Rezensions-Blog 112: Die ägyptische Zeitung

Posted Mai 17th, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute verfolgen wir mal wieder historisch-didaktische Pfade mit der vorge­schlagenen Lektüreempfehlung dieser Woche. Wie ich schon verschiedentlich anmerkte, hat der Kinderbuchverlag in Luzern diverse interessante Alben aufge­legt, die sich unterschiedlichen Kulturepochen der Vergangenheit widmen. Re­zensiert habe ich im Rahmen dieses Blogs bereits „die griechische Zeitung“ (Blog 12 vom 17. Juni 2015) und „die aztekische Zeitung“ (Blog 62 vom 1. Juni 2016). Heute schickt uns Scott Steedman in das alte Ägypten und versucht, mit mehr als zweitausend Jahren Geschichte auf einmal klarzukommen, und dies auf 36 Druckseiten.

Ob das wohl gelingen mag?

Schaut einfach mal weiter:

Die ägyptische Zeitung

(OT: The Egyptian News)

von Scott Steedman

Kinderbuchverlag (kbv) Luzern

36 Seiten, gebunden, 1998

Übersetzt von Christa Holtei

Die BILD-Zeitung des Altertums sähe wohl in etwa so aus, wenn die Zeit zwi­schen 3000 vor Christus und dem Jahr 1100 vor Christus so etwas besessen hät­te. Hat sie natürlich nicht. Deshalb ist „die ägyptische Zeitung“ im wesentlichen eine Art von kindgerechtem Einstieg in die komplexe Materie der pharaoni­schen Geschichte. Nicht alleine der Verlagsname macht das schon klar, auch die Art der Aufbereitung.

Wie es schon Jean-François Champollion wusste, der geniale Entzifferer der Hieroglyphen: es ist nicht leicht, überhaupt einen vernünftigen Wegweiser in diesem Gewirr aus Jahrhunderten, Dynastien, Baustilen, Völkerwanderungen und ziemlich bizarren und vielfältigen Kulten und Göttermassen zu finden. Die­se Erkenntnis vertieft sich angesichts der Lektüre, je weiter man kommt.

Mit Unterstützung des leider nicht näher spezifizierten „Beraters“ James Put­nam (mutmaßlich ein Althistoriker, der seinen Job ordentlich gemacht hat) rollt Steedman die Geschichte des Nilreiches chronologisch auf, wobei weite Sprün­ge indes unvermeidlich sind. Man hat nur 36 Seiten Platz, es müssen eine Men­ge Bilder untergebracht werden, und kindgerecht, mithin also auch amüsant, soll das Ganze am Ende auch noch sein. Eine nicht einfache Gratwanderung. So kommt dann auch folgerichtig gleich ein richtiger „Kracher“ auf die Titelseite – die Spekulation, ob der Kind-König Tutenchamun ermordet wurde oder nicht.

Viel Platz nehmen bauliche Leistungen ein, etwa die Erfindung der Pyramiden durch den Baumeister Imhotep oder die Frage, warum Pyramiden schließlich „aus der Mode“ kamen. Eine Menge Raum verschlingen auch Fragen der staatli­chen Expansion, der Waffentechnik und Hegemonialpolitik. Doch das wird spä­ter durch Erläuterungen der gesellschaftlichen Schichtung aufgelockert, durch­aus humorvoll. Schreiber zu werden, wird etwa durchaus ambivalent betrach­tet: „Sie können nur Schreiber werden, wenn Ihr Vater Schreiber war. Glück ge­habt? Vielleicht, aber Schreiber müssen in die Schule gehen – und das ist nur der Anfang…“ Ein Anfang, der bei den Schreibern realistisch mit dem fünften Lebensjahr angesetzt wird. Kein Wunder also, dass es zum Schluss des Artikels heißt: „Denken Sie noch mal drüber nach, wenn Sie sich wieder wünschen, Schreiber zu sein. Lesen und Schreiben ist nicht immer der einfachste Weg zu Macht und Reichtum.“

Es gibt den vergnüglichen Bericht eines Steuerprüfers, der sich letztendlich so­gar mit einem „Bodyguard“ schützen lassen muss, Tipps, wie man zum erfolg­reichen Kaufmann werden kann und was man besser sein lassen sollte. Manche Ratschläge sind indes nicht so ganz empfehlenswert, etwa die Antwort auf die besorgte Frage eines Mannes nach Heilung der allmählichen Erblindung seiner Frau. So soll man – dem Buch zufolge – vorgehen, um das zu ändern:

Gibt es eine Heilung?“, fragt der Mann. „Vielleicht“ lautet die Antwort darauf. „Bringen Sie sie zu einem guten Arzt, der eine Salbe aus Honig, roter Erde und einem zermahlenen Schweinsauge herstellen wird. Der Arzt wird die Salbe in die Ohren Ihrer Frau streichen und zweimal den Zauberspruch sagen: ‚Diese Salbe ist gegen die Krankheit. Du wirst wieder sehen.‘“

Aber realistisch fügt der Autor an: „Erwarten Sie nicht zu viel. Blindheit ist sehr schwierig zu heilen.“ Warum die Salbe indes gerade in die OHREN gestrichen werden soll, entzieht sich dem Verständnis des Rezensenten. Aber alles andere wäre dann doch vielleicht etwas sehr eklig gewesen…

Es scheint auch recht neckische Posten im Reich des Nil gegeben zu haben, möchte man die ganzen Kleinanzeigen ernst nehmen. So heißt es etwa in einer Anzeige für Saisonarbeiter: „Unterstützt die Bauern! Können Sie gut Krach ma­chen? Wir suchen Jungen, die Vögel aus den Feldern vertreiben. Erfahrung nicht erforderlich, laute Stimme und Steinschleuder von Vorteil…“ Na, da wünscht man sich doch manchmal, Horden von „Schlachtenbummlern“ vor Fußballspie­len, die das Lärm machen weiß Gott beherrschen, ins alte Ägypten expedieren zu können…

Alles in allem stellt sich „Die ägyptische Zeitung“ eine Aufgabe, die sie nicht er­füllen kann. Ein Zeitraum von fast 2000 Jahren inklusive einer wildbewegten Zeit und einer überaus fremdartigen historischen Kultur kann nicht auf einem Raum von 36 Druckseiten abgehandelt zu werden, ohne in durchweg anekdoti­sche Oberflächlichkeit abzuirren. Zwar erfährt der dem Pharaonenreich nicht so Nahestehende eine Menge über die Zeiten und die Alltagskultur der Pharao­nen, doch bleibt es überall bei einem bloßen Schrammen am Wesentlichen. Verglichen etwa mit der „Azteken-Zeitung“, die schon rezensiert wurde, taucht der Leser ein wenig enttäuscht hieraus wieder auf. Zumal, natürlich, der histo­risch vorgebildete Leser.

Indes, und das ist eine wichtige Einschränkung, der Rezensent ist keine zehn Jahre mehr alt. In diesem Alter wäre er von dieser bildreichen Darbietung kurz­weiliger Informationshäppchen über das alte Pharaonien vielleicht begeistert gewesen. Der didaktische Test an Kindern steht noch aus. Es lohnt den Versuch.

© 2015 by Uwe Lammers

Also, ein netter Versuch, der für Kinder im genannten Alter durchaus akzeptabel sein mag, aber für die Erwachsenen eher unpassend ist? Okay. Dann schauen wir uns in der kommenden Woche mal ein Sachbuch an, das geografisch in der Nähe bleibt. Aber diesmal ist es ausdrücklich ein historisches Sachbuch für deutlich gereifteres Publikum.

Welches Werk ich meine? Tja, da spanne ich euch noch ein paar Tage auf die Folter… bis in einer Woche dann.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

wir müssen heute mal ganz still sein, denn ich bin hier undercover unterwegs in geheimer Mission, und niemand darf mich dabei beobachten… ihr natürlich ausgenommen. Ihr dürft mir über die Schulter schauen. Aber passt bitte auf, lasst euch nicht von dem phantastischen Ausblick irritieren – wir befinden uns in Lebensgefahr.

Ich befinde mich in direkter Begleitung dreier jugendlicher Validen, die auf ei­ner unautorisierten Tour unterwegs sind. Eigentlich sollten sie auf ihrer Heimat­welt, TRANSFER 906, in einem Wissenszentrum sein und für spätere Prüfungen lernen, aber so sind diese Tjond eben nicht gestrickt. Viel zu öde, würde Hylshonnor sagen, und damit hätte er vermutlich Recht.

Hylshonnor ist einer der drei Validen, die sich jetzt die breiten Nasen an den Glassitscheiben des Schwebebusses plattdrücken, während sie über die Plane­tarhauptstadt von TRANSFER 1004 fliegen und ihrem unübersehbaren Ziel zu­streben – diesem gewaltigen Wolkenkratzer entgegen. Genau genommen sollte man ihn wohl eher als eine Art von ehernem, schwarzem Tafelberg bezeichnen.

Ich meine, das Zentralmuseum von TRANSFER 1004 ist nun wirklich ein höchst beeindruckender Bau. Seit Jahrhunderten steht er mitten im Herzen der Plane­tenhauptstadt und ragt, jedenfalls den Holoanzeigen nach zu urteilen, die das strikt behaupten, genau 1004 Stockwerke in den diesigen Himmel. Die Spitze des Gebäudes ist ewig in Dunst gehüllt. Angeblich die Kondenswolken der In­nenabluft, die nach oben geblasen wird… physikalisch klingt das durchaus plau­sibel. Das Gebäude ist wenigstens dreitausend Meter hoch, eher noch höher, und es dehnt sich in die anderen Richtungen wenigstens ebenso weit aus, höchstwahrscheinlich ist es noch größer…

Was zur Hölle will ich hier?

Nun, die Frage muss anders gestellt werden: Wie ihr wisst, treibt mich meine Kreativität mit ihren unterschwelligen Bilderströmen in diverse Richtungen, und sie sind in der Regel abhängig von meinem Informationsinput. Oftmals dauert es ziemlich lange, bis sich die Informationen bis an die Oberfläche meines Be­wusstseins hinaufkämpfen können, aber diesmal klappte es relativ rasch… wo­bei „relativ“ wirklich genau das ist.

Drei Gedanken gingen mir durch den Kopf, ehe mich die Idee „überfiel“, über TRANSFER 1004 zu schreiben. Oder besser: weiter daran zu schreiben, denn der Anfang der Geschichte, die unter dem Titel „Sklaven des SYNDIKATS“ in die Annalen der Ewigkeit eingehen wird und zu OSM-Band 1800 kondensieren soll, nach Möglichkeit noch im Jahr 2016 (wenn dieser Blogartikel erscheint, wisst ihr, ob das funktioniert hat), dieser Anfang stammt aus dem Jahr 2010.

Gedanke 1: Ich muss mir allmählich Gedanken machen um OSM 1800.

Gedanke 2: Ich habe eigentlich gar keine Zeit zum Schreiben, da ich mich mo­mentan primär über Museen zu informieren habe (das hat mit meiner Brotar­beit zu tun).

Gedanke 3: Also, am ehesten könnte ich mir den nächsten Band der Yanassicar-Trilogie als OSM 1800 vorstellen… also eben „Sklaven des SYNDIKATS“.

Und dann kam jüngst ein seltenes zweitägiges Wochenende! Die meisten in den zurückliegenden Monaten waren eintägige oder gar keine freien, weil ich da im Homeoffice an wichtigen Termindingen zu arbeiten hatte. Diesmal also nicht. Und schwupp, kaum sitze ich mit einer entspannenden Tasse Tee am Schreibtisch, höre aufregende Musik und rufe die Datei von Band 57 der Serie „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“ (DSf) auf, also den oben mehrfach genannten OSM-Band… da geht es auch schon los.

Mit einem Mal war ich echt mittendrin.

Anno 2010 hatte ich mit dem Band aufgehört, als die drei Schüler – Yanassicar, Hylshonnor und ihre Freundin Ervyrraid – in den Formenergiezug stiegen und sich aufmachten zu TRANSFER 1004. Sie hatten vorher eine beunruhigende Er­fahrung auf eine höchst gefährlichen Welt namens TRANSFER 11 gehabt, von der sie fast nicht mehr wieder weggekommen wären… aber TRANSFER 1004 klang harmlos.

Und faszinierend.

Warum dies? Nun, TRANSFER 1004 ist nach den Datenbänken im GRALSREICH des SYNDIKATS, in dem die Validen leben – sie sind übrigens Abkömmlinge von Landoktopoden, deshalb taucht das Wort „Tentakel“ so oft in der Episode auf – , einstmals ein Planet gewesen, auf dem eine Hightech-Zivilisation existierte. Und jetzt gibt es hier zahllose Ausgrabungsstätten und eben auch prächtige Museen, von denen das größte und mächtigste eben das Zentralmuseum ist, auf das wir gerade zusteuern.

Das untergegangene Volk hörte auf den Namen „Talather“, und während die drei Validen davon noch nie gehört haben, würden bei dem Helfer des Lichts Klivies Kleines in der Galaxis Daarcor gegenwärtig alle Alarmglocken schrillen.

Die Talather waren eine Spezies, die vor langer Zeit – und man muss sie eher nach Hunderttausenden statt nach Tausenden von Jahren zählen – in der Ster­neninsel Xeloon beheimatet. Vor vielen Realjahren bin ich dort in Begleitung von Helfern des Lichts gewesen, die mit der Lichtfestung OREOC II unterwegs waren. Sie entdeckten damals, dass Xeloon eine gründlich geplünderte und ent­völkerte Galaxis war. Und sie liefen hier in eine Falle und wurden von negativen GRALSJÄGERN samt und sonders einkassiert.

Die negativen GRALSJÄGER sind die Wesen, die das GRALSREICH geschaffen ha­ben, in dem das Volk der Validen lebt, dem Yanassicar und seine Gefährten ent­stammen. Von dieser Historie haben die Validen natürlich keine Ahnung. Für sie sind die „Fürsten“, wie sie die GRALSJÄGER nennen, ferne Gestalten, die eigent­lich nie in Erscheinung treten.

In dem Moment, in dem Yanassicar und seine Freunde über die Talather-Kultur auf TRANSFER 1004 stolpern, ändert sich für sie alles auf ziemlich üble Weise. Denn mit Hilfe des Museums wird ein unerwarteter Blick hinter die Kulissen möglich.

Die Talather stammen durchaus nicht von TRANSFER 1004.

