Liebe Freunde des OSM,

wie vor vier Wochen versprochen, fahre ich gleich mal fort mit der Berichter­stattung über den Monat Juli 2011. Jüngst hatte ich euch ja mit Ende Juni 2011 verlassen.

In diesem Monat steckte ich weiterhin fest in KONFLIKT 4 des Oki Stanwer My­thos (OSM), also in der Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR). Und parallel zur Weiterarbeit an dem Roman „Jaleenas zweites Leben“ rutschte ich in einen grässlichen Crossover-Alptraum ab, der genau dort in der INSEL spielt.

Was geschah genau? Ich besuchte das Baumeister-Gefängnis Lhorridon auf dem Planeten Troncadur. Ein Gefängnis, aus dem niemand ausbrechen kann, und in dem ein Wesen gefangen gehalten wird, das man nur als „das Monster“ kennt – ein Alli ohne Identität, der auf bestialische Weise eine Reihe von Technofrauen niedergemetzelt hat, ehe er unschädlich gemacht wurde.

In Lhorridon gilt er als „Der Gefangene Nr. 1041“, so auch der Titel von Band 28 der IR-Serie. Und sein Schicksal ist weit grässlicher, als sich das der ermittelnde Fehlersucher Srengaar in seinen kühnsten Alpträumen auch nur ausmalen kann. Diese Biografie bringt selbst Baumeister zur Verzweiflung, und als ein Artgenos­se dem Baumeister Naam, der sich hier intervenierend einschaltet, den Rat­schlag gibt, man könne dem Gefangenen „nur noch einen Kopfschuss verpas­sen“, um ihn von seinem Schicksal zu erlösen (so geschehen in Bd. 29 unter dem Titel „Musterbildung“), da will Naam natürlich nichts davon wissen.

Beizeiten werdet ihr sehen, was das für Konsequenzen nach sich zieht und in­wiefern Naam auf grässliche Weise in die Verlängerung dieses Alptraums ver­strickt ist. Ich sage euch, ich habe vielleicht gelitten, als ich diese Geschichte niederschrieb, die völlig unaufhaltsam war…

Daneben knospte ein neuer Hintergrundtext auf, der den prägnanten Titel „Das Reich der Zwergengöttin“ trägt. Und wenn ich jetzt andeute, dass das alles zwar in KONFLIKT 4 spielt, aber starke Verbindungspfade zu KONFLIKT 2 und der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) hat, reicht das für Eingeweihte wohl durchaus hin, um das kalte Grausen zu bekommen.

Ja, manche Schrecken enden nicht einmal, wenn zwischendurch so eben zehn Milliarden Jahre vergangen sind.

Ich musste mich zwischendurch abkühlen, und paradoxerweise gelang mir das besonders gut im tropischen Archipel, der eher romantisch-erotischen Gegen­welt des OSM. Dort kümmerte ich mich um die Stories „Auf und nieder“ und „Jessecas Geschichte“, ferner um das Romanfragment „Ana und die Sklavin­nen“, schrieb an diversen Glossaren weiter, ehe ich mit „Die Totenköpfe 2: Durch die Ruinenwelten“ erneut in einen OSM-Fragmentroman abrutschte.

Ich versuchte mich an der TI-Episode „Brennpunkt Hushhin“, deren Episoden­ziffer ich heute noch nicht verraten möchte, und vollendete eine weitere kom­mentierte Abschrift einer Episode aus KONFLIKT 18 („Attentat der Schatten“).

Dann kam ein lange überfälliger Schritt zu seinem Recht: Die Abschrift des er­sten Archipel-Romans „Die drei Strandpiratinnen“, der bislang nur in einer Schreibmaschinenversion vorlag. Es sollte aber bis weit ins Jahr 2012 dauern, ehe ich damit fertig wurde… nun, mehr als 300 Manuskriptseiten schreiben sich nicht von selbst ab, und ich hatte ja auch noch jede Menge anderes um die Oh­ren, nicht wahr?

Was beendet werden konnte, war die Abschrift der OSM-Story „Die Dunkle Macht“, womit ich begann, war ein Glossar für den Roman „Verderben auf Tu­wihry“ sowie die Episode 30 der IR-Serie. Dieser Band mit dem prägnanten Titel „Der letzte Flug der STERN VON ALLKOOM“ (aktuell noch ein Fragment, aber hoffentlich nicht mehr lange), nimmt sehr faszinierende Informationen aus dem Schlussabschnitt der TI-Serie vorweg. Als Matrixfehler, natürlich. Und er steht in enger Verbindung mit dem „Zwergengöttin“-Hintergrundtext.

Doch, man kann sagen, im Juli 2011 jettete ich wirklich von einem Brennpunkt zum nächsten. Das ging auch so weiter. Nach einer kurzen Stippvisite in dem Roman „DER SIEGEL-KONFLIKT“ erfüllte ich mir mit dem Anfang der Episode 8 des KONFLIKTS 9 „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“ (DKdO) einen wirklich ural­ten Kindertraum, den ich seit der Zeit der Gedankenspiele mit meinem Bruder im Kopf hatte, aber nie umzusetzen gewagt hatte.

Was tat ich? Ich besuchte Center-City.

Das sagt euch natürlich nichts, wie sollte es auch? Lasst euch darum eine kleine Geschichte erzählen: Als Oki Stanwer im (bislang nicht beschriebenen) KON­FLIKT 8 in die Galaxis Milchstraße kam und hier im Auftrag der Baumeister und der Sieben Lichtmächte zu wirken begann, kämpfte er erbittert gegen die Dä­monen von TOTAM. Diese finstren Wesen, die ihr beizeiten kennen lernen wer­det, waren erstmals in KONFLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“ (HdH) in Hyoronghilaar in Erscheinung getreten, und nun erreichten sie also fünf Milliar­den Handlungsjahre später den freien Weltraum und den Planeten Erde.

Das wurde zunächst gar nicht bemerkt… erst, als sich Menschen quasi von ei­nem Moment zum nächsten in Luft auflösten und sich Städte in zerbröckelnde Ruinenkulissen verwandelten, wurde deutlich, was für eine Art von Manipulati­on hier geschah – mindestens einer der Dämonen war in die Vergangenheit der Erde eingedrungen und löschte hier die Realgegenwart Stück für Stück aus. Menschen wurden nie geboren, weil deren Großeltern und Urgroßeltern star­ben, ehe sie sich kennenlernen konnten. Städte, die aufgeblüht wären, verwan­delten sich in Geisterlandschaften oder verschwanden ganz.

Brennpunkt dieses Geschehens war eine Stadt im Wilden Westen namens Cen­ter-City. In der Gegenwart eine Geisterstadt wie so viele andere. Aber dort be­fand sich der Fokus des Dämons von TOTAM, eines monströsen Wesens namens Mor, der die Erdzukunft stückchenweise auslöschte.

Nun, Oki Stanwer reiste in die Vergangenheit zurück und korrigierte dieses de­saströse Geschehen. Damals erfolgreich.

In KONFLIKT 9 ist Center-City eine verblassende Erinnerung in seinem Geist… aber der verwirrte Kernverstand des ZYNEEGHARS 11, eine kybernetische We­senheit namens BURTSON, erwählt ausgerechnet die Kulisse von Center-City zur Kontaktfläche zwischen ihm, Oki Stanwer und seiner Gefährtin, der Klei­ni-Raumfahrerin Viane Vansin el Descorin del Sante. Und dummerweise erwacht auch der Dämon Mor in dieser Kulissenstadt zu monströsem Kunstleben. Was dann zur Folge hat, dass es auf einmal auch um leibhaftige Untote geht und noch viel schrecklichere Wesen.

Mann, ich sage euch, das war vielleicht ein Alptraum! Beizeiten nehme ich euch dahin gern mit. Hier, Ende Juli 2011, fing das jedenfalls an.

Und weil ich mich gerade sowieso mit Dämonen und ihrer Genese beschäftigte, konnte es auch nicht verblüffen, dass mit „Bewusstwerdung“ ein weiteres OSM-Fragment emporspross, das genau das thematisierte – im Innern der Hohlwelt Hyoronghilaar in KONFLIKT 7. Ich brauche allerdings nicht zu betonen, dass auch diese Geschichte, die am letzten Tag des Monats Juli begann, bis heu­te unvollendet ist.

Da am 31. März 2011 mein Arbeitsvertrag mit der Ostfalia geendet hatte, aber zum Anfang September desselben Jahres bereits die nächste Beschäftigung, diesmal im Dienst des Stadtarchivs Braunschweig und des Niedersächsischen Staatsarchivs Wolfenbüttel, unmittelbar bevorstand, blieb mir also nur noch der Monat August, um wirklich kreativ mit Hochdruck zu arbeiten. Und ich versiche­re euch – genau das tat ich auch. Davon erzähle ich in der nächsten Etappe die­ser Artikelserie.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 107: Operation Sahara

Posted April 12th, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute gibt es mal etwas Ungewöhnliches, selbst für meine Verhältnisse – denn ich habe anno 2015 sowohl den vorliegenden Cussler-Roman neu gelesen als auch seine Verfilmung dann in die Rezensions-Bearbeitung einfließen lassen. Auf diese Weise erhaltet ihr heute gewissermaßen den Doppelpack, eine Buch- und Filmrezension, die zugleich abgewogen Vor- und Nachteile beider Versio­nen diskutiert. Dabei versuchte ich damals, meine doch eher finster ausgefalle­ne Erstlektüre 1995 abzumildern und zu relativieren. Die führte damals dazu, dass ich das Buch einmal nicht rezensierte und es zum anderen für Jahre auf den elterlichen Dachboden verbannte. Es kam erst wieder zum Vorschein, als wir den Haushalt auflösen mussten.

Während ich den Film heutzutage immer noch – bei allen vorhandenen Defizi­ten, die ich unten diskutiere – gern anschaue, ist doch die Lektüre des Romans selbst mit Vorsicht zu genießen. Das kommt also auch bei den besten Autoren vor. Ihr wisst, dass ich Cussler als rasant schreibenden, sehr unterhaltenden Schriftsteller schätze. Aber perfekt ist er nicht, wie man an diesem Roman deut­lich erkennen kann.

Wie das alles im Detail ausschaut? Am besten ist es, ihr seht euch das mal kon­kret an und lest einfach weiter:

Operation Sahara

(OT: Sahara)

Von Clive Cussler

Goldmann 42802

Dezember 1994 (ursprünglich 1992 erschienen)

576 Seiten, TB

ISBN 3-442-42802-5

Aus dem Amerikanischen von Dörte und Frieder Middelhauve

&

Film „Sahara – Abenteuer in der Wüste“

(OT: Sahara)

USA 2005

Länge: 124 Minuten

+ Bonusmaterial auf DVD

Die Geschichte beginnt am 2. April 1865 in Richmond, Virginia.

Die Südstaaten stehen gegen Ende des Sezessionskrieges kurz vor der Kapitula­tion. Doch Präsident Jefferson Davis hat nicht vor, kampflos unterzugehen. In al­ler Eile lässt er das neu erbaute, kampfstarke Panzerschiff „Texas“ unter dem Kommando von Commander Mason Tombs auslaufbereit machen und bringt geheime Fracht an Bord, vorgeblich Akten der Revolutionsregierung. Außerdem wird noch in letzter Sekunde ein Gefangener an Bord gebracht.

Die „Texas“ erreicht die Mündung des James River und verschwindet im Nebel und im Vergessen. Nur in den Erinnerungen einiger Soldaten lebt das Andenken fort, versinkt aber letzten Endes in den weitläufigen Hallen der Geschichte.

Am 10. Oktober des Jahres 1931 ist die australische Ausnahmepilotin Kitty Mannock mit ihrem Flugzeug zu ihrem bahnbrechenden Langstreckenflug quer durch Afrika bis Kapstadt unterwegs über der Sahara, als sie in einen Sandsturm gerät und notlanden muss. Auch sie verschwindet spurlos aus der Weltge­schichte und gerät nahezu vollständig in Vergessenheit.

Fünfundsechzig Jahre müssen vergehen, ehe die losen Fäden der beiden Prolo­ge sich als Teile eines größeren Flechtwerks wieder finden können, und der Zu­fall spielt dabei Regie. Dennoch… auch von dem dritten Zwischenfall wäre um ein Haar nichts mehr ans Tageslicht gekommen, denn als ein Touristenbus unter Major Ian Fairweather die kleine Oase Asselar in Mali erreicht, sind alle dort Le­benden entweder tot oder „durchgedreht“ – so durchgedreht, dass allein Major Fairweather dem Inferno entkommen kann und in die menschenfeindliche Wüs­te davonwankt.

Fünf Tage später, am 10. Mai 1996, entgeht Dr. Eva Rojas von der Weltgesund­heitsorganisation (WHO) nahe Alexandria beim Baden einem Trio von brutalen Kerlen, die es darauf angelegt haben, sie kurzerhand umzubringen. Doch im allerletzten Moment taucht hier ein Retter in der Not auf – Dirk Pitt von der NUMA, der kurzen Prozess macht und mit der attraktiven Ärztin anbandelt.

Pitt und das NUMA-Team sind am Nil, um nach einer versunkenen ägyptischen Königsbarke zu suchen. Doch während Eva Rojas und ihr Team nach Mali auf­bricht, um die Ursprünge einer rätselhaften Epidemie zu erforschen, werden Dirk Pitt und sein Kompagnon Al Giordino von ihrem Chef, Admiral James San­decker, zum Delta des Nigerflusses abgeordnet, um hier die Quelle einer rätsel­haften Algenvermehrung ausfindig zu machen, die dabei ist, im Rekordtempo den globalen Sauerstoff aufzuzehren und die Menschheit in Bälde zum Ersti­ckungstod zu verurteilen.

Mit der kampfstarken Yacht „Kalliope“ reisen Pitt, Giordino und der Wissen­schaftler Rudi Gunn nun flussaufwärts und stellen fest, dass die Quelle der Ver­seuchung irgendwo landeinwärts in Mali liegen muss. Die genaue Ursache ist nicht herauszufinden, weil sie zwischenzeitlich mit dem malischen Militär eine heftige Auseinandersetzung haben, in deren Zuge die Yacht versenkt und die drei Freunde getrennt werden. Dies geschieht sehr zum Missfallen des Militär­diktators von Mali, General Zateb Kazim, der seinerseits gern die ursprünglich unter französischer Flagge (und dann unter Piratenflagge) fahrende Yacht kas­siert hätte.

Zwischenzeitlich haben auch Dr. Rojas, ihr Kollege Dr. Hopper und die WHO-De­legation Probleme. Zunächst vom malischen Militär in die Irre geleitet, ent­schließen sie sich, eine außerplanmäßige Zwischenlandung in Asselar durchzu­führen, wodurch sie auf die grässlichen Hinterlassenschaften der Seuche sto­ßen. Dummerweise werden sie anschließend von General Kazims Soldaten ein­kassiert und an einen Ort namens Tebezza gebracht, von dem noch nie jemand wieder entkommen ist – eine geheime Goldmine, in der Sklavenarbeit verrich­tet wird. Nach außen wird ein Flugzeugabsturz fingiert.

