Rezensions-Blog 174: Der Fluch des Khan

Posted Juli 25th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ich habe ja schon verschiedentlich gesagt, dass Clive Cussler inzwischen ein we­nig in die Jahre gekommen ist, was das Schreiben angeht. Und da er sich nahezu notorisch auf ein und dieselbe Person kapriziert, eben auf Dirk Pitt und dane­ben auf dessen Sidekick Albert Giordino, nimmt es nicht wunder, dass nach mehr als 25 Jahren unablässiger Bestseller-Abenteuer langsam die Puste aus­geht. An diesem Buch merkt man das dann leider recht deutlich, weswegen ich ihn in einem potenziellen Ranking von Cussler-Romanen auch ziemlich weit hin­ten einsortieren würde.

Damit möchte ich nicht behaupten, dass er so unlesbar ist wie etwa weiland „Akte Atlantis“, der Roman war nun echt unterirdisch. Dieser hier hat nur eine ganze Reihe schematischer Schwächen und spult gelegentlich Standardkost ab, wobei es gewisser würzender Ingredienzien ermangelt. Wie ich unten andeute, war wohl der Schreibanteil seines inzwischen ebenfalls schriftstellerisch aktiven Sohnes Dirk Cussler recht bescheiden – das hat sich äußerst nachteilig auf das Buch ausgewirkt.

Abgesehen davon und vielleicht auch der Vollständigkeit der Lektüre halber sollte sich ein wahrer Fan von diesen zurückhaltenden Einleitungsworten nicht abschrecken lassen. Und wer sich für mongolische Geschichte interessiert, ist hier ohnehin richtig.

Auf, auf zu der Spurensuche nach Dschingis Khans Grab:

Der Fluch des Khan1

(OT: Treasure of Khan)

von Clive Cussler & Dirk Cussler

Blanvalet, gebundene Ausgabe

548 Seiten, 2007

ISBN 978-3-7645-0275-1

Übersetzt von Oswald Olms

Wer sich ein bisschen mit asiatischer Geschichte des Mittelalters auskennt, hat die Fakten, die im ersten der beiden Prologe dieses Buches auf packende Weise in dramatische Handlung umgegossen werden, recht schnell parat: Als der Mongolenherrscher Kublai Khan, Erbe des legendären Dschingis Khan, den chi­nesischen Thron im 13. Jahrhundert besteigt, geht sein Ehrgeiz dahin, auch die umliegenden Reiche zu unterwerfen. Korea nimmt er von See her, und als sich das störrische Japan Drohungen nicht unterwerfen will, nimmt er anno 1274 den Weg der Gewalt und versucht eine Invasion der japanischen Inseln. Doch ein gewaltiger Sturm zerstreut die Armada und rettet Japan.

Am 10. August 1281 unternimmt der Khan einen neuen Vorstoß. Zwei große Flotten sollen sich diesmal vereinigen, eine vom chinesischen Festland, eine von Korea stammend. Zwar gelingt dies, und unter normalen Umständen wäre die Landung dieser Tausende von Schiffen zählenden Armada der sichere Unter­gang für das japanische Kaiserreich… doch einmal mehr wütet ein verheerender tropischer Sturm und sorgt für eine beispiellose Niederlage – und das Schiff des mongolischen Heerführers Arik Temur wird dabei weit aufs Meer hinausgetrie­ben, bis er und die wenigen Überlebenden nach langer Zeit und völlig desorien­tiert an die Gestade einer fremden, tropischen Insel gelangen, wo man sie gast­freundlich aufnimmt.

Erst nach Jahren erfährt Temur, dass die Bewohner dieser Insel einst übers wei­te Meer gekommen sein sollen, und auf diese Weise gelingt es ihm endlich, in seine Heimat zurückzukehren und Kublai Khan Bericht zu erstatten. Der Khan je­doch ist inzwischen alt und krank, und wenig später stirbt er. Das Mongolen­reich geht unter. Sein Grab, geheim gehalten wie das seines großen Vorbildes Dschingis Khan, wird nie gefunden.

Im zweiten Prolog, der am 4. August 1937 nahe Peking spielt, machen wir die Bekanntschaft eines wirklich alten Bekannten (der mich hier ausnehmend nerv­te): Leigh Hunt.2 Diesmal ist er weder Kommandant eines Atom-U-Bootes3, auch nicht ein Pirat in der Karibik4 und ebenso wenig ein Captain eines Schiffes der konföderierten Marine, das mit der NAUTILUS konfrontiert wird.5 Damit es nicht so auffällt, darf er heute mal anno 1937 in China den Archäologen mit Fedora auf dem Kopf spielen (Indiana Jones lässt munter grüßen, das gilt auch für die Folgen). Hunt gräbt das legendäre Xanadu Kublai Khans aus und macht hier kurz vor dem Vorrücken der japanischen Armee einen Aufsehen erregenden Fund: eine Schatulle, dessen Inhalt offensichtlich auf das Grab des Dschingis Khan deutet. Leider ist sein Assistent Mongole. Noch bedauerlicher ist es, dass Hunt sein Reiseziel, nämlich England, niemals erreicht. Sein Flugzeug verschwindet spurlos über der Wüste Gobi, und mit ihm jeder Hinweis auf das geheime Grab­mal…

Am 2. Juni 2007, und damit erleidet der Leser nun fast eine Art Kulturschock, wird umgeblendet zum sibirischen Baikalsee, wo eine kleine Gruppe von Pro­spektoren einer Ölfirma unter Leitung von Theresa Hollema einer jungen mon­golischen Ölfirma namens Avarga Oil Consortium wissenschaftliche Hilfestel­lung leistet. Entlang des Baikalsees sollen Ölflecken gesichtet worden sein, die auf ein Austreten von Öl aus unterirdischen Lagerstätten hindeuten. Leider ist das nicht das Hauptanliegen von Avarga, die mit Tatiana Borjin die Schwester des Besitzers der Firma, Tolgoi Borjin, eine direkte Kontaktperson zu den Ölspe­zialisten geschickt hat.

Überraschend wird das Boot der Gruppe von einer Seebebenwelle beinahe ver­senkt, und nur dem draufgängerischen Mut zweier Meeresforscher, die mit ih­rer Forschungsmission in direkter Nähe sind, ist es zu verdanken, dass sie alle am Leben bleiben: Dirk Pitt senior und sein Freund Al Giordino von der NUMA leisten nämlich zufällig ebenfalls gerade wissenschaftliche Schützenhilfe, und zwar bei dem russischen Geophysiker Dr. Alexander Sarchow, der an der Erforschung der Strömungsverhältnisse des Baikalsees arbeitet.

Eigentlich scheint alles nach der Rettung in bester Ordnung – aber dann stellt Pitt fest, dass ihr eigenes Schiff, die Wereschtschagin, nächtens am Ankerplatz schlicht unterzugehen droht. Mit Müh und Not gelingt es ihm und seinen Ge­fährten, das Schiff zu retten. Nur um das nächste Rätsel serviert zu bekommen: das Ölsuchteam ist spurlos verschwunden, und Dr. Sarchow ebenfalls. Glückli­cherweise können Pitt und Giordino Sarchow kurz darauf aus Entführerhand retten und seinen Tod vereiteln. Die anderen sind aber verschwunden, und die Spur führt, seltsam genug, mitten in die Mongolei, zum Sitz von Avarga.

Auf den Weltmärkten regiert derweil das Chaos: Erdbeben im Persischen Golf und ein Tankerunglück in Fernost lassen die Weltmarktversorgung mit Öl weit­gehend kollabieren. Besonders betroffen davon ist China, wo die Wirtschaft ins Stocken zu geraten droht – aber auf einmal taucht eine relativ unbekannte Öl­firma auf, die verspricht, binnen 30 Tagen die notwendigen Ölmengen zu lie­fern. Diese Firma ist das Avarga Oil Consortium aus der Mongolei, Tolgoi Borjins unscheinbare Firma.

Zu diesem Zeitpunkt ahnt aber noch niemand, dass Borjin im Besitz einer revo­lutionären Technik ist, mit der man künstliche Erdbeben auslösen kann. Sein verheerender Plan sieht vor, auf wirtschaftlichem Gebiet genau dort weiterzu­machen, wo sein großer Ahne Temudschin, Dschingis Khan, aufgehört hat: erst das mongolische Großreich wieder in alter Pracht erstehen zu lassen und dann die Welt zu erobern.

Dummerweise stehen ihm dabei ein paar erstaunlich hartnäckige Gegner im Weg, die sich penetrant weigern, zu sterben. Und Dirk Pitt und Al Giordino er­weisen sich nicht nur als findig wie Sherlock Holmes, sondern sie überstehen sogar Reiterattacken von mongolischen Kriegern, Motorradfahrten ins Nirgend­wo, Wanderungen durch die Wüste Gobi ohne Nahrungsmittel und allerlei an­deres Ungemach. Und schließlich holen sie zum Gegenschlag aus…

Man kennt derlei Szenarien von anderen Romanen Clive Cusslers inzwischen zur Genüge, und wiewohl es mitunter recht vergnüglich zugeht, kann man doch in den drei Tagen Lesezeit, die man für diesen Roman veranschlagen sollte, gele­gentlich ein ermüdetes Grinsen nicht unterdrücken. Ganz so wie in dem Roman „Die Troja-Mission“ kann man hier konstatieren, dass die stilistische wie inhaltliche Höhe des Vorgängerromans „Geheimcode Makaze“ (der kalendarisch definitiv vor diesem hier erschienen ist, obwohl das Erscheinungsdatum etwas irritiert) nicht gehalten werden kann. Das lag vermutlich daran, dass Dirk Cusslers Beiträge zum Skript relativ bescheiden waren. Die Protagonisten, die ihm am Herzen liegen – Dirk Pitt jr. und seine Schwester Summer – tauchen erst auf Seite 359 auf, was wirklich sehr schade ist. Ansonsten fließt vermutlich nur seine Kenntnis des Börsenwesens der Welt in die Story weiter vorne ein.

Die Majorität der Handlung wird von Dirk Pitt sr. und seinem Sidekick Al Giordi­no eingenommen, wobei es im Wesentlichen um einen recht ungleichen Kampf zwischen den beiden Unverwüstlichen und einer Truppe eher unterbelichteter Gegner geht. Der Familienclan der Borjin kann wirklich den beiden weder das Wasser noch das Öl reichen, und das merkt man ziemlich bald. Der Bruder Tol­gois erweist sich vor Hawaii als jemand, der von Seefahrt und von Tauchen wirk­lich keinen blassen Schimmer besitzt (und folgerichtig auch durch ein richtiges Deppentum umkommt), die Schwester Tatiana ist eher so eine Art von Quoten­frau, die auch nicht richtig viel zu melden hat, und Tolgoi selbst… ach, das müsst ihr selbst nachlesen. „Natürlich“ machen die Helden mal wieder eine Begeg­nung mit Clive Cussler selbst, der diesmal am Rande der Mongolei als Busfahrer unterwegs ist… und wie immer wird er natürlich nicht erkannt. Früher waren solche Selbstreferenzen manchmal recht witzig, doch inzwischen wirken sie sehr bemüht, hier zumindest.

Der Verlag hat im Übrigen dem Buch einen überaus reißerischen und ganz und gar unpassenden Titel gegeben. Von einem „Fluch des Khans“ ist weit und breit wirklich so überhaupt nichts zu sehen, und abgesehen von der wirklich pfiffigen Erfindung, die Tolgoi einsetzt (aber die ist dann auch deutschen Ursprungs, so dass die Mongolen wirklich mehrheitlich als dumpfe, machtgierige und raffgieri­ge Deppen kommuniziert werden), ist der Roman eigentlich nur eine Art von Durchschnittslesefutter für Cussler-Hardcore-Fans. Es wäre tatsächlich zu wün­schen, dass der Sohnemann ein bisschen mehr Freiraum fürs Schreiben erhält und Summer sowie Dirk Pitt jr. ein bisschen besser ausarbeiten darf. Und auch die hier doch inzwischen völlig degenerierte Libido könnte ruhig ein wenig aus­gedehnt werden. Außer freundschaftlichen Küssen passiert hier nämlich eigent­lich überhaupt gar nichts. Das mag ja für Cussler sr. angehen, aber die beiden Kinder sind doch eigentlich im besten Alter für erotische Abenteuer.

Das hier ist sozusagen der klassische Schlag ins Wasser. Sorry, Clive, aber das ist eine ziemliche Niete, auch wenn dein Held nachher den Schatz doch noch fin­det… aber wo, das sei nicht verraten. Das soll man dann nachlesen, wenn man neugierig geworden ist. Alles in allem ist der Roman ja recht unterhaltsam gera­ten, wenn auch nicht besonders berauschend. Schlichtes Lesefutter halt, wenn an große Langeweile hat und sich nicht an Gehaltvolleres traut. Dafür ist er ak­zeptabel.

© 2011 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche nehme ich euch dann mit zu einem extraordinären Leseabenteuer, das es noch gar nicht gibt… das klingt verrückt? Oh nein, meine Freunde, absolut nicht. Wir haben es dann mit einer Rezension aus dem 23. Jahrhundert zu tun und besuchen den Planeten Mars.

Näheres in sieben Tagen an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Eigentlich, und das sagt das Rechtschreibprogramm völlig mit Recht, müsste es hier „des Khans“ heißen, was einmal mehr darauf hindeutet, dass der Verlag des Deutschen offensichtlich nicht restlos mächtig war. Vermutlich war das auf den Fluch des Khans zurückzuführen…

2 Inzwischen ist es relativ klar, dass es sich dabei um einen persönlichen Freund Clive Cusslers handelt, dem er einen Gefallen mit „Gastauftritten“ tut. Aber in der Häufung fällt das allmählich echt negativ auf.

3 Wie in dem Roman „Im Todesnebel“ von Clive Cussler vor über 20 Jahren! Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 66 vom 29. Juni 2016.

4 Wie in dem Roman „Die Troja-Mission“ von Clive Cussler. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 143 vom 20. Dezember 2017.

5 Wie in dem Roman „Im Zeichen der Wikinger“ von Clive Cussler. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 135 vom 25. Oktober 2017.

Liebe Freunde des Oki Stanwer Mythos,

erneut hat sich die Veröffentlichung meines neuesten E-Books bedauerlicher­weise etwas hingezogen. Aber nun ist es soweit, der vorläufige Schlussakkord der Abenteuer, die die Überlebenden der RHONSHAAR-Expedition absolvieren, liegt vor euch.

Die havarierte RHONSHAAR ist – wie weiland ihr Schwesternschiff GHANTUU­RON – von fremden Intelligenzwesen vor der sicheren Zerstörung durch die Ab­baumaschinen des Terrorimperiums der Troohns gerettet worden. Aber wäh­rend die GHANTUURON-Raumfahrer mit den reptiloiden Allis und dem Bau­meister Nogon zu tun bekamen und alsbald in die Heimat repatriiert wurden (mehr von ihnen ist im 31. Band der TI-Serie zu lesen), sehen sie sich hier den rätselhaften Cestai gegenüber.

Über sie und ihre Lebensweise ist bislang nicht allzu viel bekannt. Als Kapitän Khaalnech und die Seinen nun also den originären Lebensraum der Cestai auf­suchen, nehmen sie zuversichtlich an, dass sich das bald ändern wird. Aber eine Reihe von Überraschungen erwartet sie.

Das Kriegernest der Cestai ist ein Ort der Rätsel und Wunder und … ja … des Ver­drusses. Denn die Cestai reagieren durchaus nicht wie angenommen. Und dann ist da auch noch diese Geheimniskrämerei … und schließlich eine Entdeckung, die den geretteten Yantihni geradewegs den Boden unter den Füßen wegzieht …

Mehr dazu lest ihr besser nach in meinem neuen E-Book „Das Kriegernest“, Band 30 der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“. Es ist ab sofort im EPUB-Format auf Amazon-KDP zum üblichen Preis von 1,49 Euro erhältlich. Der einmalige Gratisdownload ist am 30. und 31. Juli 2018 möglich. Im Preis inbe­griffen ist der Schluss der Bonusgeschichte „Das Silber des Bösen“.