Und sie sind zwar ausgestorben, aber erstens unter sehr tatkräftiger Mithilfe der GRALSJÄGER, zweitens aber gibt es noch etwas oder jemanden von ihnen, der seit sehr langer Zeit darauf wartet, Rache zu üben.

Er wartet im Zentralmuseum darauf, dass eine passende Zielperson eintrifft… eine Person, die in Gestalt des arglosen, leicht zu beeindruckenden Yanassicar tatsächlich auftaucht.

Und während er eine Begegnung mit dem Schicksal hat, fahnden die Herren des GRALSREICHS nach der kleinen Gruppe, die so töricht und zugleich so raffiniert war, mit einem Formenergiezug illegal eine eigentlich gesperrte TRANSFER-Welt anzusteuern, eben TRANSFER 11.

Der GRALSJÄGER erstattet seinem Kommandanten Bericht, dem GRALSJÄGER Inciil, und unterbreitet ihm einen abenteuerlich klingenden Plan: was, wenn uns diese Tjonds (man kann das Wort übrigens flapsig mit „Computer-Cracks“ über­setzen, das trifft etwa den Sinngehalt) bei unserem internen Krieg helfen kön­nen… gegen jene abtrünnigen negativen GRALSJÄGER, die den Umsturz im GRALSREICH anstreben?

Inciil findet die Idee zumindest interessant. Und er setzt einen gnadenlosen Jä­ger auf ihre Fährten – seinen Kollegen Jaal, der schon in früheren Universen Mord und Totschlag angerichtet hat. Nun geht er auf Zivilistenjagd… ich sage euch, das ist keine Gutenachtgeschichte, ganz bestimmt nicht…

So lange es vermutlich auch dauern wird, bis ihr diese Geschichten letztlich lest – auf diesen hochkomplexen OSM-KONFLIKT könnt ihr euch wirklich schon freu­en. Schattenwesen, die hier senkrecht an den Wänden entlanglaufen und jede mögliche Form anzunehmen imstande sind, sind noch die harmlosesten Entde­ckungen, die ihr hier machen könnt.

Und, wie gesagt, wir befinden uns hier definitiv im Feindesland. Die negativen GRALSJÄGER sind eine der Fraktionen, die im Hintergrund dieses chaotischen Universums die Fäden des KONFLIKTS ziehen. Wer ihnen in die Quere kommt, wird entweder „ewiger Gast“ – wie die eingefangenen Helfer des Lichts – oder kurzerhand umgebracht.

Mordserien sind für negative GRALSJÄGER nichts Neues. Sie gehen bedenkenlos über die Leichen ganzer Sternenvölker und äschern ohne Wimpernzucken ganze Welten ein, wenn es erforderlich scheint. Das tun sie, weil viele von ihnen der Überzeugung sind, dass „ringsum sowieso schon alle tot sind“ und Massenmord mithin keine Folgeprobleme erzeugen wird.

Nun, es sind Zeitreisende, die die Zukunft (in weiten Teilen) kennen. Und die meisten von ihnen sind, um es vorsichtig zu sagen, ziemlich ausgehakt. Und lei­der auch verdammt machtvoll. Stellt euch ein nahezu omnipotentes, völlig neu­rotisches Wesen vor, das lieber zweimal schießt, ehe es genau hinschaut und (vielleicht) noch eine Frage an die Leiche stellt… dann habt ihr die Herren des GRALSREICHES vor euch.

Will sich irgendwer mit denen ernstlich anlegen?

Also, ich ehrlich gesagt nicht.

Und jetzt muss ich Schluss machen, der Gleitbus setzt gerade zum Landeanflug auf der Plattform des Museums an. Die Leute hier drinnen sind schon ganz ner­vös vor Aufregung und Begeisterung, und das ist für meine drei Validen anste­ckend. Ich verschwinde nun im Museum, schaue aber, dass ich in der kommen­den Woche wieder zum Vorschein gekommen bin, weil ich dann doch weiterer­zählen sollte, wie es in der Artikelreihe „Was ist eigentlich der OSM?“ vor­angehen soll.

Bis bald also, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 111: Inka-Gold

Posted Mai 9th, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute gehen wir mal auf Schatzsuche – ganz so, wie es der Titel des Buches schon aussagt, über das ich gleich sprechen möchte. Und da Schatzsucherge­schichten schon seit meiner Kindheit in meinen Gedanken und Phantasien ver­ankert sind und ich nicht selten schon selbst welche verfasst habe, meist im Ge­wande der Science Fiction,wie ihr euch denken könnt (man braucht da nur mei­ne E-Books anzuschauen, wo es ja gelegentlich um untergegangene Kulturen und Alien-Ruinen geht), war es irgendwie folgerichtig, dass ich früher oder spä­ter genau hier landen würde. Wenn dann fernerhin noch ein Autor wie Clive Cussler sich mit einer wirklich legendären Schatzgeschichte, eben dem bis heu­te verschollenen Inka-Gold befasst, dann gibt es kein Halten mehr.

Da kann man dann auch schon geflissentlich über zahlreiche Biegungen und Wendungen der Story hinwegsehen, die mit der Realität und den geografischen Fakten wenig zu tun haben.

Vor euch liegt nun jedenfalls der begeisterte Bericht eines wirklich faszinierten Lesers, und es ist wohl müßig, zu sagen, dass diese Rezension in eine klare Lese­empfehlung mündet. Warum dies? Nun, um das zu verstehen, folgt meinen nächsten Zeilen:

Inka-Gold

(OT: Inca Gold)

Von Clive Cussler

Goldmann 43742

Ursprünglich Blanvalet 1995

Taschenbuch-Ausgabe August 1997

608 Seiten, TB

ISBN 3-442-43742-3

Aus dem Amerikanischen von Oswald Olms

Versunkene Schätze, namentlich solche, die aus Gold bestehen und von Legen­den umwittert sind, haben mich schon von frühester Kindheit an fasziniert, und diese Faszination teile ich unbezweifelbar auch mit dem Abenteuerromanautor Clive Cussler. Und da ich zudem eine starke historische Ader besaß, schon lange vor meinem Studium der Geschichte und Philosophie, da konnte ich an diesem Buch natürlich nicht vorbeigehen, als ich erstmals im März 1996 meinen Fuß in die Stadtbücherei Braunschweig setzte.1

Schon das Titelbild des Hardcovers nahm mich gefangen, auch wenn ich den Zu­sammenhang zwischen Titelbild und Inhalt wirklich nicht begriff. Angelehnt an eine wunderschöne Zeichnung des Forschers Frederick Catherwood aus Palen­que sah man hier eine mayanische Herrscherstele im dämmrigen Urwald vor dem Hintergrund einer überwucherten Pyramide, im Vordergrund ein Opferal­tar mit Dämonenantlitz und Blutpfütze darauf. Zusammenhang mit den Inka? Keiner. Aber dieses Cover hatte natürlich auch nicht der Autor verbrochen, son­dern der Verlag.

Egal.

Es war Clive Cussler, es ging um Inka-Gold, um Schatzsuche, Abenteuer… und es wurde im Nu verschlungen.

Bis ich das Buch in der Taschenbuchausgabe mit dem passenden Cover ent­deckte, sollten elf Jahre vergehen. Und dann noch einmal acht, ehe ich mich zu einer Zweitlektüre entschloss und die gut 600 Seiten – wiewohl ich solide durch alle möglichen anderen Angelegenheiten abgelenkt war – binnen von sechs Ta­gen erneut verschlang. Das ist schon ein Indiz für die Qualität.

Erinnerung an die Erstlektüre? Nahezu null. Ich hatte damals eben keine Rezen­sion geschrieben, die meine Erinnerung hätte präzisieren und schärfen können. Nun aber, dachte ich mir. Der Roman ist es wert, rezensiert zu werden, und wie – mit Abstand eines der packendsten Bücher, das Cussler je geschrieben hat. Man merkt es auch am puren Umfang schon.

Gewidmet hat Cussler das Buch unter anderem dem genialen Fotopionier Dr. Harold Edgerton und dem Unterwasserarchäologen Peter Throckmorton, mit deren Namen ich vieles verbinden kann. Die anderen beiden Widmungsnamen, Bob Hesse und Erick Schonstedt, sagen mir aktuell nichts, und ich denke, die Re­zension wird zu lang, als dass es sinnvoll wäre, sie auch noch nachzuschlagen. Steigen wir lieber gleich in das Werk ein:

Im Jahre 1533 segelt eine rätselhafte Flotte gen Norden an einer weitgehend menschenleeren Küste entlang. Die wenigen Einheimischen haben solche Schif­fe noch nie gesehen, gewaltige Flöße, die Befehlshaber der Fahrzeuge tragen prachtvolle Gewänder und viel Gold, und sie steuern auf einen steilen Berg in einem Binnenmeer hin, wo sie anlegen. Dort werden die Fahrzeuge entladen und die Waren in das Innere des Berges transportiert. Aus einem Felsblock auf der Spitze des Berges wird eine Furcht erregende Figur gemeißelt, eine Kreatur, halb geflügelter Jaguar, halb Schlange.

Bald darauf sind die rätselhaften Fremden wieder verschwunden.

45 Jahre später gelingt es dem Freibeuter Francis Drake nahe der Küste von Peru, ein spanisches Schatzschiff aufzubringen, das nach Panama unterwegs ist, die Nuestra Señora de la Concepción. An Bord des Schiffes: erstaunliche, kostba­re Schätze aus dem ursprünglichen Besitz der Inka, darunter zahlreiche Mumien und ein kleines Jadekästchen, in dem ein eigenartiges Gebilde aus zahlreichen Schnüren liegt – ein so genanntes Quipu, eine jener legendäre Knotenschnüre. Drake will es mit dem eroberten spanischen Schiff unter dem neuen Komman­do von Thomas Cuttill nach England senden, um es der Königin Elizabeth zum Geschenk zu machen. Doch während Drake in die Heimat gelangt, geht die Nuestra Señora de la Concepción in einer Naturkatastrophe westlich von Peru verloren. Der später so genannte „Drake-Quipu“ kommt nie in der Heimat der Engländer an.

Für 420 Jahre ist dies das letzte, was man von dem verschollenen Schiff und dem Quipu hört. Dann kommt Bewegung in die Angelegenheit, ohne dass das im ersten Moment so aussieht.

Am 10. Oktober 1998 ist in den peruanischen Anden eine archäologische Expe­dition unter der Leitung von Dr. Shannon Kelsey dabei, in einem Cenote, einem einstigen Opferbrunnen der indigenen Ureinwohner, nach historischen Artefak­ten zu suchen. Doch sie haben gleich in mehrfacher Hinsicht Pech – zum einen geraten Kelsey und ihr Fotograf Miles Rodgers, als sie einen Tauchgang in dem Cenote durchführen, in eine lebensbedrohliche Lage. Zum zweiten ruft darauf­hin Dr. Steve Miller, der seltsam nervös über diesen Zwischenfall scheint, über Funk um Hilfe, was aussichtslos scheint. Und drittens, das klingt dann völlig ku­rios, trifft diese Hilfe auch noch ein – denn das NUMA-Forschungsschiff Deep Fathom liegt gerade vor der Küste und führt ein Forschungsunternehmen durch. Von dort eilen Dirk Pitt und sein Kollege Al Giordino den Unglücklichen zu Hilfe.

So ein Pech aber auch!

Während Pitt tatsächlich die beiden Vermissten finden und retten kann, wird ihm, ehe er selbst aufsteigen kann, das Seil gekappt. Oben hat eine Bande von verwegenen Gestalten, offensichtlich Rebellen des „Leuchtenden Pfades“ das Lager überfallen und verschleppt die Wissenschaftler, die peruanischen Studen­ten, die helfen, und Pitts Freund Giordino in einem stundenlangen Marsch in eine versteckte Ruinenstadt der Chachapoya-Kultur2, was Dr. Kelsey völlig faszi­niert.

In der Ruinenstadt zeigt sich jedoch, dass die vermeintlichen Rebellen in Wahr­heit Schmuggler sind, die in großem Stil archäologische Schätze plündern und außer Landes schaffen. Sie arbeiten für eine geheime Gruppierung, die unter dem Namen „Solpemachaco“ bekannt ist, benannt nach einem mythischen Un­geheuer.

Es ist das große Glück, dass es Pitt gelingt, aus dem Cenote freizukommen und die Verfolgung aufzunehmen. Und ein noch größeres Glück, dass selbst das zu Hilfe gerufene korrupte Söldnerkommando der Solpemachaco sich außerstande sieht, ihr Entkommen auf das NUMA-Forschungsschiff zu verhindern.

Damit könnte die Angelegenheit eigentlich abgeschlossen sein… aber so leicht ist die Angelegenheit leider nicht. Denn inzwischen hat Dr. Shannon Kelsey Dirk Pitt etwas von dem Schatz des Inka-Herrschers Huascar berichtet, der seit Jahr­hunderten verschollen ist und dem Vernehmen nach einst in den letzten Tagen des Inka-Reiches außer Landes gebracht wurde. Sein Versteck ist in dem so ge­nannten „Drake-Quipu“ verschlüsselt… und außerdem gibt es noch an einem goldenen Mumiengewand angeblich eine Darstellung der letzten Fahrt des Schatzes zu seinem Bestimmungsort.

Dieses Gewand zierte den Leichnam des Chachapoya-Generals Naymlap, der im Jahre 1547 von den Spaniern in einem Ort namens Tiapollo entdeckt wurde. Die Lage des Ortes ist inzwischen unbekannt. Und leider wurde das Gewand 1922 aus einem Museum von einem geheimnisvollen Meisterdieb geraubt, den man den „Specter“ nannte und dessen Identität nie bekannt geworden ist. Seither ist das Gewand spurlos verschollen.

Dirk Pitt ist der Auffassung, dass die Solpemachaco zweifellos auch nach dem Inka-Gold suchen, dem mit Abstand größten Schatz, den die Welt jemals gese­hen hat und dessen Wert in die Hunderte von Millionen Dollar gehen muss. Und da er mit den Verbrechern dieser Bande sowieso noch eine Rechnung of­fen hat, besonders mit dem psychopathischen Tupac Amaru (der sich nach dem letzten Inkaherrscher nennt und ein mordender und vergewaltigender Sadist reinsten Wassers ist), beschließt Pitt, die Ressourcen der NUMA zur Schatzsu­che einzusetzen.

Es ist klar, dass das nicht lange gut gehen kann. Sein Vorgesetzter, Admiral Ja­mes Sandecker, bekommt Wind von der Angelegenheit… und ist so großzügig, für eine Weile beide Augen zuzudrücken.

