Liebe Freunde meiner E-Books,

der Erstkontakt ist für die Raumfahrer des yantihnischen Missionsschiffes GHANTUURON nicht mehr länger graue Theorie – sie haben gleich zweifach Bekanntschaft mit Aliens in Twennar gemacht: zunächst mit der mondgroßen Vernichtungsmaschine, die das Sonnensystem „Sianlees Rast“ einriss, und dann mit den „rätselhaften Rettern“ aus dem Volk der Allis.

Nun befinden sie sich auf dem Dschungelplaneten Shookash und befinden sich in einer Art Internierungslager. Und warten. Und warten. Und fragen sich, was nun geschehen wird.

Auf diese Weise entmündigt, nimmt es nicht Wunder, als sie nach einer Weile auf typisch aktionistische Weise versuchen, mehr über ihre geheimnisvollen neu­en „Freunde“ herauszufinden, die so dermaßen zugeknöpft sind.

Wohin dieser Aktionismus führt, ist im neuen E-Book „Vanshcors Flucht“ ab heute auch auf www.beam-ebooks.de nachlesen. „Vanshcors Flucht“ ist der mittlere Band einer neuen Trilogie der Serie, in der ihr näher auf Tuchfühlung mit einem wichtigen OSM-Volk gehen könnt, nämlich den Allis.

Ab sofort ist dieses E-Book „Vanshcors Flucht“ als vierzehnter Band der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) zum Preis von 1,49 Euro erhältlich.

Ich wünsche euch angenehmes Lesevergnügen und freue mich, von euch zu hö­ren!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 46: Mit geschlossenen Augen

Posted Februar 9th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute müssen wir mal die Augen öffnen, um unsere Gegenwart im Spiegel der Worte eines jungen Mädchens anzuschauen, das auf bestürzend schonungslose Weise das eigene sinnliche Erwachen einerseits und die Verständnislosigkeit der Umwelt andererseits, bezogen auf ganz dasselbe Phänomen, erlebt hat.

Diese Rezension hat nun schon deutlich mehr als zehn Jahre auf dem Buckel, aber ich glaube, auch nach dieser langen Zeit ist meine Beunruhigung, die die Lektüre des vorliegenden Buches in mir auslöste, noch deutlich zu spüren. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja da draußen in der weiten Welt noch eine ganze Menge empfindsame Seelen gleich meiner, die ganz dankbar sein werden, zu entdecken, dass sie nicht restlos allein sind mit ihren Befürchtungen.

Das Buch ist es nach wie vor wert, gelesen zu werden, selbst wenn man an manchen seiner Aussagen gewisse Zweifel haben mag und gewisse Details be­stimmt mit Blick auf bessere Vermarktbarkeit „optimiert“ worden sein dürften. Der Kern ist authentisch, und das reicht eigentlich hin.

Wer die Augen davor nicht verschließen möchte, lese weiter:

Mit geschlossenen Augen

(OT: 100 colpi di spazzola prima di andare a dormire)

von Melissa P.

Goldmann 45765

Juli 2004, 160 Seiten

7.95 Euro

Übersetzt von Claudia Schmitt

Catania, 6. Juli 2000:

Ein fünfzehnjähriges sizilianisches Mädchen namens Melissa beginnt in der Ab­geschiedenheit des eigenen Zimmers damit, ein Tagebuch zu führen und stellt sich so ungeahnt in die Tradition einer Anaïs Nin, die 87 Jahre zuvor Gleiches tat, wenn auch aus anderem Antrieb. Im Gegensatz zu Anaïs Nin ist Melissas Welt heil. Sie hat noch beide Eltern, sie hat Geschwister, ist nicht entwurzelt. Aber sie hat dennoch Probleme.

Melissa fühlt sich unverstanden vom Leben und unfähig, mit ihren Mit­menschen darüber zu reden. Niemand versteht sie und die in ihr erwachenden Regungen der Weiblichkeit, und diese Verständnislosigkeit der Umwelt wird ihr Feind. Melissa, ein durchaus hübsches, aber durchschnittliches Mädchen be­ginnt mit einer Suche nach Liebe und Zärtlichkeit, die rasch zur Entdeckung ei­ner Gegenwelt führt. Aus falsch verstandenem Gefühl heraus geht sie, während sie ihrem Tagebuch mitunter beißend verzweifelt ihre Erlebnisse und Gedanken beichtet, rasch davon aus, dass der Weg zum Herzen eines Mannes nur über völlige Selbstaufgabe geht, dass sie es nur dann erreichen kann, wenn sie bereit ist, Schmerz und Erniedrigung zu erdulden. Dass die Männer sie schon lieben werden, wenn sie ihren Körper begehren.

Sie irrt sich.

Melissa gibt sich Männern hin, die sie nicht genügend kennt, lässt sich von ih­nen in alles hineinziehen, was verlangt wird, selbst Orgien mit Unbekannten und sadomasochistische Begegnungen lernt das eigentlich sanftmütige Mäd­chen kennen. Und während Melissa von fremden Männern immer rücksichtslo­ser als Sexobjekt behandelt wird und sich gegenüber ihrer Familie verstellt, eine Maske aufrichtet, hinter die niemand schauen soll, schreit ihre Seele voller Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Verständnis…

Melissa P., heute 18 Jahre alt, lebt inzwischen in Rom und hat, wie man als Le­ser und Rezensent hoffen sollte, inzwischen halbwegs überwunden, was ihr während ihres erotischen Erwachens widerfahren ist. Manches darin wirkt deutlich gestellt, das muss man im Nachhinein kritisieren (die Kenntnis von Na­bokov, die hierin aufschimmert, scheint für ein fünfzehnjähriges Mädchen aus katholischen Verhältnissen doch etwas zu aufdringlich), möglicherweise ist es auf die Überarbeitung der Tagebucheintragungen zurückzuführen. Im Kern je­doch sind die Geschehnisse authentisch – und sehr erschütternd.

Aufwühlend ist weniger das, was Melissa erlebt, überaus erschreckend ist das Paradigmatische daran: Die Phase der inneren Zerrissenheit, der Verlassenheit und der allgemeinen familiären Verständnislosigkeit, dieser Kern des Generati­onskonfliktes, er kommt im wesentlichen in jeder Familie vor. Jedes Mädchen macht mehr oder weniger stark die Suche nach der eigenen Sinnlichkeit durch, und nur sehr wenige werden auf diese Weise geprägt werden wie Melissa P. Je­denfalls steht das zu hoffen. Aber wissen wir das?

Ich entsann mich, während ich das Buch las, der Worte, die jüngst der amerika­nische Autor Martin Amis in einem Interview über Pornografie und Erotik ge­sagt hat, und zusammen mit diesem Buch lassen sie mich schaudern: „Was im­mer Pornografie anrichtet, man kann es bedauern, aber nicht von sich weisen. Wenn die alten Werte einer Kultur sterben, bleiben Schwangere und Nächte vol­ler Chaos und Trostlosigkeit zurück. Man weiß noch nicht, was dabei heraus­kommt. Pornografie ist die schwangere Witwe unserer Sexualität“ und, noch passender: „Liebe und Pornografie sind Gegensätze. Und was Liebe ausschließt, liegt in der Sackgasse des Lebens… Ich sorge mich um kommende Generatio­nen. Ich fürchte, dass Pornografie ihr Sexualkundeunterricht werden könnte…“

Vielleicht ist meine Befürchtung überzogen, aber, um wieder auf den Anfang zu­rückzukommen, für Anaïs Nin war das, was Melissa P. schreibt, völlig unvorstell­bar, in jedem Fall in ihrem Alter. Zwischen 1918 und 1921, in dem Alter also, in dem Melissa P. war bzw. jetzt ist, findet sich in ihren Tagebüchern viel romanti­sche Träumerei, aber keine solchen Dinge, wie Melissa sie mit schonungsloser Offenheit und Brutalität zeigt. Von solchen direkten Aussagen war Anaïs immer weit entfernt: „Der junge Pfirsich wird reifen; und dann wird er zuerst seine Far­be und danach seinen Geschmack verlieren, und seine Haut wird schlaff und runzelig werden, am Ende wird er verfaulen, und die Würmer werden sich sein Fruchtfleisch einverleiben…“ Der „Pfirsich“, den sie beschreibt, ist Melissa selbst.

Natürlich kann man sagen, das war eine andere Zeit, eine andere Form der So­zialisation… aber genau darum geht es ja: Die Welt ist roher und brutaler ge­worden in den vergangenen 87 Jahren. Ja, und leider muss man befürchten, dass auch die Seelen unserer Kinder härter werden und eine Welt noch größe­rer Grausamkeit herangezüchtet wird, wenn man als Elternteil nicht versucht, sie und ihre Probleme ernst zu nehmen.

Das ist die Lehre, die wir aus diesem Buch ziehen können.

Und mich fröstelt.

Doch vielleicht können wir auch noch hoffen. Gegen Schluss gelingt es Melissa, sich aus der Schlinge zu ziehen, zitternd, erschöpft, verstört und unsicher über die neue Lage. Und sie resümiert mit bebenden Lippen, bang hoffend: „Mein Herz war in einer Zelle aus Eis gefangen; sie mit einem gezielten Schlag zu zer­trümmern wäre gefährlich gewesen, denn das Herz hätte dadurch für immer Schaden nehmen können. Dann aber kam die Sonne, nicht unsere brennende si­zilianische Sonne, die Feuer spuckt und Brände stiftet, nein, eine sanfte, unauf­dringliche, großherzige Sonne, die das Eis langsam wegschmolz und so verhin­dert hat, dass meine ausgetrocknete Seele auf einen Schlag überschwemmt wurde…“

Vielleicht also gibt es doch noch einen Lichtschimmer.

Hoffen wir darauf.

© by Uwe Lammers, 2004

Harter Stoff? Eindeutig ja, meine Freunde. Aber es gibt in unserer Welt nicht nur die schönen, sonnigen und idyllischen Seiten, die es zu betrachten gilt, die Finsternis der Seele ist gleichwohl immer als Phantomschatten zugegen und verdunkelt die positiven Möglichkeiten.

In der kommenden Woche kehren wir zurück in die deutlich entspanntere Sphä­re des Fiktiven und der Fantasy – mit dem abschließenden Buch der Trilogie um den Freimaurer-Adepten Sir Adam Sinclair.

Nicht verpassen!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 153: Serielle Crossover a la OSM

Posted Februar 7th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vor rund einem Monat habt ihr nun die erste wirklich intensive Begegnung mit einem Phänomen gehabt, das es – meiner Erkenntnis zufolge – so nur im Oki Stanwer Mythos zu erleben gibt: ihr habt Matrixfehler getroffen.

Nun könnt ihr natürlich sagen: Hey, die kennen wir doch aus den Blogartikeln schon zur Genüge… und außerdem war doch schon in Annalen 2: „Ian und der Stein der Götter“ davon die Rede. Da muss man nur an die Kleinifrau Sinaa denken, Ian Perrys süße Geliebte und Mutter der gemeinsamen Tochter Senyaa­li (von der ihr in diesem Jahr noch mehr erfahren werdet).

Wahr, nicke ich dann, das stimmt.

Dennoch ist das, was in Annalen 5: „Jaleenas zweites Leben“ passiert ist, damit nur bedingt zu vergleichen. Denn Sinaa entstammte dem Volk der Kleinis, von denen ihr sonst noch nicht sonderlich viel wisst.

Jaleena hingegen, die in einem verheerenden Gewitter im Blitzberge-Park auf der Zentralwelt der INSEL in KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) als „Mädchen aus dem Nichts“ materialisiert und ihr buchstäblich „zweites Le­ben“ beginnt, kommt aus einer Welt, die euch derzeit sehr vertraut ist.

Jaleena ist eine Yantihni.

Ihre Heimat ist das yantihnische Imperium.

Der KONFLIKT 2, in dem ihr euch gerade lesend einrichtet, wenn ihr der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) folgt.

Insofern, möchte ich also insistieren, hat diese Begegnung mit dem Matrixfeh­ler Jaleena eine fundamental andere Bedeutung und Bedeutungsschwere als dieses Zusammentreffen mit Sinaa und den anderen ihres Volkes auf dem Pla­neten Shoneei in KONFLIKT 19.

Da das so ist und weil dies kein Einzelfall bleiben wird, schien es mir nützlich, an dieser Stelle mal ein wenig darüber zu philosophieren, was solche „seriellen Crossover“ wohl für einen Stellenwert im OSM einnehmen. Und was das für in­teressante Effekte und auch Schwierigkeiten auslöst.

Das Matrixfehler-Problem, ich habe das schon verschiedentlich angedeutet, er­zeugt in meinem kreativen Gedankenkosmos schon seit sehr langer Zeit Konfu­sionen unterschiedlichster Art. Zum einen natürlich für mich selbst, dann aber auch für die Protagonisten, die damit konfrontiert werden, und schließlich für die Leser selbst, also für euch.

Über letzteres kann ich mangels Feedback wenig aussagen, aber zu den ersten beiden Formen der Konfusion ist einiges bereits bekannt, und nutzen wir ein­fach mal Jaleena, um sie exemplarisch zu beleuchten. Umfassend oder gar ab­schließend kann das natürlich nicht sein, das Thema ist dafür zu komplex, und es wird uns in zahllosen Abschattungen und Wandlungen noch über Jahre ver­folgen. Aber für den Anfang soll dieser Blogartikel hinreichen.

