Liebe Freunde des OSM,

ja, es ist schon wieder erstaunlich lange her, dass diese Rubrik an der Reihe war, schlappe sieben Wochen. Aber ich hoffe zuversichtlich, dass ihr neugierig ge­blieben seid, wie es weitergeht.

Beim letzten Mal war ich bis Ende Juni 2005 gekommen, in einem arbeitsamen Jahr, in dem ich eine 3-Tage-Berufswoche hatte und nebenher einiges an freier Zeit, um OSM-Glossare zu entwickeln, alte Episoden abzuschreiben und zu kom­mentieren… und ja, im Juli 2005 ging es damit dann tatsächlich auch für die „Annalen der Ewigkeit“ weiter. Ohne euch zu viel vorwegnehmen zu wollen – und das wäre fast unvermeidlich – , darf ich andeuten, dass ich in diesem Mo­nat wieder einmal bei den Shonta der Gruppe um den energischen Abenteurer­herz gelandet war. Und es entstand ein Crossover-Roman derselben Art wie „Annalen 4: Heiligtum der Shonta, nämlich „Räuber“.

Ich muss mal kurz überlegen, wie lange es wohl dauert, bis ihr diese Geschichte bei optimaler Erscheinungsfrequenz meiner E-Books (und nicht zu vielen ar­beitszeitbedingten Ausfallpausen) zu lesen bekommt… ja, doch, das könnte noch anno 2017 der Fall sein. Und dann denkt mal dran, dass dieser Roman schon seit Juli 2005 fertig ist. Bei sehr vielen anderen Texten sieht das noch deutlich heftiger aus, die sind auf der Reservebank fast eingestaubt…

Also, am 14. Juli wurde „Räuber“ fertig. Danach rutschte ich in KONFLIKT 19 ab und hielt mich dort eine geraume Zeitlang auf, abwechselnd mit der modernen Zeitgeschichte, da ich dort einen biografiegeschichtlichen Aufsatz mit dem schönen Titel „Schnee, Feuer und Bücher“ realisierte, den im Fandom keiner kennt.

Anschließend zog es mich im Juli und August zurück in den bislang stiefmütter­lich behandelten KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR), dann kippte ich zurück in KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI), ehe der Gedanken- und Bilderschwall mich hinübersandte in den KONFLIKT 21 „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“ (FvL).

Ihr seht schon, unberechenbare Pendelausschläge. Das ging im Monat Septem­ber munter so weiter. Ich arbeitete am OSM-Glossar und an einem Begriffsre­gister des OSM, fand mich in der NISCHE des KONFLIKTS 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM) wieder, dann wieder in KONFLIKT 2, in KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“, wo ich abschreibtechnisch gut vom Fleck kam.

Zwischendrin entdeckte ich, völliges Kontrastprogramm, die Harry Potter-Roma­ne, verschlang zumindest die ersten vier mir zugänglichen und fand sie durch­aus okay. Wurden natürlich sogleich rezensiert, was denn sonst?!

Was die „Annalen“ anging, so beschäftigten mich zahlreiche Werke, z. T. bis heute nicht abgeschlossen. Eine kleine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständig­keit: „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“, „Das TOTAM-Koma“, „Die Crellys“ (Planungstitel), „In der Hölle“und „Ian und der Stein der Götter“… bei einigen Werken wisst ihr inzwischen, was daraus geworden ist.

Da ich im Sommer 2005 eher zufällig als gewollt Teil von FAN (Futurian Amateur News) geworden war, einem viermal im Jahr erscheinenden Diskussionsperiodi­kum, dachte ich mir für meinen zweiten Beitrag etwas Nettes aus, das ich am 14. November unter dem Titel „OSM-Newsletter #1“ abschloss. Im gleichen Monat blühte eine weitere Geschichte in mir auf, die natürlich auch zu den „Annalen“ gehörte und von mir für eine Kurzgeschichte gehalten wurde: „Ja­leenas zweites Leben“. Nun, ihr wisst, dass „Kurzgeschichte“ die Sache nicht wirklich zutreffend beschreibt…

Im Dezember wurde mir noch der Gedanke ins Hirn gesäuselt, an einer älteren OSM-Geschichte aus dem Jahr 2003 weiterzuarbeiten, nämlich an „Parasiten aus dem Kosmos“. Auch das blieb allerdings eine Baustelle bis heute. So endete ein wenig unrühmlich das Jahr 2005, und das Folgejahr 2006 brach an.

Ein Jahr, das will ich gerne eingestehen, vor dem es mich etwas graute. Wes­halb? Weil ich wusste, dass die Mendelssohn-Projektarbeit, die mich das ganze Jahr 2005 und einen erheblichen Teil des Jahres 2004 beschäftigt und ernährt hatte, aufhören würde. Das ist die Last bei befristeten Verträgen: Man kann se­hen, wann das Vergnügen aufhört. Und da ich mich in dem Projekt stets wohl­gefühlt hatte und noch keine rechte Vorstellung davon hatte, wie es beruflich weitergehen würde, ist bestimmt nachvollziehbar, dass mir ein wenig bang ums Herz war.

Einerlei – das Jahr 2006 begann begeistert und voll neuem Elan, wie das bislang bei jedem Jahr der Fall gewesen ist. Und wo landete ich? In KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK), wo ich lange nicht gewesen war. Allerdings rutschte ich im gleichen Monat auch wieder in KONFLIKT 4 ab, wo ich die Fort­setzung der Erlebnisse des armen Träumers Torkeron in Band 12 der Serie be­schrieb, also „Schrecken auf Talascantor“. Band 13 „Die Friedhofsdiebe“ folgte direkt im Anschluss… und nein, wenn ihr jetzt an Leichenräuber denkt, seid ihr ein wenig auf der falschen Fährte. Die Kerle rauben FRIEDHÖFE. Oder zumin­dest Stücke davon. Was danach geschieht, lest ihr am besten in „Annalen 1: In der Hölle“ nach.

Ich besuchte die Kolonialwelt Hamilton in der Galaxis Beltracor, um an „Mein Freund, der Totenkopf“ weiterzuschreiben (wenn die Erscheinungsweise mei­ner E-Books solide geblieben ist, solltet ihr diese Tage wenigstens den ersten Teil dieses Romans als „Annalen 6“ kaufen können).

Nachtrag vom 20. November 2016: Das ließ sich so leider aus Zeitmangel nicht realisieren… das wird ein Projekt für das Frühjahr 2017. Ich bitte um Entschuldigung. (UL)

Jenseits von einigen Überarbeitungen von OSM-Geschichten, zahlreichen Re­zensionen und einigen historischen Werken sowie Episoden kam ich bis Ende Februar 2006 nicht wirklich vom Fleck. Es war einfach zu viel zu tun im Projekt. Und ich versuchte mich Ende Februar auch an der Anlage eines OSM-Personen­registers… tja, blieb leider in Ansätzen stecken. Da bin ich bis heute nicht recht vom Fleck gekommen, was natürlich daran liegt, dass es nach wie vor Aberhun­derte von OSM-Texten gibt, die ich noch nicht digital vorliegen habe. Das kann auch noch dauern. Mit diesem Diskussionspunkt werde ich euch also zweifellos noch ein paar Jährchen „nerven“. Aber langfristig profitiert ihr davon natürlich.

Ende März landete ich wieder einmal im unheimlichen KONFLIKT 28, also in der Serie „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ (DSj), in der echt nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Menschen sind keine Menschen, Zeitreisen sind keine Zeitreisen, selbst der Tod an sich hat sich irgendwie grundlegend verändert… und keiner begreift, was da los ist. Bzw…. diejenigen, die eine Ahnung haben, machen daraus solch ein Geheimnis, dass es einem eisig den Rücken herunter­läuft. Die ganze Welt ist ein Alptraum, selbst dann, wenn vorgeblich nur die mediterrane Sonne friedlich strahlt.

Wer weiß, ob es überhaupt so etwas wie eine Sonne in dieser Welt noch GIBT!

Wie jetzt? Wenn man sie doch sehen und fühlen kann? Tja, Freunde… das be­deutet im KONFLIKT 28 wirklich nicht viel. Ihr werdet das in einigen Jahren mal feststellen und euch mit Sicherheit genauso gruseln wie ich aktuell.

Am 23. April 2006 erwuchs mir ein völlig neues Problemfeld, als quasi von einer Stunde zur nächsten der KONFLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“ (HdH), die phantastische Hohlwelt Hyoronghilaar und die bezaubernde Helferin des Lichts namens Theamin, die „Blume im Kristall“, auftauchte.

Zum 30. April gab es dann aber auch noch einen schönen Aha-Effekt: Es gelang mir endlich nach langer Zeit, wieder einen Teil der Überarbeitung des KON­FLIKTS 13 „Oki Stanwer Horror“ (OSH) abzuschließen, nämlich Teil 4 „Vorent­scheidungen“ im Roman „DER CLOGGATH-KONFLIKT“. Und, ungelogen, allein der hat 877 (allerdings zweizeilige) Seiten Umfang.

Und hier stoppe ich für heute mal, meine Freunde, am 30. April 2006. Wie es im Monat Mai desselben Jahres weiterging, davon berichte ich euch in der nächs­ten Ausgabe dieser Rubrik. In der kommenden Woche ist dann wieder der Be­richt fällig, was ich im Monat August 2016 kreativ „gebacken“ bekam.

Lasst euch da mal überraschen.

Bis demnächst, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 86: Die Sechseck-Welt (1)

Posted November 16th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute machen wir mal in einer Rezension eine doppelte Zeitreise – einmal in die sehr ferne Zukunft, also die Romanhandlung selbst, und dann in meine pri­vate Vergangenheit. Das hier vorliegende und vorgestellte Buch, als erster Teil einer Trilogie angekündigt, was dann nicht ganz der Wahrheit entsprach, wie ihr sehen werdet, wurde erstmals 1977 publiziert, also vor fast 40 Jahren. Es hat aber, wie ich finde, an Lesereiz absolut nichts eingebüßt. Und da ich es inzwi­schen dreimal gelesen habe seit etwa 1981, hat das vermutlich einiges zu besa­gen. Immerhin haben sich meine Lesegewohnheiten und Lesevorlieben in der Zeit ja gründlich weiter entwickelt.

Für Leser des Oki Stanwer Mythos ist dieser Roman von Jack L. Chalker deswe­gen so interessant, weil ich ihn erstmals in einer Zeit meines Lebens las, eben um das Jahr 1981 herum, als der OSM seine ersten Konturen zu entwickeln be­gann, als ich ihn verschriftlichte und von der Phase der „Gedankenspiele“ zur papiernen, sagen wir: modernen Form des OSM, überging. Ich könnte mir vor­stellen, dass ihr in dem Roman einige Elemente meines kreativen Hauptwerks durchaus widergespiegelt findet. Und wenn man noch ein junger, glühender Geistfunken am Beginn seines Brennens ist, dann ist man natürlich offen für be­eindruckende Ideen aus fremden Werken.

Das heißt nicht, dass hier eine Form von Plagiat vorliegt, aber „Die Sechseck-Welt“ ist definitiv eine Inspirationsquelle gewesen. Und dann dieser unglaubli­che Antiheld Nathan Brazil… ihr müsst ihn wirklich erleben, Freunde, wenn ihr ihn noch nicht kennt. Das ist ein wenig so wie mit Doctor Who. Wer in der Phantastik den Doctor nicht kennt, hat ein echtes Informationsdefizit. Ich muss­te das auch mit Jahrzehnten Verspätung erkennen. Und inzwischen mag ich den Doctor wirklich außerordentlich gern – möge es euch mit Nathan Brazil und der Sechseck-Welt genauso ergehen.

Es lohnt sich auf alle Fälle.

Die Sechseck-Welt

(OT: Midnight at the Well of Souls)

von Jack L. Chalker

Goldmann 23338

272 Seiten, TB

Januar 1980

Übersetzung von Tony Westermayr

Eigentlich ist es eine Tragödie, was mit der menschlichen Rasse passiert: die Menschheit ist in den Weltraum vorgestoßen und hat Hunderte von Planeten erschlossen, sich neue Gesellschaftsordnungen gegeben, die Hightech und Gen-Tech floriert und ermöglicht es, gänzlich neue, „perfekte“ Gesellschaften zu schaffen. Manche nennen die Kom-Welten „Ameisenstaaten“, in denen die Menschen vor der Geburt bereits uniform gestaltet und nach der Geburt künst­lich in Neutren verwandelt werden, glücklich und zufrieden, in gewisser Weise fanatisch an die Perfektion ihres Staates glaubend.

Das sind Menschen. Nun ja. Einige davon wenigstens.

Aber dies scheint Nebensache zu sein angesichts dessen, was die Menschheit vorfindet, als sie immer tiefer in den Kosmos ausgreift. Denn dort entdecken die Menschen uralte Planeten mit erstorbener Biosphäre, bedeckt von giganti­schen, zeitlosen Ruinenstädten: die Zivilisation der so genannten Markovier (be­nannt nach dem Wissenschaftler Markov, der diese Planeten erstmals fand). Sie sind schon seit langer Zeit Vergangenheit, seit 500.000 Jahren, seit einer Million Jahren, niemand weiß es genau. Niemand weiß, wie sie aussahen, wie sie leb­ten oder – schlimmer noch – woran sie zugrunde gingen!

Denn die Markovier hatten eine perfekte Weltordnung, wie die Menschen sie selbst auch anstreben. Planetare, gigantische künstliche Gehirne, eingebettet in die Planetenkruste ihrer Welten, befähigten sie, ihre Gedanken zu materialisie­ren, sich alles zu wünschen, was sie benötigten. Die Markovier waren quasi Göt­ter.

Aber sie sind alle tot.

Niemand weiß, weshalb. Und wenn Vollkommenheit zur Vernichtung führt, muss das jedes Volk beunruhigen, das nach Vollkommenheit zu streben begon­nen hat. Konsequenterweise sind Markovierwelten deshalb Forschungsobjekte geworden, seit Jahrhunderten. Bislang hat aber niemand ihr Rätsel lösen kön­nen.

