Liebe Freunde des OSM,

das ist echt der Stoff, aus dem die Alpträume gemacht sind: Ihr seid gelandet auf einer steinernen Klippe in einem lodernden Meer aus Magma und Feuer, im Innern einer riesigen Höhle. Auf dieser Klippe steht der so genannte „Flammen­tempel“, und in seinen Kellergeschossen befindet sich die Rettungsmöglichkeit, mit der ihr von dieser Welt wieder fortkommen könnt – eine Installation der le­gendären Baumeister, die den Einstieg in ein so genanntes „unterkosmisches Niveau“ bereit hält.

Und dann, direkt das dreieckige, wundersame Metallportal schon im Blick, starrt ihr auf die Leichen von acht niedergemetzelten schwarzen Zwergenwesen aus dem Volk der „Mörder“. Und einer eurer Gefährten sagt kaltblütig: „Wir müssen jetzt aufpassen. Der Täter ist noch hier in diesen Räumen unterwegs…“

Derweil bebt der Boden, die Wände wackeln, draußen steigt die Lava, und ihr wisst, die Zeit rennt euch davon.

Und als wenn das alles noch nicht reichen würde, kommt es noch schlimmer – das Portal ist nämlich automatisch verriegelt und gibt den Weg nicht frei. Ge­walt ist keine Option, unter keinen Umständen. Und irgendwo schleicht ein Kil­ler umher, der schon reichlich Blut vergossen hat. Ein hochintelligentes Wesen, uralt und absolut tödlich.

Dann verschwindet erst einer deiner drei Gefährten und wird bald darauf tot aufgefunden… dann trifft der zweite just auf jenen Toten, der auf einmal wieder quicklebendig scheint… und dann wird er ebenfalls ermordet.

Ich sage euch, das ist der Stoff, aus dem die Alpträume sind, und unaufhaltsam sind diese Sachen auch noch!

Der Januar 2015 hat eine Menge beunruhigende Dinge im Gefolge und viel Ar­beit, aber wenn mich solche atemlosen Bilderstürme heimsuchen, kann ich nicht anders, dann muss ich mich da hineinstürzen und es niederschreiben. So kam es, dass die ersten beiden Teile dieser Trilogie quasi über Nacht entstanden sind, der dritte, in dem der obige Alptraum richtig ausbricht, ist schon skizziert und ebenfalls unaufhaltsam. Bis Ende der Woche ist er auf alle Fälle fertig.

Wo befinden wir uns jetzt? Dazu muss ich ein wenig ausholen. Erst mal die Rah­mendaten:

Der Raum ist der KONFLIKT 24 des Oki Stanwer Mythos, das heißt, die Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK), begonnen 1994. Eifrige Leser dieses Blogs wissen sicherlich noch, dass ich hier derzeit im so genannten HANKSTEYN-Zyklus „hänge“, genauer gesagt, in dessen Abschlussband „Tödliche Entschei­dung“ (Band 54). Außerdem bin ich noch dabei, hier die Anfangsepisoden abzu­schreiben, um eine vollständige digitale Fassung der Serie zu besitzen. Bis ihr dies hier lest, ist das längst geschehen, ich habe jetzt nur noch drei Episoden fertig abzuschreiben. Dann vervollständige ich das Glossar der Serie, aktualisie­re das Lexikon und kann weiterschreiben.

Direkt nach Band 54 kommt eine Trilogie, die die Bände 26 und 27 sowie 39 der Serie wieder aufgreift. Sie entstanden in den Jahren 1998 und 2000. Daran könnt ihr sehen, wie lange manche Handlungsströme kurzerhand untertauchen und verschwunden sind… es juckte mich aber schon seit Wochen, die erwähn­ten Episoden 55-57 zu schreiben.

Warum dies?

Weil es um die „Mörder“ geht. Das sind späte Nachfahren eines Volkes, das euch derzeit aus KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) ver­traut ist, Nachfahren der Shonta. Ja, ja, die schwarzen Zwergenwesen aus dem Xoor’con-System, exakt.

110 Milliarden Handlungsjahre später siedeln diese „Mörder“ jedenfalls unter der Kruste eines unbekannten Planeten irgendwo im Universum, als sie (1994!) jählings „Besuch“ bekommen, und zwar von einem materielosen, elliptischen Vernichtungsfeld, das geradewegs durch ihre unterirdischen Städte fräst und sie verwüstet.

Die aufgescheuchten Zwergenwesen starten eine Vergeltungsexpedition und gelangen zum so genannten „blauen Herzen der Nacht“, aber eine hier ausge­löste Explosion schleudert die Expeditionsgruppe in eine völlig fremde Welt, wo es so unglaubliche Dinge wie Monde gibt… und Sonnen… und ein fliegendes Schloss, in dem der rätselhafte „Neutrale“ residiert, Colin Gablon, ein enger Vertrauter Oki Stanwers.

Dummerweise ist das Vehikel, das die „Mörder“ auf diese Welt namens Washi­an geschleudert hat, mitgekommen: ein blaues Vernichtungsfeld, das sich im­mer unkontrollierbarer verhält. Colin Gablon, der mit der Aufgabe betraut wird, findet die „Mörder“ und kann – wenigstens mit zweien von ihnen – in die Höh­lenwelt zurückkehren.

Dort sitzt er nun fest… bis er einen dritten „Mörder“ trifft, jemanden namens Chaaroi. Dieser alte Mann, ein Häretiker aus der Stadt Thorraigo, erzählt davon, dass seine Heimatstadt von den Vernichtungsfeldern ebenfalls schwer verwüs­tet worden ist. Aber vielleicht gibt es im so genannten „Flammentempel“ noch Hilfe.

Doch Thorraigo ist in einem Lavameer versunken, einzig der Berg mit dem Tem­pel ragt noch aus der Glut… und damit sind wir bei der Anfangsszene, zu der ich nun nach mehr als vierzehn Realjahren endlich kam. Unter dem Tempel liegt eine Station der Baumeister. Doch im Tempel selbst treibt ein mörderischer Kil­ler sein Unwesen.

Ach, und was für ein Monstrum!

Schließlich tritt es Colin Gablon mit seinem eigenen Aussehen gegenüber – ein Kinderspiel für einen omnipotenten Gestaltwandler. Und berühmt ist er auch noch. Berühmt-berüchtigt.

Sein Name lautet SARDOON.

Es ist eine Dämonenwaffe von TOTAM, Morden ist sozusagen ihr Hobby. Leben bedeutet ihr absolut gar nichts, und sie ist so gut wie unverwundbar, quasi unsterblich. Sie verhöhnt Colin Gablon sogar damit, dass vor ewigen Zeiten sogar ein Matrixkoordinator, einer der ranghöchsten Untergebenen der Sieben Lichtmächte, von ihr getäuscht worden ist.

Das liegt lange zurück? Natürlich… das war in KONFLIKT 12, wo Sardoon unter seinem Tarnnamen Sascyawesho der Tyrann und Diktator der Kleingalaxis Pho­lyar war. 60 Milliarden Jahre ist das her. Aber dieses Wesen ist immer noch blut­rünstig und grausam, intrigant und verschlagen… und statt Colin Gablon das gnädigere Schicksal zu geben, ihn nämlich einfach kurzerhand in Stücke zu reißen… nein, statt das zu tun, baut Sardoon den armen Helfer des Lichts in seine finsteren Pläne ein.

Damit beginnt der Schrecken erst richtig.

Ich sage euch, Freunde… das ist echt der Stoff, aus dem die Alpträume sind. Und spätere Leser des KONFLIKTS 24 werden starke Nerven brauchen. Ich brau­che die jetzt schon…

Damit verlasse ich euch für den Moment wieder und beneide euch ein wenig um die Seelenruhe, die mir gerade verloren geht. Mann, Mann, Mann, seid froh, dass ihr „nur“ die Blog-Trockenübungen zu lesen habt. Nächste Woche könnt ihr euch an dieser Stelle noch ein wenig stärker abkühlen, dann erzähle ich euch nämlich, was ich im Februar 2015 alles so geschrieben habe. Lasst euch mal überraschen…

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 8: Das Gold von Sparta (1)

Posted Mai 20th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute möchte ich euch mal auf eine Abenteuerreise mitnehmen, die sich von der doch zum Teil recht gehaltvollen, vielleicht auch heftigen Kost der vergange­nen Wochen ein wenig ablenkt. Ich sagte ja schon verschiedentlich, dass ich auch Abenteuergeschichten nicht abgeneigt bin, und meiner Ansicht nach ist eine solide Adresse für solche Werke der amerikanische Bestsellerautor Clive Cussler. Ihr werdet im Rezensions-Blog noch häufiger von ihm hören, da ich sei­ne Werke gern lese.

Natürlich mag man einwenden, sie seien manchmal ziemlich seicht, gelegent­lich reichlich an den Haaren herbeigezogen, auch kann man sich echauffieren über die Baustruktur der Geschichten, aber das Konzept an sich hat durchaus seine Stärken: Man nehme eines oder mehrere Geheimnisse der Vergangen­heit, mische sie mit einer Thrillerhandlung, humorvollen und unverwüstlichen Protagonisten und koche daraus eine interessante Story zusammen. Das ist der Kern seines Erfolgsrezepts.

Als Clive Cussler sich anschickte, auch Coautoren zu beschäftigen, wich er ein wenig von dem seit Jahrzehnten verfolgten Pfad der NUMA ab, der National Underwater and Marine Agency, die in den meisten seiner Werke die zentrale Rolle spielt. Am stärksten ist er meiner Ansicht nach mit der Erfindung von Sam und Remi Fargo von dieser Spur abgewichen, als er sich mit dem Autor Grant Blackwood zusammentat.

Ich entdeckte die Fargos im Jahre 2011, unmittelbar nach dem Erscheinen des ersten Bandes, und ich sollte bald erkennen, dass Blackwood einen Vertrag über drei Werke unterschrieben hatte, die inzwischen alle in deutscher Übersetzung vorliegen. Ich las sie der Reihenfolge nach und werde sie hier im Ab­stand von ein paar Wochen auch vorstellen (darum die Ziffer im Titel – sie ver­weist auf mehrteilige Werke und wird euch später den Überblick erleichtern).

Neugierig war ich auf die Fargos natürlich auch deshalb, weil sie passionierte Schatzsucher sind… und gute dazu, wie ich entdecken konnte. Folgt mir direkt ins Abenteuer:

Das Gold von Sparta

(OT: Spartan Gold)

von Clive Cussler & Grant Blackwood

Blanvalet 37683

512 Seiten, TB

München, Juni 2011

Aus dem Englischen von Michael Kubiak

ISBN 978-3-442-37683-4

Die menschliche Geschichte ist voll von Geheimnissen und Schätzen, die irgend­wann einmal spurlos verschwunden sind. Jedermann hat davon schon von Kin­desbeinen an gehört, gelesen oder Filme darüber gesehen. Und in vielen Her­anwachsenden schlummert der Wunsch, selbst einmal Entdecker solcher Schät­ze zu sein, die lange verschollen waren. Und manche von ihnen reifen tatsäch­lich zu Findern derartiger Kostbarkeiten. Entweder im ehrlichen Business, dann kennt man sie als Archäologen oder Historiker… oder aber sie verschreiben sich dem Beruf des Schatzsuchers.

Sam und Remi Fargo sind letzteres. Durch harte Arbeit zu Wohlstand gekom­men, haben sie ihre vielseitigen Talente und Leidenschaft für die Vergangenheit zu einem zeitfüllenden Hobby gemacht. Zusammen mit einer Reihe von guten Freunden ist das Ehepaar immer wieder einmal in Indiana Jones-Manier in Abenteuer verstrickt, wenn sie auf die Fährte von Schätzen geraten. Diesmal aber stolpern sie in ein wirklich verwirrendes Abenteuer.

Während sie in einem Sumpfgebiet des US-Bundesstaates Delaware eigentlich nach dem Schatz von Martha Cannon suchen1, findet Sam unerwartet etwas, was man hier generell nicht annimmt: ein Miniatur-U-Boot der Nazis, das seit den Endtagen des Krieges hier mitsamt Ein-Mann-Besatzung auf Grund liegt. Bei dem Toten befindet sich eine Ledertasche, in der eine Weinflasche liegt, die dem Aussehen nach auch schon recht antik zu sein scheint. Auf dem Boden der leeren Flasche ist ein Symbol eingraviert, das wie eine Biene aussieht. Und die­ses Symbol haben die beiden kürzlich schon einmal gesehen – nämlich bei ih­rem Freund, dem Antiquitätenhändler Ted Frobisher, der den Splitter einer sol­chen Flasche kürzlich ins Internet gestellt hat.

Irgendwem scheint dieses Glasteil so wertvoll zu sein, dass er Frobisher kurzer­hand entführt und beinahe umbringt. Sam und Remi können das gerade noch verhindern, kollidieren aber auf diese Weise mit einem Mann namens Archi­pow und seinem Auftraggeber Hadeon Bondaruk (auf dem Klappentext falsch geschrieben, aber „Hadeon“ ist ja auch ein ausgefallener Name). Bondaruk, Drahtzieher der ukrainischen Mafia und Sammler von Antiken, schreckt vor bru­taler Gewalt nicht zurück, um diese Flaschen in seinen Besitz zu bekommen. Erst mit etwas Verzögerung lüften die Fargos zumindest einen Zipfel des Ge­heimnisses: die beiden Flaschen gehören zu einem Satz von zwölf legendären Weinflaschen, die einstmals Napoleon Bonaparte anfertigen ließ. Und die Eti­ketten der Flaschen sind zugleich Schlüssel für eine Schatzsuche. Das tritt dann erst mit Verzögerung zutage.

Auch wenn das Ziel der Suche für die Fargos nicht bekannt ist, haben sie mit Bondaruks Häschern schon so viel Scherereien gehabt, dass sie sich recht bald entschließen, dem Ukrainer den Schatz nicht zu überlassen, worin auch immer er bestehen mag. So beginnt eine weiträumige „Schnitzeljagd“, die vor gut zwei­hundert Jahren ihren Anfang nahm und die Fargos und ihre Verfolger mal auf die Bahamas bringt, dann in einen unterirdischen Fluss, nach Monaco, nach Elba, auf verwitterte Friedhöfe, auf die französische Gefängnisinsel Chateau d’If, in ein Schmugglerlabyrinth unter der Felsküste der Krim, in den Süden Deutsch­lands, auf eine Toteninsel nahe Venedig und schließlich an einen lebensgefährli­chen Ort, wo ein sagenhafter Goldschatz verborgen wurde…

Mit dem Schatzsucher-Ehepaar Sam und Remi Fargo geht nach Dirk Pitt, Kurt Austin und Juan Cabrillo die vierte Gruppe von Helden an den Start, für deren Karrierebeginn der Schriftsteller und Abenteurer Clive Cussler gesorgt hat. Dies­mal hat die Handlung aber nichts mit der NUMA zu tun, die sonst in den Cuss­ler-Romanen zentral bedeutsam ist. Diese Abwechslung von der Meeresfor­schung und damit verknüpften Abenteuergeschichten und historischen Aben­teuern tut aber richtig gut.

