Rezensions-Blog 11: Das Erbe der Azteken (2)

Posted Juni 10th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vor drei Wochen habe ich euch das erste Mal in ein Abenteuer mit den Schatz­suchern Samuel und Remi Fargo gescheucht, und ich denke, wenn ihr den Ro­man inzwischen gelesen habt, könnte es sein, dass ihr sie so lieb gewonnen habt wie ich selbst ebenfalls. Im Gegensatz zu mir müsst ihr heute aber nicht ein paar Monate darauf warten, ehe ihr weiter ihren Spuren folgen könnt, son­dern das geht jetzt ruckzuck – ein klares Votum für das Rezensieren älterer Ro­mane, man kommt so deutlich rascher an ergänzenden Lesestoff.

Wohin geht es diesmal? Anfangs nach Sansibar und zu einer Schiffsglocke. Und dann zu den Azteken? Wie jetzt? Tja, folgt mir in den Roman, und ihr bekommt nähere Infos:

Das Erbe der Azteken

(OT: Lost Empire)

von Clive Cussler & Grant Blackwood

Blanvalet 37949

512 Seiten, TB

München, Juli 2012

Aus dem Englischen von Michael Kubiak

ISBN 978-3-442-37949-1

Schon das Titelbild erregt Aufmerksamkeit: zwei Taucher vor smaragdgrünem bis fahlweißem Hintergrund, ein großes, offensichtlich steinernes Artefakt um­schwimmend, das eine Schlange zeigt, die sich in den Schwanz zu beißen scheint. Dazu der Klappentext: zwei Schatzjäger entdecken „bei einem Tauch­gang Teile eines aztekischen Artefakts – und befinden sich plötzlich im Visier der ultranationalistischen und skrupellosen mexikanischen Partei Mexica Tenochca…“

Ich war, zugegeben, schon vor Monaten fasziniert, als ich die Buchanzeige im In­ternet entdeckte. Und ja, ich war vorgewarnt, wenn man das so nennen möch­te. Angefixt vielleicht, das wäre ebenfalls passend. Denn ich kannte den ameri­kanischen Titel seit einem Jahr und wartete sehnsüchtig auf die Übersetzung. Der Grund liegt auf der Hand, wenn der Leser dieser Zeilen das Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA) 340 (Januar 2012) als Begründung heranzieht.

In jenem Monat rezensierte ich das Buch, das man sinnvollerweise vor diesem hier lesen sollte: „Das Gold von Sparta“. Damals machte ich die wunderbare Be­kanntschaft mit Sam und Remi Fargo, zwei passionierten Schatzsuchern mit ziemlich unverwüstlichem Charme und Humor, außerordentlich menschen­freundlich und, ja, manchmal ein wenig bestürzend naiv, was dann bisweilen dramatische Resultate erzeugen kann. Vor allen Dingen sind die Fargos aller­dings eins: sehr, sehr stur. Ich mochte die beiden und ihren Helferkreis jeden­falls sofort und entdeckte, dass Cussler und Blackwood DREI Fargo-Abenteuer zusammen geschrieben haben, die wahrscheinlich zu 98 % Blackwood und klei­nen Einsprengseln von Cussler bestehen. Wer also die manchmal doch sehr ruppige Action der Cussler-Romane nicht so schätzt, sondern wem es mehr auf Köpfchen und vergnügliches „Aufs-Glatteis-Führen“ ankommt, der ist bei den Fargos ganz am Platze.

Nun, und hier haben wir also das zweite Fargo-Abenteuer, und darum geht es:

Der Prolog spielt, rätselhaft genug, im Jahre 1864 in England. Ein Mann namens „Jotun“ versucht, die Abfahrt eines Schiffes zu verhindern. Dummerweise schei­tert er damit, und das Schiff entschwindet in den Nebel (und wer denkt, das sei alles Nebensache, der hat die Struktur der Cussler-Romane nicht begriffen. Sehr gründliches Lesen ist hier angesagt, besonders bei Blackwood! Ihr werdet es merken!).

Gegenwart, Chumbe Island vor Sansibar bei Tansania: Das Schatzsucher-Ehe­paar Sam und Remi Fargo macht wieder einmal Urlaub auf Sansibar wie schon häufig zuvor. Der Grund dafür liegt nicht nur in ihrer Liebe zu Afrika begründet, die hier sehr schön ausgearbeitet wird, sondern auch in der Tatsache, dass der Meeresgrund um Sansibar gepflastert ist mit antiken Schiffswracks unterschied­lichster Mächte und Reiche und Jahrhunderte. Die Riffe hier und die tropischen Stürme sind eben außerordentlich tückisch. Und so tauchen die beiden also und denken sich: vielleicht finden wir ja im Urlaub auch mal einen kleinen Hin­weis auf einen Schatz. Und verdienen uns sozusagen ein Zubrot und bessern die Urlaubskasse auf.

Sie finden nicht einen kleinen, sondern einen außerordentlich gewichtigen Schatz – nämlich eine Schiffsglocke, die mehrere Zentner wiegt. Eine erste Re­cherche ergibt, dass der Fund nicht zu einer in der Nähe entdeckten Goldmünze passt (diese hätte, aber davon wird im Roman mehr erzählt, im Grunde zu ei­nem Piratenschatz geführt). Die Glocke ist zu groß für das gesuchte Schiff, ge­hört also zu einem anderen.

Da gibt es nur eins: die Glocke bergen.

Interessanterweise lockt allein schon die Gegenwart der Fargos eine zweite In­teressengruppe auf den Plan, die es ganz offenkundig auf die Glocke abgesehen hat – aber nicht, um das damit verbundene Geheimnis zu entschlüsseln, son­dern um es weiter zu verheimlichen.

Diese Gruppe schreckt vor Mord nicht zurück, und die Fargos geraten rasch in Lebensgefahr. Das Dumme daran ist, dass weder der Leser noch die Schatzsu­cher selbst recht verstehen, wie die Mosaikstücke zusammenpassen. Während ein Parallelhandlungsstrang rasch deutlich macht, dass die Gegenseite von dem fanatischen Aztekenverehrer Quauthli Garza in Mexiko gelenkt wird, beginnen sich die Fargos zu fragen, wieso die Mexikaner wohl hinter der Glocke her sind… denn die Glocke scheint zu einem amerikanischen Schiff namens „Shenandoah“ zu gehören, und das wiederum war ein Schiff der Konföderierten aus dem ame­rikanischen Bürgerkrieg, nach dem die Fargos schon lange suchen und über das zahlreiche Legenden kursieren (nicht zuletzt drei unterschiedliche Termine für ihr Ende, die geografisch und zeitlich weit auseinander liegen, und keiner davon ist verifiziert). Um die Angelegenheit noch komplizierter zu machen, ist in die Glocke ein zweiter Name eingraviert, nämlich „Ophelia“. Und diese Spur führt die Fargos dann nach Bagamoyo auf dem Festland, wo es das so genannte „Blaylock-Museum“ gibt und eine Zeichnung der „Ophelia“ hängt. Die unbe­streitbar mit der „Shenandoah“ identisch ist.

Aber wer war der rätselhafte und scheinbar geistesgestörte Blaylock? Warum wurde das Schiff umbenannt? Warum werden die Leute, die über das Schiff stolpern, von den Mexikanern kurzerhand umgebracht?

Und was hat das alles mit den Azteken zu tun?

Rätsel über Rätsel.

Die Sache wird noch um einiges abenteuerlicher, als die Fargos endlich die Gele­genheit bekommen, sich das Innere der Glocke anzuschauen – denn das ist über und über bedeckt mit aztekischen Bildglyphen.

Während der mexikanische Berufskiller Rivera mit seinen Kollegen hinter den beiden Schatzsuchern her ist (bzw. manchmal unangenehmerweise ein paar Schritte voraus!) und nach und nach wirklich genug Grund für Antipathien be­kommt (das muss man nachlesen, das ist wirklich äußerst vergnüglich und sehr turbulent), pirschen sich die stetig neugieriger werdenden Abenteurer an das ziemlich knifflige Rätsel heran, das wesentlich mit dem rätselhaften Jäger Blay­lock zu tun hat, mit dem Sezessionskrieg, mit Verrat und Massenmord, aber eben auch mit codierten Nachrichten, uralten Agentennetzen, berühmten Per­sönlichkeiten der Vergangenheit, Fibonacci-Folgen und einem aufregenden Ge­heimnis, das schließlich bis zu einer der schlimmsten Naturkatastrophen des 19. Jahrhunderts führt – zum Ausbruch des Vulkans Krakatau im Jahre 1883…

Fangen wir mit einem Plus an: Der Roman liest sich unglaublich rasant und sehr vergnüglich, und eine Ahnung davon, worum es eigentlich tatsächlich geht, er­hält man erst etwa auf Seite 250, also in der Mitte des Buches. Für kombinie­rende, gern kniffelnde Leser, die etwa Sherlock Holmes-Romane oder Holmes-Romane der Epigonen genießen, wenn sie gut gemacht sind, ist das idealer Le­sestoff. Das gilt zur allgemeinen Überraschung umso mehr, und damit kommen wir dann zu den Eintrübungen, als das Äußere des Buches den Neugierigen gründlich in die Irre führt. Wer beispielsweise darauf wartet, dass die Titelszene irgendwo in Erscheinung tritt, der wartet 512 Seiten völlig vergebens. Das ist al­les Quatsch, dieses schöne Artefakt gibt es nicht, das ist frei erfunden (wenn auch sehr nett gezeichnet).

Natürlich, derlei vermeintlich verkaufsfördernde Irreführungen ist man auch von anderen Romanen Cusslers gewohnt. Aber wenn man sich den ersten Far­go-Roman anschaut, wo das Cover ideal zum Inhalt passte, dann muss man kon­statieren, dass der Verlag hier klar geschwächelt hat. Das ist, was den Klappen­text angeht, noch übler. Denn natürlich finden die Fargos KEIN aztekisches Arte­fakt… äh, wenigstens nicht beim TAUCHEN. Nachher schon, aber das muss man dann nachlesen. Da hat jemand sich beim Verlag offenkundig zu sehr am vorlie­genden Titelbild orientiert und den Roman nicht gelesen. Das trübt dann doch die Lesefreude ein wenig ein.

Ansonsten kann man die Geschichte recht gut in drei Tagen lesen (ich für mei­nen Teil las die zweite Hälfte des Romans an einem Nachmittag und Abend, weil ich nicht mehr aufhören konnte, und das will immer was Gutes heißen). Zu mei­nem Verdruss wurde die Story dann zum Schluss hin aber leider immer dünner und löste sich beinahe wie ein Nebelschweif fast in Luft auf… damit blieb sie dann doch deutlich hinter den Erwartungen zurück, die sich nach dem ersten Fargo-Roman in mir aufgebaut hatten, und dem Titel wurde sie auch nur seeeehr bedingt gerecht.

Ja, es geht hier um ein „verlorenes Reich“, insofern ist das ganz präzise. Aber lei­der hat sich – so las es sich wenigstens – Blackwood nicht hinreichend in die dazu passende Kultur eingearbeitet, um schlussendlich auch tatsächlich Nägel mit Köpfen zu machen (und eine Spur, die ich für sehr verheißungsvoll hielt, wird schließlich ganz und gar ignoriert, was doch sehr schade ist).

Überaus raffiniert und kenntnisreich indes ist dann die Codierung, die den Weg zum „lost empire“ weist, und da ist Blackwood erkennbar in seinem Element. Dieser durchgängige Schatzsuchercharakter prägt ganz wie im ersten Roman die ganze Geschichte und verleiht ihr eine Art von Indiana-Jones-Flair, und das ret­tet dann im Grunde das Werk doch noch.

Gleichwohl bleibt der Wermutstropfen bestehen: an den ersten Fargo-Roman reicht der Nachkömmling nicht heran. Bleibt also abzuwarten, wie der dritte ge­raten ist, der wahrscheinlich anno 2013 auf den deutschen Buchmarkt kommt. Ihr werdet es erfahren, denn ich werde ihn ganz bestimmt kaufen, lesen und re­zensieren.

© by Uwe Lammers, 2012

Lesungs-Blog (2)

Posted Juni 8th, 2015 by Uwe Lammers

Lesung im LORD HELMCHEN, Braunschweig, 6. Juni 2015

Liebe Freunde meiner Geschichten,

wahrscheinlich ist es eine Art von Naturgesetz, dass nichts, was man plant, letzt­lich genau so, wie man sich das ausmalt, realisiert wird. Irgendwie kommt im­mer was dazwischen – und meist verwandeln solche überraschenden Faktoren dann einen jeden Event in etwas ganz Eigenständiges, Singuläres. So war es auch mit dieser Veranstaltung. Ehe ich darum auf die Lesung selbst eingehe, möchte ich im kurzen Vorlauf erläutern, wie es eigentlich gedacht war und was dann zu einer Planänderung führte.

Begonnen hat alles schon im Jahr 2014. Der Science Fiction-Stammtisch des Fördervereins Phantastika Raum & Zeit e. V. tagte seit Jahr und Tag im Café DIALOG am Rebenring, als dann, gleichfalls im vergangenen Jahr, ein Besitzer­wechsel stattfand. Der neue Gastwirt Lothar, mit dem wir rasch per Du waren, gab bald darauf auf Nachfrage zu, dass es ihn durchaus reizen würde, auch mal in seinen Räumlichkeiten Lesungen zu veranstalten.

Terminlich vertröstete er mich – und bald auch Tobias Tantius aus dem Raum Gifhorn, der gelegentlicher Besucher des SF-Stammtisches war – auf Anfang 2015. Völlig okay.

Im März 2015 konkretisierten sich die Pläne, und rasch kristallisierte sich hier eine Duo-Lesung mit Tobias im DIALOG heraus. Terminiert wurde der Event auf den 6. Juni 2015.

Dann kam bei mir der chaotische Monat Mai, in dem meine Mutter erst ins Krankenhaus Gifhorn eingewiesen wurde und wenige Tage später überraschend verstarb. Ihr könnt euch denken, dass ich da ziemlich aus der Bahn geworfen wurde. Dennoch berappelte ich mich nach der Trauerfeier bald wieder und dach­te, es wäre ganz im Sinne meiner Mutter gewesen, wenn ich jetzt halt nicht Trübsal bliese, sondern meine Pläne hartnäckig weiter verfolgte.

Damit auch die Lesung.

Also suchte ich am 19. Mai das DIALOG auf… um konsterniert feststellen zu müssen, dass es die Pforten geschlossen hatte. Dauerhaft.

Nun war nicht nur der SF-Stammtisch heimatlos, sondern wir waren auch des Lesungsortes beraubt. Das war doch ein herber Rückschlag… der dann durch eine Mail abends in eine ganz andere Richtung abgeleitet wurde, etwa wie ein Blitz, der aus dem Firmament herabfährt.