Ich wünsche euch angenehmes Lesevergnügen.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 281: Legendäre Schauplätze 9: INSEL

Posted Juli 21st, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

der Name ist eine Legende im OSM für sich… obwohl ich, zugegeben, lange Zeit gar nicht wusste, dass sie existierte. Aber das ist im Oki Stanwer Mythos oft der Fall – dass Welten, Reiche und Völker quasi aus dem Nichts auftauchen, meis­tens zunächst in Form von Erzählungen, ehe ich sie dann tatsächlich zu Gesicht bekomme. Man stelle sich das ein wenig wie das mythische Cathay vor, von dem lange Legenden kursierten, ehe Seefahrer es dann tatsächlich mit eigenen Augen erblickten.

So ähnlich erging es mir mit der INSEL.

Die Galaxis Mysorstos tauchte auf meinem Radar bereits ab Mitte der 80er Jah­re auf, nämlich damals, als ich am KONFLIKT 20 „Oki und Cbalon – Das Ewig­keitsteam“ (OuC) schrieb. Damals gehörte diese Galaxis mit dem betörenden Namen zu einem Galaxiencluster, der von der so genannten MACHT regiert wird, die auch die Baumeister-Galaxis Arc unterworfen hatte. Schon damals, als ich Mysorstos nur kurz streifte, dachte ich darüber nach, was dort wohl einst­mals los gewesen sein mochte und warum ich diesen Namen einfach nicht ver­gessen konnte.

Als ich sehr viel später damit begann, mir ernsthafte Gedanken zu machen über die Genese des finsteren Antagonisten Oki Stanwers, TOTAM, da irrte ich – heu­te würde ich sagen: unweigerlich – zurück nach Mysorstos. Und obwohl das eher zufällig geschah, war das irgendwie folgerichtig. Nachdem ich erst einmal damit begonnen hatte, diese Idee zu verfolgen, entwickelte sie, wie so viele im OSM, ihr Eigenleben und ist inzwischen so zementiert, dass sie sich gleich ei­nem begierigen Mikroorganismus überallhin ausgebreitet hat.

Wer meinen Blogartikeln schon geraume Zeit folgt, der weiß, dass ich den OSM gegen Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts eher aus seinem Zentrum her­aus entwickelte, von KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ an (1981-1984). Die frühen Universen des OSM, in denen so zentrale Dinge geschehen sein mussten, lagen weitgehend im Dunkel. Auch wenn ihr Leser heutzutage mit KONFLIKT 2 nahezu am Beginn des Gesamtbauwerks steht, ist doch der KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) erst eine Geburt der späteren Zeit, mit dessen Ausarbeitung ich erst 2003 begann.

Die INSEL folgte ziemlich genau ein Jahr später, am 28. November 2004. Und wieder überfiel mich diese Idee, von der ich nicht wusste, wohin sie mich füh­ren würde: Bilder tauchten in meinem Kopf auf, die insbesondere mit einer zen­tralen Erscheinung des OSM zu tun hatten – mit der unheimlichen Untotenar­mee, über die TOTAM später gebietet, die Totenköpfe.

Wann und wie, fragte ich mich, sind sie wohl entstanden? Wann haben sie ihren schrecklichen Ruf erlangt? Inzwischen seid ihr darüber als eifrige Leser meiner E-Books und Fortsetzungsgeschichten in Fanzines darüber klarer infor­miert. Dazu muss man nur das zweite Werk der Annalen, „In der Hölle“, oder den Fortsetzungsroman „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“ im Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA) lesen.

Und damit war ich automatisch in der INSEL.

In der Galaxis Mysorstos.

Mitten im KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR).

Ihr betretet die Bühne der INSEL in der Blüte ihrer Existenz, im Jahre 2562 ihres Bestehens. Entgegen des Namens handelt es sich hierbei nicht um ein klein di­mensioniertes tropisches Eiland, wie man es beispielsweise im tropischen Ar­chipel, meiner erotisch-phantastischen Gegenwelt zum OSM, zu Tausenden vor­finden kann.

Die INSEL ist ein Vielvölker-Sternenreich, das sich am Rande der Galaxis Mysor­stos ausdehnt. Ursprünglich hätte der Verlauf der kosmischen Geschichte in Mysorstos vielleicht denselben Weg genommen wie in so vielen anderen stella­ren Regionen des Universums – als Bühne für die rivalisierenden, antagonisti­schen Sternenreiche aufstrebender Völker, vielleicht stellare Kriege eingeschlos­sen.

Denn es gab tatsächlich einiges Konfliktpotenzial in dieser Sterneninsel, das ist nicht zu leugnen. Das Volk der humanoiden Technos, das sich von seiner Hei­matwelt Technoros auszubreiten begann, war ein sehr expansives, das zugleich dazu neigte, sich in Splittergruppen aufzuspalten. Sehr leicht hätte das frühe Techno-Sternenreich zerfallen, Bruderrepubliken bilden und sich in Machtkämpfen zerfleischen können.

Dass es nicht so kam, war einer Intervention von außen zu verdanken.

Es trat eine legendäre Gestalt auf den Plan, die das verhinderte: Oki Stanwer. Er kam im Gefolge einer Gruppe machtvoller Aliens, deren Heimat die ferne Gala­xis Arc war.

Die Baumeister.

Sie erschienen zusammen mit ihren gewaltigen technologischen Bauwerken, den ZYNEEGHAREN, die die Größe ganzer Monde besitzen und gigantische Fa­brikzentren der Hochtechnologie darstellen. Und diese geballte Macht setzten Oki Stanwer und die Baumeister ein, um Positives zu wirken: die Baumeister re­volutionierten die Raumfahrttechnik und motteten die archaischen Antriebe der Technos ein. Sie entwickelten ein Netz von Portaltransmittern, das jede be­siedelte Welt vernetzte. Die Datensphären der Planeten wurden optimiert, das Gesundheitswesen perfektioniert… die Zahl der Wohltaten der Baumeister wur­de unüberschaubar.

Binnen weniger Jahrzehnte erlosch jeder zivilisatorische Groll zwischen der Mutterwelt der Technos und ihren Kolonialwelten, und die Kultur der „INSEL“, wie die Baumeister und Oki Stanwer das entstehende imperiale Gebilde zu nen­nen pflegten, dehnte sich immer mehr aus.

Das Ziel der INSEL-Gründung, das sagte Oki Stanwer, der offensichtlich unsterb­liche Regent der INSEL, bestehe darin, nach und nach alle Völker von Mysorstos in eine homogene zivilisatorische Struktur einzugemeinden und ihr Entwick­lungslevel so anzuheben, dass sie ein Leben führen könnten, das keine Entbeh­rungen mehr kennen würde. Und die Baumeister stellten all ihre Technologie sehr bereitwillig in den Dienst der INSEL.

Man schätzt, dass zeitweise bis zu dreißig Baumeister im Raum der INSEL wirk­ten, die genaue Zahl weiß niemand in der Öffentlichkeit präzise. Mutmaßlich Hunderte von ZYNEEGHAREN sind stets unterwegs oder, wie der ZYNEEGHAR 38 über der Zentralwelt der Kleinis, stationär verankert.

Dutzende von Völkern leben im dritten Jahrtausend der INSEL-Zeitrechnung un­ter dem Schutz der Baumeister und haben sich an einen zivilisatorischen Luxus gewöhnt, der für uns Normalsterbliche völlig unfassbar ist.

Transmitterportale, die Reisen über Lichtjahresdistanzen mit einem Schritt er­möglichen – kein Problem, Alltag in der INSEL.

Schwebende Gebirge, von einer Welt zur nächsten versetzt, um dort als Ur­laubsparks zu dienen? Alltag in der INSEL.

Datensphären, die die Bürger vor jedweder Gefahr zu schützen verstehen, wo und wie auch immer sie auftritt? Normal in der INSEL.

Verbrechen? Seit langem ausgerottet.

Kriege? Hat es seit Jahrtausenden nicht mehr gegeben.

Naturkatastrophen? Sofern sie nicht von den ZYNEEGHAR-Überwachungssyste­men vorausgesehen werden, sind sofort Katastrophenhilfskräfte vor Ort, um Opferzahlen zu minimieren, Verletzte zu bergen und Schäden zu begrenzen.

In der INSEL haben sich die vielen Völker, die hier leben, seit Generationen dar­an gewöhnt, dass die altruistischen Baumeister und ihre nimmermüden Künstli­chen Intelligenzen sowie die ständig erreichbaren ZYNEEGHARE alles im Griff haben. Es gibt, so sieht es wenigstens aus, keinerlei Gefahr medizinischer, zivili­satorischer oder kriegerischer Art, die der stabilen Friedensgesellschaft der IN­SEL gefährlich werden könnte.

Aber sind die Baumeister wirklich ausschließlich die Altruisten, als die sie sich geben? Es gibt daran schon gewisse Zweifel. Ihr wisst das, wenn ihr den Anna­len-Roman „Jaleenas zweites Leben“ gelesen habt.

Und ihr ahnt, dass das Imperium der INSEL nicht einfach nur aus Nächstenliebe geschaffen wurde… denn irgendwo in den Weiten des Universums gibt es einen finsteren Feind, eine unbegreifliche Entität namens TOTAM, die schon drei Zivi­lisationsgründungen der Baumeister ausgelöscht hat.

Die INSEL ist nur dem ersten Anschein nach eine reine Friedensgründung. Insge­heim arbeiten die Fabriken der Baumeister auf Hochtouren, um Kriegsschiffe zu erschaffen, Arsenale anzulegen, um gerüstet zu sein für den Krieg, der offenbar unausweichlich ist.

Gigantische Sensorsysteme lauschen hinaus in den Leerraum und in die Tiefen von Mysorstos, um den sich anschleichenden Gegner aufzuspüren und attackie­ren zu können, ehe TOTAM über die friedlichen Welten der INSEL herfallen kann.

Aber ein Gegner, den man nicht versteht, kann man nicht wirklich abwehren.

TOTAM schleicht sich auf unbegreifliche Weise ein: Friedhöfe verschwinden. Einzelne Gebäude lösen sich samt Bewohnern in Nichts auf und werden direkt auf die schwarze Welt des Bösen transferiert. Hier mutieren die Verschleppten auf entsetzliche Weise und müssen sich schließlich direkt dem Kampf mit mons­trösen Feinden stellen – der Alten Armee, die TOTAM für den Sturm auf die IN­SEL erschafft.

Und sehr, sehr viel später, da erfährt ein traumatisierter Oheetir-Totenkopf na­mens Shylviin in einer Horror-Mikrowelt, die alle vier Stunden unwiderruflich zerstört und neu erschaffen wird, dass die INSEL damals, vor Urzeiten, als TO­TAM schließlich angriff, in einem schrecklichen Feuersturm unterging, den sich weder Oki Stanwer noch die Baumeister jemals vorstellen konnten.

Dies ist ein Trauma, das die Baumeister nie wieder überwunden haben.

Aber, und das sage ich euch hier im Vertrauen, Freunde, die INSEL ist nicht nur eine paradiesische Traumwelt des schwelgerischen Luxus. Und sie ist auch nicht nur die Hintergrundkulisse für eine alptraumhafte Zerstörungsvision, mit der sie in Schutt und Asche sinkt. Es gibt Gründe, die dies zwar unabweislich machten… aber es gibt auch ferne Mächte, die wichtige kosmische Pläne verfolgten – mit der Gründung ebenso wie mit dem Untergang der INSEL.

Beizeiten kann ich mehr dazu sagen, heute kann ich nur darauf hinweisen, dass ich aktuell dabei bin, den KONFLIKT 4 in seiner Rohform zu beenden, weil ich in­zwischen weiß, wie das Finale aussehen wird. Und zweifellos werde ich später noch über die zahllosen Welten und Myriaden von Bewohnern dieses wunder­baren und prächtigen Reiches schreiben können. Partiell bin ich sogar schon da­bei, wenn ich an Geschichten wie „Rilaans Geschichte“ oder „Besuch in der Heimat“ denke.

Die INSEL bietet Raum für zahllose Geschichten und Anknüpfungspunkte für schon jetzt recht viele Fragen. Ein paar seien kurz erwähnt: Wie kann es sein, dass auf allen Welten, die Techno-Kolonisten erreichen, schon Baumeister-Por­tale stehen? Die Baumeister scheinen buchstäblich schon auf allen Welten von Mysorstos gewesen zu sein, auf denen die INSEL-Raumfahrer landen.

Wie kommt es, dass im Blitzberge-Park der Zentralwelt während Unwettern yantihnische Matrixfehler aus dem Nichts erscheinen, wie beispielsweise die kampfbereite Jaleena?

Was hat es mit den Matrixfehlern der MINEURE auf sich, die am Rande der IN­SEL auftauchen und bisweilen ganze Kolonialwelten vernichten? Sind das tat­sächlich nur „Randerscheinungen“, wie die meisten Baumeister glauben, oder handelt es sich nicht vielmehr um Angriffsversuche TOTAMS?

Und schließlich: Wie ist es möglich, dass auf dem Planeten Tushwannet eine Gruppe von Technos entsteht, die offenbar imstande ist, Ereignisse zu sehen, ehe sie eintreten?

Das alles sind Fragen, mit denen sich alsbald die Publikation des KONFLIKTS 4 des Oki Stanwer Mythos beschäftigen wird. Ich würde sagen, das ist nicht mehr sehr weit entfernt, vielleicht vier oder fünf Jahre. Doch bis dahin werdet ihr sporadisch von der INSEL in anderen publizierten Geschichten hören, da der Widerhall der grässlichen Katastrophe, in die die INSEL-Geschichte mündet, durch die Jahrmilliarden des Oki Stanwer Mythos hallt. Das hat seine Gründe, die ich heute noch nicht enthüllen kann.

Tatsache ist und bleibt jedoch, dass mich die INSEL, seit ich sie vor rund vier­zehn Jahren erstmals aufsuchte, schlagartig bezauberte und seither nicht mehr losgelassen hat. Vielleicht ergeht euch das ja genauso, ich hoffe es sehr.

Damit schließe ich für heute das aktuelle Kapitel der „legendären Schauplätze“ und verabschiede mich bis zur nächsten Woche, wo ich über meine kreativen Aktivitäten im April 2018 berichten möchte.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

gar zahlreich sind die legendären Fälle des Detektivs Sherlock Holmes aus der Baker Street in London, die sein „Eckermann“ Dr. John Watson den Lesern des „Strand Magazine“ im Laufe von Jahren berichtet. Auf diese Weise machte der „Chronist“ Dr. Arthur Conan Doyle seinen fiktiven Helden unsterblich, wie ein­gefleischte Fans seit langem wissen. Und eine Vielzahl von Epigonen trat nach Doyles Ableben in seine Fußstapfen und verfolgte Windungen und Biegungen und die unzähligen kleinen Andeutungen in Holmes´ Kanon-Geschichten, um daraus ein eigenes „verschwiegenes“ oder „vergessenes“ Holmes-Abenteuer zu generieren.

Manche dieser Fälle wurden sogar mehrfach aufgegriffen und zu unterschiedli­chen Werken literarisch verdichtet. Eine solche Begebenheit ist die um den Seg­ler „Matilda Briggs“ und den „Schrecken von Sumatra“. Ich war verdutzt, als ich auf den Roman von Jörg Kastner stieß, wie ich unten referiere, aber es handelte sich um eine ausgesprochen angenehme Überraschung. Wer also glauben soll­te, er wisse schon alles, was es mit der Matilda Briggs auf sich hatte und mit dem „Schrecken von Sumatra“, der sollte sich dieses Buch besorgen und besser noch mal nachlesen.

Ich bin der Auffassung, dass sich das lohnt.

Worauf genau lasst ihr euch ein, wenn ihr meiner Empfehlung folgt? Das stellt am besten selbst fest und lest weiter:

Sherlock Holmes und der Schrecken von Sumatra

Von Jörg Kastner

Verlag Thomas Tilsner

260 Seiten, geb. (1997)

ISBN 3-910079-40-7

Wir kennen die Grundstruktur – und zweifellos fungiert Jörg Kastner deshalb hier auch auf dem Vorsatzblatt als Herausgeber eines Berichtes von Dr. John H. Watson – , die dieses Werk als posthumes Werk von Sherlock Holmes´ langjäh­rigem Freund und Vertrauten Watson ausgibt. In Wahrheit, auch das ist für Holmsianer offensichtlich, ist es lediglich die raffinierte Camouflage des Autors selbst, der traditionell sein Licht unter den Scheffel stellt. Sei es drum, das hat schon Arthur Conan Doyle so gehalten, verweilen wir dabei also nicht.