Bei diesem Roman ist festzuhalten, dass das gesamte Werk unübersehbar die Handschrift des Navyveterans Grant Blackwood trägt. Wie Cussler-Romane aus­sehen, weiß ich nun wirklich zur Genüge, und dieser unterscheidet sich an sehr vielen Stellen gründlich davon. Allerdings in angenehm positivem Sinne. Wäh­rend viele der jüngeren Cussler-Romane durch haarsträubende Logikfehler, halsbrecherische Action und historische Ungenauigkeiten unangenehm aufzu­fallen pflegen, ist das hier nicht der Fall.

Eher das Gegenteil ist der Fall: Während Sam und Remi angenehm sympathisch und humorvoll herüberkommen (auch wenn man leider ihr Alter nie erfährt; meiner Schätzung nach sind sie Mitte bis Ende Vierzig, kaum viel älter), fällt ebenfalls auf, dass die in Cussler-Romanen häufig vertretene Anwendung bru­talster Gewalt hier auf ein Minimum reduziert wird. Viel eher im Vordergrund stehen die Vermittlung von historischen Fakten und das raffinierte, verwinkelte Ausknobeln eines wirklich vertrackten historischen Rätsels. Gewürzt mit exoti­schen Schauplätzen, abenteuerlichen Wendungen und manchmal ziemlich haarsträubenden Aktionen kommt man sich tatsächlich als Leser einmal mehr so vor, als läse man einen Indiana Jones-Roman. Damit ist nicht gesagt, dass die Geschichte langweilig wird, ganz im Gegenteil. Ich habe den letzten Teil – und damit beziehe ich mich auf die rund 250 letzten Seiten – in einem Rutsch gele­sen, was bis tief in die Nacht dauerte. Klares Qualitätssiegel, das mache ich sonst selten.

Wer sich also auf intelligente Weise kurzweilig den Tag (oder auch mehrere, wenn man das Vergnügen so lange strecken kann) verbringen möchte, kann sich kaum eine schönere Form als die Lektüre dieses Romans vorstellen. Dass das Lektorat dann in der hinteren Hälfte des Buches etwas „schwächelte“ und di­verse Schnitzer erlaubte, trübt das Vergnügen nur unwesentlich. Da wird etwa Adolf Hitlers „Berghof“ bei Berchtesgaden einfach zur „Berghütte“ (das hätte Kubiak wirklich wissen können), oder man ertappt den Perserkönig Xerxes beim Bau von „Landbrücken“ – was natürlich nicht geht, weil das geologische Struk­turen sind. Gemeint war in diesem Fall eine Schiffbrücke. Manchmal gehen Na­men durcheinander, da wird dann schon aus einer Evelyn auf derselben Seite „Emily“, oder die Schlacht von Platää wird zu „Plataea“ (was eventuell eine legi­time Schreibweise sein könnte)… aber, wie gesagt, das ist nicht wirklich ein Pro­blem.

Ein wenig schade ist gegen Schluss, dass Bondaruks Persönlichkeit etwas sehr verharmlost wird, wodurch er an Glaubwürdigkeit verliert. Aber da man sich als Leser schon fast 500 Seiten weit bestens amüsiert und unterhalten hat und es hier zudem noch mit einem Romanerstling zu tun hat, kann man das vermutlich verschmerzen.

Da ich weiß, dass es wenigstens noch einen zweiten Roman mit den Fargos ge­ben wird, bin ich jetzt schon neugierig auf den Folgeband, in dem Blackwood aus den wenigen Schwächen des vorliegenden Werkes wahrscheinlich gelernt haben wird. Das verspricht doch ein interessantes, packendes zweites Abenteu­er. Wer weiß, womit die sympathischen Fargos es da zu tun bekommen werden. Ich bin gespannt…

© by Uwe Lammers, 2011

Ihr merkt, ich war in sehr aufgeräumter und generöser Laune, als ich diese Re­zension bald nach der Lektüre verfasste. Weil sich die Geschichte einfach gut liest. Und mit wem es die Fargos im zweiten Blackwood-Roman zu tun beka­men, das lest ihr hier in drei Wochen.

Ich hoffe, ihr seid neugierig auf den Roman geworden, er lohnt die Lektüre wirklich. Damit möchte ich für den Moment das Rezensionsbuch wieder schlie­ßen und euch auf den kommenden Mittwoch vertrösten, wo die Reise durch die gelesene Literatur weitergehen wird.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1Das erkläre ich jetzt nicht weiter, der Interessierte sei auf NATIONAL GEOGRAPHIC oder Google verwiesen, wo man gewiss fündig wird, was Martha Cannon angeht.

Liebe Freunde des OSM,

am 5. April dieses Jahres ließen wir mit Teil 26 dieser Reihe das Schreibjahr 2004 hinter uns. Dringen wir jetzt also ins Jahr 2005 ein, das stark geprägt wur­de durch die Lektüre von Peter F. Hamiltons „Armageddon-Zyklus“. Damals hat­te ich (Ende November 2004) gerade ein neues OSM-Universum betreten, näm­lich den KONFLIKT 4, in der die Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) spiel­te. Da ich aber zur gleichen Zeit historisch sehr stark eingebunden war, außer­dem wieder den Chefredakteursposten des Science Fiction-Clubs Baden-Würt­temberg (SFCBW) innehatte und fernerhin einen neuen Kreativrausch auslebte, zu dem ich gleich kommen werde, da stagnierte IR erst einmal nach den ersten paar Bänden.

Stattdessen verfolgte ich in KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) die Geschehnisse in der Galaxis Twennar weiter, die euch aus meinen aktu­ellen E-Books vertraut sind. Hier hatte ich inzwischen Band 27 „Späherin der Cestai“ erreicht und lernte ein neues faszinierendes OSM-Volk aus der Nähe kennen.

Gleichzeitig versetzte mich die gute Verdienstsituation zu jener Zeit in die Lage, mir einen kompletten Comic-Kosmos zu erschließen, nämlich die miteinander auf interessante Weise vernetzten Welten des CrossGenUniverse (CGU). Zahlrei­che Rezensionen in dem Fanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) ab 2005 legen davon reges Zeugnis ab.

Die eifrige Lektüre Hamiltons tat ihr Übriges und lenkte mich gründlich weiter ab. Im Januar 2005 kam ich nach Stippvisiten für kommentierte Abschriften des KONFLIKTS 15 „Oki Stanwer“ schließlich in einer Welt zum Stillstand, die ich all­mählich überhaupt nicht mehr verstand.

Wovon spreche ich? Von KONFLIKT 28.

Ende Januar 2005 erreichte ich mit Band 33 „Sündenbabel des Mittelalters“ in der Serie „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ (DSj) offensichtlich die levantinische Stadt Akkon im Jahre 1187 nach Christus. So sah das jedenfalls aus, aber ich musste sehr schnell begreifen, dass das ein Trugschluss war, einer der abenteu­erlichsten Sorte. Vorangegangen war folgendes in früheren Schreibjahren:

Im Jahre 1999 wurde der Jesuit und Helfer des Lichts Pater Joseph Ghastor von der Kurie auf eine christliche Geheimsekte angesetzt, die auf Malta Zeitexperi­mente unternahm mit dem offensichtlichen Ziel, ins Mittelalter vorzustoßen und dort den Siegeszug des Islam aufzuhalten. Dabei bedienten sich die Mitglie­der von PAX CHRISTI uralter, scheinbar „magischer“ Hinterlassenschaften der al­ten Megalithbauer.

Problem Nummer eins: Ghastor war ein Helfer des Lichts, allerdings war er sich dessen nicht bewusst.

Problem Nummer zwei: Das „Zeittor“ in der maltesischen Unterwelt war dem Anschein nach ein HEIMATSTÜCK, also ein Teil des Dämonenplaneten TOTAM, vor Urzeiten in die Megalithmetropole eingebaut.

Problem Nummer drei: Eine bizarre kybernetische Wesenheit half den PAX CHRISTI-Leuten, das Portal zu öffnen und sie hindurchzuschleusen. Dieses We­sen, das auch Ghastor so in die Vergangenheit schickte, war aber erkennbar ein GRALSJÄGER oder wenigstens ein Rest von ihm.

Problem Nummer vier: Als Ghastor und seine Entführer im Akkon der Vergan­genheit landeten, wurden sie nicht nur von Kreuzrittern erwartet, sondern auch von Gestaltwandlern aus dem Volk der Berinnyer!

Problem Nummer fünf, an dem ich besonders zu knabbern hatte: Wiewohl sich alle eindeutig in Akkon und eindeutig im Mittelalter befanden, hatten sie KEINE Zeitreise durchgeführt.

Hä?, höre ich euch da jetzt rufen? Tja, Freunde, da geht es euch genauso wie mir damals. Ich verstand wirklich nur noch Bahnhof… aber im Gegensatz zu euch drängte mich der Bilderstrom weiter vorwärts. Und dieser Bilderstrom, der sich nicht um Verständnis kümmerte, sondern nur sagte: so musst du das beschreiben, kapieren kannst du das irgendwann später, der führte mich im Fe­bruar 2005 weiter ins Chaos.

Akkon wurde belagert, in der realen Historie wie auch jetzt in der Serie. Von Sa­ladin, einwandfrei. Dummerweise nicht nur von ihm. Denn bei ihm waren monströse Kreaturen aus der Hölle, so genannte „RETTER“. Ungeheuer in schartigen Rüstungen, die in früheren KONFLIKTEN Totenköpfe genannt worden waren.

Noch schlimmer: Im Innern von Akkon trieb eine zwar sehr geschwächte, aber immer noch tödliche Dämonenwaffe namens Seth ihr Unwesen, und sie kannte Ghastor aus früheren Universen sehr gut und war sehr darauf aus, ihn kurzer­hand entweder zu einer Sklavenkreatur zu machen oder zu ermorden. Beides gelang nicht, weil der Jesuit mit seiner Gefährtin wider Willen, Agnes Thorvald, Zuflucht in einem Kloster fand… wo sie schon erwartet wurden, und zwar von einem Wesen, das als „Fürstin der Matrix“ bezeichnet wurde. Alles gipfelte in der Erschaffung der „Zeitlosen Sphäre“, und die zielte direkt auf einen in der Se­rie schon in Erscheinung getretenen Planeten namens AKKON II.

Verdammte Hacke, dachte ich, das ist ja ein verrücktes Zeug!

Danach musste ich mich erst mal dringend abkühlen und reiste eine Weile an der Seite meiner goldenen Prinzessin Christina von Zhiongar im Archipel-Roman „Abenteuer im Archipel“ in unproblematischere Gefilde, gleich gefolgt von ei­ner Heimkehr in die Metropole Asmaar-Len, zehn Jahre zuvor – also in den Ro­man „Rhondas Reifejahre“, der sich nur ganz langsam weiter entwickelte.

Im März 2005, da sind wir schon angelangt, kamen eigentlich fast nur Comicre­zensionen zustande… und im unglaublichen April steckte ich schon wieder im KONFLIKT 28!

Das kann doch gar nicht sein, dachte ich. Und, schlimmer noch, es wurde noch konfuser. Auf einmal verfolgte ich die verrückte Spur eines weiteren Helfers des Lichts – der türkische Geheimagent Salid Khessem, der in die fürsorgliche Ge­fangenschaft von Grauhäutigen geraten war, erforschte „Versunkene Pyrami­den“ (so der Titel von Bd. 37) auf dem Grund des Schwarzen Meeres… und ehe er begriff, was eigentlich passierte, erreichte er „Die Totenwelt“ (Bd. 38). Er stieg aus dem Meer und wanderte durch eine Totenstadt ohne Leben und ohne Leichen. Laut der mentalen Stimme von Sarai Stanwer, der Fürstin der Matrix, befand er sich „jenseits des RANDES“. In einer Welt, in der die Menschheit und offensichtlich alles Leben umgekommen war, niedergemäht von einer unbe­greiflichen, mörderischen Gewalt.

Dummerweise war hier nicht alles tot…

Du lieber Himmel, dachte ich mir, das wird ja lustig!

Ich brauchte eine weitere Abkühlung. Die war allerdings nicht wirklich witzig – denn stattdessen entstand nun der OSM-Hintergrundtext „Eine Insel gegen das Chaos“, mit dem ich ein wenig Licht in die rätselhafte Welt des INSEL-Imperi­ums in KONFLIKT 4 brachte. Ich befand mich dort ja gerade mal in Band 3 und 4, die teilweise fertig gestellt waren. Außerdem arbeitete ich, weil ich mich sehr stark mit KONFLIKT 28 befasste, der – wie oben erwähnt – wirklich rätselhaft war, mit einem weiteren langen Hintergrundtext, der schließlich den Titel „Pfadfinder in der Grenzzeit“ tragen sollte (er wurde am 15. Mai fertig).

Das machte mir dann auf grässliche Weise klar, dass ich hier dringend ein Halte­signal akzeptieren sollte, um mich auf ungefährlicheren Feldern auszutoben, ehe ich völliges Chaos anrichtete.

Das war aber offensichtlich schwer möglich. Denn wo landete ich Anfang Mai 2005 einmal mehr? In KONFLIKT 28!

Und schon wieder in einem anderen Handlungsabschnitt: Diesmal kehrte ich auf die Welt AKKON II im Vorhof TOTAMS zurück, wo Oki Stanwer Realjahre zu­vor auf einen monströs verwandelten Robot-Cyborg namens Pater Joseph Ghastor gestoßen war.

Ein vertrauter Name, nicht wahr?

