthalb Wochen habt ihr verschiedentlich schon gemerkt, dass manchmal über Stunden oder sogar Tage meine Homepage nicht zu erreichen war. Ein Leser fragte mich ein wenig nervös, ob da jetzt je­mand „den Stecker gezogen“ habe.

Das ist glücklicherweise nicht der Fall. Ich hielt, weil ich selbst nur schwer Zu­gang erhielt, Rücksprache mit meinem Webmaster Holger, der mich darüber auf­klärte, dass das Problem offensichtlich bei dem Server liegt, auf dem die Home­page lokalisiert ist. Wir hatten schon seit einiger Zeit gelegentlich derartige Komplikationen, aber noch nie so massiv.

Die Quintessenz daraus ist, dass die Homepage in Bälde auf einen anderen Ser­ver umziehen wird. Wir „migrieren“, wie das in der Fachsprache heißt. Ich hoffe sehr, dass die gegenwärtigen Zugangsprobleme dann der Vergangenheit angehö­ren. Drückt uns mal die Daumen, dass bis spätestens Mitte Juli alle Umzugs­komplikationen erledigt sind.

Bis dahin bitte ich euch in der Hinsicht um etwas Geduld.

Es kann natürlich auch zu Verzögerungen kommen, was meine auf der Amazon Author-Central-Seite bzw. bei dem Internetnewsletter ESPost angekündigten Blogartikel angeht. Aber, großes Indianerehrenwort, das wird alles so schnell als möglich nachgeliefert! Die weitaus meisten Beiträge sind ja auch schon fertig, so dass allein der ungehinderte Zugang zur Homepage die termingerechte Liefe­rung für eure hungrigen Augen verhindert.

Bleibt also geduldig und haltet mir die Treue, Freunde. Techniksabotage ist et­was, wogegen ich grundsätzlich machtlos bin.

Ach ja, und falls ich es zwischenzeitlich aus den obigen Gründen nicht schaffen sollte, Ankündigungen neuer E-Books vorzunehmen… dann schaut einfach am ersten Samstag im Juli auf Amazon.de, am 15. Juli auf www.beam-ebooks, und eventuell HEUTE auf XinXii. Mein Plan ist jedenfalls, heute das nächste E-Book dort zu veröffentlichen, und ich denke, das sollte klappen.

Was übrigens den aktuellen Stand des Oki Stanwer Mythos angeht… wie ich jüngst schon erwähnte (hm, weiß aber nicht, ob der Blogbeitrag jetzt für euch schon zu lesen war…), so habe ich ja die „Schallmauer“ von Band 1750 durch­brochen. Heute früh schloss ich OSM 1754 (!) ab, das ist Band 20 der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI), den ihr Anfang September 2015 erwerben könnt. Da geht es mit dem Technikforscher Noshtoy von Shoylon wei­ter, ich setze also die Handlungslinie von TI 12 „Sternenlegenden“ (2014) fort.

Neugierde darauf lohnt sich, denke ich.

Danke für eure Aufmerksamkeit, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

ihr merkt schon an der schelmischen Überschrift, dass es heuer mal wieder et­was unernst auf diesem Blog zugeht. Und wer dies schon anhand des Titels grinsend vermutet, hat vollkommen Recht.

Schon verschiedentlich nahm ich euch mit auf amüsante Exkursion in die unver­öffentlichten Tiefen staubiger OSM-Manuskripte, und was haben wir da nicht alles schon entdeckt. Zuletzt kümmerten wir uns vor 10 Wochen um die so ge­nannte „Kindergartenzeit“ des OSM anno 1983/84. Jetzt machen wir mal einen kleinen Sprung vorwärts oder rückwärts, je nachdem, welches temporale Be­zugssystem wir zugrundelegen möchte.

Vorwärts, wenn wir in unserer Kalenderfolge bleiben wollen. Dann schreiben wir zur Abfassung der unten zitierten Episode den Januar 1989. Ansonsten müs­sen wir uns im Zeitstrom „abwärts“ bewegen, vom vorherigen KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ (wo ich mich im Wochen-Blog 110 aufhielt) zum KONFLIKT 12 des OSM, also in die Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (1987-1993). OSM-Temporaldistanz also minus rund 15 Milliarden Handlungsjahre.

Wir befinden uns in der Grünen Galaxis Bytharg, im tasvanischen Reich, das stets als Referenzchronologie herangezogen wurde, weil dort die Serienhand­lung begann, befinden wir uns im Jahre 89 GTS, also dem Jahr 89 nach dem „Großen Technischen Sprung“. Und mitten im schönsten Durcheinander. Die meisten Protagonisten ahnen glücklicherweise nichts von der sehr grässlichen Zukunft, die ihnen bald bevorsteht. Aber in diesem Band 25 der Serie kündigt sich das alles an.

Der Leser findet sich in dieser Episode 25 mit dem Titel „TAVASIN“ (OSM-Band 588) im legendären Totensektor von Maran-Ghaal wieder. Milliarden von Ge­staltwandlern, die ihr verschiedentlich schon unter dem Volksnamen Berinnyer kennen lernen durftet (etwa in dem Roman „Ian und der Stein der Götter“), werden hier von einem Statthalter des Schreckens geknechtet, dem namensge­benden TAVASIN.

TAVASIN ist eine der sechzehn Dämonenwaffen von TOTAM, und dieses Wesen residiert im so genannten SCHLOSS, einer schwer bewaffneten und gut gesi­cherten Raumstation, 42 Lichtjahre vom nächsten Planeten namens Threlogha entfernt. Kein Berinnyer kann dieses Domizil erreichen.

Aber es gibt Hoffnung: ein schattenhaftes Wesen, das sich „Volksbefreier“ nennt und das vor Jahrhunderten schon seine Wiederkunft im Krisenfall ver­sprochen hat, erscheint und macht sich tatsächlich auf den Weg ins SCHLOSS, um TAVASIN zu konfrontieren. Nahezu eine Selbstmordmission.

Um die Aufmerksamkeit des Statthalters abzulenken, befiehlt er seinen berinnyischen Anhängern vom „Schutzbund des Volksbefreiers“, ein Attentat auf einen Diplomaten des Volks der Sargoy zu inszenieren. Die Sargoy und die Be­rinnyer sind seit ewigen Zeiten Todfeinde, und seitdem die Sargoy die Dämo­nenwaffen auf ihrer Seite haben, knechten sie die Berinnyer.

Der Botschafter der Sargoy, ein Kerl namens Nissyl-Yaa, residiert auf Threlogha, und während der Volksbefreier von dort aufbricht, um das SCHLOSS zu errei­chen, fällt der Botschafter einem ziemlich infamen (und von mir 1989 sehr schlecht durchdachten) Attentat zum Opfer. Dies ist dann der katastrophale Auftakt für den monströsen „Letzten Krieg“, der Bytharg in die Hölle verwan­delt, aber das kann zu diesem Zeitpunkt noch niemand wirklich absehen.

Während ich diese Episode abschrieb, um eine digitale Fassung zu besitzen, stieß ich auf zwei köstliche Stellen, die ich euch nicht vorenthalten mag und die ich vor Monaten auch schon umgehend mit Fußnoten kommentierte. Eine be­zieht sich auf den Volksbefreier und TAVASIN, die andere auf einen Anschlag, der im Gefolge des Nissyl-Yaa-Attentats auf Threlogha geschieht. Lauscht ein­fach mal:

Dann löste er [der Volksbefreier] sich in Luft auf und sagte aus dem Nichts: „Sorge dafür, dass hier unten Aufruhr herrscht. Ich werde dir Bescheid geben.“

In Wahrheit hatte er das gar nicht vor, denn er hatte mit TAVASIN ein altes Huhn zu rupfen…“

Woraufhin ich prustend als Fußnote kommentierte: „Na, das wäre echt ein Schmankerl von der Front der Inhaltsfehler des OSM, das ich dann in dem Blog ausführen könnte: Munteres Hühnerrupfen Seite an Seite mit einer Dämonen­waffe von TOTAM, am besten in einer Großküche… zum Brüllen! Völlig abstruse Metapher. Dringend in der Überarbeitung vermeiden.“

Ihr merkt, es gibt schon echt groteske Wortfehlleistungen. In dieser sehr hastig geschriebenen und von Action übersättigten Episode, die leider im Um­kehrschluss nahezu JEDE Bildhaftigkeit vermissen lässt, kommt so etwas ständig vor, allerdings nicht so dermaßen heftig.

