Maiblog 2020

Posted Mai 1st, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde meiner E-Books,

während ich diese Zeilen in Vorbereitung auf ihre Veröffentli­chung am 1. Mai 2020 schreibe (18. April 2020), ist die gesamte Welt rings um mich herum nach wie vor in der Ära dessen ge­fangen, was wir einst einmal die „Corona-Depression“ nennen dürften. Denn es ist ziemlich offenkundig, dass das SARS-Virus COVID-19, landläufig als „Corona“ bezeichnet, die Weltwirt­schaft aufgrund der erzwungenen Restriktionen in eine Rezessi­on lenken dürfte. Die Folgerungen für den weiteren Verlauf des Jahres 2020 und die bislang prognostizierten Langzeitkonse­quenzen bis 2022, die derzeit schon im Gespräch sind, können aktuell noch nicht abgesehen werden.

Nun kann ich auf der einen Seite natürlich jeden von euch bes­tens verstehen, der schon aufgrund des ersten Absatzes die Au­gen genervt verdreht und schnaubt: „Mann, verdammt, fängt der Uwe auch noch mit diesem Corona-Sch… an?!“ Auf der an­deren Seite wäre es jedoch auch ausgesprochen töricht, sich als Schriftsteller von diesem Thema völlig abzuwenden, sich in splendid isolation zurückzuziehen und zu glauben: Das geht mich nichts an.

Natürlich geht es mich etwas an.

COVID-19 geht uns alle an, ganz gleich, ob wir das toll finden oder nicht, ganz egal, ob wir erkrankt sein mögen (was die we­nigsten von uns sind) oder wir nur aufgrund medialer Überhit­zung oder wegen offizieller politischer Regeln nervös geworden sein mögen.

Naturgemäß betrifft die Krise auch den Buchmarkt, und zwar nicht nur den physischen, sondern selbstverständlich auch den E-Book-Markt. Und mich bezieht das gleichfalls ein. Während sich glücklicherweise alsbald eine neue Beschäftigung als Histo­riker für mich anbahnt (auch hier von der Krise deutlich ge­bremst und momentan noch ein wenig unsicher), hänge ich im­mer noch in diesem Jet-Lag vom Dezember, wo zunächst der massive Datenverlust stattfand und nach wie vor nicht gänzlich behoben ist. Sodann schlug der Druck meiner nächsten Flyer­auflage fehl, die quasi nur als Altpapier zu verwenden ist. Die Planung, einen aktuellen neuen Flyer zu erstellen, existiert zwar, ist aber wegen mangelnder Motivation zurzeit zurückge­stellt.

Das hat auch damit zu tun, dass es nicht wirklich befriedigend ist, entdecken zu müssen, wie sehr doch die Verkaufszahlen meiner E-Books dahingesiecht sind. 5 Verkäufe im Monat sind schon wirklich sehr viel, meist ist es weniger, und quasi alle äl­teren Bände meiner E-Books verkaufen sich im Grunde über­haupt nicht. Durch die vor Jahren erfolgte Umstellung auf die präzise Leseseitenzählung durch Kindle Unlimited bei Amazon sind meine Einnahmen sowieso schon in den niedrigen zweistel­ligen Eurobereich im Monat gefallen, und ihr versteht sicherlich, dass mich das nicht eben motiviert, weiterzumachen … was ich dennoch gern tun möchte. Ein wenig mehr Zuspruch von Leser­seite in puncto Verkäufe täte mir aber gut.

Solche Gedanken haben natürlich auch Auswirkungen auf meine Planungen und Schreibfortschritte. Als ich im Mai 2019, vor ei­nem Jahr also, verhalten optimistisch auf die Arbeitsplanungen schaute, waren solche Dinge wie die Corona-Pandemie logi­scherweise kein Thema. Aber sie und die dadurch ausgelösten Turbulenzen auf dem Buchmarkt und jedem sonstigen Gebiet des öffentlichen Lebens haben eigentlich nur vorhandene Ten­denzen verstärkt.

Schauen wir uns mal die physischen Konsequenzen an, die sich seit Mai 2019 eingestellt haben. Sie sehen vermutlich ein wenig befremdlich aus.

Im Zuge meines E-Book-Programms ist seit dem letzten Mai-Blog bei Amazon entgegen meiner ursprünglichen Vorstellungen nur folgendes Werke veröffentlicht worden:

TI 31: „Zeitenwandel“

Bei XinXii erschienen im gleichen Zeitraum folgende Werke als „Nachdrucke“:

TI 24: „Gelüftete Schleier“

TI 25: „Audienz bei Quin“

Gern hätte ich in diesem Zeitraum noch weitere E-Books bei XinXii veröffentlicht … aber ein bislang nicht behebbarer Bau­fehler hat mich davon abgehalten. Aus rätselhaften Gründen kann ich die deutsche XinXii-Seite nicht mehr erreichen, son­dern nur noch die englische. Und solange diese unerwartete Hürde nicht überwunden werden kann, fühle ich mich einiger­maßen gehemmt, hier weitere Veröffentlichungen vorzuneh­men.

Das bedeutet aber im Umkehrschluss immerhin, dass bei XinXii.com immerhin 36 meiner E-Books mühelos erhältlich sind. Da könnt ihr also gern, die ihr vielleicht mit dem „Kraken“ Amazon nichts zu tun haben möchtet, meine Werke erwerben. Bei Amazon-KDP wären es natürlich mehr, insgesamt nämlich 50 Werke. Es ist also ein wenig bedauerlich, wenn immer nur das neueste veröffentlichte Werk von mir Zuspruch findet. Die Backlist, die ihr auch in voller Länge bei meinem Profil bei Ama­zon AuthorCentral einsehen könnt, ist nicht zu verachten. Gern weise ich da besonders auf meine fünf Kurzgeschichtenbände hin, die z. T. auch durchaus längere Geschichten enthalten (etwa die Tiyaani-Novelle, die TITANIC-Novelle oder auch die Story „Beide Seiten der Medaille“ in der ersten Storysamm­lung von 2014).

Ach ja, das ist ein schönes Stichwort, stelle ich gerade fest. Denn ein Positivum in den letzten Monaten stellte die Möglich­keit dar, mit tatkräftiger Hilfe eines befreundeten Startup-Grün­ders in Salzgitter endlich Zugang zum Druckprogramm KDP-Print (Nachfolger von Create Space) zu finden. Auf diese Weise gelang es Daniel und mir, im November meinen „Versuchsbal­lon“ als Printwerk zu publizieren, die Fantasy-Katzenfabel „Die Katze, die die Sonne stahl“. Und im Dezember folgte dann mit „Beide Seiten der Medaille und andere phantastische Geschichten“ das erste längere E-Book, nämlich meine erste Storysammlung von 2014.

Beide Werke sind seither also auf Amazon-KDP zu erwerben und können anschließend ins Regal gestellt werden. Besonders das zweite Werk macht, weil umfangreicher, dabei eine echt gute Figur.

Wir haben Ende 2019 dann für das anbrechende Jahr 2020 ei­gentlich noch so vier oder fünf weitere Printwerke geplant, aber dann kam uns Corona in die Quere und hat auch hier erst mal für Eiszeit gesorgt. Denn die Schlussarbeiten finden bei Daniel in Salzgitter bilateral statt, und mit dem Reisen in Corona-Zei­ten ist das ein wenig schwierig zurzeit. Wir haben diesen Plan also etwas verschoben.

Dennoch: er ist nicht vertagt auf den St.-Nimmerleins-Tag. Im Gegenteil, ich möchte gern meine nächsten vier Storysammlun­gen in absehbarer Zeit bei KDP-Print herausbringen und bin zu­versichtlich, dass das auch klappen wird.

Apropos Storysammlungen. Da gab es ja noch eine positive Ent­wicklung in den zurückliegenden 12 Monaten: Im September 2019 ist Teil 2 meiner erotisch-phantastischen Novellen beim Terranischen Club Eden (TCE) als „Grey Edition 13: Wollust, Wunder und Verhängnis“ erschienen. Man mag vom Cover halten, was man möchte, das sollte nicht wirklich der aus­schlaggebende Grund für den Kauf sein. Wichtig ist doch nicht, wie bei Nahrungsmitteln, die ansprechende Verpackung, son­dern das, was darinnen ist und wie es mundet (ob nun mental oder physisch … nein, damit will ich natürlich niemanden auffor­dern, die TCE-Veröffentlichung aufzubacken oder so, da gibt es kalorientechnisch sicherlich nützlichere Alternativen).

Zum Ende des Jahres 2019 lagen damit also insgesamt 4 Print­werke von mir vor, die all jene, die sich ein wenig zieren oder Hemmung haben, E-Books zu kaufen, in die Lage versetzen, ihre Prinzipien nicht zu ignorieren und mich dennoch in mei­nem Schreibprozess ein wenig zu unterstützen. Die TCE-Story­sammlungen sind allerdings nicht im allgemeinen Handel er­hältlich, sondern nur direkt über die TCE-Homepage. Der Plan, beide Storysammlungen beizeiten mal in eine digitale Ausgabe zu überführen und bei XinXii zu veröffentlichen, konnte aktuell noch nicht weiter verfolgt werden.

Ebenfalls noch nicht fertigstellen konnte ich die Novelle „Das Geheimnis von Church Island“, das ja die Handlungslücke zwischen „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“ und „DER CLOGGATH-KONFLIKT 2: Monstererwachen“ füllen soll. Meine ursprüngliche Hoffnung, die Novelle noch anno 2019 zu veröffentlichen, um dann 2020 mit CK 2 fortzufahren, ließ sich bislang noch nicht realisieren. Ich arbeite an beiden Texten aber noch, keine Sorge. Ich hoffe sehr, beide bis zum Erschei­nen des nächsten Maiblogs vorlegen zu können.

Ähnlich sieht die Lage aus bei „BdC 2: Gestrandet in Bytharg“, an dem ebenfalls gearbeitet wird. Auch diese Veröf­fentlichung war im Grunde für 2020 geplant. Wie ihr euch vor­stellen könnt, wird das ebenfalls noch etwas verschoben werden müssen. Gleiches gilt für den aktuellen Band der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“, als den Band „Krisenherd Xoor‘con“. Es nervt mich selbst, solche Projekte schieben zu müssen, aber ich kann nun mal wenig an den aktuellen Umstän­den ändern, so lieb mir das auch wäre.

Die Folgeprojekte, die ich schon im vergangenen Maiblog an­kündigte, stehen auch weiterhin auf der Agenda. Es handelt sich dabei um diese Werke:

BdC 3: Unter Feinden

BdC 4: Der Sonnengarten von Bytharg

TI 33: Sturz ins Stahlherz

TI 34: Arbeiter des Imperiums

Annalen 7: Räuber

Auch ist natürlich eine weitere Storysammlung in Planung, zu der ich noch nichts weiter erzählen möchte. Während für die obigen Projekte schon überall Titelbilder existieren, wäre das für die nächste Storysammlung noch nicht der Fall. Und hier er­schwert mir die Verschmelzung von Fotolia mit Adobe-Stock ebenfalls etwas die Weiterarbeit. Überall so kleine Stolper­schwellen, wie ihr seht … man kommt sich vor wie auf einer alt­modischen Buckelpiste. Von reibungslosem Arbeitsablauf kann derzeit eher keine Rede sein, und dabei lasse ich manche sons­tigen Komplikationen hier aus, die ich anderweitig noch zu klä­ren versucht bin.

Was hat sich sonst noch so getan? Nun, zurzeit absolviere ich ein Coaching zur besseren Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt – auch das ist natürlich durch die Corona-Krise etwas ins Trudeln geraten – , und auf dem Fansektor bin ich wie vermutet im März 2020 als Chefredakteur des Science Fiction-Clubs Baden-Würt­temberg (SFCBW) wiedergewählt worden und betreue in dieser Funktion auch weiterhin das monatliche Fanzine Baden-Würt­temberg Aktuell (BWA). Hier konnte ich sogar ungeachtet der krisenhaften Umgebungsumstände mit dem 88seitigen BWA 439 eine schöne seitenstarke Ausgabe vorlegen.

Beim Verein KreativRegion e.V. in Braunschweig bin ich gleich­falls weiterhin ehrenamtlich aktiv als Ansprechpartner für die Sparte „Buchmarkt“. Der Gedanke, dort den Belletristik-Sektor auf der Homepage zu stärken, hat aber noch keine weiteren Früchte getragen. Ich befinde mich hier im Gespräch mit diver­sen Literaten der Region wegen Veröffentlichung ihrer Werke ebendort, aktuell bin aber mehrheitlich ich dort mit Kurzge­schichten, Novellen, Rezensionen und Gedichten präsent. Ein Besuch dort lohnt sich sicherlich, da darunter zahlreiche Werke sind, die noch nicht in Fanzines oder in meinem Rezensions-Blog veröffentlicht worden sind.

Zum Thema „Hörbuch“ (oder Podcast) gibt es leider noch keine Neuigkeiten, da muss ich euch noch etwas vertrösten. Ich hoffe, dazu kann ich im nächsten Maiblog mehr berichten.

Baustellen gibt es also, wie ihr alleine daran seht, gar viele, und diese Zersplitterung der Interessen und des Aufmerksamkeitsfo­kus erzeugt natürlich Reibungsverluste und Zeitverluste. Beson­ders stark ist das zurzeit auf dem Sektor der Digitalisate alter OSM-Episoden. Hier nähere ich mich zwar allmählich dem Ab­schluss der Digitalisierung von KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC) (aktuell bin ich in Band 90 von 105, das Ende ist also in Sicht). Andererseits habe ich im Januar 2020 mit dem Digitalisat von KONFLIKT 13 „Oki Stanwer Horror“ be­gonnen, um so die Arbeiten am CLOGGATH-KONFLIKT zu be­schleunigen. Was auch dringend an der Zeit war … die Episoden stammen aus dem Jahr 1983 und sind … leider so gruselig schlecht durchdacht, dass es mir die Zehennägel kräuselt. Posi­tivum: Ich SEHE die Fehler heute und erkenne wohltuend, wie sehr ich mich seit damals weiterentwickelt habe. Aber die Kom­mentierung der Abschriften fällt dennoch haarsträubend aus.

Bei den Blogartikeln habe ich in der Veröffentlichung bei den sonntäglichen Wochen-Blogs aktuell Nr. 371 erreicht. Der äußerste Planungsrand reicht hier schon bis Nr. 396 (geplant für den 27. September 2020). Die Rezensions-Blogs sind inzwischen veröffentlicht bis Nr. 264, die Planung reicht hier bis Nr. 297, der auf Anfang Dezember 2020 datieren wird. Tatsächlich habe ich hier schon alle Rezensions-Blogs bis Ende Oktober 2020 (Nr. 292) fertig gestellt. Für Nachschub an dieser Front ist also ge­sorgt.

Was die Serie „Close Ups – Der OSM im Detail“ angeht, so werde hier mit Teil 21 die Besprechung der 14. OSM-Serie „Oki Stan­wer – Feldherr der Cranyaa“ abgeschlossen haben und dann mit Teil 22 zur historisch ältesten Serie des Oki Stanwer Mythos, zur Serie „Oki Stanwer“, die ich im Januar 1984 beendete (!) vorsto­ßen. Da sie bis 2005 vollständig digitalisiert worden ist, sollte es vergleichsweise leicht sein, die nächsten Close Up-Beiträge dann in rascher Folge zu erstellen.

Gegenwärtig gehe ich davon aus, dass ich die FdC-Serie bis Spätsommer 2020 digitalisiert habe und die entsprechenden Close Up-Teile dann geschrieben sind. Dann kann ich mich kon­zentriert wieder anderen Baustellen widmen.

Was ist seit dem letzten Maiblog noch geschehen?

Im Februar 2020 erreichte ich mit „Rätsel von EWIGKEIT EINS“ den Band 1950 des OSM. Momentan bin ich auf Zielkurs auf OSM 2000 und habe schon eine sehr konkrete Ahnung, wel­cher Band das sein wird. Aktuell habe ich OSM-Band 1968 abge­schlossen und schätze, dass ich im Frühjahr 2021 den Band 2000 erreiche. In einem Jahr kann ich euch dazu gewiss an die­ser Stelle mehr verraten.

Mein letztens gefasster Plan der Digitalisierung der Non-OSM-Serie „Horrorwelt“ machte seither ebenfalls gute Fortschritte. Inzwischen habe ich Band 117 erreicht, und in naher Zukunft werde ich einen zweiten Artikel im Rahmen meiner regulären Blogartikel veröffentlichen zu den Episoden 51-100 der Serie. Nach meiner Schätzung dürfte der Digitalisierungsfortschritt bis Mai 2021 dazu führen, dass ich Band 150 erreiche oder viel­leicht noch weiter vorstoße. Dass das jetzt langsamer vonstat­ten geht, wird transparent durch die Kenntnis, dass die Serie ab Band 100 erst auf 8 Seiten und inzwischen auf 10 Seiten pro Episode im Umfang angewachsen ist. Da fällt die Abschrift na­türlich etwas langsamer aus als zu Anfang, wo jede Folge nur 5 Seiten Länge besaß.