Und ehe ihr jetzt denkt, dass dieser Ghastor und jener von oben, der aus der Stadt Akkon zum Planeten AKKON II transferiert war, identisch sein müsse, lasst euch korrigieren: Denkfehler! Das bekam Oki Stanwer hier auch zu spüren, und zwar unmittelbar nach seinem Beinahe-Todessturz in den erkalteten Vulkanschlund unterhalb der Stadt Akkon II auf dem gleichnamigen Planeten. Hier un­ten residierte die monströse Macht des BODDINUMS, das den regulären Verlauf der Zeit auf dem Planeten gewissermaßen versteinert hatte (ohne dass es sich dabei um eine Art von Stasisfeld gehandelt hätte – aber die Wesen im Einfluss dieses Feldes konnten nicht mehr sterben, egal, wie stark sie verletzt oder ver­west waren; am Ende liefen selbst lebende Skelette von Haustieren hier her­um…).

Der Kampf Oki Stanwers gegen das BODDINUM zerstörte die zeitlose Sphäre und vertrieb das BODDINUM. Der Tod kehrte zurück… und dann ereignete sich die „Invasion auf AKKON II“ (so der Titel von Bd. 41), und gigantische, fremdar­tige Weltraumsegler – die Transportschiffe so genannter RETTER – setzten ihre Landungsmannschaften ab.

RETTER, ja? Totenköpfe, oder was? Ja, allerdings. Und unter ihnen war einer, der sich Sketahr nannte – einstmals ein Helfer des Lichts. Er hatte von der „Flamme“, dem neuen Interimsregenten auf TOTAMS Leiche eine Botschaft für Oki Stanwer erhalten.

Und nun war der Moment gekommen, ihm dieses Orakel zu bringen. Ihm und zwei aus Tiefschlaf erwachten Menschen, die auf den Namen Pater Joseph Ghastor und Agnes Thorvald hörten…

Ich merke, euch schwirrt der Kopf, Freunde. Ging mir damals ganz genauso, und heute ist es, bezogen auf diese Fakten, noch nicht sehr viel besser. Aber ihr seht deutlich: da steppte der sinnbildliche Bär. Unglaublich wilde Action in einem höchst bizarren Setting. Und selbst wenn man das nicht im Mindesten als Space Opera a la Peter F. Hamilton ansehen kann, hatte doch genau diese Lektüre we­sentlichen Anteil daran, dass ich begeistert hochkomplexe Handlungsverläufe zu realisieren begann. Und wie üblich wirkte der Lesestoff mit Verzögerung. Das merkte ich dann ab Mai zunehmend.

Mehr dazu berichte ich euch dann im kommenden Teil dieser Serie. Da braucht ihr noch ein wenig Geduld.

In der kommenden Woche nehme ich euch an einen anderen grässlichen Ort des Oki Stanwer Mythos – mit zur „Monsterjagd in der Hölle“! Das solltet ihr echt nicht versäumen, Freunde, das ist Gänsehaut pur!

Bis dann, mit Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

von Anbeginn meiner E-Book-Aktivitäten stand ich vor einem fundamentalen Problem, das ich aus eigener Kraft nicht lösen konnte, und aktuell erlebt das ge­rade eine wenig erfreuliche Neuauflage. Es steht zu befürchten, dass mich das noch eine ganze Weile verfolgen wird, und leider behindert das auch sehr den Fortschritt meines ganzen E-Book-Programms. Ich dachte mir darum, es sei heute mal an der Zeit, im Rahmen meines Blogs darüber zu sprechen.

Es gibt mehrere zentrale Hürden, die man nehmen muss, wenn man ein ambi­tioniertes schriftstellerisches Geschichtenprojekt wie den Oki Stanwer Mythos ans Licht der Öffentlichkeit befördern möchte. Das hat mit solchen Dingen wie Zeit zu tun, es hat mit Geld zu tun und mit der Wahl der Mitarbeiter. Denn zu­vorderst verstehe ich den OSM als Teamwork. Ich bin nicht der Egomane, der die totale Kontrolle haben muss, der unbedingt alles selbst machen will. So bin ich nicht gestrickt.

Mein Wunsch ist es, das, was ich selbst schon seit Jahrzehnten für mich selbst erschaffen habe, an die Öffentlichkeit zu tragen, wobei es mir sehr darauf an­kommt, auch andere Leute mit ins Rampenlicht zu ziehen und sie an dem Erfolg partizipieren zu lassen. Mein Grafikdesigner Lars Vollbrecht ist ein Beispiel da­für, der den Titelschriftzug für den OSM entworfen hat. Oder, ein weiteres aktu­elles Beispiel, ist die Braunschweiger Illustratorin Jenny Seib, die freundlicher­weise das Titelbild für TI 17 „Zurück zu den Sargkolonnen“ beisteuerte.

Das sind dann aber leider schon die Ausnahmen. Ein weiterer Illustrationsver­such ist gerade gescheitert, was ich sehr bedauerlich fand. Und zahlreiche an­dere Geschichten, deren Publikation ich für die nahe und mittlere Zukunft pla­ne, sind durch solche Schwierigkeiten ernstlich bedroht.

Die Hauptschwierigkeit liegt wahrscheinlich in zwei Komponenten. Zum einen haben die bisherigen Titelbilder der OSM-Serie mit ihrer kompositorischen Bril­lanz – ungeachtet der Tatsache, dass sie manchmal den Inhalt der Werke nicht wirklich treffen – eine Messlatte geschaffen, die den Erwartungshorizont so­wohl bei euch Lesern als auch bei mir recht hoch anlegt. Zum zweiten, und das ist noch deutlich problematischer, gibt es dann diese inneren Bilder, die stets in massiven Konflikt mit den Kompromissbildern geraten, die ich beispielsweise bei Fotolia gekauft habe, um sie zu verwenden.

Ich nenne das die innere Bilderwelt. Ich habe schon verschiedentlich betont, dass ich meine Geschichten auf intuitive Weise erschaffe, d. h. es gibt einen „Strom der Bilder“, der mich mitreißt und dem ich folge. Diese Bilder formatie­ren natürlich das, was ich schreibe. Und sie bevölkern meine Vorstellung. Wenn also später eine solche Geschichte mit Titelbild versehen werden soll, dann er­gibt sich eine mehr oder minder starke Dissonanz zwischen dem, was meine Vorstellung vorgibt und dem, was ich an Bildmaterial vorfinde.

Da ich selbst aber definitiv nicht in der Lage bin, meine inneren Bilder grafisch umzusetzen – soviel Realismus habe ich schon seit zwanzig Jahren verinnerlicht, ich bin einfach nicht sonderlich talentiert im Zeichnen und komme übers Ama­teurstadium nicht hinaus – , bin ich auf Talente von außerhalb angewiesen. Und wie ich schon vor gut 25 Jahren in enger Zusammenarbeit mit Lars Vollbrecht feststellen konnte (vgl. dazu die Artikelreihe „Der OSM im Bild“), kann daraus eine sehr fruchtbare, zielführende Zusammenarbeit werden… Voraussetzung ist natürlich, dass entsprechende Talente bereit sind, mitzuarbeiten.

Ich nenne mal drei Pläne, die ich für die kommenden Jahre habe und wo ich un­bedingt der Mitarbeit von Illustratoren bedarf.

Der Zathuray-Konflikt“ ist ein Roman, den ich 1991 geschrieben habe (vgl. dazu beizeiten auch den Blogartikel 118). In ihm beschreibe ich Oki Stanwers erstes Auftauchen und den ersten KONFLIKT des OSM, quasi die direkte Vorge­schichte der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI), die ihr derzeit le­sen könnt. Ich habe hier eine sehr klare Vorstellung, was ich auf dem Titelbild sehen möchte, aber leider niemanden, der sich dazu bereit erklären würde.

Kämpfer gegen den Tod“, ein 1997 fertig gestellter Roman, der im KONFLIKT 24 des OSM spielt (Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“), aber vom eigent­lichen Handlungsstrom ganz losgekoppelt ist, beschreibt das Leben und Nachle­ben des Geschäftsmannes Alan Bannister, der sich auf einer alptraumhaften Wanderung durch die verwüsteten Welten des ersten Netzuniversums befin­det… ein Roman, den ich derzeit abschreibe und der natürlich noch stark ausge­baut werden muss. Aber ich würde ihn schon gern anno 2016, spätestens 2017 ans Roman in die modernen „Annalen der Ewigkeit“ integrieren und euch als Lektüre zugänglich machen.

Knackpunkt? Ganz besonders das Titelbild. Ohne Titelbild kann die Überarbei­tung so ausgereift sein, wie sie will… es wird keine Veröffentlichung geben. Tut niemandem mehr weh als mir.

Mein Freund, der Totenkopf“ ist ein weiteres Projekt, das ich auf diese Weise angehen will. Es stammt aus jüngster Vergangenheit (2010) und ist damit ver­gleichsweise solide stilistisch ausgearbeitet. Außerdem liegt der Roman voll­ständig digital vor. Die Geschichte spielt im KONFLIKT 25, in dem auch „Annalen 3: Die schamlose Frau“ handelt, ebenfalls in der Galaxis Beltracor. Hierzu habe ich eine Titelbildskizze entworfen. Aber auch hier fehlt mir, um das Projekt in die Zielgerade der Publikation zu bringen, definitiv ein Illustrator.

Ich meine, mir ist schon völlig klar: angesichts meiner aktuellen finanziellen Ver­hältnisse, die ja schon im April einen Aussetzer im E-Book-Veröffentlichungsprogramm erzwangen, kann ich Illustratoren finanziell nichts bieten. Hier wäre aber dann der Punkt, wo das ökonomische Denken, das stets ein kurzsichtiges ist, durch Idealismus überwunden werden könnte. Denkt mal ein wenig langfris­tig.

Es gibt Tausende von OSM-Werken. Das, was ihr gerade erlebt, ist lediglich der Auftakt zu atemberaubenden Abenteuern, und jeder talentierte Illustrator, der daran mithelfen möchte, zunächst aus Idealismus heraus, später sicherlich auch solide entlohnt, schreibt sich in diese Geschichte mit ein, wird Teil davon. Ver­steht das einfach auch als eine Form des Selbstmarketings.

Vor allen Dingen, und das ist eigentlich der schönste Effekt, finde ich, ist das ja im Gegensatz zu früheren Buchpublikationen keine zeitlich begrenzte Präsenz, sondern ihr seid im digitalen Buchhandel ständig und dauerhaft präsent mit eu­rem Namen, euren Bildern. Das ist etwas, was sowohl Ansporn zu bester Arbeit sein könnte wie auch Ansporn, den kurzfristigen Profit für eine Weile hintan zu stellen. So, wie ich das selbst ja auch tue.

Ich bin also nach wie vor auf der Suche nach solchen Talenten, die gern Mitar­beiter an dem Gesamtwerk des Oki Stanwer Mythos werden wollen, die daran mitwirken wollen, fremden Völkern, Welten und Technologie grafisches Leben einzuhauchen. Davon profitieren wir alle – ihr als Leser einerseits, ihr als Grafiker andererseits (ich hab’s eben gesagt) und letztlich eben auch ich selbst, weil die Bilder, die ich im Kopf hatte und die Geschichten, die weitgehend schon existieren bzw. noch geschrieben werden, auf diese Weise eine Chance erhalten, das Licht der Welt zu erblicken.

Drum lasst mich nicht hängen, Freunde! Schneidet euch nicht den Ast durch, auf dem ihr sitzt und auf dem ihr neuen, weiteren Leseerlebnissen entgegenfie­bert, die ich euch versprechen kann – sofern die oben geschilderten Rahmenbe­dingungen stimmen.

Helft mir, talentierte Zeichnerinnen und Zeichner zu finden, und ihr erhaltet euch und mir den OSM und diese Schriftenreihe am Leben. Bringt mich in Kon­takt mit den Talenten – ich freue mich drauf und gebe die Hoffnung nicht auf, dass der kreative Feuerfunke überspringt.

Soviel an Aufruf für heute – in der kommenden Woche erzähle ich euch, wieder gedanklich reflektierend zur aktuellen Handlung der TI-Serie zurückkehrend, ein wenig über „Stoffwechselmetamorphosen“. Und das ist interessanter Stoff, das kann ich euch hier schon versichern. Das solltet ihr nicht versäumen!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 7: In seinen Händen

Posted Mai 13th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wer in jüngster Zeit im Kino gewesen ist, wird kaum an diversen Plakaten oder Trailern für die Verfilmung von E. L. James´ Buch „Fifty Shades of Grey“ vorbei­gekommen sein, die Geschichte einer beunruhigenden Liaison zwischen einem dominanten, jungen Millionär mit verwundeter Seele einerseits und der jung­fräulichen Studentin Anastasia Steele auf der anderen Seite. Für amerikanische Verhältnisse ist der Film erstaunlich offenherzig, wenn man die sonstige Prüde­rie der Hollywood-Filme kennt.

Dennoch wurde dem Film von kenntnisreicher Seite verschiedentlich vorgehal­ten, er sei in wesentlichen Strukturen verzerrt und verharmlost (und das Buch ist aller Wahrscheinlichkeit nach sowieso noch sehr viel heftiger). Ähnlich wür­de es sich vermutlich verhalten, wenn man das Werk zu verfilmen versuchte, was sich als schmales Taschenbuch vor ein paar Jahren in mein Bücherregal schmuggelte. Im Vergleich mit E. L. James´ voluminösen drei Bänden ein eher schmächtiges Stückchen Literatur… doch wage es niemand, diesen Trip zu un­terschätzen.

Wer neugierig geworden ist, lese einfach weiter.

In seinen Händen

(OT: Entre Seis mains)

von Marthe Blau (Pseudonym)

Goldmann 45704, 192 Seiten

Oktober 2004, 7.95 Euro

Aus dem Französischen von Gaby Wurster

Liebe ist dieses Feuerwort, das die Seele in Flammen versetzt, das die Ratio aus­schaltet und nur noch den Körper agieren lässt, wenn die Glut richtig lodert. Aber was geschieht, wenn sie falsch lodert? Kann sich das irgendwer vorstellen? Oder ist das wie mit einem luziden Traum… einem Traum, in dem man erwacht und weiß, dass man nur in einem Traum erwacht?

Elodie, eine dreißig Jahre junge, erfolgreiche Anwältin in Paris, glücklich verhei­ratet und Mutter eines kleinen Sohnes, kann sich das ebenso wenig vorstellen. Sie hat doch alles, was sie braucht, nicht wahr? Sie ist glücklich… bis sie ein Ver­hältnis mit einem attraktiven Kollegen beginnt.