Während Rudi Gunn sich auf den Weg aus Mali macht, um die Daten über die Verseuchung außer Landes zu bringen, entschließen sich Pitt und Giordino da­für, weiter die ursächliche Quelle der Verseuchung zu finden. Im Amerika ver­sucht in der Zwischenzeit Admiral Sandecker, die Fährten seiner verschollenen Leute zu lokalisieren und ein Rettungsmanöver in die Wege zu leiten. Da die politischen Mühlen allerdings zu langsam mahlen, muss er seine persönlichen Kontakte zur UN-Generalsekretärin Hala Kamil (vgl. dazu den Roman „Das Alexandria-Komplott“) nutzen. So kann zumindest Rudi Gunn freikommen.

Pitt und Giordino scheinen spurlos verschwunden zu sein. Das ist allerdings nicht völlig korrekt. Die beiden haben es zwischenzeitlich geschafft, General Ka­zims alten Luxusschlitten, einen Avions Voisin von 1932, „auszuborgen“, was ih­ren Aktionsradius deutlich erweitert. Außerdem machten sie unschöne Be­kanntschaft mit einem französischen Industriellen namens Yves Massarde, des­sen Hubschrauber sie versenkten. Und als wenn das alles noch nicht genügte, stoßen sie in der Wüste auf einen kauzigen Mann namens „Kid“ (das alter Ego von Clive Cussler in seinem diesmaligen Cameo-Auftritt), der auf der Suche nach dem Konföderierten-Panzerschiff „Texas“ ist. Was Unglauben auf der Ge­genseite induziert („Was für ein Kraut hatte der Kerl denn geraucht?“).

Am mutmaßlichen Ort der Giftquelle entdecken die beiden NUMA-Männer schließlich Yves Massardes Solaranlage zur Vernichtung von Giftmüll, dummer­weise aber auch, dass unterhalb davon eine undichte Sondermülldeponie exis­tiert… und dann kommt es noch dümmer, und sie werden erwischt und an einen Ort deportiert, von dem noch niemand entkommen ist: nämlich nach Te­bezza, wo sie mit der sadistischen Aufseherin Melika und ihrem Chef, dem rück­sichtslosen irischen Minenaufseher Selig O’Bannion, konfrontiert werden… und Hunderte von ausgemergelten Häftlingen vorfinden, unter ihnen die WHO-Ärz­te. Da wird ihnen klar, dass sie mehrere dringliche Ziele haben: zunächst einmal die Anlage von Massarde Industries stilllegen, um die Gefahr für die Weltmeere zu beseitigen. Dann die Befreiung der Gefangenen aus Tebezza. Und drittens das Brechen der Vorherrschaft von Kazim und Massarde, die zusammen Mali ausplündern.

Zwar gelingt das schier Unmögliche, nämlich der Ausbruch aus Tebezza, doch nur Dirk Pitt und seinem Freund Al. Und sie flüchten mitten in die gnadenlose Wüste der Sahara hinaus, die noch jeden verzweifelten Menschen vor ihnen verschlungen hat.

Und doch haben die beiden Gefährten hier in der Wüste hilfreiche Geister um sich, allen zuvorderst eine tote australische Fliegerin namens Kitty Mannock…

Die Feststellung im WIKIPEDIA-Artikel zur Verfilmung des obigen Romans unter dem Titel „Sahara – Abenteuer in der Wüste“ (Abrufdatum: 27. Oktober 2015) entspricht der Tatsache: Film und Roman sind nahezu vollständig autonome Schöpfungen. Wer den Film gesehen hat, wird schon aus meiner obigen unvoll­ständigen Zusammenstellung der Handlungslinien erkennen, wie sehr die vier verschiedenen Drehbuchautoren (Thomas Dean Donnelly, Joshua Oppenhei­mer, John C. Richards und James V. Hart) den ursprünglichen Cussler-Stoff durchgeknetet, gekürzt, gestrafft und inhaltlich zum Teil drastisch abgeändert haben.

Während im Roman der Verbindungspfad zur „Texas“ mühsam durch den Ca­meo-Auftritt des Autors hergestellt werden muss, ist er in der Verfilmung der zentrale Pfad, der hier als Obsession Dirk Pitts dargestellt wird, wodurch Pitt weniger als NUMA-Angestellter denn mehr als besessener Schatzsucher und leichtfertiger Abenteurer hingestellt wird. Das wird der Person Pitts eher nicht gerecht. Durch völliges Ausschalten des Handlungsstranges um die illegale Goldmine mussten die Drehbuchautoren auch eine andere Möglichkeit finden, den Rojas- und Pitt-Handlungsstrang wieder zusammenzuführen.

Indem außerdem die gesamte UN-Handlungsebene des Romans, die zusammen wenigstens hundert Seiten ausmacht, nebst der UNICRATT-Eingreiftruppe (die es in realiter wohl nicht gibt) eliminiert worden ist, gab es den nächsten drama­turgischen Engpass. Da auch die im Roman gegen Ende auftretenden amerika­nischen Special Forces politisch im Jahre 2003, als die Dreharbeiten begannen, begreiflicherweise inopportun waren und entfernt werden mussten, griff man kurzerhand zu malischen Stammeskriegern, die im Roman selbst keine Rolle spielen… nun, das ist nicht völlig korrekt. Sie werden wenigstens erwähnt, aller­dings durchaus nur als Plünderer, die u. a. das Gold der „Texas“ mitnehmen, lan­ge vor Pitts Entdeckung des Wracks. Und damit entfällt natürlich auch der „gol­dige“ Schluss des Films.1 Dafür wurde, worauf der WIKIPEDIA-Artikel korrekt hinweist, Abraham Lincolns Leiche aus dem Film (zweifellos auch aus Gründen der political correctness) entfernt.

Beide Produkte, sowohl Buch wie Film, haben ihre Vor- wie Nachteile. Am Buch, das ich erstmals 1995 las und dann noch einmal jetzt für die Rezension, fiel mir bei der Erstlektüre krass negativ auf, wie rücksichtslos hier Quasi-Rassismus und fast schon kolonialistischer Heroismus eine unangenehme Melange eingeht. Wo der Film durchaus eine gewisse Differenziertheit zeigt, indem er Einheimische im Falle vom Kazim und Massardes Leibwächter (den es im Buch so nicht gibt) auf der negativen Seite, im positiven aber durch die Einführung des schwarzen Dr. Hopper (der im Buch überlebt, im Film nicht; im Buch ist er m. E. auch nicht schwarz) und durch die Tuaregstämme als Opposition bietet, hat man im Buch nahezu ausschließlich Schwarze, die entweder korrupt, grausam, habgierig oder strohdumme Befehlsempfänger sind, die sich zu Aberhunderten selbstmörde­risch in erbarmungsloses Schützenfeuer jagen lassen bzw., wenn die Führung getötet ist, kopflos in panischer Flucht davonstürmen.

Demgegenüber ist speziell gegen Schluss im Kampf um Fort Foureau eine klei­ne, ausschließlich aus Weißen bestehende Streitmacht im Gemetzel um die gi­gantische feindliche Übermacht dargestellt. Die Intelligenzleistungen treten da­bei eindimensional nur bei den Verteidigern in Erscheinung, während sich die schwarzen Angreifer nahezu ausschließlich auf überlegene Waffenkraft und schiere Zahl kaprizieren.

Ungenießbar, um das Wenigste zu sagen. Der Film hat diese Schattierungen glücklicherweise abgemildert. Auch die dramatische Geschichte mit der roten Flut, die im Buch krass überzogen geschildert wird, nämlich als eine Angelegen­heit von global-apokalyptischem Ausmaß, ist im Film deutlich reduziert worden. Dasselbe gilt für die im Buch stark armierte, gepanzerte Yacht „Kalliope“ und die Schlacht mit dem Militär von Benin (!).2

So interessant dann also das Buch auch als Zweitlektüre ist – die mit deutlich milderem Blick als die Erstlektüre vor zwanzig Jahren ausfiel – , so sehr ist doch zu konstatieren, dass die obigen Einschränkungen aus dem quasi-rassistischen Schematismus den Roman eindeutig zu einem der schwächeren von Cussler machen. Hätte das Buch nicht an zahlreichen Stellen den erfrischend trockenen Humor der Hauptpersonen enthalten, wäre es noch deutlich unangenehmer ausgefallen.

Der Film scheint an den Kinokassen mehrheitlich gefloppt zu sein. Das kann lei­der nicht sehr überraschen. Leser, die das Buch kannten, konnten den Film kaum als auch nur näherungsweise Umsetzung des speziell zu Beginn stark hor­rorlastigen Romans verstehen (auch hier leistete der Film übrigens erfreulicher­weise deutliche Milderung). Zuschauer, die nur den Film sahen, hatten vermut­lich anschließend lediglich das Gefühl, einen normalen Abenteuerfilm mit etwas überdrehten Protagonisten angeschaut zu haben. Sonderliche Verflechtungen mit anderen Pitt-Romanen bzw. deren Kenntnisse waren hier nicht vonnöten. Hier wäre mehr vermutlich tatsächlich mehr gewesen. Dass keine weitere Ver­netzung vorgenommen wurde, deutet an, dass die Macher wohl nicht über­zeugt davon waren, es könne danach vielleicht noch einen zweiten oder dritten Film geben.

Matthew McConaughey als Dirk Pitt und Steve Zahn in der Rolle von Al Giordino sowie William Macy in der Besetzung von Admiral James Sandecker erledigten ihre Aufgabe durchaus gut, und der wunderbare Vorspann des Films, in dem die Kamera durch Dirk Pitts mit diversen Souvenirs angefüllte Kabine schweift, machten definitiv Lust auf mehr… aber zu einer Verfilmung weiterer Cussler-Bü­cher kam es nicht. Man kann wohl vermuten, dass das wesentlich an der völli­gen Umarbeitung seiner Handlungsführung in den Drehbuchversionen lag und der Autor da selbst intervenierte. Was ich sehr gut verstehen kann.

Ein Rätsel ließ mich dann übrigens nicht ruhen – ich forschte nach der Lektüre noch nach der australischen Pilotin Kitty Mannock, die im zweiten Prolog des Buches auftaucht und ums Leben kommt. Ich wurde diesbezüglich nicht fündig, entdeckte aber etwas anderes: Zweifellos war Clive Cussler als Flugzeugnarr der britische Jagdflieger Major Edward Corringham „Mick“ Mannock ein Begriff, den ich zuvor nicht kannte. Mannock, 1887 in Ballincollig bei Cork in Irland ge­boren und 1918 über Frankreich abgeschossen, ist nämlich auch jemand, des­sen Grab bis heute als unbekannt gilt. Die Parallele zu „Kitty Mannock“ ist of­fensichtlich. Außerdem geht in die Person der Kitty Mannock wohl auch die ver­schollene Fliegerin Amelia Earhart ein, die im Buch auch mehrfach erwähnt wird. Laut dem WIKIPEDIA-Eintrag wurde die Szene mit der Sandsturmlandung mit Cusslers Tochter Dayna Cussler besetzt, diese Passage später im Film aber nicht verwendet.

Der Film ist also zwar ganz nett, aber nicht übermäßig werkgetreu. Und leider ist zu bezweifeln, dass irgendeiner der zahlreichen weiteren Cussler-Werke und Coproduktionen – etwa um Juan Cabrillo und die OREGON-Crew oder Kurt Aus­tin von der NUMA bzw. auch die Isaac-Bell-Detektivromane oder die Far­go-Schatzsuchergeschichten in absehbarer Zeit verfilmt werden.

Schade drum. Verdient hätte es manche dieser Geschichten… aber dann bitte werkgetreuer und nicht mit einem ganzen Strauß von Regisseuren, die die Ge­schichte eindampfen, verkleinern, verdrehen und dramatisieren. Das hat Cuss­ler nicht verdient.

© 2015 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche schicke ich euch mal in einen fast vergessenen Science Fiction-Roman, den ich eigentlich nur so als Nebenbeilektüre durchzu­schmökern gedachte… aber das war ein phantastisches Vergnügen, völlig unver­mittelt. Ich glaube, ihr solltet euch dieses Buch wirklich mal besorgen, wenn ihr meine Rezension in der kommenden Woche mögt.

Um was für ein Buch es geht? Einfach wieder reinschauen… es lohnt sich, mehr denn je, würde ich sagen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Aber politisch korrekt ist dieser dann durchaus schon: Amerikanische, tatentschlossene Abenteurer befreien arme afrikanische Staatsbürger von einheimischem Despoten und geben diesem, was er verdient, nämlich den Tod. Außerdem sanieren sie die Ökologie des Landes zum Nulltarif und überlassen den drangsalierten Schwarzen am Ende auch noch den Schatz… die politische Linie zum Sturz der Saddam Hussein-Diktatur im Irak und der Taliban-Herrschaft in Afghanistan ist offenkundig. Dass anschließend dann das Chaos dort ausbrach, weil die blauäugige und eindimensionale Strategie – Stürze den Diktator, dann freuen sich alle, und ganz automatisch wird der Staat dann zu einer demokratischen Staatsform übergehen – definitiv zu wenig auf die Verhältnisse abgestimmt war und zu­sätzlich von wirtschaftlichen Interessen unterlaufen wurde, das hatten sich die Verant­wortlichen so natürlich nicht überlegt. Das bis heute andauernde Chaos, dessen Ausläufer inzwischen Europa erreicht haben, trübt das „Happy End“ doch sehr nachhaltig…

2 Ohne Frage hätten sich die Filmzuschauer gefragt, wieso wohl eine zivile Yacht mit Rake­tenwerfern ausgestattet ist, mit denen Pitt und Co. feindliche Schiffe kurzerhand versen­ken, schweigen wir mal von dem Maschinengewehr…

Blogartikel 214: Kreativer Stillstand

Posted April 9th, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

üblicherweise erzähle ich in Blogartikeln davon, was in meiner kreativen Bio­grafie in den zurückliegenden Jahren oder Jahrzehnten geschehen ist bzw. auch von aktuellen Projekten, legendären Orten des OSM oder Ähnlichem. Einmal im Monat erfolgt außerdem ein Einblick in die Arbeitsschritte des jeweils verstri­chenen Monats. Auch ist es ja so, das sagte ich vielleicht schon gelegentlich mal, dass ich Tage, an denen ich nicht kreativ gewesen bin, als nutzlos verflosse­ne Tage ansehe. Blogartikel, die in gewisser Weise natürlich auch Ausfluss von kreativen Denkprozessen sind, betrachte ich dabei zumeist als eine Form von „Heimspiel“. Sie zu verfassen, hat nicht dieselbe Qualität, als wenn ein eigen­ständiger Story-Gedankengang in meinem Geist aufblüht und sich mitunter recht stürmisch entwickelt.

Nun, es freut mich, sagen zu können, dass solche Tage die Regel sind und nicht die Ausnahmen. Von einer regelrechten „Schreibblockade“, von der zahlreiche prominente Autoren in Vergangenheit und Gegenwart berichtet haben, bin ich bislang glücklicherweise verschont geblieben. Meiner Überzeugung nach ist ein Mittel, sich gegen solche Blockaden zu immunisieren, darin zu finden, wenn man sich nicht starr und stur auf eine einzige Idee versteift, sondern stets meh­rere „Eisen im Feuer“ hat.

Üblicherweise funktioniert das auch bei mir. Und es kommt sogar vor, gar nicht mal so selten, dass unmittelbar nach Abschluss größerer Schreibprojekte jäh­lings völlig neue Ideen emporschießen und damit die jetzt freigewordene Stelle gewissermaßen in Windeseile wieder füllen. In meinen Augen ist das ein Zei­chen dafür, dass unter der Oberfläche meiner Denkprozesse immerzu weitere Ideen im Stadium der „Latenz“ schlummern, die nur darauf warten, „erweckt“ zu werden.