Zum Programmpunkt „Lesungen“ gibt es nur insoweit eine Neu­igkeit zu vermelden, dass ich auf dem Magnifest 2019 auf dem Stand der KreativRegion eine kurze Lesungssession hatte. Das Zeitfenster, das ich mir mit mehreren anderen Autorinnen teilte, war aber zu knapp bemessen, um mehr als ein paar der Prosa­gedichte zu lesen. Wer nicht dabei sein konnte oder neugierig auf das gesamte Programm ist – ich habe das Leseskript in der Mediathek der KreativRegion zur Lektüre zur Verfügung gestellt. Es wurde dort auch mit dem schönen Titel „Gold und Juwelen, von Flüchtenden getragen“ und einem passenden Titelbild versehen.

Zwar war für Herbst 2020 noch eine Lesung in Planung, aber in Anbetracht der aktuellen Beschränkungen macht das vermut­lich nicht viel Sinn. Auch dazu werde ich also wohl erst im kom­menden Maiblog Näheres sagen können.

Und damit möchte ich dann allmählich zum Schluss kommen … es erstaunt mich immer wieder, wie viel doch in einem einzel­nen Jahr – in dem ich publizistisch nicht wirklich sehr aktiv war, vom Fanzinebereich vielleicht mal abgesehen – so an Berich­tenswertem zusammenkommt. Gleichwohl wünsche ich mir na­türlich, dass die Zeiten sich besser entwickeln werden und ich wieder regelmäßiger E-Books (möglichst ohne „Stolperschwel­len“) veröffentlichen kann. Ich halte euch auf dem Laufenden, Freunde.

Denkt daran, mir weiterhin die Treue zu halten, und wenn ihr zwischendrin ein paar meiner älteren E-Books kaufen mögt, würde ich mich da sehr freuen, das wäre eine schöne Motivation für mich, weiterzumachen in schwierigen Zeiten.

Macht es gut und bleibt besonders gesund, meine Freunde!

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 266: Die Saat des Cthulhu

Posted April 29th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vor ziemlich langer Zeit, ich habe das mal in meinen historischen Blogartikeln des Sonntags-Blogs erwähnt, war ich ausgesprochener Fan der Werke von Ho­ward Phillips Lovecraft und seinen Epigonen. Das war zu der Zeit, als ich gerade ins Fandom gestartet war, also gegen Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhun­derts. Damals gründete ich in eifriger fannischer Begeisterung den Lovecraft-Club LOVECRAFTS ERBEN, und zu den ersten Mitgliedern zählte ein nicht minder enthusiastischer Fan namens Frank Festa.

Frank ist inzwischen seit sehr langer Zeit mit einem eigenen Verlag unterwegs und hat auch zuvor schon im Blitz-Verlag diverse Storysammlungen zu Lovecraft publiziert. Dies hier ist eine der frühen Ausgaben, die – wie die relativ zeitnahe Rezension belegt, die ich vor 18 Jahren schrieb – noch mehr durch Elan als durch kritisches Lektorat auffällt. Dennoch möchte ich damit Franks Eifer auf keinen Fall schmälern.

Zwar bin ich schon ziemlich lange aus dem Lovecraft-Dunstkreis herausgedrif­tet, auch ist LOVECRAFTS ERBEN in den 90er Jahren still eingegangen, doch ste­he ich definitiv zu diesem Teil meiner biografischen Vergangenheit. Und gele­gentlich bereitet es mir immer noch Vergnügen, Geschichten aus dem Umfeld des Cthulhu-Mythos zu schmökern, wenn auch sehr viel seltener als einst. Ich bin heute doch sehr viel stärker im Science Fiction-Milieu verankert und küm­mere mich mit dem Oki Stanwer Mythos (OSM) um mein eigenes Universen-En­semble.

So kritisch also meine unten wiedergegebene Rezension auch klingen mag und so vergriffen die einstmalige Ausgabe sein mag – ich fand sie doch so ausgewo­gen und interessant, dass ich mir dachte: zeig sie doch mal meinen Lesern, die vielleicht weniger von Lovecraft wissen oder dieses Werk selbst nicht auf dem Schirm haben.

Schaut euch einfach mal an, was ihr von den besprochenen Geschichten haltet, und macht euch im Zweifelsfall auf die Suche nach dem Werk selbst:

Die Saat des Cthulhu

von Frank Festa (Hg.)

Blitz-Verlag Nr. 2602

176 Seiten, Paperback, 2000

ISBN 3-932171-99-3

Wie belebt man einen alten Mythos neu, der in der Gegenwart mehr und mehr in den Status eines Randphänomens abzurutschen beginnt? Indem man, wie in diesem Fall, eine Storysammlung von sogenannten Epigonen des Schöpfers die­ses Mythos herausgibt und zeigt, dass nach wie vor ungebrochene Kraft in den zentralen Strukturen liegt.

Der Cthulhu-Mythos (manche nennen ihn auch ein wenig komplizierter YSCOM – „Yog-Sothoth-Mythen-Zirkel“) des amerikanischen Schriftstellers Howard Phil­lips Lovecraft (1890-1937) ist solch ein Mythos, der nach Edgar Allan Poe die amerikanische Horrorliteratur in den 20er und 30er Jahren grundlegend auf­mischte. Mit seinen beklemmenden Alptraumgeschichten einer von den Ster­nen herabgesickerten Rasse ungeheuerlicher und uralter Wesenheiten dämoni­scher Natur, den sogenannten „Großen Alten“, schuf er Topoi, die bis dahin in der eher zahmen Gruselliteratur der Staaten und der Welt kaum existent waren. Infolgedessen war auch die Wirkung, die Lovecrafts meist posthum veröffent­lichtes Schriftgut ausstrahlte, enorm. Viele namhafte Schriftsteller sind bis heu­te davon intensiv beeinflusst, aber die Glanzzeit seiner Epigonen reicht etwa bis zur Mitte der 80er Jahre, dann flaute die Energie seiner Nachfolger merklich ab.

Frank Festa, einstmaliger LOVECRAFTS ERBE und nun Leiter eines eigenen Verla­ges, zum Erscheinen dieses Buches noch Mitherausgeber im Blitz-Verlag, ent­schied sich dazu, die Kraft des Cthulhu-Mythos wieder zu beschwören, indem er sieben namhafte und auch weniger bekannter Epigonen aus Deutschland und den Staaten mit neuen Geschichten in diesem Band zusammenfasste. Gehen wir ins Detail:

Ramsey Campbell, alter Kämpe der Lovecraft-Epigonen, eröffnet den Reigen mit der Story „Schriftlich“, in der ein Sammler von abseitiger Literatur sich in ein Antiquariat verirrt, in dem es nicht so ganz mit rechten Dingen zugeht – und schließlich erhält er ein Angebot, das ungeheuerlich ist. Aber ob es überhaupt noch möglich ist, es zurückzuweisen …?

Christian von Aster entführt den Leser in der Geschichte „Yamasai“ nach Neu­guinea zu dem unbekannten Volksstamm der N’che-guee, die ein absonderli­ches Stammesgeheimnis hüten sollen, ein Fabelwesen namens Yamasai, das die ethnologisch motivierte Expedition enorm neugierig auf das macht, was sich dahinter verbirgt. Mit einigen Schwierigkeiten erreichen sie auch schließlich das Ziel, doch was sie entdecken, erschüttert ihr Weltbild grundlegend

Thomas Wagner schildert in „Die Farben der Tiefe“ eine Besessenheit, die fa­natische Suche nach einem verschollenen Maler, der auf rätselhafte Weise in der Südsee vor vielen Jahrzehnten verschwand und dessen Bilder inzwischen sensationelle Preise erzielen. Obgleich es scheinbar überhaupt keinen Sinn macht, sucht der Kunstauktionator Velten in der Biografie des verschwundenen Konrad Hatteras schließlich nach dem Fixpunkt, und der findet sich auf Neville Island, wo Hatteras verschwand. Na ja, oder was man eben so gemeinhin „Ver­schwinden“ nennen möchte …

Frank Festas Einleitung zu der Story „Der große Fisch“ von Kim Newman über­treibt wahrlich nicht: „Nun erwartet Sie eine der verrücktesten Cthulhu-Ge­schichten, die je geschrieben wurden …“ Womit er recht hat. Man nehme Ray­mond Chandlers Bay City und Lovecrafts düstere Mythologie, verknüpfe sie mit dessen Kurzroman „Shadows over Innsmouth“, und man erhält eine völlig irre Story. Kurz gesagt geht es um einen Privatdetektiv, der in seiner schnoddrigen Art und Weise mit einem Suchauftrag losgeschickt wird, über in Badewannen ertrunkene Tote stolpert, Seetang und einen obskuren Kult untermeerischer Wesen… es ist wirklich atemberaubend, haarsträubend, und – so seltsam das klingen mag – zwerchfellerschütternd! Allein diese Geschichte ist den Kauf des Bandes wert …

Thomas Ligottis Werk „Harlekins letzte Feier“ führt dann wieder von der West­küste der Vereinigten Staaten fort in den Mittelwesten, wo ein Experte für Eth­nologie und Feste auf den Spuren seines alten Mentors Professor Thoss (man achte auf die Aussprache!) schließlich die seltsam zweigeteilte Stadt Mirocaw entdeckt. Sein ursprünglicher Plan, sich selbst als Clown unter die Bevölkerung zu mischen, wird nicht aufgegeben, aber da es in Mirocaw auch zwei ARTEN von Clowns bei dem Fruchtbarkeitsfest am 19. bis 21. Dezember gibt, wählt er die interessantere Art Clown aus. Eine Entscheidung, die unerhörte Konsequenzen nach sich zieht …

Von dem „Hügel von Yhth“ hat der Protagonist von Jens Schumachers gleichna­miger Geschichte noch nie etwas gehört, als er auf der Suche nach einem okkul­ten Buch San eine heruntergekommene Stadt namens Barath an der Westküste der Vereinigten Staaten erreicht. Sie ist wirklich wenig einladend, die Leute sind wortkarg und verschlossen, ja, irgendwie degeneriert. Die hiesige Bibliothek er­weist sich als seit Jahrzehnten geschlossen, aber nicht verschlossen. In dem staubigen Chaos darin forscht der mutige Protagonist, wird aber nicht fündig. Stattdessen stößt er auf ein anderes Geheimnis, das mit dem Buch San ver­knüpft ist – der „Hügel von Yhth“, der sich draußen in regelmäßigen Abständen auf dem Meer hochwölbt und von etwas aus großen Tiefen erzeugt zu werden scheint. Als er schließlich die Möglichkeit erhält, sich selbst von dem Phänomen zu überzeugen, gefriert ihm schier das Blut in den Adern …

Den Schluss macht ebenfalls ein Altmeister des Horrors, F. Paul Wilson, unter anderem bekannt geworden durch Horrorschocker wie „Das Kastell“, die deut­lich lovecraftschen Einfluss spüren lassen. Seine Geschichte „Hinter dem Schlei­er“ kehrt in die ostenglischen Gebiete zurück, in die unendlich großen, fast un­berührten Pinienwälder, in hinterwäldlerische und scheinbar inzestuöse Ge­meinden, wo die Zeit im 19. Jahrhundert stehengeblieben zu sein scheint. Auf der Suche nach dem „Teufel von Jersey“ erinnert sich Jonathan Creighton seiner alten Studienkollegin und Geliebten Kathleen McKelston, die aus dieser Gegend stammt, und ehe sie sich versieht, steckt sie mit Creighton im tiefsten Schlamas­sel.

Nicht nur, dass er offenbar den „Teufel von Jersey“ nur als Vorwand verwendet, um etwas ganz anderes zu suchen, er sagt auch in andererlei Hinsicht nicht die Wahrheit. Und als sie schließlich mitten in der Wildnis über die geheimnisvollen „Pinienlichter“ stolpern, ahnt „Mac“, dass die Schwierigkeiten erst anfangen. Womit sie recht hat. Wohin all das führt, kann sie freilich nicht einmal ahnen …

Die Wiederbelebung eines Mythos geht oft einher mit Innovationen und Verän­derungen. Das war schon bei Lovecrafts frühen Epigonen so. Lin Carter, um ein Beispiel zu nennen, erfand zahlreiche weitere Gestalten wie Zoth-Ommog, um sie in die „Mythologie“ einzufügen. Lovecrafts erster Nachlassverwalter August Derleth verband beispielsweise indianische Mythologie mit dem Cthulhu-My­thos (z. B. in „Das Grauen vor der Tür“), was eigentlich eher ungenießbar war.

Die jetzigen Veränderungen sind anderer Natur und reizvoller. Neben den „alt­backenen“ Topoi wie den nach Wissen jagenden und dann – meist – in den Ab­grund stürzenden fanatischen Wissenschaftsadepten oder Büchersammlern bei Campbell, Schumacher und Wilson finden wir faszinierende andere Ansätze. Ei­ner davon ist die Verlagerung des Schauplatzes aus dem typisch lovecraftschen Neuengland-Milieu beispielsweise an die Westküste, wo man so etwas nicht un­bedingt erwartet. Eine weitere ist die Verquickung mit anderen Genres (genial in „Der Große Fisch“!). Wilson schließlich macht etwas, was Lovecraft so wohl nie gewagt hätte: sein Protagonist und Erzähler ist eine FRAU! Und das tut der Geschichte durchaus gut!

Dies sind die eigentlich spannenden Neuigkeiten im Cthulhu-Mythos, die auch diese Auswahl so interessant machen. Dabei kann man über Schnitzer und Un­zulänglichkeiten dieses Bandes hinwegsehen. An manchen Stellen fällt auf, dass mit der heißen Nadel gestrickt wurde und mehr Begeisterung als Fachwissen manchmal am Werke war. Ein paar Beispiele?

Die Namen seiner Autoren sollte man schon richtig schreiben können. So ist es eine unangenehme Entdeckung, auf der Rückseite des Covers „Kim Newmann“ zu entdecken. Es verlockt zum Schmunzeln, zu bemerken, dass der Name „Cthulhu“ selbst dem Herausgeber manchmal Probleme bereitet (Seite 47).

Ärgerlicher als diese Flüchtigkeitsfehler sind wirklich unangenehme Sachen.

So findet sich am Anfang von Jens Schumachers Story ein Satz, der dem gesun­den Menschenverstand Hohn spricht und der einfach durchs Lektorat so nicht hätte gehen dürfen: „Da der menschliche Geist in seinen Reaktionen jedoch am ehesten zum Weg des geringsten Widerstandes tendiert, liegt es nahe, die ra­sche Flucht in das endgültigste aller Vergessen als am wahrscheinlichsten vor­auszusetzen: den Absturz in unwiederbringlichen Irrsinn.“

Ich gebe zu bedenken, dass wohl das Gegenteil gemeint war, nämlich die Flucht in den Irrsinn, und es ist fraglich, ob man es als erstrebenswert ansieht, Irrsinn „wiederzubringen“. Dies impliziert nämlich, dass Irrsinn die normale menschli­che Geisteshaltung ist. Sicherlich … angesichts der allgemeinen Weltlage über­kommt mich manchmal eine ähnliche Vermutung, doch hier hat entweder der Autor geschlampt oder der Lektor, oder aber beide. So etwas macht keinen guten Eindruck. Sorry.

In derselben Geschichte muss ich noch eine zweite Nachlässigkeit anmerken, die ebenso gravierend oder sogar noch schwerwiegender ist. Jens schreibt hier (Seite 115) von einem Buch, das im Jahre 1817 gedruckt worden sein soll, in ei­ner „arabesk altmodischen, der Minuskelschrift nachempfundenen Type“. Ich halte es, mit Verlaub, für Quatsch, dass das damals jemand gemacht haben soll­te (Mangel entsprechender Typen und Mangel an Notwendigkeit! Gedruckt wurde, um besser lesbar zu machen, nicht, um künstlich manieriert zu wirken!).

Weiter wird hier von „zahlreichen Fußnoten“ geredet. Wenn Jens sich die Mühe gemacht hätte, Bücher aus dem 19. Jahrhundert, insbesondere aus dem angel­sächsischen Bereich mal genauer anzuschauen, wüsste er, dass Fußnoten dort generell sehr spärlich gesät sind, zu diesem Zeitpunkt vermutlich komplett nicht existent. Fußnoten sind in erster Linie eine deutsche „Plage“ des späten 19. und 20. Jahrhunderts. Lovecraft lässt seine Protagonisten ja oftmals in älte­ren und alten Büchern nachschlagen, aber von FUSSNOTEN habe ich da noch nie etwas erwähnt gefunden. Und Lovecraft wusste wirklich, wovon er schrieb. Er sah die Originale ja noch ein.

Solche Fehler zerstören die Freude am Lesen einer ansonsten interessanten Ge­schichte. Wenn dann noch physikalische Unmöglichkeiten (Fehlen einer Flutwel­le, die durch den Hügel erzeugt werden muss – siehe Tsunamis!) hinzukommen, die nicht mal angedacht werden, dann empfehle ich dringend eine gründliche Überarbeitung der Geschichte VOR Aufnahme in ein solches Buch. Auch wenn jemand Übersetzer von hier vorhandenen Geschichten ist, bedingt das nicht, dass der Herausgeber über solche Schwächen der Story hinwegsieht.

Die Quintessenz aus all diesem lautet in etwa wie folgt:

Innovationen im Bereich des Cthulhu-Mythos sind stets belebend, sofern sie ge­wisse Grenzen nicht überschreiten. Innerhalb eines etablierten Mythos gibt es Akzeptanzgrenzen, die hier aber recht gekonnt eingehalten werden.

