Rezensions-Blog 207: Das Aktmodell

Posted März 13th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

sind Zeitreisen sexy? Wir Phantasten können diese Frage eigentlich nur beja­hen. Aber was geschieht, wenn sich Mainstream-Autoren an Zeitreisen wagen und sie dann munter auch noch mit Magie würzen? Dann kommt so etwas da­bei heraus wie „Feuer und Stein“ von Diana Gabaldon oder „Die Prophetin von Luxor“ von Suzanne Frank. Im günstigen Fall.

Oder es wird etwas durchwachsen und leider nur bedingt an den historischen Background angepasst, dann finden wir uns wieder bei Jina Bacarr und ihrem Roman „Das Aktmodell“, der mir in die Finger fiel, als ich damit begann, die Ro­mane der MIRA-Buchreihe im Bereich der erotischen Literatur zu vervollständi­gen. Da gibt es durchaus recht anständige Bücher, von denen ich beizeiten noch einige vorstellen werde. Dieser hier war – für einen Historiker wie mich, wohl­verstanden – ein wenig… halbgar. Ihr werdet das in der Rezension entdecken.

Aber, hey, es ist Unterhaltung, nicht wahr? Große literarische Ansprüche sollte man daran nicht knüpfen, und ja, unterhaltsam ist die Geschichte schon, wie die in eine vorzeitigen Midlife-Crisis stürzende Amerikanerin Autumn Maguire in Paris sowohl dem Schicksal wie auch der Liebe ihres Lebens über den Weg läuft, und das nur, weil sie sich ins falsche Haus verirrt, eine seltsame Geschich­te hört und dann mit einem ägyptischen Gott zusammenrasselt.

Das klingt nach wirrem Stoff? Es ist nicht ganz so wirr, wenn man meiner Rezen­sion von 2017 folgt. Neugierig geworden? Dann schmökert jetzt einfach weiter:

Das Aktmodell

(OT: Naughty Paris)

Von Jina Bacarr

Mira 35012

432 Seiten, TB (2008)

ISBN 978-3-89941-398-4

Aus dem Amerikanischen von Christine Janson

Eigentlich geht alles schief… und fast könnte man sagen, daran sei Donald Trump schuld, der tatsächlich in diesem Roman recht weit zu Beginn namentlich genannt wird. Aber so schlimm ist es dann doch nicht… wenngleich Autumn Maguire schon der festen Überzeugung ist, dass geradewegs alles Unglück der Welt seine Kübel über ihren Kopf ausgeleert hat. Sie hat bald Grund zu der An­nahme, dass alles noch sehr viel schlimmer kommt, und das hat nicht nur mit dieser mörderisch eifersüchtigen Hure zu tun.

Aber vielleicht sollte ich vorne beginnen.

Autumn Maguire, ihres Zeichens eine Amerikanerin mit teilweise irischen Wur­zeln, die ihr feuerrotes Haar, helle Haut und Sommersprossen vererbt haben, ist eigentlich frohgemut auf dem Weg nach Paris, um hier ihre Verlobung und bal­dige Heirat mit ihrem Lebensgefährten David zu feiern… zu dumm, dass der sie, während die Tickets für Paris schon gekauft sind, kurzerhand sitzen lässt, um mit einer Blondine durchzubrennen.

Dumm gelaufen, nicht?

Nun, Autumn, 35 Jahre alt, unter einer Cellulitis leidend und sich notorisch zu rundlich fühlend, nimmt kurzerhand ihre Mutter mit nach Paris… und rutscht ins nächste Chaos, nämlich während sie allein durch die Stadt streunt. Von ei­nem jähen Regenguss bis auf die Knochen durchnässt, flüchtet sie sich in ein Gebäude und findet sich in einem Zeichneratelier wieder. Der betagte Künstler scheint von ihr überaus angetan zu sein und wünscht, dass sie ihm Modell steht, nach Möglichkeit völlig nackt.

Das schmeichelt Autumn natürlich, und nach kurzem Zögern willigt sie ein. Was hat sie schon zu verlieren, nicht wahr? Sie sehnt sich wirklich sehr danach, als erotische Frau wahrgenommen zu werden – wenn’s das Selbstwertgefühl schon nicht zulässt, dann ist der getrübte Blick des alternden Malers immerhin ein netter Ersatz. So denkt sie sich das. Doch bevor das Aktstehen beginnt, wird sie auf ein phantastisches lebensechtes Porträt eines Mannes aufmerksam und be­fragt den Künstler danach. Dies sei, sagt er, ein Selbstporträt des Malers Paul Borquet. Er sei ein begnadeter Maler zu Zeiten der Impressionisten gewesen, der 1889 unter rätselhaften Umständen ums Leben gekommen ist, angeblich im Feuer umgekommen, während er versuchte, die Liebe seines Lebens zu retten.

Ach ja, das ist doch mal wieder typisch: da sieht man schon ein gestandenes Mannsbild, in das man sich als Frau so richtig vergucken kann, und dann ist er schon seit über hundert Jahren tot, und auch noch unter tragischen Umständen umgekommen. Autumn hat es sich fast gedacht. Warum sollte ihr auch irgend­wie nur mal das Glück winken, nicht wahr? Und dabei hätte sie diesen stattli­chen Kerl wirklich gern kennen gelernt…

Und dann wird es richtig unheimlich – als Autumn nämlich, ein wenig frivol er­regt, die hier im Atelier stehende Statue des alten ägyptischen Fruchtbarkeits­gottes Min berührt, hat sie das Gefühl, von einem Blitzschlag getroffen zu wer­den und verliert das Bewusstsein. Sie erlangt es recht schnell wieder… immer noch im Atelier, aber dummerweise haben sich ein paar Dinge grundlegend ver­ändert.

Zum einen sieht sie sich überraschend dem quicklebendigen Künstler Paul Bor­quet gegenüber, und zwar ist sie dabei völlig splitternackt. Zweitens ist er von ihrer Schönheit so hingerissen, dass er sich Hals über Kopf in sie verliebt. Und zum dritten muss Autumn entdecken, dass sich ihr Körper irgendwie auf magi­sche Weise verjüngt hat. Jetzt sieht sie aus, als sei sie gerade einmal neunzehn Lenze alt, mit prächtig schwellenden erotischen Körperformen… und sie re­agiert ihrerseits extrem heftig positiv auf den Pariser Künstler.

Allerdings hat sie noch nicht realisiert, dass sie in Wahrheit eine Zeitreise ins Jahr 1889 durchgemacht hat. Und ihr ist ebenfalls nicht bewusst, dass sie sich zu einem Zeitpunkt in Pauls Leben eingemischt hat, wo er etwas mit einem an­deren Mädchen laufen hat, nämlich der durchtriebenen Hure Lillie – die von nun an in Autumn eine heiße Konkurrentin um Pauls Herz sieht (mit Recht)… und sie ist sehr geübt im Umgang mit dem Messer und hat überhaupt keine Skrupel, die arglose und bald ziemlich panische Autumn mit mörderischem Hass zu verfolgen.

Das führt zu einer Vielzahl sehr waghalsiger Situationen, in denen Straßenpoli­zisten, Sittendezernate, ein Frauengefängnis, eine sinistre Bordellherrin und nicht zuletzt ein moralisch verdorbener englischer Lord mit Neigung zu Schwar­zen Messen bedeutsame Rollen zu spielen beginnen.

Schnell muss Autumn Maguire entdecken, dass sie zwar auf magische Weise verjüngt wurde und den phantastischsten Liebhaber aller Zeiten gefunden hat, der gleichfalls völlig in sie verschossen ist… dass es aber das Schicksal selbst darauf angelegt zu haben scheint, ihr gemeinsames Glück dauerhaft und rach­süchtig zu hintertreiben.

Und, schlimmer noch, ihr wird rasch klar, dass der Fruchtbarkeitsgott Min ihr zwar sexuelles Vergnügen gönnt, dass Liebe aber nicht auf dem Plan stehen darf. Anderenfalls drohen die Rückverwandlung in ihren alten Körper und der Rücksturz in ihre eigene Zeit, ohne Hoffnung, Paul jemals wieder finden zu kön­nen.

Was sie indes nicht ahnt, ist, dass auch Paul einen Pakt mit dem Fruchtbarkeits­gott eingegangen ist und ein ganz eigenes Geheimnis hat, das ihr gemeinsames Glück weiter gefährdet…

Nach dem – mir noch nicht vorliegenden1 – Buch „Die blonde Geisha“ ist dies der zweite erotische Roman, den Jina Bacarr verfasst hat. Er nimmt fast unwei­gerlich eine Menge Elemente ihres eigenen Lebens auf, so spürt man deutliche Einflüsse ihres Studiums der Kunstgeschichte wie des Französischen hierin. Es ist auch anzunehmen, dass sie mit Autumn Maguire ein wenig ein Wunsch-Alter Ego beschrieben hat. Ebenso unübersehbar sind die deutlichen gedanklichen Anleihen an Diana Gabaldon.

Eine Zeitreise zu schildern, ist offenbar ein beliebter Topos, allerdings gelingt das Bacarr nicht halb so plausibel wie Gabaldon. Auch wirkt die ständige Ac­tion-Unterbrechung, die doch sehr an die Doc Savage-Romane erinnert, auf mehrere hundert Seiten ausgedehnt, letztlich etwas störend. Man hätte als Le­ser den beiden Liebenden schon ein paar mehr gemeinsame Momente gegönnt (man vergleiche beispielsweise die Vielfalt an erotischen Szenen bei Sandra Henkes Roman „Flammenzungen“, der sehr viel kürzer ist, mit denen im vorlie­genden Buch… da sieht man deutlich, dass die deutschen Autorinnen entschie­den weniger verklemmt sind als die amerikanischen, also wirklich. Fiel mir so deutlich bislang noch nicht auf.

So unterhaltsam und bisweilen auch wirklich witzig dieser Roman also auch ist, so wurde ich doch bei fortschreitender Lektüre das dumme Gefühl nicht los, dass hier ständig gewissermaßen mit angezogener Handbremse gefahren wur­de. Dass Autumn wiederholt denselben Fehler begeht und wirklich so gar nicht gescheit nachdenkt, und dass sie lange Zeit hinweg überhaupt nicht weiß, was sie eigentlich will, das macht die Angelegenheit recht anstrengend und verkompliziert den Handlungsverlauf. Wäre den Personen etwas mehr Autonomie gestattet worden, statt sie mehrheitlich recht schematisch zu gestalten, hätte der Roman äußerst interessant sein können.

So bleiben Lord Bingham und Madame Chapet seltsam konturenlos jenseits ih­rer bloßen Rollen, auch Lillie ist eigentlich NUR eifersüchtig und mörderisch. Und das, was sich bei einer Sandra Henke auf hundertfünfzig Seiten lebendig und durchaus glaubwürdig entfaltet, nämlich eine nachvollziehbare Beziehung zwischen den Personen, das gelingt in diesem Buch nicht mal auf dreihundert. Das Buch ist also zwar durchaus unterhaltsam und in vier Tagen mühelos zu le­sen (vielleicht auch geschwinder), aber irgendwie erinnert es mich vom Gefühl her an Fastfood. Man hat viel Zeit darin investiert, die ganze Geschichte inha­liert, und am Ende ist man immer noch hungrig.

Auch ist ihre Schilderung des Paris des Jahres 1889 außerordentlich flüchtig – man bedenke bitte, dass dies das Jahr der Pariser Weltausstellung mit 28 Millio­nen Besuchern war. Davon merkt man im ganzen Roman nicht mit einer Silbe etwas. Auch wäre auf den brandneu und eigens für die Weltausstellung ge­schaffenen Eiffelturm hinzuweisen gewesen (der die Weltausstellung ja nur überlebte, weil er anschließend als Funkmast gebraucht wurde, anderenfalls wäre er 1890 wieder abgerissen worden… wie weiland der Kristallpalast in Lon­don oder die Pavillons der Weltausstellung von Chicago 1934, um nur mal zwei Beispiele zu nennen). Autumn kommt zwar recht weit in der Stadt herum, aber dass man als Leser wirklich einen gescheiten Eindruck davon bekommt, kann ich nicht bestätigen. Hier wird also nicht nur mit angezogener Handbremse ge­fahren, sondern auch noch mit Tunnelblick und Scheuklappen… wäre dieser Blick dann wenigstens primär auf das sinnliche Glück der beiden Hauptperso­nen fixiert gewesen, hätte man das noch genießen können, aber das passiert ja auch nicht.

Vielleicht bin ich einfach ein zu anspruchsvoller Leser, aber meiner Überzeu­gung nach hätte die Autorin sicherlich etwas mehr Energie in die Personencha­rakterisierung und die sinnliche Ausstrahlung der Protagonisten investieren können. Es bleibt also nur zu sagen, dass das vorliegende Buch für gründliche Leser vielleicht eine Enttäuschung sein könnte. Da sollte man sich dann viel­leicht doch besser an Diana Gabaldon oder andere Autorinnen halten, die eroti­sche Romane in historischem Setting verfassen. Das hier wäre nicht meine erste Wahl, wiewohl das Werk ganz passabel ist.

© 2017 by Uwe Lammers

Autsch, könnt ihr natürlich nun sagen, hat der Uwe nicht mal erzählt, er rezen­siert aus Prinzip nur Romane, die er selbst gern gelesen hat? Jein, das wäre so nicht ganz präzise. Ich rezensiere durchaus auch manchmal Romane, die deutli­che Schwächen aufweisen und publiziere diese Besprechungen. Nur die von Werken, die ich für ganz und gar unangenehm halte, werden ihren Weg nicht hierher in den Blog finden. Ihr braucht also nicht zu erwarten, dass ich euch mit den Rezensionen zu Vina Jackson nerve… die veröffentliche ich anderswo.

In der kommenden Woche geht es dann in eine völlig andere Richtung, ein paar Jahrzehnte Richtung Zukunft, ein paar hundert Kilometer weiter ostwärts. Auf nach Afghanistan und zu jemandem, der wirklich packend zu schreiben ver­mochte (und sich leider dummerweise frühzeitig selbst aus dieser Welt schoss, sniff). Wer das war und was für ein Werk ich besprechen möchte? Dazu erfahrt ihr Näheres nächste Woche an diesem Ort.

Ich freue mich auf euren Besuch!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Ergänzung vom Oktober 2018: Diese Info ist inzwischen veraltet, der Roman aber noch nicht gelesen.

Liebe Freunde des OSM,

als ich vor acht Wochen das letzte Mal von meiner kreativen Biografie berichte­te, verließ ich euch mit Ablauf des Monats August 2015. Meine Mutter war we­nige Monate zuvor verstorben, das Jobcenter saß mir im Nacken, eine reguläre berufliche Tätigkeit nach wie vor nicht in Sicht. Die Komplikationen im Nach­gang mit dem familiären Todesfall dauerten an und führten während der Räu­mung unseres elterlichen Haushaltes unter anderem dazu, dass ich einen er­heblichen Teil meiner Romansammlung an ein norddeutsches Antiquariat ver­schenken musste.

Warum? Weil ich daheim in Braunschweig für die Romanberge, die sich auf dem elterlichen Dachboden in Gifhorn befanden, nun wirklich keinen Raum mehr besaß. Und die Alternative, die mir meine Geschwister suggerierten, war noch weniger angenehmer. Sie lautete: Altpapiercontainer! Ernsthaft.

Ich dachte allerdings völlig betäubt: Ehe ich mehr als 3000 Heftromane und mehrere hundert Bücher, die ich über Jahrzehnte mühsam gesammelt habe, wie alte Zeitungen entsorge, dann gebe ich sie lieber dorthin, wo man ihren Wert erkennt.