Nehmen wir die zweite Szene:

Die Sargoy, also die bärengestaltigen Besatzer von Threlogha, gehen natürlich in ihren stark sicherheitsgeschützten Büros auch so etwas wie Alltagsarbeit nach, und Kollegengespräche gibt es, wie in irdischen Büros eben auch. Ein solches Gespräch eskaliert gleich darauf gründlich, aber nicht wegen der Wortmeldun­gen:

Na, Yaarvin-Thoo, alles in bester Ordnung mit deinen drei Kindern?“, fragte der Botschaftsangehörige der Botschaft in der Äquatorialsiedlung Hinjyoral freund­lich, als sein Kollege hereinkam.

Alles bestens“, sagte der Sargoy.

Dann schrie die Alarmanlage plötzlich!

Sie hatte im Innern des Sargoy eine metallische Masse entdeckt, die einer Waffe entsprach…“

Dass das natürlich kein Sargoy ist, der da zu Besuch kommt, sondern ein Ge­staltwandler in Maske eines Sargoy, und dass er diese tatsächliche Waffe zu ei­nem blutrünstigen Anschlag nutzt, wird binnen weniger Zeilen evident und führt zu einem ziemlichen Massaker. Aber ich fürchte, wenn ich diese Stelle so beließe, würde ich euch zum Prusten vor Gelächter bringen. So, wie ich am Prusten war, als ich die Stelle abschrieb und kommentierte.

Mögt ihr den Kommentar lesen? Bitte, hier kommt er:

Aua! Aua! Es tut mir weh! Alarm! Alarm!“… oder wie jetzt? Eine „schreiende“ Alarmanlage ist höchstens eins, nämlich zum Schreien komisch, weil ein eindeu­tiger Missgriff. Eine Stilblüte, von denen es in dieser Zeit nur so wimmelt. Mir entgleisen ständig Beschreibungen, und das hier ist dann wieder so ein Fall. Weia…

Gemeint war natürlich ein durchdringender Signalton der Alarmanlage. Aber ich habe mir schon in weiteren Kommentaren klar gemacht, dass dieser Anschlag definitiv nicht auf diese dramatische Weise vonstatten gehen kann. Wenn ihr beizeiten diese Passage später mal im E-Book zu lesen bekommt, was selbstver­ständlich geplant ist, dann sieht sie vollkommen anders aus, versprochen.

Wie kommen solche Fehlleistungen zustande? Das ist eigentlich recht einfach. Im Jahre 1989 war ich in der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ echt auf der Überholspur unterwegs, das ging in allen Bereichen der Serie so, und ich glaube, es war unvermeidlich, dass ich 1989/90 von Band 25 der Serie bis Band 79 (!) gelangte. Was definitiv noch nicht mal in der Nähe des Serienendes war, denn die Serie bekam insgesamt 128 Episoden. Da brannte echt die Luft, und das fing wirklich schon zu diesem frühen Zeitpunkt an.

Es gab zahlreiche Schauplätze der Serienhandlung. Wenn ihr Leser meiner aktu­ell im E-Book veröffentlichten Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) seid, wisst ihr schon, was das bedeutet. Da gibt es ja auch schon diverse Schau­plätze: die GHANTUURON-Handlungsebene, die RHONSHAAR-Ebene, die Hush­hin-Wissenschaftler, die Shonta und Vaniyaa… ihr wisst, wovon ich spreche.

In KONFLIKT 12 war das alles sehr viel dramatischer. In der Kleingalaxis Pholyar hatte es schon in Band 1 (!) eine Invasion gegeben, kurz darauf mit einer aktiv werdenden Untergrund-Opposition, eine legendäre Gestalt namens Salketh-en-torion war aufgetaucht, um die in Bytharg unterjochten Berinnyer zu befreien, die Lichtmacht-Truppen der Allis (!) unterwanderten Bytharg, um den Angriff der Allianz des Lichts auf die Herrscher von Bytharg vorzubereiten, es gab Ster­nenfeen im Einsatz, Helfer des Lichts, die kreuz und quer durch die Gegend schossen, eine tasvanische Expedition zur 22 Millionen Lichtjahre entfernten Heimatgalaxis der Allis, Koopen, Zeitreisende, geheimnisvolle Mimikrywesen, die ebenfalls mitmischten… überall nur Chaos. Und jetzt der beginnende Krieg der Gestaltwandler.

Wahrlich, Freunde, im Vergleich zu DIESER Serie ist TI derzeit noch ein freundli­cher Sonntagsausflug. Was allerdings, daraus mache ich auch kein Geheimnis, in Bälde aufhören wird.

Doch davon zu erzählen, ist hier weder Raum noch Zeit. Das mache ich an ande­rer Stelle ausführlicher. Für heute möchte ich die neckische Fehlerlese wieder beenden und nur noch darauf hinweisen, dass in einer Woche an dieser Stelle wieder die Rubrik „Work in Progress“ zu ihrem Recht kommt. Dann könnt ihr euch anschauen, wie sich der Oki Stanwer Mythos im Monat März 2015 entwickelt hat.

Ich würde mich freuen, wenn ihr wieder reinschaut.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 12: Die griechische Zeitung

Posted Juni 17th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Griechenland… Griechenland und noch mal Griechenland… wir kennen das aus den Nachrichten heutzutage zur Genüge, und die meisten Leser dieser Kolumne mögen jetzt vielleicht lange Gesichter ziehen und meinen: Oh Gott, jetzt kommt uns der Uwe auch noch mit Griechenland? Das kann doch nicht sein Ernst sein! Wir schalten doch schon beim Radio und Fernsehen ab, wenn es um das Thema geht… ja, Freunde, das mag sein. Aber hier haben wir etwas anderes vor uns. Hier geht es um das ALTE Griechenland.

Bedenkt bitte, falls ihr mich nur als Autor des Oki Stanwer Mythos (OSM) im Kopf haben solltet, dass ich von der Ausbildung her Historiker bin, und eine große Leidenschaft, die sich auch in meiner Lektüre ausdrückt, gilt den antiken Hochkulturen. Da kann man natürlich die Griechen nicht auslassen, das werdet ihr verstehen. Es wird darüber im Laufe der kommenden Jahre sicherlich noch das eine oder andere faszinierende Buch zum Vorstellen geben. Heute fangen wir mal mit einer Aufwärmübung in der Hinsicht an.

Wie schaut das aus? Nun, eben so, wie pfiffige Historiker sich bemühen, die griechische Antike in Form eines Jugendbuches aufzuziehen. Und, noch witzi­ger, in Form einer antiken ZEITUNG. Als ich dieses Buch entdeckte, fand ich den Ansatz wirklich bemerkenswert und durchaus reizvoll. Ein Crossover zwischen sachlicher Informationsvermittlung einerseits und lockerer Zeitungslektüre an­dererseits, und das alles auf die Lesergruppe von Jugendlichen zugeschnitten… das lag jenseits des mir sonst zugänglichen Mainstreams, und ich stürzte mich neugierig in das vom Kinderbuchverlag Luzern veröffentlichte kleine Abenteuer.

Um es vorwegzunehmen: bereut habe ich das nicht. Wenn man bereit ist, histo­rische Abstriche zu machen und sich mit dem Witz der Darstellung anzufreun­den bereit ist, erwartet den Leser ein wirklich kurzweiliges Lesevergnügen, in das man sogar seine eigenen Kinder – oder eben auch die Kinder von Freunden, Verwandten und Bekannten einbeziehen kann, wenn man selbst keine besitzt.

Die griechische Zeitung

(OT: The Greek News)

von Anton Powell und Philip Steele

Kinderbuchverlag (kbv) Luzern

36 Seiten, gebunden, 1998

Übersetzt von Christa Holtei

Was wisst ihr von Griechenland? Das ist jetzt eine Frage an Nichthistoriker, okay?

Akropolis. Alexander der Große. Zeus. Olle Tempel, vielleicht habt ihr noch was von den Perserkriegen in der Schule mitbekommen und von so einem Typen, der so dumm war, lieber Gift zu schlucken, anstatt das Weite zu suchen. Wie war doch noch sein Name…? Ach ja, Sokrates.

Aber einen Zusammenhang zwischen all dem herzustellen, das dürfte schon kniffliger sein. Es ist halt wie meist mit Geschichte: man hat so ein Flickwerk von Informationen im Kopf, die mehr verwirren als erhellen. In diese unausge­gorenen Gedanken greift dieses Buch hilfreich ein.

Die griechische Zeitung“ bemüht sich, allgemeinverständlich, unterhaltsam und sehr kurzweilig – kein Beitrag ist länger als anderthalb Seiten – die Ge­schichte des antiken Griechenland zwischen 800 vor Christus und 300 vor Chris­tus aufzuarbeiten. Im Gegensatz zu anderen Werken dieser Reihe (etwa „Die ägyptische Zeitung“ oder „Die Entdecker-Zeitung“) gelingt das sogar recht or­dentlich. Der zeitliche Rahmen ist halbwegs überschaubar, und es gibt viiiiel Quellenmaterial, inklusive Bildquellen.