Die Dinge entwickeln sich jedoch völlig anders, als Elodie sich das vorgestellt hat – er hat offensichtlich kein Interesse, mit ihr ins Bett zu gehen. Stattdessen fin­det sich die junge Anwältin rasch in einem Alptraum wieder, der um so schlim­mer wird, je länger er währt: Elodie wird erniedrigenden Fesselungen und De­mütigungen unterzogen, und je öfter ihr der geheime „Geliebte“ ins Ohr zischt, er werde sie dazu bringen, alles zu tun, was er verlange, desto mehr fühlt Elo­die, wie sie völlig die Kontrolle über sich verliert. Wie seine Worte wahr wer­den.

Binnen unbeschreiblich kurzer Zeit ist Elodie nicht mehr als seine Sklavin, abso­lut hörig nach ihm, und ohne zu verstehen, was passiert, realisiert sie schließ­lich, dass sie danach schluchzt, er möge sie doch schlagen, erniedrigen, alles mit ihr tun… wenn er nur mit ihr schlafen würde. Sie sehnt sich danach, ihrem Peiniger zu gehören.

Und der Leser beginnt bald bang zu ahnen, dass diese Geschichte im Entsetzen enden wird – vielleicht wirklich mit der Realisierung der Prophezeiung jener Wahrsagerin, die Elodie verstört sagt, ihr „Herr“ sei ein wahrer Teufel, und eines Tages werde eine Frau durch ihn umkommen…

So dünn dieses Buch auch scheinen mag… es ist als starker Tobak zu verstehen, mit Abstand wohl die heftigste erotische Geschichte, die mir je unterkam. Nichts, was man eben mal in wenigen Stunden lesen kann. Das beklemmende, obsessive Gefühl, dass die Autorin unter Pseudonym durchaus nicht fabuliert hat, jedenfalls nicht nur, sondern all dies selbst erlebt hat, ist dabei einfach überwältigend. Und das verleiht diesem Werk eine Art von morbidem Charme, der den Leser grundlegend verstört.

Die Kritiker vergleichen das Buch insgeheim mit Catherine Millets „Das sexuelle Leben der Catherine M.“, aber dieser Vergleich ist entschieden zu oberflächlich. Ich habe Millet gelesen und weiß den entscheidenden Unterschied. Während Millet mehr oder weniger eisig und gefühlskalt argumentiert, findet man bei Blau genau das Gegenteil: diesen abgründigen Strudel an ehrlichen Gefühlen, die, auch wenn sie definitiv krank sind, doch plausibel geschildert werden. Wenn Millet ein Eisschrank ist, ist Blau eher ein Brutschrank. Beides ist nicht ge­rade eine gesunde Umgebung. Allerdings bleibt der sexuell eher normal orien­tierte Leser nach der Lektüre verunsichert zurück, gleichsam desorientiert. Wie, so fragt er sich, kann sich Elodie danach SEHNEN, diesen Mann, ihren brutalen, despotischen Beherrscher, nicht zu verlieren? Ist das nicht vollkommen krank?

Ja und nein.

Das Verlangen, von jemandem dominiert zu werden, das Verlangen, absolute Hingebung zu spüren, steckt wahrscheinlich in fast jedem von uns, und die meisten Menschen können nur hilflos darauf hoffen, dass sie irgendwann ein­mal die eine Person kennen und lieben lernen, die diese Wünsche erfüllt. Doch wenn man als machtbesessener Mensch, sei es Frau oder Mann, genug von Psychologie versteht und selbst eine dominante Persönlichkeit ist, dann kann man dieses Wissen dazu verwenden, sich andere Personen untertan zu ma­chen, wie es hier mit Elodie passiert. Die Folgen sind meist schrecklich.

Elodie versteht nie richtig, warum er gerade sie gewählt hat, sie versteht ihn im Grunde genommen überhaupt nicht, weil sie in seiner Nähe überhaupt nicht mehr richtig zu denken vermag. Und gerade das ist das fatale Fluidum, das Elo­die in vollkommener Abhängigkeit hält, ein Fluidum, das bestürzend an den Rausch der Verliebtheit erinnert.

Nein, vielleicht ist die Geschichte erfunden, auch das mag sein. Aber wenn sie erfunden ist, dann würde ich sie für sehr gut gesponnen befinden. Und der Himmel alleine mag wissen, wie vielen Menschen unter ihrer Leserschaft Mar­the Blau mit diesen Erfahrungen aus dem Herzen gesprochen hat, wie viele ih­rer Leserinnen und Leser unter dem Tarnmantel der Normalität in Wahrheit ir­gend jemandes Sklave sind, auf diese Weise hörig nach einem einzigen Mann oder einer einzigen Frau. Das ist vielleicht die furchterregendste Quintessenz dieses Buches, dessen Lektüre wirklich starke Nerven verlangt.

© by Uwe Lammers, 2006

Nun, wieder aus der Schockstarre aufgewacht? Gut so. Ich habe euch ja ver­sprochen, dass dieser Blog ein wenig Wechselbadcharakter haben würde, und hier habt ihr das schon wieder erlebt. Das wird sich auch auf die weiteren Beiträge erstrecken, sowohl thematisch als auch längenmäßig.

Ihr seht jedoch ebenfalls, dass ich mein Wort halte – auf lange Beiträge folgen in der Regel angenehm kurze… was nichts über die Intensität des Inhalts aus­sagt, wie ihr gerade lernen konnte.

Was es nächste Woche an dieser Stelle zu entdecken gibt? Na, da gibt es zwei Möglichkeiten, wie ihr verfahren könnt: entweder schaut ihr einfach kommende Woche wieder rein… oder wenn ihr das nicht solange aushaltet, schaut euch auf Amazon AuthorCentral meine Autorenseite an, die ich regelmäßig mit Neu­igkeiten über meinen regulären Wochen-Blog wie auch über diesen Rezensions-Blog fülle. Dann könnt ihr ahnen, was kommt… aber was ich wirklich geschrie­ben habe, das seht ihr nur hier.

Wie gesagt – bis in einer Woche. Ich freue mich auf euer Interesse!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 114: Stoffwechselmetamorphosen

Posted Mai 10th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

unheimliche Dinge gehen vor sich… ihr werdet derselben Ansicht sein, wenn ihr derzeit die Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) regelmäßig verfolgt und miterlebt, was der armen yantihnischen Linguistin Vaniyaa da derzeit wi­derfährt.

Erinnern wir uns: Es ist Monate her, da erreichte das yantihnische Expeditions­schiff RHONSHAAR die so genannte „Bebengrenze“ und schickte ihr Beiboot RHON-2 unter dem Kommando des Draufgängers Yuuricor direkt ins Xoor’con-System, die Heimat der Tassaier. Ziel – herauszufinden, ob die Worte des Flücht­lings und Schiffbrüchigen Gwensh den Tatsachen entsprachen. Seinem Bericht zufolge wurde die Heimat der Tassaier von einer maschinellen Nemesis heimge­sucht, die Planeten verwüstete und ganze Monde verschlang.

Kurzum: die RHON-2-Mission bestätigte die schlimmsten Befürchtungen. Der ungeheuerliche „Sternenhammer“ der Tassaier war alles andere als eine Ausge­burt der Fieberphantasie, sondern blutige Realität. Schlimmer noch – er befand sich weiterhin vor Ort, und Yuuricor und seine anvertrauten Wissenschaftler überwanden ihre Furcht, um in sein Inneres vorzustoßen.

Hier trafen sie auf die zwergenhaften Shonta und wurden von Robotern der Troohns betäubt und in die so genannten „Sargkolonnen“ verschleppt. Der worst case war eingetreten.

Und dann, Monate später, die unglaubliche Wendung der Geschichte: ein Shon­ta findet, seinem unbegreiflichen Traum folgend, die yantihnische Linguistin Vaniyaa in den Sargkolonnen, seine Artgenossen befreien sie und machen sie in ihrem geheimen Abspalterhort zum „Heiligtum der Shonta“. So geschehen in Band 16 der Serie.

Vaniyaa überwindet einen Gutteil ihres Gedächtnisschwundes, macht aber, wie man in Annalen 4: „Heiligtum der Shonta“ nachlesen kann, eine Reihe von be­unruhigenden Entdeckungen.

Irgendwie hat sie sich grundlegend physiologisch verändert. Besonders auffal­lend ist etwa, dass ihre Regelblutung verschwunden ist, was sie sich nicht erklä­ren kann. Auch hat Vaniyaa das eigenartige Gefühl, ihre Haut fühle sich irgend­wie fester und straffer an als bisher. Ihre Haare verhalten sich auch deutlich an­ders als in der Erinnerung, und dann ist da diese höchst obskure Geschichte mit dem Schweiß.

Der Schweiß ist vielleicht das größte Problem von allen.

Natürlich ist Vaniyaa keine Biologin, aber soviel biochemisches Grundwissen be­sitzt sie durchaus, um zu begreifen, dass Schwitzen als Prozess mit dem Verlust von Flüssigkeit und Mineralsalzen einhergeht, die natürlich ersetzt werden müs­sen. Dass sie dennoch keinen übermäßigen Durst verspürt und keine Mangeler­scheinungen einsetzen, wie man sie bei konstant starkem Schwitzen langfristig verspüren müsste, ist kurios und rätselhaft.

Sehr viel schwerwiegender ist aber die Verbindung zwischen den Shonta und Vaniyaas Körpersekret. Zunächst ist der verstörten Forscherin nicht klar, warum die schwarzen Zwergenwesen sie hartnäckig mit dem Namen „Honighaut“ be­legt haben… bis sie begreift, dass ihr Schweiß offensichtlich für die Shonta ein vollständig anderes Aroma besitzt als für sie selbst.

Und er hat zudem unvorstellbare neue Wirkungen im Gefolge, die sie ganz zen­tral bei den Fruchtbarkeitsfesten der Shonta mitbekommt. Zum einen scheinen die schwarzen Zwerge von dem Genuss ihres Körperschweißes geradezu be­rauscht zu werden, als habe sich Vaniyaa selbst unvermittelt in eine Alkohol­quelle verwandelt. Was, man braucht es kaum zu betonen, stoffwechselphysio­logisch eigentlich unmöglich ist.

Zum anderen aber erlebt sie beim Fruchtbarkeitsfest auf haarsträubende Weise mit, dass bei Shonta, die Verletzungen erleiden, diese in ungeheuerlichem Tem­po abheilen. Auch dies, offensichtlich, eine direkte Konsequenz ihres eigenen Schweißes.

Wovon sie erst mit etwas Verspätung Kenntnis erhält, das ist die aphrodisische Wirkung ihres Sekrets auf die Libido der Zwerge.

Und nun ist es mit dem Verständnis völlig vorbei.

Verdammt noch mal, mag auch manch einer von euch denken, hier geht es nicht mehr mit rechten Dingen zu! Das kann doch alles gar nicht wahr sein! Was wird uns hier für ein Märchen erzählt?

Tja, Freunde, das fragt sich die arme Vaniyaa auch mit Recht, und sie hat keine plausible Antwort. Die fällt auch wirklich äußerst schwer, wenn man sich die Fakten ansieht und nach Gründen für diese offensichtliche Stoffwechselmeta­morphose sucht.

Es gibt im Grunde nur zwei gescheite Lösungen für die zu beobachtenden Fak­ten. Resümieren wir sie kurz:

Erstens könnte, da Vaniyaa zum Zeitpunkt ihrer Gefangennahme eigentlich eine ganz normale Yantihni gewesen ist, in Erwägung gezogen werden, dass die Troohns ihren Körper stoffwechselphysiologisch verändert haben. Ihrer Techno­logie – von ihrer Biotechnologie haben wir noch keine Kenntnis – wäre solch eine Verwandlung vielleicht zuzutrauen.

Hier stellte sich indes die Frage nach dem Grund einer solchen Verwandlung, nach dem Nutzen. Es ist keiner in Sicht? Das ist wahr. So, wie die Dinge liegen, hat Vaniyaa die Reise ins Terrorimperium – die dann von den Shonta außerplan­mäßig unterbrochen wurde – im Zustand der physischen Normalität angetre­ten.

Bleibt also die zweite Variante: Die Shonta sind für die Metamorphose verant­wortlich. Sie hätten durchaus einen Grund dafür, wenn man sieht, wie sie von Vaniyaas Verwandlung offenkundig profitieren.

Das Problem dieser Variante ist ein ganz anderes – wie sollen sie das geschafft haben? Denn jedermann, der die bisherigen Shonta-Bände gelesen hat (es kom­men ja noch einige mehr), wird sich am Kopf kratzen und sagen: „Hey, das sind doch quasi zivilisationslose Zwergenwesen, die als Low-Tech-Zivilisation in den metallenen Eingeweiden des MINEURS leben. Die haben keine Laboratorien, keine biochemischen Wissenschaften… wie sollen die denn so etwas hinbekom­men haben?“

Seht ihr, das bereitet auch Vaniyaa erkennbar Kopfzerbrechen.

Nichts passt hier wirklich zusammen.

Natürlich kristallisiert sich bald heraus, dass die Zungen von Shontafrauen über die Fähigkeit verfügen, die Heilung von Verletzungen enorm zu beschleunigen, insofern läge der Gedanke nahe, dass das, was die Linguistin als „Katzenwäsche“ der Shontafrauen kurz nach ihrer Befreiung aus der Schlafwabe erlebt hat, hiermit zu tun haben könnte… indes, es hört sich einfach zu absurd an.

Sich vorzustellen, dass die Zungen der Shontafrauen sozusagen „automatisch“ und ohne Intention etwas bewirken, wozu die yantihnische Biotechnologie nicht einmal heutzutage imstande ist, nämlich die physiologische Umprogram­mierung eines gesamten intelligenten Organismus in etwas vollkommen ande­res… also, das ist haarsträubend und absurd.

Oder?

Oder gibt es hier einen Faktor in der Gleichung, der sich gewissermaßen un­sichtbar mit eingeschlichen hat?

Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an den Beginn von Annalen 4. Irgendjemand hat dort mit Vaniyaa gesprochen, nicht wahr? Irgendetwas ist da geschehen… doch was nur?

Und wenn Vaniyaa Teil eines weiter gespannten Planes ist – was mag das Ziel sein? Wohin führt das alles noch? Und wird sie Aufklärung darüber erhalten?

Ich denke, meine Freunde, es ist gut, solche Gedanken im Hinterkopf zu behal­ten. Haltet die Augen offen und lest die Episoden genau… hier schlummert noch ein Mysterium von einiger Bedeutung.