Bei den meisten Geschichten in diesem Band ist die Anbindung an den CM nur oberflächlicher Natur, so dass man streng genommen nicht von einer CM-Ge­schichte reden kann (besonders Campbell und Wilson zeigen das nachdrücklich, aber auch Christian von Aster und Ligotti), bei anderen ersetzt Begeisterung und Liebe zum Detail vieles, führt aber auch zu Fehlern (Schumacher).

Das zeigt, dass Liebe zum Mythos und Begeisterung alleine nicht ausreichen, um gute Geschichten zu schreiben oder um solide Storysammlungen vorzulegen, wenngleich der Wille dazu ohne Frage erkennbar ist.

Weitere Anthologien zu diesem Thema werden zeigen, ob und inwiefern noch „Blut“ im alten Cthulhu-Mythos enthalten ist und ob es sich lohnt, in unserer schnelllebigen Zeit von heute weiterhin Geschichten in Lovecrafts Umfeld anzu­siedeln. Was ich im übrigen sehr bedauert habe, war das häufige Fehlen konkre­ter Jahreszahlen der Handlungszeit. Mir drängte sich der Eindruck auf, als wür­den sie mehr oder weniger fast alle in der Gegenwart spielen (vom „Großen Fisch“ mal abgesehen, der ja 1941 spielt, also beinahe in der Lovecraft-Zeit).

Die „antiken“ Lovecraft-Stories spielten ja alle in der damaligen Gegenwart, die mir nach wie vor als die ideale Handlungszeit erscheint. Vielleicht muss ich das als Historiker so sehen. Nostalgisches Flair ist allerdings, wie Kim Newman schlagend beweist, nicht notwendigerweise ein Nachteil für eine Lovecraft-Ge­schichte. Daraus sollten künftige Epigonen Lovecrafts ihre Lehren ziehen …

© 2002 by Uwe Lammers

In der nächsten Woche schließe ich – vorerst – die Rezension einer Trilogie ab, die in der Gegenwart spielt und irgendwie nach wie vor die Gemüter aufwühlt. Ihr werdet es merken.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

wie ich jüngst schon im Fanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) in Ausgabe 438 schrieb, dessen Chefredakteur ich nach wie vor bin: neues Jahr, neues Spiel. Ich betrachte, und das wisst ihr von mir seit inzwischen bald sieben Jahren, ein neues Jahr als die Möglichkeit, ein bislang unbeackertes Feld der Krea­tivität zu bestellen. Chancen wahrzunehmen. Projekte zu begin­nen oder abzuschließen, Neuland zu betreten. Und das stimmt mich grundsätzlich positiv.

Ja, der Dezember hat mir da einen ziemlichen Stüber verpasst, datentechnisch verstanden. Aber das hat meinen Elan lediglich gebremst, nicht komplett nihiliert. Und so blicke ich nun heute auf den Januar 2020 zurück und konstatiere durchaus zufrieden 27 beendete Werke. Das kann sich durchaus sehen lassen. Selbst wenn mich eine gesundheitliche Unpässlichkeit ein wenig in meinen Möglichkeiten über Tage beschränkte, reichte der Rest der Zeit doch aus, eine Menge zu schaffen.

Drei Ereignisse möchte ich dabei besonders herausheben: Das Beginnen einer neuen Baustelle (nicht die Augen verdrehen, Freunde, ihr werdet sehen, das war zwingend notwendig), das dringende Update eines Textes, der schon seit fast 15 Jahren dasselbe benötigt hätte, und das atemberaubende Abenteuer, eine brandneue SF-Story wirklich binnen eines Tages aus dem Boden zu stampfen. Obwohl sie nicht dem Oki Stanwer Mythos (OSM) entstammt, finde ich es zweckmäßig, sie hier heute zu nennen.

Schauen wir uns mal den Gesamtmonat an, wie er sich der chronologischen Folge nach entwickelte:

Blogartikel 369: Work in Progress, Part 85

(OSM-Wiki)

13Neu 1: TOTAMS Knochensaat

Anmerkung: Und damit sind wir auch schon mitten im Abenteu­er des Digitalisats von KONFLIKT 13 „Oki Stanwer Horror“. Aufmerksame Leser unter euch wissen noch, dass ich vor eini­ger Zeit sagte, diese Serie stelle gewissermaßen den Keim für die heutige E-Book-Reihe „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ (CK) dar. Und wir reden hier von Werken, die in den Jahren 1982 bis 1985 entstanden. Mir war es schon seit sehr langer Zeit ein Herzensanliegen, diese Episoden zu digitalisieren. Aber bislang standen stets andere Dinge dem im Weg, nicht zuletzt die Tat­sache natürlich, dass ich a) anderen Serien den Vortritt gelas­sen hatte und b) es keinerlei Notwendigkeit gab, die Rohfas­sung des CK beschleunigt aufzuarbeiten.

Was hat sich geändert? Nun, dreierlei Sachverhalte bewogen mich, mit Jahreswechsel 2019/20 die Dinge anders zu gewich­ten und diese Arbeit zu beginnen. Genau genommen waren es sogar vier, zum vierten Punkt sage ich weiter unten etwas.

Punkt 1: Es gelang mir, den Textkoloss „DER CLOGGATH-KON­FLIKT“ vor relativ kurzer Zeit endlich vollständig zu digitalisie­ren. Ich erzählte davon.

Punkt 2: Ich fasste den – vielleicht wagemutigen, auf jeden Fall aber lange überfälligen – Entschluss, den CK ins E-Book zu transferieren und begann damit Ende 2018.

Punkt 3: Das Digitalisat von KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ gerät allmählich in den Bereich der Vollendung. Es fehlen nur noch gut 20 Episoden, so dass ich zu­versichtlich davon ausgehe, dieses Digitalisat anno 2020 vollen­den zu können. Da schien es mir nicht zu riskant, dieses neue „Fass“ aufzumachen.

Na ja, was ich nicht ahnte, war, wie haarsträubend das werden würde. Das habe ich im Januar 2020 schon erlebt, und das wird wohl noch schlimmer werden. 1982/83 hatte ich wirklich … ab­surde Vorstellungen von Erzählhandlung. Es ist zum Heulen. In acht Wochen erfahrt ihr Näheres dazu.

(12Neu 80: Brückenkopf Pholyar)

14Neu 81: Expedition der Plegg‘re

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“)

Blogartikel 365: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 68

(14Neu 85: Der Kristallriese)

(13Neu 2: Die knöchernen Killer)

Anmerkung: Das Abenteuer OSH ging weiter mit Band 2 … je­denfalls sah es so aus. Aber das täuschte, weil ich nämlich am 17. Januar eine spektakuläre Entdeckung in meinen Unterlagen machte, die das weitere Digitalisieren dieses KONFLIKTS 13 auf eine grundlegend neue Basis stellte. Und deshalb ist dieser Band auch immer noch nicht fertig, was sonst geschehen wäre. Das wird wohl jetzt im Februar geschehen.

(12Neu 81: Bei den Traalern)

(14Neu 82: Strahlenstürme)

(Spurensuche in Babylon – OSM-Novelle)

Anmerkung: Das war eine witzige Sache, dass ich auf einmal spontan an diesem OSM-Fragment weiterarbeitete, und gar nicht mal wenig. Wie kam es dazu? Na ja … ich zog in meiner Lektüre der GEO EPOCHE-Reihe, wo ich einen jahrelangen Rück­stand aufweise, weil ich diese toll gemachten Magazine wirklich recht langsam und gründlich lese, ein Heft zum Thema Babylon und Mesopotamien vor und verschlang es tatsächlich binnen weniger Tage (das war eher ungewöhnlich).

Und dann war ich auf einmal wieder im gedanklichen Hand­lungsstrom des KONFLIKTS 18 „Kampf gegen TOTAMS Dä­monen und Schergen“ (KGTDUS) und besonders diesem in Mesopotamien spielenden Sequel. Ergänzend kam wohl die Lek­türe von Philipp Vandenbergs „Der Fluch der Pharaonen“ hinzu, an dem ich immer noch „knabbere“.

Sage also niemand, ich läse nur Bücher zum Zeitvertreib, manchmal hat das direkte Auswirkungen auf das, was ich schreibe.

Blogartikel 366: Close Up – Der OSM im Detail (14)

Blogartikel 370: Close Up – Der OSM im Detail (15)

Blogartikel 375: Close Up – Der OSM im Detail (16)

(14Neu 83: Die Entstehung der Biowelt)

(14Neu 84: Blaue Galaxien)

(13Neu 3A: Der Horror-Garten)

Anmerkung: Äh… Folge 3A? Was ist DAS denn? Ja, Freunde, und jetzt nähern wir uns dem Problem und der phantastischen Über­raschung des KONFLIKTS 13, über die ich in acht Wochen Ge­naueres berichten werde. Hier nur folgende Anmerkung: In mei­ner OSM-Gesamtliste stehen manche Titel doppelt, das ist kein Schreibfehler, ich habe sie tatsächlich doppelt, z. T. sogar drei­fach geschrieben. Das erwies sich als notwendig, weil ich in der Frühzeit leichtsinnigerweise Originalskripte verschickte, ohne davon Kopien, Durchschläge oder dergleichen zu haben.

Euch sträuben sich die Haare? Hey, ja, mir heute auch. Aber in den frühen 80er Jahren gab es kein Internet, der Zugang zu Ko­pierern war schwierig, die Kopierqualität oftmals bescheiden, und ich war zudem als Schüler notorisch knapp bei Kasse. Was also tut man, wenn man seinen Brieffreunden seine Texte zu le­sen geben will? Man schickt sie ihnen! Im Original.

Na ja, also, da ging manches verloren. Und ich ging bei zwei frühen Episoden des KONFLIKTS 13 auch davon aus, sie seien verloren gegangen … und dann tauchten sie am 17. Januar 2020 auf einmal aus einem Fragmentordner wieder auf und grinsten mich freundlich an.

Mann, dachte ich, was mache ich denn JETZT? Ignoriere ich die total? Nein, kann ich nicht machen. Die müssen ja gerettet wer­den, man schaue sich nur mal den ZUSTAND dieser Skripte an!

Also entschloss ich mich dazu, diese „Vorversionen“, wie ich sie heute nenne, kurzerhand in die Zählung zu übernehmen. Aber da sie z. T. titelidentisch mit den späteren Episoden sind, müs­sen sie natürlich irgendwie gegen Verwechslungen abgegrenzt werden. So habe ich die Rohfassungen oder Vorversionen nun als A-Fassungen in die Gesamtreihung integriert.

Wie sieht das konkret aus? Die Reihung ist dann diese:

13Neu 1A

13Neu 1

13Neu 2A

13Neu2 … und so weiter. Es gibt in der Tat erstaunlich viele sol­che Vorversionen, manche umfassen nur wenige handschriftli­che Seiten und sind quasi nur Roh-Textentwürfe. Und Inhaltsab­weichungen gibt es da! Da wechseln Handlungsschauplätze, Protagonisten werden flugs erfunden, von Dialogen schweige ich mal ganz, und ich verzähle mich, mache einen unsagbaren Blödsinn bei der Charakterisierung der Protagonisten, von Lo­gikfehlern mal ganz zu schweigen.

Ein Abenteuer, echt! Haarsträubend. Und das habe ich damals meinen frühen Brieffreunden zugemutet … ich schäme mich heute noch dafür. Aber damals war mein Ego irgendwie hochhausgroß, und ich fand das total in Ordnung. Und von sonderli­cher Kritikfähigkeit auf der Seite meiner meist gleichaltrigen Brieffreunde war auch kaum was zu entdecken. Was sollte ich also denken, wenn ich ständig munter bestätigt wurde? Nun, ich dachte folgerichtig: dann mal weiter so!

Autsch.

(12Neu 82: Kiquaas Hinterhalt)

13Neu 2A: Die knöchernen Killer

13Neu 1A: Die Knochensaat

(13Neu 3: Der Horror-Garten)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer Horror“)

Ende einer Reise – SF-Story

Anmerkung: Das ist also jene Story, die mich nicht schlafen ließ, das könnt ihr buchstäblich verstehen. Es war der Morgen des 24. Januar 2020, als ich mich so gegen 1 Uhr morgens ins Bett legte, und da war plötzlich dieser Gestrandete und sein verrück­ter Rettungsanzug. Und sie fingen an, miteinander zu reden. Und plötzlich waren wir dann bei Miguel de Cervantes Saave­dra, bei Marcel Proust und Harry Potter … ernsthaft, ich kann das gar nicht richtig in Worte fassen.

Die Geschichte wurde in meinem Kopf jedenfalls immer lebendi­ger, und ich wachte zugleich immer mehr auf. Also blieb mir keine Wahl: Aufstehen, an den Schreibtisch setzen, Computer hochfahren, Skizze machen.

Tja, die Skizze brauchte drei Stunden und bekam 15 Seiten! Der gesamte Handlungsbogen, echt! Und dann haute ich mich aufs Ohr, schlief ein paar Stunden, und nachdem ich aufwachte, setzte ich mich wieder an die Story und feilte sie bis zum Abend fertig aus. Fertig ist eine Geschichte. Sie hat jetzt natürlich über 20 Seiten, aber aktuell gefällt sie mir wirklich gut.

Wann und wo ich sie veröffentliche? Weiß ich noch nicht. Lasst euch überraschen.

Blogartikel 381: Zeitreise ins Jahr 1983

Blogartikel 371: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 69

(FvL 43: Rätsel von EWIGKEIT EINS)

Anmerkung: Äh, ja, ich weiß, dass ich diese OSM-Episode ei­gentlich schon vor Monaten fertig schreiben wollte. Aber es hat sich stets verzögert. Jetzt bin ich bei OSM-Band 1945 angelangt und habe kurzerhand entschieden, dass FvL 43 der Band 1950 des OSM sein wird. Geplanter Fertigstellungszeitpunkt: Februar 2020. Manche Dinge brauchen bei mir einfach länger … aber das ist ja keine Neuigkeit.

Die Tiefen des inneren Universums – Update 2020 = OSM-Kompendium

Anmerkung: Das war dann die nächste Aufgabe, die ich wirklich nicht mehr warten lassen konnte. Die Vorgeschichte hierzu ist nicht minder abenteuerlich als das, was ich dann im Januar machte.

Im Jahre 2004, als ich also mal wieder als Chefredakteur des BWA eine Auszeit nahm, ergab sich die Chance, für die ich heu­te noch dankbar bin, ganze OSM-Romane in BWA-Sonderbände zu integrieren. Damals fiel die Wahl auf den Roman „Der Feu­erspürer“. Und ergänzend dazu wurde mir vorgeschlagen, ich könne ja mal einen Erklärungstext zum OSM verfassen, damit die Leser, die bislang vom OSM und seiner eher erratischen Pu­blikationsweise verwirrt worden waren, so etwas wie eine Bo­denhaftung erhalten könnten.

Das fand ich eine großartige Anregung und verfasste das OSM-Kompendium „Die Tiefen des inneren Universums“. Dum­merweise oder klugerweise wurde das Werk so umfangreich, dass es 20 Seiten Text überschritt. Ich fand das beunruhigend. Der Redakteur nicht. Er machte daraus kurzerhand eine eigen­ständige Ergänzungspublikation zu BWA (dass das mit einem Witchblade-Cover versehen wurde, was zum OSM nun gar nicht passt, steht auf einem anderen Blatt; zumindest war das Mädel recht apart).

Nun, schon nach zwei Jahren merkte ich im damals recht stür­misch sich entwickelnden OSM (die TI-Serie entstand damals ebenso wie der KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Re­gent“, und bald kam auch noch KONFLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“ hinzu, von zahlreichen Romanen mal ganz zu schweigen), dass ich dringend ein Update brauchte. Das erstellte ich dann anno 2006. Und hoffte damals, ihr könnt es in dieser Fassung noch im Vorwort nachlesen, dass ich nach 2 Jahren vermutlich ein weiteres Update vorlegen würde.

Dummerweise kam es dazu nie.

Ich kramte das Kompendium vielmehr im Dezember 2019 erst wieder heraus,weil ich einige Leute im Umfeld der KreativRegi­on kennen lernte, denen ich ein bisschen Einblick in die Ge­samtstruktur des OSM geben wollte.

Na ja, und dabei stellte ich dann dumme Sachen fest: unnötige Leerzeilen, „dass“ mit „ß“. Schreibfehler. Grammatikfehler. Und ich dachte so bei mir: Das ist eigentlich kein Aushängeschild, das ist eher ziemlich blamabel. Das muss ich dringend ändern.

Nachdem ich das Update 2006 so mehreren Leuten als Mailan­hang geschickt hatte, grub ich das verdammte Ding endlich wieder in der vorletzten Januarwoche aus und ging mehrfach darüber: Neue Einleitung. Grundlegende Rechtschreibkorrektur. Und vor allen Dingen: Ergänzungen!