Auf den ersten Blick überrascht es, dass es schon wieder um den Fall der „Ma­tilda Briggs“ geht, denn das ist tatsächlich so. Warum verblüfft das? Weil allge­mein bekannt sein sollte, dass dieser Fall längst in einem anderen Roman aus­führlich abgehandelt wurde.1 Dort werden die Ereignisse ins Jahr 1894 datiert, in diesem Buch vor uns befinden wir uns hingegen etwa im Jahre 1887 und noch deutlich vor der Veröffentlichung der ersten Holmes-Geschichte.2

Der Fall beginnt, als ein Monstrum in Holmes´ Wohnung stolpert und hier unter grässlichen Qualen verendet. Nur ist es kein Monstrum gewesen, sondern der französische Kriminalist François le Villard. Er kann nur noch wenig hervorsto­ßen, doch darunter ist der Name „Professor Chalonge“. Schnell wird klar, dass ein Verbrechen vorliegt und dies nur die Spitze des Eisbergs darstellt, eine zu­dem höchst gefährliche. Denn le Villard ist an einer schrecklichen Seuche ge­storben, die offensichtlich künstlich ausgelöst wurde. Professor Chalonge selbst, ein französischer Biologe, ist wie vom Erdboden verschluckt, und seine Entfüh­rer, denen Holmes und Watson bald auf den Kontinent folgen, sind ihnen stets einen Schritt voraus.

Das merken die beiden Kriminalisten, als sie versuchen, Chalonges Tochter Marie in Lyon vor der Entführung zu retten. Wieder misslingt es ihnen. Aber dank des seltsamen „Haustiers“, das die Verbrecher mitschleppen, und mit Hilfe von raffinierter hündischer Spürnase und Indizien, die der Polizei wenig sagen, dafür umso mehr Sherlock Holmes, erkennt er, dass die Spur nach Fernost führt – genauer gesagt: nach Sumatra.

Ohne Unterstützung durch amtliche Personen müssen die beiden sich hier ihrem Feind stellen, der seinerseits ein Heer williger Geister beschäftigt, die skrupellos über Leichen gehen – den Geheimbund der Tukans, die mehrmals auf raffinierte Weise versuchen, Holmes und seinen Gefährten vom Leben zum Tod zu befördern. Schließlich führt die Fährte auf die Insel Aravia, ein düsteres, dschungelbedecktes Eiland des malaiischen Archipels, voller Fallen und Tod. Hier residiert der Baron Xavier Henri Maupertuis3, der sich als Menschenfreund geriert, aber keinerlei Skrupel hat, monströse Experimente durchzuführen, die angeblich zum Besten des Menschengeschlechts dienen sollen, in Wahrheit aber Tod und Grauen im Gefolge haben. Sehr schnell finden sich die Freunde in einem erbarmungslosen Kampf mit einem nicht minder erbitterten Gegner wie­der, und alle Schicksalskarten scheinen zu Ungunsten von Holmes und Watson gemischt zu sein…

Es ist eine klassische Abenteuergeschichte, die uns Jörg Kastner hier unter dem Deckmantel der Autorenschaft von Dr. John H. Watson erzählt, und sie hat mit der Story, die Rick Boyer darbietet, in Wahrheit nur noch recht wenig zu tun. Natürlich, gegen Schluss tauchen sowohl die „Matilda Briggs“ als auch die Rie­senratte von Sumatra auf, aber ich denke, der wahre „Schrecken von Sumatra“ ist in Wirklichkeit der Baron. Er, der sich als Menschenfreund vorstellt und tat­sächlich ein Monstrum ohne Respekt und Skrupel ist, stellt die Hauptgefahr dar, flankiert von nicht minder menschenfeindlichen, kriminellen Subjekten. Wes­halb allerdings überallhin der Orang-Utan von Sumatra mitgehen muss, entzog sich, offen gestanden, meiner Kenntnis. Es hat dann Holmes die Verfolgung der Verbrecher sehr erleichtert.

Das Buch selbst, das durchzogen ist von zahllosen Verbeugungen – insbesonde­re gegenüber Herbert George Wells, der tatsächlich als Handlungsfigur auf­taucht und zahlreiche Elemente des Buches befeuert, bei denen sich Kastner munter bedient4 – und raffinierten Anspielungen, es macht insbesondere we­gen seines schönen Detailreichtums Spaß. Davon abgesehen hat es ständig ne­ckische und bisweilen recht dramatische Wendungen parat. Natürlich… die Rahmenstruktur gerät schon arg an ihre Grenzen, wenn „Watson“ aus der Di­stanz des Jahres 1923 (!) über fast 40 Jahre zurückliegende Ereignisse so akri­bisch Bericht erstattet, bis hin zu den Dialogen (!), dass man darüber eigentlich nur noch schmunzeln kann. Da ist doch der eigentliche Autor Kastner zu sehr Perfektionist, als dass er eine realistische, durch jahrzehntelange Erinnerung ge­trübte und reduzierte Fassung gutgeheißen hätte.

Das spielt aber, wenn man sich auf das Leseabenteuer einlässt, bald keine Rolle mehr. Man vergisst mehrheitlich den „allwissenden Erzähler“ Watson und fie­bert mit Holmes und seinem Kompagnon der langsamen Auflösung des Falles entgegen, leidet durch die Wechselfälle des Schicksals. Er wird tatsächlich an keiner Stelle langatmig oder langweilig, was wesentlich auf die dichte Beschrei­bung zurückzuführen ist und, natürlich, auf die zahlreichen subtilen Anspielun­gen, z. T. in „zeitgenössische“ Fußnoten verpackt. Insgesamt ist es eine Lektüre, die man sich am besten schön genüsslich einteilt… ich für meinen Teil habe ge­mächliche acht Tage dafür gebraucht.

Ausdrückliche Leseempfehlung – eine gelungene Holmes-Geschichte.

© 2017 by Uwe Lammers

Wie ihr sehen könnt, gibt es unter den vergriffenen Büchern jenseits des Ver­zeichnisses Lieferbarer Bücher (VLB) eine ganze Menge echte Perlen. Das hier ist eine davon. Ob auch die Empfehlung der kommenden Woche dazu rechnet, ist wohl Geschmacksfrage. Es geht mit Clive Cussler in den Fernen Osten.

Näheres erfahrt ihr an dieser Stelle in sieben Tagen.

Bis dann, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. Rick Boyer: „Sherlock Holmes und die Riesenratte von Sumatra“, Bastei 15601, 2006 (das Originaldatum der Publikation war allerdings 1976, womit dieser Roman ein klarer Vorläufer des vorliegenden Werkes ist). Vgl. zur Rezension des Werkes den Rezensions-Blog 74 vom 24. August 2016.

2 Dies erzeugt dann eine interessante Diskontinuität: Wie kann Holmes jenseits von Watsons Geschichten schon so bekannt sein, dass sich internationale Kriminalisten um seinen Rat bemühen? 1894 scheint darum die weitaus plausiblere Datierung für den Fall der Matilda Briggs zu sein… doch dies nur am Rande bemerkt.

3 Der Name ist eindeutig entlehnt von Pierre Louis Moreau de Maupertuis, einem französischen Mathemati­ker (1698-1759) – ebenfalls ein Mann, der seiner Zeit weit voraus war, allerdings deutlich positiver geartet als die Romangestalt.

4 Natürlich dreht „Watson“ das so, dass Wells die Inspirationen, die er aus den obigen Geschehnissen gewon­nen hat, später für seine eigenen Romane verwendet… auf diese Weise verwandelt er den Plagiierten in den Plagiator… eine Handlungsweise, die dann weniger verbeugend ist, als sie ursprünglich wohl gedacht war.

Liebe Freunde des OSM,

wenn ein Monat meines kreativen Daseins mit 53 Werken (!) abgeschlossen wird, wie das im Monat Juli 2014 der Fall war, dann sollte man davon reden, dass das ein außergewöhnlich produktiver Monat war. Das stimmt solange, wie wir von den absoluten Zahlen ausgehen. Ein Detailblick zwingt zur Differenzie­rung: in diesem Monat war ich wesentlich damit beschäftigt, alte Gedichte ab­zuschreiben und zu digitalisieren, und bekanntlich sind Gedichte per se nichts, was sonderlich lang ist. Wenn ich also die Gedichte (und Rezensionen) aus die­sem Monat herausziehe, bleibt was übrig? 16 Werke.

Nun, das ist dann doch deutlich ernüchternder, keine Frage. Dennoch, in meiner handschriftlichen Aufstellung füllen meine kreativen Tätigkeiten des Monats Juli 2014 geschlagene 5 eng beschriebene Seiten, das ist sehr beeindruckend.

Fünf der Werke des Monats entfielen auf Blogartikel, außerdem gelang es mir, zwei E-Book-Texte zu vollenden, nämlich das E-Book 18 „Gefangen auf der Dschungelwelt“ und 19 „Vanshcors Flucht“, die alsbald veröffentlicht werden sollten.

Außerdem schrieb ich weitere Episoden aus KONFLIKT 24 ab, also der Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“, werkelte am Glossar für KONFLIKT 18, „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“. Den Archipel-Roman „Rückzug in das Liebeskloster“, den ich im Juni 2010 begonnen hatte, hielt ich in diesem Monat immer noch für eine „Story“. Das ist schon lange nicht mehr der Fall, von einer Vollendung der Storyline kann freilich nach wie vor keine Rede sein… manche Projekte brauchen einfach viele Jahre, bis sie abgeschlossen werden können. Ich erwähne an dieser Stelle nur mal den OSM-Roman „Eine scharf geschliffene Waffe“, zu dessen Inhalt und Fertigstellung ich im Blogartikel 288 mehr sagen werde.

Auch bei KONFLIKT 18 grub ich mich geduldig durch die kommentierten Ab­schriften und erreichte mit Band 59 „Wenn das Schicksal ruft…“ eine atembe­raubende Stelle der Geschichte, im antiken Hattusas (bzw. Hattuscha) spielend, also in Zentralanatolien im 2. Jahrtausend vor Christus, wo Oki Stanwer und seine Freunde über die Dämonenwaffensärge und das Orakel wachen, weil sie nicht mehr in die Gegenwart zurückkehren können… und auf einmal ertönt das markerschütternde Heulen von Alarmsirenen, die vor einem nuklearen Angriff warnen – das Schädelorakel schreit und verschlingt die Helfer des Lichts. Und das war leider erst der Anfang des Alptraums…

Ebenfalls in diesem KONFLIKT angesiedelt, aber deutlich früher im Serienkon­text, handelte die bislang fragmentarische Geschichte „Spurensuche in Baby­lon“, mit der ich im August 2012 begonnen hatte.

Ich feilte außerdem an Annalen 4: „Heiligtum der Shonta“ und unternahm ei­nen ersten (erfolglosen) Versuch, ein E-Book in ein Create Space-Format umzu­formatieren, um ein Printexemplar herzustellen. Ziel des Plans war das E-Book „Die Katze, die die Sonne stahl“.

Weitere Energie floss in ein weiteres E-Book, „Die Macht der Liebe“ und in das Glossar der Serie „Oki Stanwer“. Und, einigermaßen überraschend, konnte ich dann parallel zu den ganzen E-Book-Arbeiten den Band 45 der TI-Serie been­den, „In den Dschungeln von Shaktalon“ sowie an einigen späteren Episoden der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ weiter schreiben.

Und dann war da natürlich noch eine Reihe weiterer Baustellen, an denen ich tätig war: die kommentierte Abschrift des Uralt-Quasi-OSM-Romans „Der stäh­lerne Tod“, die kommentierte Abschrift von KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Be­zwinger des Chaos“ und die Sammlung von Kurzgeschichtenversionen für die Storysammlung „Ein Passagier der R.M.S. TITANIC und andere phantastische Geschichten“… wahrlich, ich konnte mich in dem Monat über Langeweile echt nicht beklagen.

Im August ging das ziemlich genau so weiter, die Zahl der vollendeten Werke sank indes auf 34 ab, davon 16 Gedichte bzw. Rezensionen. Drei Blogartikel flankierten hier außerdem zwei Interviews, die ich gab und noch ein wenig nachfeilte. An Glossaren für die Serien „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“, „Oki Stanwer“, „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ und „Oki Stanwer und das Ter­rorimperium“ machte ich weitere Schritte, auch Storyglossare für OSM-Storyab­schriften entstanden. Für E-Book-Texte langte es dieses Mal nicht… wenigstens nicht für die Fertigstellung ebendieser.

Das heißt nicht, dass ich nicht an E-Book-Texten schrieb. Ich war dabei, mich um „Die Macht der Liebe“, „Abenteurerherz“, Annalen 4: „Heiligtum der Shonta“ sowie um das E-Book-Glossar zu kümmern.

Weitere Energie versickerte im OSM-Fragment „Der Veteran“, in dem KONFLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“, der kommentierten Abschrift der KON­FLIKTE 12 und 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“, außerdem verbrachte ich einige Zeit im stiefmütterlich behandelten KONFLIKT 21 „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“ und bei der Überarbeitung der TITANIC-Titelstory für die nächs­te Storysammlung. Ich hatte inzwischen zur Genüge erkannt, dass die alte Ge­schichte so überhaupt nicht funktionieren konnte, und durch die intensive Ver­mischung mit dem Reinkarnations-Handlungsstrang und meinen Infos zum al­ten Ägypten, Echnaton und der realen TITANIC gewann die moderne Story mas­siv an Format.

Ach ja, und dann war da natürlich auch noch „Quisiins letzter Fall“, das OSM-Hauptglossar, KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“, meine Tätig­keit als Chefredakteur für das Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA)… wer immer glaubt, hier würde Mangel an Baustellen herrschen, der hat sich voll­ständig geschnitten. Ich wünsche mir sehr häufig, dass ich manches davon end­lich mal abschließen kann.

Ja, mag man sich an dieser Stelle vielleicht stirnrunzelnd fragen, das hast du schon so oft erwähnt – aber warum TUST du das dann nicht? Warum fokus­sierst du nicht deine Energie darauf, EIN Projekt (oder mehrere nacheinander) konsequent abzuschließen, sondern machst stattdessen immer „neue Fässer“ auf?

Die Antwort darauf ist ein wenig strange, aber das ist die geradlinigste, die ich gegenwärtig angeben kann: Es gibt zwei Pole in mir, die widerstreiten. Das eine ist das, was ich eben sagte – der Wunsch, Baustellen abzuschließen, Storylines zu beenden und die Geschichten ruhen zu lassen. Das ist ein hehrer Wunsch, der sich in realiter fast nicht umsetzen lässt (ich komme gleich zu dem Warum).

Der andere Pol ist jener, den ich mal einfach den „familiären“ nennen möchte, und er ist wohl der, der sich schwerer nachvollziehen lässt von Lesern, die der Auffassung sind, dass die Protagonisten, von denen ich berichte, doch recht ei­gentlich fiktiv sind, nur Buchstaben auf dem Papier bzw. digitale Einheiten in ei­nem Computertext. Die Welten, die ich besuche, beschreibe und von denen ich schwärme, sind solche, die es ja wohl in Wahrheit gar nicht gibt… und so weiter. Das ist die Sicht von außen.

Die Sicht von innen sieht völlig anders aus. Wenn ich in die Geschichten hinein­gesogen werde, und das ist zumeist der Fall, dann bin ich IN diesen Geschich­ten, die Leute dort gewinnen eine Realität, die man als Nicht-Autor nur schwer nachvollziehen kann. Sie sind, im Guten wie im Schlechten, vertraute Personen, oftmals wirklich lieb gewonnene Freunde. Und während ich die Geschichten schreibe, weiß ich natürlich, dass das, was ich formuliere, nur ein Teilaspekt ihres Lebens ist. Da gibt es noch soviel mehr zu erzählen, viele Dinge, die buch­stäblich hinter der nächsten Ecke der Geschichte liegen.

Was bedeutet das? Dass jede Geschichte einen Halo besitzt, einen Halo von un­realisierten Möglichkeiten. Wenn man sich als Autor auf eine davon festlegt, vermag man zweifellos die Geschichte rund zu erzählen. Aber das sind dann jene Autoren, die ihre Geschichten stringent durchplanen und genau wissen, was passieren wird.

Ich sagte schon verschiedentlich, dass ich so nicht arbeite.

Ich bin ein intuitiver Schriftsteller, ich folge wie ein Spurensucher und Fährten­leser den Pfaden der Story, und meine Protagonisten lenken mich nicht selten auf Wege, von deren schierer Existenz ich überhaupt keine Ahnung hatte. Und diese Pfade führen zu Entscheidungsbäumen, die ich auch nicht kannte. Des­halb verästeln sich manche Serien im OSM in bizarrer Weise, deshalb blühen fraktalgleich immer wieder neue Storyideen auf, die Schlaglichter hierhin und dorthin werfen.