Soviel für heute an ergänzenden Gedanken zu diesem Komplex. Nächste Woche an dieser Stelle landet ihr im Jahre 2005 und verfolgt weiter die historische Ge­nese des OSM. Nicht verpassen!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 6: Der Baader Meinhof Komplex

Posted Mai 6th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

heute begeben wir uns auf ein völlig anderes Terrain, nämlich das des politi­schen Gegenwartsjournalismus´, und ich glaube, das könnte euch durchaus ge­fallen. Es geht wieder mal um ein recht voluminöses Buch, manche könnten es unverdaulich finden… aber ich halte es, wenn man ein waches politisches Be­wusstsein für die jüngste Weltgeschichte besitzt, für außerordentlich wichtig, hierüber mehr zu wissen als nur Schlagworte oder verstreute Informationen. Selbst die Verfilmung dieses Stoffes ist nur bedingt geeignet, das komplexe Phä­nomen des internationalen Terrorismus der 70er Jahre langfristig im Gedächtnis zu verankern.

Dieses Buch hier kann das, bei allen Schwächen, die es gleichwohl besitzt, ver­mutlich leisten. Aber es ist keine einfache Bettlektüre. Jeder, der es kennt, wird mir darin wohl beipflichten. Wer aber vom Film fasziniert war und gern genauer wüsste, was die Hintergründe sind, der ist hier gut aufgehoben. Hier kommt die Kurzfassung:

Der Baader Meinhof Komplex

von Stefan Aust

SPIEGEL-Buch, Goldmann 12953

672 Seiten, TB, 1998

ISBN 978-3-442-12953-9

12.00 €

Die erste Erinnerung in diesem Zusammenhang stammt aus dem Herbst 1977. Meine Eltern, meine Geschwister und ich wohnen in Wolfsburg, und über den Fernsehschirm flimmert abends das seltsame Bild eines aufgedunsen wirken­den, erschöpften Mannes, der eine Pappe hoch hält mit der Aufschrift „Gefan­gener der RAF“. Der Name des Mannes ist Hanns-Martin Schleyer, und er ist seit Wochen Geisel deutscher Terroristen, irgendwo in Deutschland. Was das be­deutet, ist mir zu der Zeit nicht klar. Es ist nur… ungewöhnlich und prägt sich ein.

Die zweite Erinnerung stammt aus derselben Zeit. Die Stadtbücherei Wolfsburg-Detmerode: gleich neben dem Eingang hängt an der Glastür ein großformatiges Plakat mit zahlreichen, kleinen Passfotos. Gesuchte Personen. Terroristen.

Deutschland im Herbst 1977. Es ist die Zeit der Roten Armee Fraktion (RAF).

Lange Zeit weiß ich nichts Genaues über die RAF, und die Rote Armee Fraktion von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof ist mir gründlich gleichgültig. Aber diese Erinnerungen sind da, und spätestens Ende der 80er Jahre, als die Mauer fällt und der SPIEGEL wieder und wieder über die RAF be­richtet, über RAF-Aussteiger, die ein neues Leben in der DDR begonnen haben und nun in bundesdeutsche Haft geraten, da beginnt das Interesse an mir zu nagen, eigentlich doch Genaueres wissen zu wollen. Wie das damals war. Was genau eigentlich jenseits der Schlagworte in den Nachrichtensendungen zu ent­decken ist. Inzwischen ein mündiger Staatsbürger mit eingeschaltetem Ver­stand, ist mir längst klar geworden, dass es vieles gibt, was in Nachrichtensen­dungen nicht erzählt wird, was aus Zeitgründen, politischem Opportunismus oder beabsichtigtem Verschweigen von Fakten weggelassen oder verkürzt wird.

Inzwischen weiß ich auch von der Existenz von Austs Buch, dennoch ist es erst im Juli 2008 der Fall, sechs Jahre nach Abschluss meines historischen Studiums, dass ich wie mit einem Hammer darauf gestoßen werde, es könnte Zeit sein, das Buch zu lesen: im Kino läuft ein Trailer, der signalisiert, im Herbst 2008 käme die Verfilmung des Buches ins Kino.

Es ist sofort klar, dass der Film extrem faktenlastig sein muss. Er komprimiert zehn Jahre bundesrepublikanischer Geschichte von 1967 bis 1977 zu einem Reality-Action-Thriller unter der Regie von Uli Edel und Bernd Eichinger. Und da ich an Eichingers „Der Untergang“ vor Jahren schon die Akribie des Filmema­chers kennengelernt habe, weiß ich: ohne Kenntnis des Buches ist man in die­sem Film wahrscheinlich verloren und versteht nur Bahnhof.

Also das Buch lesen, und zwar zügig.

Die Lektüre des Buches dauert drei Wochen, weil die Informationen sacken und verdaut werden müssen. Es sind sehr viele Informationen, und sie bieten ein in vielerlei Hinsicht bestürzendes Bild, das aus den fragmentarischen, rudimentä­ren Erinnerungen der zurückliegenden Jahrzehnte im Verein mit neuen, verbin­denden Fakten ein dichtes, packendes Netzwerk von Tatsachen und Verbin­dungsstricken schafft und am Ende tiefe Erschütterung zurücklässt.

18. Oktober 1977 – In Stuttgart-Stammheim wird die Befreiung der Geiseln aus der Lufthansamaschine LANDSHUT in Mogadischu über Radio bekanntgegeben. Die Wachen der vier inhaftierten RAF-Führungsterroristen Andreas Baader, Gu­drun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Irmgard Möller öffnen die Türen der Gefange­nen und entdecken am Morgen zwei Tote und zwei Schwerverletzte. Baader und Ensslin sind tot, Raspe tödlich verletzt, Irmgard Möller ist die einzige, die das Blutbad überlebt. Die Terroristin Ulrike Meinhof hat sich schon im Vorfeld in Haft das Leben genommen.

Der deutsche Herbst ist vorbei, und die Zeit der Mythen beginnt.

Begonnen hat all das gut sieben Jahre vorher, am 14. Mai 1970. Der Kaufhaus­brandstifter Andreas Baader erhält bewachten Freigang zu einer Bibliothek, wo er die „konkret“-Redakteurin Ulrike Meinhof treffen möchte, damit sie gemein­sam für ein Buchprojekt recherchieren können. Baader und Leute aus einem Umfeld wie etwa Gudrun Ensslin haben sich einen Namen in der Jugendszene gemacht und gelten allgemein als erzieherisch erfolgreich bei orientierungslo­sen, schwierigen Jugendlichen. Bis sie sich politisch radikalisieren und im Um­feld der 68er-Unruhen gegen den Vietnamkrieg und die deutsche Wiederbe­waffnung zu protestieren beginnen und dafür ein Kaufhaus in Brand stecken.

An diesem 14. Mai 1970 konvertiert die Journalistin Ulrike Meinhof, die ohne­hin schon mit den Zielen Baaders und seiner Freunde sympathisiert, zur Seite der Revoluzzer. Baader wird von bewaffneten Sympathisanten befreit, Ulrike Meinhof geht in den Untergrund. Das Leben als Gejagte beginnt. Und es ist ein in jeder Beziehung wildes Leben.

Der unstete, aber redegewandte und charismatische Andreas Baader, die allein­erziehende Journalistin Ulrike Meinhof, die Sympathien für die linke Szene emp­findet und zunehmend an dem repressiven politischen Klima der Bundesrepu­blik in den späten 60er und frühen 70er Jahren leidet, die Pastorentochter Gu­drun Ensslin und schließlich die Sympathisanten der „Bewegung 2. Juni“1, sie alle beginnen nun, nachdem die eigentlichen Studentenunruhen der späten 60er Jahre schon abgeflaut sind, in einem politisch stark aufgeheizten Klima das umzusetzen, was sie für eine soziale Revolution halten.

Die Ziele sind diffus: es gibt Personen in diesem Umfeld, die einfach nur antiau­toritären Impulsen nachgeben und einen Traum von einem freien, unregulier­ten Leben leben möchten, mit Ausübung freier Liebe, Gruppensex, Drogenkon­sum und dergleichen. Dann gibt es Leute, die dringend der Ansicht sind, der Bundesregierung und besonders der US-Regierung zeigen zu müssen, dass der Vietnamkrieg ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist. Dass schiere Mas­sendemonstrationen dazu wohl nicht imstande sind, scheint bewiesen zu sein. Dass der Staat gemeinsame Sache macht mit undemokratischen Regierungen in aller Welt – beispielsweise mit dem iranischen Regime des Schah Reza Pahlevi – , ist offensichtlich.

Die Sozialrevoluzzer sehen eine Strömung die Bewegungen der Gegenwart len­ken, die ihre Wurzeln in der nicht aufgearbeiteten NS-Vergangenheit der bun­desrepublikanischen Zeit hat. Ehemalige Männer der SS, des Sicherheitsdiens­tes (SD) und der nationalsozialistischen Partei durchsetzen zu diesem Zeitpunkt die politischen Parteien, die Polizei- und Bundeswehrstrukturen und die Konzer­ne. Hier, so denken die Aufbegehrenden der nächsten Generation, ist Diskutie­ren sinnlos geworden. Diese Leute kann man nur mit Aktionen überzeugen. Sie beginnen also folgerichtig mit militanten Aktionen.

Eine dritte Strömung unter diesen Idealisten, die an der Realität der Gegenwart verzweifeln und sich deshalb aus der Gesellschaft gezielt ausgliedern, ist der Ansicht, dass dies der Beginn eines sozialistischen Umsturzes, ja, einer Weltre­volution sei und dafür alle Mittel eingesetzt werden müssten, deren man hab­haft werden könne.

Institutionen wie das „Sozialistische Patienten Kollektiv“ (SPK) in Heidelberg, das 1970 von Dr. Wolfgang Huber gegründet worden war, Kommunen in ver­schiedenen Städten, Wohnungen von Sympathisanten der linken Szene, sie alle fungierten in der Folge als Anlaufstationen für die auf der Flucht befindlichen Kaufhausbrandstifter um Andreas Baader und jene, die bald danach ihrem Vor­bild nacheiferten und ebenfalls in den Untergrund abwanderten. Personen, die auf eine gebrochene Sozialisation zurückblickten, mit dem Elternhaus oder dem Staat in Konflikt geraten waren, teilweise einfach Abenteurernaturen, für die der Glanz von Baaders und Ensslins Taten inspirierend und motivierend wirkte.

Die Umsetzung der genannten Ziele und die Tatsache, dass der harte Kern der bald so genannten „Baader-Meinhof-Bande“ natürlich nicht einer geregelten Arbeit nachgehen konnte, erzwang notwendig die Beschaffung von Geldern. Die einfachste Methode, wenn auch durchaus riskant, schien Bankraub zu sein, und so überzogen Baaders engste Sympathisanten die Republik bald mit einer Serie von Banküberfällen. Damit rutschten sie endgültig in die Illegalität ab. Baader und seine Kumpanen, inzwischen bewaffnet und von der Polizei steck­brieflich gesucht, standen auf den Fahndungslisten, doch unterschied sie zu die­sem Zeitpunkt prinzipiell recht wenig von normalen Kriminellen.

Das änderte sich, als sie damit begannen, die Gelder und ihre Waffen dazu ein­zusetzen, politisch aktiv zu werden. Inzwischen gab es Verbindungen in die Sze­ne der arabischen Terroristen, Baaders Gefolgsleute wurden teilweise in Jorda­nien und im Jemen ausgebildet und politisch indoktriniert. Sie wurden, könnte man sagen, mit dem Virus des „Palästinenser-Problems“ infiziert, das zu jener Zeit hochbrisant war.2 Die oben so genannte „dritte Strömung“ innerhalb dieser Gruppierung, die sich in Richtung des Sozialismus orientierte, nahm derweil Kontakt mit dem Ministerium für Staatssicherheit in der DDR auf, und auch von hier gab es Hilfestellung.

Ziel der folgenden Anschläge waren konsequenterweise amerikanische Einrich­tungen, und vermutlich waren es die Anschläge auf Armeeobjekte im Verein mit den permanenten Banküberfällen, die auf der Gegenseite gleichfalls zu ei­ner Radikalisierung beitrugen. Die bundesdeutschen Politiker beschlossen mehr und mehr, die Rechte der Polizei und besonders des Bundeskriminalamtes (BKA) zu stärken, und schließlich setzten sie mit Horst Herold einen fanatischen Neuerer an die Spitze des BKA.

Herold propagierte die Einführung elektronischer Ermittlungsmethoden und führte Rasterfahndungen ein, um der RAF-Terroristen habhaft zu werden. Durch die Tatsache, dass es nun nachweisbare Verbindungen in den Ostblock gab, wurde die RAF Teil des ideologischen Rasters des Kalten Krieges. Und so, wie oftmals Terroristen von Geheimdienstkreisen für „Handlanger Moskaus“ gehal­ten wurden, geschah es auch hier. Die hysterische Vorstellung einer terroristi­schen „Fünften Kolonne“ Moskaus mit dezidiert kommunistischen, staatsum­stürzlerischen Zielen machte Gelder frei, die Horst Herold geschickt dazu ein­setzte, die Befugnisse und personellen Möglichkeiten des BKA auszuweiten und seine schon ans Manische grenzenden Kontrollphantasien umzusetzen.3

Inzwischen wurden die Begriffe „Baader-Meinhof-Bande“ und „Baader-Mein­hof-Gruppe“ synonym verwendet, wobei ersterer eher auf die Bankräuber ge­münzt war, während letzterer eher dann Anwendung fand, wenn es um die politischen Ziele der untergetauchten Kriminellen ging. Die Untergetauchten hatten sich zwischenzeitlich selbst den Kampfnamen „Rote Armee-Fraktion“ ge­geben.4

Als am 1. Juni 1972 Andreas Baader und Jan-Carl Raspe, zwei der führenden Köpfe der RAF in einer konspirativen Garage, in der sie auf einem Hinterhof Sprengstoff für ihre Attentate anzumischen pflegten, verhaftet wurden und eine Woche später auch noch Gudrun Ensslin in einer Modeboutique durch einen Zufall erkannt und von Beamten der Polizei überwältigt wurde, schien ein Ende der RAF in Sicht zu sein. Davon war Horst Herold umso mehr überzeugt, als kurz darauf auch noch die Terroristin Brigitte Mohnhaupt und ihr Freund (beide wer­den später aber fatalerweise wieder auf freien Fuß gesetzt) sowie, am 15. Juni, der letzte in Freiheit befindliche „ideologische Kopf“ der RAF, Ulrike Meinhof, gefasst werden konnte.

Nun schien die RAF führerlos und geschlagen. Den gefangenen Terroristen sollte in Bälde der Prozess gemacht werden. Eigens für diese Gefangenen und den Prozess wurde die Haftanstalt Stuttgart-Stammheim modernisiert und ein Hochsicherheitstrakt errichtet.