Eine weitere Forschungsexpedition auf den toten Markovierplaneten Dalgonia offenbart zweien der Beteiligten – dem Leiter Elkinos Skander und dem hochin­telligenten Studenten Varnett – , dass das nicht stimmt. Das Markovier-Gehirn von Dalgonia ist nicht tot. Beide sind besessen von dem Gedanken, mit dessen Hilfe die Welt zu verbessern, doch Skander tötet sieben Mitglieder der For­schergruppe und duelliert sich dann mit dem flüchtigen Varnett… als sich der Boden auflöst und sie durch einen gespenstischen Schacht ins Innere des Mar­kovierplaneten zu fallen scheinen…

Obwohl die Expedition kein Notsignal ausgesandt hat, wird der Raumfrachter STECHEKIN unter dem Kommando des kleinen, müden Raumpiloten Nathan Brazil alarmiert und kommt zu Hilfe. An Bord befinden sich außer ihm drei Pas­sagiere: ein feister Rauschgifthändler namens Datham Hain, das ihm hörige Mädchen Wu Julee, die ihm sexuell zu Diensten sein muss, und die Kom-Bürge­rin Vardia Diplo 1261, geklont und geschlechtslos, hochintelligent und rund 15 Standardjahre alt, zumindest von der Entwicklung her.

Sie folgen den Spuren von Skander und Varnett – und fallen ebenfalls in den jäh erscheinenden Schacht, der sie ins Nirgendwo reißt. Und hier beginnen erst ihre Abenteuer.

Auf einmal befinden sie sich alle in einem gigantischen technischen Komplex, der Sechseck-Welt genannt wird, der eine ganze Planetenoberfläche umfasst. Ein alter Bekannter Nathan Brazils erwartet ihn, wenn auch monströs verän­dert: entfernt entspricht er der Kreuzung einer drei Meter langen Schlange mit einem enthaarten Walross. Auch er war einst ein Mensch, Serge Ortega, Raum­pilot wie Brazil auch, der aber vor langer Zeit in die „Schacht-Welt“ hineinfiel, durch ein Raumportal der Markovier.

Denn diese haben die Sechseck-Welt geschaffen und das hier noch quickleben­dige markovische Planetargehirn kontrolliert alles.

Es gibt viel zu kontrollieren: 1560 Hexagonflächen, entfernt mit einer Art von Biotop-Reservat zu vergleichen, bedecken die Oberfläche der Welt von Pol zu Pol. Manche bestehen nur aus Meeresoberflächen, andere nur aus Wüsten, da­zwischen gibt es verschiedenste, extreme Mischformen. In jedem Hexagon lebt eine spezielle Rasse, alle sind mehr oder weniger intelligent, die meisten eher weniger menschenähnlich. Die Technologiestufen sind von Hexagon zu Hexagon verschieden, und das Gehirn kontrolliert, dass die Hochtechnologie-Völker jene mit geringerer Technologie nicht problemlos unterjochen können. So funktio­niert Fusionstechnologie in einem Nicht-Tech-Hex eben nicht. Dafür können die unter Umständen ihre Angreifer verzaubern oder mit organischem Gas in die Primitivität zurückversetzen.

Es gibt auch eine Reihe von Allianzen zwischen den Völkern, und in der so genannten „Zone“ am Pol der Welt diplomatische Vertretungen jedes Volkes. Or­tega vertritt sein Heimathexagon, das der Ulik, das ihm seine neue Gestalt ge­geben hat. Und er macht den Neuankömmlingen klar, dass er sie durch das Por­tal auf die Welt draußen „loslassen“ muss und es keine Rückkehr ins menschli­che Imperium gibt.

Mehr oder weniger schockiert fügen sich alle dem Druck, der auf sie ausgeübt wird und gehen durch das Portal, um in verschiedenen Hexagen der Schacht­welt wieder aufzuwachen. Aus Vardia Diplo wird ein intelligenter Baum im He­xagon Czill, Datham Hain erwacht als insektoide Brüterin im akkafischen Reich wieder, Wu Julee, durch die Schwammsucht schon so gut wie tot, findet sich desorientiert als weibliche Zentaurin in Dillia – und erleidet bald darauf den Schock ihres Lebens, als sie Nathan Brazil wieder trifft. Er hat ihr versprochen, sie zu suchen, nur… alles, was sich an ihm verändert hat, ist seine Kleidung.

Er ist anders.

Er hat auch ein Ziel: von Ortega konnte er mehr über Skander und Varnett er­fahren und ihr Ziel, die ursprüngliche markovische Gleichung zu verändern, die die Grundlage aller Materie ist. Dazu wollen die beiden Rivalen Macht über das markovische Gehirn der Sechseck-Welt gewinnen. Wenn sie das tun, können sie in ihrer Unwissenheit sich selbst und alles intelligente Leben im Kosmos auslö­schen.

Nathan Brazil sucht also seine vertrauenswürdigen Gefährten, erfährt die Liebe Wu Julees und bricht in Richtung Äquator auf, zum so genannten „Schacht der Seelen“…

Es ist äußerst vergnüglich und kurzweilig, diese Odyssee durch die Spielwelt Chalkers nachzuvollziehen. Ich sage deshalb Spielwelt, weil die Hexagonform frappierend an Rollenspielkarten erinnert und manches in diesem Roman den Rollenspielcharakter sehr unterstreicht. Dass der Roman als „Fantasy“ etiket­tiert wurde, sollte die Leser hingegen nicht irritieren. Die Grenzen der SF zur Fantasy hin sind in diesem Werk stark fließend.

Als ich „Die Sechseck-Welt“ etwa im Jahre 1981/82 noch in Wolfsburg das erste Mal las, befand sich meine kreativ-schriftstellerische Genese gerade in einer frühen Hoch-Explosionsphase. Entsprechend beeinflussten eine Menge dieser hier im Buch enthaltenen Gedanken in gewisser Weise dann meine eigenen Werke. Der Begriff der „Primärenergie“ etwa, den Chalker hier formuliert, fand Niederschlag im Oki Stanwer Mythos (OSM), meinem kreativen Hauptwerk, wenngleich ich diese Energie grundlegend modifizierte. Die gottähnlichen, aber nicht Göttern entsprechenden Markovier haben im OSM durchaus in den Bau­meistern ihre Entsprechung. Und so weiter. Sehr viele, faszinierende Parallelen zu meiner frühen Schaffensperiode machen diesen Roman und den insgesamt fünfbändigen Zyklus zu einer für mich sehr lieben Lektüre, selbst nach dem drit­ten Lesen im Laufe von 20 Jahren.

Freilich muss ich am Ende gestehen, dass mir Chalkers Neigung zum Happy End und zur vollständigen Abrundung der offenen Fragen etwas gegen den Strich geht. Der Roman wird dadurch zu rund, zu glatt, zu künstlich. Und das Hinterfra­gen der Motive der einzelnen Protagonisten ziemlich zum Schluss wirkt arg ge­künstelt und zeigt, dass der Autor mit der Dimension der von ihm selbst aufge­worfenen Schwierigkeiten einfach nicht zurechtkam. Dennoch: zwei intensive Lesetage voller Vergnügen und Überraschungen sind sicher. Und wie gesagt: es geht ja noch weiter…

© by Uwe Lammers, 2001

Ich konnte gar nicht fassen, wie alt diese Rezension ist und verlegte gedanklich, ehe ich sie hier hochlud, irgendwo in das Jahr 2005 oder 2006. Ach, weit ge­fehlt! Es ist tatsächlich schon satte fünfzehn Jahre her… schockschwerenot! Ein­fach unglaublich. Aber es ist eine schöne Entdeckung, euch auch so alte, gelun­gene Rezensionen zu guten Büchern zugänglich zu machen.

Sehr viel jünger ist die in der kommenden Woche. Auch sie behandelt ein Buch, das ich schon viele Male gelesen habe… vier Male, um genau zu sein. Und ihr werdet eine weitere Reise mitmachen, in den eisigen April des Jahres 1912 auf den Nordatlantik, um eine weitere Legende kennenzulernen…

Seid neugierig, wohin es euch verschlägt, meine Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

also, holen wir mal tief Luft… vor fünf Wochen verließ ich euch an der Stelle, wo es darum ging, meinen kreativen Monat Juni 2010 darzustellen. Am 10. Juni hatte ich den unerwartet geschwind verfassten Archipel-Roman „Antaganashs Abenteuer“ vollendet, und ich deutete schon an, dass einige weitere Keime für Archipel-Geschichten emporsprossen, wie das meist so ist, wenn ich lange Pro­jekte abschließe.

Am 21. Juni vollendete ich die Archipel-Novelle „Wie die Beziehungsgeister ih­ren Glauben verloren“ – by the way, ich liebäugele damit, diese Geschichte in meiner 2017er-Storysammlung „Die Kristalltränen und andere phantastische Geschichten“ zu veröffentlichen, das ist aber noch nicht spruchreif.

Während mich der Archipel also im Juni weiterhin stark beschäftigte, brachen ein paar winzige Keime für OSM-Werke durch die dicke Flechtwerkdecke der Ar­chipelranken. Da war etwas, das ich „TI-Info 2: Die Sturmfestungen“ nannte. Ja, das ist eine Art Mittelding zwischen einer Episode und einem der schon oft er­wähnten OSM-Hintergrundartikel. Tendenziell gehört es eher zu letzteren. Und dieses Werk hier, nur ein paar Seiten lang, ist eine Handlungsskizze der dramati­schen Präfinalphase des KONFLIKTS 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI). Ich muss mich allerdings noch wenigstens ein Jahr in Nebel des Schweigens hüllen, was das für „Sturmfestungen“ sein mögen, wo sie stehen und welchen Zweck sie erfüllen. Da lasst euch mal überraschen.

Außerdem tauchte eine Szenenblende aus einem weiteren TI-Band auf, der den Titel „Das ZYNEEGHAR-EXIL“ trägt. Nachdem ihr inzwischen ja schon EXILE kennt und ZYNEEGHARE wenigstens dem Hörensagen nach aus „Jaleenas zwei­tes Leben“, überlasse ich den Rest des Rätselratens, was hier wohl geschehen mag, noch eurer regen Phantasie. Ein tolles Titelbild für diese Episode habe ich jedenfalls jetzt schon.

Wo wir gerade bei der guten Jaleena waren… an dieser Geschichte schrieb ich im Juni 2010 natürlich auch noch weiter, und damals nahm ich, wie so oft, fröh­lich an, es handele sich um eine Story… wir sind heute alle schlauer.

Sehr viel mehr Energie aber, und das deutete ich jüngst ja schon an, kostete mich nach der Fertigstellung von „Antaganash“ ein weiterer Archipel-Roman, nämlich „Eine Adelige auf der Flucht“. Hieran arbeitete ich schon seit zehn Jah­ren mit großen Unterbrechungen, aber nun gewann die Geschichte dramatisch an Geschwindigkeit. Ich sollte ein wenig zum Inhalt berichten, um das klarer zu machen.

Der Archipel ist in der Vergangenheit durchaus ein Ort rauher Sitten gewesen. So im Invashin-Archipel, einer Inselgruppe, die etwa auf halber Distanz zwi­schen dem Südkontinent einerseits und der großen Archipel-Hauptinsel Coorin-Yaan nordwärts liegt. Auf Coorin-Yaan, das wisst ihr ja, spielen die weitaus meis­ten Geschichten, an denen ich gearbeitet habe. Rund 200 Jahre vor der Ge­burt des Mädchens Rhonda, genauer: im Jahre 682 Archipel-Zeitrechnung, kommt es im Invashin-Archipel zu einem Regierungsumsturz. Der Clan der Tval­lach wird von den rivalisierenden Adeligen des Xhaibech-Clans gestürzt. Viele Todesopfer sind zu beklagen, aber eine Gruppe von Schwestern gelingt die Flucht, darunter Gladys Tvallach.

Gladys, „die Adelige auf der Flucht“, hat aber ausgesprochenes Pech. Die See­leute, die ihr zur Flucht verhelfen, verfolgen unsolide Absichten, und ehe Gladys begreift, was los ist, geht sie über Bord und wird viele Stunden später entkräftet an einen tropischen Strand geworfen.

Hier trifft sie nun mit dem jungen Fischer Farango und seinem Vater zwei Perso­nen, die zu ihrem Schicksal werden. Um sich nämlich vor den Xhaibech-Hä­schern zu tarnen, schlüpft sie in die Rolle der Fischer-Sklavin „Yalana“ und ver­liebt sich währenddessen immer stärker in Farango.

Schließlich muss sie allerdings realisieren, dass die Fischer überhaupt nicht die Absicht haben, sie wieder gehen zu lassen – sie soll vielmehr für immer ihre Sklavin bleiben. Und in einer Kurzschlussreaktion, hin und her gerissen zwi­schen ihrem sehnsüchtigen Herzen einerseits und dem Wunsch, eine selbstbe­stimmte Persönlichkeit zu bleiben, ergreift „Yalana“ erneut die Flucht… diesmal in den Urwald der Insel. Und wie ich neulich schon schrieb, findet sie hier zu­nächst eine Ruinenstadt mit zahlreichen grässlichen Zumutungen… und dann macht sie auf der anderen Inselseite die Bekanntschaft einer Gruppe von schamlosen Frauen, den so genannten „Dünendirnen“.

Aber die Abenteuer Gladys Tvallachs sind noch lange nicht vorbei, ganz im Ge­genteil… das alles sollte mich dann über Hunderte von faszinierenden, erschre­ckenden und belustigenden Seiten bis August 2010 in Atem halten.

Im Juli 2010 driftete ich in eine weitere Archipel-Geschichte hinein, die sich ebenfalls in Richtung eines Romans entwickelte: „Verlorene Herzen“, eine heiß­blütige erotische Romanze zwischen einem Nachrichtenboten einerseits und ei­ner animistischen Dorfbewohnerin andererseits. Der Handlungsbogen ist zwar schon fast völlig entwickelt, aber irgendwie ist der Roman auf dieser abgeschie­denen kleinen Loggia mitten im Urwald abgestorben.

Dann fand ich Gelegenheit, kurzzeitig an dem Roman „DER CLOGGATH-KON­FLIKT“ weiterzuschreiben, außerdem betrieb ich eifrig und erfolgreich die Ab­schrift der OSM-Novelle „Der Matrixschatten“, zu der ich an anderer Stelle mehr sagen werde.

Unmittelbar darauf rutschte ich einmal mehr in eine Archipel-Geschichte ab, „Rückzug in das Liebeskloster“, die wenigstens eine Novelle werden wird. Und dann… ja, dann könnte man sagen, überkam mich ein Anflug von Größenwahn.