Jaleena fiel in mein Leben am 31. Juli 2005, als ich den Band 7 der Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ schrieb, nämlich „Das Mädchen aus dem Nichts“. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt bereits, dass sie eine Yantihni ist, die gute Jalee­na, doch was hinter ihr lag, bekam ich erst etwas später heraus, als ich „Jaleenas zweites Leben“ schrieb. Und schon hatte ich das erste Problem. Wer den Roman gelesen hat, wird das sofort sehen:

Jaleena entstammt der Spätphase des KONFLIKTS 2. Das bedeutet, sie hat schon Dinge gesehen, die in der TI-Serie aktuell noch gar nicht als E-Book, teilweise noch nicht einmal geschrieben sind. Sie weiß, wie der Krieg im KONFLIKT 2 aus­geht… wenigstens in dem Part, der ihr selbst zugänglich gewesen ist. Es gibt freilich Handlungsströmungen, von denen sie keine Ahnung haben konnte (schauen wir hier beispielsweise auf die Shonta-Abenteuer der Linguistin Va­niyaa, von denen die TI-Leser eine teilweise Kenntnis besitzen, oder ich deute mal an, dass es da auch noch Cestai-Abenteuer geben wird, von denen sie na­türlich auch nichts wissen konnte). Insofern ist also die Gefahr, Spannung durch Vorkenntnisse zu reduzieren, begrenzt.

Was durch die Veröffentlichung von „Jaleenas zweites Leben“ ebenfalls – in Maßen – begrenzt wird, ist mein Handlungsspielraum für KONFLIKT 2.

Wieso in Maßen?, mögt ihr jetzt fragen. Wenn Jaleena weiß, wie der KONFLIKT 2 im yantihnischen Reich endete, oder wenn sie andere Yantihni-Matrixfehler im Blitzberge-Park befragt, dann ist das doch ganz offensichtlich die Wahrheit… oder nicht?

Na ja, sagen wir… jein.

Matrixfehler erzeugen nicht nur Probleme, sie haben auch selbst welche, mit­unter mit ihrer Erinnerung. Denn das, was ich in der OSM-Terminologie als „in­formelle Matrixfehler“ bezeichne, das kann auch bei den physischen Matrixfeh­lern vorkommen…

Ah, ich merke, ich mache den zweiten Schritt vor dem ersten. Also noch mal kurz zurück:

Es gibt physische Matrixfehler, etwa Jaleena und andere Yantihni im vorliegen­den Roman.

Und dann gibt es „informelle Matrixfehler“, das wäre beispielsweise eine defini­tiv falsche Erinnerung. So etwas kommt häufig in anderen KONFLIKTEN bei Hel­fern des Lichts vor, die sich an Dinge erinnern, die so nie passiert sind – und für sie sind diese Dinge ebenso Wahrheit wie die realen Fakten ihres alltäglichen Lebens. Kein Lügendetektortest könnte informelle Matrixfehler entlarven.

So kommt es also auch vor, um die Volte jetzt rückwärts zu schlagen, dass We­sen wie die arme Jaleena sich an Dinge entsinnen, die so nie passiert sind. Das ist auf den ersten Blick die Hintertür des Autors. Es gibt dafür OSM-kosmolo­gisch aber eine gute Begründung, die ich euch heute noch nicht liefern kann. Ich kann nur sagen: vertraut mir, eines Tages werdet ihr das verstehen, wenn die seltenen OSM-Kosmologie-Lektionen sehr viel weiter gediehen sind.

Wenn sich Jaleena also an grässliche Details der Vergangenheit erinnert, muss es nicht wirklich so sein, dass sie im KONFLIKT 2 auch tatsächlich Realität waren. Das gibt mir dann den Spielraum zurück, der durch den informatorischen Vor­sprung des Romans „Jaleenas zweites Leben“ entstanden ist.

Das zweite Problem, das ich mit Jaleena hatte, war der GRUND ihrer Existenz, und ich glaube, das treibt euch auch um: Warum gibt es Matrixfehler, und warum gerade diese? Warum sind sie hier und nicht irgendwo anders entstan­den und verankert? Aber auch diese Fragen rühren an die Grundfesten der OSM-Kosmologie und müssen heute unbeantwortet bleiben. Z. T. bin ich da selbst als Forschender und Suchender noch nicht sattelfest.

Damit sind wir dann aber schon in der zweiten Sphäre gelandet, nämlich bei den Problemen, die sich aus der Neuexistenz von Matrixfehlern für die Individu­en selbst ergeben. Da sie sich ja offensichtlich ihre Neuexistenz nicht erklären können, kommt die unweigerliche Stunde der Neuinterpreten. Wer den Roman gelesen hat, kennt die Deutung des Yantihni-Matrixfehlers Anshoor: Wir sind neu ins Leben zurückgerufen worden durch den Sonnengott Quin, der will, dass wir die Kleinis vor demselben Verhängnis warnen, dem unser Volk zum Opfer fiel.

Dies ist natürlich eine religiös-fanatische Sicht der Dinge, eine Art von Tun­nelblick. Ob sie überhaupt etwas mit der Realität zu tun hat, muss sich erst noch erweisen. Aber gar so metaphysisch ist der OSM dann doch nicht.

Die Sicht der Baumeister auf die Matrixfehler ist ebenfalls eine doktrinäre, die aber schon zu Zeiten der INSEL nicht mehr uneingeschränkt in Geltung ist (oder vielleicht noch nicht, das müsste noch genauer erforscht werden): Die Matrix­fehler sind Schöpfungen TOTAMS, sie dienen allein der Verwirrung der Diener der Sieben Lichtmächte, sind also gewissermaßen Blendwerk, Täuschung und Quell der Verstörung.

Die Reaktion der Baumeister-Hardliner auf dieses Problem ist demzufolge durchaus nachvollziehbar: Auslöschung der Matrixfehler, wo man sie finden kann. Dass das keine Probleme löst, findet in KONFLIKT 4 der Baumeister Naam relativ rasch heraus. Es erzeugt höchstens weitere Komplikationen.

Doch ganz gleich, ob Matrixfehler wie Jaleena kooperieren oder nicht – ihr Rät­sel löst sich dadurch nicht. Das kann auch nicht verblüffen, kennen sie doch ih­ren Ursprung selbst nicht.

Serielle Crossover, um nun zum Allgemeinen überzugehen und ein wenig aus dem weiten Feld des noch nicht veröffentlichten OSM zu plaudern, sind immer ein phantastisches Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Da ich nicht exakt sa­gen kann, wie die Wesen denken und planen, die ursächlich für das Phänomen der Matrixfehler verantwortlich zeichnen, und da Matrixfehler, sobald sie ein­mal realisiert sind, sich üblicherweise einer Kontrolle entziehen, kann da schlechthin alles Denkbare vorkommen.

Interessant hingegen, und das deutete ich bestimmt schon mal gelegentlich an, ist das OSM-endemische Thema der Matrixfehler für jene Leser, die bestimmte Charaktere lieb gewonnen haben.

Warum dies?

Nun, in traditionellen Romanen oder Serien ist der Tod eines Protagonisten üb­licherweise der Endakkord der Handlungsschiene. Man hört von diesen Leuten dann allenfalls noch in Nachrufen und Beerdigungen. In phantastischen Roma­nen kann sich auch ein metaphysisches Nachleben in Form von Geistern, Unto­ten oder dergleichen anschließen, zumeist religiös gefärbt.

Der OSM springt über diesen engen Möglichkeitsschatten hinweg, und als wür­de ein Objekt von verschiedenen Lichtquellen beleuchtet, entstehen mehrere weitere Schatten oder Optionen des „Nachlebens“, durchaus auch mal in Form eines völlig realen, physischen Nachlebens, zehn Milliarden Jahre nach dem Tod – wie es eben dem Mädchen Jaleena ergeht. Manchmal kommen die geliebten Charaktere auch sehr viel später im OSM wieder zum Vorschein (ich darf andeu­ten, dass ich gerade im KONFLIKT 4 an einem weiteren Yantihni-Crossover ar­beite, das höchst bemerkenswert sein wird… ihr lest beizeiten davon).

Das Schöne für euch und mich gleichermaßen ist daran der Aspekt, dass man sich niemals vollendet sicher sein kann, ob jemand wirklich „dauerhaft tot“ ist. Man kann vielen Personen, durchaus auch ganz unscheinbaren, irgendwann wieder begegnen.

Bei mancher Kategorie von Personen ist das gewissermaßen eine „eingebaute“ Art von Unsterblichkeit oder… na, sagen wir, extremer Langlebigkeit: Bei Dämo­nen von TOTAM beispielsweise, den unverwüstlichen Dämonenwaffen oder auch Helfern des Lichts, von Oki Stanwer ganz zu schweigen.

Aber es kommen halt auch andere Leute in Frage. Jaleena ist da ein ebenso schönes Beispiel wie der traumatisierte Anshoor und viele andere Wesen, auf die ihr noch treffen werdet. Leute, die der festen Überzeugung waren, nach dem Tode in Quins Sonnengarten einzugehen, ins Paradies oder vielleicht auch in das schwarze Nichts jenseits der Todesschranke – wenn sie eben strikte Ma­terialisten waren oder Atheisten.

Weit gefehlt, meine Lieben, der OSM räumt mit diesen bequemen Vorstellun­gen ein für allemal gründlich auf und macht die Dinge unberechenbarer… und interessanter, wie ich hoffe.

Denn Protagonisten wie Jaleena und andere Yantihni auf der Zentralwelt in KONFLIKT 4 verwirren die klar gefasste Ordnung der Dinge, und die Ordnungsfa­natiker par excellence, die Baumeister, können sich damit so gar nicht anfreun­den. Und wie gesagt, ganz so wie Anshoor suchen sie Lösungen, Begründungen.

Ihr werdet weiter erleben, was sich daraus ergibt. Und glaubt nicht 1:1 Jaleenas und Anshoors Erinnerung, da ist viel Spielraum für alternative Ereignisstruktu­ren, die ihr beizeiten in den TI-Episoden lesen werdet.

Soviel zu diesen Dingen für heute. In der kommenden Woche geht es wieder zurück in meine kreative Biografie mit einem neuen Eintrag der Blogartikelreihe „Was ist eigentlich der OSM?“ Die solltet ihr nicht versäumen.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 45: Wing 4

Posted Februar 4th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute besuchen wir mal einen exquisiten Alptraum, der völlig harmlos und un­scheinbar herüberkommt, selbst vom damaligen Titelbild der Goldmann-Ausga­be, wo wie schlichte Nukleide herumfliegen sehen. Es geht um die Entwicklung intelligenter Maschinen, und ich kann euch versichern, so etwas wie Skynet oder die Terminatoren sind dagegen harmlose Dinger. Brutale Gewalt… wirklich, kindisch.

Schaut euch diesen Roman an, Freunde, so alt er auch sein mag, und lernt das wirkliche Grauen robotischer Intelligenz und Erbarmungslosigkeit kennen – mit den Humanoiden des Planeten Wing 4.

Vorhang auf:

Wing 4

von Jack Williamson

Goldmann 03

224 Seiten, TB (1962)

Übersetzt von Otto Schrag

Was macht das Menschsein aus? Die Fähigkeit, selbständig Entscheidungen zu treffen, für sein Schicksal allein verantwortlich zu sein im Rahmen der Gesell­schaft und seiner Möglichkeiten? Ist Glück davon abhängig, dass man sich jeden Wunsch erfüllen kann und imstande ist, alle Gefahren für Leib und Seele abzu­wenden? Oder ist da noch mehr, was vielleicht so einfach nicht zu erfassen ist?

Jack Williamsons Roman „Wing 4“, entstanden aus einer Kurzgeschichte, kreist um dieses Problem auf eine durchaus erschreckende Art und Weise.

In einer fernen Zukunft, Tausende von Jahren von der Jetztzeit entfernt, hat sich die menschliche Zivilisation weit in der Milchstraße ausgebreitet und zahllose neue Kulturen geschaffen, die zum guten Teil bereits wieder durch Zwistigkeiten und Katastrophen in sich zusammen-gesunken sind. Viele Kolonisten haben die Raumfahrttechnik vergessen und sind jahrhundertelang in primitive Gesell­schaftsformen abgeglitten.

Eine Reihe solcher benachbarten Welten hat nun jedoch den Wiederaufstieg geschafft – und prompt typisch menschlicherweise eine militärische Feindschaft ins Leben gerufen. Die so genannten triplanetaren Mächte bedrohen nun jene Welt, die das Zentrum dieses Romans ist. Hier lebt die Gesellschaft in perma­nenter Furcht vor einer Invasion und hat eine Rüstungsspirale in Gang gesetzt, die sich zu verselbständigen droht.

Eine entscheidende Rolle hat der Wissenschaftler Clay Forester inne, der an­hand einer Supernovaexplosion eine epochale neue wissenschaftliche Erkennt­nis gewann: er erfand überlichtschnelle Geschosse, die auf der sogenannten „rhodomagnetischen Kraft“ beruhen. Seine größte Furcht ist jedoch, dass auch die triplanetarischen Mächte imstande sein könnten, diese Formeln zu entde­cken und entsprechende Waffen zu erfinden. Ein Overkill würde dann nicht nur möglich, sondern angesichts der hysterischen Stimmung auch äußerst wahr­scheinlich werden.

In dieser bedrohlichen Situation taucht in der Abgeschiedenheit seines Obser­vatoriums – neben dem die unterirdischen Waffenlabors liegen – ein kleines, heruntergekommenes Mädchen namens Jane Carter auf, das dringend mit Fo­rester sprechen möchte. Der jedoch wird hermetisch abgeschirmt.