Gott, und was es da nicht alles zu ergänzen gab! Neue Kurzge­schichten. Neue Romane. In einer Fußnote eine Aktualisierung zum Thema „Archipel“, wo ich ebenfalls zahlreiche Romane und noch mehr Kurzgeschichten und Novellen nicht nachverzeichnet hatte. Weiter: Neue Hintergrundtexte. Unendlich viele Fandom­veröffentlichungen. Die E-Books …

Heute hat das Update 2020 insgesamt 34 (!) Seiten, und allein daran seht ihr schon: es war verdammt noch mal höchste Zeit für eine Aktualisierung. Der OSM hat sich halt in den vergange­nen 14 Jahren schon ordentlich weiterentwickelt. Und ja, ehe ihr jetzt fragt: zweifelsohne ist dies nicht das letzte Update. Ob ich mich an die nächste Fassung schon anno 2022 mache oder spä­ter, möchte ich jetzt allerdings nicht prognostizieren. Das hängt doch sehr stark davon ab, was mich sonst so im Leben beschäf­tigt.

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“)

Anmerkung: Schockartige Überraschungen gibt es im OSM überall – diesmal versetzte mir das Glossar eine solche. Ich be­fand mich mitten in der spontanen Weiterarbeit an der Novelle „Rilaans Geschichte“, als ich nach einem Namen suchte.

Salja … ich glaube, sie hieß Salja … warum steht dieser Name nicht im Glossar des KONFLIKTS 4? Das kann doch nicht sein!“, murmelte ich verdrossen vor mich hin, als die Suche erfolglos blieb.

Dummerweise war das kein Fehler. Ich war bei der Glossierung der Serie in Band 20 abgestorben, und Salja tauchte erst in Band 22 auf. Dumm gelaufen. Und dann stellte ich fest, dass ich wenigstens 250 Seiten Text der Serie noch nicht glossiert hatte! Das ging nun natürlich auch nicht an.

Ich schob also die Weiterarbeit an der Rilaan-Geschichte, so süß sie sich auch entwickelte, erst mal an die Seite, um zu glossie­ren. Was absolut sinnvoll war. Denn während der Glossierung entdeckte ich nicht nur zahlreiche bisher nicht gefundene Schreibfehler, sondern auch massive Inhaltsfehler. Unter ande­rem hatte ich munter Rilaans (!) Heimatplaneten vertauscht und ihren Vater von einer Welt zur anderen versetzt, was natür­lich so nicht möglich ist.

Ein funktionierendes Glossar macht solche Fehler ausfindig. Wenn man das bei einer derart komplexen Geschichte wie einer OSM-Serie nicht hat, kommen solche chaotischen und verrück­ten Werke dabei heraus, wie ich sie aktuell in KONFLIKT 13 zu Gesicht bekomme und fast schon mit Zahnschmerzen abschrei­be und kommentiere. Ich erspare euch die Details hier.

(Rilaans Geschichte – OSM-Novelle)

(14Neu 86: Soffrols Horrorplan)

So, und das war dann der Monat Januar 2020 … ein ziemlicher Gemischtwarenladen, aber sehr anregend. Ich hoffe, das Jahr geht so weiter.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 265: Unterbrich mich nicht, Gott

Posted April 22nd, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Jugendbücher sind ein interessanter Teil der Gegenwartsliteratur, und wenn sie den phantastischen Bereich tangieren – was zunehmend häufiger der Fall ist – , dann kann es sich dabei tatsächlich um recht bemerkenswerte Werke handeln. Leider, leider, gibt es auch ausgesprochen seichte Vertreter dieses Genres, wie ich zumindest finde. Und die dann diplomatisch zu rezensieren, ist nicht wirk­lich einfach.

Als ich das vorliegende Werk 2006 geschenkt bekam (von einer enttäuschten Leserin, wie ich unten schreibe, die inzwischen leider verstorben ist), ließ ich mich, zur damaligen Zeit schon Harry Potter-gestählt, auf dieses verblüffende Leseabenteuer ein. Und ich machte die etwas ernüchternde Entdeckung, dass die Leseansprüche von amerikanischen Jugendlichen doch offenkundig von den meinen grundverschieden waren. Während die Autorin für dieses Buch in den Staaten ausgezeichnet wurde, fand ich es eher durchsichtig und schlicht. Es blieb denn auch nicht in meinen Bücherregalen … was der Grund ist, warum ich vergaß, die ISBN zu notieren.

Einen Aspekt, der das Buch dann vielleicht aber doch lesenswert machen mag und der mir eine gewisse Neugierde erhielt, war dieser: es geht formell um Le­ben nach dem Tod und die Konfrontation von Jugendlichen genau damit. Damit verbindet sich ein gewisser pädagogischer Anspruch, überzuckert von christlich-naiver Religionsüberzeugung, was fraglos auf US-amerikanisches Jugendpubli­kum zugeschnitten ist. Aber der Gedanke, durch diese inhaltliche Volte dieses an sich sehr ernste Thema Jugendlichen nahe zu bringen, hat schon etwas.

Und wie sieht das jetzt genau aus? Nun, dafür solltet ihr weiterlesen:

Unterbrich mich nicht, Gott

(OT: David v. God)

von Mary E. Pearson

Ravensburger Taschenbuch Band 58177

128 Seiten, TB, 2002

Deutsch von Mechtild Testroet

David James ist ein Teenager auf einem Klassenausflug, und eigentlich findet er das alles ziemlich uncool. Seine Mitschüler vom Biologie-Leistungskurs und ihre Lehrerin Mrs. Dunne, die sind ihm auch nicht so rasend sympathisch. Am liebs­ten würde er mit seinem Freund Jason – auch im Bio-Leistungskurs – eigentlich viel eher Mädchen aufreißen, wie das männliche Teenager halt so tun, und Ja­son kann das echt am besten. Aber nein, stattdessen ist er in diesem vermale­deiten Bus … und erlebt auf einmal das größte Abenteuer seines Lebens. Oder das letzte, je nachdem, wie man das sieht:

Der Bus kriegt nämlich während der Fahrt eine Kurve nicht, und das nächste, was David mitbekommt, ist, dass er irgendwie ziemlich tot aussieht, über und über mit Blut bedeckt … und dann erst realisiert er, dass er auf sich hinab­schaut!

Oh Gott! Ich mach dieses Schwebeding! Das ist nicht gut“, meint er erschro­cken und versucht, die Sache irgendwie in den Griff zu bekommen, zu seinem schlaffen Körper hinabzutauchen. Was nicht klappt. Ehe er begreift, was los ist, findet er sich mit seinen Schulkameraden in einem Bus wieder, der durch ein Wolkenmeer pflügt, mit so einem schrillen Busfahrer namens Leonardo, der in seinem Büchlein nachliest, ob er auch alle Seelen, die ins Jenseits sollen, so richtig eingesammelt sind.

Flugziel: Himmel! Und zwar für immer.

Tja, nur machen auch Engel Fehler, wie es scheint, denn Leonardo sollte eigent­lich einen „David Jones“ einsammeln. Er hat halt in der Tat einen Fehler ge­macht, auch bei der Super-Intelligenzbestie des Bio-LK, Marie Smythe, die man allgemein die Byte-Bitch oder Königliche Hoheit Prinzessin Pappnase nennt, weil sie sich so gar nichts aus Jungs und stattdessen eher auf Streberin und ul­tracool macht.

Egal, sagt Leonardo, erst mal hoch zum Bahnhof.

David will eine Aussprache mit Gott … und erfährt, dass er dafür einen Wett­kampf bestreiten muss. Befragt, worin er denn am besten sei (Boxen? Ring­kampf? Bogenschießen? Poker …?), ist David eine Weile recht ratlos, schließlich verfällt er darauf, dass er im Debattieren am besten sei – ist er doch (wie Marie) Mitglied im Rhetorikclub des Colleges. Dass das in seinem Fall eine Strafverset­zung war und er eigentlich im Wesentlichen nur eine große Klappe besitzt, das kristallisiert sich für den Leser schnell genug raus. Doch da ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, und große Anzeigetafeln machen im Himmel bekannt: „Die große Debatte! David gegen Gott. Morgen um 9.00 Uhr. Jeder ist willkom­men.“

Und David bekommt Muffensausen. Nicht nur, weil die einzige Person, die ihm helfen darf und will, Marie Smythe heißt …

Bei diesem Werk handelt es sich um ein Jugendbuch, das ich vor ein paar Jah­ren geschenkt bekam von einer Philosophin, die sich davon deutlich mehr er­hofft hatte, als es hielt. Okay, dachte ich, warum nicht mal so etwas lesen? Vor­teil: Das Buch ist dünn, es liest sich extrem schnell, und es ist sehr schlicht ge­schrieben. Ein wenig nervig ist natürlich die auch in dieser Rezension anklingen­de und im Buch exzessiv verwendete Jugendsprache (da wimmelt es nur so von „cool“, „voll krass“, „hip“ usw.). Und wenn man sich erst mal ein wenig eingele­sen hat, ist die Struktur des Buches äußerst kristallklar und linear. Großartige Überraschungen hat man eigentlich nicht zu gewärtigen.

Zudem fällt einem informierten Leser eine interessante Parallele zwischen den Hauptpersonen dieses Buches und Joanne K. Rowlings „Harry Potter“ auf, ins­besondere bei der Gestalt der Marie (= Hermine Granger bei HP). Die in San Diego lebende Autorin Mary E. Pearson, deren erster Roman dies ist, hat also sichtbar die Lebenserfahrungen mit ihren zwei Töchtern und ihre eigenen Le­seerfahrungen bezüglich Harry Potter in dieses Buch gemixt und die Schicksals­katharsis von Marie und David, die – natürlich – letztlich zueinander finden über das Bindeglied des Ausflugs in den Himmel, miteinander verknüpft.

Nette Idee, zugegeben, aber nichts überragend Neues oder stilistisch Aufregen­des, wie ich finde. Mag sein, dass sie für das Buch in den Staaten schon mehre­re Auszeichnungen bekommen hat, aber ich halte es in vielerlei Belangen für durchschnittlich. Selbst für ein Jugendbuch hätte man erheblich mehr daraus machen können oder eben nicht nur als Leserempfehlung „Lesealter: Jugendli­che aufwärts“ hinten winzig drauf drucken sollen. Ab spätestens 30 Jahren, so meine Einschätzung, haut das Buch niemanden mehr vom Hocker. Ich kann die Enttäuschung der über 70jährigen Erstleserin also verstehen …

Dennoch: Vielleicht bin ich einfach ein garstiger Schrat oder ein zu anspruchs­voller Leser? Das sollte jeder Interessierte selbst nachprüfen.

© 2006 by Uwe Lammers

Ja, manchmal muss hier auch eher schlichtes Lesefutter geboten werden, es kann ja nicht immer so sein, dass die Köpfe rauchen, nicht wahr? Dafür wird es in der kommenden Woche umso unheimlicher. Wir landen dort nämlich in den monströsen Welten von Howard Phillips Lovecraft.

Bis dann, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

ja, ihr könnt gerne weiterkichern, Freunde … ich habe diesen Eigenkommentar vor ein paar Tagen entdeckt, und ich bin immer noch am Prusten, wenn ich an ihn denke. Und da das so ist und ich noch ein paar ähnlich irrwitzige Kommen­tare entdeckte, während ich eifrig am Glossar für den KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“ des Oki Stanwer Mythos (OSM) arbeitete, fernerhin eine Titellücke in meiner Blogaufstellung fand, habe ich das kurzerhand mal als Aufhänger ge­nommen.

Gott, dieser Kommentar ist aber auch so etwas von urig … und zugleich führt er in ein wirklich massives Problem ein, das ich in einigen Jahren haben werde, wenn ich mich darum zu kümmern habe, die im momentanen Zustand recht ungenießbare Ebene 17 des OSM zu überarbeiten. Ich möchte nämlich sehr daran zweifeln, dass dann auch nur ein Satz so stehen bleiben kann, wie er der­zeit ist. Da wir hier über ein Textvolumen von mehr als tausend Seiten reden, könnt ihr euch vorstellen, dass das nicht eben eine witzige Arbeit ist, die ich im Handumdrehen erledige. Weit gefehlt.

Vor neun Wochen erzählte ich im Blogartikel 363, was ich gegenwärtig (wir schreiben aktuell den 24. November 2019, auch wenn ihr das hier erst gegen Ende April 2020 lesen werdet) mitmache und an welchen Glossarbaustellen ich derzeit aktiv bin. Besonders betrifft das den erwähnten KONFLIKT 17, und ich kann erfreulicherweise sagen, dass ich mit der Glossierung der 71 Episoden um­fassenden Serie inzwischen bis Band 43 vorangekommen bin.

Well, ich kann noch keine Entwarnung geben – es handelt sich um die Grobglos­sierung, d. h. ich weiß danach, welche Begriffe, Namen, Völker, Planeten und In­stitutionen ich in welchen Episoden verwendet habe. Viele, die in den Fußnoten auf andere Serien des OSM referieren, kann ich kurz und knapp abhandeln, aber andere Dinge wie etwa die „Schillerfeldwaffe der Rontat“ oder die „Henn-Union“ oder dergleichen, die lasse ich zunächst unkommentiert und gehe auf die strukturelle Erklärung dann erst in einer zweiten Runde ein. Das kann noch dauern.

Während ich mich um diese Episoden kümmere und sie durchscanne, die ich in den Jahren 2005 bis 2011 abgeschrieben und kommentiert haben, stolpere ich über alle möglichen verrückten Dinge. Dass da bei Episodennennungen in der Regel die Jahreszahlen der Abfassung fehlen, habe ich jüngst schon gesagt. Ebenso, dass Serien unvollständig zitiert werden.

Worauf ich nicht wirklich gefasst war, das waren meine zum Teil aberwitzig ko­mischen Kommentare, wenn ich von der Episodenverrücktheit so genervt war, dass ich hätte schreien können. Ich möchte davon nur stellvertretend vier Pas­sagen und die Kommentierungen nennen, damit ihr euch eine Vorstellung davon machen könnt, was hier los ist. Und ich versichere euch, das ist alles noch sehr, sehr harmlos.

Beispiel 1: Episode 35 der Serie, Eigentitel: „Ultrasav-Station“, geschrieben 1984. Beschrieben wird eine Raumschlacht.

Zitat:

Gefügeerschütterung.

Die Emissionen der Antenne waren geortet worden.

Der Raumertyp war bekannt.

Kugelraumer!

900-Meter-Typen!

54 Stück.

Sie kamen nicht zum Schuss.

Das Weltall riss auf…“

Dazu schrieb ich gallig in der Fußnote 3145: „Seufz. Noch eine Stilblüte. Das Universum ist doch keine Chipstüte!“

Ich dachte, ich sterbe vor Lachen. Das Universum eine Chipstüte! Darauf muss man erst mal kommen!

Echt, ich war am 16. November 2008, als ich diesen Kommentar schrieb, merk­lich genervt.

Au weia, dachte ich feixend, während ich brav Begriffe handschriftlich heraus­schrieb, hoffentlich geht das nicht so weiter. Tja, ich sollte Pech haben, denn es GING so weiter.

Beispiel 2: Episode 36 der Serie, Eigentitel: „Die Veränderten“, 1984. Die Situa­tion: Terranische Raumpiraten dringen in ein Sonnensystem ein und werden or­tungstechnisch erfasst.

Zitat:

‚Dreifach-Ortung!‘

Das sagte alles.

Sogar der Colonel kam ins Schwitzen, als er das hörte.

Saßen diese stählernen Teufel denn überall?

‚Funkspruch‘, sagte Bengston.

‚Lass ihn abrollen‘, meinte der Colonel …“

Das „Abrollen“ gefiel mir gar nicht. Ich kommentierte bissig: „Athleten in leicht­athletischen Disziplinen können sich vielleicht auf Matten abrollen, Stempel auf Stempelkissen auch, aber Funksprüche? Bitte!!“

Mann, das wurde ja immer kurioser. Ein bizarrer Befund nach dem nächsten … und schon zwei Seiten später stieß ich auf den nächsten Fauxpas.

Beispiel 3: Gleiche Episode (Nr. 36). Die Situation: Alltagsdarstellung auf dem Planeten Sylonak. Das sieht dann so aus wie folgt.

Zitat:

Auf Sylonak lief das Leben seinen normalen Lauf.

Die kastenförmigen Häuser ragten in den grünblauen Himmel des Planeten, in den Straßen rauschten schnittige Gleiter…“

Unscheinbare Formulierung? Nicht für mich. Ich knurrte in Fußnote 3261 eini­germaßen übelgelaunt: „Ich denke nicht, dass sie Löcher in den Boden gefräst haben, sondern sie gleiten wohl eher AUF den Straßen.“

Man kann auch Haare in der Suppe finden“, murmelte ich kopfschüttelnd. 2008 war ich offenbar auf Krawall gebürstet. Aber völlig unberechtigt war der damalige Einwand natürlich nicht. Indes: Stilistisch liegt bei der Serie soviel im Argen, dass ich quasi jede einzelne Seite monieren könnte. Wenn man Hand­lungslogikfehler, fehlende Personendarstellung, lausige Dialoge, Plagiate und re­lativ plumpe Anlehnungen an die Heftromanserien Ren Dhark und Perry Rho­dan mit einbezieht, müsste man wahrscheinlich wirklich alles neu konzipieren. Mir wird da wohl nur wenig anderes übrigbleiben … aber das soll das heutige Thema nicht sein. Ich komme lieber zum letzten Beispiel für heute.

Beispiel 4: Gleiche Episode (Nr. 36). Die Situation: Ein Gefangener macht einen Fluchtversuch in einem Gefängnis der Sylons.