Diese Mail kam vom Gastwirt des Restaurants LORD HELMCHEN an der Fal­lerslebener Straße, bei mir direkt um die Ecke. Es ergab sich, dass der Wirt des DIALOG und er sich kannten, und folgerichtig bot mir Thomas Helmold nun an, die Lesung doch im LORD HELMCHEN zu realisieren.

Schöne Überraschung!

Einige Arbeitsgespräche vor Ort führten zu einer soliden Feinplanung, zur Er­stellung eines Plakates und einer digitalen Ankündigung der Veranstaltung auf der Homepage des LORD HELMCHEN. Ich hängte in der Folge dann auch Pla­kate auf und sprach Freunde und Bekannte an, informierte sie über den Wechsel des Veranstaltungsortes.

Am 4. Juni tagte der SF-Stammtisch ebenfalls dort, Tobias Tantius war planmä­ßig zugegen und orientierte sich auch über die Verhältnisse vor Ort. Somit schaut jetzt, gut zwei Stunden vor Beginn der Lesung, alles solide und gut aus.

Weiter unten erzähle ich gleich nach Ende der Veranstaltung, wie die Lesung dann geworden ist.

So, liebe Freunde meiner Geschichten,

und damit geht es also weiter im Plan. Die Lesung ist Vergangenheit, und ich kann nun aus der Retrospektive berichten. Da der Raum hier vielleicht prinzipi­ell unbegrenzt ist, eure Aufmerksamkeit aber wohl nicht unendlich vorhanden ist, fasse ich mich so kurz als möglich.

Ich erschien auf der Bühne um 17.45 Uhr und machte mich mit dem Raum ver­traut, sprach mit dem Inhaber, und es ging dann eigentlich erst ans „Eingemach­te“, als Tobias Tantius und sein Sohn Tizian gegen 18.30 Uhr eintrafen, samt ih­rer Technik, die sie eigentlich für den multimedial unterstützten Vortrag verwen­den wollten… woraus nur bedingt etwas wurde. Das war, würde ich im Nach­klang sagen, auch ganz gut so, weil wir so auf gleicher Ebene agierten und das Gefälle zwischen Teil 1 und 2 der Lesung nicht so stark ausfiel.

Kurz nach 19 Uhr war die Gästeschar – überschaubare sieben Personen, von de­nen ich die meisten persönlich vorher kontaktiert hatte – vollzählig, und die Le­sung konnte beginnen.

Tobias stellte sich vor und las nacheinander, unterbrochen durch kurze Pausen und auflockernde Zwischendurchbemerkungen zweieinhalb Kurzgeschichten, von denen die mittlere – „Die Sternensammler“ – mir wirklich gefiel. Ich mach­te hier die Feststellung, dass Kinder sich als Vermittler von Geschichteninhalten mit ihrer doch oft wirklich sehr direkten Art wunderbar als Sympathieträger eig­nen.

Die letzte Geschichte las Tobias nur an, für die Vervollständigung der Hand­lungslinie hatte er seine Storysammlung „Gedanken aus Übermorgen“ bei sich, von denen er tatsächlich anschließend einige Exemplare verkaufte.

Dann folgte eine Pause, ehe ich mit meinen Werken fortfahren konnte. Eingangs sagte ich ein paar Worte zu mir und meiner Person, und als gute Verbindungs­schnur zur Realität einerseits und zur zentralen Geschichte andererseits hatte ich ein Teelicht mitgebracht, das ich im Andenken an meine Mutter, deren Seele ich damit gewissermaßen als Geist-Zuhörerin in unsere Reihen herabbeschwor, entzündete. Nennt es animistisch, wenn ihr wollt, aber es gab mir eine große Seelenruhe, und eine Zuhörerin erzählte mir nachher, die Geschichte habe sie – nicht zuletzt wegen des von mir erwähnten jüngsten Verlustes der Mutter – besonders be­rührt.

Ich leitete ein mit den Prosagedichten „Inspiration“ und „Bloggeritis“. Letzte­res war durchaus ironisch-launisch, erzeugte einige Lacher und den ersten eige­nen Beifall des Abends.

Dann ging ich über und erzählte in der Phantastik-Story „Reinkarnation“ die bizarre Geschichte des sterbenden Wikingers Arne Ragnarsson, der sich nach dem Tode zur eigenen Verblüffung nicht in den Sälen Walhalls wiederfand, son­dern als Grashalm zu neuem Leben erwachte… zu Beginn.

Mit „Die Innerste Zuflucht“ folgte dann ein weiteres Prosagedicht, ehe ich – auf Nachfrage ans Publikum hin – einen ersten Auszug aus der noch in Arbeit befindlichen Story „Ungleiche Freunde“ bringen konnte. In diesem Werk, das dem Oki Stanwer Mythos (OSM) entstand, verfolge ich eine Handlungslinie weiter, die manchen meiner E-Book-Leser schon vertraut sein könnte.

Inwiefern? Nun, der Handlungsschauplatz ist eine Welt namens Dawson, von dem dorthin gelangten irdischen Auswanderer Ian Perry auch „Swamp“ genannt. Die Geschichte spielt zugleich rund 8 Jahre nach Annalen 2 „Ian und der Stein der Götter“ und behandelt, könnte man sagen, in der Blende einen ungeplanten Ausflug von Ians erstgeborener Tochter Senyaali, die zu dem Zeitpunkt sieben Jahre alt ist, zudem wagemutig, abenteuerlustig und ziemlich stur.

Dass sie auf sprechende Schlangen, tote Crellys und glucksende, intelligente Flechten stoßen wird und an einen Ort gelangt, den man den „Platz der Steine“ nennt, der in den Kleinis Todesangst erzeugt, ist ihr eher nicht klar… und als mir eine Leserin schlussendlich sagte, diese Geschichte habe ihr ganz besonders gut gefallen, und sie würde gern den weiteren Fortgang erfahren, zeigte mir zum zweiten Mal an diesem Abend, dass Kinder – hier Senyaali – außerordentlich gut als Hauptpersonen von Geschichten geeignet sind.

Kurzum: die Lesung, die etwa um 21.45 Uhr endete, war ungeachtet der Tatsa­che, dass ich bei der zweiten Geschichte etwas zu schnell im Vortrag wurde, im Grunde ein voller Erfolg, und allen Anwesenden hat sie gefallen. Schade, dass eine Menge Leute, die ursprünglich gern gekommen wären, dann doch nicht da waren.

Ich glaube, sie haben was verpasst.

Ich selbst habe eine Menge aus diesem Abend gelernt, und der Inhaber des LORD HELMCHEN, der wegen des Schankbetriebes selbst nicht lauschen konnte, war von der Persönlichkeit der Vortragenden so angetan, dass es auf je­den Fall eine Wiederholungslesung geben wird, höchstwahrscheinlich dann eine thematische… schauen wir mal, vor September wird das sicherlich nichts mehr werden.

Sobald ich eine neue Lesung anbieten kann, sage ich Bescheid, auf der Website www.sciencefiction.de und sicherlich auch auf meinem Amazon Author-Central-Porträt. Haltet die Augen offen, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

elf Wochen nach dem letzten Eintrag in dieser Sache setzen wir heute unsere Reise in die alten OSM-Geschichten „Aus den Annalen der Ewigkeit“ fort. Im Blogbeitrag 107 berichtete ich darüber, dass das Jahr 1989 nicht eben ein güns­tiges war, was Annalen-Geschichten anging, wie es generell auch für den OSM nicht unbedingt fruchtbar zu nennen ist. Das änderte sich im Jahr 1990 insofern gründlich, als ich dort reichlich Gelegenheit bekam, im OSM Aufbauarbeit zu leisten.

Diese enorme Zunahme an kreativen Neuproduktionen hatte ursächlich mit meiner Biografie zu tun – ich befand mich zu diesem Zeitpunkt in Hameln im Zi­vildienst, und ich kam besonders in den Serien „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (1987-1993) und „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“ (1988-1994) dra­matisch vorwärts. Insgesamt entstanden in diesem Jahr 128 OSM-Werke, mit Abstand der Spitzenwert in meiner gesamten Kreativbiografie, d. h. innerhalb von gut 35 Schreibjahren. Zahllose faszinierende Verbindungspfade wurden entdeckt, Verknüpfungen geschaffen, und es deutete sich in den obigen Serien schon an, dass das OSM-Konzept vor einem grundlegenden Umbruch stand.

In diesen 128 Werken waren eine Story und drei Romane enthalten, die in die „Annalen“ zu rechnen sind. Den Anfang machte die Story „Der Totenkopf-Pro­phet“, die bis heute unpubliziert ist. Der Grund dafür liegt natürlich zum einen in der stilistisch nicht optimalen Ausarbeitung, aber es gibt auch einen struktu­rellen Grund.

Der Totenkopf-Prophet“ spielt im KONFLIKT 20, die ich zwischen 1984 und 1997 in der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“ aufgearbeitet habe. Der zentrale Handlungshintergrund ist darum der Kampf Oki Stanwers und sei­ner Gefährten gegen die so genannte „MACHT“, die sich hinter dem Hundert-Sonnen-Wall in der Galaxis Zooltahn verbirgt und ein mehrere Galaxien umfas­sendes Imperium errichtet hat.

Es sei an dieser Stelle nur angedeutet, dass zu den unterworfenen Galaxien auch solche namhaften Sterneninseln wie die Baumeister-Galaxis Arc oder die Galaxie Mysorstos gehören. Letztere ist euch inzwischen aus den Blogartikeln vertraut als Standort des INSEL-Imperiums der Baumeister in KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“, begonnen 2004. Als ich Mysorstos in KONFLIKT 20 erstmals bereiste, war mir das noch nicht bewusst.

Das Problem ist, dass alle Protagonisten des Lichts vermuten, die MACHT sei TOTAM. Dies ist allerdings ein Irrtum. Er ist umso schleierhafter, als der Sitz der MACHT definitiv der Planet TOTAM ist… und die obige Story bringt nun Licht in die Vorgeschichte.

In „Der Totenkopf-Prophet“ erfährt man von dem Generalangriff von sechs ver­bündeten Baumeistern, die lange vor Beginn der Serie den gerade materialisier­ten Planeten TOTAM überfallen und es tatsächlich bewirken, dass das Wesen TOTAM mitsamt dem TURM in die Flucht geschlagen wird.

Während der Kämpfe kommt es allerdings dazu, dass Teile der schlummernden Hierarchie TOTAMS aufgeweckt werden, und ein solches Wesen, das gut wegge­sperrt ist, ist eben TK 40.112, der älteste Totenkopf, der sich als Totenkopf-Pro­phet versteht und als Erbe TOTAMS.

Das Chaos, das daraufhin auf TOTAM ausbricht, müsst ihr beizeiten nachlesen, wenn die Geschichte abgeschrieben und überarbeitet ist…

Unter der OSM-Kennziffer 718 folgte dann der Roman „Die schwebenden Berge“. Das war ein interessantes Ding, das unaufhaltsam in meinem Geist her­anwuchs. Die Geschichte spielt in KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“, und sie kam sehr überraschend. Denn dieser KONFLIKT war von mir vier Jahre vorher abgeschlossen worden.

Man könnte also meinen: Serie beendet, es gibt nichts mehr zu erzählen.

Weit gefehlt.

Der KONFLIKT 17, und insofern muss ich hier wieder ein wenig Hintergrundauf­hellung betreiben, spielt in der Galaxis Milchstraße und beschreibt im Kern die finale Auseinandersetzung der Macht TOTAM und der Diener des Lichts unter Oki Stanwer im Umfeld des irdischen Sternenreiches des Jahres 2092. Lange bevor all diese Geschehnisse passieren, kommt es beim terranischen Sternen­kreuzer ALBERT BERGINSSON zu einer Fehltransition. Das Raumschiff unter dem Kommandanten Benjamin Grades findet sich in einem fremden Sonnensystem wieder, was man noch halbwegs normal nennen könnte. Aber das Universum ringsum ist verschwunden. Das ist nun nicht mehr ohne weiteres zu erklären.

Dem terranischen Schiff ist durch den Transitionsimpuls etwas eigentlich Un­mögliches geglückt – sie befinden sich in einem EXIL der Baumeister, und dieses EXIL enthält ein komplettes Sonnensystem. Leider auch eine Entität, die die Ter­raner im Blick hält und anfängt, mit ihnen ungeheuerliche Experimente zu be­treiben…

Beizeiten wird diese Geschichte in der Reihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“ publiziert werden, aber das hat noch keine Eile, wie ich finde. Dafür wäre es klug, wenn ihr mehr über KONFLIKT 17 wisst.

Dieser Roman wurde am 28. Juli 1990 fertig gestellt. Bis ich Zeit für die nächs­ten fand, hat es dann gedauert, und zwar bis Ende Dezember 1990. Ich wandte mich hier in zwei direkt aufeinander fertig gestellten Romanen wieder dem KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ zu, den ich zu jener Zeit immer noch in Romanform überarbeitete.

Mit OSM 780 „Der Zartan-Konflikt“ und OSM 781 „Der Lichterfürst“ legte ich Band 6 und 7 der Romanüberarbeitung des KONFLIKTS 15 vor. Beschrieben wur­de hier, wie das terranische Sternenreich des 75. Jahrhunderts, das schon seit Jahrhunderten durch den so genannten Voork-Sturm in zahlreiche Splitterrei­che zerfallen war, ideologisch-aggressiven Besuch einer pflanzlichen Stellarzivili­sation bekam. Die im Spiralarm III angesiedelten PSI-Intelligenzen hatten be­schlossen, nach dem Ablauf eines uralten Bündnisvertrages, den Oki Stanwer einst mit ihnen geschlossen hatte, die carnivoren Zivilisationen der Milchstraße endlich zu transformieren und so ein für allemal die Gräuel zu beenden, die bei­spielsweise die Menschen gegen die planetaren Biosphären begingen.

Die pflanzlichen Emissäre dieser PSI-Intelligenzen, die Zartans, begannen also unerbittlich, die Menschheitswelten zu attackieren und sie biosphärisch zu un­terwandern. Dabei kamen sie recht überraschend einer weiteren Unterwande­rung in die Quere, die durch die Dämonen von TOTAM und ihre Bündnistrup­pen, die Totenköpfe, im Gange war.

Parallel dazu wurde die terranische Kolonialwelt Beteigeuze IV, vorher Invasi­onsziel des Dämons Zomar von TOTAM, von diesem fluchtartig verlassen. Grund? Eine entropische, instabile Raumzone schloss diese Welt ein. Wer auf ihr zurückblieb, so die landläufige Meinung, war dem Tode geweiht.