Ihr könnt euch vorstellen, dass ich in dieser Stimmung mehr denn je zuvor Ab­lenkung brauchte. Und wie üblich fand ich sie im Schreiben, das mich gründlich auf andere Gedanken brachte.

Im September 2015 entstanden 29 abgeschlossene Werke, mehrheitlich Blogar­tikel, außerdem ein Lesungsskript, da ich am 2. Oktober eine Lesung im Braun­schweiger Lokal „Lord Helmchen“ vorbereitete. Das E-Book „Welt der Wunder“ entstand, weiter zahlreiche kommentierte OSM-Episodenabschriften der KON­FLIKTE 14 („Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“) und 12 („Oki Stanwer – Be­zwinger des Chaos“). Ich arbeitete an der Abschrift längerer nicht-digitaler Wer­ke wie etwa dem Roman „Justine und Maximilian“, und einige Archipel-Werke konnten in diesem Monat ebenfalls wachsen. Darunter befanden sich Geschich­ten wie „Die Suyenka“ und „ Brigitta“.

Auch begann ich mit den Vorbereitungen für eine ganze Kaskade weiterer E-Books… damit sollte ich vermutlich heutzutage mal wieder anfangen, um für 2019 meine E-Book-Produktion in Schwung zu bringen.

Gegen Ende des Monats kam dann ein exotisches Schriftstück hinzu – ich schrieb einen kleinen Reisebericht über die Reise zum Bundesarchiv Berlin in Berlin-Lichterfelde. Das war quasi schon Teil meiner Beschäftigung, die im Okto­ber dann formell mit unterzeichnetem Vertrag beginnen und mein Leben für die nächsten gut zwei Jahre bestimmen sollte.

Was das war? Das Biofakte-Projekt.

Ich deute es nur mal kurz an dieser Stelle an, weil es wesentlichen Einfluss auf meinen Schreib-Output in den nächsten zwei Jahren haben sollte: Biofakt ist eine Wortschöpfung von Frau Professor Dr. Nicole Karafyllis, sowohl einer ge­lernten Biologin wie Philosophin, die mit Schwerpunkt auf Technikphilosophie lehrt und forscht.

Ein Biofakt kennt jeder von uns, auch wenn der Begriff nicht unbedingt geläufig ist. Biofakte sind üblicherweise Pflanzen, die durch menschliches Zutun wesent­lich technisiert und geformt worden sind. Und da müsst ihr euch jetzt keine Cy­borgs vorstellen, sondern braucht schlicht nur ans Frühstücksbrot zu denken.

Wie das?

Na ja, kurz gesagt sind Biofakte all jene pflanzlichen Organismen, die Menschen im Laufe einer vieltausendjährigen Domestizierungsgeschichte zu Hochleis­tungssorten veredelt haben. Getreide steht da ebenso wie Kartoffeln ganz vor­ne in der Kette. Das sind alles nicht mehr die Pflanzen, die man in der freien Wildbahn vorfände. Moderne Hochleistungssorten, etwa Weizen, sind zwin­gend auf menschliche Nachbearbeitung angewiesen, um ihre Körner von den Halmen zu lösen und sich wieder aussäen zu können. Auf sich gestellt würden sie unweigerlich degenerieren und sich zurückentwickeln oder ganz eingehen.

Das Biofakte-Projekt beschäftigte sich nun mit dieser Art von Pflanzen, und wir in Braunschweig kümmerten uns dabei besonders um Samenbanken für Pflan­zensamen… ein ungewöhnlicher Fokus, der gründliche Einarbeitung verlangte und mich doch ziemlich forderte. Aber es wurde äußerst spannend. Anfangs wurde ich hier nur als wissenschaftliche Hilfskraft mit wenigen Stunden einge­plant. Dass daraus Anfang 2016 eine Vollzeitstelle werden würde, konnte nie­mand von uns ahnen.

Infolgedessen kann es nicht verblüffen, dass ich im Oktober 2015 wiederum auf 30 fertige Werke kam. Neben zahlreichen Blogartikeln konnte ich hier auch zwei E-Book-Skripte fertigstellen – einmal „Das Sternenreich des Windes“, zum an­deren den fünften Band der Annalen, „Jaleenas zweites Leben“.

Ansonsten schrieb ich mehr oder minder intensiv weiter an KONFLIKT 2 („Oki Stanwer und das Terrorimperium“) und an „Der Zathuray-Konflikt“, an dem Hin­tergrundtext „Das Rätsel von Garos“.1

Ebenfalls in diesen Monat fiel, wegen meiner starken Publikations-Offensive bei meinem dritten E-Book-Distributor XinXii.com, ein Interview, das die Verant­wortlichen dort mit mir führten.

Auch schrieb ich in Maßen weiter am Erotic Empire-Roman „Die Kolonie Saigon II“ und kümmerte mich um eine Reihe von Gedichtabschriften, die lange fällig waren.

Der November 2015 endete mit 23 fertigen kreativen Werke. Unter denen, die ich nicht fertigstellen konnte, befand sich inzwischen auch wieder „DER CLOG­GATH-KONFLIKT“… ihr wisst schon, das „Flaggschiff“. Die Fertigstellung der Digi­talisierung sollte ja bis Anfang 2019 noch dauern. Wenn ich gelegentlich die Floskel einstreue, dass manche Projekte bei mir länger dauern, ist das, wie ihr allein hieran erkennen könnt, nicht nur Kokettieren, sondern absolute Realität.

Ebenfalls weiterarbeiten konnte ich an KONFLIKT 18 („Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“), deren Digitalisat inzwischen Band 71 erreicht hatte. Ich kümmerte mich um „Besuch in der Heimat“, „Ein Alptraum namens Kolo­ron“ und „BdC 1: Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“. Letzteres war zwar schon als E-Book-Projekt annonciert, aber noch völlig utopisch in seinen Dimensionen veranschlagt (15 Episoden in diesem ersten Band… absurd. Heute sind wir, wie inzwischen hoffentlich bekannt sein wird, bei 3 Episoden pro Band angekom­men. Das ist schon mehr als genug Lesestoff auf einmal).

Mit „Gelüftete Schleier“ wurde ein weiteres E-Book-Skript fertig. Ebenfalls in diesen Monat fiel die Teilung von „Annalen 5“ und die Lösung des Titelbild-Pro­blems. Es passte mir nicht, dass es zwei Bände werden sollten, aber mir wurde das mit dem Argument der Herstellungskosten plausibel gemacht. Also kein Fall von „Geldschneiderei“ meinerseits, großes Ehrenwort!

Ebenfalls im November kam der Archipel annähernd gleichberechtigt zu Wort. Jedenfalls könnte man das glauben, wenn man sich meine handschriftlichen Einträge dieses Monats anschaut. Ich schrieb an einer ganzen Reihe Geschich­ten weiter: „Die Rollenspielerin“, „Sarittas Hilflosigkeit“, „Die Proviantinsel“, „Chantals Abstieg“ und „Falsche Voraussetzungen“.

Doch der erste Blick trügt. Korrekt müsste ich sagen: diese Werke formatierte ich neu und druckte die z. T. jahrealten Fragmente neu aus, wobei ich sie stilis­tisch nachfeilte und die eine oder andere Szene ausbaute. Wirklich sehr viel Neues gab es hieran nicht ernsthaft zu entdecken.

Bis Ende November 2015 war ich insgesamt auf 290 fertige Werke für dieses Jahr gekommen, und ich fand das durchaus sehr zufriedenstellend. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht wirklich, wie sich die nahe Zukunft entwickeln würde – das sollte nicht nur mich überrumpeln, sondern auch ein paar andere Menschen in meinem direkten Umfeld.

Dazu sage ich mehr beim nächsten Teil dieser Rubrik.

Bis nächste Woche, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Wer inzwischen das E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“ (veröffentlicht im Dezember 2018) ge­lesen haben sollte, wird bei dieser Erwähnung vermutlich einigermaßen elektrisiert sein. Und ja, es handelt sich exakt um dieses schottische Dorf Garos, das Dorf der Toten, das ich hier analytisch etwas genauer zu verstehen suchte… aber der Text wurde damals nicht fertig, sondern nur weiter geschrieben.

Rezensions-Blog 206: Sabotage

Posted März 6th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

als Clive Cussler für eine Weile genug hatte von den Helden der NUMA, da kochte er sich aus seinem historischen Interesse für Oldtimer und seinem Faible für Agentenabenteuer einen neuen Cocktail zusammen und sprang munter für einen Oneshot in den Anfang des 20. Jahrhunderts. In eine Zeit, in der die Tech­nik noch relativ archaisch war, aber mittels erstaunlicher technischer Neuerun­gen doch schon an der Schwelle zur Moderne stand. Politisch war es eine Zeit der Radikalisierung, der immer noch krassen Schichtengegensätze. Eine Zeit der Attentäter, der Privatdetektive und der korrupten Polizei.

Als neuen Typus des Helden erschuf er Isaac Bell, einen vermögenden Bankiers­spross, der sich entgegen den gesellschaftlichen Erwartungen hemdsärmelig und kampfstark sowie extrem technophil der Van Dorn-Detektei anschloss und hier Ermittler wurde. So entstand der Roman „Höllenjagd“.1

Ganz offensichtlich wurde dieser Roman solch ein Überraschungserfolg – man kennt das aus dem modernen Kino etwa von den Marvel-Filmen „Ant-Man“ oder „Guardians of the Galaxy“, sodass Cussler sich dafür entschied, diese Per­son nicht einfach wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen. Stattdessen gewann er mit Justin Scott einen versierten Coautor, der Bell in einem weiteren Abenteuer auf die moderne Kriminalität des frühen 20. Jahrhunderts in Nordamerika losließ.

Diesmal geht es um die nordamerikanischen Eisenbahnen und ein Phantom, das Chaos und Verderben sät und sich chamäleongleich jeder Verfolgung ent­zieht. Vorhang auf für den heutigen Roman:

Sabotage

(OT: The Wrecker)

Von Clive Cussler & Justin Scott

Blanvalet 37684

608 Seiten, TB, 2012

Übersetzt von Michael Kubiak

ISBN 978-3-442-37684-1

Man schreibt den Herbst des Jahres 1907 in den Cascade Ranges, Oregon, als das Herzstück des großen Eisenbahnimperiums der Southern Pacific Railroad Company des herrischen Osgood Hennessy fertig gestellt werden soll: der Cas­cade Cutoff, ein Tunnel mit anschließender Brückenkonstruktion. Beides zusam­men soll den Bahnverkehr von einer Seite des nordamerikanischen Kontinents zur anderen auf spektakuläre Weise verkürzen und Hennessy zum unangefoch­tenen Herrscher über die Bahnlinien Nordamerikas machen.

Es gibt dabei nur ein Problem: er hat einen Gegner, den er nicht einkalkuliert hat. Das ist nicht das wilde, stürmische und oftmals schwer berechenbare Wet­ter, es sind auch nicht Rivalen anderer Eisenbahnlinien oder knauserige Banki­ers der Wall Street.

Nein, dieser Feind kommt gewissermaßen aus dem Nichts, und er scheint mit allen Wassern gewaschen zu sein – er wird „der Zerstörer“ genannt und ist schlichtweg ein Phantom.

Sein erster Anschlag wirft die Tunnelarbeiten um Wochen zurück. Daraufhin te­legrafiert Hennessy Joe Van Dorn, dem Leiter des Van Dorn-Detektivbüros. Van Dorn soll weitere Sabotageakte unterbinden helfen, und er bringt sogleich sei­nen besten Mann mit – Isaac Bell.

Bell hat neben seiner Loyalität für die Van Dorn Agentur noch einen anderen Grund, warum er diesen Auftrag gern annehmen will. Bei der Explosion, die den Tunnel zum Einsturz brachte, ist ein einstiger Van Dorn-Agent namens Aloysius „Wish“ Clarke umgekommen, den er sehr schätzte. Bald stellt sich heraus, dass er, obgleich er mit einer gezogenen Schusswaffe armiert war, von vorn ersto­chen worden ist. Mithin ist das kaltblütiger Mord gewesen. Und Bell gibt diese Todesart Rätsel auf. Er weiß, dass Wish extrem schnell mit der Waffe war. Aber nicht schnell genug für ein Messer? Äußerst eigentümlich – und gefährlich.

Zudem bekommt Bell Schwierigkeiten mit der schönen, jungen Tochter Lillian des Eisenbahnmagnaten, die es sich in den Kopf setzt, ihn unbedingt verführen zu wollen. Die Vorstellung, dass er schon verlobt ist, scheint die attraktive Lillian eher noch zu befeuern. Dabei kann Isaac Bell das nun gar nicht gebrauchen. Er bemüht sich darum, Lillians Hoffnungen nicht zu bestärken und sich lieber um die eigentliche Hauptaufgabe zu konzentrieren.

Wer mag der „Zerstörer“ sein? Tatsächlich ein politischer Radikaler, wie es bei­spielsweise Osgood Hennessy gern zu glauben bereit ist? Es gibt keinen Mangel an radikalen Sozialisten zu dieser Zeit in Nordamerika, und gerade die reichen Eisenbahntycoone und ihre ausbeuterischen Methoden sind geeigneter Nähr­boden für unzufriedene Elemente. Dass auch immer wieder tote Anarchisten mit Bekennerschreiben bei Unglücksstellen gefunden werden, scheint die Theo­rie zu erhärten.

Isaac Bell ist das alles zu glatt. Aber er kann den Finger noch nicht auf die Punk­te legen, die ihm zu elegant und unwahrscheinlich zugleich erscheinen. Er lässt die Sicherheitsvorkehrungen am Cutoff verstärken und kehrt dann zu seiner Verlobten Marion Morgan nach San Francisco zurück.

Hier wird er von einer Schlagzeile wie ein Hieb getroffen: der Zerstörer hat rund 500 Meilen vom Cutoff entfernt ganz offensichtlich einen Personenzug entglei­sen lassen, wenigstens zwanzig Menschen sind dabei umgekommen. So macht sich Bell kurzerhand wieder auf den Weg und verfolgt die neue Fährte. Auch hier wird ein toter Radikaler mit einem Bekennerschreiben gefunden, aber dies­mal sieht es noch unrealistischer aus als beim Cutoff. Denn das Instrument, das den Zug entgleisen ließ, ist ein raffiniert in den Schienenstrang integrierter hal­ber Schiffsanker gewesen, der noch erhalten ist.

Isaac Bell beginnt zu verstehen, dass sein Feind höchst raffiniert ist, verschla­gen, grausam und äußerst schwer berechenbar. Außerdem ist er unglaublich flexibel, ein Mann ohne Gesicht, aber offenkundig ausgestattet mit einer gro­ßen Zahl willfähriger Helfer. Und er besitzt auch keinerlei Skrupel, die Helfers­helfer eigenhändig anschließend umzubringen, wenn sie ihre Aufgabe erfüllt haben.

Das pathologische Hauptanliegen des Zerstörers scheint es zu sein, die Southern Pacific Railroad Company zu ruinieren. Wenn er den Cutoff final sabo­tieren oder Hennessy sonst wie einen verheerenden Schlag zufügen kann, der das Vertrauen der Banken in seine Unternehmungen nachhaltig erschüttert, ist Hennessy offensichtlich am Ende.

Nur… ist dies alles tatsächlich das Ziel des Zerstörers? Oder verfolgt er jenseits seiner zahlreichen brutalen Attentate noch ein übergeordnetes Ziel, das noch nicht einmal in Sichtweite ist?