Zitat:

Er stieß Hard Mender und Som Collon von sich und stürzte davon. Er wollte den All-Hüter vernichten, der unbewaffnet am Rande des Ganges stand und ihn mit großen, leuchtenden und leblosen Augen anstarrte, als begreife er nichts.

Der Terraner war nur noch fünf Meter von ihm entfernt, als sich ein gleißender Blasterstrahl in sein Rückgrat bohrte…“

Arg theatralisch und drastisch, ja. Aber ich fand das auf andere Weise kommen­tierungswürdig und schrieb in Fußnote 3278: „Abgesehen davon, dass die blut­rünstige Art und Weise des ‚Ausschaltens‘ überrascht und nirgendwo geschrie­ben steht, wer ihn niedergeschossen hat, ist es verbal einfach absurd, sich das Bild von einem ‚bohrenden Blasterstrahl‘ vorzustellen. Ein Speer würde das ver­mögen, vielleicht auch noch ein Schwert, eine Stange oder ein Pfeil, aber ein Energieschuss ‚bohrt‘ eigentlich nicht, sondern brennt höchstens eine Wunde. Hier habe ich mich verbal völlig vergaloppiert.“

Diese paar wenigen Beispiele, verstreut über nur vier Textseiten, mögen rei­chen, um zu belegen, dass ich 1984, als ich die Episoden zumeist mit sehr hei­ßer Nadel „strickte“, semantisch fast auf jeder Seite, mitunter mehrfach hinter­einander, eifrig entgleiste. Und die Kommentare, die ich 24 Jahre später bei der Digitalisierung der Episoden anbrachte, legen an sehr vielen Stellen beredtes Zeugnis davon ab, wie unzulänglich die Skripte sind.

Dumm an der Angelegenheit ist aber noch etwas anderes. Wer von euch jetzt denkt: Hey, die Ebene hast du doch fertig digitalisiert (was stimmt), also ist der ärgste Budenzauber jetzt vorbei, und die späteren Episoden sind bestimmt bes­ser, der hat einen Punkt geflissentlich übersehen oder wieder vergessen.

KONFLIKT 17 ist nicht die letzte Baustelle eines bereits vollendeten „alten“ KON­FLIKTS, der noch nicht digitalisiert ist. Es gibt da noch vier weitere Kandidaten, nämlich die KONFLIKTE 13 „Oki Stanwer Horror“ (OSH, 1982-1985), 16 „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ (DMadN, 1983-1998), 20 „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“ (OuC, 1984-1997) und 23 „Oki Stanwer – Der Dämonenjä­ger“ (DDj, 1988-1994). Das bedeutet, ich habe es hier mit exakt 459 Episoden zu tun, die allesamt noch nicht digitalisiert und logischerweise auch noch nicht kommentiert sind. Da insbesondere die Anfangsjahre, z. T. bis hinauf zum Jahr 1990 als stilistisch und inhaltlich problematisch anzusehen sind, kann man davon ausgehen, dass ich bis zu 200 potenziell problematische Skripte habe, in denen noch die eine oder andere verbale Stilblüte schlummern mag, die mir heute entfallen ist.

Will damit sagen: Der Verbalsprengstoff des noch zu digitalisierenden OSM ist nach wie vor virulent. Die modernen Episoden arbeite ich soweit als möglich gründlich durch, um die Stilblüten und kuriosen Formulierungen nach bestem Wissen und Gewissen einzuschränken (es ist wie mit dem Fehlerteufel: irgend­wo passieren immer Pannen!), aber für die alten würde ich nicht eine Sekunde lang die Hand ins Feuer legen. Never!

Ihr könnt also davon ausgehen, dass ich euch derartige Kuriosa in den kommen­den Jahren noch so manches Mal aufzeigen werde. Grinst oder kichert darüber, das ist das Beste, was man machen kann. Bloß nicht den Humor verlieren!

Bis nächste Woche, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 264: Das Freudenschiff

Posted April 15th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

manchmal kommen Menschen in Diskussionen auf Themen, die abseitig zu sein scheinen, weil völlig unrealisierbar. Ein solches Thema dreht sich offenbar un­vermeidlich bei jenen Personen, die mit ihrer Situation im Hier und Jetzt unzu­frieden sind, darum, sich in die Vergangenheit zu wünschen, in der vermeintlich alles besser war. Die „gute alte Zeit“, jeder von uns kennt derlei nette Diskussio­nen, in denen leider nahezu immer hemmungslos idealisiert wird.

Das ist menschlich – man nivelliert die unangenehmen Erinnerungen und alles, was nicht zu dem vermeintlich paradiesischen Idyll passt, kurzerhand weg und übrig bleibt, vermeintlich, eine „bessere Welt“. Ohne extremistische Parteien, stumpfsinnige Politiker, die den Wählerwillen ignorieren, zu hohe Steuern, Hartz-IV-Gesetzgebung usw. Vieles davon mag stimmen. Aber was gern ausge­blendet bleibt, ist dies: in vielerlei anderer Hinsicht leben wir speziell in Zentral­europa in einem Zeitalter, in dem es uns sehr viel besser geht als in früheren Zeiten – und zwar ist es ziemlich gleichgültig, in welche Epoche wir uns zurück­versetzen.

Ein Blick auf die medizinische Versorgung lässt uns selbst gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch frösteln. Reden wir nicht von Hygiene, Nahrungsmitteln, Seuchen, Hungerkatastrophen, fehlender sozialer Absicherung, Kriegen, Revolu­tionen … es gibt buchstäblich unendlich vieles, was damals alles andere als „gut“ war und was wir, weil wir dies in der Regel nicht im Hier und Jetzt an eige­nem Leib erlebt haben, einfach nicht in unsere Gespräche einfließen lassen (Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Irak oder vielen afrikanischen Staaten wären ohne Frage überhaupt nicht unserer Ansicht, dass wir aktuell in einem Land leben, das nicht lebenswert ist; sie kommen schließlich nicht grundlos hierher, darüber sollte man mal gründlich nachdenken, zumal jene Personen, die mit den hiesigen Verhältnissen so unendlich unzufrieden sind).

Aber was ich eigentlich sagen wollte, ist Folgendes: werfen wir doch einfach mal einen Blick zurück nur über einen vergleichsweise kleinen historischen Ab­grund, zurück ins 18. Jahrhundert. Schauen wir uns London zu der Zeit an, ohne Frage auch damals schon eine Hochmetropole der Zivilisation … und dann fra­gen wir uns mal kritisch: hätten wir damals in dieser „guten alten Zeit“ leben wollen? Ich für meinen Teil definitiv nicht!

Und hier erfahrt ihr (unter anderem), warum:

Das Freudenschiff

oder: Die wahre Geschichte von einem Schiff und

seiner weiblichen Fracht im 18. Jahrhundert

(OT: The Floating Brothel)

von Sîan Rees

Piper Taschenbuch 3999

296 Seiten, TB

November 2003, 8.90 Euro

London war ein unfreundlicher Ort im Jahre 1788. England hatte gerade den amerikanisch-englischen Krieg gegen die rebellischen Kolonien verloren und sah sich unvermittelt mit einem Problem konfrontiert, das schon seit vielen Jahr­hunderten jeder kriegführenden Nation innere Turbulenzen beschert hatte – mit einem Mal mussten mehr als hunderttausend heimkehrende Soldaten un­tergebracht und versorgt werden. Ein jeder benötigte ein Dach über dem Kopf, einen Beruf, in dem er arbeiten konnte, Essen, das ihn ernähren konnte.

Kein Problem? Oh doch, denn im übervölkerten England des späten 18. Jahr­hunderts war die britische Regierung auf dergleichen nicht eingestellt. Die Au­torin Sîan Rees entwirft ein düsteres Bild der herrschenden Zustände: „Im Jahre 1783 hatte die Übervölkerung in den Städten bedrohliche Ausmaße angenom­men – die entlassenen Soldaten einer gewaltigen Armee waren aus den Kriegen nach Hause zurückgekehrt … – mit dem deutlichen Ergebnis, dass die Arbeitslo­sigkeit bei beiden Geschlechtern stark anstieg. Die erste Folge stach dem Be­trachter sofort ins Auge: In den Straßen wimmelte es von Versehrten, die um Münzen bettelten. Die zweite Konsequenz trat erst mit der Zeit zutage: Als die Männer aus dem Krieg heimkehrten, verloren viele Frauen ihre Stellen und fan­den sich auf der Straße wieder.“

Das alleine ist schon tragisch, aber es wird noch schlimmer.

Normalerweise wären solche Frauen in diesem Fall, wie eigentlich immer nach verlorenen Kriegen, in ihre Familien zurückgekehrt. Aber die Verhältnisse hatten sich gewandelt. Rees führt weiter aus: „In Englands Städten des ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts wurde diese Strategie allerdings davon durchkreuzt, dass viele Frauen keinen Haushalt hatten, in den sie zurückkehren konnten.“ Was an der veränderten Mobilität lag – viele Mädchen aus der Provinz versuch­ten ihr Glück in den Großstädten und waren nach dem Verlust ihrer Stellung der Willkür ihrer Mitmenschen weitgehend schonungslos ausgesetzt.

Welche Möglichkeiten blieben solchen unglückseligen Mädchen und Frauen in diesem Fall? Betteln zum einen, Prostitution zum anderen. Und Diebstahl aller möglichen Art.

Die mit dieser Entwicklung einhergehende dramatische Zunahme von Kleinkri­minalität (ein übrigens heute nicht völlig unbekanntes Phänomen!) stellte nun­mehr die Rechtsprechung vor massive Probleme. Es gab zu wenig Gefängnisse, und die Höchststrafe – Verbrennen für schwerkriminelle Frauen, Hängen für Männer – wurde zunehmend durch öffentliche Kritik in der Umsetzung er­schwert. Was blieb? Deportation.

Dummerweise war der einzig mögliche Ort der Deportation – die amerikani­schen Kolonien – gerade unzugänglich geworden. Rees beschreibt die zuweilen wirklich aberwitzigen Versuche der britischen Regierung, Kolonien in Afrika für die Deportation zu nutzen, es werden Pläne geschmiedet, englische Kleinkrimi­nelle als Bergwerkssklaven nach Nordeuropa, als Kolonisten für den Kaukasus an die Zarin oder als Sklavenaustausch nach Tanger zu verschachern. Das kann nur angedeutet werden, es ist wirklich beängstigend zu lesen.

Und dann gab es noch Australien.

Weit entfernt am anderen Ende der Welt, an einem Ort namens Sydney Cove, war eine kleine Kolonie errichtet worden, betrieben von Strafgefangenen, doch bis­lang fehlte von diesen Siedlern jedwedes Lebenszeichen. Die Schiffsreise nach Australien dauerte im günstigsten Fall fünfeinhalb Monate (einfache Fahrt), im schlechtesten Fall mehr als ein Jahr. Ungeachtet der Tatsache, dass niemand wusste, ob die Kolonisten in Sydney Cove überhaupt noch lebten, beschloss die britische Regierung, einen Konvoi von Versorgungsschiffen dorthin in Marsch zu setzen.

Insbesondere die furchtbaren Verhältnisse im hoffnungslos überfüllten Londo­ner Newgate-Gefängnis erzwangen ein rasches Handeln. Außerdem wollte man endlich die Gefängnisschiffe von der Themse entfernen – Schiffe, auf die man schon vor Jahren meist männliche Strafgefangene ausgelagert hatte, da diese bald in See stechen und die Verbrecher in die Kolonien oder andere geeignete Deportationsziele bringen sollten. Sie waren nur nie ausgelaufen. Manche die­ser Schiffe schwappten mitsamt ihrer menschlichen Fracht seit über fünf Jahren auf der Themse, fragile und menschenunwürdige Verlängerungen der eisigen britischen Kerkerzellen. Auslagerungsgefängnisse.

Nun mag der Leser einwenden, dass es sich ja um Verbrecher handelte, und dass Mitleid angesichts ihrer Haftbedingungen hier unangebracht sei … nun, wenn man sich, wie Rees es auch tut, das Gesetz ein wenig genauer anschaut, das hier zur Geltung kam, ist man genötigt, diese Ansicht zu revidieren:

Verurteilt wurden natürlich Menschen, die andere umgebracht hatten, die klas­sischen Verbrecher eben. Aber insbesondere im Falle der kleinen Diebinnen wurde die Härte der Strafe (die zwischen 7 Jahren Deportation, lebenslanger Deportation oder halt der Todesstrafe durch Verbrennen schwankte) nach dem Wert der gestohlenen Güter bemessen, weniger an der Brutalität des Verbre­chens. So konnte man durch vermutlichen Diebstahl eines Mantels, der unter Umständen nur von der Bank unter die der Frau gerutscht war, durchaus zu sie­ben Jahren Deportation verurteilt werden. Ebenso, wenn man, weil man keine Bleibe besaß und sich auf einem Hinterhofabort betrank und dort einschlief, ebenfalls mit sieben Jahren Deportation bestraft werden konnte.

Es war durchaus nicht unüblich, bis zu zwei Jahre dieser Verbannungsstrafe dann in ungezieferverseuchten, überfüllten Provinzgefängnissen oder eben in Newgate abzusitzen und dann vielleicht noch einmal ein paar Jahre auf einem Gefängnisschiff, was viele vorab schon das Leben kostete. Soviel zu den Dra­men, die sich schon vor Beginn der eigentlichen Geschichte abspielten.

Im Jahre 1789 nun, unmittelbar vor Ausbruch der Französischen Revolution, wurde endlich ein Schiff reisefertig gemacht, die Lady Julian. 36 Meter lang, an der breitesten Stelle 10 Meter durchmessend, und vollgestopft bis ans Ober­deck mit nicht weniger als (mutmaßlich, da die Listen schlampig geführt wur­den) 240 weiblichen Strafgefangenen zwischen 14 und 68 Jahren plus der Be­satzung. Hinzu kamen Schafe, Kühe, Schweine, Pflanzen, jede Menge Saatgut, Geflügel und Ähnliches. Eine für heutige Vorstellungen wahnwitzige Menagerie.

Damit die Überfahrt nicht gar so unangenehm und eintönig würde, gibt Rees wieder, durfte „nach dem Gesetz jeder Seemann und jeder Offizier an Bord der Lady Julian die Frau seiner Wahl zwingen, ihm als ‘Gefährtin’ für die Dauer der Reise zur Verfügung zu stehen“, wie es in der TIMES nachzulesen war. Die Regie­rung hatte offenbar sehr klare (und kaltschnäuzige) Vorstellungen davon, wie sich Männer mit ihren ‘Gefährtinnen’ beschäftigen würden: „‘Die Regierung hat sechzig Garnituren Babywäsche geliefert – in der Annahme, dass dank der ge­sunden Seeluft jede richtige Frau auf dieser langen Reise ein Kind empfangen wird.’“

Da bleibt dem Leser schon mal die Luft weg.

Aber dies ist ja erst der Beginn einer rund einjährigen Reise ins Ungewisse, ei­ner Reise, die sie nach Afrika und Südamerika führen würde, einer Reise, die von allen Beteiligten unbeschreibliche Opfer und Leiden abverlangt und überra­schende Erkenntnisse ans Licht des Tages befördert. Denn die Lady Julian stach zwar in See und kam letzten Endes auch in Sydney Cove an, doch was dazwi­schen alles geschah – und was für ein bittersüßes, wenn auch tragisches Nach­spiel sich aus der Beziehung zwischen dem Seemann John Nicol und der sieb­zehnjährigen Sarah Whitelam entwickelte, das sollte man einfach gelesen ha­ben …

Das Buch wurde durch die später diktierten Memoiren John Nicols angestoßen und durch Archivrecherchen der Autorin ausgiebig erweitert. Sîan Rees, eine entfernte Nachkommin einer der deportierten Frauen, die sich schließlich in Australien niederließ, hat mit diesem Werk ein ausgezeichnet lesbares, stellen­weise sehr erschütterndes Sachbuch verfasst, das dem Leser die Alltagswelt des 18. Jahrhunderts in eindringlicher Weise nahebringt.

Rees verknüpft auf faszinierende Weise Stränge der Geschichte einfacher Bevöl­kerungsschichten mit romanhafter Erzählweise, etwas, wofür angloamerikani­sche Wissenschaftler immer schon berühmt waren. Das Buch liest sich also bei­nahe von selbst und lenkt die Neugierde auf bislang unbekannte Szenen der Weltgeschichte, die von Menschen wie Du und Ich beherrscht wurden. Zudem demonstrieren sie, wie dünn manchmal doch die Fäden sind, an denen das Schicksal ganzer Nationen hängt, wenn sie gerade im Entstehen begriffen sind. Hier im Falle von Australien, denn es hätte nicht viel gefehlt, dann wären von den Kolonisten nur gebleichte Knochen übriggeblieben.

Vom Standpunkt des Historikers ist freilich leichte, milde Kritik angebracht. So ist es überaus bedauernswert, dass das Buch keinerlei Verweise der vielen Zita­te bringt. Manchmal hätte ich schon gerne gewusst, was sie da zitiert, ob es sich also etwa um zeithistorische Kommentare oder um nebelhaftere Erinnerungen John Nicols dreißig Jahre nach diesen Geschehnissen handelt. Ebenso wäre ein Personenregister hilfreich gewesen, da man doch mit der Vielzahl von „gefalle­nen Frauen“, wie die Verbrecherinnen im Volksmund genannt wurden, zeitwei­se etwas überfordert ist. Wenige Zeilen Kurzbiografie jeder einzelnen wichtigen Person im Anhang hätten das Verständnis des Buches noch mehr gefördert.