Das stimmte nicht so völlig, wie sich herausstellte, als hier ein uraltes Wesen aus langem Schlummer erwachte – ein Humanoider aus dem Volk der Kleinis, der sich Klivies Kleines nannte, sich als Herrscher der Kleinis verstand, jedoch auf der Flucht war. Und dann tauchte die so genannte „Seelen-Armee“ auf, ok­kupierte die zurückgebliebenen Totenköpfe des Dämons Zomar und erklärte Kleines zu seinem Anführer… und öffnete den Weg zur legendären Zentralwelt der Kleinis, die ebenfalls inzwischen in einer instabilen Raumzone lag.

Verwirrt, Freunde? Tja, das sind die komplexen Verbindungspfade einer OSM-Romanüberarbeitung. Im Vergleich dazu habt ihr es einfach mit der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI). Das ist sozusagen der Anfang des Garn­knäuels, das euch gleich dem Ariadnefaden aus dem Labyrinth zurück ans Licht befördert. Oder hinein, wobei euch zunehmend die Geheimnisse klarer werden, die ich hier angedeutet habe.

Bis ihr diese Romane – dann in gründlicher Neubearbeitung, da sie ja schon fast 25 Jahre alt sind – zu lesen bekommt, wird aber ebenfalls noch eine Menge Wasser den Berg hinabfließen.

Im nächsten Teil dieser Reihe beschäftige ich mich dann mit dem Jahr 1991, wo es wieder vier Werke zu betrachten gilt. In der kommenden Woche kehre ich zur Titelbildlese des OSM zurück, d. h. in KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“. Nicht verpassen, Freunde!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des Oki Stanwer Mythos,

heute geht es also weiter mit den zunehmend dramatischer werdenden Erleb­nissen der jungen Yantihni-Linguistin Vaniyaa von der RHONSHAAR. Einst ah­nungslos ins Innere des so genannten „Sternenhammers“ vorgestoßen (TI 10), ebendort betäubt und als Gefangene zwischen die Sternenweiten Twennars verschleppt, ist sie längst von den zwergenhaften Shonta befreit und als „Göt­tin“ umfunktioniert worden (TI 16, Annalen 4, TI 17).

Aus dieser Rolle ist sie nun ausgebrochen und aus der Abspalterwabe geflüch­tet… in der Begleitung des Shonta-Rebellen Abenteurerherz. Doch diese Frei­heit hat einen geradezu grotesken Preis, wie sie entdecken muss, und ihre Ab­hängigkeit von den Shonta ist weitaus größer, als Vaniyaa sich das in ihren kühnsten Alpträumen vorstellen kann.

Ehe ihr das bewusst wird, beginnt aber die abenteuerliche Flucht in den Schwindel erregenden Abgrund… und dann kommt es zu einer Konfrontation mit etwas so Unglaublichem wie den „Drachen“ – doch das vielleicht noch Kom­pliziertere sind ihre neuen Begleiter. Es dauert durchaus, bis sich Vaniyaa und die Shonta zusammenraufen können.

Mehr dazu erfahrt ihr im gleichnamigen E-Book, das ab heute zum üblichen Preis von 1,49 Euro auf Amazon-KDP erhältlich ist.

Der einmalige Gratisdownload ist am 13. Juni 2015 möglich.

Ich wünsche euch eine angenehme Lektüre und freue mich jederzeit über Kom­mentare und Bewertungen des Werkes.

Ansonsten sehen wir uns morgen wieder an dieser Stelle, wo ich in meinem Wochen-Blog wieder zu den „Annalen der Ewigkeit“ berichten darf.

Bis morgen dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 10: Fleisch und Blut

Posted Juni 3rd, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

als ich einst in den 90er Jahren nach Braunschweig zog, um hier mein Studium der Geschichte und Philosophie zu realisieren, suchte ich alsbald Gleichgesinnte im Kreise der Phantasten, von deren Existenz in Braunschweig ich durchaus wusste. So stieß ich damals auf den Förderverein Phantastika Raum & Zeit e. V. mit seiner Vorsitzenden Claudia Fischer. Leider war dieser Kontakt nicht von Dauer, sondern löste sich alsbald wieder in Nichts auf…

Die Gründe dafür waren vielfältig. Zum Teil trug der Studiendruck dazu bei, zum Teil meine Arbeit am Oki Stanwer Mythos, von dem ihr ja, wenn ihr meinen Wo­chen-Blog seit Monaten verfolgt habt, einen gewissen Eindruck gewonnen ha­ben werdet. Auch ist mein Engagement für den Science Fiction-Club Baden-Württemberg (SFCBW) nicht zu ignorieren, das bis heute anhält.

Es dauerte darum geraume Zeit, bis ich – lange nach Ende meines Studiums – wieder Kontakt mit dem Förderverein bekam, der nach wie vor existierte. Er war inzwischen als regelmäßiger Veranstalter von Conventions in Braunschweig bekannt. Und diese neue Kontaktaufnahme im Jahre 2011 führte schließlich dazu, dass ihr letztlich heute diese Zeilen hier lesen könnt. Ja, kleine Dinge kön­nen große Folgen nach sich ziehen, wer wüsste das wohl besser als ich selbst…?

In der Zwischenzeit dieser beiden Kontaktpunkte gab es allerdings einen Story­wettbewerb, den der Förderverein initiierte, und das Resultat der überwälti­gend starken Resonanz auf diesen Wettbewerb war schließlich das vorliegende Buch. Ich bekam es erst sehr spät in die Finger, aber allein schon das Thema lag mir sehr am Herzen: Kontrafaktik.

Wer mit diesem Fremdwort jetzt eher wenig anfangen kann und etwas verunsi­chert dreinschaut, kann versichert sein, dass dafür keinerlei Grund besteht. Kontrafaktik ist etwas völlig Normales und zugleich äußerst Spannendes. Es ist die legendäre Frage „Was wäre, wenn…?“, die irgendwann mal jeden Menschen umtreibt, Phantasten und Historiker ganz besonders häufig.

Was wäre, wenn Adolf Hitler gestorben wäre, ehe er Führer des Deutschen Rei­ches wurde, das ist eine sehr prominente Frage in dieser Richtung. Wie sähe die Welt aus ohne den Ersten und den Zweiten Weltkrieg? Nahezu unvorstellbar. Was wäre, wenn bestimmte Personen länger gewirkt hätten, als sie es taten? Wenn wichtige Erfinder im Kindesalter verstorben wären usw.?

In den Kosmos dieser Rätselfragen entführt euch das Buch, das ich heute vor­stellen möchte. Schaut einfach, ob euch das Thema liegt:

Fleisch und Blut

Storyband Alternativwelten

Herausgegeben vom Förderverein Phantastika Raum & Zeit e. V.,

Braunschweig 2001

180 Seiten, TB

ISBN 3-936153-00-0

Preis: 9,95 €

Was wäre, wenn?

Dies ist eine Frage, die Menschen wohl schon solange umtreibt, seit sie in histo­rischen Dimensionen denken können. Der unerfüllbare Wunsch, die Geschichte umzuschreiben, die Katastrophen ungeschehen zu machen, die sich ereignet haben, seien es die persönlichen oder jene der Weltgeschichte, ist zweifellos ur­alt. In früheren Zeiten bemühte man Orakelsprüche oder den unergründlichen Ratschluss der Götter, um Entscheidungen des Schicksals zu ergründen. Moder­ne Zeiten haben andere Methoden, zumal dann, wenn sich das Genre der Phan­tastik einmischt.

Heutzutage entwerfen Wirtschaftswissenschaftler alternative Szenarien, das Denken in Handlungsalternativen ist in Politik, Wirtschaft und Militär weit ver­breitet, oftmals als so genannte „Planspiele“ getarnt. Selbst Historiker, die nach eigenem Selbstverständnis dem Denken in historischen Alternativen zutiefst ab­hold sind, lassen sich doch immer wieder vom Wunschdenken verleiten und flechten eher beiläufig solche Gedanken in ihre Werke ein… jeder Interessierte kann das bei einer Prüfung schnell feststellen.

Da sinniert ein Althistoriker darüber, wie wohl der Verlauf der Weltgeschichte gewesen wäre, wenn Kaiser Hadrian sich NICHT entschlossen hätte, die römi­schen Grenzbefestigungen zu verstärken. Ob das den Untergang des Imperiums (der trotz Limes und Grenzwällen eintrat) wohl verzögert hätte. Da denkt eine Historikerin, die den Verlauf des Dreißigjährigen Krieges skizziert, darüber nach, ob denn eine andere Heiratspolitik gegen Ende des 16. Jahrhunderts die Ereignisse nicht grundlegend hätte verändern können… und schwenkt danach gleichwohl in den Ereignisstrom der Realität zurück. Wie es sich für Historiker und Historikerinnen eben gehört.

Die Phantastik besitzt in diesem Bereich größere Freiheiten. Die Gedanken sind frei, heißt es, und auf wohl kaum einem anderen Gebiet sind sie so turbulent und energisch wie im Bereich der kontrafaktischen Geschichte, also dem Den­ken in historischen Alternativen. Mit den Parallelwelten und Alternativwelten gibt es sogar eigene phantastische Subgenres, die in schier unüberschaubarer Fülle die Neigungen der Leserschaft nach dem Denken in historischen Varianten befriedigen, und Werke, in denen Abenteuergeschichten vor der Folie eines weiter bestehenden römischen Reiches, einem sich ausdehnenden katholischen Weltkirchenreiches, dem Fortbestand des Naziimperiums oder ähnlichem ent­wickeln, haben immer mal wieder Konjunktur. Selbst nur ein flüchtiger Blick in einschlägigen Buchreihen und Verlagsprogramme beweist das immer wieder aufs Neue.

Diese Neigung der Autoren kann nicht überraschen, auch nicht das Leserinter­esse: wie oben schon angedeutet wurde, ist das Verlangen nach einer Verände­rung des Schicksalsstromes ein zutiefst menschliches Sehnen, und selbst in Krei­sen, die der Phantastik sonst abhold sind, verirren sich Diskussionen schnell in kontrafaktische Fanggründe.

Als im Jahre 2000 der Förderverein Phantastika Raum & Zeit e. V. in Braun­schweig einen Storywettbewerb ausschrieb, lag es irgendwie durchaus nahe, das Thema Alternativwelten zu wählen. Also die Gretchenfrage zu stellen: Was wäre gewesen, wenn… im 20. Jahrhundert die historischen Weichen irgendwie anders verlaufen wären? Daraus sollten die Schreibtalente, die am Wettbewerb teilnahmen, eine interessante Geschichte entwickeln. Die Begrenzung auf das 20. Jahrhundert erfolgte – sinnvoll – wegen der thematischen Verengung. Der Bezug zur realen Gegenwart des frühen 21. Jahrhunderts sollte nicht gänzlich verloren gehen, was gar zu leicht geschehen wäre, wenn man alle möglichen Varianten der Weltgeschichte zugelassen hätte (inklusive etwa dem Gedanken, dass die Neandertaler nicht ausgestorben wären… eine solche Welt hätte mit unserer vermutlich nichts mehr gemein, von der Geografie einmal abgesehen).

Ebenso wenig verblüffend war es, dass der Förderverein daraufhin mit Ge­schichten überschüttet wurde. 21 davon schafften es bis in die Vorauswahl und wurden von den drei Juroren gesichtet. Neun wurden endlich dann in diesem Band gesammelt und drei davon prämiert, wobei die Story „Fleisch und Blut“ von Cathrin Block dann den Sieg davontrug und der Anthologie auch ihren Na­mensstempel aufprägen durfte.

Schauen wir uns die Werke mal der Reihe nach an und ziehen schließlich ein Gesamtresümee:

Marion Fabian befasst sich in „Tod einer Zarenprinzessin“ mit dem Gedanken, dass die Romanov-Dynastie 1917 nicht ausgelöscht worden ist. Was dann mit zu einer russischen Mondstation führt und zu einem Kriminalfall um einen Attentäter, der dort gefasst wird und für die Ermordung von Anastasia Romano­va verantwortlich ist…

Jonas Torsten Krügers Geschichte „Straf-Theater für einen Richter“ wählt als al­ternative Abzweigung ein späteres Ereignis in der Weltgeschichte. Die 68er-Stu­dentenunruhen sind ebenso wenig eingetreten wie das Vietnam-Engagement der USA. In der Konsequenz gab es aber die 76er-Studentenunruhen, die frei­lich den Slogan „Make punish, not jail“ auf ihre Fahnen schrieben. Mit der Fol­ge, dass die sich daraus entwickelnde Welt auf die Vorstellungen des französi­schen Philosophen Michel Foucault stützt. Eine bessere Welt…? Man darf es nach der Lektüre wenigstens bezweifeln.

Josef Thanners „Der Fall Otto Hahn“ wählt ein alt beliebtes Thema als Grund­struktur: die Nazis sind nach 1945 immer noch an der Macht, und Nordamerika wurde als Kriegsgegner durch ein „Naturereignis“ aus dem Krieg herausgehal­ten, den so genannten „Nordamerika-Kometen“, der 1942 fast den ganzen Kon­tinent zerstört hat. Dummerweise – und das ist dann sehr vertraut – , ist diese Deutung eine fromme Legende. Und sie wird offenbar, als der hoch geehrte Wissenschaftler Otto Hahn ermordet aufgefunden wird…

In Frank Schulzes Geschichte „Regimekritik“ hat sich die jüngste Geschichte ge­wendet: 1989 schritt die Rote Armee bei den Unruhen in der DDR blutig ein und stabilisierte das Regime. Die DDR-Diktatur besteht also fort, und der Prot­agonist in Schulzes Story reflektiert, wie weit jemand zu gehen bereit ist und sich vom System verbiegen lässt und selbst belügt, um persönliche Vorteile wie etwa ein vom System versprochenes Auto zu erhalten. Gruselig, um das We­nigste zu sagen…

Milan Knezevic berichtet in „Ein falscher Morgen“ ebenfalls aus einer Post-Na­zi-Welt, diesmal aus einem „Reich“, in dem Wien und ganz Österreich noch zum Großdeutschen Reich gehören. Die Juden sind verschwunden, „irgendwo im Os­ten“, und alles sieht schön und wunderbar aus. Als sich der Protagonist aber in seine Mitkommilitonin Sieglinde verliebt (die ihre Freunde seltsamerweise Sa­rah nennen), bekommt das Paradies hässliche Schrammen und kippt schließlich in blanken, tödlichen Terror um…

Alexander Trost stülpt in „Der Netzwächter“ die Welt gründlich um: Europa hat sich hier in ein katholisches Imperium verwandelt, und ein göttlicher Strahlen­vorhang (so wird es berichtet), hat das Vordringen der gottlosen Kommunisten­horden aus dem Osten verhindert. Die Hauptperson Chris ist dabei verantwort­lich für die Installation und Kontrolle eines Glaubens-Internets, das der Gleich­schaltung der Bürger dient. Wenn es da nicht die finsteren „Blutmönche“ gäbe und ihr schreckliches Geheimnis, das Chris schließlich ganz persönlich betrifft…

Auch bei Cathrin Blocks Titelgeschichte findet sich der Leser in einer Welt wie­der, die von den Nazis dominiert wird. Hier ist aber nicht nur Hitlerdeutschland siegreich gewesen, sondern Adolf Hitler hat entschieden, die „Endlösung“ der Judenfrage zu modifizieren: tot nutzen uns die Juden nichts, lassen wir sie also doch für uns arbeiten. Infolgedessen gibt es noch Juden, eingesperrt in ihren Schteteln, einer modernen Variante der Ghettos, aber es gibt auch nach wie vor Auschwitz, wo „Arbeit frei macht“, wie es heißt. Leider sterben dort so viele Leute… nun, sie halten wohl nichts aus, und Arbeitsunfälle gibt es immer…

Die Schriftstellerin Hannelore Treuchthaus sieht das alles nur aus der Ferne. In der Reichsstadt Danzig lebend, hat sie auf einmal völlig andere Probleme, als sie mit Personen aus ihrer persönlichen Vergangenheit konfrontiert wird und ihr Leben zu entgleisen droht…

Bei Frank Dwornikowitschs Story „Freiheit“ lernen wir eine Welt kennen, in der Hitlerdeutschland den Krieg verloren hat (man möchte fast sagen: erwartungs­gemäß, aber dann wäre man in der falschen Anthologie, wie ja einige der Ge­schichten oben beweisen), dafür haben die Sowjets die Welt übernommen, die in der Mitte des 21. Jahrhunderts offensichtlich eine Invasion aus dem All er­warten.