Auf einer zweiten Handlungsschiene wird in den Vereinigten Staaten derweil eine Fährte von der US-amerikanischen Zollbehörde verfolgt, die einen ausge­dehnten Antikenschmuggel untersucht. Durch einen schieren Zufall treffen die Verantwortlichen dabei auf einen Sammler, der tatsächlich das verschollene goldene Gewand von Tiapollo bei sich beherbergt. Aber ehe die Beamten zu­greifen können, wird es gestohlen.

Damit ist endgültig klar, dass die Solpemachaco die Jagd nach dem Inka-Gold aufgenommen haben. Was also bleibt Dirk Pitt noch übrig? Er muss das Drake-Quipu finden und das spanische Schatzschiff, das spurlos verschwunden ist.

Tatsächlich gelingt das Unmögliche – aber alle Personen, die das Quipu noch hätten lesen und entschlüsseln können, sind seit 400 Jahren tot. Und die Solpe­machaco, die heimtückischen Geschwister der Zolar-Familie, sind bereits einen Schritt weiter und haben die potentielle Fundstelle schon eingekreist, irgendwo am so genannten „Meer des Cortez“.

Schnell liefern sich die NUMA-Leute um Dirk Pitt und die Zolars ein Wettrennen Kopf an Kopf, und bald fliegen die Kugeln und die Messer und Bomben…

Da ich seit der Erstlektüre im Jahre 1996 den Großteil der Handlung vergessen hatte, kam die Neulektüre einer Erstlektüre gleich, und es war wirklich ein phantastisches Vergnügen. Gewiss, an vielen, vielen Stellen wurde die Logik der Tatsachen der Handlung recht gewaltsam angepasst, und das ist dann doch eini­germaßen obskur. Aber es ist nicht zu leugnen, dass das Resultat ein wirklich außerordentlich spannender Roman ist.

Besonders Augenmerk legt Clive Cussler in diesem Roman auf den Raubhandel mit Antiken aus Mittel- und Südamerika, und es ist offenkundig, wo er die maß­geblichen Verursacher sieht – das sind weniger die indigenen Raubgräber, die sich dadurch eine ursächliche neue Einnahmequelle erschließen, indem sie ihre eigene Vergangenheit ausplündern, sondern vielmehr ist die Ursache in der un­ersättlichen Nachfrage begieriger, finanziell potenter Sammler zu sehen, die mehrheitlich in den Vereinigten Staaten angesiedelt sind und die wirklich keine Scheu besitzen, Raubgut anzukaufen und in privaten Sammlungskammern weg­zuschließen.

Ebenfalls kommt sehr deutlich zum Vorschein, wie rechtlich kompliziert es ist, diesen Leuten das Handwerk zu legen, selbst wenn man ziemlich gewiss ist, dass sie solche infamen Tätigkeiten ausüben. Die Männer von der Zollbehörde taten mir bei der Lektüre ein ums andere Mal sehr leid.

Außerdem wimmelt es in dem Buch von zumeist leichtgläubigen, aber oftmals korrupten Angestellten, Beamten, Forschern und Militärs, die sich von den Ver­brechern willenlos in ihre Dienste stellen, sofern sie sich einen finanziellen Vor­teil davon versprechen… leider eine Mentalität, die man nicht nur in Südameri­ka und Mexiko antrifft.

Was die eindeutigen Baufehler des Buches angeht, so sind die meisten davon ohne historische und geografische Sachkenntnis kaum zu erkennen. Ich nenne mal ein paar davon, betone aber ausdrücklich, dass das der Lektüre des rasan­ten Leseabenteuers im Grunde keinen Abbruch tut:

Die Cenote sind originär Opferbrunnen der Maya – natürliche Einbrüche im Kalksteinkarst von Yucatan. Die Inka oder andere indigene Kulturen in Südame­rika nahe der peruanischen Küste kennen derartige Brunnen nicht, auch des­halb nicht, weil dieser Kalkkarst dort nicht existiert. Zweitens liegen die Cenote stets dicht über dem Meeresgrund – in der Handlung des vorliegenden Romans steigen die Protagonisten sodann aber binnen weniger Stunden auf fast 4000 Meter Höhe auf, und dies nahezu ständig durch dichten Urwald… wenig plausi­bel. In dieser Höhe existiert im Grunde genommen kein Urwald mehr. Und die Totenstadt der Chachapoyas, die dort beschrieben wird, wäre aus dem Grund der fehlenden Vegetation fraglos längst früher entdeckt worden.

Die Entzifferung des Drake-Quipu ist eine Art von Wunschdenken. Selbst heute ist es meines Wissens noch nicht gelungen, so ein Quipu zweifelsfrei zu ent­schlüsseln. Aber das kann man natürlich im Roman so nicht belassen, weil an­dernfalls die Schatzsuche zu einem vorzeitigen, jähen Ende käme.

Dann ist da die Nuestra Señora de la Concepción, ein Schiff, das Clive Cussler ins Jahr 1578 versetzt. Es gibt ein solches spanisches Schatzschiff, das ist völlig rich­tig, allerdings schwamm es im 17. Jahrhundert in der Karibik und wurde schon vor Jahrzehnten auf dem Grund der Karibik ausfindig gemacht und erforscht…

Doch, wie gesagt, wenn man das vorliegende Buch primär unter dem Aspekt ei­nes spannenden Abenteuerromans liest und nicht mit der energischen Brille ei­nes akribischen Historikers (und glaubt mir, diese Feinsichtbrille setze ich bei der Lektüre von Cussler-Romanen gern ab), dann hat man einen packenden Romanstoff voller Legenden, viel Sachkenntnis und erstaunlich viel Humor vor sich.

Die Lektüre lohnt sich unbedingt, und ich sage nicht umsonst, dass das hier ei­ner der am besten gelungenen Romane von Clive Cussler ist. Sagt jemand, der fast alles von ihm gelesen hat.

Wenn ihr das Buch findet, Freunde – zugreifen und verschlingen! Ihr werdet es lieben!

© 2015 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche haben wir wieder ein neckisches Kontrastprogramm. War der obige Roman dick, ist der der kommenden Woche sehr dünnleibig, wo Cussler keine Illustrationen aufweist, ist das ein essentieller Bestandteil der Lek­türe, die ich euch im nächsten Rezensions-Blog vorstellen will. Und dann geht es natürlich auch um ein weiteres Steckenpferd von mir, nämlich die alten Ägypter.

Mehr dazu in einer Woche an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Heutzutage ist das wirklich graue Vergangenheit: Das alte Gebäude der Stadtbücherei ist lange abgerissen worden, um dem Neubau der Braunschweiger Zeitung Platz zu machen, und die fusionierten Zweige der Stadtbibliothek und der Stadtbücherei Braunschweig ha­ben ihren neuen Platz im wieder aufgebauten Braunschweiger Schloss gefunden, das frei­lich nur die Fassade desselben zur Schau trägt. Dahinter verbirgt sich ein großflächiges Ein­kaufszentrum, das treffender statt mit „Schloss“ mit „ECE-Center Braunschweig“ ange­sprochen werden sollte.

2 Die geografische Zuordnung und zeitliche Einordnung der Chachapoya-Kultur im Buch ist übrigens präzise. Über die Chachapoya, die später ins inkaische Imperium eingegliedert wurden, ist selbst heute vergleichsweise wenig bekannt. Dass sie pyramidenartige Tempel­anlagen aus gewachsenem Fels gebaut hätten, ist mir aber nicht erinnerlich, hier waltet wohl die schriftstellerische freie Phantasie und mischt munter mit den Maya.

Liebe Freunde des OSM,

oh ja, recht lange ist es her, dass ich diese Rubrik weiterführte. Elf Wochen, um exakt zu sein. Im Blogartikel 207 endete ich mit meinem Bericht darüber, was ich im Bereich der „Annalen der Ewigkeit“ verfasst oder begonnen oder weiter­bearbeitet hatte, mit dem Jahresschluss 2006, direkt nach dem Hintergrundtext „Höhere Weihen“, der mich aus begreiflichen Gründen elektrisierte. Ich meine… immer, wenn ich nach sehr langer Reifezeit faszinierende Entdeckun­gen in meinem OSM-Denksystem mache, bin ich aufgekratzt und auch ein we­nig fassungslos.

Das ist ein tolles Gefühl, und ihr könnt sicher sein, dass das so bald auch nicht aufhören wird. Es gibt im Oki Stanwer Mythos wirklich eine Menge rätselhafte Ecken, und je weiter ich herumkomme, desto mehr Mysterien entdecke ich. Mysterien auf Zeit, sollte ich sagen, die sich nach und nach natürlich entschlei­ern. Aber wie im Fall der „Essen“ der Troohns kann das bisweilen dreißig reale Jahre dauern.

Kommen wir zum Januar 2007, um im Bericht der „Annalen der Ewigkeit“ fort­zufahren.

Als neu „inthronisierter“ Chefredakteur des Fanzines „Baden-Württemberg Ak­tuell“ (BWA) hatte ich monatlich eine Pflichtaufgabe zu absolvieren, die einiges an freier Zeit band. Außerdem befasste ich mich im Januar 2007 mit einer Viel­zahl von Rezensionen, mehrheitlich Comicrezensionen, die dann im BWA er­schienen. Ich war ferner durch meinen Kontakt mit dem Schlösserbund Wolfen­büttel involviert in ein weiteres historisches Projekt, das schließlich in einem veröffentlichten Aufsatz und einem Vortrag meiner Wenigkeit im Wolfenbütte­ler Schloss führen sollte. Doch darum soll es hier bekanntlich nur peripher gehen.

Interessanter und wichtiger im Kontext des OSM war mein Plan, für BWA eine Artikelserie zu verfassen, die autobiografischer Natur sein sollte – gewisserma­ßen, wenn ihr so wollt, die frühe Vorstudie zu meinen entsprechenden Blogarti­keln. Der Gedanke, meine eigene kreative Entwicklung aufzuarbeiten und zu veröffentlichen, fußt also bereits im Jahre 2007. Unter dem Label „25 Jahre im Dienst der Kreativität. Meine ‚Dienstzeit‘ im deutschen Fandom 1982 – 2007“ wurde diese Artikelreihe, die letzten Endes 12 Teile umfassen sollte, auch publiziert. Ich schrieb daran bis Juni 2008, die Publikation erfolgte in den Ausgaben 285-297 (Juni 2007 bis Juli 2008).

Wie sich unschwer denken lässt, brachte diese rückwärtsgewandte Betrachtung vieles mit sich, was man negativ „Altlasten“ nennen könnte, positiv betrachtet aber Gedankenanstöße beinhaltete. Keime zum Weiterdenken, das Aufdecken von Lücken, von Baustellen und dergleichen.

Neben Weiterarbeit an diversen Serien kümmerte ich mich um Fragmente wie „Shonkaschs Neugierde“ (bis heute unvollendet) oder „Schluchtenkenners Ent­deckung“ (beendet und hier schon als Roman identifiziert, was den Umfang an­ging).

Im Februar 2007 schloss ich anlässlich einer geplanten Publikation die Überar­beitung der Story „Heimweh“ ab. Dass ich sie dereinst einmal im September 2016 öffentlich in Auszügen vortragen sollte, ließ sich hier noch nicht erahnen. An diese Überarbeitung schloss sich unverzüglich eine weitere an – nämlich die des ungleich jüngeren OSM-Romans „Räuber“. Auch er war für eine Publikati­on in Vorbereitung… allerdings ist mir heute klar, dass das eine sehr aktionis­tische Sache war, und es ist gut, dass das gründlich in die Hose ging mit dem Veröffentlichungsplan.

Ich meine: nur, weil ein OSM-Werk relativ frisch und packend ist, heißt das noch lange nicht, dass man es auf den Markt werfen kann. Wie soll man als Leser einen Shonta-Roman verstehen, ohne die TI-Serie vorab zu kennen? Das muss Missverständnisse doch geradezu provozieren! Also werde ich diesen Roman mutmaßlich 2018 im Rahmen der natürlichen Handlungsfolge publizieren, wenn die TI-Serie an den nämlichen Punkt kommt, wo das sinnvoll ist, und das wird TI-Band 35 sein, wo es um die „Schatten-Shonta“ geht.

Das das jetzt wieder bedeutet? Ah, da muss ich euch doch noch um etwas Ge­duld bitten.

Ebenfalls im Februar 2007 erreichte ich in KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK), wo ich im vielteiligen HANKSTEYN-Zyklus steckte, den Band 52 „Sammler und Zerstörer“. An dem Zyklus selbst arbeitete ich schon seit 2003 und konnte mir wirklich nicht vorstellen, wie komplex und umfang­reich er werden sollte. Bis Anfang 2007 waren die ersten beiden Teile geschrie­ben (Nr. 47 und 48 der Serie), im Januar kam 49 dazu, „Aufmarsch des Lichts“. Mit 15 Seiten übersichtlich. Der Jubiläumsband 50 aber, „Unternehmen STURMHERZ“, erwies sich schon als doppelt so lang, entstand ebenfalls im Ja­nuar 2007. Dasselbe galt für Band 51 „Der neutrale Gesandte“, der schon 39 Seiten umfasste.

Und dann kam Band 52…, mit 36 Seiten ebenfalls erstaunlich lang. Ich steckte im sechsten Teil des Zyklus und dachte: Verdammt, der nächste Band trägt den Titel „HANKSTEYN“ und muss jetzt jede Menge Handlungsströme in sich verei­nen… das braucht Platz. Und es brauchte vor allen Dingen Zeit. Dass diese „Epi­sode“ schließlich 95 (!) einzeilige Seiten bekommen sollte und damit deutlich länger als viele Annalen-Werke war, konnte ich allerdings ebenso wenig vorher­sehen wie die Tatsache, dass sich die 13 effektiven Arbeitstage schließlich bis zum 12. Mai 2008 verteilen würden. Aber genau so kam es.

Der HANKSTEYN-Zyklus ist nach wie vor nicht restlos vollendet, weil ich auf so vielen anderen Feldern vorwärtskommen musste. Ich stecke da mitten im hoch­komplexen Abschlussband und habe seit „HANKSTEYN“ rund 300 OSM-Werke verfasst. Damit gehört das HANKSTEYN-Projekt mit zu den umfangreichsten Epi­sodenprojekten, das ich je begonnen habe und zu den am meisten langwierigen noch dazu. Ich glaube dennoch, beizeiten wird es euch ein Vergnügen sein, das alles zu lesen… ich kann freilich noch keine Prognose geben, wann das wohl sein wird.