Auf rätselhafte Weise schafft es das Kind allerdings, in die streng geheime un­terirdische Forschungsstätte vorzudringen und ihm eine Nachricht zu überrei­chen. Ein „Philosoph“ namens Mark White möchte ihn sprechen.

Zusammen mit seinem engen Mitarbeiter, dem Mathematiker Frank Ironsmith, der gegenüber dem Leben und der Karriere bemerkenswerte Gleichmütigkeit an den Tag legt – ganz der extreme Gegensatz zu dem nervösen, ruhelosen und von Magenbeschwerden geplagten Forester – nimmt er diese Gelegenheit wahr. Und nun wird er konfrontiert mit einer heruntergekommenen Gruppe menschlicher Rebellen, die über parapsychische Gaben verfügen.

Sie warnen die Wissenschaftler: bald würden Raumschiffe von einem Planeten namens Wing 4 erscheinen, einer einstmals von Menschen bewohnten Welt, auf der der Wissenschaftler Warren Mansfield eine Gruppe von Maschinen ge­schaffen habe, die verhindern sollten, dass die Menschheit jemals wieder von Krieg heimgesucht wird.

Doch diese Grundsatzprogrammierung, so White, sei zu perfekt gewesen. Die Menschen würden dermaßen bemuttert, dass dies die schrecklichste Diktatur wäre, die man jemals gesehen hätte. Forester glaubt das nicht, Ironsmith scheint die Automaten – wenn es sie denn gibt – sogar zu begrüßen, schließlich steht die ganze bekannte Welt vor einem hysterischen Kurzschluss wegen der allgemeinen Kriegspanik, und eine Friedenswelt erscheint erstrebenswert.

Als Forester aber bald darauf während einer Generalstabsbesprechung zum ers­ten Mal mit einem sogenannten Humanoiden konfrontiert wird, ist er scho­ckiert. Die Maschinen erklären mit entwaffnender Offenheit, dass sie nicht kommen, um zu unterdrücken oder zu unterjochen, sondern um den Menschen zu dienen und sie glücklich zu machen.

Streng genommen haben sie gar keine Wahl.

Die Flotte von Wing 4 landet und Hunderttausende von Maschinen schwärmen aus, um ihre Vision einer glücklichen Menschheit zu verbreiten. Diese Vision mutiert freilich entsetzlich schnell in einen Alptraum und die erschreckenden Seiten überwiegen rasch die positiven Entwicklungen.

Das Militär wird abgeschafft, Wissenschaft wird für zu gefährlich erklärt, als dass Menschen sie ausführen dürften (ebenso wie Schwimmen, das Benutzen menschlicher Verkehrsmittel, das allein auf den Balkongehen, das Reinigen von Räumen usw.). Das Observatorium, Foresters ganzer Stolz, wird kurzerhand de­montiert. Menschen, die sich bevormundet fühlen und auflehnen – und somit „unglücklich“ sind – , werden einer Behandlung mit einer Substanz namens „Eu­phorid“ unterzogen. Daraufhin verlieren sie weitgehend das Gedächtnis und fal­len zum Teil in ein frühkindliches Stadium zurück (wie beispielsweise Foresters Frau Ruth). Außerdem begleitet eine Maschine jeden Menschen auf Schritt und Tritt.

Die Welt wird zum Alptraum der permanenten Überwachung und Reglementie­rung.

Forester, der weiß, dass die Maschinen vom Planeten Wing 4 via rhodomagneti­scher Strahlen ferngelenkt werden, sieht nur eine Möglichkeit: er muss seine rhodomagnetischen Granaten dorthin abschießen und den Planeten vernichten.

Aber Schritt für Schritt werden seine Hoffnungen zunichte gemacht, selbst Menschen erweisen sich als Verräter an ihrer Rasse und machen mit den Ma­schinen gemeinsame Sache. Die Sache der Roboter scheint so lange auf dem Siegeszug zu sein, bis Forester mit unbekannten Kräften, die er in sich entdeckt, den Kampf aufzunehmen fähig ist…

Williamsons Plädoyer für behutsamen Umgang mit intelligenten Maschinen und Technik insgesamt hat eine beklemmende Intensität. In dem Roman stellt er die Grundwerte der Freiheit denen eines mechanisierten Glücks gegenüber, das im Kern zutiefst inhuman ist, selbst wenn die Intention ursprünglich von Hu­manismus initiiert wurde. Der Kampf Foresters gegen Wing 4 ist ein Kampf von David gegen Goliath, der prinzipiell nicht gewonnen werden kann, und die Me­thoden, die er finden muss, um doch zu widerstehen, scheinen selbst ihm zu­tiefst unmenschlich.

Der Roman ist natürlich Teil seiner Zeit. Die Geschichte, auf der er basiert, ent­stand 1947, und die starke Polarisierung im Roman hat ihr Echo in der politisch-militärischen Polarisierung der damaligen Welt. In den uniformen Heerscharen der Roboter wird man unschwer die kommunistische Drohung der damaligen Welt erkennen, während Forester der Prototyp für den nervösen, leicht para­noiden Wissenschaftler ist, der damals während des Krieges in westlichen Staa­ten in verstärktem Maße tätig war. Das erzeugt bemerkenswerterweise den Ef­fekt, dass Forester nicht als direkter „Held“ und Sympathieträger herhalten kann, gar zu verbissen und fanatisch wirkt er. Und zur allgemeinen Beunruhi­gung des Lesers entspricht auch der „Feind“ nicht dem Klischee des „Bösen“, was ihn aber nicht minder grauenhaft macht.

Die philosophischen Fragen des Buches sind es wert, dass man eingehend über sie nachdenkt. Selbst nach rund 40 Jahren nach der Publikation haben sie nur wenig an Intensität verloren. Die Frage, was das Glück des Menschen ausmacht, ist heute wie seit Menschengedenken aktuell. Die Überlegung, ob die Mensch­heit vielleicht besser dran wäre, wenn es eine allgegenwärtige Instanz gäbe, die Fehler verhindert, die wir machen, könnte man diskutieren.

Meine eigene Ansicht ist freilich, dass Menschen Fehler benötigen und Fehl­schläge brauchen, um daran zu lernen und zu wachsen. So, wie ein Kind beim Gehen lernen stolpert und sich wehtut, es dann aber wieder und wieder ver­sucht und geschickter wird, so muss der menschliche Geist Schwierigkeiten in den Weg gestellt bekommen, um an ihnen zu wachsen. Ohne Anforderungen, glaube ich, verkümmert die Gabe des Geistes, und letztlich vielleicht sogar da­mit die Lebensfreude.

Williamsons Automaten sind zu perfekt für die Welt, sie wollen zu vollständig die Menschheit um ihrer selbst willen kontrollieren, und sie begreifen nicht, dass die Fehler, die die Menschen begehen und die sie mit bester Absicht ver­hindern möchten, der Kern der Menschlichkeit sind. Indem sie die Menschheit glücklich machen wollen, vernichten sie das, was sie eigentlich bewahren wol­len.

Gegen diese Roboter sind die Borg bei Star Trek wirklich unbedeutend. Dies hier ist der wahre Alptraum. Auch heute noch.

© by Uwe Lammers, 2001

Wer den Roman kennt, wird mir möglicherweise in meiner Beurteilung beipflichten. Wer ihn nicht kennt… nun, antiquarisch ist das Werk zweifellos noch zu haben. Ich stufe es wie beispielsweise auch Ray Bradburys „Mars-Chro­niken“ oder Arthur C. Clarkes „2001“ als eines der frühen Meisterwerke der Science Fiction ein, das in gewisser Weise zeitlos ist.

In der kommenden Woche nehme ich euch mit in einen Alptraum völlig anderer Art, der wirklich sehr von dieser Welt ist und mit einem Mädchen zu tun hat, das mit allen Traditionen bricht.

Wer neugierig geworden ist, schaue am nächsten Mittwoch einfach wieder hier herein.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

vor fünf Wochen kümmerte ich mich um den durchweg stürmischen Monat Sep­tember 2015, und ich wünschte, es wäre inzwischen schon etwas mehr Ruhe in mein Leben eingekehrt. Doch wie ich gestern einer guten Bekannten sagte, ist auch der Monat Oktober schlechthin chaotisch gewesen. Weitere biografische Turbulenzen für die kommenden zwei Monate sind angekündigt.

Es bleibt also bewegt, meine lieben Leser, und ich fürchte, die nächsten Monats­berichte, die sich mit der gegenwärtigen Entwicklung meiner Kreativität be­schäftigen, soweit diese den OSM betreffen, dürften ähnlich ärmlich ausfallen. Schaut euch einfach mal an, wie sich das im Oktober 2015 ausgewirkt hat:

Blogartikel 147: Work in Progress, Part 34

(18Neu 71: Fürst der Weißwelt)

(OSM-Wiki)

(Der Zathuray-Konflikt – OSM-Roman (Abschrift))

(TI 46: Brennpunkt Hushhin)

(TI 47: Brückenschlag in die Katastrophe)

(DER CLOGGATH-KONFLIKT – OSM-BUCH (Abschrift))

(E-Book 30: Das Sternenreich des Windes)

Erläuterung: Dieses E-Book wurde dann erst am 29. Oktober fertig, wiewohl es sehr viel früher geplant war. Das hatte zwei wesentliche Gründe, sozusagen einen inhaltlichen und einen äußeren. Der äußere ist leichter zu erklären: So­wohl in meinem Leben wie auch in meiner wissenschaftlichen Aktivität kam ich nicht zur Ruhe, sondern war ständig neuen Impulsen und Anfechtungen ausge­setzt, die sich höchst nachteilig auf das Schreiben auswirkten. Ihr werdet das noch sehen, dass weiter unten quasi alle innovativen neuen Geschichten fehlen. Private Turbulenzen sind pures Gift fürs Schreiben, leider.

Der zweite Grund war ein inhaltlicher, und der hatte es noch mehr in sich. In dem genannten Band werdet ihr einen faszinierenden Eintaucheffekt in die Ge­sellschaft der arachniden Zhoncor erleben… und dieses Eintauchen war für mich sehr viel anstrengender als bisher geahnt.

Die Zhoncor sind ein eigenartiges Volk mit einer höchst komplexen sozialen Hierarchie und gewissen Strukturen, für die ich beim besten Willen keine Ent­sprechung etwa bei der Menschheit oder bei den Yantihni fand… und ihr könnt euch vorstellen, dass mich das dann gedanklich sehr gefordert hat. Ich denke aber, ich habe mich wacker geschlagen, und ihr werdet eine bemerkenswerte Geschichte zu lesen bekommen, wenn dieses E-Book im Dezember 2015 ans Ta­geslicht tritt.

Ach ja, und da muss ich jetzt ein wenig schmunzeln – mir fiel gerade die tempo­rale Differenz zwischen Schreibdatum dieses Blogartikels (1. November 2015) und seinem Publikationsdatum (31. Januar 2016) auf… bis diese Zeilen also er­scheinen, seid ihr über das, was ich oben andeutete, natürlich längst im Bilde und fiebert vielleicht schon dem Erscheinen des Bandes 24 der Serie „Oki Stan­wer und das Terrorimperium“ (TI) entgegen, wo erstmals ein leibhaftiger Bau­meister auf die Yantihni trifft…

(Das Rätsel von Garos – OSM-Hintergrundtext)

Erläuterung: Dies ist die einzige Ausnahme von dem, was ich oben andeutete, als ich schrieb, es gäbe in diesem Monat keine innovativen neuen Geschichten. Das hier ist so etwas, aber es ist keine Geschichte, sondern ein analytischer Ar­tikel von der Art, wie ich sie in einigen Jahren mal allgemein zugänglich ma­chen möchte, wenn ihr mehr vom OSM kennt und meine in den Artikeln gezoge­nen Verbindungslinien nachvollziehen könnt.

Um ein wenig mehr über diesen rätselhaften Ort namens Garos zu erfahren, verweise ich im Rahmen der Blogartikel aber jetzt schon mal auf den Blogarti­kel 165, der am 1. Mai zeitgleich mit dem Maiblog 2016 erscheinen wird. Dort werde ich in die Details gehen.

Könige stolzen Hauptes – Gedicht (Abschrift)

Erläuterung: Wir hatten so etwas schon verschiedentlich einmal. Es gibt in der Frühzeit Gedichte, die OSM-kontextuellen Bezug aufweisen. Das hier ist eins aus dem Jahr 1986, gewissermaßen eine Art von mentalem Vorbeben für den sich in KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (KGTDUS) zu jener Zeit anbahnenden Zeitsprung Oki Stanwers in die babyloni­sche Zeit. Das passierte dann in der ersten Jahreshälfte 1987.

(E-Book 31: Gelüftete Schleier)

E-Book Annalen 5: Jaleenas zweites Leben

Erläuterung: Dieses E-Book, das ja Anfang Januar 2016 erscheinen soll (bzw. hoffentlich bis zu diesem Zeitpunkt anstandslos erschienen ist), wurde schon am 8. Oktober fertig und dann ins Lektorat übersandt. Ihr kennt das vielleicht – was man fertig hat, soll man schon weiterreichen, dann hat man umso mehr Gedan­kenfreiheit für den Rest. Das bewegte mich auch, da ich dann ja verstärkt an TI 23 „Das Sternenreich des Windes“ arbeiten konnte.