Kurzum: ich zögere immer wieder, Welten zu verlassen, weil ich das dumme, bohrende Gefühl habe, dass ich wichtige Dinge übersehen habe. Pfade nicht verfolgen konnte, die doch zweifelsohne faszinierende Geschichtensettings ber­gen können. Es fällt mir schwer, Abschied von Protagonisten, Welten, Völkern und Geschichten zu nehmen. Oder, um es mit Doctor Who zu sagen: „Ich hasse es, wenn etwas endet.“

Macht mich das zu einem schlechten Schriftsteller? Ich weiß es nicht. Macht es mich zu einem sentimentalen, romantisierenden, unprofessionellen Schrat? Möglicherweise. Kümmert mich das? Eher selten… aber ihr seht, die Konse­quenz besteht dann darin, dass mir die schiere Zahl an Möglichkeiten und Ideen schlicht über den Kopf wächst. Das ist einerseits toll, andererseits zum Haare- raufen (bis irgendwann keine mehr da sind, vielleicht poliere ich anschließend vor Verzweiflung die Tonsur, keine Ahnung…!).

Nein, natürlich SCHLIESSE ich Geschichten ab, selbstverständlich. Und ich bin auch zuversichtlich, dass ich in dem Moment, da alle alten OSM-Episoden digi­talisiert sind, wieder mehr Energie in neue bzw. bis dahin fragmentarische Ge­schichten fließen lassen kann. Aber der OSM ist eben auch verdammt ausge­dehnt, und es gibt noch Hunderte Episoden, die allein in handschriftlicher bzw. maschinenschriftlicher Form vorliegen (schweigen wir mal von all den Non-OSM-Werken, von denen es ebenfalls Aberhunderte gibt).

Der Spagat zwischen dem Wunsch, Geschichten endlich abschließen zu wollen und sie auf der anderen Seite noch so lange unentschlossen unvollendet zu be­lassen, bis ich ihre Tiefe gescheit und vollständig ausgelotet habe, wird also bis auf weiteres bestehen bleiben.

Nein, es ist nicht einfach, Autor des Oki Stanwer Mythos oder Uwe Lammers zu sein, wahrhaftig nicht. Seid froh, Freunde, dass ihr nicht in meiner Haut steckt. Die meisten von euch hätten sicherlich längst kapituliert (lach).

Für heute möchte ich mit diesen Worten schließen. In der kommenden Woche entführe ich euch wieder zu einem legendären Schauplatz, den ihr in meinen E-Books in Auszügen schon kennen lernen konntet – die INSEL in der Galaxis Mysorstos. Freut euch drauf!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 172: Der goldene Ring (2)

Posted Juli 10th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Zeitreisen und Erstkontakte sind zwei massive Themen der Science Fiction, und in diesem Zyklus treffen sie massiv aufeinander, kombiniert mit einem weiteren zentralen SF-Thema, dem der Entfesselung parapsychischer Fähigkeiten und was sie mit einer Gesellschaft machen, in der dergleichen zur Normalität ge­hört. Es ist wirklich höchst bedauerlich, das ist wiederholt zu konstatieren, dass der Pliozän-Zyklus von Julian May, dessen zweiter Band hier heute vorgestellt wird, schon seit langem aus dem Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) ver­schwunden ist und man ihn allenfalls noch zu horrenden Preisen antiquarisch erhalten kann.

Vielleicht noch bedauerlicher, das wird während des vierten Bandes unüberseh­bar werden, ist es außerdem, dass die so genannte „Milieu-Trilogie“, die die Au­torin ebenfalls schrieb, nie ins Deutsche übersetzt worden ist. Mutmaßlich lag das am Tod der Übersetzerin, vielleicht führten auch ernüchternde Verkaufszah­len dieses anspruchsvollen Vierteilers dazu, ich habe da keinen Einblick. Für die Gegenwart, die sich durch zahlreiche marktschreierisch popularisierte SF-Stan­dardkost auszeichnet, die im Vergleich zu diesen Büchern doch meist eher blass und uninspiriert wirkt, wäre zu wünschen, dass sich ein Verlag mal dieser Wer­ke in einer vollständigen (also siebenbändigen) Gesamtausgabe starkmacht.

Folgen wir heute also den ins Pliozän exilierten Angehörigen der „Gruppe Grün“ aus dem ersten Band, die mit ihrer Ankunft so etwas wie einen Sprengsatz sozialer Art zünden und ein Machtbeben in der Erdvergangenheit auslösen. Ein wenig fühlte ich mich dabei übrigens an die Ränkespiele erinnert, die wir heut­zutage in „Game of Thrones“ vorfinden… allerdings mit partiell sympathische­ren Charakteren.

Neugierig geworden? Gut so. Dann gehen wir mal einen entscheidenden Schritt weiter:

Der goldene Ring

(OT: The Golden Torc)

von Julian May

Heyne 4301

496 Seiten, 1986

Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck

Wer sich in der Gegenwart des von zahlreichen außerirdischen Rassen domi­nierten galaktischen „Milieu“ nicht zurechtfand, besaß die Möglichkeit, dieser Welt ein für allemal den Rücken zu kehren: durch das Zeitportal der Madame Guderian, das sich in den französischen Alpen befand und in die Welt des irdi­schen Pliozän, 6 Millionen Jahre vor der Gegenwart, zurückführte. Es handelte sich um eine Einbahnstraße und, wie alle hofften, um ein Tor in eine bessere Welt.

Die acht Angehörigen der so genannten „Gruppe Grün“ mussten nach ihrer An­kunft im so genannten „vielfarbenen Land“ jedoch rasch erkennen, dass diese naive Einschätzung katastrophal falsch war – das Pliozän befand sich vielmehr unter der Kontrolle einer außerirdischen Rasse von Psionikern, die ihre latenten Fähigkeiten mittels technischer Hilfsmittel (Ringe) zur vollen Operanz entwickelt hatten. Die meisten Menschen, die hier ankamen, hatten diesen Wesen, den Tanu, nichts entgegenzusetzen und wurden mehr oder weniger in die Sklaverei gezwungen.

Doch dies war eine seltsame Art der Sklaverei: viele Menschen fanden sich mit den Nachteilen dieser Welt ab, um dadurch eine Vielfalt von Vorteilen zu ge­winnen. Nicht selten erlangten sie unter den Tanu Macht und Einfluss, gewöhn­ten sich an die Ringe, die zu einem guten Teil eigene latente Parafähigkeiten verstärkten und sie zu Leistungen befähigten, die sie im Milieu niemals hätten erreichen können.

Doch die Gruppe Grün erwies sich schon bei der Ankunft als völlig atypisch. Und es zeigte sich bald, dass die Angehörigen dieser Gruppe das Potential hat­ten, die Gesellschaft des vielfarbenen Landes aus den Angeln zu heben. Wäh­rend der gescheiterte Raumfahrer Richard Voorhees fast wahnsinnig wurde, die Nonne Amerie Roccaro in Resignation versank und der titanische „Wikinger“ Stein Oleson sich in einen Berserker verwandelte, der mittels eines grauen Rings gezähmt werden musste, erhielt die durch einen Unfall blockierte Metap­sionikerin Elizabeth Orme ihre vollen Fähigkeiten wieder. Der Soziologe Bryan Grenfell sollte ebenso wie Elizabeth eine wichtige Rolle in den Plänen der Tanu spielen. Der jugendliche und unverbesserliche Verbrecher Aiken Drum hingegen zeigte durch die Transmission erwachende, starke psionische Fähigkeiten und wurde ebenfalls flussabwärts zum Mittelmeer gebracht, zu der dort liegenden Hauptstadt der Tanu, Muriah. Der Paläontologe Claude Majewski besaß keinerlei mentale Fähigkeiten, ebenso schien es mit der psychotisch wirkenden jungen Kunstkriegerin Felice Landry, in deren verführerischem – und absolut männerverachtenden – Körper in Wahrheit monströse Psi-Fähigkeiten lauerten.

Während vier von der Gruppe nach Süden aufbrachen (Elizabeth, Aiken, Bryan und Stein), entwichen die anderen vier, die als normale menschliche Sklaven nach Norden deportiert werden sollten, töteten vermittels einer Eisenwaffe eine Tanu-Lady, womit sie erkannten, dass Eisen für Tanu letal wirkte. In der Fol­ge konnten sich Felice und ihre kleine Gruppe mit unbezwingbarer Energie zu den menschlichen Rebellen durchschlagen, die von der ebenfalls ins Pliozän-Exil gegangenen Madame Angelique Guderian angeführt wurden.

Sie war längst völlig verbittert und machte sich schlimmste Schuldvorwürfe, dass sie die Menschen hier in die Sklaverei der Tanu geführt hatte. Und sie ar­beitete wie besessen an einem Mehrstufenplan, um die Menschheit wieder zu befreien. Der Plan sah vor, zunächst das Bergwerk in der Stadt Finiah zu zerstö­ren, aus dem seltene Erden für die Produktion der Ringe geschöpft wurden. In einem zweiten Schritt wollte die alte Französin das Zeitportal schließen, um den Zustrom von immer neuen hilflosen Menschen zu unterbinden und so die auf der Ausbeutung von Menschenkraft basierende Tanu-Zivilisation ins Wanken zu bringen. Ein dritter Angriff sollte die Ringfabrik in Muriah vernichten.

Doch erst als die vier Flüchtlinge der Gruppe Grün auftauchten, wurde es mög­lich, solche Pläne umzusetzen: sie hatten mit dem Eisen die ultimate Waffe ge­gen die Tanu gefunden (und übrigens auch gegen die zwei mit den Tanu verfein­deten, gestaltwandelnden Geschwisterrassen der Firvulag und Heuler, die zeit­weise mit den menschlichen Untergrundkämpfern zusammenarbeiteten), au­ßerdem konnte Claude Majewski das legendäre „Schiffsgrab“ lokalisieren, jenen Krater, der entstanden war, als das Tanu-Galaxienschiff auf der Erde aufschlug. Dort, so ging die Legende, hatten ein Tanu- und ein Firvulag-Champion rituell gegeneinander gekämpft, und dort war der „Speer“ zur Ruhe gebettet worden. Dieses Gebilde war eine Photonenwaffe mit tödlicher Durchschlagskraft.

Madame Guderian gelang es, die Firvulag dazu zu überreden, einen Angriff auf Finiah zu unternehmen, während eine menschliche Expedition den „Speer“ und eines der Tanu-Beiboote bergen sollte, um einen Luftangriff auf die Tanu-Stadt zu unternehmen.

Dieser Angriff, der kurz vor dem rituellen Waffenstillstand der Tanu und Firvulag stattfand, hatte Erfolg, erwies sich aber als äußerst blutig. Richard Voorhees verlor seine Geliebte und beinahe den Verstand, Madame Guderian wurde ver­letzt, Finiah fiel, Tausende von Menschen kamen ums Leben oder wurden vom Ring befreit. Die Mine versank in einem Vulkanausbruch und wurde so versie­gelt.

Dies war der Stand am Ende des ersten Bandes. Die erste Stufe des Planes von Madame Guderian hatte Erfolg gehabt, nun galt es, die beiden nächsten in An­griff zu nehmen.

Die anderen vier Mitglieder der Gruppe Grün reisen die Rhone talabwärts und erreichen nach wenigen Tagen die glänzende Hauptstadt Muriah. Hier wird Stein Oleson als Krieger ausgesucht, der bei dem Großen Wettstreit, der direkt nach dem Monat des Waffenstillstandes auf der Silberebene bei der Stadt zwi­schen Tanu und Firvulag von Jahr zu Jahr blutig ausgetragen wird, als Sklave für die Tanu kämpfen solle. Er hat sich inzwischen aber in die Silberringträgerin Sukey, eine Menschenfrau, verliebt und mit ihr ein Kind gezeugt. Dies ist ein de­finitiver Frevel, denn die Tanu-Ärzte machen den Eingriff der Gegenwartsmedi­ziner rückgängig, der die in die Vergangenheit gehenden Frauen davor bewah­ren sollte, als Gebärmaschinen missbraucht zu werden.

Auf diese Weise bringen die Außerirdischen die menschlichen Frauen dazu, zu­nächst mit dem Tanu-König Thagdal Sex zu haben und danach ausschließlich Ta­nu-Kinder zu gebären. Die so entstandenen Mischlingskinder verfügen nicht sel­ten über latente Paragaben, die durch ihre silbernen oder goldenen Ringe (die höchste Stufe) operant werden. Manche Menschen oder Mischlinge steigen so­gar in die Hierarchie der Tanu selbst auf.

Elizabeth hingegen soll nach den Plänen hochrangiger Tanu, insbesondere der geheimnisvollen Schiffsgattin Brede, die das Schicksal der Tanu-Rasse voraus­sieht, sich mit König Thagdal paaren, um eine neue Generation von Superpsio­nikern zu begründen. Denn der Wahn der Tanu führt dahin, dass sie sich danach sehnen, voll operant zu werden, um ohne die Ringe jene Dinge zu vollbringen, die sie nun nur mit deren Hilfe schaffen können.

Doch Elizabeth hat ihre eigenen Pläne.

Brede Schiffsgattin hat ihre eigenen Pläne.

Außerdem gibt es noch die Fraktion um den Tanu Nodonn, der die Menschen und Mischlinge als gefährlich ansieht und am liebsten all ihren Einfluss aus­schalten würde. Pikanterweise ist seine Lebensgefährtin eine Menschenfrau: niemand geringeres als Mercedes Lamballe, die von dem Soziologen Bryan Grenfell angeschmachtete und heftigst geliebte Frau, deretwegen er in das Plio­zän-Exil gegangen ist. Mercedes, inzwischen als Lady Mercy-Rosmar in die Klas­se der Psioniker aufgestiegen, sieht ihn jedoch nur als Lustspielzeug an, sie ist vollständig verwandelt. Schließlich soll Bryan im Auftrag des Königs eine sozio­logische Analyse schaffen, um Nodonns Befürchtungen ein für allemal zu wider­legen, dass der Tanu-Gesellschaft von den Menschen aus der Zukunft Gefahr droht.

Aiken Drum erweist sich entgegen den Voraussagen keineswegs als „mentale Nova“, die schnell verglüht, sondern seine Parakräfte sind so stark, dass sie so­gar den goldenen Ring, den er erhält, ausbrennen. Er wird unter die Fittiche der alten Mayvar Königsmacherin genommen, die ihre eigenen Pläne mit ihm hat. Und Aiken Drum, sexbesessen und intrigant, spielt nur zu bereitwillig in diesen verwirrenden Machtspielen der Tanu mit, um sich während des Großen Wett­streites in die vorderste Reihe der Macht zu katapultieren.

Im Norden hat derweil die besessene Felice Landry in den Ruinen von Finiah ebenfalls einen goldenen Ring gefunden, der ihre zwar vorhandenen, verborge­nen Parafähigkeiten freilegt, sie aber auch schärft und immer stärker einsetzbar macht. Ihre Kräfte wachsen beständig, und mit dem wilden, hasserfüllten Wunsch, die Außerirdischen allesamt auszurotten für das, was sie der Mensch­heit angetan haben, schließt sie sich der Expedition in den Süden an, der die Ringfabrik zerstören soll. Sie haben nur allesamt ein Problem dabei: der „Speer“, den sie in Finiah noch einsetzen konnten, ist funktionslos geworden. Und der einzige Feinmechaniker, dem sie trauen können, ihn wieder instand zu setzen, ist in Muriah: niemand Geringeres als Aiken Drum…

Mit dem zweiten Band des Zyklus vom Vielfarbenen Land setzt Julian May die konsequente Linie ihres Beginns fort. Viele farbige Charaktere und starke emotionale Notlagen vertiefen die Leseerlebnisse des Betrachters, er lernt die kleine, aber unwahrscheinlich kostbare Stadt Muriah kennen, die Gilden der Tanu, die sehr menschlichen Ränkespiele gegeneinander und die hochkomple­xen Verwandtschaftsverhältnisse, die schon manchmal gehörig durcheinander bringen (ein Stammbaum wäre hier ganz gut gewesen, doch wenn man daran denkt, dass alleine Thagdal über zehntausend (!!!) Kinder mit menschlichen Frauen und Tanu-Frauen gezeugt hat, kann man sich die Unübersichtlichkeit vorstellen, die dann herrschen würde). Geschickt arbeitet sie die Psychodyna­mik der einzelnen Personen heraus, entwickelt neue Züge an ihnen und gibt dem Geflecht der Beziehungen damit neue, unerwartete Richtungen und Stöße.