Mehrere schöne Karten machen sowohl die Binnengliederung Griechenlands wie die Struktur des Mittelmeeres und des späteren Alexanderreiches plastisch erkennbar. Der Bereich „Inland“ der Zeitung ist chronologisch aufgebaut und führt bis hin zum Ende des Alexanderreiches. Damit endet freilich – vor der Zeit, wie Althistoriker kritisieren mögen – jene Epoche, die hier als „griechisch“ ein­gestuft wird. Die Diadochenreiche werden also nicht mehr beleuchtet.

Dafür fehlt freilich auch der Platz. Es gilt doch schließlich, noch ein wenig auf andere Themen zu kommen. Als da wären:

  • Die vergnügliche Umfrage, was ein idealer Grieche ist.

  • Tipps, wie man ein guter Redner wird.

  • Kriegsausbildung und -technik von Kindesbeinen an.

  • Ein ausführlicher Exkurs zu Sparta.

  • Handel, Politik und Alltagsleben.

  • Olympische Spiele, Sklavenhandel und Frauenrechte.

  • Was tun, wenn einem die Götter zürnen? Und welche Götter gibt es über­haupt?

  • Theater und Arztkunst.

  • Wie verhält man sich auf einem Fest?

Und vieles mehr… schön bebildert und durchaus an vielen Stellen humorvoll an­ekdotisch gewürzt, erweist sich dieses Buch als bisweilen amüsante Fundgrube, die auch das mehrfache Durchblättern, Schmunzeln und Lernen lohnend macht.

Gewiss – der Fachhistoriker hätte daran einiges auszusetzen. Aber die Heraus­geber sind ja nicht völlig unkundig. Es gibt zum Schluss beispielsweise den hilf­reichen Hinweis, dass die Datumsangaben, die durchgängig mit „vor Christus“ versehen wurden, streng genommen unzutreffend sind, denn „die Griechen hatten eine andere Zeitrechnung“.

Das gilt auch für die Länder, die auf Karten Erwähnung finden. „Gold aus der Türkei“, heißt es so an einer Stelle oder „Teppiche aus Tunesien“. Der Historiker wird sich auch daran stoßen. Die Herausgeber und Übersetzer merken am Schluss deshalb an: „In diesem Buch werden viele Ländernamen so benutzt, wie wir sie heute kennen… Die antiken Griechen hatten andere Ländernamen.“

Natürlich wäre es schön gewesen, die nun auch noch zu erfahren. Aber verges­sen wir nicht, dass es sich um ein Kinderbuch handelt. Wenn der Leser oder die Leserin über dieses Buch hinaus noch neugierig geworden sein sollte, und das ist durchaus möglich, dann kann dies ja der Dorn sein, der die Neugierde an­spornt.

Wer nun Griechenland eher mit Troja, dem Trojanischen Krieg, Heinrich Schlie­mann und ähnlichem in Verbindung bringt, der wird wohl warten müssen, bis der Verlag in dieser Reihe auch noch eine „mykenische Zeitung“ herausbringt. Denn bekanntlich – für uns althistorisch Versierte – ist diese Zeit vor 800 vor Christus anzusiedeln. Und auch, wer erfahren möchte, wie die Römer schließlich die griechischen Poleis vereinnahmten oder wie es sich nun genau mit dem Grund für den Aufstand der griechischen Städte in Kleinasien gegen die Perser verhielt, wird hier vergebens schürfen. Dies sind die Grenzen der „griechischen Zeitung“. Auch merkt man diese Grenzen bei einer Illustration zu einer Sklavenauktion, wo eine Sklavin im hochgeschlossenen Kleid versteigert wird… eine äußerst unwahrscheinliche Sache. Aber wir wissen ja, dass im heutigen Amerika das Darstellen nackter weiblicher Brüste schon skandalträchtig ist. Zu erkennen, dass sogar Kinderbücher diesbezüglich zensiert werden, ist freilich ein wenig ernüchternd.

Ausgesprochen kundig und gefällig sind jedoch die meisten restlichen Illustra­tionen, und das Register am Schluss des Bandes ist ausgezeichnet zum gezielten Nachschlagen. Alles in allem handelt es sich daher um eine solide Arbeit, die Neugierde und Fragen weckt und meiner Ansicht nach durchaus geeignet ist, in Kindern das Interesse an der Geschichte wachzurufen.

© by Uwe Lammers, 2005

Appetit geweckt? Ich hoffe doch sehr… zwar kann man das Buch höchstwahr­scheinlich nur noch antiquarisch finden, aber ich bin der Auffassung, dass sich das durchaus lohnen dürfte. In der nächsten Woche ist dann wieder Schluss mit lustig, dann geht es etwas härter zur Sache. Inwiefern? Schaut einfach kom­menden Mittwoch wieder rein, dann wisst ihr Bescheid.

Bis dann, meine Freunde!

Euer Uwe.

Liebe Freunde des Oki Stanwer Mythos,

wie ihr vielleicht schon auf der Website des Fördervereins Phantastika Raum & Zeit e.V., www.sciencefiction.de, mitbekommen habt, habe ich heute entschlos­sen Neuland betreten, was die Veröffentlichung meiner E-Books angeht. Kon­kret, und das sagt ja der Titel des Blogeintrags schon, der so überraschend auf meiner Homepage zu lesen steht, handelt es sich um XinXii, wo ich ab sofort meine E-Books ebenfalls an interessierte Leser vermitteln lasse.

Natürlich muss sich das alles erst einspielen, und momentan ist diese Umgebung für mich ein wenig ungewohnt, da können durchaus Fehler vorkommen… doch bin ich zuversichtlich, dass ich mich hieran genauso gut gewöhnen kann wie einst im Frühjahr 2013 an das Publizieren meiner Geschichten über Amazon.de und im Sommer 2014 auf www.beam-ebooks.

Ihr merkt, das braucht einfach alles ein wenig Zeit.

Es hat auch gedauert, bis ich die Amazon-Author-Central-Seite als Marketingin­strument entdeckte. Das hatte unter anderem mit privaten Turbulenzen, mehre­ren Todesfällen und dergleichen zu tun, die ich parallel dazu verdauen musste. Ich hoffe sehr, dass sich der Herbst 2015 schöner entwickelt und bin da guter Dinge.

Die Geschichte startet hier also wieder gewissermaßen bei Null, also mit dem ersten Band der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI). Wieder ein­mal lernt ihr die Sternenforscherin Nayeen kennen und ihre verehrte und leider gerade verstorbene Mentorin Sianlee… und ihr Geheimnis eben, das den nächs­ten Entwicklungssprung des yantihnischen Volkes auslöst und die Raumfahrer der Yantihni zu ganz neuen Ufern trägt. Ein bisschen so wie in meinem eigenen Fall heute, und insofern überaus passend.

Die hier publizierten E-Books werden zum Preis von 1,49 Euro zu erwerben sein, ausgenommen jene, die jetzt schon deutlich mehr kosten – also beispiels­weise die „Annalen“-Romane. Da wird sich der Preis ebenso an den Preisen auf Beam und Amazon orientieren wie bei den Storysammlungen, die in naher Zu­kunft natürlich auch einen „Relaunch“ auf XinXii erleben werden. Das ist aber noch Zukunftsmusik.

Ich freue mich, auf diese Weise weitere Leserschichten zu erreichen und hoffe, ihr werdet angenehm unterhalten. Macht euch auf die Reise in den Oki Stanwer Mythos – es lohnt sich!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde meiner E-Books,

es hat leider eine Weile gedauert, bis ich finanziell genug angespart hatte, um mir und euch dieses Vergnügen leisten zu können und den Band 8 der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) nun auch im EPUB-Format vorle­gen zu können. Als das E-Book vor tatsächlich bereits anderthalb Jahren – im Januar 2014 – als MOBI-Datei das Licht der Welt erblickte, da konnte noch nie­mand wissen (mich ausgenommen), dass ihr hierin auf die Reise der RHONSHAAR an die Bebengrenze und ins Reich der Tassaier mitgenommen werden würdet.

In diesem Band 8 der Serie begann eine Odyssee, die die treuen Leser bis jetzt in Atem hält und mit solchen Personen wie Vaniyaa und Völkern wie den Shonta zu tun hat. Da wird auch noch im Jahre 2016 einiges nachkommen, das kann ich jetzt schon versprechen.

Wer der Serie bislang nur im EPUB-Format folgt, wird ab sofort eine weitere Lücke der Lektüre schließen können und der zweiten großen Expedition des yantihnischen Volkes zu folgen imstande sein.