Die Hauptperson Anna hält das für abstrusen Unsinn und wird in ihren Verdunk­lungsmaßnahmen leichtsinnig. Aber was ist das dann für ein seltsamer Zimtge­ruch, den sie auf einmal in ihrer Wohnung wahrnimmt? Und was ist das für ein Wesen, das sich in ihr Schlafzimmer geschlichen hat…?

Heimkehr“ von Uwe Björn Firmenich ist ähnlich fremdartig wie die vorange­gangene Story. Hier ist die Perspektive die eines russischen Marskolonisten, die sich aus einer alternativen Handlungsschiene entwickelt hat: Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die siegreichen Sowjets den Krieg sozusagen nahtlos gegen die USA weiter geführt und ihn gewonnen. Bis 2015 war die Welt eine sozialistische geworden, dann sorgte eine kosmische Katastrophe dafür, dass die Erde fast vollständig zerstört wurde. Überleben konnten nur die sowjetischen Mondkolo­nisten und die Marskolonisten. Dummerweise bricht in der Marskolonie eine Epidemie aus…

Den Schluss macht schließlich Marian Bernhardts Geschichte „Diogenes“, und wer hier, historisch geschult, an Diogenes von Sinope, einen antiken Philoso­phen, denkt, der hat völlig Recht. Gleichwohl handelt es sich nicht um einen Bruch der Themenlinie, und es kommen auch keine Zeitmaschinen zur Anwen­dung. Die Veränderung der historischen Kontinuität, die hier als Ausgangspunkt gewählt wird, ist vielmehr eine molekulargenetische.

1953 entdeckten die Molekulargenetiker John Watson und Francis Crick (und eine weitere Wissenschaftlerin Rosalind Franklin, die leider meist verschwiegen wird) die DNS, die Grundlage der Vererbung. Diese Geschichte hier geht nun da­von aus, dass der fiktive Biologe Dr. Richard Weber 1974 dazu den Entwickeln­den Genetischen Code (EGC) entdeckt. Während die DNS also verantwortlich wäre für den Genotyp, würde der bislang nicht gefundene EGC den Phänotyp prägen. In der Geschichte bedeutet das, dass man aus den geklonten EGC-Strukturen Personen der Vergangenheit wieder ins Leben zurückrufen kann. Der erste, mit dem das versucht wird, ist ausgerechnet Diogenes von Sinope. Aber es gibt dabei Probleme…

Summiert man diese Geschichten dann zu einer Gesamtschau, so kann der Re­zensent nicht anders, als den Hut zu ziehen vor dieser beachtlichen Leistung kreativ rauchender Köpfe. Es ist natürlich ein wenig bedauerlich, das gab die Herausgeberin mir gegenüber auch verschiedentlich in Diskussionen zu, dass gerade der Topos „Die Nazis haben den Krieg gewonnen“ so oft verwendet wur­de, ich würde auch den Topos „Die Sowjets haben den Krieg gewonnen“ noch einflechten, der ja sozusagen nur das Spiegelbild einer Diktatur darstellt (sieben von neun Geschichten spielen letztlich in derartig strukturierten Welten), doch auf der anderen Seite ist das vermutlich klarer Ausdruck dominanter Ge­schichtsstrukturen im Schulunterricht. Der starke Einfluss der Diktaturen des 20. Jahrhunderts hat in Deutschland ganz besonders intensive Rückstände hinter­lassen, es wäre unrealistisch gewesen, hier weniger „Fallout“ zu erwarten.

Ansonsten gingen die Werke doch recht unterschiedlich zuwerke. Wir finden kriminalistische Strukturen, Beziehungsdramen und moralische Zwickmühlen, was die Anthologie dann wieder recht abwechslungsreich macht. In der Umset­zung kann ein kritischer Leser freilich nicht daran vorbeisehen, dass viele der Werke ungeachtet ihrer Auszeichnung, in diese Anthologie Eingang zu finden, deutliche inhaltliche Schwächen aufweisen. Da werden spannende Konfliktlini­en einfach nicht verfolgt, sondern manchmal auf plumpen Schematismus ge­setzt, was schöne Ideen gründlich ruiniert (so geschehen bei Thanner). Auf der anderen Seite kommt es vor, dass durch geradezu groteskes Überzeichnen der Situation eine packende Geschichte leider ganz unglaubwürdig wird (so passiert bei Knezevic und Trost, meiner Meinung nach). Es ist einfach nicht plausibel, dass das Schicksal einer ganzen Welt, eines ganzen Reiches oder der gesamten Menschheit schließlich vom Knopfdruck der Hauptperson abhängt.

Andere Geschichten offenbaren recht leicht, dass es den Verfassern nicht ur­sächlich um alternative Weltverläufe und daraus ursächlich resultierende Ver­änderungen ging, sondern sie diese Grundidee nur als Vehikel nutzten, um ein ganz eigenes Ding zu drehen. Das muss nicht unbedingt schief gehen, aber es kann. In die Kategorie dieser Geschichten sind die Werke von Krüger, Trost, Dwornikowitsch, Firmenich und Bernhardt einzusortieren. In der vorliegenden Konsequenz führt diese Grundintention der genannten Autoren dann zu Viel­falt. In einer reinen Alternativwelten-Anthologie hätten diese Geschichten aber vermutlich den Sprung in die Druckfassung wohl nicht geschafft.

So anerkennenswert diese Anthologie auch sein mag, es muss am Ende dieser Besprechung noch auf ein Manko hingewiesen werden, das leider unüberseh­bar ist: es wurde am Lektorat gespart, und zwar auf letztlich verheerende Wei­se. Ich kann nicht zählen, wie viele Kommata in der Umsetzung fehlten, aber sie fehlten wirklich in jeder einzelnen Geschichte, am Schluss vermutlich mehrere hundert. Das fand ich dann schon wirklich äußerst traurig. Auch einige wirkliche Fehler kommen vor. So wird beispielsweise bei Thanner das „Max-Planck-Insti­tut“ erwähnt, das in Nazizeiten aber unter dem Titel „Kaiser-Wilhelm-Institut“ bekannt war. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Nazis den ollen Wilhelm II. nicht sonderlich schätzten (aber dafür spricht wenig) und dieses Institut um­benannt haben könnten, scheint es unrealistisch, daraus das heutige MPI zu machen.

Die zahlreichen Groß- und Kleinschreibfehler lasse ich hier mal aus und erwäh­ne lediglich noch eindeutige Indizien für ein überfordertes Lektorat. Worte wie „Fahnenapell“ gibt es natürlich ebenso wenig wie „Pateischule“ oder „inein­adergeschobene Dreiecke“. „Kraiste“ (statt korrekt „kreißte“) tut schon richtig weh, „tieflilane Hautverfärbung“ anstelle von „tief violetter…“ ist auch nicht eben professionell zu nennen, die „Inquisition“ mit „Institution“ zu verwechseln, zeugt auch von Überforderung, ähnlich sieht es mit „Freundenruf“ anstelle von „Freudenruf“ aus… es ließen sich weitere Beispiele finden.

Wie gesagt: diese zunehmende Fehlersättigung trübt den sonst soliden Ge­samteindruck dann doch leider bedauerlich stark. Dem Förderverein wäre ernstlich zu wünschen, dass sich eine gründlich lektorierte Neuauflage realisie­ren ließe. Sonst steht zu fürchten, dass anspruchsvolle SF-Leser um diese An­thologie leider einen Bogen machen werden. Wen indes Lektoratsfehler nicht interessieren, weil er vielleicht selbst nicht so ganz grammatikalisch sattelfest ist, und wer darüber hinaus neugierig auf die oben kurz angerissenen Geschich­ten sein sollte – und viele davon lohnen die Lektüre definitiv, ganz besonders die Siegerstory – , der sollte sich dieses Werk durchaus auf die Wunschliste set­zen. Es ist nach wie vor beim Förderverein zu haben.

© by Uwe Lammers, 2013

Wie ihr merkt, halte ich diese Anthologie grundsätzlich immer noch für sehr lesenswert, wenngleich es an kritischen Untertönen in der Rezension nicht gefehlt hat… ich neige eben dazu, auch Schwachstellen durchaus als solche zu benennen. Schönwetter-Rezensionen, die der Wirklichkeit nicht gerecht werden, helfen niemandem, dem Leser am wenigsten. So etwas braucht ihr bei mir eigentlich nicht zu erwarten.

Ich hoffe, ihr wurdet gut unterhalten und seid in der kommenden Woche wieder mit an Bord, wenn es zurück zu den Fargos geht…

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

da ist also wieder der aktuelle Fortschrittsreport in Sachen Oki Stanwer Mythos, diesmal für den Monat Februar 2015, der gerade hinter mir liegt. Wie üblich schreibe ich diese Zeilen an einem Monatsersten, d. h. heute am 1. März 2015. Dass ihr dies alles erst mit ein paar Monaten Verspätung zu sehen bekommt, ist etwas, an das ihr euch bestimmt inzwischen gewöhnt habt.

Der Februar 2015 war ein anstrengender Monat, der mich auf vielerlei Weise beanspruchte und leider mal wieder gründlich von kreativen Tätigkeitsfeldern ablenkte. Die stete Jobsuche einerseits ist hier als Ablenkungsgrund zu nennen, zum anderen aber auch die Beerdigung eines guten Freundes, die Krankheiten von Verwandten und guten Freunden, bei denen ich mitlitt, und aktuell hat mich eine Erkältung niedergeknüppelt… also, erwartet nicht zuviel.

Folgendes habe ich gleichwohl geschafft:

Blogartikel 112: Work in Progress, Part 26

(OSM-Wiki)

18Neu 64: Sprung durch die Zeit

18Neu 65: Sabotage in Hattusas

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“)

(E-Book 23: Zurück zu den Sargkolonnen)

Erläuterung: Eigentlich hatte ich ja gehofft, ich würde schon weiter sein, aber wie ihr, wenn dieser Blogartikel Ende Mai erscheint, sicherlich mitbekommen habt, ist mein E-Book-Programm ein wenig ins Trudeln geraten. Das hat nur teilweise mit meinen desolaten Finanzen zu tun. Es gibt hier auch einige Schwie­rigkeiten mit Titelbildern und mit der Überarbeitung der TI-Episoden. Die obige Episode ist textlich inzwischen fertig gestellt, aber sie wird noch eingeklammert geführt, weil der Vorschautext derzeit provisorisch ist. Eine OSM-Kennziffer hat die Episode aber schon. Ich hoffe, ich kann hier in Bälde ein wenig Schreibvorsprung erarbeiten, um nicht so unter Druck zu sein. Ich baue da auf euer Verständnis und, gegebenenfalls, ein wenig Geduld.

Blogartikel 114: Stoffwechselmetamorphosen

Erläuterung: Dies ist ein Blogartikel, der sich auf die TI-Serie, d. h. den aktuellen Shonta-Zyklus bezieht. Es kann sein, dass er vielleicht – in Anbetracht der Publi­kationsturbulenzen – ein wenig zeitig erscheint. Dennoch glaube ich nicht, dass er zu viel an Informationen vorwegnimmt, um die Leseneugierde zu verringern.

Wächter wider Willen – OSM-Story (Überarbeitung)

Erläuterung: Diese Geschichte werdet ihr irgendwann im Jahr 2015 in den AN­DROMEDA-NACHRICHTEN des Science Fiction-Clubs Deutschland (SFCD) wieder finden können. Da hier ausdrücklich eine KURZE Geschichte erbeten wurde, habe ich hier ein wenig Schwierigkeiten gehabt, etwas Passendes zu finden. Es kann durchaus sein, dass es später noch weitere OSM-Kurzgeschichten in AN geben wird, aber der favorisierte Platz für die Veröffentlichung ist in meinen E-Book-Storysammlungen zu finden. So könnt ihr in diesem Jahr in der dritten Sto­rysammlung „Reinkarnation und andere phantastische Geschichten“ wieder eine OSM-Geschichte vorfinden.

Welche? Ach nein, da schlage ich vor, lasst ihr euch besser überraschen. Ich möchte nicht alles so zeitig verraten. Nur soviel: diesmal spielt sie im solaren System, direkt vor unserer Haustür…

(18Neu 67: Der COMMANDER)

18Neu 66: Geister-Agenten

(NK 54: Tödliche Entscheidung)

Erläuterung: Das ist jetzt eine wichtige Message für euch – Band 54 der Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ ist der Abschlussband des achtteiligen HANKSTEYN-Zyklus, den ich vor vielen Jahren zu schreiben begonnen habe. Und da ich nun die NK-Serie fertig glossiert und alle Korrekturseiten gedruckt habe, stecke ich vollkommen informiert aktuell im KONFLIKT 24, der NK-Serie, und bin dabei, diesen Band abzuschließen.

Die Schlacht um das Baumeister-EXIL HANKSTEYN entscheidet, wie der Unterti­tel von Band 53 („HANKSTEYN“) bereits andeutete, „das Morgen und das Ges­tern“. Und da der Bilderfluss höchst rege geworden ist, lenkt mich das derzeit temporär von der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) ab.

Ich denke, ich werde da in Bälde in den Blogartikeln noch ein paar Worte mehr machen… seid darauf vorbereitet. Es ist eigentlich sehr schade, dass ihr zum Verständnis der HANKSTEYN-Thematik vermutlich mehrere hundert OSM-Episo­den gelesen haben solltet, verstreut über mehr als ein Dutzend OSM-Serien (und allesamt bereits geschrieben!). Dann würden sich euch bei den zahllosen An­deutungen und Querverbindungen dieser obigen Episode die Nackenhaare stän­dig kräuseln.