Doch bis Ende 1974 hatte der Prozess immer noch nicht begonnen. Diverse RAF-Häftlinge, darunter Holger Meins, wehrten sich auf die ihnen einzig mög­lich scheinende Weise gegen „das System“, das sie gefangen hielt – durch einen Hungerstreik. Am 9. November kollabierte Holger Meins´ geschwächter Orga­nismus, und die Terroristenszene hatte ihren ersten „staatlich ermordeten“ Märtyrer zu beklagen.

Die noch in Freiheit befindlichen Sympathisanten der RAF, die sich längst als „zweite Generation“ verstanden, reagierten auf diese „Provokation“ mit bruta­ler Gewalt. Waren Baader, Ensslin und Meinhof noch bei ihren Banküberfällen darauf aus gewesen, Menschenleben zu schonen, so scheute die Nachfolgege­neration der RAF Tote nicht. Ein Kommando der Bewegung des 2. Juni suchte schon am 10. November 1974 den Juristen Günter von Drenkmann auf und er­schoss ihn, möglicherweise bei dem Versuch, ihn als Geisel zu entführen.

Die nächste Geiselentführung – die des Politikers Peter Lorenz in Berlin am 27. Februar 1975 (der Prozess gegen die RAF hatte immer noch nicht begonnen) – verlief überraschend unblutig und endete mit der Freilassung des Gefangenen am 4. März. Hier gab der Staat der Bewegung des 2. Juni nach, die sich zu der Entführung bekannte (die Freilassung des harten Kerns der RAF gehörte aber nicht zu den Forderungen). Möglicherweise wurde so auf der Seite der Extre­misten der Gedanke salonfähig, man könne den Staat gezielt erpressen, und die Höhe der Forderungen sei einfach nur analog zur Größe der Bedrohung zu hal­ten.

Als am 25. April 1975 dann sechs schwer bewaffnete Terroristen die Deutsche Botschaft in Stockholm besetzten und damit drohten, sie in die Luft zu spren­gen, begriffen die deutsche Regierung und auch die Führung des BKA, dass der Alptraum namens RAF keineswegs durch die „Enthauptung“ bzw. Inhaftierung des harten Kerns ausgestanden war. Als der Sprengstoff von den Terroristen versehentlich zur Explosion gebracht wurde – insgesamt waren bei der Bot­schaftsbesetzung vier Menschen ums Leben gekommen, darunter der führende Kopf, Siegfried Hausner, der seinen Verletzungen erlegen war – , war die Zeit reif für den Prozess gegen die RAF-Führung, die seit Jahren in Haft saß.

Der erste Prozesstag war der 21. Mai 1975, und er wurde unter beinahe schon hysterischen Bedingungen durchgeführt.5 Alle Prozessbesucher wurden akri­bisch visitiert, selbst angebrochene Zigarettenschachteln und Kugelschreiber mussten abgegeben werden (dafür erhielten die Besucher behördeneigene Kugelschreiber, die wohl „unverdächtig“ waren).6 Der insgesamt 192 Tage lang dauernde Prozess, der sich schließlich bis zum 28. April 1977 hinziehen sollte, teilweise mit, teilweise ohne Anwesenheit der Angeklagten, mal mehr, mal weniger mit unflätigen Beschimpfungen, revolutionären Monologen und abstrusen Ermittlungs- und Befragungsversuchen, entwickelte sich zu einer Zerreißprobe für die richterlichen Instanzen einerseits, die verteidigenden Anwälte (unter ihnen Otto Schily, der spätere Bundesinnenminister) und zu einem bisweilen bizarren Spektakel, das die Medien genüsslich ausschlachteten.

Während dieser Prozess geführt wurde, das kam später heraus, standen die RAF-Häftlinge über Kassiber, die meist über die betreuenden Anwälte hinausge­schmuggelt wurden, in regem Kontakt zu den Zöglingen der „2. Generation“. Mehr noch: während Horst Herold und das BKA die RAF-Nachfolgestrukturen unter Kontrolle glaubten, weil sich keine weiteren Anschläge ereigneten, reisten diese Männer und Frauen, unter ihnen Peter-Jürgen Boock, Adelheid Schulz, Su­sanne Albrecht und andere munter in der Weltgeschichte herum.

Sie ließen sich in Jordanien ausbilden, kauften auf dem Schwarzmarkt Waffen, trafen sich mit arabischen Terroristen in diversen Ländern des Nahen Ostens und hielten Tuchfühlung mit dem Ministerium für Staatssicherheit. Sie besaßen sichere Häuser, diverse falsche Pässe, wurden aus dunklen Kanälen mit Geld fi­nanziert und planten weitere Anschläge, diesmal im internationalen Maßstab.

Dabei gab es zwei Zielrichtungen. Die eine Möglichkeit, die Erfolg versprechend war (die Geiselnahme von Peter Lorenz bewies es), schien Geiselnahme von Politikern zu sein. Aber die Chancen, viel damit auszurichten, insbesondere die Gefangenen in Stammheim freizupressen, sahen nicht allzu gut aus.

Der andere Plan, mit dem palästinensische Terroristen unter Wadi Haddad und Georges Habasch erfolgreich gewesen waren7, war eine Flugzeugentführung mit der Androhung eines Blutbades. Aber noch zögerten die RAF-Epigonen. Diese Art von Terror entsprach eigentlich nicht dem, was sie sich wünschten.

Doch als dann am Anfang Mai 1976, nach mehr als 100 Tagen Prozessdauer, Ul­rike Meinhof tot in Stammheim aufgefunden wurde – und sofort von ihren RAF-Mithäftlingen die Legende in die Welt gesetzt wurde, sie sei „vom System er­mordet worden“, und „das System“ plane auch, bei ungünstigem Prozessverlauf den Rest der Inhaftierten zu ermorden – und selbst der brutale Mord an dem Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977 den Verlauf der Verhand­lung kein bisschen beeinflusste, da mussten Boock und seine Gefährten alle Op­tionen, die noch offen waren (wie sie meinten), wahrnehmen.

Am 5. September 1977 wurde daher der Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer entführt und alle seine Begleiter dabei erschossen. Doch die Versuche der RAF-Entführer, den Bundeskanzler und die Bundesregierung zu erpressen und auf diese Weise die inhaftierten, überlebenden RAF-Führungsmitglieder freizubekommen, wurden durch Taktieren, Zeitverzögerung und Rasterfahn­dung (bei der es einige eklatante Pannen gab, anderenfalls hätte man Hanns-Martin Schleyer schon nach wenigen Stunden befreien können) vereitelt und verschleppt.8 Der eigentlich nur auf wenige Tage angelegte Geiselzustand Schleyers wurde so auf qualvolle 43 Tage verlängert.

Am 13. Oktober 1977 wurde gewissermaßen „als zusätzliche Sicherheit“ noch das Lufthansa-Flugzeug LANDSHUT entführt und trat einen Irrflug unter dem Kommando deutscher und arabischer Terroristen an, bis es schließlich in Moga­dischu landen konnte. Hier wurde es am 17. Oktober 1977 von Angehörigen der Antiterroreinheit GSG 9 erstürmt, wobei mehrere Entführer den Tod fanden. In der gleichen Nacht, in der die Nachricht über die Beendigung der Entführung über die Deutsche Welle die Bundesrepublik erreichte, setzten die inhaftierten Führungsmitglieder der RAF ihren finalen Entschluss um.

Mit heimlich eingeschmuggelten Waffen erschoss sich Andreas Baader, Jan-Carl Raspe verletzte sich lebensgefährlich auf diese Weise. Gudrun Ensslin erhängte sich, und Irmgard Möller fügte sich schwere Stichverletzungen zu, die sie jedoch überlebte. Sie war die einzige, die die „Nacht von Stammheim“ überlebte und die lebenslange Haftstrafe antreten konnte, die über alle am Ende des Prozes­ses verhängt worden war.

Stefan Austs akribisches Buch, das die Geschichte der Rote Armee Fraktion und ihrer Anführer und Mitläufer, der ersten, zweiten und dritten Generation nach­zeichnet und dabei sowohl bundesdeutsche Akten auswertet als auch Inter­views, Literatur und zugänglich gemachtes, ergänzendes Material aus den Archi­ven des Ministeriums für Staatssicherheit, legt es nicht auf eine Verurteilung oder Kriminalisierung der Täter oder der Ermittlungsbehörden an. Vielmehr wird in diesem facettenreichen Wechselspiel der Darstellung, bei der er sich möglichst detailreich in die Psyche der Beteiligten einzufühlen bemüht, immer deutlicher offen gelegt, dass auf beiden Seiten lediglich Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen beteiligt waren. Da gibt es Idealisten auf beiden Seiten, die sich mitunter so stark in ihre Überzeugungen verrannt haben oder derma­ßen stark in schematischen Denkmustern verhaftet bleiben, dass sie Nahelie­gendes nicht sehen oder nicht sehen möchten, dass sie Kompromisse oder eine abgestufte Reaktion einfach nicht erkennen.

Auf allen Seiten wird auch vielfältige Einflussnahme deutlich. Das Ministerium für Staatssicherheit versucht beispielsweise, die RAF über ihre Unterstützung zu kontrollieren. Dies fällt den RAF-Zöglingen in jordanischen Terroristenlagern auf, aber sie lassen sich nicht instrumentalisieren. Die arabischen Fundamentalisten (zeitweise mischen auch japanische Terroristen auf dem europäischen Schau­platz mit, was schon abenteuerlich wirkt) bemühen sich um etwas Ähnliches. Innerhalb der RAF gibt es diverse, manchmal rein private Rivalitäten und Reibe­reien. Es ist, und das arbeitet Aust relativ klar heraus, ziemlich deutlich, dass beispielsweise Ensslin und Meinhof Rivalinnen in der Haft sind, und dass Ensslin ihre Gegnerin derartig „mobbt“, wie man heute sagen würde, bis Meinhof nur noch Zuflucht im Tod suchen kann… und selbst diese Verzweiflungstat bringt die Fanatiker dann nicht zur Räson, sondern bestärkt sie nur auf skrupellose Weise in ihrem rücksichtslosen Verhalten!

Austs Buch ist deshalb eine intensive Studie über ideologische Verblendung und gleichermaßen eine Studie in der Offenlegung eines Ermittlungsfanatismus, der ungerührt zahllose Pannen begeht und an vielen Stellen die eigene Moralität durch das eigene Handeln ad absurdum führt. Teile davon sind im Film reflek­tiert, viele andere aber nicht. Der Staat tritt hier nicht nur allein als positives Schutzinstrument auf, sondern auch als Bedrohung für den mündigen Bürger, wenn ihm in der Verfolgung einiger weniger Straftäter das Recht zunehmend gleichgültig wird.9 So führt das Buch Austs letztlich zu dem Fazit, dass hehre Zie­le, und mögen sie noch so gut gemeint sein, mit Terror und Gewalt nicht umzu­setzen sind, sondern stets scheitern werden. Auch warnt er davor, die RAF-Ter­roristen, die anfangs durchaus durchschnittliche Kriminelle waren, wenn auch mit hochfliegenden und später ideologisch völlig überzogenen Plänen, zu glori­fizieren oder zu einer Art von Ikone zu erheben. Dies sei völlig falsch.

In dieselbe Kerbe schlägt auch die Verfilmung des Jahres 2008, die das große Problem hat, ungeheuer viel Detailreichtum, wie er sich in dem faktenreichen Buch ausdrückt, nicht einmal annähernd umsetzen zu können. Die manchmal extrem schnelle Schnittfolge des Filmes, in dem sich gelegentlich sogar Szenen überlagern, macht es für Zuschauer, die sich nicht auf das Buch als Gedächtnis­stütze berufen können, sehr schwer, den vielfältigen Handlungsströmen zu fol­gen. Wer ist hier wer, wer kommt von wo und was wollen diese Leute eigent­lich? Dies verengt sich fast notwendig auf eine Simplifizierung des Problems.

Manche Schwierigkeiten der Realität werden hierbei gezielt ausgeblendet, etwa die Tatsache, dass der harte Kern der RAF zeitweise drogensüchtig war, und da­mit wird nicht der Nikotinkonsum im Film gemeint, sondern es geht um ge­spritzte Drogen. Sinnfällig wird das in Austs Buch an der Tatsache einer gemein­samen Gelbsucht dokumentiert, die sich die RAFler durch eine infizierte Injekti­onsnadel zuzogen.

Ebenfalls, auch das ist im Buch gut nachzuvollziehen, weil in Stammheim akri­bisch Buch geführt wurde über die verabreichten Medikamente, schweigt sich der Film vollständig über die Medikamentensucht der Inhaftierten aus, die man wirklich nur noch extrem nennen kann. Für die Tabakindustrie ist der Film indes ein schöner Werbeträger, da auf allen Seiten wie verrückt gepafft wird. Mir hat das die Laune beim Anschauen des schon thematisch schwierigen Films zusätzlich verhagelt, ganz ehrlich.

Ansonsten muss man natürlich sagen, dass das Buch in seiner Faktendichte ver­mutlich unverfilmbar ist. Obwohl sich Eichinger und Edel extrem genau an die Tatsachen – etwa bei den Entführungen und Überfällen – gehalten haben, stellt es wahrscheinlich ein Problem dar, die Tätergruppe mit der Creme de la Creme der bundesdeutschen Nachwuchsschauspieler zu besetzen. Zwar ist die perso­nelle Gegenüberstellung der Originalfahndungsfotos mit den Schauspielfotos beklemmend, aber es ist schwierig, die RAF-Mitglieder so zu sehen, wie man sie eigentlich sehen sollte: als kriminelle Personen, die wegen ihrer irregeleiteten Motivationen und ihres – etwa im Falle von Andreas Baader – sichtlich ziellosen Lebens Zuflucht zur Gewalt nehmen und diese rigoros für kriminelle Zwecke an­wenden.

So betrachtet, kann das Fazit nur dergestalt ausfallen, dass das Buch (wie es eben meist so ist) besser ist als der Film.10 Und jeder, der sich den Film ange­schaut und ungläubig die Augen gerieben hat, sollte sich ausdrücklich das Buch zu Gemüte führen, denn das ist ein lohnendes Erlebnis.