Zuletzt hätte ich dem Buch einen besseren Lektor gewünscht. Es weist leider viele Setzfehler auf, die auf schlampiges Lektorat hindeuten. Einen parallelen Fall gab es mal bei Bastei-Lübbe, als ich das alte Sachbuch von C. W. Wedgwood über den Dreißigjährigen Krieg las. Dass hingegen das Titelbild mit dem Inhalt eigentlich nichts zu tun hat, tut dem Werk von Rees keinen Abbruch. Es ist ein hübscher Blickfang und trägt hoffentlich dazu bei, das Buch zu verkaufen. Die Autorin hätte es verdient.

© 2003 by Uwe Lammers

Ja, diese Rezension mag inzwischen 17 Jahre auf dem Buckel haben, das stimmt. Und das Buch ist vermutlich längst vergriffen und kann nur noch anti­quarisch besorgt werden. Dennoch halte ich es für absolut sinnvoll, es als Lektü­re auf den Leseplan zu setzen.

Die Vergangenheit hat nicht nur ihre Sonnenseiten, sondern auch ausgespro­chen finstere Ecken, und ich fürchte, ich übertreibe nicht, wenn ich sage: die Nachteile des Einst überwiegen bei weitem. Abenteuerlust und Zeitreiseaben­teuer hin oder her – in der wirklichen Welt damals zu leben, das war kein Zu­ckerschlecken. Für niemanden der Zeitgenossen. Viele hätten sich, davon bin ich überzeugt, nach solch einer Rundum-Versorgungswelt, wie sie für uns geradezu selbstverständlich geworden ist, die Finger abgeschleckt.

Wir schätzen wirklich das, was wir haben, erst dann wirklich, wenn es uns verlo­rengegangen ist. Das ist so wie mit lieb gewonnenen Mitmenschen und Freun­den, die jählings von unserer Seite gerissen werden. Am einen Tag ist es noch ganz selbstverständlich, dass sie da sind – und am nächsten Tag sind sie für im­mer verloren.

Seien wir also froh, dass die Welt, in der die armen Frauen der Lady Julian zu leben gezwungen waren, nicht mehr die unsere ist. Ich denke, wir würden dort nicht glücklich werden.

Wohin wenden wir uns in der kommenden Woche? Nun, da kommt die höchste Autorität schlechthin zu Wort – nämlich Gott himself.

Glaubt ihr nicht (lach)? Dann schaut wieder rein!

Bis dann Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

heute starte ich in die Werkschau des Jahres 2018, die mich vor­aussichtlich so vier Teile dieser Artikelreihe beschäftigen wird. Wie letztens berichtet, hatte meine universitäre Anstellung im Sommer 2017 geendet, und der neue Horizont für 2018 ver­sprach nach den Erschöpfungsphasen des Vorjahres doch einige Normalisierung.

Das kann man am Monat Januar 2018 gut sehen, in dem ich auf 24 fertig gestellte Werke kam. Zwar waren darunter fünf Blogar­tikel, um die Blogs grundsätzlich am Laufen zu halten, aber das war natürlich nicht alles. Besonders intensiv war ich mit meiner stärkeren Vernetzung mit dem Terranischen Club Eden (TCE) be­fasst, für den ich in diesem Monat insgesamt drei Geschichten bearbeitete, überarbeitete bzw. grundlegend neu schuf. Letzte­res war die im Doctor Who-Kosmos spielende Story „Die Ku­gel-Invasion“, die auf einer uralten Idee von mir fußte, über die ich im Werkstattbericht „Alles kann die Kreativität be­feuern … – Das Making of von ‚Die Kugel-Invasion‘“ eben­falls für den TCE berichtete.

Einige alte Aktualisierungs- und Digitalisatspläne von Non-OSM-Geschichten konnte ich in diesem Monat auch endlich umset­zen. Eine davon tauchte dann bald darauf im Conbuch für den Garching-Con auf, in dem ich – kurzer Sidestep – auch 2020 wie­der vertreten sein werde. Daneben gingen natürlich die Digitali­satbestrebungen bei den schon in Arbeit befindlichen Serienab­schriften des OSM weiter, also hinsichtlich der KONFLIKTE 12 und 18.

Sonst kann man sagen, war der Monat Januar eher so zum Warmlaufen.

Im Februar stieg das Schreibvolumen auf 30 fertige Werke an, von denen neun auf Blogartikel entfielen, allerdings auch 15 auf Rezensionen (und nein, die meisten davon sind bis heute nicht erschienen, sie werden mehrheitlich im Rezensions-Blog in den kommenden Jahren veröffentlicht werden).

Besonders herausragend für diesen Monat Februar war ein fun­damentaler Entschluss bezüglich eines sehr langen OSM-Wer­kes, dessen Vollendung in immer weitere Ferne zu rücken schien. Die Rede ist von „Eine scharf geschliffene Waffe“. Der Roman hatte bereits mehr als fünfhundert Seiten, aber vom eigentlichen Ziel der Geschichte war ich immer noch ein erheb­liches Stück entfernt.

Was tat ich?

Ich nahm mir ein Beispiel an der OSM-Story „Der Platz der Steine“. Das lag nicht nur deshalb nahe, weil beide Werke auf derselben Welt im gleichen KONFLIKT, KONFLIKT 19 des OSM, spielen. Sondern auch, weil die Art der „Betriebsblindheit“, wie ich das nennen möchte, sehr ähnlich gestaltet war. Ich hatte ei­nen Handlungsbogen in der Skizze gespannt, der einfach zu weit war. Und indem ich nun schlicht einen Schritt zurück mach­te und mich fragte, wo ich ihn wohl am besten unterbrechen könnte, um dann in einen zweiten Teil überzuleiten, da fiel es mir echt wie Schuppen von den Augen.

Ich hatte den Schluss des Romans im Prinzip schon längst konzi­piert, aber schlicht nicht gesehen. Manchmal sollte man echt auf seine Schuhspitzen schauen und nicht in die Wolken.

So schloss ich also am 26. Februar 2018 „Eine scharf ge­schliffene Waffe“ ab und legte zugleich den Grundstein für den Folgeroman, „Licht und Schatten auf Dawson“. Wie lan­ge ich daran arbeiten werde, ist aktuell aber nicht zu sagen.

Interessanterweise, und das ist ein Indiz dafür, wie seltsam, zeitversetzt und erratisch mein kreativer Verstand „kocht“, blühte ebenfalls gegen Monatsende (22. Februar) aus dem Stand eine weitere OSM-Story hoch, die sich im Handumdrehen vollenden ließ. Obgleich ich mich in diesem Monat sonst über­haupt nicht im KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Cha­os“ aufhielt, wucherte diese Story, die in diesem KONFLIKT spielt, spontan in meinem Verstand und wollte dringend aufs Pa­pier. So kam „Die Sternengeborene“ zu ihrem Recht. Es han­delt sich dabei wie schon im Fall „Das winzige Mysterium“ um eine Vignette von relativ kleiner Reichweite. Sie erklärt ei­nen Aspekt einer wichtigen Figur des KONFLIKTS 12, die ich seit Jahrzehnten kenne. Dieser Teil ihrer Vita war bislang aber dun­kel. Nun bin ich definitiv besser darauf vorbereitet, sie ange­messen zu beschreiben und zu charakterisieren, wenn ich sie mit den Hauptprotagonisten des KONFLIKTS zusammenprallen lasse – auch wenn ich natürlich an dieser Stelle eingestehen muss, dass die Ärmste dann mit dem Bild, das sie in der obigen Geschichte bietet, nicht mehr viel gemein hat, leider.

Ihr werdet es erleben. Sowohl diese Story wie auch die OSM-Epi­soden, in denen sie später in der Serie auftaucht, sind aktuell noch nicht veröffentlicht.

Der Monat März (28 beendete Werke) enthielt 7 Blogartikel und stand intensiv im Bann zweier Pläne. Der erste Plan war, für die Veröffentlichung des Etappenromans „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“ im Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA) endlich die restlichen Teile vorzuformatieren. Allein das sind 8 Einträge in diesem Monat. Außerdem befand ich mich zusam­men mit Joe Kutzner noch in der Arbeitsphase für die „Grey Edi­tion“-Ausgabe, aus der in diesem Jahr dann überraschend zwei Bände werden sollten, weil der schiere Textumfang, den ich ein­reichte, das Mögliche in einem einzelnen GE-Band überschritt. Mit „Sylphengeflüster“ überarbeitete ich jedenfalls in diesem Monat eine weitere bisher nicht veröffentlichte erotisch-phan­tastische Novelle und konnte sie Joe zusenden.

Ansonsten war der Monat bunt gemischt. Ich hielt mich im Ero­tic Empire auf („Die Kolonie Saigon II“, „Die Paradies-Fal­le“, „Lauren und Alain“, „Saskia bei den Nomaden“, „Das Sklaven-Gras“), schrieb an den Digitalisaten der KON­FLIKTE 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“, 18 „Kampf ge­gen TOTAMS Dämonen und Schergen“ und 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ weiter. Rezensionen rundeten den Monat ab.

Alles in allem war ich mit dem Erreichten durchaus zufrieden. Als nächstes Ziel auf der Agenda setzte ich mir nun, das Digita­lisat für KONFLIKT 18 zu vollenden. Denn dafür bestand einige Aussicht. Nachdem ich „Eine scharf geschliffene Waffe“ als Fokuskonkurrent ebenso mustergültig ausgeschaltet hatte wie „Die Totenköpfe 1“, lag es auf der Hand, dass dies das nächs­te große Stück im Werk-Kuchen 2018 sein würde. Immerhin ar­beitete ich ja schon am Digitalisat von Band 103 „Kriegszug der Skelette“, und die Serie hatte nur 114 Episoden. Da sollte sich doch, nahm ich an, in den nächsten drei Monaten ein Schluss erreichen lassen.

Ob ich das wirklich geschafft habe, das erfahrt ihr beim nächs­ten Abschnitt dieser Artikelreihe. In der nächsten Woche nehme ich euch auf ein völlig anderes Abenteuer mit, und dann werdet ihr auch lesend erfahren können, warum ich empört ausrief: „Das Universum ist doch keine Chipstüte!“

Schön neugierig bleiben, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 263: Der ewige Tag

Posted April 8th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

als James Graham Ballard im Jahre 2009 unsere Welt für immer verließ, bedau­erte ich das wirklich heftig. Mir geht es immer nahe, wenn Literaten, die ich schätze, das Zeitliche segnen, und mag es auch – wie im Fall von Ballard – im 79. Lebensjahr gewesen sein.

Tatsache ist, dass ich James Graham Ballard schon sehr lange als Leser kannte und viele seiner früh bei Heyne publizierten Bücher bereits kannte, darunter zählen auch einige Storysammlungen. Man muss zwar, wie ich eingestehe, in ei­ner gewissen Stimmung sein, um sich vollends auf Ballards Werke einzulassen, aber wenn man das erst mal getan hat, dann kann ich fast mit Bestimmtheit be­haupten, wird man diese Geschichten nicht mehr vergessen können. Mir we­nigstens geht es so.

Dass ich bislang nur eine solche Storysammlung in den zurückliegenden fünf Jahren rezensiert habe1, hat nichts mit Geringschätzung zu tun, sondern mit dem Gegenteil – die Dinge, die man besonders genießt, soll man in kleinen Do­sen inhalieren oder sonst wie zu sich nehmen, sonst nimmt die Wertschätzung ab und der Genuss vergeht gar zu schnell.

Ballards Geschichten sind darum auch nicht etwas, was man eben mal schnell gewissermaßen zwischen Tür und Angel „herunterlesen“ kann, wie es mit vielen flink geschriebenen belletristischen Werken der Fall ist, an die man sich schon eine Woche später nur noch in Umrissen erinnert. Ballards Werke muss man ge­nießen wie einen edlen Tropfen, sich von der packenden Wucht seiner Worte mitreißen lassen, in gespenstische Welten jenseits unserer Vorstellung.

Interessanterweise scheint James Graham Ballard ein äußerst hellsichtiger Pro­phet unserer Zivilisation gewesen zu sein – denn zahlreiche seiner Geschichten lesen sich wie der moderne Widerhall unserer ökologischen Ängste (manche würden sie Zwangsvorstellungen nennen, noch andere, die gern die Augen vor dem wesentlich vom Menschen seit Jahrhunderten in Gang gesetzten Klima­wandel die Augen verschließen, glauben sowieso nicht daran oder halten den Klimawandel für eine chinesische Erfindung – ich werde den Namen der Person, der euch jetzt auf der Zunge liegt, nicht nennen!). Klimawandel? Klimakatastrophe? Stillstand der Zivilisation, das alles findet man in atemberaubenden Formulierungen bei Ballard – sozusagen de luxe-Untergangsvisionen und Projektionen des Möglichen.

Schaut weiter, wenn ihr neugierig geworden seid:

Der ewige Tag

(OT: The Day of Forever)

Von James Graham Ballard

Suhrkamp 727

192 Seiten, TB

Übersetzt von Michael Walter

ISBN 3-518-37227-0

Wer sich auf das Abenteuer einlässt, James Graham Ballards Romane und Ge­schichten zu lesen, sollte einer Tatsache bewusst sein – man sieht sich hier je­mandem gegenüber, in dessen Werken ein feinsinniger Stilist am Werke ist, der seine Geschichten mit doppelten Böden, reichhaltigen Metaphernkontexten und raffinierten Anspielungen versieht. Jemand, der die Psychologie seiner Protagonisten ins Zentrum stellt und für den das phantastische Umfeld gleich­wohl nicht nur Kulisse ist, sondern eine Art von physischer Widerspiegelung in­nerer Zustände. Es ist nicht rein zufällig, dass seine Protagonisten so oft Verlore­ne in einer hoffnungslos wirkenden Welt sind. Es ist ein Strukturprinzip seiner Werke, zumal seiner späteren.

Diese Kurzgeschichtensammlung, erstmals 1967 veröffentlicht, enthält 10 Er­zählungen, beginnend mit der Titelstory „Der ewige Tag“:

Irgendwann in der nahen Zukunft ist die Rotation der Erde zum Stillstand ge­kommen – der Grund wird nicht erklärt – , und die menschliche Zivilisation, wie wir sie kennen, hat aufgehört zu existieren. Verlassene Städte und Einsamkeit regieren, während in Nordafrika der Protagonist Halliday vor seinen Träumen flüchtet und von einer langsam gleitenden Zeitzone in die nächste weiterreist, die sich gemächlich gemäß der solaren Rotation verschiebt. Hier trifft Halliday auf Gabrielle Szabo und die Malerin Leonora Sully, die bizarre Phantasien aufs Papier bringt und zusammen mit ihrem Begleiter, dem Arzt Dr. Richard Mallory, ebenfalls unterwegs ist. Vor der Bühne einer apokalyptisch verlassenen Welt, ausgemalt in unglaublich beeindruckenden Schilderungen, entfaltet sich schließlich ein menschliches Drama …

Gefangener der Korallentiefe“ scheint auf den ersten Blick nur von einem Aus­flug an eine Steilküste zu handeln, wo sich, von der Brandung freigewaschen, Relikte der Millionen Jahre alten Erdvergangenheit finden lassen. Aber hier trifft der Ich-Erzähler auch auf eine rätselhafte Frau und hört den Sirenenruf der Ewigkeit …

Morgen ist in Jahrmillionen“ führt uns auf eine fremde Welt und den ausge­trockneten See der Träume, bevölkert von grotesken Geisterschiffen der irdi­schen Literatur, die an dem Protagonisten Glanville vorbeisegeln. Glanville ist mit seiner Frau Judith auf dieser Welt gestrandet, geflüchtet vor einem unbarm­herzigen Verfolger, der ihn schließlich einholt und der Gerechtigkeit zuführen möchte. Aber Glanville hat nicht vor, sich kampflos zu ergeben. Die Phantome von dem See der Träume sollen ihm helfen, zu gewinnen … doch ihm ist nicht klar, dass das Schicksal andere Pläne mit ihm hat.

Forbis ist „Der Mann im 99. Stock“, der aus unbegreiflichen Gründen heraus, die er selbst nicht versteht, immerzu versucht, den 100. Stock eines Gebäudes zu erreichen. Es gelingt ihm jedoch nicht, und er begreift nicht, was ihn antreibt und nicht, was ihn hindert. Erst sein Psychologe Vansittart macht es ihm ver­ständlich – ein hypnotischer Block wurde Forbis auf irgendeine Weise appliziert, mit einem zweiteiligen Befehl, von dem er nur den ersten Teil aufspüren kann. Den zweiten kann er erst dann erfahren, wenn er sein Ziel erreicht – wenn er das Dach des Gebäudes betritt. So beschließen Vansittart und Forbis schließlich, das Wagnis einzugehen und Forbis in den 100. Stock gelangen zu lassen. Wie sollen sie wissen, dass das ein Fehler ist …?