Das hat freilich in den vergangenen Jahren zu einer Situation geführt, die zu­sammenhängt mit meiner Art des Schreibens. Auch das habe ich früher schon mal erwähnt – dass ich weniger ein strikt durchplanender Autor bin, sondern jemand, der der Phantasie die Zügel schießen lässt und sich intuitiv vom inne­ren Bilderstrom tragen und treiben lässt. Das hat den Nachteil, dass dieser Bil­derstrom sehr häufig nur kurzlebig ist und mir lediglich Teile der Geschichten­handlung enthüllt. Die Konsequenz daraus ist dann das Entstehen von zahlrei­chen Fragmenten, an denen ich z. T. jahrelang nicht weiterarbeite.

Inzwischen gibt es mehrere hundert solche Fragmente, und ich übertreibe wirk­lich nicht, wenn ich andeute, dass manche davon mehrere hundert Seiten Um­fang haben, ohne fertig zu sein. Manchmal ist das schon sehr ermattend, zu se­hen, wie viele Handlungsströme hier mittendrin stagniert sind… das gibt es auch bei Serienepisoden im Rahmen des Oki Stanwer Mythos (OSM). Erst jüngst beendete ich eine Episode, die ich im Jahre 2011 (!) begonnen hatte. So etwas kommt vor. Reden wir gar nicht erst von OSM-Serien, an denen ich z. T. schon seit fast 30 Jahren arbeite. Und wir reden hier von realen Jahren.

Das ist ein Aspekt, der zum titelgebenden „kreativen Stillstand“ führen kann. Ein zweiter ist arbeitstechnischer Natur. Wie allgemein bekannt ist, ist es noch eine Utopie, dass die Verkäufe der E-Books auch nur entfernt die Entstehungs­kosten decken. Von dem Traum, vom Schreiben selbst leben zu können, bin ich gefühlte Lichtjahre entfernt. Das hat zur Folge, dass ich natürlich auf eine tägli­che Brotarbeit angewiesen bin und die meiste Zeit des Tages keine Möglichkeit habe, in phantastischen Denkbereichen kreativ zu sein.

In dieser Lage befinde ich mich derzeit, und so toll meine aktuelle Beschäfti­gung auch ist, so einschränkend wirkt sie auf meine kreativen Fähigkeiten. Ihr merkt das alle daran, dass die früher gleichsam metronomartige Regelmäßig­keit meiner E-Book-Erscheinungen gründlich durchbrochen wurde. Dabei müss­te das E-Book-Programm hierunter nur bedingt leiden, denn die Geschichten, die gegenwärtig veröffentlicht werden, sind meistenteils schon mehr als zehn Jahre alt.

Nur… wer so denkt, denkt ein wenig kurzschrittig. Es ist nämlich folgenderma­ßen: bei den Episoden der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) und demnächst auch den Episoden des KONFLIKTS 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC) verhält es sich folgendermaßen: Die Episoden sind zwar schon vorhanden, aber eben in einem Zustand, der massive Ausbauten zwingend er­forderlich macht. Da gilt es dann, sich vernachlässigter Charakterzeichnung an­zunehmen. Da müssen Beschreibungen ergänzt werden, es sind Dialoge von Plattitüden zu befreien, einfallslose Formulierungen sind abzuwandeln und vie­les andere mehr. Ihr wisst das aus meinem Blog – die OSM-Episoden wuchern dann leicht von bisher 15 Textseiten auf mehr als 70… und man erzähle niemandem, dass die Worte dann einfach so mühelos aus dem Nichts auf die Bildschirmseite respektive das weiße Blatt des Ausdrucks fallen. Das ist Nonsens. Das ist durchaus harte Gedankenarbeit.

Die ist, und das macht die Arbeit dann leichter, vergleichsweise unabhängig vom Gedankenstrom der Bilder, da die Bilder ja alle schon mal da waren und in den Episoden skizziert wurden… aber man braucht eben auch Energie, um dann die passenden modernen Formulierungen zu finden. Um Protagonisten zu mehr zu machen als nur zu schematischen Robotern voller Stereotypen (habe gerade wieder einen Leserkommentar bekommen, der z. T. sehr in diese Richtung ging… und nicht völlig zu Unrecht).

Wenn man wie ich also gewissermaßen von zwei Seiten unter Druck gesetzt wird, einmal von der überwältigenden Anzahl an Fragmenttexten, bei denen ich nicht wirklich sagen kann, an welchem ich nun als nächstes weiterschreiben könnte, zum anderen aber auch von der schieren Energie, die nach dem stun­denlangen Tagewerk noch übrig ist, dann kommt es zu solchen unschönen Si­tuationen wie denen in der Gegenwart.

Zum kreativen Stillstand.

Ah, ich vergaß noch einen dritten Aspekt, den ich womöglich erwähnen sollte. Das ist kein Dienstgeheimnis: Ich arbeite mit zwei Rechnern. Der, auf dem ich das hier niederschreibe, das ist mein Arbeits-Laptop, den ich jedes einzelne Mal, wenn ich ihn benutzen möchte, anzustöpseln habe. Das bedeutet, es ist ein gewisser Aufwand vonnöten, hiermit zu arbeiten. Der andere Rechner, auf dem ich meine längeren Geschichten schreibe und ebenso die E-Book-Texte (es schreibt sich einfach besser dort, das hat was mit der größeren Tastatur zu tun), ist fest installiert, kann aber nicht verwendet werden, solange ich am Laptop ar­beite.

Einmal ist das eine Steckdosenproblematik, dann aber auch eine reine Platzfra­ge. Mein Schreibtisch ist vergleichsweise klein, und er wird vollständig überwu­chert durch meine deckenhohe Myrte. Eine phantastische Pflanze, die ich sehr liebe, aber sie ist schon sehr Besitz ergreifend und raumfüllend.

Da ich mittels des Laptops auch ins Internet gehe, meine Homepage besuche und Mails verfasse, hat diese Konstellation zur Folge, dass mein kreativer Schreibprozess weitestgehend auf dem stationären Rechner stattfindet.

Ich habe in den letzten Tagen wirklich gar keine Möglichkeit gehabt, ihn zu akti­vieren. Was im Umkehrschluss heißt: ich war nicht originär kreativ in diesen Ta­gen. Es waren verlorene Tage des kreativen Stillstands.

Ich würde das gern anders sehen, bin dazu aber außerstande.

Aktuell bin ich im Modus des kreativen Stillstands.

Das gefällt mir natürlich nicht. Ich möchte, dass die Worte so fließen wie beim Schreiben eines schönen Blogartikels. Aber das passiert nicht. Leider, muss ich konstatieren.

Der kreative Stillstand blockiert mich derzeit durchaus und verschiebt meinen Aufmerksamkeitsfokus in andere Bereiche, die passiver Natur sind: in den Be­reich des Lesens wissenschaftlicher Artikel, in seltene Momente, wo ich Compu­ter-Mah-Jongg spiele oder mich mit Filmen im Internet befasse.

Befriedigend im kreativen Sinn ist da wirklich etwas anderes.

Zwar hoffe ich, dass das eine Momentaufnahme in meinem Schreibleben ist, aber da wir natürlich nie sagen können, wie viel Zeit uns für das Ausdrücken kreativer Impulse noch bleibt und die Regale hier voller Ordner sind, in denen unveröffentlichte Episoden, Kurzgeschichten, Gedichte und Romane schlum­mern, die das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollen… nun, da könnt ihr sicherlich nachempfinden, dass mir der momentane kreative Stillstand absolut nicht zusagt.

Meiner Prognose nach wird sich der Wind mutmaßlich im Herbst 2017 wieder drehen. Bis dahin bleibt mir wenig anderes übrig, als auf gelegentliche freie Tage zu bauen, an denen es immer wieder mal zu flackernden Ausbrüchen krea­tiver Stimmungslagen kommt.

Das ist es im Grunde genommen, was mich bei der Stange hält und stabilisiert. Normalerweise nämlich ist es erforderlich, zur regulären wissenschaftlichen Ar­beit eine Balance in Form einer gesunden Kreativität zu besitzen, jedenfalls bei mir verhält es sich so. Ist das nicht gegeben, leiden beide Seiten meines Lebens darunter. Meine Formulierungsfähigkeit lässt arg zu wünschen übrig, meine Konzentration dito, die Vergesslichkeit nimmt zu, Fehler häufen sich… und das ist keine schöne Situation.

Wie gesagt, ich gehe davon aus, dass dieser kreative Stillstand temporärer Na­tur ist. Aber für den Moment, meine lieben Leser und Freunde, müssen wir uns alle mit dieser Lage arrangieren. Ich verspreche euch – ich tue mein Bestes, um euch dennoch vergleichsweise regelmäßig mit neuen Texten zu versorgen. Nur bei den E-Books kann das noch ein Weilchen dauern. Da habe ich euch um et­was Geduld zu bitten.

Ach ja, und einen versüßenden Tropfen gibt es bei allem Wermut dann doch: die Arbeiten an „Annalen 6: Mein Freund, der Totenkopfsind weitgehend ab­geschlossen. Es geht also weiter…

In der nächsten Woche fahre ich mit der Darstellung meiner Kreativbiografie fort. Wir befinden uns dann im Juli des Jahres 2011.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 106: Meine Jahre mit Pat

Posted April 5th, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute gibt es eine vergleichsweise frische Rezension, die ich vor ein paar Mona­ten nach einer Reiselektüre verfasste, die ich geradewegs verschlang. Ihr wisst inzwischen, dass das grundsätzlich immer ein sehr gutes Zeichen ist, und das gilt auch für dieses durchweg ungewöhnliche Buch. Es ist eine Mischung aus Biografie und Lebensbericht über einen kleinen historischen Zeitabschnitt der 50er Jahre in den Vereinigten Staaten – und über die komplizierte Beziehung zwischen zwei intellektuellen Frauen, was man sowohl mental als auch physisch verstehen muss.

Von der einen Frau nahm ich eigentlich an, dass ich sie durchaus schon kennen würde… hier offenbarte sich mir dann aber eine faszinierende, unbekannte Sei­te der berühmten Krimi-Schriftstellerin Patricia Highsmith, die völlig unterbe­lichtet war. Ob mit Recht oder nicht, das mag der Leser entscheiden. Tatsache ist, dass sich hier wieder einmal bewahrheitete, was man oft sagt – dass Men­schen das Bild, das von ihnen in der Außenwelt existiert, oftmals „in Szene set­zen“, künstlich erschaffen, und dass man dieses mediale Ego nicht für das voll­wertige Subjekt setzen darf, das dahinter steht.

Marijane Meakers Erinnerungen an ihre Zeit mit Patricia Highsmith, mit ihren Höhen und Tiefen, den kreativen Ausbrüchen und auch Einbrüchen, das ist eine spannende Lektüre, wie ich finde, die jeder Interessierte studieren sollte. Folgt mir also in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts und in ein höchst kompliziertes Doppelleben:

Meine Jahre mit Pat

Erinnerungen an Patricia Highsmith

(OT: Highsmith – A Romance of the 1950s)

von Marijane Meaker

Diogenes 23742

Zürich 2008, 336 Seiten

Aus dem Amerikanischen von Manfred Allié

ISBN 978-3-257-23742-9

Schriftsteller sind tiefe Wasser – jeder, der sich ein bisschen mit Literatur be­fasst hat, weiß, dass diese Bemerkung in den allermeisten Fällen präzise zutrifft. Das hat mit einem Charakteristikum zu tun, das zwar nicht nur Schriftstellern zu eigen ist, auf sie aber in besonderer Weise zutrifft. Aufgrund ihrer Fähigkeit, in die Haut anderer Menschen hineinzuschlüpfen, zumeist außerdem zur Ver­schleierung ihrer eigenen Vita Pseudonyme tragend, sind sie buchstäblich „viele Personen in einer“, und nur sehr selten sieht man alles von ihnen.

Als ich im Oktober 2015 über das vorliegende Buch stolperte, animierten mich drei Aspekte zum sofortigen Kauf. Nennen wir sie in der Reihenfolge, in der die Reize wirkten: das Titelbild ziert das Foto einer wunderschönen jungen Frau, das mich sofort fesselte (im ersten Moment hielt ich es für ein Bild der Autorin, aber darin irrte ich mich). Das zweite war der Name Patricia Highsmith – wer mich länger kennt, weiß, dass ich diese Autorin außerordentlich faszinierend finde und zahlreiche Werke von ihr besitze, z. T. auch schon sehr wohlwollend rezensiert. Und das dritte, aber wirklich erst an dritter Stelle, war der Preis (da ich das Buch als Remittend fand).

Ich habe es binnen von zwei Tagen während einer Dienstreise in den Süden Deutschlands durchgelesen und konnte es fast buchstäblich nicht aus der Hand legen. Was ein außerordentliches Qualitätskriterium darstellt, zumal in Anbe­tracht der Zumutungen, die mir der Inhalt antat. Davon wird gleich die Rede sein.

Das wunderschöne Mädchen auf dem Titelbild ist die junge Patricia Highsmith etwa im Alter von 25 Jahren. Das „Erinnerungsbuch“ von Marijane Meaker (*1927), das weder ein Roman noch eine Biografie noch Autobiografie ist, aber Züge von allem trägt, umfasst – wenn man den langen, mehrteiligen Epilog au­ßer Betracht lässt – , im Grunde genommen die Jahre 1959 und 1960, aber die­se Jahre breitet Meaker mit unglaublicher Akribie und erstaunlichem Detail­reichtum aus.

Meaker, 1927 in Auburn, New York, geboren, arbeitete Anfang der 50er Jahre in New York beim Verlag Fawcett als Sekretärin. Ihre Freundin Louise Fitzhugh er­mutigte sie zum Schreiben, was eine großartige Entscheidung war – denn schon 1952 erlebte sie unter dem Pseudonym Vin Packer einen phänomenalen Durchbruch, der dazu führte, dass sie bald vom Schreiben leben konnte. Von ihren Kriminalromanen im Paperbackformat (und späteren Sachbüchern und Jugendromanen, unter den Pseudonymen Ann Aldrich und M. E. Kerr sowie auch Mary James veröffentlicht), erschienen bis 1969 mehr als zwanzig verschiedene Werke.

Meaker hatte allerdings ein ganz persönliches Problem – sie war lesbisch veran­lagt und folgerichtig sehr gut mit der Homosexuellen-Szene in New York ver­netzt. Zu ihren Eltern hatte sie ebenso folgerichtig ein äußerst getrübtes Ver­hältnis, lebte mit ihrer Freundin und Geliebten Kit zusammen… und dann traf sie auf einmal in einer bekannten Bar für Personen ihrer individuellen Veranla­gung eine dunkelhaarige, attraktive Person, und aus vielfältigen Andeutungen und Gesprächen unter Freundinnen und Freunden war ihr sofort klar, wer das war – Claire Morgan!

Nun war mir nicht bewusst, dass „Claire Morgan“ bürgerlich Mary Patricia Plangman hieß, die auch unter ihrem Autorennamen Patricia Highsmith inzwi­schen prominent geworden war. Highsmith hatte, um bei diesem Namen zu bleiben, unter dem Pseudonym „Claire Morgan“ den Roman „The Price of Salt“ geschrieben, einen gewagten Lesbenroman, der in der Szene 1953 Furore ge­macht hatte, weil er – wohl entgegen dem allgemeinen Mainstream, in dem lesbische Veranlagung ebenso wie Schwulsein als Makel und moralischer Defekt betrachtet wurde – dem Liebespaar einen positiven Ausgang gewährt hatte.