Selbst für mich, der ich diese Romane vor knapp fünfzehn Jahren schon einmal las (ohne damals freilich eine Rezension anzufertigen), sind viele Wendungen einfach verblüffend, weil ich sie vollkommen vergessen habe. Und mir fiel beim Lesen insbesondere dieses Bandes auf, wie intensiv die gestaltwandelnden Fir­vulag beschrieben wurden. Dass etwa ein Jahr später in der 12. OSM-Ebene „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ das gestaltwandelnde Volk der Berinnyer auftauchte und sehr zentrale Bedeutung gewann, muss man wohl vor diesem Hintergrund sehen. Es war mir aber nicht mehr bewusst, bis ich dieses Buch er­neut las.

In jedem Fall wird, wer den ersten Band mit Gewinn las, diesen hier nicht ent­täuscht aus der Hand legen und im Gegenteil dem dritten Teil entgegenfiebern, das den Titel „Kein König von Geburt“ trägt.

© 2001 by Uwe Lammers

Ihr merkt schon, wie rasant die Handlung Fahrt aufnimmt, nicht wahr? Aber ich versichere euch, das ist noch gar nichts gegen die nächsten beiden Bände, zu denen ich in Bälde kommen werde. Da wird sich erst das wahre Potenzial von Aiken Drum und Felice Landry zeigen, auf eine ungeheuerliche Weise.

In der nächsten Woche lassen wir es dagegen dann lieber wieder etwas ruhiger angehen und kümmern uns um einen der seltenen Auslandsaufenthalte des le­gendären Detektivs aus der Baker Street.

Sherlock Holmes is back? Aber ja doch. Und wie. Genaueres lest ihr in einer Woche an dieser Stelle – bloß nicht versäumen, Freunde!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 279: Logbuch des Autors 25 – Ordnerrausch

Posted Juli 7th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vor elf Wochen erzählte ich in dem letzten Beitrag dieser Rubrik etwas von mei­nem „Bücherrausch“. Heute möchte ich gewissermaßen noch einen drauf set­zen und von meinem nächsten heimischen „Exzess“ ordnungsstruktureller Art berichten. Auch das ist nicht selbstverständlich und für manchen von euch ver­mutlich fern wie der Mond.

Wenn ich über meine Bücherberge schrieb, konnte ich noch gewiss sein, dass viele meiner Leser dies anhand eigener Büchersammlungen gut nachvollziehen konnten. Aber ein wenig möchte ich anzweifeln, dass ihr ein analoges Ordner­problem habt, wie sich das bei mir seit Jahren in immer stärkerer Weise ab­zeichnet. Glücklicherweise gibt es dafür Lösungen.

Meine Lösung hieß… Aldi.

Ohne Witz, Freunde, Aldi. Genau der bundesweit vertretene, in eine Nord- und Süd-Fraktion aufgeteilte Lebensmittel-Discounter, der nicht nur Nahrungsmittel im Angebot hat. Neulich fand ich dort – neben Ordnern, bei denen ich traditio­nell gern zugreife – etwas eher Ungewohntes: Archivkartons. Und dies zu einem durchaus akzeptablen Preis. Das brachte mich sehr schnell zum Nachdenken und, eingedenk der Tatsache, dass solche Angebote schnell wieder verschwun­den sind, zum Zugreifen.

Warum genau tat ich das?

Nun, um das nachzuvollziehen, sollte ich ein wenig über meine heimischen Ord­nerbestände erzählen. Im Grunde genommen gibt es vier große Abschnitte in meinem Ordnerbestand, die hier mal kurz summiert werden sollen:

A) OSM-Ordner

B) Archipel-Ordner

C) Briefordner

D) Sonstige Ordner

Im Laufe von insgesamt annähernd 40 Jahren (der älteste stammt aus dem Jahr 1979) haben sich hier sehr viele Ordner akkumuliert, und es ist traditionell so, dass es ein stetig wachsender Bestand ist. Im Gegensatz zu meiner Bibliothek, wo verschiedentlich Bücher aussortiert und weggegeben oder verschenkt wer­den (im Laufe der letzten zehn Jahre über tausend Bücher), ist dies ein Bereich meines Lebens, der konsequent wächst.

Jedes Jahr kommen traditionell Storyordner hinzu, es wachsen meine Brieford­nerberge und neuerdings – seit 2013 – natürlich auch Ordner für E-Books und die Blogartikel. Während die OSM- und Archipel-Ordnerfraktion eher sehr mo­derat wächst, sieht das bei den Briefen völlig anders aus. In frühen Jahren, wo meine Briefe noch kurz und knackig waren und Mails keine Rolle spielten, war zum einen die Anzahl an Briefkontakten überschaubar, zum anderen wuchs die schiere Zahl an Briefen und Karten nicht ins Unüberschaubare. Da war es schon überraschend, wenn ein Jahr drei oder sogar vier Ordner erforderte.

Heutzutage, im Mailzeitalter, sind acht Ordner pro Jahr absolut normal, meis­tens sind es zehn oder mehr. Und da meine Wohnung nun mal nicht die TARDIS ist und somit innen größer als außen mit unbegrenztem Stauraum (da kann ich definitiv auf den Doktor neidisch sein, von seinem Zeitmanagement mal ganz zu schweigen – Zeitmaschine!!!!), geriet ich schon vor Jahren an gewisse Grenzen.

Regalplatz, zumal solcher, wo ich Ordner einstellen kann, ist einfach rar, und je mehr die Buchbestände sich ausdehnten, desto weniger Raum blieb mir. Schon 2014 war es so, dass ich sie auf dem Fußboden aufstellen musste, eine bestän­dige Fußfalle.

Es kamen die Jahre 2015 und besonders 2016 und 2017 mit ihrem unfasslichen Mail- und sonstigen Korrespondenzaufkommen (2016: rund 3.500 Positionen, 2017: rund 3.400 Positionen). Meist kurze Schreiben, keine Frage. Aber schlicht viele! Wo also unterbringen?

Und dann tauchten im Januar 2018 diese Archivkartons auf.

Ihr ahnt, was in meinem Kopf vorging, nicht wahr? Ja, ja, ratter, ratter… genau.

Endlich mal die Chance, hier die ganz alten Briefordner gescheit und platzspa­rend zu verstauen und die anderen, die in drei Zimmern der Wohnung verstreut aufgestellt waren, mehr schlecht als recht, gescheit zu ordnen und neu aufzustellen.

Gesagt, getan.

In einem ersten Arbeitsschritt begann ich, sechs Kartons zu kaufen, testweise, und sie dann mit Ordnern zu befüllen. Gleichzeitig beschriftete ich sie natürlich gleich konsequent mit Laufzeit und ggf. Sonderinhalten… Sonderinhalte? Nun, da waren etwa die zweijährlich geführten Briefstatistiken und Adresslisten. Da gab es Reiseberichte von Brieffreunden, etwa meiner alten Brieffreundin Marty aus Bayern, die ausführlich über ihre Reise nach Japan berichtet hatte, von an­derer Seite gab es einen schönen Reisebericht aus Barcelona. Ich konnte Pro­jektberichte aus meiner Arbeit als Historiker einfügen und kleine Fotoalben aus den 80er Jahren.

Tja, 30 Ordner, das war schon ein schöner Anfang, fand ich… und kaufte am nächsten Tag noch einmal sechs Kartons nach, um damit gleich weiter fortzu­fahren.

Diesmal kam ich bis zum Jahr 2003, diese Korrespondenz ist nun brav in insge­samt 12 Archivkartons verstaut, und ich hatte mir damit ein halbes Regal freige­schaufelt.

Sehr gut. Jetzt kann ich endlich die Storyordner ab 2013 systematisch da ab­stellen, wo sie hingehören“, murmelte ich, ging ins Wäschezimmer und holte sie mir von dort, wo ich sie – Platzmangel – aus Verlegenheitsgründen aufgestellt hatte.

Immer noch viel Platz im Regal.

Ich sollte direkt im Anschluss an die Storyordner die Fragmentordner aufstel­len“, sinnierte ich weiter.

Die nächste Umschichtung: drei blaue allgemeine Fragmentordner wanderten in dieses Regal. Dann fünf knallrote Archipel-Fragmentordner. Dann ein halbes Dutzend graue OSM-Fragmentordner.

Eigentlich gehören doch die angefangenen Romanskripte hier auch hin…“, ging es mir durch den Kopf. Und so fanden „Odyssee in Arc“, „Eine scharf geschliffe­ne Waffe“ und „Aktion TOTAMS Ende“ ebenfalls ihren Platz hier. Das ist zwei­fellos noch nicht das letzte Wort.

In die unterste Reihe des frei gewordenen Regals begann ich dann die Ordner aus dem nächsten Korrespondenz-Regal einzugliedern. Als ich hier zu den Ord­nern des Jahres 2007 kam, fiel mir etwas auf, dessen katastrophale Ausmaße mir bislang unklar gewesen waren: ich hatte ein ernstes Zerfallsproblem. Das sah folgendermaßen aus:

Mein Bibliothekszimmer liegt nach Westen raus im dritten Stock, man kann sich also die Hitze vorstellen, die an heißen Sommertagen sich trotz offener Fenster dort staut. Was ich vor etwa anderthalb Jahren mit einigem Unglauben ent­deckte, war, dass Ordner mit Folienrücktaschen im Gegensatz zu solchen mit reinen Aufklebeetiketten stark wärmeempfindlich sind. Mit der Konsequenz, dass die Folientaschen einfach erst spröde werden und dann unter Fingerdruck munter zerbröseln.

Ich musste aufgrund dieser Tatsache schon eine Reihe von Ordnern verschrot­ten und austauschen. Nun entdeckte ich, dass die 2007er-Korrespondenzordner auf ähnliche Weise demoliert waren. Aber hier war die Hitze von zwei Seiten her gekommen (das Regal ist nach hinten offen).

Ich zog einen Ordner heraus und hörte es knistern und knirschen.

Unschön.

Ich schlug ihn auf und entdeckte einigermaßen fassungslos, dass das Kunststoff-Register an der rechten Seite, wo die Buchstabenzähne stehen, komplett zer­bröselte.

Das kann doch wohl nicht wahr sein!“, murmelte ich frustriert.

Dann strich ich über die Ränder der Klarsichthüllen, die ich für Schriftstücke je­nes Jahres verwendete, bei deren Mailausdrucken ein zu schmaler linker Rand verblieben war. Beim normalen Lochen wären dort Buchstaben der Lochung zum Opfer gefallen.

Nun, ich strich über die Ränder der Klarsichthüllen und hörte es knistern und bröseln.

Nein, das glaube ich jetzt einfach nicht!“

Es war Tatsache: auch der dem Sonnenlicht ausgesetzte rechte Rand der Klar­sichthüllen war fast durch die Bank zerbröselt. Diese Klarsichthüllen konnte ich vergessen, die konnte man nur noch wegwerfen.

Ich seufzte, zog den Ordner mit mir und widmete mich in der Küche eine knap­pe halbe Stunde dem munteren wie stumpfsinnigen Umbetten. Glücklicherweise hatte ich noch ein papiernes vollständiges Register da. So werde ich also die ins­gesamt 8 Ordner morgen entsprechend nachbearbeiten müssen, ehe ich ans Weiterrücken des Bestandes denke. Und erst dann kann ich ermessen, wie viel Raum ich durch die Verpackungsaktion, die ich mit „Ordnerrausch“ ironisch be­zeichnet habe, gewinnen konnte.

Der ersten Zählung von eben nach zu urteilen habe ich zumindest im Bereich der Briefordner Raum für 22 weitere Ordner geschaffen, aber an vielen anderen Stellen meines verstreuten Aktenordnerbestandes sind nun natürlich ebenfalls Lücken entstanden, die ich adäquat auffüllen kann. Schaut gut aus, muss ich sa­gen. Und da wird mir schon einiges einfallen zur Schließung dieser Lücken.

Gleichwohl… der „Ordnerrausch“ dauert noch ein Weilchen an und macht di­verse Nacharbeiten erforderlich.

Was für Nacharbeiten meine ich?

Nun, als ich etwa in den Bereich der Jahre 2006 und 2007 vorstieß, stellte ich fest, dass die Ordnerrückenbeschriftung fast komplett ausgeblichen war (Son­neneinstrahlung). Die war also nachzuziehen. Von den zerbröselten Klarsicht­hüllen und Kunststoff-Registern sprach ich schon.

Ferner galt es, gewisse Lücken auszufüllen, da manche Regalfächer nicht voll­ständig mit Ordnern voll gestellt werden können. Da sortierte ich dann gelesene Sonderhefte von NATIONAL GEOGRAPHIC ein, Bücher über die TITANIC und ähnliches (und fand einen über orientalische Wohnkunst, von dem ich ausging, ich hätte ihn längst gelesen… falsch geschätzt: er stand seit 2001 ungelesen im Regal und musste nun natürlich in den Buchbestand übernommen werden).

Solche Dinge halt.

Ich stolperte über Schriftstücke, die ich in Zeitnot einfach nicht eingeheftet, sondern auf die Ordner gelegt hatte. Darum werde ich mich in den nächsten Ta­gen kümmern, um da etwas mehr Ordnung hineinzubringen.

Und vorsorglich plane ich, morgen noch einen Schub Archivkartons zu kaufen. Denn ich sagte ja: dieses Angebot ist ein saisonales, das kann in einer Woche schon verschwunden sein, wer weiß, wann es wiederkehrt? Die Ordnerbestän­de nehmen aber konsequent von Jahr zu Jahr zu. Habe schon einen Briefordner für 2018 angelegt, der noch viel Raum bietet. Aber es wird nicht der einzige bleiben. Und für die 2017er-Briefe und deren Mails brauche ich zweifelsohne noch einen Ordner 6 und 7, allein für die Korrespondenz, die schon abgearbei­tet ist und jetzt auf einem Stapel in einer Zwischenablage gelagert wird.

Ihr merkt: langweilig wird das hier nicht in einem Literatenhaushalt und bei je­mandem, der das Schreiben mit Leidenschaft praktiziert. So bin ich eben einfach.

Der Vorteil eines solchen „Ordnungsrausches“, wie ich das mal nennen möchte, liegt aber im Umkehrschluss auf der Hand: in relativer Ordnung und Übersicht­lichkeit lässt es sich einfach besser arbeiten. Ich werde also, wenn diese Ord­nungsaufgabe erst mal abgeschlossen ist, umso konzentrierter an meinen krea­tiven Projekten arbeiten können, etwa dem nächsten E-Book.

Und damit schließe ich für den Moment und freue mich darauf, euch in einer Woche hier wieder als Leser begrüßen zu dürfen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 171: Todesfracht

Posted Juli 4th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

neue Besen kehren gut, sagt das Sprichwort, und daran ist oftmals etwas Wah­res. Bei Büchern, neuen Autoren und besonders Übersetzern ist jedoch nicht selten Skepsis geboten. Ohne damit neuen Autoren in seriellen Romanzusam­menhängen oder frischen, meist jüngeren Übersetzern grundsätzlich die Quali­fikation absprechen zu wollen, ist doch zu konstatieren, dass es hier bisweilen zu Gewöhnungsproblemen kommen kann. Ich thematisiere das auch aus gege­benem Grund in der unten wiedergegebenen Rezension des heutigen Tages.

Damals, 2012, als ich diese Zeilen verfasste, war ich tatsächlich noch im Unkla­ren, ob sich Michael Kubiak als neuer Übersetzer für die OREGON-Abenteuer von Clive Cussler bewähren würde, und dasselbe galt für den mir damals unbe­kannten Jack du Brul, den ich längst wertzuschätzen gelernt habe.

Ich hatte also ein gewisses Wagnis vor mir, ein Leseabenteuer mit unklarem Ausgang. Aber ich bereue es nicht, dieses Wagnis auf mich genommen zu ha­ben, und es ist wirklich jedem Neugierigen zu empfehlen, der sich in den ersten beiden Romanen um die OREGON und die „Corporation“ schon warm gelesen hat. Das Buch des heutigen Tages, du Bruls Feuertaufe im Umfeld von Clive Cussler, kann sich sehr sehen lassen und ist ein wirklich rasantes, auch politisch hochbrisantes Abenteuer. Leider hat sich an der Aktualität des Syrien-Bezugs in den vergangenen sechs Jahren nichts geändert, das ist wirklich zu betrüblich.