Das EPUB TI 8 „Am Rand der Bebenzone“ ist ab sofort auf www.beam-ebooks.de erhältlich zum Preis von nur 1,49 Euro.

Ich wünsche angenehme Lektüre!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

PS: Sorry, dass diese Meldung nicht zeitig erscheinen konnte… es gab da ein paar technische Probleme, die mich selbst behinderten.

Wochen-Blog 119: Der OSM im Bild, Teil 7

Posted Juni 14th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ja, ich weiß, es sind schon wieder siebzehn Wochen ins Land gestrichen, seit ich diese Rubrik das letzte Mal verfolgt habe. Aber seht es mal von dieser Warte aus – ich möchte euch ja nicht nur eine Aneinanderreihung vielteiliger Blog-Subserien bieten, sondern euch zwischendrin auch noch zu anderen Gefilden mitnehmen. Und für einen regelmäßig geführten Blog liegt die Würze gerade darin, Abwechslung zu bieten.

Der Blog bietet außerdem die bequeme Möglichkeit, wenn ihr ein wenig Lange­weile habt und Zeit dazu, chronologisch durch die einzelnen Einträge zu „zap­pen“ und so bei Bedarf die Linearität wieder herzustellen, die in der rein chrono­logischen Reihung fehlt. D. h., wenn ihr „Der OSM im Bild“ als zusammenhän­genden Text lesen wollt, dann blättert ihr halt der Reihe nach die Blogartikel 44, 54, 65, 77, 93 und 102 auf… und voilà, schon seid ihr wieder up to date.

Also weiter im Programm, der Platz ist wie immer begrenzt.

Am 15. Februar 2015 hielt ich nach dem Erreichen des Titelbildes 9 der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC) (1983-1988) inne. Aber ich sagte vorher schon, Lars Vollbrecht habe noch eine Reihe Neuschaffungen von Titel­bildern gemäß meiner kopierten Vorlagen realisiert. So geht es denn auch wei­ter.

Band 10 der Serie, „Unbekannter aus Sternentiefen“ konfrontiert den Leser und die Cranyaa im Halo der Galaxis Hun’arc mit einer kristallenen Raumfes­tung, die von einem verhängnisvollen schwarzen Schleier wolkenartiger Struk­tur eingehüllt wird. Im Zuge dieser Episode stellt sich heraus, dass die Kristall­festung die Lichtfestung OREOC darstellt, das kampfkräftige Vehikel für den ebenfalls kristallinen Helfer des Lichts Klivies Kleines. Er wird, und das ist dann dieser finstere Schleier, gleich nach seinem Auftauchen vom Dämon Ormun von TOTAM attackiert. Die Aktivierung der automatischen, primärenergetischen Ab­wehr OREOCS kann den Dämon aber vertreiben, so kommt dann der Kontakt mit den Cranyaa zustande.

Das Cover zeigt im Zentrum die Lichtfestung OREOC recht schön mit ihren weit ausladenden Kristallzinnen, an deren Spitzen gleißende Lichtblitze zu erkennen sind. Auch der schwarze Schleier – vor dem Hintergrund der s/w-Zeichnung grau schraffiert realisiert, ist deutlich zu erkennen. Unten rechts sieht man den Bug eines Wabenraumschiffs der Cranyaa. Solide Arbeit des Jahres 1987.

In der nächsten Episode, Band 11 der Serie mit dem Eigentitel „Tod auf Vo’hoccl“, wird der Handlungsstrang fortgesetzt. Kurz zum Inhalt: Klivies Kleines hat sich den Rapport des Cranyaa Kama-Ke angehört. Kama-Ke überbrachte, wie erinnerlich, die Erinnerungen des Orakels Slek-Im, der ersten Helferin des Lichts, die jüngst Opfer eines Angriffs durch TOTAMS Dämonen wurde.

Durch diese Informationen kann Kleines OREOC ins Zentrum der Galaxis Hun’arc steuern, in das Herz des geheimen Imperiums der Dämonenwaffe Rookax. Sein Ziel: Zerschlagung des feindlichen Machtpotentials. Sein erster Anlaufpunkt ist der Planet Vo’hoccl, wo das Volk der Mogolker lebt. Dies scheint das schwächs­te Glied in der Kette zu sein.

Doch als Kleines eintrifft, ist Vo’hoccl eine Leichenwüste. Das beschädigte Cranyaa-Expeditionsschiff LUHMEN hat den Ausbruch aus der Sonnenhölle geschafft und Rache genommen. Daraufhin ging Rookax zur Strategie des minimierten Ri­sikos über und hat das Volk der Mogolker ermordet. Kleines nimmt nun seiner­seits für diesen Massenmord Rache.

Das Cover, das Lars zeichnete, ist geprägt von atemberaubender Dramatik: brennende Gebäude, dichte, schwarze Rauchwolken, ein abgeschossenes Teil­segment des Cranyaa-Schiffes LUHMEN, tote Mogolker… völlige Verwüstung, mit klarem, kräftigem schwarzen Strich gestaltet. Das Bild beeindruckt mich auch nach mehr als 25 Jahren enorm. Ich hoffe sehr, dass ich es euch beizeiten mal in einer zweiten Galerie auf der Homepage zeigen darf.

Fortsetzung in Teil 12 der Serie mit dem Titel „DÜSTERWELT“. Nach dem Unter­gang des Volkes der Mogolker wendet sich Klivies Kleines mit seinen Gefährten Kama-Ke, Olom-Ra und Lasa-On zu einem weiteren Stützpunkt der Dämonen­waffe Rookax, nämlich zu jener Welt, auf der er einstmals seinen Aufstieg be­gann. Das ist die Vulkanwelt, die man als „Düsterwelt“ bezeichnet.

Hier haben die Genforscher aus dem Volk der Soogrer die Tsoffags entwickelt, und hier wird ein Stoßtruppunternehmen durchgeführt. Die drei Cranyaa tref­fen dabei auf den Soogrer-Wissenschaftler Goonex in einem geheimen Labor und werden von weiteren genetischen Züchtungen, so genannten Nuusen, an­gegriffen.

Das Titelbild zeigt nun den arbeitenden Goonex unten rechts im Bild. Über ihm verlaufen finstere Rohrleitungen, im Hintergrund ist ein bogenförmiges Portal zu erkennen. Von links schlängelt sich eine Phalanx aus Tentakeln heran… das war allerdings Lars´ freie Erfindung, denn die Nuusen haben definitiv keine Ten­takel. Durch den starken Einsatz schwarzer, intensiver Schraffur wirkt das Bild außerordentlich düster, was sehr gut mit dem Titel und der in der Episode herr­schenden Atmosphäre harmoniert.

In Band 13 (Eigentitel: „Die Todessonne“) eskalieren die Ereignisse auf dramati­sche Weise. Das Landeunternehmen der Cranyaa erleidet Schiffbruch. Klivies Kleines schickt sowohl den von Rookax´ paramentalem Einfluss befreiten Soog­rer Goonex als auch die Cranyaa zurück in den Orbit, wo OREOC wartet… doch ihm selbst gelingt die Flucht nicht.

OREOC ist aus unerfindlichen Gründen so fehlgeschaltet, dass er auf die Düster­welt eine planetenzerstörende Waffe loslässt und so den Planeten in eine neue Sonne verwandelt. Klivies Kleines scheint dabei umzukommen. Und, schlimmer noch: Rookax lässt die soogrerischen Kampfeinheiten nun massiert Jagd auf die Lichtfestung machen. Das ganze Unternehmen gerät in eine fatale Schieflage.

Das Cover, das Lars dazu entwarf, ist konzeptionell faszinierend. Der Hinter­grund ist wieder ganz schwarz, aber im Zentrum der Darstellung befindet sich eine auf der flachen Seite liegende Ellipse, die offensichtlich einen großen Bild­schirm darstellt. Darin erkennt man einerseits die Düsterwelt in finsterem Glanz wie eine schwarze Bowlingkugel. Rechts davon ist deutlich sichtbar OREOC – hier fälschlich immer noch in schwarze Schleier gehüllt (der Dämon Ormun, der diese Erscheinung ja auslöste, ist längst vertrieben worden). Links von dem Pla­neten explodiert gerade ein Soogrer-Kampfschiff, weitere sind in der Darstel­lung zu sehen.

Im Vordergrund und am unteren Bildrand erkennt man außerdem einen Soog­rer gewissermaßen „von hinten“ vor einem Rund aus Schaltelementen. Offen­sichtlich suggeriert die Bildperspektive darum einen Blick in die Kommandokan­zel eines angreifenden Soogrer-Schiffes. Das ist eine faszinierende Variation meines eigenen Covers, das ich im Dezember 1983 entwarf. Dort hatte ich mich völlig auf die Außensicht kapriziert und rechts oben im Bild die explodierende „Düsterwelt“ gezeichnet, direkt darunter die in heftigem Gefecht stehende Lichtfestung OREOC, und ringsum ein ganzes Geschwader von Tropfenschiffen der Soogrer. Faszinierend ist auch dabei, dass in der Bildschirmdarstellung der Weltraum weiß gelassen wird. Das macht die Zeichnung äußerst beeindru­ckend.