Verzeiht mir deshalb, wenn ich überzeugt davon bin, dass es noch viel zu früh wäre, euch auf diese Serie und ganz besonders auf diese Episoden loszulassen. Da wartet aber dann beizeiten ein echtes Schmankerl auf euch, versprochen!

(18Neu: Auf TOTAMS Spuren)

Blogartikel 131: Tote auf Reisen und ähnliche Absurditäten – neueste Fehlerle­se

Blogartikel 118: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (VI)

(12Neu 31: Treffpunkt Calnier)

(12Neu 30: Allianz der Versklavten)

(12Neu 29: Aufstand in Pholyar)

(E-Book 24: Vaniyaa und die Shonta)

Tja, und damit war der Monat dann auch schon wieder dahin. Aber ihr wisst ja, der Februar ist ohnehin kurz, da kann man nicht wirklich viel erwarten. Jetzt schon gar nicht mehr, da die Abschriften der Serien langsamer vonstatten ge­hen und es darum gehen muss, bei der aktuellen OSM-Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ etwas voranzukommen.

Dennoch glaube ich zuversichtlich, dass in den kommenden Monaten verstärkt neue Episoden vollendet werden können. Namentlich in KONFLIKT 24 denke ich das. Da war der Band 54 sehr lange, also mehrere Jahre, um konkret zu sein, eine Hemmschwelle. Die wird in Bälde beseitigt sein, und dann kann ich in die ungeheuerlichen Gefilde aufbrechen, die sich mit den Galaxien Tushwintau und Koopen verbinden… auf an die furchtbare Sturmfront, hinein in den SPLITTER-Sturm, wo die Gestaltwandlervölker des KONFLIKTS 24 instrumentalisiert wer­den sollen, um die Sieben Tavasinischen Prüfungen zu absolvieren.

Ach ja, und in der Galaxis Tushwintau liegt auch ein Baumeister-EXIL, das als ZIEL ZWEI (HANKSTEYN ist ZIEL EINS) kategorisiert ist. Und vor den Dramen, die sich dort abspielen werden, graust es mich jetzt schon.

Mehr dazu in Bälde, meine Freunde. In der folgenden Woche berichte ich euch an dieser Stelle wieder etwas über die „Annalen der Ewigkeit“ – nicht verpas­sen!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 9: Kollaps

Posted Mai 27th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

man unterstellt ja Phantasten ganz gern eine gewisse Neigung zum Eskapismus. Warum sollte man sich, sei es Leser, sei es Autor, in die Zukunft oder fremde Welten flüchten, wo doch die unsere genug an Problempotential bietet, um das man sich vordergründig kümmern sollte. So eindimensional verstanden gäbe es also durchaus Grund, Science Fiction, Fantasy, Vampirliteratur oder phantasti­sche Jugendbücher und dergleichen als eine Form von Luxus und Wirklichkeits­flucht darzustellen.

Diese Argumentation greift aber zu kurz, und das tut sie insbesondere deshalb, weil tätige Phantasten wie ich beispielsweise durchaus nicht die Realität aus dem Blick verlieren. Viele Themen, die in unserer Gegenwart von brennender Relevanz sind, werden in phantastischen Geschichten gewissermaßen camou­fliert übernommen, projiziert und diskutiert. Oftmals ist es sogar erst in solchen Settings möglich, akute Probleme der Gegenwart wertfrei und vor allen Dingen ideologiefrei zu diskutieren.

Außerdem, und das führt uns zum Buch dieses Rezensions-Blogs, ist es nicht so, dass ich als Autor phantastischer Geschichten nur weltfremde phantastische Bücher läse, weit gefehlt. Mit Jared Diamonds hier besprochenem Buch fiel mir sogar ein extrem wichtiges und sehr aufwühlendes Sachbuch in die Hände, das viele Fragen, die mir schon lange quälend durch den Kopf gingen, thematisierte, sortierte und analytisch einer potentiellen Lösung zuführte. Es geht um solche Fragen wie: warum sterben Gesellschaften aus oder gehen zugrunde, und wie kann man aus solchen historischen Fallbeispielen für unsere Gegenwart und Zukunft lernen?

Fürwahr ein topaktuelles Thema, wenn man sich anschaut, was der vermeint­lich so kluge homo sapiens sapiens derzeit mit seiner natürlichen Umgebung anrichtet und wie wenig getan wird, um diesen Planeten in ein gescheites Gleichgewicht zurückzuführen. Klimakatastrophe, Überbevölkerung, Ressour­cenverschwendung, politische Kurzsichtigkeit, ideologische Vernagelung… es gibt viele Worte für die Katastrophen, die uns drohen, vom Aussterben unserer Art einmal ganz zu schweigen.

Jared Diamond legt den Finger auf die Wunde, und ihr solltet ihn mal genauer studieren. Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Kollaps

Warum Gesellschaften überleben oder untergehen

(OT: Collapse. How Societies Choose to Fail or Succeed)1

von Jared Diamond

S. Fischer, Hardcover, 730 Seiten

Frankfurt am Main 2005

Aus dem Amerikanischen von Sebastian Vogel

ISBN 3-10-013904-6

In unserer heutigen Zeit der Umweltzerstörungen und Frevel gegen die Natur, in der Zeit der nachgewiesenen, wesentlich vom Menschen mit verursachten Weltklimaerwärmung, die unser Leben in absehbarer Zeit zur Hölle machen kann, sind wohlfeile Rezepte des Umsteuerns selten und kostbar. Oftmals wird von resignierenden Zeitgenossen die Klage erhoben, man könne doch gar nichts tun, man sei selbst – wie der Großteil der Menschheit – nur ein Spielball der großen Konzerne und egozentrischen Politiker, der machthungrigen Regierun­gen, die das Schiff namens Erde unerbittlich zu ihrem kurzsichtigen Vorteil ge­gen die Wand führen.

Stimmt das?

Und stimmt es vor allen Dingen, dass dies ein unabwendbares Schicksal ist, das völlig unvorhersehbar gewesen ist?2 Gab es keine Beispiele, die uns zeigen wür­den, was geschehen musste, wenn wir bestimmte Handlungen vollzogen? Und, wie gesagt, gibt es tatsächlich keinen Ausweg als den Untergang?

Der Professor für Geografie an der Universität von Kalifornien in Los Angeles, Jared Diamond, der dieses Buch geschrieben hat, ist gegenteiliger Ansicht, und dieses Buch ist der Beweis dafür, dass er Recht hat: Es wimmelt in der Weltge­schichte von Beispielen, in denen Menschen und ihre Kulturen sich aus ver­schiedensten Ursachen zugrunde gerichtet haben, und wie schon in seinem Buch „Arm und Reich“3, das vor einigen Jahren Furore machte, geht der ameri­kanische Wissenschaftler zurück auf die ökonomische Basis. Ich weise aber schon zu Anfang darauf hin, dass das Buch, wenn man sich darauf einlässt, in je­der nur erdenklichen Beziehung harter Stoff ist. Lehrreich, erschütternd, fakten­gesättigt und mitunter in seinen unabweislichen Schlussfolgerungen fast unge­nießbar. Fast. Man könnte es in weiten Teilen für ein pessimistisches Buch hal­ten, wären da nicht die letzten beiden Kapitel… aber ich greife vor.

Das Buch ist in einen Prolog und vier große Abschnitte unterteilt. Im Prolog stimmt der Autor den Leser sozusagen auf das Thema ein, indem er wesentli­che Punkte herausgreift, die die Gegenwart und die Vergangenheit verbinden. Indem er einen Bauernhof im heutigen Montana und den Wikinger-Bauernhof von Gardar in Normannisch-Grönland (mehr dazu schreibt er in den Kapiteln 7 und 8) miteinander ein wenig vergleicht und die frappierenden Ähnlichkeiten der Wirtschaft, des Werdegangs und ihrer Probleme und zugleich dann die Un­terschiedlichkeit der dort angewandten Lösungsstrategien darstellt (in Montana erfolgreich, in Gardar nicht erfolgreich), skizziert er sozusagen die großen Linien des Buches und trifft zugleich Vorkehrungen gegen voreilige Schlussfolgerun­gen.

Voreilige Schlussfolgerungen können aus verschiedensten Gründen entstehen, wie er darlegt, und die Ideologie ist auf beiden Seiten gern und oft im Spiel. Da gibt es die Vertreter der Position, die meinen, der Untergang von indigenen Kul­turen – z. B. der Maya – sei erst in dem Moment erfolgt, da die Region von eu­ropäischen Einwanderern besiedelt worden sei. Somit hat man einen beque­men Sündenbock: die bösen, bösen Imperialisten. Die indigenen Einwohner sei­en gleichsam (wie im Garten Eden) stets im Gleichgewicht mit der Ökologie ge­wesen, wären sie ungestört geblieben, hätte es die Katastrophe, die ihre Gesell­schaft und Umwelt zerstörte, NIE gegeben. Diamond entlarvt diese These als naive Schönfärberei.

Die andere Seite behauptet hingegen, „natürliche Prozesse“ hätten zur Zerstö­rung geführt, der Mensch hätte, egal, wie er sich verhielte, nichts dagegen tun können, das sei sozusagen „Schicksal“ gewesen. Und nur die moderne Technik und Forschung seien imstande, das zu ändern. Wer heutzutage technische Eingriffe wie Staudämme, Kunstdünger und Demokratie ablehne, müsse eben untergehen. Auch das ist eine kindische Vereinfachung. In Wahrheit ist alles viel komplexer.

Diamond entwirft im Prolog ein fünfteiliges Schema, nach dem er im Buch durchgängig vorgeht, und es erscheint höchst plausibel. Er betrachtet nachein­ander:

  1. Die Schäden, die eine Bevölkerung ihrer Umwelt unabsichtlich zufügt

  2. Klimaveränderungen

  3. Feindliche Nachbarn

  4. Abnehmende Unterstützung durch freundliche Nachbarn

  5. Reaktion der Gesellschaft auf die ökologischen Probleme

Wie man rasch erkennen wird, bedingen sich die Faktoren und sind auf gerade­zu aberwitzig komplexe Weise miteinander verbunden. Es bedarf keiner aus­drücklichen Hinweise darauf, dass Diamond, der jahrelang weltweit nach unter­gegangenen Kulturen und nach Kulturen, die heutzutage am Scheideweg stehen oder bald stehen werden, sich durch die Analyse der Beispielnationen (deren Zahl sich leicht vervielfachen ließe, sowohl in Vergangenheit wie Gegenwart, vgl. dazu Kapitel 9) bestätigt fühlte.

Der erste Teil umfasst lediglich das lange Kapitel über das heutige Montana und ist die Vertiefung des Prologs. Diamond schöpft hier aus der persönlichen, jahr­zehntelangen Kenntnis der Region, außerdem fächert er hier die ökologischen Faktoren auf – Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Bergbau, Boden, Wasser, einhei­mische und eingeschleppte Arten sind zu nennen. Er stellt verschiedene Visio­nen der Landnutzung gegenüber und unterschiedliche Auffassungen von einhei­mischen Farmern und stellt Montana als „Welt im Kleinformat“ dar, deren Kenntnis Schlüsse auf das große Ganze zulassen.

Der zweite Teil, „Gesellschaften früherer Zeiten“, umfasst acht Kapitel. Es sind Fallstudien zu früheren und mehrheitlich untergegangenen Kulturen. Leider fehlt der Platz, um hier auf die brillanten Einzelstudien genauer einzugehen. Sie seien jedem Leser dennoch wärmstens ans Herz gelegt. Diamond beginnt mit „Schatten über der Osterinsel“ (was mir, der ich diese Insel liebe, auf erschüt­ternde Weise klarmachte, dass Leute wie Thor Heyerdahl und Erich von Däniken so völlig falsch mit ihren Hypothesen liegen und was dort tatsächlich geschah4) als Extremposition, geht dann über „Die letzten Menschen: Pitcairn und Hen­derson“ weiter.5

Danach springt er nach Altamerika und untersucht in „Altvordere: Die Anasazi und ihre Nachbarn“ die amerikanischen Ureinwohner und zertrümmert die nai­ven Vorstellungen einer auf ökologisches Gleichgewicht bedachten Indianerkul­tur. Im Kapitel 5 wird es noch schlimmer: „Zusammenbrüche bei den Maya“ eröffnet uns beklemmende Parallelen zu modernen, hochentwickelten Gesell­schaften und ihr mögliches Ende.

Die Kapitel 6 bis 8 führen uns schließlich etwas näher an unseren Lebenskreis, in eine europäische, christliche Gesellschaft, die auch zeitlich nicht so richtig weit von uns entfernt ist. In den Kapiteln „Die Wikinger: Präludium und Fuge“, „Die Blütezeit von Normannisch-Grönland“ und „Das Ende von Normannisch-Grönland“ bekommt man auf furchterregende Weise mit, wie falsche Vorstel­lungen von der Landwirtschaft, verkehrte Einschätzung der lokalen Ökologie und kulturelle Vorurteile sowie starres Festhalten an Lebensmaximen, die nicht aufrecht erhalten werden KÖNNEN, zur Selbstvernichtung der eigenen Kultur führen. Am tragischsten ist der Schluss, den Diamond zu ziehen gezwungen ist: die Wikinger in Grönland HÄTTEN überleben können. Aber sie rannten sehen­den Auges in ihr Verderben. Das ist dennoch KEIN Ausweis von „Dummheit“, wie man ihn untergegangenen Kulturen gern unterstellt.

Im Kapitel 9 demonstriert er das an verschiedenen Beispielen. „Auf entgegen­gesetzten Wegen zum Erfolg“, hat er es überschrieben, und er beschreibt hier drei Kulturen, von denen zwei dem Leser vermutlich weitgehend oder völlig un­bekannt sind. Das Japan der Tokugawa-Zeit (bis 1867) ist wahrscheinlich noch ein wenig bekannt. Aber wer war jemals schon im Hochland von Neuguinea, das seit Jahrtausenden bewohnt und kultiviert (!) ist? Wohl niemand. Und auch die winzige Insel Tikopia, die den Weg der Inseln Henderson, Pitcairn oder Man­gareva vermeiden konnte (wenn auch auf ziemlich drastische Weise), kennt wohl kaum jemand.

Das Kapitel vermittelt den ersten Hoffnungsschimmer, möchte ich sagen, auch wenn man hier natürlich ernste Kritik am japanischen Modell üben kann und sollte. Es kann schließlich nicht als ernsthafte Lösung gelten, im eigenen Land die heimischen Wälder zu verhätscheln und im Gegenzug dafür beispielsweise in Indonesien Wälder zu Holzschnitzeln zu verarbeiten, um die heimische Pa­pierindustrie zu mästen…

Im Teil 3 „Gesellschaften von heute“ wird das Buch womöglich noch furchterre­gender, denn nun geht Diamond in die Gegenwart. Die Kulturen, über die er hier spricht, existieren noch. Die Probleme sind akut. Er spricht, wenn man so will, über Zeitbomben, die vor sich hinticken, und er beginnt mit einem echten Genickschlag.