Wer wissen möchte, was um alles in der Welt die OREGON-Crew jetzt mit Syri­en zu tun hat, und warum der Roman dennoch in Nordkorea beginnt (pikanter­weise heutzutage auch nicht völlig ohne aktuellen Tagesbezug), der lese weiter:

Todesfracht

(OT: Dark Watch)

Von Clive Cussler & Jack du Brul

Blanvalet 36857

412 Seiten, TB, 2008

Aus dem Amerikanischen von Michael Kubiak

ISBN 978-3-442-36857-0

Die Welt steckt voll von Schurken, und ohne solche Schurkenstaaten könnte die Welt der Actionromane vermutlich nicht funktionieren. Manchmal aber ist es verblüffend, zu entdecken, wie prophetisch solche Geschichten sein können – diese hier besitzt entsprechendes Potenzial und ließ den Leser anfangs nicht wenig zusammenfahren.

Der Prolog zur eigentlichen Haupthandlung beginnt auf dem Flughafen von Pjöngjang, Nordkorea. Ein Militärjet landet und entlässt eine Gruppe hochrangi­ger syrischer (!) Militärs, die in Nordkorea Langstreckenraketen heimlich kaufen wollen, um damit libanesische Milizen aufzurüsten, damit so letztlich Amerikas Macht getroffen werden kann.1 General Kim von Nordkorea und Colonel Hasni Hourani aus Syrien steuern den Frachter Asia Star an, auf dem sich die Waffen befinden und von den Syrern nun kontrolliert werden.

Zu dumm, dass die Syrer falsch sind.

In Wahrheit handelt es sich um Juan Cabrillo und seine Gefährten von der „Corporation“, die einen sinister eingefädelten Plan gegen den Weltfrieden auf raffiniert-tückische Weise und mit ziemlichem Knalleffekt sabotieren. Und das ist, wie erwähnt, erst der Anfang.

Während das geschieht, befindet sich die OREGON, das Schiff der „Corporation“, einer Gruppe freiberuflicher Söldner, die gegen Entgelt und für eine ausgesuchte humanitär ausgerichtete Klientel risikoreiche Aufträge ausfüh­ren, im südchinesischen Meer und ist auf der Suche nach neuen Aufträgen. Das Geld ist knapp – nachdem Mike Halpert2 aus der „Corporation“ im Anschluss an den Mekka-Fall ausgestiegen ist und seine Millionen Dollar schwere Abfindung erhalten hat, ist es zwingend erforderlich, einen lukrativen Job an Land zu ziehen.

Sobald Cabrillo und sein Team an Bord zurück sind, wird er davon in Kenntnis gesetzt, dass sich eine Gruppe schwerreicher Reeder mit der Bitte an die „Corporation“ gewandt hat, der Entführung von Schiffen im südchinesischen Meer ein Ende zu machen. Cabrillo nimmt die Herausforderung an. Eine Million Dollar Prämie für jedes ausgeschaltete Piratenschiff, das klingt nach einer soli­den Sache.

Er hat überhaupt keine Ahnung, worauf er sich da einlässt.

Moderne Seepiraterie hat keinen romantischen Touch mehr wie die Piratenfil­me a la Hollywood nach wie vor ganz gern verbreiten. Die heutigen Piraten sind zumeist mit Drogen gedopte, skrupellose und über alle Maßen brutale Verbre­cher, die vor Massenmord nur selten zurückschrecken.3 Und das, was sich zu dieser Zeit im südostasiatischen Meer abspielt, ist noch weitaus schrecklicher, als sich alle Verantwortlichen das vorstellen können.

Der erste Kontakt mit den Seepiraten führt selbst für die gut ausgerüsteten und vorbereiteten Matrosen der OREGON zu einem so heftigen Seegefecht, dass sie nur um Haaresbreite der eigenen Versenkung entgehen. Dann fischen sie einen Frachtcontainer aus dem Meer und finden darin zu ihrem Entsetzen Dutzende von nackten Leichen – lauter Chinesen. Die Obduktion einiger Enterer ergibt, dass alle an einer hohen Quecksilbervergiftung gelitten haben. Und zu allem Unglauben entpuppt sich das während des Gefechts geortete „U-Boot“ als ein seit Tagen verschollenes, versenktes, aber nicht völlig untergegangenes Schiff der Royal Geographical Society, dessen Besatzung den Piraten zum Opfer gefal­len ist – bis auf die zähe, junge Victoria Ballinger, die sie buchstäblich im letzten Moment retten können… eine rätselhafte Frau, die noch mehr Geheimnisse umgeben.

Die toten Chinesen sind offensichtlich Opfer so genannter „Schlangenköpfe“ ge­worden, also von Menschenhändlerringen, die mit den chinesischen Triaden in direkter Verbindung stehen. Da Cabrillo vermutet, dass die Spur direkt nach China führt, kann er ein Mitglied der „Corporation“, den Amerikaner Eddie Seng, der über chinesische Wurzeln verfügt, dazu überreden, undercover in die Volksrepublik einzureisen, doch dann reißt der Kontakt zu ihm ab.

Eine weitere Spur ist ein Schiff, das Tory Ballinger kurz vor dem Untergang ihres eigenen Schiffes gesehen hat und das sich in der Tat als Fährte zu den Piraten erweist – ein unförmiges, sehr langsames schwimmendes Trockendock, das auf dem Weg nach Indonesien zu sein scheint. Es scheint, noch verwirrender, offen­sichtlich von russischen Ex-Soldaten bewacht zu werden.

Die weiteren Fährten führen in die Schweiz, nach Russland und schließlich in die entlegene Halbinsel Kamtschatka. Ein skrupelloser, verbrecherischer Sikh mit seiner Familie spielt eine zentrale Rolle und ein Abwrackbetrieb, der ein höchst lukratives neues Betätigungsfeld gefunden hat… doch ehe Juan Cabrillo und sei­ne Gefährten von der „Corporation“ verstehen können, wie diese Mosaiksteine wirklich zusammenpassen, vergeht erschreckend viel Zeit. Häufig ist ihnen der Gegner einen wesentlichen Schritt voraus, und das Leben Tausender von un­glückseligen Menschen hängt schließlich nur noch an einem seidenen Faden…

Dies ist der dritte Roman der Abenteuer der Crew des Schiffes OREGON und des „Vorsitzenden“ (hier Kapitän genannt, obwohl die OREGON-Crew ja angeb­lich nicht über Dienstränge verfügt, das hat der neue Übersetzer wohl nicht be­griffen) Juan Cabrillo von der „Corporation“. Vom zweiten zum dritten Band wurde nicht nur Clive Cusslers Coautor Craig Dirgo ausgetauscht, sondern – es wurde angedeutet – auch sein „alter Ego“ Mike Halpert… und der Übersetzer. Das alles zusammen stimmte mich natürlich ein wenig skeptisch. Würde Jack du Brul, von dem ich bis dato noch nichts gelesen hatte, die Stimmung an Bord der OREGON einfangen können? Würde der Übersetzer dasselbe vermögen? Oft ge­nug bedeutet leider ein Übersetzerwechsel eine deutliche Einbuße der Lese­qualität.

Nun, diese Befürchtungen erwiesen sich als substanzlos. Mehr noch: das Ge­genteil ist der Fall, und zwar auf folgende Weise: Während die ersten beiden OREGON-Romane ein Stakkatofeuerwerk sehr kurzer Szenenblenden und un­glaublich vieler Personen waren (was natürlich eine umfangreiche Übersicht über die Handlungsfiguren notwendig machte, die in diesem Roman fehlt), zeig­te sich, dass dieser dritte Roman sich mit den Szenen und ihrer Modellierung sehr viel mehr Zeit ließ. Die in Band 1 und 2 betrüblich vermisste genauer aus­gearbeitete Charakterisierungstiefe wurde zugunsten der hastige Blenden-Schnitttechnik viel mehr betont. Das bedeutete gleichwohl nicht, dass die Ge­schwindigkeit der Geschichte darunter litt. Es verhält sich vielmehr nun so, dass durch raffinierte Innenblenden, z. B. in Juan Cabrillo oder Eddie Seng, die Perso­nen sehr viel mehr Leserinteresse auf sich zu ziehen vermögen als zuvor. Das kommt dem Roman insgesamt außerordentlich zugute.

Während es noch immer waghalsige Action und irrwitzig anmutende, verwege­ne Pläne gibt (man schaue sich bitte nur mal die Nordkorea-Aktion an oder das, was in der Schweiz abgeht!), gewinnt diese Geschichte eine moralische Tiefen­dimension, die in den ersten beiden Büchern nicht wirksam war. Der amerikani­sche Originaltitel „Dark Watch“ (und damit ist keine dunkle Uhr gemeint!) be­zieht sich auf einen tiefsinnigen Gedanken von Juan Cabrillo – nach dem 11. September 2001, sinniert er, sei es notwendig geworden, Wacht über die Welt zu halten, auf eine Weise, wie es die Weltmächte selbst meist aufgrund der po­litischen Zwänge nicht können. Selbst Geheimdienste geraten in solchen Zeiten in den Ruch, Instrumente der Machtpolitik zu sein (oftmals zu Recht, leider). Darum, so sinniert Cabrillo weiter, ist es erforderlich, das unabhängige Instan­zen wie die „Corporation“ die „dunkle Wache“ gegen das Verbrechen durchfüh­ren und die Wachfunktion erfüllen.

Auch der deutsche Titel ist übrigens diesmal ausgesprochen plausibel, denn es geht in der Tat um „Todesfracht“, im doppelten Sinn – einmal um die Asia Star mit den Langstreckenraketen (wobei das furiose Finale dieser Aktion wohl das sehr passende Titelbild inspiriert hat) als auch um Menschenhandel in schlimmster Weise.

Dies zusammengenommen ergibt dann ein sehr schmeichelhaftes Bild dieses Buches. Sowohl der befähigte Übersetzer Kubiak, der schon von weiteren Cuss­ler-Romanen bestens vertraut ist als auch der neue Verfasser Jack duBrul ver­mögen auf ganzer Linie zu überzeugen. Sogar ein Aspekt, der in den ersten bei­den Romane eher vernachlässigt wurde, nämlich der rein finanzwirtschaftliche, erhält hier deutlich mehr Gewicht als bisher, was zur logischen und plausiblen Fundierung der Geschichte beiträgt.

Ich beginne also zu begreifen, warum so viele OREGON-Abenteuer erschienen sind. Und ja… ich bin mal sehr gespannt auf den nächsten Roman, der ja schon in meinem Regal auf die lesehungrigen Augen wartet.

Demnächst mehr dazu.

© 2012 by Uwe Lammers

Also ja, das ist eine rasante, atemberaubende Geschichte. Danach braucht man erst mal ein wenig Abkühlung, könnte ich mir vorstellen. Und deshalb ist es ver­mutlich sinnvoll, in der nächsten Woche zurück ins rätselhafte, von den außerir­dischen Tanu beherrschte Pliozän umzublenden und euch in diese hochkomple­xe Welt zurückzuschicken, in der man sich als Leser recht langsam bewegen muss, um nicht schnellstens haarsträubende und weit reichende Details zu überlesen.

Es lohnt sich, vertraut mir.

Bis nächste Woche dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Und es ist wirklich interessant, diesen Roman zu Zeiten zu lesen, wo Syrien sich unter dem jüngeren Assad als klare Diktatur übelster Sorte entpuppt. Ein solches Verhalten, wie es in diesem Buch angedeutet wird, könnte man dem Assad-Regime durchaus zutrauen… freilich gerichtet gegen die eigene freiheitsliebende Be­völkerung Syriens, weniger gegen die USA.

2 Vgl. zu Mike Halpert die ersten beiden OREGON-Romane „Der goldene Buddha“ und „Todesschrein“. In Kurz­form siehe dazu auch die Rezensions-Blogs 151 vom 14. Februar 2018 und 163 vom 9. Mai 2018.

3 Einen kleinen Geschmack von der modernen Piraterie bekommt man etwa vor der somalischen Küste, und auch hier könnte man Jack duBrul attestieren, dass er recht aktuelle Themen aufgreift. Man sehe sich etwa die „Mission Atalanta“ an.

Liebe Freunde des OSM,

als ich vor einiger Zeit den Blogartikel 275 schrieb, kam ich sehr kursorisch mal abschweifend auf das Thema meiner BÜCHER zu sprechen. Damals war nicht der Ort und die Zeit, darüber mehr Worte zu machen, aber es schien mir schon dort so, als wäre das ein Thema, über das ihr vielleicht gern mehr wissen wür­det. Also schaue ich mal, dass ich eure Neugierde heute etwas präziser als bis­her befriedige. Mir will scheinen, das wird wieder ein ausführlicher Blogartikel, da ich hier nichts überstürzen möchte.

Bücher, das wissen wir allgemein, sind das, was Literaten üblicherweise zu ver­fassen und zu veröffentlichen pflegen. Natürlich nicht alle Literaten. Manche begrenzen sich thematisch oder strukturell und konzentrieren sich primär auf Kurzgeschichten, Gedichte oder ähnliches. Und wenn ich zu meinen BÜCHERN komme, dann sieht die Sache noch anders aus. Da für einen allgemeinen Rund­umschlag zu dem Thema definitiv hier nicht der Raum existiert, werde ich mich ganz auf meine eigenen Werke und meine Definition konzentrieren. Dazu muss ich über 30 Realjahre zurückgehen und ein paar einleitende Bemerkungen ma­chen.

Ich komme aus einer Lesetradition von Heftromanserien – ihr wisst das und wisst ebenfalls, dass ich deshalb den Oki Stanwer Mythos (OSM) in serieller Form strukturierte, anstatt gleich in eine Art von Romanformat überzugehen, wie es manche anderen Hobbyliteraten gemacht haben. Für mich war das der richtige Weg… jedenfalls bis 1984.

Was geschah damals? Nun, ich wurde ein wenig größenwahnsinnig und ver­suchte das, was manchen meiner Brieffreunde später erfolgreich gelang – ich versuchte mich darin, Heftromane zu verfassen. Das erwies sich als komplizierte Herausforderung, denn auf einmal wurde es notwendig, über 120 zweizeilige Textskriptseiten einen Handlungs- und Spannungsbogen zu entwickeln und die Spannung darin aufrechtzuerhalten.

Um es kurz zu machen: ich scheiterte. Es entstanden einige Romane, die ich an den damals noch existierenden ZAUBERKREIS-Verlag schickte, die aber samt und sonders abgelehnt wurden. Mitte 1985 war dieses Experiment also im Grunde genommen schon wieder vorbei. Es hatte aber Spuren hinterlassen, in zweierlei Weise:

Zum ersten hatte ich als fünftes Romanskript den SF-Krimi „Baumsterben auf Lepsonias“ in der Mache, als die letzte Ablehnung kam. Ich entwickelte ihn weiter und dachte dann frustriert: Okay, der Verlag will nix von mir wissen, ich mache dennoch weiter. Zum zweiten nämlich hatte ich einen gewissen Gefallen daran gefunden, so lange Texte zu verfassen, und mit dem „Raumagenten Mike Cole“, der der Protagonist im genannten Roman war, lag sogar eine Persönlich­keit und Handlungskulisse vor mir, in der ich gerne weiterschrieb. Bis in die 90er Jahre hinein entstanden auf diese Weise insgesamt 24 Mike Cole-Romane im Umfang von 120+ Seiten, die bis heute allesamt unpubliziert sind. Ich brauche vermutlich kaum zu betonen, dass ich sie alle noch digitalisieren muss… diese Baustelle habe ich bislang nicht angerührt. Ich bin ja nicht verrückt…

Bereits 1986 schwappte dann der Romangedanke über in den Oki Stanwer My­thos – ich hatte schon seit längerem überlegt, längere OSM-Texte zu verfassen, war dabei aber halbherzig geblieben. Auf einmal kam mir der (sehr richtige) Ge­danke, es sei doch erstrebenswert, die bisherigen OSM-KONFLIKTE, deren Epi­sodenserien ich bereits abgeschlossen hatte, in Romanform umzuarbeiten. Das ist grundsätzlich bis heute mein zentraler Gedanke, auch wenn er 2013 ein we­nig vom E-Book-Gedanken überlagert wurde. Und es entstanden ja auch zahl­reiche Romanformate, allein zum KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ (1981-1984) wa­ren es fast ein Dutzend bis heute.