Indem Lars nun die personelle Innenperspektive herstellte, hat er deutlich mehr Dramatik in das Bild gepackt. Hat mir sehr gefallen, diese Darstellung. Über­haupt entwickelte er immer mehr Elan und Ehrgeiz, die Inhalte der Episoden zu treffen und sie zum Teil raffiniert umzugestalten. Ein klarer Gewinn für die visu­ellen Effekte der Serie. Auch deshalb würde ich die Bilder gern der Allgemein­heit zeigen. Ich arbeite daran, den Künstler zu überreden, Freunde…

Ein Cover möchte ich noch in aller Kürze beschreiben, dann ist der Raum für heute erschöpft: Band 14 der Serie, „Die Geburt der Todeswelt“, war der letzte FdC-Band, den ich 1983 noch schrieb, kurz vor Silvester. Hier beschrieb ich die Erfüllung des Schicksals des Kunstvolkes der Tsoffags – eine Mission, die selbst ihr Erschaffer Rookax nicht vorhergesehen hatte.

TOTAM, die Welt des Bösen, hatte Rookax mit einer großen Menge TOTAM-Energie überladen. Einen Großteil dieser Energie transferierte Rookax später nach Erschaffung der Tsoffags in diese organischen Gespinste, die die verhee­renden silbernen Schollenschiffe „bemannten“. Doch nun erging an die Tsoffags der Ruf, sich an dem Punkt des Cranyaa-Reiches zu versammeln, wo die alte Brutwelt Sayliih (Bd. 6) vernichtet worden war und anstelle des Planeten eine Art von Raumzeittunnel entstand. Indem die Tsoffag-Schiffe dort hineinflogen und die TOTAM-Energie wieder abstrahlten, zerstörten sie sich unweigerlich selbst, stabilisierten aber so auch plangemäß den Tunnel, durch den TOTAM aus dem untergegangenen KONFLIKT-Universum 13 in den neuen Kosmos gelangen konnte.

Sowohl mein Cover als auch das von Lars zeigt im Zentrum den immer finsterer werdenden Tunnel des Universentransmitters, und man sieht bei Lars von allen Seiten die Schollenschiffe einfliegen, die auf einen Punkt nahe dem rechten un­teren Bildrand zurasen. Die Darstellung ist, im Vergleich zu den vorherigen Bil­dern, recht kontrastarm und fast spartanisch zu nennen, aber die Strichführung ist gleichwohl beeindruckend. Er bewies hiermit, dass er höchst unterschiedliche Stile des Zeichnens virtuos beherrschte, und das würde man später auch in einer Galerie deutlich sehen können.

Mit den nächsten Titelbildern, in denen die Handlung dann wieder zu OREOC und dem weiteren Kampf im Reich des Rookax umblendet, befasse ich mich im nächsten Teil dieser Artikelserie.

In der kommenden Woche gibt es erst mal wieder was Vergnügliches zu lesen. Ich entdeckte jüngst eine neue Reihe von ulkigen Fehlern und nehme euch dann mit ins „Chaos in Bytharg“. Ich glaube, das wird ganz unterhaltsam – das solltet ihr euch nicht entgehen lassen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 11: Das Erbe der Azteken (2)

Posted Juni 10th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vor drei Wochen habe ich euch das erste Mal in ein Abenteuer mit den Schatz­suchern Samuel und Remi Fargo gescheucht, und ich denke, wenn ihr den Ro­man inzwischen gelesen habt, könnte es sein, dass ihr sie so lieb gewonnen habt wie ich selbst ebenfalls. Im Gegensatz zu mir müsst ihr heute aber nicht ein paar Monate darauf warten, ehe ihr weiter ihren Spuren folgen könnt, son­dern das geht jetzt ruckzuck – ein klares Votum für das Rezensieren älterer Ro­mane, man kommt so deutlich rascher an ergänzenden Lesestoff.

Wohin geht es diesmal? Anfangs nach Sansibar und zu einer Schiffsglocke. Und dann zu den Azteken? Wie jetzt? Tja, folgt mir in den Roman, und ihr bekommt nähere Infos:

Das Erbe der Azteken

(OT: Lost Empire)

von Clive Cussler & Grant Blackwood

Blanvalet 37949

512 Seiten, TB

München, Juli 2012

Aus dem Englischen von Michael Kubiak

ISBN 978-3-442-37949-1

Schon das Titelbild erregt Aufmerksamkeit: zwei Taucher vor smaragdgrünem bis fahlweißem Hintergrund, ein großes, offensichtlich steinernes Artefakt um­schwimmend, das eine Schlange zeigt, die sich in den Schwanz zu beißen scheint. Dazu der Klappentext: zwei Schatzjäger entdecken „bei einem Tauch­gang Teile eines aztekischen Artefakts – und befinden sich plötzlich im Visier der ultranationalistischen und skrupellosen mexikanischen Partei Mexica Tenochca…“

Ich war, zugegeben, schon vor Monaten fasziniert, als ich die Buchanzeige im In­ternet entdeckte. Und ja, ich war vorgewarnt, wenn man das so nennen möch­te. Angefixt vielleicht, das wäre ebenfalls passend. Denn ich kannte den ameri­kanischen Titel seit einem Jahr und wartete sehnsüchtig auf die Übersetzung. Der Grund liegt auf der Hand, wenn der Leser dieser Zeilen das Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA) 340 (Januar 2012) als Begründung heranzieht.

In jenem Monat rezensierte ich das Buch, das man sinnvollerweise vor diesem hier lesen sollte: „Das Gold von Sparta“. Damals machte ich die wunderbare Be­kanntschaft mit Sam und Remi Fargo, zwei passionierten Schatzsuchern mit ziemlich unverwüstlichem Charme und Humor, außerordentlich menschen­freundlich und, ja, manchmal ein wenig bestürzend naiv, was dann bisweilen dramatische Resultate erzeugen kann. Vor allen Dingen sind die Fargos aller­dings eins: sehr, sehr stur. Ich mochte die beiden und ihren Helferkreis jeden­falls sofort und entdeckte, dass Cussler und Blackwood DREI Fargo-Abenteuer zusammen geschrieben haben, die wahrscheinlich zu 98 % Blackwood und klei­nen Einsprengseln von Cussler bestehen. Wer also die manchmal doch sehr ruppige Action der Cussler-Romane nicht so schätzt, sondern wem es mehr auf Köpfchen und vergnügliches „Aufs-Glatteis-Führen“ ankommt, der ist bei den Fargos ganz am Platze.

Nun, und hier haben wir also das zweite Fargo-Abenteuer, und darum geht es:

Der Prolog spielt, rätselhaft genug, im Jahre 1864 in England. Ein Mann namens „Jotun“ versucht, die Abfahrt eines Schiffes zu verhindern. Dummerweise schei­tert er damit, und das Schiff entschwindet in den Nebel (und wer denkt, das sei alles Nebensache, der hat die Struktur der Cussler-Romane nicht begriffen. Sehr gründliches Lesen ist hier angesagt, besonders bei Blackwood! Ihr werdet es merken!).

Gegenwart, Chumbe Island vor Sansibar bei Tansania: Das Schatzsucher-Ehe­paar Sam und Remi Fargo macht wieder einmal Urlaub auf Sansibar wie schon häufig zuvor. Der Grund dafür liegt nicht nur in ihrer Liebe zu Afrika begründet, die hier sehr schön ausgearbeitet wird, sondern auch in der Tatsache, dass der Meeresgrund um Sansibar gepflastert ist mit antiken Schiffswracks unterschied­lichster Mächte und Reiche und Jahrhunderte. Die Riffe hier und die tropischen Stürme sind eben außerordentlich tückisch. Und so tauchen die beiden also und denken sich: vielleicht finden wir ja im Urlaub auch mal einen kleinen Hin­weis auf einen Schatz. Und verdienen uns sozusagen ein Zubrot und bessern die Urlaubskasse auf.

Sie finden nicht einen kleinen, sondern einen außerordentlich gewichtigen Schatz – nämlich eine Schiffsglocke, die mehrere Zentner wiegt. Eine erste Re­cherche ergibt, dass der Fund nicht zu einer in der Nähe entdeckten Goldmünze passt (diese hätte, aber davon wird im Roman mehr erzählt, im Grunde zu ei­nem Piratenschatz geführt). Die Glocke ist zu groß für das gesuchte Schiff, ge­hört also zu einem anderen.