(Glossar des Romans „DER CLOGGATH-KONFLIKT“)

Blogartikel 159: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (X)

14Neu 30: TRAUMKRIEGER

Blogartikel 158: Der OSM im Bild, Teil 12

Blogartikel 165: Logbuch des Autors 17: Willkommen in Garos

Erläuterung: Wie ich oben schon andeutete – hier kommt ihr in dieses unheimli­che Dorf namens Garos. Und ihr habt als Leser meines Blogs mehr Glück als die unseligen Wanderer, die physisch auf Garos stoßen… ihr kommt mit dem Le­ben davon…

(14Neu 32: Die Waffenfestung)

(14Neu 31: Schwarze Raumer greifen an!)

Die Wärter-Reihe – Gedicht (Abschrift)

Erläuterung: Auch dies ist ein Gedicht mit explizitem OSM-Bezug. Es geht darin um die Installation der so genannten Matrixkoordinatoren der Sieben Licht­mächte. Interessant fand ich bei der Abschrift, dass nach diesem Gedicht der erste Matrixkoordinator im – noch nicht geschriebenen – KONFLIKT 3 in Er­scheinung treten soll. Er müsste dann notwendig auch in KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) eine Rolle spielen, ist dort aber noch nicht aufgetaucht. Muss mal auf die Suche nach ihm gehen.

Da dieses Gedicht indes von 1986 ist, konnte ich darin das Schicksal des Ma­trixkoordinators DER HÜTER, das sich in KONFLIKT 23 „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ (DDj) im Sommer 1994 entschied, noch nicht beleuchten. Insofern ist das Gedicht heute partiell anachronistisch, deshalb aber nicht minder faszinierend (ja, ja, hier merkt man den Historiker in mir…).

Tja, meine lieben Freunde, und das isses dann auch schon wieder gewesen. Der Monat enthält zwar 30 fertig gestellte Werke, aber viele davon sind Gedichte oder sonstige Non-OSM-Werke gewesen. Ich hoffe, für den Monat November wieder ein bisschen OSM-zentrierter sein zu können, bin mir da aber absolut nicht sicher. Ich halte euch da auf dem Laufenden, das nächste Mal dann im Blogartikel 156.

In der nächsten Woche an dieser Stelle werdet ihr dann etwas über „serielle Crossover a la OSM“ lesen, mit direktem Bezug auf den jüngst veröffentlichten „Annalen“-Band 5 „Jaleenas zweites Leben“. Wer neugierig geworden ist, soll­te hier wieder vorbeischauen.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 44: Die Loge der Luchse (2)

Posted Januar 26th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute fahren wir mit den Abenteuern des „Adepten“ Adam Sinclair fort, von de­nen ich vor drei Wochen zu berichten begann. Wer den ersten Band gelesen hat, wird schnell begreifen, warum ich anno 2008 unmittelbar nach der Lektüre des Mittelbandes der Trilogie wieder in die Tastatur greifen musste, um die Re­zension zu verfassen. Man merkt ihr meine Begeisterung noch deutlich an.

Und auf geht’s, Freunde:

Die Loge der Luchse

(OT: The Lodge of the Lynx)

von Katherine Kurtz & Deborah Turner Harris

Heyne 9023, 1999

688 Seiten, TB

ISBN 3-453-14930-0

Aus dem Amerikanischen von Michael Morgental

Eigentlich hätte man sich das als Leser denken können – dass die Geschichte um die Auseinandersetzung der hellen mit der dunklen Seite der Magie mit dem Desaster der negativen Adepten und deren Tod am Loch Ness noch nicht zu Ende war. Wie hätte sie das auch sein können? Greift doch im Epilog des Ro­mans „Der Adept“ eine Person zum Telefon und beschließt, eine Gegenaktion zu initiieren.

Wir erinnern uns, was jüngst geschah, wenige Wochen nur vor Beginn dieses Romans: Sir Adam Sinclair, Spross eines alten schottischen Adelsgeschlechts und einer amerikanischen Mutter, der von ihr einst in die spirituellen Tiefen der Weißen Magie und vorangegangener Leben eingeweiht wurde und sich dem Dienst am LICHT verschrieben hat, arbeitet in geradezu idyllischem, traditiona­listischen Ambiente als Psychiater und gelegentlich für die schottische Polizei als Gutachter. Er ist ein unverheirateter Mann mit weitreichenden Beziehungen in höchste Adelskreise und vielfältige wissenschaftliche Institutionen und Gremien.

Dies ist aber – gleich Batman, wenn man einen Vergleich ziehen möchte – nur sein äußeres Image. Es gibt noch ein Geheimnis, das ihn umwittert. Gemeinsam mit dem Polizisten Noel McLeod und anderen Freunden ist er auf spiritueller Ebene Anführer eines „Jäger“-Trupps, einer sogenannten Jagdloge, die Verbre­chen auf astraler Ebene aufspürt und die Urheber ihrer gerechten Strafe zuführt – wobei man sie nicht als Rächergruppe verstehen sollte. Vielmehr setzen sie ihre Fähigkeiten dazu ein, die Straftäter durchaus der irdischen Gerechtigkeit zuzuführen. Aber manchmal ist die feinstoffliche Welt eben schneller, wie man an Loch Ness im Fall der Feen deutlich zu spüren bekommen hat.

Bei seinen spirituellen Aktivitäten kommt es gelegentlich vor, dass Adam Talen­te entdeckt.

Ein solches Talent ist der Zeichner und Maler Peregrine Lovat, der über die ge­spenstisch scheinende Gabe verfügt, nicht nur die Gegenwart zu sehen und zeichnen zu können, sondern er fühlt und sieht auch die spirituelle Vergangen­heit, frühere Inkarnationen – und er ahnt gelegentlich den Tod voraus. Es ist al­lein Adam Sinclair zu verdanken, bei dem Peregrine Rat und Hilfe sucht, dass er nicht den Verstand verliert.

Schließlich wurden Adam, Peregrine und Noel durch eine Grabschändung in eine magische Intrige hineingezogen. Hinter dem Raub magischer Reliquien und der Auferweckung des toten Zauberers Michael Scot steckte die sogenannte „Loge der Luchse“, ein schwarzer Orden, der vor fünfzehn Jahren einmal mit der Jagdloge, der inzwischen Adam vorsteht, zusammengestoßen ist. Allerdings dachten Adam und seine Freunde immer, die Luchse seien damals ausgelöscht worden.

Dies war ein folgenschwerer Irrtum, wie die dramatischen Ereignisse um die Feenfahne und das Zauberbuch Michael Scots zeigten.1 Und leider ist mit der Vernichtung des Feindtrupps die Gefahr noch lange nicht beseitigt. Ganz im Ge­genteil – jetzt fängt das Drama eigentlich erst richtig an!

Eine blutige Mordserie, der nun schottische Freimaurer zum Opfer fallen, stellt Noel McLeod – Mitglied von Adams Jagdloge und zugleich Freimaurer! – vor enorme Probleme. Die Opfer werden ganz offensichtlich rituell hingeschlachtet, und alles scheint darauf hinzudeuten, dass der Ritualmordcharakter von jeman­dem verübt wird, der selbst Freimaurer ist. Folgerichtig tauchen in der Presse immer öfter diffamierende Bemerkungen über Freimaurerei auf, und selbst die polizeiliche Ermittlungsarbeit ist davon getrübt. Bedeutet das alles nun, der manchmal finster umwitterte Ruf der Freimaurer sei gerechtfertigt, übt die Ge­heimgesellschaft unter dem Deckmantel der Lauterkeit schwarze Magie aus? Oder was genau geschieht hier?

Adam Sinclair, der sich Peregrines seherischen Talents bedient, kommt rasch zu einer anderen Überzeugung – er hält diese Attentate für Anschläge der Loge der Luchse, deren Mitglieder sich aber vollständig zu tarnen verstehen. Der Sinn dieser Aktionen erschließt sich allerdings so schnell nicht.2

Glücklicherweise kennen die Schwarzmagier Adam und seine Freunde nicht bzw. täuschen sich über den Charakter ihrer Begabungen hinweg – denkt der Adelige. Leider irrt er sich gleich in mehrfacher Hinsicht. Während er vermutet, die Gegenseite tappe hinsichtlich der Identität ähnlich im Dunkeln wie er selbst, unterschätzt er seine Feinde schmählich. Erst als auf McLeod ein magisches, perfides Attentat verübt wird, eine Freimaurerloge förmlich explodiert, wobei es Dutzende von Opfern gibt, und Adam Sinclair schließlich selbst beinahe bei einem Unfall ums Leben kommt, beginnt er endlich zu verstehen: seine Feinde sind zum einen viel zahlreicher, als er gefürchtet hat, sie schrecken zweitens nicht vor rein physischer Gewalt, Sabotage und Mord zurück, und drittens ist der Kleinkrieg gegen ihn und seine Freunde einfach nur eine Art von Neben­kriegsschauplatz.

Denn in den schottischen, verschneiten Bergen wird im Unterschlupf der Luchs-Loge ein uraltes Grauen heraufbeschworen, das vor fünfzig Jahren beinahe schon die Welt vernichtet hätte. Diesmal könnte es gelingen, wenn nicht ein Wunder geschieht…

Wenn man schwer beschäftigt ist und dennoch einen so dicken Roman binnen fünf Tagen liest, so muss er spannend sein. Und fürwahr – das ist er! Mit die­sem Buch haben die beiden Autorinnen einen richtigen okkulten Thriller ge­schrieben, der dennoch der schönen Bestandteile nicht entbehrt: liebevoll ge­zeichnete, vielseitige und humorvolle Persönlichkeiten; kluge Individuen auf beiden Seiten des Schlachtfeldes; beeindruckende Panoramen und detailge­treue Wiedergabe gediegener schottischer Lebenswelt und ein angenehmes Einfühlen in Rituale und Atmosphäre aller Handlungsschauplätze (mit einer Ausnahme, dazu gleich mehr). Man hat nirgendwo das Gefühl, dass die Autorin­nen durch einen Teil der Geschichte hasten, nur um Seiten zu füllen. Ob sie die Traditionen der Tempelritter (der modernen, wohl verstanden!) aufleben las­sen, ob sie die Initiation Peregrine Lovats beschreiben, ob sie die Riten der Frei­maurer skizzieren – all das tun sie mit voller Energie.

Mit angenehmer Intensität erfüllen sie selbst diejenigen Charaktere mit pulsie­rendem Leben, die wenige Seiten später auf schreckliche Weise hingemetzelt werden. Das ist ein Talent, das nicht jeder Schriftsteller besitzt. Wer darüber verfügt, kann unzweifelhaft spannendere Romane schreiben als derjenige, der seine Nebendarsteller recht schnell durch die Art und Weise seiner Beschrei­bung als solche „outet“.

Die sinistre Energie, mit der die Loge der Luchse und ihre Intrigen dargestellt werden, lässt den Leser wie in den besten Thrillern a la Robert Ludlum oder Jon Land (gemeint sind die frühen Romane Lands3) zittern und eine Seite nach der nächsten verschlingen. Ein ausgesprochen positiver Aspekt, wie ich sagen muss. Das zudem nur sehr zögernde Aufhellen der wahren Pläne der Luchse sorgt für ein weiteres Spannungsmoment.

Ein wenig nachteilig, um zu den etwas trübenden Momenten des Buches zu kommen, wirkt sich hierbei allerdings aus, dass Adam Sinclair und seine Freun­de so lange ausdrücklich im Düstern tappen. Die strukturelle Analogie zum ers­ten Band ist wirklich sehr stark. Vorteilhaft ist in diesem Buch jedoch, dass die „Gegnerseite“ deutlich stärker und personalisierter in Erscheinung tritt, diffe­renzierter und vertiefter dargestellt wird und sich so ein wenig aus dem Kli­schee des ersten Teils löst.

Teilweise zumindest. Denn die Wendung, die der Roman im hinteren Drittel nimmt, ist doch wenigstens für mich als Zeithistoriker ziemlich… gewöhnungs­bedürftig. Hier schlägt amerikanische Naivität in voller Stärke durch, fürchte ich, und da wird eine propagandistisch gut verkäufliche Idee wesensfremd in das Buch gedrückt und dann nicht mal konsequent bis zum Schluss durchgehalten.

Man mag ja über die Mission des Führer-Stellvertreters Rudolf Heß während des Zweiten Weltkriegs verschiedenerlei Ansicht sein, aber das, was hier ausge­breitet wird, ist, mit Verlaub, nichts anderes als hirnrissig und geeignet, einen wichtigen Teil des Romans zu entwerten. Nur gut, dass der Rest so packend und liebevoll gemacht ist – da kann man über diese gedankliche Entgleisung den Kopf schütteln und ihn schnell vergessen.

Außerdem darf man sich auf den dritten Band freuen, in dem, wie zu erwarten steht, der Kampf Adam Sinclairs mit der „Loge der Luchse“ vollendet werden wird. Nicht umsonst hat der zweite Band wie schon der erste ein unvollkomme­nes Ende. Es bleibt also spannend…

© by Uwe Lammers, 2008

Wer jetzt übrigens mit diesem Wermutstropfen, den ich zum Schluss andeute­te, nicht viel anfangen kann, der muss sich nicht grämen. Menschen, die über die jüngste Zeitgeschichte nicht allzu viel wissen, werden wahrscheinlich in ih­rem Lesedrang und ihrer Begeisterung kaum beeinträchtigt werden.

Wie die Geschichte mit Adam Sinclair und seinen Freunden dann ausgeht, lest ihr in drei Wochen an dieser Stelle. In der kommenden Woche machen wir eine Zeitreise der ganz besonders gruseligen Art und in eine Science Fiction-Welt, die bislang noch nie adaptiert worden ist… vielleicht deshalb, weil sie den ulti­mativen Schrecken enthält, der auf samtweichen Roboterpfoten herangeschli­chen kommt und uns unwiderstehlich unterwirft.