Man erkennt hier übrigens die strukturellen Anlagen ihrer späteren Krimis, z. B. um den Mörder Tom Ripley, der stets mit seinen Taten davonkommt und ein ab­solut unmoralisches Dasein führt. Außerdem war Highsmith natürlich durch „Strangers on a Train“ schlagartig berühmt geworden, den Hitchcock 1951 be­reits hatte verfilmen lassen (wenn auch mit Abwandlungen der Vorlage).

In Meakers Buch erfährt man nun aus Marijane Meakers Mund, dass Patricia Highsmith sich nicht nur regelmäßig in Lesbenkneipen herumtrieb (wenn man das so nennen darf), die ebenso regelmäßig in den 50er Jahren verboten wur­den, sobald man herausbekam, welches „Klientel“ sich hier tummelte, sondern dass sie auch bereits 1959 stramme Alkoholikerin war und zudem strikte Ket­tenraucherin.

Ich sagte ja – das Buch hält Zumutungen bereit. Beides sind Fakten, die ich zu­tiefst verabscheue und die in mir stets tiefes Mitgefühl für jene Menschen indu­zieren, die von einer der beiden zerstörerischen Drogenformen abhängig sind. Es war bitter, festzustellen, dass sowohl Highsmith als auch Meaker in beiden Fällen als Abhängige zu betrachten sind.

Doch zurück zur Bar „L’s“ in New York, wo die 32jährige Autorin Meaker auf die damals 38jährige Autorin Highsmith stößt, deren Fan sie schon länger ist… an diesem Tag kommt noch etwas anderes hinzu, eine Art elektrischer Entladung – denn Meaker entdeckt noch bei dieser ersten Begegnung unmissverständlich, dass Highsmith ebenfalls lesbisch veranlagt ist, und die Folge ist eine geradezu vulkanische erotische Anziehung zwischen beiden, die sehr schnell gemeinsam im Bett landen.

Und dabei bleibt es durchaus nicht… während Meaker relativ rasch feststellt, dass sie in eine Art von süßer, aber auch sehr anstrengender sinnlicher Abhän­gigkeit geraten ist und durch die „Saufexzesse“ ihrer Geliebten regelmäßig in der eigenen Schreibarbeit behindert wird, wird „Pat“ immer mehr Teil ihrer Welt. Ihre jeweiligen Lebenssphären durchdringen sich, Geheimnisse tauchen auf, ehemalige Geliebte von Pat, rätselhafte und bisweilen wahnhafte Szenen spielen sich ab… aber zugleich ist Pat von Marijane gleichfalls so gebannt, dass sie sogar eine Reise nach Europa kurzerhand in den Wind schießt, weil sie Mari­jane nicht verlassen möchte.

Man erzähle, was man möchte – aber ich halte das für aufrichtige, ehrliche Lie­be.

Meaker berichtet aus dem Abstand von Jahrzehnten (das Buch ist 2005 erstmals erschienen, 10 Jahre nach Highsmith´ Tod in der Schweiz) über all die seltsamen Irrwege ihrer gemeinsamen Liebe, über zahlreiche verbundene Schriftstellerkol­legen, über Eifersuchtsdramen, Romanentwürfe, Romanvollendungen, über die Katzen (eine Leidenschaft, die Meaker bis heute prägt, wenn man sich auf ih­rem Wikipedia-Eintrag das Bild anschaut)… und man erfährt auch sehr viel über das sozial-repressive Klima in den USA gegenüber der Homosexuellen-Szene in den späten 50er und frühen 60er Jahren… so etwa, dass es schon als „Code“ galt, wenn eine Frau in Hosen in eine Bar gehen wollte – faszinierende soziale Details, die ich so noch nirgendwo gelesen hatte.

Alles in allem ist dies eine Liebesgeschichte mit einer Reihe recht ungenießba­rer Zutaten, aber, wie Thomas Wagner von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit Recht sagt: „Meaker schildert ohne Groll die Geschichte ihrer Liebe bis zu ihrem Scheitern. Sie beschreibt, was war, ohne zu übertreiben oder zu beschö­nigen.“

Es ist ein äußerst lesenswertes Buch, das eine ausgezeichnete Übersetzung er­fahren hat. Und es enthüllt mit der Tatsache der lesbischen Orientierung beider Autorinnen ein Detail, das selbst bis heute totgeschwiegen wird. Man schaue sich bitte mal die aktuellen Wikipedia-Einträge zu Meaker (28. Dezember 2015) und Highsmith (24. Januar 2016!) an: nirgends eine Zeile über ihre sexuelle Ori­entierung, die ich persönlich nicht als Makel empfinde! Es ist doch wirklich sehr betrüblich, dass das allgemeine Klima im Zuge der Gender-Debatten scheinbar liberal geworden ist, aber in solchen Fällen nach wie vor unbestreitbar Schwei­gepolitik betrieben wird.

Meakers Buch ist auch deshalb so interessant, weil es zahlreiche Werke von Highsmith transparenter gestaltet. So war mir beispielsweise nicht klar, dass der Titel ihres letzten Romans „Small g – eine Sommeridylle“ ursprünglich ein Code für eine Lesben-Bar war (das große G stand für Schwule, das kleine g für Les­ben), womit Highsmith auf ihren ersten prominenten Roman zurückgriff, eben auf „The Price of Salt“. Und auch die Sache mit „Miranda the Panda is on the Veranda“ (1958) ist schleierhaft, wenn man Meakers Buch nicht kennt… denn hier wird die süße Entstehungsgeschichte dieses Kinderbuchs mit Zeichnungen von Patricia Highsmith erläutert.

Ich fand folgerichtig, als ich dieses Buch in Rekordzeit auslas, dass es eine Fülle von neuen, mir unbekannten Informationen enthielt, die mir ein paar sehr in­teressante, wenn manchmal auch sehr unsympathische Facetten ihres Lebens und ihrer Persönlichkeit enthüllten, die man sonst so nicht ohne weiteres fin­den kann. Und ernstlich – die Liebesgeschichte zwischen Pat und Marijane, die durchaus Züge einer massiven Suchtabhängigkeit annimmt, ist absolut fesselnd. Wer also mal einen wirklich interessanten biografischen Blick in einen Spiegel wagen möchte, der unsereins üblicherweise verschlossen bleibt, nämlich den Blick in die Parallelwelt der weiblichen Homosexualität mit all ihren Schwierig­keiten, Vorurteilen, Besessenheiten, aber auch schönen, anrührenden Szenen und Gesten.. der ist hier hervorragend aufgehoben.

Ich wünsche diesem tollen Buch möglichst viele Leser.

© 2016 by Uwe Lammers

In der nächsten Woche landen wir dann im Rahmen der Reihe der Clive Cussler-Romane bei einer Zumutung völlig anderer Art. Es gibt einige wenige Bücher von ihm, die ich beim besten Willen nicht gelungen finde, und das, was ich in sieben Tagen hier vorstellen möchte, ist eins davon. Wenn ihr euch jetzt fragt, wie es zu diesem doch ein wenig überraschenden Urteil kommt, dann schaut wieder hier herein. Ich denke, es wird ein interessantes Lehrstück über ein… sagen wir… eigenartiges Buch sein.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 213: Der OSM in Gedichtform (2)

Posted April 2nd, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute reisen wir mal wieder weit zurück in meiner persönlichen Kreativbio­grafie, nämlich in das Jahr 1986. Damals arbeitete ich an mehreren Texten, die sich mit den Rittern vom Goldkristall und ihren Vorgesetzten, den so genannten Matrixkoordinatoren, im Oki Stanwer Mythos (OSM) befassten. Die einzige Ge­schichte, die dazu dann jemals fertig wurde, war „Fragment der Ewigkeit“, im gleichen Monat fertig gestellt wie das unten dargebotene Gedicht „Die Wärter-Reihe“.

Ich fragte mich damals, ob ich imstande wäre, schon herauszufinden, wer diese Matrixkoordinatoren wären und ab wann sie im OSM wirkten. Wie man sehen wird, habe ich mich damit ein wenig übernommen, allerdings wirklich nur ein wenig. Und nachdem dieser Text jetzt über 30 Jahre gewissermaßen „unter Ver­schluss“ war, ist es mir eine Freude, ihn euch zugänglich machen zu können – auch wenn ihr euer erstes „Date“ mit einem Matrixkoordinator dann erst im Verlauf des KONFLIKTS 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC) haben werdet… sicherlich aber noch nicht im Jahre 2017.

Wie im ersten Fall eines OSM-Gedichts möchte ich hierbei jeweils nach einer „Strophe“ ein wenig interpretieren und die Rätselhaftigkeiten des Textes ent­wirren, ehe ich fortfahre. Beginnen wir also:

Die Wärter-Reihe

1.

Einst war der Weltraum wüst und leer.

Doch diese Wüste war hell und licht,

grell und gnadenlos.

Als das erste Leben entstand, da waren sie,

die Bauer des kosmischen Schachs,

mit erschienen.

Und sie schlugen ihre Kämpfe.

Und sie verloren.

Erläuterung: Dies ist der Anfang des frühen KONFLIKTS des OSM. Die Welt ist noch ungeordnet, die Figuren auf dem Spielbrett des ewigen Krieges zwischen Hell und Dunkel nicht strukturiert, nicht wirklich in Erscheinung getreten. Mit den „Bauern“ sind in diesem Fall die Baumeister gemeint. Hier wird vage umris­sen, warum es notwendig für die Sieben Lichtmächte war, eine neue Gruppe von Kämpfern auf das Schlachtfeld zu bringen. Eben die Matrixkoordinatoren.

2.

Einst war der Weltraum unkoordiniert und frei,

nichts band oder kontrollierte seine Wesen.

Aber in Freiheit und Anarchie gedieh das Böse.

So sah sich das Licht dazu gezwungen,

Wärter über den KONFLIKT einzusetzen.

Erläuterung: Dies ist eine interessante Bemäntelung der Tatsache, dass die kon­ventionellen Mittel der KONFLIKT-Führung versagt hatten. Dass „in Freiheit und Anarchie“ das Böse gedeihen würde, ist so eine archaische Law-and-Order-Vor­stellung, der ich heute nicht mehr anhänge. Wenn „Licht“ steht, lies: Sieben Lichtmächte + Baumeister.

3.

Sieben war die Zahl dieser Wärter,

denn Sieben war die Zahl des Lichts.

Sieben Lichtmächte gab es,

sieben Helfer des Lichts –

und SIEBEN SIEGEL.

Erläuterung: Wer hier einen Hauch von Zahlenmystik wittert, liegt durchaus richtig. Die Zahl 7 spielte in der Zeit eine wichtige Rolle, und taucht im OSM überall auf. Hier drückt sich das symptomatisch aus.

4.

Im 3. Leben, im 3. KONFLIKT,

da erschien der erste der Reihe.

Unerfahren noch und unbelastet,

doch er wurde bereits erwartet –

denn das Böse sah alles.

Sein Name war DER LENKER!

Erläuterung: Ebenso, wie der KONFLIKT 3 bislang noch nicht geschrieben wor­den ist, sondern bislang nur in vagen Umrissen existiert – ich denke, er wird zu­tage treten, wenn ich eine der gegenwärtig noch in Arbeit befindlichen Serien abgeschlossen habe, es kann also noch ein paar Jahre dauern – , ist der LENKER noch nicht aufgetaucht.

Nun… das muss ich dahingehend einschränken, dass ich, weil die Story „Frag­ment der Ewigkeit“, von der ich vorhin sprach, noch nicht digitalisiert habe, ak­tuell nicht völlig sicher bin, ob er dort nicht doch in Erscheinung tritt. Das scheint mir durchaus möglich. Allerdings dann nur eher kursorisch. Beizeiten lasse ich es euch wissen.

In dieser Strophe schimmert dann auch wieder dieses theatralische Pathos durch, das die frühen OSM-Gedichte so sehr durchtränkt. Heutzutage eher ein wenig unangenehm zu lesen, finde ich.

5.

Nur drei KONFLIKTE überlebte er,

dann wurde er eliminiert von jenen,

die seine Herren und Erschaffer waren –

vom LICHT!

Denn er war ein Denker, ein Suchender.

Und die Geheimnisse, denen er auf der Spur war,

sie gefährdeten das Inkognito.

Darum musste er verschwinden.

Erläuterung: Wir zählen mit – KONFLIKT 3, 4 und 5 als Handlungsorte des ersten Matrixkoordinators. Zum Ende hin (im ebenfalls noch ungeschriebenen KON­FLIKT 5) scheint der LENKER eine tragische Figur zu werden. Inwiefern er im IN­SEL-Imperium des KONFLIKTS 4, also der Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) persönlich auftritt, ist aktuell noch unklar.

6.

Schon im kommenden Universum war der Ersatz da,

der zweite der Siebener-Reihe.

Sein Name war DER GÖTZE.

Er war eitel, zugleich aber gerissen

und teuflisch schlau.

Oft überlistete er das Böse,

schuf titanische Bastionen des Guten.

Erläuterung: Und hier haben wir dann den ersten Matrixkoordinator, der mir wirklich vertraut ist. Der GÖTZE ist ein undurchschaubares Wesen. Soweit ich mich recht erinnere, ist er in den KONFLIKTEN 6-11 aktiv, also wirklich eine enor­me Zeitspanne innerhalb des OSM. Würde er diese Zeitspanne tatsächlich voll­ständig bewusst leben, würde er rund 30 Milliarden Handlungsjahre alt sein. Das hält natürlich kein Lebewesen aus, und die weitaus meiste Zeit dieser Span­ne befindet er sich im Tiefschlaf. Aber er erlebt und formt so interessante Ster­nenreiche wie das erste Stellarimperium der irdischen Menschheit (KONFLIKT 8, noch ungeschrieben), das okische Imperium in KONFLIKT 9 (Serie „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“ (DKdO), das schließlich zwei Galaxien umspannt, und das All-Hüter-Reich im noch ungeschriebenen KONFLIKT 10. Was genau im KONFLIKT 11 geschieht, ist unklar. Sicher ist nur, dass er in diesem Universum den Tod findet. Die Umstände seines Todes sind aktuell nebelhaft.

Mit den „titanischen Bastionen des Guten“ spielte ich auf die Sternenreiche der Okis und der All-Hüter in den KONFLIKTEN 9 und 10 an, die mir bekannt waren, mehrheitlich aus den „Gedankenspielen“ mit meinem Bruder. Die meisten der damaligen Geschichten spielten in KONFLIKT 9.

7.

Doch je länger er existierte,

desto mehr spürte er den Krebs in sich,

jenes Symptom, das ihn zersetzte,

es wurde immer schlimmer.

Und es lag nicht am BÖSEN selbst,

sondern am Universum, das er nicht ändern konnte.

Letztlich zerbrach er daran und siechte dahin.

Erläuterung: Wie oben kurz angedeutet, dies ist der unklare Tod des GÖTZEN in KONFLIKT 11. Er scheint, wie sein Vorgänger, je älter er wurde, desto grübleri­scher veranlagt gewesen zu sein.

Für die Lichtmächte war das ein Grund, seinen Nachfolger anders zu strukturie­ren.

8.