Da gibt es nur eins: die Glocke bergen.

Interessanterweise lockt allein schon die Gegenwart der Fargos eine zweite In­teressengruppe auf den Plan, die es ganz offenkundig auf die Glocke abgesehen hat – aber nicht, um das damit verbundene Geheimnis zu entschlüsseln, son­dern um es weiter zu verheimlichen.

Diese Gruppe schreckt vor Mord nicht zurück, und die Fargos geraten rasch in Lebensgefahr. Das Dumme daran ist, dass weder der Leser noch die Schatzsu­cher selbst recht verstehen, wie die Mosaikstücke zusammenpassen. Während ein Parallelhandlungsstrang rasch deutlich macht, dass die Gegenseite von dem fanatischen Aztekenverehrer Quauthli Garza in Mexiko gelenkt wird, beginnen sich die Fargos zu fragen, wieso die Mexikaner wohl hinter der Glocke her sind… denn die Glocke scheint zu einem amerikanischen Schiff namens „Shenandoah“ zu gehören, und das wiederum war ein Schiff der Konföderierten aus dem ame­rikanischen Bürgerkrieg, nach dem die Fargos schon lange suchen und über das zahlreiche Legenden kursieren (nicht zuletzt drei unterschiedliche Termine für ihr Ende, die geografisch und zeitlich weit auseinander liegen, und keiner davon ist verifiziert). Um die Angelegenheit noch komplizierter zu machen, ist in die Glocke ein zweiter Name eingraviert, nämlich „Ophelia“. Und diese Spur führt die Fargos dann nach Bagamoyo auf dem Festland, wo es das so genannte „Blaylock-Museum“ gibt und eine Zeichnung der „Ophelia“ hängt. Die unbe­streitbar mit der „Shenandoah“ identisch ist.

Aber wer war der rätselhafte und scheinbar geistesgestörte Blaylock? Warum wurde das Schiff umbenannt? Warum werden die Leute, die über das Schiff stolpern, von den Mexikanern kurzerhand umgebracht?

Und was hat das alles mit den Azteken zu tun?

Rätsel über Rätsel.

Die Sache wird noch um einiges abenteuerlicher, als die Fargos endlich die Gele­genheit bekommen, sich das Innere der Glocke anzuschauen – denn das ist über und über bedeckt mit aztekischen Bildglyphen.

Während der mexikanische Berufskiller Rivera mit seinen Kollegen hinter den beiden Schatzsuchern her ist (bzw. manchmal unangenehmerweise ein paar Schritte voraus!) und nach und nach wirklich genug Grund für Antipathien be­kommt (das muss man nachlesen, das ist wirklich äußerst vergnüglich und sehr turbulent), pirschen sich die stetig neugieriger werdenden Abenteurer an das ziemlich knifflige Rätsel heran, das wesentlich mit dem rätselhaften Jäger Blay­lock zu tun hat, mit dem Sezessionskrieg, mit Verrat und Massenmord, aber eben auch mit codierten Nachrichten, uralten Agentennetzen, berühmten Per­sönlichkeiten der Vergangenheit, Fibonacci-Folgen und einem aufregenden Ge­heimnis, das schließlich bis zu einer der schlimmsten Naturkatastrophen des 19. Jahrhunderts führt – zum Ausbruch des Vulkans Krakatau im Jahre 1883…

Fangen wir mit einem Plus an: Der Roman liest sich unglaublich rasant und sehr vergnüglich, und eine Ahnung davon, worum es eigentlich tatsächlich geht, er­hält man erst etwa auf Seite 250, also in der Mitte des Buches. Für kombinie­rende, gern kniffelnde Leser, die etwa Sherlock Holmes-Romane oder Holmes-Romane der Epigonen genießen, wenn sie gut gemacht sind, ist das idealer Le­sestoff. Das gilt zur allgemeinen Überraschung umso mehr, und damit kommen wir dann zu den Eintrübungen, als das Äußere des Buches den Neugierigen gründlich in die Irre führt. Wer beispielsweise darauf wartet, dass die Titelszene irgendwo in Erscheinung tritt, der wartet 512 Seiten völlig vergebens. Das ist al­les Quatsch, dieses schöne Artefakt gibt es nicht, das ist frei erfunden (wenn auch sehr nett gezeichnet).

Natürlich, derlei vermeintlich verkaufsfördernde Irreführungen ist man auch von anderen Romanen Cusslers gewohnt. Aber wenn man sich den ersten Far­go-Roman anschaut, wo das Cover ideal zum Inhalt passte, dann muss man kon­statieren, dass der Verlag hier klar geschwächelt hat. Das ist, was den Klappen­text angeht, noch übler. Denn natürlich finden die Fargos KEIN aztekisches Arte­fakt… äh, wenigstens nicht beim TAUCHEN. Nachher schon, aber das muss man dann nachlesen. Da hat jemand sich beim Verlag offenkundig zu sehr am vorlie­genden Titelbild orientiert und den Roman nicht gelesen. Das trübt dann doch die Lesefreude ein wenig ein.

Ansonsten kann man die Geschichte recht gut in drei Tagen lesen (ich für mei­nen Teil las die zweite Hälfte des Romans an einem Nachmittag und Abend, weil ich nicht mehr aufhören konnte, und das will immer was Gutes heißen). Zu mei­nem Verdruss wurde die Story dann zum Schluss hin aber leider immer dünner und löste sich beinahe wie ein Nebelschweif fast in Luft auf… damit blieb sie dann doch deutlich hinter den Erwartungen zurück, die sich nach dem ersten Fargo-Roman in mir aufgebaut hatten, und dem Titel wurde sie auch nur seeeehr bedingt gerecht.

Ja, es geht hier um ein „verlorenes Reich“, insofern ist das ganz präzise. Aber lei­der hat sich – so las es sich wenigstens – Blackwood nicht hinreichend in die dazu passende Kultur eingearbeitet, um schlussendlich auch tatsächlich Nägel mit Köpfen zu machen (und eine Spur, die ich für sehr verheißungsvoll hielt, wird schließlich ganz und gar ignoriert, was doch sehr schade ist).

Überaus raffiniert und kenntnisreich indes ist dann die Codierung, die den Weg zum „lost empire“ weist, und da ist Blackwood erkennbar in seinem Element. Dieser durchgängige Schatzsuchercharakter prägt ganz wie im ersten Roman die ganze Geschichte und verleiht ihr eine Art von Indiana-Jones-Flair, und das ret­tet dann im Grunde das Werk doch noch.

Gleichwohl bleibt der Wermutstropfen bestehen: an den ersten Fargo-Roman reicht der Nachkömmling nicht heran. Bleibt also abzuwarten, wie der dritte ge­raten ist, der wahrscheinlich anno 2013 auf den deutschen Buchmarkt kommt. Ihr werdet es erfahren, denn ich werde ihn ganz bestimmt kaufen, lesen und re­zensieren.

© by Uwe Lammers, 2012

Lesungs-Blog (2)

Posted Juni 8th, 2015 by Uwe Lammers

Lesung im LORD HELMCHEN, Braunschweig, 6. Juni 2015

Liebe Freunde meiner Geschichten,

wahrscheinlich ist es eine Art von Naturgesetz, dass nichts, was man plant, letzt­lich genau so, wie man sich das ausmalt, realisiert wird. Irgendwie kommt im­mer was dazwischen – und meist verwandeln solche überraschenden Faktoren dann einen jeden Event in etwas ganz Eigenständiges, Singuläres. So war es auch mit dieser Veranstaltung. Ehe ich darum auf die Lesung selbst eingehe, möchte ich im kurzen Vorlauf erläutern, wie es eigentlich gedacht war und was dann zu einer Planänderung führte.

Begonnen hat alles schon im Jahr 2014. Der Science Fiction-Stammtisch des Fördervereins Phantastika Raum & Zeit e. V. tagte seit Jahr und Tag im Café DIALOG am Rebenring, als dann, gleichfalls im vergangenen Jahr, ein Besitzer­wechsel stattfand. Der neue Gastwirt Lothar, mit dem wir rasch per Du waren, gab bald darauf auf Nachfrage zu, dass es ihn durchaus reizen würde, auch mal in seinen Räumlichkeiten Lesungen zu veranstalten.

Terminlich vertröstete er mich – und bald auch Tobias Tantius aus dem Raum Gifhorn, der gelegentlicher Besucher des SF-Stammtisches war – auf Anfang 2015. Völlig okay.

Im März 2015 konkretisierten sich die Pläne, und rasch kristallisierte sich hier eine Duo-Lesung mit Tobias im DIALOG heraus. Terminiert wurde der Event auf den 6. Juni 2015.