Sehr schnell wird in dem monatelangen Rennen gegen die fortwährenden Sabo­tageakte ein immer deutlicheres Muster erkennbar, und schließlich gelingt es Bell, einen verheerenden Anschlag des Zerstörers zu vereiteln und ihn nach und nach in die Direktkonfrontation zu treiben.

Dennoch dauert es nervenaufreibend lange, bis endlich der Feind ein Gesicht bekommt, das man auch zweifelsfrei zuordnen kann. Und der Schrecken be­kommt eine Kontur, die selbst Isaac Bell für unmöglich gehalten hat und die ihm letztlich alles abverlangen wird, um der eigenen Vernichtung zu entgehen und vor allen Dingen das Schicksal Amerikas zu retten…

Eigentlich war wohl der erste Isaac Bell-Roman „Höllenjagd“ als Einzelband an­gelegt. Dafür sprach sowohl, dass Clive Cussler ihn vermutlich alleine geschrie­ben hat (es wird jedenfalls kein Coautor genannt), zweitens aber die Erzähl­struktur. Denn entgegen den sonstigen Cussler-Romanen, die stets einen „histo­rischen“ Vorlauf besitzen oder sogar deren mehrere, verhielt es sich bei „Höl­lenjagd“ so, dass quasi der „Nachspann“ den Beginn der Geschichte bildete, und zwar Jahrzehnte nach dem eigentlichen Handlungsstrang. Damit stand na­türlich von Anfang an fest, dass Bell den Roman würde überleben müssen. Und da „Sabotage“ dem Prolog von „Höllenjagd“ klar vorgelagert ist, ist ebenfalls deutlich, dass der Hauptheld alle Konfrontationen der Geschichte überleben muss. Wir befinden uns hier ja nicht in meinem Oki Stanwer Mythos.

Dramaturgisch ist diese Erzählform, die uns in diesem Roman wieder begegnet, also ein Handicap (der Prolog von „Sabotage“ spielt im Winter 1934 in Gar­misch-Partenkirchen, aber es wird an dieser Stelle nicht verraten, warum oder weshalb, das sollte man selbst nachlesen). Dieses Handicap wird aber durch das Einführen weiterer Personen abgemildert.

So bekommt der Leser beispielsweise eine ganze Reihe äußerst sympathischer Van Dorn-Agenten zu Gesicht, von denen einige auf üble Weise ums Leben kommen (auch hier sei nicht verraten, wer, wann oder unter welchen Umstän­den). Außerdem haben wir Osgood Hennessys bildhübsche Tochter Lillian, die von dem Senator Charles Kincaid erfolglos umschwärmt wird, den dubiosen Klatschreporter Preston Whiteway und zahlreiche weitere Personen, die einen zunehmenden personellen Nebel um die ohnehin vernebelte Gestalt des Zer­störers ziehen.

Je weiter der Roman sich entwickelt, desto mehr hat der Leser das Gefühl, ei­nem komplexen Schachspiel zu folgen, dessen Züge tödlich sind und das zuneh­mend auf Eisenbahnschienen ausgetragen wird, wobei der Gegner nicht be­kannt ist. Selbst als später ein Fahndungsbild möglich wird, wird das kriminelle Genie nicht gefasst. Immer wieder machen Bell und seine Mitarbeiter vielmehr die beunruhigende Entdeckung, dass ihnen der Zerstörer weit voraus ist. Und dass er offensichtlich das Medium, das er zu zerstören trachtet, die Eisenbahn, als Vehikel der eigenen fluiden Bewegung verwendet.

Der Leser bekommt zwar erheblich früher als der Detektiv mit, wer der Sabo­teur ist und vor allen Dingen, wer seine Helfershelfer sind… aber Isaac Bell tappt noch eine ganze Weile im Dunkeln, was ihn fast das Leben kostet. Und das ist dann wirklich ziemlich nervenzermürbend für den Leser, zumal dann, wenn Bell direkt im Gespräch mit dem Feind steht, ohne ihn zu erkennen…

Alles in allem ein äußerst packender Roman, der die Welt der Eisenbahnen von 1907 auf beeindruckende Weise belebt. Justin Scott hat hier ein wirklich gelun­genes Debüt hingelegt, das mit breitem historischem Fachwissen des Jahre 1907 punkten kann und den großen Reiz des Romans ausmacht. Er ist dennoch definitiv nicht nur etwas für Eisenbahnfans oder Nostalgiker, sondern für Leute, die spannende Unterhaltung mögen (auch wenn natürlich Eisenbahnnostalgie diese Lektüre noch deutlich verstärken wird, davon bin ich überzeugt). Ich bin schon sehr gespannt auf die wenigstens drei weiteren Romane dieser Reihe, die z. T. noch nicht mal übersetzt sind.2

© 2013 by Uwe Lammers

Ich muss gestehen, das ist eine wirklich äußerst rasante Geschichte, aus der man eigentlich nicht mehr auftauchen kann, wenn man erst mal drinsteckt. So­wohl die Frühzeit des 20. Jahrhunderts, die mir als Historiker durchaus vertraut ist, als auch die packende Verfolgungsjagd, die sich Bell mit seinen Gefährten und der kriminellen Gegenseite liefert, wusste sehr zu gefallen. Da ich inzwi­schen schon mehr dieser Romansubreihe gelesen habe, ist sie wirklich zu emp­fehlen. Eine schöne Abwechslung von den maritimen Abenteuern Dirk Pitts und Kurt Austins, die doch bisweilen ein wenig bemüht wirken. Hier ist davon bis­lang noch nichts zu spüren, und ich hoffe, das bleibt noch eine ganze Weile lang so.

Im nächsten Artikel des Rezensions-Blogs bleiben wir, könnte man fast sagen, beinahe in derselben Zeit. Genauer gesagt geht es noch etwas zurück auf der Zeitskala ins Jahr 1889, aber diesmal mittels einer magischen Zeitreise. Viel­leicht solltet ihr das nicht versäumen, Freunde.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. dazu den Rezensions-Blog 186 vom 17. Oktober 2018.

2 Nachtrag vom Oktober 2018: Diese Info ist natürlich heutzutage längst überholt. Es gibt wenigstens ein Dut­zend Bell-Romane, da sie sich offenkundig als höchst verkaufskräftig erwiesen haben.

Liebe Freunde des OSM,

ja, was sind wohl „Assimilari“? Wo mögen die vorkommen, wie sehen sie aus, was genau sollen das für Wesen sein? Wenn ich euch heute, wo ich diese Zeilen schreibe (28. November 2018) erzähle, dass ich sie erst seit gestern kenne, dann solltet ihr das wortwörtlich nehmen. Vor gestern früh existierte das Wort „Assimilari“ in meinem Wortschatz noch nicht. Und das ist umso verblüffender, als ich das Wesen, um das es konkret geht, schon seit dem Herbst des Jahres 1984 kenne. Es hatte nur nie einen Namen und auch keine wirklich logische Verankerung in der Handlung des KONFLIKTS 13 „Oki Stanwer Horror“ gehabt.

Das sollte sich jetzt alles ändern, und zwar schlagartig und drastisch.

Wie genau kam das?

Machen wir eine kurze Zeitreise, nur über den Abgrund von 35 Realjahren, also etwas mehr als mein halbes Leben: Wir befinden uns im KONFLIKT 13, auf der Erde im Frühjahr 2124. Der CLOGGATH-KONFLIKT (CK) hat begonnen, weite Tei­le der Welt liegen schon in Schutt und Asche, und noch schlimmeres Chaos droht.

Zu diesem Zeitpunkt hat ein distinguierter Mann im altmodischen schwarzen Anzug seinen Auftritt und besucht ein Fotostudio im Londoner Stadtteil Mayfair. In der OSM-Episode „Der Glusem-Clan“, OSM-Band 275 (!), wird er noch als je­mand mit einem Spitzbart beschrieben. Das wurde später dann auf einen Schnurrbart reduziert, als ich in den 90er Jahren im Rahmen der Romanumar­beitung der Serie („DER CLOGGATH-KONFLIKT“) dazu überging, diese Szene neu zu strukturieren.

Aber wiewohl dieser „Bote“, wie er genannt wird, nur für einen relativ kurzen Gastauftritt die Bühne der Handlung betritt – in der Serie für zwei Episoden, im BUCH dann für ein Kapitel – , war ich auch bei Beendigung des CK-Kapitels 26 „Doucester“ nicht wirklich klüger.

Ich dachte mir: Verdammt, und der Bote hat immer noch keinen Namen. Wo kommt der eigentlich her?

Es mussten fünfzehn Jahre vergehen, ehe mir schlagartig etwas aufging und die Angelegenheit plausibler wurde. Wie ihr wisst, habe ich im Spätsommer und Herbst 2018 das erste CK-E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“ ge­schrieben, was bis heute hoffentlich publiziert sein wird (es gibt da seltsame formattechnische Probleme, die uns behindern, und ich kann aktuell nicht be­haupten, sie zu verstehen).

Als ich mit diesem ersten CK-Buch fertig war, das im Jahre 2113 mit Oki Stan­wers Erscheinen auf der Erde formell beginnt und bis zum Frühjahr 2114 geht, war mir klar, dass anschließend ein zeitlicher kleiner Hiatus bis zum zweiten Ro­man zu überbrücken sein würde.

Im zweiten CK-Buch „Monstererwachen“ geht die Handlung los mit Oki Stan­wers Urlaub in Frankreich. Und ich konstatierte, dass er zuvor wohl einen an­strengenden Einsatz gehabt haben musste (über den ich aber weder in der Serie noch im CK bislang geredet hatte).

Das war der Moment, wo mir die Idee kam, eben jenen Einsatz zu schildern. Er findet im März des Jahres 2117 statt, und recht flink wusste ich auch, wo: an der Ostküste Englands. Genauer – auf einer fiktiven Insel in einer großen Bucht dort, die man „The Wash“ nennt.

Witzig genug: im KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“, der 25 Milliarden Handlungsjahre später spielt, hatte ich ebendort eine Insel namens Church Island erfunden und recht umfassend beschrieben. Und sehr schnell wurde mir klar, dass Church Island und die ebenfalls fiktive kleine Küs­tenstadt am Ufer von The Wash, Westcott, der Dreh- und Angelpunkt der Story werden würde.

Ein Titel tauchte schlagartig aus dem Nichts auf: „Das Geheimnis von Church Is­land“.

Dann spannte ich einen Handlungsfaden von einem der frühen Prologe des CK 1-E-Books bis hierher und stellte eine Gattung von Dämonenwesen ins Zen­trum, die üblicherweise übel beleumundet sind. Das hat nicht nur mit ihrem sprichwörtlichen Gestank zu tun, sondern auch mit ihrer allgemeinen Lebens­weise. Es handelt sich um Ghouls, kaltblütige, schleimige und unmenschliche Kreaturen, die üblicherweise in Tunnelsystemen unterhalb von menschlichen Friedhöfen leben und Leichen fressen. Der ihnen zugeordnete Dämon heißt Yokohr. Er soll diese vermeintlich orientierungslosen, egozentrischen und duck­mäuserischen Kreaturen kontrollieren.

Der Leser mag anfangs glauben, das geschehe allein aus strategischen Gründen, weil halt jedem Dämon bestimmte Dienerwesen zugeordnet sind. Aber so ein­fach ist das mit den Ghouls nicht. Während ich über der Struktur der oben ge­nannten Church Island-Geschichte grübelte, stellte ich zu meiner nicht geringen Verblüffung fest, dass ich sowohl im CK als auch schon in der OSH-Serie bereits einiges über die Ghouls ausgesagt hatte, das den Anschein erweckte, sie seien deutlich mehr als tumbe Aasfresser. Und das stimmte auch.

Als sie im Herbst 2123 in London in ihrem unterirdischen Labyrinth unter dem dortigen Henkershügel nahe der Themse Thor Gordenbeyl gefangen halten, ei­nen der Helfer des Lichts, erzählen sie ihm eine Legende über ein gottähnliches Wesen, das sie vor Urzeiten ausgeschwitzt haben soll.

Glusem.

Und während bald darauf die Auseinandersetzung mit den Glusem-Dienern und den Ghouls im schottischen Doucester stattfindet, wird man als Leser gewahr, wie erstaunlich komplex doch die Ghoul-Gesellschaft zu sein scheint. Ausge­wählte Individuen beherrschen in Maßen die Telepathie. Die Ghoul-Kolonien stehen miteinander in Verbindung. Sie haben so etwas wie Ältestenräte, so et­was wie Brutgruben.

Das Verhalten der Ghouls ist also durchaus sehr verschieden und kann nicht summarisch über einen Kamm geschoren werden. Sehr schön, dachte ich mir, der ich inzwischen solche stereotypen Darstellungen ganzer Völker – im OSM früher gang und gäbe, ehrlich – als zu plump und primitiv ablehne.

Aber irgendwie spürte ich, dass die Story um Church Island noch nicht richtig funktionierte. Es fehlten noch wesentliche Bestandteile. Okay, dachte ich, als ich den Anfang schrieb, Thor kommt nach Westcott, er hat auch einen Grund dafür. Aber wie geht es weiter?

Da kam mir der rätselhafte namenlose Bote der Spätzeit ins Gedächtnis, und es ereignete sich eine Art von kleiner kreativer Explosion.

Später, sinnierte ich, war dieser Bote ein Glusem-Diener. Aber was war er vor­her? Einfach nur ein Mensch? Das hörte sich irgendwie… simpel an. Falsch, um exakt zu sein.

Ich sinnierte darüber, und dann begann ich gestern früh munter loszuschreiben. Zeitpunkt der Handlung: Frühjahr 2117. Ort: Chichester. Genauer: ein altes, ge­heimes Gewölbe unterhalb von Chichester. Rings um einen Tisch in diesem Raum versammeln sich sechs Männer in schwarzen Anzügen und fahler Haut. Einer davon heißt Shuroshh – und da hatte ich den Namen, den ich seit 35 Jah­ren nicht kannte.

Shuroshh ist der Bote.

Ihr merkt schon am Namen – ein Mensch kann das nicht sein. Nein, ist er auch nicht. Dieses Wesen ist ein so genannter Assimilari.

Assimilari, begriff ich, während ich aus dem Stand die nächsten sieben Seiten ausarbeitete und ein immer genaueres Bild dessen bekam, was da WIRKLICH im CK-Kapitel 26 später passieren würde und was sich jetzt als Handlungshinter­grund für die Church Island-Geschichte herauskristallisierte, sind im streng bio­logischen Sinne Ghouls.

Na ja, dachte ich, aber sie sehen nicht aus wie sie. Keine schleimige Haut, keine Maulwurfskrallen, keine Reißerzähne, mit denen sie Knochen zerbeißen kön­nen… also so überhaupt nicht wie Ghouls. Wie sind sie so geworden, wie sie sind? Normal sehen sie ja nicht gerade aus, mit dem weißen Haar und dem albi­nohaften Teint und den wässrigblauen Augen. Eher wie ein klassisches Zwi­schendrin zwischen Mensch und Ghoul, und das kommt der Wahrheit schon sehr nahe. Es sind tatsächlich Hybride.

Jetzt wurde es monströs, und ich glaube, manche von meinen Lesern werden das Folgende als ziemliche Zumutung verstehen. Es erwies sich aber also abso­lut zwingend und phantastisch plausibel:

Die Evolution der Ghouls im Oki Stanwer Mythos, speziell im KONFLIKT 13, be­ginnt mit der Dämonenwaffe Glusem in grauer Vorzeit auf der Erde. Glusem er­schafft hier frühe Dienerkreaturen, die sich anschließend über zahllose Jahrtau­sende völlig von ihm abnabeln (müssen). Von diesem Moment an schlagen sie evo­lutionär mehrere Pfade ein.