Kommen wir zurück zum Februar 2007. Woran arbeitete ich da noch und was bekam ich auf die Reihe?

Da war die Weiterarbeit an dem OSM-Roman „Quisiins letzter Fall“ (leider im­mer noch unvollendet). Außerdem begann ich am 11. Februar mit der Rettungs­abschrift des KONFLIKTS 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC)… heute würde ich sagen, das war etwas voreilig, aber das gehörte ebenfalls mit zu dem geplanten Veröffentlichungsprojekt, mit dem ich die potentiellen Leser in den KONFLIKT 12 und in die Grüne Galaxis Bytharg bringen wollte. Deshalb legte ich mich hier so ins Zeug mit der Abschrift und der Überarbeitung der Episoden.

Dass das keine vergebene Liebesmüh war, seht ihr in Bälde in den E-Books, denn der Plan ist nur um 10 Jahre verschoben worden, das Veröffentlichungs­medium hat sich geändert, der Plan selbst ist nach wie vor akut.

Gleichfalls im Februar fokussierte ich meine Kräfte auf die Überarbeitung des OSM-Romans „Der Feuersklave“, die am 18. Februar vollendet wurde. Und ganz am Ende des Monats, am 28. Februar, blühte noch – als Nebenhandlungsstrang zur geplanten Publikation von KONFLIKT 12 – eine Storyidee auf, nämlich „Eine Frage des Glaubens“. Ich bin zuversichtlich, dieses Fragment sogar in absehba­rer Zeit wieder aufnehmen und vollenden zu können, weil es inhaltlich absolut zur BdC-Serie passt. Lasst euch da mal überraschen…

Der März versank fast vollständig in dem eben genannten Serienveröffentli­chungsplan einerseits und Comicrezensionen andererseits. Außerdem entstand der OSM-Artikel „Eigentlich sind Vampire langweilige Wesen…“ – ihr kennt ihn inzwischen von seiner Veröffentlichung als Blogartikel 174 am 3. Juli 2016. Er entstand für eine BWA-Vampir-Sonderausgabe Nr. 283, die mir auch heute noch recht gelungen erscheint.

Einen Tag darauf schloss ich „Schluchtenkenners Entdeckung“ ab. Der Roman spielt thematisch deutlich nach Band 50 der TI-Serie, ich kann ihn euch also im Rahmen der Annalen aus begreiflichen Gründen noch nicht zugänglich machen. Es dauert aber nicht mehr unkalkulierbar lange, versprochen.

Woran schrieb ich außerdem noch im März 2007? Nun, beispielsweise an KON­FLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“ (HdH) und an dem Fragment „Sher­lock Holmes und der Tunguska-Fall“, an dem ich schon seit 2002 schrieb… aber ihr könnt euch das vorstellen: ein Crossover des OSM mit Sherlock Holmes er­fordert einiges an gründlicher Recherchearbeit, und dafür hatte ich den Kopf wirklich noch nicht… deshalb ist es bis heute ein Fragment geblieben.

Ich arbeitete an KONFLIKT 2 weiter, unter anderem an Episoden und dem Ro­man „Verderben auf Tuwihry“, bei dem ich den Romancharakter immer noch nicht erkannt hatte. Manchmal, Freunde, kann ich lange Tomaten auf den Au­gen haben, wenn es um Offensichtliches geht. Hier zeigte sich das mal wieder.

Auch „Jaleenas zweites Leben“, an dem ich gleichfalls hier vorankam, wurde noch als Story in ihrer Dimension unterschätzt… ja, und dann flammte ein furchtbares Stück Geschichte in mir auf, während ich an der Überarbeitung von KONFLIKT 12 saß. Jählings sprang mich eine grässliche Szene an, die in Band 86 der BdC-Serie fehlte, und zwar seit ziemlich genau sechzehn Realjahren. So schrieb ich prophylaktisch dieses Stück nieder und schuf eine digitale Episoden­hülse für BdC-Band 86: „Der Held von Pholyar“.

Der arme Kerl, der dort im Zentrum steht, tat mir schon im Februar 1991 herz­lich leid, als ich das niederschrieb, und dann wieder jetzt anno 2007. Heute ist es immer noch so. Er hat leider so überhaupt keine Chance gegen das Wesen, mit dem er es zu tun bekommt… einer leibhaftigen, mörderischen Dämonen­waffe von TOTAM namens Sardoon. Eine Kreatur, die fortan in den „Annalen der Ewigkeit“ unter dem Begriff „Täuscher von Pholyar“ berüchtigt sein wird. Ein Monster, wirklich. Anders kann man dieses Wesen nicht bezeichnen…

Ebenfalls im März 2007 entwickelte ich auch noch etwas, was ich als „Absolute OSM-Chronologie Ebene 12“ bezeichnete – eine Parallelarbeit zur potentiellen Publikation der BdC-Serie. Das wird mir in Bälde sehr zustatten kommen, wenn ich hieran weiterarbeite.

Ihr merkt – viele Projekte mögen sehr lange auf Eis liegen, viele Vorarbeiten scheinbar ins Nichts hineinführen… aber langfristig ergibt das meiste davon einen Sinn und ist dann äußerst nützlich.

Hm, da der Raum schon überraschend weit gefüllt ist – ich bin heute offenbar schwatzhafter, als ich dachte – , werde ich diese Rubrik für den Moment schlie­ßen und euch dann auf die nächste Ausgabe hiervon vertrösten. Ich werde mich dann, hoffentlich weniger wortreich, um den April 2007 kümmern.

In der kommenden Woche reisen wir im Rahmen der Reihe „Logbuch des Au­tors“ wieder in die Gefilde der Gegenwart meiner Schaffensenergie. Lasst euch überraschen, welche Welten und Völker wir dann besuchen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 110: Holmes und die Spionin

Posted Mai 2nd, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute stelle ich ein Werk vor, das ein paar Eintrübungen auf der sonstigen Emp­fehlung aufweist, aber das muss nicht bedeuten, dass es weniger lesenswert ist. Ich bin, was Holmes-Geschichten angeht, eben recht kritisch, und dann kommt es schon mal zu ein wenig grantelnden Bemerkungen. Ihr könnt sie, wenn ihr möchtet, gern ignorieren.

Eine Tatsache muss ich noch zur unten stehenden Rezension ergänzen, die mir, als ich sie schrieb, so nicht klar war. Es handelt sich tatsächlich, wie vage ange­deutet, um ein Buch, das nach einem Film geschrieben worden, nämlich „The Private Life of Sherlock Holmes“, den ich erst später sah und dabei sofort an die­ses Buch entsann. Es ist mir zwar nicht wirklich transparent, ob das Buch zuerst da war oder der Film, nehme aber an, dass die Hardwicks nach dem Drehbuch gearbeitet haben. Das würde viele Dinge, die ich moniere, erklären. Es ist si­cherlich eine interessante Erfahrung für euch, wenn ihr euch beide Werke an­tut, Film wie Roman, um danach zu urteilen, was von beidem gelungener ist.

Und wenn es euch angenehmer ist, blendet den problematischen zeithistori­schen Kontext aus. Weite Strecken des Romans funktionieren auch ohne ihn recht ordentlich. Unterhaltsame Lektüre ist das Werk in jedem Fall, auch wenn es recht eigenwillig strukturiert ist, wie ihr merken werdet, wenn ihr jetzt mit der Lektüre fortfahrt:

Holmes und die Spionin

(OT unbekannt, evtl. „Prisoner of the Devil“)

Von Michael & Mollie Hardwick

Sherlock Holmes Criminal Bibliothek 3

Blitz-Verlag 2006

144 Seiten, TB

ISBN3-89840-213-4

(Übersetzer unbekannt, nicht genannt)

Was kann es eigentlich Schöneres geben, als bei einem Event, auf dem man von Aberhunderten von Verlagen, Zehntausenden von Büchern und Tausenden von Bücherbegeisterten umgeben ist, in einer Wanderpause damit zu beginnen, ein Buch zu lesen? So erging es mir auf der Leipziger Buchmesse am 15. März 2014, und das Buch meiner Wahl war jenes, über das ich heute berichte. Es mag schon ein paar Tage älter sein, aber wir wissen ja: Sherlock Holmes ist ziemlich zeitlos, und gesetzt den Fall, das Werk ist einigermaßen ansprechend geschrie­ben und der bzw. die Verfasser fähig und kundig, ist das Lesevergnügen pro­grammiert und gewiss. So ging es mir hiermit ebenfalls, und dass ich es buch­stäblich in einem Zug am nämlichen Tag durchlas, spricht definitiv für das Buch. Doch worum geht es im Detail?

Die Geschichte spielt zunächst in der Gegenwart, d. h. im Jahre 1970, als der Roman erstmals erschien. Ein Reisender aus Kanada erscheint in London bei Mr. Havelock-Smith in einer nicht näher genannten Bank, von der er ange­schrieben worden ist. Sein Großvater, Dr. John Watson, M.D., habe hier eine Metallkassette in Aufbewahrung gegeben. Der Besucher, selbst Arzt, heißt auch Watson und ist der Enkel des alten Kompagnons des legendären Sherlock Hol­mes, und seine Blechkassette enthält neben einigen interessanten Accessoires auch einen Bericht, den Havelock-Smith – seines Zeichens Vorstandsmitglied der Londoner Sherlock Holmes Society – und Dr. Watson dann zu studieren be­ginnen.

Genau genommen handelt es sich wohl eher um drei Berichte, die im Roman ineinander gemengt werden. Im zweiten Kapitel (das erste behandelt die Rah­mengeschichte) lernt der unbedarfte Leser Holmes und Watson in ihrer Zeit kennen. Im Kapitel 3, eigentlich eine kleine, in sich abgerundete Geschichte, geht es um eine russische Ballerina und das Geheimnis von Holmes´ Stradivari. Erst im vierten Kapitel „Die schöne Unbekannte aus der Themse“ geht die ei­gentliche Romanhandlung los. Ungeduldige Geister lassen die Verfasser also gut fünfzig Seiten lang zappeln. Sei es drum, mich kümmerte es wenig.

Angeblich am 17. April 1888 – so wird dieser Fallbeginn von Dr. Watson entge­gen den üblichen Verfahrensweisen im Doyle-Kanon terminiert1 – wird von ei­nem Kutscher eine fast bewusstlose Frau aus der Themse gezogen, die eine Mit­teilung in der Hand hält, auf der klar „Baker Street 221b“ zu erkennen ist. Er liefert sie also lieber dort ab als beim nächsten Krankenhaus. Dr. Watson stellt schnell fest, dass die Frau offensichtlich Opfer eines Überfalls geworden ist und wohl ermordet werden sollte. Sie leidet nach einem Schlag auf den Kopf offen­sichtlich an Gedächtnisschwund.

Schließlich kristallisiert sich aber heraus, dass es sich wohl um die Belgierin Ga­brielle Valladon handelt. Sie ist auf der Suche nach ihrem Mann Emile, einem Bergbauingenieur, der zuletzt im Kongo gearbeitet hat, nach England gekom­men. Er ist spurlos verschwunden. Hier in London habe er für eine Firma na­mens JONAS gearbeitet, doch diese Firma erweist sich letztlich als inexistent. Und kurz darauf wird Gabrielle überfallen und in die Themse gestürzt.

Holmes bekundet Interesse an dem Fall und hat bald ein paar sehr disparat er­scheinende Fakten vorliegen: ein verlassenes Geschäft, in dem offensichtlich Kanarienvögel umgeschlagen werden; sechs verschwundene Liliputaner, die laut Holmes Anarchisten sind; das Ungeheuer von Loch Ness, an das er nicht glaubt; eine Gruppe Trappistenmönche, die Holmes, Watson und Gabrielle Val­ladon über den Weg laufen, als sie auf dem Weg nach Schottland sind… und dann ist da auch noch das Verdikt von Mycroft Holmes, Sherlocks Bruder, der ihn drängt, diesen Fall aufzugeben.

Wie der Leser sich vorstellen kann, ist letzteres natürlich eher noch ein Ansporn für den Detektiv aus der Baker Street, und so kommt es nicht nur zu einem un­freiwilligen Bad im Loch Ness, sondern schließlich auch zu einer königlichen Au­dienz und dazu, dass, wie Watson sich ausdrückt, „diese Geschichte so unrühm­lich ist, dass sie besser niemals veröffentlicht werde“.

Interessant bleibt sie gleichwohl, und wer neugierig geworden ist, sollte sie nachlesen.

Es sollte dennoch nicht unerwähnt bleiben, dass es ein paar Schwierigkeiten mit dem vorliegenden Werk gibt. Ich möchte nicht darüber urteilen, ob es sinn­voll ist, ein Lektorat auf Mallorca (!) damit zu betrauen, eine deutsche Überset­zung zu checken. Manche Fehler sind dem Lektorat jedenfalls durchgeschlüpft (vielleicht aber auch dann wieder während des Drucks in Polen (!) eingebaut worden). Sicherlich waren Kostengründe für solche Formen des Outsourcings verantwortlich. Aber es hätten doch wenigstens die Grundsätze gescheiter Zitation des Werkes selbst gewahrt werden können: Bei Übersetzungen aus dem Englischen, wie es hier zweifellos der Fall ist, hätte man den Originaltitel angeben müssen, ebenfalls der Sorgfalt halber wie bei jeder Übersetzung auch den Übersetzernamen. Möglicherweise verbirgt er sich hier hinter dem Passus „Fachberatung“, und der Übersetzer heißt Klaus-Peter Walter. Aber das kann man als Rezensent allenfalls ahnen. Ein Verlag sollte das schon explizit schreiben.

Inhaltlich ist zu betonen, dass es bei den Liliputanern einen seltsamen Wider­spruch gibt zwischen Holmes´ Einstufung als Anarchisten und ihrer späteren Rolle im Roman. Das passt nicht wirklich zusammen. Auch die Person der Gabri­elle Valladon wirkt, so verführerisch sie sein mag, doch etwas unglaubwürdig, wenigstens aus der Rückschau betrachtet. Ebenfalls erweist sich die klare Ter­minierung der Geschichte als strikter Fehler.