Wieso das?

Nun, ich war ja schon seit mehreren Jahren mit der Abschrift der 17. OSM-Serie „Drohung aus dem All“ befasst und hatte inzwischen den Band 51 „Galaktisches Schweigen“ erreicht. Nun formatierte ich die Bände 52 bis 60 binnen kürzester Zeit vor und entwickelte deren Leerhüllen. Das hat zweifellos die geschwinde Bearbeitung der Geschichten forciert, allerdings noch nicht in diesem Monat Juli 2010.

Einen weiteren Vorstoß unternahm ich in der OSM-Geschichte „Sherlock Hol­mes und der Tunguska-Fall“, ohne hier weit vom Fleck zu kommen. Ähnlich ver­hielt es sich mit Band 52 der Serie „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM), also der Episode „Der Intrigant“. Im gleichen Universum, also KONFLIKT 19, spielte das Geschichtenfragment „Die Optimierungsfabrik“.

Nun brach der August 2010 an. Ich war nach wie vor auf Arbeitssuche, und der­weil schrieb ich, dass die Tastatur glühte. Woran? An dem oben erwähnten Ro­man „Eine Adelige auf der Flucht“. Am 6. August wurde der 3. Band des Ro­mans fertig, der Abschluss erfolgte dann am 16. August 2010 mit Seite 1.242. Wie ich letztes Mal sagte – als ich glaubte, bald nach Seite 600 sei Schluss, hatte ich mich kolossal verschätzt.

Was gelang mir im August 2010 sonst noch? Die Weiterarbeit an der OSM-Ge­schichte „Die Intervention“, die ihr ja schon längst aus meinen Storybänden im E-Book-Format kennt. Ich kümmerte mich in KONFLIKT 17 um die kommentier­ten Abschriften der Episoden 52: „Treffpunkt Wega-System“, 53: „Vorstoß nach Terra“ und 54: „Chaos im Fünferraum“

Oh, was der „Fünferraum“ ist? Eine interessante, künstliche dimensionale En­klave, die ich noch in der späteren Überarbeitung gründlich genauer durch­leuchten muss. Das ist noch kein Diskussionsthema für heute, sorry, Freunde…

Ich kümmerte mich in KONFLIKT 21 um „Schlechte Nachrichten“ (so der Titel der Episode 38, um „Sinuu, die Rebellin“ (so der Titel von Episode 40), außer­dem besuchte ich im Beginn der Episode 45 „Mission auf Höolyt“ wieder jene unscheinbare Wasser-Dschungelwelt, auf der die käfergestaltigen Oheetirs hei­misch waren – und jetzt auch unzählige der unheimlichen Totenköpfe, der re­bellischen Krieger TOTAMS.

Man merkte wirklich, dass die dringendsten Archipel-Werke beendet waren, denn die bislang dort gebundene Energie sprudelte in zahlreiche OSM-Episo­denwerke. Fertig wurde davon allerdings nur die faszinierende Episode „Yanas­sicars Zweifel“ (Band 56 des KONFLIKTS 22 „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“ (DSf)). Und am 29. August konnte ich die Story „Ian und der Stein der Götter“ beenden, die ihr als Mittelding zwischen Novelle und Roman inzwischen als An­nalen-E-Book 2 kennen gelernt habt.

Was passierte dann? Na, da darf man dreimal raten: es schoss eine neue Story hinterdrein! Jedenfalls – ihr kennt das inzwischen, das ist irgendwie fast immer so – nahm ich an, dass „Mein Freund, der Totenkopf“ eine Story bleiben wür­de.

Völlige Fehlannahme, wie ihr bald erkennen werdet, denn immerhin ist diese Geschichte der sechste „Annalen“-E-Book-Roman, und aufgrund seines Um­fangs wird er in zwei Teilen publiziert werden.

Ach ja, und es gab noch zahlreiche weitere Fragmente, an denen ich nun OSM-zentriert weiterschrieb. Ich nenne sie mal, weil sie alle noch Fragmente sind: „Der Heiler“, „Shonkashs Neugierde“, „Alltag in Shush’noyyn“, „Todesmission auf Tsaigur“, „Parasiten aus dem Kosmos“… wirklich, das war ein bunter Strauß an Werken. Und es waren aufregende zwei Monate, die ich als kreativ sehr er­folgreich einstufen kann.

Das, was mich dann kreativ im September 2010 erwartete, konnte ich aber doch nicht vorhersehen… davon erzähle ich euch beim nächsten Mal.

Bis in einer Woche, meine Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 85: Unendliche Grenzen

Posted November 9th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

bei Anthologien ist es immer eine Art von Hasardspiel für die Herausgeber, sich auf das Risiko einzulassen, sie zu veröffentlichen. Ich habe das lange Zeit nicht wirklich begriffen, zugegeben – ich habe immer gern zu Anthologien gegriffen, auch wenn zumeist erkennbar wurde, dass wenige gute Geschichten eine ganze Reihe von eher „lahmen“ Werken mitschleppten. Und es heißt ausdrücklich in Verlagskreisen, dass sich Anthologien schlechter verkaufen als dicke Schwar­ten… rätselhafterweise.

Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass das eine verwirrende Fehllenkung des Le­serinteresses darstellt. Wer sich aus Prinzip von Anthologien fernhält, dem ent­gehen eine ganze Menge schöne Perlen der Science Fiction, von spannenden Ideen einmal ganz zu schweigen. Was bringt es einem, sechshundert Seiten von einem Autor zu lesen, der vielleicht doch nur abgedroschene „Standardhand­lungen“ ins Rennen bringt (wie das mal einer meiner Brieffreunde früher despektierlich nannte) und in der Schlussgeraden schwächelt? Ist man dann nicht mit 60 Seiten Geschichte, die faszinierende Gedanken zum Vorschein bringt, besser bedient, als Bestandteil eben einer Kurzgeschichtensammlung?

Ich denke schon.

Außerdem muss man sich dagegen wehren, den oben suggerierten Gedanken als Absolutum zu verstehen – es gibt Anthologien, die sind durch die Bank mit Hochkarätern besetzt, mit „Big Names“, könnte man sagen. Und das hier ist eine solche, die vier gestandene Schriftsteller der Science Fiction unter einem Dach vereint und in jeder Weise zu überraschen und zu faszinieren vermag.

Vorhang auf also für diese Anthologie:

Unendliche Grenzen

(OT: Futures)

von Peter Crowther (Hg.)

Bastei 23266

464 Seiten, TB

Oktober 2003, 8.00 Euro

Keine Übersetzerangabe

Die uns vorliegende Storysammlung enthält vier längere Werke, die man weni­ger als Kurzgeschichten denn als Kurzromane bezeichnen sollte. Keines der Werke besitzt weniger als hundert Seiten. In diesem Band sind vier der aktuel­len Meister der Space Opera Englands versammelt, was eigentlich einen guten Absatz des Buches fördern sollte: Stephen Baxter, Peter F. Hamilton, Paul McAu­ley und Ian McDonald lassen den Leser in ihre Welten eintauchen, und wer mit ihnen ein wenig vertraut ist, sollte sich nicht wundern, auf einmal bekannte Dinge wiederzufinden. Wer ihre Welten nicht kennt, wird möglicherweise sehr neugierig auf weiteres werden…

Stephen Baxter entführt uns in der Story „Wirklichkeitsstaub“ auf den Jupiter­mond Callisto. Schon auf Seite 2 macht er uns nachdrücklich klar, in welcher Welt wir uns befinden. Dort heißt es bei einem Flug über die Landschaft, noch auf der Erde: „Von den großen Konurbationen abgesehen, glitzerte das Land an vielen Stellen silbergrau: dort hatten Sternenhammer-Strahlen und Qax-Nano­replikatoren die Erdoberfläche zerkaut und Leben wie Fels samt allem anderen in einen formlosen Silikatstaub verwandelt.“

In Stephen Baxters Xeelee-Universum gibt es die Rasse der Qax mit ihren orga­nischen Spline-Raumschiffen, die eine Zeitreise unternehmen, um die Mensch­heit – in ihrer Zeit die Geißel der Galaxis Milchstraße – daran zu hindern, genau dazu zu werden. Die Qax unterjochen Jahrhunderte lang die Menschheit und werden schließlich von einem irdischen Aufstand vertrieben. Freilich nur um den Preis, dass die gottgleichen Xeelee auftauchen und sich mit der Menschheit verfeinden. Die Weiterungen dieser Geschichte sind in Baxters Romanen „Das Geflecht der Unendlichkeit“ und „Ring“ nachzulesen.1

Diese Geschichte spielt unmittelbar nach dem Sturz der Qax. Den fast unsterbli­chen menschlichen Kollaborateuren, sogenannten „Pharaos“, soll der Prozess gemacht werden. Aber eine Kolonie von ihnen befindet sich auf dem weit abge­legenen Jupitermond Callisto. Und hier werden Experimente gemacht, die von den irdischen Milizionären nicht im Mindesten verstanden werden. Experimen­te, die – vielleicht – den „Pharaos“ die endgültige Flucht vor der irdischen Ge­rechtigkeit ermöglichen sollen…

Den Bäumen beim Wachsen zusehen, das kann man in Peter F. Hamiltons Ge­schichte beinahe wörtlich nehmen. Man stelle sich eine parallele Erde vor, in der das Römische Imperium überlebt hat und auch im 19. Jahrhundert noch Be­stand hat. Es breitet sich über die ganze Welt aus und die alten adeligen Famili­en Roms, z. B. die Caesars, stehen an der Spitze multinationaler Konzerne. Sie haben zudem für die Angehörigen ihrer Familien und der mit ihnen liierten Lini­en eine Möglichkeit gefunden, das Leben auf mehrere Jahrhunderte zu verlän­gern. Allgemeiner Friede herrscht – bis in Oxford, im Jahre 1832, ein Mord ge­schieht.

Justin Ascham Raleigh, ein junger, genialer Student, ist brutal ermordet worden, aber obgleich der Ermittler Edward Raleigh alles daran setzt, den Mörder ding­fest zu machen, scheint das perfekte Verbrechen gelungen zu sein. Der Mörder entkommt. Und fortan nagt dieser Misserfolg an Edwards Gewissen. Er be­schließt, sein langes Leben zumindest zum Teil der Aufklärung dieses Verbre­chens zu widmen. So verfolgt er über die Jahrhunderte hindurch die ebenfalls fast unsterblichen Verdächtigen und erlebt auf diese Weise die Entwicklung der Menschheit mit bis hin zu ihrem Aufbruch zu den Sternen. Und schließlich… aber das sollte man wirklich selbst lesen.

Wie geht das, Geschichte machen, das fragt sich Paul McAuley in seiner gleich­namigen Story, in der er einen irdischen Historiker im 26. Jahrhundert zum Sa­turnmond Dione schickt. Dort ist gerade ein Kolonialaufstand brutal niederge­schlagen worden, und inmitten von Ruinen, vermodernder Vegetation, kontrol­lierenden Kampfrobotern und Lebensmittelrationierungen geht die Hauptper­son der Frage nach, ob es so etwas wie „große Männer“ gibt, die Geschichte machen. Beispielsweise dieser Rebellenführer Marisa Bassi, der seit dem Zu­sammenbruch der Revolte in der Hauptkuppel der Stadt Paris verschollen ist und von manchen für tot erklärt wurde. Ist oder war er ein „großer Mann“? Hat es ihn überhaupt gegeben?

McAuley hat seine Historiker gelesen, er kennt sich mit den Geschichtstheorien aus, und wenn man die Geschichte liest, kriecht die Gänsehaut über den Rücken, die aus den Ruinen des zerbombten Berlin des Jahres 1945 heranzuna­hen scheint. Man fühlt den Schatten des „beendeten“ Irakkrieges, die mürbe Ruhe der Unsicherheit im Nachkriegs-Afghanistan.

Und McAuleys Personen beschwören unangenehme Fragen herauf: ist ein sieg­reicher Militär, der die Rebellen geschlagen hat, nicht trotzdem ein Kriegsver­brecher? Ein Mann, der leidenschaftlich gerne „Informationen eingeholt“, also gefoltert hat? Und die blutjunge, wunderschöne Frau, die von der Erde kommt, um die Kuppel von Paris zur alten Glorie wiederaufzubauen und in die sich der General Dev Veeder über alle Maßen verliebt und daher ganz irrational wird, weshalb fragt sie den Historiker ständig nach den „großen Männern“? Und was bedeutet des Historikers Satz, der schon früh fällt: „Vielleicht hatte sie schon damals die dunkle Vorahnung, dass ihre Schönheit ihr einmal den Tod bringen würde“? Dem Leser wird ganz kalt dabei…

Tendeléos Geschichte führt den Leser in das Afrika der nahen Zukunft, aber ei­ner durchweg alptraumhaften Zukunft. Denn dort hat sich eine außerirdische Lebensform namens Chaga ausgebreitet, und das Mädchen Tendeléo wird auf sehr direkte Weise damit konfrontiert. „Chaga“ kennt der Leser, der mit Ian Mc­Donalds Werken vertraut ist, schon aus anderen Zusammenhängen.2

Wir schreiben das Jahr 1995, als das Mädchen Tendeléo in dem Ort Gichichi in Kenia geboren wird. Als Ten neun Jahre alt ist, verändert sich ihre Welt von Grund auf, denn auf dem Gipfel des Kilimandscharo schlägt eine außerirdische Lebensform ein, die später „Chaga“ genannt wird. Sie ist gewissermaßen nicht Fisch noch Fleisch, nicht Tier und nicht Pflanze, sondern eine gewaltige Makro­struktur von Nanomaschinen, die mit einer stummen Unerbittlichkeit die ganze Welt umzukrempeln beginnt. Tendeléo und ihre Familie verlieren ihre Heimat und geraten in den Hexenkessel der Flüchtlingslager, aber das ist erst der Be­ginn von Tens Odyssee. Während sich die Menschen, insbesondere aus den in­dustrialisierten Staaten, heidnisch vor dem Chaga fürchten, hat niemand eine genaue Vorstellung, was dort eigentlich vorgeht.