Es gibt einmal die Linie, die man die „klassischen Ghouls“ nennen kann. Wesen mit schleimiger, halbtransparenter Haut, Mörderzahnreihen und einem grausi­gen Heißhunger auf kaltes Menschenfleisch, das sie auf den Friedhöfen vorfin­den. Diese Ghouls neigen dazu, duckmäuserisch zu sein und sich aus allen Kämpfen zwischen Dämonen und Dämonenjägern tunlichst herauszuhalten. Funktioniert nur bedingt gut.

Es gibt weiterhin eine Fraktion, die der ersten sehr ähnlich ist, die sich aber dem Dämon Yokohr von TOTAM anvertraut und unter seinem Schutz steht.

Eine dritte Gruppe sind die Assimilari. Man kann sie sich ein wenig vorstellen wie säkulare Juden im 19. und 20. Jahrhundert – eine zwar durchaus qua Ge­burt elitäre Gruppe von Wesen, die aber ihre ethnischen Eigenheiten weitge­hend ablegt, um sich in die normale Umgebungsgesellschaft einzugliedern, eben zu „assimilieren“, daher ihr Name.

Wie man es als Ghoul schaffen will, sich in die Gesellschaft zu assimilieren? Das klingt doch auf den ersten Blick wenig Erfolg versprechend? Das stimmt. Aber die Assimilari schaffen es dennoch. Irgendwann in der Frühzeit ihrer Entwick­lung entschließen sie sich nämlich dazu, menschliche Frauen nicht kurzerhand zu ermorden und zu fressen, sondern sie vielmehr als Gefangene zu halten und zu schwängern. Anfangs zweifellos eine scheußliche Zwangsmaßnahme, viel­leicht gar eine evolutionäre Entartung, aber im Laufe von Jahrtausenden entwi­ckeln die frühen Assimilari immer mehr Eigenschaften, die sie menschenähnlich machen.

Ihnen wachsen Haare. Ihre Haut verliert ihren schleimigen Charakter (wenn auch nicht die fahle Farbe und die Kälte). Und sie sind unter großen Mühen zu so etwas wie menschlicher, sexueller Fortpflanzung imstande. Das ermöglicht es ihnen, Teil der menschlichen Gesellschaft zu werden und sich hier im Rahmen von Krankenhausdiensten, dem Betrieb von Beerdigungsinstituten, Schlacht­häusern usw. auf relativ unkomplizierte Weise Nahrung zu beschaffen.

Dennoch werden die Assimilari natürlich von den „klassischen“ Ghouls als Per­versionen betrachtet, abstoßende Hybride, die sich mit dem „Nutzvieh“, also der Menschheit, gemein machen. Und deshalb bleiben die Assimilari im Unter­grund und verbergen sich vor den Blicken der Dämonen wie ihrer nicht mutier­ten Artgenossen. Allerdings sind sie so vermenschlicht, dass sie kühle Schlösser und Kellerwohnungen sowie menschliche Betten bevorzugen, in denen sie ja auch ihre durchweg menschlichen Frauen unterbringen und die gemeinsame Nachkommenschaft.

Im März 2117 nun, als die Story „Das Geheimnis von Church Island“ beginnt, tritt eine vierte Gruppe von Ghouls ans Tageslicht. Und sie ist fähig, den ohne­hin sehr fragilen Schwebezustand zwischen Menschen und Ghouls zu zerstören. Denn diese Ghouls der vierten Gruppe sind sehr viel aggressiver als alle ande­ren. Während die traditionellen Ghouls beider Fraktionen sich tunlichst mit Ak­tionen zurückhalten und die Assimilari aus reinem Selbstschutz im Schatten bleiben, sind diese Angehörigen der letzten Fraktion Revoluzzer. Krieger-Ghouls, die von allen anderen für vollkommen entartet gehalten werden… nicht nur wegen ihrer religiösen Fixierung, über die ich hier nichts sagen möchte, um der Geschichtenhandlung nicht vorzugreifen, sondern erst recht wegen ihrer Ag­gressivität und Ernährungsweise.

Ja, die Ernährungsweise, das ist wohl das Perverseste.

Normale“ Ghouls laben sich am Fleisch der Toten in ihren Särgen.

Die Assimilari tun das auch, aber sie sind auch durchaus willens, andere Kada­ver etwa aus Tierverwertungsanstalten oder Schlachthäusern zu verzehren. Sie haben also nicht nur ihr Aussehen und ihre Wohneigenheiten, sondern auch ihre Ernährungsweise diversifiziert und denen der Gesellschaft, in der sie exis­tieren, recht stark angenähert.

Die vierte Gruppe, die radikalen, gewalttätigen und unglaublich aggressiven Ghouls, verzehrt sowohl Leichen… als auch lebendige Opfer. Sie sind mit Wonne Kannibalen. Und sie wollen der Menschheit den Krieg erklären. Das wächst sich zu einer existenziellen Gefahr speziell für die Assimilari aus – und führt zu einer rigiden Gegenaktion.

Die geheimnisvollen Assimilari setzen auf die Kannibalen einen Gegner an, den sie fast selbstmörderisch auf den Plan rufen – Oki Stanwer und das Stanwer-Team, das formell ihr eigener Todfeind ist! Das klingt nach schierem Selbstmord, aber dank der Fähigkeiten der Assimilari wissen diese hochintelligenten Ghouls sehr genau, was sie da tun. In gewisser Weise bekämpfen sie Feuer mit Feuer.

Wie das alles ausgeht? Das erfahrt ihr beizeiten, sobald die Geschichte fertig ist. Tatsache ist jedenfalls, dass ich auf diese Weise sehr konsequent das bisherige Rollenklischee der stumpfsinnigen Leichenfresser durchbrechen konnte und auf einmal die Mosaiksteine, die über Jahrzehnte hinweg überhaupt keinen rechten Sinn zu ergeben schienen, zu einer neuen, modernen Theorie der Ghouls zusammenge­fügt habe.

Ich sage euch, das war echt ein toller Moment, als mir das so zu Bewusstsein kam. Manche Dinge dauern bei mir wirklich viele Jahre. Aber wenn mein Geist dann erst mal auf Hochtouren surrt, kommen so faszinierende, wenn auch viel­leicht moralisch empörende Tatsachen zum Vorschein.

Von den Assimilari werdet ihr vermutlich noch mehr hören. Lasst euch da mal überraschen.

In der kommenden Woche berichte ich dann wieder aus der Rubrik „Was ist ei­gentlich der OSM“, wo ich auch schon auf Folge 60 angelangt bin! Ich glaub’s kaum…!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

willkommen diesmal erneut in der bizarren Comic-Parodiewelt des Sherlock Holmes von Veys und Barral, die in einem vierten Schlagabtausch kein Auge tro­cken lassen… Gott, was ich diesmal gekichert habe, das lässt sich kaum mehr gescheit darstellen. Ihr werdet das nachher in der Rezension deutlich spüren können. So bedauerlich es auch ist (ja, ja, Holmes-Puristen werden sich ob die­ser Tatsache dankbar den Angstschweiß von der Stirne wischen, schon klar), dass dieses Album wieder nur 52 Text-Bildseiten hat, so sehr haben es die doch dieses Mal in sich.

Wie ich ebenfalls warnend andeute, empfiehlt es sich, die Alben 3 und 4 in ge­nau dieser Erscheinungsreihenfolge zu goutieren und dabei fürs erste den witzi­gen Verlags-Fauxpas zu ignorieren, der am Ende des zweiten Bandes für jeder­mann offensichtlich werden wird.

Der Kampf der rivalisierenden Teegesellschaften geht in Runde 2, und wir tref­fen unseren wackeren Detektiv und seinen zankenden Adlatus Dr. Watson auf Ceylon (aka Sri Lanka, für die Leute, die das Ländle heute auf der Landkarte fin­den wollen) an. Und es geht gleich gnadenlos ans Eingemachte.

Wie? Nun, so:

Baker Street 4:

Sherlock Holmes und der Schatten des M1

(OT: Sherlock Holmes et l’ombre du M)

Piredda-Verlag

Von Pierre Veys & Nicolas Barral

Berlin 2010

52 Seiten, geb.

ISBN 978-3-941279-38-4

Ehe der unvoreingenommene Leser sich in das Abenteuer dieses Comicalbums stürzt und dies womöglich ohne Vorahnung tut, sei er gewarnt: das Album ist gut, aber es ist nicht ohne Vorbedingungen zu lesen. Es handelt sich nämlich, genau genommen, um den zweiten Teil eines ausführlichen Erzählstranges, der im letzten Album „Baker Street 3: Sherlock Holmes und die Kamelienmänner“ begonnen wurde2, darum ist es zweckmäßig, hier eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse zu bringen, ehe der Rezensent sich in dieses Al­bum stürzt.

Wochen zuvor wurden Sherlock Holmes und sein Kompagnon und Chronist Dr. John Watson in London auf offener Straße von einer Gruppe Chinesen entführt und unter salbungsvollen Lobgesängen auf die erlesenen Qualitäten von Tee mit selbigem zwangsweise abgefüllt. Kaum zurück in der Baker Street, überfiel die beiden eine zweite Bande, diesmal Tamilen von Ceylon (heute Sri Lanka), und erneut wurden sie mit Tee zwangsweise abgefüllt, diesmal mit Ceylon-Tee. Dasselbe widerfuhr Mrs. Hudson, die sonst nur Hochprozentigem zuspricht.

Rasch kristallisierte sich heraus, dass diese Überfälle Teil einer Charme-Offensi­ve waren. Zwei rivalisierende Teeunternehmen waren dabei, in London um die Monopolstellung der Versorgung des britischen Königreichs mit Tee zu buhlen: einmal das Unternehmen Teawings, das chinesischen Tee favorisierte, zum an­deren der junge Unternehmer Thomas Clipton, dessen Onkel auf Ceylon eine Kaffeeplantage besaß, die Clipton jr. zur Teezucht umwidmen wollte. Clipton hatte noch ein anderes Problem, mit dem er zu Holmes kam: sein Onkel auf Ceylon war jüngst verstorben und hatte ihm zur Auflage gemacht, nur dann die Plantage an ihn zu vererben, wenn er es innerhalb einer bestimmten Frist bis nach Ceylon schaffte. Clipton ging mit Recht davon aus, dass Teawings das zu verhindern suchen würde, um seine Pläne zu ruinieren.

Der Zufall wollte es nun, dass Sherlock Holmes, rachsüchtig wegen der Tee-Atta­cke und sehr bereit, ihm zu helfen, Cliptons Plan unterstützte. Der Zufall wollte es ferner, dass Clipton dem Inspector Lestrade von Scotland Yard zum Täuschen ähnlich sah, und so heckte Holmes den raffinierten Plan aus, Clipton auf dem Seeweg einzuschleusen, während er selbst mit Watson, dem Clipton-Doppelgänger Lestrade, Mrs. Hudson, Lestrades Cousin Marcus Brodie3 und einem hinzustoßenden Werbefotografen den Landweg nahmen und Teawings Verfolgung auf sich zogen.

Der Plan ging auf, und wie abenteuerlich, zwerchfellerschütternd und köstlich er zu verfolgen ist, kann man im Album 3 der Reihe nachlesen. Nun, am Ende des Abenteuers jedoch waren Holmes, Watson, Clipton, Brodie, Mrs. Hudson und Lestrade (letzterer übel mitgenommen, die Gründe werden hier nicht offen ge­legt) auf Ceylon, und der Notar eröffnete ihnen nun, und damit landen wir im aktuellen Album: Damit die Erbschaft auch wirklich solide über die Bühne ge­hen kann und Thomas Clipton das Erbe seines verstorbenen Onkels antreten kann, gibt es noch eine weitere Hürde – er soll binnen 6 Wochen zurück nach London reisen, vor der Königin Victoria im Zirkus eine Clownsvorstellung absol­vieren und sie dazu bringen, ihm höchstpersönlich das Teeprivileg zu verleihen!

Das ist schon schwierig genug, fürwahr, und Holmes kollabiert darum mit gu­tem Grund auf der ersten Seite des Albums… doch leider ist das noch nicht al­les. Denn die rechte Hand von Teawings4 hat den Finsterling schlechthin einge­schaltet, damit auch ja nichts mehr schief gehen kann: Professor Moriarty, Hol­mes´ eingeschworenen Erzfeind.5

Das ist nun natürlich ein Desaster, und es ist allein einem absurden Zufall zu verdanken, dass Holmes Moriartys Gegenwart überhaupt registriert. Sodann entwickelt sich aber ein Wettlauf zwischen den beiden Rivalen, ein abenteuerli­ches Kopf-an-Kopf-Rennen, in dem ein obskures Kartenspiel, verwirrende Zu­fallsaufgaben, Provokationen gegenüber Dr. Watson, Krawatten, Parfüm, unter­irdische Geheimgänge, Elefanten, Doppelgänger und nicht zuletzt manipulierter Tee und ein Maschinengewehr tragende Rollen spielen.

Das Köstlichste an dem Comic sind wieder einmal die vielen, feinen und boshaf­ten Details. Die intime Rivalität zwischen dem „berühmten Dr. Watson“ und sei­nem „Assistenten Shlomo Hulmes“ (!), die bis zum Exzess getriebene Trottelig­keit Inspector Lestrades, der nun wirklich in so ziemlich jedes Fettnäpfchen tritt, das man sich nur denken kann… und dann noch kombiniert mit der nicht min­der grotesken Absurdität der Dialoge auf der Gegenseite zwischen Moriarty und seinem unermesslich verfressenen Diener Caine, dem schottischen Chef von Teawings und seinen vertrottelten Chinesen andererseits… also wirklich, all das ist so unbeschreiblich komisch, dass man es nicht gescheit rezensieren kann. Das muss man wirklich gelesen haben.

Interessanterweise fand der Rezensent auch einen fundamentalen Verlagsfehler heraus, den vermutlich sonst noch niemand entdeckt hat oder wenigstens nicht namhaft machte: die Titelbilder von Album 3 und 4 sind vertauscht! Zwar ist es normalerweise so, dass die Panels auf dem Albumrücken NICHT Teil des Inhalts sind, sondern gewissermaßen „Boni“ darstellen, aber das trifft auf das Titelbild von Album 3 und 4 nicht zu. Auf „Sherlock Holmes und die Kamelienmänner“ sehen wir Holmes und Watson, in einer Teekanne in eindeutig indischem Ambi­ente bei einer Paddeltour. Diese Tour findet tatsächlich statt, allerdings im vor­liegenden Album 4. Die nicht minder groteske Form des Schlagabtauschs – Hol­mes im Faustkampf gegen einen Chinesen, der ihm eine Teekanne entgegen­streckt – verweist hingegen klar auf die Handlung am Anfang des 3. Albums. Da muss man dann als kritischer Leser sagen: das ging verlagstechnisch ein wenig daneben. Aber das ist kein sonderlich bitterer Wermutstropfen. Wenn man ge­nug gekichert hat im vierten Baker Street-Album, dann vergisst man solche Klei­nigkeiten sehr gern.

Wieder einmal: klare Leseempfehlung!

© 2011 by Uwe Lammers

Okay, Freunde, ihr könnt ein wenig durchatmen, das vibrierende Zwerchfell am besten mit einer aromatischen Tasse Tee glätten und die Schnappatmung nor­malisieren. Der Kicher-Alptraum ist vorerst ausgestanden. Es sei indes eine lä­chelnde „Warnung“ ausgesprochen: es gibt noch einen fünften Band dieser Co­micreihe – ich werde dazu in vier Wochen Näheres ausführen.