Die Warte-Gründe“ ist eine faszinierende, man möchte fast sagen, metaphysi­sche Geschichte, in der die Grenzen der Realität verschwimmen, wie so oft in Ballards Werken – der Planet Murak ist eine menschenfeindliche Einöde, nur bevölkert von ein paar finster-depressiven Erzschürfern, die hier festsitzen. An­sonsten gibt es nur noch die felsige, heiße Wildnis des Planeten und ein Radio-Observatorium. Als Quaine seinen Dienst antritt und seinen Vorgänger Henry Tallis ablöst, der es hier 15 lange Jahre ausgehalten hat, ist ihm nicht bewusst, dass Tallis und die heiße Einöde ein Geheimnis umgibt. Aber er bekommt es schließlich mit – dort sind zwei Männer vor langer Zeit verschollen, die offensichtlich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen hergekommen sind, seltsamerweise mit kistenweise Gepäck, gefüllt mit religiösen Traktaten. Aber was das wirklich bedeutet, bekommt er erst heraus, als er unter Lebensgefahr jenen Talkessel entdeckt, in dem das größte Mysterium Muraks verborgen ist, das ihm das Universum aufschließt …

Das Schlachtfeld“ liegt in einem alptraumhaft veränderten England der nahen Zukunft, und leider ist die Geschichte zu kurz, um wirklich transparent zu ma­chen, was geschehen ist, bevor diese Begebenheit geschieht. Nur soviel ist ele­mentar: in der nahen Zukunft fechten die Vereinigten Staaten weltweit Guerilla­kriege a la Vietnam aus, und amerikanische Einheiten haben dabei auch Eng­land besetzt und führen erbittert Krieg gegen die „Einheimischen“ …

Der freundliche Attentäter“ ist eine tragische Geschichte eines Mannes, der eines Tages in London zu den Krönungsfeierlichkeiten von König James III. ein­trifft, sich aber dafür gar nicht interessiert. Stattdessen mietet er sich in einem ganz bestimmten Hotel ein, bezieht ein ganz bestimmtes Hotelzimmer und baut dort sein Scharfschützengewehr auf – um ein Verbrechen zu vereiteln, das er aus seiner 35 Jahre in der Zukunft präsenten Erinnerung sehr genau kennt … doch ein entscheidendes Detail ist ihm unklar …

In „Der unvermutete Nachmittag“ erleidet Familienvater Elliott einen grässli­chen Migräneanfall oder etwas, was er zumindest dafür hält. Die Nebeneffekte, die sich einstellen, sind allerdings … sehr bizarr. Immerhin erinnert er sich auf einmal äußerst farbenprächtig an seine Kindheit in Indien (wo er nie gewesen ist) und an seine psychiatrische Praxis (wobei er gar kein Psychiater ist). Und was ist mit diesem Krishnamurti Singh, der ihm so vertraut ist, wiewohl er ihn nie getroffen hat …?

In der Welt, in der „Die Wahnsinnigen“ spielt, möchte man wirklich nicht leben. Das ist auch ganz Dr. Charles Gregorys Ansicht. Der Psychologe, der aufgrund der geltenden Gesetze nicht mehr praktizieren darf, weil die psychologische Be­handlung von Menschen unter Strafe steht, ist gewissermaßen auf der Flucht vor sich selbst, während „die Wahnsinnigen“ die Straßen bevölkern. So kann es auch nicht überraschen, als sich die Anhalterin, die er mitnimmt, als eine Frau entpuppt, die aus einer Anstalt entflohen ist. Das Drama nimmt seinen Lauf …

Mr. Goddard ist ein freundlicher, rund 65 Jahre alter Kaufhausangestellter, der in der Story „Mr. Goddards letzte Welt“ ruhig und bedächtig seinen Dienst im Kaufhaus versieht. Es gibt nur wenige Dinge, die hier seltsam sind … zum Bei­spiel eine Gruppe von Kaufhausangestellten, die im Hinterhof eine Treppe steil in die Luft richten und scheinbar ins Nirgendwo hineinzuklettern suchen – was natürlich katastrophal fehlschlägt.

Mr. Goddards Heim ist gegenüber der idyllischen Kleinstadt mit seinem Kauf­haus seltsam spartanisch … bis auf einen einzigen Raum mit einer Tresorkam­mer, in der eine große Kiste steht, in die er jeden Abend still vergnügt hinein­sieht. Und er schaut dort hinab auf eine Miniaturwelt mit einem Miniaturkauf­haus und Miniaturmenschen … aber eines Tages geht etwas schrecklich schief …

Ballards Kurzgeschichten, so lapidar sie manchmal auch auf den ersten Blick wirken mögen, haben doch zumeist sprachlich eine unglaubliche Intensität. Be­sonders in seinen längeren, dystopischen Werken kann man sich von der finste­ren, bezwingenden, geradezu psychedelischen Wirkung seiner Sätze nicht frei­machen. Selten lässt er sich naturwissenschaftlich festnageln, was ja ein Kenn­zeichen der „new wave“ ist, der er sich zugehörig fühlte.

Geschrieben in Zeiten des Umbruchs und der finsteren Zukunftserwartungen in den späten 60er Jahren des 20. Jahrhunderts – der Kalte Krieg war auf dem Hö­hepunkt, Dürrekatastrophen suchten Afrika heim, politische Instabilität gras­sierte, die wirtschaftlichen Prognosen sahen Umweltkatastrophen, Rohstoffver­knappung, Rohstoffkriege und dergleichen voraus – , spiegeln Ballards Erzählun­gen diese zeithistorischen Verwerfungen. Zugleich gehen sie aber auch auf bis­weilen surreale Weise darüber hinaus und beziehen dabei die zumeist gebro­chene Psyche seiner Protagonisten als Spiegelbilder der nicht minder verworre­nen, oft ausweglos erscheinenden Umwelt mit ein. Dabei lösen sich gelegent­lich die Grenzen von Raum und Zeit auf.

Solche Aspekte wie Religion, Schicksal, Determinismus sind häufige Bausteine von Ballards Geschichten. In ihnen verschmilzt Science Fiction mit naher Zu­kunftsprojektion, soziale Entwicklungen werden in die nahe Zukunft projiziert und in beklemmender Intensität deutlich gemacht. Wer immer also mit Ballards Werken noch keine Tuchfühlung aufgenommen haben sollte, dem seien sie hiermit ausdrücklich ans Herz gelegt – dieser Band wäre ein sehr schöner Einstieg.

Unbedingte Leseempfehlung!

© 2016 by Uwe Lammers

Ihr merkt, diese Leseerfahrung ist noch vergleichsweise frisch. Eine deutlich äl­tere stelle ich euch in der kommenden Woche vor. Dort begeben wir uns statt in die nahe Zukunft in die Vergangenheit und auf die andere Seite der Erdhalbku­gel.

Neugierig bleiben, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Vgl. dazu den Rezensions-Blog 116 vom 14. Juni 2017.

Blogartikel 370: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 15

Posted April 5th, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vor ein paar Wochen habe ich euch vollständig ins Reich der Cranyaa, also in die Handlungsgegenwart des KONFLIKTS 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ entführt. Dort sieht es be­kanntlich nicht rosig aus. Aber sehr viel interessanter scheint doch zu sein, wie es in der Zwischenzeit Oki Stanwer und den Zeitreisenden wider Willen ergangen ist. Darum soll es heute verstärkt gehen.

Rückblick: Die Serienhandlung ist nach wie vor zweigeteilt. In der Gegenwart entwickeln sich die Dinge höchst dramatisch, weil den arg dezimierten Cranyaa immer mehr Handlungsoptio­nen verloren gehen. Innenpolitische Krisen werden von exter­nen Feinden und Attacken verschärft, und nun hat sich auch noch Klivies Kleines als Graue Eminenz erwiesen, als heimtücki­scher Intrigant von TOTAMS Gnaden, der offenbar den WÄCH­TER in den Tod gelockt hat.

Das Reich scheint endgültig sturmreif zu sein und dicht vor dem Untergang zu stehen. Dennoch wird dieses Mal umgeblendet ins Zeituniversum, wo Oki Stanwer und seine Gefährten eben­falls mit den Machenschaften der Diener TOTAMS zu kämpfen haben.

Hier ist zuletzt die Lichtfestung OREOC vernichtet worden, wo­bei offensichtlich der Helfer des Lichts Gruhl, der Calnarer Ze­phir-Gort und der Soogrer Goonex den Tod fanden. Das Volk der DIGANTEN ging unter, Dämonen bereiten einen Angriff auf AN­TI-TOTAM vor, und Oki Stanwers STELE DER EWIGKEIT hat im Ovahaan-System massiv an Schlagkraft eingebüßt. Es sieht nicht gut aus …

Episode 71: Jenseits des Todes

(23. März 1986, digitalisiert 2019)

Als der Planet ANTI-TOTAM durch eine eskalierende Entladung des Primärenergiewandlers in Einklang mit Oki Stanwers menta­len Kräften im direkten Umfeld der Schockzone nahe den Gala­xien Risalon und Wukarin entstand, verlockte der Dämon Naa­mie das Volk der Dimensionswanderer, die Gerlakos, dazu, den Planeten zu besetzen. So konnte Oki Stanwer aus den Installationen dieser Welt keinen Vorteil ziehen.

Der Feldherr der Cranyaa entschied daraufhin, dass es besser sei, ANTI-TOTAM zum Sperrgebiet zu erklären, und er wandte den Blick ab.

Das war ein Fehler.

Die Gerlakos, monsterartige Aliens, die nur halbstabil zu sein scheinen, aber die Möglichkeit besitzen, ihre Krallenarme so zu stabilisieren, dass sie jeden Besucher töten können, leiden ebenfalls unter dem konstant absinkenden Energielevel des Zeituniversums, das einen raschen Erkaltungstod stirbt, der derzeit noch ungeklärt ist.

Dadurch erinnern sie sich wieder an ihre Vergangenheit – und die hat es in sich. Die Gerlakos sind während ihrer Wanderschaft durch Raum und Zeit mit Mentalessenzen verschmolzen, mit Seelen, könnte man sagen, die im KONFLIKT 13 („Oki Stanwer Horror“) als so genannte „Irrealstrahler“ Soldaten wider Willen der Dämonenmacht CLOGGATH waren. Nun kommen sie in ihrem zweiten Leben „jenseits des Todes“ zu sich, schwören dem Bösen ab und wollen Oki Stanwer und seinen Freunden hel­fen, die im Transmittermond der Plegg‘re ANTI-TOTAM umkrei­sen.

Dort geht annähernd zeitgleich ein Funkspruch eines Raum­schiffes ein, das sich mit rasender Geschwindigkeit dem Kristall­planeten nähert – ein Schiff, das von der Rasse der Plegg‘re gut 25.000 Jahre später konstruiert und in der Zeit zurückgeschickt wurde, um Okis Freunde auf ANTI-TOTAM vor einem Angriff der Dämonen von TOTAM zu warnen, der offenbar unmittelbar be­vorsteht …

Episode 72: Das Gericht der Irrealstrahler

(30. März 1986, digitalisiert 2019)

Die dramatischen Ereignisse des Bandes 71 werden fortgesetzt. Schauplatz sind der Kristallplanet ANTI-TOTAM am „Punkt Zero“, wo Oki Stanwer und seine Gefährten das Zeituniversum betre­ten haben, jenen temporalen Raum, der rund 600.000 Jahre vor der Gegenwart liegt.

Während Oki Stanwer, Gruhl, UCHULON und Doppelporter als di­rekte Bedienstete des Lichts mit der Lichtfestung OREOC und der STELE DER EWIGKEIT unterwegs sind, kommen die so ge­nannten Gerlakos wieder zu sich und erinnern sich daran, einst­mals „Irrealstrahler“ im Dienste CLOGGATHS in Oki Stanwers letztem Leben auf der Erde gewesen zu sein.

Zeitgleich erreicht ein Zeitraumschiff der Plegg‘re aus der ver­gleichsweise nahen Zukunft den Planeten ANTI-TOTAM, kann aber nicht mehr hinreichend abbremsen und strandet als Hava­rist auf der Kristallwelt.

Im Transmittermond wird derweil der Warnfunkspruch aus dem Raumschiff empfangen, aufgezeichnet von dem UCHULON der Zukunft (!). Ein Angriff von Dämonen von TOTAM stehe unmit­telbar bevor. Doch ehe Details bekannt werden können, reißt der Funkspruch wegen des Absturzes ab.

Außerdem dreht auf unheimliche Weise die Projektion der Dä­monenwaffe GOLEM auf dem Transmittermond durch. Erst mit Verspätung wird klar, dass sich ein Dämon von TOTAM einge­schlichen hat und sich als GOLEM tarnte und so die Sicherheits­einrichtungen des Mondes von innen heraus zerstören soll.

Die einstigen Irrealstrahler unter der Leitung des hünenhaften Schwarzen Nuara Nkimbo entschließen sich auf dem Planeten derweil, den havarierten Plegg‘re zu helfen …

Episode 73: In der Galaxis Srakkonar

(11. Mai 1986, digitalisiert 2019)

Blende zu Oki Stanwer und der sehr stark verkleinerten STELE DER EWIGKEIT: Im Ovahaan-System sind Oki und seine Freunde in eine Falle TOTAMS geraten. Der Kristallroboter Xyllom ist ver­nichtet worden (vgl. Bd. 61), und Oki selbst konnte gerade noch vor Interventionstruppen TOTAMS aus dem dimensionalen Reich Kawekor gerettet werden (vgl. Bd. 65), wobei er aber verletzt wurde. Quasi in letzter Sekunde gelingt es der STELE, den Wüs­tenplaneten des Ovahaan-Systems zu verlassen.

Als sie aber eine Reihe von Transitionen planen, um sich der Verfolgung durch die TOTAM-Schlachtschiffe des Dämons Craa­thava zu entziehen, tun sie exakt, was ihr Gegner insgeheim wünscht. Er aktiviert aus seiner Zentralgalaxis Srakkonar einen entropischen Fangstrahl und zerrt die STELE dorthin, um sie in seinem Residenzsystem mit dem Planeten Hollyr endgültig aus­schalten zu können.

Doch die Dinge verlaufen nicht nach Plan – eine fremde Gewalt reißt die STELE aus dem Sog, so dass sie am Rande von Srakko­nar materialisiert. Aber … ohne Oki Stanwer! Er scheint wäh­rend dieser Aktion seinerseits entführt worden zu sein.

Inzwischen weitgehend wieder gesundheitlich hergestellt, er­wacht der Feldherr der Cranyaa auf einem lebensfreundlichen, subtropischen Planeten, auf dem er eigenartige Pyramidenge­bäude vorfindet – und dann plötzlich auch einen Kampfgleiter mit untoten Cranyaa, der von Unbekannten vernichtet wird.

Ohne das jetzt noch zu begreifen, befindet sich Oki Stanwer bei den Rebellen von Srakkonar. Und sie geben sich ihm zu erken­nen …

Episode 74: Ein Mond vergeht!

(12. Mai 1986, digitalisiert 2019)

Blende wieder zurück zu ANTI-TOTAM und zum Transmitter­mond. Während die Helfer des Lichts Glusem und Ureg-Ni gegen die vermeintliche Dämonenwaffe GOLEM kämpfen, hinter der inzwischen in Wahrheit der Dämon Logaroteen steht, retten die Gerlakos/Irrealstrahler auf ANTI-TOTAM aus dem abgestürzten Zeitschiff die Plegg‘re – doch diese Wesen, die offenbar Jahrhun­derte unterwegs waren, sind auf schreckliche Weise deformiert und degeneriert, ihre ursprüngliche Form ist nicht mehr zu er­kennen. Ehe man sie befragen kann, sterben sie an den erlitte­nen Verletzungen und Schocks des Absturzes.

Im Transmittermond können Glusem und Ureg-Ni den einge­drungenen Feind ausschalten. Aber sie fragen sich nun natür­lich, wie das mit der Warnung vor dem Angriff der Dämonen von TOTAM sein mag – offensichtlich, darauf deutet Logaroteens At­tacke hin, steht er direkt bevor.

Und das stimmt auch. Ehe sie gescheite Gegenaktionen starten können, werden entropiegeladene Lenkraketen ausgemacht, die den Transmittermond zum Ziel haben und nicht mehr abge­wehrt werden können.

Über ANTI-TOTAM geht eine neue Sonne auf!

Episode 75: Im Reich der Plegg‘re

(7. Juni 1986, digitalisiert 2019)

Der Transmittermond ist zerstört worden. Die Helfer des Lichts Glusem und Ureg-Ni wurden dabei offenkundig ausgelöscht … wenigstens hat es den Anschein. Aber zur beiderseitigen Über­raschung ist das irgendwie nicht geschehen. Irgendeine Kraft hat verhindert, dass die Entropieexplosion, die den Mond aus­löschte, auch sie beide vernichtete.

Sie haben noch kurz paramentalen Kontakt zueinander, ehe sie durch die Zeit in unterschiedliche Richtungen geschleudert wer­den. Während Ureg-Nis Reiseziel vorläufig unklar bleibt, findet sich Glusems primärenergetische Beobachterseele in einem Be­reich des Kosmos wieder, den er durchaus kennt – es handelt sich um die Region zwischen den Galaxien Wukarin und Risalon, also nahe an der Cranyaa-Heimatgalaxis Hun‘arc … aber Millio­nen Jahre früher.

Hier verfolgt Glusem als temporaler Beobachter den Aufstieg ei­ner seltsamen amphibischen Spezies, die eines Tages den Ras­sennamen Plegg‘re erhalten wird und dann den Transmitter­mond bauen soll, an dessen Erschaffung er selbst, Glusem, maßgeblich beteiligt gewesen sein soll.