Im Kapitel 10, „Malthus in Afrika: Der Völkermord von Ruanda“ ist die Zeit­bombe bereits einmal explodiert (Wiederholungsgefahr!!). 1994 brachten in ei­nem nur wenige Wochen währenden Blutrausch aufgeheizte Fanatiker der Hutu und der Tutsi rund 800.000 ihrer Landesgenossen um, vertrieben mehrere Mil­lionen als Flüchtlinge ins Ausland. Allgemein wird gerne angenommen, es han­dele sich um einen aus Rassismus geborenen Genozid, eine ethnisch motivierte Gewalttat. Diamond legt durch seine Gesellschaftsanalyse treffend offen, dass diese Sicht der Dinge politisch vielleicht bequem, aber ganz offenkundig falsch ist. Sie zeigt nur einen kleinen und nicht mal den wesentlichsten Teil des Gan­zen, und sie verharmlost die demografische Bombe, die in Zentralafrika schlum­mert, und nicht nur dort. Das Kapitel ist äußerst erhellend, wenn auch zugleich äußerst beklemmend.

Kapitel 11 ist nicht angenehmer. „Eine Insel, zwei Völker, zwei Historien: Die Dominikanische Republik und Haiti“ analysiert ein bizarres Phänomen – wie auf der einstmals Hispaniola genannten Insel, die Christoph Kolumbus 1492 entdeckte, so zwei völlig unterschiedliche Gesellschaftsformen entstehen konn­ten und wie politische Entscheidungen und charismatische, wenngleich auch menschenverachtende und diktatorische Regenten diese Länder so grundver­schieden entwickelten. Hier lernen wir unter anderem einen unangenehmen Zug kennen – dass auch menschenverachtende Diktatoren „gute“ Entscheidun­gen treffen können wie etwa das Gründen und Erhalten von Nationalparks. Und dass der Wechsel zur Demokratie diese zerstören kann. Nicht lustig. Aber leider wahr. Von der Vorstellung, jemand sei „nur böse“, haben wir uns zu verabschie­den.

Kapitel 12 beschäftigt sich mit „China. Der torkelnde Riese“ und beleuchtet hier ein soziales und wirtschaftliches wie ökologisches Feld, das uns vielleicht aus den Tagesnachrichten und Reportagen am nächsten ist. Diamond prognosti­ziert sehr zu Recht, dass hier durch die Verhältnisse, die ökologischen, demo­grafischen wie politischen, in absehbarer Zeit gefährliche Entwicklungen dro­hen.

Kapitel 13 über „‘Abbau‘ in Australien“ zertrümmert das nächste Wunschbild, nicht zuletzt der australischen Politiker, die gern die Bevölkerungszahl ihres Lan­des anheben wollen, um weltpolitisch und wirtschaftlich mehr bewegen kön­nen. Jared Diamond entlarvt auf schonungslose Weise ihre Politik des „mehr Menschen – mehr Wohlstand“ als Illusion und belegt schlagend, dass genau das Gegenteil eintreten wird. Ja, dass der australische Kontinent eigentlich schon an der Kapazitätsgrenze angelangt ist, was die menschliche Einwohnerzahl angeht. Geologisch ist Australien der unproduktivste Kontinent überhaupt, er wird über Gebühr strapaziert, seine ökologische Vielfalt auf dramatische Weise verwüstet, und die Zukunft von „down under“ sieht düster aus. Australien ist eine potenti­elle Osterinsel.

Was also tun?

Nach diesen zahlreichen Fallstudien, die die ersten 500 Seiten des Buches ein­genommen haben, kommt er in Teil 4 „Praktische Lehren“ innerhalb von drei Kapiteln zu einem Fazit. Es geht zunächst in Kapitel 14 „Warum treffen manche Gesellschaften katastrophale Entscheidungen?“ darum, wie es überhaupt zu diesen Desastern kommen konnte. Der wohl schlimmste Faktor ist, wie Diamond betont, etwas, was heutzutage weit verbreitet ist und immer noch unterschätzt wird – die „Tragödie des Gemeineigentums“:

Ökologische Ressourcen, die niemandem „gehören“, sind kurzsichtige Beute für jedermann, der sich davon schnellen Vorteil verspricht. Das betrifft sowohl Bo­denschätze, Wälder oder Fischvorkommen. Hinzu kommen „rationale“ Fehlent­scheidungen, die ebenfalls auf kurzsichtigem Denken basieren. Innerkulturelle Fraktionierung führt dazu, dass machtpolitische Entscheidungen kleiner Grup­pen Entwicklungen in Gang setzen, die dem gesamten Gemeinwesen zum Nachteil gereichen, oftmals mit katastrophalen Resultaten. In jedem Fall sind die Kosten, die daraus entstehen – wenn man noch etwas wieder reparieren kann, was oft nicht der Fall ist! – , um ein Vielfaches größer, als wenn man vor­her nachdenkt und nachhaltig wirtschaftet. In diesem Kapitel legt Diamond die billige Erklärung, untergegangene Kulturen seien einfach „dumm“ gewesen, und uns könne so etwas nicht widerfahren, weil wir eben „klug“ und technisch hoch entwickelt seien, endgültig ad acta. Was den Kulturen in diesem Buch wider­fuhr, kann uns immer noch, jederzeit und, schlimmer vielleicht, noch viel schneller passieren – aus genau den Gründen, die ihre GEGNER gerne als Vor­teile anführen: bessere Technik, mehr Menschen, bessere Erschließung der Welt.

Gibt es keinen Lichtblick? Doch, und das mag angesichts der Fülle desaströser Beispiele verblüffen.

In Kapitel 15 „Großkonzerne und Umwelt: Unterschiedliche Bedingungen, un­terschiedliche Folgen“ und im Kapitel 16 „Die Welt als Polder: Was bedeutet das alles für uns?“ zieht der Autor ein vorsichtig positives Fazit seiner Erörte­rungen. Er beschreibt Ölkonzerne und andere Unternehmen, die auf unter­schiedliche Weise mit der Umwelt umgehen und demonstriert so, dass es selbst für einzelne Verbraucher sehr wohl möglich ist, freilich in Maßen, Einfluss auf die Entscheidungen von Unternehmen auszuüben. Wir sollten unseren sozialen Multiplikationsfaktor aber niemals unterschätzen. Auch dafür nennt er Beispie­le.

Außerdem plädiert Diamond, indem er das Beispiel der Polderbildung in den Niederlanden anführt, nachdrücklich dafür, die ökologischen Ressourcen in All­gemeineigentum zu überführen. Denn nur dann, wenn man etwas besitzt und merkt, dass es eben keine Chance mehr gibt, beispielsweise einen Wald schnell abzuholzen, dann das Weite zu suchen und sich nicht mehr um die Folgen zu kümmern, erst dann wird man ernsthaft nachzudenken gezwungen sein, die Ressource vernünftig und nachhaltig zu bearbeiten.

Die Konsequenz? Das ist diese:

Die Vorstellung, die Fehler untergegangener Kulturen seien für uns bedeutungs­los, weil sich die menschliche Gesellschaft so sehr weiterentwickelt habe, wird von Jared Diamond als billiger Trugschluss entlarvt. Wir sind beispielsweise den Wikingern vom Hof von Gardar oder den Anasazi und den Osterinsel-Be­wohnern mental immer noch sehr nah, und die Katastrophen, die ihre Kulturen auslöschten, können uns sehr wohl treffen, weil unser grundlegendes psycholo­gisches Handeln immer noch dem dieser Kulturen entspricht.

Dennoch gibt es Vorteile: Heutzutage besitzen wir erheblich mehr Wissen, nicht zuletzt über klimatologische und ökologische Zusammenhänge, bessere Analy­semöglichkeiten und mehr Informationen über die gesellschaftlichen Zusam­menbrüche früherer Zeiten. Wie es immer so ist: Wissen als Ressource stellt einen der zentralsten Schlüssel zur Bewahrung unserer Welt dar.

Der zweite Vorteil: mit unserer heutigen Technik (z. B. der Möglichkeit der Ent­giftung von Böden, der Herstellung moderner Materialien, der Gentechnik oder auch den verschiedenen Methoden der Empfängnisverhütung) können wir die Gesellschaft wandeln und die Umwelt schonen. Wenn wir uns der Tatsache be­wusst werden, dass diese vorbeugende Behandlung der Natur weitaus billiger ist als das Nachbessern, wenn alles erst mal zugrunde gerichtet ist. Hier plädiert der Autor des Buches nachdrücklich für eine Ausweitung der umweltverträgli­chen Energiegewinnung und der Abkehr von fossilen Brennstoffen, die uns in Bälde ohnehin nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Und er fordert ein kritisches Hinterfragen überkommener Traditionen (mir fällt hier spontan das christliche Vermehrungsgebot ein, das in einer Welt der Bevölkerungsexplosion geradezu ein Rezept zum ökonomischen und ökologischen Selbstmord ist).

Das Buch ist darüber hinaus ein Credo für Umweltschutz und für wissentliche Durchdringung der ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Zu­sammenhänge der Weltwirtschaft. Die Beschränkung des Wissens aus ideologi­schen Gründen muss aufhören, das kurzsichtige Denken der Verbraucher hat ein Ende zu haben. Organisationen wie das „Forest Stewardship Council“ oder das „Marine Stewardship Council“6 sind erste Indizien eines Umdenkens, aber lange nicht genug.

Das Buch sollte darum von so vielen Menschen wie möglich gelesen werden. Für jeden, der an der Zukunft unserer Welt interessiert ist und daran, dass un­seren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Umwelt zur Verfügung steht, ist es meines Erachtens wichtiger Lesestoff. Man sollte es – wie David Quammens „Der Ruf des Dodo“7gelesen haben.

© by Uwe Lammers, 2007

Harter Stoff, meine Freunde? Viele Worte? Beide Male: natürlich habt ihr da Recht. Aber ich glaube, solche klugen und gut recherchierten Werke sind den­noch dazu da, dass man sie gründlich studiert. Denn wie ich oben schon sagte: Information ist der Schlüssel zur Zukunft der Welt, und das sehe ich nach rund 8 Jahren – seit Abfassung der Rezension – immer noch als absolut essentiell an. Selbst wenn sich langfristig vielleicht erweisen sollte, dass manches an Dia­monds Prognosen nicht stimmig ist… die weitaus meisten Fakten sind wasser­dicht und zwingen darum zum Handeln. Das sind wir uns und unserer Zukunft schuldig.

Gibt es nächste Woche noch so einen Hammer an deprimierenden Informatio­nen? Ach nein, Freunde, schätzt mich nicht so grausam ein. Ich sagte doch schon – ich wechsle zwischen gehaltvollen und eher lockeren Themen ab. Und in der nächsten Woche werden wir uns wieder in die Weiten der Science Fiction begeben, versprochen. Nicht verpassen!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

(BS, 4. April 2015)

1Bedauerlicherweise ist der Titel nicht völlig präzise übersetzt worden. Eigentlich müsste er etwa lauten: „Wie Gesellschaften sich entscheiden, unterzugehen oder erfolgreich zu sein“. Der deutsche Titel ist indes griffiger. Aber dieser Aspekt des absichtlichen Wählens, der Diamond im Buch so wichtig ist, geht dabei leider unter.

2Sehen wir davon ab, dass manche hartleibigen und dummen Politiker wie etwa George W. Bush jr. in den USA bis heute nicht an die Klimakatastrophe glauben und meinen, das alles seien nur „natürliche Schwankungen“. Hört nicht auf diese Idioten.

3Vgl. Jared Diamond: „Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften“, Mün­chen 1998.

4Außerdem musste ich jüngst feststellen, dass die Forschungen auf Rapa Nui, wie die Insel im Sprachgebrauch ihrer Bewohner heißt, alles andere als beendet sind. In der Zeitschrift GEO war 2007 zu lesen, dass Archäologen dabei sind, die Insel mit Magnetfeldarchäologie zu untersuchen und unter dem Boden schon ausgedehnte Fundamentanlagen entdeckt haben, die frühere Forscher übersehen haben. Die Osterinsel birgt also auch weiterhin noch fundamentale Geheimnisse. Man darf weiterhin neugierig sein.

5Die Insel Pitcairn könnte dem einen oder anderen durch die Meuterei auf der Bounty be­kannt sein, hierhin zogen sich die Meuterer um Fletcher Christian zurück. Diamond be­leuchtet unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten, was dann geschah. Eine be­klemmende Geschichte.

6 Darüber wird auch ausführlich im GEO in der Ausgabe von Juni 2007 berichtet.

7 Vgl. David Quammen: „Der Ruf des Dodo“, München 2001.

Liebe Freunde des OSM,

das ist echt der Stoff, aus dem die Alpträume gemacht sind: Ihr seid gelandet auf einer steinernen Klippe in einem lodernden Meer aus Magma und Feuer, im Innern einer riesigen Höhle. Auf dieser Klippe steht der so genannte „Flammen­tempel“, und in seinen Kellergeschossen befindet sich die Rettungsmöglichkeit, mit der ihr von dieser Welt wieder fortkommen könnt – eine Installation der le­gendären Baumeister, die den Einstieg in ein so genanntes „unterkosmisches Niveau“ bereit hält.

Und dann, direkt das dreieckige, wundersame Metallportal schon im Blick, starrt ihr auf die Leichen von acht niedergemetzelten schwarzen Zwergenwesen aus dem Volk der „Mörder“. Und einer eurer Gefährten sagt kaltblütig: „Wir müssen jetzt aufpassen. Der Täter ist noch hier in diesen Räumen unterwegs…“

Derweil bebt der Boden, die Wände wackeln, draußen steigt die Lava, und ihr wisst, die Zeit rennt euch davon.

Und als wenn das alles noch nicht reichen würde, kommt es noch schlimmer – das Portal ist nämlich automatisch verriegelt und gibt den Weg nicht frei. Ge­walt ist keine Option, unter keinen Umständen. Und irgendwo schleicht ein Kil­ler umher, der schon reichlich Blut vergossen hat. Ein hochintelligentes Wesen, uralt und absolut tödlich.

Dann verschwindet erst einer deiner drei Gefährten und wird bald darauf tot aufgefunden… dann trifft der zweite just auf jenen Toten, der auf einmal wieder quicklebendig scheint… und dann wird er ebenfalls ermordet.

Ich sage euch, das ist der Stoff, aus dem die Alpträume sind, und unaufhaltsam sind diese Sachen auch noch!