Bis Tendeléo eine schicksalhafte Entscheidung trifft…

Nach der Lektüre dieses Buches ist es wahrhaftig schwer, zu sagen, wer der bes­te von den vier vorgestellten Literaten ist, aber wenn ich eine Wertung erstellen müsste, fielen mir wenigstens folgende Schwachpunkte der Autoren auf.

Stephen Baxter, ein ausgezeichnet naturwissenschaftlich argumentierender Au­tor, der physikalisch außerordentlich beschlagen ist, beweist in seinem Beitrag wieder aufs Neue, dass seine Schwäche darin liegt, Personen realistisch agieren, sie „menschlich“ erscheinen zu lassen. Sie besitzen zwar so etwas wie Persön­lichkeit, bleiben aber dennoch sehr maschinenhaft. Die philosophischen Impli­kationen seiner Welt sind jedoch beklemmend intensiv zu erleben und vermit­teln vielfache Denkanstöße.

Peter F. Hamilton neigt dazu, weitschweifig zu erzählen, viele Worte für Sach­verhalte zu gebrauchen, die mit weniger, dafür präziser gewählten Ausdrücken vielleicht deutlich besser vermittelbar wären. In dieser Story fällt es besonders auf – er kann sich nicht entscheiden, ob er eine „einfache“ Kriminalstory verfol­gen soll oder das Leben des Ermittlers oder aber die Genese der zukünftigen Welt. Er macht alles drei, und er macht alles halbherzig. Die Konsequenz ist lei­der ein unrealistischer Tunnelblick. Aber alles in allem ist die Darstellung von Personen erheblich gelungener als beispielsweise bei Baxter, und es liest sich einfach unwahrscheinlich angenehm. Wer intelligentes Lesefutter sucht, das man richtig verschlingen kann, ist bei Hamilton stets gut aufgehoben.

Paul McAuley wählt meines Erachtens nicht immer die raffinierteste Möglich­keit der Problemlösung. Mir schwebten während des Lesens seines Werkes di­verse spannende Alternativlösungen vor, deren Abzweigungen er nicht nahm. Ansonsten überwebt sein Werk eine Aura der Tristesse, der Düsternis und Ver­lassenheit, doch in das Spinnennetz der Trostlosigkeit sind intensive Juwelen der zeithistorischen Nähe eingeflochten, äußerst realistische menschliche Zwie­spälte und innere Zerrissenheiten. Die ganze Irrationalität menschlichen Verhal­tens drückt sich sehr gut bei ihm aus.

Und Ian McDonald? Er erzählt eine ergreifende Geschichte eines verlorenen Mädchens, das in einer zerbrechenden Welt aufwächst und sich neu zu orien­tieren versucht. Und durch die Hintertür dieser phantastischen Welt geleitet er uns in die Dritte Welt der Gegenwart, in Bürgerkriege, Flüchtlingslager und in die Psyche der dort zusammengepferchten, desillusionierten Menschen… sein einziger Nachteil scheint der Verlust der großen Perspektive zu sein. Aber es klingt in Nebensätzen an, wie es in der Welt insgesamt ausschaut… und dann gibt es ja auch noch für Leute wie mich, die nun dringend mehr über das „Cha­ga“ erfahren wollen, die Romane, die er geschrieben hat. Es kann als sicher gel­ten, dass auch sie in absehbarer Zeit hier als Rezensionen ihren Nachhall finden werden.

Summa summarum jedenfalls: eine ausgesprochen faszinierende Lesemi­schung, der man viele Leser wünschen möchte. Da kümmert es auch nur wenig, dass das Titelbild mit dem Inhalt nix zu tun hat und der Herausgeber flugs aus dem Jupitermond Callisto einen Saturnmond (!) macht und so seine Oberfläch­lichkeit oder Zerstreutheit zur Schau stellt…

© by Uwe Lammers, 2004.

Ihr merkt – sehr heterogene Geschichten mit unterschiedlichsten Ansätzen. Aber dennoch stets eigenständig, zum Nachdenken anregend, Probleme kon­kretisierend, stets bereit, den Finger auf die Wunde zu legen. Sehr lesenswert, vertraut meinem Urteil!

Auch das Werk der kommenden Woche ist äußerst lesenswert, nicht nur für Rollenspiel-Fans oder Leute, die SF-Klassiker mögen. Wem der Name Nathan Brazil etwas sagt, der ist nächste Woche sicherlich wieder zur Stelle. Wer ihn nicht kennt – na, der sollte ihn kennenlernen.

Bis dann, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Wen übrigens die Ähnlichkeit dieser Backgroundstruktur mit der Anfangssituation der Heftromanserie BAD EARTH verblüffen sollte – inklusive Zeittor im Raum Jupiter! – , der sollte sich mal überlegen, dass Baxters Romane älter sind und wer wohl von wem abge­schrieben hat.

2 Namentlich aus der Story „Zum Kilimandscharo“, in: Wolfgang Jeschke (Hg.): Fernes Licht, Heyne 2100 (2000) sowie den Romanen von McDonald: „Chaga“, Heyne 5660 (1997) und „Kirinja“, Heyne 6348 (2000).

Wochen-Blog 192: Tödliche Überraschungen

Posted November 6th, 2016 by Uwe Lammers

Vorbemerkung vom 6. November 2016: Eigentlich sollte dieser Blogartikel er­scheinen, sobald TI-Band 28 „Die Sternenbaustelle“ publiziert ist. Da sich das aus Zeitmangel leider sehr stark verzögert, ich euch aber diesen Beitrag doch endlich zugänglich machen möchte, musste ich unten ein paar Revisionen vor­nehmen. Es empfiehlt sich, diesen Beitrag nach Erscheinen von TI 28 im Lichte neuer Leseerfahrungen noch einmal zu Gemüte zu führen. Bis dahin mögen manche Wendungen unten seltsam erscheinen. Vertraut mir: danach machen sie Sinn!

Liebe Freunde des OSM,

ja, ihr musstet lange darauf warten, dass die Abenteuer des zweiten yantihni­schen Fernerkundungsschiffes RHONSHAAR fortgesetzt wurden, und ich könnte es sehr gut verstehen, wenn manche von euch in all den vergangenen Monaten wie auf heißen Kohlen gesessen haben und sich dachten: Wann, um alles in der Welt, schreibt der Uwe nur an diesem Handlungsstrang weiter? Er hat sie doch wohl nicht vergessen, die Yantihni an der Bebengrenze?

Nein, hatte ich natürlich nicht. Ich musste eben nur vorher ein paar andere Handlungsstränge fortsetzen… was in OSM-Serien leider generell knifflig ist, und wenn man dann Vierteiler einbaut und einen Publikationsmodus von ei­nem E-Book pro Monat hat, ist fix ein halbes Jahr vorbei. Und wenn dann zwei Mehrteiler aufeinander folgen… nun, ihr habt es ja erlebt.

Ich gestehe, dass der lange Zeitraum zwischen Band 10 der Serie (2014 erschie­nen) und Band 27 (erschienen im September 2016, sofern die Planung der Realität standhält, wovon ich aber optimistisch immer ausgehe) mir auch nicht wirklich gefallen hat, er war nur unvermeidlich.

Auch konnte ich die Hoffnung eines Lesers nicht erfüllen, der sich dem Wunsch­gedanken hingab, die GHANTUURON und die RHONSHAAR würden bald aufein­ander treffen können… leider weit gefehlt. Was mit der GHANTUURON-Besat­zung geschehen ist, wisst ihr inzwischen.

Gleichwohl gibt es Déja-vu-Erlebnisse, wenn ihr beispielsweise die frühen Ge­schichten um das Sonnensystem „Sianlees Rast“ mit denen jetzt im Xoor’con-System vergleicht. Das kann auch nicht wirklich verblüffen, denn die Troohns sind, das stellte ja schon die Linguistin Vaniyaa bei den Zwergenwesen aus dem Volk der Shonta fest, in hohem Maße schematisch in ihrem Vorgehen.

So kann es nur bedingt überraschen, dass das Xoor’con-System auf dieselbe Weise verwüstet wurde wie „Sianlees Rast“… und ich kann euer Gruseln gut verstehen, wenn ihr den Band 27 „Späherin der Cestai“ gelesen habt und dach­tet: Verdammt, schon wieder diese in die Planetenkruste getriebenen Maschi­nenkomplexe! Wenn diese neugierig-naiven Raumfahrer jetzt mal nur keinen falschen Fehler begehen…!

Glücklicherweise war Kommandant Khaalnech das Schicksal der RHON-2-Besat­zung (TI-Bände 8-10) eine Warnung, und er hat allen höchste Vorsicht auferlegt. Das ist gut, aber wie ihr in Band 28 „Die Sternenbaustelle“ erleben werdet, hat das nicht ausgereicht. Ganz im Gegenteil.

Das Xoor’con-System hält tödliche Überraschungen bereit, und es gibt Opfer… doch auch einen kleinen Lichtblick – nämlich die Späherin der Cestai namens Yiita. Inwiefern sie jedoch hilfreich zu sein vermag… oder, vorsichtiger ausge­drückt, was für eine Art von Hilfe sie für die Yantihni organisieren könnte und was diese langfristig davon haben, das werdet ihr in den nächsten Mona­ten erleben können.

Ich glaube, auch hier nicht zu viel zu versprechen, wenn ich sage, dass das Abenteuer der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) hierdurch noch deutlich mehr schillernden Glanz erhält. Zugleich werden moralische Untiefen erkennbar, die niemandem gefallen müssen.

Aber kehren wir noch mal kurz zurück ins Xoor’con-System.

Ihr werdet bemerken, dass die fremden Einheiten der Troohns, die den Yantihni von der RHONSHAAR nach wie vor nur unter ihrem verliehenen Namen „Planetenplünderer“ bekannt sind – ein Euphemismus, in Anbetracht dessen, was noch folgen wird – , sich gründlich von dem „Sternenhammer“ unterschei­den, der erstmals das Xoor’con-System besuchte.

Hier endet nämlich die Parallele zum Sonnensystem „Sianlees Rast“. Die gigantischen neuen Raumschiffseinheiten zeigen an, dass hier eine andere Form der Vorge­hensweise angestrebt wird. Ich darf schon mal ein wenig spoilern und erwäh­nen, dass die Erklärung für dies alles in Band 31 der Serie gegeben werden wird, also in wenigen Monaten. Dies führt dann zu einem weiteren haarsträubenden Abenteuer, in das ich euch geleiten werde.

Hier und heute ist nur eins gewiss: die Yantihni von der RHONSHAAR stecken mitten zwischen den maschinellen Zerstörungsklauen, und es ist noch völlig un­klar, ob die Cestai-Späherin Yiita auf den Wunsch der verzweifelten Visinor ein­gehen kann, ihre Gefährten zu retten.

Machen wir uns nichts vor – auf sich gestellt sind die Raumfahrer der RHONSHAAR definitiv verloren. Die tödlichen Überraschungen, die das Xoor’con-Sys­tem bereithält, sind zu überwältigend, und aller Wahrscheinlichkeit sind die Ein­heiten auch vollständig automatisiert, so dass jedwede Form von Appell an die­sen gigantischen Maschinen nutzlos abprallen wird.

Nein, einmal mehr sind die Yantihni auf Hilfe von außerhalb angewiesen, und in diesem Sinne haben sie erneut Glück, auf eine fremde Intelligenz zu stoßen.

Ja, Glück… sozusagen.

Aber aktuell sind natürlich auch sonst noch ein paar Fragen offen. Wenn man sich die verwüstete Umgebung des Xoor’con-Systems anschaut, kommt man nicht umhin, den Ansichten der RHONSHAAR-Besatzung beizupflichten: Es sieht nicht danach aus, als hätte irgendwer diese Vernichtungsorgie überstanden.

Ihr wisst selbstverständlich, dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht. Denkt an die Eindrücke des Shonta Abenteurerherz (TI 16ff.) und auch an das, was Va­niyaa, Yuuricor und ihre Begleiterinnen und Begleiter in der Siedlung der Shonta in Band 10 „Das Maschinenvolk“ mitbekommen haben. Es gibt durchaus noch überlebende Tassaier, sie sind nur nahezu spurlos verschwunden. Und es steht sehr zu erwarten, dass auch auf sie tödliche Überraschungen zukommen.

Merkt euch jedoch den Pfad zu den Tassaiern gut, meine Freunde – ihr seht sie rascher wieder, als ihr glaubt.

Soviel für heute zu den lebensgefährlichen Entwicklungen in der nächsten TI-Episode. In der kommenden Woche erzähle ich euch in der nächsten Folge der Blogartikelreihe „Was ist eigentlich der OSM?“ mehr zur Historie meiner kreativen Arbeit am OSM in den vergangenen Jahren.

Bis dahin noch viel Spaß mit der Lektüre meiner E-Books!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 84: Würste der Hölle

Posted November 2nd, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

deutsche Sprache schwere Sprache“, heißt es manchmal radebrechend von auswärtigen Gästen, die zumindest einigen Aufwand betreiben, die wirklich komplizierte deutsche Sprache zu beherrschen. Es gab auch mal jemanden, der unser Idiom „the awful german language“ nannte und bei dem Versuch, es zu erlernen, so wütend wurde, dass er ein äußerst unterhaltsames Buch dazu ge­schrieben hat (das werde ich sicherlich beizeiten auch in den Rezensions-Blog einarbeiten). Doch heute soll es nicht um Mark Twain gehen, sondern um Titus Arnu, einen pfiffigen Journalisten mit dem Gespür, wenn etwas wirklich so gar nicht funktioniert (Bastian Sick lässt grüßen).

Er hat schon einen Band solcher verbaler Entgleisungen herausgegeben, über den ich mich köstlich amüsiert habe (und nein, das hat jetzt nichts mit Schaden­freude zu tun, wie ja so gern missverstanden wird). Ich betrachte solche Samm­lungen als Stimmungsaufheller, und es gibt ja auch wirklich die kuriosesten Schilder und schriftlichen Zeugnisse. Nur mal so unter uns – vor vielen Jahren las ich hier in Braunschweig ein Schild, auf dem stand, ohne Witz, „Bin Laden fertig“. Wenn ich es recht erinnere, war das ein Hinweisschild auf eine Laden­schließung. Man konnte das auch anders verstehen…

Titus Arnu hat nun jedenfalls aus der Not eine Tugend gemacht und kommen­tiert eingesandte Fotos von Urlaubern aus aller Herren Länder, um anschlie­ßend sicherlich gutes Geld mit dem veröffentlichten Buch zu machen. Wer so etwas mag und über das Werk im Buchhandel stolpern sollte, der kann das Ki­chern gern schon an Ort und Stelle beginnen.