Für ihn kam der dritte der langen Reihe.

Er war der WÄCHTER.

Die Lichtmächte hatten ihn gerüstet,

damit ihn nicht das Schicksal des Vorgängers ereilte.

Aber wer konnte schon die Universen berechnen?

Er war gezwungen, eine Marionette zu werden,

und er wurde missbraucht.

Das ertrug auch sein Geist nicht.

Und das BÖSE vernichtete den WÄCHTER.

Erläuterung: Es klingt wirklich kurios, aber über den WÄCHTER weiß ich mit Ab­stand am meisten, dennoch wird er hier sehr kurz abgehandelt. Das hatte orga­nisatorische Gründe – mir schien das Gedicht schon unheimlich lang, und ich wollte allmählich zum Ende kommen. Das ist natürlich eine fatale Einstellung.

Der WÄCHTER trat auf in KONFLIKT 12, also der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“, die 1993 abgeschlossen wurde. Er agierte weiter in KONFLIKT 13 „Oki Stanwer Horror“ (OSH), an der ich von 1982-1985 geschrieben hatte. Hier kommt die dyschrone Schreibform des OSM zum Tragen. Sobald alle Serien ab­geschrieben und digitalisiert sind und ich sie in der richtigen chronologischen Reihenfolge publizieren kann, werden eine Menge Passagen synchronisiert wer­den müssen.

Anschließend jedenfalls wirkte der WÄCHTER dann in KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC), die ich von 1983-1988 verfasste. Und seinen oben nur angedeuteten Tod fand er, völlig desillusioniert und verbittert, in KON­FLIKT 15 „Oki Stanwer“ (OS), in der Serie also, mit der ich den schriftlichen OSM zwischen 1981 und 1984 begonnen hatte. Ihr seht also – ich kannte sein gesam­tes Leben und hatte es gewissermaßen „von hinten aufgezäumt“. Und dennoch kam er hier nur kursorisch weg. Eigentlich ein unfaires Vorgehen. Sehe ich ganz genauso.

9.

Nach ihm erschien der LEUCHTENDE,

der vierte in der Reihe.

Er war gefeit gegen die Flüche der Matrix,

er war immun gegen die Degeneration –

GLAUBTE ER!

Doch es war ein Irrglaube.

Die Lichtmächte vermochten nicht zu schützen,

sie konnten nur zerstören.

Erläuterung: Auch hier haben wir wieder Theatralik – die „Flüche der Matrix“ sind etwas, was ich an dieser Stelle mangels eures Vorwissens schlecht ausfüh­ren kann, aber der Begriff der „Degeneration“, der euch im OSM noch öfter be­gegnen wird, kann angedeutet werden. Er hat etwas mit dem Primärenergiepo­tential eines Lebewesens zu tun und betrifft namentlich Bedienstete der Sieben Lichtmächte. Je länger ein solches Wesen, etwa ein Matrixkoordinator, in einem KONFLIKT aktiv ist, desto stärker degeneriert sein Primärenergiepotential, was ihn zugleich angreifbarer macht für alle Formen von Effekten des Universums.

Der Schlussakkord dieser Strophe ist dann wieder für euch rätselhaft, und es ist noch nicht an der Zeit, ihn aufzuhellen. Dafür bedarf es weiteren Hintergrund­wissens. Allerdings ist die hierin enthaltene Wertung, genau genommen, unfair.

10.

So starb auch der LEUCHTENDE.

20 von 33 Kämpfen waren unterdessen verstrichen,

alle vom Bösen selbst entschieden.

Der Kampf ging aber weiter,

er würde es immer gehen.

Noch immer lag der wahre Sinn verborgen,

doch wenn man ihn nicht entdeckte,

würde die Schöpfung verloren sein!

Erläuterung: Auch im Fall des LEUCHTENDEN sei übrigens angemerkt, dass ich von seinem Leben sehr viel weiß. Er agierte in den KONFLIKTEN 16 „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ (1983-1998), 17 „Drohung aus dem All“ (1983-1986), 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (1984-1989), 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ (begonnen 1991) und 20 „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“ (1984-1997). Kurioserweise erlebte ich seinen dramatischen Tod in KONFLIKT 20 in der Baumeister-Galaxis Arc schon sehr früh mit, nämlich 1988. In KONFLIKT 19 habe ich es allerdings noch immer mit dem quicklebendi­gen und schon mental sehr angeschlagenen LEUCHTENDEN zu tun… manchmal ein sehr bizarrer Effekt.

Was den „wahren Sinn“ angeht, der gegen Ende der Strophe erwähnt wird, so war diese Formulierung äußerst hellsichtig, selbst wenn ich noch gar nicht ahn­te, was dann im KONFLIKT 23 „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ (1988-1994) geschehen würde. Daran hatte ich noch nicht eine Zeile geschrieben, als dieses Gedicht entstand…

11.

Vier der langen Reihe sind tot.

Gestorben auf verschiedenste Art –

und vergessen.

Drei gibt es noch,

von denen man nur die Namen kennt.

Dies sind:

12.

DER HÜTER

DER WÄRTER

und

DER RICHTER.

Erläuterung: Diese beiden Strophen werden, da sie direkt zusammenhängen, miteinander erläutert – sie sind nur insofern interessant, als der HÜTER, der nach dem Tod des LEUCHTENDEN das Amt des Matrixkoordinators übernimmt (dies geschieht in KONFLIKT 21 „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“, in Arbeit seit 1988), inzwischen hinreichend in Erscheinung getreten ist. Dies war sowohl im Folge-KONFLIKT 22 „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“ (in Arbeit seit 1989) der Fall als auch in KONFLIKT 23 „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“, wo ich dann allerdings 1994 das Kontinuum dieser Reihe verließ.

Wieso geschah das?

Nun, der Oki Stanwer Mythos veränderte sich in den frühen 90er Jahren in un­vorhersehbarer Weise, und das machte ein Durchbrechen alter Schematismen dringend erforderlich. Ich kann darum nicht sagen, ob die beiden letzten der ge­nannten Matrixkoordinatoren tatsächlich noch erscheinen werden. Das wird die Zukunft zeigen.

13.

Doch können sie etwas tun?

Verfahren, wie sie sind?

Ihre Kraft sinkt beständig,

das Vertrauen in ihre Helfer ebenso.

Die Wärter-Reihe ist eine Reihe von Selbstmördern,

die fröhlich in den Krieg gingen,

weil sie nicht wussten,

dass ihr Grab bereits geschaufelt war.

Erläuterung: Das ist nun wirklich etwas fatalistisch ausgedrückt und wird den Persönlichkeiten, die im Gedicht genannt werden, nicht wahrhaftig gerecht. Al­lerdings war mein damaliger Eindruck tatsächlich ein bisschen der von Don Qui­chotte und seinem vergeblichen Kampf gegen Windmühlenflügel (und dies, ob­gleich ich Cervantes´ geniales Werk damals nur vom Hörensagen kannte, inzwi­schen habe ich es ja mit großem Genuss gelesen). Ich sah halt eine Gruppe von machtvollen Soldaten des Lichts, die in desaströse Kämpfe verstrickt waren, de­ren Taten ich aber nicht richtig zu interpretieren wusste, weil ich das Gesamtbild nicht einmal näherungsweise erahnte. Heutzutage bin ich Tausende von Seiten weiter und erheblich kenntnisreicher… die Darstellung der Koordinatoren wird im E-Book-OSM also sicherlich deutlich von dem hier abweichen.

EPILOG:

Es gibt nur eine Hoffnung in diesem Spiel,

das ist der Joker, die Trumpfkarte.

Doch wer ist das?

Wie kann man es in die Wirklichkeit umsetzen?

Ist OKI STANWER der Joker?

Oder KLIVIES KLEINES?

Vielleicht TOTAM gar –

Oder SOFFROL, der Rächer von Breeth-Fgahn?

Eins ist sicher – er ist seit langem dabei.

Und er kennt Teile des Großen Geheimnisses,

eines Mysteriums, das so gefährlich ist,

dass jeder, der es sah, sterben musste.

Wegen dieses Mysteriums starben Galaxien!

Aber die Frage ist:

Kann dieser Joker rechtzeitig das Geheimnis finden,

die Lügner des Kosmos enttarnen

und den Sinn des KONFLIKTES zeigen?

Denn wer weiß: vielleicht würde dann…

ja nicht mehr gekämpft.

Nie mehr!

ENDE

© by Uwe Lammers

Gifhorn, den 3. Juni 1986

Abschrift: Braunschweig, den 29. Oktober 2015

Gedicht Nr. 35

Erläuterung: Der Epilog ist dann wieder etwas kryptisch, würde ich mir vorstel­len können. Nicht allein, weil das Geheimnis, das dieses Prosa-Gedicht durch­weht, so vollkommen unklar bleibt. Es geht, soviel ist sicher, um ein Ursprungs­geheimnis des OSM und darum, dass zentrale Personen des Oki Stanwer My­thos imstande sein könnten, qua ihres Fachwissens selbiges zu lösen, was den Matrixkoordinatoren nicht gegeben war.

Es ist indes unübersehbar, dass damit die Intention des Gedichts entgleist. Die Schlüsselfrage bleibt hier allerdings ungelöst, die „Lügner des Kosmos“ getarnt, der KONFLIKT dauert an. Und dies schon eine sehr, sehr lange Zeit. Eine Zeit­spanne, in der „Galaxien starben“… ob nun wegen dieses Mysteriums oder aus anderen Gründen, sei hier mal theatralisch verhüllt.

Wer weiß, in weiteren Gedichten gibt es vielleicht enthüllendere Passagen als diese.

Soweit für heute, meine Freunde. Ich weiß, es waren wieder eine Menge Wor­te, aber sie schienen mir sinnvoll eingesetzt zu sein. Wohin es uns in der kom­menden Woche verschlagen wird, mag ich heute noch nicht enthüllen – bleibt neugierig und schaut wieder herein!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 105: Anti-Eis

Posted März 29th, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

als mir meine liebe Brieffreundin Babette diesen vorliegenden Roman zum 31. Geburtstag schenkte, also vor rund 20 Jahren – man glaubt es eigentlich kaum, wie die Zeit dahinrast – , da hatte ich von Stephen Baxter wirklich noch keine sehr große Ahnung. Erst recht nicht davon, wie unglaublich produktiv er noch sein würde und was für ein Regal an Werken er bis heute mit erstaunlicher Energie vorlegen würde.

Irgendwie spielte das auch überhaupt keine Rolle, weil der Roman einen emp­findlichen Nerv bei mir getroffen hatte, der schon seit Jahrzehnten aktiv und sensitiv war: die Lust am Fabulieren in kontrafaktischen Welten und den paral­lelen Wirklichkeiten des „Was wäre, wenn…“ Es ist wohl keine Überraschung, wenn ich sage, dass diese Faszination bis heute ungebrochen anhält.

Selbst wenn ich heutzutage gegenüber Baxter ein wenig kühler reagiere, ist doch das ausgesprochen positive Fazit des unten stehenden Romans immer noch aktuell. Und ich bin überzeugt davon, dass Phantasten, die sich heute nach wie vor an den Werken des großen Franzosen Jules Verne begeistern, in diesem Buch sehr auf ihre Kosten kommen werden.

Machen wir uns also auf in eine Welt, in der – ganz im Gegensatz zum „Brexit“ der heutigen Zeit und der „kleinen“ Empire-Lösung des 21. Jahrhunderts Groß­britannien eine globale Großmacht wird, ausgelöst durch den Fund einer rätsel­haften außerirdischen Substanz namens Anti-Eis…

Anti-Eis

(OT: Anti-Ice)

von Stephen Baxter

Heyne-TB 4891

12.90 DM, August 1997

Aus dem Englischen von Martin Gilbert

320 Seiten

Was ist das doch für eine schöne neue Welt, in der man bequem mit den Ein­schienenbahnen zügig die Britischen Inseln bereisen kann und auch mit komfor­tablem Luxus die Hauptstadt Manchester zu erreichen imstande ist. Es gibt so­gar die Pontonbrücken, mit denen die Schwebebahnen nach Frankreich hin­überreisen können. Die britische Hegemonie beherrscht weitgehend die Welt und kann sich zurücklehnen, wenn andere Mächte auf dem Kontinent sich zan­ken, wo noch „Mittelalter“ zu herrschen scheint, beispielsweise im Heiligen Rö­mischen Reich Deutscher Nation, das de facto seit 1806 nicht mehr besteht, wo aber immer noch alles in eine Vielzahl von kleinen Staaten zersplittert ist.

Jedenfalls meinen die Engländer, sich zurücklehnen zu können, um die neuen technischen Wunder zu genießen. Bis sie leider selbst in einen Konflikt hinein­gezogen werden, der auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim tobt…

Eine Fiktion der nahen Zukunft? Mitnichten. Man schreibt das Jahr 1855, und das britische Empire ist durch den Fund einer außerirdischen Substanz nahe dem Südpol, die man Anti-Eis nennt und eine unglaubliche Energiequelle ist, zur weltbeherrschenden Supermacht aufgestiegen. Der geniale Wissenschaftler Josiah Traveller, verantwortlich für eine Vielzahl von Anti-Eis-Erfindungen, ist es auch, der den Gedanken hat, die erfolglose Belagerung von Sewastopol relativ unblutig zu beenden, indem er sich eine spezifische Eigenschaft von Anti-Eis zu­nutze macht: Die Substanz ist nahe dem absoluten Nullpunkt supraleitend und wird ständig von magnetischen, hochfrequenten Feldern durchströmt. Sobald man diese Substanz geringfügig erhitzt, brechen die Felder unter unvorstellba­rer Energieentfaltung zusammen. Leider verschätzt sich Traveller, und die An­ti-Eis-Granate ebnet Sewastopol mit einer nuklearen Explosion ein, was ihn zeitle­bens traumatisiert.

Von da an versucht er, diese Kräfte nur noch friedlichen Nutzungen zuzuführen. Im Jahre 1870 wird der junge Diplomat Ned Vicars, der Fürst Bismarcks Delega­tion in London die Errungenschaften britischer Technik zeigen soll, zufällig in diese Verwicklungen verstrickt. Die Vorstellung des neuesten Wunderwerks, des Landkreuzers PRINCE ALBERT, in Belgien gerät zum Fiasko, weil französische Freiheitskämpfer, die Franktireurs, einen Sabotageakt verüben. Ned Vicars und sein Begleiter Holden kommen nur deswegen mit dem Leben davon, weil sie zufällig auf dem Landkreuzer den genialen Traveller getroffen haben, der ihnen die allerneueste Errungenschaft vorstellt: ein projektilförmiges Gebilde, das er Phaeton nennt: ein Luftschiff. Während er ihnen diesen Prototyp noch zeigt, werden sie jedoch von einem Franktireur entführt und finden sich unversehens in prekärer Lage wieder – im Orbit um die Erde, mit zur Neige gehenden Treibstoffreserven und keiner Möglichkeit, ins Cockpit vorzudringen.