Der Januar 2015 hat eine Menge beunruhigende Dinge im Gefolge und viel Ar­beit, aber wenn mich solche atemlosen Bilderstürme heimsuchen, kann ich nicht anders, dann muss ich mich da hineinstürzen und es niederschreiben. So kam es, dass die ersten beiden Teile dieser Trilogie quasi über Nacht entstanden sind, der dritte, in dem der obige Alptraum richtig ausbricht, ist schon skizziert und ebenfalls unaufhaltsam. Bis Ende der Woche ist er auf alle Fälle fertig.

Wo befinden wir uns jetzt? Dazu muss ich ein wenig ausholen. Erst mal die Rah­mendaten:

Der Raum ist der KONFLIKT 24 des Oki Stanwer Mythos, das heißt, die Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK), begonnen 1994. Eifrige Leser dieses Blogs wissen sicherlich noch, dass ich hier derzeit im so genannten HANKSTEYN-Zyklus „hänge“, genauer gesagt, in dessen Abschlussband „Tödliche Entschei­dung“ (Band 54). Außerdem bin ich noch dabei, hier die Anfangsepisoden abzu­schreiben, um eine vollständige digitale Fassung der Serie zu besitzen. Bis ihr dies hier lest, ist das längst geschehen, ich habe jetzt nur noch drei Episoden fertig abzuschreiben. Dann vervollständige ich das Glossar der Serie, aktualisie­re das Lexikon und kann weiterschreiben.

Direkt nach Band 54 kommt eine Trilogie, die die Bände 26 und 27 sowie 39 der Serie wieder aufgreift. Sie entstanden in den Jahren 1998 und 2000. Daran könnt ihr sehen, wie lange manche Handlungsströme kurzerhand untertauchen und verschwunden sind… es juckte mich aber schon seit Wochen, die erwähn­ten Episoden 55-57 zu schreiben.

Warum dies?

Weil es um die „Mörder“ geht. Das sind späte Nachfahren eines Volkes, das euch derzeit aus KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) ver­traut ist, Nachfahren der Shonta. Ja, ja, die schwarzen Zwergenwesen aus dem Xoor’con-System, exakt.

110 Milliarden Handlungsjahre später siedeln diese „Mörder“ jedenfalls unter der Kruste eines unbekannten Planeten irgendwo im Universum, als sie (1994!) jählings „Besuch“ bekommen, und zwar von einem materielosen, elliptischen Vernichtungsfeld, das geradewegs durch ihre unterirdischen Städte fräst und sie verwüstet.

Die aufgescheuchten Zwergenwesen starten eine Vergeltungsexpedition und gelangen zum so genannten „blauen Herzen der Nacht“, aber eine hier ausge­löste Explosion schleudert die Expeditionsgruppe in eine völlig fremde Welt, wo es so unglaubliche Dinge wie Monde gibt… und Sonnen… und ein fliegendes Schloss, in dem der rätselhafte „Neutrale“ residiert, Colin Gablon, ein enger Vertrauter Oki Stanwers.

Dummerweise ist das Vehikel, das die „Mörder“ auf diese Welt namens Washi­an geschleudert hat, mitgekommen: ein blaues Vernichtungsfeld, das sich im­mer unkontrollierbarer verhält. Colin Gablon, der mit der Aufgabe betraut wird, findet die „Mörder“ und kann – wenigstens mit zweien von ihnen – in die Höh­lenwelt zurückkehren.

Dort sitzt er nun fest… bis er einen dritten „Mörder“ trifft, jemanden namens Chaaroi. Dieser alte Mann, ein Häretiker aus der Stadt Thorraigo, erzählt davon, dass seine Heimatstadt von den Vernichtungsfeldern ebenfalls schwer verwüs­tet worden ist. Aber vielleicht gibt es im so genannten „Flammentempel“ noch Hilfe.

Doch Thorraigo ist in einem Lavameer versunken, einzig der Berg mit dem Tem­pel ragt noch aus der Glut… und damit sind wir bei der Anfangsszene, zu der ich nun nach mehr als vierzehn Realjahren endlich kam. Unter dem Tempel liegt eine Station der Baumeister. Doch im Tempel selbst treibt ein mörderischer Kil­ler sein Unwesen.

Ach, und was für ein Monstrum!

Schließlich tritt es Colin Gablon mit seinem eigenen Aussehen gegenüber – ein Kinderspiel für einen omnipotenten Gestaltwandler. Und berühmt ist er auch noch. Berühmt-berüchtigt.

Sein Name lautet SARDOON.

Es ist eine Dämonenwaffe von TOTAM, Morden ist sozusagen ihr Hobby. Leben bedeutet ihr absolut gar nichts, und sie ist so gut wie unverwundbar, quasi unsterblich. Sie verhöhnt Colin Gablon sogar damit, dass vor ewigen Zeiten sogar ein Matrixkoordinator, einer der ranghöchsten Untergebenen der Sieben Lichtmächte, von ihr getäuscht worden ist.

Das liegt lange zurück? Natürlich… das war in KONFLIKT 12, wo Sardoon unter seinem Tarnnamen Sascyawesho der Tyrann und Diktator der Kleingalaxis Pho­lyar war. 60 Milliarden Jahre ist das her. Aber dieses Wesen ist immer noch blut­rünstig und grausam, intrigant und verschlagen… und statt Colin Gablon das gnädigere Schicksal zu geben, ihn nämlich einfach kurzerhand in Stücke zu reißen… nein, statt das zu tun, baut Sardoon den armen Helfer des Lichts in seine finsteren Pläne ein.

Damit beginnt der Schrecken erst richtig.

Ich sage euch, Freunde… das ist echt der Stoff, aus dem die Alpträume sind. Und spätere Leser des KONFLIKTS 24 werden starke Nerven brauchen. Ich brau­che die jetzt schon…

Damit verlasse ich euch für den Moment wieder und beneide euch ein wenig um die Seelenruhe, die mir gerade verloren geht. Mann, Mann, Mann, seid froh, dass ihr „nur“ die Blog-Trockenübungen zu lesen habt. Nächste Woche könnt ihr euch an dieser Stelle noch ein wenig stärker abkühlen, dann erzähle ich euch nämlich, was ich im Februar 2015 alles so geschrieben habe. Lasst euch mal überraschen…

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 8: Das Gold von Sparta (1)

Posted Mai 20th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute möchte ich euch mal auf eine Abenteuerreise mitnehmen, die sich von der doch zum Teil recht gehaltvollen, vielleicht auch heftigen Kost der vergange­nen Wochen ein wenig ablenkt. Ich sagte ja schon verschiedentlich, dass ich auch Abenteuergeschichten nicht abgeneigt bin, und meiner Ansicht nach ist eine solide Adresse für solche Werke der amerikanische Bestsellerautor Clive Cussler. Ihr werdet im Rezensions-Blog noch häufiger von ihm hören, da ich sei­ne Werke gern lese.

Natürlich mag man einwenden, sie seien manchmal ziemlich seicht, gelegent­lich reichlich an den Haaren herbeigezogen, auch kann man sich echauffieren über die Baustruktur der Geschichten, aber das Konzept an sich hat durchaus seine Stärken: Man nehme eines oder mehrere Geheimnisse der Vergangen­heit, mische sie mit einer Thrillerhandlung, humorvollen und unverwüstlichen Protagonisten und koche daraus eine interessante Story zusammen. Das ist der Kern seines Erfolgsrezepts.

Als Clive Cussler sich anschickte, auch Coautoren zu beschäftigen, wich er ein wenig von dem seit Jahrzehnten verfolgten Pfad der NUMA ab, der National Underwater and Marine Agency, die in den meisten seiner Werke die zentrale Rolle spielt. Am stärksten ist er meiner Ansicht nach mit der Erfindung von Sam und Remi Fargo von dieser Spur abgewichen, als er sich mit dem Autor Grant Blackwood zusammentat.

Ich entdeckte die Fargos im Jahre 2011, unmittelbar nach dem Erscheinen des ersten Bandes, und ich sollte bald erkennen, dass Blackwood einen Vertrag über drei Werke unterschrieben hatte, die inzwischen alle in deutscher Übersetzung vorliegen. Ich las sie der Reihenfolge nach und werde sie hier im Ab­stand von ein paar Wochen auch vorstellen (darum die Ziffer im Titel – sie ver­weist auf mehrteilige Werke und wird euch später den Überblick erleichtern).

Neugierig war ich auf die Fargos natürlich auch deshalb, weil sie passionierte Schatzsucher sind… und gute dazu, wie ich entdecken konnte. Folgt mir direkt ins Abenteuer:

Das Gold von Sparta

(OT: Spartan Gold)

von Clive Cussler & Grant Blackwood

Blanvalet 37683

512 Seiten, TB

München, Juni 2011

Aus dem Englischen von Michael Kubiak

ISBN 978-3-442-37683-4

Die menschliche Geschichte ist voll von Geheimnissen und Schätzen, die irgend­wann einmal spurlos verschwunden sind. Jedermann hat davon schon von Kin­desbeinen an gehört, gelesen oder Filme darüber gesehen. Und in vielen Her­anwachsenden schlummert der Wunsch, selbst einmal Entdecker solcher Schät­ze zu sein, die lange verschollen waren. Und manche von ihnen reifen tatsäch­lich zu Findern derartiger Kostbarkeiten. Entweder im ehrlichen Business, dann kennt man sie als Archäologen oder Historiker… oder aber sie verschreiben sich dem Beruf des Schatzsuchers.

Sam und Remi Fargo sind letzteres. Durch harte Arbeit zu Wohlstand gekom­men, haben sie ihre vielseitigen Talente und Leidenschaft für die Vergangenheit zu einem zeitfüllenden Hobby gemacht. Zusammen mit einer Reihe von guten Freunden ist das Ehepaar immer wieder einmal in Indiana Jones-Manier in Abenteuer verstrickt, wenn sie auf die Fährte von Schätzen geraten. Diesmal aber stolpern sie in ein wirklich verwirrendes Abenteuer.

Während sie in einem Sumpfgebiet des US-Bundesstaates Delaware eigentlich nach dem Schatz von Martha Cannon suchen1, findet Sam unerwartet etwas, was man hier generell nicht annimmt: ein Miniatur-U-Boot der Nazis, das seit den Endtagen des Krieges hier mitsamt Ein-Mann-Besatzung auf Grund liegt. Bei dem Toten befindet sich eine Ledertasche, in der eine Weinflasche liegt, die dem Aussehen nach auch schon recht antik zu sein scheint. Auf dem Boden der leeren Flasche ist ein Symbol eingraviert, das wie eine Biene aussieht. Und die­ses Symbol haben die beiden kürzlich schon einmal gesehen – nämlich bei ih­rem Freund, dem Antiquitätenhändler Ted Frobisher, der den Splitter einer sol­chen Flasche kürzlich ins Internet gestellt hat.

Irgendwem scheint dieses Glasteil so wertvoll zu sein, dass er Frobisher kurzer­hand entführt und beinahe umbringt. Sam und Remi können das gerade noch verhindern, kollidieren aber auf diese Weise mit einem Mann namens Archi­pow und seinem Auftraggeber Hadeon Bondaruk (auf dem Klappentext falsch geschrieben, aber „Hadeon“ ist ja auch ein ausgefallener Name). Bondaruk, Drahtzieher der ukrainischen Mafia und Sammler von Antiken, schreckt vor bru­taler Gewalt nicht zurück, um diese Flaschen in seinen Besitz zu bekommen. Erst mit etwas Verzögerung lüften die Fargos zumindest einen Zipfel des Ge­heimnisses: die beiden Flaschen gehören zu einem Satz von zwölf legendären Weinflaschen, die einstmals Napoleon Bonaparte anfertigen ließ. Und die Eti­ketten der Flaschen sind zugleich Schlüssel für eine Schatzsuche. Das tritt dann erst mit Verzögerung zutage.

Auch wenn das Ziel der Suche für die Fargos nicht bekannt ist, haben sie mit Bondaruks Häschern schon so viel Scherereien gehabt, dass sie sich recht bald entschließen, dem Ukrainer den Schatz nicht zu überlassen, worin auch immer er bestehen mag. So beginnt eine weiträumige „Schnitzeljagd“, die vor gut zwei­hundert Jahren ihren Anfang nahm und die Fargos und ihre Verfolger mal auf die Bahamas bringt, dann in einen unterirdischen Fluss, nach Monaco, nach Elba, auf verwitterte Friedhöfe, auf die französische Gefängnisinsel Chateau d’If, in ein Schmugglerlabyrinth unter der Felsküste der Krim, in den Süden Deutsch­lands, auf eine Toteninsel nahe Venedig und schließlich an einen lebensgefährli­chen Ort, wo ein sagenhafter Goldschatz verborgen wurde…

Mit dem Schatzsucher-Ehepaar Sam und Remi Fargo geht nach Dirk Pitt, Kurt Austin und Juan Cabrillo die vierte Gruppe von Helden an den Start, für deren Karrierebeginn der Schriftsteller und Abenteurer Clive Cussler gesorgt hat. Dies­mal hat die Handlung aber nichts mit der NUMA zu tun, die sonst in den Cuss­ler-Romanen zentral bedeutsam ist. Diese Abwechslung von der Meeresfor­schung und damit verknüpften Abenteuergeschichten und historischen Aben­teuern tut aber richtig gut.

Bei diesem Roman ist festzuhalten, dass das gesamte Werk unübersehbar die Handschrift des Navyveterans Grant Blackwood trägt. Wie Cussler-Romane aus­sehen, weiß ich nun wirklich zur Genüge, und dieser unterscheidet sich an sehr vielen Stellen gründlich davon. Allerdings in angenehm positivem Sinne. Wäh­rend viele der jüngeren Cussler-Romane durch haarsträubende Logikfehler, halsbrecherische Action und historische Ungenauigkeiten unangenehm aufzu­fallen pflegen, ist das hier nicht der Fall.

Eher das Gegenteil ist der Fall: Während Sam und Remi angenehm sympathisch und humorvoll herüberkommen (auch wenn man leider ihr Alter nie erfährt; meiner Schätzung nach sind sie Mitte bis Ende Vierzig, kaum viel älter), fällt ebenfalls auf, dass die in Cussler-Romanen häufig vertretene Anwendung bru­talster Gewalt hier auf ein Minimum reduziert wird. Viel eher im Vordergrund stehen die Vermittlung von historischen Fakten und das raffinierte, verwinkelte Ausknobeln eines wirklich vertrackten historischen Rätsels. Gewürzt mit exoti­schen Schauplätzen, abenteuerlichen Wendungen und manchmal ziemlich haarsträubenden Aktionen kommt man sich tatsächlich als Leser einmal mehr so vor, als läse man einen Indiana Jones-Roman. Damit ist nicht gesagt, dass die Geschichte langweilig wird, ganz im Gegenteil. Ich habe den letzten Teil – und damit beziehe ich mich auf die rund 250 letzten Seiten – in einem Rutsch gele­sen, was bis tief in die Nacht dauerte. Klares Qualitätssiegel, das mache ich sonst selten.