Einen kleinen Vorgeschmack darauf gibt es jetzt:

Würste der Hölle

Übelsetzungen. Neue Sprachpannen aus aller Welt

von Titus Arnu (Hg.)

Langenscheidt

Berlin und München 2008

132 Seiten, TB

ISBN 978-3-468-29850-9

Mal Hand aufs Herz – es ist schon wirklich urkomisch, wenn man Geburtstags­geschenke auspackt und sich auf einmal einem Glas Bockwürsten gegenüber sieht. Ich schaute also am vergangenen Sonntag auch nicht gerade intelligent drein, als das geschah.

Meine Freundin Conny reichte mir ein weiteres Geschenk und meinte nur: „Das gehört dazu. Du verstehst das schon, wenn du es auspackst.“

Und fürwahr, so war es: darin nämlich fand sich dieses Buch, das auf meiner Wunschliste gestanden hatte. Da lachte ich schon, als ich es anschaute, und heute, nachdem ich es ausgelesen habe und meine Lachmuskeln reichlich stra­paziert wurden, dachte ich mir: ich sollte es mal wenigstens kurz rezensieren, ob nun für die Leute, die generell wenig zu lachen haben oder weil sie dringend danach verlangen, mal wieder so richtig herzhaft in Bus oder Bahn loszuprusten und die Mitmenschen zu verwirren.

Das hier ist das richtige Mittel dazu.

Wieder einmal hat Titus Arnu Fotos von Urlaubern gesammelt und mit frechen Kommentaren zur Irreführung und Erläuterung versehen, und er verirrt sich da­bei gelegentlich schon in wirklich abenteuerliche, um nicht zu sagen: phantasti­sche Gefilde. Ein paar Zitate mögen das deutlich machen.

Schon im Vorwort fängt es ziemlich wild an: „Urlaub kann die Hölle sein. Am Strand lauern tödliche ‚Warnmarinestachel’. Im Wald wimmelt es von ‚lanusen­den Tieren’. Auf dem Gemüsemarkt muss man mit gefährlicher ‚Pilzmanipulati­on’ rechnen. Und dann noch dieses furchtbare Essen: Es gibt ‚Rasur zum Eisen’, ‚Carpaccio mit Geldstrafe des Tiers’ oder ‚Falten verrückter mit Birkenpilz und Paprika’.“

Das klingt doch nicht eben anheimelnd, nicht wahr? Vielleicht… na ja, also viel­leicht sollte man doch lieber auf den Urlaub verzichten, wo man doch – meis­tens zumindest – so sehr am Leben und eigenen Wohlergehen hängt? Aber Arnu hat natürlich auch noch gute Argumente, die dann für das Gegenteil spre­chen:

Urlaub kann aber auch wunderbar sein. Eine Kirche in Frankreich wartet mit ei­nem ‚Zerstäuber der Umgebungsmusik’ auf. Das ist schön. Ein Trampolin in Kroatien ermöglicht es, aus der Arbeitszeit zu springen.1 Das ist befreiend. Ein Schild in China bittet Touristen: ‚Please fall into water carefully’ – bitte fallen Sie vorsichtig ins Wasser! Das ist nett. Und die Gemeinde Cisano am Gardasee heißt Besucher herzlich zum ‚Hundertjährigen Vögelfest’ willkommen. Das ist einfach geil…“

Da bleibt dem ahnungslosen Leser doch ein wenig die Spucke weg. Und man wird, so ging es mir wenigstens, unweigerlich neugierig, was denn nun schon wieder alles im Ausland schief gegangen ist und auf Schildern verewigt wurde, zum Gaudium der Leserschaft.

In sieben Kapiteln, von „Zu Gast bei Freunden“ über „Badespaß“, „Mahlzeit!“, „Vorsicht!“ bis hin zu „Chinglish“, „Alles verboten!“ und „Gewusst wie“ werden Urlaubsfreuden, Bademoden, Essenssitten, allgemeine (und bisweilen gemein­gefährliche) Warnungen vor dem Leser ausgebreitet, außerdem ist die beliebte Rubrik „Was passiert wohl, wenn Chinesen versuchen, unvollkommenes Englisch zu schreiben“ (das Resultat nennt man dann „Chinglish“ und das ist besonders abenteuerlich, meistens etwas für ausgebuffte Rätselfreaks) dabei, und am Ende finden wir die Abteilung „Bedienungsanleitungen“, für die man offenbar ein eigenes chaotisches Hochschuldiplom benötigt, um sie zu verstehen.

Uns begegnen in diesem Buch, um nur mal so eine kleine, höchst unvollständi­ge Auswahl zu präsentieren, auswärtige Zahnärzte, die auf Hartz-IV-Patienten in Spanien abonniert sind, Schauderterrassen, Furienwohnungen, „das knospen Indianische Wirtschaft“, wo „everysection pro-beschleunigt“ ist, Tickets zum Be­such eines Leuchtturms sind zu „erlegen“ (womöglich mit der Schrotflinte?), ei­gentümliche „Zimmervonsicherheitsdienste“ müssen erst graviert und dann be­schleunigt werden, Wertgegenstände werden im „Seif des Hotels“ eingeseift und sind hinterher schön sauber, Protokolle werden bekämpft, in tschechischen Supermärkten gibt es Geheimbedarf und Zweige zu kaufen, in Turin soll man Opfergaben für die Hordentücher hinterlassen… und das ist alles nur der An­fang…

Wahrlich, es ist manchmal zum Brüllen komisch, was hier präsentiert wird. Die Welt ist verrückter, als wir uns das ausmalen, und die Beherrschung der deut­schen Sprache im Ausland ist doch selbst in EU-Mitgliedsländern gelegentlich… nun, sagen wir es behutsam… suboptimal. Titus Arnu, der hiermit schon den zweiten Band seiner „Übelsetzungen“ präsentiert, hat eine wirklich erfrischen­de, sehr kurzweilige Sammlung von Kuriositäten vorgelegt, die man mühelos in zwei Tagen „inhalieren“ und als Stimmungsaufheller benutzen kann. Wer sonst nichts oder zu wenig zu lachen hat oder sich von den obigen Beispielen inspi­riert fühlt, sollte zugreifen. Das Buch ist im allgemeinen Buchhandel erhältlich, und das Gekicher und Lachen entschädigt für jeden ausgegebenen Euro. Großes Indianerehrenwort! Oder wie die Inder das sonst nennen…

© by Uwe Lammers, 2011

Nun, ich denke, ich habe nicht wirklich zu viel versprochen, oder? Es lohnt sich tatsächlich. Und das Lesevergnügen entfernt euch für eine Weile aus der Wirk­lichkeit, ganz so, wie es ein gutes Buch tun sollte.

Nächste Woche macht ihr eine ungewöhnliche Erfahrung an diesem Ort – da stelle ich euch nämlich gleich VIER Autoren auf einmal vor, die in vier unter­schiedlichen Welten agieren. Nein, nein, nicht als Coautoren. Wie dann? Nun, da lasst euch mal überraschen. Auch dieses Buch hat es dann wirklich wieder in sich.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Mich deucht, Zeitmaschinen sind dagegen komplizierte Apparate… wie war das noch mal mit der Phantastik in diesem Buch…?

Liebe Freunde des OSM,

als ich vor fünf Wochen meinen Blog abschloss,um über den Monat Juni 2016 den Schlussakkord an Buchstaben zu vollenden, nahm ich, einigermaßen düster gestimmt, natürlich an, der nächste Monat würde nicht sehr viel angenehmer verlaufen. Immerhin legte das ja meine Arbeitsbelastung der vergangenen Mo­nate doch auch sehr nahe.

Es sah sogar noch finsterer aus als üblich, da schon am 2. Juli eine Beerdigung anstand… konnte ich wissen, dass mich die wahnwitzige politische Gegenwart zu einer Spontanidee hinreißen würde, die wirklich binnen eines Tages – und unterbrochen von Beerdigung und Trauerfeier – just an diesem 2. Juli aufs Pa­pier kondensieren würde?

Nein. Meine Kreativität ist und bleibt nun einmal unberechenbar. Ich erwähne diese Geschichte mit dem Titel „Wahltag 2040“ nicht deshalb, weil sie einen OSM-Bezug hat. Den hat sie nicht. Ich tue es aus dem Grund, weil das einesteils so unerwartet kam und zum anderen auch zeigt, dass ich durchaus nicht ein es­kapistischer Träumer bin, sondern mich von politischen Turbulenzen der Gegen­wart – Stichworte „Brexit“, „Putschversuch in der Türkei“ usw. – durchaus mit­reißen lasse.

Es gab übrigens noch so ein interessantes Ereignis, ich komme dazu gleich noch. Doch zuvor schauen wir uns mal gemeinsam an, was ich in dem verstrichenen Monat bezüglich des OSM und des Archipels auf die Füße stellen konnte. Es war wieder vergleichsweise bescheiden:

18Neu 75: Gespenst der Zeit

Blogartikel 186: Work in Progress, Part 43

(OSM-Wiki)

(E-Book 35: Späherin der Cestai)

Everstons Traum – Phantastik-Story

Erläuterung: Dies war jetzt das oben erwähnte Vorkommnis Nummer 2, das mich im Juli völlig überraschte. Kurz zuvor hatte ich einen interessanten Bild­band erstanden und war dabei, ihn durchzublättern, als ich auf eine bezaubern­de Illustration stieß, die meine Kreativität in Wallung brachte.

Dazu sollte ich mal was schreiben“, sinnierte ich, legte ein Blatt mit ein paar Bleistiftnotizen in das Buch ein… und dann vergingen nicht mal 24 Stunden, bis ich auf das Blatt noch mehr notierte, darunter auch den Titel der Geschichte, eben „Everstons Traum“. Und ruckzuck, schrieb sich die Geschichte wie von selbst. Erzählt von einem alten Säufer in Form einer etwas unsortierten Beichte… von einem Wesen aus Urzeiten, das die kleine englische Gemeinde Lavis heimsuchte.

Gruselig. Erotisch. Phantastisch.

Das zeigte mir nachdrücklich: die Ideen sprudeln noch, man muss nur ausgeruht genug und inspiriert sein, um sie auch zu Papier zu bringen. Well, und die Zeit dafür muss man natürlich auch haben, klar.

Und nein, auch dies ist leider keine OSM-Geschichte, meine Freunde. Ich werde euch da auf eine meiner nächsten Kurzgeschichtensammlungen vertrösten müs­sen, wo ich sie wohl veröffentlichen werde. Falls sie nicht zwischenzeitlich in Fanzines ihren Raum findet, wohl in zwei Teile zerschnitten, weil sie doch etwas umfangreicher wurde als die Wahltag-Geschichte.

(Das Geheimnis des Vungash – Archipel-Story)

(Blindlings – Archipel-Story)

(Gashhoys Geschichte – Archipel-Story)

(Kapitän Taisanors Geschichte – Archipel-Story)

(Raubgut – Archipel-Story)

(Auf und nieder – Archipel-Story)

(18Neu 76: Botschafter der Siegelwelt)

Erläuterung: Ich gestehe – auf diese Abschrift habe ich mich sehr gefreut. Das hat Gründe, die ihr mangels Informationen nur schwerlich nachvollziehen könnt. Ich versuche dennoch, euch hier ein wenig heranzuführen: Die Siegelwelt ist ein geheimnisvoller Ort im Oki Stanwer Mythos, den ich erstmals im Jahr 1986 be­reiste, also vor gut 30 Jahren. Ein Planet, der einem planetaren Würfel zum Ver­wechseln ähnlich sieht. Künstliche Schwerefelder unter den Seitenflächen erzeu­gen eine konstante Gravitation. Im KONFLIKT 17, also der Serie „Drohung aus dem All“ (1983-1986) war die Siegelwelt der Austragungsort des finalen Kamp­fes zwischen Oki Stanwer und seinen Getreuen einerseits und den Kämpfern TO­TAMS auf der anderen Seite. Als Zünglein an der Waage agierte damals ein monströser Fremder namens Soffrol, der mir zu dem Zeitpunkt schon als wan­kelmütiger, wechselhafter Gesell bekannt war. Er wurde mit Recht als notori­scher Frontenwechsler bezeichnet.

Die Siegelwelt entschwand aus meinem Blickfeld, war aber nicht vergessen – wie hätte sie das auch sein können? Sie war schließlich die Nahtstelle zwischen der so genannten „Knochendimension“ und dem legendären „Vorhof“, in dem TOTAMS grüne Sonne Granat im Schwarz des Alls brannte und der schwarze Kristallplanet TOTAM selbst seine Bahnen zog.

Nun, und in KONFLIKT 18, in der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (KGTDUS, 1984-1989), taucht die Siegelwelt wieder auf. Genauer: in dem Vierteiler, der mit Band 75 der Serie begann, erhielt Oki Stanwer einen rät­selhaften Kristall-Nachrichtenzylinder, und im obigen Band 76 durchschritt er ein Tor zur Siegelwelt, um den Absender der Nachricht zu treffen – ein Wesen, dessen Namen er irgendwann mal gehört zu haben schien, das er aber sonst vollkommen vergessen hatte… ein Wesen namens SOFFROL…

Heute weiß ich, dass zwischen den beiden Besuchen Oki Stanwers auf der Sie­gelwelt rund fünf Milliarden Handlungsjahre liegen. Aber damals war ich noch etwas unbedarfter. Ach, ich freue mich so sehr darauf, euch diese Abenteuer dereinst mal hautnah in E-Book-Form zeigen zu können…

Blogartikel 203: Legendäre Schauplätze 1: Arc

Erläuterung: Ja, auch hierzu muss ich etwas sagen. Mit Ausgabe 200 des Wo­chen-Blogs kommen neue Rubriken hinzu. Das hier ist nach „Der OSM in Ge­dichtform“ der nächste Bereich. Wie lang diese Rubrik werden wird, kann ich aktuell noch nicht sagen, auch nicht, ob ich dabei streng alphabetisch bleiben oder alle Buchstaben abgrasen werde. Es kann sehr gut sein, dass es mehrere Einträge zum gleichen Buchstaben gibt.