Wovon ich hier so kryptisch rede? Nun, das erfahrt ihr im Blogbericht der kom­menden Woche. Da geht es um einen Klassiker der Science Fiction-Literatur, der sehr zu Unrecht völlig vergessen ist.

Schaut rein, und ihr erfahrt mehr.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. Katherine Kurtz & Deborah Turner Harris: „Der Adept“, 1999.

2 Nun, für den Leser schon, aber die Protagonisten um Adam Sinclair tappen doch bemer­kenswert lange im Dunkeln – länger als der Leser jedenfalls. Das kann manchmal schon et­was ungeduldig machen.

3 Beispielsweise „Omega-Kommando“ oder „Die Macht der Zehn“.

Wochen-Blog 151: Das Geheimprojekt CK 1

Posted Januar 23rd, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute muss ich selbst mal tief durchatmen. Es ist ein bisschen wie ein Traum, was ich aktuell gerade mache, und zwar sowohl für mich als auch für euch. Ich arbeite derzeit an einem Geheimprojekt, und heute lüfte ich ein kleines biss­chen den ersten Schleier, selbst wenn es noch einiges an Zeit brauchen wird, ehe ihr das fertige Produkt zu sehen bekommt.

Dennoch: ihr werdet es sehen, und das liegt nicht mehr sehr weit in der Zu­kunft. Und mancherlei Fragen, die sich vielleicht in den vergangenen drei Jahren in euch aufgestaut haben mögen, werden dann eine erste Antwort erhalten.

Natürlich muss ich da nicht für mich selbst sprechen, denn was ich euch in die­sem Blog insgesamt erzähle, das wisst ihr seit langem, wenn ihr regelmäßige Le­ser dieser Seite seid, das ist für mich seit geraumer Zeit Normalität. Ich bin im­mer wieder in diesen Universen, Welten und Reichen zu Gast, von denen ich nur Andeutungen an eure Gestade schicken kann… einer Flaschenpost nicht un­ähnlich, möchte ich behaupten. Für mich sind diese Reiseziele vertraut wie für euch die Urlaubsziele, an denen ihr euch alljährlich aufhalten mögt, und dies in meinem Fall schon seit Jahrzehnten.

Vor zehn Wochen habe ich euch in der Rubrik „Logbuch des Autors“ auf eine solche mir seit 30 Jahren vertraute Welt mitgenommen – auf die Erde des Jah­res 2113. Die Erde des KONFLIKTS 13, die Welt des CLOGGATH-KONFLIKTS.

Ich erzählte von diesem gigantischen Romanprojekt, an dem ich seit 1988 arbei­te, um es in eine lesbare Gesamtform zu gießen. Und ja, ich bin darin schon auf mehr als 3700 Manuskriptseiten gekommen. Das war der Stand des 1. August 2015, als ich den Blogartikel 141 schrieb. Und wiewohl ich vorsichtige Versuche machte, mich diesem Kosmos wieder zu nähern, an dem ich die letzten Episo­denzeilen im Dezember 1985 verfasste, also vor gut dreißig Jahren, war dies ein Versuchsballon…

Und er riss sich blitzschnell im August los und katapultierte mich jählings mitten ins Geschehen hinein, noch sehr viel flinker, als ich das geahnt hatte. Wie ich schon sagte: die Schreibrolligkeit hatte mich gepackt, und gleich der unaufhalt­samen Wucht eines mit hohem Druck hereinschießenden Wasserstrahls in den Rumpf eines leckgeschlagenen Schiffes trieb mich der Schreibdrang vorwärts.

Inzwischen habe ich, ungelogen, die ersten 265 Manuskriptseiten des CLOGGATH-KONFLIKTS, kurz CK genannt, fertig, und die Arbeiten am ersten Hauptka­pitel des Romans haben begonnen. Aber um dieses Kapitel geht es heute noch nicht.

Es geht um die ersten 265 Seiten.

Als ich damals im Jahre 1988 die Struktur des CK entwarf, war ich mir definitiv nicht im Klaren darüber, wie ich dieses riesige Werk jemals veröffentlichen woll­te, und um aufrichtig zu sein: primär schrieb ich es für mich selbst.

Im Zeitalter des E-Books und der Tatsache, dass ich Monat für Monat Werke von mir publiziere, ist natürlich eine andere Betrachtungsweise vonnöten. Also entschied ich mich kürzlich, als die Schreibarbeit mit solch beispielloser Ge­schwindigkeit voranschritt, einem Steppenbrand nicht unähnlich, dass ich die­ses Werk für das Jahr 2016 zur E-Book-Publikation vorbereiten sollte.

Die alte Gliederungsvorstellung des CLOGGATH-KONFLIKTS ist 1988 noch von eine gewöhnungsbedürftigen Struktur ausgegangen – das Werk hatte fünf Pro­loge, die es auch weiterhin geben wird. Dann folgten acht so genannte „Vorspie­le“, die den zeitlichen Rahmen der Jahre 2113 bis Anfang 2123 abdeckten.

Es schlossen sich dann fünfzig Kapitel an, aufgeteilt auf sechs „Akte des Schre­ckens“. Und die Schreibarbeiten befinden sich ja im gegenwärtigen Stadium tat­sächlich schon am Anfang von Akt 5. Es ist also das hochdramatische Finale durchaus schon in Griffweite.

Erforderlich ist zunächst aber eine grundlegende Abschrift, dann eine Neunum­merierung der Seiten, ehe ich daran gehen werde, diese Geschichte grundle­gend zu überarbeiten – so wie meine OSM-Episoden.

Die obige Gliederung lässt sich heute so natürlich nicht mehr 1:1 halten. Ich sagte schon im Blogartikel 141, dass die Kapitel immer länger geworden sind und machte dies namentlich am Kapitel 36 „Whitmore“ fest, das mehrere hun­dert Seiten schon in der jetzigen Form aufweist. Aktuell schätze ich, dass ein CK-Band nicht viel mehr als 400-500 Manuskriptseiten aufweisen sollte.

Und mit diesen Überlegungen bahnte sich dann das eingangs benannte „Ge­heimprojekt CK“ seine Bahn. Die Veröffentlichung des CLOGGATH-KONFLIKTS in mehreren Etappen. Das ist also tatsächlich jetzt der zweite KONFLIKT, den ihr neben der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) zu sehen bekom­men werdet. Wie viele Bände sich daraus konkret ergeben, kann ich naturge­mäß aktuell noch nicht sagen, aber es sind einige.

Der Band 1 trägt den Planungstitel „Vorbeben“, doch sollte niemand meinen, das sei deshalb eine Art von belanglosem Geplänkel. Was euch in diesem Band erwartet, darf ich an dieser Stelle schon mal andeuten und euch ein wenig den Mund wässrig machen:

Da dieses Universum von der Galaxis Twennar und dem KONFLIKT-Universum 2 nicht weniger als 55 Milliarden Handlungsjahre weit entfernt liegt, haben sich neue Strukturen auf beiden Seiten der KONFLIKT-Mächte herausgebildet, mit denen ihr recht rasch konfrontiert werdet.

Da gibt es den Orden der Ritter vom Goldkristall.

Ihr werdet beizeiten einen der legendären Matrixkoordinatoren kennen lernen.

Ihr könnt euch an ein legendäres Wesen gewöhnen, das euch in diesem Roman sehr früh schon über den Weg laufen wird und dessen Ringen um den Sieg des Guten ihr verfolgen lernen werdet – Oki Stanwer höchstpersönlich.

Es gibt die Gruppe der sehr heterogenen sieben Helfer des Lichts zu beobachten und ihre bisweilen bizarren Eigenheiten zu begreifen und ihre manchmal wirk­lich ungeheuerlichen Schicksale.

Auf der Gegenseite hat sich TOTAMS Hierarchie etabliert. Es gibt die 32 Dämo­nen von TOTAM und die brandgefährlichen 16 Dämonenwaffen von TOTAM (eine schlimmer als die andere, möchte ich meinen, wo ich sie doch inzwischen alle so gut kenne, diese monströsen Scheusale…).

Es gibt TOTAM-Transmitter.

Es gibt Totenköpfe.

Es hat ein genialer Meisterverbrecher seinen Auftritt, der MAESTRO, ein Mann mit tausend Masken, der fieberhaft von Scotland Yard und Interpol gejagt wird.

Und dann lauert im Hintergrund noch eine weitere Gefahr von unkalkulierbarer Stärke, von der noch niemals jemand zuvor gehört hat – CLOGGATH!

Dies alles ist eingebettet in eine seltsam archaisch wirkende Welt, die in gewis­ser Weise – gemessen an unserem Standard – rückschrittlich aussieht. Aber in­zwischen begreife ich, warum das so ist und weshalb ich da keine fundamentale Modernisierung durchführen darf, wie ich es anfangs annahm, als ich die Ab­schrift begann. Es bedarf gründlicher Erläuterung, und ihr werdet sie erhalten.

Mein Plan ist es also, mit dem CLOGGATH-KONFLIKT im kommenden Jahr einen dritten Pfad der Veröffentlichung zu beschreiten. Auf der einen Seite nach wie vor die TI-Serie, auf der zweiten Schiene die Annalen-Werke und die Kurzge­schichtenbände. Und zwischendrin sollte einmal im Jahr, nach meiner Vorstel­lung, ein Roman aus dem CLOGGATH-KONFLIKT erscheinen. Vielleicht beizeiten mehr davon innerhalb eines Jahres… das hängt dann sehr von der Schreibge­schwindigkeit und meinen Finanzen ab, von den allgemeinen Verkaufszahlen.

Mit diesem Geheimprojekt bekommt ihr dann jedenfalls eine richtige hochdo­sierte Prise OSM-Interna geliefert, die ihr in der TI-Serie allein schon aus struk­turellen Gründen nicht finden könntet. Aber es lassen sich dann faszinierende Verbindungslinien auch zwischen diesen so unterschiedlichen Serien herstellen und dies über den Abgrund von zahllosen Milliarden Jahren.

Das könnt ihr euch nicht vorstellen? Oh doch, vertraut meinen langjährigen Kenntnissen. Ihr werdet da und dort durchaus auf bekannte Namen stoßen. Und natürlich auf jede Menge neue, das ist unleugbar.

Es gibt famose Scheusale zu erleben, verwegene, verzweifelte Kämpfe zu schlagen und Überraschungen zu überstehen, die es wirklich in sich haben. Wenn ich da nur – beispielhaft – an das geheimnisvolle Dorf Garos denke, diese aus der Zeit herausgefallene Enklave, in der Leben und Tod auf eine monströse Weise eine Symbiose eingegangen sind… oder wenn ich an die Schlacht des Stanwer-Teams denke, die Oki Stanwer und seine Gefährten auf der Mittelmeerinsel Persos schlagen…

Ich könnte davon jetzt schon vieles weitere erzählen, aber das scheint mir noch zu zeitig zu sein. Das macht euch den Mund zu wässrig. Das Werk dürfte sowie­so erst im Herbst soweit sein, dass ich es auf euch loslassen kann. Ich werde dann zu gegebener Zeit noch ein paar Informationen nachschieben.

Aber schon jetzt denke ich, dass ihr euch auf dieses Abenteuer freuen könnt.

Der große Handlungsbogen des Oki Stanwer Mythos (OSM) spannt sich damit auf atemberaubende Weise weiter auf, und ihr könnt dabei sein, wie dreißig Jahre alte Träume endlich stoffliche Gestalt annehmen und für jedermann zum Nachlesen erhältlich werden.

Ich hoffe, ihr seid mit an Bord bei diesem Leseabenteuer!

In der kommenden Woche lest ihr an dieser Stelle, was ich im Oktober 2015 so alles hinsichtlich des Oki Stanwer Mythos Aktuelles bearbeiten und fertigstellen konnte. Schaut einfach wieder rein!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 43: Indiana Jones und die Macht aus dem Dunkel

Posted Januar 19th, 2016 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

zugegeben und vorgewarnt – diesmal gibt es eine wenig schmeichelhafte Re­zension für Leute, die Hardcore-Indy-Fans sind und sich einen Teufel um Stil, Qualität und inhaltliche Kohärenz kümmern. Ich konnte leider dennoch nicht anders, als damals eine Rezension zu diesem Werk zu schreiben, das ich an­schließend aus meinen Bücherregalen entfernt habe.

Gleichwohl sollte ich vorweg sagen, dass ich Indiana Jones wirklich schätze. Aber ich schätze eben auch klare Worte, und wenn ich einen Roman als gründ­lich misslungen einschätze, dann mache ich daraus auch kein Geheimnis. Leute, die die Indiana Jones-Abenteuer weniger als Abenteuerromane bzw. Abenteu­erfilme betrachten, sondern als Fantasy, die könnten tatsächlich an dem folgen­den Werk einen gewissen Reiz finden. Mir ging er dann leider ab.