Warum dies? Nun, weil es letztlich um Politik geht. Und darin spielen Queen Victoria und der deutsche Thronfolger Wilhelm II. eine zentrale Rolle. Dummer­weise besteigt Wilhelm II. erst am 15. Juni 1888 den deutschen Thron, und sei­ne Machtambitionen kristallisieren sich frühestens in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts heraus, bis sie schließlich 1914 den Ersten Weltkrieg initiieren. Das, was hier also über Wilhelms Pläne suggeriert wird, kommt viel zu früh. Da hätte sich das Autorenpaar deutlich besser informieren können und den Ro­manzeitpunkt, wenn er denn überhaupt unbedingt genannt werden musste, besser ins Jahr 1890 verlegt.

Und so hübsch das auch ist, was in diesem Roman mit Holmes und seiner rät­selhaften Beziehung zum „schönen Geschlecht“ ausgebreitet wird (Watsons Entsetzen ist süß, muss ich gestehen), so gekünstelt wirkt das leider auch. Die­selbe Angestrengtheit merkt man auch im Kapitel 2 „Eine rasende Dampfma­schine“, wo Holmes, Watson zuliebe, könnte man meinen, einfach alle Register seiner persönlichen Marotten zieht. Das hätte man deutlich liebevoller einflech­ten können, hier wirkt ein wenig der Holzhammer für jene Leute, die Holmes und seine Welt schon kennen. Aber gehen wir mal davon aus, dass er für die amerikanischen Leser schrieb, die Sherlock Holmes allenfalls aus den Verfilmun­gen kannten, und vielleicht hat er ja deshalb so überzogen. Wahrscheinlich ist die Geschichte auch deshalb so vergleichsweise leicht durchschaubar. Was sie in Schottland finden, kann kluge Leser wirklich nicht sehr lange überraschen.

Es bleibt aber dennoch, bei allen inhaltlichen Abstrichen, ein durchaus vergnüg­liches Abenteuer, das die Lektüre lohnt.

© 2014 by Uwe Lammers

Soviel also für heute zu dem jüngsten rezensierten Werk aus dem Kanon der Holmes-Epigonen. Da ich kürzlich erst wieder zwei Holmsiana erwarb, könnt ihr sicher sein, dass ihr von unserem berühmten Detektiv an dieser Stelle noch recht oft hören werdet.

In der kommenden Woche machen wir uns auf die Suche nach einem legen­dären Schatz – und ihr kennt mich inzwischen gut genug, dass ich solche Ge­schichten mit Begeisterung lese. Schatzsuche war schon als Kind für mich span­nend, und das hat seinen Reiz nicht eingebüßt. Und mal ehrlich – wer hat sich nicht immer schon gefragt, wohin die Schätze der Inka verschwunden sein könnten?

Nächste Woche bekommt ihr eine potentielle Aufklärung. Ich denke, das solltet ihr euch nicht entgehen lassen!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Wie jeder Holmes-Kenner weiß, werden die Fälle dort nicht zeitlich einsortiert, sondern „Watson“ alias Doyle hält sich vage, um die genaue Zuordnung zu Personen der Zeitge­schichte und tagespolitischen Ereignissen zu verwischen. Viele Epigonen haben dieses Prinzip nicht begriffen, auch die Hardwicks nicht.

Maiblog 2017

Posted Mai 1st, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde meiner E-Books,

tja, und da war er dann wieder, der Tag der Arbeit, und das beziehe ich natür­lich ausdrücklich auf meine kreative Aktivität im Bereich meines E-Book-Pro­gramms, das nun schon in das unglaubliche vierte Jahr gelangt ist. Genau ge­nommen sind wir seit Anfang April bereits im fünften begonnenen Jahr ange­langt. Vielen Dank erst einmal an dieser Stelle für euer reges Interesse an mei­nen Geschichten, das mir dabei sehr hilft.

Ihr wisst inzwischen natürlich längst, dass vieles von meinen vor einem Jahr verkündeten vollmundigen Plänen nicht so umgesetzt werden konnte, wie ich mir das gewünscht hätte. Die Gründe dafür sind vielfältig, und ich werde gewiss nicht anfangen zu klagen… vielmehr möchte ich eurerseits um ein wenig Ver­ständnis bitten. Ich bin zurzeit – und noch einige Monate lang – sehr intensiv mit anderen Pflichten betraut, die ich zu erfüllen habe, und das Schreiben rutschte dabei auf der Aktivitätsskala bedauerlich weit zurück. Insbesondere galt das für die Weiterarbeit an meinen E-Books.

Zwar habe ich – und Leser des Internet-Newsletters ESPost des Perry Rhodan-Stammtisches München wissen das längst – zwei weitere E-Book-Texte fertig gestellt, nämlich die Skripte für die beiden Teile „Aus den Annalen der Ewigkeit 6: Mein Freund, der Totenkopf“, doch sind diese Werke einfach noch nicht an der Reihe. Sie verharren darum in der Vorbereitungsschleife, bis ich die Bände 29 und 30 der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) vollendet habe. Mir ist klar, dass ich diese Geschichten, „Die Nomaden von Twennar“ und „Das Kriegernest“ schon im Herbst 2016 veröffentlichen wollte. Das hat nicht funk­tioniert. Ich schätze, es könnte Spätsommer 2017 werden, bis sie fertig gestellt, konvertiert und veröffentlicht werden. Danach aber gedenke ich durchaus, mit meinen Publikationen wieder forciert weiterzumachen.

Der Horizont meiner Beschäftigung an der Technischen Universität Braun­schweig nähert sich allmählich leider – das ist bei befristeten Pro­jektverträgen nun mal der Lauf der Dinge, und jeder Akademiker, der mit seiner Ausbildung jetzt oder vor ein paar Jahren fertig geworden ist, kann ein Lied davon singen… ich werde mich dann wieder nach neuer Beschäftigung um­schauen müssen.

Auf der einen Seite.

Auf der anderen Seite sollte es dann möglich sein, die seit Monaten anhaltende krasse Schieflage meiner seelischen Balance auszugleichen. Ich habe schon ver­schiedentlich angedeutet, dass es notwendig ist, wenn neben der Brotarbeit auch mein kreativer Pol aktiv ist. Ist dies nicht der Fall, sondern bin ich durch nicht-phantastische Tätigkeit, Erschöpfung, Lektüre oder andere Ablenkungen ausgelaugt und weitgehend brachliegend, dann geht es mir einfach nicht gut.

Also: Nachdem ich mit TI 28 „Die Sternenbaustelle“ im Dezember 2016 das E-Book-Programm stoppen musste, habt ihr im Wesentlichen allein über meine regelmäßigen Blogartikel auf der Webseite www.oki-stanwer.de von mir ge­hört. Woche für Woche weitere Einblicke am Sonntag in mein kreatives Haupt­werk, den Oki Stanwer Mythos (OSM) bzw. in alles Weitere an Aktivitäten rund um mein Schreiben. Und Woche für Woche mittwochs stellte ich euch weiter­hin ein Buch vor. Das im Voraus zu schreiben, war glücklicherweise ein recht überschaubarer Arbeitsaufwand. Insbesondere die Rezensionen sind ja – in der Regel jedenfalls – bereits seit Jahren fertig.

Der Wochen-Blog hat zwischenzeitlich die Nummer 216 erreicht, wobei das Jahr 2017 mit dem alten OSM-Hintergrundartikel „Was wäre, wenn der OSM das Rätsel der ‚dunklen Materie‘ lösen hülfe?“ begonnen hat. Und es ging ja gleich interessant weiter, weil zwei neue Blogartikelrubriken gestartet wurden – ein­mal „Der OSM in Gedichtform“ (Nr. 201ff.) und „Legendäre Schauplätze“ (Nr. 203ff.). Beides sind lange gehegte Wünsche von mir, die nun endlich sukzessive in Erfüllung gehen. Und da es nicht viele Gedichte des OSM gibt, ist die Anzahl von Artikel der ersten Rubrik vergleichsweise überschaubar – ein wenig wie bei „Der OSM im Bild“ in den zurückliegenden Jahren. Lasst euch mal überraschen, was da wohl noch an interessanten Blogartikel-Rubriken erscheinen wird. Mir schwebt beispielsweise eine Reihe über prominente OSM-Völker vor… ja, und ich ahne schon, dass ihr da ein paar heiße Kandidaten wissen würdet.

Beizeiten, Freunde, beizeiten.

Der Rezensions-Blog ist gegenwärtig ebenfalls schon weit vorangeschritten und hat die Ausgabe 109 erreicht, jedenfalls in diesem Moment, wo ich diese Zeilen schreibe. Mit der Ausgabe 100 konnte ich euch eine umfassende thematische Übersicht über die Genres und rezensierten Romane, Sachbücher und Kurzge­schichtensammlungen zukommen lassen, auf dass ihr die Orientierung in den vielen Textseiten meines Blogs nicht verliert. Für Neueinsteiger ist dieser Blog vom 22. Februar 2017 gewiss eine große Hilfe. Mangel an neuen Rezensionen besteht übrigens definitiv nicht, gerade in den vergangenen Monaten sind zahl­reiche neue entstanden, zwei weitere werden wohl morgen das Licht der Welt erblicken.

Mit Prognosen für das Erscheinen von E-Books sollte ich dagegen wirklich vor­sichtig sein und bin es auch. Ihr wisst, dass die TI-Bände 29 und 30 noch ausste­hen. Im Anschluss wird „Annalen 6“ in zwei Teilen erscheinen, danach startet mit „Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“ der KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Be­zwinger des Chaos“ (BdC). Einen kleinen Vorgeschmack darauf, worum es in die­ser Serie gehen wird, erhaltet ihr übrigens in dem Artikel „Der Oki Stanwer My­thos (OSM) – Phase 2: Start ins Herz des Chaos“, der in Bälde im Conbuch der 2. Perry Rhodan-Tage Osnabrück publiziert werden wird… inklusive dem Cover des eben erwähnten ersten Serienbandes. Ich bin durchaus zuversichtlich, dass ich die dazu gehörigen Texte bis Jahresende 2017 fertig stellen kann… ob sie al­lerdings alle noch in diesem Jahr erscheinen werden, nun… dafür möchte ich die Hand lieber nicht ins Feuer legen. Da bitte ich um Verständnis.

Weitergehende Pläne beschäftigen sich mit zwei Kurzgeschichtensammlungen. Eine ist fast fertig, aber da bin ich noch auf der Suche nach einem thematisch passenden Titelbild.

Ansonsten kann ich aber auch darauf hinweisen, dass ich aktuell einen 2010 be­endeten langen OSM-Roman im Rohtext in Etappen in einem Fanzine seit An­fang des Jahres veröffentliche – „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“ spielt in dem euch noch weitgehend unbekannten Kosmos des KONFLIKTS 21 des OSM, über den ich Genaueres in der aktuell nicht beendeten Serie „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“ (FvL) schreibe. Dort geht es zentral um die Epoche, als die LEGION, TOTAMS ungeheure Armee von lebenden Skelettkriegern, der Kontrolle entglitt und ein unglaubliches Eigenleben entwickelte. Einen kleinen Vorgeschmack konntet ihr schon in der Story „Heimweh“ lesen… aber das ist wirklich nur das zarte Präludium. In diesem aufkommenden Sturm spielt eine legendäre Gestalt eine zentrale Rolle – der Totenkopf-Prophet

Der genannte Roman erscheint seit Januar 2017 im Fanzine Baden-Württem­berg Aktuell (BWA) des Science Fiction-Clubs Baden-Württemberg (SFCBW), be­ginnend mit Ausgabe 400. Bislang sind elf Teile des Fortsetzungsromans fertig formatiert, es werden noch deutlich mehr. Hier kann der interessierte OSM-Le­ser eine Menge Hintergrundwissen über die bekannten und euch noch nicht be­kannten OSM-Universen in sich aufsaugen, von den Geheimnissen TOTAMS ein­mal ganz zu schweigen. Sehr zu empfehlen…

Was weitere Lesungen angeht, so sind für 2017 keine mehr geplant. 2018 dürf­te allerdings mindestens eine Lesung im Kulturpunkt West anstehen, dort wer­de ich mich jedoch auf Prosagedichte konzentrieren. Wen so etwas interessiert, der ist selbstverständlich, sobald der Termin klar eingeplant ist, gern als Zuhö­rer/in willkommen. Doch wird das kaum vor April 2018 der Fall sein. Ich gebe euch Bescheid, versprochen.

Im vergangenen Jahr sagte ich an dieser Stelle auch etwas zur Besucherfre­quenz meiner Webseite… das möchte ich diesmal gern auf den Silvesterblog verschieben, obwohl sich die Zahl der Zugriffe speziell im Monat April auf un­glaubliche Weise gesteigert hat und derzeit im fünfstelligen (!) Bereich liegt. Kein Witz!

Mit dem Stopp meiner aktuellen Publikation von E-Books auf www.amazon.de habe ich natürlich auch bei den anderen Distributoren-Portalen, www.beam-ebooks.de und www.xinxii.com, ruhen lassen, um hier kein Ungleichgewicht herzustellen. So gibt es bei Amazon 36 E-Books, auf Beam (wegen weitgehen­der Parallelpublikation von MOBI- und EPUB-Formaten) derzeit 50 E-Books, bei XinXii wurde bei Band 25 gestoppt. Für Neueinsteiger gibt es also eine ganze Menge zu entdecken, und ich freue mich über jeden Neuleser.

Nun, mögt ihr euch fragen, gibt es denn – abgesehen von den in meiner Blog-Rubrik „Work in Progress“ ständig zu entdeckenden kommentierten Abschriften alter OSM-Episoden – so gar keine NEUEN Geschichten, die ich schreibe? Oh doch, gelegentlich schießen solche Ideenblitze durch meinen Verstand, das ge­schah in den zurückliegenden Monaten zwei Male. Zum einen kondensierte eine kleine OSM-Vignette, die direkt an „Der Platz der Steine“ anschließt und die „Das Versteinerungs-Spiel“ heißt.

Was das bedeutet? Nun, das werdet ihr im Fanzine PARADISE 100 des Terrani­schen Clubs Eden (TCE) feststellen können, denn darin wird sie erstmals abge­druckt werden.

Eine weitere kleine OSM-Kurzgeschichte mit dem Titel „Das winzige Mysteri­um“ ist für 2018 zum Abdruck vorgesehen, aber hier verrate ich weder den In­halt noch den Abdruckort… beizeiten sage ich dazu mehr.

Ich hoffe außerdem, ein paar längere Geschichten fertigstellen zu können, so­bald ich mal wieder mehr Schreibzeit finde. Es ist gegenwärtig einfach frustrie­rend, wenn das Wochenende – und sei es auch ein verlängertes wie das jetzige um den 1. Mai – so geschwind vorbei ist. Das Entwickeln komplexer Plots braucht Zeit, Einlesezeit und dann Schreib- und Feilzeit… und dafür sind die meisten Wochenenden schlicht zu kurz.