In der kommenden Woche bleiben wir (fast) in derselben historischen Zeit, wechseln aber auf den amerikanischen Kontinent über und befassen uns mit Ei­senbahnbau. Außerdem lernen wir einen weiteren sehr talentierten Coautor von Clive Cussler kennen und feiern ein Wiedersehen mit dem vermögenden Detektiv Isaac Bell. Darauf könnt ihr euch echt freuen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Das „M“ steht natürlich für Moriarty, bei dessen optischer Darstellung sich die Zeichner diesmal noch mehr an das Dracula-Vorbild gehalten haben. Was das für göttliche Konsequenzen hat, muss man selbst nachle­sen…

2 Vgl. dazu den Rezensions-Blog 201 vom 30. Januar 2019.

3 Vgl. dazu das Album „Baker Street 1: „Sherlock Holmes fürchtet sich vor gar nichts“ bzw. Rezensions-Blog 192 vom 28. November 2018. Wer übrigens bei dem Namen an Indiana Jones denken muss, tut dies mögli­cherweise zu Recht. Veys & Barral schrecken vor Genre-Anspielungen nicht zurück. Ich zitiere nur mal einen kurzen Dialog: Holmes: „Ich spüre… die Anwesenheit von etwas Bösem… ich spüre…“ Watson: „Die Macht?“ Holmes: „Was für eine Macht?“ Watson, verlegen: „Keine Ahnung, das fiel mir gerade so ein…“ Ein Schelm, wer dabei an STAR WARS denkt…

4 Amüsanterweise ist der Mann nach dem Schurken aus dem James Bond-Film „Moonraker“ gezeichnet! Der Himmel mag wissen, wie viele kesse Seitenhiebe und Anspielungen die Alben noch enthalten, die ich nicht entdeckt habe.

5 Ebd.

Liebe Freunde des OSM,

wer immer die Legende in Umlauf gebracht haben sollte, E-Book-Erstellen sei einfach oder aber gar kostenlos, der hat wirklich so überhaupt keine Ahnung von der Realität… von der Wahrheit dieser Erkenntnis war ich schon lange über­zeugt, weil sie einfach meiner eigenen Erfahrung der vergangenen gut fünfein­halb Jahre Lebenszeit entsprach. Also seit ich selbst im E-Book-Business als Self­publisher tätig bin. Ich versichere euch, Freunde, in diesem Monat November hatte ich jeden Grund, mich an diese Erkenntnis zu entsinnen.

Warum dies? Nun, weil mein mit weitem Abstand ambitioniertestes E-Book-Projekt „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“ arge Geburtsschwierigkeiten hatte. Ich sah zwar vor, das fertige Werk Anfang Dezember 2018 ans Licht der Öffentlichkeit zu führen, aber aktuell (wir schreiben den 1. Dezember) ist noch nicht absehbar, dass daraus in diesem Jahr 2018 noch was werden wird.

Wie immer liegt die Tücke im Detail, hier in technischen Feinheiten, die ich selbst nicht beherrsche und die mir immer noch Rätsel aufgeben. Das ist wirk­lich außerordentlich frustrierend, nicht nur für mich, sondern auch für die Men­schen, die mich in meinem E-Book-Programm so tatkräftig unterstützen und es überhaupt erst möglich machen. Inzwischen haben wir aber, so hoffe ich, das Problem ausfindig gemacht, und ich bin guten Mutes, dass Anfang 2019 das Werk nun endlich erscheinen kann.

Gott, das fühlt sich an, als wenn ein Formel-I-Pilot unmittelbar in Sichtweite der Ziellinie eine Vollbremsung hinlegen muss, ohne überhaupt zu verstehen, warum sein Fahrzeug so einen Blödsinn tut… echt, so komme ich mir vor. Und es ist wirklich außerordentlich frustrierend, zu wissen, dass ich dieses schöne Werk noch nicht für euch bereitstellen kann, wiewohl ich es so gern wünsche.

So endet also der ansonsten höchst interessante Monat November und der De­zember beginnt. Aber wie ihr wisst, ist diese Rubrik der kurzfristigen Rückschau gewidmet, und so schauen wir jetzt einfach mal nach, was im Monat November so alles realisiert, begonnen bzw. weiter bearbeitet wurde. Das war einiges.

Für die Statistiker unter euch: Ich konnte 26 Werke fertigstellen, und insgesamt habe ich in meinem Kreativkalender die erstaunliche Zahl von 1.287 Kreativsei­ten für November festgehalten. Das ist glatt ein Drittel mehr als im Vormonat (853 Seiten). Aber frohlocket nicht zu früh, ihr werdet sehen, das sieht nach sehr viel mehr aus, als tatsächlich erreicht wurde.

Wie verteilen sich diese Seiten auf meine bearbeiteten Texte? Nun, schaut es euch mal näher an:

Blogartikel 308: Work in Progress, Part 71

(DER CLOGGATH-KONFLIKT – OSM-BUCH (Abschrift))

(Das Geheimnis von Church Island – OSM-Story)

Anmerkung: Diese erst im vergangenen Monat begonnene Arbeit entwickelte sich in diesem Monat wunderbar weiter. Anfangs, zugegeben, etwas stockend, weil ich nicht recht wusste, wie die einzelnen Zutaten zu kombinieren waren. Es ist zwar schön und nett, einen hocherotischen Auftakt zu haben und zwei Prot­agonisten näher kennen zu lernen… aber wie man sie dann dazu bringt, das zu tun, was sie tun müssen, das ist schon deutlich schwieriger.

Nun, es war gut, dass ich während meiner fortdauernden Abschriftarbeiten am fragmentarischen OSM-BUCH „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ auf die Assimilari traf. Ja, ja, ihr werdet wahrscheinlich beizeiten entdecken, wenn ihr das Skript mal einsehen könnt, dass die darin gar nicht vorkommen, und das ist richtig. Dennoch habe ich sie gewissermaßen zwischen den Zeilen entdeckt… vertraut mir, Freunde. Schon in der nächsten Woche seid ihr schlauer. Auch wenn ihr euch dann vielleicht wünschen mögt, ich hätte das Thema nie angeschnitten.

Vertraut mir einfach noch ein weiteres Mal – die Assimilari sind für die genann­te Story einfach unverzichtbar. Und irgendwann anno 2019 werdet ihr das auch nachlesen und verstehen können. Da bin ich ganz zuversichtlich.

Blogartikel 310: Close Up – Der OSM im Detail (3)

OSM-Newsletter #10

Anmerkung: Das ist gewissermaßen, ironisch formuliert, ein „Kollateralschaden“ des oben erwähnten „problematischen“ E-Books „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“. In der Diskussionsgruppe FAN, in der das gleichnamige Sammel-Egozine, wie ich das mal nennen möchte, herausgegeben wird, habe ich schon vor über 10 Jahren das Individual-Format „OSM-Newslet­ter“ ins Leben gerufen. Anfangs, vor Beginn meines E-Book-Programms, diente es mir primär dazu, den Quartals-Entwicklungsfortschritt des OSM zu dokumen­tieren. Heutzutage kann man sagen, dass meine hier monatlich gelieferten Work in Progress-Blogartikel diesen Zweck übernommen haben.

Warum also sah ich mich genötigt, diesen Beitrag zu verfassen? Nun, weil ich das als eine Art von Selbstreflektion und Minimal-Marketing verstand. Es mach­te einfach Spaß, ein wenig über die langwierige Entwicklung des „CLOGGATH-KONFLIKTS“ zu referieren und dazu Titelbild und eine kleine Leseprobe zu lie­fern, um neugierig zu machen. Ging mir auch sehr flott von der Hand. Versteht dieses Werk also ein bisschen so wie mein „Making of“ zu der Non-OSM-Story „Die Kugel-Invasion“, die ich für das Fanzine PARADISE vor ein paar Monaten abgeliefert habe. Hier halt bezogen auf ein explizites OSM-Werk. Dafür das alte OSM-Newsletter-Format wiederzubeleben, schien mir höchst passend.

12Neu 48: Jagd auf den Täuscher

14Neu 53: Das Zeituniversum

Anmerkung: Die Reihenfolge der 14Neu-Episoden geht ein wenig durcheinan­der, lasst euch davon nicht irritieren. Sie sind schon der Reihe nach entstanden. Aber ich habe sie in der Reihenfolge belassen, in der ich an ihnen sukzessive Tag für Tag weitergearbeitet habe. Der Band 57 ist textlich inzwischen auch schon fertig, aber die Kommentierung steht noch aus… Gott, und was musste ich da alles kommentieren. Ich könnte euch da Geschichten erzählen über das, was da alles schief gelaufen ist, was da vollkommen fehlt, wo die Handlungslogik total schief ist… manchmal war ich fast am Weinen, ehrlich.

Auf der anderen Seite muss man berücksichtigen, dass diese Geschichten inzwi­schen 33 Jahre alt sind (wenn dieser Beitrag erscheint, werden es 34 Jahre sein). Da kann man natürlich nicht wirklich allzu große Höhenflüge erwarten. Und dazu kommt dann, dass es mich ständig in den Fingern juckt, neue Storykeime ins Leben zu rufen.

Wahnsinn, meint ihr? „Hast du denn nicht schon genug Baustellen, verdammt noch mal?“, höre ich euch empört aufschreien.

Well, ja, natürlich schon… aber ihr müsstet mal diese Welten sehen, diese un­glaublichen Handlungslücken… allein das desolate, verwüstete Reich der Cranyaa bietet so unfassliches Geschichtenpotenzial, das ich nie ausnutzte. Und so bisweilen wirklich kokette Ideen, die völlig kontraintuitiv sind.

Ich nenn einfach mal nur eine einzige, um euch das zu demonstrieren: In der Ga­laxis Hun’arc existiert das große Sternenreich der insektoiden Cranyaa, das wisst ihr. Und ich sagte auch schon mal (siehe die Close Up-Artikel), dass dieses Reich matrilinear aufgebaut ist. Die Frauen haben also das Sagen, die Herr­schaft wird von der Königin Sini-Ag ausgeübt.

Okay.

Und dann gibt es diese kleine Nation von schildkrötengestaltigen Tekras, die ein winziges Kolonialreich ihr eigen nennen und eine strebsame kleine Demokratie sind. Soweit sieht das alles völlig normal aus. Natürlich gibt es in dieser Nation politische Parteien. Und es gibt Fortschrittliche und Konservative. Aber aufge­passt, das Kokette kommt jetzt:

Die fortschrittlichen Tekras sind diejenigen, die dringend fordern, dass eine Erb­monarchie eingeführt werden solle. Die Konservativen hingegen beharren dar­auf, dass das ein verrückter Gedanke wäre und die Demokratie dringend beibe­halten werden müsse!

Verkehrte Welt? Im ersten Moment denkt man tatsächlich so, weil bei uns irdi­schen Politikern die Dinge ja genau umgekehrt sind. Für uns aufgeklärte deut­sche Demokraten ist die Aristokratie eine Regierungsform von gestern, die mehrheitlich mit Rückständigkeit in Verbindung gebracht wird. Warum ist das bei den Tekras anders?

Weil sie am (monarchischen!) Cranyaa-Imperium sehen, dass die Monarchie of­fensichtlich ein Garant dafür ist, ein großes Sternenreich zu errichten. Wohinge­gen die Demokraten – wie sie gegenwärtig – kleine Krauter bleiben. Da sehen sie es als fortschrittlichen Gedanken an, ein Königtum ins Leben zu rufen.

Und ich sage euch, es wimmelt von so faszinierenden, entzückenden Ideen, die ich lange vergessen hatte. Von Themen, die ich in dem Kontext gern intensiver darstellen möchte, sowieso.

Spare ich mir alles auf, ist aktuell besser. Es gibt wichtigere Dinge.

14Neu 55: Brennpunkt Wislyon

14Neu 56: Duell der Cranyaa

(12Neu 51: Sturm über Calnier)

(12Neu 50: Aufbruch ins Nirgendwo)

(12Neu 49: Operation Antipol)

(OSM-Wiki)

14Neu 54: Der Kaiser von Kareton

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“)

(14Neu 57: „Sucht Leben!“)

(Glossar des Romans „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“)

Anmerkung: Man sollte gar nicht glauben, wie lange es dauert, ein Glossar für ein Romanskript zu entwickeln, das mehr als 400 Seiten Umfang hat. Zumal dann nicht, wenn ständig Termine, Geburtstage, diverse Events und Ideenblitze dazwischenfunken. Das Glossar konnte also noch nicht vollendet werden. Ich hoffe, das gelingt mir noch bis Ende Dezember 2018. Ihr werdet im kommenden Bericht dieser Rubrik sehen, ob ich das hinbekommen habe.

(14Neu 58: Eine Welt negiert!)

Ullikummi – OSM-Story (Abschrift)

Anmerkung: Das ist eine weitere Baustelle, die ich seit vielen Monaten hier auf dem Stapel als begonnenes Abschreibprojekt liegen hatte. Auch bei dieser Ab­schrift war ich manches Mal fast am Weinen, weil es so dermaßen rudimentär ausgefallen war (konnte nicht überraschen, ich habe es 1988 fertig gestellt, also vor 30 Jahren). Und es hat mich auch hier manches Mal in den Fingern gejuckt, die Geschichte kurzerhand zu überarbeiten.

Aber dafür sind Abschriften nicht da, da halte ich mich (von wenigen, entspre­chend kommentierten Stellen, einmal abgesehen) strikt daran, die Geschichte eben nicht zu modernisieren. Das passiert dann, wenn ich diese Geschichte überarbeite… aber ihr könnt euch auch diesmal sicher sein, dass ich da kaum eine Formulierung wie bisher bestehen lasse.

Und was genau ist dieser „Ullikummi“, der so possierlich nach Kaugummi klingt? Ein absolutes Monster, vollkommen tödlich, unaufhaltsam wie eine Lawine und keinem Argument zugänglich. Damals wusste ich nicht, in welchem Universum diese Geschichte spielt, aber heute nehme ich an, dass es sich dabei um den noch ungeschriebenen KONFLIKT 8 handelt. Glücklicherweise materialisiert Ulli­kummi weitab des KONFLIKT-Kampffeldes, wie es scheint… wenn diese Dämo­nenwaffe dort die Erde erreicht hätte, wäre der Kampf vorbei gewesen.

Wenn ihr dereinst diese Geschichte lest, werdet ihr verstehen, warum ich das so sage. Weil es die reine Wahrheit ist.

Blogartikel 306: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 59

Glossar der Story „Ullikummi“

(Glossar der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“)

(Der stählerne Tod – Abschrift)

Anmerkung: Ja, auch hieran habe ich minimal weitergearbeitet, bin aber, weil mich dann die „Church Island“-Geschichte gründlich ablenkte, nicht sehr weit gekommen. Diese Abschrift ist wegen der komplizierten Binnengliederung echt nicht einfach und ziemlich langwierig. Ich habe da so oft die Schreibstifte ge­wechselt, kleine Bilder eingefügt, Karten gezeichnet und Schreibfehler über Schreibfehler gemacht – die natürlich alle kommentiert werden müssen – , dass nach wie vor die Hälfte der Textseiten voller Anmerkungstext sind. Aber es ist halt das älteste lange erhaltene Textwerk meines Oeuvres, da ist eine baldige Abschrift zwingend erforderlich. Und solchen Herausforderungen stelle ich mich dann auch durchaus gern… jedenfalls, wenn die Zeit dafür da ist.