Aber schaut lieber selbst, warum ich diese Auffassung vertrete. Vorhang auf für den folgenden Roman:

Indiana Jones und die Macht aus dem Dunkel

(OT: Indiana Jones and the Interior World)

Von Rob MacGregor

Goldmann 43162

München 1996

256 Seiten, TB

ISBN 3-442-43162-x

Aus dem Amerikanischen von Bettina Zeller

Um gleich eins vorwegzunehmen: dies ist wenigstens der zweite Teil einer Ge­schichte, und ich hatte das Pech, den ersten Teil nicht zu kennen. Er findet sich in dem Roman „Indiana Jones und das Vermächtnis des Einhorns“.1 Am Anfang fällt das noch nicht auf, aber es wird relativ schnell deutlich, dass man ohne die Kenntnis des Vorgängerromans den Hauptplot dieser Story nur bedingt verstehen kann. Ich versuche dennoch, das Werk zu resümieren:

Im Prolog „Portale zum Paradies“ begegnen wir am 21. September 1928 einer Gruppe seltsamer Gestalten, angeführt von einem gewissen Maleiwa, der dis­kret verfolgt wird von einer Frau namens Salandra. Der kahlköpfige Maleiwa, Anführer eines Volkes, das man Wayua nennt, ist darauf aus, rätselhafte Portale zu durchschreiten, die von einer Welt zu einer anderen führen, Salandra hinge­gen möchte genau dies verhindern. Doch er besitzt einen rätselhaften Stock, der für sie unberührbar ist und offensichtlich die Quelle seiner Macht darstellt. Sie braucht also Hilfe für die Aufgabe, Maleiwas Pläne zu durchkreuzen.

Ein halbes Jahr später blendet die Geschichte um zur Osterinsel (seltsamerwei­se „Osterinseln“ geschrieben). Henry Jones jr., besser bekannt als Indiana Jo­nes, und sein Vorgesetzter Marcus Brody halten sich zu Ausgrabungszwecken auf der Osterinsel auf. Jones möchte die geheimnisvollen Rongo-rongo-Tafeln entziffern, die übrigens heute noch nicht entschlüsselt sind. Während seines Aufenthaltes erwirbt er sich das Vertrauen einer Insulanerin namens Davina, die ihn in die Geheimnisse der Rongo-rongo-Tafeln einweihen möchte.

Aber zuvor muss Jones Marcus Brody zu einer Insel vor Südamerika begleiten, wo ein Freund Brodys, Hans Beitelheimer, nach eigenen Angaben in Schwierig­keiten sein soll. Laut seiner letzten Nachricht sei er „gefangen in einer Legende“, was immer das heißen soll.

Chiloé, so der Name der Insel, erweist sich allerdings als ein seltsames Pflaster. Die Menschen sind schrecklich scheu und verschwiegen, offensichtlich zutiefst animistisch, sie glauben an Geister, insbesondere an die „Caleuche“, ein Geister­schiff, dessen Besatzung imstande ist, sich in Tiere und andere Personen ver­wandeln zu können.

Dummerweise ist an dieser Legende mehr dran, als Brody und Indy wahrhaben wollen. Binnen kurzer Zeit werden sie gezwungenermaßen direkt selbst in „die Legende“ verfrachtet. Brody gelingt zwar die Flucht, aber Indiana Jones tritt an Bord der „Caleuche“ die Reise in eine rätselhafte Region an. An Bord trifft er eine Frau namens Salandra, und der Leser sagt sich: okay, endlich geht die Ge­schichte los. Zu dumm, dass er Unrecht hat. Die Geschichte geht eigentlich gar nicht los.

Während der Archäologe auf diesem Schiff zumeist im Halbdämmer liegt, fährt es dem Vernehmen nach geradewegs ins Innere der Erde, in ein unterirdisches Reich, in dem Salandras Vater Vicard König ist… gewesen ist, denn als sie an­kommen, hat es einen Regierungsumsturz gegeben und Maleiwa die Macht er­griffen. Mit Müh und Not gelingt es den beiden nach einer unbestimmten Zeit der Kerkerhaft, zu entkommen, und von da an wird alles schrecklich surreal.

Salandra behauptet, Indy sei die letzte Person gewesen, die den rätselhaften Stab in den Händen gehalten hat, der Maleiwa seine Kraft über jene Portale verleiht, die die Welten – die Oberwelt und die Unterwelt – miteinander verbin­den. Und laut ihren Worten hat Maleiwa nichts Geringeres vor, als sich mit ei­nem Fanatiker der Außenwelt zu verbünden, um beide Welten zu unterjochen. Ein Mann namens Adolf Hitler. Und nur Indiana Jones könne das Verhängnis aufhalten…

Das könnte spannender Stoff sein, wirklich. Das Problem an diesem Roman be­steht darin, dass er einfach nicht spannend ist. Absolut gar nicht. Das ist das wirklich Traurige daran.

Wir begegnen Personen, die ihre Gestalt wandeln und sich gar – im Falle von Salandra – in Vogelgestalt in die Lüfte erheben können. Wir begegnen Welten­toren und magischen Labyrinthen, es treten Drachen, Sümpfe, Armbrustschüt­zen und Kannibalen sowie rätselhafte Speisen auf, die man zu sich nehmen muss, um nicht „zu vertrocknen und dahinzusiechen“… und Rob MacGregor fährt wirklich jede Menge interessante Zutaten auf, um dieses Werk zu Fantasy reinsten Wassers zu machen.

Ich weiß ja nicht, aber vielleicht bin ich nicht völlig alleine, wenn ich behaupte, dass Indiana Jones eigentlich kein „Fantasyabenteuer“ darstellt. Das ist das ers­te Manko der Geschichte. Sie ist zutiefst unglaubwürdig und eigentlich reinste Fantasy. Viele der Motive darin – etwa diese Speise „nalca“, die man zu sich nehmen soll, wenn man die Welten wechselt – entstammen erkennbar der iri­schen Folklore der „Anderswelt“, sie werden hier nur nach Südamerika und in das Innere der Erde verlagert, kommen aber nirgendwo wirklich klar zum Vor­schein.

Indiana Jones ist ein zugleich in diesem Werk ein zutiefst unwilliger „Held“, der zudem von einem Problem ins nächste stolpert und eigentlich immer nur gesto­ßen und getrieben wird, ohne selbst jemals zum „Macher“ zu werden oder Oberwasser zu bekommen (die letzten fünfzehn Seiten reichen dafür definitiv nicht aus). Ständig denkt er an die Osterinseln oder seinen heimischen Campus, will Salandra munter stetig im Stich lassen, und man spürt daran, wie gezwun­gen der Verfasser an dem Stoff herumschrieb, ohne die rechte Inspiration und Lust. Salandra wirkt ungeachtet ihrer bemerkenswerten Fähigkeiten desorien­tiert, schwach, schlapp, und gegen Ende hat man sogar den klassischen Topos einer Fantasy-Queste: eine Zauberin (Salandra), der weise Mentor (ihr Vater) und der kühne Held (Indy) auf dem Weg, um das Verhängnis aufzuhalten, und nur der „Held“ allein kann das bewirken…

Gähn, dachte ich, das kann doch alles gar nicht wahr sein. Eine eher mäßige Übersetzung, die ähnlich lustlos war und an manchen Stellen auch von eher einfachen Worten („Sulphur“ wird mit „Sulfur“ übersetzt statt mit Schwefel, um nur ein Beispiel zu nennen) sichtlich überfordert wird, tut das Übrige dazu, die Wirkung des Werkes verblassen zu lassen.

Ich schweige davon, dass der Verfasser von den venezolanischen Tafelbergen, den Tepui, wirklich keine rechte Vorstellung hat und sie auf geradezu kindische Weise beschreibt. Da war schon Arthur Conan Doyle in „Die vergessene Welt“ realistischer (und, schlimm genug, am Ende dieses Romans hier erkennt man deutlich, dass MacGregor Doyles Buch gekannt hat! Und er hat sicherlich auch Uwe Georges Tepui-Reportage aus NATIONAL GEOGRAPHIC gekannt, und TROTZDEM so einen Müll zusammengeschrieben… man mag es gar nicht glau­ben!).

Ich brauchte für das Werk acht Tage, verteilt auf fast drei Wochen, und am Schluss musste ich mich dann echt dazu zwingen, es zu beenden. Schlechtes Zeichen, ganz ehrlich. Wenn man dann noch einen unzutreffenden Klappentext dazu nimmt („Die uralten Steinstatuen der Moai beginnen zu flüstern…“ – was sie im ganzen Roman nicht tun) und ein Titelbild, das ein eingefrorenes Schiff zeigt, was im ganzen Roman nicht auftaucht, von einer grotesken Zaubererfigur, die einen ziemlich übel verlängerten linken Arm besitzt (weil Indys Konterfei im Zentrum des Bildes sitzt, ganz klar erkennbar übrigens ungeschickt eingefügt – man achte auf den abgeschnittenen linken Kragen!), dann ist die Zumutung wirklich komplett.

Echt, am Ende stellt sich weniger die Frage, ob Indy wohl auf „harten Drogen“ gewesen ist, sondern, ob der Verfasser ständig zugedröhnt war, um diese Story­line auch noch ertragen zu können. Vielleicht läse sich die Geschichte ja anders, wenn man auf einem Trip wäre… aber das muss ich wirklich nicht haben.

Eine peinliche Geschichte, muss ich sagen. Ziel vollständig verfehlt, von Verlag, Lektorat und Verfasser. Selten so einen Fehlschlag gelesen. Diesen Roman sollte man besser vergessen…

© by Uwe Lammers, 2013

Ja, ja, mag manch ein Leser nun sagen, der Uwe kennt sich einfach zu gut mit vielen unterschiedlichen Dingen aus, außerdem ist er Fantasy-resistent (was nur bedingt stimmt, wie ich ja schon in den Blogartikeln 17 und 41 bewiesen habe). Und Historiker ist er dazu auch noch… da muss ihm ja die Laune verhageln, wenn so vieles nicht stimmt.

Möglich.

Vielleicht sind auch meine Qualitätsansprüche zu hoch, aber das zu prüfen, das obliegt jedem Leser selbst. In der nächsten Woche bleiben wir bei Fantasy, dies­mal aber von qualitativ höherwertiger Art, indem wir uns wieder Adam Sinclair und seinen Abenteuern zuwenden.

Das solltet ihr wirklich nicht versäumen.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. Rob MacGregor: Indiana Jones und das Vermächtnis des Einhorns, Goldmann 43052.

Liebe Freunde des OSM,

heute gibt es mal zur Feier des Tages – 150 Wochen Blogartikel sind durchaus eine Art von Jubiläum – etwas ganz Exotisches. Vor geraumer Zeit habe ich mal einen interessanten Essay geschrieben, den ich euch heute mal in gründlich ak­tualisierter Version zukommen lassen möchte. Denn wer weiß, vielleicht hat euch ja auch schon mal der Gedanke umgetrieben, der mich damals zu den Tas­ten eilen ließ: Der Uwe ist also Historiker. Und er ist auch Science Fiction-Fan und Science Fiction-Schriftsteller. Ist das nicht eine kuriose Sache? Widerspricht sich das nicht?

Nö, dachte ich damals, und so denke ich noch heute. Doch einst führte ich ein paar gewichtige Argumente zur Begründung an. Nach inzwischen mehr als 10 Jahren sind allerdings einige Dinge nachzutragen gewesen. Ich habe sie mehr­heitlich in die Fußnoten verlegt und sie dadurch etwas reformiert und ausgewei­tet. Schaut euch diesen Essay einfach mal an, so rasch wird nichts von dieser Art folgen… aber möglicherweise eine ganze Menge Rezensionen von Werken, auf die ich unten rekurriere.

Guten Leseappetit, meine Freunde!

Historie und Phantastik – kein Widerspruch

(Essay)1

Üblicherweise löse ich Verwirrung in meinem Bekanntenkreis aus, wenn ich im Bus nach Wolfenbüttel zu meiner Arbeitsstelle an der Herzog August Bibliothek fahre und meine Mithistoriker entdecken, dass ich, beispielsweise Bücher mit dem Titel „Die unbekannte Macht“2 oder „Der Schwarm“3 oder „Der magi­sche Steinkreis“4 bzw. „Das Wing-4-Syndrom“5 lese.6 Bekanntlich sind das nicht unbedingt „historische“ Werke, manche spielen sogar auf fremden Welten und/oder Jahrhunderte in der Zukunft.

Science Fiction, Fantasy, Phantastik, Dinge also, die es eigentlich nach dem ra­tionalen Geschichtsverständnis einfach nicht gibt, die von vielen „seriösen“ Wis­senschaftlern schlicht als „Märchen“ abgestempelt werden7, denen keine Be­weiskraft innewohnt, all das scheint ein direkter Widerspruch zu meiner Profes­sion als Historiker zu sein und geht gerade noch als „Entspannungslektüre“ durch, wenngleich da schon die Stirne gekraust wird.

Wenn ich dann aber auch noch bereitwillig erzähle, dass ich phantastische Ge­schichten SCHREIBE, ist die Verwirrung meist vollkommen. Der Gesprächs­partner weiß dann gar nicht mehr, woran er mit mir ist. Dabei ist, wie nachzu­weisen sein wird, Geschichte und Phantastik keineswegs ein Widerspruch, schon gar nicht für mich selbst.

Es scheint diesbezüglich sinnvoll zu sein, mit meiner eigenen Biografie zu be­ginnen, um gewissermaßen vom Speziellen zum Allgemeinen hin vorzustoßen. Das erhöht vermutlich die Akzeptanz, denn niemand sollte glauben, die stirnrun­zelnde Reaktion sei auf Seite des Phantasten geringer ausgeprägt als auf der Sei­te der Wissenschaftler.

Meine erste Karriere war die des Phantasten, und ich halte sie nach wie vor für die wichtigere und intensivere von beiden. Die zweite ist, naheliegend, die des Historikers, und beide sind miteinander fusioniert in jenem nicht mehr ganz klar festzumachenden Moment, in dem ich die Geschichte als Handlungsmuster mei­ner Werke entdeckte. Das bedarf einer Erläuterung zum besseren Verständnis.