Wer sich also auf intelligente Weise kurzweilig den Tag (oder auch mehrere, wenn man das Vergnügen so lange strecken kann) verbringen möchte, kann sich kaum eine schönere Form als die Lektüre dieses Romans vorstellen. Dass das Lektorat dann in der hinteren Hälfte des Buches etwas „schwächelte“ und di­verse Schnitzer erlaubte, trübt das Vergnügen nur unwesentlich. Da wird etwa Adolf Hitlers „Berghof“ bei Berchtesgaden einfach zur „Berghütte“ (das hätte Kubiak wirklich wissen können), oder man ertappt den Perserkönig Xerxes beim Bau von „Landbrücken“ – was natürlich nicht geht, weil das geologische Struk­turen sind. Gemeint war in diesem Fall eine Schiffbrücke. Manchmal gehen Na­men durcheinander, da wird dann schon aus einer Evelyn auf derselben Seite „Emily“, oder die Schlacht von Platää wird zu „Plataea“ (was eventuell eine legi­time Schreibweise sein könnte)… aber, wie gesagt, das ist nicht wirklich ein Pro­blem.

Ein wenig schade ist gegen Schluss, dass Bondaruks Persönlichkeit etwas sehr verharmlost wird, wodurch er an Glaubwürdigkeit verliert. Aber da man sich als Leser schon fast 500 Seiten weit bestens amüsiert und unterhalten hat und es hier zudem noch mit einem Romanerstling zu tun hat, kann man das vermutlich verschmerzen.

Da ich weiß, dass es wenigstens noch einen zweiten Roman mit den Fargos ge­ben wird, bin ich jetzt schon neugierig auf den Folgeband, in dem Blackwood aus den wenigen Schwächen des vorliegenden Werkes wahrscheinlich gelernt haben wird. Das verspricht doch ein interessantes, packendes zweites Abenteu­er. Wer weiß, womit die sympathischen Fargos es da zu tun bekommen werden. Ich bin gespannt…

© by Uwe Lammers, 2011

Ihr merkt, ich war in sehr aufgeräumter und generöser Laune, als ich diese Re­zension bald nach der Lektüre verfasste. Weil sich die Geschichte einfach gut liest. Und mit wem es die Fargos im zweiten Blackwood-Roman zu tun beka­men, das lest ihr hier in drei Wochen.

Ich hoffe, ihr seid neugierig auf den Roman geworden, er lohnt die Lektüre wirklich. Damit möchte ich für den Moment das Rezensionsbuch wieder schlie­ßen und euch auf den kommenden Mittwoch vertrösten, wo die Reise durch die gelesene Literatur weitergehen wird.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1Das erkläre ich jetzt nicht weiter, der Interessierte sei auf NATIONAL GEOGRAPHIC oder Google verwiesen, wo man gewiss fündig wird, was Martha Cannon angeht.

Liebe Freunde des OSM,

am 5. April dieses Jahres ließen wir mit Teil 26 dieser Reihe das Schreibjahr 2004 hinter uns. Dringen wir jetzt also ins Jahr 2005 ein, das stark geprägt wur­de durch die Lektüre von Peter F. Hamiltons „Armageddon-Zyklus“. Damals hat­te ich (Ende November 2004) gerade ein neues OSM-Universum betreten, näm­lich den KONFLIKT 4, in der die Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) spiel­te. Da ich aber zur gleichen Zeit historisch sehr stark eingebunden war, außer­dem wieder den Chefredakteursposten des Science Fiction-Clubs Baden-Würt­temberg (SFCBW) innehatte und fernerhin einen neuen Kreativrausch auslebte, zu dem ich gleich kommen werde, da stagnierte IR erst einmal nach den ersten paar Bänden.

Stattdessen verfolgte ich in KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) die Geschehnisse in der Galaxis Twennar weiter, die euch aus meinen aktu­ellen E-Books vertraut sind. Hier hatte ich inzwischen Band 27 „Späherin der Cestai“ erreicht und lernte ein neues faszinierendes OSM-Volk aus der Nähe kennen.

Gleichzeitig versetzte mich die gute Verdienstsituation zu jener Zeit in die Lage, mir einen kompletten Comic-Kosmos zu erschließen, nämlich die miteinander auf interessante Weise vernetzten Welten des CrossGenUniverse (CGU). Zahlrei­che Rezensionen in dem Fanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) ab 2005 legen davon reges Zeugnis ab.

Die eifrige Lektüre Hamiltons tat ihr Übriges und lenkte mich gründlich weiter ab. Im Januar 2005 kam ich nach Stippvisiten für kommentierte Abschriften des KONFLIKTS 15 „Oki Stanwer“ schließlich in einer Welt zum Stillstand, die ich all­mählich überhaupt nicht mehr verstand.

Wovon spreche ich? Von KONFLIKT 28.

Ende Januar 2005 erreichte ich mit Band 33 „Sündenbabel des Mittelalters“ in der Serie „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ (DSj) offensichtlich die levantinische Stadt Akkon im Jahre 1187 nach Christus. So sah das jedenfalls aus, aber ich musste sehr schnell begreifen, dass das ein Trugschluss war, einer der abenteu­erlichsten Sorte. Vorangegangen war folgendes in früheren Schreibjahren:

Im Jahre 1999 wurde der Jesuit und Helfer des Lichts Pater Joseph Ghastor von der Kurie auf eine christliche Geheimsekte angesetzt, die auf Malta Zeitexperi­mente unternahm mit dem offensichtlichen Ziel, ins Mittelalter vorzustoßen und dort den Siegeszug des Islam aufzuhalten. Dabei bedienten sich die Mitglie­der von PAX CHRISTI uralter, scheinbar „magischer“ Hinterlassenschaften der al­ten Megalithbauer.

Problem Nummer eins: Ghastor war ein Helfer des Lichts, allerdings war er sich dessen nicht bewusst.

Problem Nummer zwei: Das „Zeittor“ in der maltesischen Unterwelt war dem Anschein nach ein HEIMATSTÜCK, also ein Teil des Dämonenplaneten TOTAM, vor Urzeiten in die Megalithmetropole eingebaut.

Problem Nummer drei: Eine bizarre kybernetische Wesenheit half den PAX CHRISTI-Leuten, das Portal zu öffnen und sie hindurchzuschleusen. Dieses We­sen, das auch Ghastor so in die Vergangenheit schickte, war aber erkennbar ein GRALSJÄGER oder wenigstens ein Rest von ihm.

Problem Nummer vier: Als Ghastor und seine Entführer im Akkon der Vergan­genheit landeten, wurden sie nicht nur von Kreuzrittern erwartet, sondern auch von Gestaltwandlern aus dem Volk der Berinnyer!

Problem Nummer fünf, an dem ich besonders zu knabbern hatte: Wiewohl sich alle eindeutig in Akkon und eindeutig im Mittelalter befanden, hatten sie KEINE Zeitreise durchgeführt.

Hä?, höre ich euch da jetzt rufen? Tja, Freunde, da geht es euch genauso wie mir damals. Ich verstand wirklich nur noch Bahnhof… aber im Gegensatz zu euch drängte mich der Bilderstrom weiter vorwärts. Und dieser Bilderstrom, der sich nicht um Verständnis kümmerte, sondern nur sagte: so musst du das beschreiben, kapieren kannst du das irgendwann später, der führte mich im Fe­bruar 2005 weiter ins Chaos.

Akkon wurde belagert, in der realen Historie wie auch jetzt in der Serie. Von Sa­ladin, einwandfrei. Dummerweise nicht nur von ihm. Denn bei ihm waren monströse Kreaturen aus der Hölle, so genannte „RETTER“. Ungeheuer in schartigen Rüstungen, die in früheren KONFLIKTEN Totenköpfe genannt worden waren.

Noch schlimmer: Im Innern von Akkon trieb eine zwar sehr geschwächte, aber immer noch tödliche Dämonenwaffe namens Seth ihr Unwesen, und sie kannte Ghastor aus früheren Universen sehr gut und war sehr darauf aus, ihn kurzer­hand entweder zu einer Sklavenkreatur zu machen oder zu ermorden. Beides gelang nicht, weil der Jesuit mit seiner Gefährtin wider Willen, Agnes Thorvald, Zuflucht in einem Kloster fand… wo sie schon erwartet wurden, und zwar von einem Wesen, das als „Fürstin der Matrix“ bezeichnet wurde. Alles gipfelte in der Erschaffung der „Zeitlosen Sphäre“, und die zielte direkt auf einen in der Se­rie schon in Erscheinung getretenen Planeten namens AKKON II.

Verdammte Hacke, dachte ich, das ist ja ein verrücktes Zeug!

Danach musste ich mich erst mal dringend abkühlen und reiste eine Weile an der Seite meiner goldenen Prinzessin Christina von Zhiongar im Archipel-Roman „Abenteuer im Archipel“ in unproblematischere Gefilde, gleich gefolgt von ei­ner Heimkehr in die Metropole Asmaar-Len, zehn Jahre zuvor – also in den Ro­man „Rhondas Reifejahre“, der sich nur ganz langsam weiter entwickelte.

Im März 2005, da sind wir schon angelangt, kamen eigentlich fast nur Comicre­zensionen zustande… und im unglaublichen April steckte ich schon wieder im KONFLIKT 28!

Das kann doch gar nicht sein, dachte ich. Und, schlimmer noch, es wurde noch konfuser. Auf einmal verfolgte ich die verrückte Spur eines weiteren Helfers des Lichts – der türkische Geheimagent Salid Khessem, der in die fürsorgliche Ge­fangenschaft von Grauhäutigen geraten war, erforschte „Versunkene Pyrami­den“ (so der Titel von Bd. 37) auf dem Grund des Schwarzen Meeres… und ehe er begriff, was eigentlich passierte, erreichte er „Die Totenwelt“ (Bd. 38). Er stieg aus dem Meer und wanderte durch eine Totenstadt ohne Leben und ohne Leichen. Laut der mentalen Stimme von Sarai Stanwer, der Fürstin der Matrix, befand er sich „jenseits des RANDES“. In einer Welt, in der die Menschheit und offensichtlich alles Leben umgekommen war, niedergemäht von einer unbe­greiflichen, mörderischen Gewalt.

Dummerweise war hier nicht alles tot…

Du lieber Himmel, dachte ich mir, das wird ja lustig!

Ich brauchte eine weitere Abkühlung. Die war allerdings nicht wirklich witzig – denn stattdessen entstand nun der OSM-Hintergrundtext „Eine Insel gegen das Chaos“, mit dem ich ein wenig Licht in die rätselhafte Welt des INSEL-Imperi­ums in KONFLIKT 4 brachte. Ich befand mich dort ja gerade mal in Band 3 und 4, die teilweise fertig gestellt waren. Außerdem arbeitete ich, weil ich mich sehr stark mit KONFLIKT 28 befasste, der – wie oben erwähnt – wirklich rätselhaft war, mit einem weiteren langen Hintergrundtext, der schließlich den Titel „Pfadfinder in der Grenzzeit“ tragen sollte (er wurde am 15. Mai fertig).

Das machte mir dann auf grässliche Weise klar, dass ich hier dringend ein Halte­signal akzeptieren sollte, um mich auf ungefährlicheren Feldern auszutoben, ehe ich völliges Chaos anrichtete.

Das war aber offensichtlich schwer möglich. Denn wo landete ich Anfang Mai 2005 einmal mehr? In KONFLIKT 28!

Und schon wieder in einem anderen Handlungsabschnitt: Diesmal kehrte ich auf die Welt AKKON II im Vorhof TOTAMS zurück, wo Oki Stanwer Realjahre zu­vor auf einen monströs verwandelten Robot-Cyborg namens Pater Joseph Ghastor gestoßen war.

Ein vertrauter Name, nicht wahr?

Und ehe ihr jetzt denkt, dass dieser Ghastor und jener von oben, der aus der Stadt Akkon zum Planeten AKKON II transferiert war, identisch sein müsse, lasst euch korrigieren: Denkfehler! Das bekam Oki Stanwer hier auch zu spüren, und zwar unmittelbar nach seinem Beinahe-Todessturz in den erkalteten Vulkanschlund unterhalb der Stadt Akkon II auf dem gleichnamigen Planeten. Hier un­ten residierte die monströse Macht des BODDINUMS, das den regulären Verlauf der Zeit auf dem Planeten gewissermaßen versteinert hatte (ohne dass es sich dabei um eine Art von Stasisfeld gehandelt hätte – aber die Wesen im Einfluss dieses Feldes konnten nicht mehr sterben, egal, wie stark sie verletzt oder ver­west waren; am Ende liefen selbst lebende Skelette von Haustieren hier her­um…).

Der Kampf Oki Stanwers gegen das BODDINUM zerstörte die zeitlose Sphäre und vertrieb das BODDINUM. Der Tod kehrte zurück… und dann ereignete sich die „Invasion auf AKKON II“ (so der Titel von Bd. 41), und gigantische, fremdar­tige Weltraumsegler – die Transportschiffe so genannter RETTER – setzten ihre Landungsmannschaften ab.

RETTER, ja? Totenköpfe, oder was? Ja, allerdings. Und unter ihnen war einer, der sich Sketahr nannte – einstmals ein Helfer des Lichts. Er hatte von der „Flamme“, dem neuen Interimsregenten auf TOTAMS Leiche eine Botschaft für Oki Stanwer erhalten.

Und nun war der Moment gekommen, ihm dieses Orakel zu bringen. Ihm und zwei aus Tiefschlaf erwachten Menschen, die auf den Namen Pater Joseph Ghastor und Agnes Thorvald hörten…

Ich merke, euch schwirrt der Kopf, Freunde. Ging mir damals ganz genauso, und heute ist es, bezogen auf diese Fakten, noch nicht sehr viel besser. Aber ihr seht deutlich: da steppte der sinnbildliche Bär. Unglaublich wilde Action in einem höchst bizarren Setting. Und selbst wenn man das nicht im Mindesten als Space Opera a la Peter F. Hamilton ansehen kann, hatte doch genau diese Lektüre we­sentlichen Anteil daran, dass ich begeistert hochkomplexe Handlungsverläufe zu realisieren begann. Und wie üblich wirkte der Lesestoff mit Verzögerung. Das merkte ich dann ab Mai zunehmend.

Mehr dazu berichte ich euch dann im kommenden Teil dieser Serie. Da braucht ihr noch ein wenig Geduld.

In der kommenden Woche nehme ich euch an einen anderen grässlichen Ort des Oki Stanwer Mythos – mit zur „Monsterjagd in der Hölle“! Das solltet ihr echt nicht versäumen, Freunde, das ist Gänsehaut pur!

Bis dann, mit Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.