Seufz, ja, die Zeit…

Blogartikel 313: OSM-Kosmologie, Lektion 14: Die Assimilari und andere un­terirdische Kreaturen

Anmerkung: Ja, was um alles in der Welt mögen wohl „Assimilari“ sein? Ich gebe euch einen kleinen Hinweis darauf, wie ich auf die Idee gekommen bin, und das ist nun wahrhaftig alles andere als rassistisch – denkt einfach wie ein Historiker.

Als die Diaspora-Juden in der frühen Neuzeit realisierten, dass kaum eine Mög­lichkeit bestehen würde, einen eigenen Staat Israel zu gründen, schon gar nicht in ihrer ursprünglichen Heimat Palästina, da entschieden sich viele Familien da­für, aus der vormaligen Ghetto-Existenz etwa in Osteuropa auf die Weise zu ent­kommen, indem sie sich in die Gesellschaft jener Staaten integrierten, in denen sie bereits seit Jahrhunderten lebten. Viele Juden ließen sich taufen, vernachläs­sigten die rituellen Gebote ihrer Religion und passten sich an. Bis Ende des 19. Jahrhunderts, bis Theodor Herzl den Zionismus ins Leben rief und die Kibbuz-Be­wegung mit der (unauthorisierten) Besiedelung des Heiligen Landes begann, war dies tatsächlich die mit weitem Abstand Erfolg versprechendste Strategie des Diaspora-Judentums.

So, und nun stellt euch das mal für dämonische Wesen im Rahmen des „CLOG­GATH-KONFLIKTES“ des Jahres 2117 vor. Und dann seid ihr bei den Assimilari. Nächste Woche gibt es Details dazu.

(OSM-Hauptglossar)

Damit bin ich dann auch schon wieder am Ende… der Kommentare wegen wur­de dieser Beitrag ein wenig „länglich“, aber ich hoffe, euch dennoch nicht ge­langweilt zu haben. In der kommenden Woche geht es dann, wie versprochen, um die rätselhaften Assimilari. Freut euch drauf oder gruselt euch… eure Ent­scheidung.

Bis nächste Woche, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 204: Unter dem Pflaumensee

Posted Februar 20th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

schon der Titel des heute im Fokus stehenden Werkes klingt einigermaßen ob­skur. Begreiflicherweise, stellen wir uns doch unter Pflaumen eher essbare Früchte vor. Ein See davon voll? Was soll das werden? Eine Obst-Gourmet-Ge­schichte? Wahrlich weit gefehlt, meine Freunde! Es geht um ein wahrscheinlich weitgehend vergessenes Jugendbuch, um Traumabenteuer, eine phantastische Reise unter das Meer in ein Reich jenseits der Vorstellungskraft. Und ja… viel­leicht ist das ein Traum. Womöglich ist es mehr.

Illustriert mit sehr zum Text passenden, grazilen Schwarzweiß-Bildtafeln hat man, wenn man die gebundene Ausgabe ersteht, die mir zufällig in die Hände fiel, hier ein phantastisches Werk vor sich, das wirkungsvoll und auf geradezu magische Weise aus der Wirklichkeit ausklinkt.

Nein, mehr zu verraten, wäre an dieser Stelle fatal. Lest einfach weiter und lasst euch von meiner damals schon etwas verzaubert klingenden Rezension aus dem Juli 2017 einfangen:

Unter dem Pflaumensee. Eine Fantasie

(OT: Under Plum Lake)

von Lionel Davidson

Rowohlt, Oktober 1981

180 Seiten, geb.

ISBN 3-498-01229-8

Aus dem Englischen von Karin Polz

Mit Illustrationen von Mike Wilks

Sein Name ist Barry Gordon, ein Junge von dreizehn Jahren, der eine ältere und eine deutlich jüngere Schwester besitzt. Zusammen mit seinen Eltern bewohnt er seit einiger Zeit ein verwittertes Gebäude hoch oben auf den Klippen. Das nächste Dorf ist eine Ortschaft namens „Seele“, und es gehen seltsame Legen­den um über den Ort, an dem sich die Gordon-Familie angesiedelt hat. Angeb­lich, so heißt es, sei hier ein ganzes Dorf im Meer versunken, Opfer eines Flu­ches, und die Bewohner seien dazu verurteilt worden, auf dem Meeresgrund ein unheimliches Geisterleben zu führen. Das habe damit zu tun, dass – eben­falls dem Hörensagen nach – die Bewohner jenes vermeintlich versunkenen Dorfes früher Schiffe zum Havarieren gebracht hätten, um sie danach auszurau­ben.

Der junge Barry glaubt nichts von diesen Dingen, doch er träumt davon, dass vielleicht einst Piraten einen Schatz hier versteckt haben könnten – etwa in den unzugänglichen Höhlen entlang der Klippen. Und als er eines Tages diesem Jun­gentraum nachgeht, geschieht das Ungeheuerliche, das ihn an den Rand des To­des bringt… oder, wenn das, was er anschließend niederschreibt, annäherungs­weise der Wahrheit entspricht, sogar darüber hinaus.

Denn in der Tat gelingt es Barry, einen Weg über einen versteckten Pfad zu den Höhlen zu finden. Doch ein Unwetter schneidet ihm den Rückweg ab. In dem Bestreben, die Höhle genauer zu erforschen, begegnet er überraschend einem anderen Jungen, der auf den Namen Dido hört. Damit beginnt alles.

Nicht nur, dass Dido ein Boot besitzt, es ist sogar ein Boot, das sich verwandeln kann und auf den Grund des Meeres hinabgleitet, hinab in eine märchenhafte Welt unter der Welt.

Dies ist das Reich von Dido und seinem Volk, das rätselhafte, phantastische und uralte Reich von Egonia, in dem die Wunder niemals aufhören und die unglaub­lichsten Dinge Realität sind. Doch indem Dido seinen neuen Freund Barry hier­her mitnimmt, bricht er ein Tabu – es ist verboten, Menschen von der Oberwelt mitzubringen. Und damit beginnt das Unheil…

Es ist ein wirklich wundersames Buch, das ich im Mai 2015 überraschend anti­quarisch fand. Ich blätterte es durch und wurde von den beeindruckenden schwarzweißen, fast surrealen Illustrationen sofort in den Bann gezogen. Auch der Titel „Unter dem Pflaumensee“ machte neugierig. Da das Buch keinen Um­schlag mehr besaß und mir der Autor Lionel Davidson vollkommen unbekannt war, fragte ich mich unweigerlich: was mag das für ein Buch sein? Was muss ich mir darunter vorstellen? Worum geht es da eigentlich? Was mag ein „Pflaumen­see“ wohl sein? Aufklärung darüber erhält man im Buch, und noch einiges mehr.

Nun, es lohnte sich, diese Lesereise in die Phantasie eines mir fremden Schrift­stellers anzutreten. Selbst wenn das Buch auf Lionel Davidsons WIKIPEDIA-Seite als „Kinderbuch“ charakterisiert wird, würde ich behaupten, dass das dem Werk nicht wirklich gerecht wird. Es ist zum Teil schon recht anspruchsvoll von seinen moralischen Implikationen und von daher wohl schon etwas inhaltlich höher­wertiger. Bestechend fand ich bei der Lektüre diesen geschmeidigen, sanftmü­tigen, ein wenig surrealen Stil – man ist sich über weite Strecken hinweg auf­grund der eigenartigen Fremdartigkeit des Settings nicht wirklich sicher, ob es sich hierbei um eine Art von Traumgespinst handelt oder doch um real Erlebtes. Der Handlungsrahmen umfasst lediglich drei Tage, doch sind sie so mit unglaub­lichen Erfahrungen angefüllt, dass einem Leser schier der Kopf platzt, wenn man versucht, sie alle Revue passieren zu lassen.

Das Traumhafte dieser „Fantasie“, die deutlich mehr Substanz hat, als man ein­gangs vermutet – das kommt dann gegen Ende recht unverblümt zum Vor­schein – , es übt einen beständigen, innigen Sog aus… ja, ein wenig wie ein schöner Traum, aus dem man nicht so schnell erwachen möchte und gleichwohl doch erwachen muss. Darin ist dieses Buch in all seiner Kürze leider sehr ähn­lich. Gute Bücher, und dieses hier ist ein gutes, meinem Empfinden nach, sind traditionell immer zu kurz. Es zahlt sich aus, die Lektüre über eine Woche aus­zudehnen. Vermutlich entfaltet es erst dann seinen wahren Reiz.

Sagen wir noch kurz ein paar Worte zu dem Verfasser: der in Hull, Yorkshire, ge­borene Lionel Davidson (1922-2009) arbeitete schon vor dem Zweiten Welt­krieg beim Wochenmagazin The Spectator, während des Krieges war er bei der U-Boot-Marine, danach selbständiger reisender Berichterstatter. Inspiriert vom Kalten Krieg kam er zum Schreiben von Spionageromanen, von denen zwischen 1960 und 1994 zahlreiche Bände erschienen. Dazwischen lag ein Abenteuerro­man („Die Rose von Tibet“, 1962) und eben auch zwei Kinderbücher, eins davon ist das vorliegende. Der Spionage-Erstling „Die Nacht des Wenzel“ (1960) wur­de 1964 verfilmt. 2001 wurde er für sein (Krimi-)Lebenswerk von der britischen Krimiautorenvereinigung CWA mit dem „Diamond Dagger“ geehrt.

In Anbetracht, dass sein vergleichsweise anspruchsloses „Kinderbuch“, das oben besprochen wurde, schon so interessant ausfiel, wäre vielleicht auch sein Krimi-Oeuvre eine Wiederentdeckung wert. Das obige Buch lohnt die Lektüre durch neugierige Phantasten auf jeden Fall.

Klare Leseempfehlung!

© 2017 by Uwe Lammers

In der nächsten Woche bleiben wir den britischen Inseln verhaftet und beschäf­tigen uns einmal mehr mit dem Detektiv von der Baker Street… in der karikie­renden Comicversion, in der es diesmal um ein unheilvolles Wesen geht, das nur mit „M.“ abgekürzt wird (kicher). Ihr werdet sehen, was das bedeutet.

Bis dann, meine Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

als ich im September 2012 mit meinen kreativen Aufzeichnungen fortfuhr, hatte ich natürlich keine Vorstellung davon, wie eigenartig sich dieser Monat entwi­ckeln würde. Heute charakterisiere ich ihn mit Blick darauf, wie viele eingeklam­merte Werke er enthält – also solche, an denen ich höchstens ein paar Seiten weiterschrieb, die aber am Ende des Monats von einer Fertigstellung weit ent­fernt waren – als eine Art von „Werkstattmonat“. Von denen gibt es in den Jah­ren seit Ende meines Studiums generell sehr viele. Ich habe manchmal aber das Gefühl, dass sie zunehmen.

Dieser Monat endete mit 13 fertigen Werken. Sie stehen nicht weniger als 24 „Klammer“-Werken gegenüber. Ihr merkt schon die Unausgewogenheit.

Was beschäftigte mich besonders? Wenig Überraschendes: Ich formatierte OSM-Episoden neu, digitalisierte und kommentierte weitere und schrieb man­che alte Episode (mit minimalen Kommentierungen) ab. Das betraf vorrangig die KONFLIKTE 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ (DSj), 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI), 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) und 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (KGTDUS).

Ich schrieb weiter an „Der stählerne Tod“, am KONFLIKT 9 „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“ (DKdO) und an KONFLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“ (HdH).

Außerdem ergänzte ich in Arbeit befindliche „Annalen“-Geschichten wie „Ein zukunftsweisendes Verbrechen“ aus der Frühzeit des KONFLIKTS 2, sowie „Himmelfahrtskommando“, was in der apokalyptischen Untergangszeit des IN­SEL-Imperiums in KONFLIKT 4 spielt. Ach ja, und ich feilte weiter an „Die Inter­vention“ (KONFLIKT 19), die ihr als eifrige Leser meiner E-Books ja schon in voll­endeter Form kennt.

Ja, ich kann auch Geschichten abschließen, glaubt keine Gerüchte anderer Leu­te, die Gegenteiliges behaupten!

Es gab auch gelegentliche kleine Stippvisiten in den Archipel, aber davon soll hier jetzt nicht die Rede sein. Ich möchte für diesen Monat eine OSM-Episode hervorheben, die für mich ein ganz besonderes Abenteuer war. Die Rede ist vom Band 55 der Serie „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“, Eigentitel: „Reiseziel TOTAM“. Den bekam ich nämlich fertig, nach mehr als sieben Jahren Schreib­zeit.

Wenn man auf 50 anderthalbzeilige Seiten Text soviel Zeit verwendet, muss das seine Gründe haben. Und ja, well done, das ist auch wirklich der Fall. In dieser Episode schließt sich Oki Stanwer den RETTERN an, den monströsen Totenköp­fen der Spätzeit unmittelbar vor dem RAND, und er segelt (!) mit ihnen auf ei­nem nicht minder ungeheuerlichen Technik-Hybrid-Schiff im Innern von TO­TAMS Vorhof mit direktem Reiseziel TOTAM.

Aber die Welt des Bösen gilt als tot… was den Totenköpfen auf verrückte Weise in dieser bizarren Welt nicht den Garaus machte, sondern sie durchaus weite bestehen ließ. Und während Oki Stanwer auf dem Weg dorthin ist, zum einsti­gen Zentrum des KONFLIKTS, explodiert die Kristallwelt und sendet einen TASSYJAAR-Vernichtungsimpuls mitten durch die RETTER-Streitmacht unter Admiral Cassini. Und ich gebe vorsichtig zu bedenken, dass die Totenköpfe in dieser Zeit noch sehr viel instabiler sind als ein gewisser „Wanderarbeiter“ namens Shush in dem Milliarden Jahre früher spielenden Roman „Mein Freund, der Toten­kopf“. Also kommt es zur schlimmstmöglichen Katastrophe…

Mann, ich stand vielleicht unter Strom, als diese Episode fertig war, das könnt ihr euch gar nicht denken. Leider war dieser Band 55 ein Experiment, denn ich habe die Bände 49 und 51-54 immer noch nicht geschrieben. Ehe ich also daran ernsthaft denken kann, die bereits angefangenen Bände 56 und 57 fortzuschrei­ben, muss ich diese Episoden zunächst schreiben. Das kann noch dauern.

Aber doch, das war im September 2012 ein echter Durchbruch.

Ebenfalls Ende September lief das spannende historische Forschungsprojekt „Kommunale Amtsträger“ aus und entließ mich wieder in die – prekäre – Ar­beitslosigkeit. Prekär deswegen, weil das ein Werkvertrag war, für den keine An­rechnungszeiten für die Arbeitslosenversicherung anfielen. Also kein Anspruch auf ALG I, sondern ich rutschte automatisch gleich in ALG II ab. Nicht witzig.

Glücklicherweise hatte ich schon weitergehende Zukunftsweichen gestellt. Während ich mit den Neuformatierungen und Abschriften und Digitalisierungen alter OSM-Episoden fortfuhr, kam ich im Monat Oktober schon auf 23 fertige Werke. Diesmal bezog ich auch verstärkt Episoden des KONFLIKTS 24 „Oki Stan­wer – Der Neutralkrieger“ (NK) mit ein.

Ebenfalls verstärkt arbeitete ich an zahlreichen Archipel-Fragmenten. Darunter befanden sich folgende: „Die Zwillinge“, „Vivica auf Abwegen“, „Die Suyenka“, „Täuschung“, „Julianna“ und „Sarittas Hilflosigkeit“.