Schon als kleines Kind war ich sehr entgegengesetzten Impulsen ausgeliefert, und sie führten mich einmal in Richtung der Phantastik, zum zweiten in Rich­tung der Geschichte. Doch während meine phantastischen Neigungen relativ wahllos durch Fernsehfilme, Comics und erste Bücher (nicht den üblichen Kin­derkram, ich stieg gleich mit Mark Brandis, John Christopher, Jules Verne, Heinlein und Lem und ähnlichem Kaliber ein und sattelte etwa 1977/78 auf Heftromane um, namentlich auf REN DHARK, TERRA ASTRA und später die TERRANAUTEN) gefüttert wurden, war der geschichtliche Input sehr konstant.

Er erfolgte durch meine mehrmals im Jahr gemachten Reisen zu meinem Groß­vater in Hildesheim und ins dortige Roemer-Pelizaeus-Museum. Wer das Muse­um aus eigener Anschauung kennt, weiß sicher, dass der Schwerpunkt der Expo­nate auf dem alten Ägypten liegt, und folgerichtig wurde ich schwerer Ägypten-Fan, maßgeblich angestachelt durch das vielfache Lesen des Geschichts-Klassi­kers „Götter, Gräber und Gelehrte“ von C. W. Ceram (alias Kurt Marek).8

Als die Schullehrstoffe vom alten Ägypten abschwenkten, verlor ich das Interes­se an der Geschichte, weil, natürlich, der Input aus Hildesheim, den ich mehr­mals jährlich bekam, immer derselbe war. Ägypten, Ägypten, Pharaonen. Toll.

Es dauerte mehrere Jahre, bis fast zum Ende meiner regulären Schulzeit, bis ich meine Leidenschaft für Geschichte entdecken konnte. Dazwischen hing ich buchstäblich mit dem Kopf zwischen den Sternen und war nicht zugänglich.

Ich möchte behaupten, dass erst in dem Moment, in dem ich biografisch ein we­nig Bodenhaftung bekam, also von Wolfsburg nach Gifhorn umsiedelte, wo mir in der Schule statt der bisherigen aggressiven Ablehnung von Altersgenossen (die meine selbstgewählte Isolation in den Büchern naturgemäß verstärkte) Sym­pathie und Freundschaft entgegenschlug, eine Änderung eintrat. Ich begann die Lehrer und Mitschüler zu schätzen, die erste Verliebtheit verdrehte mir grundle­gend den Kopf, und mein Interesse an anderen Menschen erwachte – und an Personen der Geschichte.

Während ich mich nun in die allgemeine Geschichte intensiver einlas, gewannen auch die Personen in meinen Geschichten ein wenig mehr Kontur, sie hatten plötzlich ein Zuhause, eine Familie, eine Biografie. Das blieb aber alles noch in den Kinderschuhen, da die letzten 2-3 Jahre meiner Schulzeit kaum ausreichten, aufzuholen, was ich zehn Jahre hatte schleifen lassen. Dennoch, der Keim war gelegt.

Später, als ich Zivildienst in Hameln machte, entdeckte ich mein Herz für die in­kaische Kultur, und wer jemals in den Genuss der OSM-Ebene 23 „Oki Stan­wer – Der Dämonenjäger“ kommt, wird das hautnah spüren können. Die Dar­stellung des Tahuantinsuyu des Jahres 1531 als Ausgangsbasis für Oki Stanwers und Sarai Stanwers BASIS DER NEUTRALEN ist so intensiv, dass sie sich bis in die allgemeinen Details der Kleidung, der Religion und des Alltagslebens der Inkas ausdehnt.

Spätestens seit jenem Zeitpunkt, also dem Frühjahr 1990, war mir klar, dass Ge­schichte suchterzeugend war. Zahlreiche geschichtliche Werke standen bis dahin bereits gelesen in meinen Regalen, nun aber explodierte die Zahl schier, und die Intensität der Rückkopplung zu meinen eigenen Geschichten verstärkte sich.

In gewisser Weise könnte man also sagen, dass der Pfad von der Phantastik her direkt zur Geschichte hin ging, ohne indes so zu verlaufen, dass die eine Leiden­schaft die andere ablöste. Das Gegenteil war der Fall, und seither laufe ich sozu­sagen „zweigleisig“. Wer sich das als anstrengend vorstellt, sieht nur eine Seite der Wirklichkeit.

Kommen wir zum Allgemeinen, damit ich den biografischen Exkurs nicht ad in­finitum ausdehne. Die amerikanische Historikerin Barbara Tuchman hat einmal sehr treffend – für die Geschichte – gesagt, es sei sinnvoll, zu schreiben, bevor die Recherchen abgeschlossen sind, anderenfalls bestünde die Gefahr, dass man einfach immer weiter recherchiere und sammle, um des Recherchierens und Sammelns willen.9 Das möchte ich hier nicht machen.10

Was ist die Basis aller Geschichtswissenschaft? Natürlich das allgemeine Studi­um der menschlichen Gesellschaft in all ihren Facetten. Der Ursprung dieser Ge­schichte ist stets das menschliche Individuum, die Biografie. Das stellt für mein Geschichtsverständnis die Grundlage dar, auf die alle Recherchen letzten Endes zurückgehen. Auch wenn man Organisationen, Staaten oder Völker untersucht, gerät man früher oder später, wenn man akribisch genug ist, zurück auf den ge­sellschaftlichen Kern des Individuums.11

Was ist, wenn wir den Blickwinkel wechseln, der Kern des Schriftstellerns, des Schreibens von Geschichten, Romanen und ähnlichem? Im Grunde genommen die Hauptpersonen. Geschichten, die keine ausformulierten Hauptpersonen be­sitzen oder deren Protagonisten amorph bleiben, sind schlechte Geschichten. Die Idee, die in ihnen steckt, mag noch so gut sein, ohne ausgefeilte Personendar­stellungen bleibt die Idee in den Kinderschuhen stecken und kann den Leser nicht erreichen, der bald gähnend das Buch aus der Hand legt.12 Also muss der Schriftsteller – psychologisch gesprochen – ein Gespür für seine Protagonisten entwickeln. Er muss die Menschen kennenlernen, die Motivationen, die sie um­treiben. Er muss selbst zum Psychologen werden.

Doch wenn er dann darangeht, weitläufige Weltsysteme in seinen Werken zu entwickeln, reicht die Psychologie alleine nicht mehr hin, da eine zweite Schwä­che ihn einholt, die Romanen gerne anhaftet: man mag die Personen so gut ken­nen, wie man will, wenn man eine schwache Story erzählt und in Allgemein­plätzen „versackt“, wie ich es mal nennen möchte, dann erzählt man allenfalls eine mittelprächtige Geschichte, die rasch vergessen ist.

Wie erzählt man nun eine GUTE Geschichte? Nun, mein Rezept dafür ist fol­gendes: Eine gute Geschichte besteht aus einem ausgezeichnet durchdachten, raffinierten und nicht durchsichtigen Plot, nicht zwingend eine gängige Plotsto­ry, bei der erst am Ende das Aha-Erlebnis kommt, sondern möglichst eine ganze Reihe davon, verteilt über Handlungs-Zickzackkurven innerhalb der Handlung, die immerzu die Neugierde des Lesers von neuem aufstacheln. Unbedingte Zutat für solche Geschichten sind gut entwickelte Charaktere, die wandlungsfähig und nicht dogmatisch sein sollten. Sie müssen Leben besitzen, ein Eigenleben, das durchaus den Autor selbst überrumpeln und in die Verzweiflung treiben darf.13 Und letzten Endes muss der Background der Story so gut durchdacht sein, dass der Leser an den Background „glaubt“. Das gelingt mir relativ oft, wie mir scheinen will.14

In diesem Sinne, das wird vielleicht nachvollziehbar sein, besitzen die Geschich­te und die Geschichtswissenschaft eine außerordentliche Legitimationsfunktion. Ohne auf plumpe Argumentationsmuster und oft strapazierte Vergleiche zurück­greifen zu müssen – etwa die Feststellung, dass vieles, was Jules Verne als phan­tastische Erfindungen im 19. Jahrhundert kreierte, inzwischen zur Alltagstechnik gehört (wiewohl das stimmt) – , kann man so als neugieriger Leser vielleicht nachvollziehen, warum Phantastik und Geschichtswissenschaft zwar ein mitun­ter schwieriger Spagat sind, wenn man sie beide gleichzeitig betreibt, aber kein fundamentaler Widerspruch.

Die Phantastik ist nur eine Untergruppe der Schriftstellerei im allgemeinen, und die Geschichtswissenschaft nur eine Untergruppe der Forschungen, die sich mit der Natur des Menschen und seiner Gesellschaft befassen (wie auch die Genetik, Soziologie oder Psychologie, um einige davon zu nennen).

In dem Punkt, wo der gemeinsame Kern ist, eben beim Menschen, beim menschlichen Individuum, da treffen sich diese beiden Gebiete und besitzen eine Schnittmenge. Wer sich für die menschliche Geschichte interessiert und über ge­nügend Phantasie verfügt, wie ich es tue, kann auch mit Leichtigkeit extrapolie­ren, und schon breitet sich ein Fächer virtueller Welten aus, in denen die menschliche Geschichte von dem bisweilen grundlegend abweicht, was man landläufig kennt. Es mag sich dabei um „seriöse“ kontrafaktische Geschichte handeln15 oder eben um frei flottierende phantastische Geschichten mit histori­schem Background.16

Die Phantastik hat aber mit der menschlichen Geschichte nicht nur diesen Schnittpunkt. Wenn man konsequent die Verzweigungspfade weitergeht, die für viele Historiker vermutlich zu spekulativ (für mich aber zu reizvoll sind, als dass ich sie ignorieren könnte), der gelangt nicht nur in die gängige kontrafaktische Geschichte, die die Grundlage bildet für Alternativwelt- und Parallelweltge­schichten, sondern der gerät schließlich in ganz fremde Räume.

In diesen fremden Räumen verlassen wir die Menschheit und stoßen zu Völkern unter fremden Sternen vor, die nie zuvor ein Menschenauge erblickt hat. Und jählings segelt jener Forscher der Geschichte und Phantastik zugleich mit bizar­ren Wesenheiten über tropische Ozeane fremder Welten, besucht Inseln und Kontinente, die bisweilen von einer unglaublichen Schönheit sind, dass der Atem stockt.

Wer kennt schon solche Welten wie den schwebenden Kontinent Shonta-Land in der NISCHE?17 Wer kennt das versunkene Reich der legendären Veskoy, das binnen eines Tages über die Jahrmillionen und über Millionen von Lichtjahren zerstreut wurde?18 Wer kann sagen, welche tragische Geschichte hinter den düs­teren metallenen Wüstenstädten der Rontat steckt?19 Wer kennt schon den Ur­sprung und die Zeitläufte des untergegangenen Volkes der Us’sheleyaa (also der „Wasserkinder“)?20

Nun, diese Geheimnisse und diese GESCHICHTEN der nie gekannten Völker liegen vor dem Historiker und Phantasten auf einmal da, und er kann langsam, auf historische Weise, und schnell, mit der glühenden Verve des Phantasten, gleichermaßen darin eindringen und dies seinen neugierigen Lesern ausbreiten.

Der unbestreitbare Vorteil und Nachteil zugleich darin ist leider ebenfalls evi­dent: ist schon die menschliche Geschichte, wenn man sie auf mikrogeschichtli­che Weise betreibt, also in die kleinsten Einheiten der Geschichte vordringt, in die Biografien, nahezu unendlich groß ist, so gilt das in noch verstärktem Maße für diese parallelen Geschichtsverläufe anderer Völker.

Die Aufgabe, die sich einem Forscher in jenen wirren, gigantischen Räumen stellt, ist also unvergleichlich und im Grunde genommen endlos. Das mag im übrigen – ich stellte gerade meine eigene Forschungssituation in der Geschichte und in der Phantastik sowie in dem Schnittpunkt der „Phantastischen Geschich­te“ dar – erklären, warum die gerne geäußerte Vermutung meiner Freunde und Leser nicht zutrifft. Sie denken oftmals, Geschichtenschreiben, das sei so ähn­lich wie ein Glas mit Bier leeren. Wenn man viel daraus trinkt (lies: schreibt), sei der Tank irgendwann leer. Das ist ein klassisches Fehlurteil.

Indem ich immerzu neue Felder, immer neue Personen, Welten, Völker entdecke und ständig an Perfektion in der Beschreibung gewinne, kann man weder be­haupten, es werde hier in irgendeiner Weise langweilig, noch kann man sagen, die Themen würden sich erschöpfen. Das Gegenteil ist der Fall: die Themen ge­nerieren sich aus dem, was man findet, immerzu neu. Je mehr ich schreibe, desto mehr entdecke ich und desto mehr kann ich zusätzlich schreiben. Ein bisschen lässt sich das vergleichen mit der biografiegeschichtlichen Archivrecherche – man stößt unablässig auf Abzweigungen und Hinweise, denen man weiter nachgehen kann und, wenn einen die Leidenschaft gepackt hat, auch will.21

Eine Aufgabe ohne Ende, eine Aufgabe, die sowohl im Bereich der Geschichte – die mir zur Fundierung der Phantastik unabdingbar scheint – als auch im Be­reich der Phantastik allgemein eine ständige Herausforderung bleiben wird und Entdeckungen ohne Zahl ermöglicht.