Dann kam bei mir der chaotische Monat Mai, in dem meine Mutter erst ins Krankenhaus Gifhorn eingewiesen wurde und wenige Tage später überraschend verstarb. Ihr könnt euch denken, dass ich da ziemlich aus der Bahn geworfen wurde. Dennoch berappelte ich mich nach der Trauerfeier bald wieder und dach­te, es wäre ganz im Sinne meiner Mutter gewesen, wenn ich jetzt halt nicht Trübsal bliese, sondern meine Pläne hartnäckig weiter verfolgte.

Damit auch die Lesung.

Also suchte ich am 19. Mai das DIALOG auf… um konsterniert feststellen zu müssen, dass es die Pforten geschlossen hatte. Dauerhaft.

Nun war nicht nur der SF-Stammtisch heimatlos, sondern wir waren auch des Lesungsortes beraubt. Das war doch ein herber Rückschlag… der dann durch eine Mail abends in eine ganz andere Richtung abgeleitet wurde, etwa wie ein Blitz, der aus dem Firmament herabfährt.

Diese Mail kam vom Gastwirt des Restaurants LORD HELMCHEN an der Fal­lerslebener Straße, bei mir direkt um die Ecke. Es ergab sich, dass der Wirt des DIALOG und er sich kannten, und folgerichtig bot mir Thomas Helmold nun an, die Lesung doch im LORD HELMCHEN zu realisieren.

Schöne Überraschung!

Einige Arbeitsgespräche vor Ort führten zu einer soliden Feinplanung, zur Er­stellung eines Plakates und einer digitalen Ankündigung der Veranstaltung auf der Homepage des LORD HELMCHEN. Ich hängte in der Folge dann auch Pla­kate auf und sprach Freunde und Bekannte an, informierte sie über den Wechsel des Veranstaltungsortes.

Am 4. Juni tagte der SF-Stammtisch ebenfalls dort, Tobias Tantius war planmä­ßig zugegen und orientierte sich auch über die Verhältnisse vor Ort. Somit schaut jetzt, gut zwei Stunden vor Beginn der Lesung, alles solide und gut aus.

Weiter unten erzähle ich gleich nach Ende der Veranstaltung, wie die Lesung dann geworden ist.

So, liebe Freunde meiner Geschichten,

und damit geht es also weiter im Plan. Die Lesung ist Vergangenheit, und ich kann nun aus der Retrospektive berichten. Da der Raum hier vielleicht prinzipi­ell unbegrenzt ist, eure Aufmerksamkeit aber wohl nicht unendlich vorhanden ist, fasse ich mich so kurz als möglich.

Ich erschien auf der Bühne um 17.45 Uhr und machte mich mit dem Raum ver­traut, sprach mit dem Inhaber, und es ging dann eigentlich erst ans „Eingemach­te“, als Tobias Tantius und sein Sohn Tizian gegen 18.30 Uhr eintrafen, samt ih­rer Technik, die sie eigentlich für den multimedial unterstützten Vortrag verwen­den wollten… woraus nur bedingt etwas wurde. Das war, würde ich im Nach­klang sagen, auch ganz gut so, weil wir so auf gleicher Ebene agierten und das Gefälle zwischen Teil 1 und 2 der Lesung nicht so stark ausfiel.

Kurz nach 19 Uhr war die Gästeschar – überschaubare sieben Personen, von de­nen ich die meisten persönlich vorher kontaktiert hatte – vollzählig, und die Le­sung konnte beginnen.

Tobias stellte sich vor und las nacheinander, unterbrochen durch kurze Pausen und auflockernde Zwischendurchbemerkungen zweieinhalb Kurzgeschichten, von denen die mittlere – „Die Sternensammler“ – mir wirklich gefiel. Ich mach­te hier die Feststellung, dass Kinder sich als Vermittler von Geschichteninhalten mit ihrer doch oft wirklich sehr direkten Art wunderbar als Sympathieträger eig­nen.

Die letzte Geschichte las Tobias nur an, für die Vervollständigung der Hand­lungslinie hatte er seine Storysammlung „Gedanken aus Übermorgen“ bei sich, von denen er tatsächlich anschließend einige Exemplare verkaufte.

Dann folgte eine Pause, ehe ich mit meinen Werken fortfahren konnte. Eingangs sagte ich ein paar Worte zu mir und meiner Person, und als gute Verbindungs­schnur zur Realität einerseits und zur zentralen Geschichte andererseits hatte ich ein Teelicht mitgebracht, das ich im Andenken an meine Mutter, deren Seele ich damit gewissermaßen als Geist-Zuhörerin in unsere Reihen herabbeschwor, entzündete. Nennt es animistisch, wenn ihr wollt, aber es gab mir eine große Seelenruhe, und eine Zuhörerin erzählte mir nachher, die Geschichte habe sie – nicht zuletzt wegen des von mir erwähnten jüngsten Verlustes der Mutter – besonders be­rührt.

Ich leitete ein mit den Prosagedichten „Inspiration“ und „Bloggeritis“. Letzte­res war durchaus ironisch-launisch, erzeugte einige Lacher und den ersten eige­nen Beifall des Abends.

Dann ging ich über und erzählte in der Phantastik-Story „Reinkarnation“ die bizarre Geschichte des sterbenden Wikingers Arne Ragnarsson, der sich nach dem Tode zur eigenen Verblüffung nicht in den Sälen Walhalls wiederfand, son­dern als Grashalm zu neuem Leben erwachte… zu Beginn.

Mit „Die Innerste Zuflucht“ folgte dann ein weiteres Prosagedicht, ehe ich – auf Nachfrage ans Publikum hin – einen ersten Auszug aus der noch in Arbeit befindlichen Story „Ungleiche Freunde“ bringen konnte. In diesem Werk, das dem Oki Stanwer Mythos (OSM) entstand, verfolge ich eine Handlungslinie weiter, die manchen meiner E-Book-Leser schon vertraut sein könnte.

Inwiefern? Nun, der Handlungsschauplatz ist eine Welt namens Dawson, von dem dorthin gelangten irdischen Auswanderer Ian Perry auch „Swamp“ genannt. Die Geschichte spielt zugleich rund 8 Jahre nach Annalen 2 „Ian und der Stein der Götter“ und behandelt, könnte man sagen, in der Blende einen ungeplanten Ausflug von Ians erstgeborener Tochter Senyaali, die zu dem Zeitpunkt sieben Jahre alt ist, zudem wagemutig, abenteuerlustig und ziemlich stur.

Dass sie auf sprechende Schlangen, tote Crellys und glucksende, intelligente Flechten stoßen wird und an einen Ort gelangt, den man den „Platz der Steine“ nennt, der in den Kleinis Todesangst erzeugt, ist ihr eher nicht klar… und als mir eine Leserin schlussendlich sagte, diese Geschichte habe ihr ganz besonders gut gefallen, und sie würde gern den weiteren Fortgang erfahren, zeigte mir zum zweiten Mal an diesem Abend, dass Kinder – hier Senyaali – außerordentlich gut als Hauptpersonen von Geschichten geeignet sind.

Kurzum: die Lesung, die etwa um 21.45 Uhr endete, war ungeachtet der Tatsa­che, dass ich bei der zweiten Geschichte etwas zu schnell im Vortrag wurde, im Grunde ein voller Erfolg, und allen Anwesenden hat sie gefallen. Schade, dass eine Menge Leute, die ursprünglich gern gekommen wären, dann doch nicht da waren.

Ich glaube, sie haben was verpasst.

Ich selbst habe eine Menge aus diesem Abend gelernt, und der Inhaber des LORD HELMCHEN, der wegen des Schankbetriebes selbst nicht lauschen konnte, war von der Persönlichkeit der Vortragenden so angetan, dass es auf je­den Fall eine Wiederholungslesung geben wird, höchstwahrscheinlich dann eine thematische… schauen wir mal, vor September wird das sicherlich nichts mehr werden.

Sobald ich eine neue Lesung anbieten kann, sage ich Bescheid, auf der Website www.sciencefiction.de und sicherlich auch auf meinem Amazon Author-Central-Porträt. Haltet die Augen offen, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

elf Wochen nach dem letzten Eintrag in dieser Sache setzen wir heute unsere Reise in die alten OSM-Geschichten „Aus den Annalen der Ewigkeit“ fort. Im Blogbeitrag 107 berichtete ich darüber, dass das Jahr 1989 nicht eben ein güns­tiges war, was Annalen-Geschichten anging, wie es generell auch für den OSM nicht unbedingt fruchtbar zu nennen ist. Das änderte sich im Jahr 1990 insofern gründlich, als ich dort reichlich Gelegenheit bekam, im OSM Aufbauarbeit zu leisten.