Hierbei soll es um legendäre Galaxien und Planeten bzw. auch technische Arte­fakte größerer Dimension gehen (unter Z könnte ich mir beispielsweise „ZYNEEGHAR 11“ vorstellen, unter Q so etwas wie „QUANGOOR-8810“). Es schien mir jedenfalls an der Zeit, wieder für etwas mehr Breitenwissen zu sorgen. Im kom­menden Jahr möchte ich euch schließlich mitnehmen in eine Sterneninsel na­mens Bytharg… ein wahrlich legendärer Ort, den ich dann in der obigen Blogar­tikelreihe schon mal ein wenig vorstellen werde.

Ich denke, darauf könnt ihr euch freuen.

(12Neu 35: Geleitzug ins Nichts)

(12Neu 36: Das Reich hinter dem Universum)

Erläuterung: Dieser Titel könnte euch die Stirne kräuseln. Wie mag man sich so etwas vorstellen, ein Reich „hinter dem Universum“? Außerhalb jetzt, oder wie? Nein, sage ich wissend lächelnd, so nicht. Im Jahre 1989, als ich diese Episode schrieb, fiel ich gedanklich in ein ungeheuerliches Kontinuum hinab, nämlich in die so genannten „unterkosmischen Niveaus“, die das Universum untertunneln wie Würmer Kanäle durch einen Käselaib graben. Diese phantastische Kulisse ließ mich nicht mehr los, und sie birgt selbst heute noch nach über 25 Jahren so unglaublich viele Geheimnisse, dass die „unterkosmischen Niveaus“ seither in noch vielen weiteren OSM-Serien in Erscheinung getreten sind. Vertraut mei­nem Urteil – wenn ihr dabei bleibt, werdet ihr diese Orte an meiner Seite betre­ten, und ich denke, sie werden auch für euch unvergesslich werden… im positi­ven wie im grässlichen Sinne…

(Glossar der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“)

Tja, meine Freunde… und damit hatte es sich dann schon wieder für den Monat Juli. Ich sagte ja, die wirklich starken kreativen Anstöße kamen am Monatsan­fang und aus Bereichen jenseits des OSM. Ansonsten kam ich nur ganz beschei­den vorwärts. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass das im kommenden Monat ein wenig positiver wird… wobei ich irgendwie noch gar nicht recht zu glauben vermag, dass es echt schon wieder so spät im Jahr ist! Gütiger Himmel, das Jahr 2016 ist schon zu mehr als der Hälfte vorbei! Der Geburtstagsmara­thon beginnt (August…), und bald steht schon wieder Weihnachten vor der Tür, und der dritte (!) Todestag meines lieben Vaters…

Ehrlich, es ist erstaunlich, wie schnell das Jahr dahinrast.

Und auch der Blogbeitrag hat für heute ein Ende. Ich verrate mal noch nicht, wohin ich euch in der kommenden Woche hin entführe. Da lasst euch mal über­raschen – und versäumt nicht den nächsten Eintrag. Es gibt doch nichts Inter­essanteres als ein wenig prickelnde Vorfreude auf das, was noch kommt, nicht wahr…?

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 83: Eisberg

Posted Oktober 26th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wie ihr wisst, schätze ich Clive Cussler als Autor sehr, der es versteht, den Leser auf die Achterbahnfahrt durch seine bisweilen wirklich sehr rasanten Romane mitzunehmen. Selbstverständlich gibt es immer wieder auch logische Ausfälle, beispielsweise krass von mir kritisiert vor Jahren bei dem Roman „Akte Atlan­tis“, aber das hält sich immer ziemlich im Rahmen des Akzeptablen.

Bei Frühwerken von Cussler ist das schwieriger. Man merkt da deutlich, er expe­rimentiert noch – mal mit brutalen Frauen als Mörderinnen, dann mit seinem Alter Ego Dirk Pitt, das ebenso rücksichtslos zurückschlägt, mal spielt Politik eine so massive Rolle, dass man sich im falschen Film glaubt, dann wieder flat­tert eine ungehemmt rassistische Karte über den Tisch… nun, und hier läuft das also ähnlich.

Eisberg“ ist ein Frühwerk von Clive Cussler, und das merkt man an sehr vielen Stellen deutlich. Der Roman ist dramatisch, keine Frage, und wer hiermit in Cusslers Dirk Pitt-Universum startet, könnte es kniffliger haben… ich war gleich­wohl etwas vom Gesamtergebnis enttäuscht, als ich dieses Buch nach rund 30 Jahren endlich wieder in meinem Regal stehen hatte und es ein zweites Mal las.

Und trotzdem denke ich, ist es eine Vorstellung wert, und die kommt jetzt:

Eisberg

(OT: Iceberg)

Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft mbH

Ursprünglich 1975, hier 1978

324 Seiten, geb.

Aus dem Amerikanischen von Tilman Burkhard

ISBN 3-625-20332-4

Als ein Patrouillenflugzeug der US-Küstenwache, das zur Eisbeobachtung einge­setzt wird, reichlich unerwartet ein in einem Eisberg festgefrorenes Schiffs­wrack entdeckt und den Berg markiert, ist niemandem an Bord der Maschine klar, dass sie damit ein tödliches Geheimnis entdeckt haben. Das wird auch Lieutenant Lee Koski nicht klar, der das Schnellboot Catawaba der Küstenwache kommandiert. Er ist nur reichlich überrascht, als in rauher See ein Hubschrau­ber auf seinem Deck landet und zwei Personen ausspeit – den fülligen Wissen­schaftler Dr. Bill Hunnewell und seinen Piloten, Major Dirk Pitt von der NUMA. Sie sind in geheimer Mission unterwegs. Beide erzählen ihm ein abenteuerli­ches Garn über ein russisches Spionageschiff, das vor Monaten spurlos ver­schwunden ist und das sie unbedingt nun als erste erreichen müssen, ehe die Russen das schaffen, die im gleichen Sektor nach dem im Eisberg eingefrorenen Schiff fahnden.

Dummerweise stimmt nahezu nichts davon, und über einen Teil der Lügen ist sich Dirk Pitt im Klaren. Dennoch – als er mit Dr. Hunnewell das Wrack findet, ist er doch nicht wenig erschüttert, aus mehreren Gründen: zum einen hat jemand einen Tunnel zum Wrack gegraben, zum anderen ist das Wrack vollständig aus­gebrannt, und drittens ist die gesamte Besatzung fast bis zur Unkenntlichkeit verkohlt.

Doch dass die beiden Finder das Wrack und die Namen aller Besatzungsmitglie­der kennen, ist nur ein Teil des Problems. Pitt argwöhnt, dass das Schiff, in Wahrheit die Yacht Lax des isländischen Bergbauunternehmers Kristjan Fyrie, das vor einem Jahr spurlos verschwunden ist, keiner natürlichen Katastrophe zum Opfer gefallen ist, sondern im Zuge eines ungeheuerlichen Verbrechens ge­zielt vernichtet wurde. Irgendetwas dabei scheint schief gelaufen zu sein.

Und schlimmer noch: als Hunnewell und Pitt nach Island weiterfliegen, reisen sie um ein Haar in den Tod. Ein gefährlicher Gegner lauert ihnen auf und verübt nacheinander mehrere Mordanschläge auf sie. Pitt kann sie überleben, ist nun aber nicht nur physisch ziemlich angeschlagen, sondern erst recht zornig und höchst erpicht darauf, die Hintergründe des Dramas aufzuklären.

Sein Chef, Admiral James Sandecker, kommt ebenfalls nach Island, zusammen mit seiner Sekretärin Tidi Royal, und binnen kürzester Zeit steckt Dirk Pitt in ei­nem gigantischen Komplott, das einen erheblichen Teil der politischen Weltkar­te umkrempeln soll und in dem Mord und Totschlag als Mittel völlig normal zu sein scheinen. Und die Macht im Dunkel verfügt über atemberaubende Ressourcen an Geld, Personal und Material, die sie bedenkenlos einsetzt.

Am schlimmsten ist jedoch die unglaubliche Macht, die die „Eremit“-Gesell­schaft hat und die bis in höchste Politikkreise reicht. Es sieht ganz so aus, als habe es Pitt hier mit einem Gegner zu tun, der ihm weit überlegen ist. Spätes­tens, als er schwer verletzt durch die gottverlassene isländische Tundra stapft, im Wettlauf mit dem Tod, ist ihm endgültig klar, dass es vielleicht diesmal doch die bessere Entscheidung gewesen wäre, sich ins sonnige Kalifornien zurückver­setzen zu lassen… aber andererseits… dann wäre er natürlich auch nicht in Dis­neyland bei den Pirates of the Caribbean gelandet…

Dieser frühe Roman von Clive Cussler liest sich, so jedenfalls mein Eindruck, un­gewöhnlich schwerfällig. Das mag einerseits mit dem unbekannten Übersetzer zu tun haben, den man später nie wieder ranließ, zum Teil sicherlich aber auch damit, dass wir Pitts Sidekick Albert Giordino vermissen müssen. Er taucht im ganzen Roman nicht einmal namentlich auf, was schon sehr bedauerlich ist. Die frotzelnden Gespräche der beiden Freunde fehlen hier definitiv. James Sande­cker und andere Protagonisten, die in diesem Roman auf den Plan treten, hel­fen da nicht wirklich aus.

Ebenfalls ungewöhnlich ist die Schwafeligkeit der Handlungspersonen. Sowohl Pitt nutzt viele Gelegenheiten zu unerwartet wortreichen Erläuterungen – was später so nicht mehr sein Stil ist – als auch seine Gegner und seine Helfer. Das nervt rasch. Man hat an vielen Stellen das dumme Gefühl, als habe Cussler hier einen ihm thematisch noch recht fremden Stoff relativ ungenügend adaptiert und deshalb vieles nahezu 1:1 aus dem Skript in wörtliche Rede übertragen, um die Geschichte tragfähig zu machen. Das verlangsamt sie aber außerordentlich.

Außerdem ist es einigermaßen grotesk, Dirk Pitt in ausgesprochener Tuntenatti­tüde und ebensolcher Bekleidung vorzufinden. Natürlich, er spielt eine Rolle, und das funktioniert auch ganz gut… aber dennoch ist die Wirkung so bizarr, dass Cussler darauf nie wieder zurückgegriffen hat. Ich würde mal vermuten, er hat gemerkt, dass er damit am Geschmack der Leser deutlich vorbeischrieb und die Umsätze hinter den Erwartungen zurückblieben.

Wer als unbedingt alle Cussler-Romane lesen und kennen möchte, sollte sich den hier ebenfalls antun. Ansonsten scheint er mir eines der Werke von ihm zu sein, die man sich durchaus verkneifen kann.

© by Uwe Lammers, 2015

In der kommenden Woche schlagen wir ein völlig ungewohntes Sujet auf, für das ich nicht mal einen gescheiten Namen finde. Sachbuch wäre irgendwie… schräg, ein Roman ist es nicht… schwierig zu sagen, was es sein könnte. Auf je­den Fall kann ich versichern, was unbedingt der Fall ist: es ist saukomisch. Und schon das sollte Grund genug für euch sein, in sieben Tagen wieder vorbeizu­schauen. Ich glaube, euer Zwerchfell wird das mögen.

Bis bald dann,

mit Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 190: Kreative Stimuli

Posted Oktober 24th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

die Kreativität ist ein rätselhaftes Land mit ungewissen Gezeiten, die kommen und gehen, wie sie wollen. Oftmals sind große Geister in der Vergangenheit mit Zauberern verglichen worden, ganz gleich, welche Profession sie ausübten. Männer und Frauen, die aus schlichten, amorphen Farben auf einer Palette phantastische Bildlandschaften auf die Leinwand zauberten, wie man sie nie­mals zuvor gesehen hatte. Menschen, die Gestalten von beklemmender Reali­tätsnähe aus dem harten Stein meißelten, andere hingegen, die Buchstabenrei­hungen vornahmen und betörende, fesselnde Visionen zu Papier brachten. Schweigen wir von den Musikern, von Architekten und all den anderen klugen, unkontrollierbaren Geistern, die im Flow die erstaunlichsten Dinge erschufen.

Sie alle waren und sind Jünger und zugleich Teil des rätselhaften Pools der Krea­tivität, der wie eine gewitterschwangere Wolke über der Menschheit wabert, seit Jahrtausenden schon, wie ich schätze. Wahrscheinlich ist der Zugang zu die­sem Reservoir gebunden an eine gewisse Entwicklung der neuronalen Kapazitä­ten des menschlichen Verstandes, und wenn man mehrheitlich damit befasst ist, sich den Lebensunterhalt mühsam zu erarbeiten, dann sind einfach keine mentalen Freiräume für das Ausbauen und Entwickeln der Kreativität vorhan­den.

Womit aber mag ein Mensch, der in diesen Bereich eintritt, letzten Endes seine kreative Ader stimulieren? Das ist vermutlich von Person zu Person, von Land zu Land, sicherlich auch von Zeitalter zu Zeitalter unterschiedlich. Aber vielleicht pflichtet ihr mir bei, wenn ich sage, dass die Möglichkeit, seine kreativen Poten­tiale zu entdecken, niemals größer waren als in unserem aktuellen Zeitalter.

Woran liegt das und wie komme ich zu dieser Auffassung?

Nun, ich gehe da aus nahe liegenden Gründen von mir selbst aus. Als ich be­gann, meine kreativen Fertigkeiten auf dem Sektor des Schreibens und Illustrie­rens zu entwickeln, da befanden wir uns alle noch in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Es existierte kein Internet, es gab nur drei Fernsehkanäle, der Zu­gang dorthin war ausgesprochen beschränkt durch elterliche Vorgaben. Ich will nicht leugnen, dass ich da interessante Dinge zu sehen bekam, etwa die Verfilmung des Musicals „My Fair Lady“ mit Audrey Hepburn oder auch die alten „Winnetou“-Verfilmungen mit Pierre Brice. Aber phantastische Stoffe lud ich mir dann doch eher mit Hilfe von Comics und Büchern in mein Hirn, die ich von Schulfreunden, Flohmärkten oder Büchereien organisierte.

Wie schon gesagt, die Möglichkeiten zur Stimulierung der Kreativität waren we­nigstens in meinem Fall eher beschränkt.