In der Gegenwart aber ist das Reich der Plegg‘re fast vollständig verwüstet (vgl. Bd. 27 der Serie), und es fehlen noch wesentli­che Mosaiksteine des Verständnisses, wie alles sich zusammen­fügt.

Glusem versucht mühsam, Kontakt zu den jungen und aufstei­genden Plegg‘re zu bekommen …

Mit den Bänden 74 und 75 der Serie beginnt die erste von zwei Plegg‘re-Trilogien, die Lücken der Historie der Serie schließen wird. In diesem Fall die Fragen um die Völker der Plegg‘re und der Waaklors. In der kommenden Folge der Close Ups, in der es um die Episoden 76-80 geht, blende ich sowohl in die Hand­lungsgegenwart wie ich auch die Vergangenheitsschiene verfol­gen werde. Ihr werdet sehen, es bleibt spannend.

Bis nächstes Mal, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 262: Shades of Grey 2: Gefährliche Liebe

Posted April 1st, 2020 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

auch sieben Jahre nach Veröffentlichung des vorliegenden Romans vermag die­se Trilogie interessanterweise nach wie vor Menschen auf die Palme zu bringen. Üblicherweise handelt es sich dann um Zeitgenossen, die weder die Bücher ge­lesen noch die Filme (außer in Auszügen) gesehen haben. Und jeder, der Kino­trailer kennt, weiß natürlich, dass diese in der Regel überdramatisiert Szenen zusammenschneiden und nicht selten einen falschen Eindruck der Geschichte vermitteln.

Ich finde außerdem, dass die Verfilmung insbesondere des zweiten Teils der Tri­logie von der Romanfassung deutlich abweicht, so dass man sich als Kinogänger kein qualifiziertes Urteil über das zu Grunde liegende Buch machen kann. Wer das gern tun möchte, ohne gleich in Schnappatmung zu verfallen, der sollte jetzt vielleicht weiterlesen.

Vielleicht entdeckt er/sie ja unerwartete Facetten des Werkes und wird doch neugierig:

Shades of Grey 2: Gefährliche Liebe

(OT: Fifty Shades Darker)

Von E. L. James

Goldmann 47896

608 Seiten, TB (2012)

ISBN 978-3-442-47896-5

Aus dem Amerikanischen von Andrea Brandl und Sonja Hauser

Die Welt steht Kopf für Anastasia Steele.

Die junge Literaturstudentin hat Wochen hinter sich, die sie selbst bei ruhiger Betrachtung kaum begreifen kann, und sie ist mental und emotional gewisser­maßen vollständig durch den Fleischwolf gedreht. Grund dafür ist eine Verket­tung abenteuerlicher, zufälliger Umstände, die sie in Kontakt mit einem faszinie­renden, sehr komplizierten und zudem überaus reichen Mann gebracht haben.

Christian Grey.

Einige Wochen zuvor hat sie ihn stellvertretend für ihre Mitbewohnerin und beste Freundin, Katherine Kavanagh, interviewt. Grey, der CEO und damit Vor­sitzende von Grey Enterprises, ist Förderer ihrer Hochschule, und Kate die Her­ausgeberin der Studentenzeitschrift. Da sie aber grippebedingt verhindert ist, schickt sie ihre beste Freundin Ana zu dem Termin … und dann beginnt das, was Anastasias Leben völlig umkrempelt: Christian Grey ist nicht nur unglaublich jung und attraktiv, sondern er ist auch von ihr unglaublich angetan, sucht stän­dig ihre Nähe und überhäuft sie mit Beweisen seiner Zuneigung. Dazu gehören sündhaft teure Erstausgaben von Romanen, Computer, Handys, schließlich gar ein neuwertiges Auto.

Sie ist davon einigermaßen überwältigt, aber ehe die meisten dieser Geschenke bei ihr ankommen (die meisten davon gegen ihren Willen, da sie solche Großzü­gigkeit unendlich verlegen macht), wird überdeutlich, dass Christian Grey sich insbesondere erotisch zu ihr hingezogen fühlt. Und zugleich hat er sehr … spezi­elle Vorstellungen von seiner Beziehung zu Frauen. Das hat mit seiner kompli­zierten Persönlichkeit zu tun, wie Anastasia sehr schnell entdecken muss. Er kann offensichtlich gar nicht anders, als ein BDSM-Verhältnis zwischen sich und seiner jeweiligen Gespielin zu dulden. Er ist darin der Dominus, sie die Sub, im Grunde genommen eine Sklavin für seine Bedürfnisse.

Auch wenn Anastasia sehr schnell den berauschenden Sex mit ihm unendlich genießt, selbst gewisse Sonderformen, die Augenbinden, Fesseln und ähnliches einbeziehen, gibt es doch Dinge, die sie immer wieder auf Abstand halten. Und am Schluss des ersten Romans, „Shades of Grey 1: Geheimes Verlangen“ wird Ana diese unglaublich intensive Beziehung zu viel. Schockiert davon, dass Chris­tian von ihr erwartet, sie möge sich von ihm bereitwillig Schmerz zufügen las­sen, weil er nur so vollendeten sinnlichen Genuss erleben kann, bricht sie die Beziehung ab.

Das Ende des ersten Romans ertrinkt in unendlich vielen Tränen.

Der vorliegende zweite Roman des Zyklus setzt quasi direkt nahtlos daran an, und man tut gut daran, die Lektüre unmittelbar an Band 1 anzuschließen.

Zur Handlung:

Seit der Trennung von Christian Grey sind erst wenige Tage vergangen. Hinter Anastasia liegen ihr Studienabschluss, der Umzug nach Seattle, wo Christian Grey auch lebt, und ihr Arbeitsbeginn als Praktikantin in dem kleinen Verlag SIP unter dem Lektor Jack Hyde.

Und Anastasia sieht die Welt absolut grau in grau. Nichts bereitet ihr mehr Ver­gnügen, und ebenso wie sie die stürmischen Liebesmomente mit Christian Grey vermisst, ebenso überzeugt ist sie doch davon, dass sie ihm niemals das wird geben können, was er unbedingt braucht. Es sieht doch sehr danach aus, als wenn Christian eine ihm ergebene Sub benötigt, die bereitwillig für seine Züch­tigungen zur Verfügung steht. Und das kann und will sie selbst nicht geben. Aber vergessen kann sie ihn ebenso wenig. Sie hat keinen Appetit, verliert an Gewicht1, und stets ist sich Ana der Tatsache bewusst, dass Christian in der Stadt ist, dass die Beziehung prinzipiell jederzeit wieder aufflackern kann.

Dennoch … dennoch nimmt sie mit ihm Kontakt auf, als ihr Studienfreund José Rodriguez (ebenfalls bekannt aus Band 1) seine Foto-Vernissage in Portland er­öffnet und sie einlädt. Ein sehr distanzierter Christian Grey nimmt sie höchst bereitwillig mit zur Eröffnung, die einige Überraschungen für die beiden bereit­hält (dies wird, wie Kundige wissen, im zweiten Film völlig anders vermittelt, wie der Film sowieso vieles dramatisiert).

Und das Knistern breitet sich unweigerlich wieder zwischen den Liebenden aus … denn das sind sie, das ist jedem Leser und jeder Leserin schon nach dem ers­ten Band felsenfest klar. Während Ana nun also versucht, bei SIP Fuß zu fassen und nur langsam realisiert, dass Jack Hyde mehr von ihr möchte, als nur ihr Chef zu sein, intensiviert sich ihre aufgefrischte Beziehung zu Christian Grey, und fast scheint es, als sei der grässliche Zwischenfall in seinem „Spielzimmer“ gar nicht vorgefallen.

Vergessen können die beiden ihn gleichwohl auch nicht.

Leider ist die fragile und immer wieder von Missstimmungen durchzogene Be­ziehung zwischen den Liebenden nicht das einzige Problem. Christian Grey hat zugegeben, dass er früher schon Beziehungen zu einer Reihe anderer Frauen hatte, seinen „Subs“, von denen ihm eine ganz besondere Sorgen bereitet: Leila. Während diese Person in der Verfilmung des ersten Romans noch keine Rolle spielt, taucht sie nun unvermittelt in Anastasias Leben auf und verfolgt sie. Vollends dramatisch wird es, als man herausfindet, dass sie offensichtlich mit einer Schusswaffe unterwegs ist und psychisch unzurechnungsfähig.

Außerdem lernt Ana während dieser Folgewochen Elena Lincoln kennen, die sie von Anfang an als „Mrs. Robinson“ charakterisiert und von Herzen zu hassen beginnt. Sie ist die Frau, die den jungen Christian im Alter von fünfzehn Jahren unter ihre Fittiche genommen hat, was in diesem Fall bedeutete, dass sie seine speziellen Neigungen entwickelte und, wie er es selbst drastisch sagt, „das Ficken beibrachte“. In Anas Augen hat sie damit seine jugendliche Entwicklung gestört und gilt im Grunde als Kinderschänderin. Es ist ihr unerklärlich, dass Christian mit Elena immer noch befreundet ist, und im Laufe des Romans entwi­ckelt sich das zunehmend zu einem ernsthaften Problem. Dasselbe gilt für die Sache mit Anas Chef, dem Lektor Jack Hyde.

Auf der anderen Seite lernt Anastasia aber auch einen anderen, einen neuen Christian Grey kennen – nicht den herrischen CEO von Grey Enterprises und auch nicht den grausamen Dom, der seine Sub herumkommandieren möchte … sondern sie hat einen ganz besonderen Einfluss auf ihn und verändert ihn. Sie bringt ihn auf zumeist äußerst amüsant zu lesende Weise und nicht selten wirk­lich berechnend zur Weißglut und dazu, immer mehr von seinem einseitigen Pfad abzuweichen.

Denn, um die Wahrheit zu sagen: Christian Grey ist zutiefst verstört und er­schüttert gewesen, ja, panisch, als sie ihn verlassen hat. Er kann sie nicht ver­gessen und will sie nicht verlieren. Das stürzt ihn in komplizierte emotionale Ab­gründe, die ihm vorher nicht zugänglich waren. Und er hat beschlossen, sein Le­ben grundlegend neu zu überdenken, Ana zuzugestehen, eine Art von Landkar­te zugänglich zu machen, die sein kompliziertes Herz und seine Seele für sie verständlich machen. Dies alles führt Anastasia Steele zu völlig neuen Erfahrun­gen und Horizonten, und dasselbe gilt auch für Christian Grey, der das rätselhaf­te und schwierige Neuland der leidenschaftlichen Liebe zu entdecken beginnt …

Der zweite Roman der Trilogie um Christian Grey und Anastasia Steele wartet zum einen mit einer Vielzahl von sympathischen Charakteren auf, die z. T. schon im ersten Band eine Rolle spielten, hier aber nun klarere Konturen und teilwei­se auch mehr historischen Tiefgang erhalten. Nach wie vor stürmisch und unbe­rechenbar ist die Beziehung zwischen Ana und Christian, die wirklich bei jeder sich bietenden Gelegenheit berauschenden Sex praktizieren. Und während im ersten Roman mehrheitlich die anfangs jungfräuliche Anastasia völlig überwäl­tigt war, geht es nun zunehmend auch ihrem reichen Geliebten so.

Er, der bislang alles strikt durchplante, weil er eben ein notorischer Kontroll­freak ist, lernt nun, dass das Herz einer Frau, zumal einer von 21 Lenzen, durch­aus sprunghaft, launisch und schnippisch sein kann. Dass Anastasia auch hier wieder reichliche Szenen bietet, in denen sie zutiefst errötet oder sich vor lau­ter inneren Gewissensbissen kaum retten kann, gehört unbedingt dazu. Wer die Bücher kennt, mag verstehen, dass ich immer wieder kichere, wenn einer von beiden mit den Augen rollt, wenn Ana sich auf die Unterlippe beißt oder die sinnbildlichen Funken zwischen den beiden sprühen. Es ist einfach ein Vergnü­gen, diese Geschichte zu lesen, das gilt auch für den zweiten Teil.

Was die Verfilmung angeht, so weicht sie in zahlreichen Variationen von der Ro­mangeschichte ab. So spielt etwa Ethan, Kate Kavanaghs Bruder, in zahlreichen Stellen des Films überhaupt keine Rolle, sehr wohl aber im Buch. Dasselbe gilt für José, der im Film schnell an die Wand gedrückt wird, was sich im Buch völlig anders liest. Mia Grey, Christians jüngere Schwester, gespielt von Rita Ora im Film, hat im Buch auch einiges mehr zu sagen als in der filmischen Umsetzung. Die Rolle der Elena, im Film faszinierend von der älteren Kim Basinger gespielt, ist im Buch sehr viel komplizierter angelegt, und eine ganze Weile lang hat man das Gefühl, dass sie und Ana vielleicht doch noch einen modus vivendi finden können.

Andere Stellen fehlen in der Verfilmung ganz, was man bei manchen erotischen Stellen gut verstehen kann (ich denke da besonders an diese Badezimmerszene, die Passage auf dem Boot oder auch die Szenen im Spielzimmer, die im Buch z. T. sehr viel anders ausgeschmückt sind). Insbesondere vieles aus dem Leila-Handlungsstrang läuft hier grundlegend anders ab als im Film. Die Szene mit der Hausbegehung kommt überhaupt nicht vor (allerdings gibt es eine kleine Andeutung im Film während der Bootsfahrt auf „The Grace“). Die Rolle, die Kate Kavanagh mit ihrer „Inquisition“ spielt, ist im Film auch sehr heruntergekocht.

Und süß ist zu sehen, dass sich im Buch Ana unabsichtlich als Verkupplerin noch zwischen zwei weiteren Freunden erweist. Es sei nicht verraten, wen es trifft – aber es ist auf alle Fälle ein Indiz, dass den Leser des abschließenden dritten Teils womöglich eine Dreifachheirat erwarten könnte. Gemessen an der bislang zur Schau gestellten romantischen Ader von Frau James dürfte das letzten En­des eines der Ziele der Geschichte sein. Schwierig bleibt aber die allmählich deutlicher zu sehende Grundlinie, dass sadomasochistische Neigungen hin in eine „krankhafte“ Richtung gedrängt werden, die man nur mit bedingungsloser Liebe „kurieren“ kann … das ist höchstwahrscheinlich zu schematisch und eindi­mensional.

Die Geschichte bewegt sich also gründlich von der Basislinie weg. Christian gibt einen guten Teil seiner „hard limits“ ab, während Ana ihm gegenüber einige Zu­geständnisse hinsichtlich seines „Spielzimmers“ gestattet und sie ansonsten so versessen aufeinander sind, dass sie nicht die Finger von sich lassen können. Und gleichzeitig ziehen sich finstere Schicksalswolken über den beiden zusam­men … man darf auf das Finale sehr gespannt sein.

Auch hier eine klare Leseempfehlung.

© 2017 by Uwe Lammers

May be, es mag sein, dass ich zu optimistisch geurteilt habe, und mancherlei Leserkommentare, die ich erhielt, nachdem diese Rezension anderwärts Lesern zugänglich gemacht wurde, fielen recht kritisch aus. Ich bleibe allerdings durch­aus dabei, dass ich diese Geschichte bei allem Schematismus, den sie durchaus besitzt und der mir auch nicht entgangen ist, im Kern zutiefst humorvoll und lei­denschaftlich ist.

Wer diese Geschichte um Anastasia und Christian allein auf die „frauenverach­tende“ und sexistische Ebene herabzerren möchte und denkt, dass Ana doch nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, wenn sie sich wissentlich ein zweites Mal auf diese Beziehung einlässt, der sieht das alles viel zu kurz. Man muss nicht nur ein Negativfaktum herausziehen und dann sofort ein moralisches Vernichtungs­urteil fällen, sondern die Gesamtkomposition sehen und danach versuchen, zu einem ausgewogenen Eindruck zu gelangen.

Für mich überwiegt der zwischenmenschlich-humorvolle Aspekt in der Ge­schichte nach wie vor, auch wenn ein wenig „missionarischer“ Eifer zu erkennen ist, wenn die Autorin etwas eindimensional Sadomasochismus bei dominanten Männern über eine traumatische Kindheit erklären will und sie durch „ehrliche Liebe“ zu läutern versucht.

Was ich aber, wie ich immer noch finde, relativ gut herausarbeiten konnte, sind die Differenzen zwischen Buch und Verfilmung. Das ist zwar immer so, aber mir kam es noch nie so überdeutlich zu Bewusstsein wie hier. Die Filme ersetzen also in keiner Weise die Bücher. Die Romane sind deutlich besser als die filmi­sche Umsetzung – es ist definitiv einen Versuch wert, vertraut mir.

In der kommenden Woche kehren wir in phantastische Landen zurück zu einem Altmeister der Science Fiction und dystopischen Blicken in zukünftige Sphären. Mehr dazu in sieben Tagen an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Ebenfalls etwas sehr Charakteristisches in diesen beiden Bänden des Zyklus ist Anas regelmäßige Appetitlo­sigkeit und Christians besorgter, meist befehlender Appell, sie möge dich etwas zu sich nehmen. Ana könnte – und das ist nun wirklich ein Zustand, den jeder Verliebte bestens kennt – auch nur von Luft und Liebe le­ben … und Liebe in Form von leidenschaftlichem Sex bekommen die beiden hier fürwahr reichlich.