Die RAF ist ein wichtiges Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte, und ent­gegen der Darstellung im Film ist sie am 18. Oktober 1977 mit der Ermordung von Hanns-Martin Schleyer durchaus nicht zu Ende. Die Nachwehen enden erst 1997. Man kann das in dem Buch Der Baader Meinhof Komplex nachlesen…

© by Uwe Lammers, 2009

Ja, ich weiß, das ist eine echt LANGE Rezension, aber seht es so… es ist auch verdammt komplexer Stoff und viel, viel Information, die ich euch hier verabrei­chen musste. Und doch ist es nicht ein Viertel dessen, was darin wirklich los ist. Löst euch von den simplen Vorstellungen, die euch in Nachrichtensendungshap­pen verabreicht werden, die Moderatoren gern nach anderthalb Minuten noch mal zusammenfassen, als wenn ihr kleine Kinder wärt, die sich keine eben ge­hörten Informationen merken könnten. Das ist eine Form des Journalismus, die weniger fürsorglich als entmündigend ist.

Komplexe Phänomene wie das, was Stefan Aust oben beschrieben hat, kann man nicht in anderthalb Minuten oder – in diesem Fall – auf 4 Seiten Rezensi­onstext darstellen. Da ist Eintauchen nötig.

Aber ich verspreche euch – beim nächsten Mal bin ich wieder kürzer angebun­den. In einer Woche an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 So benannt nach dem Todestag des Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 während einer Demonstration, bei der er kaltblütig durch die Polizei erschossen wurde.

2 Vgl. dazu auch David A. Yallop: „Die Verschwörung der Lügner. Die Jagd nach dem Top-Ter­roristen Carlos“, München 1994, das denselben Zeitraum beleuchtet und hier die palästi­nensisch-arabischen Netzwerke besonders stark beleuchtet. Auch die RAF spielt hier na­türlich eine Rolle. Die Vorgeschichte des Palästina-Konflikts, die bis heute die Region in Blut und Terror taucht, lässt sich gut nachlesen bei Tom Segev: „Es war einmal ein Palästi­na“, München 2006.

3 Obwohl hiermit nicht Bruno Ganz´ schauspielerische Leistung als Horst Herold im Film heruntergespielt werden soll, kommt doch die manchmal fragwürdige Form des Handels Herolds im Buch klarer und problematischer zum Vorschein.

4 Die Ironie der Namensgebung entging ihnen nicht. Bekanntlich heißt RAF auch „Royal Air Force“, die im Zweiten Weltkrieg für erhebliche Zerstörungen im Luftkrieg gegen Deutsch­land verantwortlich zeichnete. Der Name blieb dennoch.

5 Allein der Prozess, z. T. mit wörtlichen Protokollwiedergaben, füllt bei Aust mehr als 100 Seiten – und mit Recht! Er ist sehr lesenswert.

6 Die späteren eklatanten Pannen, die sich in Stammheim ereigneten und unter anderem dazu führten, dass die RAF-Terroristen Schusswaffen und Sprengstoff (!) eingeschmuggelt bekamen, zeigt auf der anderen Seite, wie offenkundig unwirksam diese pathologischen Sicherheitsmaßnahmen waren.

7 Vgl. David A. Yallop: „Die Verschwörung der Lügner“.

8 In Stefan Austs Buch wird akribisch nachgewiesen, dass diese Fahndungspannen später gezielt vertuscht wurden, um denjenigen, die sie gemacht hatten, nicht die berufliche Kar­riere zu zerstören. Diese Informationen sind in den Akten alle enthalten. Der Film konnte dazu freilich nichts sagen.

9 Da werden beispielsweise Mandatsträger offiziell belogen und dann belauscht, da werden Wanzen in Stammheim installiert, da werden Rechtsanwälte ausspioniert und zahlreiche unschuldige Personen auf bloßen Verdacht hin inhaftiert… rechtsstaatlich einwandfrei kann man so etwas nicht nennen, und die Beteuerungen der späteren Zeit, dies sei eben notwendig gewesen, um der terroristischen Gefahr zu begegnen, erinnern doch fatal an das, was die US-Regierung unter George Bush jr. an Menschenrechtsverletzungen began­gen hat, um ihren „Krieg gegen den Terror“ zu einem Erfolg werden zu lassen (der bis heu­te nicht sichtbar ist).

10 Der Wermutstropfen für die Historiker unter den Lesern dieser Rezension kann man dabei allerdings vernachlässigen: Aust ist Journalist. Folgerichtig, dies ist das Ergebnis vieler journalistischer Bücher durch den Rezensenten, leidet das Werk unter einem offensicht­lich journalisten-endemischen Fehler: es legt seine Quellen nicht offen. Das Buch besitzt weder ein Quellen- noch ein Literaturverzeichnis, und es hat auch keine Fußnoten. Wer also immer herausfinden möchte, welche Quellen Aust für sein Werk verwendet hat, muss sich wohl an den Autor selbst wenden. Ich brauche nicht zu betonen, wie lästig das ist. So­lide historische Aufarbeitung sieht anders aus, und wenn Aust sich diesbezüglich mehr Mühe gegeben hätte, wäre aus diesem Buch zweifelsohne DAS Standardwerk zur RAF-Ge­schichte geworden. So steht dieses Werk immer noch aus. Aber das hier ist eine gute Vor­studie.

Liebe Freunde des Oki Stanwer Mythos,

ja, es tut mir leid, dass ich einen Monat lang mit meiner Erscheinungsfrequenz der E-Books pausieren musste. Meine Finanzen haben sich nach wie vor nicht konsolidiert, und so jongliere ich immer noch etwas, und gelegentlich reicht dann das Geld einfach nicht aus. April 2015 war wieder so ein Monat… ihr macht schlicht nicht genug Werbung für meine Geschichten, will mir scheinen (nein, war ein Scherz… obwohl… schaden könnte etwas Werbung von eurer Sei­te natürlich definitiv nicht).

Heute hat das Warten also ein Ende, und ihr könnt nun den zweiten Teil des Vierteilers um den jungen Abspalter-Shonta Abenteurerherz verfolgen. Ihr wer­det darin ein paar vertraute Passagen finden, was unumgänglich ist – denn chronologisch überlappt sich dieser Roman mit „Annalen 4: Heiligtum der Shonta“. Diesmal wechselt die Sicht aber zu Abenteurerherz über, und ihr er­fahrt auch, was geschehen ist, nachdem es ihm gelang, in den Sakralen Bezirk der Abspalterwabe einzudringen und Vaniyaa seine Aufwartung zu machen.

Naturgemäß ist das nur ein kleiner Teil der Geschichte, und danach geht das Abenteuer erst richtig los. Mehr erfahrt ihr TI 17 „Zurück zu den Sargkolonnen“. Das E-Book steht ab sofort zum Download auf Amazon-KDP zur Verfügung. Es kostet 1,49 Euro. Der einmalige Gratisdownload ist am 12. Mai 2015 möglich.

Ich wünsche euch eine angenehme Lektüre und freue mich jederzeit über Kom­mentare und Bewertungen des Werkes.

Ansonsten sehen wir uns morgen wieder an dieser Stelle, wo ich in meinem Wochen-Blog etwas über „Illustratorenprobleme“ sinnieren werde.

Bis morgen dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

PS: Diesen Monat müssen Leser, die auf die „Nachdrucke“ der E-Books auf www.beam-ebooks lauern, leider auf einen weiteren Titel verzichten. Den gibt es erst am 15. Juni. Schneller geht das wegen leerer Kassen nicht, sorry.

Maiblog 2015

Posted Mai 1st, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde meiner E-Books,

ich glaube, die Maiblogs gehören inzwischen zur guten Tradition auf dieser Ho­mepage www.oki-stanwer.de, und ich gedenke, sie weiter fortzuführen. Heute möchte ich mich aber deutlich kürzer halten als vor einem Jahr. Das hat ver­schiedene Gründe. Zum einen sind die Dinge hier derzeit etwas turbulent in Be­wegung geraten – ihr seht das an diversen Monaten, wo mal ein E-Book bei Amazon nicht erscheint, dann wieder ein „digitaler Nachdruck“ bei der zweiten Website, wo ich veröffentliche, www.beam-ebooks.de. Zum anderen passiert gerade sehr viel anderes, was das E-Book-Programm flankiert und mit Lesun­gen, Vorträgen, Interviews, Marketing und dergleichen zu tun hat. Da so voll­mundige Ankündigungen wie vor einem Jahr zu machen, wäre wenig nützlich.

Auch diesmal kann ich sagen, dass die Ankündigungen vom Mai 2014 im We­sentlichen eingehalten worden sind. Aktuell stehen 26 E-Books auf Amazon.de zum kostenpflichtigen Download bereit, und morgen werden es deren 27. sein. Ich sage dazu morgen noch in einem separaten Erscheinungsartikel etwas.

Zusätzlich konnte ich 22 „digitale Nachdrucke“ auf www.beam-ebooks.de reali­sieren, und wenn die Dinge sich gut entwickeln, werden in diesem Jahr noch 14 weitere (mal im MOBI-, mal im EPUB-Format) erscheinen. Das Portfolio an E-Books weitet sich also ständig aus, und um euch nur mal eine kurze Andeutung zukommen zu lassen, wie weit das jetzt schon geht, sei verraten, dass ich kürz­lich die Titelbildmontage für TI 29 „Die Nomaden von Twennar“ erhalten habe. Das Originalmanuskript ist seit 2005 fertig. Und wie ihr ja aus meinem Wochen-Blog wisst, habe ich seither nicht geruht und gerastet, sondern rege weiter ge­schrieben…

Auch die Besucherzahlen auf der Homepage haben sich konsequent positiv wei­ter entwickelt. Für das gesamte Jahr 2014 wurden 36.603 Klicks gezählt, und ak­tuell gehe ich von etwa 45.000 für das Jahr 2015 aus. Ob das realisiert wird, könnt ihr in einem Jahr an dieser Stelle nachlesen. Es ist jedenfalls offensicht­lich, dass die Werbung, die ich mit Hilfe meiner Freunde mache, deutliche Wir­kung zeitigt.

Neu hinzugekommen auf der Homepage ist ab dem 1. April 2015 der „Rezensi­ons-Blog“ als Ergänzung zu dem auf den Oki Stanwer Mythos (OSM) bezogenen Wochen-Blog. Und da kann man wirklich auf schöne Weise über den Tellerrand spähen und sich mal ein Bild davon machen, welche Art von Literatur der Verfasser dieser Zeilen schätzt und von denen er sich gelegentlich inspirieren lässt.

Derzeit in Arbeit ist ein neuer Werbefolder, der den schmalen E-Book-Flyer nicht ersetzen, aber flankieren soll. Der alte Flyer hat ja den Nachteil, ob man nun die erste oder zweite Auflage davon betrachtet, dass dort ausschließlich der OSM beworben wird und man über mich als Person nichts erfährt. Das wird im Folder, den die Braunschweiger Grafikerin Valentina Romanenko entworfen hat, anders werden. Für die zweite Jahreshälfte 2015 ist sogar noch ein weiterer Folder in Planung, über den ich hier aber noch nichts verraten möchte. Nur so­viel als Appetizer: Es wird sich um ein Kooperationsprojekt mit einem befreun­deten Phantasten handeln. Details vielleicht im Silvesterblog 2015.

Mit knapp tausend verkauften E-Books im Jahre 2014 habe ich es beinahe ge­schafft, die Marke der vierstelligen Ziffer zu knacken… davon bin ich aktuell nach wie vor ein gutes Stück entfernt, aber das hat natürlich seine Gründe in solchen Sachverhalten wie der langsamen Entwicklung der TI-Serie und gele­gentlichen, finanzbedingten Publikationsstörungen. Ich hoffe, dass die im Laufe des kommenden Jahres deutlich nachlassen.

Im Oktober 2014 erfolgte eine Lesung aus meinen Werken im Pfarrhaus in Det­tum. Eine weitere Lesung ist für den 6. Juni im Café DIALOG in Braunschweig ge­plant, zusammen mit meinem Autorenkollegen Tobias Tantius. Wollen mal schauen, wie sich das auf meine lokale Popularität auswirkt.

Deutlich präsenter bin ich derzeit durch Interviews für lokale Vereine. So gab ich dem Verein KreativRegion e.V. ein Interview (zu finden auf www.kreativ-region.net, dort unter „Buchmarkt), gefolgt vom Interview für den Verein „KufA e.V.“ (Kultur für Alle). Während KufA direkt auf meine Homepage verlinkt, findet ihr das Interview auf der Seite www.braunschweig-spiegel.de, dort unter der Interviewrubrik „7+1“.

Die Titelbildgalerie auf der Homepage wird ja immer nur um einen nächsten Band verlängert, aber mein Grafikdesigner Lars Vollbrecht hat auf seiner Home­page www.dasauge.de schon die aktuell gestalteten Cover bis 2016 online… wer also dahin mal einen Blick werfen möchte, nur zu! Für den Frühsommer 2015, und damit kommen wir nun zu der Vorschau der Werke, auf die ich schon verbindlich hinweisen kann, ist es mir möglich, auf Werke zweier Braunschweiger Grafikerinnen stolz zu verweisen, die exklusiv für die Serie angefertigt wurden.

Anfang Mai – d. h. morgen – erscheint Band 17 der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI) mit dem Eigentitel „Zurück zu den Sargkolonnen“. Das von Jenny Seib illustrierte Werk behandelt den weiteren Ablauf der abenteuerlichen Geschichte um den jungen Shonta Abenteurerherz, sein Mädchen Süßlippe und seine „Göttin“, die Yantihni-Linguistin Vaniyaa, die sich ein unmöglich scheinen­des Ziel setzt und Chaos erzeugt.

Anfang Juni wird der Handlungsstrom weiter verfolgt in TI 18 „Vaniyaa und die Shonta“, worin man mehr über die soziale Interaktion der Shonta erfahren wird und Andeutungen über sehr merkwürdige Veränderungen, die Vaniyaa betref­fen…

Anfang Juli folgt dann der Höhepunkt dieses Vierteilers mit TI 19 „TRANCRAN-4462“. Dort erlebt ihr endgültig die Reise in die Tiefen des unglaublichen Mär­chenreichs des MINEURS der Troohns und werft zugleich einen Furcht erregen­den Blick auf die nahe Zukunft der Serie.