Für andere Jahrzehnte und Jahrhunderte gibt es weitere überlieferte Szenarien, die das inspirative Feuer entfachten – da gab es Menschen, die durch lebhafte Träume entflammt wurden. Oder die auf Reisen ganz extraordinäre Erfahrun­gen machten, die sie in ihre Erzählungen einwoben. Besonders Schriftsteller des 19. Jahrhunderts wären hier zu nennen, ziemlich an der Spitze meiner Auffas­sung nach ein humorvoll-schrulliger Amerikaner namens Samuel Longhorne Clemens, der sich den Künstlernamen Mark Twain zulegte.

Selbstverständlich sind Reisen bis heute als Möglichkeit, Blicke über den Teller­rand des bisweilen engen Lebenshorizonts zu werfen, als inspirative Quellen für die Kreativität nicht auszublenden. Die Wirkung von Reisen auf meine Kreativi­tät schätze ich allerdings eher mäßig ein. Ich habe das jüngst erst wieder erlebt.

Vor ein paar Tagen, gemessen an dem Zeitpunkt, da ich diese Zeilen schreibe, war ich selbst auf Dienstreisen in den Süden Deutschlands und betrat ein paar interessante Ecken, in denen ich noch nie gewesen war – neben dem Frankfur­ter Hauptbahnhof war das insbesondere das idyllische, kleine Städtchen Idstein im Taunus und das bergige Koblenz, wo ich ein Archiv aufsuchte und Akten wälzte.

Für die meisten von euch ist das wohl eher eine Art von Strafe, aber nicht für mich. Ich liebe Archive und unbekanntes Aktenmaterial, und es war eine tolle Erfahrung… sie wurde indes klimatisch eingetrübt, denn ich bin nun wirklich – im Gegensatz zu meiner bewunderungswürdigen Prinzessin Christina von Zhiongar im Archipel – alles andere als gluthitzetauglich. Während Christina sol­che Witterung genießt und sie am liebsten schamlos splitternackt genießt und sich knusperbraun braten lässt (noch freudiger gibt sie sich in solcher Glut der Wonne der Liebe hin), würde ich vom bloßen Gedanken daran in den Kollaps getrieben werden. Ich funktioniere bei solcher Witterung mehr wie eine Kellerassel: geh in Schatten, geh in Deckung, auf dass du nicht vertrocknest.

Ich bin definitiv kein Tropenmensch, und drum setzen mir die aktuellen Tempe­raturen von über 30 Grad auch sehr zu.

Doch zurück zum Thema: Ich sagte, einstmals wurde ich (mäßig) von einem ein­geschränkt zugänglichen Fernsehprogramm stimuliert, stärker dann von Litera­tur und Comics. Ab den späten 70er Jahren kamen Heftromane hinzu, dann An­fang der 80er Kinofilme, und schließlich im neuen Jahrtausend dann Internet­quellen, Streaming und dergleichen.

Meiner Ansicht nach ist es immer noch so, dass ich mental-kreativ wie in mei­ner kreativen Frühzeit funktioniere, und das läuft etwa so: Es gibt so etwas wie einen kreativen Akku tief in meiner Seele, der stetig mit Informationen und in­teressanten Stoffen gefüttert werden möchte. Es ist dabei zunehmend gleich­gültig, welcher Art genau diese Stimuli sind… nur ist es soweit klar, dass dieser Akku oder kreative Dynamo eine gewisse Kapazitätsgrenze besitzt. Wenn sie er­reicht wird, empfinde ich Neulektüre, Filme und ähnliches als fad, während un­terbewusst mein sensibles, kreatives Bewusstsein mit einem aktiven Misch- und Rekombinationsprozess begonnen hat.

Dann kommt der Moment der kreativen Entladung. Bilderströme suchen mich heim und drängen nach Realisierung. Dabei kann es gut passieren, dass in weni­gen Tagen Geschichten von vierzig oder fünfzig Seiten gewissermaßen wie von selbst aufs Papier kondensieren (bzw. heute: auf den Bildschirm). Es ist ein biss­chen gleich einem Sturm im Hirn, der unaufhaltsam ist und sich nur bedingt verzögern lässt. Ein Neurologe würde vielleicht eine gewisse Parallele mit einem „Anfall“ herzustellen suchen, doch wäre das ein pathologischer Vergleich.

Meines Erachtens hat ein kreativer Flow mit Pathologie nichts zu tun. Es han­delt sich dabei um eine Gabe, um etwas, was ich grundsätzlich positiv konnotie­re, so unkontrollierbar es auch im Detail sein mag. Manchmal war ich früher so tief versunken, dass ich, wenn ich wieder „in der Realität“ auftauchte, voller Verwunderung und Staunen auf das schaute, was ich geschrieben hatte und es nur schwer einzuordnen wusste.

Überrascht es, dass ich in den 80er und frühen 90er Jahren gelegentlich die Auffassung in Diskussionen vertrat, es handele sich um „Eingaben“, Informati­onsblenden aus dem Irgendwo oder Irgendwann? In Anbetracht der angedeute­ten Umstände kann das vermutlich nicht verwundern.

Heutzutage bin ich ein wenig kühler in der Einschätzung. Aber das Mysterium der kreativen Stimuli und ihrer Resultate bleibt nach wie vor schwer zugänglich. Ich hege inzwischen die Überzeugung, dass ich ein mentales Gleichgewicht brauche und mich einseitige Orientierung aus eben jenem Gleichgewicht herauskatapul­tiert, was sich in Fahrigkeit, Nervosität, Unkonzentriertheit und ähnlichen Sym­ptomen äußert. Will also heißen: es bedarf einer gewissen Balance zwischen der beruflichen Beanspruchung einerseits und der kreativen Entfaltung ande­rerseits, damit ich im mentalen Gleichgewicht bleiben kann. Das Bild eines Seil­tänzers, dessen Balancierstange auf einmal unkalkulierbar einseitig belastet wird, wodurch er aus dem Takt gerät und in Absturzgefahr, ist hier vermutlich angebracht. Recht ähnlich empfinde ich das auch.

Vielleicht liegt der tiefere Grund für diese Neigung zum Ausbalancieren, zum Gleichgewicht in meinem Sternzeichen, wiewohl ich definitiv nicht an Astrologie „glaube“. Aber eine gewisse Präferenz für das Gleichgewicht ist natürlich in mei­nem Sternzeichen „Waage“ angelegt.

Die kreativen Stimuli kümmert das eher nicht, sie sind überschießend und lei­denschaftlich wie eh und je, und das ist grundsätzlich auch sehr gut. Mögen sich manche kreativen Geister nur zu ihren Höhenflügen aufschwingen können, wenn sie sich mit Reisen, angenehmer Gesellschaft, leidenschaftlichen Affären, einem gewissen Pegel an Alkohol oder anderen Giften stimulieren… ich be­schränke mich dann doch lieber schmunzelnd auf meine bescheidenen Haus­mittel.

Hausmittel, damit ist eben das gemeint, was ich oben andeutete: Lektüre, Fil­me, Ruhe daheim. Flankiert gelegentlich von inspirativer Musik und schmack­haftem Tee, Gesprächen mit guten Freunden und der einen oder anderen ge­meinsamen Unternehmung. Mehr bedarf es wirklich nicht… wenigstens kann ich das rückblickend für die vergangenen 50 Jahre meines Lebens sagen. Wie es sich hingegen in der Zukunft entwickeln wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Aktuell schätze ich, wird es so ähnlich weitergehen wie im Gestern.

Und da uns zweifelsohne das Thema der Kreativität in der einen oder anderen Weise noch in vielen weiteren Blogartikeln beschäftigen wird, möge die heutige kleine „Meditation“ zum Thema der kreativen Stimuli für den Moment genü­gen.

In der kommenden Woche nehme ich euch mit in die Kreativbilanz des Monats Juli 2016.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 82: Alles über Alice

Posted Oktober 18th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

zweifellos kennt ihr, wenn ihr schon langjährige Freunde des phantastischen Genres seid, Lewis Carolls phantastischen Klassiker „Alice im Wunderland“, möglicherweise auch seine Fortsetzung „Alice hinter den Spiegeln“. Ich geste­he, ich bin ein Spätberufener und habe beide Werke erst recht spät in meiner Lesekarriere entdeckt, nämlich während der Schlussphase meines Studiums an der TU Braunschweig, also in den späten 90er Jahren, als ich schon auf die 40 zuging.

Einerlei… noch etwas später stolperte ich dann über das Werk, das ich euch heute als Leseempfehlung sehr ans Herz legen möchte. Denn es ist doch so – wenn man das Buch eines klugen, raffinierten Geistes liest, muss man oftmals Dinge hinnehmen, die scheinbar keinen Sinn ergeben. Das ist umso häufiger der Fall, wenn der Autor sowieso zu logischen Schrullen und Tricksereien neigt, zu Wortspielen, Analogien und dergleichen, und vollends undurchdringlich werden dann solche Passagen, wo er auch noch biografische Einzelheiten in den Text einwebt.

Solch ein Autor war Lewis Carroll, und er war großartig darin, seine Texte so­wohl unterhaltsam zu schreiben als auch komplex zu verschlüsseln. Ich gestehe freimütig, dass ich bei der erstmaligen Lektüre der Alice-Romane an vielen Stel­len etwas überfordert war.

Doch dann kam der Spezialist für Carroll-Fragen, Martin Gardner, und er dachte ganz so wie ihr: Gibt es nicht eine Möglichkeit, die Rätsel zu entschleiern, das Dickicht zu durchdringen und dabei die Unterhaltsamkeit beizubehalten? Das muss doch möglich sein.

Ja, es war möglich, und heraus gekommen ist dieser dickleibige Prachtband. Wer also endlich Aufklärung über die vielen Rätsel der beiden genannten Ro­mane erhalten möchte, der konsultiere „Doktor Gardner“, und es werde Licht – und ja, auf sehr unterhaltsame Weise. Und Bilder gibt es natürlich auch darin.

Warum ich das so betone? Na, das werdet ihr gleich sehen, meine Freunde. Auf ins Abenteuer:

Alles über Alice

(OT: The Annotated Alice)

von Lewis Carroll & Martin Gardner

Europa-Verlag, August 2002

380 Seiten, geb.

Aus dem Englischen von Günther Flemming und Friedhelm Rathjen

ISBN 3-4203-75950-0

Wozu“, dachte Alice, „ist ein Buch ohne Bilder oder Unterhaltungen nütze?“1

Eine Frage, die typisch ist für ein Kind, und in der Folge war es natürlich ganz unumgänglich, dass jenes Buch, über das die junge Alice Pleasance Liddell, die Tochter des Dekans des Christchurch College in Oxford, letztlich sprach, auch Bilder enthalten musste.

Die Geschichte der wundersamen Abenteuer der kleinen Alice (im Buch ohne Nachnamen, teilweise manchmal sogar ohne Vornamen, beispielsweise, als sie in jenem Wald ist, in dem man schlicht alles vergisst), beginnt bei einem Boots­ausflug auf einem Nebenarm der Themse, mutmaßlich am 4. Juli 1862 (das Da­tum ist umstritten). An diesem Tag befanden sich im Boot Hochwürden Ro­binson Duckworth, der Mathematiker Reverend Charles Lutwidge Dodgson und die drei jungen Töchter des Dekans Liddell, Lorina Charlotte („Prima“), Alice Pleasance („Secunda“) und Edith („Tertia“), 13, 10 und 8 Jahre alt.2

Auf diesem Ausflug erzählte der durch und durch kinderliebe Reverend Dodgson, damals 30 Jahre alt, den Kindern eine Geschichte, die er aus dem Stegreif erzählte und die den Mädchen so sehr gefiel, dass Alice später darauf bestand, Dodgson möge sie doch aufschreiben, und wenn auch nur für sie allei­ne.

Schätzen wir uns glücklich, dass er auf sie gehört hat. Denn so entstand jenes Werk, das bis heute die Kinderliteratur enorm bereichert und mächtige Verwer­fungen in Literatur, Sekundärliteratur, Bilderbuch, Hörspiel- und Filmmedium hervorgebracht hat: Alice im Wunderland.

Kehren wir zurück zu jenem bald ins Mythische abgleitenden Bootsausflug. Dodgson, der später das Schriftstellerpseudonym „Lewis Carroll“ annahm, un­ter dem man ihn heute noch kennt, lässt die Reisegesellschaft an Land pausie­ren, und bei jener Pause geschieht es, dass die kleine, gelangweilte Alice (dem Beschreiben nach 7 Jahre alt), auf einmal einen Weißen Hasen vorbeilaufen sieht.

Nun wäre das nicht verblüffend, wenn das Tier nicht zum einen eine Weste trü­ge und eine Taschenuhr – und zum zweiten auch noch redete. „Oh weh, oh weh, ich werde zu spät kommen“, sind die legendären ersten Worte des Weißen Kaninchens.3

Alice, neugierig geworden, folgt dem Wesen und springt hinter ihm in einen schier endlos tiefen Kaninchenbau. Und spätestens jetzt kann der Leser nicht mehr aufhören, will wissen, wie es weitergeht. Was es mit dem Weißen Kanin­chen auf sich hat oder wie Alice, als sie denn einmal in der Unterwelt gelandet ist, durch ein winziges Türchen („nicht viel größer als ein Rattenloch“4) in den Garten gelangen kann (es hat, soviel sei verraten, mit einem Fläschchen zu tun, auf dessen Begleitzettel5 „Trink mich!“ steht, und mit Fächer und Handschuhen6).

Das rasch äußerst verwirrte Mädchen macht die Bekanntschaft mit sprechen­den Tieren, mit dem Märzhasen und dem Verrückten Hutmacher, der so konfus ist, dass er bisweilen von seiner Tasse abbeißt statt vom Kuchen. Sie trifft ein Raupentier, isst eigentümliche Pilze mit noch seltsameren Eigenschaften, und schließlich begegnet sie der rätselhaft lächelnden Cheshire-Katze und den le­benden Spielkarten, die, sagen wir es vornehm, durchaus neurotische Züge tra­gen (man schaue sich nur die Königin an mit ihrem Standardsatz: „Den Kopf ihm ab! Den Kopf ihr ab!“7). Und was ist mit so obskuren Wesen wie dem Schildkrö­tensupperich und dem Greifen oder mit der Hummer-Quadrille? Die Krönung der Geschichte ist es dann schließlich, als Alice im Wunderland auch noch vor Gericht landet…

Wenn man aus diesem Buch auftaucht, ist man durchaus ganz konfus, aber es ist eine wunderbare, entspannende, von zahlreichem Gekicher und Gelächter durchzogene Konfusion. Und da man sich erst auf Seite 140 befindet, kann der Leser sich behaglich zurücklehnen und weiterblättern, denn es gibt noch mehr zu entdecken. Schließlich ist das alles erst der Anfang.