Und je mehr ich mich an solche langen Geschichten zu gewöhnen begann, des­to länger wurden die OSM-Episoden und andere Stories, die leicht Novellenfor­mat erreichten.

Doch dann durchdrang mich 1986 eine Geschichtenidee, von der mir rasch klar wurde, dass sie deutlich über 120 Seiten Umfang bekommen würde. Das Kind brauchte selbstverständlich strukturell einen Namen. Da ich bislang schon Ge­dichte, Episoden, Kurzgeschichten, Novellen und Romane (die 120-Seiten-For­mat-Geschichten) hatte, entschied ich kurzerhand, dass BUCH die richtige Be­zeichnung sein würde.

Die sieben Prüfungen“ wurde also das erste BUCH. Es wurde mit über 300 Textseiten im April 1987 abgeschlossen und blieb eigentlich bis heute das einzi­ge lange wirkliche Fantasy-Werk, damals stark von meiner Fantasy-Lektüre be­feuert. Es geht hierin um das Schicksal des Prinzen Corian von Rothoran, dessen Vater einen Pakt mit dem Gevatter Tod geschlossen hatte, den Corian erneuern muss, um den allgemeinen Frieden in seiner Heimat aufrechtzuerhalten. Dafür muss er in verschiedenerlei Inkarnationen unterschiedliche Welten und Heraus­forderungen meistern. Ich orientierte mich bei der Struktur dieser Prüfungen an dem Album „Ritter der neuen Zeit“ der deutschen Popgruppe ZARA-THUSTRA. Am Schluss des BUCHES schwenkt die Geschichte allerdings um in meine Fantasy-Horrorserie „Horrorwelt“, die ich seit Dezember 1983 entwickelte (bis­lang auch noch nicht digitalisiert, eine weitere Baustelle, die inzwischen 175 Episoden umfasst… seufz!). Das Ende der Geschichte ist also etwas „strange“, und zweifellos ist das ein zentraler Grund, warum ich mich nie mit der Veröf­fentlichung dieses Werkes trug.

Es sollte geschlagene sieben Jahre dauern, bis ich ein vergleichbar langes Werk erschuf. In der Zwischenzeit entstanden allerdings rund 50 Romane, die nahezu alle bislang unpubliziert sind. Die meisten gibt es bis heute nur in der Schreib­maschinenfassung.

Inferno in Arc“ lautete der Titel des zweiten BUCHES, und ihr erkennt schon am Titel, dass es sich um einen lupenreinen OSM-Roman handelt. Mit 219 Text­seiten war er erheblich länger als ein gängiger Roman. Es gab so vieles in die­sem Werk zu berichten! Das BUCH ist der sechste Teil der so genannten Edward Norden-Saga (ENS) und schildert die finale Auseinandersetzung zwischen Ed­ward Norden, den Galaxisrebellen der Galaxis Arc und dem Dämon Holkaxoon von TOTAM, der am liebsten alles auslöschen möchte, statt sich besiegen zu las­sen. Da ich im November 1994, als ich den Roman abschloss, gerade mit dem chaotischen KONFLIKT 23 des OSM, „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ (DDj) fertig geworden war, der den Grundstein für das moderne OSM-Konzept legte, wirkte sich das natürlich auch fatal auf dieses umfangreiche Werk aus.

Wieder sollten zwei Jahre vergehen, ehe ich das nächste BUCH-Projekt aus dem Boden stampfte, und diesmal war es tatsächlich eine verrückte Blitzidee, die mich binnen eines Monats zum Abschluss eines mehrhundertseitigen Romans brachte. Das geschah im November 1996.

Justine und Maximilian“ ist wirklich ein vollkommen autonomes Werk – im weiteren Sinn Science Fiction einer Near Future. Sie spielt in einem dystopi­schen USA der nahen Zukunft, Anfang des 21. Jahrhunderts. Eine radikale Grup­pe von Bürgerrechtlern, die „Rightmen“, machen den Versuch, ihre Bewegung durch einen Überfall zu finanzieren. Dafür nutzen sie ein Präparat von Bio-Bast­lern, das es ermöglicht, einen Körpertausch auf Zeit mit einer anderen Person durchzuführen.

Der Anführer der Rightmen-Gruppe, Maximilian Grant, lockt die arglose Sozial­arbeiterin Justine Pierce in eine Falle, überwältigt sie und begeht, in ihren Kör­per transferiert, den Überfall und eine Reihe von kaltblütigen Morden. Der mentale Retransfer findet aber zu früh statt, und Justine gerät in Gefangen­schaft der Justizorgane, die sie verhören, foltern und sexuell missbrauchen. Da die Rightmen die Diamantenlieferung, auf die sie es abgesehen hatten, erhiel­ten, scheint alles in bester Ordnung zu sein, und Justine wird einfach als „Mär­tyrerin der Bewegung“ abgeschrieben… dummerweise hat sich Max in sie ver­liebt…

Ich war selbst nicht eben wenig überrumpelt, wie intensiv mich der Stoff mitriss – heute ist mir natürlich klar, dass da etwas unter meiner Oberfläche kreativ schon seit längerem brodelte, das auf Ausbruch sann und drängte: der Archipel, eine völlig neue erotisch-kreative Welt voller Überraschungen.

Als es dann soweit war, wurde ich von der Tatsache vollständig überrollt – es dauerte zwar Monate, bis ich mit „Die drei Strandpiratinnen“ das vierte BUCH im Juli 1998 erschaffen hatte, aber es hatte satte 300 Textseiten. Und, das fand ich vielleicht noch alarmierender, der Handlungsbogen war durchaus nicht ge­schlossen. Wie bei bisherigen zahlreichen erotischen Fragmenten, die im Laufe der vergangenen zehn, fünfzehn Jahre entstanden waren, verharrte der Schluss des Romans in einer Aporie und drängte unweigerlich danach, weiter voranzu­gehen.

Die Welt, die ich hier entdeckt hatte, war sehr eigenartig. Es war eindeutig nicht die Erde, weder die frühere noch die spätere – der tropische Inselarchipel, nach dem ich die Welt schließlich benennen sollte, hatte seinesgleichen bei uns nicht. Und auch so etwas wie den Südkontinent, auf dem die Geschichte ihren Anfang nahm, den gab es bei uns nicht. Und dann diese faszinierend-archaische Inselhauptstadt Asmaar-Len… toll.

Und dann war da dieses wunderschöne, blondmähnige Mädchen mit dem knusperbraun gebratenen Körper, das an Bord des Piratenschiffs mitreiste. Eine schamlose Schönheit, die explizit als „Bordhure“ an Bord weilte und ihre sexuel­le Gunst pflichtgemäß auf alle Matrosen verteilte.

Christina.

Ein Mädchen, das drei Jahre zuvor verletzt und ohne Gedächtnis aus der See gefischt worden war. Und ich fragte mich schon, als sie im Rahmen dieses Ro­mans auftauchte: was um alles in der Welt war wohl Christinas Geschichte? Wie ging es mit ihr weiter, nachdem sie sich von den „Strandpiratinnen“ notwendig getrennt hatte? Und woher kam dieses wunderschöne Mädchen?

Ich fühlte mich noch nicht ganz diesen Gedanken gewachsen und wusste, wenn ich jetzt gleich mehr über Asmaar-Len, Christina und ihre Lebenspfade schreibe, dann würde ich das nur verbocken. Also wandte ich mich einem vermeintlich einfacheren Stoff zu, der nahezu unweigerlich wieder zu einem Archipel-Roman wurde: „Evi und Petra“.

Evi und Petra“, das fünfte BUCH, schien auf den ersten Blick einfacher zu sein. Ging es doch schließlich „nur“ um eine schlichte Liebes- und Schicksalsgeschich­te. Aber ich sollte noch feststellen, dass im Archipel nichts einfach war. Der Roman führte mich auf eine der zahllosen Archipel-Inseln und zu einem Schäfer im Binnenland derselben, der ein ernstes Problem damit hatte, seine zahlrei­chen Kinder satt zu bekommen. Um wenigstens ein wenig wieder mit dem fami­liären Leben klarzukommen, entschloss er sich schweren Herzens und unter Trä­nen, seine beiden ältesten jungfräulichen Töchter Evi und Petra in die Sklaverei zu verkaufen, in der Hoffnung, dass sie dadurch in die Lage kommen würden, ein Leben ohne Entbehrungen und in Wohlstand zu führen, wenn auch notwen­dig in der Fremde. Ein tränenreicher Abschied für beide Seiten.

Die beiden Schwestern kamen mit dem Sklavenschiff zur Archipel-Insel Fandan, wo sie mit dem eigentlich armen Fischer Vanaty zusammenstießen, der von den Mädchen völlig entzückt war und sie kurzerhand beide erwarb… tja, und ehe ich mich versah, hatte auch dieser Roman 300 Textseiten erreicht. Und endete wieder in der Aporie.

Das kann doch alles gar nicht wahr sein!“, dachte ich frustriert. „Müssen Archi­pel-Geschichten immer 300 Seiten plus aufweisen? Geht das nicht auch kürzer?“

Ich versuchte, mir das zu beweisen, indem ich mich nun tatsächlich dem schon länger gehegten Plan zuwandte, mit dem Roman „Christinas Schicksal“ die Vor­geschichte der blonden Bordhure Christina aus dem ersten Archipel-Roman zu verfassen. Aber die Geschichte entglitt mit so schnell, so fix konnte ich über­haupt nicht schauen – was irgendwie nahe lag, denn ich verschlang Ende der 90er Jahre und Anfang der 2000er den Romanzyklus von Diana Gabaldon um James Fraser und Claire Beauchamp, und das hatte offensichtlich massive Aus­wirkungen auf die Ausführlichkeit meiner sozialen Interaktionen in dem eben erwähnten Roman.

Ehe ich begriff, steckte ich im nächsten, bis dahin größten Schreibabenteuer meines Lebens – das BUCH wuchs und wuchs und wuchs, und das in atembe­raubendem Tempo. In nicht mal anderthalb Jahren wucherte das Werk auf mehr als 1.100 Textseiten… etwas, was ich zuvor für undenkbar gehalten hätte. Als ich im Juli 2000 damit abschloss (wieder als Aporie!!), war ich vollständig ausgelaugt. Ein guter Autorenkollege, dem ich davon auf einem Convention in Baden-Württemberg zeitnah im Gespräch berichtete, weiß sicherlich noch gut, wie fertig ich zu der Zeit war und wie sehr ich mit mir haderte, dass ich unver­meidbar meine Zeit für dieses Werk aufwendete statt, wie es sehr viel nützli­cher gewesen wäre, an meiner Magisterarbeit zu arbeiten.

Tatsache ist, dass ich mit „Christinas Schicksal“ den Archipel endgültig entdeckt hatte und ihn nun in Geschichten, Novellen und weiteren Romanen zu erfor­schen begann… und es gab da verdammt viel zu forschen, kann ich sagen, gibt es immer noch. Ich stehe hier nach wie vor ganz am Anfang.

Allerdings kam ich definitiv nicht zur Ruhe. Es kam mir so vor, als würde ein Ar­chipel-Roman gewissermaßen den nächsten in meinem Geist zeugen. Während ich mich also mühsam um den Abschluss des obigen Romans kümmerte, lief mir im Dschungel von Coorin-Yaan ein struppiges, panisches und wortloses Mädchen über den Weg: Rhonda. Und indem ich nun ihr über die Schulter blickte, gelangte ich genau dorthin, wo ich mich so überhaupt nicht auskannte.

Nach Asmaar-Len, die Hauptstadt des Archipels. Heute muss ich rückblickend sagen, dass es verdammt gut ist, wie vorsichtig ich dort agierte, sonst hätte ich wirklich jede Menge Porzellan logischer Art zerschlagen können. Aber Rhonda wurde in diesem 7. BUCH, „Rhondas Weg“, das ich im Oktober 2001 beendete (wieder als Aporie! Um der Wahrheit die Ehre zu geben: ich hatte einfach keine Schreibkraft mehr übrig), relativ schnell im „Garten der Neeli“ in ihrer Bewe­gungsfreiheit beschränkt. So konnte ich mich gründlich mit Rhondas Gefährtin­nen, den wechselnden Klientinnen im „Garten der Neeli“, der nicht unkompli­zierten Psychodynamik zwischen den Hausbewohnern und gelegentlich sich einstellenden Besuchern beschäftigen und zahlreiche kleine Rätsel Asmaar-Lens gewissermaßen von der Schulbank aus klären.

Dennoch ängstigte mich die Dimension des Romans zunehmend, der auseinan­derging wie ein Hefeteig. Erst mit Seite 1876 (!) erreichte ich den Schluss, und mir war klar, dass es schier UNENDLICH viele offene Fäden in dieser Geschichte gab. Absolut atemberaubend, nie da gewesen.

Es sollte denn auch geschlagene knapp neun Jahre dauern, bis ich wieder ein BUCH abschloss – es handelte sich dabei um den zweiten Rhonda-Roman „Rhondas Reifejahre“, das 8. BUCH-Projekt inzwischen (April 2010). Mit 3702 Textseiten ist es bis heute das längste und meiner Ansicht nach voll ausgereifte Buchprojekt, das ich bislang verfasst habe, und es dauerte nicht umsonst so lan­ge, bis ich damit zu Rande kam. Dummerweise musste ich auch hier den Hand­lungsbogen abkürzen und den Roman als Aporie beenden. Auch hier: jede Menge offene Fäden, unglaublich viele komplizierte Probleme, die der Lösung harren. Dass ich gleich in einen dritten Rhonda-Roman durchstartete, über­rascht wohl kaum.

Parallel arbeitete ich allerdings auch noch an einem weiteren „Christina“-Ro­man, „Abenteuer im Archipel“, und den Lebensweg von Evi und Petra möchte ich beizeiten auch noch verfolgen, von dem Schicksal der „Strandpiratinnen“ ganz zu schweigen… das sind alles Baustellen, um die ich mich bislang nicht kümmern kann.

Durch den obigen zweiten Rhonda-Roman war ich allerdings so wahnsinnig gut im Schreibtraining, dass sich sehr überraschend schon zwei Monate später, im Juni 2010, das neunte BUCH anschloss. Damit hatte ich echt nicht gerechnet – aber ähnlich wie im Fall von „Justine und Maximilian“ hatte mich „Antaganashs Abenteuer“ vollständig überrumpelt.

Antaganash ist ein legendärer – man kann auch sagen: berüchtigter – Bewohner Asmaar-Lens und zuvor der kleinen Archipelsiedlung Len. Und nachdem von ihm in den Rhonda-Romanen schon immer wieder die Rede gewesen war, hatte ich beschlossen, ein paar Jahrzehnte in die Vergangenheit zu gehen, in die Gründungszeit von Asmaar-Len, um Antaganash mal persönlich kennen zu ler­nen.

War das ein Fehler? Nein, ein phantastisches Vergnügen. Er ist tatsächlich eine sehr beeindruckende Persönlichkeit und wird beizeiten der jungen Rhonda be­gegnen, dazu gibt es schon entsprechende Skizzen. Aber zuvor wird sie es mit zahlreichen seiner vielen Sprösslinge beiderlei Geschlechts zu tun bekommen. Denn das ist es, wofür Antaganash tatsächlich berühmt ist – für seine unbe­zwingbaren Liebesfinessen, denen so ziemlich jede schöne Frau erliegt, und zwar völlig gleichgültig, ob sie verheiratet ist, jungfräulich, verboten, abweisend oder nicht. In dieser Hinsicht ähnelt er vermutlich Casanova. Er ist unglaublich überzeugend – und in diesem Roman kommt heraus, dass er auch dem Problem nicht aus dem Weg geht, wenn er Nachwuchs zeugt… allerdings ist seine Form der Problembewältigung sehr, nun, gewöhnungsbedürftig: er sucht dann Ehe­männer für die geschwängerten Schönheiten. Und zumeist bleibt er dann auch nach der Eheschließung ungeniert der Liebhaber der frischgebackenen Ehefrau­en.

Echt, eine unglaubliche Persönlichkeit, und ich wurde von der Wildheit der sturzbachgleichen Geschichte, die binnen Wochen auf mehr als 500 Seiten wu­cherte, ziemlich überrumpelt.

Aber toll war’s schon, das ist nicht zu leugnen.