Derweil eskaliert auf der Erde, ausgelöst von der Emser Depesche, der Krieg zwischen Frankreich und Preußen, und er nimmt sehr bald dramatische Formen an. Schlimmer jedoch ist der Existenzkampf im All, weil sich das einzige ansteu­erbare Ziel sehr rasch als menschenfeindlich entpuppt – der Mond…

Stephen Baxter, der neue Shooting-Star der SF in England, hat mit diesem Paral­lelweltenroman ein kenntnisreiches, sehr faszinierendes Buch verfasst, das für mich als Student der Geschichte besonderen Reiz entfaltet, weil viele seiner Prämissen, die er ausdefiniert, zu alternativen Szenarien führen, die von einer bestechenden Plausibilität sind. Es gibt hier und da einige logische Schwächen, zugestanden, im ganzen aber ist es ein beklemmendes Panorama einer Welt, wie sie vielleicht hätte sein können, wenn es diese Substanz oder Traveller bzw. beide je gegeben hätte. Das größte Vergnügen ging für mich weniger von der „Actionhandlung“ aus als vielmehr von dem historischen Umfeld und den liebe­vollen Details. Für Parallelwelt-Fans durchaus ein Gewinn.

Uwe Lammers

© 1997/2005 by Uwe Lammers

Im Vergleich zu den anderen Werken, die ich von Stephen Baxter kenne, mag man dieses Buch hier für eine Art schöne historisch untermauerte Fingerübung halten, das gilt auch für den Umfang. Aber das positive Leseerlebnis reichte un­bedingt aus, um mich neugierig auf weitere Werke seines Verfassers zu ma­chen. Dafür ist „Anti-Eis“ jederzeit geeignet, würde ich sagen.

In der kommenden Woche kümmere ich mich um ein Buch, das ich wirklich in jüngster Vergangenheit gelesen habe und das mich in vielerlei Weise zu überra­schen wusste, weil ich zuvor eigentlich der Auffassung war, die im Zentrum ste­hende Person schon vergleichsweise gut – aus autobiografischer Sicht – zu ken­nen. Der Persönlichkeitsfilter war dort allerdings extrem wirksam, und das hatte im Falle von Patricia Highsmith gute Gründe. Deshalb kommt in der nächsten Woche hier jemand zu Wort, der sich schwer in sie und ihre Eigenheiten verlieb­te.

Seid neugierig, Freunde, das ist eine faszinierende Achterbahnfahrt der Gefüh­le, die euch in sieben Tagen erwartet.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

wie ihr euch vorstellen könnt und aus eigener Lebenspraxis kennt, ist der Monat Dezember stets ein harter Prüfstein – es gibt neben möglicherweise vielen Ge­burtstagsterminen solche Dinge wie Weihnachtsfeiern und die Festtage sowie Silvester zu überstehen… und in meinem Leben kondensiert sich das in Form von zahlreicher Weihnachtskorrespondenz. Neben meiner beruflichen Bean­spruchung gab es also viel Singuläres, temporär strikt Gebundenes zu schrei­ben. Die dafür erforderliche Zeit ging natürlich von meiner freien Zeit ab. Positiv ist allerdings zu vermelden, dass ab dem 24. Dezember Urlaub angesagt war und für kreative Zwecke genutzt werden konnte, buchstäblich bis zur letzten Minute des Jahres.

Denn das war dann die zweite Nagelprobe der Schreibzeit: der Versuch, mög­lichst viel von der zahlreichen liegen gebliebenen Korrespondenz des Jahres zum Jahresschluss noch aufzuarbeiten. Und wenngleich ich mir alle erdenkliche Mühe gab, ist doch sehr viel nicht geschafft worden… der Tag hat halt nur 24 Stunden, und ungeachtet des Glaubens vieler meiner Freunde bin ich doch nur ein normaler Mensch und habe nicht etwa den Erholungsschlaf abgeschafft oder mir eine Legion von Klonen zugelegt, die für mich die Korrespondenz über­nommen hätten.

Seufz. Wenn das Leben doch so einfach wäre wie beispielsweise das Leben auf Tornolaan… ach nein, das ist unfair gesprochen. Das Leben auf dem Techno-Pla­neten Tornolaan am Rand der INSEL Mysorstos im KONFLIKT 4 des Oki Stanwer Mythos (OSM) ist nun wahrhaftig nicht leicht. Ihr werdet das beizeiten erleben, wenn ich die Novelle „Besuch in der Heimat“ fertig gestellt habe und euch zu­gänglich machen kann… irgendwann 2017, hoffe ich, wird das passieren.

Was genau habe ich, ungeachtet der obigen Einschränkungen, in diesem Monat Dezember im Jahresendspurt noch schaffen können, soweit es den OSM und den Archipel betraf? Dies:

Blogartikel 208: Work in Progress, Part 48

(18Neu 87: Rettung für Marconius Stanwer)

(18Neu 88: Wenn Feinde zu Freunden werden…)

(18Neu 89: Oki Stanwer muss sterben!)

Erläuterung: Ihr merkt schon am letzten Titel – mitten in dem abenteuerlich lan­gen und grauenhaften „Zeitschatten“-Zyklus – , dass die Dinge hier aus dem Ru­der laufen. Denn die Wesen, die Oki Stanwer auf die Abschussliste setzen, gehö­ren eigentlich zu seinen Verbündeten: die so genannten Grauhäutigen, künstli­che Lebensformen, die von den Baumeistern erschaffen wurden und ihm als Helfer zur Seite stehen sollten.

Problem: die Grauhäutigen dieser Welt sollten eigentlich gar nicht da sein. Und richtig „ticken“ sie auch nicht. Dies zeitigt katastrophale Auswirkungen…

Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee, Teil 4 – OSM-Roman für BWA-Abdruck

(OSM-Wiki)

Blogartikel 215: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 43

Blogartikel 220: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 44

(DM 64: Der Raumzeitgletscher)

(Eine scharf geschliffene Waffe – OSM-Roman)

(DM 68: Jenseits der Sterne)

Erläuterung: Wer die Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) aufmerk­sam bis zur Gegenwart verfolgt hat, wird bei diesem Titel möglicherweise einen gewissen Argwohn hegen. Sagte doch der Baumeister Nogon in Band 26 der TI-Serie, ein Baumeister-EXIL läge „jenseits des Universums“. Wer hier eine Verbin­dung herzustellen sucht, liegt durchaus richtig. Der Handlungsschauplatz dieser Episode ist der „Sonnengarten“ der Galaxis Milchstraße im 21. irdischen Jahr­hundert. Allerdings liegt das alles, von der Galaxis Twennar aus betrachtet, an­nähernd 100 Milliarden Jahre in der Handlungszukunft… aber es ist ein faszinie­rendes, erotisches Setting mit Sternenfeen in zentralen Positionen. Und was die am liebsten tun, wisst ihr ja aus dem Roman „Die schamlose Frau“ nun wirklich bestens…

(14Neu 39: Transmittermond der Plegg’re)

Erläuterung: Das Volk der Plegg’re taucht hier erstmals namentlich auf, es spielt in der weiteren Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC) dann noch eine bedeutende Rolle innerhalb einer komplizierten Zeitschleife. Beizeiten sage ich mehr dazu.

(DSf 57: Sklaven des SYNDIKATS)

Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee, Teil 5 – OSM-Roman für BWA-Abdruck

(18Neu 86: Die Matrixfehler-Seuche)

12Neu 36: Das Reich hinter dem Universum

Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee, Teil 6 – OSM-Roman für BWA-Abdruck

(Auf und nieder – Archipel-Story)

(E-Book 37: Die Nomaden von Twennar)

14Neu 38: Das Gigant-Syndrom

(Die Rollenspielerin – Archipel-Novelle)

(Sarittas Hilflosigkeit – Archipel-Story)

18Neu 82: Wächter des Vierten Siegels

(14Neu 40: „Oki Stanwer antwortet nicht!“)

(14Neu 41: Mission Todeszone)

Blogartikel 209: Chaos im Mikrokosmos – wenn ein Autor sich in Halbheiten verheddert

Erläuterung: Ja, das ist die nächste Folge der Reihe „Fehler im OSM“, in denen ich ironisch amüsante Verirrungen in frühen Geschichten aus meiner Feder zum Besten gebe. Diesmal erwischt es, mal wieder, den KONFLIKT 14, also die Serie „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“. Worum es genau geht, habt ihr ja vor drei Wochen schon lesen können.

(Mariannes Kursänderung – Archipel-Story)

Erläuterung: Aktuell halte ich das durchaus noch für eine Story, obwohl sie sich im Dezember ab Heiligabend in enormer und schöner Weise entfaltet hat und aktuell 83 anderthalbzeilige Seiten umfasst. Wenn man bedenkt, dass sie Hei­ligabend noch keine 30 besaß, würde ich schon sagen, sie ist gut aufgeblüht. Es kann allerdings sehr wohl sein, dass sie sich zu einer Novelle um 200 Seiten Um­fang entwickelt. Das muss die nächste Zeit zeigen.

(12Neu 37: Soffrols Erbe)

(12Neu 38: Der Bezwinger erwacht!)

(12Neu 39: Der Doppelzeit-Effekt)

(Ungleiche Freunde – OSM-Story)

Erläuterung: Ha, wer da jetzt die Ohren spitzt und denkt „Diesen Titel habe ich doch schon mal vernommen!“, der gehört ohne Frage zu den Lesern der OSM-Geschichte „Der Platz der Steine“. Recht so: Ich sagte damals, die Geschichte der kleinen und reichlich frechen Senyaali auf dem Planeten Swamp/Dawson würde beizeiten fortgeführt werden, und zwar in Form dieser Geschichte. Wie ihr aber sehen könnt, ist sie noch nicht fertig. Die Sachlage ist vielmehr eine ganz andere.

Während ich an dieser Story herumgrübelte, fiel mir auf, dass eine vor Monaten geschriebene neue Szene dafür eigentlich den Stoff für eine eigene Kurzge­schichte hergeben würde… und so wurde sie ausgekoppelt. Das geschah wirk­lich binnen eines Tages, und so entstand der nächste Posten auf meiner kreati­ven Agenda:

Das Versteinerungs-Spiel – OSM-Story

Erläuterung: Die Geschichte spielt vier Jahre nach „Der Platz der Steine“, und sie ist für meine Verhältnisse mit 22 Seiten recht knapp, eher eine Art von Vi­gnette. Aber ich habe sie schon zwecks Veröffentlichung im Fandom bei einer Redaktion eingereicht, und bis dieser Blog euch erreicht, ist sie vermutlich schon erschienen. Mehr an Details über den Inhalt zu verraten, halte ich für inoppor­tun. Ein wenig Grund zur Neugierde soll doch bleiben, nicht wahr…?

(12Neu 40: Krieg in Kirrongar)

Erläuterung: Dies ist der dritte Band der Oki Stanwer-Trilogie, die im Reich der Allis in Koopen spielt, einer Galaxis, die im KONFLIKT 12 auch „Kirrongar“ ge­nannt wird. Warum dies, das können wir ein anderes Mal klären. Faktum ist nur, dass mit Oki Stanwers Erwachen das Chaos, das er ja laut Serientitel be­zwingen soll, erst richtig ausbricht… und die Serie ging raketenartig durch die Decke, was die Geschwindigkeit anging, mit der ich – damals in Hameln im Zivil­dienst sitzend anno 1989/90 – die weiteren Episoden schrieb.

Tolle Zeit, echt. Dazu sage ich sicherlich auch mal irgendwann im Blog mehr. Doch nicht heute.

Für den Moment habe ich den Saum des Monats Dezember 2016 erreicht und alles dargestellt, was ich in den zurückliegenden Wochen schaffen konnte. Wie sich die Dinge im Januar 2017 entwickelt haben, erzähle ich euch in ein paar Wochen.

In der kommenden Woche begeben wir uns mal wieder auf literarische Pfade und erkunden ein weiteres OSM-Gedicht meiner Frühzeit.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 104: Das Pharao-Komplott

Posted März 22nd, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

dass ich den unten stehenden Roman empfehle, muss wohl nicht überraschen, nicht wahr? Ich meine, wer schon länger meinem Rezensions-Blog folgt, der er­innert sich natürlich an die Blogeinträge 72 „Mythos Ägypten“, 92 „Das Tal“ und 97 „Auf den Spuren unserer Vergangenheit“, und er/sie weiß, dass es gera­dewegs unvermeidlich war, diesen Roman aus meinen Regalen zu ziehen und ihn für den Blog neu zu rezensieren.

Immerhin: Pharaonen stehen schon im Titel. Ein wunderbares ägyptisches Kleinod schmückt die Hardcoverausgabe, die ich vor mehr als 25 Jahren zum vollen Originalpreis erwarb. Und ich bin Ägypten- und Pharaonen-Fan… also bit­te, das ist wirklich ein Must-Have.

Natürlich können die Ahnungslosen unter euch die Stirne runzeln und sich fra­gen: die Pharaonen sind doch lange ausgestorben, wie können die ein Komplott anzetteln…? Aber wer so denkt, überinterpretiert den Titel. Es geht nicht um Wiedergänger-Mumien, definitiv nicht, aber sehr wohl um die ägyptische Ver­gangenheit und einen verborgenen, phantastischen Schatz.

Wer mehr erfahren möchte, der lese weiter.

Das Pharao-Komplott

Von Philipp Vandenberg

Lübbe Hardcover

390 Seiten

Bergisch-Gladbach 1990,

ISBN 3-7857-0589-1

Alles beginnt ganz unscheinbar: im Münchner Hermes-Institut, einer Institution, die mit der routinemäßigen Prüfung der Echtheit von Antiken befasst ist, wird im Jahre 1978 bei der Untersuchung einer kleinen Bastet-Katze in einer Höh­lung der Figur ein Zettel gefunden, der die kryptische Aufschrift „MURDERER No 73“ trägt. Der Zettel wird als Kuriositätenkabinett des Instituts abgelegt, wo man allerlei Fälschungen und Merkwürdigkeiten aufbewahrt. Acht Jahre später stößt Autor Vandenberg, der eine seiner eigenen Antiken hier prüfen lässt, auf diesen rätselhaften Zettel, und er wittert eine interessante Geschichte dahinter. Wie eigenartig sie sich indes entwickelt, man könnte auch sagen: wie tödlich, das vermag er sich in seinen kühnsten Träumen nicht auszumalen.

Zunächst führt die Spur nach Berlin, sodann nach London zum Auktionshaus „Christie’s“ und zu einem rätselhaften Todesfall bei einer Auktion. Adressen, die Vandenberg ausgehändigt bekommt und ihn weiterführen sollen, erweisen sich als fiktiv. Ansprechpartner lassen sich verleugnen. Die Spur verläuft offensicht­lich völlig im Sand… und wird dann noch verwirrender, als er schließlich in Düs­seldorf jenem vermeintlich Toten namens Omar Moussa leibhaftig gegenüber­steht. Aber hier endet die Fährte, das Rätsel bleibt, und Vandenberg steckt für eine Weile auf, für mehr als ein Jahr – bis ihn schließlich ein Manuskript er­reicht, die Lebensbeichte eben jenes Omar Moussa, die ab Seite 23 den eigent­lichen Roman ausmacht.

Moussa ist gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Ägypten geboren, sein genauer Geburtstag ist nicht bekannt, da er als Findelkind an einer Türschwelle abgelegt wurde. So wächst der kleine Omar Moussa in Kairo nahe dem Mena House auf, der Nobelabsteige der reichen Ausländer, und in der Frühzeit geschieht eigent­lich recht wenig… bis Omar die Chance erhält, für den englischen Ägyptologen Professor Shelley und seine Frau als Dienstbote zu arbeiten. Die nächste Station in seinem Leben, als er etwa 14 Jahre alt ist, ist also im Haushalt der Shelleys in Luxor. In Luxor macht Omar die Bekanntschaft der etwas älteren, bildhübschen Halima, die aus dem Dorf Kurna am anderen Nilufer gegenüber von Luxor stammt, und ehe er sich versieht, steckt er in einer gefährlichen Geschichte und wird tagelang in einem finsteren Gefängnis unter der Erde gehalten. Erst später, als er mit viel Glück gefunden wird, kommt ihm zu Bewusstsein, dass irgendje­mand eine schützende Hand über ihn gehalten haben muss – und ebenso muss jemand ihm das Bildnis einer sitzenden Katzenfigur eingebrannt haben. All dies hat noch langfristige Konsequenzen.