Diese enorme Zunahme an kreativen Neuproduktionen hatte ursächlich mit meiner Biografie zu tun – ich befand mich zu diesem Zeitpunkt in Hameln im Zi­vildienst, und ich kam besonders in den Serien „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (1987-1993) und „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ (1988-1994) dra­matisch vorwärts. Insgesamt entstanden in diesem Jahr 128 OSM-Werke, mit Abstand der Spitzenwert in meiner gesamten Kreativbiografie, d. h. innerhalb von gut 35 Schreibjahren. Zahllose faszinierende Verbindungspfade wurden entdeckt, Verknüpfungen geschaffen, und es deutete sich in den obigen Serien schon an, dass das OSM-Konzept vor einem grundlegenden Umbruch stand.

In diesen 128 Werken waren eine Story und drei Romane enthalten, die in die „Annalen“ zu rechnen sind. Den Anfang machte die Story „Der Totenkopf-Pro­phet“, die bis heute unpubliziert ist. Der Grund dafür liegt natürlich zum einen in der stilistisch nicht optimalen Ausarbeitung, aber es gibt auch einen struktu­rellen Grund.

Der Totenkopf-Prophet“ spielt im KONFLIKT 20, die ich zwischen 1984 und 1997 in der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“ aufgearbeitet habe. Der zentrale Handlungshintergrund ist darum der Kampf Oki Stanwers und sei­ner Gefährten gegen die so genannte „MACHT“, die sich hinter dem Hundert-Sonnen-Wall in der Galaxis Zooltahn verbirgt und ein mehrere Galaxien umfas­sendes Imperium errichtet hat.

Es sei an dieser Stelle nur angedeutet, dass zu den unterworfenen Galaxien auch solche namhaften Sterneninseln wie die Baumeister-Galaxis Arc oder die Galaxie Mysorstos gehören. Letztere ist euch inzwischen aus den Blogartikeln vertraut als Standort des INSEL-Imperiums der Baumeister in KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“, begonnen 2004. Als ich Mysorstos in KONFLIKT 20 erstmals bereiste, war mir das noch nicht bewusst.

Das Problem ist, dass alle Protagonisten des Lichts vermuten, die MACHT sei TOTAM. Dies ist allerdings ein Irrtum. Er ist umso schleierhafter, als der Sitz der MACHT definitiv der Planet TOTAM ist… und die obige Story bringt nun Licht in die Vorgeschichte.

In „Der Totenkopf-Prophet“ erfährt man von dem Generalangriff von sechs ver­bündeten Baumeistern, die lange vor Beginn der Serie den gerade materialisier­ten Planeten TOTAM überfallen und es tatsächlich bewirken, dass das Wesen TOTAM mitsamt dem TURM in die Flucht geschlagen wird.

Während der Kämpfe kommt es allerdings dazu, dass Teile der schlummernden Hierarchie TOTAMS aufgeweckt werden, und ein solches Wesen, das gut wegge­sperrt ist, ist eben TK 40.112, der älteste Totenkopf, der sich als Totenkopf-Pro­phet versteht und als Erbe TOTAMS.

Das Chaos, das daraufhin auf TOTAM ausbricht, müsst ihr beizeiten nachlesen, wenn die Geschichte abgeschrieben und überarbeitet ist…

Unter der OSM-Kennziffer 718 folgte dann der Roman „Die schwebenden Berge“. Das war ein interessantes Ding, das unaufhaltsam in meinem Geist her­anwuchs. Die Geschichte spielt in KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“, und sie kam sehr überraschend. Denn dieser KONFLIKT war von mir vier Jahre vorher abgeschlossen worden.

Man könnte also meinen: Serie beendet, es gibt nichts mehr zu erzählen.

Weit gefehlt.

Der KONFLIKT 17, und insofern muss ich hier wieder ein wenig Hintergrundauf­hellung betreiben, spielt in der Galaxis Milchstraße und beschreibt im Kern die finale Auseinandersetzung der Macht TOTAM und der Diener des Lichts unter Oki Stanwer im Umfeld des irdischen Sternenreiches des Jahres 2092. Lange bevor all diese Geschehnisse passieren, kommt es beim terranischen Sternen­kreuzer ALBERT BERGINSSON zu einer Fehltransition. Das Raumschiff unter dem Kommandanten Benjamin Grades findet sich in einem fremden Sonnensystem wieder, was man noch halbwegs normal nennen könnte. Aber das Universum ringsum ist verschwunden. Das ist nun nicht mehr ohne weiteres zu erklären.

Dem terranischen Schiff ist durch den Transitionsimpuls etwas eigentlich Un­mögliches geglückt – sie befinden sich in einem EXIL der Baumeister, und dieses EXIL enthält ein komplettes Sonnensystem. Leider auch eine Entität, die die Ter­raner im Blick hält und anfängt, mit ihnen ungeheuerliche Experimente zu be­treiben…

Beizeiten wird diese Geschichte in der Reihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“ publiziert werden, aber das hat noch keine Eile, wie ich finde. Dafür wäre es klug, wenn ihr mehr über KONFLIKT 17 wisst.

Dieser Roman wurde am 28. Juli 1990 fertig gestellt. Bis ich Zeit für die nächs­ten fand, hat es dann gedauert, und zwar bis Ende Dezember 1990. Ich wandte mich hier in zwei direkt aufeinander fertig gestellten Romanen wieder dem KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ zu, den ich zu jener Zeit immer noch in Romanform überarbeitete.

Mit OSM 780 „Der Zartan-Konflikt“ und OSM 781 „Der Lichterfürst“ legte ich Band 6 und 7 der Romanüberarbeitung des KONFLIKTS 15 vor. Beschrieben wur­de hier, wie das terranische Sternenreich des 75. Jahrhunderts, das schon seit Jahrhunderten durch den so genannten Voork-Sturm in zahlreiche Splitterrei­che zerfallen war, ideologisch-aggressiven Besuch einer pflanzlichen Stellarzivili­sation bekam. Die im Spiralarm III angesiedelten PSI-Intelligenzen hatten be­schlossen, nach dem Ablauf eines uralten Bündnisvertrages, den Oki Stanwer einst mit ihnen geschlossen hatte, die carnivoren Zivilisationen der Milchstraße endlich zu transformieren und so ein für allemal die Gräuel zu beenden, die bei­spielsweise die Menschen gegen die planetaren Biosphären begingen.

Die pflanzlichen Emissäre dieser PSI-Intelligenzen, die Zartans, begannen also unerbittlich, die Menschheitswelten zu attackieren und sie biosphärisch zu un­terwandern. Dabei kamen sie recht überraschend einer weiteren Unterwande­rung in die Quere, die durch die Dämonen von TOTAM und ihre Bündnistrup­pen, die Totenköpfe, im Gange war.

Parallel dazu wurde die terranische Kolonialwelt Beteigeuze IV, vorher Invasi­onsziel des Dämons Zomar von TOTAM, von diesem fluchtartig verlassen. Grund? Eine entropische, instabile Raumzone schloss diese Welt ein. Wer auf ihr zurückblieb, so die landläufige Meinung, war dem Tode geweiht.

Das stimmte nicht so völlig, wie sich herausstellte, als hier ein uraltes Wesen aus langem Schlummer erwachte – ein Humanoider aus dem Volk der Kleinis, der sich Klivies Kleines nannte, sich als Herrscher der Kleinis verstand, jedoch auf der Flucht war. Und dann tauchte die so genannte „Seelen-Armee“ auf, ok­kupierte die zurückgebliebenen Totenköpfe des Dämons Zomar und erklärte Kleines zu seinem Anführer… und öffnete den Weg zur legendären Zentralwelt der Kleinis, die ebenfalls inzwischen in einer instabilen Raumzone lag.

Verwirrt, Freunde? Tja, das sind die komplexen Verbindungspfade einer OSM-Romanüberarbeitung. Im Vergleich dazu habt ihr es einfach mit der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI). Das ist sozusagen der Anfang des Garn­knäuels, das euch gleich dem Ariadnefaden aus dem Labyrinth zurück ans Licht befördert. Oder hinein, wobei euch zunehmend die Geheimnisse klarer werden, die ich hier angedeutet habe.

Bis ihr diese Romane – dann in gründlicher Neubearbeitung, da sie ja schon fast 25 Jahre alt sind – zu lesen bekommt, wird aber ebenfalls noch eine Menge Wasser den Berg hinabfließen.

Im nächsten Teil dieser Reihe beschäftige ich mich dann mit dem Jahr 1991, wo es wieder vier Werke zu betrachten gilt. In der kommenden Woche kehre ich zur Titelbildlese des OSM zurück, d. h. in KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“. Nicht verpassen, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.