Doch obwohl ihr jetzt wahrscheinlich einigermaßen enttäuscht dreinschaut und gehofft habt, ich würde wesentlich ambitioniertere Pläne enthüllen, so möchte ich euch auf den Maiblog 2018 vertrösten. Dort wird, da bin ich sehr zuversicht­lich, deutlich mehr an vollendeten und veröffentlichten Projekten verkündet werden können.

Soviel muss für den heutigen Tag genügen. Wir lesen uns wieder an dieser Stel­le in zwei Tagen, wenn der nächste Rezensions-Blog das Licht der Öffentlichkeit erblickt.

Habt vielen Dank für eure Aufmerksamkeit, empfehlt meine E-Books und die Homepage bitte weiter.

Bis demnächst, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

gestattet es mir, ein wenig wohlig zu gruseln, aus gegebenem Anlass… es ist für mich wirklich nur schwer zu glauben, dass ich euch hier schon zum 50. Mal einen monatlichen Kreativbericht vorlege… was schließlich bedeutet, dass ich das schon seit über vier Jahren mache. Es freut mich sehr, all die Zeit so kon­stant geblieben zu sein, und dass ihr dabei seid und dem langsamen, geduldi­gen Wachsen meines jüngsten kreativen Oeuvres zuschaut, das erfüllt mich auch mit Herzenswärme.

Ja, die Dinge könnten natürlich besser laufen. Bessere Verkaufszahlen, besseres Marketing, generell mehr Schreibzeit, um all die Projekte abzuschließen, die ich schon begonnen habe – es sind mehrere hundert, Freunde, das ist kein Witz – und einen Gutteil der alten Texte abzuschreiben und zu kommentieren. Sofern mein Berufsweg ab Herbst 2017 wieder ins Niemandsland hinausführt, werde ich vermutlich die entsprechende Zeit haben. Der finanzielle Atem wird hinge­gen wohl nicht sehr weit tragen, steht zu fürchten.

Aber was soll’s, das sind Sorgen des Moments, die ich auf diesem Blogeintrag munter zwei Monate in die Zukunft projiziere, denn eher werdet ihr das ja nicht zu lesen bekommen. Schauen wir uns lieber mal die zurückliegenden vier Wo­chen an. Was habe ich in diesem ersten Monat des neuen Jahres so alles bear­beitet?

Ich kam im Januar auf erfreuliche 23 fertig gestellte Werke, das ist schon einmal ein Positivum. Und es gab ein paar sehr schöne positive Überraschungen. Im Detail sah das so aus:

(18Neu 85: Der negative Lichtritter)

Blogartikel 212: Work in Progress, Part 49

(Mariannes Kursänderung – Archipel-Novelle)

(Glossar der Serie Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos)

DSf 57: Sklaven des SYNDIKATS (= OSM-Band 1800)

Erläuterung: Hiermit habe ich dann die jüngst schon mehrfach genannte kreati­ve „Schallmauer“ durchbrochen und den Weg frei gemacht für die kommenden 25 Episoden. Und das ist ein schöner, packender Band geworden, von dem ihr gewiss beizeiten noch mehr hören werdet.

(DSf 58: Ein Freund namens Jaal)

Erläuterung: Dies ist dann der direkte Folgeband, Band 3 der Trilogie. Zu scha­de, dass ihr so viele wichtige Personen des OSM noch nicht kennt… euch würde bei Jaal vermutlich ein eisiger Schauer den Rücken herunterlaufen.

18Neu 83: Der Schrei des Orakels

14Neu 39: Transmittermond der Plegg’re

(Neu-Babylon – OSM-Novelle)

Erläuterung: Ich glaube, diese Geschichte habe ich früher auch immer als Story angekündigt, aber ich bin ziemlich überzeugt davon, dass sie eher Novellencha­rakter bekommen wird, d.h. mindestens 80-100 Seiten Umfang. Vermutlich wird das sogar ein Roman. Nur wann ich den Text fertig stelle… das steht wirklich in den Sternen. Aber da alle handelnden Personen tot sind und dennoch leben, ja, es sogar die Redensart gibt „Je eher du verstehst, dass wir alle tot sind, desto später musst du sterben!“, hat es nicht wirklich große Eile damit, euch diese Ge­schichte zugänglich zu machen.

Vertraut meinem Urteil: Um diese Geschichte genießen zu können, braucht ihr noch sehr viel mehr Background-Input, nicht zuletzt aus den Kosmologie-Lektio­nen.

Blogartikel 213: Der OSM in Gedichtform (2)

(12Neu 39: Der Doppelzeit-Effekt)

Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee, Teil 7 – OSM-Roman für BWA-Abdruck

Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee, Teil 8 – OSM-Roman für BWA-Abdruck

(Brigitta – Archipel-Story)

(18Neu 86: Die Matrixfehler-Seuche)

(18Neu 90: Welt im Todesschlaf)

Erläuterung: Und noch immer wütet die Matrixfehler-Seuche auf der Erde, die sich inzwischen in eine chaotische, beinahe entvölkerte Welt verwandelt hat. Aber Oki Stanwer gibt nicht auf. Angeblich gibt es ein Mittel, das das absolute Verhängnis aufzuhalten vermag – das „Serum der Baumeister“. Sofern noch die Zeit bleibt, wenn man es findet, dieses auch anzuwenden. Denn die Zeichen mehren sich, dass die SIEBEN SIEGEL VON TOTAM erwachen, und dagegen ist eine neue Eiszeit wirklich ein laues Lüftchen…

(14Neu 40: „Oki Stanwer antwortet nicht!“)

Blogartikel 210: Legendäre Schauplätze 2: Bytharg

Erläuterung: Ja, auf diesen Blogartikel habe ich mich sehr gefreut, und als ich ihn schreiben konnte, umso mehr. Natürlich verrate ich darin nicht zu viel. Ihr sollt ja schließlich, wenn ihr KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ zu lesen beginnt, vielleicht irgendwann in diesem Jahr (so meine Hoffnung), auch noch ein gerüttelt Maß an Überraschungen erleben. Aber das hier ist eine schöne, prickelnde Einstimmung darauf.

(DM 68: Jenseits der Sterne)

Erläuterung: Wahrhaftig… am liebsten hätte ich die Episode gleich in einem Rutsch runtergeschrieben. Aber das ging leider nicht. Wen von euch das verwir­ren mag, der sollte sich in meine Lage versetzen und folgendes wissen:

Der KONFLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM) hat gegenwärtig mit dem letzten fertigen Band Episode 53 erreicht. Die Bände 54-61 existieren derzeit nur in Planung. Die Bände 62 und 63 sind fertig, well, und schon eine ganze Weile, aber danach sind die Episoden 64-67 auch noch nicht geschrieben. Und auf dem schwammigen Grund von zwölf nicht verfassten Episoden eine Geschichte zu realisieren, die wesentlich auf ihren Aussagen fußt, das ist mir dann doch zu wackelig. So, als wollte ich über das Wasser wandeln, ohne dass es zugefroren ist.

Nee, Freunde, nicht mit mir. So gern ich Sternenfeen und den Helfer des Lichts Moses Stairway auch mag – das ist mir zu heikel. Diese Episode wird noch ge­raume Zeit unter „ferner liefen“ unfertig herumstehen. Lässt sich nicht ändern.

(Shayas Bestimmung – Archipel-Story)

Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee, Teil 9 – OSM-Roman für BWA-Abdruck

(OSM-Wiki)

Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee, Teil 10 – OSM-Roman für BWA-Abdruck

Erläuterung: Wenn da jetzt jemand gerade denken sollte „Der Uwe plant ja ganz schön weit voraus für BWA…!“, so stimmt das. So langsam kann das mal gut sein damit. Aber es ist wahr, ich arbeite gern etwas voraus, ihr kennt das von meinen Blogartikeln her schon länger. Wenn absehbar ist, dass ich in der näheren Zukunft eher keine Zeit haben werde (und Februar/März sieht richtig übel aus), dann wäre ich doch ausgesprochen töricht, nicht Nägel mit Köpfen zu machen, solange ich das noch kann, gell?

(DER CLOGGATH-KONFLIKT – OSM-BUCH, Abschrift)

(E-Book 44: Die Kristalltränen)

(E-Book Annalen 06, Teil 1: Mein Freund, der Totenkopf)

(E-Book Annalen 06, Teil 1: Mein Freund, der Totenkopf)

Erläuterung: So, sage niemand, ich käme mit E-Book-Texten nicht voran. Ein we­nig gegen Monatsende war’s dann doch möglich. Leider war der Monat zu schnell vorüber…

IR 21: Geheimnisse der Baumeister

Erläuterung: Das war dann so ein Überraschungscoup vom letzten Wochenen­de. Ich war noch immer krank (Magen-Darm-Infekt, der mich übel ein paar Tage außer Gefecht gesetzt und auf die „Krankenstation“ geschickt hatte), und lang­sam ging es mir besser. Da entschloss ich mich, etwas längst Überfälliges zu machen… und siehe da, binnen von zwei Tagen war die Episode fertig, die ich 2011 (!) begonnen hatte.

Asche auf mein Haupt, was? Na, ich sagte doch, das kann vorkommen. Wenn der Bilderstrom versiegt, ist die Inspiration halt weg, und ich erzwinge nach Möglichkeit keine Fortführung, das geht meist in die Binsen.

Also wartete ich, bis der Bilderstrom wieder floss. Was kann ich dafür, dass das bei allen beruflichen und krankheitsbedingten Ablenkungen erst nach Jahren der Fall war? Entscheidend ist, dass es geklappt hat und damit der OSM-Band 1803 fertig gestellt werden konnte. Das war doch das Wichtigste überhaupt.

Nun, und damit war dann der Monat Januar 2017 herum. Lassen wir uns mal überraschen, wie der kommende ausschauen wird. Heute in einem Monat bin ich schlauer und gebe euch davon Kunde.

In der nächsten Woche kümmere ich mich wieder um die Reihe „Aus den Anna­len der Ewigkeit – alt und neu“ und führe euch zurück in das Frühjahr 2007. Und ich verspreche euch, vor zehn Jahren war eine Menge los in meinem Le­ben, das solltet ihr nicht einfach ohne Grund überspringen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 109: Die Werwölfin

Posted April 25th, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

was ich euch heute unter dem unscheinbaren obigen Titel wärmstens als Lese­empfehlung ans Herz lege, ist vermutlich ein Buch, das nahezu vollständig aus der allgemeinen Wahrnehmung entschwunden ist – wie ihr merken werdet, fin­de ich, dass das sehr ungerecht ist. Die amüsanten, beunruhigenden und haar­sträubenden Erzählungen des unten dargestellten Kurzgeschichtenbandes sind es wirklich wert, erinnert und wieder gelesen zu werden.

Wie ich auch zugebe, ist das Buch zwar in der alten Terra Fantasy-Reihe von Pa­bel erschienen, hat aber im strengen Sinne nicht wirklich mit Fantasy zu tun. Schwertschwingende Barbaren und archaischer Prunk ist hier nicht beheimatet, es gibt keine Questen zu schlagen, wohl aber wird man mit dem Ungeheuerli­chen und Vorzeitlichen konfrontiert… wobei jedoch der Humor definitiv nicht zu kurz kommt.

Schaut euch das am besten genauer an:

Die Werwölfin

Terra Fantasy Band 69

Herausgegeben von Terry Carr

Pabel Verlag, Januar 1980

160 Seiten, TB

Deutsch von Lore Straßl

Manchmal stößt man auf wahre Kleinode im Bücherregal und fragt sich nach­her, weshalb um alles in der Welt man sie nicht früher gelesen hat. So ging es mir mit diesem Band auch.

Sicher, mein Erklärungsversuch hatte Hand und Fuß: „Ich lese nicht viel Fantasy, und selbst wenn ich die TERRA FANTASY-Reihe einstmals komplett haben woll­te, so hieß das doch nicht, dass ich sie sofort vollständig lesen würde. DARUM stand dieses Buch da noch.“ Aber ein wenig schade war es dennoch.

Die Storysammlung, die Terry Carr als „New Worlds of Fantasy No. 3“ herausge­geben hat und die Lore Straßl ins Deutsche übersetzt hat, enthält 6 Geschich­ten:

Die Werwölfin, die Titelstory von Peter S. Beagle (bekannt von „The Last Uni­corn“) entführt uns nach New York und macht den Leser mit Farrell bekannt, ei­nem recht jungen Mann, dem gewissermaßen eine Werwölfin zuläuft. Sie heißt Lilo und ist eigentlich nur mäßig hübsch, aber offenkundig gut im Bett. Und Far­rell „hatte die erstaunliche Fähigkeit, die Dinge zu akzeptieren, wie sie waren“, anderenfalls hätte sich wohl schon zu Beginn das Drama ereignet. So kommt es erst später dazu, als Lilo nämlich vergisst, ihre Tabletten zu nehmen und Farrell sie durchs nächtliche New York verfolgen muss… Aber warum und was das für abstruse Züge annimmt, das sollte der sehr amüsierte Leser besser selbst erle­ben. Das ist so köstlich, dass man es kaum beschreiben kann.

Der ausgezeichnete Kurzgeschichtenschreiber R. A. Lafferty steuert mit Adam hatte drei Brüder eine bizarre Abwandlung der biblischen Geschichte bei, macht uns mit den „Wracks“ bekannt, einem eigenwilligen Menschenschlag, den wir unter zwielichtiges Gesindel einsortieren würden. Bei den „Wracks“ freilich ge­nießen die besten Halsabschneider und Betrüger einen legendären Ruf. Fragt sich nur, ob jeder, der betrügen kann, auch wirklich einer ist…

Langzahn von Edgar Pangborn macht fast ein Drittel des ganzen Buches aus, dennoch kann man die Story in einem Rutsch durchlesen, so packend ist sie ge­schrieben. Man nehme einen Mittfünfziger als Protagonisten, dessen etwa gleichaltrigen einstigen Schulkameraden und seine dreißig Jahre jüngere Frau, die auf einem abgeschiedenen Bauernhof an der Grenze zu Kanada leben. Es ist Winter, der Wagen des Protagonisten Ben Dane bleibt liegen, und er kann sich mit Mühe und Not durch den beginnenden Blizzard zum Hof seines Freundes durchkämpfen.