Ähnlich rege ging es mit „Annalen“-Werken voran. Da investierte ich einiges an Arbeitszeit in „Ein zukunftsweisendes Verbrechen“, „Spurensuche in Babylon“, „Eine scharf geschliffene Waffe“ und „Ein Alptraum namens Koloron“. Bemer­kenswerte OSM-Werke von Belang stellte ich allerdings nicht fertig.

Im November 2012 hatte ich das Ermattungstief, das regelmäßig auf einen ab­solvierten historischen Forschungsauftrag folgt – inzwischen ist das schlimmer geworden, vielleicht eine Frage des voranschreitenden Alters – , spürbar völlig überwunden. Mit 39 beendeten Werken in diesem Monat hatte ich eine höchst beeindruckende Kreativitätsspitze erreicht.

Auch hier entfiel der Löwenanteil auf Neuformatierungen, Abschriften und kommentierte Abschriften. Zugleich begann ich aber auch schon damit, für 2013 vorzuarbeiten, indem ich Texte für E-Books vorbereitete. Dazu gehörte insbesondere der erste TI-Band „Das Erbe der Forscherin“, weil ich mich ent­schieden hatte, mit KONFLIKT 2 in die Veröffentlichung des OSM zu starten.

Mit dem Band wurde ich zwar noch nicht fertig, aber ich kam schon ein gutes Stück voran.

Nebenher grub ich mich in weitere Archipel-Fragmente ein: „Die goldene Verlo­ckung“, „Roxanne“ und „Einer Herrinnen Wandlung“, wobei „Roxanne“ ganz neu in diesem Monat entworfen wurde.

Im Dezember 2012 ging mein kreativer Ertrag wieder ein wenig zurück auf 21 beendete Geschichten bzw. Werke (da ich ja auch Rezensionen und anderes hier einrechne, was nicht wirklich Geschichten genannt werden kann). Am 7. Dezember stellte ich das erste E-Book „Hinterlassenschaften“ fertig, am Tag darauf bereits „Das Erbe der Forscherin“, also E-Book 2. Die Arbeiten an den E-Books 3-5 begannen ebenfalls in diesem Monat. Ihr merkt, allmählich fokus-sierte ich mich deutlich auf den bevorstehenden Start der E-Book-Veröffent-lichung, höchstwahrscheinlich ist der nachlassende Gesamtoutput wesentlich darauf zurückzuführen.

Bei den Neuformatierungen der alten OSM-Episoden hatte ich inzwischen KON­FLIKT 22 „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“ (DSf) erreicht. Glossararbeiten, die in den Vormonaten z. T. schon fortgeführt worden waren, gingen hier natürlich ebenfalls weiter.

Und wieder gab es eine Vielzahl von Fragmenten, an denen ich feilte. Je näher das Jahresende rückte, desto mehr schienen es zu werden. Im OSM war das beispielsweise wieder „Spurensuche in Babylon“ und „Eine scharf geschliffene Waffe“, außerdem „Ani und das Wolkenmädchen“ und „Auf Sklavenjagd“.

Im Archipelsektor meines kreativen Schaffens konzentrierte ich mich auf folgen­de Projekte: „Brigitta“, „Rhondas Aufstieg“, „Roxanne“, „Die Zwillinge“, „Aben­teuer im Archipel“ und „Nadines Verwandlung“.

Ein wenig überraschend für mich war, dass ich auch einiges an Energie in den Bereich des „Erotic Empire“ investierte, wo ich mich um die recht voluminösen Geschichten „Die Paradies-Falle“ und „Die Kolonie Saigon II“ kümmerte. Das meiste an Energie floss wohl in das letzte Projekt, dessen Skript inzwischen schon mehrere hundert Seiten umfasst.

Dennoch – als ich das Jahr dann zu Silvester abschloss, war ich doch sehr er­leichtert, auf nicht weniger als 285 vollendete Werke zurückblicken zu können. Durchaus ein Grund, um stolz zu sein. Und um neugierig und nervös in die Zu­kunft zu blicken, das auch.

Vielleicht überrascht euch das, wenn ihr aus dem Heute, mehr als sechs Jahre später, darauf zurückblickt. Aber versetzt euch mal in meine damalige Situation, Freunde: Ich hatte zwar einen faszinierenden, recht langen historischen Werkauftrag abgeschlossen, aber ökonomisch hing ich wieder an der Pipeline des Wohlfahrtsstaates, was mir durchaus nicht so recht war. Zukunftsperspekti­ven? Ungewiss.

Ich plante für 2013 das E-Book-Programm, ja. Aber wie genau ich das finanzie­ren wollte, konnte ich noch nicht sagen. Gewiss, der Förderverein Phantastika Raum & Zeit e.V. hatte mir ebenso Hilfe zugesagt wie Corinna vom E-Book-Lektorat Ebokks. Aber wie rasch würden da wohl Tantiemen fließen? Und würde das in der näheren Zukunft einen signifikanten Anteil an meinen Lebenshaltungskosten ausmachen? Ich war (mit Recht) skeptisch.

Eine Festanstellung in einem Archiv oder einem anderen historischen Institut war ebenfalls nicht in Sicht. Die Perspektiven sahen dort nicht toll aus, im priva­ten Sektor der Familie ebenfalls nicht.

Gleichwohl sollte mich das Jahr 2013 in vielerlei Hinsicht überraschen. Das war nicht allein auf das E-Book-Programm beschränkt, aber damit ging es los… mehr dazu berichte ich im nächsten Teil dieser Blogartikelreihe.

Bis demnächst, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 203: Aphrodite gesucht

Posted Februar 13th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

manchmal macht man einfach unerwartete Leseentdeckungen in den eigenen Bücherschränken und stößt in Werken, die man seit vielen Jahren hin und her geschoben hat, kleine Juwelen, die völlig verzaubern. So ist es mir mit dem vor­liegenden Werk gegangen, das inzwischen natürlich längst vergriffen ist (man sehe sich das Erscheinungsdatum an!). Aber wie ich nicht müde werde, meinen Freunden wieder und wieder zu sagen: nicht alles, was im Verzeichnis Lieferba­rer Bücher (VLB) heutzutage in den Buchhandlungen steht, ist lesenswert. Und erst recht ist das nicht alles, was man als Lektüre verfügbar hat, schon gar nicht in Zeiten von Online-Antiquariaten.

Okay, das ist nicht wirklich eine Neuigkeit, ich weiß. Aber mir scheint, ich sollte immer mal wieder darauf hinweisen. Das ist nämlich so ähnlich wie mit dem ständigen Lamento über das einfallslose Fernsehprogramm – wer darüber jam­mert und jault, sollte sich wirklich, wenn er Filme den Büchern vorzieht, an In­ternet-Streaming-Dienste halten, die zigtausende von Filmen und Serien aus früheren Jahrzehnten vorrätig haben. Dann kann man sich einfach das raussu­chen, worauf man gerade Lust hat. So ähnlich verhält es sich mit dem Bücher­angebot via VLB und den Online-Antiquariaten. Oder auch eben mit meinen Buchregalen daheim.

Ich habe den Roman von Ella Broussard damals auf dem Wühltisch gefunden und wie so viele Hunderte seiner Art lächelnd in meine Buchreihen eingescho­ben mit dem Gedanken: Lesefutter für später, für Zeiten, wo ich weniger Geld besitze oder wo es in den Buchhandlungen nichts Gescheites zu lesen gibt.

Und dann trete ich halt von Zeit zu Zeit an meine reichhaltig bestückte Biblio­thek ungelesener Bücher und ziehe das eine oder andere Werk hervor. Als ich nach diesem hier griff, tauchte ich in ein phantastisch übersetztes Kleinod ein, eine kokette Detektivgeschichte auf der Suche nach einem neuen Lebenssinn einerseits (das wird der Protagonistin aber erst später klar) und nach einem ver­schollenen Kunstwerk andererseits.

Was sie findet? Darüber informiere ich euch jetzt. Bitte weiterlesen:

Aphrodite gesucht

(OT: Searching for Venus)

Von Ella Broussard

Heyne 13735

304 Seiten, TB (2003)

ISBN 3-453-86675-4

Aus dem Englischen von Michael Koseler

Gute Romane müssen nicht zwingend lang sein – es reicht durchaus hin, wenn sie von einem sehr versierten Übersetzer so in Form gebracht worden sind, dass es ein reines süffiges Vergnügen ist, sie quasi in einem Rutsch durchzulesen und sich davon nicht mehr lösen zu können. So etwas widerfuhr mir, als ich mich vor wenigen Tagen dazu entschloss, dieses Buch aus meinen Regalen zu fischen, um mit der Lektüre zu beginnen. Ich hatte es mir im November 2004 antiquarisch besorgt und nun, mit fast dreizehn Jahren Verspätung, doch genau zur rechten Zeit gelesen. Und es ist mir ein ausgesprochenes Vergnügen, euch an der Lektü­re teilhaben zu lassen:

Louise Sherringham studiert in England Kunstgeschichte, und sie kommt, wie­wohl eine extrem fleißige und findige Studentin, mit ihrem Dozenten Dr. Peters­en so überhaupt nicht klar. Seine Vorlesungen sind trocken, ermüdend, und es ist zudem offensichtlich, dass er chauvinistisch ist, Frauen nicht ausstehen kann und klar männliche Studenten bevorzugt.

Als sie darum seine Vorlesung über den Venus-Mythos besucht, ist Louise die meiste Zeit reichlich gelangweilt und angeödet – bis er auf einmal ein Thema anschneidet, das sie geradezu elektrisiert: es geht um ein verschollenes Kunst­werk aus dem Jahre 1905, von dem nur noch ein einziges Foto existiert – von der legendären „Venus von Collioure“, die Gustave de Valence geschaffen hat. Er gehörte einer französischen Malerströmung an die man die Fauves nannte, die „Wilden“. Das letzte Mal wurde das Bild 1910 gesehen, 1929 starb de Valence eines frühen natürlichen Todes.

Louise recherchiert fieberhaft über den unbekannten Maler und lässt sich darin auch nicht von den erotischen Zwischenspielen ihres Mitkommilitonen Tom ab­bringen. Nachdem ihr vormaliger Freund Jonathan, der so überhaupt nicht se­xuell experimentierfreudig war – im Gegensatz zu Louise – sie verlassen hat, ist die tizianrote, leidenschaftliche Studentin heißhungrig und höchst neugierig auf erotisches Neuland. Und dann das verschollene Venus-Gemälde von de Valence ins Zentrum ihrer Abschlussarbeit zu stellen, scheint doch eine aufregende Her­ausforderung zu sein. Und vor Herausforderungen ist sie noch nie zurückge­schreckt.

Zu dumm: um die Reise nach Frankreich finanzieren zu können, braucht sie ein Stipendium. Doch als sie ihrem Betreuer – ausgerechnet Dr. Petersen – offen­bart, dass ihre Abschlussarbeit den provokanten Titel „Verschollen und wieder gefunden: Die Suche nach der Venus von Colliouretragen soll, verweigert er ihr das Stipendium. Jetzt erst recht energisch betreibt Louise den Plan dennoch weiter, mindestens schon, um es ihrem arroganten Mistkerl von Professor zu beweisen.

Denn sie hat inzwischen schon eine Fährte aufgetan, wo das Gemälde zumin­dest 1990 noch gewesen sein muss. Sie führt tief in die Provence nach Süd­frankreich zu einem kaum bekannten Künstler namens Milo Charpentier. Mit ihrem altersschwachen VW-Bus und einer Menge Equipment und Ausrüstung ausgestattet kann sich Louise schließlich auf den Weg machen, erst über den Kanal, dann quer durch Frankreich per Auto.

Es ist nachgerade eine Reise in die Sinnlichkeit selbst. Fort aus dem englischen, trübe-grauen Regenwetter in ein Reich des fast permanenten Sonnenscheins, der duftenden Felder, der idyllischen Alleen und atemberaubenden Weiten… schnell beginnt sie zu verstehen, warum die Maler hier so unglaublich kreativ waren, und sehr schnell beginnt sie den französischen, entspannten Lebensstil zu genießen. Picknick am Wegesrand unter einsamen Bäumen, Wegpausen in kleinen Ortschaften, das französische Essen und den Wein – sie genießt das al­les sehr. Und sie macht diverse vergnügliche und erregende Wegerfahrungen, zum Beispiel mit einem Soldaten und einem goldigen Gendarm, der sie im Rah­men einer fingierten Verkehrskontrolle kurzerhand einem erotischen Test unter­wirft. Auch ein früherer französischer Brieffreund, den sie jahrelang nicht gese­hen hat, ist zunehmend von ihr bezaubert.

Das alles ist aber erst der Anfang.

Das Reiseziel ist ein kleiner Ort namens La-Roche-Hubert, in dem man Milo Charpentier in der Tat gut kennt – und Louise ausdrücklich vor ihm warnt! Er wohnt allerdings nicht im Ort selbst, sondern etwas außerhalb… und dieser Ort ist dann selbst eine Art von paradiesischer Idylle, und Milo ist dabei absolut nicht allein. Vielmehr hat er drei junge und sinnlich äußerst willige Nymphen bei sich, die man als seine erotischen Musen bezeichnen könnte. Und ja… nach einer ganzen Weile, während Louise zunehmend in den sinnlichen Reigen der kleinen Gruppe um den Maler einbezogen wird – absolut mit ihrer Zustimmung übrigens – , nach einer ganzen Weile gibt Milo zu, dass er weiß, wo sich die „Venus“ befindet.

Doch ehe Louise ans Ziel ihrer Wünsche gelangt, vergeht noch viel Zeit, und gegen Ende sieht es fast so aus, als sei alles ganz vergeblich gewesen…

Ich behaupte einmal: wer die ersten drei, vier Kapitel gelesen hat, wird sich dem semantischen Zauber dieses stimmungsvollen Buches kaum mehr entzie­hen können. Sowohl die durchaus wild entschlossene wie sinnlich experimen­tierfreudige Louise fesseln wie auch das Thema selbst – im Grunde genommen eine kriminalistische Spurensuche, wie sie Freunde von Sherlock Holmes und archäologischen Abenteuergeschichten gefallen kann. Es ist durchaus nicht al­lein die Erotik, die mich durch die Seiten scheuchte, sondern auch das gemäch­liche Anpirschen ans Ziel und das manchmal fast qualvolle Hinhalten der Prot­agonistin. Aber das lohnt sich unbezweifelbar.

In vielen erotischen Romanen, die ich früher las, findet man ein reges, in der Regel recht konstruiertes Durchdeklinieren von erotischen Einzelszenarien – Sex mit einem Fremden, Sex mit Voyeursperspektive, Liebe mit zwei Männern, mit exotischen Kerlen, mit Frauen usw., und in der Regel ist das relativ deutlich in­szeniert und ein wenig öde. Wiewohl Broussard selbst auf die nämliche Weise verfährt, hat man doch dessen ungeachtet nicht das Gefühl, sie würde hier von einer Variante zur nächsten hüpfen, um gewissermaßen die Zentralthemen des Kamasutra durchzudeklinieren. Es ist mehr so, dass sich die Situationen, ja, wie soll man das nennen?, also, dass sie sich wie von selbst ergeben und gleich ge­schickt arrangierten Gartenelementen in die Landschaft des Romans hinein­schmiegen, mehrheitlich sogar auf kokett-amüsante Weise. Und nahezu immer bleibt Louise Herrin der Lage. Auch das ist ja nicht selbstverständlich.