Im August pausiert der OSM halbwegs, dann erscheint mit „Reinkarnation und andere phantastische Geschichten“ die dritte Storysammlung. Darin enthalten ist aber auch die OSM-Story „Die Intervention“, die im frühen 21. Jahrhundert im irdischen Sonnensystem spielt. Das ist – wie auch schon „Annalen 2 – Ian und der Stein der Götter“ (2014) ein Blick in den KONFLIKT 19, der beizeiten unter dem Serientitel „Oki Stanwer – Der Missionar“ zugänglich gemacht wer­den soll. Außerdem ist dieses E-Book für euch vielleicht interessant, weil es zwei frühe Geschichten aus dem „Archipel“ enthält, von dem ich verschiedent­lich schon in Blogartikeln berichtete. Wer mehr erfahren möchte, sollte hier nach­sehen.

Im September hoffe ich, in der TI-Serie mit Band 20 fortfahren zu können. „Auf Götterpfaden“, an dem ich gerade schreibe, verfolgt die Geschehnisse um den Yantihni-Technikforscher Noshtoy weiter, der von Hushhin geradewegs ins Reich des legendären Baumeisters geschickt wurde. Gegen seinen Willen und zusam­men mit nicht minder unwilligen Reisegenossen. Aber was sie auf der Gegen­welt namens Nylviidin entdecken, entspricht so überhaupt nicht ihren Erwar­tungen…

Anfang Oktober werden Noshtoys und seiner Gefährten Abenteuer fortgesetzt. In TI 21 „Hinter der Raumzeitwand“ schildere ich die weitere Erforschung von Nylviidin und eröffne zugleich einen neuen Erzählstrang mit weiteren Protago­nisten. Was das für Wesen sind? Ach nein, das verrate ich hier und heute besser noch nicht. Wer gut kombinieren kann, hat den Ahnungslosen was voraus.

Im November und Dezember sollen, eine regelmäßige Publikation vorausge­setzt, die TI-Bände 22 und 23 erscheinen, die vorläufig den Noshtoy-Handlungs­strang abrunden. Ursprünglich war gedacht, mit dem darauf folgenden Roman „Annalen 5: Jaleenas zweites Leben“ das Jahr abzurunden, aber das hat sich wegen der Stockung im April anders entwickelt.

Ihr seht, die ambitionierten Pläne gehen munter voran. Wie sich demgegenüber die Arbeit an dem Romanprojekt „Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“ entwickeln wird, kann ich derzeit noch nicht absehen. Aber ich halte euch darüber unbedingt auf dem Laufenden.

Soviel für heute als Ausblick auf kommende Leseereignisse. Ich würde mich freuen, wenn ihr eben soviel Spaß an der Lektüre dieser Zeilen gehabt habt wie an der Verfolgung der Abenteuer der Yantihni in der TI-Serie.

Wir sehen uns morgen an gleicher Stelle wieder. Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 5: Sherlock Holmes und der Fluch von Addleton

Posted April 29th, 2015 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wer mich lange genug kennt, weiß zur Genüge, dass ich den legendären Detek­tiv Sherlock Holmes nun wirklich sehr mag und mich immer wieder höchst be­reitwillig in ein Leseabenteuer stürze, wenn einer der Holmes-Epigonen in der Nachfolge von Sir Arthur Conan Doyle eine Geschichte zu Holmes und seinem „Eckermann“ Dr. John Watson geschrieben hat. Manchmal entdeckt man da fas­zinierende Perlen der Unterhaltungsliteratur.

Besonders angetan hatte es mir vor knapp 10 Jahren das vorliegende Werk, in dem sich zahlreiche höchst interessante und bisweilen raffiniert geschriebene Werke zum Holmes-Kanon befinden. Einige davon streifen mehr oder weniger absichtlich die Ränder der Phantastik, und wie es sich für gute Holmes-Ge­schichten gehört, wimmeln sie von historischen und literarischen Anspielungen und Personen. Ich nehme zuversichtlich an, dass man sie durchaus mehrfach le­sen kann und stets neue Vignetten entdeckt, die man beim ersten Durch­schmausen übersehen hat.

Es ist darum absolut notwendig, diese schöne Anthologie wieder ins Gedächtnis zurückzurufen, auch wenn sie wahrscheinlich nur noch antiquarisch zu erhalten ist. Lasst euch auf das Abenteuer ein, wenn ihr Holmes noch nicht kennen soll­tet… und falls das Gegenteil der Fall ist und ihr alle Holmes-Geschichten von Sir Doyle schon verschlungen habt – dann könnt ihr hier das Leseabenteuer aus­dehnen. Es lohnt sich.

Sherlock Holmes und der Fluch von Addleton

Neue Sherlock-Holmes-Geschichten, herausgegeben von Mike Ashley

Bastei 14916, Juni 2003

768 Seiten, TB, 10.00 Euro

Übersetzt von Beate Brandenburg & Ulf Ritgen, Linda Budinger, Axel Franken, Angela Koonen, Michael Kubiak, Ruggero Leó, Alexander Lohmann, Frauke Meier, Jutta Neumann, Marianne Schmidt, Simone Schmidt, Ulrike Zehetmayr

Als Arthur Conan Doyle – damals noch nicht geadelt, wovon er wohl auch nicht entfernt träumen konnte – im Jahre 1887 in einem recht kurzen Episodenroman mit dem Titel „Eine Studie in Scharlachrot“ erstmals einen exzentrisch wirken­den, verkleidungssüchtigen und nicht minder dem Kokain zugetanen Denker und brillanten Kriminalisten mit einem frisch aus dem Afghanistankrieg zurück­kehrenden Arzt John Watson zusammenstoßen ließ, konnte er sich kaum dar­über im Klaren sein, dass er mit dem schmalgesichtigen, asketischen Sherlock Holmes eine der legendärsten Figuren der Detektivgeschichte schuf. Doch ge­nau so kam es, und nachdem er im Verlaufe der folgenden 40 Lebensjahre 4 Ro­mane und 56 Kurzgeschichten über diesen Mann und sein Umfeld geschrieben hatte, lebte der Mythos Sherlock Holmes weiter und überdauerte sogar seinen Schöpfer.

Denn Doyle entwickelte ein verwirrendes Gespinst von Fällen, von Fallstricken, falschen Hinweisen, verschleierten Andeutungen und am Rande erwähnten Fäl­len, die geradezu danach SCHRIEN, entdeckt, recherchiert und niedergeschrie­ben zu werden. Es war unwichtig, dass Holmes und Watson fiktive Figuren wa­ren. Es lag durchaus nahe und war überaus reizvoll, auch in einer fiktive Bio­grafie, verknüpft mit der höchst lohnenden historischen Epoche des ausklingen­den Viktorianischen Zeitalters, reale Personen und Geschehnisse in den Hol­mes-Kosmos einzumengen und zugleich Anspielungen auf das zu geben, was Doyle in seinem „Originalkanon“ teilweise nur andeutete.

Ähnlich wie im Fall von Howard Phillips Lovecraft und seinem Cthulhu-Mythos fanden sich Scharen von Epigonen, die mal mehr, mal weniger gelungen den Stil ihres Vorbildes Arthur Conan Doyle imitierten und in unterschiedlich überzeu­gender Weise den berühmten Detektiv auf Fälle ansetzten, die vielverspre­chend waren.

Dieser Band versammelt 26 „neue“ Holmes-Geschichten, sehr heterogener Na­tur, wie es auch die Autorenriege vermuten lässt. Da finden sich beispielsweise die SF-Autoren Stephen Baxter (Xeelee-Zyklus, Multiversum-Zyklus) und Eric Brown („Tage auf Meridian“), Horror-Schriftsteller wie Simon Clark und Basil Copper, bekennende Sherlock-Holmes-Fans wie David Stuart Davies, der Anwalt Martin Edwards, Gerichtsmediziner wie Zakaria Erzinçlioglu oder die allgemein bekannten Schriftstellergrößen Michael Moorcock und Peter Tremayne.

Die Geschichten orientieren sich an einer Zeitachse, was es sinnvoll macht, sie von vorne entsprechend dem Inhaltsverzeichnis zu lesen. Ebenso empfiehlt es sich, des Vergnügens wegen, nicht mehr als ein oder zwei Geschichten pro Tag zu sich zu nehmen. Diesem quasi-ärztlichen Ratschlag sollte man folgen, um die Lektüre ein wenig zu strecken. Es macht ungemeinen Spaß, die scharfsinnigen Windungen des manchmal beleidigend zuversichtlichen Sherlock Holmes zu verfolgen, beim Lesen innezuhalten und eigene Hypothesen aufzustellen (recht häufig kommt man nicht mal in die Nähe der Lösung, was den Lesegenuss noch mehr erhöht).

Werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und schauen uns die Geschichten selbst an.

Zwei kleine, fast anekdotische Stories, „Die lästige Angelegenheit mit dem Rembrandt“ und „Der Diebstahl im Kildare Street Club“ beleuchten ein paar interessante Details aus Holmes´ Studienzeit, also vor dem Kennenlernen von Watson und Holmes. Doch wer beschreibt die Überraschung des Lesers, schon hier auf die Spuren von Sebastian Moran1 und dem sinistren James Moriarty2 zu stoßen…?

In den 1880er-Jahren werden neun der Fälle angesiedelt, darunter die schreck­liche Erzählung um „Vittoria, die Zirkusschönheit“ und die faszinierende und mehrere Jahrtausende zurückreichende Geschichte um „Die Amateurbettelge­meinschaft“. Ganz zu schweigen von einem kolonialen Drama monströser Aus­maße, das Holmes in „Das Verschwinden der Atkinsons“ aufdeckt. Und dann ist da noch die Geschichte von Professor Hardcastle, den Aerolithen und den Ros­marinzweigen zu erwähnen, die doch höchst… absonderlich ist (vgl. Simon Clark: „Der gefallene Stern“).

Zehn Geschichten werden den 1890er-Jahren zugeordnet. Michael Moorcock macht Holmes mit einem rätselhaften „Untermieter“ bekannt, der eine noch seltsamere Erbschaft anzutreten hat, Barrie Roberts, dessen Geschichte den Titel der Storysammlung liefert, konfrontiert den Detektiv und seinen Paladin mit einem allgemeinen Phänomen, das Holmes anfangs überhaupt nicht glaubt: einem verfluchten Grab in der Ortschaft Addleton, das für sich in Anspruch nimmt, dass darauf kein Schnee liegenbleibt. Es ist auch nicht zu fotografieren, wie man erkennen muss… und in seiner Umgebung kommen rätselhafte Todesfälle wie Heilungsfälle vor. Eine wirklich interessante und dem wissenschaftlichen Kenntnisstand der 1890er-Jahre sehr angemessene Story. Monströs hingegen ist das, was uns der SF-Autor Stephen Baxter in „Der Masse-Regulierer“ zumutet, der mit H. G. Wells eine neckische Nebenfigur einführt. Kaum weniger schlimm ist die Folgegeschichte von Peter Crowther. „Gottes Fingerabdruck“ ist eine Redewendung, die heute etwas aus der Mode gekommen ist und auch mir ungeläufig war. Aber hier gehen Aberglauben, religiöser Fanatismus und schiere, existentielle Verzweiflung eine entsetzliche Verbindung ein, die den Leser grausen lässt…

Der letzte Teil, „Die letzten Jahre“ überschrieben, liefert uns fünf weitere Ge­schichten, von denen diejenige, die sich direkt an die Originalkanon-Geschichte „Das Musgrave-Ritual“3 anschließt (und sogar am selben Ort spielt, auch wenn dabei ein Ort namens „Baskerville“ (!) erwähnt wird) sowie die lange Erzählung über den „bulgarischen Diplomaten“ besonders hervorzuheben sind. Das Glanzstück scheint mir aber für diese letzte Ebene die ungemein phantastische Story „Das Rätsel des Warwickshire-Wirbels“ von F. Gywnplaine McIntyre zu sein, die es verdient, ein wenig genauer referiert zu werden:

Im Jahre 1875 verschwand der Geschäftsmann James Phillimore, als er in sein Haus zurückkehrte, um seinen Regenschirm zu holen. Alles, was von ihm blieb, waren ein paar Abdrücke seiner Schuhe im Fußboden des Foyers, die allerdings halbiert waren von einem sechs Fuß durchmessenden rußgeschwärzten Kreis, sowie ein paar säuberlich zertrennte Stücke seines Regenschirms. Das Ver­schwinden konnte Sherlock Holmes niemals aufklären. Als er mit Dr. Watson aufgefordert wird, im Jahre 1906 in das von einem Erdbeben verwüstete San Francisco zu kommen und diesem Ansinnen nachkommt, machen sie einen Zwi­schenstopp in New York. Aus lauter Langeweile folgt Holmes hier seinem Freund in ein Lichtspieltheater, wo der neue Kinematograph vorgeführt wird. Und zu Holmes unglaublichem Erstaunen taucht mitten auf der Leinwand eine ihm wohlvertraute Gestalt auf: James Phillimore, genauso aussehend wie zum Zeitpunkt seines Verschwindens vor 30 Jahren. Er lächelt in die Kamera – und ist im nächsten Augenblick spurlos verschwunden. Holmes nimmt voller Elan die Fährte auf – doch wie dieser faszinierende Fall gelöst wird, muss man wirklich selbst lesen. Hier kann der Rezensent nur beeindruckt den Hut ziehen…

Abgerundet von einer vielleicht nicht erschöpfenden, aber in jedem Fall höchst beeindruckenden Chronologie, die die Fälle des Originalkanons wie auch jene in diesem Buch in eine einheitliche zeitliche Reihenfolge bringt, erweist sich dieses Werk als ein in höchstem Maße empfehlenswertes Lesevergnügen, das man sich als wahrer Holmes-Fan oder auch als Fan von faszinierenden Kriminalge­schichten aus der viktorianischen Zeit nicht entgehen lassen sollte. Es empfiehlt sich allerdings, um einen Teil der Anspielungen nachvollziehen zu können, die Geschichten des Originalkanons inklusive der Romane zuvor gelesen zu haben. Ich denke, man kann aufgrund dieser Geschichten gut zum Holmes-Fan werden, wenn man es nicht zuvor schon war…

© by Uwe Lammers, 2006

Nun, ich denke, da ist der Mund hinreichend wässrig gemacht worden. Macht euch auf die Jagd, meine Freunde, am besten mit dem alten Holmes-Schlacht­ruf an seinen Kompagnon Watson: „Watson, die Jagd ist auf!“

Soviel für heute.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. dazu Arthur Conan Doyle: „Das leere Haus“ (1903, die Story spielt im Februar 1894).

2 Vgl. dazu Arthur Conan Doyle: „Sein letzter Fall“ (1893, die Story spielt im April/Mai 1891).

3 Vgl. dazu Arthur Conan Doyle: „Das Musgrave-Ritual“ (1893, die Story spielt etwa 1878).