Hier macht er seltsame Entdeckungen: die junge Frau Leda hat Angst. Der alte Harp spielt ständig mit seinen Waffen. Der Hühnerstall ist bis oben hin (4 Me­ter Höhe!) mit starken Brettern verschalt. Die Haustür weist innen schwere Rie­gel auf, die der stärkste Sturm nicht aufbrechen könnte. Und dann erzählt Harp von dem rätselhaften Wesen, das stets bei Sturm aus dem Wald kommt und seine Tiere reißt.

Auch bei diesem Sturm kommt es wieder. Nur hat es diesmal eine besondere Beute vor Augen…

Lovecraft hätte sich über eine solche Story wirklich gefreut. Auch beim zweiten Lesen – ich hatte sie schon einmal in der alten Goldmann-Sammlung „Gute Nachbarn und andere Unbekannte“ gelesen – ist der Gruseleffekt noch vorhan­den.

Als Fritz Leiber Der Innere Kreis schrieb, war er offenbar auf dem Trip. So we­nigstens kam es mir vor. Familie Adler, angeführt von Gottfried Adler, kurz GOTT genannt, macht es sich nach dem Essen im Wohnzimmer gemütlich. Der kleine Junge spielt Raumfahrer und klinkt sich völlig aus der Wirklichkeit aus, die Mut­ter malt naturalistische Bilder, derweil GOTT fantasiert, auf dem leeren Sofa tauchten nacheinander verschiedenartigste Wesen auf, unter anderem eines, das ihn als Mitglied des weltbeherrschenden Inneren Kreises werben will…

Strange stuff.

Ausgerechnet in einem Schachmagazin (!) hat Terry Carr Victor Contoskis Ge­schichte Von Gooms Gambit ausgegraben. Auch wer sich mit Schach nicht aus­kennen sollte – wie ich – wird von der Story gefesselt sein, nehme ich an.

Gleich ganz zu Beginn erklärt Contoski entwaffnend: „Sie werden von Gooms Gambit in keinem der Bücher und Anleitungen über Schacheröffnungen finden.“ Das hat seine guten Gründe. Nicht mal von Goom ist sein wahrer Name, son­dern nur ein Pseudonym. Die Geschichte fängt eigentlich am 5. April 1997 an, als von Goom, der Mann ohne Vornamen, seine Liebe fürs Schachspielen ent­deckt. Eine erfolglose Liebe, wie es scheint, denn jahrelang verliert er wirklich gegen jeden Spieler. Auf allen Tournieren, die er besucht. Schließlich macht man sich bereits lustig über ihn und sieht in dem steinreichen, schrulligen von Goom einen irren Sonderling. Dann aber entwickelt er in endlosen, durchwach­ten und durchgespielten Nächten am Schachbrett eine tödliche Eröffnung für das Schachspiel: von Gooms Gambit. Und das Unheil bricht über die Mensch­heit herein…

Wie das geschieht und was für Effekte dieses Gambit bei seinen Gegenspielern zeitigt, das muss man gelesen haben. Es ist wirklich fast unbeschreiblich.

Den Schluss dieser Sammlung markiert Zenna Henderson mit ihrer kurzweiligen Geschichte Aus den Augenwinkeln, in der eine einfache, ältliche Hausfrau plötz­lich an sich eine erschreckende Gabe entdeckt, die sie zunächst auf ihre Bril­lengläser und dann auf ihren Geisteszustand zurückführt: wenn sie seitlich an den Gläsern vorbeischielt, aus den Augenwinkeln blickt, kann sie neben der normalen Umgebung noch eine andere sehen. Beispielsweise einen Kolonialwa­renladen, der vor Jahrzehnten abgerissen wurde. Oder Menschen, die schon lange tot sind. Und mit der Zeit beginnt sie sogar andere Eindrücke wahrzuneh­men: die Sonne der damaligen Zeit, Gerüche, Geräusche, Gespräche. Und sie scheint immer weiter in diese verschiedenen Zeiten zurückzugleiten, wobei sie irgendwie auf ein Mädchen namens Gayla geeicht zu sein scheint…

Wie schon gesagt, dieser Band enthält eine Reihe von Geschichten, die es rät­selhaft erscheinen lassen, warum ich ihn nicht viel früher las. Besonders ange­tan war ich von Victor Contoski, Peter S. Beagle und Pangborns Story. Mit „Fan­tasy“ hat die Sammlung indes im klassischen Sinne nicht allzu viel zu tun, eher mit allgemeiner Phantastik aus dem Grenzbereich zur Weird Fiction, wobei aber auch der schelmische Humor nicht zu kurz kommt. Es lohnt sich sehr, den Band antiquarisch wiederzuentdecken.

© 2002 by Uwe Lammers

Soweit zu meiner Leseempfehlung, die ich bereits vor fünfzehn Jahren aus­sprach, zu der ich aber nach wie vor stehe. Sonst hätte ich diese Rezension nicht für den Rezensions-Blog ausgewählt. Und ja, zugegeben, als ich diese Rezi vor­hin neu las, da überlegte ich schon, ob ich sie nicht wieder herauskramen sollte, um die eine oder andere Geschichte noch einmal zu lesen.

Eine gute Einstellung, wie ich finde. Vielleicht macht ihr sie euch zu eigen, wenn ihr das Buch mal gelesen und noch im Regal stehen haben solltet. Falls dies nicht der Fall ist, solltet ihr es auf eure antiquarische Suchliste setzen.

Im Rezensions-Blog der kommenden Woche wechseln wir einmal mehr das Genre und pirschen uns in die nebligen Gefilde des Englands des 19. Jahrhun­derts. Und dann ist da der Mann mit der legendären Deerstalker-Mütze und der Pfeife… ich brauche vermutlich gar nicht mehr zu sagen für die Eingeweihten.

Ja, es ist wieder Sherlock Holmes-Zeit in meinem Blog. Nächste Woche an die­ser Stelle.

Nicht verpassen!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 216: Legendäre Schauplätze 3: Channodin

Posted April 23rd, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute suchen wir mal einen Ort des Oki Stanwer Mythos auf, den ihr erst in rela­tiv ferner Zukunft zu sehen bekommen werdet – dennoch kann ich die Frage gleich beantworten, warum ich euch denn wohl unter diesen Umständen jetzt schon an diesen Schauplatz führe. Das hat etwas damit zu tun, wer dort lebt. Ihr werdet das gleich näher verstehen, wenn ich ein Stück aus der Eingangsepisode, in der dieser Schauplatz in Erscheinung tritt, hierhin kopiert habe. Werft einen näheren Blick hierhin:

Vaad zuckte mit dem gellenden Aufschrei wieder hoch und saß senkrecht in seinem brei­ten, runden Bett. Schweiß perlte am ganzen Körper herab.

Er fühlte Faajids sanfte Hände, die seinen Nacken massierten. Langsam merkte er, wie sich die Spannung milderte.

„Der alte Alptraum?“, fragte sie mitfühlend.

„Ja“, murmelte er, entzog sich ihr und rollte sich aus dem Bett. Er zog sich den Amtsman­tel über und schnürte die silberne Schnur zu. Ruhelos marschierte er über den Lebenden Tep­pich, der ihn nicht zu beruhigen vermochte. „Wieder. Und diesmal war es der Feuersturm!“

„Du musst dir nicht so viele Gedanken machen!“, meinte seine Gefährtin. Sie setzte sich auf den Rand des Bettes und schob sich lasziv zurück, so dass er die dunkle Mulde zwischen den Schenkeln sehen konnte.

Diesmal allerdings hatte diese Geste nicht die gewünschte Wirkung.

Vaad seufzte. „Lass es gut sein, Faajid. Heute bringt das nichts. Selbst wenn du wirklich noch wolltest. Du hast gestern Abend schon genug davon gehabt.“

Schmollend zog sich das schwarzhaarige Mädchen, das mit acht Jahren gerade erwachsen geworden war, in das weiche Bett zurück und zog sich aus der geheizten Schale auf ihrer Sei­te den Tuchsymbionten hervor und schob ihn zwischen die Beine. Da das Wesen Wärme such­te, kam es gleich zu der Stelle, die Faajid dafür vorgesehen hatte.

Während sie sich aufseufzend ihrer Lust überließ, ging Vaad, der Erste Diener des Staates, zum elliptischen Fenster und sah über die Brüstung hinaus auf die mit weichem, grünem Fluo­reszenzlicht erhellte Stadt Channodin hinab. Der mächtige Höhlendom, den ihre Ahnen er­schlossen hatten, war weitgehend gefüllt mit den Pilzgärten, den weit gestreckten Arbeiter­quartieren mit den flachen Dächern und den überall angesetzten Fluoreszenzbetten, die auch neben den öffentlichen Verkehrsadern entlangliefen, neben den Magnetbahnen und den hohen, grauen Fabrikkomplexen, die im hintersten Winkel der Stadt lagen.

In der gewaltigen, vielfach gewundenen und verwinkelten Höhle der Elf Seitengänge, in der die Stadt Channodin lag, hatten sie viel geschaffen.

Stolz blickte er auf die großen Teiche hinab, in denen die Olmzuchten lagen, er widmete einen kurzen Blick dem hohen Eingang, der bestimmt hundertfünfzig Meter hoch war, hinter dem er das Tiefenkraftwerk wusste. Dort wurde aus vulkanischen Gasen, heißem Dampf und der Tiefenwärme Energie für das Beheizen der Pilzgärten und der Schimmelkolonien gewon­nen, die die Beleuchtungsenergien sicherstellten.

Sein letzter langer Blick galt dem schwarzen Portal in der Felswand direkt gegenüber dem Residentenpalast, achtzehn Kilometer in der Luftlinie entfernt. Dort brannten einzig die Ewi­gen Feuer in den Gasschüsseln, beiderseitig neben dem hohen dreieckigen Portal, das mit der Spitze im Boden versenkt war.

Das Tor war der Eingang zum Heiligen Tempel der Weissagung. Die Priester der Wahr­heitsreligion waren die einzigen, die imstande waren, Träume richtig zu interpretieren. Dass es dabei auch Schwierigkeiten gab, war verständlich, denn sie hatten einstmals erklärt, als ei­nige bedeutende Träume falsch ausgelegt worden waren, die Träume seien so ein weites Feld wie eine nicht aufgeklärte Schlachtordnung des Feindes. Da es viele Wege zum Ziel und zum Sieg gab, konnten sie nicht alleine für sich den einzig selig machenden beanspruchen.

Auch die Götter der Wahrheit hatten da unterschiedliche Auffassungen vom Ziel der Weis­heit und Wahrheit selbst. Wenn sie, die Priester, sich anmaßten, zu wissen, was stimmte, dann wäre das Hybris und gotteslästernd. So war eben die Wahrsagerei ein schwieriges Geschäft, die Traumdeuterei desselben, und wenn auch die Priester eher imstande waren, die Nebel des Nichtwissens zu durchstoßen, als es die Nichtkundigen waren, so war es doch keineswegs sicher, dass sie hundertprozentig trafen.

Das hatte auch Vaad eingeleuchtet.

Der Erste Diener des Staates, den er mitgeformt hatte, nachdem er vor vier Monaten gene­sen und wieder in Amt und Würden eingeführt worden war, seufzte, als er hinter sich Faajid hell aufstöhnen hörte. Der Symbiont war wohl wieder froh, wenn er Körperflüssigkeit trinken konnte…

Wir befinden uns hier in einer unterirdischen Wunderwelt, und Channodin, um das es in diesem Beitrag gehen soll, ist das Zentrum der Aufmerksamkeit. Die obige Szene stammt aus dem Jahre 1994 und aus dem KONFLIKT 24 des Oki Stanwer Mythos, der Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“, genauer gesagt aus Episode 6 „Die Vernichtungsfelder“.

Die Bewohner von Channodin, dieser wunderbaren unterirdischen Metropole, in der archaische Technologie neben vergleichsweise hoch entwickelter Technik besteht – und man achte bitte auch ganz explizit auf die Form des Tempelpor­tals! – , sind von der Statur her kleine Humanoide. Wir würden sie auf den er­sten Blick als zwergenhaft betrachten. Seltsame Wesen mit großen Köpfen und einer fast lackschwarzen Haut.

Das kommt euch bekannt und vertraut vor? Herzlich willkommen beim nächsten Crossover des OSM – natürlich kennt ihr die Urahnen dieser Wesen. Die Urah­nen hörten auf den Volksnamen Shonta, und sie sind euch in KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) über den Weg gelaufen, wenn ihr zu den regelmäßigen Lesern dieser Serie gehört.

In KONFLIKT 24 hat ein Splittervolk der Shonta, das ihr beizeiten unter ihrem neuen Artnamen Mörder noch näher kennen lernen werdet, die tiefen Kavernen einer Welt besiedelt, die sich durch starken Vulkanismus auszeichnet und durch eine permanente Belagerungssituation. Channodin, eine große Metropole mit enormer militärischer Macht, steht in starker Konkurrenz zu zahlreichen be­nachbarten unterirdischen Stadtstaaten, und in Channodin hat der Erste Diener des Staates, ein Feldherr namens Vaad, vor relativ kurzer Zeit die Macht an sich gerissen und ist auf Expansionskurs.

So weit, so gut.

Doch dann taucht bei einer Erweiterung Channodins ein rätselhaftes Phänomen auf – ein blaues Ellipsoid, das offensichtlich aus reiner Energie besteht und einen mysteriösen Tunnel mitten im Fels hinterlässt… Vaad, der eine feindliche neue Waffe wittert, schickt eine Expedition in diesen Tunnel hinein und will die­ses Phänomen genauer erforschen lassen.

Wohin das alles noch führt, würde an dieser Stelle zu weit gehen, wollte ich das explizit schildern. Ich deute nur an, dass diese so genannten „Vernichtungsfel­der“ ein fatales Verhängnis über die gesamte unterirdische Welt der Mörder bringen. Und dass das alles etwas mit einer unbegreiflichen Spezies zu tun hat, die man bald als Transversalisten bezeichnen wird.

Channodin jedoch ist ein Schauplatz, auf den ich beizeiten gern zurückkehren möchte, um ihn etwas genauer zu examinieren. Es ist mir bewusst, dass hier noch enormer Beschreibungsbedarf existiert, selbst wenn ich erst 1994 diese Welt entdeckte und beschrieb. Das liegt nun auch schon über 20 Jahre zurück, man glaubt es wirklich kaum.