Zugegeben… gegen Schluss, als sie das Schloss des Comte de Grand Pressigny erreicht, wird die Geschichte ein wenig anstrengend, aber sie bleibt interessant und aufregend. Es sei nicht verraten, was sich dort noch alles ereignet oder wie Milo in den Besitz des Gemäldes kam (der Klappentext ist offensichtlicher Non­sens, da er das Bild selbst natürlich nicht gemalt hat! Er wurde ja erst 60 Jahre später geboren!).

Interessant ist vielmehr eine andere Tatsache – die Künstlerbewegung der Fauves hat es tatsächlich gegeben, und eines ihrer Zentren war tatsächlich das südfranzösische Collioure, wo es in der Tat ein Kunstmuseum gibt. Auch der Brauch, dass mehrheitlich mittellose Künstler für Mahlzeiten und Alkohol mit Skizzen bezahlen, wie das im Buch geschieht, ist absolut authentisch. Dagegen sind sowohl de Valence als auch das Bild der „Venus“ Fiktion – aber sehr schön und raffiniert in ein höchst angenehmes Ambiente realer Natur eingepasst. Man merkt sehr deutlich, wie innig die Autorin Südfrankreich liebt und wie vie­le Charakterzüge sie ihrer „Heldin“ gibt, die vermutlich durchaus ihre eigenen sind. Die Begeisterung für Kräuter, ihr mitfühlendes Herz gegenüber Tieren und Kindern, die starke romantische Neigung und die innige Kunstbegeisterung ver­leihen Louise einen sympathischen, harmonischen Charakter, dem man die ero­tische Zügellosigkeit durchaus nachsieht. Letztere wirkt in Zeiten von Aids doch etwas sehr leichtsinnig… aber wenn man davon einmal absieht, ist es eine auf­reizende und durchweg erotische Fahndung nach einem verschollenen Gemäl­de und seinem Künstler, gewürzt mit zahlreichen neckischen Überraschungen.

Ein Buch zum Schwärmen, Träumen und Genießen, fand ich bei der Lektüre, aus der ich mich kaum wieder lösen konnte. Sehr empfehlenswert. Und die weite­ren Bücher der Autorin, die hier z.T. seit Jahren in meinen Bücherschränken warten, werden wohl nicht mehr lange darben müssen.

Eindeutige Leseempfehlung!

© 2017 by Uwe Lammers

Mann, ich sage euch, das war ein schönes Leseabenteuer! Ich bin auch ziemlich sicher, dass ich den Roman nicht das letzte Mal gelesen habe. Der ist in einigen Jahren bestimmt wieder an der Reihe. Momentan gibt es noch genug anderen Lesestoff.

In der nächsten Woche stelle ich euch noch so einen Exoten vor, der noch älter ist, aber nicht minder reizvoll. Mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 310: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 3

Posted Februar 10th, 2019 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

fünf Wochen ist es her, dass ich euch zuletzt im Rahmen der „Close Ups“ in die Galaxis Hun’arc und den KONFLIKT 14 entführt habe („Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“, FdC). Dort begann die Invasion der Tsoffags, und nun dreht die Handlung so richtig auf. Der zweite Helfer des Lichts beginnt mit seiner Vergel­tungsmission, und der Planet TOTAM erscheint.

Auf ins fortgesetzte Abenteuer:

Rückblick: In der Galaxis Hun’arc irgendwo in den Tiefen des 14. Universums des OSM ist das Reich der insektoiden Cranyaa entstanden. Seit 700 Jahren wird es von dem Orakel auf der Wüstenwelt Yurok spirituell geleitet und darauf vorbe­reitet, dereinst für Oki Stanwer und die Sieben Lichtmächte bereit zu sein, um die Angriffe der Macht TOTAM abzuwehren. Dummerweise hat TOTAM die Ga­laxis bereits unterwandert und greift nun nach dem Reich der Cranyaa.

Im Zentrum von Hun’arc ist das Vielvölkerreich der Dämonenwaffe Rookax ent­standen, das die Völker der Mogolker, der Soogrer, Calnarer, Synox und Tsoffags umfasst. Die Cranyaa bekommen zunächst Kontakt mit den schollenförmigen Schiffen der Tsoffags – Kunstwesen, die die Biotechniker vom Volk der Soogrer erschaffen haben. Um den Ursprung der Tsoffags herauszufinden, wird das Ex­peditionsschiff LUHMEN ins Galaxiszentrum entsandt, aber Kommandant Week-Ta gerät im Heimatsystem der Mogolker in einen Hinterhalt und verliert den Großteil seiner Mannschaft und seines Schiffes im Kampf auf und über der Welt Vo’hoccl.

Parallel dazu tauchen Zehntausende von Tsoffag-Schiffen im Cranyaa-Imperium auf. Unter der Behauptung, für die „Lichtinkarnation“ Rookax zu arbeiten, ver­langt der Tsoffag-Anführer Dunkelmond die Kapitulation von der Cranyaa-Köni­gin Sini-Ag. Sie weigert sich. Daraufhin entbrennt der Krieg, insbesondere um die bald völlig abgeriegelte Brutwelt Sayliih. Eine von den Tsoffags emittierte Strahlung erzeugt bei den Cranyaa immer stärkeres Organversagen und Lethar­gie. Es sieht ganz danach aus, als kämpften die Cranyaa auf verlorenem Posten.

Das ist umso deutlicher sichtbar, als ein weiterer Angriff, diesmal durch einen Dämon von TOTAM, auf der Orakelwelt direkt das Orakel Slek-Im attackiert. Slek-Im kommt dabei ums Leben. Es kann aber dem Cranyaa-Kommandanten der Orakelwache, Kama-Ke, einige informatorische Visionen über Rookax und sein Reich eingeben und ihn zusammen mit seinem Freund Olom-Ra an den Rand der Galaxis senden, wo der zweite Helfer des Lichts, Klivies Kleines, er­scheinen soll.

Kleines wird beim Erscheinen in der Lichtfestung OREOC ebenfalls von einem Dämon attackiert, kann diesen Angriff aber abwehren. Als das Kristallwesen Kleines von den Visionen des Orakels erfährt, sinnt er auf Rache und steuert das Galaxiszentrum an.

Doch Rookax wird vorgewarnt…

Episode 11: Tod auf Vo’hoccl

(19. Dezember 1983, digitalisiert 2014)

Da Rookax weiß, dass die Mogolker gewissermaßen das schwächste Glied in der Kette seiner Untertanen sind, entschließt er sich zu einer rigorosen Tat. Als der Cranyaa-Kommandant Week-Ta mit seinem Rumpfschiff LUHMEN II die verräte­rischen Mogolker angreift, wird er von Rookax selbst abgewehrt und mitsamt seiner Mannschaft ermordet. Dann ruft die Dämonenwaffe zum kollektiven ri­tuellen Selbstmord des Mogolker-Volkes auf.

Als Klivies Kleines mit der Lichtfestung OREOC erscheint, findet er eine verwüs­tete Totenwelt vor. Rachsüchtig zerstört er die Rookax-Stelen, wodurch er die Macht der Dämonenwaffe schwächt. Zugleich wird für die Cranyaa Kama-Ke, Olom-Ra und die vormalige Cranyaa-Kommandantin Lasa-On, die Kleines nun auf seiner Reise begleiten, deutlich erkennbar, dass das Kristallwesen auf ir­gendeine Weise krank ist. Sein Körper wird von schwarzen Krusten überwu­chert, die ihn zunehmend schwächen. Selbst das Steuergehirn OREOC der Lichtfestung scheint ihm dabei nicht helfen zu können. Nur temporär zeichnet sich eine Entspannung bei Kleines´ fragilen Zustand ab.

Nach dem furchtbaren Aufenthalt im System der Mogolker beschließen die Freunde, weiterzureisen. Der nächste Stopp soll Rookax´ Zentralwelt sein, die Düsterwelt. Sie ahnen allerdings noch nicht, dass die Dämonenwaffe bei den Gentechnikern der Soogrer eine neue genetische Armee in Auftrag gegeben hat… genauer gesagt: zwei Armeen.

Episode 12: Düsterwelt

(20. Dezember 1983, digitalisiert 2014)

Während die Lichtfestung OREOC unterwegs ist zur Düsterwelt im Zentrum von Hun’arc, zeigt sich allmählich, dass Rookax die Kontrolle über seine Truppen zu verlieren beginnt. Das betrifft primär die Schollenschiffe der Tsoffags, die sich nun planwidrig alle um die vormalige Brutwelt Sayliih sammeln und hier ohne Erklärung einen riesigen Schwarm bilden.

Ehe er begreifen kann, was dort vor sich geht, taucht die Lichtfestung OREOC über der Düsterwelt auf, den Ursprungsplaneten der Tsoffags. Klivies Kleines geht mit seinen Freunden in den Einsatz, fest entschlossen, Rookax´ Macht empfindlich zu schwächen. Sie treffen hier in einem der Biobrutlabore auf ein Wesen, das einem großen Tropfen mit steiler Spitze und vier radial angeordne­ten Armen gleicht. Es handelt sich um einen Soogrer namens Goonex, der ihnen zunächst feindselig begegnet. Dann entdeckt der Helfer des Lichts, dass Goonex durch kristalline Partikel von Rookax kontrolliert wird und kann ihn durch eine Primärenergieentladung von dem paramentalen Druck der Dämonenwaffe be­freien.

Und kaum dass sie sich miteinander verständigt haben, greifen die neuen miss­gestalteten Genwesen an, die Nuusen…

Episode 13: Die Todessonne

(23. Dezember 1983, digitalisiert 2014)

Während die Freunde noch mit den bizarren Nuusen zu tun haben, zeigt sich, dass die Lichtfestung OREOC eine grundlegende Fehlfunktion hat. Sie holt die ausgesandten Freunde zusammen mit dem Soogrer Goonex zurück, doch Klivies Kleines wird auf der Düsterwelt zum allgemeinen Entsetzen aller schlicht „ver­gessen“. Parallel dazu startet OREOC das Programm „Todessonne“, das darauf abzielt, den finsteren Heimatplaneten der Tsoffags in eine Miniatursonne zu verwandeln.

Klivies Kleines ist derweil auf dem todgeweihten Planeten isoliert und sucht eine Fluchtmöglichkeit. Dabei stößt er auf eine der schwarzkristallinen Rookax-Stelen, wie sie auf jedem Planeten in Rookax´ Reich existieren und die Essenz der Dämonenwaffe beinhalten.

Dann entsteht die Todessonne, und die Düsterwelt explodiert. Kleines gilt ab diesem Zeitpunkt für seine Freunde als tot… aber das scheint nicht mehr lange von Bedeutung zu sein, denn 300 Kampfschiffe der indoktrinierten Soogrer grei­fen an und überlasten OREOCS Schutzschilde.

Und eine rätselhafte Stimme hallt durch die Galaxis und ruft aus, dass der „Stern der Macht“ entstanden ist. Rookax begreift schlagartig, was das bedeu­tet: der Planet TOTAM ist in der Galaxis Hun’arc im Reich der Cranyaa materiali­siert. Nun beginnt der KONFLIKT richtig!

Episode 14: Die Geburt der Todeswelt

(27. Dezember 1983, digitalisiert 2014)

Annähernd eine Million Schollenschiffe der Tsoffags haben sich um die finstere Energieballung versammelt, die vormals die Cranyaa-Brutwelt Sayliih gewesen ist. Hier entsteht nun ein dimensionaler Tunnel in die Unendlichkeit, der durch die konzentrierte Feuerkraft der Tsoffags noch verstärkt wird.

Erst im Moment, in dem der Tunnel in die Ewigkeit kollabiert und preisgibt, was durch ihn aus einem untergegangenen Universum in die Jetztzeit reist, erken­nen die Tsoffags, dass sie zielgerichtet manipuliert wurden – denn die Konzen­tration ihrer Kampfenergie wird sie selbst zerstören.

Dem Zielobjekt ist das gleichgültig: es ist ein schwarzer Kristallplanet namens TOTAM, dem auf diese Weise Geburtshilfe geleistet wird. Die Brutwelt Sayliih und das Volk der Tsoffags hören auf zu bestehen, stattdessen ist nun eine neue Welt etabliert, der Planet TOTAM. Und von hier aus geht ein starker Ruf ins Uni­versum hinaus, das „Ewige Reich“ zu errichten, mit TOTAM als Zentrum.

Die Besatzung des Cranyaa-Kampfschiffs HUHLEG unter seiner Kommandantin Mani-Ul wird Zeuge dieser Vorkommnisse, und die wagemutige Raumfahrerin entscheidet, dass sie auf dieser so überraschend aufgetauchten Welt landen werden, um sie zu erforschen.

Dort sind aber zwischenzeitlich schon die bisher in Erscheinung getretenen Dä­monen Drenosa und Ormun angekommen, deren Auftrag nun lautet: Versucht die Cranyaa und unterwerft sie TOTAMS Willen…

Episode 15: Angriff der Soogrer

(1. Januar 1984, digitalisiert 2014)

Blende zurück ins Reich der Dämonenwaffe Rookax, genauer: ins System der verglühenden Düsterwelt. Im Orbit um den neuen Zwergstern, der offenkundig Klivies Kleines´ Grab geworden ist, wird die Lichtfestung OREOC von Hunderten von Soogrer-Kampfschiffen attackiert. Doch OREOC kann dem Angriff entkom­men und das Waamox-System der Soogrer als nächstes Ziel ansteuern. Dass Kleines nicht mehr an Bord ist, scheint das Lenkgehirn der Lichtfestung gar nicht zu realisieren.

Derweil registriert die Dämonenwaffe Rookax verstörende Verwirrung. Sie gibt ihren Untergebenen widersprechende Kommandos. Mal soll OREOC angegriffen werden, dann wieder nicht. Als Rookax intern nachforscht, wie diese abwei­chenden Kommandos zustande kommen, erleidet die kristalline Dämonenwaffe einen nicht eben geringen Schock.

OREOC läuft auch im Waamox-System vor die Geschütze von Soogrer-Kampf­schiffverbänden, aber auf rätselhafte Weise ist die Lichtfestung auf einmal spur­los verschwunden. Höchste Alarmstufe wird über das System verhängt, insbe­sondere über die Dschungelwelt Suriloom, wo die neue „genetische Armee“ ge­züchtet wird, die perfektionierten Nachfolger der misslungenen Nuusen.

Der Cranyaa Kama-Ke verkündet zwischenzeitlich außerdem, dass er sich ganz sicher ist: Klivies Kleines sei noch am Leben, selbst wenn das nach dem Unter­gang der Düsterwelt völlig undenkbar scheint.

Aber die Situation sieht wirklich sehr schlecht aus: TOTAM ist erschienen, das Volk der Cranyaa durch die Apathiestrahlung der Tsoffags stark geschwächt, zu Milliarden bereits gestorben, OREOC auf der Flucht, Oki Stanwer und die ande­ren Helfer des Lichts noch fern…

Soweit die Handlung der Episoden 11-15 der Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“. Ihr seht an den Erstschreibdaten, die alle im Dezember 1983 und Ja­nuar 1984 liegen, dass ich zu der Zeit diese 15seitigen handschriftlichen Folgen in enormer Geschwindigkeit geradewegs „herunterratterte“. Das hat sich später etwas verlangsamt, aber damals habe ich wirklich sehr geschwind am OSM gearbeitet, weshalb die Handlung auch noch vergleichsweise stereotyp abläuft.

In der vierten Folge der Close Up-Reihe werden die Abenteuer von Klivies Klei­nes´ Freunden im Sonnensystem der tropfengestaltigen Soogrer fortgesetzt und eine erste Blende zur Welt des Bösen gebracht, wo das Cranyaa-Schiff HUHLEG inzwischen gelandet ist.

Bis nächste Woche, meine Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.