Berühmte Leute kreuzen seinen Weg – der Archäologe Howard Carter, der eng­lische Lord Carnavon und diverse andere. Und während der Junge allmählich zum Mann reift, beginnen in Europa finstere Schicksalswolken zu dräuen: so­wohl der Erste Weltkrieg bahnt sich an, als auch Geheimagenten auf die Spur eines uralten Geheimnisses kommen – in verschiedenen Museen Europas fin­den sich die Bruchstücke einer alten schwarzen Steintafel, und offenkundig ist darauf so etwas wie ein Lageplan chiffriert, der den Weg zum Grabmal des le­gendären Pyramidenbaumeisters Imhotep weisen soll.

Im Laufe der folgenden Jahre, während Omar Moussa seinen Kriegsdienst ab­leistet, werden zunehmend weitere Fährten zu dem rätselhaften Grab des Im­hotep sichtbar, doch stets fehlen entscheidende Stücke. Bald sind der französi­sche und der britische Geheimdienst hinter dem Rätsel her, außerdem eine Gruppe von ägyptischen Antikenhehlern, mit denen Omar Moussa schon ein­mal zu tun hatte. Und schlussendlich gibt es dann auch noch eine Gruppe fana­tischer Nationalisten, die das Gold und die Wissensschätze, die im Grab des Im­hotep verborgen sein sollen, dafür nutzen will, das Joch der Briten über Ägyp­ten ebenso abzuschütteln, wie diese es mit der Herrschaft der Türken geschafft haben.

In diesen Strudel an Ereignissen reißt es den jungen Omar Moussa hinein. Hin­ein in ein Wechselbad der Liebesgefühle einerseits, in ein Intrigengespinst an­dererseits, und ständig lauert Gefahr: Zugstrecken explodieren, Menschen fal­len Seuchen zum Opfer, andere werden in Gräbern erschlagen oder zwischen Dünen erschossen… man kann wirklich nicht behaupten, dass Omar Moussas Lebensweg in irgendeiner Weise langweilig ist – und schließlich erreichen die Jäger nach dem Grab des Imhotep tatsächlich die Zielgerade, und das Grab scheint zum Greifen nahe… aber eben auch das entsetzliche Verhängnis, das bisher die Entdeckung so wirkungsvoll verhindert hat…

Vandenbergs Roman liest sich über weite Strecken wie ein akribisch recher­chierter Antikenkrimi, und das ist auch vollkommen intendiert. Da ich durch die zahlreichen Werke zum Thema Altägypten schon hinreichend sensibilisiert war und jüngst natürlich durch die Lektüre der beiden Sachbücher „Das Tal“ und „Auf den Spuren unserer Vergangenheit“, da fiel es mir umso leichter, in die Szenerie wieder einzusteigen… wieso wieder? Weil ich den Roman am 25. Okto­ber 1990 in Gifhorn gekauft und im Dezember desselben Jahres das erste Mal verschlungen hatte. Kann man nicht anders nennen, und auch jetzt endete das Lesevergnügen schon nach fünf bedauernswerten Tagen. Gute Bücher, ich kann das nicht oft genug wiederholen, sind einfach immer zu kurz, egal, wie lang sie letztlich auch sein mögen (ihr kennt diese Klage von meiner Lektüre der Bücher von Diana Gabaldon).

Knapp 26 Jahre hatten aber trotz einer 1991 publizierten ersten Rezension des Romans völlig hingereicht, um fast die gesamte Handlung aus meinem Verstand zu tilgen. Im Gegensatz zu manch anderem Leser habe ich eben kein fotografi­sches Gedächtnis, und das ist ganz gut so. Ich ließ mich also, Fan der ägypti­schen Antike, höchst bereitwillig in die Geschichte hineinsaugen und verfolgte die Schicksals- und auch Herzenswirren des Omar Moussa durch die Jahrzehnte seines Lebens. Eine sehr anrührende, aufregende Lektüre, wie ich finde.

Nun muss man natürlich sagen, dass Vandenberg während seiner Erzählung gründlich aus der Rolle fiel, wenn es um die Wiedergabe von Gesprächen ging, an denen sein Protagonist Omar Moussa nicht beteiligt war. Da merkt man dann sehr deutlich die Grenzen, die Vandenberg durch die Erzähltechnik gesetzt waren und die er einfach im Schreibfluss ignorierte. Das trübt den ansonsten schon sehr soliden Eindruck an zahlreichen Stellen ordentlich. Allerdings nur, wenn man ein sehr kritischer Leser ist. Falls man, wie es wohl vielen Leuten er­gehen wird, die Erzählperspektive nicht realisiert, fallen einem viele Fehler wohl gar nicht auf.

Was ich als sehr wohltuend empfand, war die Tatsache, dass sich Vandenberg WIRKLICH mit Ägyptologie einerseits und mit dem ägyptischen Alltagsleben an­dererseits hervorragend auskennt. Die Zeit selbst, in der der Großteil des Ro­mans spielt, also von der Jahrhundertwende bis etwa 1925, ist für mich als His­toriker besonders reizvoll. Und so komme ich nicht umhin, dem Roman unge­achtet gewisser inhaltlicher und struktureller Schnitzer zu attestieren, dass er ansonsten außerordentlich gelungen ist und einen schönen spannenden Ein­stieg in Vandenbergs historische Romane einerseits und seine mit historischem Faktenbezug geschriebenen Thriller andererseits darstellt.

Doch, „Das Pharao-Komplott“ ist in meinen Augen ein zu Unrecht heute ver­gessener Roman, den sollte man dringend mal wieder entdecken. Ach ja, und warum heißt das Buch eigentlich so, wie es heißt? Imhotep ist bekanntlich Bau­meister gewesen, kein Pharao (ach ja, und vergesst jetzt einfach mal „Die Mu­mie“ und „Die Mumie kehrt zurück“, die Brendan Fraser-Filme gab es damals doch noch gar nicht!). Das stimmt natürlich. Aber dieses Geheimnis wird an die­ser Stelle nicht verraten. Das solltet ihr wirklich selbst aufdecken. Es lohnt sich!

© 2016 by Uwe Lammers

Genug neugierig gemacht? Gut so. Dann sucht den Roman und schmökert ihn durch, ich bin überzeugt, ihr werdet euch nicht langweilen, sondern mitfiebern auf der Suche nach dem verborgenen Schatz. Es ist wirklich eine packende Lek­türe.

Was will ich euch in der nächsten Woche zeigen? Nun, da reisen wir in ein recht exotisches Paralleluniversum – wenngleich wir immer noch ein gutes Stück in der Vergangenheit verweilen. Denn die Parallelabspaltung beginnt in dieser Welt kurz nach dem Jahre 1850, als die Briten im Krimkrieg die erste Nuklear­waffe der Welt einsetzen…

Bizarr? Ich verspreche euch, das ist wirklich erst der Anfang. Mehr in sieben Ta­gen an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

vor sechs Wochen brach ich den Argumentationsgang, was meine kreative Vita des Oki Stanwer Mythos angeht, Ende Februar 2011 ab und versprach euch, dass wirklich eine wilde Zeit bevorstand. Das war dann auch wirklich der Fall, und die Ursache lag in meinen beruflichen Verpflichtungen.

Ich war seit einigen Monaten bei der Ostfalia, der Fachhochschule Braun­schweig-Wolfenbüttel, unter Vertrag und führte autonom ein Aktenerschlie­ßungsprojekt durch, das in diesem Monat März 2011 seinen Abschluss fand. Au­ßerdem näherte ich mich in raschen Schritten der Fertigstellung der kommentier­ten Abschrift des KONFLIKTS 17 des OSM, der Serie „Drohung aus dem All“ also. Und wie das meist so ist, generiert bei mir der Fortfall eine abgeschlosse­nen Arbeit automatisch das Verlangen, eine weitere Altlast aufzuarbeiten.

In meinem Fall war das spontan der KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ (KGTDUS), an der ich zwischen 1984 und 1989 gear­beitet hatte. Die Serie kam auf 114 Episoden, und die frühen sind sehr kurz. Das hatte zur Folge, dass ich die Episoden 1-5 der kommentierten Abschrift, kurz „18Neu“ genannt, in einem regelrechten Sturmlauf absolvierte. Die Episoden bis Band 10 wurden in der Manier wie in KONFLIKT 17 zumindest parallel schon begonnen.

Daneben feilte ich ein wenig weiter an dem Romanmanuskript „Die Totenköpfe 2: Durch die Ruinenwelten“, an der OSM-Geschichte „Ani und das Wolken­mädchen“, an der vermeintlichen „Story“ „In der Hölle“, an dem Roman „Die schamlose Frau“ (beide sind ja inzwischen längst als E-Book erschienen).

Es ging weiter mit Fortführung der Schreibarbeiten an „Auf Sklavenjagd“ und – naheliegend, wenn man sich mit dem KONFLIKT 18 beschäftigt – mit der nä­heren Ausarbeitung des Romans „DER SIEGEL-KONFLIKT“… oh, und das muss ich vermutlich näher erläutern. Ich habe zwar gewiss schon darauf hinge­wiesen, dass ich an diesem Werk seit 1988 arbeitete, aber das mag euch inzwi­schen entfallen sein:

DER SIEGEL-KONFLIKT“ soll eigentlich einmal die Romanausarbeitung des KONFLIKTS 18 sein, so eben, wie „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ (CK) die Ausformulierung des KONFLIKTS 13 „Oki Stanwer Horror“ (OSH) ist. Und ganz so wie dort habe ich im Fall des vorliegenden (bislang natürlich krass fragmentarischen) Romans einen Einleitungsteil geschrieben, der jedoch deutlich surrealer ist als im CK-Fall.

Anschließend rutschte ich für kurze Zeit ab in den nach wie vor rätselhaften KONFLIKT 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ (DSj), wo ich in der Episode 56 (bis heute fragmentarisch) über „Die Mauern der Offenbarung“ schrieb. Das ist definitiv eine Episode, für deren Fertigstellung ich aktuell noch nicht be­reit bin… was einiges über deren Bedeutungsinhalte aussagt.

Gleich darauf hüpfte ich über mehrere Universen back in time und fand mich in KONFLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ (DM) wieder, wo ich an der Story „Die Intervention“ arbeitete. Wer meine E-Book-Storysammlungen kennt, hat diese Geschichte mit einem leibhaftigen Baumeister in zentraler Posi­tion natürlich schon inhaliert.

Gegen Ende des Monats schaffte ich es außerdem, mit „Zu Besuch in einem kleinen Dorf“ eine frühe Archipel-Story zu überarbeiten. Sonst ließ mich in die­sem Monat März der Archipel angenehm in Ruhe.

Am 3. April vollendete ich dann endlich die kommentierte Abschrift von KON­FLIKT 17. Da verschnaufte ich dann ein Weilchen… und rutschte dramatisch in den Archipel zurück. Die scheinbare Story „Ana und die Sklavinnen“ mutierte binnen weniger Wochen zu einem Roman, der ungeahnte Ausmaße annahm. Er ist nach wie vor nicht einmal entfernt fertig, aber die Storyline ist relativ klar ausdefiniert. Ein beunruhigender gesellschaftspolitischer Roman, der die Skla­vengesellschaft von Asmaar-Len von unten beschreibt.

Dann entstand für FAN der zweite Teil des Reports „Inside TOTAM oder Wie es ist, im Jenseits zu sein“ – dieses Werk bezieht sich auf die Genese des OSM-Romans „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“, mit dem ich relativ kurz zuvor fertig geworden war. Mit Hilfe von Auszügen wollte ich ein wenig tiefere Ein­blicke in den Oki Stanwer Mythos und das Wesen der Macht des Bösen namens TOTAM geben… ich würde den Ansatz heute als misslungen betrachten, aber es war ein interessanter Versuch.

Die Weiterarbeit an zahlreichen Archipel-Geschichten schloss sich an, aber son­derlich viel weiter kam ich in diesem Monat nicht. Ich nehme an, dass der Ana-Roman viel Zeit verschlungen hat. Es ist nicht umsonst in diesem Monat ein Glossar dafür angelegt worden. Und natürlich steckte ich auch bis zum Scheitel in Anton Devorsins Lebensgeschichte, also dem Roman „Die schamlose Frau“, der dann am 2. Mai fertiggestellt werden konnte.

Gleich darauf erfolgte auch die Fertigstellung des Romans „In der Hölle“, wäh­rend ich mich auf der anderen Seite wieder in den Archipel zurück orientierte und hier mit „Abenteuer im Archipel“ an einem Roman und mit „Shayas Be­stimmung“ an einer Kurzgeschichte weiterschrieb.

Als nächstes Großprojekt erwies sich der OSM-Roman „Eine scharf geschliffe­ne Waffe“, den ich im Dezember 2010 begonnen hatte und der nun wirklich Fahrt aufnahm. Wie umfangreich er letztendlich werden sollte, davon machte ich mir hier dennoch keine Vorstellung.

Überhaupt pendelte ich in diesem Monat auch weiterhin zwischen beiden kreati­ven Polen munter hin und her. OSM – in Form des Romans „Quisiins letzter Fall“ – und der Story „Der Orgasmus-Symbiont“… und dann schlug das Pen­del in die Gegenrichtung aus und schleuderte mich etwa mit der Story „Zwei Welten“ in den Archipel zurück.

Da ich mich allerdings dank „In der Hölle“ ordentlich in den KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) eingelebt hatte, konnte es nicht verblüf­fen, dass ich in diesem Universum nun verstärkt haften blieb. Während ich an den dortigen Episoden 10 und 11, die sehr komplex waren, noch nicht sehr weit vorwärts kam, entstanden in schneller Folge die Episoden 15 und 16 sowie 17 und 22. Besonders letztere, „Die finstere Seite des Daseins“ war von Furcht einflößender Intensität, und den armen Techno-Träumer Torkeron, der sich un­vermittelt in just dem Setting wiederfand, das ich mit „In der Hölle“ gerade verlassen hatte (!!), den konnte man nun echt nicht beneiden.

Um mich ein wenig abzukühlen, begann ich mit der Abschrift einer alten OSM-Story mit dem Titel „Die Dunkle Macht“, die in KONFLIKT 9 spielt, also in der Serie „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“ (DKdO). Da diese Geschichte aber schon in den 80er Jahren entstanden ist, hat sie mit der modernen Serie nur recht wenig zu tun. Ich werde diese Story auch gründlich ausarbeiten müssen, ehe ich sie euch zeige.