Ein wenig erinnert diese unterirdische Welt zweifellos an Jules Verne… mit dem Unterschied, dass er sie sicherlich nicht mit schwarzen Zwergenwesen bevölkert hätte oder mit Lebenden Teppichen oder Tuchsymbionten, die Körperflüssigkei­ten aufsaugen und Frauen dadurch munter zum Orgasmus bringen… in gewisser Weise ist Channodin eine Welt direkter, vulkanischer Emotionen. Dann aber gibt es auch wieder diese Wahrheitsreligion mit ihren spirituellen Orakelfunktionen, die ein mystisch-animistisches Element einfügen.

Generell koexistieren in der Stadt Channodin, in der mehrere tausend Mörder in einem strikten Kastensystem leben und arbeiten, sowohl Elemente des technolo­gischen Fortschritts wie des rigiden religiösen Fundamentalismus´ nebeneinan­der. Die Mörder betrachten das durchaus nicht als Widerspruch, sondern sind sich dessen absolut bewusst und empfinden es als ganz normal.

Wie entsteht eine solche unterirdische Gemeinschaft wie Channodin? Das ist eine noch nicht geklärte Frage. Aber diese Entwicklung ist zu dem Zeitpunkt, zu dem Channodin besteht, bereits rund 25 Milliarden Handlungsjahre alt. Wie ich dazu komme, das so sicher und gewiss zu sagen? Nun, in KONFLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM), der eben entsprechend früher zeitlich gelagert ist, existiert auch schon eine unterirdische Kultur der Mörder in der Unterwelt des Planeten Dawson.

Im weiteren Verlauf des KONFLIKTS 24 wird allerdings noch ein weiterer Grund – neben der quasi überkosmischen historischen Entwicklung – genannt: Als in einer späteren Folge dieses Handlungsstrangs der Helfer des Lichts Colin Gablon auf die Heimatwelt der Mörder verschlagen wird, in deren Tiefen sich Channodin befindet, ergibt sich die wirklich bizarre Möglichkeit, im Wahrneh­mungsfokus eines Transversalisten mit zur Oberfläche des Planeten gebracht zu werden… und dies ist eine Erfahrung, die Colin fast umbringt.

Warum?

Weil nach seinen Wahrnehmungen die Oberfläche von der Strahlung der SIE­BEN SIEGEL VON TOTAM regelrecht geröstet wird. Nichts und niemand, was der regulären Evolution entstammt, vermag an der Oberfläche die ersten paar Sekunden zu überleben. Die Oberfläche des Planeten ist vollkommen lebens­feindlich.

Daraus resultieren natürlich weitere Fragen.

Eine führt in die Richtung, wie wohl die Mörder diese Welt besiedelt haben mö­gen… zweifellos nicht mit Hilfe von Raumschiffen. Sie wären tot gewesen, ehe sie auch nur die Oberfläche berührten. Wie aber dann?

Eine weitere fragt nach dem Grund. Wenn diese Welt so lebensfeindlich ist, wie­so sind sie überhaupt dorthin gelangt? Durch Zufall? Wurden sie ausgesetzt? Sollten sie Kolonisten sein? Wächter?

Das sind tiefschürfende, aber allesamt noch unbeantwortete Fragen. Höchst­wahrscheinlich kann man im Tempel der Wahrheitsreligion von Channodin dazu mehr erfahren, doch bin ich soweit noch nicht vorgedrungen.

Was ich zwischendrin verfolgte, war auch weniger das Alltagsleben der Bürger Channodins, als vielmehr die ausgesandte Expedition in den Tunnel des Trans­versalenfeldes… so nennt man die „Vernichtungsfelder“ recht eigentlich. Beizei­ten habe ich fest vor, dorthin zurückzukehren, nach Channodin. Aber dies wird erst deutlich nach Band 50 der Serie geschehen. Und das bedeutet, frühestens im Jahre 2018 kann ich mich um diese Angelegenheit kümmern.

Dennoch spürt ihr schon an den obigen Zeilen – es gibt noch sehr viel zu Chan­nodin zu erforschen. Für den Moment habe ich euch diesen Handlungsschau­platz vorgestellt. Damit will ich es für den Augenblick bewenden lassen.

In der nächsten Woche erzähle ich euch, was ich im Monat Januar 2017 so alles schreiben konnte… ist nicht wirklich viel gewesen. Ihr seht Näheres am kom­menden Sonntag.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 108: Die schlafende Welt

Posted April 19th, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ja, ich gebe zu, ich habe ein Faible für Space Operas, für altmodische Invasions­geschichten, so sehr sie auch von den heutigen Naturwissenschaftlern gering­schätzig belächelt werden. Die Abgründe zwischen den Sternen, heißt es (ver­mutlich mit Recht, zumindest für die uns zur Verfügung stehende Technologie), seien so gigantisch, dass es absurd schiene, ein Volk mit hoch entwickelter Technik würde die Abgründe zwischen den Sonnensystemen zu überwinden im­stande sein und dann allein plumpe Eroberungsgelüste zur Schau stellen. Da wird dann gern von Xenophobie und ähnlich seltsamen Dingen gemurmelt.

Gleichwohl kann man nicht übersehen, dass die Science Fiction gerade auf die­sem Gebiet eine Vielfalt von Varianten hervorgebracht hat und durchaus inno­vativ ist. Natürlich gerät das manchmal zur gigantomanischen Groteske wie etwa in Filmen a la „Independence Day“. Aber es gibt auch charmante Invasi­onsgeschichten, so bizarr das auf den ersten Blick auch wirken mag. Und eine solche, die schon ihre glatten 50 Jahre auf dem Buckel hat, möchte ich euch heute als Lesetipp antiquarisch ans Herz legen.

Albern? So alte Geschichten seien allenfalls noch Staubfänger? Nun, Freunde, da seid ihr aber gründlich falsch gewickelt. Da habt ihr noch nichts von William Burkett jr. und seinen „Larrys“ gelesen. Das solltet ihr ändern, und einen kleinen Vorgeschmack darauf gibt es genau jetzt:

Die schlafende Welt

(OT: Sleeping Planet)

von William R. Burkett jr.

Terra-Taschenbuch 118

176 Seiten, 1966

Aus dem Amerikanischen von Thomas Schluck1

(antiquarisch)

Die Menschheit des Jahres 2432 befindet sich im Krieg mit einem uralten Ster­nenimperium, dem Reich der menschenähnlichen Llaralaner. 90 Parsek von der Erde entfernt erobern irdische Truppen llaralanische Welten, und längst werden die Fremden von den Terranern nur noch „Larrys“ genannt. Man sollte nun mei­nen, dies sei weit weg, aber leider ist dem nicht so – ständige Störangriffe robo­tischer „Larry“-Schiffe zwingen die irdische Bevölkerung regelmäßig in die Schutzunterkünfte. Und auf einmal beginnt der Alptraum, den aber nur wenige Personen wirklich miterleben.

Da ist beispielsweise Bradford Donovan, ein einstmaliger Jäger vom llaralani­schen Planeten Rißtair, der beide Beine verlor und seither wieder auf der Erde wohnen muss. Als er im Schutzbunker in London ist, wird er Zeuge davon, wie alle Männer, Frauen und Kinder rings um ihn her auf gespenstische Weise in Schlaf sinken. Sie sind durch nichts zu wecken. Als Donovan den Bunker ver­lässt, geht der Alptraum erst richtig los – denn vom Himmel schweben Legionen von Gleitscheiben mit schmalen, uniformierten Gestalten: Larrys! Obwohl er geistesgegenwärtig einige von ihnen töten kann, fällt Donovan ihnen dennoch in die Hände.

In Georgia fällt zeitgleich dem Anwalt Rierson, der sich hier zur Erholung auf der Jagd befindet, eine Reihe von seltsamen Vorkommnissen auf. Dazu zählen En­ten, die im Gewässer ertrinken (!), Wildhüter, die nicht auf Benachrichtigungen antworten und bewusstlose Menschen an einer Tankstelle – ganz zu schweigen von dem Raumschiff, das über dem Naturschutzgebiet plötzlich auftaucht. Als Rierson realisiert, dass die Erde Opfer einer „Larry“-Invasion geworden ist, wie auch immer das möglich sein soll, und dass das gesamte gesellschaftliche Leben auf dem Planeten paralysiert wurde, verbirgt er sich in der Großstadt Atlanta, seiner Heimatstadt. Und als „Gespenst von Atlanta“ beginnt er einen verzwei­felten 1-Mann-Kleinkrieg gegen die llaralanischen Invasoren.

Möglich wurde diese Attacke durch einen llaralanischen Verschwörer, der die Vorbereitungen getroffen und das Angriffssignal gegeben hat. Als Martak Sarno, der Oberbefehlshaber der llaralanischen Truppen die Erde erreicht, ist völlig klar, dass bis auf eine Handvoll Immuner – und ein „Gespenst“ – niemand mehr wach ist. Hastig gehen die Invasoren daran, die schlafende Bevölkerung Terras, der Venus und des Mars in ein Faustpfand zur Kapitulation der terranischen Truppen an der Front zu verwandeln.

Allerdings… gibt es Probleme. Sehr seltsame Probleme.

Während sich Martak Sarno und seine Männer noch mühen, herauszufinden, warum neun (oder zehn) Terraner immun waren gegen die eingesetzte Waffe, die immer funktioniert hat, beginnt der Gefangene Donovan auf einmal zu spin­nen. Er spricht in seiner Zelle mit einer nicht existenten Gestalt, die er „Großva­ter“ nennt, und im Verhör tritt er verstörend selbstsicher auf. Plötzlich nämlich sagt er: „Es tut mir leid um Sie. Wirklich, wirklich leid. Lassen Sie mich Ihnen und Ihrer Flotte mein tiefempfundenes Mitgefühl ausdrücken, ehe es dafür zu spät ist. Das Imperium wird Sie zweifellos posthum mit den höchsten Ehren beden­ken…“

Grund für seine Zuversicht, erläutert er seinen völlig perplexen Gegnern, sei die Tatsache, dass die Llaralaner alle Menschen schlafen gelegt hätten, um so den Weg frei zu machen für jene Milliarden und Abermilliarden von Toten, die einst vor der gegenwärtigen Menschheit auf der Welt gelebt hätten. Und die Toten können weder noch einmal getötet werden, noch würden sie so etwas wie Fein­fühligkeit kennen – deshalb seien alle Invasoren des Todes, das habe ihm sein Großvater erklärt (dessen Stimme die Llaralaner natürlich nicht hören könnten, weil sie mit ihm nicht verwandt seien).

Die Invasoren glauben diesen Nonsens natürlich nicht… wenigstens nicht die Führung. Die Soldaten indes, oft einfache Bauernsöhne der llaralanischen Pro­vinz, in denen der Ahnenkult nach wie vor stark sei, sind zutiefst abergläubisch. Dennoch ließe sich damit umgehen. Wenn da nicht auf einmal jemand wäre, der sich weder fassen noch töten lässt und sich zudem noch „Großvater“ nennt – und unbarmherzig Jagd auf die Invasoren macht…

Manchmal macht man wirklich überraschende Entdeckungen in dem eigenen Bücherregal, so ging es mir zu Heiligabend 2007, als ich dieses schon 1990 ge­kaufte Buch endlich wiederfand und zu lesen begann. Binnen zwei Tagen war es verschlungen, und das wahrhaftig zu Recht. Der Leser hat mit diesem Werk ein altes Buch der Terra-Taschenbuch-Reihe vor sich, das die Lektüre ernsthaft lohnt, umso mehr, als es sich eben nicht um eine der damals durchaus typischen Hau drauf-Geschichten handelt.

Subtil und psychologisch raffiniert entwickelt Burkett vor der Hintergrundfolie eines (typischen) kosmischen Krieges die Geschichte eines „Dolchstoßes“ in den Rücken durch ein gewagtes Angriffsmanöver und, damit einhergehend, den Wi­derstandskampf einer kleinen Gruppe Verzweifelter, die versucht, das Blatt zu wenden, obwohl es unmöglich scheint. Zu Hilfe kommen den Immunen dabei, und das ist das eigentlich Interessante, religiöse Aspekte der feindlichen Gesell­schaft.

Die Vorstellung zutiefst abergläubischer Wesen, die in einem Krieg normaler­weise ihren Mann stehen, im Falle irrationaler, nicht begreifbarer Geschehnisse schnell Opfer ihrer abergläubischen Grundüberzeugung werden können, hat Burkett aus dem Pazifikkrieg, wo es im Kampf gegen Japan ähnliche Vorfälle ge­geben haben soll. Es ist also realistisch, anzunehmen, dass Burkett im Zweiten Weltkrieg dort gekämpft hat (oder in Korea). So sind seine „Larrys“ sehr deut­lich an die Japaner angelehnt.

Die Grundprämissen des Buches sind indes höchst fragwürdig: weder erscheint es sonderlich realistisch, dass Robotkampfschiffe die irdische Atmosphäre durchfliegen können, während der normale Raumverkehr im Sonnensystem un­behindert ist – hier greift Burkett auf die Luftalarmstimmung des Zweiten Welt­kriegs in Europa zurück – , noch hört es sich glaubwürdig an, dass man die At­mosphäre ganzer Planeten mit einem betäubenden Stoff füllen kann (der Über­setzer ist sich hier offensichtlich nicht ganz im Klaren, was er wählen soll, mal redet er von „Staub“, dann wieder von „Gas“). Damit würde man allerdings fol­gerichtig dem gesamten Buch seine Grundlage entziehen.

Wenn man diesen Gedanken jedoch stillschweigend ad acta legt, dann hat man einen faszinierenden Abenteuerroman vor sich mit lebendigen Charakteren und einem wirklich „typisch“ amerikanischen Ende. Wie das aussieht? Lasst euch überraschen. Ich denke, die Lektüre lohnt sich.

© 2007 by Uwe Lammers

Obwohl diese Rezension auch schon zehn Jahre auf dem Buckel hat, wissen so­wohl das Buch als auch die Rezi selbst nach wie vor zu gefallen. Und wie ihr wisst, hat das durchaus was zu sagen.

In der nächsten Woche reisen wir wieder einmal ins Reich der Fantasy und schauen uns eine ebenfalls nur noch antiquarisch zu erhaltende Anthologie an, die ein paar interessante Schmankerl aufzuweisen hat. Mehr in sieben Tagen an diesem Ort.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Dabei handelt es sich wahrscheinlich um einen Schreibfehler. Gemeint ist wohl Thomas Schlück, später Inhaber einer Literaturagentur.