Ich blieb im Flow, und ich blieb ebenfalls im Archipel – nun wandte ich meine Energie mit voller Kraft einem Romanfragment zu, das ich seit 2000 in Arbeit hatte. Und in der Tat explodierte „Eine Adelige auf der Flucht“ binnen weniger Monate auf mehr als 1200 Seiten Text, ehe es als 10. BUCH im August 2010 be­endet werden konnte. Ebenso wie bei „Antaganash“ gelang es mir tatsächlich, halbwegs ein abgerundetes Geschichtenende hinzubekommen. Was war ich er­leichtert!

Mann, dachte ich mir… wenn solche Geschichten im Archipel möglich sind, dann ist das doch vielleicht auch im Oki Stanwer Mythos…?!

Und ja, war es.

Im Oktober 2010 vollendete ich das nächste wirklich lange OSM-Projekt mit weit über 200 einzeiligen (!) Textseiten, das nun locker mit den kürzeren BUCH-Projekten im Archipel konkurrieren konnte. Weitaus komplexer war dieses 11. BUCH aber sowieso – es handelte sich um „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“, das seit Januar 2017 in Etappen im Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA) des Science Fiction-Clubs Baden-Württemberg (SFCBW) publiziert wird. Ein Ro­man, der eigentlich im KONFLIKT 21 des OSM spielt, also quasi parallel zur Handlung der Serie „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“ (FvL, begonnen 1988).

Hierin werden die Erlebnisse des käfergestaltigen Oheetir-Mönchs Shylviin von der Welt Höolyt geschildert, der am Anfang der Geschichte stirbt und sich ent­gegen seiner Erwartungen nicht im oheetirschen Jenseits erwacht, sondern als skelettierter Humanoider, als so genannter „Totenkopf“, aus den schwarzen Transmittertoren auf dem Dämonenplaneten TOTAM tritt, um hier in der LEGI­ON den Kampf gegen die Mächte des Guten, die Lichtmächte, die Baumeister und Oki Stanwers Gefolgsleute aufzunehmen.

Zu dumm nur, dass die Totenköpfe im KONFLIKT 21 gewissermaßen „ihren eige­nen Kopf“ entwickeln und desertieren können. So macht sich Shylviin auf die Suche nach den Geheimnissen TOTAMS, und was er erlebt, sprengt schnell jede seiner Vorstellungen… es ist ein phantastischer, vielseitiger Roman, der als viel­fältiges Crossover über zahlreiche OSM-KONFLIKTE taugt und dessen Schreiben mir einen Heidenspaß bereitete. Natürlich wird es auch einen Teil 2 geben, aber wann der fertig wird – keine Ahnung. Bislang ist es ein Romanfragment.

War ich kuriert von den langen Werken? Nein.

Ich steckte schon wieder in einem drin, wieder in einem OSM-Werk, das dies­mal eine eigenartige Romanze zwischen einem „normalen“ Planetenbewohner (mutmaßlich einer Welt in KONFLIKT 25 in der Galaxis Beltracor) und einer der legendären Sternenfeen schilderte. Wovon ist die Rede? Wer meine E-Books kennt, ist schon im Bilde: von „Die schamlose Frau“, der Romanze zwischen An­ton Devorsin und seiner goldgelockten, hemmungslosen Geliebten Gloria. Als 12. BUCH schloss ich die Geschichte im Mai 2011 ab.

Und wurde schon wieder „schanghait“, wie man so schön sagt: diesmal zerrte mich eine weitere Frau in ihr Leben, nämlich ein unglücklicher, orientierungslo­ser Matrixfehler, der in KONFLIKT 4 buchstäblich während eines Gewitters aus dem Nichts fiel: Jaleena.

Auch „Jaleenas zweites Leben“, das 13. BUCH, kennt ihr mithin schon als E-Book, es erübrigt sich also, viel darüber zu schreiben. Das könnt ihr gern in dem in zwei Teilen veröffentlichten E-Book nachlesen.

Dreizehn solche langen Buchprojekte gibt es also inzwischen, die weitaus meis­ten davon sind eurem lesenden Auge bislang noch unbekannt – und die meis­ten sind darüber hinaus auch stilistisch so veraltet, dass sie gründlich überarbei­tet werden müssen, ehe ich es wagen kann, sie ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Reizen würde mich das durchaus. Aber ich glaube, das ist aktuell noch nicht machbar.

Das hat verschiedene Gründe. Der stilistische Status ist das eine, bei den OSM-Werken gilt es zu bedenken, dass ich vermutlich noch nicht genügend allgemei­nes Hintergrundwissen über die verschiedenen KONFLIKTE kommuniziert habe, damit ihr die zahllosen Anspielungen in den OSM-BÜCHERN würdigen könnt, und verwirren möchte ich euch nicht.

Dann also vielleicht die leidenschaftlichen Archipel-Geschichten? Sind die nicht leichtere Einstiegskost in meine langen Geschichten? Auf der einen Seite un­zweifelhaft ja. Andererseits hat es schon bei der gelegentlichen Fanzine-Publi­kation gewisse emotionale Missverständnisreaktionen gegeben, so dass ich da vorsichtig geworden bin.

Der Archipel ist nun einmal eine Welt, die extrem polarisieren kann. Das ist ein bisschen so wie mit dem BDSM-Lebensstil und dem gängigen moralischen Li­festyle der Gegenwart. Man muss sich nicht in den überzogen prüden USA be­finden, um mit Romanstoffen freizügigerer Natur Probleme zu bekommen, auf die ich nun wirklich keinen Wert lege. Und der Archipel ist nun einmal eine Welt, deren Moralgesetze gründlich anders funktionieren als bei uns. Sklaverei kommt dort leider ziemlich häufig vor. Sexuelle Unterwerfung ist absolut keine Seltenheit. Die Liebesreligion der Göttin Neeli und der frivol-freizügige Lebens­stil der meisten Archipel-Insulaner tut das seinige dazu. Kann man beispielswei­se einen Antaganash mit seiner libertinären Einstellung ein Vorbild nennen? Das möchte ich doch sehr bezweifeln.

Auch solche Auswüchse wie das Feiern lüsterner Gartenfeste, das Bordhuren­tum, die geplante Entführung, Unterwerfung und… ja, man muss schon sagen: Abrichtung von Frauen zum Zwecke der sexuellen Sklaverei, die dort durchaus gesetzlich sanktioniert ist, werfen doch ein moralisches Zwielicht auf den Archi­pel und, wenn man Texte und Autor parallelisiert, vielleicht dann auch auf mich. Dass solche moralischen Verdammungsurteile dabei in die Irre gehen, wird sol­che Verfechter vermeintlich sauberer Moral kaum interessieren, aber anderer­seits eine Menge Stress verursachen.

Darauf lege ich nun wirklich zurzeit keinerlei Wert. Deshalb kann es also noch dauern, ehe ihr diese langen Werke aus meinem Œuvre zu sehen bekommt. Dennoch scheint mir dies hier als ein zumindest flüchtiger Eindruck über diese großen Werke für den Moment hinreichend zu sein.

In der kommenden Woche halte ich mich wieder gründlich kürzer und berichte im Rahmen der „Logbücher des Autors“ über ein interessantes Phänomen, das mich im Januar 2018 beschäftigte. Lasst euch mal überraschen, wovon ich dann spreche.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 170: Der Dolch mit den drei Klingen

Posted Juni 27th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Werke von Robert E. Howard lese ich immer wieder gern und neige auch dazu, sie durchweg zu rezensieren. Da, wie allgemein bekannt sein dürfte, allerdings keine neuen Howard-Werke mehr auftauchen werden und der Verfasser bereits seit so vielen Jahrzehnten unter der Erde liegt, teile ich mir seine Bücher, die verblieben sind, immer brav auf, um mich nicht vorschnell des Lesevergnügens zu berauben.

Ja, ich sage Lesevergnügen – denn bei allen kritischen Anmerkungen, die stets angebracht sind, sollte doch gerade ein Historiker wie ich, der genau weiß, wie sehr die Zeitumstände die Schilderungen eines Autors einfärben, zumal eines so leidenschaftlichen, wie Howard es nun einmal war, bei allen gebotenen Ein­schränkungen in der Wertung halte ich seine Prosa immer noch für mitreißend, lebendig und faszinierend genug, um auch heutige Leser zu fesseln. Ein wenig irritierend an dem vorliegenden Roman mag das Label „Fantasy“ wirken, denn es handelt sich nicht wirklich um Fantasy, mehr um einen klassischen Abenteu­erroman im Stil von „Indiana Jones“ oder „Doc Savage“.

Doch die Grenzen zwischen Abenteuerromanen und Fantasy waren in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als auch das vorliegende Abenteuer ent­stand, sehr fluide. Wer mag, wird hier sicherlich die eine oder andere „magi­sche“ Ingredienz finden, die die Veröffentlichung des Buches in der Terra Fanta­sy-Reihe legitimiert.

Sei’s drum – empfehlenswert ist er allemal. Und wer neugierig geworden ist, der lese weiter:

Der Dolch mit den drei Klingen

(OT: Three-Bladed Doom)

Von Robert E. Howard

Terra Fantasy 75

Rastatt, Juli 1980

Aus dem Amerikanischen von Rudolf Mühlstrasser

162 Seiten, TB

(keine ISBN)

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, oder vielleicht auch kurz davor, ist Afgha­nistan Schauplatz internationaler Intrigen. Bereits während des ganzen 19. Jahr­hunderts war dieses Land, das heutzutage auf traurige Weise immer noch die internationalen Schlagzeilen beherrscht und leider als Ort finsterster Rückstän­digkeit und anarchischer Unregierbarkeit dargestellt wird, Spielball der Groß­machtpolitik. Auf der einen Seite, im Süden des Khyber-Passes, lag Indien, re­giert von der britischen Weltmacht, die immer wieder versuchte, die Kontrolle über den Pass und die Region nördlich davon zu erringen. Nördlich und östlich von Afghanistan hingegen breitete sich das vielgestaltige Zarenreich aus, das so­wohl nach Fernost schielte als auch auf den Balkan und in die Schwarzmeerregi­on… und nach Afghanistan.

Und für Schriftsteller am Anfang des 20. Jahrhunderts besaß dieses Land einen archaischen, mythischen Nimbus. Hort einer uralten, ruhmreichen Vergangen­heit, Teil der legendären Seidenstraße, eine Weltgegend, durch die bereits Alex­ander der Große und die Herrscher des antiken Perserreiches gezogen waren… eine wilde, von rigiden Stammesriten und Ehrenkodizes regulierte Region, die eine ähnliche Magie ausstrahlte wie das Herz des schwarzen Afrika. Wen kann es verwundern, wenn es Autoren gab, die dort Geschichten turbulenter Aben­teuer ansiedelten?

Einer dieser Schriftsteller war Robert Erwin Howard, der auch schon Helden wie Conan oder Bran Mak Morn geschaffen hatte, um nur zwei von ihnen zu nen­nen. Er nahm sich in dem vorliegenden Roman des wilden, wirren Afghanistan an, und er löste sich ein Stück weit von den machtpolitischen Intrigen und schuf mit Francis Xavier Gordon, genannt El Borak, der Schnelle, eine Abenteurerper­son, die er sicherlich zu einem guten Teil mit seinen eigenen Wünschen belebte.

Gordon, ein Amerikaner, der auf etwas undurchsichtige Weise Teil der Region geworden ist, ein gnadenloser Kämpfer, ist eine zwiespältige, schattenhafte Per­son. Ist er ein Agent der Briten im Süden? Niemand kann es mit Bestimmtheit sagen. Handelt es sich bei ihm einfach nur um einen Abenteurer, der sich vom Schicksal treiben lässt und dessen Loyalität dem gebührt, der ihn zu überzeugen vermag? Auch das ist unklar.

Er ist jedenfalls ein guter Freund sowohl des Emirs von Kabul als auch des Stam­mesfürsten Baber Khan, der in Kabul als Aufrührer gilt. Als Gordon den Ent­schluss fasst, dass die beiden Freunde, stolz bis ins Mark, doch in Kabul zusam­mentreffen sollen, macht er sich auf den Weg in Baber Khans Domizil nach Khor… und ihm ist eher nicht klar, dass er sich damit in eine tödliche Falle be­gibt.

Denn in Afghanistan, in einer wilden Grenzregion zu Indien, die man Ghulistan nennt und die von den abergläubischen Stammesangehörigen gemieden wird, hat sich ein blutrünstiger, gnadenloser Clan von Assassinen neu gebildet. Auf den Emir in Kabul wird ein Mordanschlag verübt, im Zeichen des Dolches mit den drei Klingen. Und auf Baber Khans Land entdeckt Gordon einen Toten, der dasselbe Zeichen trägt. Überzeugt davon, dass diese Dinge zusammenhängen und Schlimmes bedeuten, bricht er mit seinen drei Gefährten, dem Sikh Lal Singh, dem Afridi Yar Ali Khan und dem Afghanen Achmed Schah nach Ghulistan auf.

Hier scheint es in der Tat, wie die Einheimischen fürchten, blutgierige Geister zu geben, und es gibt bald darauf schon reichlich Tote… doch die Fährte, die Gor­don anschließend verfolgt, führt zu einer geheimnisvollen, wunderschönen Stadt, die man Schalizahr nennt, eine Stadt, in der Gärten voller verführerischer Frauen existieren und ein mordlüsternes Ungeheuer – und wo Pläne geschmie­det werden, die dazu dienen sollen, die ganze Welt ins Chaos und in die Unter­drückung zu führen. Und gegen die Heerschar seiner Feinde kämpft offenbar selbst ein El Borak vergebens…

Es ist eigentlich, wenn man den Roman gelesen hat, ein ausgesprochenes Wun­der, dass dieser 1934 geschriebene Roman trotz Howards mehrmaliger Anstren­gung, ihn zu veröffentlichen, keine Chance fand, vor den jeweiligen Redakteu­ren zu bestehen. Wenn man überlegt, dass etwa zur gleichen Zeit die relativ überdrehte und eher auf Klamauk ausgelegte „Doc Savage“-Serie in den ameri­kanischen Pulp-Magazinen veröffentlicht wurde, quasi Seite an Seite mit Ho­ward Phillips Lovecraft und ähnlichen Autoren, dann kann man als heutiger Le­ser nur den Kopf schütteln.

Howards Prosa mag derbe sein und blutrünstig dazu (gekämpft und gestorben wird in diesem Roman weiß Gott viel), doch zugleich strahlt sie auch diese grim­mige, vitale Energie aus, diesen direkten Charme des Abenteurertums, der den Leser schlichtweg mitreißt. Es ist daran zu zweifeln, dass das allein Ausdruck des Übersetzers ist, das Ausgangsmaterial dürfte stilistisch ebenfalls schon sehr ge­diegen sein. Dieses Werk lässt sich jedenfalls mühelos binnen weniger Tage le­sen, wenn man sich viel Zeit damit lässt (es ginge auch an einem Nachmittag, wenn man mehr Zeit hat). Und man hat, bei allen quasi-rassistischen Vorurtei­len, die durch diese Geschichte hindurchschimmern und die Teil der damaligen Weltanschauung waren, doch eine klare Vorstellung von den Personen, man kann ihre Motive und ihren sturen Willen begreifen, der sie so handeln lässt, wie sie handeln.

Ich halte das Werk, das erst 1977 posthum publiziert worden ist und bereits drei Jahre später den Weg in die Terra Fantasy-Reihe fand, für ein sehr solides Stück Abenteurerschriftstellertum. Und egal, wie alt es inzwischen sein mag (rund 80 Jahre), es lohnt die Lektüre noch immer. Wenn ihr das Buch antiqua­risch finden könnt und ohnehin ein Faible für Howard habt (Fantasy ist das hier eher nicht), dann solltet ihr euch diesen Leckerbissen nicht entgehen lassen.

© 2014 by Uwe Lammers

Der Mund ist wässrig gemacht? Gut so. Dann macht euch mal auf die Suche, Freunde. Online-Antiquariate machen es heutzutage leicht, auch dieses Buch zu finden und zu akzeptablen Preisen zu erwerben.

In der nächsten Woche stürzen wir uns erneut in ein Abenteuer von Clive Cuss­ler. Doch in welches nur? Und um welches Geheimnis der Vergangenheit mag es wohl diesmal gehen…? Da hilft nur eins: in einer Woche wieder vorbeischau­en und lesen!

Bis dann, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.