Vielleicht bin ich in meiner Argumentation ein wenig wirr geworden im reißen­den Strom der Gedanken. Doch hoffe ich, dargestellt zu haben, dass wenigstens in meinem speziellen Fall die parallele Beschäftigung mit Geschichte UND Phantastik keinen Widerspruch darstellt, ja, eigentlich NIE darstellt, vorausge­setzt, man verfügt über die entsprechende Kreativität, Feinfühligkeit und das Gespür für die gute Verknüpfung zwischen der phantastischen Sphäre und den Grundlagen der realen Geschichte. Meine weiterführenden Wege in die Ge­schichten und Geschichtsschreibungen anderer, nichtmenschlicher Völker muss man nicht zwingend nachvollziehen, da das, zugegeben, eine ziemliche Heraus­forderung ist.

Aber vielleicht kann dieser kleine Essay ein wenig Verständnis für meine Situa­tion wecken und auch ein bisschen Neugierde wecken. Das würde mich freuen.

Uwe Lammers

Braunschweig, den 23.-28. Juli 2005

Puh, was für ein gehaltvoller Wortschwall, gell? Aber ich glaube, wenn euch jetzt der Kopf raucht, so habe ich doch ein wenig das Phänomen U. L. transparenter gemacht als bisher. Das ist jedenfalls meine Hoffnung und meine Intention gewesen.

Bis nächste Woche! Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe

 

1Die Erstpublikation dieses Essays erfolgte in meinem Egozine HISTORIKERZEIT #1 als Beitrag zu Futurian Amateur News (FAN) 74 im November 2005. Dass ihn mehr als 30 Menschen gesehen haben, halte ich für unwahrscheinlich.

2 Band 1 des „Armageddon-Zyklus“ von Peter F. Hamilton. Rezension in BWA 258 (März 2005). Vgl. dazu heute auch mein Rezensions-Blog 18 vom 29. Juli 2015.

3 Roman von Frank Schätzing. Rezension kommt höchstwahrscheinlich noch auf dem Rezensions-Blog.

4 Das sogenannte „Highland-Kompendium“ zum phantastischen Historienzyklus der Autorin Diana Gabaldon. Rezension in BWA 219 (Dezember 2001). BWA ist, wie inzwischen den Lesern meines Blogs bekannt sein dürfte, die Abkürzung für das Fanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ des Science Fiction-Clubs Baden-Württemberg (SFCBW). Auch meine Gabaldon-Rezensionen sind natürlich für den Rezensions-Blog vorge­merkt, beginnend mit „Feuer und Stein“ im Rezensions-Blog 50 (9. März 2016).

5 Auch dieser Roman wird für den Rezensions-Blog aufbereitet. Vgl. dazu den Rezensions-Blog 51 (16. März 2016).

6Da dieser Essay anno 2005 geschrieben wurde, sind die Bemerkungen im Haupttext bezüglich meiner Ar­beitssituation natürlich überholt. Um nicht zu große Veränderungen herbeizuführen, blieben sie bei der Neu­publikation bestehen.

7 So erfuhr ich es beispielsweise kürzlich auch von meiner Wolfenbüttler Chefin, der ich daraufhin konsequent nichts über meine phantastischen Leidenschaften erzählte. Ich zweifele insgeheim daran, dass sie ihre Mei­nung noch ändern würde… sie ist immerhin 85 Jahre alt. Update: Inzwischen ist meine einstmalige Chefin, Frau Professor Eva Engel-Holland schon eine geraume Weile verstorben und unter der Erde.

8 Ob ich ihn allerdings „nur“ zehnmal las oder zwanzig Mal, vielleicht öfter, kann ich heute nicht mehr sagen.

9 Vgl. Barbara Tuchman: „In Geschichte denken. Essays“, Fischer Geschichte 4304, Frankfurt am Main 1984.

10Beizeiten wird auch in meinen weiteren Blogartikeln zum Oki Stanwer Mythos klar herausgearbeitet werden, z. T. ist es das schon, dass ich auch im OSM meist losschreibe, ehe ich die Recherche zum Ende durchführen konnte… manchmal kann ich die Rechercheabschlüsse sogar erst viele Jahre später nachliefern, weil ich Din­ge beschrieben und dargestellt habe, deren Erklärung mir zum Zeitpunkt der Niederschrift notwendig unklar sein musste. Nur dass ich sie SO schreiben musste, wie ich sie zu schreiben hatte, das ist mir zum Schreib­zeitpunkt präsent und begreiflich, nicht jedoch das Warum. Exemplarisch seien hier die Themenkomplexe der Matrixfehler und der Universengenese erwähnt.

11Dies war dann auch der Fokus meiner Magisterarbeit „Dunkle Vergangenheit“ (2002), die Anfang 2015 unter dem Titel „Sieben Leben…“ in der Digitalen Bibliothek Braunschweig allgemein digital veröffentlicht wor­den und nun jedermann zugänglich ist. Ihre Lektüre sei für alle Interessierten herzlich empfohlen.

12Das geschieht übrigens ebenfalls, wenn man als Autor nur eine Art von schematischem Gefühl für seine Prot­agonisten entwickelt. Ich hatte vielfach bei der Lektüre von Werken von Stephen Baxter das dumpfe Gefühl, er könne allein sich selbst beschreiben und in die Protagonisten projizieren. Das schadete dann sowohl der Glaubwürdigkeit der Personen als auch dem Leserinteresse. Manchmal musste ich mich da wirklich durch­beißen. Das exakte Gegenteil stellt hingegen der sehr lebhafte und abwechslungsreich schreibende und Perso­nen charakterisierende Peter F. Hamilton dar, den ich in den vergangenen zehn Jahren als Autor sehr schätzen gelernt habe.

13 In der Beziehung bin ich wahrscheinlich ein schlechter Autor – denn in vielen Fällen ist es eher so, dass die Figuren mich führen, als dass ich sie leite. Da bekenne ich mich zu einer gewissen Disziplinlosigkeit. Aber ich bin in der Hinsicht ein nachsichtiger „Vater“ meiner Protagonisten. Ich kann ihnen nicht böse sein. Man schaue sich nur einfach mal in dieser Hinsicht so etwas wie die Shonta-Geschichten in meinen E-Books der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ an, oder, jüngstes Beispiel, das phantastische Abenteuer des Mädchens Senyaali in der OSM-Story „Der Platz der Steine“ (2015) – diese kürzlich im Fanzine BWA pu­blizierte Story erscheint als Bestandteil meiner vierten E-Book-Storysammlung „Als Tiyaani noch ein Kind war…“ Anfang Mai 2016.

14 Neulich etwa fragte mich Clemens Nissen nach der Lektüre der Geschichte „Hinterlassenschaften“: „Was heißt eigentlich ‚Mundshak‘ (okay, das war ‘ne Müllhalde, aber was BEDEUTET es)?“. Dazu kann ich nur sagen: Der Begriff „Mundshak“ fiel mir einfach so ein, und ich schrieb ihn hin. Es mag sein, dass „Mundshak“ in irgendeiner Sprache der Erde existiert, vielleicht wirklich im Chinesischen. Aber ich kann Clemens´ Frage nicht beantworten. „Mundshak“ ist Teil des „Backgrounds“ der Geschichte, und es war so glaubwürdig verwendet, dass Clemens der festen Überzeugung war, es würde sich um ein real existierendes Wort handeln, das eine bestimmte Bedeutung hat. Das nenne ich: den Leser überzeugen. Update: Die Leser der Gegenwart können sich ein genaueres Bild machen, wenn sie sich mein erstes E-Book besorgen, das aus genau dieser Geschichte besteht. Vgl. dazu: Uwe Lammers, „Hinterlassenschaften“ (2013), immer noch er­hältlich auf Amazon-KDP.

15 Etwa nachlesbar in Kai Brodersen (Hg.): „Virtuelle Antike. Wendepunkte der Alten Geschichte“, Primus-Verlag, Darmstadt 2000, oder auch in Alexander Demandt: „Ungeschehene Geschichte. Ein Traktat über die Frage: Was wäre geschehen, wenn…?“, Kleine Vandenhoeck-Reihe 1501, Göttingen 1984. Update: Virtuelle Antike ist zwischenzeitlich in meinem Rezensions-Blog 31 rezensiert worden (28. Oktober 2015). Demandts Werk wird beizeiten folgen.

16 Wie etwa meine Geschichte „Sic transit gloria mundi“ (1994), in der es um eine Manipulation des Ersten Kreuzzuges geht, der auf spektakuläre Weise fehlschlägt. Update: Die gründlich überarbeitete gleichnamige Story ist zwischenzeitlich erschienen, ebenfalls im Fanzine BWA, nämlich in den Ausgaben 300-302, Sep­tember – November 2008. Es ist plausibel, dass sie in absehbarer Zeit Teil meiner E-Book-Storysammlungen werden könnte.

17 Das ist Teil der 19. OSM-Ebene „Oki Stanwer – Der Missionar“, an der ich seit 1991 schreibe.

18 Dazu muss man beizeiten die 22. OSM-Ebene „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“ konsultieren, an der ich seit 1989 arbeite.

19 Das ist beizeiten nachzulesen in der 17. OSM-Ebene „Drohung aus dem All“, 1983-1986, Glossarverzeich­nung seit 2005 in Arbeit.

20 Dazu müsste man in den nonphantastischen ARCHIPEL eindringen, aber der steht den Lesern nicht offen. Ein kleiner Eindruck des Archipel kann durch die wenigen bislang von dort publizierten Geschichten gewon­nen werden: „Shareena und das Mädchen mit dem Zauberhaar“, in: Christel Scheja (Hg.): Legendensänger 106: „Freiflug“ (Juli 2002); „Kussjagd“, in: SFCBW (Hg.): Baden-Württemberg Aktuell (BWA) 243 (De­zember 2003); „Zu Besuch in einem kleinen Dorf“, in: Christel Scheja (Hg.): Legendensänger-Sonderheft 32: „Liebestanz“ (August 2004). Update: Inzwischen ist vom Archipel durchaus auch in meinen E-Books etwas nachzulesen gewesen, nämlich einmal die Shareena-Geschichte in leichter Überarbeitung, Seite an Seite mit der Geschichte „Ein Traum namens Frafra“, beide in der dritten E-Book-Storysammlung „Reinkarnation und andere phantastische Geschichten“, bei Amazon-KDP erschienen Anfang August 2015.

21Wie ich einer befreundeten Philosophieprofessorin, der ich im Zuge einer Bucherstellung ein wenig freund­lich mit meinen Kenntnissen assistieren durfte, schon sagte: Wenn man erst mal mit dem „Virus“ der Bio­grafiegeschichte „infiziert“ ist, wird man diese „Krankheit“ nicht mehr los. Man beginnt Archive zu lieben, alte, staubige Akten, man entwickelt ein detektivisches Gespür dafür, ob die Leute, die diese Aktenstücke schrieben, die Wahrheit sagten oder nur Teile der Wahrheit oder zweckdienliche Notlügen… und man ent­deckt wirklich unendlich viele Abzweigungen und Hintertüren, die ins unerschlossene historische Niemands­land führen. Ich versichere euch: das ist ein süchtig machendes Vergnügen, wenn man das mal entdeckt hat!

Liebe Freunde des Oki Stanwer Mythos,

üblicherweise sieht es so aus, als seien die Universen des Oki Stanwer Mythos voneinander durch eine weite zeitliche Schranke getrennt. Wenn ich dann also beispielsweise sage, KONFLIKT 2 werde in der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) abgehandelt, und der erste Band der Reihe „Aus den An­nalen der Ewigkeit“, „In der Hölle“ (2013) spiele in KONFLIKT 4 und mithin rund 10 Milliarden Handlungsjahre in der Zukunft, dann denkt ihr sicherlich auch, das ist ein ehernes Diktum. Verbindungspfade unmöglich.

Nun, das ändert sich in diesem Monat gründlich.

In dem heute erscheinenden ersten Teil des fünften Annalen-Bandes, „Jaleenas zweites Leben“ schicke ich euch in den KONFLIKT 4, der später in der OSM-Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) genauer ausgearbeitet werden wird. Mit­ten in einem verheerenden Unwetter erscheint hier eine junge Frau aus dem Nichts, verstört, desorientiert, verletzt.

Ihr Name, das wird ihr bald wieder bewusst, ist Jaleena.

Das Volk jedoch, dem sie entstammt, ist das Volk der Yantihni, das euch als Le­ser der TI-Serie schon sehr vertraut ist. Und sie ist ein Strandgut der Zeit, auf eine rätselhafte Weise, an einen Ort gespült, der für sie voller Rätsel und Ge­heimnisse ist.

Und sie fragt sich inständig: wie war das möglich?

Und: Was ist der Grund dafür?

Ihr könnt ab sofort teilhaben an dieser Sinnsuche im neuen OSM-Roman „Ja­leenas zweites Leben“, der aus Umfanggründen in zwei Teile gespalten wurde. Teil 2 erscheint am 15. Februar 2016. Teil 1 ist auf Amazon-KDP zum Preis von 2,99 Euro im EPUB-Format erhältlich.

Ich wünsche euch eine angenehme Lektüre und freue mich jederzeit über Kom­mentare und Bewertungen des Werkes auf Amazon-KDP.

Ansonsten sehen wir uns in zwei Tagen wieder an dieser Stelle, wo ich in mei­nem Wochen-Blog den 150. Beitrag veröffentlichen werde. Ich denke, das soll­tet ihr besser nicht versäumen.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.