Und dann war ich wieder im Archipel, um an der Story „Assarons Abenteuer“ zu schreiben bzw. an „Gefunden in den Dünen“, an „Contessa Marianne de Witt“ (Planungstitel) oder an „Sarittas Hilflosigkeit“, „Raubgut“, „Rückzug ins Liebeskloster“ und „Kapitän Taisanors Geschichte“. Freilich kam ich in all diesen Geschichten nicht wirklich intensiv vom Fleck. Dasselbe galt dann für das Ende des Monats auch, wo ich nach Fertigstellung der Episode 8 von KON­FLIKT 18 (Eigentitel: „Zomar greift an!“) noch die Episoden 11-15 vorplante. Den Schluss des Monats April bildeten dann zwei Episoden aus dem „Insel-Re­genten“, die Bände 18 und 19, die ich auch nur skizzieren konnte.

Aber gerade dieser Zweiteiler, der dann im Mai rasch vollendet wurde (obwohl der zweite Band, „Die Wirbelzone“, über 60 einzeilige Manuskriptseiten be­sitzt), zog mich massiv in seinen Bann. Auch dazu sollte ich vielleicht kurz et­was erläutern.

Diese beiden Episoden, „Naams Protegé“ und eben „Die Wirbelzone“ decken einen Zeitraum von mehreren Handlungsjahrzehnten vor Beginn der eigentli­chen Serienhandlungszeit ab. Es geht hier um das Schicksal des Technos Salvo­don, der Zeuge der Vernichtung seiner Heimatwelt wird und als hochbegabtes Kind von dem Baumeister Naam quasi „adoptiert“ wird, auf dass er „Fehlersu­cher“ wird. Er lernt das geheime Fach „Rätselkunde“ kennen und stößt auf das Mysterium der Matrixfehler, von dem beizeiten in anderen Blogartikeln noch viel zu lesen sein wird. Dabei stößt er unter anderem auf yantihnische Matrix­fehler, auf MINEURE der Troohns und monströs verwandelte Shonta… ja, ich sage euch, jeder, der die TI-Serie kennt, wird hier eine massive Ballung von Aha-Effekten erleben.

Und in derselben Serie, ebenfalls im Monat Mai, kümmerte ich mich dann um so monströse Dinge wie „Die Spiegelstadt“ (Band 10) und die furchtbare Reak­tion auf deren Entdeckung – niedergeschrieben in Band 11 „Helfen und Ver­nichten“. Na ja… und weil ich sowieso gerade intensiv in KONFLIKT 4 steckte, blühte natürlich auch die Geschichte „Jaleenas zweites Leben“ auf, die hier spielt. Ihr kennt sie inzwischen als vierten Roman der Annalen.

Dann schoss außerdem die nächste OSM-Geschichtenidee in mir hoch (ebenfalls in Bezug auf KONFLIKT 4, was habt ihr denn gedacht?), nämlich „Das Ge­heimnis von Troncadur“. Ich versuchte mich erfolglos ein wenig mit begonne­nen Episoden von KONFLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“ (HdH) ab­zulenken, aber das brachte nichts. Auch beim Archipel-Roman „Rhondas Auf­stieg“ machte ich nur eine kurze Stippvisite, ehe ich mit IR 24 „Projekt 700.000“ in den OSM zurückrutschte. Und dann entstand auch noch der OS­M-Hintergrundtext „Inferno in der INSEL“, womit mir endgültig klar wurde, warum ich aus dieser Serie nicht herauskam – weil sie so kurz und gnadenlos sein wird. Zwar hat die INSEL eine mehrtausendjährige Geschichte, aber die gerät an den Abgrund der Vernichtung in der Seriengegenwart. Es kündigt sich gegen Ende von „In der Hölle“ ja schon an.

Wahrhaftig, als das Monatsende des Juni kam, war ich sehr erleichtert. Ein Alp­traumgeschichten-Monat lag hinter mir. Aber das war natürlich noch nicht das Ende vom Lied… mehr dazu sage ich euch im nächsten Teil dieser Artikelreihe in ein paar Wochen.

Bis dann, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 103: Die Ajima-Verschwörung

Posted März 15th, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

diesmal haben wir in dem breiten Regal von Clive Cussler-Veröffentlichungen ein Werk vor uns, das vermutlich inzwischen weitgehend der Vergessenheit an­heimgefallen sein dürfte – aber wie ich finde, geschieht das zu Unrecht. Das vorliegende Buch ist zweifellos erheblich packender, realistischer und dramati­scher, als es die meisten modernen Cussler-Romane sind. Selbst wenn meine Erstlektüre gut 20 Jahre zurückliegt, habe ich mich bei der Zweitlektüre im Jahr 2015 kein Stück gelangweilt… und das will durchaus was heißen und lässt sich nicht allein mit meinem mäßigen Gedächtnis begründen.

Besonders in einer Zeit, in der leider Gottes Terroranschläge international ein Phänomen sind, das man überall beobachten kann, und in einer Gegenwart, in der sich Politiker fast schon vor ihrem eigenen Schatten fürchten, ist es viel­leicht nützlich, an das James Bond-Setting dieses Romans zu erinnern und ihn als eine Art von Gegenmittel zu präsentieren.

Natürlich geht es darin auch um Terroranschläge. Aber sie erfolgen nicht seitens amorpher, gesichtsloser Schurken mit versponnenen quasi-religiösen Wahnvor­stellungen, sondern haben sehr handfeste wirtschaftliche Gründe. Weswegen es ja auch Dirk Pitt und seinen Mannen letztendlich möglich ist, die Gefahr zu verfolgen und abzuwenden.

Wie genau das gelingt, und worum es geht? Nun, schauen wir einfach mal ge­meinsam in das folgende Buch:

Die Ajima-Verschwörung

(OT: Dragon)

Von Clive Cussler

Blanvalet 35811

München 1991

544 Seiten, TB

ISBN 3-442-35811-6

Aus dem Amerikanischen von Dörte und Frieder Middelhauve

In Kriegen werden Verbrechen begangen, das ist ein Allgemeinposten. Weniger angenehm und gern verschwiegen ist dabei freilich die Tatsache, dass Verbre­chen auf allen Seiten begangen werden, auch auf Seiten der so genannten „good guys“. Die scheußliche Tatsache, dass Mörder auf der siegreichen Seite nach Kriegsende als Helden gefeiert werden, während jene auf der Verlierersei­te als Kriegsverbrecher gelten, sind zwei Seiten einer Medaille, von denen gar zu gern nur die glänzende Seite gezeigt wird.

Der mit Abstand grässlichste Exzess des Zweiten Weltkriegs ist ohne Frage die Entwicklung und der planmäßige Einsatz von Nuklearwaffen von amerikani­scher Seite gegen das japanische Volk – wie berechtigt dies auch immer gewe­sen sein mag, es ist und bleibt dennoch ein Verbrechen. Und Clive Cussler spinnt dieses Garn nur insofern ein Stück weiter, als er postuliert, dass es mehr als zwei Einsatzpläne nuklearer Artillerie gegen die japanische Zivilbevölkerung gegeben haben könnte. Damit beginnt diese Geschichte.

Am 6. August 1945 startet von Shemya Island, Alaska, eine dritte Maschine un­abhängig von denen, die Nagasaki und Hiroshima zum Ziel haben. Diese Ma­schine, ein B 29-Bomber mit dem eigenwilligen Namen „Dennings’ Demons“ unter Major Charles Dennings hat das Flugziel Tokio. Die Mordwaffe in dem Bauch seines Flugzeugs trägt den grotesken Namen „Mother’s Breath“. Doch sie erreicht ihr Ziel nie – ein zufälliger japanischer Flieger entdeckt die Todesma­schine und beschädigt sie so schwer, dass sie in den Pazifik stürzt, in die Tiefen des Meeres. Sie wird nie wieder gefunden.

Am 3. Oktober 1993 – also wie in allen klassischen Cussler-Romanen einige we­nige Jahre vor der Schreibzeit in der nahen Zukunft – findet Captain Arne Kor­vold des norwegischen Schiffes Narvik im Pazifik driftend ein japanisches Frachtschiff mit mehr als siebentausend Pkws an Bord. In der Annahme, dass sich mit dem Abschleppen des Havaristen gutes Prisengeld verdienen lässt, be­tritt ein kleines Kommando das Schiff… und stirbt einen grässlichen Tod. Schlim­mer noch: es wird eine mehrfache Nuklearexplosion ausgelöst, die sowohl den Havaristen, die „Divine Star“ als auch die Narvik schlagartig versenkt. Außerdem erwischt es noch ein britisches Forschungsschiff, das in der Nähe tätig ist.

Letzteres ist besonders verheerend, weil von dort aus eine Tiefseemission in mehreren tausend Metern Wassertiefe geleitet wird. Auf einmal ist die kleine Tauchkapsel in der Tiefsee eingeschlossen, dem sicheren Tod ausgeliefert.

Doch so obskur es klingt, es gibt noch Zeichen und Wunder, selbst in der Tiefsee – Craig Plunkett, Dr. Raul Salazar und Stacy Fox werden tatsächlich gerettet, ob­gleich sie anfangs glauben, sie würden halluzinieren. Stattdessen finden sie sich in einer streng geheimen untermeerischen Forschungsbasis wieder, die von der kleinen Stammbesatzung als „Schlamm“ bezeichnet wird. Projektleiter sind zwei alte Bekannte der Leser: Dirk Pitt und Albert Giordino von der NUMA.

Dummerweise hört die Kette der Katastrophen nicht auf – ein untermeerisches Beben zwingt die NUMA-Leute, die Basis aufzugeben und zur Oberfläche aufzu­steigen… wobei es Dirk Pitt nur mit einer gehörigen Menge Grips und viel, viel Glück schafft, das Desaster zu überleben.

Parallel dazu gibt es in den Vereinigten Staaten Schwierigkeiten mit den Vertre­tern japanischer Wirtschaftsdelegationen, deren Konzerne immer größeren Ein­fluss auf Hawaii und in Kalifornien gewinnen. Federführend ist ein Mann na­mens Ichiro Tsuboi. Seine härtesten Gegenspieler auf amerikanischer Seite sind Senator Michael Diaz und Senatorin Loren Smith – letztere ist den Lesern aus di­versen anderen Abenteuern von Clive Cussler hinlänglich bekannt. Während die Verhandlungen mit den Japanern sich also immer mehr hinziehen und die ame­rikanische Seite mehr und mehr schlechte Karten besitzt, ermitteln die amerika­nischen Geheimdienste, dass die Nuklearexplosion im Pazifik auf japanische Nu­klearwaffen zurückzuführen sein muss, die offensichtlich versteckt in Automobi­len nach Nordamerika eingeschmuggelt werden.

Heimlich wird das so genannte MAIT gegründet, das „Multi Agency Investigati­ve Team“, und dank ihrer Erkenntnisse im Pazifik werden Dirk Pitt und Al Giordi­no schanghait, um darin mitzuwirken. Das Ziel muss es sein, herauszufinden, wer die Bomben hergestellt hat, wer sie wie in die Staaten einschmuggelt, wel­ches konkrete Ziel er damit verfolgt und dies alles abzustellen.

Zu dumm, dass die Zeit gegen sie arbeitet.

Auf der Gegenseite ist der japanische Industrielle Hideki Suma dabei, in Verbin­dung mit einem kriminellen Geheimbund, dem er selbst angehört, auf eine ja­panisch dominierte neue Weltordnung hinzuarbeiten. Das „Kaiten-Projekt“, wie es intern heißt, ist sehr viel mehr als nur eine Drohgebärde, und es arbeitet keineswegs nur mit zwei Nuklearwaffen, sondern noch mit ganz anderen Tricks. Unter enormem finanziellem Einsatz und perfekter Tarnung hat Suma das so genannte „Drachenzentrum“ errichtet (daher auch der amerikanische Originaltitel des Romans), und er bedient sich dabei vielfältiger modernster Technik, perfekter Überwachung, alter traditioneller Mordwaffen und solcher Strategien wie Unterwanderung und Erpressung.

Schlimmer noch: Selbst als die Leute von MAIT schließlich herausfinden, dass die Zentrale auf dem „Ajima Island“ positioniert ist, weiß niemand, wo diese In­sel liegt oder wie sie aussieht. Der einzige Hinweis führt zu einem japanischen Gemälde, das aber seit 1945 in Deutschland als verschollen gilt.

Und der Countdown tickt. In wenigen Tagen ist das Drachenzentrum einsatzbe­reit – dann droht der Untergang der Weltmächte auf eine ganz besonders perfi­de Art und Weise…

In den späten 80er Jahren und den frühen 90er Jahren war das goldene Zeital­ter der japanischen Hochtechnologie angebrochen. Ständige Rekorde insbeson­dere im Bereich der Halbleitertechnik, der Mikrochipproduktion, der Automati­sierung und Robotisierung beherrschten die Schlagzeilen der Presse. Kein Wun­der also, dass sich Clive Cussler auf seine gewohnte Art und Weise dieser The­matik annahm. Vermischt mit dem Grundgedanken, dass sich die stolzen japani­schen Industriellen an den Amerikanern zu rächen versuchten und dies, ganz besonders perfide, gewissermaßen mit der Aug um Auge-Methode, nämlich via nukleare Sprengsätze, das hat schon einen nicht geringen Reiz.

Ebenso vermeidet es Cussler in diesem Roman glücklicherweise, einseitig natio­nalistische Klischees flächendeckend zu bedienen. Nicht „die Japaner“ als ganze Nation sind hier originär die Bösen, sondern gewissermaßen ein singulärer ein­zelner Bösewicht und „Mastermind“, der nur eben, weil dies in den Plot passt, Japaner ist. Außerdem ist Hideki Suma auf eine durchaus originelle Weise eine Ausnahme bei Cusslers „Villains“, wie man dann gegen Ende des Romans erken­nen kann. Ich möchte hier der Lektüre nicht vorgreifen.

Interessant ist ebenfalls, wie unbestreitbar genial die japanische Technologie dargestellt wird – es ist also offenkundig, dass hier nicht plumpe Technikphobie (wie man sie beispielsweise relativ krass in den „Terminator“-Filmen sehen kann) regiert, sondern ein durchaus ambivalentes, ja, anerkennendes Verhält­nis. Hier ist klar zu erkennen, dass das Positive an Technologie ebenso regis­triert wird wie das Negative, was dann das Wesen von Technik gut wieder ein­fängt: Ein Messer kann, um nur ein schlichtes Beispiel zu nehmen, für Nutzan­wendung genommen werden als auch als Waffe zum Töten von Lebewesen.

Und das Buch hat auch insofern noch einen respektablen Schock parat, als dort tatsächlich – und zwar schon überraschend zeitig – der erschreckende Satz fällt: „Pitt hätte ungläubig aufgelacht, wenn jemand ins Cockpit gekommen wäre und ihm gesagt hätte, dass Admiral Sandecker in wenigen Wochen an seinem Grab stehen und die Trauerrede halten würde.“

Was das jetzt wieder bedeutet?

Tja, Freunde – lesen! Ich zweifle daran, dass ihr länger als vier Tage für das Buch brauchen werdet. Das jedenfalls war mein Lesetempo beim zweiten Durchgang (der erste erfolgte im Dezember 1995).

Spannender Lesestoff, unbedingt!

© 2015 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche bleiben wir in gewisser Weise dem Thriller-Genre verhaftet, schlagen aber eine völlig andere Gangart ein, die dem Thema auch durchaus angemessen ist. Es geht nach Deutschland, und alles beginnt in einem Museum mit einer kleinen, uralten Katzenfigur.

Was das bedeutet? Und warum das zu einer archäologischen Schnitzeljagd führt? Das solltet ihr wirklich nicht verpassen.

Die Antwort findet ihr in der kommenden Woche an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.