Sechs Jahre nach der ersten Publikation von „Alice’s Adventures in Wonderland“ (1865) setzt Carroll, der inzwischen schon mit zwei weiteren Wer­ken publizistisch tätig war8 und daran offensichtlich zunehmend Gefallen findet, die vielleicht noch wirkungsmächtigere Erzählung „Through the Looking-Glass, and What Alice Found There“ (1871). Diesmal beginnt man schnell zu spüren, dass Carroll leidenschaftlicher Mathematiker, Logiker und Schachspieler war. Ohne Grundkenntnisse in diesen Bereichen wird man vieles nicht verstehen und genießen können.

Wieder heißt die Hauptperson Alice Liddell, und von neuem beginnt die Erzäh­lung ganz unspektakulär, etwa ein halbes Jahr nach der ersten Geschichte. Nach der internen Zeitrechnung der Geschichten ist Alice also siebeneinhalb Jahre alt. Diesmal befindet sie sich mit ihren drei kleinen Kätzchen im Winter im war­men Salon des elterlichen Hauses, das Kaminfeuer knistert, es ist kuschelig warm, und Alice plaudert mit den Kätzchen, einem schwarzen (Kitti) und wei­ßen sowie dem Muttertier Dinah.9

Während dieser weitgehend ergebnislosen Diskussionen (um Alice zu zitieren: „Es ist eine sehr unangenehme Eigenschaft von Kätzchen, dass sie, was man auch zu ihnen spricht, IMMER nur schnurren. Wenn sie doch nur schnurren wür­den für ‚ja‘ und miauen für ‚nein‘ oder so etwas ähnliches…, so dass man eine Unterhaltung pflegen könnte! Aber wie soll man sich mit jemandem unterhal­ten, wenn sie immer auf die gleiche Weise antworten?“10) malt sich das Mäd­chen aus, wie es wohl wäre, das Spiegelbild hinter dem Kaminspiegel aufzusu­chen und das andere Haus auf der anderen Seite zu erforschen, ob es sich dort irgendwie vom Hier und Jetzt unterschiede.

Nun, ein Versuch, den Spiegel zu durchdringen, ist auch prompt von Erfolg ge­krönt, und sie findet sich im Spiegelbild ihres elterlichen Hauses wieder. Und hier ist einiges anders: die glatten Vasen haben hier Gesichter, Blumen im Gar­ten können reden, korkenzieherartig gewundene Wege führen auf seltsame Weise im Kreise. Und dann ist das mit der Bewegung in der Spiegelwelt sowieso so eine Sache. Lauschen wir der Antwort der Schwarzen Königin auf Alices be­rechtigte Bemerkung:

Nun, in UNSEREM Land“, sprach Alice, immer noch nach Luft schnappend, „ge­langt man im allgemeinen irgendwo anders hin – wenn man lange Zeit sehr schnell rennt, wie wir es getan haben.“

Scheint ein ziemlich behäbiges Land zu sein“, sprach die Königin. „HIER, jeden­falls, muss man so schnell rennen, wie DU kannst, um auf der selben Stelle zu bleiben. Wenn man woanders hin möchte, muss an mindestens doppelt so schnell rennen wie eben.“11

Alles klar? Schön, Alice geht es ebenso.

Komplizierter wird die Sache dadurch, dass Alice nicht nur einfach so durchs Spiegelland schlendern kann, sondern der ganze Roman als Schachpartie ange­legt ist, inklusive der entsprechenden Züge, Begegnungen und so weiter. Über­krustet von Lewis Carrolls Hang zu bizarrem Humor, Nonsens-Diskussionen, doppelbödigen Anspielungen und rätselhaften Andeutungen, erweist er sich als regelrechtes logisches Minenfeld, und wer nicht sehr präzise liest und mächtig aufpasst, landet schnell im Abseits.

Wer hingegen Acht gibt, bekommt ein paar richtig vergnügliche Leckerbissen zu lesen und macht während Alices unübersichtlicher Reise durchs Spiegelland12 die Bekanntschaft mit weiteren seltsamen Wesen Lewis Carrolls, beispielsweise dem „Schebberroch“, dem „Butterbrotling“, Dideldum und Dideldei, mit dem Walross und dem Zimmermann, der zerstreuten Weißen Königin, die sich schon mal bisweilen in ein sprechendes, strickendes Schaf verwandelt, aus einem Ei wächst der obskure, auf einer Mauer sitzende Humpti Dumpti… und so wei­ter.13

Das Ziel von Alice soll es sein, die Schachfeld-Landschaft zu überwinden, um letztlich zur Königin aufzusteigen. Allerdings ist das noch nicht ganz das Ende vom Lied, wie man bald bemerken wird, wenn man sich auf das Abenteuer des Buches einlässt…

Martin Gardner, jahrzehntelanger Carroll-Experte und ausgewiesener Logiker und Mathematiker, der lange die mathematische Rätselecke im SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT („Scientific American“) betreut hat, brauchte viele Jahre, um einen Großteil der Andeutungen und kryptischen Hinweise im Buch zu durch­dringen, und er hat sein ursprüngliches Buch „The Annotated Alice“ schon 1960 herausgebracht.

Diese, nun 40 Jahre später aufgelegte und wesentlich erweiterte Auflage ist in vielerlei Hinsicht ergänzt und durch aktuelle Literatur und Filme etwa ergänzt. Gardner löst mit seinem enzyklopädischen Wissen um den schrulligen briti­schen Schriftsteller die zahllosen Anspielungen auf Oxforder Verhältnisse und das direkte Lebensumfeld von Alice Pleasance Liddell und ihre Familie auf, er rückt Hinweise auf inzwischen vergangene Alltagsphänomene, Kleidung, Rede­wendungen oder Essgewohnheiten ins rechte Licht und erhellt so das sonst weitgehend kryptische zweite Alice-Buch gründlich. Ohne seine Anmerkungen, die – mit vollem Recht – Dutzende von Seiten ausmachen und vielfach sehr in­teressant zu lesen sind, ist dieses Werk vermutlich nur die Hälfte wert.

Gardner scheut sich auch nicht davor, durchaus kritische Bemerkungen zur Per­son Dodgsons/Carrolls (1832-1898) selbst zu machen, wenn er auch nicht unbe­dingt freudianischen Überinterpretationen folgt. Es steht halt nur fest: Dodgson, ein gegenüber Erwachsenen und männlichen Kindern unendlich ge­hemmter und häufig in Stottereien verfallender, gleichwohl durchaus genialer Mann, der nie heiratete, hegte Zeit seines Lebens intensive Gefühle für kleine Mädchen. Nein, nicht, was ihr jetzt denkt: Er war ein viktorianischer Gentle­man, und der bloße Gedanke daran, sich seinen angebeteten kleinen Freundin­nen zu nähern, hätte ihn zutiefst schockiert. Dennoch muss man es anmerken: Dies hielt ihn nicht davon ab, seine kleinen Freundinnen – mit Einwilligung der Mütter – nackt zu fotografieren. Dies ist vielleicht der einzige Zug, der an Carroll unangenehm und verurteilenswert ist.14

Ansonsten jedoch kann man ihn mittels seiner schriftlichen Zeugnisse, insbe­sondere auch der oft hierin zitierten Tagebücher, als einen sehr einfühlsamen Literaten mit breitem Lesehorizont, überbordendem Wortwitz und einer un­endlich ausgeprägten Neigung zum Erfinden bezeichnen. Wenn man die oben erwähnte Charakterschwäche, die sich in den Alice-Romanen übrigens nirgends auswirkt, einmal außer acht lässt, ist es meiner Ansicht nach äußerst empfeh­lenswert, diese beiden Romane, vereint in diesem kommentierten, von John Tenniel ausgezeichnet illustrierten Buch zu lesen. Ähnlich wie schon im „Wizard Of Oz“ von L. Frank Baum15, ja, vielleicht noch mehr als dort, kann man so selbst als Erwachsener wieder einmal in die wunderbare Welt der Kindheit eintauchen und, vielleicht, auch noch was fürs spätere Leben lernen…16

© by Uwe Lammers, 2007

Na, meine Freunde? Ich denke, ich habe nicht zu viel versprochen, sondern euch eher den Mund wässrig gemacht. Und so soll es auch sein. Zu dem Thema in der Fußnote 16 komme ich in ein paar Monaten, da macht euch mal kein Kopfzerbrechen. Es dürfte heuer schwer werden, das Fanzine Baden-Württem­berg Aktuell (BWA) Nr. 275 zu bekommen, es ist nur in sehr kleiner Auflage er­schienen. Aber den Text des Artikels stelle ich euch beizeiten bereitwillig zur Lektüre zur Verfügung.

In der kommenden Woche begeben wir uns demgegenüber in kalte Gewässer des hohen Nordens und zu einem weiteren Abenteuer mit unserem Heldenpaar Dirk Pitt und Albert Giordino.

Um welchen Roman es da konkret gehen wird? Na, da schaut einfach kommen­de Woche wieder rein, dann seid ihr schlauer.

Soviel für heute.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. Lewis Carroll: „Alice im Wunderland“, Kapitel 1, S. 11. Historiker wie ich sind da allge­mein der Ansicht, dass Bilder natürlich nützlich für die Visualisierung der Phantasie sind, aber ansonsten scheint es nicht zwingend notwendig, Bilder zu haben, konstitutiv für den Wert eines Buches sind sie schon gar nicht. Aber, wie gesagt, erwachsene Historiker sind eben auch keine Kinder.

2 Ebd., Einleitung, Anmerkung 1, S. 7.

3 Ebd., S. 11/12.

4 Vgl. Lewis Carroll: „Alice im Wunderland“, Kapitel 1, S. 16. Diese Entdeckung löst in ihr ei­niges Bedauern aus, aber sie gibt die Hoffnung nicht auf: „Denn, seht ihr, in der letzten Zeit waren so viele ungewöhnliche Dinge geschehen, dass Alice begonnen hatte zu den­ken, es wären tatsächlich nur sehr wenige Dinge wirklich unmöglich.“ Und das ist doch ein schöner Anfang für dieses Buch, nicht wahr?

5 Damals, wie Martin Gardner erläutert, allgemein üblich bei Flascheninhalten, insbesonde­re bei Medizin, quasi so wie bei uns heute die Packungsbeilage bei Medikamenten. Vgl. Kapitel 1, Anmerkung 8, S. 17.

6 Wer das nicht versteht, sollte es wirklich nachlesen. Vergnügen garantiert!

7 Vgl. Lewis Carroll: „Alice im Wunderland“, erstmals in Kapitel 8, S. 91.

8 Es handelt sich um An Elementary Treatise on Determinants, 1867 (also eher eine sachli­che Abhandlung), und um Phantasmagoria and other Poems, 1869.

9 Vgl. Lewis Carroll: „Durch den Spiegel und was Alice dort fand“, Kapitel 1, S. 152-159.

10 Ebd., Kapitel 12, S. 297.

11 Vgl. Lewis Carroll: „Durch den Spiegel und was Alice dort fand“, Kapitel 2, S. 184.

12 Ja, es sieht so übersichtlich aus auf der Illustration auf Seite 182, aber das täuscht. Wenn Alice die schmalen Bächlein überspringt, die die einzelnen Felder voneinander trennen, ja, auch auf einzelnen Feldern selbst kann es ihr widerfahren, dass sie eben noch geht und im nächsten in einem Zugabteil sitzt (zusammen mit einem Mann mit Papierhut und einer sprechenden Ziege) oder sich in einem Laden wiederfindet, dessen Waren sich ihrem Zu­griff beharrlich entziehen – übrigens ein Faktum, das in den Harry-Potter-Romanen gewis­se Analogien findet.

13 Die Sache mit dem Einhorn und dem unteilbaren Spiegelkuchen soll an dieser Stelle bes­ser noch nicht verraten werden. Es muss doch auch ein paar Überraschungen im Buch ge­ben, gell?

14 Ging Gardner noch 1960 in „The Annotated Alice“ davon aus, von diesen Portraits hätten sich keine erhalten, so wurde er eines Besseren belehrt. In der Literatur verweist er heute auf Morton N. Cohen: „Reflections in a Looking Glass“, 1998, in dem man sowohl einiges von Carrolls sonstiger Fotoleidenschaft wiederfindet – wie eben auch die vier erhaltenen Nacktfotografien kleiner Mädchen. Das Buch ist auch in Deutschland erschienen: „Lewis Carroll: Reflexionen im Spiegel“, 1999. Aus Carrolls sonstigen Äußerungen und Lebenswan­del muss man wohl den Schluss ziehen, dass er eine schreckliche Angst vor erwachender weiblicher Sexualität besaß.

15 Vgl. hierzu meinen Artikel „The Wonderful Wizard Of Oz oder Ein Mythos wird geboren“, abgedruckt in BWA 275, August 2006. In Vorbereitung für den Rezensions-Blog.

16 Ganz zu schweigen davon, dass man unerwartet zahlreiche bekannte Personen wiederfin­det. Ich nenne nur mal ein paar: den Komponisten John Barry („James Bond“), Peter Sel­lers, Ian Holm, Whoopi Goldberg, Ben Kingsley, Gene Wilder, Peter Ustinov, Robbie Coltra­ne („Hagrid“ in den Harry-Potter-Verfilmungen), den Regisseur Wes Craven, Sammy Davis Jr., Zsa Zsa Gabor, Ricardo Montalban, Richard Burton, Telly Savalas („Kojak“), Ringo Starr von den „Beatles“ oder Kate Beckinsale („Aviator“, „Pearl Harbor“). Außerdem erfahren wir so en passant, dass Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling sich ebenfalls, als sie im Quiddit­ch-Spiel den „goldenen Schnatz“ erfand, schamlos bei Lewis Carroll bedient hat. Und dass im Anhang (S. 344) das Satzende fehlt, trübt das Lesevergnügen auch nicht wirklich. Die meisten Leser werden das kaum registrieren.